+++ Mo.31.03.08, 06:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am 1469sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Ende der blutigen Kämpfe zwischen schiitischen Milizen und
Regierungstruppen zeichnet sich ab: Schiitenführer Sadr ruft
Anhänger zu Feuerpause auf
Mo.31.03.08 - Nach tagelangen blutigen Gefechten zeichnet sich ein Ende der
Kämpfe zwischen schiitischen Milizen und Regierungstruppen im Irak
ab. Der radikale Schiitenführer Moktada Sadr rief seine
Gefolgsleute zum Rückzug auf. Zuvor hatten die irakischen
Behörden und die Milizionäre Verhandlungen aufgenommen. Der
irakische Regierungschef Nuri el Maliki begrüßte Sadrs
Aufruf. Sadrs Erklärung sei eine "gute Initiative, die in die
richtige Richtung geht".
"Wir wollen, dass die Iraker aufhören, Blut zu vergießen,
und dass sie ihre Unabhängigkeit und die Stabilität des
Landes verteidigen", hieß es in der in Nadschaf
veröffentlichten Erklärung des Schiitenführers. Seine
Gefolgsleute rief Sadr auf, sich von den Straßen in Basra und
anderen Regionen zurückziehen. Zugleich forderte er die irakische
Regierung auf, inhaftierte Anhänger seiner Bewegung freizulassen
und die Angriffe zu stoppen.
Die Kämpfe zwischen Sadrs Mahdi-Miliz und den irakischen
Sicherheitskräften hatten am Dienstag in der Ölstadt Basra
begonnen und sich auf mehrere Städte des Landes ausgeweitet. Mehr
als 270 Menschen wurden dabei getötet.
Maliki erklärte, Sadrs Aufruf werde hoffentlich zur Stabilisierung
der Lage im Irak und zum Wiederaufbauprozess beitragen. Zugleich
sicherte der Regierungschef zu, die Einsätze der irakischen
Sicherheitskräfte richteten sich nicht gegen eine politische oder
religiöse Gruppe wie die Sadr-Bewegung. Zuvor hatte Maliki seine
Entschlossenheit bekräftigt, die Offensive in Basra fortzusetzen.
Die Sadr-Anhänger werfen Maliki vor, von den USA gekauft worden zu
sein, und fordern seinen Rücktritt. Die schiitische Sadr-Bewegung
verfügt über großen Einfluss in der Bevölkerung
und fordert mehr Mitspracherecht bei politischen Entscheidungen. Sadr
hatte seine Anhänger aber seit August 2007 zur Waffenruhe
angehalten.
Den irakischen Regierungstruppen ist es bisher nicht gelungen, die
Milizionäre von den Straßen von Basra zu vertreiben.
Reuters-Fernsehbilder zeigen, wie maskierte Mitglieder der Mehdi-Armee
in den Straßen tanzen, nachdem sie ein irakisches
Militärfahrzeug in Brand gesteckt hatten. Die Milizionäre
tragen Maschinengewehre und Granatwerfer.
Al-Sadr wies in seiner jüngsten Erklärung die Darstellung
zurück, wonach seine Kämpfer über schwere Waffen
verfügten. Der Berater Al-Sadrs, der die Erklärung verteilte,
sagte, die Mehdi-Armee werde ihre Waffen nicht der Regierung
übergeben. Die irakische Regierung habe Sadrs Anhängern
garantiert, dass "willkürliche Festnahmen" in ihren Rängen
aufhörten.
Bereits am Samstag hatten britische Soldaten den Vorstoß der
irakischen Regierungstruppen mit Artilleriefeuer unterstützt. Am
Sonntag bestätigte auch das US-Militär, auf Seiten der
irakischen Truppen in die Kämpfe einzugreifen.
Der Konflikt mit Al Sadr beeinflusst die irakische Regierungspolitik
schon lange. Die Sadristen stellen 30 Abgeordnete im Parlament und
stehen in erbitterter Opposition zur größten schiitischen
Partei, dem Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak
(SCIRI), der die wichtigste Stütze für die Regierung
Al-Maliki ist.
Mit einiger Sorge blickt die SCIRI-Führung den Provinzwahlen am 1.
Oktober entgegen, die als wichtiger Test für die Stellung der
Sadristen im Süden gelten. Und die Regierung hat den Zeitpunkt
für die Offensive offenbar auch deswegen gewählt, weil jetzt
noch mehr US-Truppen im Irak sind, die Unterstützung leisten
können. In den nächsten Monaten aber soll die Stärke der
US-Truppen von 158.000 auf 140.000 reduziert werden.
Bislang agierte Al-Maliki sehr vorsichtig zwischen den politischen
Kräften im Irak, um seine Position nicht zu gefährden.
Mehrmals wurde in Washington angedeutet, dass die Geduld mit dem
Regierungschef nicht endlos sei. Seit Beginn der Offensive gegen die
Mahdi-Miliz aber hat sich der Ton verändert. «Das ist eine
mutige Aktion», sagte US-Regierungssprecherin Dana Perino,
«genau das, was die Kritiker im Irak sehen wollten.»
Vor Ort allerdings ist der Widerstand der Sadristen heftiger als
erwartet. In den Reihen der Regierungstruppen zogen mehrere Soldaten
ihre Uniform aus und suchten das Weite, wie aus Sicherheitskreisen
verlautete. «Wir haben nicht gedacht, dass die Kämpfe so
heftig sein würden», sagte ein irakischer Offizier. Seine
Einheit sei in Basra unter heftigen Beschuss von Heckenschützen
geraten. Im Stadtteil Tamimijah habe die Mahdi-Miliz auch Mörser
eingesetzt. Bereits am ersten Tag der Offensive seien vier seiner
Männer getötet und 15 verletzt worden.
