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+++ Do.27.03.08, 06:30        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am 1465sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Iraks Präsident stellt Aufständischen Ultimatum - Schiitische Gruppen streiten um Vorherrschaft - Binnen zwei Tagen mindestens 40  Tote. Saddam Husseins Geheimdienst finanzierte Reise von US-Abgeordneten - Kurz vor Einmarsch im Irak

Do.27.03.08 - In Basra kämpfen schiitische Milizen um die Vorherrschaft. Dutzende Menschen sind dabei getötet worden. Präsident Al-Maliki hat ein Ultimatum bis Freitag gestellt.

Heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Milizionären des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr in Basra haben binnen zwei Tagen mindestens 40 Menschen das Leben gekostet. 200 weitere sind verletzt worden. Der irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki stellte den Kämpfern am Mittwoch (26.3.2008) nach Angaben eines Vertrauten ein Ultimatum von drei Tagen, um ihre Waffen abzugeben, sich zu stellen sowie zu einem Gewaltverzicht zu bekennen. Wer seine Waffen abgebe und eine Verpflichtungserklärung unterzeichne, werde nicht verfolgt. Für alle anderen Kämpfer werde es "härteste Strafen" geben, hieß es in einer Erklärung des schiitischen Regierungschefs.

In der Hauptstadt Bagdad kamen bei Gefechten zwischen irakischen und US-Truppen gegen Anhänger al-Sadrs mindestens 15 Menschen ums Leben, etwa 100 erlitten Verletzungen, wie das Innenministerium mitteilte.

Am Montag war Al-Maliki nach Basra geflogen und hatte den Militäreinsatz gegen die Milizionäre angekündigt. Britische Truppen hatten bis zum 16. Dezember 2007 die Kontrolle über Basra, verließen dann jedoch die Stadt und übergaben das Kommando an Regierungseinheiten.

Die Behörden verhängten am Mittwoch Ausgangssperren über vier Städte südlich von Bagdad: Hilla, Kut, Samawa und Nassirijah. Für die Provinz Basra war schon zuvor eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft.

Die Sadr-Bewegung bezichtigt die Regierung, ihren Erzrivalen innerhalb der schiitischen Gemeinde, den Obersten Islamischen Rat im Irak von Abdel Asis Hakim, zu unterstützen. Der Gouverneur von Basra, Mohammed el Waelli, gehört wiederum der schiitischen Partei Fadhila (Tugend) an, die über großen Einfluss im Erdölsektor verfügt, der Haupteinnahmequelle des irakischen Staats.

Die Mahdi-Armee befolgt seit August 2007 einen Waffenstillstand und enthält sich jeglicher Angriffe gegen US- oder irakische Truppen. Einige "unkontrollierte Elemente" der Miliz sind jedoch weiterhin aktiv. Sie sind regelmäßig Ziel von Angriffen der Streitkräfte.

Der Geheimdienst Saddam Husseins hat kurz vor dem US-Einmarsch im Irak eine Reise von drei demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses finanziert. Das erklärte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Detroit. Die Abgeordneten wussten offenbar nichts von der Finanzierung durch den Geheimdienst. Es werde gegen keinen Parlamentarier ermittelt, teilte das Justizministerium mit. Offiziell wurde die Reise kurz vor Beginn des Irak-Kriegs im Oktober 2002 von einer Hilfsorganisation finanziert.

Die Namen der Abgeordneten wurden nicht bekanntgegeben, die Reisezeit passt jedoch exakt zur Visite von drei demokratischen Abgeordneten: Jim McDermott, David Bonior und Mike Thompson.

Ein Sprecher Thompsons erklärte, der Abgeordnete habe nichts von der Finanzierung gewusst. «Bei der Reise ging es darum, das Leiden der irakischen Kinder zu sehen», sagte der Sprecher. Außerdem sei die Reise damals vom US-Außenministerium gebilligt worden. Der Abgeordnete McDermott, der den Einmarsch im Irak ablehnte, wurde wegen der Visite in Bagdad von seinen konservativen Gegnern oft als «Bagdad Jim» verhöhnt.

Muthanna al Hanouti, ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Leben für Hilfe und Entwicklung, der als Mittelsmann bei der Finanzierung der Reise gedient haben soll, wurde am Dienstagabend bei der Einreise in die USA festgenommen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, sich in den USA als nichtregistrierter Spion einer ausländischen Regierung betätigt zu haben. Al Hanouti bestreitet die Vorwürfe.

boa (Quellen: ap, dw)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 27.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendundersten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.27.03.07 - US-Botschafter im Irak führte Gespräche mit Aufständischen +++ Irak plant für Ex-Baathisten Erlaubnis zur Rückkehr in Ämter +++ US-Truppen im Irak nehmen mutmaßliche Autobomber fest +++ UNHCR: Probleme in Syrien und Jordanien durch Irak-Flüchtlinge... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0703270.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Acht Tote bei Anschlag auf Bauernmarkt in Afghanistan

Do.27.03.08 - Bei einem Anschlag auf einen Bauernmarkt im Süden Afghanistans sind acht Zivilpersonen getötet worden. 17 weitere Menschen, darunter fünf Kinder, wurden bei der Detonation der Autobombe am Mittwoch verletzt. Der Polizeichef der Provinz Helmand, Mohammad Hussein Andiwal, sprach von einem Terroranschlag und machte die Taliban dafür verantwortlich. Die radikalislamische Miliz hat in jüngster Zeit immer häufiger Anschläge gegen Zivilpersonen ausgeübt.

(Quelle: ap)
 


 

Zunehmende Gewalt in Darfur gefährdet laut UN Hilfseinsätze

Do.27.03.08 - Die zunehmenden Angriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen gefährden die Versorgung von hunderttausenden Menschen in der sudanesischen Krisenprovinz Darfur. Das teilte der Koordinator der humanitären Hilfe der Vereinten Nationen für den Sudan am Mittwoch in Khartum mit. Die Gewalt habe beispiellose Ausmaße angenommen. Seit Jahresbeginn wurde drei Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und ein Lastwagenfahrer getötet. Knapp 90 Mitarbeiter von Hilfs- oder UN-Organisationen wurden entführt.

Darüber hinaus wurden 29 Fahrer von Hilfskonvois des Welternährungsprogramms (WFP) und vier Ingenieure entführt. Dadurch drohe gegenwärtig 180.000 Menschen akuter Trinkwassermangel. Wenn sich die Lage nicht verbessere, könnten schon bald 400.000 Menschen betroffen sein, warnten die UN. Das WFP warnte, die Angriffe auf die Hilfslieferungen der Organisation gefährdeten die Lebensmittellieferungen für bis zu zwei Millionen Menschen in der Region. Etwa 1.000 der 14.000 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sind Ausländer.

Bis zu vier Millionen Menschen sind in der Bürgerkriegsprovinz im Westen des Sudans auf Hilfe angewiesen. Seit Beginn der Kämpfe zwischen Rebellengruppierungen und Regierungstruppen 2003 sind mehr als 200.000 Menschen ums Leben gekommen, zumeist durch Krankheiten oder Mangelernährung.

