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Irak am 1475sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens fünf Tote bei Anschlägen in Bagdad - Christlicher
Priester unter den Opfern
So.06.04.08 - Zwei Anschläge in der irakischen Hauptstadt Bagdad haben am
Samstag mindestens fünf Menschen das Leben gekostet. Im
morgendlichen Berufsverkehr explodierte eine Bombe in einem Kleinbus.
Vier Fahrgäste wurden getötet und 15 weitere verletzt, wie
die Polizei mitteilte. Bei den Insassen des Fahrzeugs handelte es sich
überwiegend um Arbeiter und Händler aus dem Armenviertel Sadr
City. Im Stadtteil Karradah wurde ein Priester erschossen.
Der Geistliche war nach Polizeiangaben auf dem Weg zur Kirche, als
Unbekannte aus einem anderen Fahrzeug heraus das Feuer auf seinen Wagen
eröffneten. Über die Konfession des Priesters war
zunächst nichts bekannt.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 06.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundelften Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Zwölf militante Palästinenser brechen aus dem Gefängnis
aus
So.06.04.08 - Zwölf militante Palästinenser sind in der Nacht zum Samstag
aus einem palästinensischen Gefängnis in der Stadt Nablus im
Westjordanland ausgebrochen. Nach Medienberichten handelt es sich um
Mitglieder der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, des bewaffneten Armes der
Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.
Dieselbe Gruppe hatte schon Ende Februar einen Ausbruch unternommen, war
aber wenige Stunden später freiwillig ins Gefängnis
zurückgekehrt.
(Quelle: dpa)
Opposition befürchtet neue Gewalt in Simbabwe
So.06.04.08 - Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hat der
Regierung vorgeworfen, einen «Krieg gegen die
Bevölkerung» vorzubereiten. «Bei einer Stichwahl
wäre Gewalt die Waffe», sagte er am Samstag. Tsvangirais
Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) forderte ein Eingreifen
der internationalen Gemeinschaft. Der südafrikanische
Präsident Thabo Mbeki sprach sich gegen eine solche Intervention
aus.
Das amtliche Ergebnis der Präsidentenwahl ist auch eine Woche nach
der Abstimmung noch nicht veröffentlicht worden. Die Regierung
vereitelte am Samstag einen Versuch der Opposition, deren Herausgabe
vor Gericht zu erzwingen. Tsvangirai kündigte an, seine Partei
wolle am Sonntag erneut vor Gericht ziehen. Die MDC hat erklärt,
Tsvangirai habe die Wahl mit 50,3 Prozent gewonnen. Unabhängige
Prognosen gehen jedoch davon aus, dass er die absolute Mehrheit
verfehlt hat und es deshalb zu einer Stichwahl kommt.
Diese müsste laut Verfassung innerhalb von 21 Tagen nach der
ersten Runde der Wahl stattfinden. Aus diplomatischen Kreisen
verlautete, Mugabe plane einen Aufschub um 90 Tage. Tsvangirai warf dem
84-jährigen Amtsinhaber vor, bewaffnete Milizen und
Kriegsveteranen zu mobilisieren, um Angst und Schrecken zu verbreiten.
Die oppositionelle MDC appellierte unterdessen an die Vereinten
Nationen, mit einer Intervention Gewalt zu verhindern. «Sie
sollten nicht warten, bis Blut in den Straßen und Dörfern
fließt», sagte Parteisprecher Nelson Chamisa am Samstag.
Das simbabwische Volk sei im Kampf gegen die Diktatur auf die Hilfe der
internationalen Gemeinschaft angewiesen.
Mbeki riet dagegen zu Geduld. «Es ist Zeit zu warten»,
sagte der südafrikanische Präsident am Samstag am Rande einer
internationalen Konferenz in der englischen Stadt Watford. «Wenn
es eine zweite Runde der Präsidentenwahl gibt, sollten wir sehen,
was dabei rauskommt.» Angesichts der gespannten Lage in Simbabwe
sind Rufe laut geworden, Mbeki solle seinen Einfluss auf Mugabe geltend
machen.
