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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1474sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Ministerpräsident Al-Maliki ordnet Stopp der Offensive gegen
Schiiten-Milizen an - Angeblich nach Vermittlung durch den Iran.
Alltägliche Gewalt hält ungebremst an: Mindestens 16 Tote bei
Selbstmordanschlag. USA verlängern Lizenz für Blackwater im
Irak
Sa.05.04.08 - Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat ein Ende der
Militäroperationen gegen die Milizen des schiitischen Predigers
Muktada al-Sadr angeordnet. Es soll zuvor eine Vermittlung durch den
Iran gegeben haben.
In einer Mitteilung des schiitischen Ministerpräsidenten vom
Freitag hieß es, die Fahndung und die Razzien sollten eingestellt
werden, "um den Reumütigen, die ihre Waffen niederlegen wollen,
eine Chance zu geben". Kurz zuvor hatte Al-Sadr ein "Ende des
Blutvergießens und der Festnahmen" gefordert. Die Sadr-Bewegung
sei bereit, der Regierung zu helfen, Armee und Polizei von
Anhängern des alten Saddam-Regimes, Terroristen und
Partei-Milizionäre zu "reinigen", hieß es in einer
Erklärung des Schiiten-Führers, die in der Pilgerstadt
Nadschaf veröffentlicht wurde.
Viele irakische Soldaten hatten während der von Al-Maliki
angeordneten Offensive gegen die Miliz in der südlichen Hafenstadt
Basra und in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City in der vergangenen
Woche den Befehl verweigert. Unter den Befehlsverweigerern waren
Schiiten, die nicht auf "schiitische Brüder" hatten schießen
wollen und Soldaten, die mögliche spätere Racheakte der
Milizionäre fürchteten.
Der Iran trug einer irakischen Schiiten-Partei zufolge zum Ende der
Kämpfe zwischen schiitischen Milizen und Regierungstruppen im
Süden des Irak bei. Die Regierung in Teheran habe den Weg für
eine Rückkehr zum Frieden im Irak geebnet, sagte Mohsen Hakim,
Berater und Sohn des Chefs des Obersten Islamischen Rats, Abdul Asis
al-Hakim, der iranischen Nachrichtenagentur Mehr.
Ein führender irakischer Abgeordneter sei am 28. März zu
Gesprächen im Iran gewesen. Zwei Tage später befahl Al-Sadr
seinen Kämpfern, die sechs Tage dauernden Gefechte zu beenden.
Al-Sadr hält sich US-Angaben zufolge derzeit im Iran auf. Der
Oberste Islamrat Hakims ist ein erbitterter Gegner Al-Sadrs und
unterstützt die Regierung von Ministerpräsident Nuri
al-Maliki.
Die USA haben dem Iran wiederholt vorgeworfen, die Gewalt im Irak zu
schüren. Der Iran bestreitet dies und macht die Präsenz von
US-Truppen in dem Nachbarland für die dortige Gewalt
verantwortlich.
In anderen Regionen des Iraks hält die alltägliche Gewalt
ungebremst an. Am Freitag riss ein Selbstmordattentäter auf der
Beerdigung eines Polizisten in der irakischen Provinz Dijala mindestens
16 Menschen mit in den Tod. Ein Polizeisprecher sagte, der Terrorist
habe sich in der Ortschaft Saadija in den Trauerzug eingereiht. Er
zündete seinen Sprengstoffgürtel, während
Angehörige, Kollegen und Freunde den Polizisten zu Grabe trugen.
Dieser war am Vortag von Extremisten erschossen worden. Den Angaben
zufolge wurden 29 weitere Menschen durch die Explosion verletzt.
Der Polizeisprecher erklärte, die US-Luftwaffe habe am Morgen
Stellungen von Extremisten in der Ortschaft Al-Makdadija bombardiert.
Dabei seien 20 Bewaffnete getötet und 23 weitere verletzt worden.
Es habe keine zivilen Opfer gegeben. Al-Makdadija liegt ebenfalls in
der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad.
Die Kleinstadt gilt seit einigen Monaten als Hochburg der
El-Kaida-Terroristen. In den vergangenen Tagen waren in Al-Makdadija
zwei Massengräber mit insgesamt 51 Leichen von Mordopfern gefunden
worden.
Die US-Armee berichtete, in Bagdad seien am Donnerstag und am Montag
zwei amerikanische Soldaten von Aufständischen getötet
worden. In der südlichen Hafenstadt Basra hätten irakische
Soldaten mit Hilfe der US-Armee am Donnerstag sieben Angehörige
"krimineller Banden" getötet und 16 Verdächtige festgenommen.
Diese sollen unter anderem den Öl-Schmuggler-Netzwerk von Basra
angehören.
Die Lizenz der umstrittenen US-Sicherheitsfirma Blackwater im Irak wird
um ein weiteres Jahr verlängert, wie das Außenministerium in
Washington am Freitag mitteilte. Solange das FBI den Vorfall vom
September 2007 noch untersuche, bei dem in Bagdad 17 irakische
Zivilpersonen von Blackwater-Mitarbeitern erschossen worden waren, gebe
es keinen Grund, den im Mai auslaufenden Vertrag mit der privaten
Sicherheitsfirma nicht zu verlängern, hieß es. Blackwater
hat einen Fünfjahresvertrag über den Schutz von Diplomaten in
Bagdad, der jährlich neu genehmigt werden muss.
Nach Darstellung des Unternehmens wurden seine Mitarbeiter am 16.
September 2007 angegriffen und schossen dann zurück. Eine
Untersuchung der irakischen Behörden kam zu dem Schluss, dass die
Blackwater-Angestellten nicht provoziert worden seien. Das FBI
untersucht den Vorfall seit November. Das US-Außenministerium
erklärte, je nach Ausgang der Untersuchung könne der Vertrag
mit Blackwater aufgelöst werden.
boa (Quellen: dw, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 05.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.05.04.07 - US-Präsident Bush bekräftigt Festhalten an Irak-Politik +++
Fünf Tote bei Anschlag im Nordirak +++ Bewaffnete entführen 22
Schafhirten nahe irakischer Stadt Kerbela +++ Irakische Truppen
übernehmen Kontrolle über Provinz Maisan...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704050.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nato kann Isaf-Truppen in Afghanistan künftig über Russland
versorgen
Sa.05.04.08 - Die Nato kann ihre knapp 50.000 Soldaten in Afghanistan künftig
zumindest teilweise auf dem Landweg über Russland versorgen.
Beim ihrem Gipfel in Bukarest wollte die Allianz ein Transitabkommen
mit Russland unterzeichnen, das den Transport "nicht tödlicher"
Güter über Land umfasst. Darunter fällt alles von
Lebensmitteln bis hin zu bestimmten militärischer Ausrüstung.
Auf Truppen- und Lufttransporte erstreckt sich die Vereinbarung
allerdings nicht. Dies hatte die Nato ursprünglich angestrebt.
Im Rahmen des Nato-Russland-Rats kam der russische Präsident
Wladimir Putin am Freitag in Bukarest mit den Spitzenpolitikern der Nato
zusammen. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hatte
vergangenen Monat erklärt, er hoffe auf eine verstärkte
Zusammenarbeit mit Russland. Unklar blieb zunächst, wie Russland
auf die Entscheidung der Nato vom Vortag reagieren würde.
Das Militärbündnis hatte der Ukraine und Georgien am
Donnerstag trotz lautstarker Kritik Russlands eine Zukunft in der
Allianz versprochen, den Beitrittsprozess entgegen US-Forderungen aber
noch nicht eingeleitet. Russland fühlt sich seit Jahren durch das
Heranrücken der Nato an seine Grenzen bedroht.
(Quelle: rtr)
Russlands Präsident Putin bietet der NATO Freundschaft an
Sa.05.04.08 - Russland hat der NATO ungeachtet vieler ernster Konflikte eine
vertrauensvolle Freundschaft angeboten.
Wenige Wochen vor dem Machtwechsel im Kreml schlug Russlands
Präsident Wladimir Putin zum Ende des NATO-Gipfels am Freitag im
Konflikt um Ost- Erweiterung, Raketenabwehr und Abrüstung - bei
aller Kritik - versöhnliche Töne an. Nach Gesprächen mit
den 26 Staats- und Regierungschefs der NATO in Bukarest sagte Putin:
«Lassen Sie uns Freunde sein. Lassen Sie uns offen miteinander
reden.»
Vor Putin hatte die Gipfelrunde am Morgen den ukrainischen
Präsidenten Viktor Juschtschenko empfangen. Juschtschenko nannte
die Beitrittszusage für sein Land historisch und versicherte, das
Streben der Ukraine in die NATO sei nicht gegen Russland gerichtet. US-
Präsident George W. Bush, für den es wie für Putin der
letzte NATO- Gipfel war, hatte sich für eine klare
Beitrittsperspektive der ehemaligen Sowjetrepubliken Ukraine und
Georgien stark gemacht.
Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, der NATO-Russland-Rat
müsse häufiger auf Chefebene tagen. «Das muss
öfter stattfinden, um Missverständnisse ...
auszuräumen», sagte sie nach dem Gespräch mit Putin.
Der Dialog mit Moskau müsse selbstverständlich und
regelmäßig geführt werden. Der NATO-Gipfel insgesamt
sei «sehr erfolgreich und sehr politisch» gewesen. Im
Streit um die spätere Aufnahme Georgiens und der Ukraine sei
«aus Aufregung eine Lösung entstanden».
Vor dem Antritt seines Nachfolgers Dmitri Medwedew im Mai habe Putin
sich im Kreis der Alliierten «sehr konstruktiv» gezeigt,
sagte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Angesichts der
politischen Veränderungen in Moskau und Washington, wo Anfang 2009
ein neuer Präsident ins Weiße Haus einziehen wird, schloss
Putin eine Rückkehr zum Kalten Krieg kategorisch aus. «Nein,
das ist nicht möglich, das ist in niemandes Interesse»,
sagte er. «Keiner der globalen Spieler - die USA, Europa,
Russland - hat ein Interesse daran, zu vergangenen Zeiten
zurückzukehren.» Putin appellierte an die NATO, die
Zusammenarbeit mit Russland zu suchen.
