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Irak am 1465sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Iraks Präsident stellt Aufständischen Ultimatum - Schiitische
Gruppen streiten um Vorherrschaft - Binnen zwei Tagen mindestens
40 Tote. Saddam Husseins Geheimdienst finanzierte Reise von
US-Abgeordneten - Kurz vor Einmarsch im Irak
Do.27.03.08 - In Basra kämpfen schiitische Milizen um die Vorherrschaft.
Dutzende Menschen sind dabei getötet worden. Präsident
Al-Maliki hat ein Ultimatum bis Freitag gestellt.
Heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Milizionären des
radikalen schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr in Basra haben
binnen zwei Tagen mindestens 40 Menschen das Leben gekostet. 200
weitere sind verletzt worden. Der irakische Ministerpräsident Nuri
Al-Maliki stellte den Kämpfern am Mittwoch (26.3.2008) nach
Angaben eines Vertrauten ein Ultimatum von drei Tagen, um ihre Waffen
abzugeben, sich zu stellen sowie zu einem Gewaltverzicht zu bekennen.
Wer seine Waffen abgebe und eine Verpflichtungserklärung
unterzeichne, werde nicht verfolgt. Für alle anderen Kämpfer
werde es "härteste Strafen" geben, hieß es in einer
Erklärung des schiitischen Regierungschefs.
In der Hauptstadt Bagdad kamen bei Gefechten zwischen irakischen und
US-Truppen gegen Anhänger al-Sadrs mindestens 15 Menschen ums
Leben, etwa 100 erlitten Verletzungen, wie das Innenministerium
mitteilte.
Am Montag war Al-Maliki nach Basra geflogen und hatte den
Militäreinsatz gegen die Milizionäre angekündigt.
Britische Truppen hatten bis zum 16. Dezember 2007 die Kontrolle
über Basra, verließen dann jedoch die Stadt und
übergaben das Kommando an Regierungseinheiten.
Die Behörden verhängten am Mittwoch Ausgangssperren über
vier Städte südlich von Bagdad: Hilla, Kut, Samawa und
Nassirijah. Für die Provinz Basra war schon zuvor eine
nächtliche Ausgangssperre in Kraft.
Die Sadr-Bewegung bezichtigt die Regierung, ihren Erzrivalen innerhalb
der schiitischen Gemeinde, den Obersten Islamischen Rat im Irak von
Abdel Asis Hakim, zu unterstützen. Der Gouverneur von Basra,
Mohammed el Waelli, gehört wiederum der schiitischen Partei
Fadhila (Tugend) an, die über großen Einfluss im
Erdölsektor verfügt, der Haupteinnahmequelle des irakischen
Staats.
Die Mahdi-Armee befolgt seit August 2007 einen Waffenstillstand und
enthält sich jeglicher Angriffe gegen US- oder irakische Truppen.
Einige "unkontrollierte Elemente" der Miliz sind jedoch weiterhin
aktiv. Sie sind regelmäßig Ziel von Angriffen der
Streitkräfte.
Der Geheimdienst Saddam Husseins hat kurz vor dem US-Einmarsch im Irak
eine Reise von drei demokratischen Abgeordneten des
Repräsentantenhauses finanziert. Das erklärte die
Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Detroit. Die Abgeordneten wussten
offenbar nichts von der Finanzierung durch den Geheimdienst. Es werde
gegen keinen Parlamentarier ermittelt, teilte das Justizministerium
mit. Offiziell wurde die Reise kurz vor Beginn des Irak-Kriegs im
Oktober 2002 von einer Hilfsorganisation finanziert.
Die Namen der Abgeordneten wurden nicht bekanntgegeben, die Reisezeit
passt jedoch exakt zur Visite von drei demokratischen Abgeordneten: Jim
McDermott, David Bonior und Mike Thompson.
Ein Sprecher Thompsons erklärte, der Abgeordnete habe nichts von
der Finanzierung gewusst. «Bei der Reise ging es darum, das
Leiden der irakischen Kinder zu sehen», sagte der Sprecher.
Außerdem sei die Reise damals vom US-Außenministerium
gebilligt worden. Der Abgeordnete McDermott, der den Einmarsch im Irak
ablehnte, wurde wegen der Visite in Bagdad von seinen konservativen
Gegnern oft als «Bagdad Jim» verhöhnt.
Muthanna al Hanouti, ein Mitarbeiter der Hilfsorganisation Leben
für Hilfe und Entwicklung, der als Mittelsmann bei der
Finanzierung der Reise gedient haben soll, wurde am Dienstagabend bei
der Einreise in die USA festgenommen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm
zur Last, sich in den USA als nichtregistrierter Spion einer
ausländischen Regierung betätigt zu haben. Al Hanouti
bestreitet die Vorwürfe.
boa (Quellen: ap, dw)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 27.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundersten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.27.03.07 - US-Botschafter im Irak führte Gespräche mit
Aufständischen +++ Irak plant für Ex-Baathisten Erlaubnis zur
Rückkehr in Ämter +++ US-Truppen im Irak nehmen
mutmaßliche Autobomber fest +++ UNHCR: Probleme in Syrien und
Jordanien durch Irak-Flüchtlinge...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0703270.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Acht Tote bei Anschlag auf Bauernmarkt in Afghanistan
Do.27.03.08 - Bei einem Anschlag auf einen Bauernmarkt im Süden Afghanistans
sind acht Zivilpersonen getötet worden. 17 weitere Menschen,
darunter fünf Kinder, wurden bei der Detonation der Autobombe am
Mittwoch verletzt. Der Polizeichef der Provinz Helmand, Mohammad
Hussein Andiwal, sprach von einem Terroranschlag und machte die Taliban
dafür verantwortlich. Die radikalislamische Miliz hat in
jüngster Zeit immer häufiger Anschläge gegen
Zivilpersonen ausgeübt.
(Quelle: ap)
Zunehmende Gewalt in Darfur gefährdet laut UN Hilfseinsätze
Do.27.03.08 - Die zunehmenden Angriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen
gefährden die Versorgung von hunderttausenden Menschen in der
sudanesischen Krisenprovinz Darfur. Das teilte der Koordinator der
humanitären Hilfe der Vereinten Nationen für den Sudan am
Mittwoch in Khartum mit. Die Gewalt habe beispiellose Ausmaße
angenommen. Seit Jahresbeginn wurde drei Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen und ein Lastwagenfahrer getötet. Knapp 90
Mitarbeiter von Hilfs- oder UN-Organisationen wurden entführt.
Darüber hinaus wurden 29 Fahrer von Hilfskonvois des
Welternährungsprogramms (WFP) und vier Ingenieure entführt.
Dadurch drohe gegenwärtig 180.000 Menschen akuter
Trinkwassermangel. Wenn sich die Lage nicht verbessere, könnten
schon bald 400.000 Menschen betroffen sein, warnten die UN. Das WFP
warnte, die Angriffe auf die Hilfslieferungen der Organisation
gefährdeten die Lebensmittellieferungen für bis zu zwei
Millionen Menschen in der Region. Etwa 1.000 der 14.000 Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen sind Ausländer.
Bis zu vier Millionen Menschen sind in der Bürgerkriegsprovinz im
Westen des Sudans auf Hilfe angewiesen. Seit Beginn der Kämpfe
zwischen Rebellengruppierungen und Regierungstruppen 2003 sind mehr als
200.000 Menschen ums Leben gekommen, zumeist durch Krankheiten oder
Mangelernährung.
