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+++ Do.03.04.08, 06:30        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am 1472sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Irakische Regierungstruppen stoßen in Hochburg der Mahdi-Miliz in Basra vor. Folter bei Verhören zu Irak-Kriegsbeginn ausdrücklich gestattet

Do.03.04.08 - Irakische Regierungstruppen haben am Mittwoch einen Vorstoß in die Hochburg der schiitischen Mahdi-Miliz in Basra unternommen. Die gemeinsame Aktion von Militär- und Polizeikräften steht unter dem Kommando von Generalleutnant Mohan al Firedschi. Der Konvoi drang in den Bezirk Hajanijah vor. Die Truppen schossen als eine Demonstration von Stärke die Luft.

Ein Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, Sami al Askari, hatte vor kurzem angekündigt, dass der Militäreinsatz in Basra noch in dieser Woche beendet werden soll. Ein Großteil der Stadt sei nunmehr unter Kontrolle gebracht. In dem Zentrum der irakischen Ölindustrie lieferten sich irakische Soldaten und Polizisten seit Tagen Gefechte mit der Mahdi-Miliz von Muktada al Sadr. Seit Beginn der Offensive am vergangenen Dienstag kamen landesweit mindestens 400 Menschen ums Leben.

Das US-Justizministerium hat zu Beginn des Irak-Kriegs harte Verhörmethoden von Terrorverdächtigen ausdrücklich gestattet. Die Macht des US-Präsidenten als Oberkommandierender in Kriegszeiten dürfe nicht von UN-Vereinbarungen gegen Folter eingeschränkt werden, heißt es in einem Memorandum vom 14. März 2003, das am Dienstagabend vom Verteidigungsministerium veröffentlicht wurde. Die Ermittler dürften es lediglich nicht gezielt darauf anlegen, ihre Gefangenen zu quälen.

«Unsere bisherigen Interpretationen stellen klar, dass das Völkerrecht kein Bundesrecht ist und dass der Präsident freie Hand hat, ersteres nach seinem Dafürhalten außer Kraft zu setzten», schrieb John Yoo, seinerzeit stellvertretender Justizminister. Dementsprechend wird Unterstützung für jeden Ermittler zugesagt, der vielleicht später wegen Gesetzesverstößen angeklagt werden könnte. Selbst wenn Grenzen überschritten werden sollten, «könnte die Notwendigkeit der Selbstverteidigung als Rechtfertigung gegen strafrechtliche Verfolgung dienen».

Das Memorandum wurde im Dezember 2003 wieder zurückgezogen. Sein Inhalt war eigentlich schon lange bekannt, doch bislang gab es keine offizielle Veröffentlichung. Diese steht im Zusammenhang mit einer Klage der Amerikanischen Union für Bürgerrechte (ACLU), die von der Regierung die Aushändigung von Dokumenten über deren Anti-Terror-Krieg verlangt hat.

boa (Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 03.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendundachten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.03.04.07 - Über 40 Tote bei zahlreichen Gewalttaten +++ Entführer der Deutschen im Irak stellen neues Ultimatum... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0704030.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Opposition gewinnt Parlamentswahl in Simbabwe -- Mugabes Partei verliert Mehrheit im Parlament

Do.03.04.08 - Nach fast 30 Jahren an der Macht hat in Simbabwe die Partei von Staatschef Robert Mugabe die Mehrheit im Parlament verloren.

Die Opposition erklärte sich am Mittwoch zugleich zur Siegerin der Präsidentenwahl. Erstmals signalisierte sie jedoch die Bereitschaft zu einer Stichwahl ihres Spitzenkandidaten Morgan Tsvangirai gegen den international umstrittenen Mugabe.

Die Opposition eroberte 105 von 210 Sitzen im Parlament, Mugabes Partei Zanu-PF 94, wie die Wahlkommission am vierten Tag nach der Abstimmung mitteilte. Zum Ausgang der Präsidentenwahl machte sie weiterhin keine Angaben. Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) teilte mit, der Oppositionschef habe am Samstag 50,3 Prozent der Stimmen erhalten bei 43,8 Prozent für Mugabe. Sie berief sich dabei auf eigene Zählungen vor den Wahllokalen.

MDC-Generalsekretär Tendai Biti forderte den seit der Unabhängigkeit 1980 regierenden Mugabe auf, seine Niederlage einzugestehen und weitere Peinlichkeiten zu vermeiden. In der Region wächst die Sorge, das südafrikanische Land werde wie Kenia nach der Wahl im Januar in Gewalt und Aufruhr abrutschen, wenn sich die Opposition um ihren Sieg betrogen sieht. Das Nachbarland Sambia erklärte, es beobachte die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit und halte seine Sicherheitskräfte bereit.

Die Verzögerungen bei der Auszählung haben den Verdacht geschürt, die Regierung fälsche die Ergebnisse. Wegen der weit verbreiteten Unzufriedenheit über die extrem schlechten Lebensverhältnisse könne sich Mugabe dies aber nur um den Preis schwerer Unruhen leisten, sagten Beobachter.

Biti erklärte, die Mehrheit von 50,3 Prozent reiche für einen direkten Einzug Tsvangirais ins Präsidentenamt aus, die Opposition sei aber "unter Protest" zu einer Stichwahl in drei Wochen bereit. Die Regierung wies die Äußerungen als "Wunschdenken" zurück und dementierte Spekulationen, Mugabe habe das Land verlassen. Der Präsident lasse sich von niemandem unter Druck setzen, sagte Regierungssprecher Bright Matonga dem britischen Sender Sky Television. "Niemand in der Umgebung Präsident Mugabes ist in Panik ausgebrochen. Die Armee steht sicher hinter unserem Präsident, die Polizei ebenso."

Das einst blühende Simbabwe leidet unter einer Hyperinflation von 100.000 Prozent, einem Mangel an Lebensmitteln und Treibstoff sowie unter einer Aids- und HIV- Epidemie, die die Lebenserwartung nach unten gedrückt hat. Der "Herald" berichtete, die Regierung habe Steuererleichterungen beschlossen, um die Folgen der Teuerung zu mildern. Die Erhöhung des Steuerbefreibetrags auf 300 Millionen Simbabwe-Dollar - auf dem Schwarzmarkt entspricht das 7,50 US-Dollar - wird allgemein als Wahlgeschenk zum zweiten Durchgang betrachtet.

(Quelle: rtr)
 


 

China liefert IAEA Informationen über iranisches Atomprogramm

Do.03.04.08 - China hat der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Geheimdienstinformationen über das iranische Atomprogramm geliefert. Dies teilten zwei ranghohe Diplomaten, die mit den Untersuchungen der IAEA zum iranischen Atomprogramm vertraut sind, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP mit. Demnach haben auch andere Staaten, die wie China eher kritisch zur Sanktionspolitik der USA stehen, in jüngster Zeit der IAEA Informationen über das Teheraner Nuklearprogramm geliefert.

Die IAEA wollte sich dazu nicht äußeren. Auch von den Botschaften Chinas und des Irans am Sitz der IAEA in Wien war keine Stellungnahme zu erhalten.

Gemeinsam mit Russland hat China im Weltsicherheitsrat wiederholt scharfe internationale Sanktionen gegen den Iran verhindert. Dass nun China die IAEA aktiv bei der Untersuchung des iranischen Atomprogramms unterstützt, wird von politischen Beobachtern als Hinweis auf eine zunehmende Unzufriedenheit Pekings mit dem Iran gedeutet.

Nach iranischer Darstellung dient das Atomprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken. Die USA und andere Staaten werfen dem Iran hingegen vor, ein geheimes Programm zum Bau einer Atombombe zu verfolgen.

(Quelle: ap)
 


 

Unruhen von Muslimen in China ausgebrochen

Do.03.04.08 - Nach den Unruhen in Tibet sind in Nordwestchina auch Proteste von Muslimen ausgebrochen. Die chinesische Polizei löste einen Protest von «Separatisten» in der vornehmlich von Uiguren bewohnten Stadt Hetian in der Region Xinjiang auf.