Putin gab sich betont konstruktiv und versöhnlich, sparte aber
nicht mit Kritik an der NATO. Ohne den Beitrittswunsch Georgiens und
der Ukraine direkt zu erwähnen, bekräftigte er: «Das
Entstehen eines mächtigen Militärblocks an unseren Grenzen
würde in Russland als direkte Bedrohung der Sicherheit unseres
Landes betrachtet werden.» Er fügte hinzu:
«Erklärungen, dass dies keine Bedrohung für uns ist,
sind nicht ausreichend. Nationale Sicherheit wird nicht auf
Versprechungen aufgebaut. Vor allem, weil wir ähnliche Versprechen
schon mehrfach vor früheren Ausdehnungswellen der NATO gehört
haben.»
Putin kündigte beim Gipfel ein Abkommen an, das der NATO erlaubt,
auch militärischen Nachschub für die Afghanistan-Schutztruppe
ISAF mit Ausnahme von Waffen auf dem Landweg durch Russland zu
transportieren.
Der scheidende Kremlchef nannte die Ausdehnung der NATO, neue
militärische Infrastrukturen in den östlichen
Bündnisstaaten, den von Moskau ausgesetzten Vertrag über
konventionelle Streitkräfte und die US-Raketenabwehr in Europa als
Haupt-Streitpunkte beider Seiten. Er hoffe, in der Frage der
Raketenabwehr beim bevorstehenden Treffen mit US-Präsident George
W. Bush am Wochenende am Schwarzen Meer Fortschritte machen zu
können: «Da müsste man erstens gemeinsam die
Bedrohungsanalyse erstellen, zweitens gemeinsam eine Raketenabwehr-
Architektur dafür entwickeln und drittens gleichen und
demokratischen Zugang zum Betrieb dieses Systems garantieren.»
Merkel betonte, das strategische Raketenabwehrsystem sei nicht gegen
Russland gerichtet. «Russland ist unser Partner.» Zu den
offenen Frage im Bündnis gehöre noch, wie das US-System mit
einem ergänzenden System der NATO verbunden werden könne und
wer welche Kosten trage.
Ukraine-Präsident Juschtschenko machte aus seiner Begeisterung
keinen Hehl. «Die Ukraine wird in der NATO sein. Das ist ein
historisches Ereignis für unsere Menschen und unser Land»,
sagte er. Der Gipfel hatte am Donnerstag die sofortige Aufnahme der
Ukraine und Georgiens in einen «Aktionsplan für die
Mitgliedschaft» (MAP) - die Vorstufe zum Beitritt - zwar
abgelehnt. Zugleich wurde aber auch erklärt: «Wir sind
übereingekommen, dass diese beiden Länder Mitglieder der NATO
werden.»
(Quelle: dpa)
Mugabe will nicht weichen - Angst in Simbabwe
Sa.05.04.08 - Simbabwes Regierungspartei ZANU(PF) hat am Freitagabend den Sieg der
oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) bei der
Parlamentswahl vom vergangenen Wochenende in Zweifel gezogen.
Die MDC habe 16 der Wahlkreise nur durch Bestechung gewonnen,
erklärte die Partei von Präsident Robert Mugabe nach Angaben
des britischen Senders BBC. Sollte die staatliche Wahlkommission dem
Regierungslager recht geben, könnte ZANU(PF) wieder die Mehrheit
im Parlament reklamieren.
Die Wahlkommission hatte am Donnerstag mitgeteilt, insgesamt habe die
Opposition 109 der 210 Sitze im Parlament gewonnen, davon die MDC
allein 99. ZANU(PF) kam demnach auf 97 Sitze. Bei der weiter schleppend
verlaufenden Auszählung der Wahl für den Senat hatte am
Freitagabend ebenfalls die MDC die Nase vorne. Sie konnte nach dem
jüngsten Stand 22 der 60 Sitze auf sich vereinen, ZANU(PF) kam auf
21 Sitze.
Das mit Spannung erwartete Ergebnis der Präsidentenwahl ließ
derweil am Freitag weiter auf sich warten. Präsident Mugabe will
sich einer möglichen Stichwahl gegen seinen Herausforderer Morgan
Tsvangirai von der MDC stellen. Der 84-Jährige wurde auf einer
Krisensitzung des Politbüro der ZANU(PF) für alle Fälle
nominiert. Die Stichwahl würde nötig, sollte keiner der
Kandidaten bei der Präsidentenwahl vom vergangenen Wochenende die
nötige Mehrheit von mehr als 50 Prozent erreichen.
In der Hauptstadt Harare wuchs die Angst vor einem möglichen
Einsatz von Gewalt durch das Mugabe-Regime. «Ich denke, sie
bereiten sich auf Krieg vor», sagte MDC-Generalsekretär
Tendai Biti. «Wir halten alle den Atem an.» Als Hinweise
auf eine mögliche Eskalation wurden auch Razzien in Büros der
Opposition und die Festnahme westlicher Journalisten am Donnerstagabend
gewertet. Der internationale Journalistenverband (IFJ) warf der
Regierung Einschüchterung der Medien vor. Er wertete die
Festnahmen als Versuch, die Berichterstattung zu sabotieren und
forderte die umgehende Freilassung der ausländischen Reporter.
Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki sagte geplante
Gespräche mit der britischen Regierung am Freitagabend in London
wegen der Lage im Nachbarland ab. Er sei in ständigen
Gesprächen mit Regierung und Opposition, berichtete der
südafrikanische Rundfunk.
(Quelle: dpa)
Chavez will Zementindustrie in Venezuela verstaatlichen
Sa.05.04.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez will nun auch die
Zementindustrie seines Landes verstaatlichen. Die Regierung dürfe
nicht zulassen, dass Rohstoffe exportiert würden, die im
Wohnungsbau dringend benötigt würden, sagte Chavez am
Donnerstag. Den Unternehmen dieser «strategischen Industrie»
werde eine faire Entschädigung gezahlt. Der Zementmarkt in dem
südamerikanischen Land, in dem Wohnungsmangel herrscht, wird von
ausländischen Firmen dominiert. Die mexikanische Cemex ist mit
einem Marktanteil von etwa 50 Prozent die Nummer eins vor Lafarge aus
Frankreich und dem Schweitzer Konzern Holcim. Chavez hat bereits Teile
der Ölindustrie Venezuelas verstaatlicht.
(Quelle: ap)
Blutige Polizei-Razzia in Elendsvierteln von Rio
Sa.05.04.08 - Die brasilianische Polizei hat bei einem Einsatz gegen Drogenbanden in
zwei Elendsvierteln von Rio de Janeiro mindestens zehn Menschen
getötet. Sechs mutmaßliche Drogenhändler seien am
Donnerstag in der Favela Coréia und vier in Vila Aliança
ums Leben gekommen.
Das teilte die Polizei mit. Sprecher eines Krankenhauses, in das die
Opfer der Zusammenstöße gebracht wurden, sprachen unterdessen
von mindestens elf Toten. Laut Polizei wurden bei der Aktion
außerdem sieben Männer festgenommen sowie Pistolen,
Granaten, Funkgeräte, Munition und sogar Maschinengewehre
sichergestellt. Auch sei eine unbestimmte Menge Kokain und Marihuana
gefunden worden, hieß es.
An der Aktion nahmen den amtlichen Angaben zufolge 150 Beamte
verschiedener Eliteeinheiten teil. Die Zusammenstöße
hätten rund acht Stunden gedauert und seien am Nachmittag
(Ortszeit) zu Ende gegangen. Ein Polizeisprecher sagte, alle Todesopfer
seien Angehörige von Drogenbanden gewesen.
Die Aktionen der Polizei in den Favelas von Rio sind allerdings sehr
umstritten. Menschenrechtsorganisationen und Slumbewohner versichern,
dass bei den Razzien fast immer Unschuldige betroffenen sind. Bei der
letzten Polizeiaktion in den Favelas Coréia und Vila
Aliança war im vergangenen Oktober unter den zwölf Opfern
auch ein vierjähriger Junge.
(Quelle: dpa)
Tote bei Unruhen wegen hoher Lebensmittelpreise in Haiti
Sa.05.04.08 - Bei Unruhen wegen hoher Lebensmittelpreise sind am Freitag in Haiti
mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Weitere 25 Menschen
erlitten bei Schießereien mit UN-Blauhelmen im Süden des
Landes Verletzungen, wie eine Sprecherin der Vereinten Nationen
mitteilte.
Die Demonstranten machten die UN-Soldaten für den Tod eines jungen
Mannes in Les Cayes verantwortlich. Die Sprecherin erklärte, die
Soldaten hätten zurückgeschossen, als auf sie gefeuert worden
sei. Der Vorfall werde untersucht. In der Stadt wurden zwei weitere
Leichen gefunden, wie ein lokaler Radiosender berichtete.
Tausende Haitianer blockierten am zweiten Tag der Proteste in Les Cayes
Straßen, plünderten Geschäfte, steckten Autos in Brand
und zerstörten das Eingangstor zu einer Niederlassung der UN.
Friedliche Proteste gab es in Gonaive und der Hauptstadt
Port-au-Prince. Die weltweit gestiegenen Lebensmittelpreise treffen
Haiti besonders hart, wo 80 Prozent der Bevölkerung mit weniger
als zwei Dollar am Tag auskommen muss. Die Preise für Reis,
Bohnen, Früchte und Kondensmilch sind seit dem vergangenen Jahr um
50 Prozent gestiegen. Nudeln kosten sogar doppelt so viel.
(Quelle: ap)
'Es steht eine Revolution der Hungrigen bevor'
Egal ob Reis in Ecuador, Quark in Deutschland oder Croissants in
Frankreich - auf der ganzen Welt steigen die Lebensmittelpreise
unaufhörlich. Die Ursachen dafür sind vielfältig:
Wetterextreme, höhere Ölpreise und eine schnell wachsende
Nachfrage in China und Indien gehören zu den wichtigsten Faktoren.
