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Irak am 1470sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Offensive im Irak beendet - Mehr als 300 Tote in sechs Tagen.
Sadr-Miliz folgt Rückzugsaufruf des Schiitenführers. Iran soll
mäßigend auf Al-Sadr eingewirkt haben. Washingtoner Institut
für politische Studien: Die von Regierungschef
al-Maliki befehligte Offensive gegen die Sadr-Anhänger ist
'gescheitert'
Di.01.04.08 - Nach sechstägigen blutigen Kämpfen ist in Basra und in
anderen irakischen Schiiten-Städten am Montag wieder Ruhe
eingekehrt.
Bilanz der Kämpfe zwischen der schiitischen Mahdi- Armee, den
Regierungstruppen und der US-Armee: Mehr als 300 Tote,
schätzungsweise 750 Verletzte. In der Hauptstadt Bagdad wurde
unterdessen nach sechs Tagen eine Ausgangssperre wieder aufgehoben.
Ein Sprecher des Innenministeriums sagte der Nachrichtenagentur Aswat
al-Irak, alleine in der südlichen Hafenstadt Basra seien 210
«Bewaffnete» getötet und 600 Menschen verletzt worden.
155 Verdächtige seien seit Beginn der Offensive in der Stadt
festgenommen worden, darunter «42 der gefährlichsten
Verbrecher».
Der schiitische Prediger Muktada al-Sadr hatte die Kämpfer seiner
Mahdi-Armee am Sonntag aufgefordert, «nicht mehr bewaffnet in
Erscheinung zu treten». Wer sich nicht an diesen Befehl halte,
werde aus der Sadr-Bewegung ausgestoßen.
Politisch und militärisch sieht es allerdings nach
Einschätzung vieler irakischer und ausländischer Beobachter
nicht so aus, als wäre die von Regierungschef Nuri al-Maliki
befehligte Offensive gegen die Sadr-Anhänger ein Erfolg gewesen.
Laut Aswat al-Irak verabschiedete der Rat der Stämme des irakischen
Südens am Montag in Kairo eine Erklärung, in der die
US-Truppen und die Regierung für die instabile Sicherheitslage
verantwortlich gemacht werden. Die Stammesführer forderten,
«ein Ende der Razzien und des willkürlichen
Tötens».
In einem aktuellen Bericht des Washingtoner Institutes für
politische Studien, heißt es, der schiitische Regierungschef Al-
Maliki habe mit der Anfang vergangener Woche begonnenen Offensive seinen
Rivalen Al-Sadr ausschalten wollen. Dies sei ihm aber selbst mit
«massiver militärischer Unterstützung der USA»
nicht gelungen, stattdessen habe die Gewalt überall im Lande wieder
zugenommen, weshalb die Offensive als «gescheitert»
angesehen werden müsse.
Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass der Iran, der die Sadr-
Miliz unterstützt, zur Beruhigung der Lage beigetragen hat. Die
arabische Zeitung «Al-Hayat» berichtete, es habe am
Wochenende Verhandlungen mit Al-Sadr gegeben, während sich dieser
im Iran aufgehalten habe. Das Ergebnis der Gespräche, an denen auch
Vertreter der beiden schiitischen Regierungsparteien Dawa und Oberster
Islamischer Rat teilgenommen hätten, sei der Waffenruhe-Aufruf Al-
Sadrs gewesen. Im Gegenzug habe man ihm zugesichert, zu prüfen, ob
Angehörige der Mahdi-Armee zu Unrecht im Gefängnis sitzen.
Die US-Truppen meldeten derweil, sie hätten allein am Sonntag, dem
letzten Tag der Offensive gegen die Mahdi-Armee, in Bagdad mehr als 40
Iraker getötet. Nach Angaben des US-Militärs starben am
Sonntag zudem drei amerikanische Soldaten. Die «Grüne
Zone» von Bagdad, in der die US-Botschaft und das Parlament
liegen, wurde am Montag mit zahlreichen Mörsergranaten beschossen,
wie Augenzeugen berichteten.
(Quelle: dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 01.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundsechsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Drei Nato-Soldaten in Südafghanistan getötet
Di.01.04.08 - Bei einem Bombenanschlag im umkämpften Süden Afghanistans
sind zwei britische Soldaten getötet worden.
Die Explosion habe sich am Sonntag während einer Patrouille in der
Unruheprovinz Helmand ereignet, erklärte das britische
Verteidigungsministerium am Montag. Bei Gefechten mit
radikal-islamischen Taliban-Rebellen in Helmand starb zudem nach
Armeeangaben ein dänischer Soldat, zwei weitere wurden verwundet.