«Einige haben mir gesagt, dass sie nicht in den Kampf zurück
gehen, wenn sie nicht bessere Unterstützung und besseren Schutz
bekommen», sagte der Offizier. Das Innenministerium drohte nach
Angaben aus Sicherheitskreisen allen Deserteuren mit einem
Kriegsgerichtsprozess.
Bei zwei Angriffen in der nördlich von Bagdad gelegenen Provinz
Salaheddin wurden nach Angaben der irakischen Polizei elf
Sicherheitskräfte getötet. Sechs Polizisten kamen demnach ums
Leben, als sie in der Nähe von Dhuluijah von bewaffneten
Männern angegriffen worden seien. In der Nähe von Baidschi
starben bei einem Selbstmordanschlag fünf Mitglieder einer Miliz,
die von der US-Armee für den Kampf gegen das Terrornetzwerk El
Kaida angeheuert wurde.
Polizisten haben unterdessen nahe der irakischen Kleinstadt Al-
Makdadija erneut ein Massengrab entdeckt. Laut US-Armee wurden die
Leichen von 14 Menschen gefunden. Erst zwei Tage zuvor waren dort 37
Leichen entdeckt worden, die zum Teil Folterspuren aufwiesen. In Al-
Makdadija hatte es vor einigen Wochen heftige Gefechte gegeben.
Inzwischen hat die irakische Armee die Ausgangssperre in Bagdad wegen
anhaltender Kämpfe mit Schiiten-Milizen auf unbestimmte Zeit
verlängert.
boa (Quellen: dpa, ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 31.03.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundfünften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Nahost-Konflikt
Arabische Liga findet keinen Ausweg aus Krise im Libanon --
US-Außenministerin Rice fordert bessere Lebensbedingungen
für Palästinenser
Mo.31.03.08 - Der Gipfel der Arabischen Liga in der syrischen Hauptstadt Damaskus ist
ohne einen neuen Lösungsvorschlag für die seit Monaten
anhaltende Regierungskrise im Libanon zu Ende gegangen. Die
anti-syrische Parlamentsmehrheit und die pro-syrische Opposition
sollten sich "so schnell wie möglich" auf eine nationale
Einheitsregierung einigen und somit die Wahl eines neuen Staatschefs
ermöglichen, hieß es zum Abschluss des zweitägigen
Treffens in der sogenannten "Erklärung von Damaskus" zu den
Gipfelbeschlüssen.
Der Kompromisskandidat für das libanesische Präsidentenamt,
Michel Suleiman, solle wie geplant Ende April gewählt werden,
hieß es in der Erklärung weiter. Wegen Uneinigkeit der
Parteien war die Wahl in Beirut bereits 17 Mal verschoben und zuletzt
für den 22. April angesetzt worden. Die angespannten Beziehungen
zwischen Syrien und dem Libanon müssten "auf den rechten Weg"
gebracht werden. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr
Mussa, solle sich dafür einsetzen.
Der syrische Staatschef Baschar El Assad versicherte während des
Gipfels in Damaskus, er wolle die "Stabilität,
Souveränität und Unabhängigkeit" des Libanon. Die
Arabische Liga hatte im Januar einen Plan zur Beendigung der
Regierungskrise im Libanon beschlossen, der die sofortige Wahl
Suleimans und die Bildung einer Einheitsregierung vorsieht.
Der Libanon hatte den Gipfel in Damaskus aus Verärgerung über
die Einmischung Syriens in seine Innenpolitik boykottiert. Zudem wurde
das Treffen von Absagen ranghoher Vertreter einiger Mitgliedstaaten
überschattet. So waren die US-Verbündeten Ägypten,
Saudi-Arabien und Jordanien nicht mit ihren Präsidenten, sondern
lediglich mit Vertretern von niedrigerem Rang vertreten.
Ein weiteres zentrales Thema des Gipfels war der Friedensprozess im
Nahen Osten. Die 21 vertretenen Mitgliedstaaten der Liga riefen Israel
auf, der saudiarabischen Friedensinitiative von 2002 zuzustimmen. Darin
werden Israel normale diplomatische Beziehungen im Gegenzug für
einen Rückzug aus allen seit Juni 1967 besetzten Gebieten in
Aussicht gestellt.
US-Außenministerin Condolezza Rice hat in Jerusalem
"fühlbare" Verbesserungen für die Lebensbedingungen der
Palästinenser gefordert, um deren Vertrauen in die
Nahost-Friedensverhandlungen zu stärken. Sie wolle Israel aber
nicht vorschreiben, welche Gesten nötig wären, sagte Rice vor
einem Treffen mit ihrer israelischen Kollegin Zipi Livni in Jerusalem.
Im Vorfeld ihrer Reise hatte sich Rice für eine Lockerung der
Reisebeschränkungen für Palästinenser im Westjordanland
ausgesprochen. Rice will später in die jordanische Hauptstadt Amman
weiterreisen, um dort Jordaniens König Abdullah II. und
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu treffen.
Die US-Außenministerin war am Samstag in Israel eingetroffen. Es
ist bereits ihre zweite Nahost-Reise im März, mit der sie die ins
Stocken geratenen Verhandlungen zwischen Israel und den
Palästinensern über die Gründung eines
eigenständigen Staates wieder antreiben wollte. Auf der
Nahost-Konferenz in Annapolis in den USA hatten sich die
Konfliktparteien im November unter der Schirmherrschaft von
US-Präsident George W. Bush darauf verständigt, vor Ablauf von
Bushs Amtszeit im Januar 2009 ein Friedensabkommen auszuhandeln.