Eine kleine Gruppe von Unruhestiftern habe versucht, die Massen aufzustacheln, teilte die Stadtregierung mit. «Es war nur ein Komplott und wurde sofort beendet», sagte ein örtlicher Parteifunktionär telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking. Augenzeugen berichteten dem US-Sender Radio Free Asia (RFA) von hunderten Teilnehmern. Auch sollen Hunderte festgenommen worden sein.

In dem Tauziehen um die seit drei Wochen andauernden Proteste der Tibeter gegen die chinesische Fremdherrschaft drängten die USA die kommunistische Führung in Peking zu einer friedlichen Beilegung des Konflikts. Als erstes Regierungsmitglied seit Ausbruch der Unruhen kam Finanzminister Henry Paulson zu Wirtschaftsgesprächen nach China. Nach Gesprächen mit Staats- und Parteichef Hu Jintao und Vizepremier Wang Qishan sagte Paulson vor Journalisten: «Ich habe unsere Sorgen über die Gewalt zum Ausdruck gebracht und zu einer friedlichen Lösung durch Dialog aufgefordert.»

Neben Tibet ist Xinjiang eine weitere Unruheregion Chinas. Wie die Tibeter lehnen sich die Uiguren gegen die chinesische Herrschaft auf. Das Turkvolk beklagt kulturelle und religiöse Unterdrückung. Wie RFA berichtete, seien die Proteste in Hetian schon am 23. März auf dem traditionellen Sonntagsmarkt ausgebrochen, aber erst jetzt bekanntgeworden. Auslöser sei der Tod eines wohlhabenden uigurischen Geschäftsmannes in Polizeigewahrsam gewesen, der nach offiziellen Angaben angeblich einem Herzanfall erlegen sein soll. In dem nahe gelegenen Kreis Mayu seien ebenfalls Proteste ausgebrochen.

Die Stadtregierung machte die «drei bösen Kräfte», wie «Separatismus, Terrorismus und Extremismus» umschrieben werden, für die Proteste verantwortlich. Auf die Frage nach Festnahmen sagte der Funktionär im Parteibüro von Hetian lediglich: «Einige Leute sind über den Zwischenfall befragt worden.» China hatte sich das frühere Ostturkestan nach der Gründung der Volksrepublik 1949 - ähnlich wie Tibet - als autonome Region einverleibt. Exil-Uiguren fordern eine Wiederherstellung der Ostturkestanischen Republik.

In Nepal gingen die Proteste von Exiltibetern vor der chinesischen Botschaft in Kathmandu weiter. Die Polizei löste eine Demonstration auf und nahm rund 35 Menschen fest. Nepals Behörden gerieten wegen ihres Umgangs mit den Exil-Tibetern in die Kritik. Amnesty International und Human Rights Watch äußerten in einem Brief an Premierminister Girija Prasad Koirala ihre Sorge, dass ihnen das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit verweigert werde. Seit Beginn der Proteste am 10. März wurden in Nepal laut Menschenrechtsgruppen mehr als 1500 Menschen festgenommen.

Als Reaktion auf das Vorgehen Chinas in Tibet sollte US-Präsident George W. Bush nach Meinung von 15 Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses den Olympischen Spielen in Peking fernbleiben.

(Quelle: dpa)
 


 

US-Notenbankchef schließt Rezession nicht mehr aus

Do.03.04.08 - US-Notenbankchef Ben Bernanke schließt ein Abrutschen der Vereinigten Staaten in eine Rezession nicht mehr aus.

Wahrscheinlich werde es im ersten Halbjahr kaum Wachstum geben, möglicherweise sogar ein leichtes Schrumpfen, sagte Bernanke am Mittwoch vor dem Wirtschaftsausschuss des Kongresses in Washington. In der zweiten Jahreshälfte werde es aber wieder aufwärtsgehen. Die aggressiven Zinssenkungen und die Liquiditätsspritzen der Federal Reserve sowie das Konjunkturpaket der Regierung trügen dazu bei, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen.

Eine Rezession sei noch nicht ausgemachte Sache, und die Notenbank gehe davon aus, dass die Wirtschaft derzeit noch leicht wachse, sagte Bernanke. Allerdings hätten sich die Aussichten für die größte Volkswirtschaft der Welt seit dem düsteren Ausblick der Fed im Januar weiter eingetrübt. Der Wirtschaftsausblick sei sehr unsicher, ebenso blieben aber auch die unsicheren Aussichten für die Inflation ein Grund zur Sorge. "Was die langfristigen Aussichten für unsere Wirtschaft angeht, bleibe ich zuversichtlich", sagte der Fed-Chef.

Die US-Wirtschaft ist im Zuge der Immobilien- und Hypothekenkrise in einen Abwärtssog geraten. Im Kampf gegen den Abschwung hat die Notenbank den Leitzins seit September massiv um drei Prozentpunkte auf 2,25 Prozent gesenkt und sich die Tür für weitere Kappungen offengelassen.

Schlüssel zur Erholung sei der Immobilienmarkt, erklärte Bernanke. Die Erholung dort werde den Zeitrahmen für einen Konjunkturaufschwung bestimmen. Die Maßnahmen der Fed hätten bereits Wirkung gezeigt. Zwar seien die Finanzmärkte weiter beträchtlichen Belastungen ausgesetzt. Doch hätten die Kapitalspritzen der Notenbanken für etwas Linderung gesorgt. Auch habe der Finanzierungsdruck bei den großen Finanzinstituten nachgelassen und auf dem Hypothekenmarkt stehe wieder mehr Geld zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund rechtfertigte Bernanke auch die Rettungsmaßnahmen für die in Schieflage geratene Investmentbank Bear Stearns, die nun von dem Rivalen JPMorgan Chase übernommen wird. Ein plötzlicher Zusammenbruch von Bear Stearns hätte chaotische Folgen am Markt gehabt, die nur schwer einzudämmen gewesen seien. Er hoffe und erwarte, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholen werde. Die Zukunft sei aber ungewiss.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet nach einem vorab an die Presse gelangten Prognose, dass die größte Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession rutscht. Die IWF-Experten rechnen demnach damit, dass sie mindestens zwei Monate schrumpfen und im Gesamtjahr nur noch um 0,5 Prozent zulegen wird. US-Finanzminister Henry Paulson hält die Vorhersage allerdings für zu pessimistisch. Er nannte die Prognose bei einem China-Besuch überzogen.

Einen Hoffnungsschimmer für die US-Wirtschaft bietet eine Erhebung der privaten Arbeitsagentur ADP, wonach die Zahl der neuen Jobs in der Privatwirtschaft im März überraschend um 8000 zugenommen hat. Experten hatten im Schnitt mit einem Minus von 48.000 Jobs gerechnet, und im Februar waren noch 18.000 Jobs abgebaut worden. Die ADP-Umfrage wird von Fachleuten mit Spannung verfolgt, weil sie stets kurz vor den offiziellen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wird. Für den am Freitag anstehenden März-Arbeitsmarktbericht sind die Experten pessimistisch. Sie erwarten im Durchschnitt, dass außerhalb der Landwirtschaft 60.000 Stellen weggefallen sind.

(Quelle: rtr)
 


 

Weltbank-Chef warnt vor Krise wegen teurer Nahrungsmittel

Do.03.04.08 - Weltbank-Chef Robert Zoellick hat zu einem internationalem Kampf gegen die rasanten Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln aufgerufen.

Die Entwicklung sei mitverantwortlich für Hungersnöte und Unterernährung weltweit, sagte Zoellick am Mittwoch in einer Rede in Washington.

"Wir brauchen einen neuen Ansatz in der internationalen Ernährungspolitik", sagte er eine Woche vor dem Frühjahrstreffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. "Dieser neue Ansatz darf sich nicht nur auf die Fragen von Hunger und Unterernährung konzentrieren, auf den Zugang zu Lebensmitteln und die Versorgung damit. Er muss auch die Bezüge zu den Themen Energie, Ertrag, Klimawandel, Investitionen, die Marginalisierung von Frauen und anderen Gruppen sowie wirtschaftliche Flexibilität und Wachstum berücksichtigen."