(Quelle: ap)
 


 

Bush spricht mit Hu über Lage in Tibet -- China bringt ausländische Journalisten nach Lhasa -- Vergleich mit Olympia 1936: Peking fühlt sich beleidigt

Do.27.03.08 - US-Präsident George W. Bush hat am Mittwoch in einem Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao seine Besorgnis über das Vorgehen gegen Demonstranten in Tibet geäußert. Bush habe Hu ermuntert, in einen «substanziellen Dialog» mit Vertretern des Dalai Lamas einzutreten und Journalisten sowie Diplomaten Zugang nach Tibet zu gewähren, erklärte das Weiße Haus.

Hu erklärte Bush laut einem Bericht der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, dass es sich bei den Protesten in Tibet keineswegs um friedliche Demonstrationen oder gewaltfreie Aktivitäten gehandelt habe. Keine verantwortliche Regierung der Welt würde angesichts derartig «gewaltsamer Verbrechen» einfach zusehen, erklärte Hu in dem Telefonat. Die Demonstrationen hätten Menschenrechte verletzt, die öffentliche Ordnung gestört und die Sicherheit des öffentlichen Lebens gefährdet.

Bush erklärte laut der Erklärung des Weißen Hauses weiter, die Präsidentenwahl in Taiwan am vergangenen Wochenende biete beiden Seiten eine neue Gelegenheit, aufeinanderzuzugehen und ihre Meinungsverschiedenheiten friedlich zu lösen. Bush und Hu hätten auch die Lage in Nordkorea und Birma erörtert.

Erstmals seit der Ausweitung der Unruhen in Tibet hat China am Mittwoch wieder ausländische Journalisten in das Gebiet gelassen. Ziel der organisierten Reise schien es vor allem zu sein, den Journalisten zu zeigen, dass sich das Leben in Tibet normalisiert habe. Es war zunächst unklar, wie viel Bewegungsfreiheit die 26 Journalisten bei der zweitägigen Reise haben.

Die ersten Stunden in Lhasa vermittelten den Reportern jedenfalls nur einen begrenzten Blick auf die Situation in Tibet. Der Bus brauchte für die 65 Kilometer lange Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum 90 Minuten. Bitten der Reporter, etwas schneller zu fahren, blieben ungehört. Der Bus passierte auf der Fahrt drei Kontrollstellen der Polizei, zudem stand an fast jeder Straßenkreuzung ein einzelner Polizist. An einem Halt an einem der Kontrollposten wurden die Journalisten ständig von chinesischen Aufpassern begleitet.

In Lhasa selbst wurden die Journalisten zum Potala-Platz unterhalb des gleichnamigen Palastes gebracht, anschließend wurden sie in zwei Straßen geführt, in denen viele Läden während der Unruhen in Brand gesteckt wurden. In der Altstadt kontrollierten Mitglieder der Volkspolizei Ausweise, ließen die Menschen aber passieren. Auf mehreren Plätzen waren Polizisten in Tarnuniform mit Maschinenpistolen zu sehen. Die Polizeipräsenz in der Stadt wirkte aber nicht ungewöhnlich stark.

Der Dalai Lama erklärte zu der von China organisierten Journalistenreise, er hoffe, dass dies ein erster Schritt sein werde und dass die Journalisten sich ein unabhängiges Bild von der Lage machen könnten.

Nach chinesischen Regierungsangaben haben sich inzwischen mehr als 600 Menschen den Behörden gestellt. Die Polizei veröffentlichte am Mittwoch einen Fahndungsaufruf gegen 53 mutmaßliche Rädelsführer. Bislang seien 29 Personen formell in Haft genommen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua weiter.

Der Aufstand der Tibeter war die größte Herausforderung des chinesischen Staates seit fast zwei Jahrzehnten. Die Sicherheitskräfte reagierten darauf mit Härte. Nach amtlichen Angaben kamen in Lhasa mindestens 22 Menschen ums Leben. Tibetische Exilgruppen sprachen indes von nahezu 140 Todesopfern, darunter 19 in der Provinz Gansu.

Der tibetische Exilpolitiker Karma Chophel forderte ein Einschreiten der internationalen Gemeinschaft gegen die Gewalt in seiner Heimat. «Das Töten unschuldiger Tibeter muss ein Ende haben, die internationale Gemeinschaft muss einschreiten», erklärte der Präsident des tibetischen Exilparlaments am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Zur Frage eines Boykotts der Olympischen Spiele in Peking erklärte er, dies sei eine Gewissensfrage für jedes einzelne Land.

Auf scharfe Kritik stieß in China der Vergleich des früheren britischen Verteidigungsministers Michael Portillo der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking mit denen von 1936 im nationalsozialistischen Berlin. In einem Beitrag für die «Sunday Times» hatte er darauf verwiesen, dass die Nazis die Spiele als Vorzeigeprojekt für den Nationalsozialismus benutzt hätten. Dieser Vergleich sei eine «Beleidigung des chinesischen Volkes und eine Beleidigung für jede Nation der Welt», erklärte Außenamtssprecher Qin Gang.

boa (Quelle: ap)
 


 

USA und Südkorea mahnen von Nordkorea Erklärung zu Atomprogramm an

Do.27.03.08 - Die USA und Südkorea haben von Nordkorea abermals eine seit Ende 2007 ausstehende Erklärung über dessen Atomprogramm angemahnt. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte Pjöngjang am Mittwoch auf, die Liste vorzulegen. Ihr südkoreanischer Kollege Yu Myung Hwan erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Rice in Washington, Zeit und Geduld neigten sich dem Ende zu.

Das Ausbleiben der zugesagten Erklärung hat dazu geführt, dass die Abrüstungsgespräche mit Nordkorea festgefahren sind. An den Sechs-Parteien-Gesprächen sind neben den USA und den beiden koreanischen Staaten auch noch China, Russland und Japan beteiligt.

Rice erklärte, die Erklärung müsse auch jegliche Weiterverbreitung von Atomtechnologie offenlegen. Sie reagierte damit auf eine Frage bezüglich Vorwürfen, wonach Nordkorea Nukleartechnologie nach Syrien geliefert haben soll. Die Unterhändler erwarten von Pjöngjang auch eine Erklärung zu US-Informationen, wonach Nordkorea heimlich ein Programm zur Urananreicherung verfolge.

(Quelle: ap)
 


 

Franzosen und Briten wollen Beziehungen vertiefen

Do.27.03.08 - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown haben die traditionelle Freundschaft ihrer Länder beschworen.

"Ich wünsche mir eine neue französisch-britische Brüderlichkeit", sagte Sarkozy zum Auftakt eines Staatsbesuchs in London. Der von seiner neuen Frau Carla Bruni begleitete Präsident wurde von Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor feierlich empfangen. Sarkozy kommt am Donnerstag zu Gesprächen mit Brown zusammen.

In der BBC schlug Sarkozy am Mittwoch eine enge Zusammenarbeit der Rüstungsindustrien beider Länder vor. Darüber hinaus sollten Frankreich und Großbritannien in der Zuwanderungspolitik kooperieren und die USA drängen, etwas zur Stärkung des Dollar zu unternehmen.