Die Hauptlast tragen die Ärmsten.
Der 30-jährige Eugene Thermilon, ein Tagelöhner in Haiti,
kann seine Frau und seine vier Kinder nicht mehr ernähren. Der
Preis für Nudeln hat sich fast verdoppelt. Zwei Dosen Mais waren
kürzlich ihre einzige Mahlzeit für einen ganzen Tag.
Dass sich Leute wie Thermilon das Essen nicht mehr leisten können,
bekommt Fabiola Duran Estime schmerzlich zu spüren. Die
31-Jährige verkauft Lebensmittel, doch die Kunden bleiben aus.
Weil sie kaum noch etwas verdient, kann ihre Tochter Fyva nicht mehr in
den Kindergarten gehen: Die Gebühren von umgerechnet 13 Euro im
Monat sind zu hoch.
«Die Verbraucher haben keine Wahl, sie müssen ihren Konsum
einschränken», sagt der Wirtschaftswissenschaftler Abdolreza
Abbassian, der für die Welternährungsorganisation (FAO)
arbeitet. «Es ist ein sehr brutales Szenario, aber so ist
es.»
Brot in Ägypten 35 Prozent teurer
Langfristig werden sich die Lebensmittelpreise stabilisieren. Aber in
den kommenden zehn Jahren rechnet die FAO mit einem anhaltenden
Aufwärtstrend. Höhere Ölpreise verteuern fast alles -
von Dünger über den Transport von Lebensmitteln bis hin zur
Verarbeitung. Hinzu kommt eine steigende Nachfrage nach Fleisch und
Milchprodukten in schnell wachsenden Volkswirtschaften, allen voran
China und Indien.
Die Entwicklung betrifft praktisch alle Grundnahrungsmittel in den
meisten Ländern der Erde. In Ägypten sind die Brotpreise um
35 Prozent gestiegen, Pflanzenöl ist gut ein Viertel teurer
geworden. Pläne, die Subventionierung von Lebensmitteln
einzustellen und den Bedürftigen stattdessen Bargeld auszuzahlen,
musste die Regierung nach heftigen Protesten fallenlassen. «Es
steht eine Revolution der Hungrigen bevor», glaubt Mohammed el
Askalani, der einer Protestgruppe namens Bürger gegen hohe
Lebenshaltungskosten angehört.
In China sind die steigenden Preise Fluch und Segen zugleich. Der
Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch hat sich seit 1980 um 150 Prozent
erhöht. Schweinefleisch ist im vergangenen Jahr 58 Prozent teurer
geworden, trotzdem stehen die Kunden jeden Morgen Schlange im Laden von
Zhou Jian in Shanghai. Noch vor einem halben Jahr verkaufte der
26-Jährige Autozubehör. Seit er mit Fleisch handelt, verdient
er fast das Dreifache.
Lebensmittel treiben Inflation
Das Hauptproblem sei ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und
Nachfrage, sagt Jing Ulrich von der US-Bank JP Morgan: «Die
Nachfrage ist groß, das Angebot beschränkt. So einfach ist
das.»
Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hat den Kampf gegen
die Inflation zur wirtschaftspolitischen Priorität erhoben. Die
Verbraucherpreise sind im Januar um 7,1 Prozent gestiegen - so hoch war
die Inflation zuletzt vor elf Jahren. Preistreiber waren Lebensmittel
mit einer Teuerung von 18,2 Prozent.
Der hohe Ölpreis hat nicht nur die Kosten der
Lebensmittelproduktion nach oben getrieben, er führt auch dazu,
dass viele Länder vermehrt auf Biotreibstoff setzen. Das wiederum
bedeutet, dass die Preise für Mais, Zucker oder Sojabohnen weiter
steigen, und zwar noch viele Jahre, wie die FAO prognostiziert.
Die Japaner bekommen die Entwicklung besonders beim Kauf von Mayonnaise
oder Miso zu spüren, einer hauptsächlich aus Sojabohnen
bestehenden Paste. Beide gelten als wichtige Zutaten in der japanischen
Küche. Mayonnaise sei innerhalb von zwei Monaten um zehn Prozent
teurer geworden, sagt der Koch Daishi Inoue. «Wenn die Preise
weiter steigen, werden auch wir unsere Preise erhöhen
müssen.»
In Italien, wo im Jahr durchschnittlich 30 Kilo Nudeln pro Kopf
verspeist werden, riefen Verbrauchergruppen im September zu einem
symbolischen Pasta-Boykott auf, um gegen die steigenden Preise zu
protestieren. Tatsächlich ging der Verbrauch in den kommenden zwei
Monaten um fünf Prozent zurück, wie Lobbyist Rolando
Manfredini sagt.
Nervöse Märkte
Gab es in den vergangenen Jahrzehnten dank Subventionen noch
große Vorräte in den Getreide exportierenden Ländern,
schrumpften diese Reserven mit der Liberalisierung des Welthandels.
Damit ist die landwirtschaftliche Produktion anfälliger geworden
für die Entwicklungen der Märkte. Schlechtes Wetter oder eine
schlechte Ernte wirken sich sofort auf die Preise aus.
Dürre in Australien oder Hochwasser in Argentinien haben etwa die
Butterpreise in Frankreich von 2006 bis 2007 um 37 Prozent steigen
lassen. Gourmets bekommen das zu spüren, wenn sie Schnecken
bestellen, denn diese werden in Butter zubereitet. Auch Croissants oder
das beliebte Pain au Chocolat sind teurer geworden.
«Wir brauchen eine Antwort im großen Stil, auf regionaler
oder internationaler Ebene», fordert Brian Halweil von der
Umweltorganisation Worldwatch Institute. Schließlich seien
über den weltweiten Handel mit Lebensmitteln alle Länder von
der gegenwärtigen Entwicklung betroffen. «Das ist eine
globale Krise», sagt Halweil.
Quelle: ap, 26.03.2008
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Mehrheit der US-Bürger sieht Land auf falschem Weg
Sa.05.04.08 - Eine große Mehrheit der US-Bürger ist nach einer Umfrage mit
der Entwicklung in ihrem Land so unzufrieden wie schon lange nicht mehr.
In der Befragung für die «New York Times» und CBS News
bejahten 81 Prozent die Aussage, die USA seien auf einen
«vollkommen falschen Kurs» abgedriftet - die Dinge im Land
entwickelten sich allgemein schlecht. Vor einem Jahr hatten dieser
Aussage 69 Prozent zugestimmt, Anfang 2002 waren es nur 35 Prozent
gewesen. Die Umfrage geht auf Telefonbefragungen von 1368 Bürgern
zwischen dem 28. März und dem 2. April zurück.
Nach Angaben der Zeitung ist dieses Ergebnis das schlechteste seit
Anfang der 90er Jahre. Die Unzufriedenheit ziehe sich durch alle
Bevölkerungsgruppen - Frauen, Männer, Städter,
Landbewohner, Republikaner, Demokraten, Akademiker, Nicht-Akademiker.
Vor allem wirtschaftliche Probleme machten den Menschen zu schaffen.
Demnach finden nur 21 Prozent der Befragten, dass es der Wirtschaft
allgemein gut gehe - der niedrigste Wert seit 1992. Während im
Dezember noch Irakkrieg oder Terrorbekämpfung die Top- Themen
für viele waren, finden jetzt nur noch 17 Prozent den Kampf gegen
Terrorismus wichtig, aber 37 Prozent die Wirtschaftspolitik.
(Quelle: dpa)
Aderlass am US-Arbeitsmarkt schürt US-Rezessionsangst
Sa.05.04.08 - Die von Rezessionssorgen geplagte US-Wirtschaft hat im März so
viele Stellen abgebaut wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Der Arbeitsmarktbericht fiel mit einem Minus von 80.000 Jobs um 20.000
Stellen weit schlechter aus als im Schnitt von Experten erwartet. Auch
im Vormonat war der Aderlass am Arbeitsmarkt größer als
bislang angenommen, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag mitteilte:
Statt wie ursprünglich angenommen 63.000 wurden 76.000 Stellen
außerhalb der Landwirtschaft abgebaut. Die Arbeitslosenquote
liegt nun leicht über der Fünfprozent-Marke. Analysten gehen
davon aus, dass die Notenbank den Leitzins weiter zügig nach unten
schleusen wird, um Schlimmeres zu verhüten. Die US-Börsen
tendierten zum Handelsauftakt leicht im Minus.
Die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt in diesem Jahr lässt bei
Experten die Alarmglocken schrillen: Monat für Monat wurden im
Schnitt 77.000 Stellen gestrichen. Im zweiten Halbjahr 2007 waren noch
monatlich in etwa gleichem Maße Stellen aufgebaut worden.
Die Lage am Arbeitsmarkt ist zentral für die Konsumausgaben, die
wiederum gut zwei Drittel der Wirtschaftsleistung in den USA ausmachen.
Der Jobabbau nährt Ängste, dass die von der Finanz- und
Immobilienkrise gebeutelte Wirtschaft in eine Rezession abgleitet.
"Bislang wurde ja noch darüber debattiert, ob wir in einer
Rezession stecken. Mit diesen Arbeitsmarktzahlen hat sich diese Frage
wohl erledigt", sagte Analyst Rudy Narvas von 4Cast in New York.