Zoellick kritisierte zugleich, dass internationale Einschränkungen beim Handel mit Lebensmitteln vor allem die Armen und die Landwirtschaft treffen. Gerechtere Bedingungen und ein freierer Handel würden den Bauern in den Entwicklungsländern mehr Chancen und Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit geben. Deswegen müsse in den Welthandelsgesprächen noch in diesem Jahr ein Durchbruch gelingen und die Doha-Runde gerettet werden.

(Quelle: rtr)
 


 

Kroatien und Albanien werden NATO-Mitglieder -- Keine Einigung über Ukraine und Georgien -- Matzedonien vertagt

Do.03.04.08 - Kroatien und Albanien werden Mitglieder der NATO. Mazedonien muss weiter warten. Das sagte ein NATO-Sprecher am Mittwochabend beim Gipfel der Allianz in Bukarest. Die Entscheidung des Bündnisses zum Beitritt Mazedoniens soll später fallen.

Hintergrund ist ein Streit über den Namen Republik Mazedonien, den Griechenland nicht anerkennt. Die Regierung in Athen fordert, dass Mazedonien den Namen ändern, damit es keine Verwechslungen mit der gleichnamigen nordgriechischen Provinz gibt.

Den Beitritt Kroatiens und Albaniens müssen die 26 Bündnispartner ratifizieren. Das soll bis zum nächsten Gipfel im Frühjahr 2009 geschehen sein. Die NATO-Staats- und Regierungschefs haben sich nicht über den von Georgien und der Ukraine gewünschten raschen Beitritt zum Bündnis einigen können.

Der griechische Außenamtssprecher Giorgios Koumoutsakos bekräftigte am Mittwochabend, Athen bleibe im Namensstreit hart: Griechenland mit der gleichnamigen nordgriechischen Provinz wolle, dass Mazedonien einen anderen Namen wähle. Die NATO könnte, falls es bis dahin eine Einigung gibt, bei einem Treffen der Verteidigungsminister im Oktober oder der Außenminister im Dezember erneut über den Beitritt Mazedoniens entscheiden.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte bei Gipfelbeginn den Widerstand gegen die - vor allem von US-Präsident George W. Bush und den östlichen NATO-Mitgliedstaaten gewünschten - Aufnahme Georgiens und der Ukraine in einen «Aktionsplan für die Mitgliedschaft» in der NATO bekräftigt. «Unstrittig ist, dass beide Länder eine Perspektive für den Beitritt haben sollen», sagte sie. Es sei aber «noch zu früh» für die Entscheidung über den Aktionsplan, der die letzte Stufe vor dem Beitritt ist.

In der NATO gilt das Prinzip der einstimmigen Beschlüsse. Wie Deutschland und Frankreich sind auch Spanien und die Niederlande dagegen, dass die Ukraine und Georgien schon jetzt die letzte Stufe vor dem Beitritt nehmen dürfen. Als Grund für die Ablehnung werden die innenpolitischen Krisen der beiden Länder angegeben. Deshalb werde mit einer Vertagung des Themas auf 2010 gerechnet, hieß es.

Merkel sagte: «Wir glauben, der Zeitpunkt für den MAP ist noch nicht erreicht.» Sie machte aber erneut deutlich: «Die Tür ist offen.» Jetzt müssten die Anstrengungen für den nächsten Schritt der Ukraine und Georgiens verstärkt werden.

Mit Blick auf die scharfe Kritik von Russlands Präsident Wladimir Putin an den Beitrittsplänen betonte Merkel, die NATO-Mitgliedstaaten entschieden, wer zukünftiges Mitglied werde. «Das heißt: Nicht andere, zum Beispiel Russland.»

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, Rücksicht auf Russland sei «nicht die entscheidende Frage»: «Es gibt Gründe, die beide mit den internen Situationen sowohl in der Ukraine als auch in Georgien zu tun haben.» Zuvor hatte er in einem Interview mit der «Leipziger Volkszeitung» gesagt, es gebe «keinen zwingenden Grund», nach dem Konflikt um die Unabhängigkeit des Kosovos das Verhältnis zur Führung in Moskau weiter zu belasten.

Bush zeigte sich von den Protesten aus Moskau unbeirrt: «Hier in Bukarest müssen wir klar machen, dass die NATO das Streben Georgiens und der Ukraine nach einer NATO-Mitgliedschaft begrüßt», sagte er bei einer Sicherheitskonferenz in der rumänischen Hauptstadt vor Beginn des Gipfels, der von etwa 12 000 Polizisten geschützt wird.

Russland warnte erneut vor der Aufnahme der Ukraine und Georgiens. Moskau werde eine mögliche Osterweiterung nicht unbeantwortet lassen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Experten erwarten, dass Moskau nach dem Kosovo-Vorbild die Unabhängigkeit der abtrünnigen georgischen Regionen Abchasien und Südossetien anerkennen könnte.

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer erwartet von Putins Auftritt zum Abschluss des Gipfels an diesem Freitag eine «offene Haltung». Er verlange von ihm zwar nicht, dass er «bei Fragen, in denen wir nicht übereinstimmen, schweigsam bleibt». Würde Putin Verständnis zeige, könnte dies aber die Beziehungen zwischen Russland und der NATO vertiefen.

Albanien hat nach den Worten von Regierungschef Sali Berisha eine künftige NATO-Mitgliedschaft «verdient», berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ATA. In den vergangenen 16 Jahren habe sich die Balkanrepublik aus einem Staat mit Bunkern, Stacheldraht und «unzähligen Konzentrationslagern» in ein Land der Demokratie und freien Marktwirtschaft gewandelt.

(Quelle: dpa)
 


 

Symbolischer Grenzübergang in Zypern wird geöffnet

Do.03.04.08 - In Zypern wird am Donnerstag ein symbolischer Grenzübergang geöffnet. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr, soll die Ledra-Straße in der geteilten Hauptstadt Nikosia am Donnerstagmorgen in beide Richtungen geöffnet werden. Quer über die Einkaufsstraße in der Altstadt Nikosias verläuft derzeit noch die sogenannte Grüne Linie, die von der UNO überwachte Pufferzone zwischen dem griechisch und dem türkisch dominierten Inselteilen.
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Die politischen Vertreter von Nord- und Südzypern hatten den festgefahrenen Verhandlungen über die Zukunft der seit 34 Jahren geteilten Insel vor eineinhalb Wochen neuen Schwung verliehen. Der neue Präsident der Republik Zypern, Demetris Christofias, und der Führer der türkischen Nord-Zyprer, Mehmed Ali Talat, hatten dabei ihre Absicht erklärt, in drei Monaten wieder formelle Gespräche über eine mögliche Wiedervereinigung aufzunehmen. Auch die Öffnung der Ledra-Straße war bei diesem Treffen vereinbart worden.

Zypern ist seit einem Staatsstreich griechisch-zyprischer Nationalisten und einer anschließenden türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Die "Türkische Republik Nordzypern", die 1983 einseitig ihre Unabhängigkeit proklamierte, wird nur von Ankara anerkannt. Völkerrechtlich ist die ganze Insel seit 2004 Mitglied der EU, doch findet deren Regelwerk in dem von türkischen Truppen besetzten Norden keine Anwendung.

(Quelle: afp)
 


 

Milder Winter und abflauende Konjunktur - Europäische Industrie stößt weniger Treibhausgase aus

Do.03.04.08 - Dank eines milden Winters und der zuletzt abflauenden Konjunktur hat die europäische Industrie 2007 weniger Treibhausgase produziert als im Jahr zuvor.

Der Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids blieb zudem unter der von der EU erlaubten Menge, wie die EU-Kommission am Mittwoch auf der Basis vorläufiger Daten mitteilte. Wie erwartet verpuffte damit der Effekt des Emissionshandels, der den Klimaschutz vorantreiben soll. Von 2008 an gelten schärfere Quoten, um das Instrument wirksamer zu machen.