Bei einem israelischen Luftangriff auf den Norden des Gazastreifen
wurden am Samstagabend zwei radikale Palästinenser getötet.
Die beiden Männer gehörten nach palästinensischen Angaben
den Brigaden der Märtyrer von El Aksa an, eine Gruppe die mit der
Fatah von Abbas verbunden ist. Vier weitere Menschen wurden bei dem
Angriff verletzt. Ein Sprecher der israelischen Armee bestätigte
die Luftangriffe.
boa (Quelle: afp)
Streit um Wahlausgang in Simbabwe
Mo.31.03.08 - Nach den Wahlen im afrikanischen Simbabwe bahnt sich ein schwerer
Konflikt um den Abstimmungsausgang an. Während sich die Opposition
am Sonntag über ein behördliches Verbot hinwegsetzte und zum
Sieger erklärte, kritisierte die Regierung das als riskante
Spekulation.
Sie warnte davor, Unruhe zu schüren. Präsident Robert Mugabe,
der nach 28 Jahren an der Macht erneut antrat, zeigte sich ebenfalls
siegessicher. Allerdings hat er nach Angaben der Opposition erstmals
auch in seinen Hochburgen auf dem Lande Verluste hinnehmen müssen.
Beobachter äußerten sich besorgt über die späte
Verkündung der Ergebnisse. Streit über die Beurteilung des
Urnengangs gab es innerhalb der Beobachtergruppe des regionalen
Staatenverbundes SADC. Beobachter von Südafrikas oppositioneller
Demokratischer Allianz (DA) lehnten die Billigung eines
vorläufigen SADC-Berichts ab. Darin hatte die
Entwicklungsgemeinschaft Südliches Afrika (SADC) erklärt,
«dass die Wahlen trotz einer Anzahl von Bedenken ein friedlicher
und glaubwürdiger Ausdruck des Willens der Simbabwer war».
Die DA, die selbst Vertreter in der SADC-Gruppe hat, widersprach dem
Bericht. Er prangere Mängel bei der Durchführung der Wahlen
nicht an und ignoriere «das fundamentale undemokratische Umfeld,
das in den vergangenen acht Jahren in Simbabwe geschaffen wurde.»
Zu den SADC-Bedenken gehören Drohungen der Sicherheitskräfte,
die Wahlergebnisse bei einem ungünstigen Ausgang für
Präsident Robert Mugabe (84) nicht anzuerkennen. Auch die Nutzung
staatlicher Infrastruktur durch Mugabes ZANU(PF)-Partei, die
Polizeipräsenz in den Wahlbüros und deren ungleiche
geografische Verteilung wurden kritisiert. Westliche Beobachter waren
zur Wahl nicht zugelassen worden.
In der Hauptstadt Harare hatte die Polizei nach Angaben des
südafrikanischen Fernsehen Anhänger der Opposition
festgenommen, die sich bei ausgelassenen Siegesfeiern in einem Vorort
mit Mugabe-Anhängern angelegt hätten. Die Parlaments- und
Präsidentenwahlen waren überschattet von
Manipulationsvorwürfen, aber weitgehend friedlich verlaufen. Die
Polizei hatte vor der Abstimmung aus Angst vor Gewaltausbrüchen
vor einer vorzeitigen Verkündung von Wahlsiegen gewarnt. Die
Sicherheitskräfte sind in höchster Alarmbereitschaft.
Die Wahlleitung selbst geriet in die Kritik, weil sie bisher weder
Angaben zur Wahlbeteiligung noch zu Ergebnissen machte. Sie will sich
erst äußern, wenn alle Stimmen für die Neubesetzung des
Parlaments sowie für die parallel abgehaltenen Kommunalwahlen
ausgezählt sind. Damit wird für Montag gerechnet. Die Stimmen
werden in den einzelnen Wahllokalen ausgezählt, das Ergebnis dann
vor Ort verkündet. Danach werden die Ergebnisse zentral
zusammengerechnet.
Gegen Mugabe (84) tritt neben Oppositionsführer Tsvangirai auch
Ex- Finanzminister Simba Makoni (58) an. Beide hielten sich am Sonntag
zunächst an unbekannten Orten auf. Mugabe traf sich am Abend nach
offiziell unbestätigten Informationen mit der
Militärführung. Er hatte der staatlich kontrollierten Zeitung
«Sunday Mail» erklärt, eine Stichwahl zwischen den
beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen sei unnötig. Zwar
schreibe dies die Verfassung für den Fall vor, dass keiner der
Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Aber das
werde kaum nötig sein.
Am Sonntag durchsuchten Sicherheitskräfte ein Büro der MDC.
Dort hatten Mitglieder die in den Wahllokalen bekanntgegebenen
Ergebnisse zusammengerechnet. Insgesamt waren am Samstag 5,9 Millionen
Simbabwer aufgerufen, die künftige politische Ausrichtung des
Landes zu bestimmen. Die Wahl fand vor dem Hintergrund der schlimmsten
Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes statt.
(Quelle: dpa)
China bietet Taiwan Friedensgespräche an
Mo.31.03.08 - China hat sich am Sonntag zu neuen Friedensgesprächen mit Taiwan
bereiterklärt.
Denkbar seien Verhandlungen über jedes Thema, sagte der
chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao. Es könne dabei auch
um direkte Handelsbeziehungen und Verkehrsverbindungen sowie um
Postlieferungen gehen, sagte Wen am Rande eines Umweltgipfels in Laos.
