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Irak am 1473sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Al-Sadr ruft eine Million zur Demonstration gegen USA. Mindestens drei
Tote bei US-Luftangriff auf Wohnhaus in Basra. Sieben Tote bei
Selbstmordanschlag im Nordirak. USA halten trotz jüngster Gewalt
an Truppenabzug aus Irak fest. Schweden richtet im Mai Irak-Konferenz
aus. UN fordern rasche Beseitigung von Blindgängern im Irak -
Besondere Sorge bereiten die Streubomben
Fr.04.04.08 - Der radikal-schiitische Prediger Moktada al-Sadr hat seine
Anhänger aufgefordert, in Millionenstärke gegen die
US-Präsenz im Irak zu demonstrieren.
Der Marsch solle am 9. April in Nadschaf stattfinden, dem fünften
Jahrestag des Falls von Bagdad, erklärte das Büro Sadrs am
Donnerstag in der den Schiiten heiligen Stadt. US-Streitkräfte
griffen in Basra und Hilla erneut mutmaßliche Ziele von Rebellen
an. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Für Freitag rief
Sadr seine Anhänger in Bagdad dazu auf, mit Sitzblockaden gegen
die Angriffe zu protestieren.
"Die Zeit ist gekommen, unsere Ablehnung auszudrücken und unsere
Stimmen laut zu erheben: Gegen die ungerechten Besatzer, die Feinde der
Nationen und der Menschlichkeit und gegen die von den Besatzern an
unserem ehrenhaften Volk verübten furchtbaren Massaker",
hieß es in der Erklärung Sadrs. Nadschaf ist der Ort einer
jährlichen Pilgerfahrt von Schiiten, zu der oftmals
Hunderttausende anreisen. Sadr verfügt in der Bevölkerung
über mehrere Millionen Anhänger.
Ein Sprecher des irakischen Innenministeriums sagte, solange die
Demonstration friedlich bleibe, werde die Regierung nicht gegen sie
vorgehen.
Kämpfer Sadrs lieferten sich in der vergangenen Woche im gesamten
Süden des Landes schwere Gefechte mit irakischen und US-Truppen.
Die Kämpfe weiteten sich von Basra bis nach Bagdad aus. Der
Konflikt verdeutlicht den tiefen Riss, der durch die schiitische
Bevölkerung geht. Am Sonntag befahl Sadr den Kämpfern seiner
Mehdi-Miliz, die Gefechte einzustellen.
Bei einem US-Luftangriff in der südirakischen Hafenstadt Basra ist
ein Wohnhaus zerstört worden. Über die Opfer gab es am
Donnerstag widersprüchliche Angaben. Augenzeugen berichteten, es
seien mindestens drei zivile Bewohner getötet worden. Die
amerikanischen Streitkräfte sprachen von zwei getöteten
Extremisten. Über zivile Opfer sei nichts bekannt. Entsprechende
Berichte würden aber geprüft.
Der Luftangriff galt nach US-Angaben einem Extremisten. Ein Nachbar
sagte dem Fernsehnachrichtendienst APTN, ein US-Flugzeug habe das
Wohnhaus während des Abendgebets am Mittwoch bombardiert.
«Wir eilten hinzu, um Überlebende zu retten, hatten aber
keinen Erfolg. Der Vater, die Mutter und ein kleiner Junge wurden
getötet und drei weitere unter den Trümmern begraben»,
sagte Hadsch Dschuwad. Der Stadtteil Kibla, in dem sich das
zerstörte Wohnhaus befand, gilt als Hochburg der Mahdi-Miliz.
Nahe Mossul im Norden Iraks kamen bei einem Selbstmordanschlag am
Donnerstag mindestens sieben Menschen ums Leben. Zwölf wurden
verletzt, wie ein irakischer Militärsprecher mitteilte.
Der Selbstmordattentäter zündete seine Bombe an einem
Kontrollpunkt der irakischen Armee in der Region Addajah, rund 30
Kilometer westlich von Mossul. Unter den Toten sind auch eine Frau und
ein fünfjähriges Kind. Mossul gilt als Zentrum der
sunnitischen Aufstandsbewegung und des Terrornetzwerks Al Kaida.
In Bagdad wurden bei Anschlägen am Donnerstag mindestens zwei
Menschen getötet und 13 verletzt. In Hillah wurden drei irakische
Zivilpersonen bei einem US-Luftangriff verletzt.
Das US-Militär hält derweil trotz der jüngsten
Kämpfe im Irak an seiner geplanten Truppenreduzierung in dem
Golfstaat fest.
Der laufende Abzug von fünf Brigaden bis Ende Juli werde
fortgesetzt, sagte US-Generalstabschef Admiral Mike Mullen am Mittwoch.
Dadurch soll die Truppenstärke am Golf wieder auf den Stand vor der
Aufstockung vom vergangenen Jahr gebracht werden, mit deren Hilfe die
USA die Gewalt vor allem in Bagdad eindämmen wollten.
Nach dem Juli werde überprüft, ob mehr Soldaten aus dem Irak
abgezogen werden könnten, sagte Mullen weiter. Wie lange diese
Prüfung dauern werde, ließ er offen. Weitere
Truppenreduzierungen würden von der Sicherheitslage im Irak
abhängen. Dabei würden Entwicklungen wie die derzeitige
Gewaltwelle im Südirak auf jeden Falle eine Rolle spielen. Bis am
Golf Kapazitäten frei würden, seien die USA zudem wohl nicht
in der Lage, zusätzliche Truppen nach Afghanistan zu schicken.
Derzeit haben die USA im Irak 158.000 Soldaten im Einsatz.
Großbritannien hatte am Dienstag angekündigt, den Abzug
seiner 1500 Soldaten wegen der Gewalt in Basra zu verzögern.
Schweden will Ende Mai eine internationale Konferenz zum Wiederaufbau
im Irak ausrichten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der
irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hätten darum
gebeten, als Gastgeber zu fungieren, teilte die Regierung in Stockholm
am Donnerstag mit. Auf der Konferenz soll demnach die weitere
internationale Unterstützung für den Irak besprochen werden.
Die Vereinten Nationen fordern eine rasche Beseitigung nicht
explodierter Landminen, Streubomben und anderer Munition im Irak. Die
in die Hunderttausende gehenden Blindgänger gefährdeten
Entwicklungsprojekte und stellten besonders für Kinder eine Gefahr
dar, hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung
des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) und des Kinderhilfswerks UNICEF.
Besondere Sorge bereiten dabei die Streubomben. Laut einer Untersuchung
der Aktionsgruppe Handicap International aus dem Jahr 2006 gibt es in
keinem anderen Land der Erde so viel nicht explodierte Streumunition
wie im Irak. Die Munition stammt zum Teil noch aus dem
iranisch-irakischen Krieg von 1980 bis 1988.
Bei der Streumunition handelt es sich um Pakete mit mehreren hundert
oder tausend einzelnen Sprengsätzen, die über dem Boden
explodieren. Die Explosionswirkung erfasst etwa eine Fläche von
der Größe eines Fußballfeldes. Allerdings detonieren
meist 10 bis 40 Prozent der Sprengsätze nicht sofort und stellen
danach eine tödliche Gefahr dar. Bei der kleinsten Berührung
können sie explodieren. Opfer sind häufig Kinder, die sich
wegen Form und Farbe für die Sprengsätze interessieren.
Im iranisch-irakischen Krieg und während der US-geführten
Invasion 2003 wurden laut Handicap International mindestens 55
Millionen einzelne Streubomben über dem Irak abgeworfen. Bei der
Explosion von Blindgängern wurden den Vereinten Nationen zufolge
2006 mehr als 560 Iraker getötet, ein Viertel der Opfer waren
Kinder.
boa (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 04.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundneunten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mi.04.04.07 - Bush wirft Demokraten Gefährdung von US-Soldaten im Irak vor +++
Militäreinsatz der USA im Irak läßt Vertrauen der
US-Bürger in Außenpolitik ihres Landes schwinden ++´+ Sorge um
deutsche Irak-Geiseln wird größer...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704040.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan: Kein Sieg am Hindukusch absehbar
Fr.04.04.08 - George W. Bush rief bereits im Juni 2004 den «ersten Sieg im
Krieg gegen den Terror» aus - der US-Präsident meinte
Afghanistan. Das war verfrüht. Schon damals war erkennbar, dass die
Taliban vielleicht geschwächt, aber nicht besiegt worden waren.
Die Zahl der NATO-Soldaten in Afghanistan nimmt zwar Jahr für Jahr
zu, doch dasselbe gilt auch für die Gewalt am Hindukusch. Ein
Erfolg des Westens ist nicht absehbar. Bush selber hat nun beim NATO-
Gipfel in Bukarest eindringlich gewarnt: «Wir dürfen
Afghanistan nicht verlieren, koste es, was es wolle.»
Besonders der Süden des Landes, in dem die Hochburgen der Taliban
liegen, bereitet zunehmend Sorge. Die Vereinten Nationen schätzten
im vergangenen Monat 78 der knapp 400 afghanischen Distrikte als
«extrem riskant» ein. In diese Gegenden im Süden haben
UN-Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen keinen Zugang mehr. Die
Gewalt hat einen Teufelskreis verursacht. Wenn die Vereinten Nationen
und Hilfsorganisationen den Unruhegebieten fernbleiben, findet dort kaum
noch Wiederaufbau statt. Je weniger die Afghanen aber von dem ihnen
versprochenen Fortschritt sehen, desto stärker wenden sie sich von
der Staatengemeinschaft ab - und den Taliban zu.
Die Aufständischen würden inzwischen wieder rund zehn Prozent
des Landes kontrollieren, sagte der Koordinator der US-Geheimdienste,
Mike McConnell, im Februar 2008 vor dem Streitkräfteausschuss des
US- Senats. Ein deutlich größeres Gebiet ist zwar nicht
unbedingt unter direkter Kontrolle der Taliban, dort gelingt es den
Rebellen aber, mit Anschlägen und Angriffen Angst und Schrecken zu
verbreiten. Die Aufständischen signalisieren damit der
verunsicherten Bevölkerung, dass weder die afghanische Regierung
noch die hochgerüsteten ausländischen Truppen ihre Sicherheit
garantieren können.
Dabei hat sich die Zahl der Truppen in den vergangenen Jahren
vervielfacht. Als die NATO-geführte Internationale Schutztruppe
ISAF im Herbst 2003 mit ihrer Ausweitung von Kabul auf das ganze Land
begann, verfügte sie über 5500 Soldaten. Zur selben Zeit
hatten die US-geführten Koalitionstruppen 14 000 Soldaten in
Afghanistan stationiert. Inzwischen hat sich die Gesamtzahl der
ausländischen Truppen mehr als verdreifacht: Die ISAF hat nach
eigenen Angaben rund 47 000 Soldaten am Hindukusch, die Koalition etwa
16 000. Die Taliban haben sich angesichts des übermächtigen
Gegners auf das verlegt, was Militärs «asymmetrische
Kriegsführung» nennen.
