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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1468sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Bislang 130 Tote bei jüngsten Kämpfen in Bagdad.
Ministerpräsident Maliki zur Fortführung der Offensive in
Basra entschlossen - Britische Soldaten schalten sich in Kämpfe
ein. US-Luftwaffe bombardiert Schiiten-Stellungen in Basra.
Türkische Armee geht erneut gegen PKK-Kämpfer im Nordirak vor
So.30.03.08 - Bei den schweren Kämpfen in Bagdad sind in den vergangenen Tagen
mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen.
Im Osten der Hauptstadt seien in den vergangenen Tagen zudem 647
Menschen verwundet in Krankenhäuser eingeliefert worden,
erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Samstag.
Rettungskräften zufolge haben irakische und US-Soldaten den
umkämpften Stadtteil Sadr-City mittlerweile umstellt, so dass die
Verwundeten aus den überfüllten Krankenhäusern dort
nicht nach außerhalb verlegt werden können.
An den Kämpfen zwischen irakischen Soldaten und den
Schiiten-Milizen des Predigers Moktada al-Sadr in Bagdad sind zunehmend
auch US-Streitkräfte beteiligt. Das US-Militär tötete
eigenen Angaben zufolge am Freitag bei Schießereien und
Luftangriffen 48 Extremisten. Unterdessen erklärte ein Mitarbeiter
Sadrs, Vertreter des Predigers seien mit dem ranghöchsten
schiitischen Geistlichen, Großajatollah Ali al-Sistani,
zusammengetroffen. Sistani habe eine friedliche Lösung des
Konflikts gefordert.
Sollte der Großajatollah, der sich fast nie direkt in die Politik
einmischt, sich öffentlich äußern, dürfte sein
Wort bei den Anhängern Sadrs großes Gewicht haben. Seit der
irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki vor einigen Tagen eine
Offensive gegen die Milizen des schiitischen Predigers startete, sind
bei den Kämpfen im Süden des Landes und in Bagdad mehr als
300 Menschen ums Leben gekommen, viele Hunderte wurden verwundet. In
der umkämpften Ölmetropole Basra kontrollierten am Samstag
Kämpfer von Sadrs Mehdi-Miliz die Straßen.
Ministerpräsident Nuri El Maliki bekräftigte
unterdessen im Staatsfernsehen seine Entschlossenheit, die
Offensive in Basra fortzusetzen.
"Wir werden Basra nicht verlassen, solange die Sicherheit nicht
wiederhergestellt ist und diejenigen, die ihre Waffen gegen den Staat
richten, bestraft worden sind", sagte Maliki. Er nannte die
Sadr-Anhänger "schlimmer" als die Kämpfer des Terrornetzwerks
El Kaida. Der Regierungschef ließ offen, ob er den Einsatz in
Basra weiter persönlich überwachen werde.
Maliki hatte die schiitischen Milizionäre am Mittwoch in einem
Ultimatum aufgefordert, ihre Waffen bis Freitag abzugeben. Den
Einwohnern von Basra, die sich nicht an den jüngsten Kämpfen
beteiligt hatten, bot der Regierungschef für eine
Aushändigung ihrer Waffen bis zum 8. April
Entschädigungszahlungen an.
"Sadr hat uns gesagt, dass wir unsere Waffen nicht abgeben sollen, es
sei denn an einen Staat, der sich von dem Besetzer befreien kann",
sagte Haider el Dschabari vom Büro der Sadr-Bewegung. Die
Sadr-Anhänger werfen dem Maliki vor, von den USA gekauft worden zu
sein, und fordern seinen Rücktritt. Die Sadr-Bewegung verfügt
über großen Einfluss in der Bevölkerung und will mehr
Mitsprache bei politischen Entscheidungen.
Britische Truppen haben laut einem Bericht der BBC in die Kämpfe
in Basra eingegriffen. Zur Unterstützung der irakischen
Streitkräfte sei der Norden Basras mit Artillerie beschossen
worden. Der Angriff sei auf Bitten der irakischen Truppen erfolgt, die
dort unter Beschuss geraten seien. Der britische Militärsprecher
Tom Holloway sagte der BBC, die Militäraktion am Samstag sei
erfolgreich gewesen.
Die US-Luftwaffe bombadierte erneut Stellungen schiitischer
Milizionäre in Basra. Nach Angaben eines britischen
Militärsprechers warfen Kampfflugzeuge zwei Lenkbomben über
einem Viertel im Norden der Stadt ab. Es handelte sich um den dritten
Luftangriff auf schiitische Stellungen, seit die US-geführten
Koalitionstruppen am Freitagmorgen in die Kämpfe eingegriffen
hatten.
Die türkische Armee ist nach eigenen Angaben in den vergangenen
Tagen erneut gegen kurdische Rebellen im Nordirak vorgegangen.
15 Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK seien am
Donnerstag durch Artilleriebeschuss getötet worden. Am Freitag
habe das Militär Luftangriffe gegen die Separatisten geflogen, die
versucht hätten, die Grenze zur Türkei zu überqueren. Es
sei unklar, wie viele Rebellen dabei ums Leben gekommen seien, teilte
der Generalstab am Samstag mit.
Die Türkei geht seit Monaten immer wieder gegen die PKK durch, die
den Norden des Irak als Rückzugsgebiet nutzt. Ende Februar
marschierte das Militär in das Gebiet ein und tötete nach
eigenen Angaben in einer einwöchigen Bodenoffensive 240 Rebellen.
Ihre eigenen Verluste bezifferte es auf 27 Tote.
Die PKK kämpft seit mehr als 20 Jahren für einen eigenen
Kurden-Staat. Sowohl die Europäische Union als auch die USA stufen
sie als terroristische Organisation ein.
boa (Quellen: afp, ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 30.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundvierten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Präsident Bush besteht nicht auf deutschen Soldaten in
Südafghanistan
So.30.03.08 - Wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Bukarest ist US-Präsident
George W. Bush von der Forderung nach einem Einsatz deutscher Soldaten
auch im umkämpften Süden Afghanistans abgerückt.
Er sei dankbar, dass Kanzlerin Angela Merkel und der Deutsche Bundestag
«unser Engagement mit Truppen im Norden Afghanistans
unterstützen», sagte Bush der Zeitung «Die
Welt». Auf die Frage, ob die USA das Engagement Deutschlands auch
im Süden Afghanistans fordern, sagte Bush wörtlich:
«Nein. Ich will Entscheidungen, die unsere Partner tragen
können. Ich möchte, dass Kanzlerin Merkel mit den Ergebnissen
gut leben kann. Mit anderen Worten, ich möchte von anderen Staaten
nichts fordern, wozu sie politisch nicht in der Lage sind.»
Auf die Nachfrage des Blattes, Deutschland werde also nicht
aufgefordert, Bodentruppen für den Einsatz im Süden des
Landes zu stellen, stellte Bush klar: «Nein, das wird nicht
geschehen.»
Bush hatte erst Anfang März deutlich gemacht, dass die
NATO-Verbündeten mehr Truppen nach Afghanistan schicken sollen. Er
erwarte, dass die Alliierten eine «schwere Bürde
übernehmen, wenn sie nach Afghanistan gehen», sagte der
Präsident offenbar mit Blick auf Deutschland und andere
Länder, die ihre Truppen in relativ ruhigen Regionen Afghanistans
stationiert haben. «Wenn wir in dem Kampf als eine Allianz
antreten, dann müssen wir auch wie eine Allianz
kämpfen.»