Brown sagte im Parlament, die historische Allianz zwischen beiden Länder stehe vor einer Erneuerung. Großbritannien und Frankreich würden sich gemeinsam für internationale Wirtschaftsreformen einsetzen. Sarkozy wollte ebenfalls zu den britischen Abgeordneten sprechen.

Vor dem Hindergrund der globalen Kreditmarktkrise will Sarkozy gemeinsam mit Brown die Banken zu einer umfassenden Offenlegung ihrer Abschreibungen auffordern, wie Regierungsvertreter mitteilten. Beide wollen sich zudem für eine Reform des UN-Sicherheitsrats aussprechen. Auf der Agenda steht auch eine mögliche Beteiligung Frankreichs am Bau neuer britischer Atomkraftwerke.

Der von Sarkozy angestrebte neue Schulterschluss mit den Briten hat Experten zufolge seinen Grund auch darin, dass das Verhältnis des Franzosen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel als nicht besonders gut gilt. Traditionell gibt es ein enges deutsch-französisches Verhältnis, und beide Länder gelten als Führungsmächte der Europäischen Union. Er wünsche sich, dass sich Großbritannien am Bau eines geeinten Europas beteilige, sagte Sarkozy. "Sehen Sie uns bitte als historische Verbündete für die Zukunft und entschiedene Freude, als ewige Freunde."

(Quelle: rtr)
 


 

Sprecher von französischem Anti-Atom-Bündnis wieder frei

Do.27.03.08 - Der französische Geheimdienst DST hat den Sprecher des Anti-Atom-Bündnisses Sortir du nucléaire wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie die Atomkraftgegner in Paris mitteilten, wurde Stéphane Lhomme in der Nacht nach zehn Stunden in Polizeigewahrsam wieder freigelassen. Es sei möglich, dass er demnächst wegen Geheimnisverrats vor Gericht gestellt werde. Lhomme war durch die für Spionageabwehr zuständige DST am Dienstag einbestellt worden, weil bei ihm vor einem Jahr ein als "vertrauliche Verteidigungssache" eingestuftes Dokument gefunden worden war.

In dem Papier wird festgestellt, dass auch die neuen französischen EPR-Atomkraftwerke einem Absturz eines Linienflugzeuges nicht standhalten würden.

(Quelle: afp)
 


 

EU-Kommission: Kreditklemme macht sich auch in Eurozone bemerkbar

Do.27.03.08 - Die durch die internationale Finanzmarktkrise bewirkte Kreditklemme macht sich mittlerweile auch in Europa deutlich bemerkbar. Zu diesem Schluss kommt die EU-Kommission in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Vierteljahresbericht über die Wirtschaftslage in der Eurozone. «Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone deutlich erschwert», heißt es in dem Papier.

Die Aussichten für die weitere wirtschaftliche Entwicklung seien «außergewöhnlich unsicher», schreibt die Kommission. Die Wirtschaft sei gleich von einer ganzen «Reihe von Schocks» erschüttert worden, darunter die steigenden Preise für Öl und andere Rohstoffe. Die allgemeine Teuerung habe auch zur Abschwächung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone im letzten Quartal 2007 beigetragen, schreiben die Kommissionsexperten: «Diese Verlangsamung hängt stark mit der Schwächung der Verbrauchernachfrage zusammen.»

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Deutsche Bank stellt wegen Finanzkrise Gewinnziel in Frage

Do.27.03.08 - Die Deutsche Bank rückt wegen der Finanzkrise immer stärker von ihrem Gewinnziel für dieses Jahr ab.

In dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht warnte Deutschlands größtes Geldhaus vor weiteren Abschreibungen und sinkenden Erträgen im Investmentbanking. Das Umfeld an den Finanzmärkten und der Realwirtschaft bleibe schwierig. "Die kurzfristigen Aussichten sind nach wie vor höchst unsicher", erklärte Bankchef Josef Ackermann im Brief an die Aktionäre.

Die negativen Effekte auf der Ertragsseite könnten möglicherweise nicht durch Erfolge in anderen Bereichen wie etwa im Privatkundengeschäft kompensiert werden, heißt es in dem Bericht für 2007. Das gelte besonders dann, wenn sich die Wirtschaft stärker als erwartet eintrübe.

"Diese Umstände könnten die Erreichung unseres veröffentlichten Gewinnziels negativ beeinflussen." Die Bank peilt bislang für 2008 ein Vorsteuerergebnis von 8,4 Milliarden Euro an nach 8,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Ein Großteil davon soll vom Investmentbanking kommen, das Ende 2007 wegen der Krise mit kräftig sinkenden Gewinnen zu kämpfen hatte. Ackermann hatte dieses Ziel daher bereits vor einem Monat als mutige Vison bezeichnet und betont, dass das Erreichen ohne eine Belebung der Kapitalmärkte schwierig werde. Von Reuters befragte Analysten erwarten im Schnitt nur noch einen Vorsteuergewinn von 7,1 Milliarden Euro. "Wir rechnen damit, dass die Konsensschätzung weiter zurückgehen wird", erklärten die Branchenexperten von JP Morgan in einer Kurzstudie.

Bisher ist die Deutsche Bank mit Abschreibungen von insgesamt gut 2,3 Milliarden Euro vergleichweise glimpflich durch die Krise gekommen. Investoren reagierten daher verunsichert auf die zunehmende Skepsis des Instituts. Die Aktien gaben in einem kaum veränderten Marktumfeld 2,2 Prozent auf 71,90 Euro nach. Einige Händler sprachen von einer Gewinnwarnung.

Die Finanzkrise macht der Deutschen Bank im Investmentbanking, dem traditionellen Wachstumsmotor des Instituts, an mehreren Stellen zu schaffen. Zum einen erwartet das Geldhaus im Handel mit forderungsbesicherten Anleihen und anderen strukturierten Produkten erhebliche Ertragseinbußen, da diese Papiere besonders stark von der Finanzkrise betroffen sind. Zum anderen kann die Bank wie viele andere Institute Großkredite zur Finanzierung von Übernahmen derzeit nicht mehr am Markt weiterverkaufen. Diese Zurückhaltung der Investoren werde sich 2008 zunächst fortsetzen, erklärte die Bank. Daher seien hier weitere Abschreibungen möglich. Insgesamt habe die Bank in diesem sogenannten "Leveraged-Finance-Geschäft" Kredite und Kreditzusagen in Höhe von mehr als 36 Milliarden Euro in den Büchern.

(Quelle: rtr)
 


 

Deutsche-Bank-Chef Ackermann verdiente 2007 knapp 14 Millionen Euro

Do.27.03.08 - Mit einem Jahresgehalt von knapp 14 Millionen Euro hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch 2007 zu den Spitzenverdienern in Deutschland gezählt.

Dabei profitierte Ackermann von dem Rekordgewinn seines Instituts in Höhe von 6,5 Milliarden Euro, der trotz Einbußen in der Finanzmarktkrise erzielt wurde.