Auch US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte jüngst eine Rezession
nicht mehr ausgeschlossen. Experten gehen nun davon aus, dass die
Arbeitsmarktzahlen der Notenbank gute Gründe liefert, den Leitzins
von derzeit 2,25 Prozent noch diesen Monat kräftig zu senken: "Die
Aussichten steigen mit diesem Arbeitsmarktbericht, dass es 50 statt nur
25 Prozentpunkte nach unten gehen wird", sagte William Sullivan von der
JVB Financial Group.
Allerdings enthält der Arbeitsmarktbericht auch Details, die nicht
ins negative Gesamtbild passen, worauf Heinrich Bayer von der Postbank
hinweist. So ist die durchschnittliche Arbeitszeit in der
Gesamtwirtschaft leicht gestiegen. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es
sogar schon den zweiten Anstieg in Folge. Zudem hat hier die Zahl der
geleisteten Überstunden zugenommen. Möglicherweise sei dies
ein Indiz, dass viele US-Unternehmen aufgrund der unsicheren
Perspektiven derzeit auf Neueinstellungen verzichten oder sogar
Arbeitskräfte entließen, solange dies durch Mehrarbeit
aufgefangen werden könne.
(Quelle: rtr)
IWF: US-Wachstum praktisch zum Stillstand gekommen
Sa.05.04.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat ein düsteres Bild
vom derzeitigen Zustand der US-Wirtschaft gezeichnet. «Das
Wachstum ist praktisch zum Stillstand gekommen, und wir erwarten, dass
es auch über die nächsten Quartale hin schwach bleibt»,
sagte IWF-Chefökonom Simon Johnson.
Bereits zuvor war bekanntgeworden, dass der Fonds seine
diesjährige Wachstumsprognose für die größte
Volkswirtschaft der Welt massiv um einen Prozentpunkt auf 0,5 Prozent
nach unten korrigiert.
Trotz der Zinssenkungen der US-Notenbank und des milliardenschweren
Konjunkturprogramms der Regierung, lasteten höhere Energiepreise,
ein schwächerer Arbeits- und Häusermarkt sowie schwerere
Verfügbarkeit von Krediten «in nächster Zeit weiter
schwer auf der Wirtschaft», sagte Johnson am Donnerstag in
Washington. In der Folge hätten sich auch die weltweiten
Wachstumsaussichten eingetrübt.
«Auch in Europa erwarten wir schwächeres Wachstum -
vielleicht mit etwas Verzögerung - durch den US-Abschwung»,
sagte der IWF-Chefökonom. Vor allem die Wirtschaft Westeuropas sei
dafür anfällig, dass Verwerfungen auf dem US-Kreditmarkt auf
sie übergreifen. Im Entwurf für den aktuellen
Konjunkturausblick für Deutschland rechnet der
Weltwährungsfonds für 2008 nur noch mit einem Wachstum von 1,2
Prozent statt der zuletzt erwarteten 1,5 Prozent.
Die Entwicklung in den Schwellen- und Entwicklungsländern sieht
Johnson indes in günstigerem Licht. «Das Wachstum wird sich
mäßigen, aber stark bleiben.» Die Risiken dort scheinen
besser ausbalanciert als in den Industriestaaten. Sollte sich die
Weltkonjunktur aber weiter abschwächen, könnten sich dadurch
die Ausfuhren verringern und die Rohstoffpreise sinken, was auf die
Binnennachfrage drücke.
In einem Interview mit der französischen Zeitung «Le
Figaro» (Donnerstagsausgabe) machte IWF-Direktor Dominique
Strauss-Kahn deutlich, dass er auch die Wirtschaftsentwicklung in China
und Indien inzwischen skeptischer einschätzt. Die Finanzkrise wirke
sich auch zunehmend auf diese beiden Länder aus. «Es handelt
sich nicht um eine Entkopplung, sondern nur um eine zeitliche
Verschiebung», sagte Strauss-Kahn. «Niemand ist dagegen
gefeit.»
(Quelle: dpa)
EU will Bankenaufsicht europaweit verbessern
Sa.05.04.08 - Zur Vorbeugung einer europaweiten Finanzkrise soll in der
Europäischen Union (EU) die Aufsicht über
grenzüberschreitend tätige Banken, Versicherungen und
Wertpapierhäuser verbessert werden.
Die EU-Finanzminister diskutierten nach Informationen aus Kreisen am
Freitag bei ihrem Treffen im slowenischen Brdo eine entsprechende
Absichtserklärung. Darin ist vorgesehen, zur Kontrolle für
jedes der fast 50 grenzüberschreitend aktive Unternehmen eigene
Aufsichtsgruppen mit Vertretern von Finanzaufsicht, Zentralbanken und
Finanzministerien aus den betroffenen Ländern zu bilden. Diese
sollen gemeinsam Vorkehrungen für ein koordiniertes Vorgehen im
Krisenfall treffen.
"Jeder weiß, dass es ein großes potenzielles Problem bei
grenzüberschreitende Gruppen gibt", sagte EU-Binnenmarktkommissar
Charlie McCreevy. Bisher werden Banken, die in mehreren Ländern
tätig sind, von allen zuständigen nationalen Behörden
parallel beaufsichtigt. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
sagte, die Vereinbarung sei ein wichtiger erster Schritt. Doch dies sei
nicht der Aufbau einer einheitlichen europaweiten
Finanzaufsichtsbehörde. "Wir müssen die Kooperation und
Konvergenz der Aufsicht auf europäischer Ebene verbessern."
In der Erklärung heißt es außerdem, die Anteilseigner
der Banken könnten im Fall einer Pleite nicht damit rechnen, mit
öffentlichem Geld aus der Klemme geholt zu werden. Das Management
einer notleidenden Institution bleibe verantwortlich. Die
Gläubiger sollten damit rechnen, die Verluste selbst zu tragen. Im
Krisenfall hätten Lösungen im privaten Sektor Vorrang.
(Quelle: rtr)
UNICEF: 290.000 Kinder sterben pro Jahr an Aids
Sa.05.04.08 - Trotz einiger Fortschritte im Kampf gegen Aids sterben laut UNICEF
jährlich rund 290.000 Kinder unter 15 Jahren an der
Immunschwäche. Rund 2,1 Millionen Mädchen und Jungen leiden an
einer HIV-Erkrankung, wie das UN-Kinderhilfswerk am Donnerstag in Genf
mitteilte. Die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern und
wurden schon bei der Geburt oder als Säugling infiziert.
Terre des hommes forderte aus Anlass des Weltgesundheitstags am 7.
April mehr Hilfen für den Ausbau der Gesundheitsdienste in Afrika,
Asien und Lateinamerika. Für das Ziel, die Kindersterblichkeit bis
2015 um zwei Drittel zu senken, müsse weit mehr als bisher
geschehen, sagte eine Sprecherin in Osnabrück.
Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren machen laut UNICEF rund 40
Prozent aller HIV-Neuinfizierten aus. In Afrika südlich der Sahara,
der am stärksten von Aids betroffenen Region, haben rund
zwölf Millionen Kinder einen oder beide Elternteile durch die
Krankheit verloren.
Als Fortschritte wertete UNICEF, dass in armen Ländern immer mehr
aidskranke Kinder eine lebensverlängernde antiretrovirale Therapie
erhalten. Zudem sinke in vielen Ländern die Zahl der schwangeren
Frauen, die mit dem Virus infiziert seien. UNICEF rief die Regierungen
dazu auf, mehr Mittel für die Behandlung aidskranker Kinder
bereitzustellen.
Gemäß UNAIDS lebten Ende 2007 insgesamt 33 Millionen
Menschen mit Aids. Rund 2,5 Millionen infizierten sich im vergangenen
Jahr neu und rund 2,1 Millionen starben an der Krankheit.
(Quelle: epd)
Klima-Konferenz in Bangkok : Doch noch Einigung auf Agenda für
Kyoto-Folgeabkommen
Sa.05.04.08 - In letzter Minute haben sich Unterhändler aus 163 Staaten zum
Abschluss einer fünftägigen Konferenz in Bangkok doch noch
auf die Agenda für ein neues globales Klimaschutzabkommen
geeinigt. Die Verhandlungsrunde drohte bereits an einem Streit zwischen
Japan und Entwicklungsländern über die Reduzierung von
Treibhausgasen zu scheitern. Die Gespräche, die eigentlich bereits
am Freitag beendet werden sollten, zogen sich bis in den Samstag
(Ortszeit) hinein.
Die Delegationen knüpften an die im Dezember auf Bali erzielte
Grundsatzvereinbarung an, bis 2009 einen Nachfolgevertrag für das
Kyoto-Protokoll zu schließen. Der Leiter der UN-Rahmenkonvention
zum Klimawandel (FCCC), Yvo de Boer, zeigte sich mit dem Ergebnis von
Bangkok zufrieden. «Der Zug nach Kopenhagen hat den Bahnhof
verlassen», sagte er in Anspielung auf den Konferenzort, an dem
die Gespräche über das Kyoto-Folgeabkommen abgeschlossen
werden sollen. «Wir haben jetzt nicht nur die Gewissheit, dass
kritische Streitpunkte in diesem Jahr erörtert werden, sondern wir
haben die mundgerechten Stücke, die es uns erlauben, effektiv zu
verhandeln.»
Bis zum Abschluss eines neuen globalen Klimaschutzabkommens ist
allerdings noch ein langer Weg. Die Verhandlungslinien haben sich seit
Bali nicht verändert. Während die EU eine Führungsrolle
der westlichen Industriestaaten bei der Eindämmung
klimaschädlicher Treibhausgase anstrebt, wollen die USA nur
mitziehen, wenn sich auch China und Indien zu einer drastischen
Kürzung der CO2-Emissionen verpflichten.
Bei den Zielwerten für die Eindämmung der Treibhausgase hat
die EU bis 2020 eine Reduzierung um 25 bis 40 Prozent vorgeschlagen -
gemessen an den Emissionen des Jahres 1990. Japan will hingegen die
Werte des Jahres 2005 als Bezugsgröße nehmen.
