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Irak am 1464sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Al Sadr weitet Kampagne des zivilen Ungehorsams auf gesamten Irak aus.
25 Tote bei schweren Gefechten in südirakischer Ölstadt Basra
- Schiiten-Milizen und Schmugglerbanden bemächtigen sich offenbar der
Kontrolle über das Ölgeschäft. US-Vizepräsident
Cheney sagt Türkei Unterstützung im Kampf gegen PKK im
Nordirak zu
Mi.26.03.08 - Abgeordnete der Bewegung des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada
al Sadr haben am Dienstag die Ausweitung einer Kampagne des zivilen
Ungehorsams von Bagdad auf den gesamten Irak angekündigt. Die
Anhänger Al Sadrs protestieren damit gegen Razzien und Festnahmen,
die sich nach Angaben der irakischer und amerikanischen
Streitkräfte lediglich gegen abtrünnige Kämpfer richten,
die vom Iran unterstützt werden.
«Wir warnen (Ministerpräsident Nuri) al-Maliki und
politische Parteien, die die Sicherheitskräfte infiltriert haben,
dass sie ihre Praxis (der Festnahmen) aufgeben müssen»,
erklärte der Abgeordnete Ghufran al Saidi. «Andernfalls
haben wir andere Optionen», erklärte er weiter.
In mehreren überwiegend schiitischen Vierteln Bagdads blieben
Geschäfte und Schulen geschlossen, offenbar in Befolgung der
Anweisung zum zivilen Ungehorsam. Kämpfer der Mahdi-Miliz
patrouillierten in einigen schiitischen Vierteln. Raketen und Granaten,
die aus schiitischen Gebieten abgefeuert wurden, nahmen zum zweiten Mal
innerhalb weniger Tage die schwer gesicherte Grüne Zone in Bagdad
ins Visier.
Al Sadr hat seinen einseitig erklärten Waffenstillstand im Irak
bis Mitte August verlängert. Der Verzicht auf Anschläge
seitens seiner Mahdi-Miliz hat mit dazu beigetragen, dass sich das
Ausmaß der Gewalt im Irak deutlich verringert hat. Der Geistliche
sagte seinen Anhängern kürzlich, dass die Waffenruhe zwar in
Kraft bleibe, sie sich aber selbst gegen Angriffe verteidigen
dürften.
Bei einer Großoffensive der Armee gegen schiitische Milizen in
der südirakischen Ölstadt Basra sind unterdessen nach
offiziellen Angaben mindestens 25 Menschen getötet worden.
Unterstützt von Kampfhubschraubern gingen irakische Soldaten gegen
Kämpfer der Mehdi-Miliz sowie der mit ihr rivalisierenden Gruppe
SIIC vor, die seit längerem erbittert um die Macht in der Stadt
kämpfen. Auch in anderen südirakischen Städten lieferten
sich die Sadr-Anhänger heftige Gefechte mit der Polizei und
anderen schiitischen Gruppen.
Der Militärschlag konzentrierte sich nach Angaben von Anwohnern
auf sechs nördliche Stadtbezirke von Basra, die als Hochburgen der
Mehdi-Armee des radikalen Predigers Moktada al-Sadr gelten. In der
Hafenstadt waren heftige Explosionen und Maschinengewehrfeuer zu
hören, über den nördlichen Stadtteilen stiegen dunkle
Rauchsäulen in den Himmel. Militärvertretern zufolge wurden
"zahlreiche Banditen" getötet. Milizionäre beantworteten die
Attacken mit Katjuscha-Raketen und Granaten, die sie auf das
Polizeihauptquartier von Basra feuerten. Auch in der südlichen
Stadt Hilla kam es zu Schießereien zwischen der Miliz und der
Polizei.
Im Sadr-Viertel, der Bagdader Hochburg der Mehdi-Armee, lieferten sich
deren Kämpfer Gefechte mit der schiitischen Badr-Organisation.
Nach US-Militärangaben schlugen etliche Raketen der Sadr-Miliz
zudem im streng gesicherte Regierungsviertel der Hauptstadt ein.
Die Bedeutung der Militäroffensive für die irakische
Regierung wurde durch die Anwesenheit von Ministerpräsident Nuri
al-Maliki in Basra unterstrichen. Britische Truppen haben im Dezember
die Macht über die strategisch wichtige Stadt an die irakische
Armee abgegeben. Die meisten Staatseinnahmen stammen aus den
Ölfeldern nahe Basras, zudem gilt die Hafenmetropole als
Hauptumschlagplatz für Exporte über den Persischen Golf.
Die irakische Regierung ist Beobachtern zufolge erzürnt
darüber, dass die Schiiten-Milizen und Schmugglerbanden die
Kontrolle über das Ölgeschäft an sich reißen und
Basra damit zunehmend in Anarchie versinkt. "Es wird sehr schwer
für die Zentralregierung, die Kontrolle zurückzugewinnen",
sagte Joost Hiltermann von der International Crisis Group in Istanbul.
"Es gibt viele bewaffnete Gruppen, die darauf bedacht sind, ihren
Anteil am Ölgeschäft zu behalten."
Nach Angaben aus Polizeikreisen brachten Sadr-Anhänger zudem knapp
ein Drittel der ebenfalls von Schiiten dominierten Stadt Kut zwischen
Bagdad und Basra in ihre Gewalt. Bei Kämpfen in der Stadt Asisija
nördlich von Kut wurden nach Angaben eines Polizeichefs bis zu
zehn Beamte verletzt. Die US-Armee sei gebeten worden, mit
Kampfflugzeugen und Fahrzeugen bei der Rückeroberung von Kut zu
helfen.
US-Vizepräsident Dick Cheney hat der Türkei im Kampf gegen
kurdische Rebellen im Nordirak die Unterstützung der USA
zugesichert.
Dies sagte am Montag ein US-Regierungsvertreter, der Cheney bei seinem
Besuch in der Türkei begleitete. Der Vizepräsident habe in den
Gesprächen aber zugleich betont, dass die Konflikte im Irak durch
das türkische Vorgehen nicht weiter angeheizt werden dürften.
Die türkische Armee hatte unlängst eine einwöchige
Bodenoffensive gegen kurdische Rebellen im Nordirak gestartet, die
diese Region als Rückzugsgebiet nutzen. Das Kurden-Problem
belastet die Beziehungen der beiden US-Verbündeten seit langem,
obwohl die Regierung in Washington wiederholt zu schlichten versuchte.
Cheney hatte das Thema in der vergangenen Woche auch auf die Agenda
seines Irak-Besuches gesetzt, wo er unter anderem mit dem
Kurden-Führer Masud Barsani zusammengekommen war.
boa (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 26.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mo.26.03.07 - US-Vize-Präsident Cheney warnt vor plötzlichem Truppenabzug
aus dem Irak +++ Dutzende Tote bei Anschlägen +++ Seit Kriegsbeginn
mindestens 3.239 US-Soldaten im Irak getötet +++
US-Kongressabgeordnete erwägen offenbar Amtsenthebungsverfahren
gegen Bush, sollte der Präsident trotz der wachsenden Ablehnung des Irak-Kriegs
an seinem Kurs festhalten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703260.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Lage in Afghanistan inzwischen unstabiler als im Irak
Mi.26.03.08 - Die Lage im Irak ist einem Expertenbericht zufolge inzwischen stabiler
als Afghanistan.
