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Irak am 1468sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Bislang 130 Tote bei jüngsten Kämpfen in Bagdad. Ministerpräsident Maliki zur Fortführung der Offensive in Basra entschlossen - Britische Soldaten schalten sich in Kämpfe ein. US-Luftwaffe bombardiert Schiiten-Stellungen in Basra. Türkische Armee geht erneut gegen PKK-Kämpfer im Nordirak vor

So.30.03.08 - Bei den schweren Kämpfen in Bagdad sind in den vergangenen Tagen mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen.

Im Osten der Hauptstadt seien in den vergangenen Tagen zudem 647 Menschen verwundet in Krankenhäuser eingeliefert worden, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Samstag. Rettungskräften zufolge haben irakische und US-Soldaten den umkämpften Stadtteil Sadr-City mittlerweile umstellt, so dass die Verwundeten aus den überfüllten Krankenhäusern dort nicht nach außerhalb verlegt werden können.

An den Kämpfen zwischen irakischen Soldaten und den Schiiten-Milizen des Predigers Moktada al-Sadr in Bagdad sind zunehmend auch US-Streitkräfte beteiligt. Das US-Militär tötete eigenen Angaben zufolge am Freitag bei Schießereien und Luftangriffen 48 Extremisten. Unterdessen erklärte ein Mitarbeiter Sadrs, Vertreter des Predigers seien mit dem ranghöchsten schiitischen Geistlichen, Großajatollah Ali al-Sistani, zusammengetroffen. Sistani habe eine friedliche Lösung des Konflikts gefordert.

Sollte der Großajatollah, der sich fast nie direkt in die Politik einmischt, sich öffentlich äußern, dürfte sein Wort bei den Anhängern Sadrs großes Gewicht haben. Seit der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor einigen Tagen eine Offensive gegen die Milizen des schiitischen Predigers startete, sind bei den Kämpfen im Süden des Landes und in Bagdad mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen, viele Hunderte wurden verwundet. In der umkämpften Ölmetropole Basra kontrollierten am Samstag Kämpfer von Sadrs Mehdi-Miliz die Straßen.

Ministerpräsident Nuri El Maliki bekräftigte unterdessen  im Staatsfernsehen seine Entschlossenheit, die Offensive in Basra fortzusetzen.

"Wir werden Basra nicht verlassen, solange die Sicherheit nicht wiederhergestellt ist und diejenigen, die ihre Waffen gegen den Staat richten, bestraft worden sind", sagte Maliki. Er nannte die Sadr-Anhänger "schlimmer" als die Kämpfer des Terrornetzwerks El Kaida. Der Regierungschef ließ offen, ob er den Einsatz in Basra weiter persönlich überwachen werde.

Maliki hatte die schiitischen Milizionäre am Mittwoch in einem Ultimatum aufgefordert, ihre Waffen bis Freitag abzugeben. Den Einwohnern von Basra, die sich nicht an den jüngsten Kämpfen beteiligt hatten, bot der Regierungschef für eine Aushändigung ihrer Waffen bis zum 8. April Entschädigungszahlungen an.

"Sadr hat uns gesagt, dass wir unsere Waffen nicht abgeben sollen, es sei denn an einen Staat, der sich von dem Besetzer befreien kann", sagte Haider el Dschabari vom Büro der Sadr-Bewegung. Die Sadr-Anhänger werfen dem Maliki vor, von den USA gekauft worden zu sein, und fordern seinen Rücktritt. Die Sadr-Bewegung verfügt über großen Einfluss in der Bevölkerung und will mehr Mitsprache bei politischen Entscheidungen.

Britische Truppen haben laut einem Bericht der BBC in die Kämpfe in  Basra eingegriffen. Zur Unterstützung der irakischen Streitkräfte sei der Norden Basras mit Artillerie beschossen worden. Der Angriff sei auf Bitten der irakischen Truppen erfolgt, die dort unter Beschuss geraten seien. Der britische Militärsprecher Tom Holloway sagte der BBC, die Militäraktion am Samstag sei erfolgreich gewesen.

Die US-Luftwaffe bombadierte erneut Stellungen schiitischer Milizionäre in Basra. Nach Angaben eines britischen Militärsprechers warfen Kampfflugzeuge zwei Lenkbomben über einem Viertel im Norden der Stadt ab. Es handelte sich um den dritten Luftangriff auf schiitische Stellungen, seit die US-geführten Koalitionstruppen am Freitagmorgen in die Kämpfe eingegriffen hatten.

Die türkische Armee ist nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen erneut gegen kurdische Rebellen im Nordirak vorgegangen.

15 Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK seien am Donnerstag durch Artilleriebeschuss getötet worden. Am Freitag habe das Militär Luftangriffe gegen die Separatisten geflogen, die versucht hätten, die Grenze zur Türkei zu überqueren. Es sei unklar, wie viele Rebellen dabei ums Leben gekommen seien, teilte der Generalstab am Samstag mit.

Die Türkei geht seit Monaten immer wieder gegen die PKK durch, die den Norden des Irak als Rückzugsgebiet nutzt. Ende Februar marschierte das Militär in das Gebiet ein und tötete nach eigenen Angaben in einer einwöchigen Bodenoffensive 240 Rebellen. Ihre eigenen Verluste bezifferte es auf 27 Tote.

Die PKK kämpft seit mehr als 20 Jahren für einen eigenen Kurden-Staat. Sowohl die Europäische Union als auch die USA stufen sie als terroristische Organisation ein.

boa (Quellen: afp, ap, rtr)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 30.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendundvierten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Fr.30.03.07 - Anschlagsserie bei Vereidigung des neuen US-Botschafters - Mehr als 100 Tote... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0703300.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

US-Präsident Bush besteht nicht auf deutschen Soldaten in Südafghanistan

So.30.03.08 - Wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Bukarest ist US-Präsident George W. Bush von der Forderung nach einem Einsatz deutscher Soldaten auch im umkämpften Süden Afghanistans abgerückt.

Er sei dankbar, dass Kanzlerin Angela Merkel und der Deutsche Bundestag «unser Engagement mit Truppen im Norden Afghanistans unterstützen», sagte Bush der Zeitung «Die Welt». Auf die Frage, ob die USA das Engagement Deutschlands auch im Süden Afghanistans fordern, sagte Bush wörtlich: «Nein. Ich will Entscheidungen, die unsere Partner tragen können. Ich möchte, dass Kanzlerin Merkel mit den Ergebnissen gut leben kann. Mit anderen Worten, ich möchte von anderen Staaten nichts fordern, wozu sie politisch nicht in der Lage sind.»

Auf die Nachfrage des Blattes, Deutschland werde also nicht aufgefordert, Bodentruppen für den Einsatz im Süden des Landes zu stellen, stellte Bush klar: «Nein, das wird nicht geschehen.»