 Seine Vergütung setzte sich 2007 aus dem Grundgehalt von etwa 1,2 Millionen Euro und dem weitaus größeren Teil der an den Geschäftserfolg gekoppelten Komponenten zusammen. Ackermanns Gehalt stieg im Vergleich zum Vorjahr von 13,2 auf 13,98 Millionen Euro. Das Plus fiel mit gut sechs Prozent aber nur halb so stark wie im Vorjahr aus. Insgesamt erhielten die fünf Vorstandsmitglieder inklusive Ackermann 33,2 Millionen Euro.

2007 hatte die Bank in der US-Immobilienkrise Milliarden eingebüßt. Dennoch baute sie ihren Jahresüberschuss um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro aus. "Wir haben die günstigen Bedingungen in der ersten Jahreshälfte genutzt und in dem anschließenden schwierigen zweiten Halbjahr unsere Stärke und Widerstandsfähigkeit bewiesen", schrieb Ackermann im Geschäftsbericht.

(Quelle: dpa)
 


 

Forderung nach Begrenzung von Managergehältern wird wieder laut

Do.27.03.08 - Politiker aus Union und SPD haben sich für gesetzliche Begrenzungen von Managergehältern ausgesprochen. «Wer die soziale Marktwirtschaft erhalten will, muss hier ein Stoppsignal setzen», sagte der Chef der Unions-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Gerald Weiß, der «Frankfurter Rundschau». Konkrete Schritte forderte auch der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer Wend: «Die Wirtschaft kann nicht gegen Mindestlöhne von 7,50 Euro zu Felde ziehen und gleichzeitig in den Vorstandsetagen die Gehälter großzügig steigern.»

Beide Koalitionsfraktionen prüfen daher Änderungen im Steuerrecht, schreibt die Zeitung. Weiß trage Überlegungen aus der SPD mit, bei einem «goldenen Handschlag» für ausscheidende Manager die steuerliche Absetzbarkeit auf eine Million Euro zu begrenzen. Wend nannte es «unerträglich, dass die Allgemeinheit mitbezahlt, wenn unfähigen Managern ihr Ausscheiden mit exorbitanten Abfindungen versüßt wird».

IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode kritisiere die «exorbitanten Steigerungen» der Vorstandsvergütungen bei stagnierenden Realeinkommen der Beschäftigten: «Derzeit profitieren nur die Manager und nicht die Belegschaften vom Aufschwung.»

Zu beobachten sei, dass die variablen Gehaltsbestandteile ein wachsendes Gewicht bekämen. «Die Abhängigkeit vom Profit nimmt damit zu. Das heißt, einige Leistungs-Kennziffern sind falsch gestellt», sagte Rhode. Vorzuziehen sei, wenn weitere Kriterien für die Ermittlung der Gehälter angelegt würden: «Zum Beispiel Innovations- oder Investitionskriterien, aber auch die Sicherung von Arbeitsplätzen», schlug Rhode vor.

Nach Berechnungen der «Frankfurter Rundschau» ergibt sich für die Manager der 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex DAX ein durchschnittlicher Zuwachs von 22 Prozent.

(Quelle: ap)
 


 

Private Arbeitsvermittler nur wenig erfolgreich

Do.27.03.08 - Die Beauftragung von Privatvermittlern erhöht die Arbeitsmarktchancen von Hartz-IV-Beziehern offenbar kaum. Die Beschäftigungschancen von Arbeitslosengeld-II-Empfängern, die Anfang 2005 einem privaten Vermittlungsdienstleister zugewiesen wurden, stiegen je nach Teilgruppe gar nicht oder nur in geringem Umfang, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Sie sind, verglichen mit Hartz-IV-Empfängern, die bei der öffentlichen Arbeitsvermittlung geblieben sind, im Durchschnitt genauso häufig oder sogar häufiger arbeitslos gemeldet.

Nur einzelne, eher schwer vermittelbare Gruppen profitierten der Studie zufolge in geringem Umfang von der Überweisung an private Vermittlungsdienstleister. Leicht erhöhte Beschäftigungschancen verzeichnet die IAB-Studie bei jungen ostdeutschen Männern unter 25 Jahren, ostdeutschen Geringqualifizierten, westdeutschen Frauen ab 50 Jahren, westdeutschen Männern mit Migrationshintergrund und bei langzeiterwerbslosen Frauen ab 30 Jahren in Ost und West.

Nach Einschätzung des IAB eignet sich die Einbindung privater Vermittlungsdienstleister dennoch durchaus zur Ergänzung des Angebots der öffentlichen Arbeitsvermittlung. Durch den Wettbewerb könnten "Potenziale zur Steigerung der Vermittlungseffektivität ausgelotet werden".

Die in der IAB-Studie untersuchte "Beauftragung Dritter mit der Vermittlung" ist nicht identisch mit der Ausgabe von Vermittlungsgutscheinen an Arbeitslose, die sich mit dem Gutschein an einen privaten Arbeitsvermittler ihrer Wahl wenden können. Anders als bei den Vermittlungsgutscheinen werden bei der "Beauftragung Dritter" Arbeitslose für mehrere Monate einem mit der Vermittlung beauftragten Träger zugewiesen.

(Quelle: afp)
 


 

Discounter Lidl soll eigene Beschäftigte systematisch überwacht haben -- Schwerer Verstoß gegen den Datenschutz

Do.27.03.08 - Schwere Bespitzelungsvorwürfe gegen Lidl: Mitarbeiter des Lebensmitteldiscounters sollen in zahlreichen Filialen bis in ihre privaten Angelegenheiten hinein über Kameras und Detektive ausgespäht worden sein. Unter anderem sei notiert worden, wie oft sie zur Toilette gingen oder ob sie untereinander Liebesverhältnisse haben, berichtete das Magazin «Stern» am Mittwoch vorab. Lidl räumte die Vorwürfe teilweise ein und entschuldigte sich bei den Betroffenen.

Das Mitglied der Geschäftsführung Jürgen Kisseberth sagte der Nachrichtenagentur AP, die Kameras und Detektive seien eingesetzt worden, um durch Diebstahl verursachte Inventurverluste zu vermeiden. Dass dabei aber auch persönliche und private Details notiert wurden, sei nicht geplant gewesen und entspreche «in keinster Weise» dem Unternehmensstil.

Der «Stern» berichtete über mehrere hundert Seiten interner Lidl-Protokolle, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert sei, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur «introvertiert und naiv wirkt». Die meisten dieser Einsatzberichte stammten aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, dazu kämen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein, hieß es.

Die Überwachung funktionierte dem Bericht zufolge immer nach dem gleichen Muster: Montagmorgen installierten laut «Stern» von Lidl beauftragte Detektive in der jeweiligen Filiale meist zwischen fünf und zehn Miniaturkameras. Dem Filialleiter sei erzählt worden, es gehe darum, Ladendiebe aufzuspüren. Tatsächlich hätten die Detektive aber auch ihre genauen Beobachtungen der Lidl-Mitarbeiter notiert.

Kisseberth räumte ein, er könne nicht ausschließen, dass die im «Stern»-Bericht geschilderten Bespitzelungen stattgefunden haben. Er selbst habe einen Bericht über Tätowierungen einer Mitarbeiterin erhalten. Die Zusammenarbeit mit der betreffenden Detektei sei daraufhin beendet worden.