Aus der Nato waren unlängst vermehrt Stimmen laut geworden, die
auch einen Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Südafghanistan
forderten. US-Präsident George W. Bush erklärte jedoch am
Wochenende in einem Zeitungsinterview, sein Land werde beim
bevorstehenden Nato-Gipfel in Bukarest keine entsprechende Forderung
stellen. US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte vor zwei Monaten
Deutschland in ungewöhnlich scharfer Form aufgefordert, ein neues
Bundestagsmandat für den Einsatz in Südafghanistan in
Erwägung zu ziehen. Das derzeit geltende Mandat erlaubt es, maximal
3500 Soldaten im weniger gefährlicheren Norden Afghanistans zu
stationieren.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
Beschleunigter Siedlungsbau in Ost-Jerusalem? -- Hamas: 2006
entführter israelischer Soldat ist am Leben
Di.01.04.08 - Nach Angaben der israelischen Friedensorganisation Schalom Achschaw
(Frieden Jetzt) hat Israel den Siedlungsbau im arabischen Ostteil der
Stadt seit der Nahost-Konferenz im amerikanischen Annapolis noch
erheblich beschleunigt. Seit der Konferenz im November seien
Ausschreibungen für den Bau von 750 Wohneinheiten in Ost-Jerusalem
veröffentlicht worden, hieß es in einem am Montag
veröffentlichten Bericht der Organisation.
Der vor fast zwei Jahren von Palästinensern verschleppte
israelische Soldat Gilad Schalit ist nach Angaben der Hamas am Leben.
"Wir behandeln ihn gut", sagte Hamas-Chef Chaled Meschaal am Montag dem
britischen Fernsehsender Sky News. Der damals 19-Jährige war im
Juni 2006 bei einem Überfall palästinensischer Kämpfer
auf einen israelischen Militärstützpunkt entführt worden.
Für seine Freilassung verlangt die radikal-islamische Hamas, dass
knapp 1400 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen
freikommen. Israel lehnt dies ab. Der im syrischen Exil lebende
Hamas-Chef warf Israel vor, diese Gefangenen "sehr schlecht zu
behandeln".
In dem Fernsehinterview erneuerte Meschaal zudem das Angebot der Hamas,
auf Angriffe auf Israels Zivilbevölkerung zu verzichten.
Voraussetzung sei, dass Israel seinerseits von Angriffen auf
palästinensische Zivilisten absehe. Ein ähnliches Angebot
hatte die Hamas bereits vor zehn Jahren ein erstes Mal unterbreitet.
Die Hamas kontrolliert seit Juni des vergangenen Jahres den
Gazastreifen, nachdem sie die Fatah von
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas vertrieben hatte. Abbas
entließ daraufhin die von der Hamas dominierte Einheitsregierung
und führt nun Friedensgespräche mit Israel, die von den USA
unterstützt werden. Derzeit bemüht sich
US-Außenministerin Condoleezza Rice auf einer Reise in die Region
erneut um Fortschritte im Nahost-Friedensprozess.
(Quelle: rtr)
Opposition nach Wahlen in Simbabwe in Führung
Di.01.04.08 - Zwei Tage nach Schließung der Wahllokale wartet die
Bevölkerung in Simbabwe angespannt auf die endgültigen
Ergebnisse. Offiziellen Teilergebnissen zufolge ging die oppositionelle
Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) in Führung.
Nach Auszählung von 66 von 210 Wahlkreisen kam die Partei bei der
Parlamentswahl auf 35 Sitze, die ZANU-PF von Präsident Robert
Mugabe auf 31 Sitze, wie die Wahlkommission mitteilte. Die EU-Staaten
drängten das südafrikanische Land zu einer zügigen
Bekanntgabe der Ergebnisse.
Die Opposition in Simbabwe bekräftigte ihren Anspruch auf einen
Wahlsieg. "Die Menschen haben gegen die Diktatur gestimmt", sagte der
Generalsekretär der Bewegung für einen Demokratischen Wandel
(MDC), Tendai Biti, unter Berufung auf eine eigene Stimmauszählung
seiner Partei. Demnach gewann die MDC im Parlament mindestens 96 Sitze.
Bei der gleichzeitig abgehaltenen Präsidentschaftswahl erhielt der
MDC-Kandidat Morgan Tsvangirai demnach 60 Prozent der Stimmen,
während Mugabe auf 30 Prozent kam. Die MDC wirft der Regierung vor,
die Auszählung zu verschleppen, um die Ergebnisse fälschen zu
können.
Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin äußerte
sich besorgt über Berichte über Unregelmäßigkeiten
im Wahlverlauf. Deshalb ergehe an die Verantwortlichen der Appell, die
Auszählung rasch zu Ende zu bringen. "Es ist vor allem für die
Menschen in Simbabwe wichtig, dass so bald wie möglich Klarheit
über die Wahlen herrscht", sagte ein Sprecher des britischen
Premierministers Gordon Brown. Die Ex-Kolonialmacht
Großbritannien hatte in der Vergangenheit immer wieder Mugabe
kritisiert.