Bush hatte erst Anfang März deutlich gemacht, dass die NATO-Verbündeten mehr Truppen nach Afghanistan schicken sollen. Er erwarte, dass die Alliierten eine «schwere Bürde übernehmen, wenn sie nach Afghanistan gehen», sagte der Präsident offenbar mit Blick auf Deutschland und andere Länder, die ihre Truppen in relativ ruhigen Regionen Afghanistans stationiert haben. «Wenn wir in dem Kampf als eine Allianz antreten, dann müssen wir auch wie eine Allianz kämpfen.»

Washington hatte in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass Deutschland und andere europäische Länder ihre Soldaten auch in den gefährlichen Süden Afghanistans einsetzen, wo es immer wieder zu Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban-Rebellen kommt. Die Bundesregierung hat dies bislang strikt abgelehnt. Derzeit sind insgesamt etwa 43 000 NATO-Soldaten in Afghanistan. Deutschland sowie Frankreich und Italien haben Truppen in eher ruhigen Gebieten, dagegen kämpfen etwa die USA, Großbritannien, Kanada und die Niederlande im riskanten Süden des Landes.

(Quelle: dpa)
 


 

Syrien verspricht auf arabischem Gipfel Hilfe für Libanon

So.30.03.08 - Zum Auftakt des zweitägigen Gipfels der Arabischen Liga hat Syriens Präsident Baschar al-Assad Unterstützung bei der Lösung der politischen Krise im Libanon versprochen.

Zugleich wies er am Samstag Anschuldigungen zurück, sein Land habe sich in die Angelegenheiten des Nachbarstaats eingemischt und sei Ursache des politischen Stillstands dort. Vielmehr habe der Druck auf Syrien, sich um das Geschehen im Libanon zu kümmern, in den zurückliegenden Monaten zugenommen, erklärte Assad in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der Schlüssel zur Lösung der Probleme liege jedoch in den Händen der Libanesen. Der saudische Außenminister Prinz Saud al-Faisal erklärte, eine Isolation Syriens sei nicht im Sinne der arabischen Staaten. Das Problem sei aber, dass ein Vorschlag der Arabischen Liga zur Lösung der Krise, dem auch Syrien zugestimmt habe, nicht umgesetzt werde.

Der Gipfel wurde bereits im Vorfeld vom Streit über die Lage im Libanon überschattet, der seit November ohne Präsident ist. Die pro-westliche libanesische Regierung wirft Syrien und seinen Verbündeten in dem Zedernstaat vor, die Wahl des Staatsoberhauptes durch das Parlament zu blockieren und nimmt daher nicht an dem Gipfel teil. Auch die engen US-Verbündeten Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien boykottierten aus Protest gegen den syrischen Einfluss den Gipfel.

Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi forderte die arabischen Staaten auf dem Gipfel auf, ihre Beziehungen zum Iran zu verbessern, anstatt die Islamische Republik zu provozieren. Der Iran sei ein Nachbarland und muslimischer Bruder und es sei nicht im Interesse der arabischen Staaten, das Land zum Feind zu haben, erklärte Gaddafi.

(Quelle: rtr)
 


 

Opposition beklagt Manipulation bei Wahlen in Simbabwe

So.30.03.08 - Begleitet von Manipulationsvorwürfen hat Simbabwe am Samstag Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten.

Die Opposition beklagte, hunderte Wähler seien an den Urnen abgewiesen worden, da sie angeblich nicht registriert waren. Der Generalsekretär der MDC-Partei, Tendai Biti, sprach zudem von einem schleppenden Verlauf. Der Präsidentschaftskandidat der MDC, Morgan Tsvangirai, gab sich dennoch zuversichtlich: Er sei überzeugt, dass das Wahlergebnis zugunsten des Volks ausfallen werde, sagte er in Harare. Der seit fast drei Jahrzehnten herrschende Staatschef Robert Mugabe reagierte unbeeindruckt: Sein Lager werde siegen. Außerdem habe er es nicht nötig, zu betrügen, da das Volk ihn unterstütze, sagte er bei seiner Stimmabgabe.

Augenzeugen berichteten von Polizei- und Armee-Einheiten, die mit Panzerfahrzeugen und Wasserwerfern in der Nacht vor den Wahlen durch die Straßen patrouillierten. "Dies ist eine Bedrohung, aber wir lassen uns nicht einschüchtern", sagte ein Mann in einem Stadtviertel Harares. Nach Einschätzung von Beobachtern verliefen die Wahlen selbst insgesamt friedlich. Wie angespannt die Lage aber war, zeigte ein Zwischenfall in der zweitgrößten Stadt Bulawayo. Dort wurde ein Bombenanschlag auf das Haus eines Parlamentskandidaten der Regierungspartei Zanu-PF verübt. Nach Angaben der Polizei wurde niemand verletzt.

Knapp sechs Millionen Wähler waren aufgerufen, über die Zukunft des südafrikanischen Landes zu entscheiden. Viele Simbabwer hoffen nicht zuletzt wegen der desolaten Lebensverhältnisse in dem Land auf einen Machtwechsel. "Ich will wählen, weil die Lage so schlimm ist", sagte ein 35-jähriger Wachmann, der zwei Stunden zu Fuß von seiner Arbeitsstelle zum Wahllokal gelaufen war. "Vielleicht hilft diese Wahl, das zu verändern."

Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt das autoritäre Regime Mugabes kritisiert. Die Opposition befürchtete bereits im Vorfeld der Wahlen massiven Betrug. Westliche Wahlbeobachter waren nicht zugelassen. Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr MEZ schließen, mit offiziellen Ergebnissen wurde in den kommenden Tagen gerechnet.

Neben Tsvangirai trat auch der frühere Finanzminister Simba Makoni als Unabhängiger gegen den 84-jährigen Amtsinhaber Mugabe an. Beide Herausforderer hatten die verheerende Wirtschaftslage der früheren britischen Kolonie in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes gestellt.

Sollte keiner der Kandidaten mehr als 51 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, muss eine Stichwahl angesetzt werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Tibet-Konflikt: Dalai Lama wirft China 'demografische Aggression' vor -- EU verzichtet auf Festlegung in Boykott-Frage

So.30.03.08 - Der Dalai Lama hat Chinas Siedlungspolitik in Tibet als «demografische Aggression» und eine Art «kultureller Völkermord» bezeichnet. Wegen der schlechten Menschenrechtslage könnte ganz China destabilisiert werden, warnte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Samstag in seinem indischen Exil. «China sieht stabil aus, unter der Oberfläche gibt es aber sehr viel Verbitterung», sagte der Dalai Lama. China sei fast ein Polizeistaat mit einer «Herrschaft des Terrors».

Mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat unterdessen die Athener Polizei am Samstag die Ankunft der Olympiafackel bewacht. Über 2.000 Beamte wurden in der griechischen Hauptstadt aufgeboten, um spektakuläre Protestaktionen gegen das gewaltsame chinesische Vorgehen in Tibet zu verhindern, wie sie beim Entzünden der Fackel vor fünf Tagen im antiken Olympia zu sehen waren.

Die Olympiafackel sollte über Nacht auf der Akropolis leuchten, bevor sie am (heutigen) Sonntag den Organisatoren der Pekinger Spiele übergeben wird. Mehrere Gruppen wollten unterhalb der Akropolis friedlich gegen die chinesische Tibet-Politik demonstrieren.

Führende deutsche Politiker setzen derweil ebenso wie die Menschenrechtsorganisation amnesty international auf eine Fortsetzung des Dialogs mit China. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries verteidigte die für den 21. April geplante Fortsetzung des Rechtsstaatsdialog mit ihrem chinesischen Amtskollegen. Ihre Kabinettskollegin Annette Schavan will bei ihrer für Mitte April geplanten Reise nach China die Lage in Tibet ebenfalls ansprechen, wie sie der «Welt am Sonntag» sagte.

Trotz wachsender Besorgnis über die Gewalt in Tibet verzichtet die EU vorerst auf eine Festlegung zum Umgang mit den Olympischen Spielen in China. Bei Beratungen in Slowenien am Samstag riefen die EU-Außenminister Peking lediglich zu einem Dialog mit Vertretern der tibetischen Autonomiebewegung auf und verurteilten die blutigen Zusammenstöße zwischen Tibetern und Chinesen.

Einen Boykott der Spiele hatten die großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien bereits am Freitag abgelehnt. Auch andere Staaten hätten «zum Ausdruck gebracht, dass eine politische Instrumentalisierung des Sports, wie sie von manchen beabsichtigt worden ist, keine angemessene Reaktion wäre», erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Samstag zum Abschluss des Treffens.

Die Bundesregierung und Bundespräsident Horst Köhler werden allerdings auf eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier der Spiele am 8. August verzichten, wie sie am Freitag in Berlin mitteilten. Auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat China bereits angedroht, der Feier fernzubleiben.

Die chinesische Regierung organisierte am Samstag einen Kurzbesuch von internationalen Diplomaten in Lhasa, denen sie ihre Sicht der Vorfälle vor zwei Wochen erläuterte. Eine ähnliche Reise für Journalisten zwei Tage zuvor wurde von etwa 30 Mönchen genutzt, um vor der Weltöffentlichkeit Religionsfreiheit und die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet zu fordern. Die Diplomaten kamen nicht mit Demonstranten in Berührung.

Zu dem für Montag ausgerufenen Internationalen Solidaritätstag für Tibet werden Aktionen in weltweit 2.000 Städten erwartet, wie Andreas Hilmer vom Tibetischen Zentrum Hamburg am Samstag erklärte. Der 31. März sei gewählt worden, weil an diesem Tag das Olympische Feuer Peking erreiche, sagte er.

(Quelle: ap)
 


 

Verhandlungen der Bauern in Argentinien mit Regierung gescheitert - Protest gegen Erhöhung der Exportsteuern auf Sojabohnen und Getreide

So.30.03.08 - Die Verhandlungen der demonstrierenden Bauern in Argentinien mit der Regierung sind nach einer nächtlichen Marathonsitzung am Samstagmorgen ergebnislos zu Ende gegangen. Die Landwirte protestierten seit 16 Tagen im ganzen Land und blockierten mehrere Autobahnen. Am Freitag hatten sie ihre Aktionen wegen der Gespräche mit der Regierung erstmals unterbrochen. Die Verhandlungen sollen nun in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

Die Bauern protestieren gegen eine Erhöhung der Exportsteuern auf Sojabohnen und Getreide. Die Regierung hat die Reaktionen der Bauern auf die Steuererhöhung in der vergangenen Woche seien völlig unangemessen. Die Landwirtschaft habe in den vergangenen Jahren außergewöhnlich gute Ergebnisse erzielt. Aufgrund der steigenden Preise für Sojabohnen, Mais und anderes Getreide gehe es den Bauern besser als vielen anderen in Argentinien.

(Quelle: ap)
 


 

Demonstration gegen NATO und Bush in der Ukraine

So.30.03.08 - Tausende Menschen haben am Samstag in der ukrainischen Stadt Simferopol am Schwarzen Meer gegen eine angestrebte Mitgliedschaft des Landes in der NATO und den bevorstehenden Besuch von US-Präsident George W. Bush demonstriert. Die Anhänger einer prorussischen Partei trugen Transparente mit der Aufschrift «NATO ist Krieg gegen Slawen» und «Für immer mit Russland». Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Unian verbrannten die Demonstranten eine US-Flagge. Außerdem forderten sie den Abzug ukrainischer UN-Polizisten aus dem Kosovo.

(Quelle: ap)
 


 

EU und Serbien ringen weiter um Annäherung

So.30.03.08 - Ungeachtet vorsichtiger Signale der Annäherung ist das Eis zwischen Serbien und der Europäischen Union im Kosovo-Streit nicht gebrochen. Nach einem informellen Treffen der EU-Außenminister mit dem serbischen Chefdiplomaten Vuk Jeremic im slowenischen Brdo sagte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), von serbischer Seite gebe es "keine neuen Zusagen". Der Weg zu einem EU-Beitritt Serbiens bleibt zudem durch die Niederlande und Belgien versperrt, die auf eine Auslieferung gesuchter Kriegsverbrecher pochen.

Der slowenische Außenminister und amtierende EU-Vorsitzende Dimitrij Rupel sagte nach dem Treffen, die Mitgliedstaaten seien einig, dass die EU mit Serbien einen "zusätzlichen Schritt vorwärts" machen müsse. Auch der serbische Außenminister zeigte sich nach dem anderthalbstündigen Gespräch mit seinen EU-Kollegen in Brdo offen für einen EU-Beitritt Serbiens "vielleicht schon in vier, fünf oder sechs Jahren".

Allerdings wird dieser durch die Niederlande und Belgien blockiert. Beide Länder fordern nach Angaben Steinmeiers weiter eine "volle Kooperation" mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und insbesondere die Auslieferung des wegen Kriegsverbrechens angeklagten früheren bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic. Ansonsten kann das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) der EU mit Serbien nicht abgeschlossen werden, das als erster Schritt zum EU-Beitritt gilt. Alle Entscheidungen zur EU-Außenpolitik müssen einstimmig fallen.

Die EU kann damit vor den serbischen Parlamentswahlen am 11. Mai kein konkretes Zeichen zur Unterstützung der gemäßigten Kräfte setzen. Dabei sieht die EU die nach Angaben Steinmeiers die jüngste Zugewinne von nationalistischen Kräften "mit Sorge".