Die Aufständischen, deren harter Kern nach sehr unterschiedlichen
Schätzungen zwischen 2000 und 15 000 Mann umfasst, vermeiden
meistens offene Gefechte mit den Truppen. Stattdessen setzen sie auf
Sprengfallen und Selbstmordanschläge. Im jüngsten
Afghanistan-Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon an den
Weltsicherheitsrat heißt es, im vergangenen Jahr habe «der
Grad von Aufständischen- und Rebellenaktivität verglichen mit
dem Vorjahr scharf zugenommen». Durchschnittlich seien 566
«Vorfälle» pro Monat registriert worden - ein Drittel
mehr als 2006. Die Zahl der Selbstmordanschläge sei um 30 Prozent
auf 160 gestiegen. Nach UN-Angaben sind im vergangenen Jahr mehr als
8000 Menschen in Afghanistan gewaltsam ums Leben gekommen. 2006 waren
Schätzungen von etwa halb so vielen ausgegangen.
In Bans Bericht heißt es, Afghanistan bleibe grob geteilt
zwischen einem generell stabileren Norden und Westen sowie einem
«von einem zunehmend koordinierten Aufstand geprägten»
Süden und Osten. Zwar sei die meiste Gewalt 2007 auf einen kleinen
Teil des Landes im Süden beschränkt gewesen. «Ein
beunruhigender Trend ist jedoch das graduelle Auftauchen von
Rebellenaktivität im äußersten Nordwesten des Landes
gewesen, einer Gegend, die ruhig war.» Der afghanische
Verteidigungsminister Abdel Rahim Wardak rechnet damit, dass die Taliban
in diesem Jahr versuchen werden, ihren Einfluss auch in den Westen und
in den Norden des Landes auszudehnen - also auch in das Einsatzgebiet
der Bundeswehr in Nordafghanistan.
(Quelle: dpa)
NATO verstärkt Afghanistan-Einsatz und plant Ausstieg
Fr.04.04.08 - Die NATO will ihren Einsatz in Afghanistan weiter verstärken.
Zugleich wurde auf dem NATO-Gipfel in Bukarest am Donnerstag aber
erstmals eine Ausstiegs-Strategie vereinbart.
In diesem vertraulich eingestuften Papier legten die Verbündeten
fest, welche Sicherheitsbedingungen in Afghanistan herrschen
müssen, um aus dem Einsatz schrittweise auszusteigen. Trotz der
von Frankreich angebotenen Entsendung zusätzlicher 700 Soldaten
traten die massiven Probleme des Einsatzes der internationalen
Schutztruppe ISAF zutage.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai kündigte nach
Gesprächen mit NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer und
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Abend an, die
Sicherheitskräfte seines Landes würden die Verantwortung
für die Hauptstadt Kabul übernehmen. «Afghanistan ist
dazu entschlossen, die übernommenen Verpflichtungen zu
erfüllen.»
Ban versicherte Karsai die Unterstützung der internationalen
Gemeinschaft, um in Afghanistan für Frieden und Freiheit und die
Wahrung der Menschenrechte zu sorgen. De Hoop Scheffer sagte, die
Vereinten Nationen und die NATO stünden im Kampf gegen den Terror
und für den zivilen Wiederaufbau in Afghanistan Seite an Seite.
Die Staats- und Regierungschefs der 26 NATO-Staaten beschlossen mit
einer offiziellen Gipfelerklärung langfristige Hilfe für
Afghanistan. Zugleich verpflichteten sie sich untereinander zu einer
Lastenteilung im Bündnis sowie größtmögliche
Flexibilität für den ISAF-Kommandeur beim Einsatz der
Soldaten. Die Bundeswehr hat hier klare Grenzen, weil Berlin sie nicht
im umkämpften Süden - einer Hochburg der radikalislamischen
Taliban - einsetzen will.
In dem Papier wurde auch vereinbart, Afghanistans Nachbarn, speziell
Pakistan, stärker in eine Kooperation einzubeziehen sowie die
zivile und militärische Hilfe für Afghanistan in einem
sogenannten Konzept der vernetzten Sicherheit besser zu verzahnen.
Allerdings bot das Papier wenig Aufschluss darüber, welche
Prioritäten dabei gesetzt werden sollen.
Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy mahnte, wenn die NATO
eines Tages aus Afghanistan wieder abziehen wolle, müsse sie jetzt
ihre Anstrengungen verstärken und siegen. Das Bündnis sei
aber nicht aufgerufen, «ewig in Afghanistan zu bleiben».
Auf dem Gipfel wurde eine Gesamtstrategie für Afghanistan
vereinbart, wonach die zivilen und militärischen Komponenten
besser verzahnt werden sollen.
Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die NATO habe seit
ihrem letzten Gipfel in Riga Ende 2006 mit diesem Konzept der
sogenannten vernetzten Sicherheit große Fortschritte gemacht.
«In Riga haben wir gesagt, dass wir es brauchen. Heute sehen wir,
dass wir es haben.» Deutschlands Verteidigungsminister Franz
Josef Jung (CDU) sagte, er sei froh, dass diese Gesamtstrategie
verabschiedet worden sei.
In dem vertraulichen Papier zur Gipfel-Erklärung legte das
Bündnis auf deutsche Initiative erstmals Ziele für den Aufbau
der afghanischen Sicherheitskräfte fest, damit diese selbst das
Land schützen und ausländische Soldaten stufenweise abziehen
können. Eine Zeitschiene gebe es aber nicht, teilten
Konferenzteilnehmer mit.
Mit der Aufstockung der französischen Truppen wurde der erbitterte
Streit in der NATO über die Hilfe für die im umkämpften
Süden stationierten NATO-Partner vorerst gelöst. Sarkozy
sagte, er werde die zusätzlichen Soldaten in den Osten des Landes
schicken, weil die USA im Süden Kanada unterstützen wollten.
Dieses Angebot verhindert den Abzug kanadischer Truppen aus dem
Süden. Kanada verlor dort viele Soldaten und hatte daraufhin
gedroht, seine Truppen ganz abzuziehen, wenn es keine spürbare
Unterstützung bekomme.
(Quelle: dpa)
Libyen: Deutsche Spezialisten schulten heimlich Gaddafis Polizei
Fr.04.04.08 - Mehr als 30 deutsche Polizisten, Bundeswehr-Angehörige und
Spezialisten mit GSG-9-Hintergrund sollen auf eigene Rechnung
Sicherheitskräfte des libyschen Revolutionsführers Muammar
al-Gaddafi ausgebildet haben.
Behördenkreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur dpa
in Düsseldorf am Donnerstagabend entsprechende Angaben der
«Süddeutschen Zeitung» (Freitag). Ein Sprecher des
Bundesinnenministeriums erklärte: «Aktive Beamte der GSG-9
sind nach unseren Erkenntnissen nicht involviert.»
Medienberichten zufolge haben gut 30 Spezialisten aus mehreren
Bundesländern Sicherheitsschulungen in Libyen durchgeführt
oder organisiert. In Nordrhein-Westfalen stehen acht Polizisten unter
Verdacht, teilte NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) mit. Er
bestätigte am Donnerstag Informationen des Bielefelder
«Westfalen-Blatts» und der «Neuen
Westfälischen». Gegen alle acht Beamten seien bereits
Disziplinarverfahren eingeleitet worden. «Das Verhalten der
Polizisten ist völlig inakzeptabel», sagte Wolf.
Laut Jahresbericht 2007 der Menschenrechtsorganisation Amnesty
International ist Libyen vom Status eines Rechtsstaats noch weit
entfernt, auch wenn Gaddafi in den vergangenen Jahren einen moderateren
Kurs in punkto Menschenrechte sowie bei der Abgrenzung vom Terrorismus
eingeschlagen hatte.
Das Landeskriminalamt in NRW habe im Juni 2007 einen Hinweis auf die
Aktivitäten der Beamten in Libyen erhalten. Das Innenministerium
habe daraufhin die Düsseldorfer Polizei mit den Ermittlungen
beauftragt. Ein Ministeriumssprecher sagte, es sei noch unklar, welche
Sicherheitskräfte genau in Libyen geschult worden seien. Die SPD
kündigte an, die Vorwürfe im Innenausschuss des
Düsseldorfer Landtags zur Sprache zu bringen.
Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte
auf Anfrage, dass gegen einen ehemaligen SEK-Beamten wegen Verletzung
von Dienstgeheimnissen ermittelt werde. Einzelheiten werde die
Behörde an diesem Freitag mitteilen.
Nach Zeitungsinformationen hatte ein früherer Beamter der GSG 9 -
der Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei - eine private
Sicherheitsfirma gegründet und bei mehreren
Spezialeinsatzkommandos Polizisten auf Honorarbasis angeheuert. Die
SEK-Beamten seien vor zwei Jahren nach Libyen geflogen und hätten
dort im Auftrag der Privatfirma Sicherheitskräfte trainiert.
Für ihren Einsatz in dem nordafrikanischen Land sollen die Beamten
bis zu 15 000 Euro bekommen haben.
Eine Sprecherin von Amnesty International sagte dem «Westfalen-
Blatt», es sei schlimm, wenn sich der Verdacht bestätige. Im
Amnesty- Jahresbericht 2007 sei etwa nachzulesen, dass libysche
Polizisten an einem Tag zwölf Demonstranten erschossen hätten.
(Quelle: dpa)
Simbabwes Präsident stellt sich auf Stichwahl ein
Fr.04.04.08 - Die seit fast drei Jahrzehnten in Simbabwe regierende Zanu-PF stellt
sich auf eine Stichwahl um das Amt von Präsident Robert Mugabe ein.
Die Partei, die bei der Parlamentswahl ihre Mehrheit verloren hatte,
sei zu einem zweiten Durchgang bereit, sagte der stellvertretende
Informationsminister Bright Matonga Reuters-TV am Donnerstag. Die
Zanu-PF sei zuversichtlich, dass der 84-jährige Mugabe die Wahl im
zweiten Anlauf gewinnen werde.
Matongas Äußerungen waren der bisher klarste Hinweis, dass
der seit 28 Jahren mit eiserner Hand regierende Mugabe um sein Amt
kämpfen will. Mugabe erschien am Donnerstag erstmals seit der Wahl
vom 29. März wieder in der Öffentlichkeit und empfing den
Chef von Wahlbeobachtern der Afrikanischen Union. Ahmed Tejan Kabbah
beschrieb den Zustand seines Gastgebers nach dem Treffen als entspannt.
