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Irak am 1472sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Irakische Regierungstruppen stoßen in Hochburg der Mahdi-Miliz in
Basra vor. Folter bei Verhören zu Irak-Kriegsbeginn
ausdrücklich gestattet
Do.03.04.08 - Irakische Regierungstruppen haben am Mittwoch einen Vorstoß in
die Hochburg der schiitischen Mahdi-Miliz in Basra unternommen. Die
gemeinsame Aktion von Militär- und Polizeikräften steht unter
dem Kommando von Generalleutnant Mohan al Firedschi. Der Konvoi drang
in den Bezirk Hajanijah vor. Die Truppen schossen als eine
Demonstration von Stärke die Luft.
Ein Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, Sami al Askari,
hatte vor kurzem angekündigt, dass der Militäreinsatz in
Basra noch in dieser Woche beendet werden soll. Ein Großteil der
Stadt sei nunmehr unter Kontrolle gebracht. In dem Zentrum der
irakischen Ölindustrie lieferten sich irakische Soldaten und
Polizisten seit Tagen Gefechte mit der Mahdi-Miliz von Muktada al Sadr.
Seit Beginn der Offensive am vergangenen Dienstag kamen landesweit
mindestens 400 Menschen ums Leben.
Das US-Justizministerium hat zu Beginn des Irak-Kriegs harte
Verhörmethoden von Terrorverdächtigen ausdrücklich
gestattet. Die Macht des US-Präsidenten als Oberkommandierender in
Kriegszeiten dürfe nicht von UN-Vereinbarungen gegen Folter
eingeschränkt werden, heißt es in einem Memorandum vom 14.
März 2003, das am Dienstagabend vom Verteidigungsministerium
veröffentlicht wurde. Die Ermittler dürften es lediglich nicht
gezielt darauf anlegen, ihre Gefangenen zu quälen.
«Unsere bisherigen Interpretationen stellen klar, dass das
Völkerrecht kein Bundesrecht ist und dass der Präsident freie
Hand hat, ersteres nach seinem Dafürhalten außer Kraft zu
setzten», schrieb John Yoo, seinerzeit stellvertretender
Justizminister. Dementsprechend wird Unterstützung für jeden
Ermittler zugesagt, der vielleicht später wegen
Gesetzesverstößen angeklagt werden könnte. Selbst wenn
Grenzen überschritten werden sollten, «könnte die
Notwendigkeit der Selbstverteidigung als Rechtfertigung gegen
strafrechtliche Verfolgung dienen».
Das Memorandum wurde im Dezember 2003 wieder zurückgezogen. Sein
Inhalt war eigentlich schon lange bekannt, doch bislang gab es keine
offizielle Veröffentlichung. Diese steht im Zusammenhang mit einer
Klage der Amerikanischen Union für Bürgerrechte (ACLU), die
von der Regierung die Aushändigung von Dokumenten über deren
Anti-Terror-Krieg verlangt hat.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 03.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundachten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Opposition gewinnt Parlamentswahl in Simbabwe -- Mugabes Partei
verliert Mehrheit im Parlament
Do.03.04.08 - Nach fast 30 Jahren an der Macht hat in Simbabwe die Partei von
Staatschef Robert Mugabe die Mehrheit im Parlament verloren.
Die Opposition erklärte sich am Mittwoch zugleich zur Siegerin der
Präsidentenwahl. Erstmals signalisierte sie jedoch die
Bereitschaft zu einer Stichwahl ihres Spitzenkandidaten Morgan
Tsvangirai gegen den international umstrittenen Mugabe.
Die Opposition eroberte 105 von 210 Sitzen im Parlament, Mugabes Partei
Zanu-PF 94, wie die Wahlkommission am vierten Tag nach der Abstimmung
mitteilte. Zum Ausgang der Präsidentenwahl machte sie weiterhin
keine Angaben. Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel
(MDC) teilte mit, der Oppositionschef habe am Samstag 50,3 Prozent der
Stimmen erhalten bei 43,8 Prozent für Mugabe. Sie berief sich
dabei auf eigene Zählungen vor den Wahllokalen.
MDC-Generalsekretär Tendai Biti forderte den seit der
Unabhängigkeit 1980 regierenden Mugabe auf, seine Niederlage
einzugestehen und weitere Peinlichkeiten zu vermeiden. In der Region
wächst die Sorge, das südafrikanische Land werde wie Kenia
nach der Wahl im Januar in Gewalt und Aufruhr abrutschen, wenn sich die
Opposition um ihren Sieg betrogen sieht. Das Nachbarland Sambia
erklärte, es beobachte die Entwicklung mit großer
Aufmerksamkeit und halte seine Sicherheitskräfte bereit.
Die Verzögerungen bei der Auszählung haben den Verdacht
geschürt, die Regierung fälsche die Ergebnisse. Wegen der
weit verbreiteten Unzufriedenheit über die extrem schlechten
Lebensverhältnisse könne sich Mugabe dies aber nur um den
Preis schwerer Unruhen leisten, sagten Beobachter.
Biti erklärte, die Mehrheit von 50,3 Prozent reiche für einen
direkten Einzug Tsvangirais ins Präsidentenamt aus, die Opposition
sei aber "unter Protest" zu einer Stichwahl in drei Wochen bereit. Die
Regierung wies die Äußerungen als "Wunschdenken" zurück
und dementierte Spekulationen, Mugabe habe das Land verlassen. Der
Präsident lasse sich von niemandem unter Druck setzen, sagte
Regierungssprecher Bright Matonga dem britischen Sender Sky Television.
"Niemand in der Umgebung Präsident Mugabes ist in Panik
ausgebrochen. Die Armee steht sicher hinter unserem Präsident, die
Polizei ebenso."
Das einst blühende Simbabwe leidet unter einer Hyperinflation von
100.000 Prozent, einem Mangel an Lebensmitteln und Treibstoff sowie
unter einer Aids- und HIV- Epidemie, die die Lebenserwartung nach unten
gedrückt hat. Der "Herald" berichtete, die Regierung habe
Steuererleichterungen beschlossen, um die Folgen der Teuerung zu
mildern. Die Erhöhung des Steuerbefreibetrags auf 300 Millionen
Simbabwe-Dollar - auf dem Schwarzmarkt entspricht das 7,50 US-Dollar -
wird allgemein als Wahlgeschenk zum zweiten Durchgang betrachtet.
(Quelle: rtr)
China liefert IAEA Informationen über iranisches Atomprogramm
Do.03.04.08 - China hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
Geheimdienstinformationen über das iranische Atomprogramm
geliefert. Dies teilten zwei ranghohe Diplomaten, die mit den
Untersuchungen der IAEA zum iranischen Atomprogramm vertraut sind, am
Mittwoch der Nachrichtenagentur AP mit. Demnach haben auch andere
Staaten, die wie China eher kritisch zur Sanktionspolitik der USA
stehen, in jüngster Zeit der IAEA Informationen über das
Teheraner Nuklearprogramm geliefert.
Die IAEA wollte sich dazu nicht äußeren. Auch von den
Botschaften Chinas und des Irans am Sitz der IAEA in Wien war keine
Stellungnahme zu erhalten.
Gemeinsam mit Russland hat China im Weltsicherheitsrat wiederholt
scharfe internationale Sanktionen gegen den Iran verhindert. Dass nun
China die IAEA aktiv bei der Untersuchung des iranischen Atomprogramms
unterstützt, wird von politischen Beobachtern als Hinweis auf eine
zunehmende Unzufriedenheit Pekings mit dem Iran gedeutet.
Nach iranischer Darstellung dient das Atomprogramm ausschließlich
friedlichen Zwecken. Die USA und andere Staaten werfen dem Iran
hingegen vor, ein geheimes Programm zum Bau einer Atombombe zu
verfolgen.
(Quelle: ap)
Unruhen von Muslimen in China ausgebrochen
Do.03.04.08 - Nach den Unruhen in Tibet sind in Nordwestchina auch Proteste von
Muslimen ausgebrochen. Die chinesische Polizei löste einen Protest
von «Separatisten» in der vornehmlich von Uiguren bewohnten
Stadt Hetian in der Region Xinjiang auf.