Washington hatte in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass
Deutschland und andere europäische Länder ihre Soldaten auch
in den gefährlichen Süden Afghanistans einsetzen, wo es immer
wieder zu Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban-Rebellen
kommt. Die Bundesregierung hat dies bislang strikt abgelehnt. Derzeit
sind insgesamt etwa 43 000 NATO-Soldaten in Afghanistan. Deutschland
sowie Frankreich und Italien haben Truppen in eher ruhigen Gebieten,
dagegen kämpfen etwa die USA, Großbritannien, Kanada und die
Niederlande im riskanten Süden des Landes.
(Quelle: dpa)
Syrien verspricht auf arabischem Gipfel Hilfe für Libanon
So.30.03.08 - Zum Auftakt des zweitägigen Gipfels der Arabischen Liga hat
Syriens Präsident Baschar al-Assad Unterstützung bei der
Lösung der politischen Krise im Libanon versprochen.
Zugleich wies er am Samstag Anschuldigungen zurück, sein Land habe
sich in die Angelegenheiten des Nachbarstaats eingemischt und sei
Ursache des politischen Stillstands dort. Vielmehr habe der Druck auf
Syrien, sich um das Geschehen im Libanon zu kümmern, in den
zurückliegenden Monaten zugenommen, erklärte Assad in der
syrischen Hauptstadt Damaskus. Der Schlüssel zur Lösung der
Probleme liege jedoch in den Händen der Libanesen. Der saudische
Außenminister Prinz Saud al-Faisal erklärte, eine Isolation
Syriens sei nicht im Sinne der arabischen Staaten. Das Problem sei
aber, dass ein Vorschlag der Arabischen Liga zur Lösung der Krise,
dem auch Syrien zugestimmt habe, nicht umgesetzt werde.
Der Gipfel wurde bereits im Vorfeld vom Streit über die Lage im
Libanon überschattet, der seit November ohne Präsident ist.
Die pro-westliche libanesische Regierung wirft Syrien und seinen
Verbündeten in dem Zedernstaat vor, die Wahl des Staatsoberhauptes
durch das Parlament zu blockieren und nimmt daher nicht an dem Gipfel
teil. Auch die engen US-Verbündeten Saudi-Arabien, Ägypten
und Jordanien boykottierten aus Protest gegen den syrischen Einfluss
den Gipfel.
Der libysche Revolutionsführer Muammar Gaddafi forderte die
arabischen Staaten auf dem Gipfel auf, ihre Beziehungen zum Iran zu
verbessern, anstatt die Islamische Republik zu provozieren. Der Iran
sei ein Nachbarland und muslimischer Bruder und es sei nicht im
Interesse der arabischen Staaten, das Land zum Feind zu haben,
erklärte Gaddafi.
(Quelle: rtr)
Opposition beklagt Manipulation bei Wahlen in Simbabwe
So.30.03.08 - Begleitet von Manipulationsvorwürfen hat Simbabwe am Samstag
Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten.
Die Opposition beklagte, hunderte Wähler seien an den Urnen
abgewiesen worden, da sie angeblich nicht registriert waren. Der
Generalsekretär der MDC-Partei, Tendai Biti, sprach zudem von
einem schleppenden Verlauf. Der Präsidentschaftskandidat der MDC,
Morgan Tsvangirai, gab sich dennoch zuversichtlich: Er sei
überzeugt, dass das Wahlergebnis zugunsten des Volks ausfallen
werde, sagte er in Harare. Der seit fast drei Jahrzehnten herrschende
Staatschef Robert Mugabe reagierte unbeeindruckt: Sein Lager werde
siegen. Außerdem habe er es nicht nötig, zu betrügen,
da das Volk ihn unterstütze, sagte er bei seiner Stimmabgabe.
Augenzeugen berichteten von Polizei- und Armee-Einheiten, die mit
Panzerfahrzeugen und Wasserwerfern in der Nacht vor den Wahlen durch
die Straßen patrouillierten. "Dies ist eine Bedrohung, aber wir
lassen uns nicht einschüchtern", sagte ein Mann in einem
Stadtviertel Harares. Nach Einschätzung von Beobachtern verliefen
die Wahlen selbst insgesamt friedlich. Wie angespannt die Lage aber
war, zeigte ein Zwischenfall in der zweitgrößten Stadt
Bulawayo. Dort wurde ein Bombenanschlag auf das Haus eines
Parlamentskandidaten der Regierungspartei Zanu-PF verübt. Nach
Angaben der Polizei wurde niemand verletzt.
Knapp sechs Millionen Wähler waren aufgerufen, über die
Zukunft des südafrikanischen Landes zu entscheiden. Viele
Simbabwer hoffen nicht zuletzt wegen der desolaten
Lebensverhältnisse in dem Land auf einen Machtwechsel. "Ich will
wählen, weil die Lage so schlimm ist", sagte ein 35-jähriger
Wachmann, der zwei Stunden zu Fuß von seiner Arbeitsstelle zum
Wahllokal gelaufen war. "Vielleicht hilft diese Wahl, das zu
verändern."
Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt das autoritäre
Regime Mugabes kritisiert. Die Opposition befürchtete bereits im
Vorfeld der Wahlen massiven Betrug. Westliche Wahlbeobachter waren
nicht zugelassen. Die Wahllokale sollten um 18.00 Uhr MEZ
schließen, mit offiziellen Ergebnissen wurde in den kommenden
Tagen gerechnet.
Neben Tsvangirai trat auch der frühere Finanzminister Simba Makoni
als Unabhängiger gegen den 84-jährigen Amtsinhaber Mugabe an.
Beide Herausforderer hatten die verheerende Wirtschaftslage der
früheren britischen Kolonie in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes
gestellt.
Sollte keiner der Kandidaten mehr als 51 Prozent der Stimmen auf sich
vereinen, muss eine Stichwahl angesetzt werden.
(Quelle: rtr)
Tibet-Konflikt: Dalai Lama wirft China 'demografische Aggression' vor
-- EU verzichtet auf Festlegung in Boykott-Frage
So.30.03.08 - Der Dalai Lama hat Chinas Siedlungspolitik in Tibet als
«demografische Aggression» und eine Art «kultureller
Völkermord» bezeichnet. Wegen der schlechten
Menschenrechtslage könnte ganz China destabilisiert werden, warnte
das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Samstag in seinem indischen
Exil. «China sieht stabil aus, unter der Oberfläche gibt es
aber sehr viel Verbitterung», sagte der Dalai Lama. China sei
fast ein Polizeistaat mit einer «Herrschaft des Terrors».
Mit scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat unterdessen die Athener
Polizei am Samstag die Ankunft der Olympiafackel bewacht. Über
2.000 Beamte wurden in der griechischen Hauptstadt aufgeboten, um
spektakuläre Protestaktionen gegen das gewaltsame chinesische
Vorgehen in Tibet zu verhindern, wie sie beim Entzünden der Fackel
vor fünf Tagen im antiken Olympia zu sehen waren.