"Er denkt, dass die Probleme des Landes friedlich gelöst werden,
und das beruhigt ihn", sagte der frühere Präsident Sierra
Leones.
Auch fünf Tage nach der Abstimmung lag das Ergebnis der
Präsidentenwahl nicht vor. Es soll nach offiziellen Angaben nach
Vorlage des Resultats der Senatswahl veröffentlicht werden. Die
oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) reklamiert
auch den Sieg bei der Präsidentenwahl für sich.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier drängte erneut
auf Vorlage des Wahlergebnisses. Weitere Verzögerungen
führten zur Enttäuschung in der Bevölkerung und
schafften neue Risiken. Simbabwe habe die Chance für einen
Neubeginn, und die Menschen erwarteten, dass sie entschlossen ergriffen
werde.
(Quelle: rtr)
China verspricht Minderheiten mehr Unterstützung
Fr.04.04.08 - Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat nach den Unruhen in Tibet
einen versöhnlichen Ton gegenüber den Minderheiten
angeschlagen.
Er versprach ihnen mehr Unterstützung und forderte sie zur Einheit
auf. Alle Volksgruppen bildeten eine große Familie, sagte Wen
einer Meldung der Nachrichtenagentur Xinhua in Yunnan, der
Nachbarprovinz von Tibet, in der mehr Minderheiten leben als in allen
anderen Gebieten der Volksrepublik. "Wir sollten vereint sein und
einander helfen, gemeinsam Wohlstand und Fortschritt zu erreichen."
Wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Peking haben die
Zusammenstöße in Tibet das offizielle Bild eines harmonischen
Zusammenlebens unter der kommunistischen Führung stark
getrübt. Der von der US-Regierung bezahlte Radiosender "Radio Free
Asia" berichtete am Donnerstag von weiteren Razzien und einem
intensiven Propaganda-Feldzug im westlichen Grenzgebiet zu Kasachstan,
das am Mittwoch die erste Station der Olympischen Flamme war. Die
zuständigen Behörden wiesen die Angaben zurück.
(Quelle: rtr)
Haftstrafe für bekannten Menschenrechtsaktivisten in China
Fr.04.04.08 - Wegen seiner regierungskritischen Artikel im Internet und seiner
Kontakte zu ausländischen Medien ist der bekannte chinesische
Oppositionelle Hu Jia zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ein
Gericht in Peking habe den 34-Jährigen der Staatsgefährdung
für schuldig gesprochen, teilte sein Anwalt mit. Ein Sprecherin der
US-Botschaft kritisierte das Urteil. Die Internetfirma Yahoo teilte
derweil mit, sie habe einen Fonds aufgelegt, der Opfern chinesischer
Internet-Zensur helfen solle.
Hu sei unter anderem vorgeworfen worden, zur Untergrabung des Staates
aufgerufen zu haben, teilte sein Anwalt mit. Seit Jahren gilt Hu als
einer der bekanntesten Menschenrechtsaktivisten in China. Er setzte sich
beispielsweise für Aids-Kranke ein.
Die Sprecherin der US-Botschaft sagte, sie sei "bestürzt"
über das Urteil. Sie forderte die chinesische Regierung auf, das
Jahr der Olympischen Spiele zu nutzen, um Verbesserungen hinsichtlich
der Menschenrechte und der Religionsfreiheit im Land einzuleiten.
Wie der Verwalter des Yahoo-Fonds, der bekannte chinesische Dissident
und Menschenrechtler Harry Wu, sagte, soll das Geld Menschen helfen, die
von der chinesischen Justiz verurteilt wurden, weil sei sich im
Internet für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einsetzten. Im
Mittelpunkt stünden dabei vor allem diejenigen, die Yahoo-Dienste
in Anspruch genommen hätten. Zur Fondssumme wollte sich Wu, der
selbst 19 Jahre in chinesischen Arbeitslagern verbüßte, nicht
äußern.
Das Geld soll Familien verurteilter Dissidenten helfen, sagte Wu, der
heute in den USA lebt. Außerdem soll es in die
Menschenrechtserziehung in China und im Ausland fließen. "Wir
konzentrieren uns auf Menschenrechtsverletzungen in China", führte
Wu aus und nannte unter anderem illegale Organtransplantationen,
öffentliche Hinrichtungen, Arbeitslager und die dort hergestellten
Exportprodukte sowie Verstöße gegen die Religionsfreiheit.
Yahoo-Chef Jerry Yang hatte den die Fondsgründung im November
angekündigt.
Mitte November hatte Yahoo nach heftiger Kritik aus dem US-Kongress
eine Klage von zwei inhaftierten chinesischen Journalisten durch einen
Vergleich beigelegt. Der Klageschrift zufolge soll Yahoo den
chinesischen Behörden Informationen übergeben haben, die zur
Festnahme des Wirtschaftsjournalisten Shi Tao und des Internet-Bloggers
Wang Xiaoning geführt hatten.
(Quelle: afp)
Kuba kündigt Gründung eines neuen Fernsehsenders an
Fr.04.04.08 - Kubas Führung setzt ihren Reformkurs mit der Gründung eines
neuen Fernsehsenders fort. In diesem Jahr solle der fünfte
Fernsehkanal des kommunistischen Inselstaates auf Sendung gehen und
für sein Programm Material aus etwa zehn Ländern verwenden,
sagte der Vize-Chef des staatlichen Kubanischen Instituts für Radio
und Fernsehen (ICRT), Luis Acosta, laut lateinamerikanischen
Presseberichten. Mit dem ausländischen Material sollen demnach
täglich 24 Stunden Programm bestritten werden.
Den TV-Kanälen sowie die den 91 staatlichen Radiosendern
würden dieses Jahr mehr als 15 Millionen Dollar (9,6 Millionen
Euro) zur Verfügung gestellt, um ihre Ausstattung zu verbessern,
hieß es weiter. Nach der Wahl des neuen kubanischen Staatschefs
Raúl Castro als Nachfolger seines kranken älteren Bruders
Fidel Castro Ende Februar waren in den vergangenen Tagen mehrere
Reformen in Kraft gesetzt worden. Dazu gehörte die Erlaubnis,
Mobiltelefone zu nutzen, was bisher Ausländern und hochrangigen
Regierungsmitarbeitern vorbehalten war.
Seit Wochenbeginn dürfen Kubaner auch in bislang
ausländischen Touristen vorbehaltenen Hotels übernachten. Am
Dienstag trat zudem eine Verordnung in Kraft, die das Verkaufsverbot von
Computern, Fernsehern und anderen Elektrogeräten aufhebt.
Allerdings steht die äußerst geringe Kaufkraft der Kubaner
einer wirklichen Nutzung der neuen Möglichkeiten im Wege.
(Quelle: afp)
US-Umweltbehörde wegen Untätigkeit beim Klimaschutz verklagt
Fr.04.04.08 - Vertreter von 18 US-Staaten haben die Umweltbehörde EPA verklagt,
um sie zum Handeln beim Klimaschutz zu zwingen. Der Oberste Gerichtshof
habe die Behörde im April 2007 aufgefordert, den
Treibhausgas-Ausstoß von Neuwagen vorzuschreiben, heißt es
in der am Mittwoch eingereichten Klageschrift. Doch habe die EPA seitdem
nichts getan. Dies sei angesichts der unbestreitbaren Gefahren durch
den Klimawandel ein beschämendes Pflichtversäumnis,
erklärte die Justizministerin von Massachusetts, Martha Coakley. In
der Klageschrift wird ein Berufungsgericht aufgefordert, der
Umweltbehörde eine Frist von 60 Tagen zu setzen. EPA-Sprecher
Jonathan Shradar erklärte, der Oberste Gerichtshof habe in seiner
Entscheidung keinen Zeitrahmen genannt.
(Quelle: ap)
UN-Kriegsverbrechertribunal spricht Ex-Ministerpräsident des
Kosovo frei
Fr.04.04.08 - Der einstige Untergrundkämpfer und Ex-Regierungschef des Kosovo,
Ramush Haradinaj, ist am Donnerstag vom UN-Kriegsverbrechertribunal
überraschend frei gesprochen worden.
Die Richter räumten alle Vorwürfe des Mordes und der
Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen den 39-Jährigen aus. Die
Beweise, die von der Anklage vorgelegt worden seien, reichten für
das Gericht nicht immer aus, um festzustellen, ob ein Verbrechen
begangen wurde oder ob die UCK daran beteiligt war, hieß es in
der Begründung. Das Urteil wurde vom Publikum mit lautem Jubel und
Applaus aufgenommen. In der kosovoarischen Hauptstadt Pristina waren
Autohupen und Freudenschüsse zu hören.
Die Anklage hatte 25 Jahre Haft für den ehemaligen Feldkommandeur
der UCK gefordert und ihn Ende der 90er Jahre für Mord, Folter und
Vergewaltigungen verantwortlich gemacht. Auch der Mitangeklagte Idriz
Balaj, der Kommandeur der UCK-Sondereinheit "Schwarze Adler", wurde
freigesprochen. Ein weiterer Mitangeklagter, Haradinajs Onkel Lahi
Brahimaj, wurde dagegen wegen Folter in zwei Fällen zu sechs
Jahren Haft verurteilt.
Richter Alphonsus Orie hob die besonderen Schwierigkeiten des Gerichts
hervor, wenn es um die Zeugenbefragung ging. "Die Kammer hatte einen
starken Eindruck, dass der Prozess in einer Atmosphäre stattfand,
in der sich Zeugen unsicher fühlten", sagte er. Zwei
Schlüsselzeugen lehnten sogar eine Aussage ab. 34 Zeugen mussten
besonders geschützt werden.
Die Anklage hatte Haradinaj vorgeworfen, für die Vertreibung von
Serben und Roma aus ihren Dörfern verantwortlich gewesen zu sein.
"Es gab einen Spruch: 'Gott im Himmel, Haradinaj auf der Erde'", sagte
Ankläger David Re während des Prozesses. Allerdings konnte
nicht nachgewiesen werden, dass die Serben aus Furcht vor der UCK
flohen; sie hätten sich vielmehr vor dem Konflikt selbst in
Sicherheit gebracht.
Auch der Vorwurf, wonach die UCK-Guerilla ein Feuchtgebiet als
Hinrichtungsstätte genutzt und die Leichen ins Wasser geworfen
haben soll, wurde nicht erhärtet. Inzwischen wurden mindestens 30
Leichen geborgen. Das Gericht sah es aber nur in sieben Fällen
für erwiesen an, dass die UCK hinter der Ermordung steckt.
Brahimaj wurde dafür verantwortlich gemacht, zwei Menschen im
Hauptquartier der UCK gefoltert zu haben. Die Opfer, die als Zeugen vor
dem Gericht aussagten, wurden wegen ihrer vermuteten Zusammenarbeit mit
Serben geschlagen und gefangen gehalten.