Auch die USA mahnten eine richtige Auszählung und schnelle
Ergebnisse an. "Wir sind über das langsame Tempo der offiziellen
Auswertung besorgt", sagte Außenministeriumssprecher Tom Casey in
Washington. Je länger die Auszählung dauere, desto
anfälliger sei sie für Manipulation.
Die Polizei befand sich landesweit in erhöhter Alarmbereitschaft.
Einheiten mit Schlagstöcken und Schilden patrouillierten durch die
Straßen. Ein Polizeisprecher sagte, die Polizei werde nicht gegen
jede voreilige Siegesfeier von MDC-Anhängern vorgehen.
Der 84-jährige Mugabe strebt nach 28 Jahren an der Macht eine
sechste Amtszeit an. Seine Kritiker machen ihn für den Niedergang
der Wirtschaft in der einstigen Kornkammer Afrikas verantwortlich. Die
jährliche Inflation liegt bei mehr als hundert Prozent.
(Quelle: afp)
Kubaner bekommen mehr Freiheiten
Di.01.04.08 - Der kubanische Staatschef Raúl Castro ist offenbar gewillt,
seinen Landsleuten immer mehr Freiheiten zu gewähren: Ab sofort ist
es den Kubanern erlaubt, in bislang ausländischen Touristen
vorbehaltenen Hotels zu wohnen. Angestellte mehrerer Hotels in der
Hauptstadt Havanna bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, dass
eine entsprechende Anweisung ergangen sei.
Erst vor wenigen Tagen hatte Castro den Kubanern das Telefonieren mit
dem Handy erlaubt. So darf die nationale Telekommunikationsfirma ETECSA
den Bürgern fortan Mobilfunkverträge anbieten. Allerdings muss
die Handynutzung nach dem Prepaid-Verfahren in Devisen bezahlt werden.
Castro hob zudem das Verbot zum Kauf von Computern, Fernsehern und
Videorekordern auf.
(Quelle: afp)
Argentinische Bauern kündigen Fortsetzung der Proteste an
Di.01.04.08 - Die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez hat
protestierende Bauern aufgefordert, ihren seit 19 Tagen andauernden
Streik zu beenden. «Wir sind offen für Dialog», sagte
Fernandez am Montag im Fernsehen. Sie bot ihnen einige
Zugeständnisse an, lehnte aber eine Senkung der Exportsteuern auf
Sojabohnen und Getreide ab. Die Erhöhung der Steuern hatte die
Proteste ausgelöst.
Die vier größten Bauernverbände bezeichneten die
Zugeständnisse als nicht ausreichend und kündigten an, den
Streik bis mindestens Mittwoch fortzusetzen. Landesweit 400
Straßenblockaden würden aufrechterhalten, sagte einer der
Organisatoren der Protestaktion. In den Supermärkten wurden Rind-
und Hühnerfleisch sowie Obst und Gemüse bereits knapp.
Die Regierung hat die Reaktionen der Bauern auf die Steuererhöhung
vom 11. März als völlig unangemessen bezeichnet. Die
Landwirtschaft habe in den vergangenen Jahren außergewöhnlich
gute Ergebnisse erzielt. Aufgrund der steigenden Preise für
Sojabohnen, Mais und anderes Getreide gehe es den Bauern besser als
vielen anderen in Argentinien. Die Regierung will mit dem Schritt die
Inflation bekämpfen.
(Quelle: ap)
Oberstes Gericht verhandelt über Verbot türkischer
Regierungspartei
Di.01.04.08 - Das türkische Verfassungsgericht wird sich mit einem
möglichen Verbot der religiös-konservativen Regierungspartei
AKP befassen. Das entschieden die elf Richter am Montag einstimmig.
Generalstaatsanwalt Abdurrahman Yalcinkaya hatte in einem Verbotsantrag
vom 14. März außerdem ein fünfjähriges Berufsverbot
für 71 Politiker gefordert, darunter auch Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül. Die EU
kritisierte das Vorgehen der türkischen Justiz.
Die AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) hat nun
zunächst einen Monat Zeit, um ihre Verteidigung vorzubereiten, dann
kann der Prozess beginnen. Regierungssprecher Cemil Cicek
erklärte, die Partei werde ihr demokratisches Recht auf
Verteidigung wahrnehmen und dabei auch die Oppositionsparteien um
Unterstützung ersuchen. Man solle die Angelegenheit jedoch nicht
allzu sehr hochspielen.