Die Olympiafackel sollte über Nacht auf der Akropolis leuchten,
bevor sie am (heutigen) Sonntag den Organisatoren der Pekinger Spiele
übergeben wird. Mehrere Gruppen wollten unterhalb der Akropolis
friedlich gegen die chinesische Tibet-Politik demonstrieren.
Führende deutsche Politiker setzen derweil ebenso wie die
Menschenrechtsorganisation amnesty international auf eine Fortsetzung
des Dialogs mit China. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries
verteidigte die für den 21. April geplante Fortsetzung des
Rechtsstaatsdialog mit ihrem chinesischen Amtskollegen. Ihre
Kabinettskollegin Annette Schavan will bei ihrer für Mitte April
geplanten Reise nach China die Lage in Tibet ebenfalls ansprechen, wie
sie der «Welt am Sonntag» sagte.
Trotz wachsender Besorgnis über die Gewalt in Tibet verzichtet die
EU vorerst auf eine Festlegung zum Umgang mit den Olympischen Spielen
in China. Bei Beratungen in Slowenien am Samstag riefen die
EU-Außenminister Peking lediglich zu einem Dialog mit Vertretern
der tibetischen Autonomiebewegung auf und verurteilten die blutigen
Zusammenstöße zwischen Tibetern und Chinesen.
Einen Boykott der Spiele hatten die großen EU-Staaten
Deutschland, Frankreich und Großbritannien bereits am Freitag
abgelehnt. Auch andere Staaten hätten «zum Ausdruck
gebracht, dass eine politische Instrumentalisierung des Sports, wie sie
von manchen beabsichtigt worden ist, keine angemessene Reaktion
wäre», erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter
Steinmeier am Samstag zum Abschluss des Treffens.
Die Bundesregierung und Bundespräsident Horst Köhler werden
allerdings auf eine Teilnahme an der Eröffnungsfeier der Spiele am
8. August verzichten, wie sie am Freitag in Berlin mitteilten. Auch der
französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat China
bereits angedroht, der Feier fernzubleiben.
Die chinesische Regierung organisierte am Samstag einen Kurzbesuch von
internationalen Diplomaten in Lhasa, denen sie ihre Sicht der
Vorfälle vor zwei Wochen erläuterte. Eine ähnliche Reise
für Journalisten zwei Tage zuvor wurde von etwa 30 Mönchen
genutzt, um vor der Weltöffentlichkeit Religionsfreiheit und die
Einhaltung der Menschenrechte in Tibet zu fordern. Die Diplomaten kamen
nicht mit Demonstranten in Berührung.
Zu dem für Montag ausgerufenen Internationalen
Solidaritätstag für Tibet werden Aktionen in weltweit 2.000
Städten erwartet, wie Andreas Hilmer vom Tibetischen Zentrum
Hamburg am Samstag erklärte. Der 31. März sei gewählt
worden, weil an diesem Tag das Olympische Feuer Peking erreiche, sagte
er.
(Quelle: ap)
Verhandlungen der Bauern in Argentinien mit Regierung gescheitert -
Protest gegen Erhöhung der Exportsteuern auf Sojabohnen
und Getreide
So.30.03.08 - Die Verhandlungen der demonstrierenden Bauern in Argentinien mit der
Regierung sind nach einer nächtlichen Marathonsitzung am
Samstagmorgen ergebnislos zu Ende gegangen. Die Landwirte protestierten
seit 16 Tagen im ganzen Land und blockierten mehrere Autobahnen. Am
Freitag hatten sie ihre Aktionen wegen der Gespräche mit der
Regierung erstmals unterbrochen. Die Verhandlungen sollen nun in der
kommenden Woche fortgesetzt werden.
Die Bauern protestieren gegen eine Erhöhung der Exportsteuern auf
Sojabohnen und Getreide. Die Regierung hat die Reaktionen der Bauern auf
die Steuererhöhung in der vergangenen Woche seien völlig
unangemessen. Die Landwirtschaft habe in den vergangenen Jahren
außergewöhnlich gute Ergebnisse erzielt. Aufgrund der
steigenden Preise für Sojabohnen, Mais und anderes Getreide gehe es
den Bauern besser als vielen anderen in Argentinien.
(Quelle: ap)
Demonstration gegen NATO und Bush in der Ukraine
So.30.03.08 - Tausende Menschen haben am Samstag in der ukrainischen Stadt Simferopol
am Schwarzen Meer gegen eine angestrebte Mitgliedschaft des Landes in
der NATO und den bevorstehenden Besuch von US-Präsident George W.
Bush demonstriert. Die Anhänger einer prorussischen Partei trugen
Transparente mit der Aufschrift «NATO ist Krieg gegen
Slawen» und «Für immer mit Russland». Laut einem
Bericht der Nachrichtenagentur Unian verbrannten die Demonstranten eine
US-Flagge. Außerdem forderten sie den Abzug ukrainischer
UN-Polizisten aus dem Kosovo.
(Quelle: ap)
EU und Serbien ringen weiter um Annäherung
So.30.03.08 - Ungeachtet vorsichtiger Signale der Annäherung ist das Eis
zwischen Serbien und der Europäischen Union im Kosovo-Streit nicht
gebrochen. Nach einem informellen Treffen der EU-Außenminister
mit dem serbischen Chefdiplomaten Vuk Jeremic im slowenischen Brdo
sagte Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD),
von serbischer Seite gebe es "keine neuen Zusagen". Der Weg zu einem
EU-Beitritt Serbiens bleibt zudem durch die Niederlande und Belgien
versperrt, die auf eine Auslieferung gesuchter Kriegsverbrecher pochen.
Der slowenische Außenminister und amtierende EU-Vorsitzende
Dimitrij Rupel sagte nach dem Treffen, die Mitgliedstaaten seien einig,
dass die EU mit Serbien einen "zusätzlichen Schritt vorwärts"
machen müsse. Auch der serbische Außenminister zeigte sich
nach dem anderthalbstündigen Gespräch mit seinen EU-Kollegen
in Brdo offen für einen EU-Beitritt Serbiens "vielleicht schon in
vier, fünf oder sechs Jahren".
Allerdings wird dieser durch die Niederlande und Belgien blockiert.
Beide Länder fordern nach Angaben Steinmeiers weiter eine "volle
Kooperation" mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und
insbesondere die Auslieferung des wegen Kriegsverbrechens angeklagten
früheren bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic.
Ansonsten kann das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) der
EU mit Serbien nicht abgeschlossen werden, das als erster Schritt zum
EU-Beitritt gilt. Alle Entscheidungen zur EU-Außenpolitik
müssen einstimmig fallen.
Die EU kann damit vor den serbischen Parlamentswahlen am 11. Mai kein
konkretes Zeichen zur Unterstützung der gemäßigten
Kräfte setzen. Dabei sieht die EU die nach Angaben Steinmeiers die
jüngste Zugewinne von nationalistischen Kräften "mit Sorge".
Auch ein von der EU angestrebtes Treffen zwischen Jeremic und dem
Kosovo-Ministerpräsidenten Hashim Thaci kam in Brdo nicht
zustande. Der slowenische EU-Vorsitz hatte die beiden Politiker
eingeladen, sich erstmals seit der Loslösung des Kosovo an einen
Tisch zu setzen. Jeremic reiste aber vorzeitig nach Belgrad zurück.