Haradinaj, einst Hoffnungsträger vieler Kosovaren, war 2005 nach
wenigen Monaten im Amt als Regierungschef zurückgetreten, als die
Anklage gegen ihn erhoben wurde. Er ist der ranghöchste
Ex-UCK-Kommandeur, der sich wegen Kriegsverbrechen verantworten muss.
Im Kosovo gilt der ehemalige Türsteher immer noch als
einflussreiche Figur, der hinter den Kulissen die Fäden zieht.
Die albanische UCK hatte mit Waffengewalt die serbische Herrschaft
über das Kosovo bekämpft. Haradinaj, der im jugoslawischen
Militär Offizier war, soll bereits 1994 von seinem Exil unter
anderem in der Schweiz aus Waffen in das Kosovo geschmuggelt haben.
Nach seiner Rückkehr 1998 stieg er schnell zum Kommandeur der
Untergrundorganisation auf. 1999 griff die Nato in den Krieg ein,
danach büßte die Regierung in Belgrad de facto die Macht
über das Kosovo ein. Im Februar dieses Jahres erklärten sich
die Kosovo-Albaner schließlich für unabhängig.
(Quelle: rtr)
Symbolträchtiger Grenzübergang auf Zypern nach kurzer
Öffnung vorübergehend wieder geschlossen
Fr.04.04.08 - Die Freude über den ersten symbolischen Schritt auf dem Weg zu
einer Wiedervereinigung Zyperns währte nur kurz: Bereits wenige
Stunden nach der Öffnung der seit 44 Jahren gesperrten
Ledra-Straße in der geteilten Stadt Nikosia wurde die
Straße am Donnerstabend zumindest vorübergehend wieder
geschlossen. Die griechisch-zyprischen Behörden riegelten das
südliche Ende der Straße ab.
Ein Sprecher der Regierung, Stefanos Stefanous, bestätigte die
Schließung. Er begründete dies damit, dass Polizisten des
türkisch-zyprischen Teils unrechtmäßig durch die
Straße patrouilliert seien, indem sie die von den UN
kontrollierte Pufferzone betreten hätten. Ein solcher
Verstoß könne nicht geduldet werden, sagte Stefanou der
Nachrichtenagentur AP.
Mit der Öffnung der Ledra-Straße gab es erstmals seit 1964
wieder eine direkte Verbindung in der geteilten Altstadt von Nikosia.
Griechische und türkische Zyprer sprachen von einem Ereignis mit
hoher Symbolkraft.
Behördenvertreter von beiden Seiten zerschnitten am Morgen das
Band der Teilung und gaben so den Übergang frei. «Wir haben
immer noch einen weiten Weg vor uns», sagte die
Bürgermeisterin von Nikosia, Eleni Mavrou. «Dies ist der
erste Schritt. Wir hoffen, dass noch viele folgen werden.»
Der Übergang führt durch eine 70 Meter breite Pufferzone, die
von UN-Blauhelmen überwacht wird. Wer den Übergang passieren
wollte, musste seinen Ausweis zeigen - genauso wie an den fünf
weiteren Übergängen, die seit 2003 eingerichtet wurden.
Innerhalb weniger Stunden nutzten mehrere hundert Menschen von beiden
Seiten die neue Möglichkeit, in den jeweils anderen Teil der
Altstadt mit ihren malerischen alten Gassen zu gelangen.
Bewohner auf beiden Seiten der «Grünen Linie»
versammelten sich zu dem großen Ereignis an der
Ledra-Straße, die im südlichen, dem griechischen Teil eine
von vielen Touristen besuchte Fußgängerzone ist. «Wir
hoffen, dass die Öffnung dieser Straße die Chance für
die Wiedervereinigung bietet», sagte Andreas Gregoriou, der wegen
der Teilung aus Famagusta im türkischen Norden in den Süden
fliehen musste.
Das umgekehrte Schicksal hatte die 61-jährige Adil Kamil zu
bewältigen - sie lebte in Paphos an der Südküste und
musste in den Norden fliehen. «Wir sind so froh», sagte
Kamil auf Griechisch. «Wir wollen hoffen, dass alle Tore
geöffnet werden, so dass wir wie früher leben
können.»
Die Einrichtung des Übergangs ist das Ergebnis der jüngsten
Verhandlungen zwischen den griechischen und den türkischen
Zyprern. Mit der Wahl des neuen zyprischen Präsidenten Dimitris
Christofias am 24. Februar kam wieder Bewegung in den Friedensprozess.
Die Teilung von Zypern geht auf die Invasion türkischer Truppen im
Norden der Mittelmeerinsel im Jahr 1974 zurück. Die Türkei
reagierte damit auf einen von der damaligen griechischen
Militärjunta unterstützten Putsch gegen Präsident
Makarios. Die Putschisten strebten eine Angliederung von Zypern an
Griechenland an. Die Ledra-Straße wurde aber bereits 1964 von
britischen Truppen mit Stacheldraht abgeriegelt, nachdem es zu Unruhen
zwischen griechischen und türkischen Zyprern gekommen war.
(Quelle: ap)
EU sucht besseren Dialog mit Bürgern
Fr.04.04.08 - Mit Blick auf die Europawahlen im Juni 2009 versucht die EU-Kommission
erneut, den Dialog mit den europäischen Bürgern zu verbessern.
Vizepräsidentin Margot Wallström stellte am Mittwoch in
Brüssel den Aktionsplan "Europa debattieren" vor. Geplant sind
unter anderem Bürgerbefragungen, Besuchsprogramme
europäischer Politiker und neue Diskussionsforen im Internet. Die
Initiative ist eine Fortsetzung des "Plans D" für Demokratie,
Dialog und Diskussion, den Wallström 2005 vorgelegt hatte.
"Wir wollen den Eindruck bekämpfen, dass EU-Themen abstrakt sind
und mit den nationalen Diskussionen nichts zu tun haben", sagte
Wallström. Sie räumte zugleich ein, dass die EU ein gewisses
"demokratisches Defizit" aufweise. So sei etwa zu befürchten, dass
die im neuen Reformvertrag von Lissabon vorgesehenen EU-Spitzenposten
ausschließlich von Männern besetzt würden. "Frauen
müssen in der EU gleichberechtigt vertreten sein", verlangte
Wallström.
Der "Plan D" habe bereits gute Resultate gebracht, zeigte sich die
schwedische Politikerin überzeugt. Dies sei etwa an der regen
Beteiligung an der neuen Internet-Diskussionsplattform "Debate Europe"
zu erkennen. 40.000 Menschen seien bisher bei direkten Begegnungen
erreicht worden, dazu kämen noch zahlreiche andere Kontakte, etwa
über die Medien.
Der "Plan D" war kurz nach der Ablehnung der EU-Verfassung bei
Referenden in Frankreich und den Niederlanden ins Leben gerufen worden.
Eine Umfrage der EU-Kommission im Jahr 2007 ergab allerdings, dass die
europäischen Bürger nach wie vor nicht gut über die
Aktivitäten der EU informiert sind: So wussten zum Beispiel nur 13
Prozent aller Deutschen, dass 2009 ein neues Europaparlament
gewählt wird.
(Quelle: epd)
EU-Kommission will Sammelklagen gegen Unternehmen ermöglichen --
Zur Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen
Fr.04.04.08 - Die EU-Kommission will Verbrauchern Sammelklagen gegen Unternehmen
ermöglichen, die gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen. Kunden
von Konzernen, die Preisabsprachen träfen oder ihre
marktbeherrschende Stellung missbrauchten, müsse die Durchsetzung
von Schadenersatzansprüchen erleichtert werden, forderte die
Kommission in einem am Donnerstag veröffentlichten
Diskussionspapier. Die vorgeschlagene Regelung solle sich allerdings von
den in den USA üblichen Sammelklagen unterscheiden.
Die Verletzung von Wettbewerbsvorschriften koste Verbraucher und
Unternehmen in Europa jedes Jahr Milliarden von Euro, erklärte
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes in einer Pressemitteilung.
«Die Geschädigten haben Anspruch auf Schadenersatz.»
Dazu müsse ein wirksames System eingeführt werden,
gleichzeitig sollten aber «Fehlentwicklungen wie im
US-amerikanischen System» vermieden werden.
Anstelle der in den USA üblichen Sammelklagen, die von
Rechtsanwaltskanzleien für eine theoretisch unbegrenzte Zahl von
Klägern geführt werden, schlägt die EU-Kommission deshalb
«Gruppenklagen» vor. Diesen müssten sich die
Geschädigten ausdrücklich anschließen, ihr Anwalt
könnte also nicht wie in den USA Schadenersatz für alle
potenziell Betroffenen einfordern. Als zweites Instrument empfiehlt die
EU-Kommission repräsentative Klagen, die etwa von anerkannten
Verbraucherschutzverbänden geführt werden könnten.
Unternehmen, Verbraucherschützer und andere Interessierte sind
aufgefordert, bis zum 15. Juli zu den Vorschlägen Stellung zu
nehmen. Erst danach will die Kommission über mögliche
Gesetzesmaßnahmen entscheiden.
(Quelle: ap)
EuGH: Auftragsvergabe darf nicht an Zahlung von Tariflohn geknüpft
werden
Fr.04.04.08 - Die Vergabe öffentlicher Aufträge darf nach einem Urteil des
Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nicht an die Zahlung
ortsüblicher Tariflöhne geknüpft werden. Der Gerichtshof
in Luxemburg erklärte am Donnerstag eine entsprechende Vorschrift
des niedersächsischen Landesvergabegesetzes für rechtswidrig.
Zwar könnten ausländische Unternehmen zur Zahlung eines
national festgesetzten Mindestlohns verpflichtet werden, nicht aber zur
Einhaltung eines nicht allgemeinverbindlichen Tarifvertrags.
Im konkreten Fall ging es um den Bau der Justizvollzugsanstalt
Göttingen-Rosdorf. Den Zuschlag dafür erhielt ein deutsches
Unternehmen, das sich zur Zahlung der im Tarifvertrag für das
Baugewerbe vorgesehenen Entgelte verpflichtet hatte. Nachträglich
stellte sich jedoch heraus, dass ein polnischer Subunternehmer seinen
auf der Baustelle eingesetzten Arbeitern weniger gezahlt hatte.
Das Land Niedersachsen verpflichtete das deutsche Unternehmen deshalb
zur Zahlung einer Vertragsstrafe in Höhe von 85.000 Euro. Nach dem
Urteil des EuGH darf das Land aber gar nicht verlangen, dass auf seinen
Baustellen tätige Arbeitnehmer Tariflohn erhalten. Der fragliche
Tarifvertrag sei nämlich von der Bundesregierung nicht für
allgemeinverbindlich erklärt worden. Den Unternehmen könne
lediglich die Zahlung des nationalen Mindestlohns für das
Baugewerbe abverlangt werden.