Der Generalstaatsanwalt wirft der AKP vor, «Kristallisationspunkt
antisäkularer Aktivitäten» zu sein. Die Partei wolle ein
Gesellschaftsmodell errichten, in dessen Mittelpunkt die Religion
stehe. Der Streit um die Trennung von Religion und Staat in der
Türkei war zuletzt eskaliert, nachdem die Regierung entschieden
hatte, das Tragen von Kopftüchern in Universitäten zuzulassen.
Die AKP liegt schon lange mit dem säkularen Establishment im
Streit, das von den Streitkräften gestützt wird. Dieses
betrachtet sich als Wächter der weltlichen Orientierung der
türkischen Republik. Acht der elf Verfassungsrichter wurden vom
ehemaligen Präsidenten Ahmet Necdet Sezer ernannt, der den
Streitkräften nahestand und wiederholt Initiativen der AKP
blockierte. Die AKP hatte bei den letzten Wahlen mehr als 46 Prozent der
Stimmen gewonnen und stellt 330 der 550 Abgeordneten im Parlament.
Die EU-Kommission kritisierte das Vorgehen der türkischen Justiz
scharf und warnte vor einem Rückschlag für die türkischen
Bestrebungen um einen EU-Beitritt. Der Verbotsantrag sei vollkommen
ungerechtfertigt, kritisierte Erweiterungskommissar Olli Rehn in einer
Pressemitteilung. Ein Parteiverbot sei «nur gerechtfertigt, wenn
Parteien für den gewaltsamen Umsturz der demokratischen Ordnung
eintreten».
Dass sich die türkische Justiz überhaupt mit einem Verbot der
AKP befasse, offenbare «einen Systemfehler in der türkischen
Verfassung, der möglicherweise eine Verfassungsänderung
erfordert», erklärte Rehn. Die Türkei müsse
«alle ihre Energie auf die Reformen konzentrieren, die dem
türkischen Volk nutzen und die Integration der Türkei in die
EU voranbringen».
Das oberste türkische Gericht hat bereits 1998 und 2001 Parteien
verboten - die Wohlfahrtspartei und die Tugendpartei, die als radikalere
Vorgänger der AKP gelten. Im Fall eines Verbots der AKP
könnten die Abgeordneten sich unter dem Banner einer
neugegründeten Partei wieder versammeln. Sollte ein Berufsverbot
für einzelne Regierungspolitiker beschlossen werden, ist indes
unklar, ob sie weiterhin im Amt bleiben könnten.
(Quelle: ap)
Jahresteuerung in Euro-Zone klettert im März auf Rekordniveau
Di.01.04.08 - Die Lebenshaltungskosten in der Euro-Zone sind im März so
kräftig gestiegen wie noch nie.
Die Verbraucherpreise kletterten um 3,5 Prozent zum Vorjahresmonat, wie
das Europäische Statistikamt (Eurostat) am Montag auf Basis einer
ersten Schätzung mitteilte. Im Januar und Februar hatte die
Jahresteuerung noch bei 3,3 Prozent gelegen. Mit diesem Niveau hatten
von Reuters befragte Volkswirte im Schnitt auch für März
gerechnet.
Details zur Preisentwicklung nennt Eurostat erst bei Vorlage der
endgültigen Zahlen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht
nur bei einer Teuerung von knapp unter zwei Prozent mittelfristig
Preisstabilität gewährleistet. In Deutschland hatte sich die
Lebenshaltung nach vorläufigen Daten im März um 3,1 Prozent
verteuert.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Staashaushalt mit kräftigem Finanzierungsüberschuss 2007
Di.01.04.08 - Die staatlichen Kassen haben 2007 erstmals seit vielen Jahren wieder
einen Finanzierungsüberschuss aufgewiesen.
Er betrug 10,9 Milliarden Euro erreichte, wie das Statistische
Bundesamt nach vorläufigen Angaben am Montag mitteilte. 2006 hatten
Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen noch ein Minus von
18,7 Milliarden Euro verbucht. Im vergangenen Jahr stiegen die
Einnahmen um 3,4 Prozent auf 1026,4 Milliarden Euro. Die Ausgaben legten
um 0,4 Prozent auf 1016,3 Milliarden Euro zu.
Diese Zahlen spiegeln die Zahlungsbewegungen während des
vergangenen Jahres in den Kassen wieder, nicht aber alle für den
Haushalt 2007 relevanten Geldströme. Nach diesem letzten Ansatz
wurde im vergangenen Jahr erstmals seit 1989 ein Überschuss von
rund 200 Millionen Euro erzielt.
