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Irak am 1463sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Präsident Bush betont Siegeswillen - Im sechsten Jahr des
Irak-Kriegs 4.000 tote US-Soldaten
Di.25.03.08 - US-Präsident George Bush hat die Hoffnung geäußert,
dass die 4000 toten US-Soldaten im Irakkrieg nicht vergeblich gestorben
sind. Er werde alles tun, «um sicherzustellen, dass diese
Menschenleben nicht vergebens verloren wurden», sagte Bush am
Montag in Washington.
Zugleich versicherte er, dass die USA an ihrer Strategie festhalten,
«den Sieg zu erringen». Bush nannte aber nicht
ausdrücklich die Zahl von 4000 toten Soldaten und bezog sich auch
auf zivile Opfer. Ziel des Irakeinsatzes sei weiterhin, dass
«Amerika sicherer wird und dass diese jungen Demokratien
überleben» und dass der Frieden eine Chance habe, fügte
er hinzu.
Nach erneuten Todesopfern am Wochenende kommt der unabhängige
Onlinedienst casualties.org
in seinen Berechnungen zu dem Schluss, dass seit dem Einmarsch der USA
im Irak am 20. März 2003 insgesamt 4000 US-Soldaten ihr Leben
ließen. Genaue Angaben über zivile Opfer im Irak gab es
nicht. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen und Ärzten
sind in den fünf Jahren mindestens 60 000, möglicherweise
aber auch bis zu 600 000 Iraker getötet worden.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 25.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am neunhundertneunundneunzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Präsidentenwahl in Libanon erneut verschoben --
Hisbollah-Führer: Gespräche mit Israel gehen weiter -- Fatah
und Hamas streiten nach Versöhnungsabkommen weiter
Di.25.03.08 - Libanon bleibt weiter ohne Staatspräsident: Die für Dienstag
geplante Wahl wurde auf den 22. April verschoben, weil die beiden
politischen Lager ihren Streit über die Machtverteilung in der
Regierung immer noch nicht beilegen konnten. Das Amt des
Staatspräsidenten ist seit dem 23. November 2007 vakant. Es war
jetzt das 17. Mal, dass die Wahl im Parlament verschoben wurde.
Die Entscheidung zur neuerlichen Verschiebung wurde am Montag von
Parlamentspräsident Nabih Berri getroffen. Die prowestliche
Parlamentsmehrheit und das prosyrische Lager um die schiitische Partei
Hisbollah haben sich zwar auf General Michel Suleiman als
Kompromisskandidat für das Amt des Staatspräsidenten
verständigt. Die Opposition verlangt aber eine Beteiligung am
Kabinett und ein Veto-Recht bei Entscheidungen der Regierung. Beides
wird von Ministerpräsident Fuad Siniora entschieden abgelehnt.
Der mit der Opposition verbundene Parlamentspräsident Berri regte
am Sonntag in einem Interview des Fernsehsenders Al Dschadid an, dass
sich die rivalisierenden Fraktionen im April zu einer Konferenz treffen
sollten. Als Ziele nannte er die Bildung einer Regierung der nationalen
Einheit und ein neues Wahlrecht. Die von den USA unterstützte
Parlamentsmehrheit in Beirut hat Syrien vorgeworfen, die
Präsidentenwahl zu blockieren.
Hisbollah-Führer Sheik Hassan Nasrallah sagte am Montag auf einer
Massenkundgebung in Beirut, er erwarte in naher Zukunft keinen Angriff
von Israel auf den Libanon. «Ein israelischer Krieg ist kein
Picknick mehr», sagte Nasrallah auf der Veranstaltung zum Ende
der 40-Tage-Trauer um den Hisbollah-Kommandeur Imad Mughnijeh, der im
Februar bei der Explosion einer Bombe in Damaskus getötet wurde.
Die Hisbollah macht Israel für die Tat verantwortlich. Nasrallah
drohte zwar erneut mit Rache, sagte aber auch, dass der Anschlag die
Gespräche mit Israel über einen Gefangenenaustausch nicht
beeinträchtigt habe.
Zwischen den rivalisierenden Palästinenser-Gruppen Fatah und Hamas
zeichnet sich auch nach einem neuen Versöhnungsabkommen keine
deutliche Annäherung ab.
Nur wenige Stunden nach Unterzeichnung des Vertrags in Jemens
Hauptstadt Sanaa stritten sich beide Seiten bereits wieder über
die Umsetzung des Plans. Die USA bezweifelten einen Erfolg der
Initiative, weil sich die radikal-islamische Hamas weiterhin zentralen
Forderungen der Fatah widersetze. Dazu zählt vor allem eine
Übergabe der Macht im Gazastreifen.
Die Extremisten-Organisation Al-Kaida rief unterdessen Muslime in aller
Welt zu Vergeltungsanschlägen wegen israelischer
Militärangriffe im Gazastreifen auf. Ungeachtet dessen tötete
Israel in dem Küstenstreifen am Montag einen Palästinenser.
Nach Monaten der Gewalt hatten Fatah und Hamas am Sonntag ein
Versöhnungsabkommen unterzeichnet, das neue Gespräche
über die Zukunft des Gazastreifens und des Westjordanlandes
vorsieht. Die israel-feindliche Hamas hatte im Juni im Gazastreifen die
Macht an sich gerissen; das Westjordanland ist seitdem unter der
Kontrolle der Fatah von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas.
Der Yemen hatte die Konfliktparteien in der vergangenen Woche als
Vermittler an einen Tisch gebracht. Dabei hatte es wiederholt nach
einem scheitern der Gespräche ausgesehen.
Ziel der jemenitischen Initiative ist es, zur Ausgangslage in den
Palästinensergebieten zurückzukehren, bevor die Kämpfe
im Gazastreifen im vergangenen Jahr beide Seiten entzweiten. Die
Erklärung wurde vom obersten Hamas-Verhandlungsführer Mussa
Abu Marsuk und dem hochrangigen Fatah-Vertreter Assam al-Ahmed
unterzeichnet. Darin wird die "Einheit des palästinensischen
Volkes, Territoriums und der Behörden" unterstrichen. Die
nächsten Gespräche sind nach Hamas-Angaben für den 5.
April in den Palästinensergebieten vorgesehen.
Ob es dazu kommen wird, scheint aber fraglich. Die von der Fatah
geführte palästinensische Präsidentschaft erklärte
in einer ersten Stellungnahme, jetzt müsse es in erster Linie um
die tatsächliche Umsetuzung der Inhalte des Vertrags gehen. Ein
Dialog um seiner selbst willen führe nicht zum Ziel. Daher
müsse sich die Hamas dazu bereit erklären, die Macht im
Gazastreifen abzugeben. Ein Hamas-Sprecher lehnte die Forderung ab und
warf der Fatah vor, nur auf dem Papier einer Aussöhnung zugestimmt
zu haben.