Auch Deutschland produzierte im Rahmen des Emissionshandels im vergangenen Jahr mit rund 480 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger als erlaubt. Der größten Volkswirtschaft Europas standen 497 Millionen Tonnen zu. Die beteiligten Unternehmen stießen nach Angaben des Umweltbundesamtes allerdings rund zwei Prozent mehr Treibhausgase aus als noch im Jahr davor. Als Hauptgrund nannte die Behörde, dass die Unternehmen wieder mehr Stein- und Braunkohle eingesetzt hätten. Auch der bis zum Herbst deutlich spürbare Aufschwung steuerte dazu bei: Allein die Zementindustrie steigerte ihre Emissionen als einer der Hauptlieferanten des Baugewerbes um acht Prozent.

Großbritannien musste weiterhin mehr Emissionszertifikate zukaufen als jeder andere europäische Staat. Die in den Emissionshandel aufgenommenen Branchen produzierten den EU-Daten zufolge 250 Millionen Tonnen Kohlendioxid und damit rund 35 Millionen Tonnen mehr als 2007 zugeteilt. Der Liste zufolge blieb der Ausstoß aber europaweit - ohne Bulgarien und Rumänien - um sieben Prozent unter der Vorjahresmenge und um 28 Millionen Tonnen unter der Gesamt-Quote.

Im Emissionshandel bekommen Industrie und Energieversorger Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte zugeteilt, die europaweit gehandelt werden können. Fehlende Zertifikate müssen nachgekauft, überschüssige können verkauft werden. Das System soll einen Anreiz schaffen, Treibhausgase zu reduzieren, und gilt als zentrales Mittel der EU, ihre Klimaschutzziele zu erreichen. 2007 war das letzte Jahr der ersten Handelsperiode seit 2005.

In der nächsten Phase von 2008 bis 2012 gelten geringere Quoten und es werden weniger Zertifikate kostenlos verteilt. Dies soll Umweltschutzmaßnahmen attraktiver machen. Während die Zertifikate für 2007 zuletzt weniger als ein Euro kosteten, legten Verschmutzungsrechte für 2008 am Mittwoch um 48 Cent auf 23 Euro zu. Experten rechnen kurzfristig mit einer Verteuerung auf 25 bis 35 Euro, die sich auf die Energiepreise für Privatkunden wie Industrie niederschlagen dürfte.

(Quelle: rtr)
 


 

Deutschland

Neuer Biosprit E-10 steht vor dem Scheitern

Do.03.04.08 - Die Einführung der umstrittenen Biosprit-Sorte E-10 steht vor dem Scheitern.

Nach Angaben aus Branchenkreisen vom Mittwoch vertragen weit über zwei Millionen Autos in Deutschland keinen Biosprit-Anteil von zehn Prozent. Damit wäre die von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel gesetzte Grenze um 100 Prozent überschritten. Der Minister will die entsprechende Verordnung stoppen, falls mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen sind. Sie müssten sonst teureren SuperPlus-Kraftstoff tanken.

Mit den Zahlen vertraute Experten sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die im Verband der Automobilhersteller (VDA) zusammengeschlossenen deutschen Hersteller rechneten mit etwa 330.000 Autos, die den Sprit nicht vertrügen. Hinzu kämen allerdings noch über zwei Millionen betroffene Importautos. Unklar sei zudem, für wie viele Motorräder der Treibstoff schädlich sei.

Das Umweltministerium wollte die Angaben nicht kommentieren. Es erwarte die Zahlen am Donnerstag, sagte ein Sprecher. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) erklärte hingegen, diese Woche sei wohl nicht mehr damit zu rechnen. Ein VDA-Sprecher betonte, der Verband halte an den Angaben fest, dass nicht mehr als 375.000 Autos inländischer Hersteller betroffen seien.

Umweltminister Gabriel sagte, die Verordnung für den Kraftstoff mit einer Beimischung von bis zu zehn Prozent Ethanol werde ohne verlässliche Daten nicht kommen. "Und wir werden sie nicht in Kraft setzen, wenn die Zahl eine Million Fahrzeuge übersteigt", sagte der SPD-Politiker den "Stuttgarter Nachrichten". Der ADAC hatte kürzlich gewarnt, mindestens drei Millionen Fahrzeuge würden sich für den Betrieb mit dem neuen Biosprit nicht eignen. Zudem müssten die Nutzer des neuen Biosprits draufzahlen, denn die Bioethanol-Beimischung erhöhe den Kraftstoffverbrauch. Der Automobilclub hatte daher gefordert, die Einführung des E-10 auf 2012 zu verschieben.

Gabriel hatte die Verordnung im Februar nach Berichten über Probleme unerwartet vieler Motoren mit E-10 erst einmal auf Eis gelegt. Mit der Spritsorte sollte den Autofahrern eigentlich für die nächsten Jahre Sicherheit gegeben werden, dass der Biosprit-Anteil eine verträgliche Schwelle nicht übersteigt. Gabriel hatte die Einführung aber von Zahlen abhängig gemacht, die ihm die Autoindustrie bis Ende März liefern sollte. Der VDA hat von etwa 375.000 Autos gesprochen, für die es Probleme geben dürfte und die deshalb das teurere SuperPlus tanken müssten.

Der VDA selbst würde mit den aktuellen Zahlen noch unter diesen Angaben bleiben. Im Umweltministerium war man aber offenbar davon ausgegangen worden, dass dies auch die Importautos einschließe. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Die Bundesregierung könnte allerdings auch noch von anderer Seite unter Druck kommen: Bis zum Jahr 2015 will sie den Biosprit-Anteil auf acht Prozent von derzeit weit unter fünf Prozent erhöhen. Der Sprecher des Umweltministeriums räumte ein, dass diese Strategie in Gefahr geraten könne. Auch der Plan, dass die Autoindustrie einen Teil ihrer Verpflichtungen zur Kohlendioxid-Reduktion über Biosprit erfülle, könnte infrage gestellt werden, sagte er. Die hat auch Folgen für Verpflichtungen, die Deutschland in der EU übernommen hat.

Der Verband der Biokraftstoffindustrie wies daraufhin, dass die Produktion in Deutschland wegen der verstärkten Besteuerung des Sprits ohnehin fast zum Erliegen gekommen sei. "Die Mineralölindustrie hat ganz eindeutig auf eine Import-Strategie aus Brasilien gesetzt", sagte Geschäftsführerin Petra Sprick Reuters TV.

Der FDP-Verkehrspolitiker Patrick Döring warnte, das Risiko beim Einsatz von E-10 dürfe nicht bei den Autofahrern bleiben. Auch die Beimischungspflicht von Biosprit dürfe es nur bei klaren Garantien der Hersteller geben.

(Quelle: rtr)
 


 

Mehr als 200 000 Ausbildungsplätze fehlen

Do.03.04.08 - Im laufenden Ausbildungsjahr droht nach Ansicht der Bundesregierung eine Lücke von mehr als 200 000 Lehrstellen: Für rund 832 400 Schulabgänger stehen voraussichtlich nur 623 000 Ausbildungsplätze bereit.

Dies geht aus dem am Mittwoch vom Kabinett beschlossenen «Berufsbildungsbericht 2008» hervor. Die Regierung will nun Firmen Prämien bis zu 6000 Euro zahlen, wenn sie schwer vermittelbare Bewerber als Azubis einstellen. Gewerkschaften und Opposition erklärten den Ausbildungspakt von Politik und Wirtschaft für gescheitert.

Dem Bericht zufolge gibt es etwa eine Million Jugendliche, die auf dem Lehrstellenmarkt versorgt werden müssen. Wie viele Plätze zum Stichtag Ende September tatsächlich vorhanden seien, hänge von der Entwicklung der Konjunktur ab. Das Ausbildungspotenzial der Wirtschaft wird auf etwa 750 000 Plätze geschätzt. Erfahrungsgemäß verkleinert sich die Lücke im Herbst, wenn unvermittelte Bewerber nachträglich noch eine Lehrstelle oder ein Praktikum bekommen. Vergangenes Jahr wurden 626 000 neue Verträge unterschrieben - der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung.