Auch ein von der EU angestrebtes Treffen zwischen Jeremic und dem Kosovo-Ministerpräsidenten Hashim Thaci kam in Brdo nicht zustande. Der slowenische EU-Vorsitz hatte die beiden Politiker eingeladen, sich erstmals seit der Loslösung des Kosovo an einen Tisch zu setzen. Jeremic reiste aber vorzeitig nach Belgrad zurück.

Die EU drängte Serbien dazu, entschieden gegen Abspaltungstendenzen im mehrheitlich serbisch bewohnten Nordkosovo vorzugehen. Serbien müsse "aufgeheizte Rhetorik ebenso vermeiden wie alle Aktivitäten, die die Sicherheit in der Region bedrohen", hieß es in einer Erklärung des EU-Vorsitzes.

(Quelle: afp)
 


 

Internet-Seite nimmt Anti-Koran-Film von ihrem Server

So.30.03.08 - Nach nur einem Tag ist der Anti-Koran-Film des rechtspopulistischen niederländischen Abgeordneten Geert Wilders vom Server der Web-Site LiveLeak.com entfernt worden. Es habe Drohungen gegen Mitarbeiter gegeben, die «sehr ernster Natur» seien, erklärten die Betreiber am Freitagabend. Allerdings ist der Film «Fitna» bereits auf anderen Seiten im weltweiten Netz weiterverbreitet worden.

Wilders hatte keinen Fernsehsender für die Ausstrahlung seines 15-minütigen islamkritischen Werks gefunden, und sein Web-Provider Network Solutions nahm die entsprechende Internetseite bereits in der vergangenen Woche aus dem Netz. Am Donnerstagabend folgte dann die Veröffentlichung bei LiveLeak.com. Wilders erklärte, er wollte seine Landsleute davor warnen, dass der Islam und der Koran auf lange Sicht die Freiheit in den Niederlanden gefährdeten.

In Deutschland rief das Video unterschiedliche Reaktionen hervor. Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, rief in der «Frankfurter Rundschau» zu einem gelassenen Umgang damit auf. Es sei eindeutig, dass hier eine Religion provokativ beleidigt werden solle. «Wir sollten aber deshalb den gesellschaftlichen Frieden nicht leichtfertig aufs Spiel setzen», sagte Kizilkaya, der zugleich Vorsitzender es Islamrates ist. Muslime sollten ihre Kritik nur «im Rahmen der Gesetze und mit demokratischen Mitteln» äußern.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, verlangte in derselben Zeitung ein Verbot des Films. Zugleich rief er Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, sich als Leiter der Islam-Konferenz «eindeutig» davon zu distanzieren. «Die Grenze der Meinungsfreiheit ist mit diesem Film überschritten. Er ist stigmatisierend und gefährdet den Frieden», erklärte Kolat.

Dagegen sagte die Islam-Beauftragte der SDP-Bundestagsfraktion, Lale Akgün, mit einem Verbot «werten wir ein billiges Propaganda-Filmchen nur auf». Kein vernünftiger Mensch könne die dort gezeigten terroristischen Auswüchse des Islams mit der gesamten Religion gleichsetzen. «Herr Wilders hat die Perversion pervertiert», sagte Akgün der «Frankfurter Rundschau».

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Film aufs Schärfste. «Es gibt keine Rechtfertigung für Hasssprüche oder eine Anstiftung zur Gewalt», erklärte er in New York. Das Recht auf Meinungsfreiheit könne hier nicht geltend gemacht werden.

Die Europäische Union bekannte sich in einer Erklärung zum Grundrecht der Redefreiheit, fügte aber hinzu: «Wir glauben, das Akte wie dieser Film einzig und allein dem Zweck dienen, zum Hass anzustacheln.» Der Europarat bezeichnete das Video als geschmacklose Manipulation, um Ängste zu schüren und auszunutzen.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Finanzkrise - BaFin erwartet 600 Mrd Dollar Verluste

So.30.03.08 - Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende globale Finanzkrise zieht immer größere Kreise. Nach «Spiegel»-Informationen rechnet die deutsche Finanzaufsicht BaFin mit Verlusten in der Kreditwirtschaft von weltweit bis zu 600 Milliarden Dollar.

In der Diskussion um eine schärfere Kontrolle der Finanzindustrie preschen die USA der «New York Times» (Samstag) zufolge mit einer umfassenden Reform der Finanzmarktaufsicht vor. Demnach soll die US- Notenbank künftig das Recht haben, die Branche bis hin zur internen Buchführung von Investmentbanken, Hedge-Fonds oder Rohstoff-Börsen unter die Lupe zu nehmen, sollten deren Geschäfte eine Gefahr für das Finanzsystem darstellen. Finanzminister Henry Paulson will die Vorschläge den Angaben zufolge am Montag offiziell vorstellen.

Vorgesehen ist nach dem Zeitungsbericht auch, die derzeit zersplitterte US-Finanzaufsicht zu konsolidieren. So soll es beispielsweise künftig nur noch eine Bundesbehörde zur Bankenregulierung geben statt wie bisher fünf. Auch plane die Regierung, die US-Börsenaufsicht SEC mit der Aufsichtsbehörde für den amerikanischen Terminhandel zu verschmelzen.

Am Montag wird Finanzminister Paulson nach der Zeitung vorliegenden Redeauszügen erläutern: «Ich glaube nicht, dass zusätzliche Regulierung die Antwort ist, oder das effektivere Regulierung Finanzmarktturbulenzen, wie sie alle fünf bis zehn Jahre vorkommen, verhindern kann.» Allerdings sollte es eine Aufsichtsstruktur für die Finanzindustrie geben, «die der Welt entspricht, in der wir leben und die flexibler ist.»

Über die Finanzmarktturbulenzen wurde am Freitag und Samstag auch in dem von Industrieländern getragenen Forum für Finanzstabilität (FSF) gesprochen, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Samstag berichtete. Schlussfolgerungen des FSF sollen den Finanzministern der sieben führenden Industriestaaten (G7) in der zweiten April-Woche am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington vorgetragen werden. Dabei gehe es um konkrete operative Vorschläge etwa zur Offenlegung und Bewertung von Geschäften, der Rolle von Ratings sowie der Reaktionsfähigkeit der Aufsichtsbehörden.

Auch der EU-Finanzministerrat (Ecofin) wird nächste Woche auf seinem informellen Treffen im slowenischen Brdo darüber reden. Angesichts der anhaltenden Bankenturbulenzen dringt die EU auf mehr Transparenz und eine bessere Aufsicht an den europäischen Finanzmärkten. Die EU-Finanzminister hatten Anfang März die Finanzbranche aufgefordert, rasch selbst entsprechende Eigeninitiativen zu ergreifen und alle Risiken in den Bankbilanzen offenzulegen. Eine gemeinsame europäische Finanzmarkt-Aufsicht zeichnet sich indes nicht ab. Diese stößt vor allem in kleineren EU- Staaten auf Vorbehalte. Auch aus Sicht Deutschlands kann eine europäische Aufsichtsbehörde allenfalls am Ende einer Entwicklung stehen.