(Quelle: ap)
Bush spricht mit Hu über Lage in Tibet -- China bringt
ausländische Journalisten nach Lhasa -- Vergleich mit Olympia
1936: Peking fühlt sich beleidigt
Do.27.03.08 - US-Präsident George W. Bush hat am Mittwoch in einem Telefonat mit
seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao seine Besorgnis über das
Vorgehen gegen Demonstranten in Tibet geäußert. Bush habe Hu
ermuntert, in einen «substanziellen Dialog» mit Vertretern
des Dalai Lamas einzutreten und Journalisten sowie Diplomaten Zugang
nach Tibet zu gewähren, erklärte das Weiße Haus.
Hu erklärte Bush laut einem Bericht der amtlichen chinesischen
Nachrichtenagentur Xinhua, dass es sich bei den Protesten in Tibet
keineswegs um friedliche Demonstrationen oder gewaltfreie
Aktivitäten gehandelt habe. Keine verantwortliche Regierung der
Welt würde angesichts derartig «gewaltsamer
Verbrechen» einfach zusehen, erklärte Hu in dem Telefonat.
Die Demonstrationen hätten Menschenrechte verletzt, die
öffentliche Ordnung gestört und die Sicherheit des
öffentlichen Lebens gefährdet.
Bush erklärte laut der Erklärung des Weißen Hauses
weiter, die Präsidentenwahl in Taiwan am vergangenen Wochenende
biete beiden Seiten eine neue Gelegenheit, aufeinanderzuzugehen und
ihre Meinungsverschiedenheiten friedlich zu lösen. Bush und Hu
hätten auch die Lage in Nordkorea und Birma erörtert.
Erstmals seit der Ausweitung der Unruhen in Tibet hat China am Mittwoch
wieder ausländische Journalisten in das Gebiet gelassen. Ziel der
organisierten Reise schien es vor allem zu sein, den Journalisten zu
zeigen, dass sich das Leben in Tibet normalisiert habe. Es war
zunächst unklar, wie viel Bewegungsfreiheit die 26 Journalisten
bei der zweitägigen Reise haben.
Die ersten Stunden in Lhasa vermittelten den Reportern jedenfalls nur
einen begrenzten Blick auf die Situation in Tibet. Der Bus brauchte
für die 65 Kilometer lange Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum 90
Minuten. Bitten der Reporter, etwas schneller zu fahren, blieben
ungehört. Der Bus passierte auf der Fahrt drei Kontrollstellen der
Polizei, zudem stand an fast jeder Straßenkreuzung ein einzelner
Polizist. An einem Halt an einem der Kontrollposten wurden die
Journalisten ständig von chinesischen Aufpassern begleitet.
In Lhasa selbst wurden die Journalisten zum Potala-Platz unterhalb des
gleichnamigen Palastes gebracht, anschließend wurden sie in zwei
Straßen geführt, in denen viele Läden während der
Unruhen in Brand gesteckt wurden. In der Altstadt kontrollierten
Mitglieder der Volkspolizei Ausweise, ließen die Menschen aber
passieren. Auf mehreren Plätzen waren Polizisten in Tarnuniform
mit Maschinenpistolen zu sehen. Die Polizeipräsenz in der Stadt
wirkte aber nicht ungewöhnlich stark.
Der Dalai Lama erklärte zu der von China organisierten
Journalistenreise, er hoffe, dass dies ein erster Schritt sein werde
und dass die Journalisten sich ein unabhängiges Bild von der Lage
machen könnten.
Nach chinesischen Regierungsangaben haben sich inzwischen mehr als 600
Menschen den Behörden gestellt. Die Polizei veröffentlichte
am Mittwoch einen Fahndungsaufruf gegen 53 mutmaßliche
Rädelsführer. Bislang seien 29 Personen formell in Haft
genommen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua weiter.
Der Aufstand der Tibeter war die größte Herausforderung des
chinesischen Staates seit fast zwei Jahrzehnten. Die
Sicherheitskräfte reagierten darauf mit Härte. Nach amtlichen
Angaben kamen in Lhasa mindestens 22 Menschen ums Leben. Tibetische
Exilgruppen sprachen indes von nahezu 140 Todesopfern, darunter 19 in
der Provinz Gansu.
Der tibetische Exilpolitiker Karma Chophel forderte ein Einschreiten
der internationalen Gemeinschaft gegen die Gewalt in seiner Heimat.
«Das Töten unschuldiger Tibeter muss ein Ende haben, die
internationale Gemeinschaft muss einschreiten», erklärte der
Präsident des tibetischen Exilparlaments am Mittwoch auf einer
Pressekonferenz in Brüssel. Zur Frage eines Boykotts der
Olympischen Spiele in Peking erklärte er, dies sei eine
Gewissensfrage für jedes einzelne Land.
Auf scharfe Kritik stieß in China der Vergleich des früheren
britischen Verteidigungsministers Michael Portillo der bevorstehenden
Olympischen Spiele in Peking mit denen von 1936 im
nationalsozialistischen Berlin. In einem Beitrag für die
«Sunday Times» hatte er darauf verwiesen, dass die Nazis
die Spiele als Vorzeigeprojekt für den Nationalsozialismus benutzt
hätten. Dieser Vergleich sei eine «Beleidigung des
chinesischen Volkes und eine Beleidigung für jede Nation der
Welt», erklärte Außenamtssprecher Qin Gang.
boa (Quelle: ap)
USA und Südkorea mahnen von Nordkorea Erklärung zu
Atomprogramm an
Do.27.03.08 - Die USA und Südkorea haben von Nordkorea abermals eine seit Ende
2007 ausstehende Erklärung über dessen Atomprogramm
angemahnt. US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte
Pjöngjang am Mittwoch auf, die Liste vorzulegen. Ihr
südkoreanischer Kollege Yu Myung Hwan erklärte bei einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit Rice in Washington, Zeit und Geduld
neigten sich dem Ende zu.
Das Ausbleiben der zugesagten Erklärung hat dazu geführt,
dass die Abrüstungsgespräche mit Nordkorea festgefahren sind.
An den Sechs-Parteien-Gesprächen sind neben den USA und den beiden
koreanischen Staaten auch noch China, Russland und Japan beteiligt.
Rice erklärte, die Erklärung müsse auch jegliche
Weiterverbreitung von Atomtechnologie offenlegen. Sie reagierte damit
auf eine Frage bezüglich Vorwürfen, wonach Nordkorea
Nukleartechnologie nach Syrien geliefert haben soll. Die
Unterhändler erwarten von Pjöngjang auch eine Erklärung
zu US-Informationen, wonach Nordkorea heimlich ein Programm zur
Urananreicherung verfolge.
(Quelle: ap)
Franzosen und Briten wollen Beziehungen vertiefen
Do.27.03.08 - Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der britische
Premierminister Gordon Brown haben die traditionelle Freundschaft ihrer
Länder beschworen.
"Ich wünsche mir eine neue französisch-britische
Brüderlichkeit", sagte Sarkozy zum Auftakt eines Staatsbesuchs in
London. Der von seiner neuen Frau Carla Bruni begleitete Präsident
wurde von Königin Elizabeth II. auf Schloss Windsor feierlich
empfangen. Sarkozy kommt am Donnerstag zu Gesprächen mit Brown
zusammen.
In der BBC schlug Sarkozy am Mittwoch eine enge Zusammenarbeit der
Rüstungsindustrien beider Länder vor. Darüber hinaus
sollten Frankreich und Großbritannien in der Zuwanderungspolitik
kooperieren und die USA drängen, etwas zur Stärkung des
Dollar zu unternehmen.