Der Rückgang der Gewalt, die starke internationalen
Truppenpräsenz und der hohe Ölpreis stützten den Irak,
hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der
britischen Jane's Information Group. Dagegen habe die Regierung in
Afghanistan weniger Kontrolle über ihr Staatsgebiet, die Wirtschaft
beruhe einigen Schätzungen zufolge zur Hälfte auf den
Drogenhandel und die Gewalt habe deutlich zugenommen.
(Quelle: rtr)
Afghanistan wartet auf Milliarden zugesagter Hilfsgelder
Mi.26.03.08 - Afghanistan wartet nach Angaben von Hilfsorganisationen bisher
vergeblich auf zugesagte Hilfsgelder in Höhe von rund 10 Milliarden
Dollar (6,43 Milliarden Euro).
Die westlichen Länder kämen mit der Zahlung einfach nicht
nach, heißt es in einem in Kabul vom ACBAR-Dachverband der 94 in
Afghanistan tätigen Hilfsorganisationen vorgelegten Report. Von den
zugesagten 25 Milliarden Dollar seien nur 15 Milliarden angekommen.
Zudem litten die Friedensaussichten für das Land unter dem
«verschwenderischen und ineffektiven» Umgang mit den
Hilfsgeldern.
«Der Wiederaufbau Afghanistans bedarf einer anhaltenden und
substanziellen Verpflichtung zur Hilfe - aber die Spender haben es
versäumt, ihre Hilfsversprechen an Afghanistan zu
erfüllen», sagte der Autor des Berichts, Matt Waldman, der
bei der Hilfsorganisation Oxfam für Afghanistan zuständig ist.
Nach dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 hatte die internationale
Gemeinschaft dem vom Krieg zerstörten Land zum Wiederaufbau und der
Bildung eigener Sicherheitskräfte zum Kampf gegen den Terrorismus
25 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern zugesagt. Die Regierung in Kabul
bestreitet dem Bericht zufolge heute rund 90 Prozent der
öffentlichen Ausgaben aus Spendengeldern.
Die USA als größte Spendernation hätten bislang jedoch
erst rund die Hälfte der zugesagten 10,4 Milliarden Dollar gezahlt.
Andere Spender wie die EU und Deutschland hinkten ebenfalls hinterher
und hätten weniger als zwei Drittel der 1,7 Milliarden
beziehungsweise 1,2 Milliarden Dollar ausgezahlt.
Von den an Afghanistan gezahlten Geldern würden dann wiederum 40
Prozent durch Unternehmensgewinne, Beraterkosten und andere
Gebühren an die reichen Nationen zurückfließen.
«Zu viel der Hilfen der reichen Länder werden verschwendet,
sind ineffektiv oder unkoordiniert», sagte Waldman.
In dem Oxfam-Report wird darauf verwiesen, dass sich die Kosten
für den US-Militäreinsatz in Afghanistan auf 100 Millionen
Dollar pro Tag belaufen, während die Höhe der Hilfsgelder
aller Spenderländer zusammen pro Tag seit 2001 im Durchschnitt
lediglich sieben Millionen Dollar betrage.
(Quelle: dpa)
Nahost-Konflikt
Libanon boykottiert Gipfel der Arabischen Liga in Damaskus -- Israel und
Palästinenser fordern mehr Hilfe für Friedensprozess --
Palästinensischer UN-Beobachter für Nachfolgekonferenz in
Moskau -- Israel stimmt Einsatz palästinensischer Polizisten zu
Mi.26.03.08 - Der Libanon hat wegen der anhaltenden Krise um die Wahl eines neuen
Staatspräsidenten seine Teilnahme an dem bevorstehenden Gipfel der
Arabischen Liga in der syrischen Hauptstadt Damaskus abgesagt.
Informationsminister Ghasi Aridi sagte am Dienstag in Beirut, einer der
Hauptgründe für die Entscheidung sei das Versagen des
Parlaments, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Die prowestliche
Parlamentsmehrheit macht dafür das prosyrische Lager mit der
Hisbollah verantwortlich.
Das Amt des Staatspräsidenten ist seit dem 23. November 2007
vakant. Die eigentlich für Dienstag vorgesehene Wahl im Parlament
wurde jetzt zum 17. Mal verschoben. Die Parlamentsmehrheit und die
Hisbollah haben sich zwar auf General Michel Suleiman als
Kompromisskandidat für das Amt des Staatspräsidenten
verständigt. Die Opposition verlangt aber eine Mitwirkung im
Kabinett und ein Vetorecht bei Entscheidungen der Regierung. Beides
wird von Ministerpräsident Fuad Siniora entschieden abgelehnt.
Der Libanon hat bisher noch nie ein Gipfeltreffen der Arabischen Liga
boykottiert. Bereits am Montag hat Saudi-Arabien erklärt, nur eine
Regierungsdelegation nach Damaskus zu entsenden. Das Gipfeltreffen
betinnt am 29. März.
Israel und die Palästinenser haben derweil eine stärkere
internationale Unterstützung für den Friedensprozess im Nahen
Osten angemahnt. Nur so sei es noch möglich, wie geplant bis Ende
des Jahres zu einer Konfliktlösung zu gelangen, erklärten
Vertreter beider Seiten am Dienstag vor dem Weltsicherheitsrat in New
York. Beide wiesen sich gegenseitig die Schuld für die
jüngsten Gewalttaten zu, bekannten sich aber zur Fortsetzung ihres
Dialogs.
Der palästinensische Beobachter bei den Vereinten Nationen, Rijad
Mansur, kritisierte, in den 110 Tagen seit dem Start der
Friedensverhandlungen in Annapolis im US-Staat Maryland habe es statt
positiver Entwicklungen nur negative Veränderungen gegeben. Es sei
jetzt dringend eine Nachfolgekonferenz erforderlich, wie sie Russland
mit Moskau als Tagungsort vorgeschlagen habe.
Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman sagte, eine Aussetzung der
Verhandlungen zwischen dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert und
dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas würde nur
den Extremisten in die Hände spielen, «die unser Scheitern
sehen wollen». Jetzt müssten andere Staaten demonstrieren,
dass sie die Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden in der
Region unterstützten.
«Dies ist das Mandat der internationalen Gemeinschaft»,
sagte Gillerman. «Diese kollektive Entschlossenheit muss zuerst
und vor allem von diesem Rat ausgehen.» Der israelische
UN-Botschafter erwähnte jedoch mit keinem Wort eine mögliche
Nachfolgekonferenz in Moskau.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon lobte Olmert und Abbas für
ihre Gesprächsbereitschaft. Zugleich äußerte er sich
besorgt über das anhaltende Gewaltpotenzial im Gazastreifen.
Allein um den Menschen in dem Autonomiegebiet eine Perspektive zu
bieten, dürften die Friedensverhandlungen nicht scheitern, sagte
Ban.
Israel stimmt dem Einsatz palästinensischer Sicherheitskräfte
in Dschenin im Norden des Westjordanlandes zu.