Bei der Parlamentswahl hat die simbabwische Regierungspartei ZANU-PF
dem offiziellen Ergebnis zufolge ihre Mehrheit in der 210 Sitze
umfassenden Kammer verloren - zum ersten Mal seit der
Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1980. Im 60 Abgeordnete
zählenden Senat haben Regierung und Opposition nach Angaben der
Wahlkommission je die Hälfte der Sitze errungen.
(Quelle: ap)
Chinesische Führung will tibetische Mönche umerziehen
So.06.04.08 - Angesichts anhaltender Proteste gegen die chinesische Herrschaft in
Tibet will die Führung in Peking tibetische Mönche
umerziehen. Die staatliche Tageszeitung "Tibet Daily" zitiert einen
hochrangigen Parteivertreter, der "die Stärkung der patriotischen
Bildung" als oberste Priorität bezeichnet habe. Unterdessen
erhöhte sich der Druck auf den organisierten Sport, die
Menschenrechtsverletzungen in China deutlicher anzusprechen.
Der Vizechef der Kommunistischen Partei (KP) in der Himalaya-Region,
Hao Peng, sprach in "Tibet Daily" davon, "die Mönche so
anzuleiten, dass sie die Tradition von Liebe und Religion und die Liebe
zum Land pflegen sowie das Banner des patriotischen Fortschritts
hochhalten". Erste Bemühungen um eine "Umerziehung" der
Mönche in der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas hatten nach
Angaben von Menschenrechtsgruppen bereits Proteste von Tibetern
ausgelöst, bei denen am Donnerstag acht Menschen getötet
wurden.
Anfang der 90er Jahre hatte Peking nach eigenen Angaben eine
Indoktrinierungskampagne in buddhistischen Klöstern und Tempeln
Tibets gestartet. In zahlreichen Klöstern war damals nach
offiziellen Angaben die gesamte Leitung ausgewechselt worden. Mehr als
eine Million Chinesen unterschrieben nach offiziellen Angaben eine
Petition im Internet, in der sie die Tibet-Berichterstattung der
westlichen Medien als verzerrt kritisieren.
In Tibet waren am 10. März anti-chinesische Proteste ausgebrochen
und vier Tage später eskaliert. Dabei wurden nach Angaben der
tibetischen Exilregierung mindestens 135 Menschen getötet. Der
chinesischen Regierung zufolge töteten "Unruhestifter" 18
Zivilisten und zwei Polizisten.
Vier Monate vor den Olympischen Spielen in Peking wächst der Druck
auf den organisierten Sport, die Menschenrechtsverletzungen in China
deutlicher anzusprechen. Erstmals gab es auch Kritik von hohen
Sportfunktionären. "Das Internationale Olympische Komitee muss
endlich zu einer klaren Sprache finden", sagte der Ehrenpräsident
des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Manfred von Richthofen,
dem "Tagesspiegel am Sonntag".
Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy will an der Eröffnungsfeier
der Olympischen Spiele nur teilnehmen, wenn Peking in der Tibet-Krise
erhebliche Zugeständnisse macht. In einem Interview der
Tageszeitung "Le Monde" nannte die Staatssekretärin für
Menschenrechte, Rama Yade, unter anderem einen Dialog Chinas mit dem
geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, und eine Freilassung
politischer Gefangener als Vorbedingung für eine Teilnahme des
Staatschefs.
(Quelle: afp)
Japan fordert bei G-8-Treffen mehr Entwicklungshilfe
So.06.04.08 - Japan hat an die Gruppe der reichsten Industrieländer (G-8)
appelliert, trotz der Gefahr eines weltweiten Abschwungs die Hilfe
für die ärmsten Staaten der Welt zu erhöhen. Der
japanische Außenminister Masahiko Komura sagte am Samstag in
Tokio, er sei entschlossen, den Abwärtstrend bei der offiziellen
japanischen Entwicklungshilfe zu stoppen und umzukehren.