Brown sagte im Parlament, die historische Allianz zwischen beiden
Länder stehe vor einer Erneuerung. Großbritannien und
Frankreich würden sich gemeinsam für internationale
Wirtschaftsreformen einsetzen. Sarkozy wollte ebenfalls zu den
britischen Abgeordneten sprechen.
Vor dem Hindergrund der globalen Kreditmarktkrise will Sarkozy
gemeinsam mit Brown die Banken zu einer umfassenden Offenlegung ihrer
Abschreibungen auffordern, wie Regierungsvertreter mitteilten. Beide
wollen sich zudem für eine Reform des UN-Sicherheitsrats
aussprechen. Auf der Agenda steht auch eine mögliche Beteiligung
Frankreichs am Bau neuer britischer Atomkraftwerke.
Der von Sarkozy angestrebte neue Schulterschluss mit den Briten hat
Experten zufolge seinen Grund auch darin, dass das Verhältnis des
Franzosen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel als nicht besonders gut
gilt. Traditionell gibt es ein enges deutsch-französisches
Verhältnis, und beide Länder gelten als
Führungsmächte der Europäischen Union. Er wünsche
sich, dass sich Großbritannien am Bau eines geeinten Europas
beteilige, sagte Sarkozy. "Sehen Sie uns bitte als historische
Verbündete für die Zukunft und entschiedene Freude, als ewige
Freunde."
(Quelle: rtr)
Sprecher von französischem Anti-Atom-Bündnis wieder frei
Do.27.03.08 - Der französische Geheimdienst DST hat den Sprecher des
Anti-Atom-Bündnisses Sortir du nucléaire wieder auf freien
Fuß gesetzt. Wie die Atomkraftgegner in Paris mitteilten, wurde
Stéphane Lhomme in der Nacht nach zehn Stunden in
Polizeigewahrsam wieder freigelassen. Es sei möglich, dass er
demnächst wegen Geheimnisverrats vor Gericht gestellt werde. Lhomme
war durch die für Spionageabwehr zuständige DST am Dienstag
einbestellt worden, weil bei ihm vor einem Jahr ein als "vertrauliche
Verteidigungssache" eingestuftes Dokument gefunden worden war.
In dem Papier wird festgestellt, dass auch die neuen französischen
EPR-Atomkraftwerke einem Absturz eines Linienflugzeuges nicht
standhalten würden.
(Quelle: afp)
EU-Kommission: Kreditklemme macht sich auch in Eurozone bemerkbar
Do.27.03.08 - Die durch die internationale Finanzmarktkrise bewirkte Kreditklemme
macht sich mittlerweile auch in Europa deutlich bemerkbar. Zu diesem
Schluss kommt die EU-Kommission in ihrem am Mittwoch
veröffentlichten Vierteljahresbericht über die Wirtschaftslage
in der Eurozone. «Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten
haben die Finanzierungsbedingungen in der Eurozone deutlich
erschwert», heißt es in dem Papier.
Die Aussichten für die weitere wirtschaftliche Entwicklung seien
«außergewöhnlich unsicher», schreibt die
Kommission. Die Wirtschaft sei gleich von einer ganzen «Reihe von
Schocks» erschüttert worden, darunter die steigenden Preise
für Öl und andere Rohstoffe. Die allgemeine Teuerung habe auch
zur Abschwächung des Wirtschaftswachstums in der Eurozone im
letzten Quartal 2007 beigetragen, schreiben die Kommissionsexperten:
«Diese Verlangsamung hängt stark mit der Schwächung der
Verbrauchernachfrage zusammen.»
(Quelle: ap)
Deutschland
Deutsche Bank stellt wegen Finanzkrise Gewinnziel in Frage
Do.27.03.08 - Die Deutsche Bank rückt wegen der Finanzkrise immer stärker
von ihrem Gewinnziel für dieses Jahr ab.
In dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht warnte
Deutschlands größtes Geldhaus vor weiteren Abschreibungen und
sinkenden Erträgen im Investmentbanking. Das Umfeld an den
Finanzmärkten und der Realwirtschaft bleibe schwierig. "Die
kurzfristigen Aussichten sind nach wie vor höchst unsicher",
erklärte Bankchef Josef Ackermann im Brief an die Aktionäre.
Die negativen Effekte auf der Ertragsseite könnten
möglicherweise nicht durch Erfolge in anderen Bereichen wie etwa im
Privatkundengeschäft kompensiert werden, heißt es in dem
Bericht für 2007. Das gelte besonders dann, wenn sich die
Wirtschaft stärker als erwartet eintrübe.
"Diese Umstände könnten die Erreichung unseres
veröffentlichten Gewinnziels negativ beeinflussen." Die Bank peilt
bislang für 2008 ein Vorsteuerergebnis von 8,4 Milliarden Euro an
nach 8,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Ein Großteil davon soll
vom Investmentbanking kommen, das Ende 2007 wegen der Krise mit
kräftig sinkenden Gewinnen zu kämpfen hatte. Ackermann hatte
dieses Ziel daher bereits vor einem Monat als mutige Vison bezeichnet
und betont, dass das Erreichen ohne eine Belebung der Kapitalmärkte
schwierig werde. Von Reuters befragte Analysten erwarten im Schnitt nur
noch einen Vorsteuergewinn von 7,1 Milliarden Euro. "Wir rechnen damit,
dass die Konsensschätzung weiter zurückgehen wird",
erklärten die Branchenexperten von JP Morgan in einer Kurzstudie.
Bisher ist die Deutsche Bank mit Abschreibungen von insgesamt gut 2,3
Milliarden Euro vergleichweise glimpflich durch die Krise gekommen.
Investoren reagierten daher verunsichert auf die zunehmende Skepsis des
Instituts. Die Aktien gaben in einem kaum veränderten Marktumfeld
2,2 Prozent auf 71,90 Euro nach. Einige Händler sprachen von einer
Gewinnwarnung.
Die Finanzkrise macht der Deutschen Bank im Investmentbanking, dem
traditionellen Wachstumsmotor des Instituts, an mehreren Stellen zu
schaffen. Zum einen erwartet das Geldhaus im Handel mit
forderungsbesicherten Anleihen und anderen strukturierten Produkten
erhebliche Ertragseinbußen, da diese Papiere besonders stark von
der Finanzkrise betroffen sind. Zum anderen kann die Bank wie viele
andere Institute Großkredite zur Finanzierung von Übernahmen
derzeit nicht mehr am Markt weiterverkaufen. Diese Zurückhaltung
der Investoren werde sich 2008 zunächst fortsetzen, erklärte
die Bank. Daher seien hier weitere Abschreibungen möglich.
Insgesamt habe die Bank in diesem sogenannten
"Leveraged-Finance-Geschäft" Kredite und Kreditzusagen in Höhe
von mehr als 36 Milliarden Euro in den Büchern.
(Quelle: rtr)
Deutsche-Bank-Chef Ackermann verdiente 2007 knapp 14 Millionen Euro
Do.27.03.08 - Mit einem Jahresgehalt von knapp 14 Millionen Euro hat
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auch 2007 zu den Spitzenverdienern in
Deutschland gezählt.
Dabei profitierte Ackermann von dem Rekordgewinn seines Instituts in
Höhe von 6,5 Milliarden Euro, der trotz Einbußen in der
Finanzmarktkrise erzielt wurde.
Seine Vergütung setzte sich 2007 aus dem Grundgehalt von
etwa 1,2 Millionen Euro und dem weitaus größeren Teil der an
den Geschäftserfolg gekoppelten Komponenten zusammen. Ackermanns
Gehalt stieg im Vergleich zum Vorjahr von 13,2 auf 13,98 Millionen Euro.