US-Vizepräsident Dick Cheney sagte nach einem Treffen mit Abbas
während seines dreitägigen Nahostaufenthalts, er rechne nicht
mit einer Aussöhnung zwischen Fatah und Hamas. Zugleich forderte
er Israelis und Palästinenser zu Zugeständnissen auf.
Ansonsten sei weder ein palästinensischer Staat noch Sicherheit
für Israel zu erreichen. Abbas wiederholte seine Forderung an die
Hamas, die Raketenangriffe auf Israel einzustellen. Zugleich warf er
Israel vor, durch den Ausbau seiner Siedlungen im Westjordanland den
Weg zum Frieden zu blockieren.
Bei einem Zwischenfall am Grenzzaun zwischen Israel und dem
Gazastreifen erschossen Soldaten nach Angaben von Sanitätern einen
unbewaffneten Palästinenser und verletzten einen weiteren. Es habe
sich um zwei Zivilisten gehandelt. Ein Sprecher der israelische Armee
konnte zunächst keine näheren Angaben machen.
boa (Quellen: ap, rtr)
Angebliches El-Kaida-Band fordert neue Attentate
Di.25.03.08 - Der zweite Mann an der Spitze des Terrornetzes El Kaida, Eiman
al-Sawahiri, soll die Muslime zu Selbstmordanschlägen auf westliche
Ziele aufgefordert haben.
In einer Audiobotschaft, die von dem Ägypter stammen soll, und die
in der Nacht zum Montag auf einer Islamisten-Website veröffentlicht
wurde, heißt es: «Demonstrationen sind
Energieverschwendung, jetzt ist es an der Zeit, zur Tat zu
schreiten.» Die Anschläge auf «die Interessen der Juden
und der Amerikaner und aller anderen, die teilnehmen am Kampf gegen die
Muslime», dienten letztlich auch der Verteidigung der
Palästinenser im Gazastreifen.
Der Sprecher auf dem Tonband warf mehreren arabischen Staatschefs vor,
sie hätten sich einer «Allianz des Teufels» mit Israel
und den USA angeschlossen. Namentlich nannte er, den ägyptischen
Präsidenten Husni Mubarak, König Abdullah von Saudi-Arabien
sowie König Abdullah II. von Jordanien.
«Lasst uns ihre Interessen überall angreifen (...) und ihnen
zeigen, dass jeder Dollar, der für das Töten der Muslime
ausgegeben wird, mit vergossenem Blut zurückgegeben wird»,
heißt es nach CNN- Angaben in der Audiobotschaft. Ob es sich
tatsächlich um die Stimme Al-Sawahiris handelt, konnte
zunächst nicht eindeutig geklärt werden.
Auf dem Band findet sich auch ein Hinweis darauf, dass es der
El-Kaida-Spitze derzeit wohl eher um die «ideologische
Aufrüstung» islamischer Fanatiker in aller Welt geht als um
die konkrete Planung eigener Anschläge. Denn in der Botschaft
heißt es: «Wählt die Ziele aus, sammelt Geld, bringt
die Waffen in Stellung, dann plant mit Präzision und greift an, im
Vertrauen auf Gott, in Erwartung des Märtyrertodes und des
Paradieses.»
Erst in der vergangenen Woche hatte El-Kaida-Chef Osama bin Laden in
einer Audiobotschaft zu einer «Befreiung» des Gazastreifens
von israelischer Blockade aufgerufen. Palästina sei den Muslimen
von den Christen und Juden mit Waffengewalt entrissen worden, «und
das ist auch der einzige Weg, auf dem wir es zurückerlangen
können», sagte Bin Laden in der vom arabischen
Nachrichtensender Al-Dschasira ausgestrahlten Botschaft.
Genau wie Bin Laden, so nahm auch Al-Sawahiri Bezug auf die
dänischen Mohammed-Karikaturen. Auf dem Al-Sawahiri zugeschriebenen
Band heißt es dazu: «Sie werden unseren Propheten
künftig nicht mehr verachten und beschimpfen können.»
(Quelle: dpa)
Fünf Minenräumer im Norden Afghanistans getötet
Di.25.03.08 - Bei einem Überfall auf Mitarbeiter einer
Minenräumorganisation im relativ ruhigen Norden Afghanistans sind
fünf Menschen getötet worden. Sieben weitere wurden verletzt.
Die nichtstaatliche Organisation ATC teilte mit, Unbekannte hätten
den Fahrzeugkonvoi beschossen. Er war auf dem Rückweg ins
Basislager. Die Afghanen waren im Auftrag der UNO unterwegs.
(Quelle: dpa)
Pakistan: Yousaf Raza Gilani zum neuen Ministerpräsidenten
gewählt
Di.25.03.08 - Mit der Wahl eines neuen Ministerpräsidenten und der Freilassung
von inhaftierten Richtern schreitet die Normalisierung in Pakistan
weiter voran. Das Parlament wählte am Montag den ehemaligen
Parlamentspräsidenten Yousaf Raza Gilani zum
Ministerpräsidenten. Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte
noch am gleichen Tag eine Anweisung, alle von Staatschef Pervez
Musharraf abgesetzten Richter sofort freizulassen.
Gilani wurde von der Volkspartei (PPP) der ermordeten
Oppositionsführerin Benazir Bhutto nominiert. Der langjährige
enge Mitarbeiter Bhuttos wurde mit 264 zu 42 Stimmen gewählt. Er
erhielt auch die Unterstützung der Pakistanischen Muslimliga
(PML-N) des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif.
Der neue Ministerpräsident soll am Dienstag von Musharraf
vereidigt werden. In seiner Antrittsrede sagte Gilani, sein erster
Schritt werde sein, sich für eine UN-Untersuchung zum Tod von
Bhutto einzusetzen. «Die Demokratie ist durch das Opfer von
Benazir Bhutto wiederbelebt worden», sagte der 55-Jährige.
Die bei der Parlamentswahl vom 18. Februar siegreiche PPP wird in der
neuen Regierung mit der PML-N zusammenarbeiten. Der starke Mann im
Hintergrund bleibt jedoch Asif Ali Zardari, der Witwer Bhuttos, der die
PPP offiziell gemeinsam mit seinem 19-jährigen Sohn führt.
Zardari wurden Ambitionen auf das Amt des Regierungschefs nachgesagt,
er hat jedoch kein Parlamentsmandat. Nur Abgeordnete können das
Amt des Regierungschefs ausüben. Beobachter vermuteten, Zardari
könne schon im Sommer bei einer Nachwahl ein Parlamentsmandat
erringen und dann Gilani nachfolgen. Zardari war bereits Minister in
der Regierung Bhuttos.