Unter den einzelnen Bereichen des Staatshaushalts wiesen dem Amt
zufolge lediglich die Kassen des Bundes mit 15,6 Milliarden Euro ein
Minus auf. Zu der insgesamt günstigen Entwicklung trugen vor allem
Steuern und steuerähnliche Abgaben bei, die um 3,6 Prozent auf
913,4 Milliarden Euro wuchsen. Mit 23,4 Prozent weitaus stärker
erhöhten sich aber die Einnahmen aus wirtschaftlicher
Tätigkeit, die 27,9 Milliarden Euro erreichen. Aus
Beteiligungsverkäufen wurde mit 12,3 Milliarden Euro 4,1 Milliarden
Euro mehr erlöst als im Jahr zuvor. Die Personalausgaben blieben
mit einem Anstieg von 0,1 Prozent fast stabil. Für soziale Aufgaben
musste sogar 1,9 Prozent weniger aufgewendet werden. Dagegen nahmen die
Sachinvestitionen um 0,9 Prozent auf 33,7 Milliarden Euro zu. Die
Ausgaben für Zinsen stiegen sogar um 1,9 Prozent auf.
Die Schuldenaufnahme des Staates am Kreditmarkt belief sich den Zahlen
zufolge 2007 auf 301,4 Milliarden Euro brutto. Dem standen Tilgungen von
292,7 Milliarden Euro gegenüber. Ende des Jahres stand die
Schuldensumme der öffentlichen Haushalte damit bei 1499,5 (Vorjahr
1495,7) Milliarden Euro. Hinzu kamen noch kurzfristige
Kassenverstärkungskredite zur Finanzierung vorübergehender
Liquiditätsengpässe mit einem Stand von 50,5 (Vorjahr 47,2)
Milliarden Euro am 31. Dezember 2007.
(Quelle: rtr)
Tarifstreit im öffentlichen Dienst offenbar beigelegt
Di.01.04.08 - Praktisch in letzter Minute ist im öffentlichen Dienst ein
bundesweiter Streik abgewendet worden: Nach monatelangen Verhandlungen
einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften am Montag in Potsdam auf
deutlich höhere Gehälter. Dafür muss ein Teil der
Beschäftigten länger arbeiten.
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich
zufrieden, dass Bürgern und Wirtschaft ein Arbeitskampf erspart
bleibe. Die Beschäftigten hätten nun einen «fairen
Anteil an der guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung».
Allerdings kommen in vielen Kommunen nun auf die Bürger
möglicherweise höhere Gebühren zu.
Die Bezüge für die 1,3 Millionen Beschäftigten von Bund
und Kommunen steigen in diesem Jahr um 3,1 Prozent. Zudem wird ein
Sockelbetrag von 50 Euro aufs Gehalt aufgeschlagen. Im Westen gilt die
Erhöhung rückwirkend zum 1. Januar, im Osten vom 1. April an.
Am 1. Januar 2009 steigen die Gehälter um weitere 2,8 Prozent.
Außerdem erhalten die Tarifbeschäftigten eine Einmalzahlung
von 225 Euro. Die Anpassung der Ost- an die Westeinkommen wird schneller
vollzogen.
Ursprünglich hatten ver.di und die Tarifunion des Beamtenbundes
dbb acht Prozent, mindestens aber 200 Euro im Monat, gefordert. Die
Verhandlungen im Januar begonnenen Verhandlungen standen nach dem
Verfehlen einer einvernehmlichen Lösung im Schlichtungsverfahren am
Rande des Scheiterns.
Der Abschluss gilt neben dem unmittelbaren öffentlichen Dienst
noch für rund 900 000 Angestellte in kommunalen Betrieben wie
Krankenhäuser, Nahverkehr- oder Versorgungsunternehmen. Die
angespannte Lage in vielen Kliniken berücksichtigt der Abschluss
mit einer geringeren Steigerung 2008. Nicht betroffen sind die 790 000
Angestellten der Länder, für die seit 2006 ein eigener
Tarifvertrag gilt.
Bei der bis zuletzt strittigen Frage der Arbeitszeit einigten sich die
Tarifpartner auf eine Anhebung von 38,5 auf 39 Stunden. Dies betrifft
aber nur die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland- Pfalz
und Saarland, da in allen anderen und beim Bund schon jetzt länger
gearbeitet wird. Im Osten bleibt die 40-Stunden-Woche bestehen, die die
Arbeitgeber ursprünglich für alle einführen wollten.
Ausgenommen sind die Krankenhäuser. Dort bleibt es bei 38,5 Stunden
- außer in Baden-Württemberg, wo 39 Stunden gelten.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, hob hervor,
erstmals seit Jahren gebe es Reallohnzuwächse. Dies stütze
auch die Binnenkonjunktur. Binnen zweier Jahre komme es zu einer
linearen Anhebung von insgesamt 7,9 Prozent, einschließlich der
beschlossenen Einmalzahlungen im Schnitt von 8,9 Prozent. Die
beschlossenen Arbeitszeitverlängerungen seien schmerzlich, aber
moderat, sagte Bsirske. «Der Dammbruch ist verhindert
worden.»