Die Europäische Union konnte sich am Schlusstag der Verhandlungen
nicht mit ihrer Forderung durchsetzen, die Emissionen des Luft- und
Schiffsverkehrs in ein neues Klimaschutzabkommen einzubeziehen. Die
Konferenz beschloss lediglich, darüber zu beraten, ob den
Unterzeichnerstaaten des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls erlaubt
werden soll, Emissionskürzungen im Luft- und Schiffsverkehr
heranzuziehen, um ihre Ziele zur Verringerung der Treibhausgase zu
erreichen.
Ein EU-Unterhändler, Jakob Graichen, zeigte sich dennoch zufrieden
mit dem Beschluss. Er bleibe zwar hinter der EU-Forderung zurück,
es sei aber gut, dass jetzt über die vom Luftverkehr und der
Schifffahrt ausgehenden Emissionen beraten werden könne. Dies sei
bisher nicht möglich gewesen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Volksbegehren gegen Transrapid unzulässig
Sa.05.04.08 - Das Volksbegehren gegen den Münchner Transrapid ist nicht
zulässig. Der Bayerische Verfassungsgerichtshof entschied am
Freitag, dass sich das Volksbegehren «faktisch» gegen
Haushaltsansätze wende. Es sei «ausnahmslos
unzulässig», den Staatshaushalt zum Gegenstand eines
Volksbegehrens zu machen.
Der Verfassungsgerichtshof folgte damit der Einschätzung des
bayerischen Innenministeriums. Das Gericht urteilte trotz des vor rund
einer Woche beschlossenen Endes für das Milliardenprojekt über
die Zulässigkeit des Volksbegehrens.
Transrapid-Gegner hatten das Volksbegehren initiiert, um zu verhindern,
dass sich der Freistaat Bayern an der Finanzierung der Magnetschwebebahn
beteiligen darf. Das Bayerische Innenministerium sah die gesetzlichen
Voraussetzungen für die Zulassung des Volksbegehrens unter dem
Titel «Für Bayern - Nein zum Transrapid» nicht
gegeben. Es sei nicht mit Artikel 73 der bayerischen Verfassung
vereinbar, wonach über den Staatshaushalt kein Volksentscheid
stattfinden könne.
Die Staatsregierung hatte ursprünglich geplant, 490 Millionen Euro
von veranschlagten 1,85 Milliarden Euro für den Bau der
Magnetbahntrasse vom Münchner Flughafen zum Hauptbahnhof zu
übernehmen. Vor einer Woche erhöhten die am Projekt
beteiligten Firmen ihre Kostenschätzung jedoch auf 3,4 Milliarden
Euro. Daraufhin wurde das Projekt gestoppt.
(Quelle: ddp)
Grüne wollen Kinderrechte im Grundgesetz verankern
Sa.05.04.08 - Die Bundestagsfraktion der Grünen will Kinderrechte im Grundgesetz
verankern und dazu kommende Woche einen Antrag im Bundestag stellen. In
der Begründung des Antrags heißt es laut "Süddeutscher
Zeitung", in Artikel 6 des Grundgesetzes würden Kinder zwar
erwähnt, es entstünde aber der Eindruck, "dass sie nicht als
Subjekte im Mittelpunkt" stünden. Mit dem Antrag wollen die
Grünen die SPD zwingen, in der Frage im Bundestag Farbe zu
bekennen. Während die Union eine Grundgesetzänderung ablehnt,
hatten sich Sozialdemokraten dafür ausgesprochen.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte der "SZ", es sei
"nicht länger akzeptabel, dass Artikel 6 nur über Eltern
redet". Der Blickwinkel habe sich im Vergleich zu 1949 deutlich
verändert. Sie schlug vor, das Grundgesetz durch den Zusatz zu
ergänzen: "Kinder haben ein Recht auf Entwicklung ihrer
Persönlichkeit, auf gewaltfreie Erziehung und den besonderen Schutz
vor Vernachlässigung, Gewalt und Ausbeutung. Die staatliche
Ordnung achtet, schützt und fördert die Rechte jedes Kindes
und trägt Sorge für kindergerechte Lebensbedingungen."
(Quelle: afp)
CDU und Grüne in Hamburg wollen Gebühren während des
Studiums abschaffen
Sa.05.04.08 - CDU und Grüne in Hamburg wollen in einer gemeinsamen
Landesregierung Studiengebühren in ihrer bisherigen Form
abschaffen. Ab dem Wintersemester 2008/09 soll es keine Gebühren
während des Studiums geben, teilten die beiden Parteien am
Freitagabend mit. Allerdings müsse man später ab einem
Einkommen von 30.000 Euro pro Jahr für jedes Semester, das man
studiert hat, eine Gebühr von 375 Euro zahlen. Die konkrete
Ausarbeitung dieses Modells sollte zu einem späteren Zeitpunkt
erläutert werden.
Seit Sommersemester 2007 müssen Studenten in Hamburg
zusätzlich zum Semesterbeitrag Studiengebühren in Höhe
von 500 Euro pro Semester zahlen. Es gibt diverse
Befreiungsgründe. So sind beispielsweise Studierende mit Kindern,
studienerschwerenden Behinderungen und chronischen Erkrankungen
ausgenommen. Bei finanziellen Problemen kann ein Darlehen aufgenommen
werden. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) erklärte, mit dem
neuen Modell falle der bisherige Befreiungstatbestand weg. Es werde
weniger Bürokratie geben.
Als weitere konkrete Ergebnisse präsentierten CDU und Grüne,
den Verbraucherschutz ausweiten zu wollen, insbesondere die
Schuldnerberatung. Außerdem solle das Bildungssparen
gefördert werden. In der siebten Runde der Koalitionsverhandlungen
hatten neben den Bereichen Hochschule und Wissenschaft die Themen
Bezirke, Europa und Verfassung auf dem Programm gestanden.
CDU-Landeschef Michael Freytag lobte die «gute
Vertrauenskultur» der Verhandlungen. «Große
Dickschiffe» seien auf den Weg gebracht worden.
In der nächsten Woche wird am Montag (12.00 Uhr), Dienstag (10.30
Uhr) und Mittwoch (10.00 Uhr) verhandelt. Als erstes soll über die
Bereiche Wohnen und Stadtentwicklung sowie über diverse Ergebnisse
aus den Arbeitsgruppen gesprochen werden. Ob es dabei auch um die als
strittig geltenden Themen Elbvertiefung und den geplanten Bau eines
großen Kohlekraftwerks im Stadtteil Moorburg gehen soll, war
zunächst offen.
In den bisherigen Verhandlungsrunden hatten sich CDU und Grüne
nach eigenen Angaben grundsätzlich in den meisten besprochenen
Bereichen geeinigt. Auch bei der Elbvertiefung soll einem Medienbericht
zufolge bereits eine Einigung erzielt worden sein.
(Quelle: ap)
Studierquote weiter rückläufig - Bildungsherkunft erweist
sich nach wie vor als wichtige Einflussgröße der
Studienentscheidung
Sa.05.04.08 - Immer weniger Schulabgänger mit Hochschulreife entscheiden sich
für ein Studium. Wie das Hochschul-Informations-Systems (HIS) am
Freitag in Bonn mit Verweis auf Zahlen für das Jahr 2006 bekannt
gab (http://www.his.de/pdf/pub_fh/fh-200804.pdf), hielt
der rückläufige Trend damit im fünften Jahr in Folge an.
Betrachte man die Studienabsichten und Fächerpräferenzen der
Schulabgänger 2006, lasse sich allein für Maschinenbau ein
Wachstumstrend feststellen.
Der aktuelle Rückgang der Studierquote auf 68 Prozent resultiert
aus einer im Vergleich zum Jahrgang 2005 gesunkenen Studierbereitschaft
der Frauen, der ostdeutschen Studienberechtigten (jeweils minus vier
Prozentpunkte), der Abiturienten und der Akademikerkinder (jeweils
minus drei Prozentpunkte).
Die Bildungsherkunft erweist sich aber nach wie vor als wichtige
Einflussgröße der Studienentscheidung, wie es weiter
hieß. Die Chance einer Studienaufnahme sei unter sonst gleichen
Bedingungen bei Akademikerkindern dreimal so groß wie bei
Studienberechtigten, deren Eltern keinen Hochschulabschluss erlangt
haben.
Wirtschaftswissenschaften sind wie bereits in den Vorjahren die
beliebteste Studienrichtung (10 Prozent), gefolgt von den
Lehramtsstudiengängen, Maschinenbau (jeweils 9 Prozent) und
Medizin (6 Prozent).
Bei im Jahrgangsvergleich weitgehend stabilen
Fächerpräferenzen haben die Wirtschaftswissenschaften
zwischen 2005 und 2006 zwei Prozentpunkte verloren. Im Gegenzug hat
Maschinenbau 2006 um zwei Prozentpunkte zugelegt. Die gewachsene
Beliebtheit von Maschinenbau ist dabei vorrangig in den neuen
Ländern zu beobachten.
Eine Berufsausbildung nehmen nach rückläufigen Werten
zwischen 1990 und 2002 (von 34 auf 24 Prozent) 2006 erstmals wieder
mehr Studienberechtigte auf (26 Prozent). Nach wie vor liegt die
Berufsausbildungsquote der Frauen deutlich über der der
Männer (32 versus 20 Prozent).
(Quelle: ap)
SPD-Chef Kurt Beck erklärt Streit um Linkspartei für beendet
Sa.05.04.08 - SPD-Chef Kurt Beck hat den inhaltlichen Streit seiner Partei um eine
Zusammenarbeit mit der Linkspartei für beendet erklärt. In
der «Rheinischen Post» kündigte er zugleich eine
scharfe Auseinandersetzung mit der Linkspartei an.