Taiwans neuer Präsident Ma Ying Jeou propagiert nach Jahren der
Feindseligkeiten eine Annäherung an China, das Taiwan als
abtrünnige Provinz betrachtet. Offizielle Gespräche zwischen
Taiwan und China liegen seit 1999 auf Eis, weil sich Mas Vorgänger
klar für eine Autonomie der Insel einsetzte.
Wen stellte nun auch eine Ausweitung des Wirtschafts-, Handels- und
Kulturaustauschs in Aussicht. Die Gespräche müssten sich aber
im Rahmen des Konsenses von 1992 bewegen, sagte Wen. Damals hatten
beide Länder dem sogenannten "Ein-China-Prinzip" zugestimmt. Mas
Vorgänger hatte aber 1999 die Verbindung von China und Taiwan als
spezielle zwischenstaatliche Beziehungen neu definiert - offiziell gibt
es seitdem keine Gespräche mehr zwischen den Erzfeinden. Taiwan
hatte sich 1949 von China abgespalten. Die Regierung in Peking drohte
wiederholt damit, Taiwan im Falle einer
Unabhängigkeitserklärung anzugreifen.
(Quelle: rtr)
Neue Proteste in Tibet
Mo.31.03.08 - Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen in Tibet sind in der Hauptstadt
Lhasa neue Proteste aufgeflammt. Im Zentrum hätten am Samstag
tausende Tibeter demonstriert, berichtete die exiltibetische Regierung.
Kurz zuvor hatten in China akkreditierte Diplomaten aus 15 Ländern
einen knapp eintägigen, organisierten Besuch in Lhasa ohne
konkrete Ergebnisse beendet. Aus Angst vor Protestaktionen wurden die
Sicherheitsvorkehrungen für die Ankunft der Olympischen Flamme aus
Griechenland am Montag in Peking verschärft.
Die Olympia-Organisatoren schlossen «aus
Sicherheitsgründen» kurzfristig zwei Dutzend
ausländische Medienorganisationen von der Zeremonie auf dem streng
abgeriegelten Platz des Himmlischen Friedens aus, darunter die Deutsche
Presse-Agentur dpa. Nach der Störung bei der Entfachung des Feuers
in Olympia in Griechenland durch Angehörige von «Reporter
ohne Grenzen» befürchten die Behörden in Peking
möglicherweise ähnliche Aktionen.
Aus seinem indischen Exil rief der Dalai Lama, das religiöse
Oberhaupt der Tibeter, die internationale Staatengemeinschaft zur
Unterstützung auf. «Ich stehe hilflos da und bete
nur», sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Samstag nach
einem interkonfessionellen Gebet im indischen Neu Delhi. Gleichzeitig
bekräftige er, China verdiene trotz seines Vorgehens in Tibet,
Gastgeber der Olympischen Spiele zu sein.
Nahe dem Jokhang Tempel und dem Rimpoche Kloster im Herzen Lhasas kam
es unmittelbar nach der Abreise der Diplomaten zu neuen Protesten.
Über Zusammenstöße mit der Polizei wurde nichts
bekannt. «Es war ein großer Protest», zitierte Radio
Free Asia einen Augenzeugen. In Aba in der Nachbarprovinz Sichuan, wo
es zu mehrtägigen blutigen Protesten mit mindestens 23 Toten
gekommen war, hatten Sicherheitskräfte am Freitag das Kirti
Kloster gestürmt und mehr als 100 Mönche festgenommen, wie
das tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD)
berichtete.
Bei den andauernden Protesten von Exil-Tibetern in Nepals Hauptstadt
Kathmandu sind am Sonntag erneut mehr als 100 Demonstranten
festgenommen worden. Nach Berichten von Augenzeugen setzte die Polizei
Schlagstöcke ein, um eine Kundgebung vor der chinesischen
Botschaft aufzulösen. In der indischen Hauptstadt Neu Delhi
protestierten am Sonntag etwa 200 Anhänger des Tibetischen
Jugend-Kongresses für die Unabhängigkeit des Gebiets.
Für Montag haben Tibet-Unterstützergruppen zu weltweiten
Protesten aufgerufen.
Die Europäische Union rief die chinesische Führung am Samstag
zu einem «substanziellen und konstruktiven Dialog» mit dem
Dalai Lama auf. Bei ihrem Treffen in dem slowenischen Ort Brdo
äußerten sich die Außenminister der 27 EU-Staaten aber
nicht zu einem möglichen Boykott der Olympischen Sommerspiele in
Peking.
Die Deutschen sind nach einer Umfrage mehrheitlich für eine
Verlegung der Olympischen Spiele 2008 von Peking an einen anderen Ort,
falls die chinesische Führung in Tibet weiterhin mit brutaler
Gewalt vorgeht. Wie das Emnid-Institut für «Bild am
Sonntag» ermittelte, sagen 66 Prozent der Befragten, in diesem
Fall sollten die Sommerspiele beispielsweise nach Griechenland verlegt
werden. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) verteidigte
unterdessen den Rechtsstaatsdialog mit China. «Mit ihm
können wir darauf hinwirken, dass sich vieles in China zum
Besseren entwickelt, sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung».
(Quelle: dpa)
Bangkok - Verhandlungen über neues globales Klimaschutzabkommen
Mo.31.03.08 - Unterhändler aus rund 200 Staaten kommen am Montag in Bangkok
zusammen, um eine Woche lang über die Leitlinien eines neuen
globalen Klimaschutzabkommens zu verhandeln. Die Delegationen
knüpfen an die im Dezember auf Bali erzielte Grundsatzvereinbarung
an, bis 2009 einen Nachfolgevertrag für das Kyodo-Protokoll zu
schließen.