Regierungsvertreter teilten am Dienstag in Jerusalem mit,
Verteidigungsminister Ehud Barak werde den palästinensischen
Ministerpräsidenten Salam Fajad am Donnerstag über die
Entscheidung unterrichten, bis zu 600 palästinensische
Sicherheitskräfte in Dschenin zu stationieren. Die Männer
absolvieren derzeit in Jordanien eine von den USA finanzierte
Ausbildung. Bereits im November hatten palästinensische
Sicherheitskräfte Positionen in Nablus bezogen.
Israel sieht in Nablus und Dschenin Hochburgen anti-israelischer
Aktivitäten.
boa (Quellen: ap, rtr)
Putin und Mubarak sprechen über Atom-Kooperation und Nahost
Mi.26.03.08 - Russland und Ägypten wollen in der Atomenergie enger
zusammenarbeiten.
Dies vereinbarte Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag
mit seinem ägyptischen Kollegen Hosni Mubarak bei dessen Besuch in
Moskau. Nach Angaben aus Kreisen soll dazu noch am Dienstag ein Vertrag
über den Bau von Atomkraftwerken in Ägypten unterzeichnet
werden. Die Führung in Moskau bemüht sich intensiv um
Aufträge für den Bau von Kernkraftwerken im Ausland, um ihre
Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten zu verringern.
Ägypten will bis zu vier Kernkraftwerke errichten. Die erste
internationale Ausschreibung für die Kraftwerke wird noch in
diesem Jahr erwartet. Russland baut bereits Atommeiler in China, Indien
und im Iran im Wert von je 1,5 bis 1,6 Milliarden Dollar.
Putin und Mubarak sprachen zudem über den Fortgang der
Friedensbemühungen im Nahen Osten. Russland bemüht sich um
Mubaraks Unterstützung für eine Nahost-Konferenz in Moskau.
Dafür hatte vorige Woche bereits Außenminister Sergej Lawrow
in der Region geworben. Mubarak traf auch mit dem gewählten
Präsidenten Dmitri Medwedew zusammen, der am 7. Mai die Nachfolge
Putins antritt.
(Quelle: rtr)
Komorische Truppen landen auf von Rebellen besetzter Insel
Mi.26.03.08 - Von der Afrikanischen Union (AU) unterstützte Truppen der Komoren
haben am Dienstag unter dem Jubel der Bewohner die Hauptstadt Mutsamudu
der von Rebellen besetzten Insel Anjouan zurückerobert.
Größeren Widerstand gab es nicht. Auch der Flughafen sei
bereits eingenommen worden, erklärte Stabschef Mohamed Dosara.
Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Den Hafen
beherrschten Soldaten der AU, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP
beobachtete.
Die Insel Anjouan wurde seit Mai vergangenen Jahres von Oberst Mohamed
Bacar kontrolliert. Der ehemalige Präsident hatte erklärt, er
strebe die Unabhängigkeit von Anjouan an. Die Komoren, eine
Inselgruppe im Indischen Ozean, sind seit ihrer Unabhängigkeit von
Frankreich 1975 immer wieder von politischen Unruhen und Putschversuchen
erschüttert worden. Die Soldaten der Komoren suchten nach Bacar.
Etliche seiner Anhänger bezogen einige Kilometer von Mutsamudu
entfernt Stellungen und erwarteten dort offenbar den Angriff. Drei
ranghohe Offiziere, die Bacar unterstützten, wurden nach Angaben
aus Militärkreisen festgenommen.
Den ganzen Morgen schon waren im Umkreis der Hauptstadt der Insel
Explosionen und Schüsse zu hören. Die Detonationen erfolgten
im Abstand von etwa zehn Minuten, sporadisch erschütterte auch
Maschinengewehrfeuer die Region, wie Augenzeugen berichteten. Am Montag
hatte Präsident Ahmed Abdallah Sambi den Militäreinsatz gegen
den abtrünnigen Oberst angekündigt.
(Quelle: ap)
Hilfsorganisationen beklagen katastrophale Lage in Somalia
Mi.26.03.08 - Hilfsorganisationen haben am Dienstag auf die katastrophale Lage der
Menschen in Somalia aufmerksam gemacht. Lebensmittelpreise seien rapide
gestiegen, in weiten Teilen des Landes herrsche Dürre und mehr als
eine Million Menschen seien Vertriebene im eigenen Land, hieß es
in einer gemeinsamen Erklärung von 40 Organisationen, darunter
waren Oxfam, Save the Children und World Vision. Allein die Gewalt in
der Hauptstadt Mogadischu treibe jeden Monat rund 20.000 Menschen in
die Flucht.
Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Aufmerksamkeit dringend
«auf die katastrophale humanitäre Krise in Somalia»
lenken, forderten die Hilfsorganisationen. Zugleich beklagten sie
vielfältige Behinderungen ihrer Arbeit. Allein die Zahl der
Straßensperren und Kontrollpunkte habe sich von 147 im Januar
vergangenen Jahres auf gegenwärtig 396 erhöht. Es herrsche
zunehmend ein Klima der Angst und Unsicherheit. Am Mittwoch
beschäftigt sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in Somalia.
(Quelle: ap)
Nepals Polizei nimmt erneut Dutzende Exil-Tibeter fest
Mi.26.03.08 - Trotz scharfer Kritik der Vereinten Nationen hat die nepalesische
Polizei am Dienstag erneut eine Anti-China-Kundgebung von Exil-Tibetern
gewaltsam aufgelöst und Dutzende Teilnehmer festgenommen.
Die Demonstranten wurden in Polizeifahrzeuge gezerrt und
abgeführt, als sie sich vor einem Büro des chinesischen
Konsulats in Kathmandu versammelten. Insgesamt 71 Protest-Teilnehmer
wurden der Polizei zufolge in verschiedene Strafanstalten gebracht. Die
Polizisten setzten auch Schlagstöcke ein.
Bereits am Montag hatten die Behörden mehr als 400 Menschen in
Nepal festgenommen. Daraufhin zeigten sich die UN tiefbesorgt. "Solche
Festnahmen stellen eine Form der unrechtmäßigen
Diskriminierung dar", sagte der Vertreter des Hohen Kommissars der
Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR) in Nepal, Richard
Bennett. Insbesondere die Praxis von Festnahmen ohne Anklage sei gegen
den Geist einer demokratischen Gesellschaft.
In Nepal kommt es seit dem harten Durchgreifen der chinesischen
Behörden gegen die Demonstranten in der tibetischen Hauptstadt
Lhasa beinahe täglich zu Protesten. In dem Land leben mehr als
20.000 Exil-Tibeter, die aus der Himalaya-Region flohen, nachdem ein
Aufstand gegen die chinesische Regierung 1959 scheiterte. Die Regierung
in Kathmandu erlaubt ihnen, in Nepal zu bleiben. Die Exilanten
dürfen sich aber nicht politisch engagieren. China betrachten Tibet
als Teil seines Gebiets und ist einer der wichtigsten
Wirtschaftspartner Nepals.