Als Konsequenz aus dem nun bekanntgewordenen Bericht sei beschlossen worden, generell mit keiner Detektei mehr zusammenzuarbeiten. Im Jahr 2006 seien Detektive in etwa 150 Filialen tätig gewesen, im vergangenen Jahr in rund 210. Komme es künftig zu Diebstählen, werde gemeinsamen mit den Mitarbeitern über Gegenmaßnahmen entschieden. «Wir sind bestürzt über die Berichte und es tut uns Leid. Wir können uns bei den betroffenen Mitarbeitern nur entschuldigen», sagte Kisseberth.

Eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums kündigte eine Überprüfung der Angelegenheit an: «Der Sachverhalt muss aufgeklärt werden.» Achim Neumann von der Gewerkschaft ver.di erklärte dem Bericht zufolge, er sei zwar einiges gewohnt von Lidl, von solch einer systematischen Mitarbeiterüberwachung aber habe er noch nie gehört. «Diese Dimension ist mir völlig neu.»

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, erklärte dem Magazin zufolge, dass das Protokollieren eines Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: «Ich gehe davon aus, dass, wenn solche Vorgänge bekanntwerden, die zuständige Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen einleitet.»

(Quelle: ap)
 


 

Kritik an Postgewerkschaft GNBZ hält an - 'Wir haben es hier mit der Karikatur einer Gewerkschaft zu tun'

Do.27.03.08 - Die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustellerdienste (GNBZ) steht wegen ihrer Finanzierung durch die Arbeitgeber weiter in der Kritik. «Wir haben es hier mit der Karikatur einer Gewerkschaft zu tun», sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unions-Bundestagsfraktion, Gerald Weiß (CDU), der «Berliner Zeitung» (Mittwochausgabe). Die finanzielle Abhängigkeit der Arbeitnehmerorganisation von dem inzwischen insolventen Deutsche-Post-Konkurrenten PIN sei offenkundig und skandalös.

SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend bezweifelte zudem die Gültigkeit des Mindeststundenlohns von 7,50 Euro im Westen und 6,50 Euro im Osten, den der Arbeitgeberverband Neue Brief- und Zustelldienste (AGV-NBZ) für private Brieffirmen, wie PIN und TNT, mit der GNBZ ausgehandelt hat. «Ich habe erhebliche Zweifel daran, ob dieser Mindestlohn noch haltbar ist», sagte Wend der Zeitung. «Diese sogenannte Gewerkschaft ist so desavouiert, dass man ihrem Tarifvertrag keine Bedeutung zumessen kann.» Er halte es zudem für rechtswidrig, dass TNT seine Angestellten seit Monaten nach GNBZ-Tarif bezahle. «Die werden erhebliche Nachzahlungen leisten müssen», kündigte er an.

Unterdessen forderte die Gewerkschaft ver.di personelle Konsequenzen auf Seiten des Arbeitgeberverbandes AGV-NBZ. Florian Gerster müsse als Präsident zurücktreten, sagte ver.di-Vize Andrea Kocsis am Mittwoch. Die Gründung der GNBZ sowie der zwischen ihr und dem AGV-NBZ geschlossene «unwirksame Gefälligkeitstarifvertrag» hätten einzig und allein das Ziel, die Löhne in der Branche zu drücken.

Seit Jahresbeginn gilt in der Postbranche ein Mindeststundenlohn zwischen 8,00 und 9,80 Euro. Dieses Niveau war von einem von der Deutschen Post dominierten Arbeitgeberverband und ver.di vereinbart und zu Jahresbeginn durch das Bundesarbeitsministerum für allgemeinverbindlich erklärt worden. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte diesen Mindestlohn allerdings jüngst für rechtswidrig erklärt. Die Bundesregierung hat Berufung eingelegt, die Entscheidung hierzu steht noch aus. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die GNBZ mit mehr als 130 000 Euro vom Briefdienstleister PIN finanziert wurde.

(Quelle: ddp)
 


 

CDU und Grüne - Dritte Runde der Hamburger Koalitionsgespräche erfolgreich

Do.27.03.08 - In Hamburg ist die dritte Runde der schwarz-grünen Koalitionsgespräche erfolgreich zu Ende gegangen. Die Verhandlungspartner hätten sich in "wichtigen Fragen" aufeinander zubewegt, sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) nach Angaben der Sprecherin der Grün-Alternativen Liste (GAL), Silke Lipphardt. Eine Einigung beider Seiten sei "möglich, machbar und gewollt", betonte von Beust. Wie Grünen-Spitzenkandidatin Christa Goetsch im Anschluss an die Verhandlungen sagte, einigten sich CDU und GAL darauf, weiter keine afghanischen Flüchtlinge abzuschieben. Weitere Ergebnisse wurden nicht bekannt.

Themen der Gespräche waren die Innen- und Justizpolitik. Diskutiert wurde unter anderem über Strafvollzug, Videoüberwachung und den Umgang mit Jugendkriminalität und illegalen Flüchtlingen. Die Verhandlungen seien "fair, sachlich und hart in der Sache" verlaufen, sagte von Beust Lipphardt zufolge. Die Positionen der beiden Parteien seien teils deckungsgleich.

Dennoch hätten beide Parteien Prüfaufträge erteilt, fügte die GAL-Sprecherin hinzu. Der CDU-Landesvorsitzende und Finanzsenator Michael Freytag bezeichnete die dritte Runde der Gespräche demnach als "weiteren Meilenstein". Es seien "keine Gräben ausgehoben, sondern Brücken gebaut worden". Nach Angaben der Hamburger Grünen-Chefin Anja Hajduk kamen die Verhandlungspartner in Gleichstellungsfragen einen Schritt voran.

Die Koalitionsgespräche sollen am Freitag fortgesetzt werden. Auf der Tagesordnung stehen dann erneut die Elbvertiefung und das im Stadtteil Moorburg geplante Kohlekraftwerk, zu denen Arbeitsgruppen von CDU und GAL noch Lösungsvorschläge erarbeiten.

Die seit 2004 allein regierende CDU hatte bei den Bürgerschaftswahlen vor einem Monat die absolute Mehrheit verpasst und ist künftig zum Regieren auf einen Partner angewiesen. SPD und GAL verfehlten ihrerseits ihr Ziel eines rot-grünen Machtwechsels.

(Quelle: afp)
 


 

SPD-Spitze will Debatte über Kandidaten-Urwahl eindämmen

Do.27.03.08 - Aus Sorge um den angeschlagenen Parteichef Kurt Beck will die SPD-Spitze die Debatte über eine Urwahl des neuen Kanzlerkandidaten eindämmen.

Generalsekretär Hubertus Heil sprach am Mittwoch von einer Debatte zur Unzeit. Er verwies auf den Plan, wonach Beck in der Kandidatenfrage einen Vorschlag machen werde. Damit wandte er sich gegen den Hamburger SPD-Spitzenkandidaten Michael Naumann, der Beck eine Entscheidung der Mitglieder nahelegte. Naumann ist ein Gegner Becks, seit dieser die SPD in einem umstrittenen Kurswechsel für eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei öffnete. Seither gilt Beck als angeschlagen, so dass es in der SPD verbreitet Zweifel an seiner Kanzlerkandidatur gibt.