Für Deutschland verlangte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine grundlegende Reform der Finanzaufsicht. Dabei solle BaFin in die Bundesbank integriert werden, weil das Nebeneinander zweier Regulierungsbehörden ineffizient sei, sagte Bofinger der «Wirtschaftswoche».

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat dem «Spiegel» zufolge in einem internen Papier das Ausfallrisiko beziffert, das Finanzinstitutionen weltweit durch fehlgeschlagene Spekulationen rund um minderwertige amerikanische Hypothekendarlehen im ungünstigsten Fall verkraften müssen. Nach Einschätzung der BaFin könne der Schaden geringer ausfallen als die maximal angenommenen 600 Milliarden Dollar: «Nach gegenwärtiger Marktlage und Kenntnis halten wir einen Betrag von 430 Milliarden US-Dollar für wahrscheinlicher», zitiert das Magazin die BaFin. Die bereits von den Kreditinstituten eingeräumten Verluste würden in deren Papier mit 295 Milliarden Dollar angegeben, wobei auf deutsche Banken davon rund zehn Prozent entfielen.

(Quelle: dpa)
 


 

Inflation in Deutschland erstmals 2008 über drei Prozent

So.30.03.08 - Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland im März erstmals wieder über die Drei-Prozent-Marke getrieben. Die Jahresteuerungsrate kletterte auf 3,1 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis der Daten aus sechs Bundesländern mit.

Im Januar und Februar hatte die Rate noch bei jeweils 2,8 Prozent gelegen. Der höchste Anstieg seit 1994 war im November 2007 mit 3,2 Prozent ermittelt worden. Im Vergleich zum Vormonat ergab sich im März ein Plus von 0,5 Prozent.

Die Teuerung liegt damit deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent. Nach Ansicht von Volkswirten bremst die hohe Inflation die Kauflust der Verbraucher und wird die lang erhoffte Belebung des privaten Verbrauchs verhindern. «Die Erholung des Konsums wird angesichts dieser Belastung nur verhalten ausfallen», schrieben die Volkswirte der Commerzbank. Die Teuerung sei im März stärker als erwartet ausgefallen.

Der aktuelle Preisdruck in der ganzen Eurozone sei besorgniserregend, sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, am Freitag bei einer Konferenz in Luxemburg. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte zuvor schon klargemacht, dass in diesem Jahr die Zwei-Prozent-Marke im Euro-Raum verfehlt werde.

Laut Statistiker waren die wesentlichen Preistreiber Nahrungsmittel und Getränke sowie Mineralölerzeugnisse. Die Preise für Lebensmittel stiegen im März in den sechs Bundesländern zwischen 7,3 und 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Heizöl verteuerte sich bis zu 44 Prozent, Benzin und Diesel bis zu 14,4 Prozent. Nahezu stabil blieben dagegen die Preise für Strom und Gas. Saisonbedingt stiegen im März die Preise für Pauschalreisen gegenüber dem Vormonat plus 0,8 Prozent und dem Vorjahresmonat um 4,8 Prozent. Grund dafür waren laut Statistik die frühen Ostertermine in diesem Jahr - 2007 lagen die Osterfeiertage im April.

In Hessen betrug die Jahresteuerungsrate im März 3,4 Prozent nach 2,9 Prozent im Februar, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. «Eine solch anhaltend hohe Inflation gab es zuletzt 1993, als nach der Wiedervereinigung die Teuerungsrate über vier Prozent sprang», sagte ein Statistiker in Wiesbaden. So war Heizöl hier im März fast 40 Prozent teurer als vor einem Jahr. Die Kraftstoffpreise lagen 13,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ohne Heizöl und Kraftstoffe gerechnet lag die Teuerung nur bei 2,6 Prozent.

In Bayern lag die Inflationsrate bei 3,2 Prozent nach 2,9 Prozent im Februar, wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung mitteilte. Während die Heizölpreise um gut 44 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, verteuerten sich Nahrungsmittel um 8,5 Prozent. Im Vergleich zum Februar legten die Verbraucherpreise im März im Freistaat um 0,5 Prozent zu. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen kletterte die Teuerungsrate auf 3,2 (Vormonat: 3,0) Prozent. Binnen Monatsfrist legten die Verbraucherpreise dort um 0,6 Prozent zu.

Das Land Brandenburg meldete eine Jahresrate von 3,0 Prozent, im Vergleich zum März bedeutete dies ein Plus von 0,4 Prozent. Sachsen meldete eine Jahresrate von 3,1 Prozent nach 2,8 Prozent im Februar. Im direkten Monatsvergleich legten die Preise hier sogar um 0,6 Prozent zu.

(Quelle: dpa)
 


 

Gaskraftwerk möglicherweise Koalitions-Kompromiss in Hamburg

So.30.03.08 - In einem zentralen Streitpunkt der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und Grünen in Hamburg bahnt sich offenbar eine Lösung an. Statt des von den Grünen abgelehnten neuen Kohlekraftwerks könnte ein Gaskraftwerk errichtet werden, berichteten das Nachrichtenmagazin "Focus" und "Spiegel Online" übereinstimmend. Laut "Focus" werden dafür bei Eon, RWE und EnBW Angebote eingeholt. Das Kohlekraftwerk sollte von Vattenfall gebaut werden. Außerdem habe der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick den Bau eines Gaskraftwerks angeboten. CDU und Grüne wollen ihre Verhandlungen am Dienstag fortsetzen.

Vertreter von CDU und Grünen hätten vereinbart, bei den drei großen Vattenfall-Konkurrenten Angebote für ein Gaskraftwerk einzuholen, berichtete der "Focus". Erste Gespräche hätten bereits stattgefunden. Auf Wunsch der Grünen habe auch Lichtblick ein Konzept für ein Gaskraftwerk vorgestellt.

Laut "Spiegel Online" würde das mit Kraft-Wärme-Koppelung ausgestattete Lichtblick-Kraftwerk mit einer Leistung von 600 bis 700 Megawatt über einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent verfügen, etwa ein Drittel mehr als das geplante Kohlekraftwerk des Energiekonzerns Vattenfall. Die CDU hoffe aber weiter auch auf ein Einlenken von Vattenfall. Der Konzern hat 120 Millionen Euro in das Kohlekraftwerk investiert und erwägt Schadenersatzforderungen.