Von der Bundestarifkommission wurde der Tarifkompromiss laut Bsirske
mit 64 gegen 25 Stimmen angenommen. Auch die Tarifkommission der
Tarifunion des Beamtenbundes stimmte zu. Bsirske will nun in den
kommenden zehn Tagen die ver.di-Mitglieder befragen, um damit auch der
hohen Mobilisierung während des Tarifkonflikts Rechnung zu tragen.
Bsirske geht davon aus, dass er die Zustimmung seiner Mitglieder
erhält, anderenfalls wäre der Abschluss fraglich.
Widerstand gegen den Abschluss gab es in den Reihen der kommunalen
Arbeitgeber. Deren Vertreter aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und
Sachsen stimmten nicht zu. Alle drei hätten sich wegen der hohen
Kosten enthalten, sagte der Magdeburger
Verbandsgeschäftsführer Detlev Lehmann dem Radiosender MDR
Info. Der Präsident der Vereinigung der kommunalen
Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle, nannte den Abschluss, der
die Kommunen 9,5 Milliarden Euro koste, schmerzlich. In unteren
Tarifgruppen komme es zu überproportionalen Verteuerungen. Das
betreffe insbesondere Krankenhäuser und den Nahverkehr. Der
Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte vor einer Welle von
Gebühren- und Beitragsanhebungen. Vielen Kommunen werde nichts
anderes übrig bleiben, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd
Landsberg der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag).
Schäuble kündigte an, den Tarifabschluss auch auf die
Bundesbeamten zu übertragen. Dies brauche aber noch Zeit. Der
dbb-Vorsitzende Peter Heesen forderte in der «Berliner
Zeitung» (Dienstag): «Der Tarifkompromiss muss zeit- und
inhaltsgleich auf die Beamten übertragen werden.»
(Quelle: dpa)
Erste Post-Warnstreiks -- Briefe und Pakete bleiben in vielen Orten in
Depots
Di.01.04.08 - Wegen Streiks bei der Deutschen Post werden heute Millionen Briefe und
etliche Pakete in mehreren Ballungszentren nicht ausgeliefert. Betroffen
sind unter anderem Nordrhein-Westfalen mit den Städten Köln,
Essen und Bonn sowie die Großräume Frankfurt am Main und
München. Die Gewerkschaft ver.di will mit den Aktionen unter
anderem erreichen, dass das Staatsunternehmen bis Mitte 2011 auf
betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Die Tarifparteien
verhandeln in der kommenden Woche wieder.
Ver.di geht nach eigenen Angaben davon aus, dass allein in
Nordrhein-Westfalen 500.000 Brief- und 15.000 Paketsendungen betroffen
sind. Im Großraum Frankfurt soll sich die Auslieferung von 65
Prozent der Sendungen um mindestens einen Tag verzögern. Betroffen
sind 420.000 Briefe und 24.000 Pakete, wie die Gewerkschaft mitteilte.
Im Großraum München soll die Briefzustellung fast komplett
ausfallen. Postkunden müssen sich nach Gewerkschaftsangaben auch in
den kommenden Tagen immer darauf einstellen, dass kein Briefträger
vorbeikommt.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Vertagung der
Tarifverhandlungen für die 130.000 Tarifbeschäftigten der
Deutschen Post am Wochenende. Die Gespräche über
Beschäftigungssicherung und Arbeitszeit sollen erst am 9. April
fortgesetzt werden. Ver.di will den Ausschluss betriebsbedingter
Kündigungen bis zum 30. Juni 2011 verlängern. Der Tarifvertrag
lief am Montag aus.
(Quelle: ap)
Sieben weitere Branchen wollen Mindestlohn
Di.01.04.08 - In sieben weiteren Branchen sollen Mindestlöhne eingeführt
werden. Das teilte Arbeitsminister Olaf Scholz kurz vor Ende der
Anmeldefrist in Berlin mit. Er ging davon aus, dass noch eine achte
Branche die Aufnahme ins Entsendegesetz beantragt, um so zu
verbindlichen Lohnuntergrenzen zu kommen. Dem Vernehmen nach soll es
sich um die Entsorgungswirtschaft handeln. Scholz sprach von einem
«gigantischen politischen Erfolg». Union und Arbeitgeber
werteten die Strategie der SPD dagegen als gescheitert.
(Quelle: dpa)
SPD will beim Mindestlohn nicht nachgeben
Di.01.04.08 - Die SPD will weiter für gesetzliche Mindestlöhne
kämpfen. Mehrere Spitzenpolitiker betonten am Montag,
Lohnuntergrenzen seien unabdingbar, auch wenn zunächst nur wenige
Branchen von sich aus Interesse bekundet haben.