"Die Diskussion über Verfahren und Kanzlerkandidaten ist eine Debatte zur falschen Zeit", sagte Heil dem Berliner "Tagesspiegel" vom Donnerstag. "Der Parteivorsitzende wird zum richtigen Zeitpunkt einen Vorschlag machen. Das ist in der Parteispitze einvernehmlich vereinbart." Die SPD werde sich von niemandem aus dem Tritt bringen lassen. Heil richtete seine Warnung vor einer solchen Debatte auch an die eigenen Reihen. "Jeder verantwortliche Sozialdemokrat weiß, wann welche Debatten zu führen sind und wann nicht." Vorschläge zur Urwahl werden in Teilen der SPD als Vehikel für Kritik an Beck interpretiert.

Mit Naumann hatte erstmals ein prominenter Sozialdemokrat die Debatte über eine Urwahl aufgenommen und so indirekt seine Zweifel an Beck ausgedrückt. "Wenn sich der Parteivorsitzende seiner Kanzlerkandidatur nicht sicher ist, kann er auf das Mittel zurückgreifen, das einem seiner Vorgänger ... in der Stunde politischer Not zur Verfügung stand: Er kann sich in einer Mitgliederumfrage zur Wahl stellen", schreibt Naumann in der Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorabbericht. Naumann macht Beck für verlorene SPD-Stimmen bei der Bürgerschaftswahl Ende Februar verantwortlich, vor der Beck Kurswechsel einleitete.

Der Parteivorsitzende hat sich für Belastungen durch den Streit über die Linkspartei entschuldigt, sieht seine eigene Autorität nach eigenen Angaben aber nicht beschädigt. Lange war in der SPD erwartet worden, dass Beck von seinem Recht auf den ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur Gebrauch macht. Nach dem Streit in der Parteiführung über die Linkspartei, der Beck persönlich und die SPD in den Umfragen deutliche Verluste bescherte, gibt es daran aber Zweifel. Als Alternative wird immer wieder Außenminister Frank-Walter Steinmeier genannt.

Naumann schränkte seine Aussagen für die Entscheidung der Basis über den Kandidaten mit dem Hinweis ein, dies sei nur sinnvoll, wenn sich ein Gegenkandidat melde. Eine Urwahl des Kandidaten ist nach SPD-Statut auf Beschluss der Parteigremien oder durch Forderung eines Quorums der Mitglieder möglich. Die Debatte war durch eine Umfrage ausgelöst worden, wonach eine überwältigende Mehrheit der SPD-Anhänger dafür ist.

Naumann grenzte sich von Beck erneut mit der Forderung ab, jede Zusammenarbeit mit der Linken im Westen auszuschließen. Steinmeier hatte in einem Interview betont, er stehe persönlich für eine solche Abgrenzung der SPD nach links. Dies war in Teilen der SPD als verdeckter Hinweis interpretiert worden, die SPD solle mit einem Kandidaten antreten, dessen Glaubwürdigkeit, anders als bei Beck, in dieser Frage nicht bezweifelt werde. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte, er misstraue in dem Punkt auch Steinmeier. "Denn auch er hat die Entscheidung, sich zur Linkspartei zu öffnen, mitgetragen", sagte der CDU-Politiker der Zeitschrift "Vanity Fair" laut Vorabbericht.

(Quelle: rtr)
 


 

Meinungsforscher zweifelt niedrige Umfragewerte für SPD an

Do.27.03.08 - Über die Zustimmungswerte für die SPD gibt es erhebliche Differenzen unter den Meinungsforschungsinstituten. Während Forsa die SPD beim historisch tiefsten Wert von bundesweit 22 Prozent sieht, wies der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Infratest-dimap, Richard Hilmer, im «Kölner Stadt-Anzeiger» (Donnerstagausabe) darauf hin, dass die SPD nach einer Infratest-Umfrage aus der vergangenen Woche bundesweit bei 28 Prozent gelegen, die Forschungsgruppe Wahlen unlängst sogar 29 Prozent ermittelt habe. «Diese Ergebnisse bewegen sich in der Größenordnung, die auch Allensbach und Emnid ermittelt haben. Forsa bildet da in Bezug auf die SPD eine Ausnahme», erläuterte Hilmer.

Der Meinungsforscher räumte ein, dass es beim Messen aktueller Stimmungen aus methodischen Gründen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen könne. Doch diese Abweichungen lägen «weit über der sonst üblichen statistischen Schwankungsbreite». Die Richtigkeit der Werte könne man letztlich nur bei Wahlen ermessen, und hier hätten für die zurückliegenden Landtagswahlen Infratest-dimap, die Forschungsgruppe Wahlen, Emnid und Allensbach «mit ihren Ergebnissen für die SPD jeweils sehr nahe an den tatsächlichen Ergebnissen gelegen».

(Quelle: ddp)
 


 

FDP-Vorsitzender Westerwelle fordert ermäßigte Mehrwertsteuer auf Energie

Do.27.03.08 - Angesichts der steigenden Energiekosten soll nach dem Willen von FDP-Chef Guido Westerwelle für Gas, Strom und Öl der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten. Bezahlbare Energie sei ein Grundbedürfnis, sagte Westerwelle der "Bild"-Zeitung. Sie sei der "Brotpreis des 21. Jahrhunderts". Wohnungsbesitzer und Deutscher Mieterbund (DMB) begrüßten den Vorstoß, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lehnte ihn als "nicht zielführend" ab. Die niedrigere Mehrwertsteuer von sieben statt 19 Prozent wurde eingeführt, um Produkte des täglichen Bedarfs weniger stark zu besteuern.

Heizen sei "so wichtig wie Kleidung und Nahrung", betonte Westerwelle. "Fahren und Heizen, ob mit Öl, Strom oder Gas, darf kein Luxus werden", sagte der FDP-Chef. Bislang mache der Staat Energie durch Steuern unnötig teuer. So machten Steuern zwei Drittel des Benzinpreises aus. Auch beim Strom stünden Steuern, Abgaben und Gebühren des Staates für zwei Drittel des Preises, betonte Westerwelle.

In seine Rechnung lässt Westerwelle offenbar die Netzdurchleitungsgebühren mit einfließen. Diese allerdings kommen nicht dem Staat, sondern den Unternehmen zugute. Sie werden lediglich von der Bundesnetzagentur reguliert, wie dies auch in Teilen des Telekommunikationsmarktes die Regel ist. Der Staatsanteil selbst mache hingegen rund 40 Prozent des Strompreises aus, sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) der Nachrichtenagentur AFP.

Glos sagte im ZDF, er stimme der Äußerung Westerwelles zu, dass Energie bezahlbar bleiben müsse. "Deswegen brauchen wir auch ausreichend Energieerzeugung in Deutschland", betonte der Minister. Die Mehrwertsteuer auf Energie jedoch zu senken, "ist nicht der richtige Weg". Zudem müsse der ermäßigte Mehrwertsteuersatz generell diskutiert werden. So werde etwa auch auf Hundefutter und Schnittblumen nur der niedrige Satz gezahlt: "Aber jetzt herzugehen und auf Energie einfach die Mehrwertsteuer runterzunehmen, halte ich für nicht zielführend."