«Wir Sozialdemokraten hatten eine notwendige Diskussion über
die Auseinandersetzung mit dieser Partei - ich betone: über die
Auseinandersetzung, nicht über die Zusammenarbeit - zu
führen. Dies ist geschehen und abgeschlossen. Es war ein
schwieriger Prozess. Aber wir sind jetzt in der Lage, uns wieder den
Sachthemen zuzuwenden», sagte Beck.
Der SPD-Parteivorsitzende berief sich außerdem ausdrücklich
auf die Agenda 2010. Sie gebe die richtigen Antworten auf die
Globalisierung. «Die positiven Wirkungen zeigen sich jetzt. Wir
müssen weiter nach vorne schauen und diesen Prozess fort
entwickeln», sagte Beck. Die Globalisierung sei «auch im
Interesse der Mehrheit der Arbeitnehmer in diesem Land. Sie profitieren
davon, wenn deutsche Unternehmen sich international bewähren
können. Ein deutsches Unternehmen braucht die internationale
Ausrichtung, um sich im harten Wettbewerb zu behaupten und so
Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern», sagte Beck.
Der SPD-Chef ist am Samstag Hauptredner auf dem Landesparteitag der
NRW-SPD.
(Quelle: ap)
CSU will mit neuem Mannschaftsgeist aus der Krise
Sa.05.04.08 - Mit einem Schlussstrich unter den Führungsstreit und einer klaren
Kursbestimmung will die CSU wieder aus der Defensive kommen. Zum
Auftakt der zweitägigen CSU-Vostandsklausur in Wildbad Kreuth
forderte Parteichef Erwin Huber mehr Geschlossenheit und die
Rückkehr zur Sacharbeit. «Ich werde einen Fahrplan zum
Erfolg 2008 und 2009 vorlegen», sagte Huber. Die CSU-Spitze sagte
ihm volle Unterstützung zu, der stellvertretende CSU-Chef Horst
Seehofer sprach von «großer Harmonie».
Als Parteivorsitzender werde er «nicht mehr zulassen», dass
Einzelne mit öffentlichen Äußerungen der CSU schadeten,
warnte Huber interne Kritiker: «Alle sind gefordert, Disziplin zu
zeigen und die Sacharbeit in den Mittelpunkt zu stellen.» Die CSU
stehe in Regierungsverantwortung und sei «kein
Debattierclub» und «keine Chaostruppe wie die SPD».
Bei der Klausur werde «die Sacharbeit in der Landes- und
Bundespolitik im Mittelpunkt» stehen: «Wir machen eine
klare Kursbestimmung der CSU in allen Bereichen der Politik»,
kündigte Huber an. Dazu gehöre auch die
«grundsätzliche Weichenstellung für
Steuersenkungen» und die Rückkehr zur Pendlerpauschale ab
dem ersten Kilometer. Ministerpräsident Günther Beckstein
werde dem Parteivorstand am Samstag sein Regierungsprogramm bis 2013
vorstellen. Beckstein sagte, die Senkung der Belastungen für den
Durchschnittsbürger sei die zentrale Frage.
Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer sagte in Kreuth:
«Wir werden von Kreuth aus mit großer Zuversicht und
Aufbruchstimmung hinausgehen ins Land.» Er erwarte
«große Harmonie, auch personell». In Berlin werde man
in den nächsten Monaten merken, dass die CSU bayerische Belange
mit großem Nachdruck einbringe, sagte der Bundesagrarminister.
Seehofer hatte dem Führungstandem noch zu Wochenbeginn
Perspektivlosigkeit vorgeworfen. Die «Bild»-Meldung,
Seehofer plane mit dem früheren CSU-Chef Edmund Stoiber und
Europaminister Markus Söder einen Putsch gegen das
Führungstandem, bezeichneten Huber und Beckstein als
«Aprilscherz».
Stoiber sagte in Kreuth, das Vertrauen der Basis in die Führung
sei enorm wichtig und müsse «in jeder Phase gegeben
werden». Aus seiner 30-jährigen Erfahrung als
Wahlkämpfer werde er seinen Nachfolgern den ein oder anderen
Hinweis geben.
«Personaldebatten wären tödlich», sagte der
niederbayerische CSU-Chef Manfred Weber im Deutschlandradio Kultur. Der
frühere CSU-Vorsitzende Theo Waigel sagte dem «Münchner
Merkur»: «Ich kenne niemanden, der das Duo in Frage stellt
und das Risiko eingehen würde, ein halbes Jahr vor einer
Landtagswahl die beiden Führungsleute auszuwechseln.»
Laut ZDF-Politbarometer glauben nur 22 Prozent der bundesweit
Befragten, dass Beckstein und Huber erfolgreich zusammenarbeiten, 38
Prozent bezweifelten das.
Landtagspräsident Alois Glück sagte in Kreuth, das Tandem
sitze «gut im Sattel, da muss man sich keine Sorgen
machen». Entscheidend sei, dass es keine Richtungskämpfe
gebe. Die CSU müsse nur einige Kleinigkeiten abstellen und die
Bürger wieder spüren lassen, dass sie für sie
kämpfe. Auch Söder forderte, die CSU müsse «jetzt
mit einer Stimme sprechen und eine Botschaft für die Bürger
setzen», statt sich «nur mit uns selbst zu
beschäftigen» .
Der Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Markus Ferber, sagte, der
60-Prozent-Erfolg bei der Landtagswahl 2003 erzeuge das Problem 2008:
Viele CSU-Abgeordnete befürchteten, ihr Mandat zu verlieren.
«Diese Nervosität ist eines der Kernprobleme, die wir zur
Zeit haben.» Weber sagte, an der Basis hätten viele die
Strategie- und Personaldebatten langsam satt.
(Quelle: ap)
Sparkassen wollen Garantien für BayernLB-Risiken übernehmen
Sa.05.04.08 - Die bayerischen Sparkassen sind bereit, Garantien für
milliardenschwere Risikopapiere der BayernLB zu übernehmen.
"Wir können den Schirm aufspannen", sagte der Präsident des
Sparkassenverbandes Bayern, Siegfried Naser, dem Handelsblatt
(Freitagausgabe). Die Institute seien dafür ebenso wie die Kommunen
und der Freistaat Bayern gerüstet. "Ob die Garantie überhaupt
jemals fällig wird, wird erst in sechs Jahren entschieden." Ein
Teil werde sicher ausfallen. "Ein Teil der absoluten
Irrationalitäten wird sich bis dahin aber entspannt haben", sagte
Naser.
Die Landesbank hatte am Donnerstag angekündigt, 24 Milliarden Euro
an Risikopapieren in eine Zweckgesellschaft auszulagern. Davon sollen
rund sechs Milliarden mit Garantien gegen Ausfälle abgesichert
werden. Die BayernLB kommt für die ersten 1,2 Milliarden Euro auf.
Für die restliche Summe laufen Verhandlungen mit den
Eigentümern, dem Freistaat Bayern und den Sparkassen des Landes.
Die BayernLB hat die Finanzkrise bislang 4,3 Milliarden Euro gekostet.
Das von der BayernLB bekundete Interesse an der angeschlagenen IKB
beurteilt Naser skeptisch. "Aber mal anschauen kostet ja nichts", sagte
er. Er bekräftigte seine Forderung nach einer Fusion der BayernLB
mit der LBBW zu einer "Südbank". "Das halten wir nach wie vor
für den völlig richtigen Weg", sagte der
Sparkassen-Präsident.
(Quelle: rtr)
Finanzminister Steinbrück: Finanzkrise 'unverändert sehr
ernst'
Sa.05.04.08 - Die seit Monaten anhaltende Finanzkrise ist nach Einschätzung von
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) «unverändert
sehr ernst». Zum Auftakt des EU-Finanzministertreffens im
slowenischen Brdo sagte Steinbrück: «Das wird uns das ganze
Jahr 2008 hindurch beschäftigen.»
Zugleich warnte er aber davor, in Hysterie zu verfallen. «Die
Fundamentaldaten in Deutschland sind gut», sagte Steinbrück
und verwies auf die nach wie vor positive Entwicklung am Arbeitsmarkt.
Die Pläne von US-Finanzminister Henry Paulson, vor dem Hintergrund
der globalen Finanzkrise die Finanzmarktaufsicht in den USA drastisch zu
reformieren, bringen die EU nach Steinbrücks Einschätzung
nicht in Zugzwang. Die Amerikaner organisierten nun, was die
Europäer schon längst hätten, sagte Steinbrück.
«Sie wissen, dass die amerikanische Finanzaufsicht sehr
fragmentiert gewesen ist.» In Europa wolle man eine
größere Konvergenz und Kooperation der Aufsichtsbehörden
erreichen, die nicht nur für Banken, sondern auch für
Versicherungen und den Wertpapierhandel gelten solle. Dazu solle an
diesem Freitag eine Absichtserklärung unterzeichnet werden.
(Quelle: dpa)
Verfassungsgericht: Betriebsrenten sind voll beitragspflichtig
Sa.05.04.08 - Rentner müssen auf ihre Betriebs- und Zusatzrenten auch weiter den
vollen Beitragssatz zur Krankenversicherung zahlen.
Das Bundesverfassungsgericht wies in einem am Freitag
veröffentlichten Beschluss die Klage von sechs Rentern gegen die
Verdoppelung der Beiträge seit 2004 ab. Die zunehmend
größer werdende Finanzierungslücke im Gesundheitswesen
rechtfertige es, Rentner mehr in die Pflicht zu nehmen, hieß es.
Bis 2004 war auf Betriebs- und andere Zusatzrenten nur der halbe
Beitragssatz erhoben worden. (Az.: 1 BvR 2137/06)
Im Gegensatz zu den Betriebsrenten zahlen Rentner sie auf ihre
gesetzlichen Bezüge nur den halben Beitrag. Die anderen 50 Prozent
übernimmt der Rentenversicherungsträger. Bereits das
Bundessozialgericht hatte diesen Unterschied 2006 als angemessen
angesehen und die Klagen mehrerer Rentner abgewiesen. Sie legten
Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil ein.