Freigelassen wurde am Sonntag auch der ehemalige Oberste Richter
Iftikhar Mohammed Chaudhry, der nach Ausrufung des Ausnahmezustands im
November 2007 festgenommen worden war. Der Intimfeind Musharrafs wurde
von seinen Anhängern mit Rosenblättern gefeiert. Musharraf
hatte insgesamt 60 Richter ins Gefängnis werfen lassen, von denen
die meisten bereits in den vergangenen Wochen freigelassen wurden.
Musharraf begrüßte am Sonntag den Beginn einer «neuen
Ära wahrer Demokratie». Er sagte am pakistanischen
Nationalfeiertag, die vor acht Jahren begonnene Reise zu Demokratie und
Entwicklung erreiche jetzt ihr Ziel. Der Präsident nahm in
Islamabad eine Militärparade ab, auf der Raketen gezeigt wurden,
während Hubschrauber und Kampfjets über die Stadt flogen.
«Ich hoffe, die neue Regierung kann den Frieden und die schnelle
sozio-ökonomische Entwicklung in Pakistan erhalten», sagte
Musharraf. Er hoffe, dass der Kampf gegen Terrorismus und Extremismus
fortgesetzt werde.
(Quelle: ap)
Dutzende Verletzte bei Anschlag auf 36 Tankwagen in Pakistan
Di.25.03.08 - Bei einem Anschlag auf Tankwagen mit Treibstoff für die
US-geführten und die NATO-Truppen in Afghanistan sind in Pakistan
bis zu 65 Menschen verletzt worden. In Landikotal im Stammesgebiet
Khyber an der Grenze zu Afghanistan sei ein selbst gebauter Sprengsatz
an einem der abgestellten Tankwagen angebracht worden und habe am
Sonntagabend in einer Kettenreaktion insgesamt 36 Tankwagen
vollständig zerstört, sagte ein Vertreter der
Sicherheitskräfte. Durch die Explosion und den dadurch entstandenen
riesigen Brand seien bis zu 65 Menschen verletzt worden. Zwölf
Menschen erlitten demnach schwere Brandverletzungen.
"Wir glauben, dass den Taliban nahestehende Kämpfer hinter dem
Anschlag stecken", sagte der Vertreter der Sicherheitskräfte
weiter. Zunächst bekannte sich jedoch niemand zu der Tat. In
Landikotal waren den Angaben zufolge zur Tatzeit insgesamt mehr als 80
Tankwagen geparkt. Sie sollten die US-geführten Koalitionstruppen
sowie die NATO-Soldaten in Afghanistan mit Treibstoff versorgen.
(Quelle: afp)
Ausnahmezustand in Osttimor um weiteren Monat verlängert
Di.25.03.08 - Sechs Wochen nach dem Putschversuch auf Osttimor ist der
Ausnahmezustand um einen weiteren Monat verlängert worden. Das
Parlament in Dili stimmte am Sonntag einem entsprechenden Antrag des
amtierenden Präsidenten Fernando Lasama de Araujo zu. Damit besteht
weiterhin ein nächtliches Ausgehverbot, Kundgebungen und
Demonstrationen bleiben verboten.
Bei dem Putschversuch vom 11. Februar wurden Mordanschläge auf
Präsident Jose Ramos-Horta und Ministerpräsident Xanana Gusmao
verübt. Letzterer blieb unverletzt, doch Ramos-Horta erlitt einen
Bauchschuss und schwebte längere Zeit in Lebensgefahr. Erst vor
wenigen Tagen wurde er aus dem australischen Krankenhaus entlassen,
wohin er zur medizinischen Behandlung ausgeflogen worden war. Nun erholt
er sich noch eine Weile in Australien.
Verantwortlich für die Anschläge waren seinerzeit
abtrünnige Soldaten unter Rebellenführer Alfredo Reinado,
einem ehemaligen Chef der Militärpolizei. Dieser wurde
getötet, auch ein Wachmann kam ums Leben.
(Quelle: ap)
Royalisten gewinnen Parlamentswahl in Bhutan
Di.25.03.08 - Die erste Parlamentswahl im Himalaya-Königreich Bhutan hat am
Montag den Royalisten einen erdrutschartigen Sieg beschert. Die
Bhutanischen Partei für Frieden und Wohlstand (Druk Phuensum
Tshogpa) gewann 44 der 47 Sitze, wie die Wahlkommission mitteilte. Die
Volksdemokratische Partei kam nur auf drei Mandate Die Wahlbeteiligung
lag bei 79 Prozent. Wahlberechtigt waren rund 320.000 Menschen.
Die Unterschiede zwischen beiden Parteien sind nicht groß, die
siegreiche Bhutanischen Partei für Frieden und Wohlstand galt aber
als die royalistischere von beiden. Dies spiegelt vielleicht auch die
Vorbehalte der Menschen in Bhutan gegenüber der Demokratie wider.
Der König der abgeschiedenen Region hatte die Abstimmung
angeordnet, obwohl seine Untertanen der Demokratie kritisch
gegenüberstehen. Nach seinem Willen ist die Zeit der absoluten
Monarchie jedoch vorbei.
Der 28 Jahre alte König Jigme Khesar Namgyal Wangchuk wird auch
nach der Wahl Staatsoberhaupt bleiben und beträchtlichen Einfluss
auf die Geschicke Bhutans haben. Die Entscheidungen fällt dann
jedoch die neue Regierung. Rund 600.000 Menschen leben in Bhutan.
(Quelle: ap)
Tibet-Proteste bei Start von Olympischem Fackellauf -- IOC verteidigt
Olympia in Peking - besorgt über Tibet -- Deutscher Olympischer
Sportbund bekräftigt Nein zu Boykott
Di.25.03.08 - Begleitet von Protesten gegen das harte Vorgehen Chinas in Tibet ist am
Montag in Griechenland das Olympische Feuer für die Spiele in
Peking entzündet worden.
Trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen im antiken Stadion von Olympia
gelangte ein Demonstrant bis zum Podium, wo Chinas Olympia-Chef Liu Qi
gerade seine Rede hielt. Bevor er ein Transparent mit fünf
Handschellen in Anordnung der Olympischen Ringe entrollen konnte, wurde
er aber abgeführt. Auch beim anschließenden Fackellauf gab
es Proteste, wobei es vereinzelt zu schweren Handgreiflichkeiten kam.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verteidigte die Vergabe der
Spiele an Peking, zeigte sich aber besorgt über die Lage in Tibet.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) lehnt einen Boykott ab.