Die Verhandlungslinien haben sich allerdings seit Dezember nicht
verändert. Während die EU eine Führungsrolle der
westlichen Industriestaaten bei der Eindämmung
klimaschädlicher Treibhausgase anstrebt, wollen die USA nur
mitziehen, wenn sich auch China und Indien auf eine drastische
Kürzung der CO2-Emissionen verpflichten. «Wir sind bereit,
international verbindliche Grenzwerte zu akzeptieren, solange andere
große Volkswirtschaften mitmachen», sagte
US-Unterhändler Harlan Watson am Sonntag.
Der Leiter der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel (FCCC), Yvo de Boer,
sagte jedoch, es sei nicht realistisch, Entwicklungsländer wie
China auf die gleichen Ziele zu verpflichten wie die Industriestaaten.
«Das Problem des Klimawandels, wie wir es heute sehen, ist das
Ergebnis der Emissionen in den reichen Staaten», sagte de Boer.
«Die historische Verantwortung für dieses Problem liegt bei
den Industrieländern.»
Alden Meyer von der Organisation Union of Concerned Scientists sagte,
die Konferenz von Bali habe Kompromissmöglichkeiten aufgezeigt.
Dort hätten sich die Entwicklungsländer schließlich zum
ersten Mal bereiterklärt, freiwillige Maßnahmen zu ergreifen,
die messbar und überprüfbar seien.
Bei den Zielwerten für die Eindämmung der Treibhausgase hat
die EU bis 2020 eine Reduzierung um 25 bis 40 Prozent vorgeschlagen -
gemessen an den Emissionen des Jahres 1990. Japan will hingegen die
Werte des Jahres 2005 als Bezugsgröße nehmen.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://unfccc.int/
Einigung in Polen über Weg zur Ratifizierung des EU-Vertrags
Mo.31.03.08 - Die proeuropäische polnische Regierung hat sich nach langem Streit
mit der national-konservativen Opposition auf den Weg zur Ratifizierung
des neuen EU-Vertrags geeinigt. Der liberale Regierungschef Donald Tusk
erklärte am Sonntag, er habe sich mit dem der Opposition
nahestehenden Präsidenten Lech Kaczynski darauf verständigt,
dass der Vertrag im Parlament angenommen werden soll. Begleitet wird
das Abkommen nach seinen Worten von einer Resolution, die den Schutz
der polnischen Souveränität betont.
Damit kommt Tusk der rechtskonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit
(PiS) unter Jaroslaw Kaczynski, dem Zwillingsbruder des
Präsidenten, entgegen. «Ich hoffe, dass wir damit das
unnötige Chaos rund um die Ratifizierung beenden
können», sagte Tusk am Sonntag in Danzig (Gdansk). Für
die Ratifizierung des Vertrags im Parlament braucht Tusk eine
Zweidrittelmehrheit, die für ihn ohne die PiS praktisch nicht zu
erreichen gewesen wäre.
Die möglicherweise entscheidende Parlamentsdebatte will
Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski schon für kommenden
Dienstag ansetzen.
(Quelle: ap)
Deutschland
SPD-Anhänger wollen anderen Parteichef als Beck
Mo.31.03.08 - Die Anhänger der SPD bezweifeln nicht nur die Eignung ihres
Vorsitzenden Kurt Beck als Kanzlerkandidat, sondern auch als Parteichef.
Laut einer Emnid-Umfrage für «Bild am Sonntag» sagen
54 Prozent der SPD-Unterstützer, dass die Sozialdemokraten einen
neuen Vorsitzenden brauchen. Nur 42 Prozent wollen demnach Beck
behalten.
In der Gesamtbevölkerung sind 65 Prozent der Überzeugung,
dass die Sozialdemokraten einen anderen zum Vorsitzenden wählen
sollten. Nur 23 Prozent setzen weiter auf den rheinland-pfälzischen
Regierungschef.
Angesichts seines umstrittenen Kurses im Umgang mit der Linkspartei
sagen nur 21 Prozent der Deutschen der Umfrage zufolge, dass Beck die
Krise der Sozialdemokraten bewältigen kann. 70 Prozent trauen dem
SPD-Chef nicht zu, seine Partei aus der Krise zu führen. Selbst
unter SPD-Wählern trauen ihm nur 44 Prozent zu, die Partei wieder
nach oben zu bringen; 50 Prozent haben die Hoffnung aufgegeben. In
früheren Umfragen hatte sich eine Mehrheit der Deutschen gegen Beck
als Kanzlerkandidaten ausgesprochen.
(Quelle: ap)
Neue Hoffnung bei Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst
Mo.31.03.08 - Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes haben sich beide Seiten
am Sonntag in der entscheidenden Verhandlungsrunde einander
angenähert. Die Gespräche sollen nun am heutigen Montag
fortgesetzt werden.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa legten die Arbeitgeber am
Sonntagabend in Potsdam ein verbessertes Angebot für die rund 1,3
Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen vor. Dieses soll
über den Empfehlungen der Schlichtungskommission liegen, die von
den Gewerkschaften abgelehnt wurde. Einen Kompromiss hätten
Arbeitgeber und Gewerkschaften aber noch nicht ausgehandelt, hieß
es gleichzeitig. Ein Scheitern der Verhandlungen sei immer noch
möglich. Dies hätte bundesweite Streiks im öffentlichen
Dienst zur Folge.