Eine kleine Gruppe von Unruhestiftern habe versucht, die Massen
aufzustacheln, teilte die Stadtregierung mit. «Es war nur ein
Komplott und wurde sofort beendet», sagte ein örtlicher
Parteifunktionär telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in
Peking. Augenzeugen berichteten dem US-Sender Radio Free Asia (RFA) von
hunderten Teilnehmern. Auch sollen Hunderte festgenommen worden sein.
In dem Tauziehen um die seit drei Wochen andauernden Proteste der
Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft drängten die USA die
kommunistische Führung in Peking zu einer friedlichen Beilegung
des Konflikts. Als erstes Regierungsmitglied seit Ausbruch der Unruhen
kam Finanzminister Henry Paulson zu Wirtschaftsgesprächen nach
China. Nach Gesprächen mit Staats- und Parteichef Hu Jintao und
Vizepremier Wang Qishan sagte Paulson vor Journalisten: «Ich habe
unsere Sorgen über die Gewalt zum Ausdruck gebracht und zu einer
friedlichen Lösung durch Dialog aufgefordert.»
Neben Tibet ist Xinjiang eine weitere Unruheregion Chinas. Wie die
Tibeter lehnen sich die Uiguren gegen die chinesische Herrschaft auf.
Das Turkvolk beklagt kulturelle und religiöse Unterdrückung.
Wie RFA berichtete, seien die Proteste in Hetian schon am 23. März
auf dem traditionellen Sonntagsmarkt ausgebrochen, aber erst jetzt
bekanntgeworden. Auslöser sei der Tod eines wohlhabenden
uigurischen Geschäftsmannes in Polizeigewahrsam gewesen, der nach
offiziellen Angaben angeblich einem Herzanfall erlegen sein soll. In
dem nahe gelegenen Kreis Mayu seien ebenfalls Proteste ausgebrochen.
Die Stadtregierung machte die «drei bösen
Kräfte», wie «Separatismus, Terrorismus und
Extremismus» umschrieben werden, für die Proteste
verantwortlich. Auf die Frage nach Festnahmen sagte der Funktionär
im Parteibüro von Hetian lediglich: «Einige Leute sind
über den Zwischenfall befragt worden.» China hatte sich das
frühere Ostturkestan nach der Gründung der Volksrepublik 1949
- ähnlich wie Tibet - als autonome Region einverleibt.
Exil-Uiguren fordern eine Wiederherstellung der Ostturkestanischen
Republik.
In Nepal gingen die Proteste von Exiltibetern vor der chinesischen
Botschaft in Kathmandu weiter. Die Polizei löste eine
Demonstration auf und nahm rund 35 Menschen fest. Nepals Behörden
gerieten wegen ihres Umgangs mit den Exil-Tibetern in die Kritik.
Amnesty International und Human Rights Watch äußerten in
einem Brief an Premierminister Girija Prasad Koirala ihre Sorge, dass
ihnen das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit verweigert
werde. Seit Beginn der Proteste am 10. März wurden in Nepal laut
Menschenrechtsgruppen mehr als 1500 Menschen festgenommen.
Als Reaktion auf das Vorgehen Chinas in Tibet sollte US-Präsident
George W. Bush nach Meinung von 15 Abgeordneten des
US-Repräsentantenhauses den Olympischen Spielen in Peking
fernbleiben.
(Quelle: dpa)
US-Notenbankchef schließt Rezession nicht mehr aus
Do.03.04.08 - US-Notenbankchef Ben Bernanke schließt ein Abrutschen der
Vereinigten Staaten in eine Rezession nicht mehr aus.
Wahrscheinlich werde es im ersten Halbjahr kaum Wachstum geben,
möglicherweise sogar ein leichtes Schrumpfen, sagte Bernanke am
Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des Kongresses in Washington. In
der zweiten Jahreshälfte werde es aber wieder aufwärtsgehen.
Die aggressiven Zinssenkungen und die Liquiditätsspritzen der
Federal Reserve sowie das Konjunkturpaket der Regierung trügen
dazu bei, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.
Eine Rezession sei noch nicht ausgemachte Sache, und die Notenbank gehe
davon aus, dass die Wirtschaft derzeit noch leicht wachse, sagte
Bernanke. Allerdings hätten sich die Aussichten für die
größte Volkswirtschaft der Welt seit dem düsteren
Ausblick der Fed im Januar weiter eingetrübt. Der
Wirtschaftsausblick sei sehr unsicher, ebenso blieben aber auch die
unsicheren Aussichten für die Inflation ein Grund zur Sorge. "Was
die langfristigen Aussichten für unsere Wirtschaft angeht, bleibe
ich zuversichtlich", sagte der Fed-Chef.
Die US-Wirtschaft ist im Zuge der Immobilien- und Hypothekenkrise in
einen Abwärtssog geraten. Im Kampf gegen den Abschwung hat die
Notenbank den Leitzins seit September massiv um drei Prozentpunkte auf
2,25 Prozent gesenkt und sich die Tür für weitere Kappungen
offengelassen.
Schlüssel zur Erholung sei der Immobilienmarkt, erklärte
Bernanke. Die Erholung dort werde den Zeitrahmen für einen
Konjunkturaufschwung bestimmen. Die Maßnahmen der Fed hätten
bereits Wirkung gezeigt. Zwar seien die Finanzmärkte weiter
beträchtlichen Belastungen ausgesetzt. Doch hätten die
Kapitalspritzen der Notenbanken für etwas Linderung gesorgt. Auch
habe der Finanzierungsdruck bei den großen Finanzinstituten
nachgelassen und auf dem Hypothekenmarkt stehe wieder mehr Geld zur
Verfügung.
Vor diesem Hintergrund rechtfertigte Bernanke auch die
Rettungsmaßnahmen für die in Schieflage geratene
Investmentbank Bear Stearns, die nun von dem Rivalen JPMorgan Chase
übernommen wird. Ein plötzlicher Zusammenbruch von Bear
Stearns hätte chaotische Folgen am Markt gehabt, die nur schwer
einzudämmen gewesen seien. Er hoffe und erwarte, dass sich ein
solcher Fall nicht wiederholen werde. Die Zukunft sei aber ungewiss.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet nach einem vorab
an die Presse gelangten Prognose, dass die größte
Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession rutscht. Die IWF-Experten
rechnen demnach damit, dass sie mindestens zwei Monate schrumpfen und
im Gesamtjahr nur noch um 0,5 Prozent zulegen wird. US-Finanzminister
Henry Paulson hält die Vorhersage allerdings für zu
pessimistisch. Er nannte die Prognose bei einem China-Besuch
überzogen.
Einen Hoffnungsschimmer für die US-Wirtschaft bietet eine Erhebung
der privaten Arbeitsagentur ADP, wonach die Zahl der neuen Jobs in der
Privatwirtschaft im März überraschend um 8000 zugenommen hat.
Experten hatten im Schnitt mit einem Minus von 48.000 Jobs gerechnet,
und im Februar waren noch 18.000 Jobs abgebaut worden. Die ADP-Umfrage
wird von Fachleuten mit Spannung verfolgt, weil sie stets kurz vor den
offiziellen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wird. Für den am
Freitag anstehenden März-Arbeitsmarktbericht sind die Experten
pessimistisch. Sie erwarten im Durchschnitt, dass außerhalb der
Landwirtschaft 60.000 Stellen weggefallen sind.
(Quelle: rtr)
Weltbank-Chef warnt vor Krise wegen teurer Nahrungsmittel
Do.03.04.08 - Weltbank-Chef Robert Zoellick hat zu einem internationalem Kampf gegen
die rasanten Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln aufgerufen.
Die Entwicklung sei mitverantwortlich für Hungersnöte und
Unterernährung weltweit, sagte Zoellick am Mittwoch in einer Rede
in Washington.
"Wir brauchen einen neuen Ansatz in der internationalen
Ernährungspolitik", sagte er eine Woche vor dem
Frühjahrstreffen von Weltbank und Internationalem
Währungsfonds. "Dieser neue Ansatz darf sich nicht nur auf die
Fragen von Hunger und Unterernährung konzentrieren, auf den Zugang
zu Lebensmitteln und die Versorgung damit. Er muss auch die Bezüge
zu den Themen Energie, Ertrag, Klimawandel, Investitionen, die
Marginalisierung von Frauen und anderen Gruppen sowie wirtschaftliche
Flexibilität und Wachstum berücksichtigen."