Die beiden Parteien hatten am Freitag erneut verhandelt. Laut einer Grünen-Sprecherin wurden dabei aber "aus organisatorischen Gründen" nicht wie geplant die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zu den umstrittenen Punkten des Kraftwerksbaus und der geplanten Elbvertiefung vorgelegt. Die Koalitionsverhandlungen sollen demnach am Dienstag fortgesetzt werden. Dann soll aber zunächst das ebenfalls noch umstrittene Thema Bildung auf der Tagesordnung stehen. Diskussionsstoff dürften dann vor allem die künftige Schulstruktur und die von den Grünen kritisierten Studiengebühren bieten.

Mitte März hatten CDU und GAL die Verhandlungen über ein erstes schwarz-grünes Bündnis auf Landesebene aufgenommen. In den Politikfeldern Finanzen, Kultur, Sport, Inneres und Justiz konnten sie sich bereits weitgehend einigen.

(Quelle: afp)
 


 

Regierungsbildung in Hessen - Koch wirbt verstärkt um Grüne

So.30.03.08 - Eine Woche vor dem Zusammentreten des neuen hessischen Landtags hat Ministerpräsident Roland Koch weiter um eine Zusammenarbeit mit den Grünen geworben. Der CDU-Politiker, der vermutlich weiter als geschäftsführender Regierungschef amtieren wird, appellierte im Nachrichtenmagazin «Focus» an die Öko-Partei, sich «in einzelnen Sachfragen» mit der CDU «zu verständigen, damit wir etwas voranbringen können, ohne gleich mit Koalitionsangeboten zu kommen».

Zusammen mit der FDP gebe es bei der Bildungs-, Finanz- und Energiepolitik Anknüpfungspunkte, wurde Koch in dem am Samstag vorab veröffentlichten Bericht zitiert. Die Frage der Atomenergie könne ausgeklammert werden.

Einer Großen Koalition erteilte Koch eine Absage. «Frau Ypsilanti hat die hessische SPD bewusst an den äußersten linken Rand des politischen Spektrums geführt», sagte er. «Es wird Zeit brauchen, bis die Sozialdemokraten in Hessen wieder ein verlässlicher Partner sind.»

Der Konflikt mit seiner SPD-Konkurrentin Ypsilanti belaste auch das Klima der Koalition in Berlin. Für die Bundes-SPD sei nicht die Kandidatenfrage das Hauptproblem. «Nach dem von Kurt Beck sanktionierten Wortbruch Andrea Ypsilantis wird es für die SPD in den nächsten 18 Monaten kaum möglich sein, das verspielte Vertrauen zurück zu gewinnen», sagte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende.

Die Grünen hätten einen langen Weg zurückgelegt, wurde Koch weiter zitiert. «Die Grünen sind heute in der linken Mitte der Gesellschaft verankert.» Ihre Wähler, in der Regel finanziell besser gestellt und überdurchschnittlich gebildet, gehörten eigentlich zum bürgerlichen Lager. «Inzwischen erwartet ihre Wählerschaft auch, dass sie in eine wohlstandsorientierte Zukunft geführt wird», sagte er.

Auf Dauer sehe er im Landtag keinen mehrheitsfähigen Linksblock gegen sich. «Im Augenblick erleben wir eine Phase, in der noch symbolhaft alte Wahlkampfparolen abgearbeitet werden», sagte er zu der von SPD und Grünen geplanten Abschaffung der Studiengebühren.

Am 5. April beginnt in Hessen die neue Legislaturperiode. Die Landesregierung muss nach der hessischen Verfassung an diesem Tag zurücktreten und ist dann nur noch geschäftsführend im Amt. Bislang ist die Bildung einer Koalition gescheitert, nachdem weder Rot-Grün noch Schwarz-Gelb bei der Landtagswahl im Januar eine Mehrheit erreicht hatten. Eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen lehnt die FDP ab, gegen ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP sind die Grünen, und eine Große Koalition lehnen bislang sowohl SPD als auch CDU ab.

(Quelle: ap)
 


 

Hessen-SPD für Zusammenarbeit mit Linken

So.30.03.08 - Die hessische SPD hat den Weg für ihre Vorsitzende Andrea Ypsilanti freigemacht, sich mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen zu können.

Die Delegierten des Landesparteitages in Hanau stimmten am Samstag mit großer Mehrheit für entsprechende Gespräche mit der Linkspartei. Ypsilanti sagte, sie könne sich eine rot-grüne Minderheitsregierung zu gegebener Zeit vorstellen. Dabei hält sie sich eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei offen.

Die Landeschefin hat bereits früher den Plan auf Eis gelegt, sich bei der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags am 5. April mit Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Mit ihrem Verzicht hatte sie auf die Ankündigung der SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar Metzger reagiert, die bei einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei Ypsilanti aus Gewissensgründen nicht wählen will.

Die Hessen-SPD will sich nun nach den Worten ihrer Vorsitzenden von Fall zu Fall um Mehrheiten für ihre politischen Ziele bemühen: "Wir wollen uns für unsere inhaltlichen Projekte eine Mehrheit sichern und das tun wir auch mit den Linken."

Ypsilanti rechtfertigte ihre Entscheidung, nach dem Scheitern der Sondierungen mit der FDP auf die Linke zugegangen zu sein: "Ich habe mit mir gerungen und nicht nach dem Motto gehandelt 'Hurra, da gibt es noch die Linke'." Nach allen Abwägungen sei eine Realisierung der SPD-Politik aber nur mit einer rot-grünen Minderheitsregierung möglich gewesen. "Wir sind in erster Linie für politische Inhalte gewählt worden und nicht für Koalitionsaussagen", betonte sie.

Die Parteichefin kritisierte die Landtagsabgeordnete Metzger, die nicht an dem Landesparteitag teilnahm. "Jeder muss bei so etwas nicht nur sein eigenes Gewissen im Blick haben, sondern immer auch die Gesamtfolgen und was das für die politischen Ziele der Partei bedeutet", sagte sie unter dem Beifall der Anwesenden.

Neuwahlen will Ypsilanti nicht anstreben: "Ich wünsche sie mir nicht, ich habe aber keine Angst, mit dieser großartigen hessischen SPD nochmal anzutreten." Sie lehnte erneut eine große Koalition unter den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch ab. "Koch muss weg und mit ihm seine ganze erzkonservative Regierungsmannschaft." Sie appellierte wieder an die FDP, sich einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen zu öffnen.

(Quelle: rtr)
 


 

Linke will mehr Distanz zur DKP

So.30.03.08 - Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Bundestag, Dagmar Enkelmann, hat eine größere Distanz ihrer Partei zur DKP verlangt. Es handele sich um zwei unterschiedliche Parteien, sagte Enkelmann der «Rheinfalz am Sonntag». Das müsse gerade bei Wahlen sichtbar werden. «DKP-Mitglieder gehören in Bund und Ländern nicht auf unsere Listen», sagte die Linkspolitikerin. Wo Linke drauf stehe, «müssen auch Linke drin sein».
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Nach Einschätzung von Enkelmann haben sich Linke und DKP immer mehr auseinander entwickelt, «so dass ein gemeinsames politisches Auftreten in einem Parlament inzwischen nicht mehr möglich ist». Es gebe kaum noch Gemeinsamkeiten. Das gelte vor allem für das Verhältnis zur Regierungsbeteiligung.