(Quelle: ap)
Deutschland
Rechnungshof rügt Lobbyisten-Jobs in Ministerien
Fr.04.04.08 - Der Bundesrechnungshof hat die herrschende Praxis bei der
Tätigkeit von Mitarbeitern aus der Privatwirtschaft und
Verbänden in Bundesministerien kritisiert.
Diese «externen» Beschäftigten seien zum Teil sogar an
der Ausarbeitung von Gesetzentwürfen und an der Vergabe für
Aufträge beteiligt, heißt es in einem am Donnerstag
bekanntgewordenen Prüfbericht.
In Einzelfällen hätten solche «Leihbeamten» sogar
«Führungsfunktionen» in Ministerien ausgeübt.
Dabei seien «Einflussmöglichkeiten von erheblicher
Tragweite» festgestellt worden. Nach Ansicht der
Rechnungsprüfer stellt auch die häufig unentgeltliche
Tätigkeit die Neutralität und Glaubwürdigkeit der
öffentlichen Verwaltung infrage. Unübersehbar seien auch die
«erhöhten Risiken für Interessenkonflikte».
Laut dem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Bericht waren
zwischen 2004 und 2006 bis zu 108 Beschäftigte aus privaten und
öffentlichen Unternehmen sowie Verbänden oder Gewerkschaften
bis zu fünf Jahre lang in den Ministerien offiziell aktiv. In 60
Prozent der untersuchten Fälle wurden sie aber weiter von ihrem
eigentlichen Arbeitgeber bezahlt. Als Grund für den Einsatz sei
vor allem der Personalmangel in den Ministerien angegeben worden.
Nach Angaben des WDR-Fernsehmagazins «Monitor» haben in
diesem Zeitraum sogar rund 300 solcher Mitarbeiter in Bundesministerien
gearbeitet. Dies habe eine interne Prüfung aller Ressorts ergeben,
hieß es in dem Bericht, der am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde.
Dem Bericht der Rechnungsprüfer zufolge wurde ein
«Externer» im Büro eines Bundesministers als Referent
eingesetzt. Das öffentliche Unternehmen, das ihn entsandt habe,
sei als Auftragnehmer für das Ministerium tätig. In einem
anderen Fall sei ein solcher Beschäftigter im Haushaltsreferat
eines Ministeriums mit der Begründung eingesetzt worden, es stehe
sonst niemand dafür zur Verfügung. Eine Beratungs- und
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die sich um Aufträge bei
einem anderen Ressort bemühte, sei von sich aus erfolgreich an das
Ministerium mit dem Angebot herangetreten, einen Mitarbeiter
vorübergehend in ein Referat zu schicken, das sich mit der
strategischen Ausrichtung des Hauses befasst. Ein großes
öffentliches Kreditinstitut habe im Jahr 2006 durchschnittlich 15
Mitarbeiter in oberste Bundesbehörden entsandt. Damit seien
Stellen besetzt worden, für die ansonsten Personalausgaben von
jährlich eine Million Euro angefallen wären.
Der Rechnungshof forderte einen einheitlichen und strengeren
«Verhaltenskodex» für den Einsatz solcher
«Leihbeamten». Sie dürften auf keinen Fall mehr an
Gesetzentwürfen und der Auftragsvergabe beteiligt und nicht
länger als sechs Monate in einem Ministerium beschäftigt
werden. Die Grünen forderten die Bundesregierung zum sofortigen
Handeln auf. Die Behauptung, externe Mitarbeiter seien nicht für
Leitungsaufgaben zuständig, habe sich als falsch erwiesen,
erklärte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker
Beck. Der Bericht zeige auch, dass das Budgetrecht des Parlaments durch
die Ministerien hintergangen werde.
Die weitaus meisten Fälle von «externen»
Beschäftigungen gibt es im Bundeswirtschaftsministerium. Dort
waren laut einer parlamentarischen Antwort der Regierung im Jahr 2006
etwa 35 Fälle registriert. Dazu gehörten entsandte
Mitarbeiter von Konzernen wie DaimlerChrysler, Bayer, BASF, IBM oder
Thyssengas und von Lobby- Vertretungen wie dem Verband der Chemischen
Industrie, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller oder der
deutsche Gas- und Wasserwirtschaft.
(Quelle: dpa)
CDU und Grüne in Hamburg einigen sich über Soziales
Fr.04.04.08 - Eine weitere Hürde auf dem Weg zur ersten schwarz-grünen
Landesregierung der Bundesrepublik ist genommen: CDU und Grüne in
Hamburg haben sich am Donnerstag auch bei sozialen Themen weitgehend
geeinigt. Auf der Agenda der sechsten Runde der Koalitionsverhandlungen
standen die Bereiche Stadtentwicklung, Gesundheit, Drogen,
Verbraucherschutz und Arbeitsmarkt. Man sei im wesentlichen bei dem
Programm der sozialen Stadtentwicklung weiter gekommen, sagte
Grünen-Landeschefin Anja Hajduk nach den Gesprächen.
Als konkrete Ergebnisse präsentierten die Verhandlungsführer
beider Parteien eine Akademie der Weltreligionen, die es ab 2009 an der
Universität Hamburg geben soll. Außerdem solle der
demografische Wandel stärker beachtet werden und die ältere
Generation stärker in den Fokus rücken. Allerdings scheinen
einige Themen erneut ausgeklammert worden zu sein. Es seien
Prüfungsaufträge vergeben worden, sagte Bürgermeister
Ole von Beust (CDU).
Unterdessen berichtete der Sender NDR 90,3, eine schwarz-grüne
Koalition könnte für Hamburg Mehrkosten im dreistelligen
Millionenbereich bedeuten. Demnach lassen sich allein die bisherigen
Vereinbarungen zwischen CDU und Grünen mit 685 Millionen Euro
beziffern, falls die Stadt auf den Bau des von Vattenfall geplanten
Kohlekraftwerks Moorburg verzichtet. Dann wären der dickste
Brocken rund 600 Millionen Euro aufgrund möglicher
Schadenersatzzahlungen an Vattenfall. Ein Insider sagte dem Sender, die
Summe falle vermutlich sogar höher aus.
CDU und Grünen zeigen sich seit Beginn der Koalitionsverhandlungen
sehr optimistisch, die erste schwarz-grüne Landesregierung
zustande zu bekommen. Bisher einigten sich die Parteien nach eigenen
Angaben grundsätzlich in den meisten besprochenen Bereichen. Als
strittig gilt weiterhin der geplante Bau eines Riesen-Kohlekraftwerks
im Stadtteil Moorburg. Eine Einigung soll einem Medienbericht zufolge
hingegen bei der Elbvertiefung erzielt worden sein.
Auf die Agenda für die nächste Verhandlungsrunde am
(heutigen) Freitag wurden die Themen Wissenschaft, Hochschule, Bezirke,
Europa und Verfassung gesetzt. Für die kommende Woche sind weitere
Runden für Montag (12.00 Uhr), Dienstag (10.30 Uhr) und Mittwoch
(10.00 Uhr) geplant.
(Quelle: ap)
CSU: Stoiber und Söder dementieren Putsch-Gerüchte
Fr.04.04.08 - Der frühere CSU-Chef Edmund Stoiber hat Gerüchte über
angebliche Pläne für einen Sturz seines Nachfolgers Erwin
Huber dementieren lassen. Ein Stoiber-Sprecher betonte am Donnerstag auf
ddp-Anfrage: «Sie werden doch nicht glauben, dass ausgerechnet
Edmund Stoiber ein Putschist ist.» Auch der bayerische
Europaminister und ehemalige CSU-Generalsekretär Markus Söder
versicherte, er stehe «voll» hinter Huber und
Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU).
Die «Bild»-Zeitung hatte zuvor geschrieben, unter den
CSU-Bezirksvorsitzenden werde über ein
«Verschwörungs-Trio» spekuliert. Dieses solle aus
Stoiber, Söder und CSU-Vizechef Horst Seehofer bestehen. Das Blatt
zitierte ein Mitglied des CSU-Präsidiums mit dem Satz:
«Entscheidend ist, ob Huber in den Umfragen weiter
abstürzt.» Dann sei es denkbar, dass Seehofer noch vor der
Landtagswahl im September nach dem Parteivorsitz greife. Dafür
brauche er «die Rückendeckung von Stoiber».
Der Sprecher des früheren CSU-Chefs betonte, Stoiber rate seiner
Partei als Ehrenvorsitzender «zu etwas weniger
Aufgeregtheit». Der ehemalige Ministerpräsident werde bei der
am Freitag beginnenden Klausur des Parteivorstands in Kreuth «aus
seiner Erfahrung» einen Beitrag leisten, wie die CSU auch
künftig ihre Erfolge fortsetzen könne.
Söder sagte der Nachrichtenagentur ddp zu den angeblichen
Putsch-Plänen: «Derartige Gerüchte einiger
Heckenschützen sind unfaire Methoden, um die CSU zu
schwächen.» Jeder in der Partei müsse sich seiner
Verantwortung bewusst sein. Söder mahnte: «Nur mit
Geschlossenheit können wir gewinnen.»
Seehofer hatte sich am Dienstag mit Interviews in die Diskussion
über das Erscheinungsbild seiner Partei eingeschaltet. Ein halbes
Jahr nach seiner Niederlage im Machtkampf um den CSU-Vorsitz vermied der
Bundesagrarminister zwar direkte Kritik an Huber, mahnte aber eine
«Zukunftsperspektive» an. Am Mittwoch versicherte Seehofer
allerdings: «Erwin Huber und Günther Beckstein haben meine
tausendprozentige Unterstützung.»
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mahnte: «Die
unnützen Führungsdiskussionen müssen aufhören, alle
haben sich hinter die neue Führung zu stellen.» Ziel sei es,
«das große Erbe von Edmund Stoiber weiter zu mehren».
Glos fügte hinzu: «Ich würde mich freuen, wenn er
über seine Rolle des Ehrenvorsitzenden der CSU hinaus mit Rat und
Tat zur Verfügung stünde. Um die CSU wieder in ruhigeres
Fahrwasser zu bringen, muss jeder ran - der Ehrenvorsitzende ebenso wie
die Vizevorsitzenden.»