Das Plus fiel mit gut sechs Prozent aber nur halb so stark wie im
Vorjahr aus. Insgesamt erhielten die fünf Vorstandsmitglieder
inklusive Ackermann 33,2 Millionen Euro.
2007 hatte die Bank in der US-Immobilienkrise Milliarden
eingebüßt. Dennoch baute sie ihren Jahresüberschuss um
sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro aus. "Wir haben die
günstigen Bedingungen in der ersten Jahreshälfte genutzt und
in dem anschließenden schwierigen zweiten Halbjahr unsere
Stärke und Widerstandsfähigkeit bewiesen", schrieb Ackermann
im Geschäftsbericht.
(Quelle: dpa)
Forderung nach Begrenzung von Managergehältern wird wieder laut
Do.27.03.08 - Politiker aus Union und SPD haben sich für gesetzliche
Begrenzungen von Managergehältern ausgesprochen. «Wer die
soziale Marktwirtschaft erhalten will, muss hier ein Stoppsignal
setzen», sagte der Chef der Unions-Arbeitnehmergruppe im
Bundestag, Gerald Weiß, der «Frankfurter Rundschau».
Konkrete Schritte forderte auch der SPD-Wirtschaftspolitiker Rainer
Wend: «Die Wirtschaft kann nicht gegen Mindestlöhne von 7,50
Euro zu Felde ziehen und gleichzeitig in den Vorstandsetagen die
Gehälter großzügig steigern.»
Beide Koalitionsfraktionen prüfen daher Änderungen im
Steuerrecht, schreibt die Zeitung. Weiß trage Überlegungen
aus der SPD mit, bei einem «goldenen Handschlag» für
ausscheidende Manager die steuerliche Absetzbarkeit auf eine Million
Euro zu begrenzen. Wend nannte es «unerträglich, dass die
Allgemeinheit mitbezahlt, wenn unfähigen Managern ihr Ausscheiden
mit exorbitanten Abfindungen versüßt wird».
IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Rhode kritisiere die
«exorbitanten Steigerungen» der Vorstandsvergütungen
bei stagnierenden Realeinkommen der Beschäftigten: «Derzeit
profitieren nur die Manager und nicht die Belegschaften vom
Aufschwung.»
Zu beobachten sei, dass die variablen Gehaltsbestandteile ein
wachsendes Gewicht bekämen. «Die Abhängigkeit vom
Profit nimmt damit zu. Das heißt, einige Leistungs-Kennziffern
sind falsch gestellt», sagte Rhode. Vorzuziehen sei, wenn weitere
Kriterien für die Ermittlung der Gehälter angelegt
würden: «Zum Beispiel Innovations- oder
Investitionskriterien, aber auch die Sicherung von
Arbeitsplätzen», schlug Rhode vor.
Nach Berechnungen der «Frankfurter Rundschau» ergibt sich
für die Manager der 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex DAX
ein durchschnittlicher Zuwachs von 22 Prozent.
(Quelle: ap)
Private Arbeitsvermittler nur wenig erfolgreich
Do.27.03.08 - Die Beauftragung von Privatvermittlern erhöht die
Arbeitsmarktchancen von Hartz-IV-Beziehern offenbar kaum. Die
Beschäftigungschancen von Arbeitslosengeld-II-Empfängern, die
Anfang 2005 einem privaten Vermittlungsdienstleister zugewiesen wurden,
stiegen je nach Teilgruppe gar nicht oder nur in geringem Umfang,
heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB). Sie sind, verglichen mit
Hartz-IV-Empfängern, die bei der öffentlichen
Arbeitsvermittlung geblieben sind, im Durchschnitt genauso häufig
oder sogar häufiger arbeitslos gemeldet.
Nur einzelne, eher schwer vermittelbare Gruppen profitierten der Studie
zufolge in geringem Umfang von der Überweisung an private
Vermittlungsdienstleister. Leicht erhöhte
Beschäftigungschancen verzeichnet die IAB-Studie bei jungen
ostdeutschen Männern unter 25 Jahren, ostdeutschen
Geringqualifizierten, westdeutschen Frauen ab 50 Jahren, westdeutschen
Männern mit Migrationshintergrund und bei langzeiterwerbslosen
Frauen ab 30 Jahren in Ost und West.
Nach Einschätzung des IAB eignet sich die Einbindung privater
Vermittlungsdienstleister dennoch durchaus zur Ergänzung des
Angebots der öffentlichen Arbeitsvermittlung. Durch den Wettbewerb
könnten "Potenziale zur Steigerung der
Vermittlungseffektivität ausgelotet werden".
Die in der IAB-Studie untersuchte "Beauftragung Dritter mit der
Vermittlung" ist nicht identisch mit der Ausgabe von
Vermittlungsgutscheinen an Arbeitslose, die sich mit dem Gutschein an
einen privaten Arbeitsvermittler ihrer Wahl wenden können. Anders
als bei den Vermittlungsgutscheinen werden bei der "Beauftragung
Dritter" Arbeitslose für mehrere Monate einem mit der Vermittlung
beauftragten Träger zugewiesen.
(Quelle: afp)
Discounter Lidl soll eigene Beschäftigte systematisch
überwacht haben -- Schwerer Verstoß gegen den Datenschutz
Do.27.03.08 - Schwere Bespitzelungsvorwürfe gegen Lidl: Mitarbeiter des
Lebensmitteldiscounters sollen in zahlreichen Filialen bis in ihre
privaten Angelegenheiten hinein über Kameras und Detektive
ausgespäht worden sein. Unter anderem sei notiert worden, wie oft
sie zur Toilette gingen oder ob sie untereinander
Liebesverhältnisse haben, berichtete das Magazin
«Stern» am Mittwoch vorab. Lidl räumte die
Vorwürfe teilweise ein und entschuldigte sich bei den Betroffenen.
Das Mitglied der Geschäftsführung Jürgen Kisseberth
sagte der Nachrichtenagentur AP, die Kameras und Detektive seien
eingesetzt worden, um durch Diebstahl verursachte Inventurverluste zu
vermeiden. Dass dabei aber auch persönliche und private Details
notiert wurden, sei nicht geplant gewesen und entspreche «in
keinster Weise» dem Unternehmensstil.
Der «Stern» berichtete über mehrere hundert Seiten
interner Lidl-Protokolle, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert
sei, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer
mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach
Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur
«introvertiert und naiv wirkt». Die meisten dieser
Einsatzberichte stammten aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, dazu
kämen einzelne Abhörberichte aus Rheinland-Pfalz, Berlin und
Schleswig-Holstein, hieß es.
Die Überwachung funktionierte dem Bericht zufolge immer nach dem
gleichen Muster: Montagmorgen installierten laut «Stern»
von Lidl beauftragte Detektive in der jeweiligen Filiale meist zwischen
fünf und zehn Miniaturkameras. Dem Filialleiter sei erzählt
worden, es gehe darum, Ladendiebe aufzuspüren. Tatsächlich
hätten die Detektive aber auch ihre genauen Beobachtungen der
Lidl-Mitarbeiter notiert.
Kisseberth räumte ein, er könne nicht ausschließen,
dass die im «Stern»-Bericht geschilderten Bespitzelungen
stattgefunden haben. Er selbst habe einen Bericht über
Tätowierungen einer Mitarbeiterin erhalten. Die Zusammenarbeit mit
der betreffenden Detektei sei daraufhin beendet worden.