"Die Olympischen Spiele werden den Menschen in China und der ganzen
Welt Licht und Freude, Frieden und Freundschaft sowie Hoffnung und
Träume bringen", sagte Chinas Olympia-Chef Liu, der sich von den
Protesten unbeeindruckt zeigte. Die Fernsehbilder, die unter IOC-Regie
ausgestrahlt wurden, ließen den Schluss zu, dass das Komitee den
Protest möglichst ausblenden wollte. So wechselte die Regie beim
Erscheinen des Demonstranten in der Nähe des Podiums sofort in
eine andere Perspektive.
Die Polizei teilte kurz darauf mit, bei dem Mann handele es sich um
einen 48-jährigen Tibeter. Insgesamt durchbrachen drei Männer
die dichten Polizeiabsperrungen. Weitere 25 Personen hätten
versucht, in das Innere des Stadions zu gelangen. Drei Männer
seien festgenommen worden und würden der Störung der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung angeklagt.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen teilte mit, drei ihrer
Mitglieder hätten versucht, gegen die Spiele in China zu
demonstrieren. "Wenn das Olympische Feuer geopfert wird, werden die
Menschenrechte erst recht geopfert", erklärte die Organisation,
die vor allem für die Pressefreiheit eintritt.
Auch der anschließende Fackellauf wurde kurz durch einige
Demonstranten gestört, die sich vor den Begleitkonvoi legten.
Andere trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Free Tibet", und ein
großes Transparent hing an einem Haus in Olympia. Fernsehbilder
zeigten zudem, wie einem Demonstranten von zwei anderen Männern
ein Transparent entrissen wurde. Anschließend traten die
Männer den Aktivisten und zwangen ihn auf den Boden, wo er - auf
dem Bauch liegend - von einem der Männer weiter geschlagen wurde.
In Tibets Hauptstadt Lhasa waren Proteste gegen Chinas Herrschaft
über die Region vor zwei Wochen in Gewalt umgeschlagen. Dabei
starben nach offiziellen chinesischen Angaben ein Polizist und 18
Zivilisten, Tibets Exil-Regierung spricht dagegen seit Montag von 130
Toten durch das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte. Pekings
Umgang mit den Demonstranten hat im Westen vereinzelt Debatten
über einen Olympia-Boykott ausgelöst und Kritik an der
IOC-Entscheidung für Peking laut werden lassen.
Das IOC verteidigte die Wahl bei der Fackel-Zeremonie am Montag erneut,
zeigte sich aber besorgt über die Lage in Tibet: "Wir glauben,
dass die Spiele ein hervorragender Katalysator für den Wandel
sind", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge in Olympia.
Schließlich werde China durch die Olympiade in dem Mittelpunkt
des Medieninteresses gerückt. Die Spiele könnten aber nicht
in einer Atmosphäre der Gewalt stattfinden. "Wir sind besorgt
über das, was in Tibet passiert." Er hoffe, dass das Olympische
Feuer überall anerkannt werde.
Der Fackellauf soll auch durch Tibet und über den Mount Everest
gehen, bevor am 8. August die Sommerspiele in Peking offiziell
eröffnet werden. In dieser Woche will das Europa-Parlament
über das weitere Vorgehen debattieren, obwohl sich die EU bisher
gegen einen Boykott ausgesprochen hat.
Der Deutsche Olympische Sportbund erklärte am Montag in Frankfurt,
nach Abwägung aller Argumente werde er eine Mannschaft zu den
Olympischen Spielen entsenden. Der Dalai Lama, UN-Generalsekretär
Ban Ki Moon, die Bundesregierung und Menschenrechtsorganisationen wie
amnesty international hätten sich gegen einen Olympia-Boykott
ausgesprochen.
(Quelle: rtr)
Globale Kreditmarktkrise: Brown und Sarkozy wollen Banken zu mehr
Offenheit bewegen
Di.25.03.08 - Vor dem Hintergrund der globalen Kreditmarktkrise wollen der britische
Premierminister Gordon Brown und Frankreichs Präsident Nicolas
Sarkozy Banken dazu auffordern, ihre aufgelaufenen Abschreibungen
sofort und umfassend offenzulegen.
Eine entsprechende Erklärung wollten beide Politiker am Donnerstag
während eines Besuchs von Sarkozy in Großbritannien
veröffentlichen, teilte Browns Büro am Osterwochenende mit.
Beide seien zunehmend besorgt darüber, dass das Vertrauen in die
Finanzmärkte Schaden nehmen könnte, weil das Ausmaß an
faulen Krediten in den Büchern der Banken weiter unklar sei. Die
Politiker wollen zudem weitere Gespräche mit den USA und anderen
Staaten aufnehmen, um nach Wegen für eine größere
Transparenz der Finanzmärkte zu beraten.
Seit November haben Banken in den USA und Europa Abschreibungen in
Höhe von 125 Milliarden Dollar vorgenommen. Bislang ist es den
Zentralbanken und Regierungen nicht gelungen, die Wogen an den
Finanzmärkten zu glätten. Der IWF schätzt, dass durch
die Krise ein Gesamtschaden von rund 800 Milliarden Dollar entstehen
könnte. Innenpolitisch hat die Kreditmarktkrise das Ansehen von
Brown als versierten Wirtschaftsexperten beschädigt und der
Opposition geholfen, ihren Vorsprung in Umfragen auszuweiten.
Auf der politischen Agenda wollen Brown und Sarkozy vor allem ihre
Forderung nach einer Reform des UN-Sicherheitsrats bekräftigen.
Dabei soll vor allem Afrika einen ständigen Sitz im höchsten
Gremium der Vereinten Nationen erhalten. Deutschland strebt im Rahmen
der UN-Reform ebenfalls einen ständigen Sitz an.
(Quelle: ap)
Finanzkrise kostete Wall Street bislang 34 000 Arbeitsplätze -
Zahl könnte auf mehr als 100 000 steigen -- Bisher Abschreibungen
von mehr als 200 Milliarden Dollar
Di.25.03.08 - Die Banken der Wall Street haben wegen der Finanzkrise bislang mehr als
34 000 Jobs gestrichen. Die Zahl könnte mittelfristig sogar auf
mehr als 100 000 steigen, berichtete der Finanzdatenanbieter Bloomberg
am Montag in New York unter Berufung auf Experten.
Der Stellenabbau wäre damit gravierender als nach dem Platzen der
Internet-Blase im Jahr 2001. Damals verloren binnen mehrerer Jahre rund
90 000 Beschäftigte ihren Job.