(Quelle: ddp)
Huber nach Milliardenbelastungen bei BayernLB schwer unter Druck -
Freistaat soll für Bank bürgen
Fr.04.04.08 - Milliardenschwere Belastungen bei der BayernLB und Gerüchte
über einen parteiinternen Putsch haben CSU-Chef Erwin Huber massiv
unter Druck gesetzt. Angesichts der Belastungen in Höhe von 4,3
Milliarden Euro bei der Landesbank durch die Finanzmarktkrise forderte
die Opposition den Rücktritt Hubers als Finanzminister. «Das
ist ein Waterloo für Erwin Huber, das nicht ohne Konsequenzen
bleiben kann», sagte SPD-Fraktionschef Franz Maget. Als
Verwaltungsratmitglied der BayernLB stehe der Minister voll in der
Verantwortung.
Zugleich bemühten sich CSU-Spitzenpolitiker, Gerüchte zu
zerstreuen, nach Querelen in den vergangenen Tagen um das
Führungsduo aus Huber und Ministerpräsident Günther
Beckstein gebe es Pläne für einen parteiinternen Putsch. Die
«Bild»-Zeitung hatte berichtet, Ex-CSU Chef Edmund Stoiber,
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer und der ehemalige
CSU-Generalsekretär Markus Söder brächten bereits
Partei-Vize Seehofer in Stellung, falls Huber als Parteichef
stürze.
Alle drei dementierten den Bericht. «Derartige Gerüchte sind
absurd», erklärte Söder. Huber und Beckstein
hätten seine «tausendprozentige Unterstützung»,
betonte auch Seehofer. Und Stoibers Sprecher erklärte: «Sie
werden doch nicht glauben, dass ausgerechnet Edmund Stoiber ein
Putschist ist.» CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer
dementierte ebenfalls: «Da ist überhaupt nichts dran.»
Huber selbst gab sich betont gelassen und erklärte mit Verweis auf
die Dementis von Söder, Seehofer und Stoiber, diesen glaube er
«zu 100 Prozent».
Bei den milliardenschweren Belastungen der BayernLB wies Huber in einer
Stellungnahme vor dem Landtag jede Mitschuld von sich. «Diese
Zahlen sind schmerzlich. Das wird keiner bestreiten und
relativieren», erklärte der Finanzminister. Doch weder
Bankenaufsicht noch Wirtschaftsprüfer oder Ratingagenturen
hätten die Krise vorhergesehen. «Keiner hat eine Warnung
ausgesprochen, keiner hat Bedenken geäußert», sagte
Huber und warf der Opposition vor, die Schwierigkeiten der Bank
«parteipolitisch auszuschlachten».
«Keiner hat den Ausstieg verlangt, aber jetzt sind sie die
Besserwisser», erklärte er. Geschäfte mit riskanten
Wertpapieren seien «banküblich» gewesen. Auch
Beckstein nahm seinen Parteifrund in Schutz und erklärte:
«Huber hat keine Schuld.»
Der Landtag setzte einen Untersuchungsausschuss ein, in dem die
Opposition Huber der Lüge überführen will. Die
designierte stellvertretende Vorsitzende des Untersuchungsausschusses,
Adelheid Rupp (SPD), erklärte in einer turbulenten Debatte, Huber
müsse zurücktreten. Er sei entweder naiv und habe nicht das
Zeug zum Finanzminister, oder er habe über Monate hinweg das
Parlament belogen, da er noch im Dezember von Belastungen von 100
Millionen Euro gesprochen habe.
Huber selbst räumte ein, es sei «nicht richtig»
gewesen, mit der Bekanntgabe der vorläufigen Bilanzzahlen der
BayernLB bis Februar gewartet zu haben. Zugleich warb der
Finanzminister im Parlament dafür, einer milliardenschweren
Bürgschaft des Freistaats für die BayernLB zuzustimmen. Damit
werde staatliches Vermögen gesichert. «Bis jetzt zahlt der
Steuerzahler in Bayern gar nichts», versicherte Huber. Es
hänge vom Fortgang der Finanzkrise ab, ob eine Bürgschaft
fällig werde.
Die Opposition kritisierte, nun müssten die bayerischen
Steuerzahler dafür bluten, dass sich die Landesbank unter den
Augen der Staatsregierung verspekuliert habe. «Sie haben jede
Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren», erklärte der
Grünen-Politiker Sepp Dürr.
(Quelle: ap)
Finanzkrise drückt Wachstumstempo der Dienstleister
Fr.04.04.08 - Im Gegenwind der Finanzkrise hat das Wachstumstempo der deutschen
Dienstleister im März nachgelassen.
Der NTC-Einkaufsmanagerindex für die Branche fiel um 0,4 auf 51,8
Punkte, wie das britische Forschungsinstitut NTC am Mittwoch zu seiner
Umfrage unter 450 Unternehmen mitteilte. Auch in der Euro-Zone reichte
es nur noch für ein mageres Wachstum. Während Frankreich noch
kräftig Tempo macht, haben die Dienstleister in Italien und Spanien
längst den Rückwärtsgang eingelegt. In Spanien sind die
Geschäfte derart stark geschrumpft, dass das Barometer mit 40,9
Zählern einen Tiefpunkt erreichte. "Die Spanier stecken in einer
Malaise. Die Zahlen sind fürchterlich", sagte NTC-Chefvolkswirt
Chris Williamson.
Deutschland steht im Vergleich zu den Südeuropäern zwar noch
relativ gut da, doch hatten die Dienstleister hierzulande bereits zum
Jahresanfang kurzzeitig schrumpfende Geschäfte gemeldet.
Entsprechend mager fiel das erste Quartal nun aus: Der Barometerwert von
51,1 Zählern signalisiert das schwächste Wachstum seit
viereinhalb Jahren an. In der Industrie hat sich der Aufschwung dagegen
zuletzt verstärkt. "Die Dienstleister präsentieren sich in
schwächerer Verfassung als das Verarbeitende Gewerbe. Sie waren ja
schon einmal im Kontraktionsbereich, das kann sich durchaus
wiederholen", warnte Ökonom Andreas Scheuerle von der DekaBank.
Am besten hielten sich noch Vermieter und unternehmensnahe
Dienstleister. Bei den Vermittlern von Finanzdienstleistungen ging es
hingegen weiter bergab. Ein kleiner Hoffnungsschwimmer ist der
Auftragseingang, der den zweiten Monat in Folge zulegte. Dennoch
äußerten sich die Unternehmer nicht mehr so zuversichtlich
wie zu Jahresbeginn über ihre Geschäftsaussichten. Die Firmen
stellten erneut Mitarbeiter ein. Die Beschäftigung stieg aber so
langsam wie seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr. Nur Hotels und
Gaststätten sowie der Bereich sonstigen Dienstleister bauten
Stellen ab.
Sorgen bereitet der Branche auch der steigende Preisdruck. Teure
Energie sowie höhere Löhne und Gehälter ließen die
Kosten steigen. Die Angebotspreise wurden aber nur leicht erhöht,
weshalb die Unternehmen auf einem guten Teil der gestiegenen Kosten
sitzen blieben.
Auch in der Euro-Zone ließ das Wachstum nach. Das entsprechende
RBS/NTC-Barometer fiel auf 51,6 von 52,3 im Februar - der
zweitschwächste Wert binnen viereinhalb Jahren. Die Dynamik bei den
Neuaufträgen ließ ebenfalls nach und war nicht mehr so stark
wie im Vormonat. In Italien und Spanien gehen die Auftragszahlen beim
Neugeschäft sogar zurück. "Die eigentlich bittere Pille
für die Südeuropäer ist, dass es keine
Kompensationsmöglichkeiten gibt, da auch das verarbeitende Gewerbe
in diesen Ländern schwächelt", sagte Scheuerle. Die
Schrumpfkuren in der dritt - und viertgrößten Volkswirtschaft
der Euro-Zone gäben Anlass zur Sorge. Möglicherweise werde
auch das Barometer für die Euro-Zone in diesem Jahr noch unter die
Wachstumsschwelle fallen.
(Quelle: rtr)
DGB fordert Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer
Fr.04.04.08 - Angesichts der Bespitzelung von Beschäftigten im Einzelhandel
fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) einen gesetzlich
verankerten, umfassenden Datenschutz für Arbeitnehmer. Es sei
"bedauerlich, dass erst Ungeheuerlichkeiten à la Lidl geschehen
müssen, damit die politisch Verantwortlichen die Forderungen nach
einem Datenschutzgesetz für Beschäftigte ernst nehmen", sagte
die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. SPD-Innenexperte
Sebastian Edathy kündigte unterdessen Widerstand der
Sozialdemokraten gegen die EU-Pläne für die Speicherung von
Fluggastdaten an. Das Thema steht auch auf der Tagesordnung der
Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder in Berlin.
"Der Entwurf der EU-Kommission ist ein Schnellschuss. Er muss zumindest
massiv überarbeitet werden", sagte der Vorsitzende des
Bundestags-Innenausschusses der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Edathy
nannte es völlig überzogen, 19 verschiedene Daten über
jeden Passagier für 13 Jahre zu speichern. Er gehe davon aus, dass
die Bundesregierung auf Initiative der SPD-Fraktion "eine sehr klare
Haltung zu diesem Fall von Daten-Sammelwut einnehmen wird". Für
Deutschland brächten die EU-Pläne keinen substanziellen
Sicherheitsgewinn. Das Bundespolizeigesetz ermögliche es bereits
jetzt, Daten in einem vernünftigen Umfang zu erhalten. Die
Rechtslage sei befriedigend.
Sehrbrock sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die
Gewerkschaften forderten solch ein Datenschutzgesetz seit Jahren. Es
gehe nicht nur um Videoüberwachung: "Es geht auch um die Grenzen
der Datenerhebung und -speicherung im Arbeitsverhältnis, vom
Internet bis zu Filtersystemen von E-Mails." Die Regelungen müssten
auch den Schutz von Informanten umfassen. Oft seien es "Helden des
Alltags", die dafür sorgten, dass unsaubere Methoden
öffentlich würden, sagte die DGB-Vize.
Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, sagte, die
Überwachung von Supermarkt-Beschäftigten bei Lidl, Edeka und
Plus seien keine Einzelfälle. "Wir haben es mit der Spitze eines
Eisbergs zu tun." In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass
Detektive in Filialen von Lidl, Plus und Edeka Beschäftigte
überwacht und auch persönliche Angaben detailliert
protokolliert hatten. Schaar erneuerte seine Forderung, Regelungen
für den Arbeitnehmerdatenschutz auszuarbeiten. Dies könne in
einem gesonderten Gesetz erfolgen oder in das Bundesdatenschutzgesetz
eingefügt werden.
(Quelle: afp)
DGB sieht Trendwende zu mehr Verteilungsgerechtigkeit
Fr.04.04.08 - Nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) steht
Deutschland vor einem grundlegenden Wendepunkt in der Einkommenspolitik.