SPD-Vorstandsmitglied Ursula Engelen-Kefer sprach von sechs
Wirtschaftszweigen, die über das Entsendegesetz eine
Lohnuntergrenze festschreiben lassen wollen. Wichtig sei, dass dies die
Zeitarbeitsbranche einschließe, die stark wachse und wo zum Teil
Dumpinglöhne gezahlt würden, sagte Engelen-Kefer.
Nun müsse zunächst für diese Branchen die
Mindestlöhne für allgemein verbindlich erklärt werden.
«Ich erwarte, dass die Union dazu steht», sagte
Engelen-Kefer.
Die SPD zielt aber weiter auf Mindestlöhne für alle, wie
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit deutlich machte.
«Der Mindestlohn muss kommen und ich bin der festen
Überzeugung, er wird kommen», sagte er. Wenn dies mit der
Union in dieser Legislaturperiode nicht durchsetzbar sei, dann
«wird das trotzdem ein aktuelles Thema bleiben».
Dass sich zunächst nur einige Branchen dafür interessieren,
erklärte Wowereit mit mangelnder Durchsetzungsfähigkeit der
Gewerkschaften. «Dann muss eben der Staat eingreifen», sagte
er.
Auch der thüringische SPD-Landeschef Christoph Matschie sagte,
dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Frage nur in wenigen
Branchen einig seien, ändere nichts am Bedarf. «Die
Notwendigkeit für Mindestlöhne besteht weiterhin», sagte
Matschie. Stundenlöhne von 3,50 Euro seien auf Dauer nicht
hinnehmbar.
Gestern endete eine von der Koalition vereinbarte Frist: Bis zum
31. März sollten sich die Branchen melden, die ihre
Tarifvereinbarungen über das Entsendegesetz für allgemein
verbindlich erklären lassen wollen.
(Quelle: ap)
SPD-Flügel bekräftigen Differenzen bei Bahn-Privatisierung
Di.01.04.08 - Kurz vor der ersten Sitzung der SPD-Arbeitsgruppe zur
Bahn-Privatisierung haben die Parteiflügel ihre unterschiedlichen
Auffassungen bekräftigt.
Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Klaas Hübner,
verteidigte am Montag im Deutschlandfunk den Börsengang eines Teils
des Unternehmens. Zwar müsse das Schienennetz im Besitz des Bundes
bleiben. "Das, was auf den Schienen passiert", könne aber
privatisiert werden. Dabei sprach er sich gegen das Volksaktienmodell
aus, dass die Vergabe von Vorzugsaktien ohne Stimmrechte vorsieht. Diese
könnten am Kapitalmarkt nur mit Abschlägen verkauft werden und
damit den Erlös schmälern. "Insofern glaube ich, dass eine
Vorzugsaktie kein richtig guter Weg ist." Wichtig sei eine breite
Streuung der Aktien.
Der der SPD-Linken zugerechnete Herrmann Scheer, der das
Volksaktien-Modell mit entwickelt hat, sagte in der ARD, statt eines
Teil-Börsenganges wäre auch eine Anleihe zur Beschaffung des
für Investitionen benötigten Kapitals möglich. Ein
privater Investor würde auf eine hohe Rendite drängen und
beispielsweise die Schließung unrentabler Strecken fordern, was
aber nicht dem öffentlichen Auftrag der Bahn entspreche.
Am Montagabend sollte die SPD-Arbeitsgruppe zur Bahn-Privatisierung zu
ihrer Auftaktsitzung zusammenkommen. Der Parteivorsitzende Kurt Beck
hatte die Bahn-Privatisierung zur Chefsache gemacht und strebt Ende
April ein Ergebnis an.
(Quelle: rtr)
CSU: Seehofer wirft Huber und Beckstein Perspektivlosigkeit vor
Di.01.04.08 - Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat Parteichef
Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein
Perspektivlosigkeit vorgeworfen. «Wir dürfen nicht den
Eindruck erwecken, als bestünde der Kern unserer Politik in der
Korrektur der Vergangenheit», wird Seehofer in der Zeitung
«Die Welt» zitiert. Als Beispiele nannte er Korrekturen beim
Rauchverbot und bei der Pendlerpauschale. Bis zur Landtagswahl im
Herbst brauche die CSU eine Zukunftsperspektive.
Nach Seehofers Vorstellungen soll sich die CSU-Politik an dem
Innovationsprogramm orientieren, das der ehemalige
Ministerpräsident Edmund Stoiber in seinen letzten Amtsmonaten
angestoßen hat. «Investitionen in Bildung und Kinder sind
ein Megathema», sagte Seehofer. Überhaupt könne seine
Partei im Wahlkampf auf Stoiber nicht verzichten. «Ein politisches
Kaliber wie Edmund Stoiber werden wir in den nächsten Monaten
brauchen. Er hat eine Menge Erfahrung und wird noch manches Bierzelt
füllen.»