Die bislang meisten Stellen strich Bloomberg zufolge der von der Krise
besonders betroffene Finanzkonzern Citigroup. Hier fielen bereits 6 300
Arbeitsplätze weg. Die Investmentbank Lehman Brothers baute knapp
5 000 Jobs ab. Die zu den größten US-Instituten
zählende Bank of America strich 3 650 Stellen. Allein die
fünf größten US- Investmentbanken bauten seit dem
verschärften Ausbruch der Krise im Sommer insgesamt mehr als 13
000 Arbeitsplätze ab.
Die großen Finanzhäuser weltweit mussten durch die
Finanzkrise bislang Abschreibungen von mehr als 200 Milliarden Dollar
(130 Mrd Euro) hinnehmen. Experten rechnen mit weiteren Wertverlusten
in Milliardenhöhe. Mit Spannung werden ab Anfang April die Zahlen
der US-Großbanken für das erste Quartal erwartet. Wenig
später folgen die europäischen Finanzinstitute.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Kirchen und Verbände warnen vor Folgen der Finanzkrise
Di.25.03.08 - Führende Vertreter von Kirchen, Sozialverbänden und Politik
haben vor einem Auseinanderfallen der Gesellschaft durch die
Finanzkrise und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich gewarnt.
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx sprach von einer
bedrohlichen Krise. Nötig sei eine Ordnungspolitik für die
Weltwirtschaft, die einen ausufernden Kapitalismus im Zaum halte, sagte
er der "Bild am Sonntag". Auch angesichts der immer größeren
Unterschiede zwischen Arm und Reich sei die Lage angespannt.
Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte, es gehe längst um
mehr als eine vorübergehende Schlechtwetterfront. Es gehe um ein
gravierendes gesellschaftliches Problem, um die Akzeptanz der sozialen
Marktwirtschaft.
Marx forderte, Manager, Politiker und führende Kirchenvertreter
müssten Vorbilder sein. So dürften Manager nicht nur auf die
Börsennotierungen und ihre eigenen Erfolgsbeteiligungen schielen.
Der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale
Fragen der Deutschen Bischofskonferenz verlangte auch eine bessere
Bezahlung in den unteren Lohngruppen. "Wir müssen Löhne
haben, von denen die Menschen anständig leben können." Aus
Gerechtigkeitsgründen müsse ein Erwerbstätiger zwar mehr
erhalten als ein Arbeitsloser. Allerdings müsse der Staat einem
Empfänger von Arbeitslosengeld II aber auch so viel geben, dass er
seine Kinder anständig ernähren könne, forderte Marx.
Der Aufschwung habe nicht nur Arbeitsplätze gebracht. In der
Mittelschicht nehme die Angst vor Abstieg zu. Viele Jugendliche ohne
Ausbildung gerieten fast automatisch in prekäre Lebenslagen. "Die
Situation ist durchaus angespannt", resümierte der Erzbischof.
Auch der Präsident des Deutschen Caritasverbandes sprach von einer
zunehmenden tiefen Verunsicherung in der Gesellschaft. Jeder Zehnte in
Deutschland könne nicht mehr aus eigener Kraft seinen
Lebensunterhalt verdienen, sagte Peter Neher dem "Tagesspiegel am
Sonntag". "Oft hängt damit ein Verlust des Selbstwertgefühls
und ein Gefühl der Ohnmacht zusammen."
Daran erinnerte auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche,
Bischof Wolfgang Huber, in seiner Osterbotschaft. Viele Menschen
könnten mit Minilöhnen weder sich selbst noch ihre Familien
ernähren, und zahlreiche Hartz-IV-Empfänger hätten das
Gefühl, ihr Leben sei nichts mehr wert, beklagte er.
Lammert sagte, immer mehr Menschen gingen zu Wirtschaft und Politik auf
Distanz. "Die große Gefahr dabei ist, dass nicht nur einzelne
Wirtschaftsführer oder Politiker ihre Glaubwürdigkeit
verspielen, sondern das ganze System letztlich keine Akzeptanz mehr
findet", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung".
(Quelle: rtr)
Gesamtmetall warnt: Finanzkrise kann Konjunktur bremsen --
Kannegiesser für staatliche Eingriffe
Di.25.03.08 - Wegen der Finanzkrise befürchten die Metall-Arbeitgeber eine
zurückhaltendere Kreditvergabe der Banken und einen Dämpfer
für das deutsche Wirtschaftswachstum.
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin
Kannegiesser, sprach von einer äußerst ungemütlichen
Lage. "Die Banken tun sich schwerer, den Firmen Kredite für
Investitionen zu geben. Das kann in jedem Fall Wachstum kosten", sagte
er der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe). "Die Krise kann für alle
gefährlich werden, weil Geld zunächst knapp wird und
Vertrauen fehlt."
Kannegiesser sprach sich für staatliche Eingriffe aus, sollte sich
die Situation weiter verschärfen. Er plädiere für eine
konzertierte Aktion der Regierungen, damit die Finanzkrise nicht noch
stärker auf andere Branchen übergreife. Dies tue er aber "mit
der Faust in der Tasche", sagte er mit Blick auf die Bankmanager. "Die
Leute, die sich jetzt verzockt haben, haben uns noch vor kurzem mit
ihrem Risikomanagement geschulmeistert."
Widerspruch kam vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).
"Auch wenn einzelne Kreditinstitute Probleme haben, steht das deutsche
Bankensystem immer noch auf solidem Fundament", sagte
DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun dem "Handelsblatt"
(Dienstagausgabe). Von einer Kreditklemme könne deshalb keine Rede
sein. "Vor diesem Hintergrund warne ich davor, hierzulande den
vereinzelten Rufen nach staatlichen Hauruck-Aktionen zu folgen." Auch
der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton
Börner, betonte, ein Investitionsstopp sei nicht zu
befürchten.
(Quelle: rtr)
Arbeitgeberpräsident mahnt moderate Tarifabschlüsse an
Di.25.03.08 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat vor zu hohen
Tarifforderungen gewarnt. Hundt sagte der Nachrichtenagentur ddp, die
Krise der Finanzmärkte sei noch lange nicht überstanden. Dies
mache «eine Bewertung der konjunkturellen Entwicklung
schwierig». Hinzu kämen «hohe Energiepreise, die
erhebliche Belastungen für die Unternehmen nach sich ziehen».
Der Arbeitgeberpräsident fügte hinzu: «Daher ist es
wichtig, dass die Tarifparteien den erfolgreichen Kurs der moderaten
Tarifpolitik fortsetzen.» Dies sei eine Grundlage für
weiteres Wachstum und Beschäftigungsaufbau in Deutschland.