Der DMB forderte, der Staat dürfe "nicht an den Preisexplosionen über die Steuermehreinnnahmen in Millionenhöhe mitverdienen". Eine Möglichkeit sei, eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes zu prüfen. Der Immobilienbesitzerverband Haus und Grund erklärte, die Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie sei "angesichts stetig neuer Energiepreiserhöhungen längst überfällig". Zustimmung kam auch vom Steuerzahlerbund.

Verbraucherschützer haben sich derweil gegen die von der FDP geforderte deutliche Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie ausgesprochen. Der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, sagte der «Berliner Zeitung», bei der geforderten Absenkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 7 Prozent sei eine «indirekte Subventionierung der Stromkonzerne» zu befürchten. Erfahrungsgemäß würden die Unternehmen solche Senkungen nutzen, um ihre Gewinne zu erhöhen.

boa (Quellen: dpa, afp)
 


 

Studie - Junge Frauen wollen selbstbestimmtes Leben

Do.27.03.08 - Junge Frauen sind einer neuen Studie zufolge auf dem Sprung, ihre eigenen Vorstellungen von Beruf, Familie und Gesellschaft zu verwirklichen. Mehr als 90 Prozent wollten auf eigenen Beinen stehen, geht aus der "Brigitte"-Studie hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Fast 90 Prozent wollen danach Kinder haben, die große Mehrheit will auch außerhalb der Familie Verantwortung übernehmen. Für die Untersuchung "Frauen auf dem Sprung" wurden 1.020 Bundesbürgerinnen zwischen 17 und 19 sowie zwischen 27 und 29 Jahren befragt.

Der Studie zufolge denken 99 Prozent der jungen Frauen, dass sie gut sind. Fast 80 Prozent sagen, sie arbeiteten hart für ihre Ziele. Mehr als ein Drittel sieht sich künftig eher im Chefsessel als im Vorzimmer. Junge Frauen wollen sich nicht mehr zwischen Familie und Beruf entscheiden und sie sind überwiegend sicher, dass sie ihre Wünsche verwirklichen werden.

Von Partnerschaften erwarten sie das Gleiche wie junge Männer, nämlich Verständnis, Geben und Nehmen, Freiraum, gegenseitige Fürsorge im Alter - während eine Mehrheit der jungen Männer noch immer denkt, Frauen wollten vor allem heiraten und versorgt werden. Aber auch die jungen Frauen pflegen ihre Vorurteile über Männer: Viel Geld und guter Sex seien den Männern das Wichtigste, denken den Angaben zufolge 70 bis 85 Prozent der jungen Frauen, aber nur 60 bis 65 Prozent der jungen Männer.

Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, wertete die Ergebnisse vor allem deshalb als überraschend, weil das starke Selbstbewusstsein der jungen Frauen unabhängig sei von Bildungsstand und sozialer Schicht. Wenn 90 Prozent einer Frauengeneration einen anderen Weg gehen wolle als noch ihre Mütter gehen konnten, so werde dies die Gesellschaft tatsächlich verändern, sagte Allmendinger.

Begünstigt würden die Ziele der jungen Frauen durch die Alterung der Gesellschaft und den absehbaren Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Unternehmen, die sich auf diese Frauengeneration nicht einstellen, würden künftig Schwierigkeiten haben, gute Arbeitskräfte zu finden. Im Gegensatz zu den Männern von heute und der klassischen Karrierefrau seien die Frauen von morgen nicht bereit, für eine Karriere jeden Preis zu zahlen, etwa den Preis der Kinderlosigkeit.

"Brigitte"-Chefredakteur Andreas Lebert betonte die großen Unterschiede zu Studien aus den 80er Jahren. Praktisch keine Frau wolle heute mehr wegen der Kinder zu Hause bleiben. Junge Frauen wollten alles gleichzeitig tun und nähmen dafür Abschied vom Perfektionismus ihrer Mütter, etwa als Hausfrauen. "Mit diesen jungen Frauen ändert sich wirklich was", so Lebert.

Von Befragten gingen knapp 30 Prozent noch zur Schule, 14 Prozent waren in der Lehre, weitere 30 Prozent arbeiteten, 14 Prozent waren nicht berufstätig. Von denen, die die Schule beendet hatten, hatten 25 Prozent einen Hauptschulabschluss, 48 Prozent die mittlere Reife, 27 Prozent Abitur. Die Studie wurde vom Wissenschaftszentrum Berlin unter Leitung von Jutta Allmendinger und infas Bonn in Zusammenarbeit mit der Frauenzeitschrift "Brigitte" erstellt.

(Quelle: epd)
 


 

Verfassungsbeschwerde gegen Atommüll-Endlager Schacht Konrad gescheitert

Do.27.03.08 - Das Atommüll-Endlager Schacht Konrad in Salzgitter hat die vorletzte rechtliche Hürde genommen. Vor dem Bundesverfassungsgericht scheiterte die Stadt Salzgitter am Mittwoch mit einer Verfassungsbeschwerde, die sich gegen die Genehmigung für Bau und Betrieb des Lagers richtete.

Das Gericht nahm die Beschwerde gar nicht erst zur Entscheidung an, weil die Stadt nach seiner Auffassung kein Recht hat, den Baubeschluss in Karlsruhe anzufechten. Nun ist dort nur noch die Klage eines Landwirtes anhängig, dessen Grundstück an das geplante Endlager grenzt. (AZ: 1 BvR 1987/07)

Schacht Konrad war früher ein Eisenerzbergwerk. In dem mehr als 1000 Meter tiefen Stollen sollen mehr als 300 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Atommüll mit geringer Wärmeentwicklung entsorgt werden. Dafür soll das Bergwerk umgerüstet und von 2013 an als Lager in Betrieb genommen werden. Geplant ist, 20 Tonnen schwere Container in den Schächten zu stapeln. In bestimmten Abständen sollen Betonwände eingezogen und die Hohlräume um die Container mit flüssigem Material aufgefüllt werden.

Die Beschwerde hatte sich gegen die Prozessführung des Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts (OVG) gerichtet, das im März 2006 die Klagen von Kommunen und Landwirten gegen den Schachtumbau abgewiesen hatte. Die Stadt kritisierte unter anderem, dass ein Beweisantrag vom Gericht als «rechtlich unerheblich» abgelehnt wurde. Nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts geschah dies aber nicht «in willkürlicher Weise» - was einen Gang nach Karlsruhe erst rechtlich begründet hätte. Die Stadt reagierte enttäuscht. «Für Salzgitter ist das wirklich kein glücklicher Tag», sagte Sprecher Norbert Uhde.

Schwach- und mittelradioaktiver Abfall fällt in Kraftwerken, aber auch in Forschungslaboren und Kliniken an. Rund 900 Millionen Euro wurden bereits in Schacht Konrad investiert, die Umrüstung zum Endlager soll weitere 900 Millionen Euro kosten. Atomkraft-Gegner wollen ihre Proteste gegen Schacht Konrad fortsetzen.