CSU-Chef Huber sagte der «Süddeutschen Zeitung»
zufolge, Stoibers Erfahrung sei «für uns wertvoll und
willkommen». Ob der frühere Ministerpräsident nach
einmal für den Landtag kandidiere, sei seine persönliche
Entscheidung, betonte Huber.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Ärzte entdecken neue Behandlungsmethode für Mukoviszidose
Di.01.04.08 - Deutsche Ärzte haben eine neue Behandlungsmethode für
Patienten der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose entdeckt. Wie die
Fachzeitschrift "Nature Medicine" berichtet, kann ein in Antidepressiva
enthaltener Wirkstoff das Risiko von Infektionskrankheiten bei
Mukoviszidose-Patienten verringern. Demnach hemmt der Wirkstoff
Amitriptylin die Konzentration hauteigener Fettstoffe (Ceramide) in der
Lunge. Ein zu hoher Anteil an Ceramid-Molekülen beschleunigt das
Sterben von Lungenzellen, führt zu Entzündungen und
begünstigt Infektionskrankheiten - die häufigste Todesursache
von Betroffenen der unheilbare Stoffwechselkrankheit.
Amitriptylin könnte eine "neue und wichtige Strategie" werden, um
Infektionen bei Mukoviszidose-Patienten zu verhindern, schreibt das
Forscherteam um Professor Erich Gulbins von der Uniklinik Essen in
"Nature Medicine". Die Medikamente müssten allerdings vorsichtig
angewendet werden, da Ceramide wegen ihrer Bedeutung für die
Zellerhaltung nicht vollständig eleminiert werden dürften.
Mukoviszidose wird durch einen Genfehler hervorgerufen und tritt nur
auf, wenn beide Eltern die Anlage vererben. Den Betroffenen fehlt im
Bauplan ihrer Zellen ein Gen, das der Körper braucht, um den
Schleim im Darm und in den Lungenbläschen flüssig zu halten.
Die Patienten leiden unter Atemnot und sind empfindlich für
Infektionskrankheiten. Etwa 80.000 Menschen sind in Europa und
Nordamerika Schätzungen zufolge von der Krankheit betroffen.
(Quelle: afp)
Computer & Cyberspace
Computer-Club veröffentlicht Schäubles Fingerabdruck -
Innenminister: 'Ich habe nichts zu befürchten'
Di.01.04.08 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat gelassen auf die
Veröffentlichung seines Fingerabdrucks reagiert. Die Aktion des
Chaos Computer Clubs habe ihn «kalt gelassen», sagte der
CDU-Politiker am Sonntag «Zeit online». Sein Fingerabdruck
sei kein Geheimnis, den könne jeder haben. «Ich habe nichts
zu befürchten.» Sein Ministerium kündigte gleichwohl an,
rechtliche Schritte gegen den CCC zu prüfen.
Der Chaos Computer Club hatte den Abdruck des rechten Zeigefingers des
Ministers von einem Wasserglas abgenommen und in seiner Publikation
«Datenschleuder» am Wochenende veröffentlicht. Er will
damit auf die zunehmenden Eingriffe des Staates in Bürgerrechte
aufmerksam machen und hofft, eine neue Debatte über
Fingerabdrücke in Reisepässen und Personalausweisen
anstoßen.
«Wir wollen die Debatte über die biometrische Vollerfassung
jedes Bürgers greifbarer machen», erklärte CCC-Sprecher
Dirk Engling. Der Verein will in einer Art Sammelalbum nun weitere
Fingerabdrücke «schnüffelfreudiger Politiker»
publizieren. Ein Sympathisant des CCC hatte Schäubles Fingerabdruck
gesichert; er war auf einer öffentlichen Veranstaltung an ein Glas
gelangt, aus dem der Minister getrunken hatte.
Dem Magazin «Datenschleuder» liegt laut CCC eine fertige
Attrappe des Fingerabdrucks auf einer Folie bei, die man sich auf die
Fingerkuppe kleben kann. So könne man praktisch alle üblichen
Fingerabdruck-Biometriesysteme überlisten, erklärte Engling.
«Die Verwendung von Fingerabdrücken zur Identifizierung von
Bürgern ist ein technischer und sicherheitspolitischer Irrweg, der
so schnell wie möglich beendet werden muss», sagte er. Der
Bundestag müsse das «Experiment» mit gespeicherten
Fingerabdrücken im Pass schleunigst beerdigen.
Fingerabdruck-Biometrie sei nicht so sicher, wie die Politik beteuere.
(Quelle: afp)