(Quelle: ddp)
SPD und DGB erhöhen Druck auf Union für mehr Mindestlöhne
Di.25.03.08 - Wenige Tage vor Ablauf der Anmeldefrist für neue
Branchen-Mindestlöhne ist der Streit darüber in der Koalition
neu entflammt. SPD-Vize Andrea Nahles und DGB-Chef Michael Sommer
forderten die Union auf, ihren Widerstand gegen vereinbarte
Gesetzesänderungen aufzugeben.
CSU-Chef Erwin Huber lehnte dies ab. Sympathie für
Mindestlöhne ließ auch der Erzbischof von München und
Freising, Reinhard Marx, erkennen.
Bis zum 31. März können Branchen, die einen verbindlichen
Mindestlohn anstreben, sich melden. Da das Bundesarbeitsministerium
sich vor Fristablauf dazu nicht äußern will, ist bislang
unklar, wie viele Branchen einen Antrag stellen werden. Ihr Interesse
bekundet haben bereits die Zeitarbeit, die Forstdienste und die
Weiterbildungsbranche.
«Das strategische Geschiebe beim Mindestlohn muss ein Ende haben.
Die Menschen mit extrem niedrigen Einkommen wollen und brauchen sofort
eine Lösung, damit sie von ihrer Arbeit leben können»,
sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Eine faire und
angemessene Bezahlung sei ein Gebot der Menschenwürde und der
wirtschaftlichen Vernunft.
Bundesregierung und Koalitionsspitzen hatten eine Novellierung von
Entsendegesetz und Mindestarbeitsbedingungen-Gesetz vereinbart. Beide
sind zur Einführung weiterer Branchenmindestlöhne nötig.
Die Entwürfe liegen aber wegen Einwänden von Unionsseite auf
Eis.
«Wir brauchen schnellstmöglich eine Einigung beim
Arbeitnehmer- Entsendegesetz, damit die Tarifvertragsparteien eine
Rechtsgrundlage für die Verhandlungen haben. Wer das Gesetz
verzögert, behindert die Meldungen der Branchen», sagte
Nahles.
CSU-Chef Huber sagte der «Welt am Sonntag», nach seinen
Informationen wollten lediglich das Sicherheitsgewerbe und die
Entsorgungsbranche einen Mindestlohn. «Das zeigt, dass wir keinen
gesetzlich verordneten Mindestlohn brauchen.» Dies gelte speziell
für die Zeitarbeit: Dort seien 100 Prozent der Arbeitnehmer von -
jedoch unterschiedlich hohen - Tarifverträgen erfasst.
Die Gewerkschaften pochen auf existenzsichernde Lohnuntergrenzen und
wollen den Druck auf die Politik dafür verstärken: «Es
ist schon schlimm genug, dass die Union den gesetzlichen Mindestlohn
blockiert», sagte DGB-Chef Sommer der dpa. «Sollte sie
«auch noch branchenbezogene Mindestlöhne unmöglich
machen», werde der DGB sich das «nicht bieten»
lassen». Der DGB fordert eine gesetzlich verankerte
Lohnuntergrenze von 7,50 Euro in der Stunde.
Der neue Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, sagte
der «Bild am Sonntag»: «Wir haben früher nicht
über Mindestlöhne gesprochen, weil wir starke
Tarifvereinbarungen hatten.» Dies gelte aber zunehmend nicht
mehr. «Es zehrt an der Substanz der sozialen Marktwirtschaft,
wenn der Staat die Löhne festlegt. Vielleicht geht es derzeit aber
nicht anders. Wir müssen Löhne haben, von denen die Menschen
anständig leben können.»
(Quelle: dpa)
CSU-Vorstoß zur Pendlerpauschale freut nur Linke und FDP
Di.25.03.08 - Der Vorstoß von CSU-Chef Erwin Huber zur Wiedereinführung
der Pendlerpauschale vom ersten Kilometer an ist bei den anderen
Parteien auf ein unterschiedliches Echo gestoßen.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber sprach am
Sonntagabend in der ARD-«Tagesschau» von
«unerträglichem Populismus». Der CDU-Wirtschaftsexperte
Laurenz Meyer empfahl, zunächst einmal das Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale abzuwarten.
Unterstützung bekam Huber von der FDP und der Linken.
Der Vorschlag zur Wiedereinführung der vollen Pendlerpauschale
gehört zu einem Paket, das der CSU-Chef in die nächste Sitzung
des Koalitionsausschusses Ende April einbringen will. Die große
Koalition hatte die Pendlerpauschale Anfang 2007 eingeschränkt.
Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz können seither nur
noch ab dem 21. Kilometer mit 30 Cent je Kilometer steuerlich abgesetzt
werden. Die Regelung liegt nun dem Verfassungsgericht vor. Zudem
wiederholte Huber die Forderung nach einer Erhöhung von
Kindergeld, Kinderfreibetrag und Kinderzuschlag zum 1. Januar 2009.
Meyer sagte zum Vorstoß des CSU-Vorsitzenden: «Da kommt mir
zur Zeit zu viel an verschiedenen Ausgabewünschen aus allen Ecken
und Enden, was wir möglicherweise gar nicht alles verkraften
können.» Die Bundesregierung dürfe keinesfalls das Ziel
aus den Augen verlieren, «spätestens ab 2011» keine
neuen Schulden mehr zu machen. Der SPD-Politiker Weißgerber sagte
zu Hubers Vorschlägen: «Der kommende Landtagswahlkampf in
Bayern wirft seine Schatten voraus. Das ist Populismus, der ist
eigentlich unerträglich.»
Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau (Linke) unterstellte Huber im
ZDF ebenfalls wahltaktische Überlegungen für die Landtagswahl
Ende September. «Aber davon werden wir unsere Stimme nicht
abhängig machen. Wenn's für die Menschen Entlastung bringt
durch Pendlerpauschale, durch Steuersenkung, durch
Kindergelderhöhung, dann werden wir zustimmen.» Zuvor hatte
auch schon Linke-Chef Oskar Lafontaine Zustimmung signalisiert.
Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms bezeichnete Hubers
Vorschläge als «Forderungen, die die FDP seit Jahren
erhebt». «Die breiten Schichten der Arbeitnehmer und des
kleineren Mittelstands brauchen dringend eine Entlastung, damit sie an
dem Wirtschaftsaufschwung auch teilnehmen können.»
(Quelle: dpa)
CSU-Chef Huber sieht Rentenerhöhung als 'notwendig' an
Di.25.03.08 - Anders als einige CDU-Ministerpräsidenten hat CSU-Chef Erwin Huber
die geplante Anhebung der Renten für 2008 und 2009 verteidigt.
"Die Anpassung der Rentenformel ist nicht ganz unproblematisch, aber im
Ergebnis notwendig", sagte Huber der "Welt am Sonntag". Gerade
Rentnerhaushalte seien von den Preissteigerungen betroffen. "Die
Lebensleistung muss sich auch im Alter abbilden und eine gerechte
Teilhabe ermöglichen", betonte der CSU-Politiker.