Die Gespräche sollten auch Sonntagnacht hinter verschlossenen
Türen fortgeführt werden. Über mögliche
Fortschritte würde aber nichts mitgeteilt, hieß es.
Arbeitgeber und Gewerkschaften wollten dann voraussichtlich um 09.00
Uhr am Montag wieder in Potsdam zusammenkommen, teilten die Sprecher
beider Seiten mit. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU)
sagte deswegen eine Auslandsreise ab. Mit einem Ergebnis ist
wahrscheinlich ebenfalls am Montag zu rechnen. Vor einer Einigung
müssen verschiedene Gremien noch ihre Zustimmung erteilen.
In Potsdam rangen Arbeitgeber und Gewerkschaften seit Samstag um eine
Lösung. Dabei spielte die Frage der Arbeitszeit eine immer
wichtigere Rolle. Die Arbeitgeber haben längere Arbeitszeiten zur
Vorbedingung für einen Abschluss gemacht. Die Gewerkschaften
wehrten sich bislang dagegen und wollen für besonders belastete
Berufsgruppen keine längeren Arbeitszeiten akzeptieren. Bei den
Verhandlungen wurden Arbeitszeitmodelle für bestimmte
Berufsgruppen durchgerechnet.
Hauptstreitpunkte in den schwierigen Gesprächen über einen
neuen Tarifabschluss für den Bund und die Kommunen blieben die
Forderung der Gewerkschaften nach deutlichen Gehaltserhöhungen und
die der Arbeitgeber nach längeren Arbeitszeiten. Trotz der
bestehenden Differenzen waren die Verhandlungen dem Vernehmen nach vom
Bemühen geprägt, zu einer Einigung zu kommen.
Für den Fall eines Kompromisses zeichnete sich ein kompliziertes
Tarifpaket ab - die strittigen Punkte Arbeitszeit und
Einkommensverbesserungen müssten in ein ausgewogenes
Verhältnis gebracht werden. Zu klären waren dabei die
Laufzeit des Tarifvertrags und der Zeitpunkt, ab dem
Gehaltserhöhungen gelten sollen. Wegen der strittigen
Arbeitszeitfrage hatte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am
Sonntagmorgen eine Einigung als eher unwahrscheinlich bezeichnet. Nach
stundenlangen Verhandlungen sprach er aber auch davon, dass er Chancen
für eine Einigung sehe.
Ver.di und die Tarifunion des Beamtenbundes dbb gingen mit der
Forderung nach acht Prozent mehr Gehalt für ein Jahr, mindestens
aber 200 Euro im Monat für die Angestellten des Bundes und der
Kommunen in die Verhandlungen. Die Gespräche waren am 7. März
in der fünften Runde von den Gewerkschaften für gescheitert
erklärt worden, worauf die Arbeitgeber die Schlichtung anriefen.
Die dann nach Ostern abgelehnte Empfehlung der Schlichtungskommission
sah für 2008 und 2009 insgesamt sechs Prozent mehr Geld, zwei
Einmalzahlungen, aber auch eine Erhöhung der Arbeitszeit im Westen
auf 39,5 Wochenstunden vor.
Die Gewerkschaften wehrten sich gegen längere Arbeitszeiten
für besonders belastete Beschäftigte in Krankenhäusern
oder Kindertagesstätten. Möglich wären auch
differenzierte Modelle. Das Problem ist deswegen so schwer zu
lösen, weil die Arbeitszeiten bereits jetzt schon völlig
uneinheitlich sind. Die Angestellten des Bundes arbeiten in Ost und
West 39 Stunden. Im Tarifgebiet West der Kommunen gilt die
38,5-Stunden-Woche, wovon es wiederum Ausnahmen in
Baden-Württemberg, Hessen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen
gibt. Die Angestellten der Ost-Kommunen müssen mit 40 Stunden am
längsten arbeiten.
Im Falle eines Arbeitskampfes drohen den Bürgern zusätzliche
Belastungen durch Streiks in der Postbranche. Nachdem die
Tarifverhandlungen für die 130 000 Tarifbeschäftigten der
Deutschen Post am Freitagabend ohne Ergebnis vertagt wurden,
bekräftigte die Gewerkschaft ver.di ihre Streikbereitschaft.
Einzelheiten über Streiks würden am Montag bekanntgegeben,
sagte ein Gewerkschaftssprecher am Samstag. Die Friedenspflicht endet
am 31. März.
(Quelle: dpa)
Wieder mehr Entlassungen als Neueinstellungen
Mo.31.03.08 - Deutsche Großunternehmen planen künftig mehr Entlassungen
als Neueinstellungen. Im ersten Quartal hätten deutsche
Großunternehmen angekündigt, knapp 40 000 Stellen streichen
zu wollen, während dem nur die geplante Schaffung 23 000 neuer
Stellen gegenüberstehe, schreibt die «Frankfurter Allgemeine
Zeitung» (Montagsausgabe) vorab. Sie hat hierzu alle
öffentlich angekündigten Personalstandsveränderungen von
mehr als 100 Stellen in der Wirtschaft einbezogen. Diese Übersicht
sei ein Frühindikator und zeige, dass der Arbeitsmarkt auf der
Kippe stehe.
Zum letzten Mal überwogen laut Zeitung auf dieser Basis die
geplanten Arbeitsplatzstreichungen die Neueinrichtungen von
Arbeitsplätzen im vierten Quartal 2005. Seit dem ersten Quartal
2006 habe die Zahl der geplanten neuen Stellen immer höher als die
der Stellenstreichungen gelegen. Überraschend sei vor allem, wie
deutlich die Zahl der geplanten Stellenstreichungen die der neuen
Stellen überragt, schrieb das Blatt. Seit Januar seien fast
doppelt so viele Streichungen angekündigt worden wie Neustellen.