(Quelle: rtr)
EU und USA bringen Sorge um Tibet zum Ausdruck
Mi.26.03.08 - Gegen den Willen der chinesischen Regierung bringen die EU und die USA
den Tibet-Konflikt auf die Agenda der internationalen Beziehungen. Auch
Australien und Kanada riefen am Dienstag im Menschenrechtsrat der
Vereinten Nationen in Genf zum Gewaltverzicht auf. Bei neuen
Zusammenstößen in der westchinesischen Provinz Sichuan kamen
zwei Menschen ums Leben.
Die EU sei sehr besorgt, sagte am Dienstag in Genf der slowenische
Botschafter Andrej Logar. Die Regierung in Peking solle alle
Beschränkungen der Bewegungs- und Informationsfreiheit aufheben,
forderte der Diplomat im Namen der 27 EU-Staaten. «Wir rufen
China auf, das universell anerkannte Grundrecht aller Bürger
anzuerkennen, ihre politischen und religiösen Überzeugungen
friedlich zum Ausdruck zu bringen», sagte der US-Botschafter bei
den Vereinten Nationen in Genf, Warren Tichenor.
Die chinesische Delegation unterbrach mehrfach die Erklärungen der
US- und der australischen Delegation. Dies habe nichts mit der
Generaldebatte über die Umsetzung der Menschenrechtserklärung
von 1993 zu tun, beschwerten sich die Vertreter aus Peking. Die
Situation in Tibet sei allein und ausschließlich eine innere
Angelegenheit der chinesischen Regierung.
Bei einer Demonstration von buddhistischen Mönchen und Nonnen in
Garze, einem Bezirk der westchinesischen Provinz Sichuan, kam es am
Montag zu Zusammenstößen mit der Polizei, wie das Tibetische
Zentrum für Menschenrechte und Demokratie in der nordindischen
Stadt Dharamsala mitteilte. Die Zusammenstöße hätten
begonnen, als die Polizei gegen die Menge von etwa 200 Menschen
vorgegangen sei.
Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete hingegen, die
Demonstranten hätten Polizisten mit Steinen und Messern
attackiert. Dabei sei ein Polizist ums Leben gekommen. Das tibetische
Menschenrechtszentrum teilte mit, ein 18-jähriger Mönch sei
ums Leben gekommen. Ein weiterer habe eine lebensgefährliche
Schussverletzung erlitten.
Der Bezirk Garze grenzt an Tibet, wo es nach mehrtägigen
regierungsfeindlichen Demonstrationen am 14. März zu blutigen
Unruhen gekommen war. Danach griff die Protestbewegung auch auf
angrenzende Provinzen über. Die chinesischen Behörden
reagierten mit einer massiven Militärpräsenz. Nach Angaben
der Regierung kamen in Lhasa mindestens 22 Menschen ums Leben.
Tibetische Gruppen sprechen von nahezu 140 Todesopfern, darunter 19 in
der Provinz Gansu.
Als erster hochrangiger Regierungsvertreter seit Beginn der
Protestbewegung besuchte der Minister für öffentliche
Sicherheit, Meng Jianzhu, am Montag die tibetische Hauptstadt Lhasa. Er
bekräftigte die Vorwürfe gegen den Dalai Lama, das im Exil
lebende Oberhaupt der tibetischen Buddhisten und kündigte nach
einem Bericht der Zeitung «Tibet Daily» eine
verstärkte Kampagne der «patriotischen Erziehung» in
den Klöstern an.
China will in dieser Woche das strikte Einreiseverbot für
ausländische Journalisten in Tibet lockern. Es sei geplant, eine
kleine Gruppe von Reportern in dieser Woche in die Hauptstadt Lhasa
einzuladen, teilte am Dienstag ein Sprecher des Außenministeriums
in Peking mit.
In Berlin forderte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
die chinesische Regierung erneut auf, hinsichtlich der Ereignisse in
Tibet größtmögliche Transparenz herzustellen. In einem
Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi drückte er
nach Angaben eines Sprechers die Hoffnung aus, dass der Gewalt
dauerhaft ein Ende bereitet werde. Die Diskussion über einen
möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking dauerte
unterdessen weiter an.
Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte, er
schließe einen Boykott der Olympia-Eröffnungsfeier in Peking
nicht aus. China müsse die weltweite Besorgnis wegen der
Tibet-Frage verstehen. «Ich werde meine Entscheidung der
Entwicklung der Lage anpassen», sagte Sarkozy, der die
Ratspräsidentschaft der Europäischen Union innehat, wenn die
Olympischen Spiele im August beginnen.
(Quelle: ap)
Chinas Großbanken trotzen Hypothekenkrise- Deutliches Gewinnplus
Mi.26.03.08 - Trotz ihres Engagements am kriselnden US-Hypothekenmarkt haben die
chinesischen Großbanken ICBC und Bank of China ihren Gewinn
unerwartet kräftig gesteigert.
Für 2007 wies das nach Börsenwert weltgrößte
Geldhaus Industrial and Commercial Bank of China einen Gewinnsprung um
zwei Drittel auf 81,52 Milliarden Yuan (7,4 Milliarden Euro) aus. Dies
lag um rund eine Milliarde Yuan über den Markterwartungen. Der
ebenfalls staatliche Mitbewerber Bank of China verzeichnete 2007 einen
Ergebniszuwachs um knapp einem Drittel. Der Reingewinn belief sich nach
Angaben der Bank vom Dienstag auf 56,25 Milliarden Yuan (rund 5,1
Milliarden Euro). Auch im Schlussquartal fielen die Ergebnisse besser
aus als erwartet, auch wenn das Bank-of-China-Gewinnplus wegen der
Hypothekenkrise nahezu aufgefressen wurde.
2008 indes dürften Chinas Banken nach den Rekordergebnissen
härtere Zeiten bevorstehen, weil die Regierung die Kreditvergabe
erschweren und andere Schritte einleiten will, um die Inflation
einzudämmen.
Beide Geldhäuser mussten wegen ihrer Engagements im kriselnden
US-Hypothekenmarkt hohe Rückstellungen bilden. Das Volumen ihrer
auf zweitklassigen US-Hypotheken basierenden Wertpapierbestände
per Ende Dezember bezifferte die ICBC auf einen Nominalwert von
umgerechnet 1,23 Milliarden Dollar. Die Abschreibungen für
Wertminderungen hätten sich auf insgesamt 400 Millionen Dollar
summiert. Die Bank of China verbuchte für 2007 Rückstellungen
von umgerechnet 836 Millionen Euro. Zum Ende des Berichtsjahres war die
chinesische Bank nach eigenen Angaben mit umgerechnet 3,2 Milliarden
Euro über strukturierte Kreditprodukte (ABS) im US-Immobilienmarkt
investiert.
Die Bank of China kündigte für das laufende Jahr Zukäufe
im Ausland an. "Fusionen und Übernahmen werden eine verlockende
Möglichkeit für uns sein, im Ausland zu expandieren",
hieß es. Die Bank of China prüfe derzeit aktiv mehrere
solcher Möglichkeiten, die zur Gesamtstrategie passten und bei der
Globalisierung und Diversifizierung des Geschäfts helfen
würden.