Als Konsequenz aus dem nun bekanntgewordenen Bericht sei beschlossen
worden, generell mit keiner Detektei mehr zusammenzuarbeiten. Im Jahr
2006 seien Detektive in etwa 150 Filialen tätig gewesen, im
vergangenen Jahr in rund 210. Komme es künftig zu
Diebstählen, werde gemeinsamen mit den Mitarbeitern über
Gegenmaßnahmen entschieden. «Wir sind bestürzt
über die Berichte und es tut uns Leid. Wir können uns bei den
betroffenen Mitarbeitern nur entschuldigen», sagte Kisseberth.
Eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums
kündigte eine Überprüfung der Angelegenheit an:
«Der Sachverhalt muss aufgeklärt werden.» Achim
Neumann von der Gewerkschaft ver.di erklärte dem Bericht zufolge,
er sei zwar einiges gewohnt von Lidl, von solch einer systematischen
Mitarbeiterüberwachung aber habe er noch nie gehört.
«Diese Dimension ist mir völlig neu.»
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar,
erklärte dem Magazin zufolge, dass das Protokollieren eines
Toilettenbesuchs und ähnliches einen schweren Verstoß gegen
das Bundesdatenschutzgesetz darstelle: «Ich gehe davon aus, dass,
wenn solche Vorgänge bekanntwerden, die zuständige
Datenschutzbehörde tätig wird und Ermittlungen
einleitet.»
(Quelle: ap)
Kritik an Postgewerkschaft GNBZ hält an - 'Wir haben es hier mit
der Karikatur einer Gewerkschaft zu tun'
Do.27.03.08 - Die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustellerdienste (GNBZ) steht
wegen ihrer Finanzierung durch die Arbeitgeber weiter in der Kritik.
«Wir haben es hier mit der Karikatur einer Gewerkschaft zu
tun», sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der
Unions-Bundestagsfraktion, Gerald Weiß (CDU), der «Berliner
Zeitung» (Mittwochausgabe). Die finanzielle Abhängigkeit der
Arbeitnehmerorganisation von dem inzwischen insolventen
Deutsche-Post-Konkurrenten PIN sei offenkundig und skandalös.
SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend bezweifelte zudem die
Gültigkeit des Mindeststundenlohns von 7,50 Euro im Westen und 6,50
Euro im Osten, den der Arbeitgeberverband Neue Brief- und
Zustelldienste (AGV-NBZ) für private Brieffirmen, wie PIN und TNT,
mit der GNBZ ausgehandelt hat. «Ich habe erhebliche Zweifel daran,
ob dieser Mindestlohn noch haltbar ist», sagte Wend der Zeitung.
«Diese sogenannte Gewerkschaft ist so desavouiert, dass man ihrem
Tarifvertrag keine Bedeutung zumessen kann.» Er halte es zudem
für rechtswidrig, dass TNT seine Angestellten seit Monaten nach
GNBZ-Tarif bezahle. «Die werden erhebliche Nachzahlungen leisten
müssen», kündigte er an.
Unterdessen forderte die Gewerkschaft ver.di personelle Konsequenzen
auf Seiten des Arbeitgeberverbandes AGV-NBZ. Florian Gerster müsse
als Präsident zurücktreten, sagte ver.di-Vize Andrea Kocsis am
Mittwoch. Die Gründung der GNBZ sowie der zwischen ihr und dem
AGV-NBZ geschlossene «unwirksame
Gefälligkeitstarifvertrag» hätten einzig und allein das
Ziel, die Löhne in der Branche zu drücken.
Seit Jahresbeginn gilt in der Postbranche ein Mindeststundenlohn
zwischen 8,00 und 9,80 Euro. Dieses Niveau war von einem von der
Deutschen Post dominierten Arbeitgeberverband und ver.di vereinbart und
zu Jahresbeginn durch das Bundesarbeitsministerum für
allgemeinverbindlich erklärt worden. Das Verwaltungsgericht Berlin
hatte diesen Mindestlohn allerdings jüngst für rechtswidrig
erklärt. Die Bundesregierung hat Berufung eingelegt, die
Entscheidung hierzu steht noch aus. In der vergangenen Woche war
bekanntgeworden, dass die GNBZ mit mehr als 130 000 Euro vom
Briefdienstleister PIN finanziert wurde.
(Quelle: ddp)
CDU und Grüne - Dritte Runde der Hamburger
Koalitionsgespräche erfolgreich
Do.27.03.08 - In Hamburg ist die dritte Runde der schwarz-grünen
Koalitionsgespräche erfolgreich zu Ende gegangen. Die
Verhandlungspartner hätten sich in "wichtigen Fragen" aufeinander
zubewegt, sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) nach Angaben der
Sprecherin der Grün-Alternativen Liste (GAL), Silke Lipphardt.
Eine Einigung beider Seiten sei "möglich, machbar und gewollt",
betonte von Beust. Wie Grünen-Spitzenkandidatin Christa Goetsch im
Anschluss an die Verhandlungen sagte, einigten sich CDU und GAL darauf,
weiter keine afghanischen Flüchtlinge abzuschieben. Weitere
Ergebnisse wurden nicht bekannt.
Themen der Gespräche waren die Innen- und Justizpolitik.
Diskutiert wurde unter anderem über Strafvollzug,
Videoüberwachung und den Umgang mit Jugendkriminalität und
illegalen Flüchtlingen. Die Verhandlungen seien "fair, sachlich
und hart in der Sache" verlaufen, sagte von Beust Lipphardt zufolge.
Die Positionen der beiden Parteien seien teils deckungsgleich.
Dennoch hätten beide Parteien Prüfaufträge erteilt,
fügte die GAL-Sprecherin hinzu. Der CDU-Landesvorsitzende und
Finanzsenator Michael Freytag bezeichnete die dritte Runde der
Gespräche demnach als "weiteren Meilenstein". Es seien "keine
Gräben ausgehoben, sondern Brücken gebaut worden". Nach
Angaben der Hamburger Grünen-Chefin Anja Hajduk kamen die
Verhandlungspartner in Gleichstellungsfragen einen Schritt voran.
Die Koalitionsgespräche sollen am Freitag fortgesetzt werden. Auf
der Tagesordnung stehen dann erneut die Elbvertiefung und das im
Stadtteil Moorburg geplante Kohlekraftwerk, zu denen Arbeitsgruppen von
CDU und GAL noch Lösungsvorschläge erarbeiten.
Die seit 2004 allein regierende CDU hatte bei den
Bürgerschaftswahlen vor einem Monat die absolute Mehrheit verpasst
und ist künftig zum Regieren auf einen Partner angewiesen. SPD und
GAL verfehlten ihrerseits ihr Ziel eines rot-grünen Machtwechsels.
(Quelle: afp)
SPD-Spitze will Debatte über Kandidaten-Urwahl eindämmen
Do.27.03.08 - Aus Sorge um den angeschlagenen Parteichef Kurt Beck will die
SPD-Spitze die Debatte über eine Urwahl des neuen
Kanzlerkandidaten eindämmen.
Generalsekretär Hubertus Heil sprach am Mittwoch von einer Debatte
zur Unzeit. Er verwies auf den Plan, wonach Beck in der Kandidatenfrage
einen Vorschlag machen werde. Damit wandte er sich gegen den Hamburger
SPD-Spitzenkandidaten Michael Naumann, der Beck eine Entscheidung der
Mitglieder nahelegte. Naumann ist ein Gegner Becks, seit dieser die SPD
in einem umstrittenen Kurswechsel für eine Zusammenarbeit mit der
Linkspartei öffnete. Seither gilt Beck als angeschlagen, so dass
es in der SPD verbreitet Zweifel an seiner Kanzlerkandidatur gibt.