Huber stellt sich damit gegen mehrere CDU-Ministerpräsidenten. Der
baden-württembergische Regierungschef Günther Oettinger (CDU)
hatte zuvor gesagt, für ihn sei die Erhöhung noch nicht
entschieden. Der Rentenanstieg dürfe nicht zu steigenden
Beitragssätzen führen. Sein sächsischer Kollege Georg
Milbradt (CDU) sprach im "Spiegel" von einer "Entscheidung zu Lasten
der kommenden Generation".
Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hatte nach einer Einigung mit
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, den Kürzungsfaktor
für die Renten jetzt und im kommenden Bundestagswahljahr 2009
auszusetzen. Zum 1. Juli werden deshalb die Altersbezüge der 20
Millionen Rentner um 1,1 Prozent steigen.
(Quelle: afp)
Krankenkassenbeiträge steigen auf breiter Front
Di.25.03.08 - Die 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Deutschland
müssen sich auf einen weiteren Anstieg der Kassenbeiträge
einstellen. "Ich rechne spätestens zum 1. Juli mit einer neuen
Beitragserhöhungswelle", sagte der Chef der Kaufmännischen
Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, dem "Handelsblatt". Als Gründe
nannte er die schwächere Konjunktur sowie steigende
Gesundheitsausgaben. Auch hätten viele Kassen zum 1. Januar ihre
Beiträge nicht so erhöht, wie es zur Deckung der Ausgaben
erforderlich gewesen wäre.
Kailuweit erwartet bis zum Jahresende einen Anstieg der
Kassenbeiträge auf durchschnittlich 15,3 bis 15,5 Prozent. Zu
Jahresbeginn hatten den Angaben zufolge 63 Kassen ihre Beiträge
angehoben, 17 dagegen ihre Sätze gesenkt. Unter dem Strich stieg
dadurch der Durchschnittsbeitrag aller Kassen um 0,6 Punkte auf 14,82
Prozent.
"Wir haben die Ausgaben nach wie vor nicht im Griff", sagte Kailuweit.
So seien die Arzneimittelausgaben in den ersten beiden Monaten
zweistellig gewachsen. Gleichzeitig drückten die schwächere
Konjunktur, der geringe Anstieg der Renten, die Ausweitung des
Niedriglohnsektors und die nach wie vor hohe Zahl von
Arbeitslosengeld-II-Empfängern auf die Einnahmen.
(Quelle: afp)
Osterpredigten - Kritik an Stammzellenforschung
Di.25.03.08 - In ihren Osterpredigten haben die bayerischen Bischöfe vor einer
Geringschätzung des menschlichen Lebens gewarnt. Insbesondere die
Debatte um die Nutzung embryonaler Stammzellen zu Forschungszwecken
wurde scharf kritisiert. Der neue Erzbischof von München und
Freising, Reinhard Marx, sagte in seiner Predigt am Ostersonntag, es
dürfe von Gott her nicht sein, dass der Mensch zum Material werde.
Vor mehreren Tausend Menschen im überfüllten Münchner
Liebfrauendom fügte Marx hinzu: «Die Kirche sagte sehr
eindeutig und einmütig: Wo menschliches Leben zum Stoff und zur
Materie degradiert wird, wird eine Tür geöffnet, die wir
geschlossen halten müssen.» Dies sei in Deutschland alles
schon einmal geschehen, sagte er mit Blick auf die Verbrechen in der
NS-Zeit. Daher müsse die Kirche «auch die kleinsten
Versuchungen benennen».
Auch der Augsburger Bischof Walter Mixa mahnte die Gläubigen, sich
stärker für den Schutz ungeborenen Lebens einzusetzen. Der
christliche Glaube und die Würde des Menschen als Geschöpf
Gottes verböten es, einen Menschen zu töten, um die
Lebensbedingungen oder die Gesundheit eines anderen Menschen zu
verbessern, sagte Mixa in seiner Osterpredigt. Er betonte: «Als
Christen müssen wir aktiv gegen alle hinterlistigen und
scheinwissenschaftlichen Versuche auftreten, dem Leben seine
Berechtigung zu rauben, die es vom Schöpfer selbst hat.» Der
Passauer Bischof Wilhelm Schraml kritisierte, wer aus dem Osterglauben
heraus lebe, «schließt keine faulen Kompromisse um irdischer
Vorteile willen, wie wir das gegenwärtig etwa in der
Stammzellendebatte erfahren».
Auch der Dialog der Religionen wurde in den Predigten angemahnt. Der
evangelische Landesbischof Johannes Friedrich forderte die Christen zu
Toleranz gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften auf. Niemand
dürfe sich «durch noch so schreckliche Taten verblendeter
Islamisten» davon abbringen lassen, «Muslimen gegenüber
tolerant zu sein», sagte Friedrich am Sonntag in München.
Das heiße aber «nicht, die Forderungen von Islamisten zu
tolerieren».
Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nannte Ostern eine
«Einladung an alle Religionen, den Dialog zu pflegen». Der
Dialog und das gute Miteinander seien unverzichtbar, sagte Schick im
Bamberger Dom. Das gelte vor allem für die Beziehung von Juden und
Christen, die in vielfältiger Weise geistig miteinander verbunden
seien.
Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke forderte zur Hilfe
für die von Gewalt bedrohten Tibeter auf. Christen seien gefordert,
ihre Stimme zu erheben, wenn Menschen durch politische
Unterdrückung der Freiheit beraubt würden wie derzeit in
Tibet, sagte Hanke im Eichstätter Dom. Zugleich zeigte er sich
besorgt über den Umgang der Menschen mit der Umwelt. Die
Schöpfung sei «durch unsere Maßlosigkeit» bedroht.
(Quelle: ddp)
Rund 60.000 Teilnehmer bei diesjährigen Ostermärschen
Di.25.03.08 - Bei den diesjährigen Ostermärschen haben nach
Veranstalterangaben bundesweit rund 60.000 Menschen für Frieden
und Abrüstung demonstriert. Die Zahl der Teilnehmer sei damit
trotz des insgesamt schlechten Wetters im Vergleich zum Vorjahr um etwa
10.000 gestiegen, sagte ein Sprecher der Infostelle Ostermarsch in
Frankfurt am Main. Das rege Interesse sei besonders auf die Diskussion
um den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zurückzuführen.
Weitere Themen der rund 70 Veranstaltungen waren der Irak-Krieg, aber
auch die Lage in Tibet.