(Quelle: rtr)
Immer aggressivere Töne im Wahlkampf der US-Demokraten
Mi.26.03.08 - Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten wird
von immer heftigeren Wortgefechten begleitet. Die Anhänger von
Barack Obama warfen Hillary Clinton am Montag vor, bei ihren
Schilderungen über einen Besuch in Sarajevo während des
Bosnien-Kriegs gewaltig übertrieben zu haben. Ein Sprecher
Clintons räumte später ein, dass sich die New Yorker
Senatorin irreführend geäußert habe.
Clinton hatte in einer Wahlkampfrede vor einer Woche erklärt, dass
sie und ihr Mann Bill, der damalige US-Präsident, bei ihrer
Landung in der bosnischen Hauptstadt im März 1996 von
Heckenschützen attackiert worden seien. Die US-Delegation habe
sich dann schnellstens in Sicherheit gebracht. Laut der damaligen
Berichterstattung der Nachrichtenagentur AP war das
Präsidentenpaar jedoch keiner unmittelbaren Bedrohung ausgesetzt.
Ein Mitreisender sagte der «Washington Post» ebenfalls, er
könne sich nicht an einen Beschuss erinnern.
Clinton selbst erklärte später, wer ständig
öffentlich reden müsse, dem könnten auch mal Fehler
unterlaufen. Ihr Sprecher Howard Wolfson nannte es bezeichnend, wie
viel Energie das Obama-Lager darauf verwende, Negatives über
Clinton zu verbreiten. Obamas Sprecher Tommy Vietor erklärte
derweil, die aufgebauschten Bemerkungen zu Bosnien reihten sich ein in
eine ganze Liste von Äußerungen, in denen Clinton ihre
bisherige Rolle in der Innen- und Außenpolitik übertrieben
habe.
Harte Worte kamen auch von einem Clinton-Berater, der den Gouverneur
von New Mexico, Bill Richardson, wegen dessen Unterstützung
für Obama angriff. James Carville bezeichnete Richardson als Judas
und lehnte es anschließend ab, sich dafür zu entschuldigen.
Carville wies im Interview der «New York Times» darauf hin,
dass Richardson einst als Energieminister dem Kabinett von
Expräsident Bill Clinton angehört habe. Er sprach von einer
besonderen Ironie, dass der Gouverneur seine Unterstützung
für Obama ausgerechnet in der Karwoche bekanntgegeben habe. Genau
so habe Judas Jesus damals für 30 Silberlinge verraten.
In der vergangenen Woche hatte ein Berater Obamas, der ehemalige
Luftwaffengeneral Merrill McPeak, Bill Clinton mit Joseph McCarthy
verglichen, der Symbolfigur der Kommunistenjagd in den 50er Jahren des
vergangenen Jahrhunderts. Anlass waren Äußerungen des
Expräsidenten, in denen dieser indirekt den Patriotismus Obamas in
Zweifel zog.
Die nächste Vorwahl der Demokraten findet erst wieder am 22. April
in Pennsylvania statt. Davor wollen Clinton und Obama am 16. April in
einer Fernsehdebatte um die Stimmen der Parteimitglieder und
Sympathisanten werben. Nach den bisherigen Abstimmungen liegt Obama
knapp in Führung. Die Entscheidung fällt vermutlich erst auf
dem Nominierungsparteitag im August, wenn auch die von der Partei
ernannten «Superdelegierten» zum Zuge kommen.
(Quelle: ap)
Serbien strebt Teilung des Kosovos entlang ethnischer Grenzen an
Mi.26.03.08 - Die serbische Regierung hat eine Aufteilung des Kosovos entlang
ethnischer Grenzen vorgeschlagen. In dem am Montag von Medien in Belgrad
veröffentlichten Vorstoß heißt es, Serbien erkenne die
UN-Verwaltung des Kosovos an. Doch könnten nur Serben und nicht
Kosovo-Albaner Polizei, Justiz und Zoll in den etwa 15 Prozent des
Gebiets kontrollieren, in denen Serben die Mehrheit stellen.
Der stellvertretende Leiter der UN-Mission im Kosovo, Larry Rossin,
erklärte, das Dokument sei zur Prüfung ans Hauptquartier der
Vereinten Nationen in New York weitergeleitet worden. Beobachter
glauben, dass Belgrad versucht, politisch und verwaltungstechnisch die
Kontrolle über die zumeist im Norden des Kosovos gelegenen Gebiete
zu übernehmen, in denen Serben die Mehrheit der Bewohner stellen.
Das Kosovo erklärte am 17. Februar seine Unabhängigkeit,
Serbien hält diese Erklärung nach internationalem Recht
für ungültig.
Der russische Präsident Wladimir Putin wies die Regierung
unterdessen laut Medienberichten an, die Entsendung von Hilfsgütern
in die serbischen Gebiete des Kosovos vorzubereiten. Putin habe
Ministerpräsident Viktor Subkow in einer Kabinettssitzung
angewiesen, sich des Themas anzunehmen. Die Geste solle jedoch keine
politischen Untertöne tragen. Putin reagierte damit auf
Äußerungen von Außenminister Sergej Lawrow, der die
humanitäre Lage in den serbischen Gebieten als beunruhigend
bezeichnet und eine entsprechende Bitte der serbischen Regierung
übermittelt hatte. Der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti zufolge
sagte Lawrow, am dringendsten würden Arzneimittel, Hygieneprodukte
und haltbare Lebensmittel benötigt.
(Quelle: ap)
Deutschland
Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser verlangt Steuersenkung vor
Bundestagswahl
Mi.26.03.08 - Eine deutliche Entlastung der Steuerzahler noch vor der
Bundestagswahl 2009 hat Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser
gefordert. Er sagte der «Bild»-Zeitung: «Wir brauchen
deutliche Steuersenkungen im mittleren Einkommensbereich - und zwar bis
Ende 2009.» Dies könnte trotz Haushaltssanierung möglich
sein.
Die Arbeitnehmer müssten mehr Netto vom Brutto im Geldbeutel
haben: «Es kann doch nicht sein, dass bei einem Lohnplus von 4,1
Prozent - wie bei uns 2007 - die Lohnsteuer eines verheirateten
Alleinverdieners um den doppelten Satz steigt», sagte
Kannegiesser. Zu der im Herbst anstehenden Tarifrunde in der
Metallindustrie äußerte sich der Verbandschef
zurückhaltend. Derzeit lasse sich über die Aussichten nichts
sagen.
(Quelle: ap)
Grüne wollen 2009 ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf
Mi.26.03.08 - Die Grünen wollen ohne eine Koalitionsaussage in den Wahlkampf
2009 ziehen. Der designierte Spitzenkandidat der Partei, Jürgen
Trittin, sagte der «Berliner Zeitung» (Dienstagausgabe) laut
Vorabbericht es werde keine Koalitionsaussage geben. «Wir werden
in den Wahlkampf gehen mit einer klaren Aussage, für was wir
stehen», sagte er.
Wenn man diese Inhalte durchsetzen wolle, werde man sich
Gesprächen nicht verweigern können, sagte Trittin. «Das
gilt für alle Parteien», betonte Trittin. «Unsere
Wähler erwarten, dass wir austesten, mit wem wir was
tatsächlich machen können», sagte Trittin. Mit
politischer Beliebigkeit habe das nichts zu tun. In den früheren
Bundestagswahlkämpfen hatten die Grünen noch eine
Koalitionsaussage zugunsten der SPD getroffen.