Die EU drängte Serbien dazu, entschieden gegen
Abspaltungstendenzen im mehrheitlich serbisch bewohnten Nordkosovo
vorzugehen. Serbien müsse "aufgeheizte Rhetorik ebenso vermeiden
wie alle Aktivitäten, die die Sicherheit in der Region bedrohen",
hieß es in einer Erklärung des EU-Vorsitzes.
(Quelle: afp)
Internet-Seite nimmt Anti-Koran-Film von ihrem Server
So.30.03.08 - Nach nur einem Tag ist der Anti-Koran-Film des rechtspopulistischen
niederländischen Abgeordneten Geert Wilders vom Server der Web-Site
LiveLeak.com entfernt worden. Es habe Drohungen gegen Mitarbeiter
gegeben, die «sehr ernster Natur» seien, erklärten die
Betreiber am Freitagabend. Allerdings ist der Film «Fitna»
bereits auf anderen Seiten im weltweiten Netz weiterverbreitet worden.
Wilders hatte keinen Fernsehsender für die Ausstrahlung seines
15-minütigen islamkritischen Werks gefunden, und sein Web-Provider
Network Solutions nahm die entsprechende Internetseite bereits in der
vergangenen Woche aus dem Netz. Am Donnerstagabend folgte dann die
Veröffentlichung bei LiveLeak.com. Wilders erklärte, er wollte
seine Landsleute davor warnen, dass der Islam und der Koran auf lange
Sicht die Freiheit in den Niederlanden gefährdeten.
In Deutschland rief das Video unterschiedliche Reaktionen hervor. Der
Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland, Ali
Kizilkaya, rief in der «Frankfurter Rundschau» zu einem
gelassenen Umgang damit auf. Es sei eindeutig, dass hier eine Religion
provokativ beleidigt werden solle. «Wir sollten aber deshalb den
gesellschaftlichen Frieden nicht leichtfertig aufs Spiel setzen»,
sagte Kizilkaya, der zugleich Vorsitzender es Islamrates ist. Muslime
sollten ihre Kritik nur «im Rahmen der Gesetze und mit
demokratischen Mitteln» äußern.
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan
Kolat, verlangte in derselben Zeitung ein Verbot des Films. Zugleich
rief er Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, sich als Leiter
der Islam-Konferenz «eindeutig» davon zu distanzieren.
«Die Grenze der Meinungsfreiheit ist mit diesem Film
überschritten. Er ist stigmatisierend und gefährdet den
Frieden», erklärte Kolat.
Dagegen sagte die Islam-Beauftragte der SDP-Bundestagsfraktion, Lale
Akgün, mit einem Verbot «werten wir ein billiges
Propaganda-Filmchen nur auf». Kein vernünftiger Mensch
könne die dort gezeigten terroristischen Auswüchse des Islams
mit der gesamten Religion gleichsetzen. «Herr Wilders hat die
Perversion pervertiert», sagte Akgün der «Frankfurter
Rundschau».
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Film aufs
Schärfste. «Es gibt keine Rechtfertigung für
Hasssprüche oder eine Anstiftung zur Gewalt», erklärte
er in New York. Das Recht auf Meinungsfreiheit könne hier nicht
geltend gemacht werden.
Die Europäische Union bekannte sich in einer Erklärung zum
Grundrecht der Redefreiheit, fügte aber hinzu: «Wir glauben,
das Akte wie dieser Film einzig und allein dem Zweck dienen, zum Hass
anzustacheln.» Der Europarat bezeichnete das Video als
geschmacklose Manipulation, um Ängste zu schüren und
auszunutzen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Finanzkrise - BaFin erwartet 600 Mrd Dollar Verluste
So.30.03.08 - Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende globale Finanzkrise zieht immer
größere Kreise. Nach «Spiegel»-Informationen
rechnet die deutsche Finanzaufsicht BaFin mit Verlusten in der
Kreditwirtschaft von weltweit bis zu 600 Milliarden Dollar.
In der Diskussion um eine schärfere Kontrolle der Finanzindustrie
preschen die USA der «New York Times» (Samstag) zufolge mit
einer umfassenden Reform der Finanzmarktaufsicht vor. Demnach soll die
US- Notenbank künftig das Recht haben, die Branche bis hin zur
internen Buchführung von Investmentbanken, Hedge-Fonds oder
Rohstoff-Börsen unter die Lupe zu nehmen, sollten deren
Geschäfte eine Gefahr für das Finanzsystem darstellen.
Finanzminister Henry Paulson will die Vorschläge den Angaben
zufolge am Montag offiziell vorstellen.
Vorgesehen ist nach dem Zeitungsbericht auch, die derzeit zersplitterte
US-Finanzaufsicht zu konsolidieren. So soll es beispielsweise
künftig nur noch eine Bundesbehörde zur Bankenregulierung
geben statt wie bisher fünf. Auch plane die Regierung, die
US-Börsenaufsicht SEC mit der Aufsichtsbehörde für den
amerikanischen Terminhandel zu verschmelzen.
Am Montag wird Finanzminister Paulson nach der Zeitung vorliegenden
Redeauszügen erläutern: «Ich glaube nicht, dass
zusätzliche Regulierung die Antwort ist, oder das effektivere
Regulierung Finanzmarktturbulenzen, wie sie alle fünf bis zehn
Jahre vorkommen, verhindern kann.» Allerdings sollte es eine
Aufsichtsstruktur für die Finanzindustrie geben, «die der
Welt entspricht, in der wir leben und die flexibler ist.»
Über die Finanzmarktturbulenzen wurde am Freitag und Samstag auch
in dem von Industrieländern getragenen Forum für
Finanzstabilität (FSF) gesprochen, wie die Bank für
Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) am Samstag berichtete.
Schlussfolgerungen des FSF sollen den Finanzministern der sieben
führenden Industriestaaten (G7) in der zweiten April-Woche am
Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) in Washington vorgetragen werden. Dabei gehe es um konkrete
operative Vorschläge etwa zur Offenlegung und Bewertung von
Geschäften, der Rolle von Ratings sowie der
Reaktionsfähigkeit der Aufsichtsbehörden.
Auch der EU-Finanzministerrat (Ecofin) wird nächste Woche auf
seinem informellen Treffen im slowenischen Brdo darüber reden.
Angesichts der anhaltenden Bankenturbulenzen dringt die EU auf mehr
Transparenz und eine bessere Aufsicht an den europäischen
Finanzmärkten. Die EU-Finanzminister hatten Anfang März die
Finanzbranche aufgefordert, rasch selbst entsprechende Eigeninitiativen
zu ergreifen und alle Risiken in den Bankbilanzen offenzulegen. Eine
gemeinsame europäische Finanzmarkt-Aufsicht zeichnet sich indes
nicht ab. Diese stößt vor allem in kleineren EU- Staaten auf
Vorbehalte. Auch aus Sicht Deutschlands kann eine europäische
Aufsichtsbehörde allenfalls am Ende einer Entwicklung stehen.