Zoellick kritisierte zugleich, dass internationale Einschränkungen
beim Handel mit Lebensmitteln vor allem die Armen und die
Landwirtschaft treffen. Gerechtere Bedingungen und ein freierer Handel
würden den Bauern in den Entwicklungsländern mehr Chancen und
Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit geben. Deswegen müsse in
den Welthandelsgesprächen noch in diesem Jahr ein Durchbruch
gelingen und die Doha-Runde gerettet werden.
(Quelle: rtr)
Kroatien und Albanien werden NATO-Mitglieder -- Keine Einigung
über Ukraine und Georgien -- Matzedonien vertagt
Do.03.04.08 - Kroatien und Albanien werden Mitglieder der NATO. Mazedonien muss
weiter warten. Das sagte ein NATO-Sprecher am Mittwochabend beim Gipfel
der Allianz in Bukarest. Die Entscheidung des Bündnisses zum
Beitritt Mazedoniens soll später fallen.
Hintergrund ist ein Streit über den Namen Republik Mazedonien, den
Griechenland nicht anerkennt. Die Regierung in Athen fordert, dass
Mazedonien den Namen ändern, damit es keine Verwechslungen mit der
gleichnamigen nordgriechischen Provinz gibt.
Den Beitritt Kroatiens und Albaniens müssen die 26
Bündnispartner ratifizieren. Das soll bis zum nächsten Gipfel
im Frühjahr 2009 geschehen sein. Die NATO-Staats- und
Regierungschefs haben sich nicht über den von Georgien und der
Ukraine gewünschten raschen Beitritt zum Bündnis einigen
können.
Der griechische Außenamtssprecher Giorgios Koumoutsakos
bekräftigte am Mittwochabend, Athen bleibe im Namensstreit hart:
Griechenland mit der gleichnamigen nordgriechischen Provinz wolle, dass
Mazedonien einen anderen Namen wähle. Die NATO könnte, falls
es bis dahin eine Einigung gibt, bei einem Treffen der
Verteidigungsminister im Oktober oder der Außenminister im
Dezember erneut über den Beitritt Mazedoniens entscheiden.
Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bei Gipfelbeginn den
Widerstand gegen die - vor allem von US-Präsident George W. Bush
und den östlichen NATO-Mitgliedstaaten gewünschten - Aufnahme
Georgiens und der Ukraine in einen «Aktionsplan für die
Mitgliedschaft» in der NATO bekräftigt. «Unstrittig
ist, dass beide Länder eine Perspektive für den Beitritt
haben sollen», sagte sie. Es sei aber «noch zu
früh» für die Entscheidung über den Aktionsplan,
der die letzte Stufe vor dem Beitritt ist.
In der NATO gilt das Prinzip der einstimmigen Beschlüsse. Wie
Deutschland und Frankreich sind auch Spanien und die Niederlande
dagegen, dass die Ukraine und Georgien schon jetzt die letzte Stufe vor
dem Beitritt nehmen dürfen. Als Grund für die Ablehnung
werden die innenpolitischen Krisen der beiden Länder angegeben.
Deshalb werde mit einer Vertagung des Themas auf 2010 gerechnet,
hieß es.
Merkel sagte: «Wir glauben, der Zeitpunkt für den MAP ist
noch nicht erreicht.» Sie machte aber erneut deutlich: «Die
Tür ist offen.» Jetzt müssten die Anstrengungen
für den nächsten Schritt der Ukraine und Georgiens
verstärkt werden.
Mit Blick auf die scharfe Kritik von Russlands Präsident Wladimir
Putin an den Beitrittsplänen betonte Merkel, die
NATO-Mitgliedstaaten entschieden, wer zukünftiges Mitglied werde.
«Das heißt: Nicht andere, zum Beispiel Russland.»
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte,
Rücksicht auf Russland sei «nicht die entscheidende
Frage»: «Es gibt Gründe, die beide mit den internen
Situationen sowohl in der Ukraine als auch in Georgien zu tun
haben.» Zuvor hatte er in einem Interview mit der
«Leipziger Volkszeitung» gesagt, es gebe «keinen
zwingenden Grund», nach dem Konflikt um die Unabhängigkeit
des Kosovos das Verhältnis zur Führung in Moskau weiter zu
belasten.
Bush zeigte sich von den Protesten aus Moskau unbeirrt: «Hier in
Bukarest müssen wir klar machen, dass die NATO das Streben
Georgiens und der Ukraine nach einer NATO-Mitgliedschaft
begrüßt», sagte er bei einer Sicherheitskonferenz in
der rumänischen Hauptstadt vor Beginn des Gipfels, der von etwa 12
000 Polizisten geschützt wird.
Russland warnte erneut vor der Aufnahme der Ukraine und Georgiens.
Moskau werde eine mögliche Osterweiterung nicht unbeantwortet
lassen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Experten
erwarten, dass Moskau nach dem Kosovo-Vorbild die Unabhängigkeit
der abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und
Südossetien anerkennen könnte.
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer erwartet von Putins
Auftritt zum Abschluss des Gipfels an diesem Freitag eine «offene
Haltung». Er verlange von ihm zwar nicht, dass er «bei
Fragen, in denen wir nicht übereinstimmen, schweigsam
bleibt». Würde Putin Verständnis zeige, könnte
dies aber die Beziehungen zwischen Russland und der NATO vertiefen.
Albanien hat nach den Worten von Regierungschef Sali Berisha eine
künftige NATO-Mitgliedschaft «verdient», berichtete
die staatliche Nachrichtenagentur ATA. In den vergangenen 16 Jahren
habe sich die Balkanrepublik aus einem Staat mit Bunkern, Stacheldraht
und «unzähligen Konzentrationslagern» in ein Land der
Demokratie und freien Marktwirtschaft gewandelt.
(Quelle: dpa)
Symbolischer Grenzübergang in Zypern wird geöffnet
Do.03.04.08 - In Zypern wird am Donnerstag ein symbolischer Grenzübergang
geöffnet. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen
erfuhr, soll die Ledra-Straße in der geteilten Hauptstadt Nikosia
am Donnerstagmorgen in beide Richtungen geöffnet werden. Quer
über die Einkaufsstraße in der Altstadt Nikosias
verläuft derzeit noch die sogenannte Grüne Linie, die von der
UNO überwachte Pufferzone zwischen dem griechisch und dem
türkisch dominierten Inselteilen.
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Die politischen Vertreter von Nord- und Südzypern hatten den
festgefahrenen Verhandlungen über die Zukunft der seit 34 Jahren
geteilten Insel vor eineinhalb Wochen neuen Schwung verliehen. Der neue
Präsident der Republik Zypern, Demetris Christofias, und der
Führer der türkischen Nord-Zyprer, Mehmed Ali Talat, hatten
dabei ihre Absicht erklärt, in drei Monaten wieder formelle
Gespräche über eine mögliche Wiedervereinigung
aufzunehmen. Auch die Öffnung der Ledra-Straße war bei diesem
Treffen vereinbart worden.
Zypern ist seit einem Staatsstreich griechisch-zyprischer Nationalisten
und einer anschließenden türkischen Militärintervention
1974 geteilt. Die "Türkische Republik Nordzypern", die 1983
einseitig ihre Unabhängigkeit proklamierte, wird nur von Ankara
anerkannt. Völkerrechtlich ist die ganze Insel seit 2004 Mitglied
der EU, doch findet deren Regelwerk in dem von türkischen Truppen
besetzten Norden keine Anwendung.
(Quelle: afp)
Milder Winter und abflauende Konjunktur - Europäische Industrie
stößt weniger Treibhausgase aus
Do.03.04.08 - Dank eines milden Winters und der zuletzt abflauenden Konjunktur hat
die europäische Industrie 2007 weniger Treibhausgase produziert
als im Jahr zuvor.
Der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids blieb zudem
unter der von der EU erlaubten Menge, wie die EU-Kommission am Mittwoch
auf der Basis vorläufiger Daten mitteilte. Wie erwartet verpuffte
damit der Effekt des Emissionshandels, der den Klimaschutz vorantreiben
soll. Von 2008 an gelten schärfere Quoten, um das Instrument
wirksamer zu machen.