Der ehemalige Bundesumweltminister stellte aber zugleich klar, dass er
eine Zusammenarbeit mit der SPD noch immer für wahrscheinlicher
halte als mit der CDU. «Die SPD steht uns im Bund in den meisten
politischen Fragen noch immer sehr viel näher als die CDU»,
betonte Trittin. So könne er sich beispielsweise nur schwer
vorstellen, mit der Union Kernkraftwerke abzuschalten oder ein
Grundrecht auf Datenschutz umzusetzen.
Trittin nannte es richtig, dass die Grünen in Hamburg ein
Bündnis mit der CDU prüfen. Dabei gehe es darum, das
Kohlekraftwerk Moorburg zu stoppen, die Studiengebühren
abzuschaffen und zu Alternativen zur Elbvertiefung zu kommen.
«Wenn das geht, wären wir bescheuert, es nicht zu tun.
Schließlich macht sonst eine große Koalition das
Gegenteil», sagte er.
(Quelle: ddp)
Früherer Grünen-Politiker Metzger tritt in die CDU ein
Mi.26.03.08 - Der frühere Grünen-Politiker Oswald Metzger tritt in die CDU
ein. "Mein Antrag auf Mitgliedschaft ist heute bei der
CDU-Kreisgeschäftsstelle in Biberach eingegangen", erklärte
Metzger. Zugleich habe er seine Absicht bekundet, sich um die
Nominierung als Direktkandidat der CDU im baden-württembergischen
Bundestagswahlkreis Biberach zu bewerben. "Ich sehe die CDU als
parteipolitische Plattform, in der meine marktwirtschaftlichen
Überzeugungen einen viel größeren Resonanzraum haben als
jemals in meiner Zeit bei den Grünen."
Anzeige
Metzger hatte die Grünen im vergangenen November im Streit um die
Sozialpolitik verlassen. Unter anderem wandte er sich damals gegen einen
Parteibeschluss zum Aufbau einer sozialen Grundsicherung. In seiner
Erklärung forderte er ein Festhalten an den Reformen der Agenda
2010 und kritisierte deren teilweise Rücknahme.
(Quelle: afp)
CDU auf dem Weg zur mitgliederstärksten Partei
Mi.26.03.08 - Die CDU ist auf dem besten Weg, zur mitgliederstärksten Partei
Deutschlands zu werden. Möglicherweise wird sie noch im April die
SPD bei der Zahl der Parteimitglieder überholen und dann die
größte Partei in Deutschland sein, wie die
«Bild»-Zeitung am Dienstag berichtete. Mit Stichtag 29.
Februar hatte die CDU 533.265 Mitglieder und die SPD 536.655
Mitglieder, wie Sprecher beider Parteien bestätigten. Der Abstand
betrug also nur 3.390 Mitglieder.
Doch SPD-Strategen fürchten laut «Bild», dass es wegen
des Streits um den Kurs von Parteichef Kurt Beck bei den
Sozialdemokraten eine große Zahl von Austritten gegeben hat.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die SPD rund 20.000 Mitglieder
verloren. Aber auch bei der CDU gab es einen Schwund von rund 15.000
Mitgliedern.
Bei der SPD vollzieht sich die Abwärtsentwicklung seit Jahren
weitaus schneller als bei der CDU. 1990 hatten die Sozialdemokraten
noch mehr als 940.000 Mitglieder, die CDU fast 780.000. Die
Sozialdemokraten haben seither rund 400.000 Mitglieder verloren.
Nach dem «Bild»-Bericht regt sich an der SPD-Basis
außerdem heftiger Widerstand gegen den Plan des
Parteivorsitzenden Kurt Beck, den Kanzlerkandidaten für die
Bundestagswahl 2009 im Alleingang festzulegen. In einer Emnid-Umfrage
hätten sich 91 Prozent der SPD-Anhänger dafür
ausgesprochen, in einer Ur-Wahl über den Kandidaten zu entscheiden.
(Quelle: ap)
Kreditkrise - Weitere Milliarden-Belastungen bei BayernLB befürchtet
Mi.26.03.08 - Die Milliarden-Belastungen bei der BayernLB durch die internationale
Kreditkrise könnten noch weitaus drastischer ausfallen, als bisher
bekannt.
Angesichts der Größe des BayernLB- Engagements bei
strukturierten Wertpapieren könnten sich die bisher auf 1,9
Milliarden Euro bezifferten Belastungen «mehr als
verdoppeln», fürchtet die Ratingagentur Moody`s. Daher werde
eine mögliche Herabstufung des Finanzstärke-Ratings der Bank
geprüft, das bisher bei «C-» liege, teilte Moody`s am
Dienstag in London mit. Die Grünen im Bayerischen Landtag sprachen
von «alarmierenden Meldungen».
Die BayernLB hatte kürzlich eingeräumt, dass man sich nach
den Milliarden-Belastungen im vergangenen Jahr für 2008 auf
weitere Korrekturen einstelle. Das Engagement der Bank bei
strukturierten Wertpapieren habe ein Volumen von 32 Milliarden Euro,
erklärte die Ratingagentur. Mehr als vier Milliarden Euro davon
stünden mit Immobilienkrediten bonitätsschwacher Schuldner im
Zusammenhang. Bei der Überprüfung des Ratings werde man auch
etwaige Maßnahmen der Bank berücksichtigen, mögliche
weitere Belastungen aus der Kreditkrise zu begrenzen oder zu vermeiden.
Ein BayernLB-Sprecher wollte die Ankündigung der Ratingagentur
nicht kommentieren, die eigenständig über ihre Einstufungen
entscheide. Zu den bisherigen Auswirkungen der Kreditkrise in diesem
Jahr erklärte der Sprecher: «Es ist ziemlich klar, dass da
weitere Belastungen kommen.» Tendenziell sei es in den ersten
Monaten des Jahres mit der Bewertung der Wertpapiere «weiter
bergab» gegangen. Vorläufige Zahlen zum ersten Quartal wird
die BayernLB voraussichtlich bei der Bilanz-Pressekonferenz am 3. April
vorstellen. Der weitere Jahresverlauf lasse sich bisher noch nicht
einschätzen, sagte der Sprecher.
In Finanzkreisen hieß es, das Finanzstärke-Rating spiele bei
Geschäften zwischen Banken eine Rolle, habe aber für die
unmittelbaren Refinanzierungskosten weniger Relevanz. Laut Moody`s
könnte auch das «Aa3»-Rating für Genussscheine
der BayernLB sowie das «A1»-Rating für Wertpapiere der
BayernLB Capital Trust gesenkt werden. Dagegen seien die Einstufungen
für erstrangige unbesicherte Verbindlichkeiten («Aa2»)
sowie für nachrangige Verbindlichkeiten («Aa3»)
bestätigt worden.
Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Thomas Mütze,
erklärte, die Entwicklungen seien «ein weiterer Beleg
für das völlig verfehlte Krisenmanagement» des
bayerischen Finanzministers Erwin Huber (CSU). «Immer wieder hat
Erwin Huber gebetsmühlenartig wiederholt, die BayernLB werde die
Verluste aus der Subprime-Krise ohne größeren Schaden
überstehen, weil sie nach wie vor die höchsten Ratingnoten
erhält», kritisierte Mütze. «Diese billigen
Durchhalteparolen fallen nun wie ein Kartenhaus in sich zusammen.»
(Quelle: dpa)
Bau startet mit zweistelligem Auftragsplus ins Jahr
Mi.26.03.08 - Die Baubranche ist mit einem zweistelligen Auftragsplus ins Jahr
gestartet.
Im Januar gingen bei den Unternehmen preisbereinigt 10,7 Prozent mehr
Bestellungen ein als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am
Dienstag mitteilte. Das ist der stärkste Zuwachs seit Oktober. Er
liegt deutlich über dem Jahresdurchschnitt 2007 von 3,5 Prozent.
Großaufträge und der milde Winter hätten zum
Aufwärtstrend beigetragen, hieß es.
Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sprach von einem
guten Jahresauftakt. Der Gesamtumsatz stieg nominal um 5,7 Prozent auf
4,373 Milliarden Euro. Da die Preise um vier Prozent zulegten,
kletterten die Erlöse nach HDB-Angaben auch unterm Strich leicht.
Im Hochbau legte das Neugeschäft um 13,5 Prozent zu, im Tiefbau um
7,4 Prozent. Trotz des deutlichen Umsatzplus' wurden Stellen abgebaut.
Ende Januar wurden rund 681.000 Beschäftigte gezählt. Das
waren 4000 oder 0,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Vom
Auftragsschub profitierten dem Branchenverband zufolge vor allem
westdeutsche Betriebe. Deren Orderplus lag bei zwölf Prozent,
während die ostdeutschen Firmen nur fünf Prozent mehr
Aufträge an Land zogen. Trotz der Kapitalmarktkrise bleibt der
Wirtschaftsbau Motor des Aufschwungs, wie der HDB erklärte. Auch
der öffentliche Bau entwickele sich wegen der besseren Finanzlage
der Gemeinden weiter positiv. Schlechte Nachrichten kämen nur vom
Wohnungsbau: Hier seien die Aufträge um 4,3 Prozent unter das
Vorjahresniveau gesunken.
In der Statistik werden die größeren Betriebe des
Bauhauptgewerbes ab 20 Mitarbeitern berücksichtigt.
(Quelle: rtr)
Metall- und Elektrobranche verzeichnet starken Stellenaufbau
Mi.26.03.08 - Die gute Konjunktur hat zu Jahresbeginn zu einem deutlichen
Arbeitsplatzzuwachs in der deutschen Metall- Elektrobranche
geführt. Im Januar seien bundesweit rund 27 000 neue
Arbeitsplätze geschaffen worden, teilte der Arbeitgeberverband
Gesamtmetall am Dienstag in Berlin mit. Damit seien in der Branche rund
3,58 Millionen Menschen und damit rund 130 000 oder 3,7 Prozent mehr als
vor Jahresfrist beschäftigt. Einen so starken Jobaufbau habe es
zuletzt in der ersten Hälfte der 60er Jahre gegeben.
Auch für die nächsten Monaten rechnet die Branche mit
weiteren Einstellungen. Von der guten Konjunktur profitiere auch der
Ausbildungsmarkt. So seien 2007 mehr als 75 000 neue Lehrstellen
geschaffen worden und damit elf Prozent mehr als 2006.
Als Grund wies der Verband auf die «ungebrochene Nachfrage»
nach Produkten aus der Branche. So sei die Nachfrage im Januar
gegenüber dem Vorjahresmonat um 12 Prozent gestiegen. Dabei habe
vor allem die Auslandsnachfrage mit einem Plus von mehr als 16 Prozent
zugelegt, während der Zuwachs im Inland mit mehr als 7 Prozent
schwächer ausgefallen sei. Die Produktion sei im Januar auf
Jahressicht um 10,5 Prozent gestiegen. Der Arbeitgeberverband
Gesamtmetall ist der Dachverband von 22 Arbeitgeberverbänden der
Metall- und Elektro-Industrie. In ihnen sind rund 6100 Unternehmen mit
mehr als zwei Millionen Beschäftigten organisiert.
(Quelle: ddp)
Experten erwarten weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit
Mi.26.03.08 - Die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt hat sich nach Einschätzung
von Experten auch im März fortgesetzt. Von AP befragte Volkswirte
erwarten im Vergleich zum Februar einen Rückgang zwischen 80.000
und 130.000 auf rund 3,5 Millionen Arbeitslose. Neben dem milden Winter
und der nach wie vor kräftigen Konjunktur dürfte dazu auch
beigetragen haben, dass das Arbeitskräfteangebot nachlässt.
Im Februar war die Arbeitslosenzahl um 42.000 auf 3,617 Millionen
gesunken. Die Quote hatte sich auf 8,6 Prozent verringert.
«Die Stimmung in der Industrie ist noch gut, trotz der
weltwirtschaftlichen Turbulenzen», erklärt Hans-Ulrich
Brautzsch vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Er
geht von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um nicht bereinigt
80.000 aus. Seiner Einschätzung nach sind 10.000 bis 15.000 davon
darauf zurückzuführen, dass das Arbeitskräfteangebot aus
demographischen Gründen abnimmt. Der restliche Rückgang sei
durch Neueinstellungen vor allem in Exportbranchen und im
Dienstleistungsgewerbe zu erklären.
Auch Eckhard Tuchtfeld von der Commerzbank in Frankfurt sieht im
Dienstleistungsbereich, Handel und Bau eine wieder gestiegene Nachfrage
nach Mitarbeitern. Er erwartet daher für März einen
Rückgang der Arbeitslosenzahl um 130.000. Im weiteren
Jahresverlauf werde sich die allmählich nachlassende Konjunktur
aber auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen.
Der Wirtschaftswissenschaftler geht daher davon aus, dass die
wirtschaftliche Dynamik schon im zweiten Quartal an Schwung verlieren
wird. In der zweiten Jahreshälfte werde sich dies auch auf die
Arbeitslosenzahlen auswirken. «Es gibt dann zwar nach wie vor
einen Rückgang, aber der wird geringer ausfallen als
früher», erklärt er.
Gregor Eder von der Deutschen Bank in Frankfurt ist indes
«absolut optimistisch», was die mittelfristige Entwicklung
am Arbeitsmarkt angeht. «Der positive Trend sollte sich weiter
deutlich fortsetzen», erklärt er. Der Arbeitsmarkt werde
sich weitaus besser entwickeln als befürchtet. «Wir haben
nach wie vor eine robuste Konjunktur, und die Einzelhandelsumsätze
sind gut», beschreibt er.
«Bremsende Effekte» von der internationalen
Finanzmarktkrise erwartet er frühestens im dritten und vierten
Quartal. Diese Auswirkungen würden aber «relativ begrenzt
sein». Für März geht Eder von einer Verringerung der
Arbeitslosenzahl um 100.000 auf knapp 3,5 Millionen aus. «Im
Oktober werden vorübergehend sogar die drei Millionen
geknackt», rechnet er vor. Zum Winter hin dürfte die
Arbeitslosigkeit dann aber wieder steigen.