Die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhmer, forderte bessere Chancen für junge Menschen aus Einwandererfamilien. «Der Aufschwung am Ausbildungsmarkt muss auch bei den Jugendlichen aus Zuwandererfamilien ankommen.» CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla rief die Unternehmen auf, das Bonusmodell zu nutzen: «Jetzt ist es an den Betrieben, diese Möglichkeiten auszuschöpfen.» Die Linke forderte eine gesetzliche Ausbildungsplatz-Umlage. So sollen Firmen zur Kasse gebeten werden, die keine Lehrlinge ausbilden.

Ein unverändert großes Problem sind die Altbewerber. 385 000 Jugendliche drehen Warteschleifen, weil sie schon vor einem Jahr oder noch früher die Schule verlassen haben. Bis zu 100 000 von ihnen will die Regierung mit dem neuen Ausbildungsbonus eine Lehrstelle verschaffen. Dafür gibt es eine Prämie von 4000 bis 6000 Euro. Kritik kam vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). «Trotz des konjunkturellen Aufschwungs ist die Trendwende in der Ausbildung nicht geschafft worden», sagte die stellvertretende DGB-Chefin Ingrid Sehrbrock.

Die Leistungen deutscher Azubis sollen nach dem Willen von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bald international in PISA-Tests überprüft werden. «Das deutsche Berufsbildungssystem kann und muss sich mit seinen Leistungen messen lassen.» Die PISA-Studien vergleichen Schüler-Leistungen in den wichtigsten Industriestaaten und hatten erhebliche Defizite in Deutschland aufgezeigt.

Über den drohenden Fachkräftemangel wollen Bund und Länder im Herbst bei einem Qualifizierungsgipfel beraten. Bereits in diesem Jahr wird die Zahl der Absolventen an allgemeinbildenden Schulen um über 30 000 schrumpfen. Allein in Ostdeutschland wird sich die Absolventenzahl bis 2013 gegenüber 2000 etwa halbieren. Die Zahl der Schüler mit Abitur wird jedoch leicht steigen.

Zwischen 2011 und 2013 wird es laut Bericht starke Zuwächse wegen der doppelten Abiturjahrgänge geben. Diese ergeben sich aus dem verkürzten Gymnasium von 13 auf 12 Jahre. Die SPD wies Klagen der Unternehmen über mangelnden Nachwuchs zurück. «Hier hat die Wirtschaft ihre Hausaufgaben zu lange nicht gemacht und die eigene Personalentwicklung verschlafen», sagte SPD-Bildungsexperte Jörg Tauss.

(Quelle: dpa)
 


 

Rentenbeitrag soll womöglich doch ab 2011 wieder sinken

Do.03.04.08 - Im Streit über die Rentenerhöhung bahnt sich in der Koalition ein Kompromiss an. Kanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Michael Glos und Sozialminister Olaf Scholz hätten sich bereits auf Grundzüge geeinigt, meldete «Spiegel Online» am Mittwoch. Demnach könnte der Beitragssatz von 19,9 Prozent doch ab 2011 wieder sinken. Das Sozialministerium betonte allerdings, es gebe noch keine abschließende Entscheidung.

Die Koalition hatte einvernehmlich beschlossen, die Altersbezüge zum 1. Juli außerplanmäßig um 1,1 Prozent anzuheben - doppelt so stark, wie nach der derzeitigen Rentenformel zu erwarten. Nun geht es um Einzelheiten von Scholz' Vorlage für die Änderung der Rentengesetze.

Zum einen hatte der SPD-Politiker angekündigt, eine höhere Rücklage bei den Rentenkassen aufzubauen. Das hätte zur Folge, dass der Beitragssatz von 19,9 Prozent bis mindestens 2014 nicht sinken könnte. Nun sei verabredet, den Satz 2011 auf 19,5 Prozent, 2012 auf 19,3 Prozent und 2013 schließlich auf 19,1 Prozent zu senken, meldete «Spiegel Online».

Scholz' Pläne zum Aufbau einer höheren Rücklage von 2,5 Monatsausgaben seien nach Einsprüchen von Wirtschafts- und Finanzministerium vom Tisch. Vielmehr solle es dabei bleiben, dass die Rücklage auf maximal 1,5 Monatsausgaben aufgefüllt werde.

Darüber hinaus sehe der Kompromiss vor, die ausgefallenen Kürzungen bei den Rentenanpassungen schon ab 2011 nachzuholen und nicht erst ab 2013, wie es Scholz vorgesehen hatte. Das allerdings würde bedeuten, dass in den Jahren 2011, 2012 und 2013 praktisch kein Spielraum für Rentenerhöhungen bliebe. Denn in diesen Jahren würden der so genannte Nachholfaktor und der nachgeholte «Riester-Faktor» der Jahre 2008 und 2009 gleichzeitig wirken.

Laut «Spiegel» sollen die Staatssekretäre der beteiligten Ressorts am Freitag Einzelheiten ausarbeiten. Für Dienstag ist die Entscheidung des Bundeskabinetts vorgesehen.

Der Sprecher des Sozialministeriums, Stefan Giffeler, sagte, noch laufe die Abstimmung zwischen den Ressorts. Bis zur Kabinettssitzung werde es aber eine Entscheidung geben.

Die Kritik der Wirtschaft an der außerplanmäßigen Rentenerhöhung reißt nicht ab. «Die deutsche Wirtschaft lehnt die geplanten Wahlgeschenke für die Rentner ab», sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der «Süddeutschen Zeitung». Durch die Erhöhung würden milliardenschwere Zusatzkosten verursacht, für die letztlich Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufkommen müssten.

CDU-Sozialexperte Ralf Brauksiepe sagte der «Mittelbayerischen Zeitung», die vorgesehene Rentenerhöhung um 1,1 Prozent sei «fair und angemessen». Nach drei Nullrunden in Folge müssten die Rentnerinnen und Rentner nun etwas vom Aufschwung zu spüren bekommen.

(Quelle: ap)
 


 

Studie: Mittelstand ist größte Stütze des deutschen Arbeitsmarkts

Do.03.04.08 - Der Mittelstand ist nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft die größte Stütze des Arbeitsmarkts. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei zwischen 2003 und 2007 in Unternehmen bis 500 Mitarbeitern um 3,1 Prozent gestiegen, teilte das arbeitgebernahe Institut am Mittwoch in Köln mit. Großunternehmen hätten ihre Stammbelegschaften in dieser Zeit dagegen um 2,7 Prozent verkleinert.

Wie sich die Beschäftigtenzahlen im Mittelstand künftig entwickeln, hängt laut Institut auch von der aktuellen Finanzkrise ab. Sorgen bereite, dass die Banken nun die Bedingungen für die Vergabe von Krediten verschärfen könnten.

Ein zweites Problem sind den Angaben zufolge steigende Bürokratiekosten vor allem für kleine und mittlere Betriebe: Einer Untersuchung zufolge beliefen sich diese in Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern im Schnitt zuletzt auf etwa 4.400 Euro je Beschäftigten. In Betrieben mit 100 bis 499 Mitarbeitern kamen pro Kopf knapp 1.000 Euro zusammen, in Großbetrieben ab 500 Beschäftigten dagegen nur 350 Euro.

(Quelle: ap)
 


 

Heimliche Mitarbeiter-Überwachung auch bei Edeka und Plus

Do.03.04.08 - Nach Lidl haben auch die Einzelhändler Edeka und Plus Fälle von heimlicher Mitarbeiterüberwachung eingeräumt. Zuvor hatte das Online-Magazin «stern.de» aus Protokollen eines Sicherheitsunternehmens zitiert, das für beide Supermarktketten gearbeitet hat. In den Protokollen wurden dem Bericht zufolge detailliert private Angelegenheiten von Mitarbeitern festgehalten. Es seien aber deutlich weniger Protokolle als im Fall Lidl bekanntgeworden.

Edeka und Plus bestätigten die Existenz der Protokolle, betonten aber, das Sicherheitsunternehmen habe eigenmächtig gehandelt. Eine Edeka-Sprecherin sagte der AP: «Wir machen Ladendiebstahlskontrollen, wo Inventurdifferenzen auftreten. Aber wir bespitzeln unsere Mitarbeiter nicht.»