Für Deutschland verlangte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger eine
grundlegende Reform der Finanzaufsicht. Dabei solle BaFin in die
Bundesbank integriert werden, weil das Nebeneinander zweier
Regulierungsbehörden ineffizient sei, sagte Bofinger der
«Wirtschaftswoche».
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat
dem «Spiegel» zufolge in einem internen Papier das
Ausfallrisiko beziffert, das Finanzinstitutionen weltweit durch
fehlgeschlagene Spekulationen rund um minderwertige amerikanische
Hypothekendarlehen im ungünstigsten Fall verkraften müssen.
Nach Einschätzung der BaFin könne der Schaden geringer
ausfallen als die maximal angenommenen 600 Milliarden Dollar:
«Nach gegenwärtiger Marktlage und Kenntnis halten wir einen
Betrag von 430 Milliarden US-Dollar für wahrscheinlicher»,
zitiert das Magazin die BaFin. Die bereits von den Kreditinstituten
eingeräumten Verluste würden in deren Papier mit 295
Milliarden Dollar angegeben, wobei auf deutsche Banken davon rund zehn
Prozent entfielen.
(Quelle: dpa)
Inflation in Deutschland erstmals 2008 über drei Prozent
So.30.03.08 - Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in
Deutschland im März erstmals wieder über die
Drei-Prozent-Marke getrieben. Die Jahresteuerungsrate kletterte auf 3,1
Prozent, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis der
Daten aus sechs Bundesländern mit.
Im Januar und Februar hatte die Rate noch bei jeweils 2,8 Prozent
gelegen. Der höchste Anstieg seit 1994 war im November 2007 mit
3,2 Prozent ermittelt worden. Im Vergleich zum Vormonat ergab sich im
März ein Plus von 0,5 Prozent.
Die Teuerung liegt damit deutlich über dem Ziel der
Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent. Nach
Ansicht von Volkswirten bremst die hohe Inflation die Kauflust der
Verbraucher und wird die lang erhoffte Belebung des privaten Verbrauchs
verhindern. «Die Erholung des Konsums wird angesichts dieser
Belastung nur verhalten ausfallen», schrieben die Volkswirte der
Commerzbank. Die Teuerung sei im März stärker als erwartet
ausgefallen.
Der aktuelle Preisdruck in der ganzen Eurozone sei besorgniserregend,
sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, am
Freitag bei einer Konferenz in Luxemburg. EZB-Präsident
Jean-Claude Trichet hatte zuvor schon klargemacht, dass in diesem Jahr
die Zwei-Prozent-Marke im Euro-Raum verfehlt werde.
Laut Statistiker waren die wesentlichen Preistreiber Nahrungsmittel und
Getränke sowie Mineralölerzeugnisse. Die Preise für
Lebensmittel stiegen im März in den sechs Bundesländern
zwischen 7,3 und 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Heizöl
verteuerte sich bis zu 44 Prozent, Benzin und Diesel bis zu 14,4
Prozent. Nahezu stabil blieben dagegen die Preise für Strom und
Gas. Saisonbedingt stiegen im März die Preise für
Pauschalreisen gegenüber dem Vormonat plus 0,8 Prozent und dem
Vorjahresmonat um 4,8 Prozent. Grund dafür waren laut Statistik
die frühen Ostertermine in diesem Jahr - 2007 lagen die
Osterfeiertage im April.
In Hessen betrug die Jahresteuerungsrate im März 3,4 Prozent nach
2,9 Prozent im Februar, wie das Statistische Landesamt mitteilte.
Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,5
Prozent. «Eine solch anhaltend hohe Inflation gab es zuletzt
1993, als nach der Wiedervereinigung die Teuerungsrate über vier
Prozent sprang», sagte ein Statistiker in Wiesbaden. So war
Heizöl hier im März fast 40 Prozent teurer als vor einem
Jahr. Die Kraftstoffpreise lagen 13,4 Prozent über dem
Vorjahresniveau. Ohne Heizöl und Kraftstoffe gerechnet lag die
Teuerung nur bei 2,6 Prozent.
In Bayern lag die Inflationsrate bei 3,2 Prozent nach 2,9 Prozent im
Februar, wie das Bayerische Landesamt für Statistik und
Datenverarbeitung mitteilte. Während die Heizölpreise um gut
44 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, verteuerten sich
Nahrungsmittel um 8,5 Prozent. Im Vergleich zum Februar legten die
Verbraucherpreise im März im Freistaat um 0,5 Prozent zu. Im
bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen kletterte die
Teuerungsrate auf 3,2 (Vormonat: 3,0) Prozent. Binnen Monatsfrist
legten die Verbraucherpreise dort um 0,6 Prozent zu.
Das Land Brandenburg meldete eine Jahresrate von 3,0 Prozent, im
Vergleich zum März bedeutete dies ein Plus von 0,4 Prozent.
Sachsen meldete eine Jahresrate von 3,1 Prozent nach 2,8 Prozent im
Februar. Im direkten Monatsvergleich legten die Preise hier sogar um
0,6 Prozent zu.
(Quelle: dpa)
Gaskraftwerk möglicherweise Koalitions-Kompromiss in Hamburg
So.30.03.08 - In einem zentralen Streitpunkt der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU
und Grünen in Hamburg bahnt sich offenbar eine Lösung an.
Statt des von den Grünen abgelehnten neuen Kohlekraftwerks
könnte ein Gaskraftwerk errichtet werden, berichteten das
Nachrichtenmagazin "Focus" und "Spiegel Online" übereinstimmend.
Laut "Focus" werden dafür bei Eon, RWE und EnBW Angebote
eingeholt. Das Kohlekraftwerk sollte von Vattenfall gebaut werden.
Außerdem habe der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick den
Bau eines Gaskraftwerks angeboten. CDU und Grüne wollen ihre
Verhandlungen am Dienstag fortsetzen.
Vertreter von CDU und Grünen hätten vereinbart, bei den drei
großen Vattenfall-Konkurrenten Angebote für ein Gaskraftwerk
einzuholen, berichtete der "Focus". Erste Gespräche hätten
bereits stattgefunden. Auf Wunsch der Grünen habe auch Lichtblick
ein Konzept für ein Gaskraftwerk vorgestellt.
Laut "Spiegel Online" würde das mit Kraft-Wärme-Koppelung
ausgestattete Lichtblick-Kraftwerk mit einer Leistung von 600 bis 700
Megawatt über einen Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent
verfügen, etwa ein Drittel mehr als das geplante Kohlekraftwerk
des Energiekonzerns Vattenfall. Die CDU hoffe aber weiter auch auf ein
Einlenken von Vattenfall. Der Konzern hat 120 Millionen Euro in das
Kohlekraftwerk investiert und erwägt Schadenersatzforderungen.
Die beiden Parteien hatten am Freitag erneut verhandelt. Laut einer
Grünen-Sprecherin wurden dabei aber "aus organisatorischen
Gründen" nicht wie geplant die Ergebnisse der Arbeitsgruppen zu
den umstrittenen Punkten des Kraftwerksbaus und der geplanten
Elbvertiefung vorgelegt. Die Koalitionsverhandlungen sollen demnach am
Dienstag fortgesetzt werden. Dann soll aber zunächst das ebenfalls
noch umstrittene Thema Bildung auf der Tagesordnung stehen.