Auch Deutschland produzierte im Rahmen des Emissionshandels im
vergangenen Jahr mit rund 480 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger als
erlaubt. Der größten Volkswirtschaft Europas standen 497
Millionen Tonnen zu. Die beteiligten Unternehmen stießen nach
Angaben des Umweltbundesamtes allerdings rund zwei Prozent mehr
Treibhausgase aus als noch im Jahr davor. Als Hauptgrund nannte die
Behörde, dass die Unternehmen wieder mehr Stein- und Braunkohle
eingesetzt hätten. Auch der bis zum Herbst deutlich spürbare
Aufschwung steuerte dazu bei: Allein die Zementindustrie steigerte ihre
Emissionen als einer der Hauptlieferanten des Baugewerbes um acht
Prozent.
Großbritannien musste weiterhin mehr Emissionszertifikate
zukaufen als jeder andere europäische Staat. Die in den
Emissionshandel aufgenommenen Branchen produzierten den EU-Daten
zufolge 250 Millionen Tonnen Kohlendioxid und damit rund 35 Millionen
Tonnen mehr als 2007 zugeteilt. Der Liste zufolge blieb der
Ausstoß aber europaweit - ohne Bulgarien und Rumänien - um
sieben Prozent unter der Vorjahresmenge und um 28 Millionen Tonnen
unter der Gesamt-Quote.
Im Emissionshandel bekommen Industrie und Energieversorger
Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte zugeteilt, die europaweit gehandelt
werden können. Fehlende Zertifikate müssen nachgekauft,
überschüssige können verkauft werden. Das System soll
einen Anreiz schaffen, Treibhausgase zu reduzieren, und gilt als
zentrales Mittel der EU, ihre Klimaschutzziele zu erreichen. 2007 war
das letzte Jahr der ersten Handelsperiode seit 2005.
In der nächsten Phase von 2008 bis 2012 gelten geringere Quoten
und es werden weniger Zertifikate kostenlos verteilt. Dies soll
Umweltschutzmaßnahmen attraktiver machen. Während die
Zertifikate für 2007 zuletzt weniger als ein Euro kosteten, legten
Verschmutzungsrechte für 2008 am Mittwoch um 48 Cent auf 23 Euro
zu. Experten rechnen kurzfristig mit einer Verteuerung auf 25 bis 35
Euro, die sich auf die Energiepreise für Privatkunden wie
Industrie niederschlagen dürfte.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Neuer Biosprit E-10 steht vor dem Scheitern
Do.03.04.08 - Die Einführung der umstrittenen Biosprit-Sorte E-10 steht vor dem
Scheitern.
Nach Angaben aus Branchenkreisen vom Mittwoch vertragen weit über
zwei Millionen Autos in Deutschland keinen Biosprit-Anteil von zehn
Prozent. Damit wäre die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel
gesetzte Grenze um 100 Prozent überschritten. Der Minister will
die entsprechende Verordnung stoppen, falls mehr als eine Million
Fahrzeuge betroffen sind. Sie müssten sonst teureren
SuperPlus-Kraftstoff tanken.
Mit den Zahlen vertraute Experten sagten der Nachrichtenagentur
Reuters, die im Verband der Automobilhersteller (VDA)
zusammengeschlossenen deutschen Hersteller rechneten mit etwa 330.000
Autos, die den Sprit nicht vertrügen. Hinzu kämen allerdings
noch über zwei Millionen betroffene Importautos. Unklar sei zudem,
für wie viele Motorräder der Treibstoff schädlich sei.
Das Umweltministerium wollte die Angaben nicht kommentieren. Es erwarte
die Zahlen am Donnerstag, sagte ein Sprecher. Der Verband der
Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) erklärte hingegen,
diese Woche sei wohl nicht mehr damit zu rechnen. Ein VDA-Sprecher
betonte, der Verband halte an den Angaben fest, dass nicht mehr als
375.000 Autos inländischer Hersteller betroffen seien.
Umweltminister Gabriel sagte, die Verordnung für den Kraftstoff
mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent Ethanol werde ohne
verlässliche Daten nicht kommen. "Und wir werden sie nicht in
Kraft setzen, wenn die Zahl eine Million Fahrzeuge übersteigt",
sagte der SPD-Politiker den "Stuttgarter Nachrichten". Der ADAC hatte
kürzlich gewarnt, mindestens drei Millionen Fahrzeuge würden
sich für den Betrieb mit dem neuen Biosprit nicht eignen. Zudem
müssten die Nutzer des neuen Biosprits draufzahlen, denn die
Bioethanol-Beimischung erhöhe den Kraftstoffverbrauch. Der
Automobilclub hatte daher gefordert, die Einführung des E-10 auf
2012 zu verschieben.
Gabriel hatte die Verordnung im Februar nach Berichten über
Probleme unerwartet vieler Motoren mit E-10 erst einmal auf Eis gelegt.
Mit der Spritsorte sollte den Autofahrern eigentlich für die
nächsten Jahre Sicherheit gegeben werden, dass der Biosprit-Anteil
eine verträgliche Schwelle nicht übersteigt. Gabriel hatte
die Einführung aber von Zahlen abhängig gemacht, die ihm die
Autoindustrie bis Ende März liefern sollte. Der VDA hat von etwa
375.000 Autos gesprochen, für die es Probleme geben dürfte
und die deshalb das teurere SuperPlus tanken müssten.
Der VDA selbst würde mit den aktuellen Zahlen noch unter diesen
Angaben bleiben. Im Umweltministerium war man aber offenbar davon
ausgegangen worden, dass dies auch die Importautos einschließe.
Dies ist jedoch nicht der Fall.
Die Bundesregierung könnte allerdings auch noch von anderer Seite
unter Druck kommen: Bis zum Jahr 2015 will sie den Biosprit-Anteil auf
acht Prozent von derzeit weit unter fünf Prozent erhöhen. Der
Sprecher des Umweltministeriums räumte ein, dass diese Strategie
in Gefahr geraten könne. Auch der Plan, dass die Autoindustrie
einen Teil ihrer Verpflichtungen zur Kohlendioxid-Reduktion über
Biosprit erfülle, könnte infrage gestellt werden, sagte er.
Die hat auch Folgen für Verpflichtungen, die Deutschland in der EU
übernommen hat.
Der Verband der Biokraftstoffindustrie wies daraufhin, dass die
Produktion in Deutschland wegen der verstärkten Besteuerung des
Sprits ohnehin fast zum Erliegen gekommen sei. "Die
Mineralölindustrie hat ganz eindeutig auf eine Import-Strategie
aus Brasilien gesetzt", sagte Geschäftsführerin Petra Sprick
Reuters TV.
Der FDP-Verkehrspolitiker Patrick Döring warnte, das Risiko beim
Einsatz von E-10 dürfe nicht bei den Autofahrern bleiben. Auch die
Beimischungspflicht von Biosprit dürfe es nur bei klaren Garantien
der Hersteller geben.
(Quelle: rtr)
Mehr als 200 000 Ausbildungsplätze fehlen
Do.03.04.08 - Im laufenden Ausbildungsjahr droht nach Ansicht der Bundesregierung
eine Lücke von mehr als 200 000 Lehrstellen: Für rund 832 400
Schulabgänger stehen voraussichtlich nur 623 000
Ausbildungsplätze bereit.
Dies geht aus dem am Mittwoch vom Kabinett beschlossenen
«Berufsbildungsbericht 2008» hervor. Die Regierung will nun
Firmen Prämien bis zu 6000 Euro zahlen, wenn sie schwer
vermittelbare Bewerber als Azubis einstellen. Gewerkschaften und
Opposition erklärten den Ausbildungspakt von Politik und
Wirtschaft für gescheitert.
Dem Bericht zufolge gibt es etwa eine Million Jugendliche, die auf dem
Lehrstellenmarkt versorgt werden müssen. Wie viele Plätze zum
Stichtag Ende September tatsächlich vorhanden seien, hänge
von der Entwicklung der Konjunktur ab. Das Ausbildungspotenzial der
Wirtschaft wird auf etwa 750 000 Plätze geschätzt.
Erfahrungsgemäß verkleinert sich die Lücke im Herbst,
wenn unvermittelte Bewerber nachträglich noch eine Lehrstelle oder
ein Praktikum bekommen. Vergangenes Jahr wurden 626 000 neue
Verträge unterschrieben - der zweithöchste Wert seit der
Wiedervereinigung.
Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer, forderte
bessere Chancen für junge Menschen aus Einwandererfamilien.