(Quelle: ddp)
Rentenerhöhung stößt in SPD und Union auf Kritik
Mo.31.03.08 - Die von der Koalition geplante Sonder-Rentenerhöhung in diesem und
im nächsten Jahr stößt nun auch in Teilen der SPD auf
Kritik.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer
Wend, sprach von einer Entscheidung zulasten der Jüngeren. Auch
der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs sprach von einem "Schritt
in die falsche Richtung". SPD-Generalsekretär Hubertus Heil
verteidigte das Vorhaben: "Daran wird nicht gerüttelt."
Die Koalition will die Renten zum 1. Juli 2008 und 2009 stärker
erhöhen als nach der Rentenformel eigentlich zulässig. Auf
Bund und Rentenversicherung kommen dadurch - zumindest zeitweise - nach
ersten Berechnungen aus dem Arbeitsministerium bis 2011 Mehrkosten von
etwa zwölf Milliarden Euro zu. Die Bezüge für die 20
Millionen Rentner sollen zum 1. Juli 2008 um 1,1 Prozent steigen statt
um nur knapp 0,5 Prozent. Dafür wird der rentendämpfende
Riester-Faktor für zwei Jahre ausgesetzt. Die Kürzungen
sollen 2012 und 2013 nachgeholt werden.
"Das geht auf Kosten der Jüngeren, die wegen der demografischen
Entwicklung überhaupt keine Chance haben, ein dem heutigen
Rentenniveau vergleichbares Altersgeld zu erreichen", sagte Wend dem
"Kölner Stadt-Anzeiger". Zudem verzögere die
Rentenerhöhung die eigentlich für 2011 geplante Senkung des
Rentenbeitragssatzes. Er bezweifelte die Darstellung des
Arbeitsministeriums, die Erhöhungen führten später nicht
zu Renteneinbußen. "Das ist blanker Zweckoptimismus", sagte er.
Der CDU-Sozialexperte Ralf Brauksiepe verteidigte das Vorhaben.
"Wichtig ist, dass wir unsere Ziele bei Beitragssatz und Rentenniveau
einhalten können", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Wir
schütten ja nicht das Füllhorn aus, sondern sorgen
dafür, dass die Rentner am allgemeinen Aufschwung teilhaben." Heil
sagte der "Bild am Sonntag": "Nach Jahren mit Nullrunden haben auch die
Rentner einen Anspruch auf mehr Geld."
Das Kabinett will die Rentenerhöhung voraussichtlich am
übernächsten Mittwoch auf den Weg bringen. Nach Darstellung
des Arbeitsministeriums soll die außerplanmäßige
Anhebung mittelfristig kostenneutral sein, weil die ausgesetzten
Kürzungen in späteren Jahren nachgeholt würden.
(Quelle: rtr)
Bund will angeschlagenen Landesbanken nicht helfen
Mo.31.03.08 - Die Bundesregierung wird den nach Fehlspekulationen angeschlagenen
Landesbanken nicht aus der Krise helfen. Das geht aus einer Antwort des
Finanzministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor,
aus der am Samstag die «Bild»-Zeitung zitierte. «Die
Bundesregierung schließt Finanzhilfen des Bundes für
Landesbanken aus», heiße es darin.
Anzeige
Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler sagte dazu: «Bei den
Staatsbanken wurde schon zu viel Steuergeld verbrannt.» Jetzt
müsse die Bundesregierung ihren Einfluss nutzen, die Landesbanken
zu privatisieren. «Nur so wird langfristig verhindert, dass
riskante Bankgeschäfte vom Steuerzahler ausgebadet werden
müssen», sagte er dem Blatt.
Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein hatte am
Freitag gesagt, er halte bei der Bayerischen Landesbank auf Grund der
Finanzmarktkrise Belastungen in Höhe von vier Milliarden Euro
für möglich. Er sei sich sicher, dass die Belastungen deutlich
über die bisher bekannten 1,9 Milliarden Euro hinausgehen
würden, sagte der CSU-Politiker einer Zeitung.
Am Dienstag hatte schon die Ratingagentur Moody's erklärt, es sei
möglich, dass die BayernLB bis zu 3,8 Milliarden Euro abschreiben
müsse. Die Bank selbst verwies lediglich auf die
Bilanzpressekonferenz am Donnerstag. Am selben Tag will der Landtag auf
Antrag von SPD und Grünen auch einen Untersuchungsausschuss zur
BayernLB einsetzen.
CSU-Parteichef Erwin Huber wurde am Freitag in seinem Schweizer
Urlaubsort nach Informationen des «Spiegels» von der
Ankündigung Becksteins überrascht, dass sich die Ausfälle
der Landesbank auf bis zu vier Milliarden Euro steigern könnten.
Huber zeigte sich dem Bericht zufolge intern verärgert über
das Vorpreschen Becksteins, weil in der CSU-Führung abgesprochen
gewesen sei, dass die neuen Zahlen am Donnerstag von der Bank selbst
vorgestellt werden sollten. Huber fühle sich auch deshalb
düpiert, weil nun erneut der Eindruck aufkommen könnte, er
habe heikle Zahlen vor der Öffentlichkeit geheim gehalten.
Huber selbst sagte der «Passauer Neuen Presse»: «Es
ist festgelegt worden, dass in Zukunft der Vorstand der Landesbank
vierteljährlich Zahlen veröffentlicht. Das wird am 3. April
der Fall sein. Der Verwaltungsrat wird sie beraten und mögliche
Konsequenzen erörtern. Alles andere ist im Moment
verfrüht.»