Die Vorwürfe von «stern.de» bezögen sich auf zwei Märkte eines selbstständigen Unternehmers, der die Protokolle nicht in Auftrag gegeben habe. «Es handelte sich um eine Selbstleistung des Dienstleisters», erklärte die Sprecherin. Den betreffenden Subunternehmer zitierte «stern.de» mit den Worten, die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma sei gestoppt worden.

Weiter schrieb «stern.de», wie bei Lidl seien Spitzel in den Edeka- und Plus-Märkten offiziell als Ladendetektive aufgetreten. Tatsächlich hätten sich die Detektive aber auch mit dem Ausspähen von Mitarbeitern beschäftigt und ihre Beobachtungen minuziös in seitenlangen Protokollen vermerkt. Zudem seien auch bei Plus und Edeka versteckte Mini-Kameras angebracht worden, mit denen die jeweiligen Läden hätten überwacht werden können.

Aus einem Protokoll über eine norddeutsche Plus-Filiale aus dem Juli 2006 zitierte «stern.de»: «Hier gab es eine anonyme Anzeige, da Frau C. sich angeblich zu wenig um ihre 8-jährige Tochter kümmern würde und das Kind während der Arbeitszeit am Nachmittag zu einer Freundin abgeschoben wird. Frau C. hat diesbezüglich heute um 17 Uhr ein Gespräch mit dem Jugendamt.»

Von Plus hieß es, man habe die Notizen nicht explizit beauftragt und weder ausgewertet noch weiter benutzt. Zudem könne man keinen konkreten Grund erkennen, weshalb Ladendiebstahl-Kontrolleure über Mitarbeiteraussagen berichtet hätten. «Da derartige Berichte den direkten Vorgesetzten nicht zugänglich waren und sind, haben und werden sich daraus keine Konsequenzen für Mitarbeiter ergeben», schrieben der Vorsitzende der Plus-Geschäftsführung, Alfred Glandler, und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Helmut Sistermann.

Nach Kenntnisnahme habe man umgehend veranlasst, dass eine Berichterstattung mit Notizen zu Mitarbeitern «von unserem Hause nicht mehr akzeptiert» werde, hieß es in dem Schreiben.

(Quelle: ap)
 


 

Hamburger CDU und Grüne bei Streitthema Bildung einig

Do.03.04.08 - Bei ihrem Streitthema Bildungspolitik sind sich CDU und Grün-Alternative Liste (GAL) in Hamburg einig geworden. Beide Seiten hätten ihr diesbezügliches Pensum abgearbeitet, hieß es nach einer achtstündigen Verhandlungsrunde. Konsens sei unter anderem eine Ausweitung der Kinderbetreuung und frühkindlichen Bildung, sagte eine CDU-Sprecherin. Demnach soll es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz in Hamburg bereits ab dem zweiten statt wie bisher ab dem dritten Lebensjahr geben. Vorschulische Bildung im letzten Jahr vor der Einschulung würde kostenlos.

Zur künftigen Schulstruktur sowie der Zukunft der von der GAL kritisierten Studiengebühren äußerten sich die Delegationen nicht. Für eine Premiere liefen die schwarz-grünen Verhandlungen "richtig gut", sagte CDU-Landeschef Michael Freytag nach Angaben der Sprecherin. Eine mögliche Einigung bei der Schulreform hatte sich bereits im Sondierungsgespräch angedeutet. Eine Verlängerung der Grundschule von vier auf sechs Jahre plus Vorschuljahr ergäben sieben Jahre gemeinsames Lernen und somit möglicherweise den Kompromiss zwischen der von der GAL geforderten neunjährigen Einheitsschule und dem Festhalten der CDU an den Gymnasien. Nach den Gesprächen vom Dienstag könnte das Vorschuljahr allerdings freiwillig bleiben: Das Elternwahlrecht zwischen Kindergarten und Vorschule wollen CDU und GAL nun möglichst erhalten. Bei den Grundschulen sollen Ganztagsangebote ausgebaut werden.

Eine endgültige Erklärung zur Bildungspolitik einer künftigen schwarz-grünen Landesregierung wollen beide Seiten demnach kommende Woche abgeben. Zunächst gehen die Koalitionsverhandlungen bereits am Donnerstag mit den Themen Soziales und Integration, Stadtentwicklung und Arbeitsmarkt weiter. Nach zweimaligen vergeblichen Einigungsversuchen stehen auch die Knackpunkte Elbvertiefung und Kohlekraftwerk Moorburg noch aus. Innerhalb der nächsten zweieinhalb Wochen wollen CDU und Grüne den Entwurf eines Koalitionsvertrags fertigstellen, um die GAL-Basis am 27. April darüber abstimmen zu lassen. Wann der CDU-Landesvorstand dazu tagt, steht noch nicht fest.

(Quelle: afp)
 


 

CSU-Spitze beschwört Einheit von Partei und Fraktion

Do.03.04.08 - Sechs Monate vor der Landtagswahl in Bayern hat die CSU-Spitze die Geschlossenheit von Partei und Fraktion beschworen. Nach einer über fünf Stunden dauernden Fraktionssitzung in München erklärte Parteichef Erwin Huber am Abend, "sehr zufrieden" zu sein. Der "Wille zum Miteinander" sei von allen unterstrichen worden. Ministerpräsident Günther Beckstein sprach von einem "guten Tag", räumte jedoch ein, die Anzahl der kritischen Wortmeldungen ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt "nicht in dem Umfang" erwartet zu haben.

Es gebe überall im Leben Phasen mit Hochs und Tiefs, so auch in der Politik, rechtfertigte Beckstein sich. Mit Blick auf die derzeitige Führungskrise erklärte der Ministerpräsident, dass die Partei künftig die Leistungsbilanz Bayerns deutlicher herausstellen werde.

Im Zusammenhang mit den Milliardenverlusten der Bayerischen Landesbank (BayernLB) verteidigte Beckstein seinen Finanzminister Huber, der als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender in die Kritik geraten war. Es sei "ein Schmarrn" zu glauben, dass Huber Schuld habe an den Verlusten. Die BayernLB sei wie viele andere Institute von der internationalen Bankenkrise erfasst worden, sagte Beckstein.

Am Rande der Sitzung erklärten CSU-Finanzexperten, dass sie bei der BayernLB mit einem Verlust deutlich unter vier Milliarden Euro rechnen. Beckstein hatte vor einigen Tagen eine Schätzung der Rating-Agentur Moody's bestätigt und von möglichen Verlusten in Höhe von vier Milliarden Euro gesprochen. Am Donnerstag legt die BayernLB ihre Bilanzzahlen für das Jahr 2007 vor.

Kurz vor dem Ende der Fraktionssitzung hatte Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber die Diskussion am frühen Abend wider Erwarten ohne Wortmeldung verlassen. "Es war nicht notwendig", sagte Stoiber. Es habe eine "gute Diskussion" gegeben und eine "große Geschlossenheit". Stoiber war von der Landtagsfraktion zur Teilnahme an der Aussprache gebeten worden. Am Freitag und Samstag kommt der CSU-Vorstand zu einer Klausur in Kreuth zusammen, auch daran wird der ehemalige Ministerpräsident und Ehrenvorsitzende Stoiber auf Bitten von Parteifreunden teilnehmen.

(Quelle: afp)
 


 

Studie: Kassenpatienten warten länger auf Arzttermine

Do.03.04.08 - Kassenpatienten müssen nach einer Untersuchung der Universität Köln durchschnittlich dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie Privatversicherte. Die Studie des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie belege Unterschiede bei den Wartezeiten von bis zu einem Monat, berichtete der "Kölner Stadtanzeiger" in seiner Dienstagsausgabe.

Damit sei erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, "dass Kassenpatienten sich bei der Terminvergabe in Facharztpraxen hinten anstellen müssen", sagte Institutsleiter Markus Lüngen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung wies das Studienergebnis zurück und erklärte, Ärzte vergäben Termine "unabhängig davon, ob der Patient privat oder gesetzlich krankenversichert ist".