«Der Aufschwung am Ausbildungsmarkt muss auch bei den
Jugendlichen aus Zuwandererfamilien ankommen.»
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla rief die Unternehmen auf, das
Bonusmodell zu nutzen: «Jetzt ist es an den Betrieben, diese
Möglichkeiten auszuschöpfen.» Die Linke forderte eine
gesetzliche Ausbildungsplatz-Umlage. So sollen Firmen zur Kasse gebeten
werden, die keine Lehrlinge ausbilden.
Ein unverändert großes Problem sind die Altbewerber. 385 000
Jugendliche drehen Warteschleifen, weil sie schon vor einem Jahr oder
noch früher die Schule verlassen haben. Bis zu 100 000 von ihnen
will die Regierung mit dem neuen Ausbildungsbonus eine Lehrstelle
verschaffen. Dafür gibt es eine Prämie von 4000 bis 6000
Euro. Kritik kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). «Trotz
des konjunkturellen Aufschwungs ist die Trendwende in der Ausbildung
nicht geschafft worden», sagte die stellvertretende DGB-Chefin
Ingrid Sehrbrock.
Die Leistungen deutscher Azubis sollen nach dem Willen von
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bald international in
PISA-Tests überprüft werden. «Das deutsche
Berufsbildungssystem kann und muss sich mit seinen Leistungen messen
lassen.» Die PISA-Studien vergleichen Schüler-Leistungen in
den wichtigsten Industriestaaten und hatten erhebliche Defizite in
Deutschland aufgezeigt.
Über den drohenden Fachkräftemangel wollen Bund und
Länder im Herbst bei einem Qualifizierungsgipfel beraten. Bereits
in diesem Jahr wird die Zahl der Absolventen an allgemeinbildenden
Schulen um über 30 000 schrumpfen. Allein in Ostdeutschland wird
sich die Absolventenzahl bis 2013 gegenüber 2000 etwa halbieren.
Die Zahl der Schüler mit Abitur wird jedoch leicht steigen.
Zwischen 2011 und 2013 wird es laut Bericht starke Zuwächse wegen
der doppelten Abiturjahrgänge geben. Diese ergeben sich aus dem
verkürzten Gymnasium von 13 auf 12 Jahre. Die SPD wies Klagen der
Unternehmen über mangelnden Nachwuchs zurück. «Hier hat
die Wirtschaft ihre Hausaufgaben zu lange nicht gemacht und die eigene
Personalentwicklung verschlafen», sagte SPD-Bildungsexperte
Jörg Tauss.
(Quelle: dpa)
Rentenbeitrag soll womöglich doch ab 2011 wieder sinken
Do.03.04.08 - Im Streit über die Rentenerhöhung bahnt sich in der Koalition
ein Kompromiss an. Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Michael
Glos und Sozialminister Olaf Scholz hätten sich bereits auf
Grundzüge geeinigt, meldete «Spiegel Online» am
Mittwoch. Demnach könnte der Beitragssatz von 19,9 Prozent doch ab
2011 wieder sinken. Das Sozialministerium betonte allerdings, es gebe
noch keine abschließende Entscheidung.
Die Koalition hatte einvernehmlich beschlossen, die Altersbezüge
zum 1. Juli außerplanmäßig um 1,1 Prozent anzuheben -
doppelt so stark, wie nach der derzeitigen Rentenformel zu erwarten.
Nun geht es um Einzelheiten von Scholz' Vorlage für die
Änderung der Rentengesetze.
Zum einen hatte der SPD-Politiker angekündigt, eine höhere
Rücklage bei den Rentenkassen aufzubauen. Das hätte zur
Folge, dass der Beitragssatz von 19,9 Prozent bis mindestens 2014 nicht
sinken könnte. Nun sei verabredet, den Satz 2011 auf 19,5 Prozent,
2012 auf 19,3 Prozent und 2013 schließlich auf 19,1 Prozent zu
senken, meldete «Spiegel Online».
Scholz' Pläne zum Aufbau einer höheren Rücklage von 2,5
Monatsausgaben seien nach Einsprüchen von Wirtschafts- und
Finanzministerium vom Tisch. Vielmehr solle es dabei bleiben, dass die
Rücklage auf maximal 1,5 Monatsausgaben aufgefüllt werde.
Darüber hinaus sehe der Kompromiss vor, die ausgefallenen
Kürzungen bei den Rentenanpassungen schon ab 2011 nachzuholen und
nicht erst ab 2013, wie es Scholz vorgesehen hatte. Das allerdings
würde bedeuten, dass in den Jahren 2011, 2012 und 2013 praktisch
kein Spielraum für Rentenerhöhungen bliebe. Denn in diesen
Jahren würden der so genannte Nachholfaktor und der nachgeholte
«Riester-Faktor» der Jahre 2008 und 2009 gleichzeitig
wirken.
Laut «Spiegel» sollen die Staatssekretäre der
beteiligten Ressorts am Freitag Einzelheiten ausarbeiten. Für
Dienstag ist die Entscheidung des Bundeskabinetts vorgesehen.
Der Sprecher des Sozialministeriums, Stefan Giffeler, sagte, noch laufe
die Abstimmung zwischen den Ressorts. Bis zur Kabinettssitzung werde es
aber eine Entscheidung geben.
Die Kritik der Wirtschaft an der außerplanmäßigen
Rentenerhöhung reißt nicht ab. «Die deutsche
Wirtschaft lehnt die geplanten Wahlgeschenke für die Rentner
ab», sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der
«Süddeutschen Zeitung». Durch die Erhöhung
würden milliardenschwere Zusatzkosten verursacht, für die
letztlich Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufkommen müssten.
CDU-Sozialexperte Ralf Brauksiepe sagte der «Mittelbayerischen
Zeitung», die vorgesehene Rentenerhöhung um 1,1 Prozent sei
«fair und angemessen». Nach drei Nullrunden in Folge
müssten die Rentnerinnen und Rentner nun etwas vom Aufschwung zu
spüren bekommen.
(Quelle: ap)
Studie: Mittelstand ist größte Stütze des deutschen
Arbeitsmarkts
Do.03.04.08 - Der Mittelstand ist nach Einschätzung des Instituts der deutschen
Wirtschaft die größte Stütze des Arbeitsmarkts. Die Zahl
der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei zwischen 2003
und 2007 in Unternehmen bis 500 Mitarbeitern um 3,1 Prozent gestiegen,
teilte das arbeitgebernahe Institut am Mittwoch in Köln mit.
Großunternehmen hätten ihre Stammbelegschaften in dieser
Zeit dagegen um 2,7 Prozent verkleinert.
Wie sich die Beschäftigtenzahlen im Mittelstand künftig
entwickeln, hängt laut Institut auch von der aktuellen Finanzkrise
ab. Sorgen bereite, dass die Banken nun die Bedingungen für die
Vergabe von Krediten verschärfen könnten.
Ein zweites Problem sind den Angaben zufolge steigende
Bürokratiekosten vor allem für kleine und mittlere Betriebe:
Einer Untersuchung zufolge beliefen sich diese in Unternehmen mit
weniger als 10 Mitarbeitern im Schnitt zuletzt auf etwa 4.400 Euro je
Beschäftigten. In Betrieben mit 100 bis 499 Mitarbeitern kamen pro
Kopf knapp 1.000 Euro zusammen, in Großbetrieben ab 500
Beschäftigten dagegen nur 350 Euro.
(Quelle: ap)
Heimliche Mitarbeiter-Überwachung auch bei Edeka und Plus
Do.03.04.08 - Nach Lidl haben auch die Einzelhändler Edeka und Plus Fälle
von heimlicher Mitarbeiterüberwachung eingeräumt. Zuvor hatte
das Online-Magazin «stern.de» aus Protokollen eines
Sicherheitsunternehmens zitiert, das für beide Supermarktketten
gearbeitet hat. In den Protokollen wurden dem Bericht zufolge
detailliert private Angelegenheiten von Mitarbeitern festgehalten. Es
seien aber deutlich weniger Protokolle als im Fall Lidl bekanntgeworden.
Edeka und Plus bestätigten die Existenz der Protokolle, betonten
aber, das Sicherheitsunternehmen habe eigenmächtig gehandelt. Eine
Edeka-Sprecherin sagte der AP: «Wir machen
Ladendiebstahlskontrollen, wo Inventurdifferenzen auftreten. Aber wir
bespitzeln unsere Mitarbeiter nicht.»