Diskussionsstoff dürften dann vor allem die künftige
Schulstruktur und die von den Grünen kritisierten
Studiengebühren bieten.
Mitte März hatten CDU und GAL die Verhandlungen über ein
erstes schwarz-grünes Bündnis auf Landesebene aufgenommen. In
den Politikfeldern Finanzen, Kultur, Sport, Inneres und Justiz konnten
sie sich bereits weitgehend einigen.
(Quelle: afp)
Regierungsbildung in Hessen - Koch wirbt verstärkt um Grüne
So.30.03.08 - Eine Woche vor dem Zusammentreten des neuen hessischen Landtags hat
Ministerpräsident Roland Koch weiter um eine Zusammenarbeit mit den
Grünen geworben. Der CDU-Politiker, der vermutlich weiter als
geschäftsführender Regierungschef amtieren wird, appellierte
im Nachrichtenmagazin «Focus» an die Öko-Partei, sich
«in einzelnen Sachfragen» mit der CDU «zu
verständigen, damit wir etwas voranbringen können, ohne gleich
mit Koalitionsangeboten zu kommen».
Zusammen mit der FDP gebe es bei der Bildungs-, Finanz- und
Energiepolitik Anknüpfungspunkte, wurde Koch in dem am Samstag
vorab veröffentlichten Bericht zitiert. Die Frage der Atomenergie
könne ausgeklammert werden.
Einer Großen Koalition erteilte Koch eine Absage. «Frau
Ypsilanti hat die hessische SPD bewusst an den äußersten
linken Rand des politischen Spektrums geführt», sagte er.
«Es wird Zeit brauchen, bis die Sozialdemokraten in Hessen wieder
ein verlässlicher Partner sind.»
Der Konflikt mit seiner SPD-Konkurrentin Ypsilanti belaste auch das
Klima der Koalition in Berlin. Für die Bundes-SPD sei nicht die
Kandidatenfrage das Hauptproblem. «Nach dem von Kurt Beck
sanktionierten Wortbruch Andrea Ypsilantis wird es für die SPD in
den nächsten 18 Monaten kaum möglich sein, das verspielte
Vertrauen zurück zu gewinnen», sagte der stellvertretende
CDU-Bundesvorsitzende.
Die Grünen hätten einen langen Weg zurückgelegt, wurde
Koch weiter zitiert. «Die Grünen sind heute in der linken
Mitte der Gesellschaft verankert.» Ihre Wähler, in der Regel
finanziell besser gestellt und überdurchschnittlich gebildet,
gehörten eigentlich zum bürgerlichen Lager. «Inzwischen
erwartet ihre Wählerschaft auch, dass sie in eine
wohlstandsorientierte Zukunft geführt wird», sagte er.
Auf Dauer sehe er im Landtag keinen mehrheitsfähigen Linksblock
gegen sich. «Im Augenblick erleben wir eine Phase, in der noch
symbolhaft alte Wahlkampfparolen abgearbeitet werden», sagte er zu
der von SPD und Grünen geplanten Abschaffung der
Studiengebühren.
Am 5. April beginnt in Hessen die neue Legislaturperiode. Die
Landesregierung muss nach der hessischen Verfassung an diesem Tag
zurücktreten und ist dann nur noch geschäftsführend im
Amt. Bislang ist die Bildung einer Koalition gescheitert, nachdem weder
Rot-Grün noch Schwarz-Gelb bei der Landtagswahl im Januar eine
Mehrheit erreicht hatten. Eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen
lehnt die FDP ab, gegen ein Jamaika-Bündnis mit CDU und FDP sind
die Grünen, und eine Große Koalition lehnen bislang sowohl
SPD als auch CDU ab.
(Quelle: ap)
Hessen-SPD für Zusammenarbeit mit Linken
So.30.03.08 - Die hessische SPD hat den Weg für ihre Vorsitzende Andrea
Ypsilanti freigemacht, sich mit Hilfe der Linken zur
Ministerpräsidentin wählen lassen zu können.
Die Delegierten des Landesparteitages in Hanau stimmten am Samstag mit
großer Mehrheit für entsprechende Gespräche mit der
Linkspartei. Ypsilanti sagte, sie könne sich eine rot-grüne
Minderheitsregierung zu gegebener Zeit vorstellen. Dabei hält sie
sich eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei offen.
Die Landeschefin hat bereits früher den Plan auf Eis gelegt, sich
bei der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags am 5. April mit
Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei zur
Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Mit ihrem Verzicht
hatte sie auf die Ankündigung der SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar
Metzger reagiert, die bei einer Zusammenarbeit mit der Linkspartei
Ypsilanti aus Gewissensgründen nicht wählen will.
Die Hessen-SPD will sich nun nach den Worten ihrer Vorsitzenden von
Fall zu Fall um Mehrheiten für ihre politischen Ziele
bemühen: "Wir wollen uns für unsere inhaltlichen Projekte
eine Mehrheit sichern und das tun wir auch mit den Linken."
Ypsilanti rechtfertigte ihre Entscheidung, nach dem Scheitern der
Sondierungen mit der FDP auf die Linke zugegangen zu sein: "Ich habe
mit mir gerungen und nicht nach dem Motto gehandelt 'Hurra, da gibt es
noch die Linke'." Nach allen Abwägungen sei eine Realisierung der
SPD-Politik aber nur mit einer rot-grünen Minderheitsregierung
möglich gewesen. "Wir sind in erster Linie für politische
Inhalte gewählt worden und nicht für Koalitionsaussagen",
betonte sie.
Die Parteichefin kritisierte die Landtagsabgeordnete Metzger, die nicht
an dem Landesparteitag teilnahm. "Jeder muss bei so etwas nicht nur
sein eigenes Gewissen im Blick haben, sondern immer auch die
Gesamtfolgen und was das für die politischen Ziele der Partei
bedeutet", sagte sie unter dem Beifall der Anwesenden.
Neuwahlen will Ypsilanti nicht anstreben: "Ich wünsche sie mir
nicht, ich habe aber keine Angst, mit dieser großartigen
hessischen SPD nochmal anzutreten." Sie lehnte erneut eine große
Koalition unter den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Roland
Koch ab. "Koch muss weg und mit ihm seine ganze erzkonservative
Regierungsmannschaft." Sie appellierte wieder an die FDP, sich einer
Ampelkoalition mit SPD und Grünen zu öffnen.
(Quelle: rtr)
Linke will mehr Distanz zur DKP
So.30.03.08 - Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im
Bundestag, Dagmar Enkelmann, hat eine größere Distanz ihrer
Partei zur DKP verlangt. Es handele sich um zwei unterschiedliche
Parteien, sagte Enkelmann der «Rheinfalz am Sonntag». Das
müsse gerade bei Wahlen sichtbar werden. «DKP-Mitglieder
gehören in Bund und Ländern nicht auf unsere Listen»,
sagte die Linkspolitikerin. Wo Linke drauf stehe, «müssen
auch Linke drin sein».