In der Diskussion über die Zukunft der angeschlagenen IKB Deutsche
Industriebank ließ der haushaltspolitische Sprecher der
SPD-Bundestagfraktion, Carsten Schneider, Widerstand gegen einen
schnellen Verkauf erkennen. Stattdessen solle die staatliche
Förderbank KfW die IKB, an der sie bislang 43 Prozent hält,
komplett übernehmen und so auch deren marode Investmentvehikel
Rhineland Funding und Rhinebridge in ihre Bücher übernehmen,
fordere Schneider im «Spiegel». Sämtliche Risiken
sollten im Rahmen einer Gewährleistung durch den Bund abgesichert
werden.
«Der Staat kann eine solche Krise wie derzeit aussitzen»,
meinte Schneider. Nach sieben bis acht Jahren könne die Bank
mitsamt ihrem Portfolio Gewinn bringend verkauft werden. «Das ist
allemal besser, als sie jetzt zum Schnäppchenpreis zu
verschleudern.» Zur Absicherung der IKB, die durch Spekulationen
mit minderwertigen US-Hypothekendarlehen in Schieflage geriet, sind
schon mehr als sechs Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln
bereitgestellt worden.
(Quelle: ap)
Energiekosten in Deutschland schwanken um bis zu 24 Prozent
Mo.31.03.08 - Die Strom- und Gaspreise in den 100 größten Städten
Deutschlands unterscheiden sich einem Medienbeicht zufolge um bis zu 24
Prozent. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Verbraucherportals
Verivox, wie die «Bild am Sonntag» berichtet. Demnach
belaufen sich die Durchschnittskosten für Strom und Gas beim
örtlichen Grundversorger für einen Vier-Personen-Haushalt auf
2217 Euro, wobei es regionale Schwankungen von bis zu 24 Prozent gibt.
Durch einen Wechsel zum jeweils günstigsten externen Versorger
könnten Verbraucher durchschnittlich 159 Euro pro Jahr sparen - in
der Spitze sogar bis zu 330 Euro.
Die geringsten jährlichen Energiekosten fallen demnach in
München (2004 Euro), Frankfurt am Main (2053 Euro), Oldenburg (2083
Euro), Hamm (2091 Euro) und Regensburg (2092 Euro) an. Am tiefsten in
die Tasche greifen muss man in den neuen Bundesländern. In Leipzig
liegen dem Bericht zufolge die jährlichen Kosten für Strom
und Gas bei 2483 Euro, gefolgt von Gera (2440 Euro), Zwickau (2439
Euro) und Dresden (2396 Euro). Aber auch in Saarbrücken müsse
man mit 2453 Euro rechnen.
(Quelle: ddp)
Computer & Cyberspace
Deutsches 'Ja' für Open XML als ISO-Standard bekräftigt
Mo.31.03.08 - Die deutsche Zustimmung für die heftig umstrittene Anerkennung des
Microsoft-Dokumentenformats Office Open XML als Standard der
Normungsorganisation ISO bleibt bestehen.
Das Deutsche Institut für Normung (DIN) bestätigte eine
entsprechende Entscheidung vom vergangenen Jahr, wie es am Freitagabend
mitteilte. Allerdings kam in einer der Abstimmungen nur dank einer
Stimme Vorsprung eine Mehrheit zustande, ohne die das deutsche Votum in
«Enthaltung» umgeändert worden wäre.
Das Microsoft-Format hatte im vergangenen September nicht die
notwendige Mehrheit unter den 87 ISO-Mitgliedsländern für eine
Anerkennung als Standard bekommen. Bis zu diesem Wochenende hatten die
Länder Zeit, ihre Abstimmungsergebnisse zu revidieren. Beobachter
rechnen damit, dass die weltweiten Abstimmungsergebnisse kommende Woche
bekannt werden.
Die Anerkennung als ISO-Standard ist in den vergangenen Jahren
zunehmend wichtiger geworden, unter anderem weil Regierungen und
Behörden bei ihrer Beschaffung verstärkt auf standardisierte
Formate setzen. Microsoft führte Open Office XML (OOXML) als neues
Format mit der Bürosoftware-Sammlung Office 2007 ein. Im Gegensatz
zu früheren Microsoft-Formaten ist OOXML offen, kann also von
anderen Softwareherstellern verwendet werden.
Um die Anerkennung als ISO-Standard gibt es aber heftigen Streit. Ein
Teil der Industrie um IBM, Google oder Sun Microsystems wehrt sich
dagegen. Die Gruppe verweist darauf, dass das konkurrierende Format ODF
(Open Document Format) bereits als ISO-Standard anerkannt sei. Die
Anerkennung von OOXML sei daher unnötig und würde nur den
Kunden das Leben schwerer machen, weil die beiden Formate nicht
miteinander kompatibel sind. Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die mehr
als 6500 Seiten fassende OOXML-Dokumentation unreif sei und dazu dienen
solle, Microsoft-Lösungen gegen Konkurrenz abzusichern. Microsoft
weist dies zurück und wirft den Rivalen im Gegenzug vor, ihre
Programme auf ODF-Basis gegen Wettbewerb schützen zu wollen.
So wurde der Abstimmungsprozess in den ISO-Mitgliedsländern schon
im vergangenen Jahr von hitzigen Debatten begleitet. Beide Seiten warfen
einander vor, Druck bei der Besetzung der Gremien und bei der
Abstimmung ausgeübt zu haben.
(Quelle: dpa)