Die Vorwürfe von «stern.de» bezögen sich auf zwei
Märkte eines selbstständigen Unternehmers, der die Protokolle
nicht in Auftrag gegeben habe. «Es handelte sich um eine
Selbstleistung des Dienstleisters», erklärte die Sprecherin.
Den betreffenden Subunternehmer zitierte «stern.de» mit den
Worten, die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma sei gestoppt worden.
Weiter schrieb «stern.de», wie bei Lidl seien Spitzel in
den Edeka- und Plus-Märkten offiziell als Ladendetektive
aufgetreten. Tatsächlich hätten sich die Detektive aber auch
mit dem Ausspähen von Mitarbeitern beschäftigt und ihre
Beobachtungen minuziös in seitenlangen Protokollen vermerkt. Zudem
seien auch bei Plus und Edeka versteckte Mini-Kameras angebracht
worden, mit denen die jeweiligen Läden hätten überwacht
werden können.
Aus einem Protokoll über eine norddeutsche Plus-Filiale aus dem
Juli 2006 zitierte «stern.de»: «Hier gab es eine
anonyme Anzeige, da Frau C. sich angeblich zu wenig um ihre
8-jährige Tochter kümmern würde und das Kind
während der Arbeitszeit am Nachmittag zu einer Freundin
abgeschoben wird. Frau C. hat diesbezüglich heute um 17 Uhr ein
Gespräch mit dem Jugendamt.»
Von Plus hieß es, man habe die Notizen nicht explizit beauftragt
und weder ausgewertet noch weiter benutzt. Zudem könne man keinen
konkreten Grund erkennen, weshalb Ladendiebstahl-Kontrolleure über
Mitarbeiteraussagen berichtet hätten. «Da derartige Berichte
den direkten Vorgesetzten nicht zugänglich waren und sind, haben
und werden sich daraus keine Konsequenzen für Mitarbeiter
ergeben», schrieben der Vorsitzende der
Plus-Geschäftsführung, Alfred Glandler, und der
Gesamtbetriebsratsvorsitzende Helmut Sistermann.
Nach Kenntnisnahme habe man umgehend veranlasst, dass eine
Berichterstattung mit Notizen zu Mitarbeitern «von unserem Hause
nicht mehr akzeptiert» werde, hieß es in dem Schreiben.
(Quelle: ap)
Hamburger CDU und Grüne bei Streitthema Bildung einig
Do.03.04.08 - Bei ihrem Streitthema Bildungspolitik sind sich CDU und
Grün-Alternative Liste (GAL) in Hamburg einig geworden. Beide
Seiten hätten ihr diesbezügliches Pensum abgearbeitet,
hieß es nach einer achtstündigen Verhandlungsrunde. Konsens
sei unter anderem eine Ausweitung der Kinderbetreuung und
frühkindlichen Bildung, sagte eine CDU-Sprecherin. Demnach soll es
einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in Hamburg bereits ab
dem zweiten statt wie bisher ab dem dritten Lebensjahr geben.
Vorschulische Bildung im letzten Jahr vor der Einschulung würde
kostenlos.
Zur künftigen Schulstruktur sowie der Zukunft der von der GAL
kritisierten Studiengebühren äußerten sich die
Delegationen nicht. Für eine Premiere liefen die
schwarz-grünen Verhandlungen "richtig gut", sagte CDU-Landeschef
Michael Freytag nach Angaben der Sprecherin. Eine mögliche Einigung
bei der Schulreform hatte sich bereits im Sondierungsgespräch
angedeutet. Eine Verlängerung der Grundschule von vier auf sechs
Jahre plus Vorschuljahr ergäben sieben Jahre gemeinsames Lernen
und somit möglicherweise den Kompromiss zwischen der von der GAL
geforderten neunjährigen Einheitsschule und dem Festhalten der CDU
an den Gymnasien. Nach den Gesprächen vom Dienstag könnte das
Vorschuljahr allerdings freiwillig bleiben: Das Elternwahlrecht
zwischen Kindergarten und Vorschule wollen CDU und GAL nun
möglichst erhalten. Bei den Grundschulen sollen Ganztagsangebote
ausgebaut werden.
Eine endgültige Erklärung zur Bildungspolitik einer
künftigen schwarz-grünen Landesregierung wollen beide Seiten
demnach kommende Woche abgeben. Zunächst gehen die
Koalitionsverhandlungen bereits am Donnerstag mit den Themen Soziales
und Integration, Stadtentwicklung und Arbeitsmarkt weiter. Nach
zweimaligen vergeblichen Einigungsversuchen stehen auch die Knackpunkte
Elbvertiefung und Kohlekraftwerk Moorburg noch aus. Innerhalb der
nächsten zweieinhalb Wochen wollen CDU und Grüne den Entwurf
eines Koalitionsvertrags fertigstellen, um die GAL-Basis am 27. April
darüber abstimmen zu lassen. Wann der CDU-Landesvorstand dazu tagt,
steht noch nicht fest.
(Quelle: afp)
CSU-Spitze beschwört Einheit von Partei und Fraktion
Do.03.04.08 - Sechs Monate vor der Landtagswahl in Bayern hat die CSU-Spitze die
Geschlossenheit von Partei und Fraktion beschworen. Nach einer
über fünf Stunden dauernden Fraktionssitzung in München
erklärte Parteichef Erwin Huber am Abend, "sehr zufrieden" zu
sein. Der "Wille zum Miteinander" sei von allen unterstrichen worden.
Ministerpräsident Günther Beckstein sprach von einem "guten
Tag", räumte jedoch ein, die Anzahl der kritischen Wortmeldungen
ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt "nicht in dem Umfang" erwartet
zu haben.
Es gebe überall im Leben Phasen mit Hochs und Tiefs, so auch in
der Politik, rechtfertigte Beckstein sich. Mit Blick auf die derzeitige
Führungskrise erklärte der Ministerpräsident, dass die
Partei künftig die Leistungsbilanz Bayerns deutlicher
herausstellen werde.
Im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten der Bayerischen Landesbank
(BayernLB) verteidigte Beckstein seinen Finanzminister Huber, der als
stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender in die Kritik geraten
war. Es sei "ein Schmarrn" zu glauben, dass Huber Schuld habe an den
Verlusten. Die BayernLB sei wie viele andere Institute von der
internationalen Bankenkrise erfasst worden, sagte Beckstein.
Am Rande der Sitzung erklärten CSU-Finanzexperten, dass sie bei
der BayernLB mit einem Verlust deutlich unter vier Milliarden Euro
rechnen. Beckstein hatte vor einigen Tagen eine Schätzung der
Rating-Agentur Moody's bestätigt und von möglichen Verlusten
in Höhe von vier Milliarden Euro gesprochen. Am Donnerstag legt
die BayernLB ihre Bilanzzahlen für das Jahr 2007 vor.
Kurz vor dem Ende der Fraktionssitzung hatte Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber
die Diskussion am frühen Abend wider Erwarten ohne Wortmeldung
verlassen. "Es war nicht notwendig", sagte Stoiber. Es habe eine "gute
Diskussion" gegeben und eine "große Geschlossenheit". Stoiber war
von der Landtagsfraktion zur Teilnahme an der Aussprache gebeten
worden. Am Freitag und Samstag kommt der CSU-Vorstand zu einer Klausur
in Kreuth zusammen, auch daran wird der ehemalige
Ministerpräsident und Ehrenvorsitzende Stoiber auf Bitten von
Parteifreunden teilnehmen.
(Quelle: afp)
Studie: Kassenpatienten warten länger auf Arzttermine
Do.03.04.08 - Kassenpatienten müssen nach einer Untersuchung der
Universität Köln durchschnittlich dreimal so lange auf einen
Termin beim Facharzt warten wie Privatversicherte. Die Studie des
Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie
belege Unterschiede bei den Wartezeiten von bis zu einem Monat,
berichtete der "Kölner Stadtanzeiger" in seiner Dienstagsausgabe.
Damit sei erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, "dass Kassenpatienten
sich bei der Terminvergabe in Facharztpraxen hinten anstellen
müssen", sagte Institutsleiter Markus Lüngen. Die
Kassenärztliche Bundesvereinigung wies das Studienergebnis
zurück und erklärte, Ärzte vergäben Termine
"unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich
krankenversichert ist".