Anzeige
Nach Einschätzung von Enkelmann haben sich Linke und DKP immer
mehr auseinander entwickelt, «so dass ein gemeinsames politisches
Auftreten in einem Parlament inzwischen nicht mehr möglich
ist». Es gebe kaum noch Gemeinsamkeiten. Das gelte vor allem
für das Verhältnis zur Regierungsbeteiligung.
Nicht ohne Grund seien eine Reihe von DKP-Mitgliedern inzwischen der
Linkspartei beigetreten. Sich nur auf die Rolle einer Protestpartei zu
beschränken, reiche nicht aus. Damit wäre der deutliche
Wählerzuwachs für die Linkspartei auch nicht zu erklären.
(Quelle: ddp)
Offener Streit in CSU-Spitze - Sorgen in CDU
So.30.03.08 - Nach dem Aus für den Transrapid in München und
Unwägbarkeiten bei der Bayerischen Landesbank ist in der
CSU-Spitze ein offener Streit ausgebrochen.
Parteichef und Finanzminister Erwin Huber wies in der "Passauer Neuen
Presse" vom Samstag Äußerungen von Ministerpräsident
Günther Beckstein zurück, die Belastungen der BayernLB
infolge der US-Hypothekenkrise könnten bis zu vier Milliarden Euro
betragen. Beckstein seinerseits widersprach dem CSU-Landesgruppenchef
im Bundestag, Peter Ramsauer. Dieser hatte dem Ministerpräsidenten
beim Aus für die Magnetschwebebahn zwischen der Münchener
Innenstadt und dem Flughafen ein übereiltes Handeln vorgeworfen.
Zu den drohenden Verlusten der BayernLB sagte Huber, kommenden
Donnerstag würden die neuen Zahlen vorgestellt. Dann werde auch
der Verwaltungsrat der Bank beraten und mögliche Konsequenzen
erörtern. "Alles andere ist im Moment verfrüht", stellte
Huber klar, der Mitglied im Verwaltungsrat der BayernLB ist und damit
mit verantwortlich für die Bank.
Beckstein hält nach einem Bericht des "Nordbayerischen Kuriers"
eine Belastung in Höhe von vier Milliarden Euro für
möglich. Bisher hat die Bank Belastungen von 1,9 Milliarden Euro
eingeräumt. Beckstein erklärte dem Zeitungsbericht zufolge,
er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich über diesen
Betrag hinausgehen werden. Der "Spiegel" berichtete vorab, Huber habe
sich intern verärgert über das Vorpreschen von Beckstein
gezeigt. Zwischen beiden solle abgesprochen gewesen sein, dass die Bank
am Donnerstag die neuen Zahlen vorstelle.
Der Ministerpräsident wies die Kritik vom Landesgruppenchef
Ramsauer zurück, den Bau der Transrapidstrecke zu schnell
aufgegeben zu haben. "Peter Ramsauer hat mir keine andere Lösung
vorgeschlagen. Es hätte niemand mehr den Umschwung geschafft",
sagte er der "Welt am Sonntag". Ramsauer hatte erklärt, Beckstein
sei die Kostenexplosion beim Transrapid wohl sehr gelegen gekommen.
"Anders ist die Hals-über-Kopf-Entscheidung wohl nicht
erklärbar", hatte Ramsauer gesagt, nachdem Beckstein das Projekt
gekippt hatte.
In der CDU wachsen unterdessen Sorgen, dass die Zusammenarbeit mit der
Schwesterpartei schwieriger werden könnte. Der Vorsitzende der
baden-württembergischen CDU-Bundestagsabgeordneten, Georg
Brunnhuber, sagte dem Magazin "Focus": "Wir Baden-Württemberger
beten jeden Tag, dass die CSU so schnell wie möglich zu ihrer
alten Stärke findet." Eine starke CSU sei für die CDU eine
Schlüsselfrage. Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates, Kurt
Lauk, bekräftigte das Nein der CDU zur von der CSU geforderten
Rückkehr zur Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer: "Ich kann
nur davor warnen, sich im Kleinklein über Pendlerpauschale und
vieles mehr zu verlieren."
(Quelle: rtr)
CDU-Politiker verschärfen Widerstand gegen Mindestlohn
So.30.03.08 - Führende CDU-Politiker haben die offenkundig geringe Nachfrage von
Branchen nach einem Mindestlohn als Bestätigung für ihre
Vorbehalte gegen staatlich verordnete Lohnuntergrenzen gewertet. Die SPD
habe monatelang behauptet, ganz Deutschland fordere einen Mindestlohn,
sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla der "Welt am Sonntag".
"Jetzt wird klar: Das war eine Fehleinschätzung!" Dass nur wenige
Branchen einen Mindestlohn beantragt hätten, sei eine "klare
Absage an den von der SPD geplanten Staatseingriff in die Tarifhoheit
von Gewerkschaften und Arbeitgebern".
Auch Saar-Ministerpräsident Peter Müller (CDU) kritisierte in
der "WamS", die Mindestlohndebatte sei "mit Erwartungen versehen worden,
die nie realistisch waren". Weder über branchenbezogene
Mindestlöhne noch über einen einheitlichen gesetzlichen
Mindestlohn könne das Ziel erreicht werden, "dass jemand, der voll
arbeitet, ein Unterhalt sicherndes Einkommen haben muss".
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers
(CDU) ging ebenfalls auf Distanz zum Mindestlohn. Marktorientierte
Löhne als Ergebnis fairer Tarifverhandlungen seien durch nichts zu
ersetzen, sagte Rüttgers der Zeitung. Mit einem Mindestlohn werde
man nur "im Einzelfall" Dumpinglöhne verhindern können.
Berichten zufolge sollen statt der ursprünglich von der SPD
erhofften zehn bis zwölf Branchen voraussichtlich nur vier einen
Antrag auf Aufnahme in das Entsendegesetz stellen. Die Frist für
die Antragstellung läuft am Montag ab.
(Quelle: afp)
Entscheidende Tarifrunde für öffentlichen Dienst vertagt
So.30.03.08 - Die wohl entscheidende Tarifrunde für die 1,3 Millionen
Angestellten des Bundes und der Kommunen geht am (heutigen) Sonntag in
die Verlängerung. Von 10 Uhr an wollen Arbeitgeber und
Gewerkschaften versuchen, mit einem Kompromiss bei Einkommen und
Arbeitszeit Streiks im April noch zu verhindern.
Nach zehnstündigem Ringen wurde die sechste Gesprächsrunde am
Samstagabend unterbrochen. Zum Stand der äußerst schwierigen
Verhandlungen machten beide Seiten keinerlei Angaben. Die
Gewerkschaften verlangen 8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro
im Monat. Ein Schlichtungsversuch über Ostern hatte keinen Ausweg
aus dem Tarifkonflikt gebracht.
Zu Beginn des Treffens hatten sich nur die Verhandlungsführer -
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der Präsident
der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Thomas
Böhle, sowie auf Gewerkschaftsseite ver.di-Chef Frank Bsirske und
der Vorsitzende der Tarifunion des Beamtenbundes dbb, Frank Stöhr
- in kleiner Runde zusammengesetzt.
Innenminister Schäuble appellierte an die Verantwortung der
Gewerkschaften. Bsirske forderte seinerseits die Arbeitgeber auf, ihr
Angebot zu verbessern. Er hatte sich diese Woche skeptisch über
die Erfolgsaussichten in Potsdam geäußert und baldige
Urabstimmungen über bundesweite Streiks in Aussicht gestellt.