Die Abschlüsse in der Stahlindustrie und im öffentlichen
Dienst gäben Anlass zur Hoffnung, dass die Tarifrunde 2008 ihren
Beitrag zu mehr Verteilungsgerechtigkeit leiste, zitiert das
«Handelsblatt» aus dem noch unveröffentlichten
DGB-»Verteilungsbericht 2008».
In der Stahlindustrie hatte die IG Metall im Februar ein Lohnplus von
5,2 Prozent durchgesetzt. Ver.di verständigte sich am Montag mit
Bund und Kommunen auf eine Lohnsteigerung von 5,1 Prozent für
dieses Jahr.
Die Bilanz für das Tarifjahr 2007 fällt beim DGB dagegen
deutlich negativer aus: Der Bericht belege, «dass dass Einkommen
und Vermögen auch im Boomjahr 2007 weiterhin von unten nach oben
umgeschichtet wurden», zitiert die Zeitung Vorstand Claus Matecki.
Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote ist 2007 demnach erneut um einen
Prozentpunkt auf 64,6 Prozent gesunken, während der Anteil der
Unternehmens- und Vermögenseinkommen entsprechend stieg. Der
durchschnittliche Anstieg der effektiv gezahlten Löhne sei mit plus
1,3 Prozent um knapp einen Prozentpunkt hinter dem Anstieg der
Tariflöhne zurückgeblieben.
«Diese Verteilungsungerechtigkeit zulasten der abhängig
Beschäftigten, Arbeitslosen und Transferempfänger muss
dringend beendet werden», sagte Matecki dem
«Handelsblatt» zufolge. Der DGB fordere daher für die
noch anstehenden Tarifrunden deutliche Lohnerhöhungen,
außerdem existenzsichernde Mindestlöhne sowie eine sozial
gerechte Steuerpolitik, die die Spitzeneinkommensbezieher und
Unternehmen nicht weiter einseitig begünstigten. Modelle der
Mitarbeiterbeteiligung an Gewinn und Kapital, wie sie die Große
Koalition künftig stärker fördern will, sind für den
DGB weiter nur als «zusätzliche Komponente denkbar».
Sie könnten kräftige Tarifsteigerungen nicht ersetzen.
Das 50-seitige Papier, das der DGB laut «Handelsblatt» am
(morgigen) Freitag veröffentlichen will, dient den Gewerkschaften
als Leitfaden für ihre politische und tarifpolitische Argumentation.
(Quelle: ap)
IG Metall verlangt grundlegende DGB-Reform
Fr.04.04.08 - Die IG Metall fordert eine grundlegende Reform des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB). Die IG Metall müsse überlegen, ob
sie das Geld, mit dem sie den Dachverband unterstütze, nicht
besser für ein anderes Modell ausgebe, zitiert der
«Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitagausgabe)
Äußerungen von IG-Metall-Chef Berthold Huber vor dem Beirat
seiner Gewerkschaft. Mit 50 Millionen Euro sei die IG Metall der
größte Finanzierer des DGB, heißt es in dem Bericht.
Dem DGB drohe «Handlungsunfähigkeit», wenn sich nichts
ändere, wird Huber zitiert. Nötig sei ein neues
Zukunftskonzept. Ein IG-Metall-Sprecher bestätigte der AP, dass es
eine Debatte über die Zukunft des DGB gebe, die der Dachverband
selbst angestoßen habe. Hintergrund seien der Mitgliederschwund
sowie gesellschaftliche Veränderungen. Huber habe die
Beiratsmitglieder und seine gesamte Organisation aufgefordert, sich an
der Diskussion zu beteiligen. Dabei gehe es um eine Stärkung des
Deutschen Gewerkschaftsbunds.
DGB-Chef Michael Sommer begrüßte der Zeitung zufolge, dass
die IG Metall seine Anregung aufgegriffen habe, sich Gedanken über
die Zukunft des Dachverbandes und über notwendige
Organisationsreformen zu machen. Huber griff die DGB-Spitze dem Bericht
zufolge indes massiv an und warf ihr einen zu rigiden Sparkurs vor.
Der DGB besteht aus acht Einzelgewerkschaften, die nach jahrelangem
rapiden Mitgliederverlust noch insgesamt 6,4 Millionen Mitglieder
organisieren.
(Quelle: ap)
Staat gibt reichen Studenten etwa genauso viel Geld wie armen
Fr.04.04.08 - Die staatliche Studienfinanzierung in Deutschland ist nach einer
Untersuchung vergleichsweise kompliziert und intransparent und
verschärft zum Teil noch soziale Unterschiede. Studierende aus
reichen Familien erhalten im Endeffekt fast die gleiche finanzielle
Unterstützung vom Staat wie bedürftige Hochschüler, wie
eine am Donnerstag bekannt gewordene Studie des
Hochschul-Informations-Systems (HIS) zeigt. Insgesamt profitieren
Studierende viel stärker von staatlichen Subventionen als in
anderen Ländern.
HIS untersuchte im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts zusammen mit
fünf Partnerinstitutionen aus den Niederlanden, England, Norwegen,
der Tschechischen Republik und Spanien die
Unterstützungsleistungen dieser Länder für die
Hochschulbildung. Dabei wurden sämtliche Leistungen
berücksichtigt, die der Staat Studierenden und ihren Eltern
gewährt, wie Studienleiterin Astrid Schwarzenberger der
Nachrichtenagentur AP sagte.
Hierbei gibt es zum einen direkte Unterstützungen, die unmittelbar
den Studierenden zukommen und entweder als Geldleistungen - etwa
Bafög oder Stipendien - oder in anderer Form gewährt werden,
etwa bei der beitragsfreien Mitversicherung in der gesetzlichen
Krankenversicherung. Daneben gibt es auch die indirekte
Unterstützung, die sich an die Eltern von Studierenden richtet,
etwa Steuerbefreiungen oder Kindergeld.
«In Deutschland gibt es ein sehr umfassendes System von
Leistungen», sagte Schwarzenberger. So würden etwa neben
Bafög auch zahlreiche andere Gelder an die Studierenden
ausgezahlt, etwa Wohngeld. Daneben gebe es Sonderregelungen für
Studierende, die die anderen Länder nicht vorsähen, etwa
subventioniertes Mensaessen oder Semestertickets. Dazu komme der
gesamte Bereich an Unterstützerleistungen, die sich an die Eltern
richteten, etwa Kindergeld, das auch für Studierende gezahlt
werde. «Das summiert sich alles zu einem ziemlichen
Betrag», sagte Schwarzenberger.
In Deutschland ist der Anteil der Unterstützung an private
Haushalte mit 42 Prozent deutlich höher als in den anderen
fünf Ländern. Zudem kommen nur in Deutschland und Tschechien
alle drei Arten der staatlichen Unterstützung für
Privathaushalte mit studierenden Familienmitgliedern zum Einsatz. Vor
allem in Deutschland spielt dabei der an die Eltern gerichtete
Subventionsanteil eine sehr große Rolle: Er umfasst 44 Prozent
aller Unterstützungsleistungen für private Haushalte.
Auch die familiären Zahlungen des Staates für Studierende
fallen in Deutschland erheblich höher aus als in den anderen
untersuchten Ländern. Die indirekten Unterstützungen in Form
von Steuererleichterungen kommen allerdings vor allem einkommensstarken
Familien mit Kindern in der Ausbildung zugute. Hier nimmt Deutschland
laut HIS im Vergleich zu den anderen Ländern eine Sonderrolle ein.
Laut «Zeit» addiert die Studie sämtliche Beihilfen und
Steuererleichterungen, mit denen der Staat Studierende und ihre
Familien unterstützt. Danach erhält ein angehender Akademiker
einfacher Herkunft im Schnitt 5.720 Euro im Jahr aus öffentlichen
Kassen, unter anderem aus dem Bafög. Studenten aus
vermögendem Haus kommen demnach im Familienrahmen auf
jährlich 5.136 Euro, unter anderem über Ausbildungs- oder
Unterhaltsfreibeträge für die Eltern.
Somit gibt es in Deutschland verschiedene Arten von
Unterstützungssystemen, die ihre Wirkung teilweise gegenseitig
aufheben: Während etwa das einkommensabhängige Bafög
soziale Unterschiede ausgleichen soll, verschärfen
Steuererleichterungen für Eltern von Studierenden diese noch.
(Quelle: ap)
Arbeitgeberpräsident Hundt befürwortet Vergabe von Kopfnoten
an Schüler
Fr.04.04.08 - Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sieht die Beurteilung des
Sozialverhaltens von Schülern auf dem Zeugnis positiv. Vor allem
lobte er die umstrittenen sechs Kopfnoten in NRW. «Die
umfangreiche Bewertung in Nordrhein-Westfalen begrüße ich
sehr», sagte Hundt dem Kölner «Express»
(Freitagausgabe).
Kopfnoten für Schüler seien eine langjährige Forderung
der Arbeitgeber, sagte Hundt. «Für die Betriebe sind nicht
nur die fachlichen Fähigkeiten, sondern immer mehr auch die
persönlichen und sozialen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter und
Auszubildenden wichtig." Die Kopfnoten könnten dafür ein
wichtiger Hinweis sein.
Die Schule habe einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, sagte Hundt. Die
Erziehungsaufgabe der Schule sei in den vergangenen Jahren gewachsen.
Dazu gehörten die Bewertungen des Verhaltens der Schüler in
Form von Noten, weil erfahrungsgemäß sonst das Arbeits- und
Sozialverhalten nicht ernst genommen werde. Es könne darüber
diskutiert werden, wie ausführlich die Bewertung ausfalle und
welche Aspekte im Vordergrund stünden. Sinnvoll sei eine
systematische Auswertung der Erfahrungen in NRW.
Die Kopfnoten waren in Nordrhein-Westfalen auf den Halbjahreszeugnissen
an rund 2,5 Millionen Schüler vergeben worden. Benotet werden
Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/Sorgfalt,
Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten
und Kooperationsfähigkeit. SPD und Grüne im Düsseldorfer
Landtag fordern eine Abschaffung der Kopfnoten.
(Quelle: ddp)
Experten: Verschärfung des Jugendstrafrechts unnütz
Fr.04.04.08 - Experten haben vor einer Verschärfung des Jugendstrafrechts
gewarnt. Stattdessen sollten die vielfältigen Angebote der
Jugendhilfe besser genutzt werden, hieß es am Mittwoch auf einer
Fachtagung in Bochum. Erhöhte Haftstrafen seien kein Beitrag zur
Resozialisierung und keine Alternative zur sozialpädagogischen
Begleitung gewalttätiger Jugendlicher. An der Tagung zum Thema
"Zwischen Bootcamp und Kuschelpädagogik. Wie umgehen mit
jugendlichen Gewalttätern?" nahmen mehr als 300 Fachleute aus
Justiz, Politik, Polizei und Jugendhilfe teil.