Der volle Beitragssatz sei gerechtfertigt und könne Rentnern auch
zugemutet werden, entschieden auch die Verfassungsrichter. Denn das
Gesundheitswesen werde durch den medizinischen Fortschritt und die
zunehmende Zahl älterer Menschen immer teurer. Deckten die
Beitragszahlungen der Rentner 1973 noch 70 Prozent der von ihnen in
Anspruch genommenen Kassenleistungen seien es heute nur noch 43 Prozent.
Und immerhin erwarte die Bundesregierung durch die Erhöhung
jährliche Mehreinnahmen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Den
Betrieben, die eine Altersversorgung anböten, könne eine
teilweise Übernahme von Kassenbeiträgen nicht zugemutet
werden.
(Quelle: rtr)
Große Koalition erzielt Einigung über Rentenentwicklung
Sa.05.04.08 - Der Rentenstreit in der Bundesregierung ist beigelegt, die
außerplanmäßige Erhöhung um 1,1 Prozent im Sommer
kann kommen. Die beteiligten Ministerien klärten am Freitag letzte
Einzelheiten, so dass die erforderlichen Gesetzesänderungen
nächsten Dienstag im Kabinett beschlossen und gleich danach von
den Bundestagsfraktionen beraten werden können. Für 2011
bedeutet die Regelung für den Bundeshaushalt Mehrkosten von rund
zwei Milliarden Euro.
Die Summe soll je zur Hälfte vom Sozialministerium und aus dem
Gesamthaushalt aufgebracht werden, wie Ministeriumssprecher
erklärten. Erklärtes Ziel von Sozialminister Olaf Scholz
(SPD) ist es, die 20 Millionen Rentner nach mehreren Nullrunden und
einer Minierhöhung um 0,54 Prozent voriges Jahr am Aufschwung
teilhaben zu lassen. Dazu wird für zwei Jahre der dämpfend
wirkende «Riester-Faktor» ausgesetzt.
Daraus ergibt sich zum 1. Juli eine Rentenerhöhung von 1,1
Prozent, etwa doppelt so viel wie bislang erwartet. Für einen
«Eckrentner» bedeutet das 13,05 Euro mehr im Monat statt
5,50 Euro. Auch 2009 fällt die Rentenanpassung, die sich an der
Lohnentwicklung des Vorjahres orientiert, um 0,6 Prozentpunkte
höher aus und wird schätzungsweise zwei Prozent betragen.
Da der ausgesetzte Faktor später nachgeholt werden muss, ergeben
sich für die Folgejahre allerdings nur noch magere
Erhöhungen: 2011 ist voraussichtlich mit 0,3 Prozent, 2012 mit 0,7
und 2013 mit 1,1 Prozent zu rechnen, wie Ministeriumssprecher Stefan
Giffeler bestätigte. Der Beitragssatz soll 2011 bei 19,9 Prozent
bleiben und erst 2012 auf 19,5 Prozent sowie 2013 auf 19,1 Prozent
sinken. Die Rücklage der Rentenkassen wird nicht erhöht,
sondern bleibt bei 1,5 Monatsausgaben.
Die Diskussion über eine nachhaltige Finanzierung werde weiter
geführt werden, bekräftigte Giffeler. Zu gegebener Zeit
werden man immer wieder sehen müssen, ob die Reserve ausreiche.
«Im Moment ist die Frage beantwortet», sagte der Sprecher.
Es lasse sich auch alles finanzieren: Rentenerhöhung,
Beitragsstabilität und Niveausicherung.
Die Grünen begrüßten, dass Scholz das Vorhaben
aufgegeben habe, die Rücklage zu erhöhen. Sonst hätten
Versicherte und Arbeitgeber die Suppe durch höhere Beiträge
auslöffeln müssen, erklärte Rentenexpertin Irmingard
Schewe-Gerigk. Ihr FDP-Kollege Heinrich Kolb warf Scholz ein
«unwürdiges rentenpolitisches Hütchenspiel» vor.
Die Anhebung gleiche nicht einmal die Mehrwertsteuererhöhung aus,
und nach der Wahl 2009 folgten unvermeidlich magere Jahre, kritisierte
er.
Auch einer knappen Mehrheit der Bürger ist die Erhöhung zu
wenig. Im ZDF-Politbarometer sagten 52 Prozent, sie falle zu gering
aus. Sieben Prozent halten sie für zu hoch, 38 Prozent für
gerade richtig. Dabei unterscheiden sich die Generationen deutlich:
Während von den über 60-Jährigen 68 Prozent die
Erhöhung zu gering finden, fällt sie für 61 Prozent der
unter 30-Jährigen gerade richtig aus.
Der Sozialverband Deutschland nannte die Anhebung nicht ausreichend.
Die paar Euro glichen den Kaufkraftverlust nicht aus, kritisierte
SoVD-Präsident Adolf Bauer in der «Neuen Osnabrücker
Zeitung». VDK-Präsident Walter Hirrlinger forderte in der
«Stuttgarter Zeitung», auch den dämpfend wirkenden
Nachhaltigkeitsfaktor so lange auszusetzen, bis die Konjunktur stabil
sei.
(Quelle: ap)
Knappe Mehrheit findet Rentenerhöhung zu niedrig
Sa.05.04.08 - Die von der Bundesregierung beschlossene Rentenerhöhung ist nach
Ansicht einer knappen Mehrheit der Bundesbürger zu niedrig. Beim am
Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer gaben 52 Prozent der
1.230 Befragten an, die Erhöhung um 1,1 Prozent falle zu gering
aus. Sieben Prozent halten sie für zu hoch, 38 Prozent für
gerade richtig.
Deutliche Unterschiede gibt es dabei aber zwischen den Generationen:
Während von den über 60-Jährigen 68 Prozent die
Erhöhung zu gering finden, fällt sie für 61 Prozent der
unter 30-Jährigen gerade richtig aus, nur 28 Prozent dieser
Altersgruppe finden sie zu niedrig.
Einen Generationenkonflikt sieht die Mehrheit der Befragten allerdings
nicht: 38 Prozent finden, die Konflikte zwischen Jung und Alt in der
Gesellschaft seien sehr stark oder stark ausgeprägt, eine Mehrheit
von 61 Prozent aber erkennt nicht so große oder gar keine
Gegensätze zwischen den Generationen. Ein enormes Konfliktpotenzial
wird dagegen zwischen Arm und Reich gesehen: Für 81 Prozent gibt
es hier sehr große oder große Konflikte, nur für 18
Prozent birgt das soziale Gefälle in der Gesellschaft keine oder
nur geringe Spannungen.
(Quelle: ap)
Sozialverband für Inflationsausgleich bei der Rente
Sa.05.04.08 - Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat gefordert, die Renten jedes
Jahr mindestens in Höhe der allgemeinen Preissteigerung anzuheben.
«Das stellt sicher, dass die Rentner dauerhaft mehr im
Portemonnaie haben», sagte Präsident Adolf Bauer mit der
«Neuen Osnabrücker Zeitung». Die nun zum 1. Juli
geplante Rentenerhöhung von 1,1 Prozent sei zwar ein erster
Schritt, reiche aber nicht aus. Er verwies darauf, dass die
Inflationsrate im März 3,1 Prozent erreicht habe. Die
Bundesregierung sollte daher eine «Inflationsschutz-Klausel»
in die Rentenformel aufnehmen.
Für die rund 20 Millionen Rentner hatte die Koalition nach
mehreren Nullrunden eine außerplanmäßige Anhebung um
1,1 Prozent beschlossen - doppelt so viel, wie nach der geltenden
Rentenformel herausgekommen wäre.
(Quelle: ap)
Verschnaufpause im Tarifstreit der Klinikärzte
Sa.05.04.08 - Im Tarifstreit um die rund 55 000 Ärzte an kommunalen
Krankenhäusern haben Gewerkschaft und Arbeitgeberseite ihre
Verhandlungen am Freitag unterbrochen. Nach rund 28-stündigen
Gesprächen hätten die Tarifparteien eine Verhandlungspause
vereinbart, teilten beide Seiten in Wiesbaden mit. Am Montag
würden die Gespräche fortgesetzt. «Trotz intensiver
Bemühungen war es nicht möglich, die wichtigsten Hürden
zu nehmen», sagte der Verhandlungsführer der
Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Lutz Hammerschlag. Die Situation
erscheint laut Gewerkschaft aber nicht aussichtslos. Auch die
Arbeitgeberseite äußerte sich verhalten optimistisch.
Es sei eine «gute Nachricht», dass die Verhandlungen nur
vertagt, nicht aber abgebrochen wurden, sagte eine Sprecherin der
Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Die beiden
Tarifparteien waren bereits am Donnerstagmittag zur fünften
Verhandlungsrunde zusammengekommen.
In bestimmten Fragen habe es «Ansätze einer
Annäherung» gegeben, sagte Gewerkschaftssprecher Athanasios
Drougias. An anderer Stelle seien beide Seiten dagegen «noch sehr
weit auseinander». Zu inhaltlichen Punkten wollten sich weder die
Gewerkschaft noch die VKA äußern.
Sollte es beim nächsten Treffen keine Einigung geben, sei ein
Streik noch immer möglich, sagte Drougias. «Die Ärzte
sind nach wie vor bereit, auf die Straße zu gehen, wenn es
nötig ist», betonte er, «aber das ist der Plan
B.»
Die Tarifverhandlungen hatten am 14. Januar begonnen. Bereits die
vierte Verhandlungsrunde Mitte März war von Warnstreiks der
Ärzte begleitet worden. Das damalige Angebot der Arbeitgeberseite
hatten die Mediziner als «Zumutung» bezeichnet. Nach
eigenen Angaben stellte die VKA eine stufenweise Gehaltserhöhung
zwischen vier und fünf Prozent in Aussicht.