Laut der Infostelle Ostermarsch demonstrierten allein am Montag in
Frankfurt am Main rund 2000 Menschen, in Berlin ebenfalls 2000, und in
Hamburg 1000. Der traditionelle Ostermarsch Ruhr hatte am Samstag in
Duisburg begonnen und führte bis Montag nach Dortmund. An einer
Fahrradstafette von Essen nach Bochum nahmen rund hundert Menschen
teil. Die Veranstalter zogen eine durchweg positive Bilanz. Nach 50
Jahren zeigten sich die Proteste gegen Kriegseinsätze und
militärisches Denken als "äußerst lebendige und
notwendige Tradition", erklärte das Netzwerk Friedenskooperative
in Bonn.
Die Ostermarschierer appellierten an den Bundestag, mehr Geld für
den friedlichen Aufbau in Afghanistan als für den Krieg
auszugeben. Menschenrechte ließen sich nur mit friedlichen
Mitteln durchsetzen, wie das massenhafte Sterben im sogenannten
Anti-Terror-Krieg zeige, hieß es in einer Erklärung. "Das
Märchen einer konstruktiven Aufbaurolle der Bundeswehr im Norden
Afghanistans wird durch ständige Wiederholung nicht wahrer",
erklärte der Geschäftsführer des Netzwerkes
Friedenskooperative, Manfred Stenner. Bei mehreren Mahnwachen forderten
Friedensgruppen China zur Einhaltung der Menschenrechte in Tibet auf.
Mit 5000 Teilnehmern gehörte die Demonstration gegen das geplante
"Bombodrom" im brandenburgischen Fretzdorf zu den größten
Veranstaltungen. Hier traten unter anderem Mecklenburg-Vorpommerns
Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) und Brandenburgs
Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) als Redner auf. In dem
Bundesland protestieren Bürgerinitiativen und Gemeinden bereits
seit mehr als 15 Jahren für eine friedliche Nutzung der
Kyritz-Ruppiner Heide. Sie wehren sich gegen die geplante
Wiederinbetriebnahme des einst von sowjetischen Truppen genutzten
Schießplatzes, dem sogenannten Bombodrom. Dessen
militärische Nutzung war Ende Juli 2007 vom Verwaltungsgericht
Potsdam untersagt worden. Die Bundeswehr hat dagegen jedoch Berufung
eingelegt.
(Quelle: afp)
Kritiker des Biosprit-Booms fürchten Hungersnöte
Di.25.03.08 - Der weltweite Biokraftstoffboom bedroht nach Einschätzung von
Fachleuten zunehmend die sichere Versorgung mit Lebensmitteln und
könnte zu neuen Hungersnöten in Entwicklungsländern
führen.
In Ländern wie Indonesien oder Malaysia würden immer mehr
landwirtschaftliche Nutzflächen für den Anbau von
Biotreibstoff- Pflanzen wie Ölpalmen umgewidmet, sagte die
Parlamentarische Staatssekretärin im
Bundesentwicklungsministerium, Karin Kortmann (SPD), der Deutschen
Presse-Agentur dpa. «Die Kosten für Hirse und Weizen sind
dadurch exorbitant gestiegen. Wenn wir nicht umsteuern, dann führt
dies zu ganz neuen Armutszyklen.»
Der Chef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns
Nestlé, Peter Brabeck, warnte in der «NZZ am
Sonntag» ebenfalls vor verheerenden Auswirkungen auf die
Nahrungsmittelproduktion. «Wenn man 20 Prozent des steigenden
Erdölbedarfs mit Biotreibstoffen decken will, wie das geplant ist,
dann gibt's nichts mehr zu essen.» Es sei unverantwortlich und
moralisch inakzeptabel, dass man enorme Subventionen zahle, um aus
Lebensmitteln Biotreibstoff zu machen. «Das ist politischer
Wahnsinn.»
Kortmann verwies auf Untersuchungen des «International Food
Policy Research Institute» in Washington, wonach bei jedem
Prozentpunkt, um den die Nahrungsmittelpreise steigen, zusätzlich
16 Millionen Menschen auf der Welt von Hunger bedroht seien. «Das
macht im Grunde das ganze Ausmaß dessen deutlich, womit wir es zu
tun haben.» In Indonesien würden für den Anbau von
Ölpalmen zum Teil Landflächen enteignet. Derzeit würden
in dem südostasiatischen Land auf einer Fläche von 6
Millionen Hektar Ölpalmen angebaut. Bis 2020 werde diese Zahl nach
Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen auf 20 Millionen
Hektar steigen.
Kortmann kritisierte, die kurzfristige Gewinnmaximierung gehe zu Lasten
der mittel- und langfristigen Ernährungssicherheit der Menschen.
Die angestrebte hohe Beimischungspflicht von Biokraftstoffen
gefährde Überlebensperspektiven für Millionen von
Menschen. «Wir haben im Moment die große Chance, es da zu
regeln, wo es möglich ist, weil die deutsche und europäische
Rechtsprechung noch nicht abgeschlossen ist.»
Laut Brabeck verwenden die USA in diesem Jahr 138 Millionen Tonnen Mais
nur für Biotreibstoff. Diese Menge fehle für die
Lebensmittelproduktion und treibe nicht nur den Preis für Mais,
sondern auch für Soja und Weizen nach oben. Landwirtschaftlicher
Boden werde zum knappen Gut. «Ebenso Wasser, das uns auszugehen
droht.» Für die Produktion eines Liters Bioethanol
würden 4000 Liter Wasser benötigt.
(Quelle: dpa)
Klima
Kälterekorde an Ostern
Di.25.03.08 - Das diesjährige Osterfest war an vielen Orten in Deutschland
das kälteste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. So wurden in
Thüringen mehrere Temperaturrekorde gebrochen, wie der Deutsche
Wetterdienst am Montag mitteilte. In Meiningen fielen die Thermometer
auf minus 8,3 Grad in der Nacht zum Montag, in Neuhaus am Rennweg waren
es sogar minus 9,4 Grad. Bitterkalt war es auch im Harz und im
Schwarzwald: In Schierke registrierten die Meteorologen minus 14,3 und
in Villingen-Schwenningen minus 13,9 Grad.
Auch die Höchsttemperaturen am Ostersonntag waren nach
Einschätzung der Experten rekordverdächtig niedrig. An vielen
Stationen gab es Eistage mit Höchstwerten unter null Grad. Im Harz
waren Maxima unter minus 4 Grad die Regel. In Michelstadt-Vielbrunn im
Odenwald wurde mit minus 1,7 Grad der niedrigste Höchstwert
für seit Messbeginn gemeldet. «Die Reihe der
rekordverdächtigen Temperaturwerte Ostern 2008 ließe sich
noch weiter fortsetzen», sagte der Meteorologe Christoph Hartmann.
(Quelle: ap)