"Die Diskussion über Verfahren und Kanzlerkandidaten ist eine
Debatte zur falschen Zeit", sagte Heil dem Berliner "Tagesspiegel" vom
Donnerstag. "Der Parteivorsitzende wird zum richtigen Zeitpunkt einen
Vorschlag machen. Das ist in der Parteispitze einvernehmlich
vereinbart." Die SPD werde sich von niemandem aus dem Tritt bringen
lassen. Heil richtete seine Warnung vor einer solchen Debatte auch an
die eigenen Reihen. "Jeder verantwortliche Sozialdemokrat weiß,
wann welche Debatten zu führen sind und wann nicht."
Vorschläge zur Urwahl werden in Teilen der SPD als Vehikel
für Kritik an Beck interpretiert.
Mit Naumann hatte erstmals ein prominenter Sozialdemokrat die Debatte
über eine Urwahl aufgenommen und so indirekt seine Zweifel an Beck
ausgedrückt. "Wenn sich der Parteivorsitzende seiner
Kanzlerkandidatur nicht sicher ist, kann er auf das Mittel
zurückgreifen, das einem seiner Vorgänger ... in der Stunde
politischer Not zur Verfügung stand: Er kann sich in einer
Mitgliederumfrage zur Wahl stellen", schreibt Naumann in der
Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorabbericht. Naumann macht Beck für
verlorene SPD-Stimmen bei der Bürgerschaftswahl Ende Februar
verantwortlich, vor der Beck Kurswechsel einleitete.
Der Parteivorsitzende hat sich für Belastungen durch den Streit
über die Linkspartei entschuldigt, sieht seine eigene
Autorität nach eigenen Angaben aber nicht beschädigt. Lange
war in der SPD erwartet worden, dass Beck von seinem Recht auf den
ersten Zugriff auf die Kanzlerkandidatur Gebrauch macht. Nach dem
Streit in der Parteiführung über die Linkspartei, der Beck
persönlich und die SPD in den Umfragen deutliche Verluste
bescherte, gibt es daran aber Zweifel. Als Alternative wird immer
wieder Außenminister Frank-Walter Steinmeier genannt.
Naumann schränkte seine Aussagen für die Entscheidung der
Basis über den Kandidaten mit dem Hinweis ein, dies sei nur
sinnvoll, wenn sich ein Gegenkandidat melde. Eine Urwahl des Kandidaten
ist nach SPD-Statut auf Beschluss der Parteigremien oder durch
Forderung eines Quorums der Mitglieder möglich. Die Debatte war
durch eine Umfrage ausgelöst worden, wonach eine
überwältigende Mehrheit der SPD-Anhänger dafür ist.
Naumann grenzte sich von Beck erneut mit der Forderung ab, jede
Zusammenarbeit mit der Linken im Westen auszuschließen.
Steinmeier hatte in einem Interview betont, er stehe persönlich
für eine solche Abgrenzung der SPD nach links. Dies war in Teilen
der SPD als verdeckter Hinweis interpretiert worden, die SPD solle mit
einem Kandidaten antreten, dessen Glaubwürdigkeit, anders als bei
Beck, in dieser Frage nicht bezweifelt werde. Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble sagte, er misstraue in dem Punkt auch
Steinmeier. "Denn auch er hat die Entscheidung, sich zur Linkspartei zu
öffnen, mitgetragen", sagte der CDU-Politiker der Zeitschrift
"Vanity Fair" laut Vorabbericht.
(Quelle: rtr)
Meinungsforscher zweifelt niedrige Umfragewerte für SPD an
Do.27.03.08 - Über die Zustimmungswerte für die SPD gibt es erhebliche
Differenzen unter den Meinungsforschungsinstituten. Während Forsa
die SPD beim historisch tiefsten Wert von bundesweit 22 Prozent sieht,
wies der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts
Infratest-dimap, Richard Hilmer, im «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Donnerstagausabe) darauf hin, dass die SPD nach
einer Infratest-Umfrage aus der vergangenen Woche bundesweit bei 28
Prozent gelegen, die Forschungsgruppe Wahlen unlängst sogar 29
Prozent ermittelt habe. «Diese Ergebnisse bewegen sich in der
Größenordnung, die auch Allensbach und Emnid ermittelt
haben. Forsa bildet da in Bezug auf die SPD eine Ausnahme»,
erläuterte Hilmer.
Der Meinungsforscher räumte ein, dass es beim Messen aktueller
Stimmungen aus methodischen Gründen zu unterschiedlichen
Ergebnissen kommen könne. Doch diese Abweichungen lägen
«weit über der sonst üblichen statistischen
Schwankungsbreite». Die Richtigkeit der Werte könne man
letztlich nur bei Wahlen ermessen, und hier hätten für die
zurückliegenden Landtagswahlen Infratest-dimap, die
Forschungsgruppe Wahlen, Emnid und Allensbach «mit ihren
Ergebnissen für die SPD jeweils sehr nahe an den
tatsächlichen Ergebnissen gelegen».
(Quelle: ddp)
FDP-Vorsitzender Westerwelle fordert ermäßigte
Mehrwertsteuer auf Energie
Do.27.03.08 - Angesichts der steigenden Energiekosten soll nach dem Willen von
FDP-Chef Guido Westerwelle für Gas, Strom und Öl der
ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten.
Bezahlbare Energie sei ein Grundbedürfnis, sagte Westerwelle der
"Bild"-Zeitung. Sie sei der "Brotpreis des 21. Jahrhunderts".
Wohnungsbesitzer und Deutscher Mieterbund (DMB) begrüßten
den Vorstoß, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lehnte
ihn als "nicht zielführend" ab. Die niedrigere Mehrwertsteuer von
sieben statt 19 Prozent wurde eingeführt, um Produkte des
täglichen Bedarfs weniger stark zu besteuern.
Heizen sei "so wichtig wie Kleidung und Nahrung", betonte Westerwelle.
"Fahren und Heizen, ob mit Öl, Strom oder Gas, darf kein Luxus
werden", sagte der FDP-Chef. Bislang mache der Staat Energie durch
Steuern unnötig teuer. So machten Steuern zwei Drittel des
Benzinpreises aus. Auch beim Strom stünden Steuern, Abgaben und
Gebühren des Staates für zwei Drittel des Preises, betonte
Westerwelle.
In seine Rechnung lässt Westerwelle offenbar die
Netzdurchleitungsgebühren mit einfließen. Diese allerdings
kommen nicht dem Staat, sondern den Unternehmen zugute. Sie werden
lediglich von der Bundesnetzagentur reguliert, wie dies auch in Teilen
des Telekommunikationsmarktes die Regel ist. Der Staatsanteil selbst
mache hingegen rund 40 Prozent des Strompreises aus, sagte eine
Sprecherin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)
der Nachrichtenagentur AFP.
Glos sagte im ZDF, er stimme der Äußerung Westerwelles zu,
dass Energie bezahlbar bleiben müsse. "Deswegen brauchen wir auch
ausreichend Energieerzeugung in Deutschland", betonte der Minister. Die
Mehrwertsteuer auf Energie jedoch zu senken, "ist nicht der richtige
Weg". Zudem müsse der ermäßigte Mehrwertsteuersatz
generell diskutiert werden. So werde etwa auch auf Hundefutter und
Schnittblumen nur der niedrige Satz gezahlt: "Aber jetzt herzugehen und
auf Energie einfach die Mehrwertsteuer runterzunehmen, halte ich
für nicht zielführend."