Der Marburger Bund fordert dagegen eine Erhöhung der
Ärzteeinkommen um durchschnittlich zehn Prozent und eine
«umgehende» Angleichung der Ostgehälter an das
Westniveau. Die VKA hält zweistellige Lohnzuwächse für
finanziell nicht machbar. Dass es am Montag eine schnelle Einigung
gebe, glaube er nicht, sagte Drougias: «Das wird vermutlich
wieder eine sehr lange Nacht werden.»
(Quelle: ddp)
Umweltminister Gabriel stoppt Biosprit-Verordnung
Sa.05.04.08 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat seine umstrittene
Biosprit-Verordnung zurückgezogen.
In der ARD sagte er am Freitag, deutlich über drei Millionen Autos
würden den mit zehn Prozent Alkohol versetzten Treibstoff nicht
vertragen. Er werde nicht die Verantwortung dafür übernehmen,
dass Millionen Autofahrer an die teuren Super-Plus-Zapfsäulen
getrieben würden. Denn das würde vor allem Fahrer treffen, die
nicht so viel Geld verdienten und daher die älteren Autos
führen, die den Biosprit nicht vertrügen, sagte der
SPD-Politiker.
Die Bundesregierung wollte ab 2009 einen Benzinstandard mit der
Bezeichnung E-10 einführen. Damit sollte in Super- und Normalbenzin
bis zu zehn Prozent Ethanol - also Alkohol - enthalten sein
können. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sprach am
Donnerstag von insgesamt rund 359.000 Autos inländischer
Hersteller, die nicht mit E-10 betankt werden sollten. Hinzu kommen nach
Angaben der Autoimporteure 3,3 Millionen überwiegend ältere
Fahrzeuge, die eine höhere Ethanol-Beimischung nicht vertragen
würden.
Gabriel sagte, der Stopp für den E-10-Kraftstoff sei nicht das
Ende der Biokraftstoff-Strategie der Bundesregierung. Es bleibe bei der
jetzt schon geltenden Obergrenze von fünf Prozent
Alkohol-Beimischung im Super- und Normalbenzin sowie bei sieben Prozent
beim Bio-Diesel.
Zudem habe die Einführung von E-10-Sprit kein umweltpolitisches
Ziel gehabt. Sie sei vielmehr als Hilfe für die deutsche
Autoindustrie geplant gewesen, damit diese die Klimaschutzziele
preiswerter hätten erreichen können. Nach einer
EU-Vereinbarung sollen die nationalen Neuwagen-Flotten im Schnitt ab
2012 nur noch 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Zehn
Gramm der Kürzung auf diese Menge sollte durch den Einsatz von
Biosprit erreicht werden. Die deutsche Autoindustrie tut sich schwerer
mit der Erreichung der EU-Vorgaben als andere europäische
Hersteller, weil sie einen größeren Anteil an Mittel- und
Oberklassewagen herstellt, die schwerer und PS-stärker sind und
daher mehr verbrauchen.
Der Präsident des Verbands der Autoimporteure, Volker Lange,
forderte eine europaweit abgestimmte Klimaschutzstrategie. "Es bestehen
weder Zeitdruck noch die Notwendigkeit für einen nationalen
Alleingang der Bundesrepublik Deutschland", sagte er auf der Automesse
AMI in Leipzig.
(Quelle: rtr)
Datenschützer fordern Schutz von Arbeitnehmern vor Überwachung
Sa.05.04.08 - Die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern haben die
Regierung aufgefordert, noch vor der Bundestagswahl 2009 einen
gesetzlichen Schutz vor Überwachung am Arbeitsplatz zu schaffen.
Damit reagierten sie am Freitag auf die Spitzelskandale bei mehreren
Supermarktketten.
Auf ihrer Konferenz in Berlin mahnten sie die Regierung zudem, die
Auflagen des Bundesverfassungsgerichts für Online-Durchsuchungen
einzuhalten. In der Koalition brach unterdessen ein neuer Streit
über das geplante Gesetz dazu aus. Dabei geht es darum, ob dem
Bundeskriminalamt der Einbruch in Wohnungen erlaubt werden soll, um
Spitzelprogramme auf Computern zu installieren.
Die Forderung nach einem Gesetz zum Arbeitnehmerdatenschutz ist mehr
als 20 Jahre alt. Die Debatte war neu aufgeflammt, nachdem Lidl, Edeka
und Plus eingeräumt hatten, Mitarbeiter per Video überwacht
zu haben.
«Wir brauchen eine Stärkung des
Arbeitnehmerdatenschutzes», sagte der
Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nach der Konferenz in Berlin.
Auch der Bundestag habe sich bereits für eine solche gesetzliche
Regelung ausgesprochen. Die Bundesregierung habe solche Aufforderungen
aber stets mit dem Hinweis zurückgewiesen, man wolle einer
Regelung auf europäischer Ebene nicht vorgreifen.
Es sehe nun aber so aus, als werde es nicht zu einem solchen
europäischen Regelwerk kommen. Deswegen müsse Arbeitsminister
Olaf Scholz nun tätig werden.
Lidl teilte in Neckarsulm mit, man habe bereits begonnen, die
Kameraanlagen in den Filialen zu demontieren. Die Beobachtung der
Verkaufsräume werde in den nächsten Monaten
«grundlegend neu aufgestellt».
In dem Gesetz zu den Online-Durchsuchungen will die Union den
Sicherheitsbehörden auch die Möglichkeit schaffen, in
Wohnungen einzudringen, um direkten Zugriff auf private Computer zu
haben. «Wer die Online-Durchsuchung für unverzichtbar
hält, muss den Ermittlern auch die Möglichkeit dazu
geben», sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende
Wolfgang Bosbach laut «Berliner Zeitung».
Der SPD-Politiker Dieter Wiefelspütz lehnte es dagegen ab, die
Kompetenzen des Bundeskriminalamts derart weit zu dehnen. «Es ist
eine Grenzüberschreitung, die Online-Durchsuchung mit einer Lizenz
zum Einbrechen zu verbinden», sagte er.
Schaar, warnte die Bundesregierung vor einem «erheblichen
verfassungsrechtlichen Risiko». Er rechne mit neuen Klagen in
Karlsruhe, falls der Einbruch in Wohnungen gesetzlich ermöglicht
wird. Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende Februar in einem
Grundsatzurteil hohe Hürden für Online-Durchsuchungen gesetzt.
(Quelle: ap)
Computer & Cyberspace
Microsoft verlängert Lebenszyklus von Windows XP bis 2010
Sa.05.04.08 - Microsoft wird sein populäres Betriebssystem Windows XP nicht wie
geplant in diesem Sommer komplett vom Markt nehmen. Das teilte der
weltgrößte Softwarekonzern am Donnerstag (Ortszeit) in Miami
mit.
Danach können die Hersteller von Billig-PCs («Ultra Low-Cost
PCs») könnten Windows XP Home noch bis zum Juni 2010 oder bis
zu einem Jahr nach der Vorstellung der kommenden Windows-Version 7 auf
ihren Rechnern installieren.
Beobachter gehen davon aus, dass Microsoft diesen Schritt unternimmt,
um ein weiteres Vordringen des freien Betriebssystem Linux bei den
Billigrechnern zu unterbinden. So hatte der taiwanesische
Laptophersteller Asus in jüngster Zeit einen großen
Markterfolg mit seinem Billig-Laptop Eee PC, der für 300 Dollar mit
einem Linux-System ausgeliefert wurde.
Ursprünglich hatte Microsoft die Auslieferung von Windows XP
bereits zum Januar 2008 stoppen wollen. Hersteller der «Ultra
Low-Cost PCs» hätten künftig die Auswahl, ob sie Windows
XP oder Vista auf den ULCPC-Geräten vorinstallieren, sagte Michael
Dix, der bei Microsoft für den Bereich Windows-Client
verantwortlich ist, dem US-Fachdienst Cnet. Für die bislang auf dem
Markt befindlichen «Ultra Low-Cost PCs» ist Windows Vista
wegen seiner hohen Hardwareanforderungen in der Regel nicht geeignet.
Microsoft wird für bestehende Kunden Windows XP bis zum April 2009
warten. Im Rahmen eines erweiterten Wartungsvertrags verlängert der
Softwarekonzern die Unterstützung für Windows XP bis zum
April 2014.
(Quelle: dpa)
Erforschung von Weblogs soll vorangetrieben werden
Sa.05.04.08 - Vorangetrieben werden soll die Erforschung der Rolle von Weblogs
(Blogs) und Communities in der Gesellschaft. Dafür wurde jetzt eine
Arbeitsgemeinschaft der Blogger- und Community-Forschung
gegründet.
Den neuen sozialen Medien aus dem Mitmach-Internet (Web 2.0) wird
grundsätzlich eine hohe Bedeutung beigemessen. Wodurch sich eine
erfolgreiche Online-Plattform jedoch konkret auszeichnet, sollte in
Zukunft genauer definiert werden. Bisher gelten vor allem solche Blogs
oder Communities als "wichtig", auf die von möglichst vielen
anderen Stellen aus verwiesen wird. Dies sagt jedoch nicht unbedingt
etwas darüber aus, welche Themen in der sogenannten
"Blogosphäre" besonders intensiv diskutiert werden und wie relevant
diese Inhalte für die breite Öffentlichkeit sind.
Diesen und weiteren Fragestellungen will sich in Zukunft die neue
Initiative widmen. Auf dem Berliner Blogger-Kongress "re:publica" haben
der Münchner Soziologe Benedikt Köhler und der Forschungschef
des Burda Community Network, Jörg Blumtritt, die
Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen. Köhler betreibt die
Blog-Rangliste Metaroll (http://blog.metaroll.de).
(Quelle: gp)