Für die Studie hatten Tester sich im Frühjahr 2006 bei 189 niedergelassenen Facharztpraxen entweder als Kassen- oder als Privatpatient ausgegeben und um Untersuchungen gebeten. Gezählt wurden die Werktage zwischen dem Anruf und dem vergebenen Termin. Die größte Differenz ergab sich bei Magenspiegelungen: Hier mussten Kassenpatienten im Durchschnitt 36,7 Werktage warten, Privatpatienten erhielten bereits nach 11,9 Werktagen einen Termin.

Als Grund für die Bevorzugung von Privatversicherten nannte Institutsleiter Lüngen die unterschiedlichen Honorarsätze. Bei der Behandlung eines Privatpatienten verdienten niedergelassene Ärzte zwischen 20 und 35 Prozent mehr als für einen Kassenpatienten. Manche Arztpraxis könne mittlerweile nur durch solche Zusatzeinnahmen überleben, erklärte der Wissenschaftler. "Der Fehlanreiz liegt im System." Er forderte, die Honorare von der Versicherungsart unabhängig zu machen.

(Quelle: epd)
 


 

Neuauflage eines möglichen NPD-Verbotsverfahrens gerät ins Stocken -- Streit um V-Leute und Informationsfluss

Do.03.04.08 - Durch Querelen zwischen Union und SPD sowie parteiinterne Uneinigkeiten ist die mögliche Neuauflage eines NPD-Verbotsverfahrens ins Stocken geraten. Die SPD griff die Innenminister der Unions-geführten Länder für ihre angebliche Verweigerungshaltung bei den Vorbereitungen erneut scharf an. Der CDU-Innenexperte Ralf Göbel wies die Kritik zurück. Die Linke forderte den Abzug von V-Leuten als grundlegende Voraussetzung für ein Verbotsverfahren. «Sonst ist das Ganze eine Scheindebatte, die nur der NPD hilft», sagte Linke-Fraktionsvize Petra Pau.

SPD-Fraktionschef Peter Struck bezeichnete es als «Skandal», wenn sich die Unions-Innenminister in den Ländern weigerten, Material für ein Verbotsverfahren zu liefern. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz und die 16 Verfassungsschutzämter der Länder aufgefordert, bis Ende März Informationen zur NPD zusammenzustellen. Das Ministerium wartet nach eigenen Angaben noch auf die Rückmeldungen. Nach Medienberichten verweigern jedoch mindestens acht Unions-geführte Bundesländer die Mitarbeit.

SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner warf der Union ebenso eine Blockadehaltung vor. Er finde es unmöglich und nicht zu rechtfertigen, eine ernsthafte Prüfung schon im Ansatz zu ersticken. Auch der Grünen-Innenexperte Wolfgang Wieland kritisierte das Verhalten der Unions-Minister als «unmöglich». Mit ihrer Gegenwehr «brüskierten» sie Schäuble und auch den Bundestag. Bislang gebe es nur «unerfreuliches Verbotsgequatsche» und «Koalitionsstreitigkeiten» statt sachlicher Debatten.

Der CDU-Innenexperte Göbel entgegnete, er sei überzeugt, dass sich alle Länder an die Absprachen hielten und die geforderten Informationen lieferten - egal ob Unions-geführt oder nicht. «Wenn ein Land das nicht tun will, muss es sich erklären», sagte Göbel. Einen legitimen Grund dafür könne er sich jedoch nicht vorstellen.

Kritiker des Verbotsantrages argumentieren unter anderem, es sei nicht vertretbar, für das Verbotsverfahren die V-Leute von der NPD abzuziehen, wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert. Struck geht davon aus, dass die Verfassungswidrigkeit der Partei jedoch «auch ohne die Mitarbeit von V-Leuten nachgewiesen werden kann».

Nach Angaben von Stegner haben die fünf sozialdemokratischen Innenminister «vielversprechendes» Material gesammelt, das sie in den nächsten Tagen beim Bundesinnenminister vorlegen werden. «Die Verfassungsfeindlichkeit der NPD ist mit Händen zu greifen», sagte er.

Ohne die Abschaffung der V-Leute müsse über ein Verbotsverfahren gar nicht geredet werden, sagte dagegen Linksfraktions-Vize Pau. «V-Leute sind bezahlte Spitzel und bezahlte Provokateure», sagte sie. Wer ein NPD-Verbot wolle, müsse konsequent sein und sie abziehen. Auch Wieland sagte, die V-Leute seien verzichtbar.

Einig sind sich die Parteien dagegen in einem Punkt: Ein Scheitern wie beim jüngsten NPD-Verbotsantrag 2003 müsse verhindert werden, heißt es auf allen Seiten. Das Bundesverfassungsgericht hatte das Verfahren wegen der Rolle der V-Leute gestoppt. «Noch so ein schlampiges Verfahren mit verheerenden Ergebnissen können wir uns nicht leisten», sagte Göbel, «ich möchte nicht noch einmal das Jubelgeschrei und Triumphgeheule der NPD hören.»

(Quelle: ddp)
 


 

Wissenschaft

Britische Forscher schufen Embryonen aus Mensch und Tier

Do.03.04.08 - Britische Forscher haben Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren geschaffen. Die Erzeugung dieser Chimären sei ein wichtiger Erfolg für die Stammzellenforschung, erklärte die Universität von Newcastle am Mittwoch.

Die Embryonen aus menschlichem Erbgut, das aus Hautzellen gewonnen wurde, und Eizellen von Kühen seien nach drei Tagen zerstört worden. Die katholische Kirche und die Gesellschaft für den Schutz ungeborener Kinder fordern ein Verbot derartiger Forschungen.

Für die Experimente unter Leitung des Stammzellenforschers Lyle Armstrong hatte die britische Embryologie-Behörde HFA eine Sondergenehmigung erteilt. Die Wissenschaftler wollen feststellen, ob sich Chimären-Stammzellen für die Behandlung schwerer Krankheiten nutzbar machen lassen. Tierische Eizellen stünden im Gegensatz zu menschlichen unbegrenzt zur Verfügung, sagte John Burn, der Leiter des Instituts für Humangenetik der Universität von Newcastle, zur Begründung. «Menschliche Eizellen sind sehr wertvoll und entsprechend schwer zu bekommen. So kamen wir auf die Idee, den Mangel durch die Verwendung von Kuh-Eizellen zu überwinden.»

Das Experiment fachte die Diskussion über ein von der Regierung in London geplantes neues Gesetz zur Stammzellenforschung noch weiter an. Mit dem Gesetz, über das frühestens im Mai abgestimmt werden soll, soll auch die Erzeugung von Chimären-Embryonen zu Forschungszwecken generell erlaubt und geregelt werden. Gegen dieses Vorhaben protestierte neben anderen der Kardinal der Schottischen Katholischen Kirche Keith O'Brien. Es stelle eine «monströse Attacke auf die Menschenrechte, auf die menschliche Würde und auf das menschliche Leben dar».

Die britische Gesellschaft für den Schutz ungeborener Kinder sprach angesichts der Schaffung des so genanten Hybrid-Embryos aus Mensch und Kuh von einem «Desaster». Der Labour-Abgeordnete und Vorsitzende der parteiübergreifenden parlamentarischen Gruppe «Pro Life», Jom Dobbin, erklärte: «Die bewusste Verwischung der Grenzen zwischen Menschen und anderen Spezies ist ein Anschlag auf das Herzstück dessen, was uns zu Menschen macht».

Dagegen erklärte Professor Burn, es könne keine Rede davon sein, dass die Wissenschaftler «Monster schaffen». Wer sich mit der Problematik genauer beschäftige, erkenne rasch, dass sie «kein neues ethisches Problem aufwirft». Armstrong hatte vor Beginn des Experiments gesagt, es sei «ganz wichtig zu wissen, dass wir dies ausschließlich für Forschungszwecke nutzen werden».