(Quelle: dpa)
 


 

Klimawandel kostet Milliarden

Do.27.03.08 - Der Klimawandel kommt nicht nur die Umwelt teuer zu stehen. Allein auf Deutschland kommen nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den nächsten 50 Jahren volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 800 Milliarden Euro zu.

Das sagte die Energieexpertin des DIW, Professorin Claudia Kemfert, am Mittwoch zum Auftakt des dritten «Extremwetter-Kongresses» in Hamburg. «Dabei werden die Folgeschäden des Klimawandels für die ärmeren Bundesländer deutlich stärker zu Buche schlagen als für die wohlhabenden Ländern», betonte sie.

Bezogen auf die Wirtschaftskraft seien Sachsen-Anhalt, Rheinland- Pfalz und Thüringen am stärksten betroffen. «Ökonomische Schäden werden aber in allen Bundesländern zunehmen», betonte Kemfert. Dazu gehörten Überflutungsschäden, aber auch Wasserknappheit und zunehmende Waldbrandgefahr. «Durch extrem heiße Sommer wird in Zukunft gerade in Südwestdeutschland die Land- und Forstwirtschaft mit Wasserknappheit rechnen müssen«, meinte die Expertin.

In extremen Hitzeperioden werde aufgrund des Niedrigwassers in einigen Flüssen nicht genug Wasser vorhanden sein, um Kraftwerke ausreichend mit Kühlwasser zu versorgen. Das berge Risiken für die Energieversorgung, wie auch Stürme, Hagel oder extreme Eislasten, sagte die Wissenschaftlerin. Positive Effekte hat der Klimawandel nach Überzeugung des DIW aber auch. So werde der Tourismus an Nord- und Ostsee aufgrund des milderen Klimas in Norddeutschland zunehmen.

Meteorologische Extremereignisse wie etwa vermehrte Starkniederschläge, Gewitterstürme oder auch Trockenheit sind nach den Worten von Gerhard Steinhorst vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Folgen der Klimaveränderung. «Katastrophenvorsorge und die Bewältigung von Unwettern werden deshalb immer wichtiger.» Neu sei, dass der DWD weltweite Einsätze deutscher Hilfswerke jetzt mit Jahreszeitenvorhersagen für tropische Regionen unterstützen wolle. Diese mehrmonatigen Trendaussagen zu Temperaturentwicklung und Niederschlag seien als Ergänzung zu kurz- und mittelfristigen Wettervorhersagen gedacht.

«Ziel der Kooperation mit der "Aktion Deutschland hilft" sind weiter in die Zukunft reichende meteorologische Informationen, um die Einsatzplanung zu verbessern», betonte Steinhorst. Allein im Jahr 2007 seien bei Überflutungen, Erdbeben, Dürre, Waldbränden und Wirbelstürmen mehr als 20 000 Menschen ums Leben gekommen, erklärte Manuela Roßbach von der «Aktion Deutschland hilft». Eine frühzeitige Katastrophenschutzvorsorge werde daher immer bedeutsamer. Im Rahmen eines Pilotprojektes werde das Bündnis der Hilfsorganisationen die neue Sechs-Monats-Vorhersage des DWD testen. Die Berechnungen basieren auf dem saisonalen Vorhersage-Modell des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen in Reading bei London.

Noch bis Freitag wollen sich auf dem Kongress rund 700 Experten über wissenschaftliche Ergebnisse zu Klimawandel und extremen Wetterereignissen austauschen.

(Quelle: dpa)
 


 

Gigantischer Schelfeisblock in der Antarktis zerfällt

Do.27.03.08 - Offensichtlich unter dem Einfluss des Klimawandels ist von der Antarktis ein gigantischer Schelfeisblock abgebrochen. Das Winterwetter-Forschungszentrum von der Universität Colorado (NSIDC) wies darauf hin, dass das Abbrechen des Eisblocks am 28. Februar durch Satellitenaufnahmen belegt sei. Vom Zerbröckeln ist demnach ein Schelfeisblock am so genannten Wilkins-Schild betroffen, der sich an einer Landzunge der Antarktis befindet, die Feuerland gegenüberliegt. Insgesamt geht es um einen Schelfeisblock von 414 Quadratkilometern. Das am 28. Februar abgebrochene Teilstück ist 25,5 Kilometer lang und 2,4 Kilometer breit.

An der Westseite der Antarktis stiegen die Temperaturen innerhalb von 50 Jahren um durchschnittlich 2,5 Grad. Der Wilkins-Schild werde von warmen Meeresströmungen fortbewegt, sagte der NSIDC-Forscher Ted Scambos. Da der Sommer auf der Südhalbkugel nun endet, erwarten die Forscher in den kommenden Monaten keine Zuspitzung der Entwicklung. "Für diese Saison ist das Spektakel vorbei", sagte Scambos. Im kommenden Januar werde zu beobachten sein, ob der Wilkins-Schild sich weiterbewege.

In den vergangenen Jahren waren zwei große Teile des unweit gelegenen Larsen-Eisschelfes zerfallen - es begann mit dem 75 Kilometer langen und 37 Kilometer breiten Schelf Larsen A 1995, im März 2002 beobachtete ein NASA-Satellit die Auflösung von Larsen B, einer Menge von 720 Milliarden Tonnen Eis. Das Abschmelzen der Eisblöcke in der Antarktis trägt zum Anstieg der Meeresspiegel bei.

(Quelle: afp)
 


 

Falsche Internet-Botschaft lockt in USA Plünderer an

Do.27.03.08 - "Wie die Geier" sind im US-Bundesstaat Oregon zahlreiche Habgierige in die Wohnung eines ahnungslosen Bürgers eingefallen, nachdem im Internet eine gefälschte Nachricht mit einem Angebot zur Selbstbedienung erschienen war. Wie die Polizei mitteilte, handelt es sich bei dem Geschädigten um Robert Salisbury aus Jacksonville. Er habe am Samstag feststellen müssen, dass sich Dutzende von Zeitgenossen über seinen Hausstand hermachten. Im Internet hatte es auf der vielgenutzten Homepage Craigslist geheißen, er sei umgezogen und habe "viele brauchbare Sachen" hinterlassen - Bedienen Sie sich!"

Salisbury wurde auf das Problem aufmerksam, als er einen Anruf von einer Frau erhielt, die sein Pferd mitnehmen wollte. Als er daraufhin den 40 Kilometer langen Weg zwischen Arbeitsplatz und Wohnung zurücklegte, begegnete er einem Kleintransporter, auf dem sein Rasenmäher und anderes Gartengerät abtransportiert wurde.

"Ich habe ihnen gesagt, dass die Sachen mir gehören, aber sie wollten mir nichts zurückgeben", sagte Salisbury dem Lokalblatt "Mail Tribune". Als er zu Hause eintraf, fand er 30 Leute beim Einpacken von Hab und Gut vor. Auf seine Vorhaltungen zeigten sie ihm die Internet-Anzeige. "Sie dachten ernsthaft, bloß weil es im Internet steht, ist es wahr", erzürnte Salisbury sich.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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