Nicht ohne Grund seien eine Reihe von DKP-Mitgliedern inzwischen der Linkspartei beigetreten. Sich nur auf die Rolle einer Protestpartei zu beschränken, reiche nicht aus. Damit wäre der deutliche Wählerzuwachs für die Linkspartei auch nicht zu erklären.

(Quelle: ddp)
 


 

Offener Streit in CSU-Spitze - Sorgen in CDU

So.30.03.08 - Nach dem Aus für den Transrapid in München und Unwägbarkeiten bei der Bayerischen Landesbank ist in der CSU-Spitze ein offener Streit ausgebrochen.

Parteichef und Finanzminister Erwin Huber wies in der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag Äußerungen von Ministerpräsident Günther Beckstein zurück, die Belastungen der BayernLB infolge der US-Hypothekenkrise könnten bis zu vier Milliarden Euro betragen. Beckstein seinerseits widersprach dem CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer. Dieser hatte dem Ministerpräsidenten beim Aus für die Magnetschwebebahn zwischen der Münchener Innenstadt und dem Flughafen ein übereiltes Handeln vorgeworfen.

Zu den drohenden Verlusten der BayernLB sagte Huber, kommenden Donnerstag würden die neuen Zahlen vorgestellt. Dann werde auch der Verwaltungsrat der Bank beraten und mögliche Konsequenzen erörtern. "Alles andere ist im Moment verfrüht", stellte Huber klar, der Mitglied im Verwaltungsrat der BayernLB ist und damit mit verantwortlich für die Bank.

Beckstein hält nach einem Bericht des "Nordbayerischen Kuriers" eine Belastung in Höhe von vier Milliarden Euro für möglich. Bisher hat die Bank Belastungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Beckstein erklärte dem Zeitungsbericht zufolge, er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich über diesen Betrag hinausgehen werden. Der "Spiegel" berichtete vorab, Huber habe sich intern verärgert über das Vorpreschen von Beckstein gezeigt. Zwischen beiden solle abgesprochen gewesen sein, dass die Bank am Donnerstag die neuen Zahlen vorstelle.

Der Ministerpräsident wies die Kritik vom Landesgruppenchef Ramsauer zurück, den Bau der Transrapidstrecke zu schnell aufgegeben zu haben. "Peter Ramsauer hat mir keine andere Lösung vorgeschlagen. Es hätte niemand mehr den Umschwung geschafft", sagte er der "Welt am Sonntag". Ramsauer hatte erklärt, Beckstein sei die Kostenexplosion beim Transrapid wohl sehr gelegen gekommen. "Anders ist die Hals-über-Kopf-Entscheidung wohl nicht erklärbar", hatte Ramsauer gesagt, nachdem Beckstein das Projekt gekippt hatte.

In der CDU wachsen unterdessen Sorgen, dass die Zusammenarbeit mit der Schwesterpartei schwieriger werden könnte. Der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU-Bundestagsabgeordneten, Georg Brunnhuber, sagte dem Magazin "Focus": "Wir Baden-Württemberger beten jeden Tag, dass die CSU so schnell wie möglich zu ihrer alten Stärke findet." Eine starke CSU sei für die CDU eine Schlüsselfrage. Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt Lauk, bekräftigte das Nein der CDU zur von der CSU geforderten Rückkehr zur Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer: "Ich kann nur davor warnen, sich im Kleinklein über Pendlerpauschale und vieles mehr zu verlieren."

(Quelle: rtr)
 


 

CDU-Politiker verschärfen Widerstand gegen Mindestlohn

So.30.03.08 - Führende CDU-Politiker haben die offenkundig geringe Nachfrage von Branchen nach einem Mindestlohn als Bestätigung für ihre Vorbehalte gegen staatlich verordnete Lohnuntergrenzen gewertet. Die SPD habe monatelang behauptet, ganz Deutschland fordere einen Mindestlohn, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der "Welt am Sonntag". "Jetzt wird klar: Das war eine Fehleinschätzung!" Dass nur wenige Branchen einen Mindestlohn beantragt hätten, sei eine "klare Absage an den von der SPD geplanten Staatseingriff in die Tarifhoheit von Gewerkschaften und Arbeitgebern".

Auch Saar-Ministerpräsident Peter Müller (CDU) kritisierte in der "WamS", die Mindestlohndebatte sei "mit Erwartungen versehen worden, die nie realistisch waren". Weder über branchenbezogene Mindestlöhne noch über einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn könne das Ziel erreicht werden, "dass jemand, der voll arbeitet, ein Unterhalt sicherndes Einkommen haben muss".

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ging ebenfalls auf Distanz zum Mindestlohn. Marktorientierte Löhne als Ergebnis fairer Tarifverhandlungen seien durch nichts zu ersetzen, sagte Rüttgers der Zeitung. Mit einem Mindestlohn werde man nur "im Einzelfall" Dumpinglöhne verhindern können.

Berichten zufolge sollen statt der ursprünglich von der SPD erhofften zehn bis zwölf Branchen voraussichtlich nur vier einen Antrag auf Aufnahme in das Entsendegesetz stellen. Die Frist für die Antragstellung läuft am Montag ab.

(Quelle: afp)
 


 

Entscheidende Tarifrunde für öffentlichen Dienst vertagt

So.30.03.08 - Die wohl entscheidende Tarifrunde für die 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen geht am (heutigen) Sonntag in die Verlängerung. Von 10 Uhr an wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften versuchen, mit einem Kompromiss bei Einkommen und Arbeitszeit Streiks im April noch zu verhindern.

Nach zehnstündigem Ringen wurde die sechste Gesprächsrunde am Samstagabend unterbrochen. Zum Stand der äußerst schwierigen Verhandlungen machten beide Seiten keinerlei Angaben. Die Gewerkschaften verlangen 8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro im Monat. Ein Schlichtungsversuch über Ostern hatte keinen Ausweg aus dem Tarifkonflikt gebracht.

Zu Beginn des Treffens hatten sich nur die Verhandlungsführer - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas Böhle, sowie auf Gewerkschaftsseite ver.di-Chef Frank Bsirske und der Vorsitzende der Tarifunion des Beamtenbundes dbb, Frank Stöhr - in kleiner Runde zusammengesetzt.

Innenminister Schäuble appellierte an die Verantwortung der Gewerkschaften. Bsirske forderte seinerseits die Arbeitgeber auf, ihr Angebot zu verbessern. Er hatte sich diese Woche skeptisch über die Erfolgsaussichten in Potsdam geäußert und baldige Urabstimmungen über bundesweite Streiks in Aussicht gestellt.