Für die Studie hatten Tester sich im Frühjahr 2006 bei 189
niedergelassenen Facharztpraxen entweder als Kassen- oder als
Privatpatient ausgegeben und um Untersuchungen gebeten. Gezählt
wurden die Werktage zwischen dem Anruf und dem vergebenen Termin. Die
größte Differenz ergab sich bei Magenspiegelungen: Hier
mussten Kassenpatienten im Durchschnitt 36,7 Werktage warten,
Privatpatienten erhielten bereits nach 11,9 Werktagen einen Termin.
Als Grund für die Bevorzugung von Privatversicherten nannte
Institutsleiter Lüngen die unterschiedlichen Honorarsätze. Bei
der Behandlung eines Privatpatienten verdienten niedergelassene
Ärzte zwischen 20 und 35 Prozent mehr als für einen
Kassenpatienten. Manche Arztpraxis könne mittlerweile nur durch
solche Zusatzeinnahmen überleben, erklärte der
Wissenschaftler. "Der Fehlanreiz liegt im System." Er forderte, die
Honorare von der Versicherungsart unabhängig zu machen.
(Quelle: epd)
Neuauflage eines möglichen NPD-Verbotsverfahrens gerät ins
Stocken -- Streit um V-Leute und Informationsfluss
Do.03.04.08 - Durch Querelen zwischen Union und SPD sowie parteiinterne Uneinigkeiten
ist die mögliche Neuauflage eines NPD-Verbotsverfahrens ins
Stocken geraten. Die SPD griff die Innenminister der
Unions-geführten Länder für ihre angebliche
Verweigerungshaltung bei den Vorbereitungen erneut scharf an. Der
CDU-Innenexperte Ralf Göbel wies die Kritik zurück. Die Linke
forderte den Abzug von V-Leuten als grundlegende Voraussetzung für
ein Verbotsverfahren. «Sonst ist das Ganze eine Scheindebatte,
die nur der NPD hilft», sagte Linke-Fraktionsvize Petra Pau.
SPD-Fraktionschef Peter Struck bezeichnete es als
«Skandal», wenn sich die Unions-Innenminister in den
Ländern weigerten, Material für ein Verbotsverfahren zu
liefern. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte das
Bundesamt für Verfassungsschutz und die 16
Verfassungsschutzämter der Länder aufgefordert, bis Ende
März Informationen zur NPD zusammenzustellen. Das Ministerium
wartet nach eigenen Angaben noch auf die Rückmeldungen. Nach
Medienberichten verweigern jedoch mindestens acht Unions-geführte
Bundesländer die Mitarbeit.
SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner warf der Union ebenso eine
Blockadehaltung vor. Er finde es unmöglich und nicht zu
rechtfertigen, eine ernsthafte Prüfung schon im Ansatz zu
ersticken. Auch der Grünen-Innenexperte Wolfgang Wieland
kritisierte das Verhalten der Unions-Minister als
«unmöglich». Mit ihrer Gegenwehr
«brüskierten» sie Schäuble und auch den
Bundestag. Bislang gebe es nur «unerfreuliches
Verbotsgequatsche» und «Koalitionsstreitigkeiten»
statt sachlicher Debatten.
Der CDU-Innenexperte Göbel entgegnete, er sei überzeugt, dass
sich alle Länder an die Absprachen hielten und die geforderten
Informationen lieferten - egal ob Unions-geführt oder nicht.
«Wenn ein Land das nicht tun will, muss es sich
erklären», sagte Göbel. Einen legitimen Grund
dafür könne er sich jedoch nicht vorstellen.
Kritiker des Verbotsantrages argumentieren unter anderem, es sei nicht
vertretbar, für das Verbotsverfahren die V-Leute von der NPD
abzuziehen, wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert. Struck geht
davon aus, dass die Verfassungswidrigkeit der Partei jedoch «auch
ohne die Mitarbeit von V-Leuten nachgewiesen werden kann».
Nach Angaben von Stegner haben die fünf sozialdemokratischen
Innenminister «vielversprechendes» Material gesammelt, das
sie in den nächsten Tagen beim Bundesinnenminister vorlegen
werden. «Die Verfassungsfeindlichkeit der NPD ist mit Händen
zu greifen», sagte er.
Ohne die Abschaffung der V-Leute müsse über ein
Verbotsverfahren gar nicht geredet werden, sagte dagegen
Linksfraktions-Vize Pau. «V-Leute sind bezahlte Spitzel und
bezahlte Provokateure», sagte sie. Wer ein NPD-Verbot wolle,
müsse konsequent sein und sie abziehen. Auch Wieland sagte, die
V-Leute seien verzichtbar.
Einig sind sich die Parteien dagegen in einem Punkt: Ein Scheitern wie
beim jüngsten NPD-Verbotsantrag 2003 müsse verhindert werden,
heißt es auf allen Seiten. Das Bundesverfassungsgericht hatte das
Verfahren wegen der Rolle der V-Leute gestoppt. «Noch so ein
schlampiges Verfahren mit verheerenden Ergebnissen können wir uns
nicht leisten», sagte Göbel, «ich möchte nicht
noch einmal das Jubelgeschrei und Triumphgeheule der NPD
hören.»
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Britische Forscher schufen Embryonen aus Mensch und Tier
Do.03.04.08 - Britische Forscher haben Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen
von Tieren geschaffen. Die Erzeugung dieser Chimären sei ein
wichtiger Erfolg für die Stammzellenforschung, erklärte die
Universität von Newcastle am Mittwoch.
Die Embryonen aus menschlichem Erbgut, das aus Hautzellen gewonnen
wurde, und Eizellen von Kühen seien nach drei Tagen zerstört
worden. Die katholische Kirche und die Gesellschaft für den Schutz
ungeborener Kinder fordern ein Verbot derartiger Forschungen.
Für die Experimente unter Leitung des Stammzellenforschers Lyle
Armstrong hatte die britische Embryologie-Behörde HFA eine
Sondergenehmigung erteilt. Die Wissenschaftler wollen feststellen, ob
sich Chimären-Stammzellen für die Behandlung schwerer
Krankheiten nutzbar machen lassen. Tierische Eizellen stünden im
Gegensatz zu menschlichen unbegrenzt zur Verfügung, sagte John
Burn, der Leiter des Instituts für Humangenetik der
Universität von Newcastle, zur Begründung. «Menschliche
Eizellen sind sehr wertvoll und entsprechend schwer zu bekommen. So
kamen wir auf die Idee, den Mangel durch die Verwendung von Kuh-Eizellen
zu überwinden.»
Das Experiment fachte die Diskussion über ein von der Regierung in
London geplantes neues Gesetz zur Stammzellenforschung noch weiter an.
Mit dem Gesetz, über das frühestens im Mai abgestimmt werden
soll, soll auch die Erzeugung von Chimären-Embryonen zu
Forschungszwecken generell erlaubt und geregelt werden. Gegen dieses
Vorhaben protestierte neben anderen der Kardinal der Schottischen
Katholischen Kirche Keith O'Brien. Es stelle eine «monströse
Attacke auf die Menschenrechte, auf die menschliche Würde und auf
das menschliche Leben dar».
Die britische Gesellschaft für den Schutz ungeborener Kinder
sprach angesichts der Schaffung des so genanten Hybrid-Embryos aus
Mensch und Kuh von einem «Desaster». Der Labour-Abgeordnete
und Vorsitzende der parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe
«Pro Life», Jom Dobbin, erklärte: «Die bewusste
Verwischung der Grenzen zwischen Menschen und anderen Spezies ist ein
Anschlag auf das Herzstück dessen, was uns zu Menschen macht».
Dagegen erklärte Professor Burn, es könne keine Rede davon
sein, dass die Wissenschaftler «Monster schaffen». Wer sich
mit der Problematik genauer beschäftige, erkenne rasch, dass sie
«kein neues ethisches Problem aufwirft». Armstrong hatte vor
Beginn des Experiments gesagt, es sei «ganz wichtig zu wissen,
dass wir dies ausschließlich für Forschungszwecke nutzen
werden».