Die Zellhybriden, die die Forscher nun geschaffen haben, bestanden zum weitaus größten Teil aus menschlichem und nur zu 0,1 Prozent aus tierischem Material. Nach den von der HFA mit der Erteilung mehrerer Sondergenehmigungen verbundenen Auflagen müssen solche Embryonen spätestens nach 14 Tagen zerstört werden. Sie wären dann nicht größer als ein Stecknadelkopf.

Nachdem die jetzt erzeugten Chimären-Embryonen drei Tage am Leben gehalten wurden wollen die Forscher in Newcastle in einem weiteren Versuch solche Hybriden zunächst sechs Tage leben lassen. Sollten auch diese Versuche erfolgreich verlaufen, könnten nach den Vorstellungen der Forscher auch Embryonen aus Mensch und Kaninchen, Ziegen und anderen Tieren entstehen. Ähnliche Experimente wollen auch Stammzellenforscher am King's College in London unternehmen. Auch sie haben dafür bereits eine Genehmigung der Behörden erhalten.

Bereits 1998 hatten US-Forscher der Biotech-Firma ACT in Worcester und der Universität Wisconsin nach eigenen Angaben menschliche Hautzellen mit den Eizellen von Kühen verschmolzen und aus dem entstandenen Embryo Stammzellen gewonnen. Südkoreanische Forscher wollen das Experiment 2002 wiederholt haben. Chinesische Forscher haben 2003 eine Arbeit über das Herstellen eines Embryos aus Kaninchen-Eizellen und menschlichem Erbgut im Fachjournal «Cell Research» veröffentlicht.

(Quelle: dpa)
 


 

Forscher kombinieren Eis und Baumringe zu neuer Klimarechnung

Do.03.04.08 - Die Geschichte des Klimas kann nach Angaben von Forschern erstmals bis in die Zeit von vor 14 500 Jahren exakt zurückverfolgt werden.

Forscher der Universität Hohenheim und internationale Kollegen fanden eine Methode, Klimadatierungen von Baumringen mit denen von sogenannten Eiskernen zu kombinieren. Mit Eiskernen - teilweise kilometerlangen aus der Tiefe gebohrten Eisstangen - könne man zwar Klimaschwankungen über mehr als hunderttausend Jahre nachvollziehen. «Jahrgenaue Geschichtsschreibung war aber bislang nur mit Baumringen möglich», teilte die Universität am Dienstag mit. Der Originalartikel ist in der Zeitschrift «Nature Geoscience» veröffentlicht.

Das Baumring-Archiv der Universität Hohenheim - den Angaben zufolge der längste Baumring-Kalender der Welt - reiche genau 12 468 Jahre zurück. Für jede Epoche haben das jeweilige Klima und andere Faktoren ein Muster von dicken und dünnen Jahresringen hinterlassen, das bei allen Bäumen einer Region aus dieser Zeit identisch ist. Durch einen neuartigen Mix von Methoden haben die Forscher die beiden Kalender aus Holz und Eis nun zusammengeführt. Die neue Methode kombiniere die Vorteile beider Archive und überwinde die jeweiligen Nachteile. «Bislang hatten wir zum Beispiel in unserem Baumring- Kalender eine Lücke von bis zu 200 Jahren vermutet. Mit Hilfe des Gletschereises vermuten wir nun, dass sie vielleicht gar nicht vorhanden ist», sagte Friedrich.

Die Forscher nutzten für ihre neue Karte zwei radioaktive Elemente, die über Gletschern und Bäumen in der Atmosphäre gebildet werden. «Eins davon ist Beryllium, das mit dem Schnee aus der Atmosphäre gewaschen wird und in den Eiskernen erhalten bleibt», erläuterte der Hohenheimer Forscher Michael Friedrich. Das zweite sei radioaktiver Kohlenstoff, den Bäume aus der Luft aufnehmen und in ihre Jahresringe einbauen. Die Beryllium-Kurve aus dem Eis und die des Kohlenstoffs aus den Jahresringen wiesen exakt die gleichen Schwankungsmuster auf, so Friedrich. «Eiskerne und Jahresringe sind damit direkt miteinander vergleichbar.»

(Quelle: dpa)
 


 

Computer & Cyberspace

Gefahren aus dem Web - Aufpassen reicht nicht mehr

Do.03.04.08 - Praktisch seit seinem Bestehen lauern im Internet Gefahren. Noch vor einigen Jahren suchte sich das Übel als Dateianhang in E-Mails den Weg auf private Rechner. Inzwischen reicht es schon aus, eine präparierte Internet-Seite zu besuchen - und schon ist der PC infiziert. Aufpassen allein reicht da nicht mehr aus.

Als die meisten Schädlinge noch simple Viren waren und per E-Mail ins Haus geflattert kamen, konnten die Nutzer sich häufig durch umsichtiges Verhalten schützen. Ausführbare Dateien mit der Endung "exe", die von fremden Adressen aus verschickt worden waren, galten als verdächtig. Dasselbe galt für Zip-Dateien, denn auch in ihnen konnten Viren versteckt werden.

Die Familie der Schädlinge ist in der Zwischenzeit gewachsen. Auch die Art, wie sie Rechner befallen, ist raffinierter geworden. In einigen Fällen muss der Anwender nicht einmal mehr eine Datei ausführen oder aktiv herunterladen, um sich schädliche Software einzufangen.

Bei sogenannten "Drive-by-Downloads" reicht es bildlich gesprochen, an der bösen Anwendung "vorbeizufahren". Sprich: Wer auf eine infizierte Seite klickt, um dessen Rechner ist es schon geschehen. Die gefährliche Anwendung installiert sich im Hintergrund von selbst, ohne dass der Anwender es bemerkt.Welche Seiten infiziert sind, lässt sich aber in aller Regel kaum erkennen. Denn immer häufiger werden seriöse Internet-Auftritte von Hackern manipuliert. Der Anwender wähnt sich in Sicherheit und glaubt, er betrete virtuell ein "sauberes" Terrain.

Vor der Gefahr der Drive-by-Downloads ist nur derjenige einigermaßen sicher, der sein Internet-Zugriffsprogramm (Browser) aktuell hält. Sind Updates oder neue Versionen verfügbar, sollten diese sofort heruntergeladen werden. Die Hersteller bessern die Programme regelmäßig dahingehend aus, Sicherheitslücken zu stopfen. Durch eben diese Lücken sind viele der Drive-by-Downloads erst möglich. Darüber hinaus sollte eine Antiviren-Software installiert und regelmäßig aktualisiert werden. In Kombination mit Programmen zum Aufspüren weiterer Computer-Schädlinge wie Trojaner, Bots oder Rootkits sichern sie den heimischen PC so weit wie möglich ab.

(Quelle: gp)
 


 

Verdoppelung des Spam-Aufkommens in diesem Jahr erwartet

Do.03.04.08 - Mehr als verdoppeln wird sich das Aufkommen unerwünschter Werbe-E-Mails in diesem Jahr. Diese Einschätzung eines Herstellers von Sicherheits-Software für E-Mails basiert auf den Zahlen für das erste Quartal 2008.

Durchschnittlich ist der Spam-Anteil in Unternehmen in den ersten drei Monaten des Jahres bereits um mehr als 50 Prozent gestiegen. In einigen Unternehmen beträgt die Steigerungsrate sogar 200 Prozent. Das hat jetzt das Unternehmen Proofpoint berichtet.

Gemessen worden sind die Spam-Mengen von Firmen in aller Welt. Dabei hat sich gezeigt, dass es vorübergehend zu einem erhöhten Aufkommen der unerwünschten Werbe-Nachrichten kommt. Innerhalb weniger Stunden kann sich so in Einzelfällen das E-Mail-Aufkommen um 500 Prozent bis 700 Prozent steigern. Manche Computer-Systeme können mit einem solchen Massenandrang elektronischer Nachrichten nicht fertig werden und brechen unter der Last zusammen. Möglich sind derlei Großangriffe vor allem durch sogenannte Botnets. Hierbei handelt es sich um virtuelle Zusammenschlüsse von Hackern heimlich gekaperter Computer. Die eigentlichen Besitzer wissen meist nichts davon, dass ihre Rechner zum massenhaften Versand von Spam-Nachrichten missbraucht werden.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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