«Ich habe die Hoffnung, dass die Einsicht in die
gesamtwirtschaftliche Verantwortung, die Verantwortung für die
Beschäftigten im öffentlichen Dienst, aber auch für die
Lage der öffentlichen Haushalte dazu führt, dass wir in der
Lage sind, dem Land einen Arbeitskampf zu ersparen», sagte
Schäuble. Bsirske verlangte, die Arbeitgeber müssten noch
«eine ordentliche Schippe drauflegen». Auch Stöhr
beharrte auf einem deutlichen Einkommensplus.
Die vom früheren baden-württembergischen
Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU) vorgelegte
Schlichtungsempfehlung war von den Gewerkschaften abgelehnt worden.
Späth hatte für zwei Jahre 6 Prozent mehr Einkommen, zwei
Einmalzahlungen und längere Arbeitszeiten empfohlen. Dieses
Angebot bedeutet nach Rechnung der Gewerkschaften für viele
Beschäftigte unter Berücksichtigung der Inflationsrate ein
Minusgeschäft.
(Quelle: dpa)
Regierung, Wirtschaft und DGB halten Vollbeschäftigung für
möglich
So.30.03.08 - Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften halten
Vollbeschäftigung in Deutschland wieder für möglich.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sagte der «Bild am
Sonntag»: «Deutschland ist auf dem besten Weg zur
Vollbeschäftigung. Wir haben 1,6 Millionen Menschen aus der
Arbeitslosigkeit geholt. Jeden Tag entstehen 1400 neue
Arbeitsplätze.» Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt
warnte in diesem Zusammenhang vor gesetzlichen Mindestlohn. Die
Gewerkschaften glauben ebenfalls an Vollbeschäftigung.
(Quelle: dpa)
Seehofer fordert eigenes Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer
So.30.03.08 - Angesichts der Überwachungsaffäre beim Discounter Lidl hat
Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer einen besseren
gesetzlichen Schutz von Mitarbeitern gefordert. «Der Vorfall macht
deutlich, dass wir in Deutschland ein eigenes
Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz brauchen», schrieb der
CSU-Politiker laut Vorabmeldung in einem Gastbeitrag für die
«Bild am Sonntag». Wegen der neuen technischen
Möglichkeiten sei ein solches Gesetz überfällig.
Auch eine exemplarische Geldbuße sei unvermeidlich. «Die
zuständigen Behörden sind hier aufgefordert, mit der vollen
Härte des Gesetzes, eine Strafe zu wählen, die von
Großunternehmen nicht aus der Portokasse bestritten werden
kann», schrieb der stellvertretende CSU-Vorsitzende. Die
Überwachungsmethoden von Lidl seien unwürdig und mit den
Grundwerten der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung nicht in
Einklang zu bringen.
«Die scheinbar systematische Bespitzelung von ahnungslosen
Mitarbeitern erinnert an Methoden, die man in Deutschland längst
überwunden glaubte», schrieb Seehofer weiter. Das
Datenschutzgesetz verbiete die heimliche Überwachung von
Mitarbeitern. Die Bespitzelung einiger Mitarbeiter bis hin zur Toilette
sei zudem ein klarer Verstoß gegen die Menschenwürde und
verletzten die im Grundgesetz festgeschriebenen
Persönlichkeitsrechte.
(Quelle: ap)
Überwachung von Mitarbeitern laut Ver.di keine Ausnahme
So.30.03.08 - Die massive Bespitzelung von Mitarbeitern ist nach Einschätzung
der Gewerkschaft ver.di bei deutschen Discountern keine Ausnahme.
«Das ist deutlich üblicher, als man denkt», sagte der
ver.di-Handelssekretär Achim Neumann am Samstag der
Nachrichtenagentur AP. «Es gehört zu den
Führungsprinzipien vieler Discounter, Leistungsdruck und ein Klima
der Angst zu erzeugen.» Viele Mitarbeiter hätten der
Gewerkschaft bereits in der Vergangenheit von
Überwachungsmaßnahmen berichtet, seien aber nicht zu einer
öffentlichen Aussage bereit.
«Die Kollegen sind so weit, dass sie nicht mehr bereit sind, ihr
Grundrecht auf Meinungsfreiheit wahrzunehmen», kritisierte
Neumann. Ziel der Repressionen sei auch, die Gründung von
Betriebsräten zu verhindern. «Mit ängstlichen Menschen
ist es schwer, Gewerkschaftsinteressen zu vertreten. Hier wird die
Würde der Arbeitenden mit Füßen getreten.» Um
massive Bespitzelungen wie beim Lebensmitteldiscounter Lidl zu
verhindern, müssten die derzeit auf 250.000 Euro begrenzten
Bußgelder drastisch erhöht werden, forderte der
Gewerkschafter.
Auch der Schutz für Mitarbeiter, die sich für die
Gründung von Betriebsräten engagierten, müsse verbessert
werden. Bislang seien mögliche Kandidaten während der oft
wochenlangen Vorbereitungszeit von Betriebsratswahlen zu wenig vor
Repressionen des Arbeitgebers geschützt. «Da werden viele
Mitarbeiter vorher noch 'überzeugt', das lieber sein zu
lassen», sagte Neumann.
(Quelle: ap)
Brandstiftung in Wohnhaus von Türken
So.30.03.08 - In einem mehrheitlich von Türken bewohnten Mehrfamilienhaus in
Backnang ist ein Feuer gelegt worden. Insgesamt fünf Bewohner
wurden durch Rauchgas leicht verletzt. Auf eine Wand im Hinterhof des
Gebäudes wurden rechtsradikale Parolen gesprüht. Die Polizei
schloss einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht aus. Es wurde eine
zehnköpfige Sonderkommission gebildet, der auch Vertreter des
Landeskriminalamts angehören.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft, Computer &
Cyberspace
Ende der Silizium-Chip-Ära vorausgesagt
So.30.03.08 - In vier Jahren soll die Ära der konventionellen Computer-Chips auf
Siliziumbasis abgelaufen sein.
Davon sind Wissenschaftler aus der Physik überzeugt. Sie gehen
davon aus, dass Silizium-Chips bald an ihre Grenzen stoßen und
nicht noch mehr kleinste Bauteile wie Transistoren beherbergen
können. Eine Leistungssteigerung im Computer-Bereich wäre
demnach auf Basis der Silizium-Chips kaum mehr möglich.
Forscher suchen derweil nach Alternativen zu dem Material, um die
Weichen für weitere Fortschritte in Rechenleistung und
-geschwindigkeit zu stellen. Ein Experten-Team aus dem britischen Leeds
sieht die Zukunft in Nanoröhren aus Kohlenstoff. Bislang haben sich
diese kleinsten Bauteile allerdings noch nicht zu Schaltkreisen
zusammenfügen lassen. Andere Wissenschaftler sehen in Supraleitern
die Grundlage für zukünftige Computer. Denn mit speziellen
Materialien könnten sich womöglich Quanten-Computer bauen
lassen. Das hat jetzt das Magazin "IT News Australia" berichtet.
(Quelle: gp)