Der DMB forderte, der Staat dürfe "nicht an den Preisexplosionen
über die Steuermehreinnnahmen in Millionenhöhe mitverdienen".
Eine Möglichkeit sei, eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes zu
prüfen. Der Immobilienbesitzerverband Haus und Grund
erklärte, die Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie sei
"angesichts stetig neuer Energiepreiserhöhungen längst
überfällig". Zustimmung kam auch vom Steuerzahlerbund.
Verbraucherschützer haben sich derweil gegen die von der FDP
geforderte deutliche Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie
ausgesprochen. Der Energieexperte des Bundesverbandes der
Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, sagte der «Berliner
Zeitung», bei der geforderten Absenkung des Mehrwertsteuersatzes
von 19 auf 7 Prozent sei eine «indirekte Subventionierung der
Stromkonzerne» zu befürchten. Erfahrungsgemäß
würden die Unternehmen solche Senkungen nutzen, um ihre Gewinne zu
erhöhen.
boa (Quellen: dpa, afp)
Studie - Junge Frauen wollen selbstbestimmtes Leben
Do.27.03.08 - Junge Frauen sind einer neuen Studie zufolge auf dem Sprung, ihre
eigenen Vorstellungen von Beruf, Familie und Gesellschaft zu
verwirklichen. Mehr als 90 Prozent wollten auf eigenen Beinen stehen,
geht aus der "Brigitte"-Studie hervor, die am Dienstag in Berlin
vorgestellt wurde. Fast 90 Prozent wollen danach Kinder haben, die
große Mehrheit will auch außerhalb der Familie Verantwortung
übernehmen. Für die Untersuchung "Frauen auf dem Sprung"
wurden 1.020 Bundesbürgerinnen zwischen 17 und 19 sowie zwischen
27 und 29 Jahren befragt.
Der Studie zufolge denken 99 Prozent der jungen Frauen, dass sie gut
sind. Fast 80 Prozent sagen, sie arbeiteten hart für ihre Ziele.
Mehr als ein Drittel sieht sich künftig eher im Chefsessel als im
Vorzimmer. Junge Frauen wollen sich nicht mehr zwischen Familie und
Beruf entscheiden und sie sind überwiegend sicher, dass sie ihre
Wünsche verwirklichen werden.
Von Partnerschaften erwarten sie das Gleiche wie junge Männer,
nämlich Verständnis, Geben und Nehmen, Freiraum, gegenseitige
Fürsorge im Alter - während eine Mehrheit der jungen
Männer noch immer denkt, Frauen wollten vor allem heiraten und
versorgt werden. Aber auch die jungen Frauen pflegen ihre Vorurteile
über Männer: Viel Geld und guter Sex seien den Männern
das Wichtigste, denken den Angaben zufolge 70 bis 85 Prozent der jungen
Frauen, aber nur 60 bis 65 Prozent der jungen Männer.
Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für
Sozialforschung, Jutta Allmendinger, wertete die Ergebnisse vor allem
deshalb als überraschend, weil das starke Selbstbewusstsein der
jungen Frauen unabhängig sei von Bildungsstand und sozialer
Schicht. Wenn 90 Prozent einer Frauengeneration einen anderen Weg gehen
wolle als noch ihre Mütter gehen konnten, so werde dies die
Gesellschaft tatsächlich verändern, sagte Allmendinger.
Begünstigt würden die Ziele der jungen Frauen durch die
Alterung der Gesellschaft und den absehbaren Mangel an gut ausgebildeten
Arbeitskräften. Unternehmen, die sich auf diese Frauengeneration
nicht einstellen, würden künftig Schwierigkeiten haben, gute
Arbeitskräfte zu finden. Im Gegensatz zu den Männern von
heute und der klassischen Karrierefrau seien die Frauen von morgen
nicht bereit, für eine Karriere jeden Preis zu zahlen, etwa den
Preis der Kinderlosigkeit.
"Brigitte"-Chefredakteur Andreas Lebert betonte die großen
Unterschiede zu Studien aus den 80er Jahren. Praktisch keine Frau wolle
heute mehr wegen der Kinder zu Hause bleiben. Junge Frauen wollten alles
gleichzeitig tun und nähmen dafür Abschied vom
Perfektionismus ihrer Mütter, etwa als Hausfrauen. "Mit diesen
jungen Frauen ändert sich wirklich was", so Lebert.
Von Befragten gingen knapp 30 Prozent noch zur Schule, 14 Prozent waren
in der Lehre, weitere 30 Prozent arbeiteten, 14 Prozent waren nicht
berufstätig. Von denen, die die Schule beendet hatten, hatten 25
Prozent einen Hauptschulabschluss, 48 Prozent die mittlere Reife, 27
Prozent Abitur. Die Studie wurde vom Wissenschaftszentrum Berlin unter
Leitung von Jutta Allmendinger und infas Bonn in Zusammenarbeit mit der
Frauenzeitschrift "Brigitte" erstellt.
(Quelle: epd)
Verfassungsbeschwerde gegen Atommüll-Endlager Schacht Konrad
gescheitert
Do.27.03.08 - Das Atommüll-Endlager Schacht Konrad in Salzgitter hat die
vorletzte rechtliche Hürde genommen. Vor dem
Bundesverfassungsgericht scheiterte die Stadt Salzgitter am Mittwoch
mit einer Verfassungsbeschwerde, die sich gegen die Genehmigung
für Bau und Betrieb des Lagers richtete.
Das Gericht nahm die Beschwerde gar nicht erst zur Entscheidung an,
weil die Stadt nach seiner Auffassung kein Recht hat, den Baubeschluss
in Karlsruhe anzufechten. Nun ist dort nur noch die Klage eines
Landwirtes anhängig, dessen Grundstück an das geplante
Endlager grenzt. (AZ: 1 BvR 1987/07)
Schacht Konrad war früher ein Eisenerzbergwerk. In dem mehr als
1000 Meter tiefen Stollen sollen mehr als 300 000 Kubikmeter schwach-
und mittelradioaktiver Atommüll mit geringer Wärmeentwicklung
entsorgt werden. Dafür soll das Bergwerk umgerüstet und von
2013 an als Lager in Betrieb genommen werden. Geplant ist, 20 Tonnen
schwere Container in den Schächten zu stapeln. In bestimmten
Abständen sollen Betonwände eingezogen und die Hohlräume
um die Container mit flüssigem Material aufgefüllt werden.
Die Beschwerde hatte sich gegen die Prozessführung des
Niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts (OVG) gerichtet, das im
März 2006 die Klagen von Kommunen und Landwirten gegen den
Schachtumbau abgewiesen hatte. Die Stadt kritisierte unter anderem,
dass ein Beweisantrag vom Gericht als «rechtlich
unerheblich» abgelehnt wurde. Nach Ansicht des
Bundesverfassungsgerichts geschah dies aber nicht «in
willkürlicher Weise» - was einen Gang nach Karlsruhe erst
rechtlich begründet hätte. Die Stadt reagierte
enttäuscht. «Für Salzgitter ist das wirklich kein
glücklicher Tag», sagte Sprecher Norbert Uhde.
Schwach- und mittelradioaktiver Abfall fällt in Kraftwerken, aber
auch in Forschungslaboren und Kliniken an. Rund 900 Millionen Euro
wurden bereits in Schacht Konrad investiert, die Umrüstung zum
Endlager soll weitere 900 Millionen Euro kosten. Atomkraft-Gegner
wollen ihre Proteste gegen Schacht Konrad fortsetzen.