«Ich habe die Hoffnung, dass die Einsicht in die gesamtwirtschaftliche Verantwortung, die Verantwortung für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, aber auch für die Lage der öffentlichen Haushalte dazu führt, dass wir in der Lage sind, dem Land einen Arbeitskampf zu ersparen», sagte Schäuble. Bsirske verlangte, die Arbeitgeber müssten noch «eine ordentliche Schippe drauflegen». Auch Stöhr beharrte auf einem deutlichen Einkommensplus.

Die vom früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) vorgelegte Schlichtungsempfehlung war von den Gewerkschaften abgelehnt worden. Späth hatte für zwei Jahre 6 Prozent mehr Einkommen, zwei Einmalzahlungen und längere Arbeitszeiten empfohlen. Dieses Angebot bedeutet nach Rechnung der Gewerkschaften für viele Beschäftigte unter Berücksichtigung der Inflationsrate ein Minusgeschäft.

(Quelle: dpa)
 


 

Regierung, Wirtschaft und DGB halten Vollbeschäftigung für möglich

So.30.03.08 - Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften halten Vollbeschäftigung in Deutschland wieder für möglich. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sagte der «Bild am Sonntag»: «Deutschland ist auf dem besten Weg zur Vollbeschäftigung. Wir haben 1,6 Millionen Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt. Jeden Tag entstehen 1400 neue Arbeitsplätze.» Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte in diesem Zusammenhang vor gesetzlichen Mindestlohn. Die Gewerkschaften glauben ebenfalls an Vollbeschäftigung.

(Quelle: dpa)
 


 

Seehofer fordert eigenes Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer

So.30.03.08 - Angesichts der Überwachungsaffäre beim Discounter Lidl hat Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer einen besseren gesetzlichen Schutz von Mitarbeitern gefordert. «Der Vorfall macht deutlich, dass wir in Deutschland ein eigenes Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz brauchen», schrieb der CSU-Politiker laut Vorabmeldung in einem Gastbeitrag für die «Bild am Sonntag». Wegen der neuen technischen Möglichkeiten sei ein solches Gesetz überfällig.

Auch eine exemplarische Geldbuße sei unvermeidlich. «Die zuständigen Behörden sind hier aufgefordert, mit der vollen Härte des Gesetzes, eine Strafe zu wählen, die von Großunternehmen nicht aus der Portokasse bestritten werden kann», schrieb der stellvertretende CSU-Vorsitzende. Die Überwachungsmethoden von Lidl seien unwürdig und mit den Grundwerten der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung nicht in Einklang zu bringen.

«Die scheinbar systematische Bespitzelung von ahnungslosen Mitarbeitern erinnert an Methoden, die man in Deutschland längst überwunden glaubte», schrieb Seehofer weiter. Das Datenschutzgesetz verbiete die heimliche Überwachung von Mitarbeitern. Die Bespitzelung einiger Mitarbeiter bis hin zur Toilette sei zudem ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde und verletzten die im Grundgesetz festgeschriebenen Persönlichkeitsrechte.

(Quelle: ap)
 


 

Überwachung von Mitarbeitern laut Ver.di keine Ausnahme

So.30.03.08 - Die massive Bespitzelung von Mitarbeitern ist nach Einschätzung der Gewerkschaft ver.di bei deutschen Discountern keine Ausnahme. «Das ist deutlich üblicher, als man denkt», sagte der ver.di-Handelssekretär Achim Neumann am Samstag der Nachrichtenagentur AP. «Es gehört zu den Führungsprinzipien vieler Discounter, Leistungsdruck und ein Klima der Angst zu erzeugen.» Viele Mitarbeiter hätten der Gewerkschaft bereits in der Vergangenheit von Überwachungsmaßnahmen berichtet, seien aber nicht zu einer öffentlichen Aussage bereit.

«Die Kollegen sind so weit, dass sie nicht mehr bereit sind, ihr Grundrecht auf Meinungsfreiheit wahrzunehmen», kritisierte Neumann. Ziel der Repressionen sei auch, die Gründung von Betriebsräten zu verhindern. «Mit ängstlichen Menschen ist es schwer, Gewerkschaftsinteressen zu vertreten. Hier wird die Würde der Arbeitenden mit Füßen getreten.» Um massive Bespitzelungen wie beim Lebensmitteldiscounter Lidl zu verhindern, müssten die derzeit auf 250.000 Euro begrenzten Bußgelder drastisch erhöht werden, forderte der Gewerkschafter.

Auch der Schutz für Mitarbeiter, die sich für die Gründung von Betriebsräten engagierten, müsse verbessert werden. Bislang seien mögliche Kandidaten während der oft wochenlangen Vorbereitungszeit von Betriebsratswahlen zu wenig vor Repressionen des Arbeitgebers geschützt. «Da werden viele Mitarbeiter vorher noch 'überzeugt', das lieber sein zu lassen», sagte Neumann.

(Quelle: ap)
 


 

Brandstiftung in Wohnhaus von Türken

So.30.03.08 - In einem mehrheitlich von Türken bewohnten Mehrfamilienhaus in Backnang ist ein Feuer gelegt worden. Insgesamt fünf Bewohner wurden durch Rauchgas leicht verletzt. Auf eine Wand im Hinterhof des Gebäudes wurden rechtsradikale Parolen gesprüht. Die Polizei schloss einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. Es wurde eine zehnköpfige Sonderkommission gebildet, der auch Vertreter des Landeskriminalamts angehören.

(Quelle: dpa)
 


 

Wissenschaft, Computer & Cyberspace

Ende der Silizium-Chip-Ära vorausgesagt

So.30.03.08 - In vier Jahren soll die Ära der konventionellen Computer-Chips auf Siliziumbasis abgelaufen sein.

Davon sind Wissenschaftler aus der Physik überzeugt. Sie gehen davon aus, dass Silizium-Chips bald an ihre Grenzen stoßen und nicht noch mehr kleinste Bauteile wie Transistoren beherbergen können. Eine Leistungssteigerung im Computer-Bereich wäre demnach auf Basis der Silizium-Chips kaum mehr möglich.

Forscher suchen derweil nach Alternativen zu dem Material, um die Weichen für weitere Fortschritte in Rechenleistung und -geschwindigkeit zu stellen. Ein Experten-Team aus dem britischen Leeds sieht die Zukunft in Nanoröhren aus Kohlenstoff. Bislang haben sich diese kleinsten Bauteile allerdings noch nicht zu Schaltkreisen zusammenfügen lassen. Andere Wissenschaftler sehen in Supraleitern die Grundlage für zukünftige Computer. Denn mit speziellen Materialien könnten sich womöglich Quanten-Computer bauen lassen. Das hat jetzt das Magazin "IT News Australia" berichtet.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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