Die Zellhybriden, die die Forscher nun geschaffen haben, bestanden zum
weitaus größten Teil aus menschlichem und nur zu 0,1 Prozent
aus tierischem Material. Nach den von der HFA mit der Erteilung mehrerer
Sondergenehmigungen verbundenen Auflagen müssen solche Embryonen
spätestens nach 14 Tagen zerstört werden. Sie wären dann
nicht größer als ein Stecknadelkopf.
Nachdem die jetzt erzeugten Chimären-Embryonen drei Tage am Leben
gehalten wurden wollen die Forscher in Newcastle in einem weiteren
Versuch solche Hybriden zunächst sechs Tage leben lassen. Sollten
auch diese Versuche erfolgreich verlaufen, könnten nach den
Vorstellungen der Forscher auch Embryonen aus Mensch und Kaninchen,
Ziegen und anderen Tieren entstehen. Ähnliche Experimente wollen
auch Stammzellenforscher am King's College in London unternehmen. Auch
sie haben dafür bereits eine Genehmigung der Behörden erhalten.
Bereits 1998 hatten US-Forscher der Biotech-Firma ACT in Worcester und
der Universität Wisconsin nach eigenen Angaben menschliche
Hautzellen mit den Eizellen von Kühen verschmolzen und aus dem
entstandenen Embryo Stammzellen gewonnen. Südkoreanische Forscher
wollen das Experiment 2002 wiederholt haben. Chinesische Forscher haben
2003 eine Arbeit über das Herstellen eines Embryos aus
Kaninchen-Eizellen und menschlichem Erbgut im Fachjournal «Cell
Research» veröffentlicht.
(Quelle: dpa)
Forscher kombinieren Eis und Baumringe zu neuer Klimarechnung
Do.03.04.08 - Die Geschichte des Klimas kann nach Angaben von Forschern erstmals bis
in die Zeit von vor 14 500 Jahren exakt zurückverfolgt werden.
Forscher der Universität Hohenheim und internationale Kollegen
fanden eine Methode, Klimadatierungen von Baumringen mit denen von
sogenannten Eiskernen zu kombinieren. Mit Eiskernen - teilweise
kilometerlangen aus der Tiefe gebohrten Eisstangen - könne man zwar
Klimaschwankungen über mehr als hunderttausend Jahre
nachvollziehen. «Jahrgenaue Geschichtsschreibung war aber bislang
nur mit Baumringen möglich», teilte die Universität am
Dienstag mit. Der Originalartikel ist in der Zeitschrift «Nature
Geoscience» veröffentlicht.
Das Baumring-Archiv der Universität Hohenheim - den Angaben
zufolge der längste Baumring-Kalender der Welt - reiche genau 12
468 Jahre zurück. Für jede Epoche haben das jeweilige Klima
und andere Faktoren ein Muster von dicken und dünnen Jahresringen
hinterlassen, das bei allen Bäumen einer Region aus dieser Zeit
identisch ist. Durch einen neuartigen Mix von Methoden haben die
Forscher die beiden Kalender aus Holz und Eis nun zusammengeführt.
Die neue Methode kombiniere die Vorteile beider Archive und
überwinde die jeweiligen Nachteile. «Bislang hatten wir zum
Beispiel in unserem Baumring- Kalender eine Lücke von bis zu 200
Jahren vermutet. Mit Hilfe des Gletschereises vermuten wir nun, dass sie
vielleicht gar nicht vorhanden ist», sagte Friedrich.
Die Forscher nutzten für ihre neue Karte zwei radioaktive
Elemente, die über Gletschern und Bäumen in der
Atmosphäre gebildet werden. «Eins davon ist Beryllium, das
mit dem Schnee aus der Atmosphäre gewaschen wird und in den
Eiskernen erhalten bleibt», erläuterte der Hohenheimer
Forscher Michael Friedrich. Das zweite sei radioaktiver Kohlenstoff, den
Bäume aus der Luft aufnehmen und in ihre Jahresringe einbauen. Die
Beryllium-Kurve aus dem Eis und die des Kohlenstoffs aus den
Jahresringen wiesen exakt die gleichen Schwankungsmuster auf, so
Friedrich. «Eiskerne und Jahresringe sind damit direkt miteinander
vergleichbar.»
(Quelle: dpa)
Computer & Cyberspace
Gefahren aus dem Web - Aufpassen reicht nicht mehr
Do.03.04.08 - Praktisch seit seinem Bestehen lauern im Internet Gefahren. Noch vor
einigen Jahren suchte sich das Übel als Dateianhang in E-Mails den
Weg auf private Rechner. Inzwischen reicht es schon aus, eine
präparierte Internet-Seite zu besuchen - und schon ist der PC
infiziert. Aufpassen allein reicht da nicht mehr aus.
Als die meisten Schädlinge noch simple Viren waren und per E-Mail
ins Haus geflattert kamen, konnten die Nutzer sich häufig durch
umsichtiges Verhalten schützen. Ausführbare Dateien mit der
Endung "exe", die von fremden Adressen aus verschickt worden waren,
galten als verdächtig. Dasselbe galt für Zip-Dateien, denn
auch in ihnen konnten Viren versteckt werden.
Die Familie der Schädlinge ist in der Zwischenzeit gewachsen. Auch
die Art, wie sie Rechner befallen, ist raffinierter geworden. In einigen
Fällen muss der Anwender nicht einmal mehr eine Datei
ausführen oder aktiv herunterladen, um sich schädliche
Software einzufangen.
Bei sogenannten "Drive-by-Downloads" reicht es bildlich gesprochen, an
der bösen Anwendung "vorbeizufahren". Sprich: Wer auf eine
infizierte Seite klickt, um dessen Rechner ist es schon geschehen. Die
gefährliche Anwendung installiert sich im Hintergrund von selbst,
ohne dass der Anwender es bemerkt.Welche Seiten infiziert sind,
lässt sich aber in aller Regel kaum erkennen. Denn immer
häufiger werden seriöse Internet-Auftritte von Hackern
manipuliert. Der Anwender wähnt sich in Sicherheit und glaubt, er
betrete virtuell ein "sauberes" Terrain.
Vor der Gefahr der Drive-by-Downloads ist nur derjenige
einigermaßen sicher, der sein Internet-Zugriffsprogramm (Browser)
aktuell hält. Sind Updates oder neue Versionen verfügbar,
sollten diese sofort heruntergeladen werden. Die Hersteller bessern die
Programme regelmäßig dahingehend aus, Sicherheitslücken
zu stopfen. Durch eben diese Lücken sind viele der
Drive-by-Downloads erst möglich. Darüber hinaus sollte eine
Antiviren-Software installiert und regelmäßig aktualisiert
werden. In Kombination mit Programmen zum Aufspüren weiterer
Computer-Schädlinge wie Trojaner, Bots oder Rootkits sichern sie
den heimischen PC so weit wie möglich ab.
(Quelle: gp)
Verdoppelung des Spam-Aufkommens in diesem Jahr erwartet
Do.03.04.08 - Mehr als verdoppeln wird sich das Aufkommen unerwünschter
Werbe-E-Mails in diesem Jahr. Diese Einschätzung eines Herstellers
von Sicherheits-Software für E-Mails basiert auf den Zahlen
für das erste Quartal 2008.
Durchschnittlich ist der Spam-Anteil in Unternehmen in den ersten drei
Monaten des Jahres bereits um mehr als 50 Prozent gestiegen. In einigen
Unternehmen beträgt die Steigerungsrate sogar 200 Prozent. Das hat
jetzt das Unternehmen Proofpoint berichtet.
Gemessen worden sind die Spam-Mengen von Firmen in aller Welt. Dabei
hat sich gezeigt, dass es vorübergehend zu einem erhöhten
Aufkommen der unerwünschten Werbe-Nachrichten kommt. Innerhalb
weniger Stunden kann sich so in Einzelfällen das E-Mail-Aufkommen
um 500 Prozent bis 700 Prozent steigern. Manche Computer-Systeme
können mit einem solchen Massenandrang elektronischer Nachrichten
nicht fertig werden und brechen unter der Last zusammen. Möglich
sind derlei Großangriffe vor allem durch sogenannte Botnets.
Hierbei handelt es sich um virtuelle Zusammenschlüsse von Hackern
heimlich gekaperter Computer. Die eigentlichen Besitzer wissen meist
nichts davon, dass ihre Rechner zum massenhaften Versand von
Spam-Nachrichten missbraucht werden.
(Quelle: gp)