(Quelle: dpa)
Klimawandel kostet Milliarden
Do.27.03.08 - Der Klimawandel kommt nicht nur die Umwelt teuer zu stehen. Allein auf
Deutschland kommen nach Berechnungen des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) in den nächsten 50 Jahren
volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 800 Milliarden Euro zu.
Das sagte die Energieexpertin des DIW, Professorin Claudia Kemfert, am
Mittwoch zum Auftakt des dritten «Extremwetter-Kongresses»
in Hamburg. «Dabei werden die Folgeschäden des Klimawandels
für die ärmeren Bundesländer deutlich stärker zu
Buche schlagen als für die wohlhabenden Ländern»,
betonte sie.
Bezogen auf die Wirtschaftskraft seien Sachsen-Anhalt, Rheinland- Pfalz
und Thüringen am stärksten betroffen. «Ökonomische
Schäden werden aber in allen Bundesländern zunehmen»,
betonte Kemfert. Dazu gehörten Überflutungsschäden, aber
auch Wasserknappheit und zunehmende Waldbrandgefahr. «Durch
extrem heiße Sommer wird in Zukunft gerade in
Südwestdeutschland die Land- und Forstwirtschaft mit
Wasserknappheit rechnen müssen«, meinte die Expertin.
In extremen Hitzeperioden werde aufgrund des Niedrigwassers in einigen
Flüssen nicht genug Wasser vorhanden sein, um Kraftwerke
ausreichend mit Kühlwasser zu versorgen. Das berge Risiken
für die Energieversorgung, wie auch Stürme, Hagel oder
extreme Eislasten, sagte die Wissenschaftlerin. Positive Effekte hat
der Klimawandel nach Überzeugung des DIW aber auch. So werde der
Tourismus an Nord- und Ostsee aufgrund des milderen Klimas in
Norddeutschland zunehmen.
Meteorologische Extremereignisse wie etwa vermehrte
Starkniederschläge, Gewitterstürme oder auch Trockenheit sind
nach den Worten von Gerhard Steinhorst vom Deutschen Wetterdienst (DWD)
Folgen der Klimaveränderung. «Katastrophenvorsorge und die
Bewältigung von Unwettern werden deshalb immer wichtiger.»
Neu sei, dass der DWD weltweite Einsätze deutscher Hilfswerke
jetzt mit Jahreszeitenvorhersagen für tropische Regionen
unterstützen wolle. Diese mehrmonatigen Trendaussagen zu
Temperaturentwicklung und Niederschlag seien als Ergänzung zu
kurz- und mittelfristigen Wettervorhersagen gedacht.
«Ziel der Kooperation mit der "Aktion Deutschland hilft" sind
weiter in die Zukunft reichende meteorologische Informationen, um die
Einsatzplanung zu verbessern», betonte Steinhorst. Allein im Jahr
2007 seien bei Überflutungen, Erdbeben, Dürre,
Waldbränden und Wirbelstürmen mehr als 20 000 Menschen ums
Leben gekommen, erklärte Manuela Roßbach von der
«Aktion Deutschland hilft». Eine frühzeitige
Katastrophenschutzvorsorge werde daher immer bedeutsamer. Im Rahmen
eines Pilotprojektes werde das Bündnis der Hilfsorganisationen die
neue Sechs-Monats-Vorhersage des DWD testen. Die Berechnungen basieren
auf dem saisonalen Vorhersage-Modell des Europäischen Zentrums
für mittelfristige Wettervorhersagen in Reading bei London.
Noch bis Freitag wollen sich auf dem Kongress rund 700 Experten
über wissenschaftliche Ergebnisse zu Klimawandel und extremen
Wetterereignissen austauschen.
(Quelle: dpa)
Gigantischer Schelfeisblock in der Antarktis zerfällt
Do.27.03.08 - Offensichtlich unter dem Einfluss des Klimawandels ist von der
Antarktis ein gigantischer Schelfeisblock abgebrochen. Das
Winterwetter-Forschungszentrum von der Universität Colorado (NSIDC)
wies darauf hin, dass das Abbrechen des Eisblocks am 28. Februar durch
Satellitenaufnahmen belegt sei. Vom Zerbröckeln ist demnach ein
Schelfeisblock am so genannten Wilkins-Schild betroffen, der sich an
einer Landzunge der Antarktis befindet, die Feuerland
gegenüberliegt. Insgesamt geht es um einen Schelfeisblock von 414
Quadratkilometern. Das am 28. Februar abgebrochene Teilstück ist
25,5 Kilometer lang und 2,4 Kilometer breit.
An der Westseite der Antarktis stiegen die Temperaturen innerhalb von
50 Jahren um durchschnittlich 2,5 Grad. Der Wilkins-Schild werde von
warmen Meeresströmungen fortbewegt, sagte der NSIDC-Forscher Ted
Scambos. Da der Sommer auf der Südhalbkugel nun endet, erwarten die
Forscher in den kommenden Monaten keine Zuspitzung der Entwicklung.
"Für diese Saison ist das Spektakel vorbei", sagte Scambos. Im
kommenden Januar werde zu beobachten sein, ob der Wilkins-Schild sich
weiterbewege.
In den vergangenen Jahren waren zwei große Teile des unweit
gelegenen Larsen-Eisschelfes zerfallen - es begann mit dem 75 Kilometer
langen und 37 Kilometer breiten Schelf Larsen A 1995, im März 2002
beobachtete ein NASA-Satellit die Auflösung von Larsen B, einer
Menge von 720 Milliarden Tonnen Eis. Das Abschmelzen der Eisblöcke
in der Antarktis trägt zum Anstieg der Meeresspiegel bei.
(Quelle: afp)
Falsche Internet-Botschaft lockt in USA Plünderer an
Do.27.03.08 - "Wie die Geier" sind im US-Bundesstaat Oregon zahlreiche Habgierige in
die Wohnung eines ahnungslosen Bürgers eingefallen, nachdem im
Internet eine gefälschte Nachricht mit einem Angebot zur
Selbstbedienung erschienen war. Wie die Polizei mitteilte, handelt es
sich bei dem Geschädigten um Robert Salisbury aus Jacksonville. Er
habe am Samstag feststellen müssen, dass sich Dutzende von
Zeitgenossen über seinen Hausstand hermachten. Im Internet hatte es
auf der vielgenutzten Homepage Craigslist geheißen, er sei
umgezogen und habe "viele brauchbare Sachen" hinterlassen - Bedienen Sie
sich!"
Salisbury wurde auf das Problem aufmerksam, als er einen Anruf von
einer Frau erhielt, die sein Pferd mitnehmen wollte. Als er daraufhin
den 40 Kilometer langen Weg zwischen Arbeitsplatz und Wohnung
zurücklegte, begegnete er einem Kleintransporter, auf dem sein
Rasenmäher und anderes Gartengerät abtransportiert wurde.
"Ich habe ihnen gesagt, dass die Sachen mir gehören, aber sie
wollten mir nichts zurückgeben", sagte Salisbury dem Lokalblatt
"Mail Tribune". Als er zu Hause eintraf, fand er 30 Leute beim Einpacken
von Hab und Gut vor. Auf seine Vorhaltungen zeigten sie ihm die
Internet-Anzeige. "Sie dachten ernsthaft, bloß weil es im
Internet steht, ist es wahr", erzürnte Salisbury sich.
(Quelle: afp)