Die März-Daten gibt die Bundesagentur für Arbeit (BA) am
kommenden Dienstag (1. April) in Nürnberg bekannt.
(Quelle: ap)
Warnung vor Medizinermangel - Ärzte schließen Praxen
Mi.26.03.08 - Vor den von heute an geplanten Praxisschließungen
niedergelassener Ärzte hat die Kassenärztliche
Bundesvereinigung (KBV) vor einem Medizinermangel gewarnt. Fast jeder
fünfte niedergelassene Arzt in Deutschland befinde sich kurz vor
der Rente, berichtet KBV-Chef Andreas Köhler der Nachrichtenagentur
dpa.
Unterstützung der Politik sei nötig. «Denn der drohende
Ärztemangel ist letztlich eine Herausforderung für die gesamte
Gesellschaft.» Die niedergelassenen Ärzte sind bis
einschließlich Freitag aufgerufen, ihre Praxen zu schließen
und so gegen die Gesundheitspolitik zu protestieren. Initiator ist der
Verein «Freie Ärzteschaft».
Nach Angaben seines Präsidenten Martin Grauduszus könnten
sich bis zu 30 Prozent der rund 100 000 Praxen an dem Protest
beteiligen. Andere Ärztekreise gingen allerdings von einer geringen
Beteiligung aus. Durch Vertretungsregelungen soll die Versorgung der
Patienten gesichert werden. Nach Ansicht des Vereins zielt der Sparkurs
der Bundesregierung darauf ab, die gesamte Versorgung von den
niedergelassenen Ärzten in die Kliniken zu verlagern.
Unterdessen rechnete der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse
(KKH), Ingo Kailuweit «spätestens zum 1. Juli mit einer neuen
Beitragserhöhungswelle». Als Gründe nannte er im
«Handelsblatt» (Dienstag) die schwächere Konjunktur
sowie steigende Gesundheitsausgaben. Auch hätten viele Kassen zum
1. Januar ihre Beiträge nicht so erhöht, wie es zur Deckung
der erwarteten Ausgaben erforderlich gewesen wäre.
Der Kassenarzt-Verband KBV berichtete, der Anteil der Praxisärzte,
die 60 Jahre und älter sind, habe von 8,8 Prozent 1993 auf zuletzt
mehr als 17 Prozent zugelegt. Bei den Hausärzten seien es sogar 19
Prozent. 1993 waren rund 9100 niedergelassene Ärzte 60 Jahre und
älter. Mittlerweile seien es rund 20 600 Ärzte.
«Wir rechnen damit, dass bis 2012 rund 34 000 niedergelassene
Ärzte altersbedingt ihre Praxistätigkeit aufgeben
werden», sagte Köhler. «Junge Ärzte sind also
gefragt wie nie sowohl in Krankenhäusern als auch in den
niedergelassenen Praxen.» Sichere wirtschaftliche
Verhältnisse seien für ausreichend medizinischen Nachwuchs
nötig.
Köhler forderte deshalb nachdrücklich, dass 2009 die in
Aussicht gestellte Honorarreform startet. «Sie bietet die Chance
auf Einkommensverbesserungen bei den niedergelassenen Kollegen.»
Die Ärzte sollen dann für kränkere Patienten mehr Geld
bekommen. Die Bezahlung soll zudem nicht mehr nach einem komplizierten
Punktwertsystem, sondern nach Euro und Cent erfolgen.
(Quelle: dpa)
Entscheidung gegen Olympia-Boykott stößt auf Kritik
Mi.26.03.08 - Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gegen
einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking ist in der Politik auf
Kritik gestoßen.
Angesichts der Lage in Tibet hätte er es für
«klüger» gehalten, die Teilnahme an den Sommerspielen
noch offen zu lassen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen
Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), am Dienstag im
Südwestrundfunk. Grünen-Chefin Claudia Roth warnte davor, der
chinesischen Führung einen «Blankoscheck» auszustellen.
Polenz sagte, abgesehen von einem Sportler-Boykott sei auch eine Art
politischer Demonstration bei der Olympia-Zeremonie denkbar. Falls
Peking so «militant» handeln sollte wie es zur Zeit rede,
könne er sich nicht vorstellen, dass deutsche Politiker «zur
Eröffnungsfeier oder zur Schlussfeier fahren». Roth sagte im
WDR zum Thema Boykott: «Ich würde ihn zum jetzigen Zeitpunkt
nicht befürworten. Aber ausschließen finde ich falsch, weil
das rechtfertigt ja das weitere Vorgehen.»
Der DOSB hatte am Montag trotz des gewaltsamen Vorgehens der
chinesischen Behörden in Tibet einen Boykott ausgeschlossen.
Begründet wurde dies auch mit der «Verantwortung
gegenüber den Athleten». DOSB-Generaldirektor Michael Vesper
rechtfertigte im ZDF- «Morgenmagazin» die Entscheidung. Es
wäre «naiv» zu glauben, dass es den Menschen in Tibet
oder China bessergehe, wenn man die Spiele boykottiere. «Es ist
besser, auf Dialog und Verständigung zu setzen.»
(Quelle: dpa)
Anklage gegen NPD-Chef wegen Volksverhetzung
Mi.26.03.08 - Die Staatsanwaltschaft Berlin hat den NPD-Chef Udo Voigt und zwei
weitere Rechtsextreme wegen Volksverhetzung und Beleidigung angeklagt.
Den Beschuldigten werde vorgeworfen, für die Herausgabe eines
sogenannten WM-Planers zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006
verantwortlich gewesen zu sein, teilte die Justiz am Dienstag mit.
Darin solle zum Ausdruck gebracht worden sein, dass dunkelhäutige
Spieler unwürdig seien, Deutschland als Nationalspieler zu
repräsentieren. In der Broschüre stand zu einem Trikot mit
der Nummer 25 - damals Patrick Owomoyela (Werder Bremen) zugeordnet -
der Schriftzug "Weiß - nicht nur eine Trikotfarbe".
Nach einer Durchsuchung der NPD-Parteizentrale und der Beschlagnahme
der Flyer erstellten die Beschuldigten nach Justiz-Angaben einen neuen
WM-Planer. Darin soll erneut eine "Überfremdung" der
Nationalmannschaft angeprangert worden sein: Durch ein Piktogramm eines
weißen und zehn farbiger Nationalspieler vor der Frage
"Nationalelf 2010?".
Owomoyela begrüßte die Anklage. "Es ist natürlich nicht
schön, wenn man so plakativ benutzt wird, um eine rechtsradikale
Kampagne zu fahren. Ich war sehr erschrocken darüber, dass es mich
auch direkt betrifft", sagte er Reuters-TV.
Für die NPD erklärte Frank Schwerdt: "Wir lehnen es
grundsätzlich ab, dass auswärtige Spieler in der deutschen
Fußball-Nationalmannschaft tätig sind." Dann könne man
auch nicht ein Nationalmannschaftsspiel Italien gegen Deutschland mit
einem Spiel wie Zaire gegen Kongo verwechseln.
(Quelle: rtr)