In zahlreichen wissenschaftlichen Studien sei nachgewiesen, dass ein
verschärftes Jugendstrafrecht nicht zu dem gewünschten Erfolg
führe, sagte Jürgen Kußerow von der Deutschen
Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen. Die
Rückfallquote bei inhaftierten Jugendlichen betrage rund 80 Prozent.
Der Kölner Erziehungswissenschaftler Philipp Walkenhorst wies
darauf hin, dass die vieldiskutierten Bootcamps nach amerikanischem
Vorbild nicht die gewünschten Erziehungsziele erreichten. Der dort
eingesetzte Drill fördere eher rechtsradikale Tendenzen und
widerspreche dem Vorbild einer offenen Gesellschaft. Walkenhorst sprach
sich dafür aus, bestehende Gesetze und Bestimmungen konsequenter
umzusetzen. Dies erfordere auch einen selbstkritischen Umgang der
pädagogischen Fachkräfte mit ihrer Arbeit.
(Quelle: epd)
BGH kippt Freispruch für NPD-Funktionär Pühse
Fr.04.04.08 - Der NPD-Funktionär Jens Pühse muss im Prozess um die
Produktion und den Vertrieb von CDs mit rechtsextremen Inhalten nun doch
mit einer Verurteilung wegen Volksverhetzung rechnen. Der
Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob am Donnerstag den Freispruch des
Landgerichts Dresden für das NPD-Bundesvorstandsmitglied im
überwiegenden Teil auf. Die Sache wurde zur Neuverhandlung an eine
andere Strafkammer des Landgerichts Dresden zurückverwiesen.
Der Staatsschutzsenat des BGH hält es für nahe liegend, dass
bei fünf der acht zur Anklage gebrachten CDs der Straftatbestand
der Volksverhetzung oder des Verwendens von Kennzeichen
verfassungswidriger Organisationen erfüllt ist.
Pühse ist seit 1998 Mitglied im NPD-Bundesvorstand und seit 2004
Geschäftsführer des Verlags «Deutsche Stimme», der
der NPD nahe steht. Der 36-Jährige hat zwar eingeräumt, den
Vertrieb von Musik-CDs mit rechtsextremen Inhalten verantwortet zu
haben. Nach Auffassung des Landgerichts lag bei den acht relevanten
Tonträgern aber entweder keine Strafbarkeit vor, oder es habe dem
Angeklagten keine individuelle Schuld nachgewiesen werden können.
Die Kammer hielt Pühse zugute, sich durch das Einholen von
anwaltlichem Rat um Rechtssicherheit bemüht zu haben. Er habe sein
Verhalten für erlaubt gehalten.
Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs handelte Pühse jedoch
«vorsätzlich». Er habe gewusst, dass er sich «am
Rande der Legalität» bewegt habe. Deshalb hätte er auf
den Rat der beiden hinzugezogenen Anwälte, die dem rechten Spektrum
zugerechnet werden, nicht ohne weiteres vertrauen dürfen.
Ein anwaltliches Gutachten, das «aus Gefälligkeit»
erstellt werde und eine «reine Feigenblattfunktion»
erfülle, genüge nicht für straffreies Handeln, betonte
der BGH. Gerade bei solch schwierigen Rechtsfragen müsse ein
«detailliertes schriftliches Gutachten» verlangt werden.
Pühse habe gerade in seiner verantwortlichen Position eine
«besondere Erkundigungs- und Prüfungspflicht» gehabt.
Nach Auffassung des Vertreters der Bundesanwaltschaft, Oberstaatsanwalt
Ralf Wehowsky, betrifft das BGH-Urteil «nicht nur diesen
Einzelfall, sondern viele Fälle». Wer volksverhetzende
Schriften oder CDs verbreite, dürfe sich «nicht auf die
Unbedenklichkeitsbescheinigung eines Anwalts verlassen». Die
Staatsanwaltschaften würden sich nun voraussichtlich «noch
intensiver» mit rechtsradikalen Schriften und Tonträgern
beschäftigen.
Als «zentralen» Fall wertete der BGH eine CD mit dem Titel
«Stimme des Volkes», auf der die von der Hitlerjugend
verwendete Parole «Blut und Ehre» zu hören ist. Das
Landgericht hatte dem Angeklagten hier zugebilligt, die Strafbarkeit
nicht erkannt und in einem «unvermeidbaren Verbotsirrtum»
gehandelt zu haben. Laut BGH liegt es aber nahe, dass Pühse - der
sich seit seinem 14. Lebensjahr in rechtsgerichteten Kreisen bewege -
gewusst habe, dass damit eine Parole der Hitlerjugend wiedergegeben
wurde.
Bei einem anderen Lied mit dem Titel «Rote raus» werden
nach Auffassung des BGH «Kommunisten böswillig
verächtlich gemacht». Da somit zum Hass gegen einen Teil der
Bevölkerung aufgestachelt werde, dränge sich der Tatbestand
der Volksverhetzung auf. Im März 2003 waren bei einer Razzia im
Riesaer Verlagshaus zahlreiche CDs sichergestellt worden.
(AZ: 3 StR 394/07 - Urteil vom 3. April 2008)
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Steigende Infektionsgefahr durch Klimawandel
Fr.04.04.08 - Das Robert-Koch-Institut warnt vor einer verstärkten
Infektionsgefahr in Deutschland aufgrund des Klimawandels. Der
Klimawandel sei «eine Realität» und habe auch in
Deutschland zunehmend Einfluss auf die gesundheitliche Situation der
Bevölkerung, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts
(RKI), Jörg Hacker, am Donnerstag in Berlin bei der
Auftaktveranstaltung zum Weltgesundheitstag am 7. April.
Anzeige
Besonders ältere Menschen hätten verstärkt unter
Dehydrierung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund der heißeren
Sommer zu leiden. Auch die Infektions-Erkrankungen änderten sich
durch den Klimawandel. So sei in Deutschland die Zahl der importierten
Infektionen nach wie vor hoch, betonte Hacker. Es gebe hierzulande
jährlich rund 600 bis 1000 importierte Malariafälle, aber
auch Infektionen durch Dengue-Viren (Dengue-Fieber) seien zunehmend zu
beobachten. Besorgniserregend ist nach Einschätzung des
RKI-Präsidenten auch die steigende Zahl des
lebensgefährlichen Hanta-Virus, der in Deutschland vor allem
über die Rötelmaus übertragen wird. Aufgrund der milden
Winter vermehrten sich diese Tiere über die Maßen, 2007 seien
fast 2000 Fälle bundesweit gemeldet worden.
Die Risikogebiete der durch Zecken übertragene
Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME) hätten sich in den
letzen zehn Jahren etwa hundert Kilometer nach Norden geschoben. Auch
beim Anstieg der Darminfektionen in Deutschland werde ein Zusammenhang
mit dem Klimawandel vermutet, sagte Hacker weiter.
Der Weltgesundheitstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 7.
April steht in diesem Jahr unter dem internationalen Motto
«Protecting health from climate change».
(Quelle: ddp)
Klimaforscher fordern Kaltluftschneisen in Städten
Fr.04.04.08 - Wissenschaftler rechnen im Zuge des Klimawandels mit einem
überproportionalen Anstieg der Temperaturen in den Städten.
«Wir brauchen Kaltluftschneisen in den Städten», sagte
der Bayreuther Forscher Carl Beierkuhnlein in München bei einem
Symposium zu Klimawandel und Gesundheit.
«Wenn wir keinen nächtlichen Kaltluftzufluss haben,
können wir kein gesundes Stadtklima haben.» Dafür
müssten unter Umständen in der Zukunft auch Gebäude
abgerissen werden. Die Experten erwarten ohnehin mit dem Anstieg der
Temperaturen mehr gesundheitliche Probleme und mehr Sterbefälle in
Hitzeperioden. An dem Symposium der Landeszentrale für Gesundheit
und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit (LGL) nahmen rund 200 Experten teil.
Beierkuhnlein sagte, die Kenntnisse von den Auswirkungen des
Klimawandels seien noch immer viel zu gering. «Das Dilemma ist,
dass dennoch bezüglich der Anpassung an die unvermeidlichen Folgen
des Klimawandels bald gehandelt werden muss und nicht auf besseres
Wissen gewartet werden kann.» Anpassungsbedarf bestehe nicht nur
beim Städtebau, sondern in den verschiedensten Bereichen der
Gesellschaft. «In 10 bis 40 Jahren werden wir Veränderungen
haben, wie es sie in den letzten 100 000 Jahren auf der Erde nicht
gegeben hat.»
Der LGL-Präsident Volker Hingst warnte vor einer Rückkehr
tropischer Krankheiten. Nicht ausgeschlossen sei eine Wiederkehr des
Dengue-Fiebers. Bisher erkranken hierzulande nur Menschen nach
Fernreisen. Doch das Virus, das von einer Mücke übertragen
wird, wie auch die Mücke selbst könnten sich bereits auf den
Weg in unsere Breiten gemacht haben. «Die Menschen fahren und
fliegen zu den Mücken - aber die Mücken kommen auch zu
uns.»
Beierkuhnlein sagte, bei den Folgen des Klimawandels für die
Gesundheit etwa in Afrika oder auch in Asien müsse Hilfe geleistet
werden. Schon jetzt nähmen ethnische Konflikte zu. «Das wird
sich in Zukunft mit dem Klimawandel enorm verschärfen.» Die
Flüchtlinge, die bisher nach Europa zu kommen versuchten, seien ein
«bloßer Vorgeschmack». «Wir werden die
Türen nicht verschlossen halten können.» Die Aufnahme
von Klimaflüchtlingen sei künftig auch eine Frage der
Menschenrechte und ein ethisches Problem - schließlich begehrten
die Flüchtlinge Hilfe von denjenigen, die den Klimawandel
maßgeblich verursacht hätten.
(Quelle: dpa)
Wissenschaftler entdecken Supra-Isolator -- Erkenntnisse könnten
beim Bau von Quanten-Computern helfen
Fr.04.04.08 - Die Entdeckung eines sogenannten Supra-Isolators ist jetzt Forschern
von der Universität Regensburg geglückt. In Zukunft
könnten die neuen Erkenntnisse beim Bau von Quanten-Computern
helfen. Diese Rechner könnten in einigen Jahren das bisherige
Baukonzept ablösen und sollen viel leistungsfähiger sein als
derzeitige Computer. Physikalisch ausgedrückt handelt es sich bei
dem von den Wissenschaftlern entdeckten Phänomen um einen
supra-isolierenden Zustand der Materie. Er zeichnet sich dadurch aus,
dass er elektrischen Strom besonders gut isoliert.
(Quelle: gp)