An den zweitägigen G-8-Beratungen über Entwicklungshilfe
nahmen auch Vertreter neuer Geberländer wie China, Indien und
Brasilien teil. Deutschland wurde von Entwicklungshilfeministerin
Heidemarie Wieczorek-Zeul vertreten. Die Gespräche zur
Entwicklungshilfe gelten als Vorbereitung des von Japan ausgerichteten
G-8-Gipfels im Juli.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hatte erst am Freitag berichtet, dass die
Entwicklungshilfezahlungen der 22 von ihr beobachteten Staaten im
vergangenen Jahr um gut acht Prozent auf 103,7 Milliarden Dollar (66
Milliarden Euro) zurückgegangen waren. Japans Entwicklungshilfe
brach demnach im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf 7,7 Milliarden
Dollar (4,9 Milliarden Euro) ein. Damit belegt das Land im
internationalen Vergleich den fünften Platz, hinter den USA,
Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
(Quelle: ap)
Regenwald-Bewohner gründen Klima-Allianz
So.06.04.08 - Bewohner des Regenwalds in elf lateinamerikanischen Staaten haben sich
zusammengeschlossen, um in der globalen Debatte über den
Klimaschutz besser wahrgenommen zu werden. In der am Freitag
unterzeichneten Erklärung von Manaus werden die Regierungen
aufgerufen, die Rechte der Einwohner an ihrem Land und an den
natürlichen Ressourcen sowie ihren traditionellen Lebensstil zu
respektieren.
«Bislang haben die Regierungen uns Vorschläge gemacht, ohne
sich mit uns zu beraten», sagte der Präsident des Rats der
brasilianischen Rubber-Tapper, Manoel da Cunha. Die Erklärung wurde
von Vertretern aus Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador,
Französisch-Guyana, Guyana, Nicaragua, Panama, Paraguay, Surinam
und Venezuela unterzeichnet. Auch Delegationen aus Indonesien und dem
Kongo-Becken waren bei der Konferenz vertreten.
«Diese Vereinbarung verbessert ihre Möglichkeiten, in den
Verhandlungen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen teilzunehmen»,
sagte einer der Organisatoren des Treffens, Paulo Moutinho vom
Amazonas-Umweltforschungsinstitut.
(Quelle: ap)
Bush zu Abschiedsbesuch bei Putin
So.06.04.08 - US-Präsident George W. Bush ist am Samstag zu einem
Abschiedsbesuch bei seinem russischen Kollegen Wladimir Putin
eingetroffen. Bei den Gesprächen in Sotschi am Schwarzen Meer
dürfte es unter anderem um das geplante Raketenabwehrsystem gehen,
das die USA in Polen und Tschechien errichten wollen. Eine Sprecherin
des Weißen Hauses erklärte auf dem Flug nach Russland, es
werde kein Durchbruch erwartet.
In Sotschi treffen Bush und Putin zum letzten Mal als amtierende
Staatsoberhäupter aufeinander. Putin begrüßte seinen
Gast vor seiner Sommerresidenz mit einem freundlichen Handschlag. Im
Gästehaus führte er ihm ein Modell der Sportstätten
für die Olympischen Winterspiele 2014 vor, die in Sotschi
ausgetragen werden. Anschließend kamen die beiden
Präsidenten und ihre Ehefrauen, Laura Bush und Ljudmila Putina, zu
einem informellen Abendessen zusammen. Auch Putins designierter
Nachfolger, Dmitri Medwedew, war eingeladen.
Am (heutigen) Sonntag wollen Putin und Bush zu einer einstündigen
Unterredung zusammentreffen, an das sich ein halbstündiges
Gespräch zwischen Bush und Medwedew anschließen soll.
Außerdem wollen Bush und Putin eine strategische
Rahmenvereinbarung unterzeichnen, die die Grundlage für die
Ausrichtung der bilateralen Beziehungen bilden soll. Bei den
Gesprächen zwischen beiden Präsidenten geht es nach Angaben
der Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, um die
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Sicherheit, die
Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen, die Terrorabwehr und
wirtschaftliche Fragen.
(Quelle: ap)
NATO steht laut Bush allen Balkan-Ländern offen
So.06.04.08 - Bei seinem Besuch in Kroatien hat US-Präsident George W. Bush
für die NATO als Garant für Sicherheit und Stabilität
geworben. Das Verteidigungsbündnis stehe allen Ländern des
Balkans offen, sagte der US-Präsident vor rund 3000 Kroaten in der
Hauptstadt Zagreb. Die NATO hatte am Donnerstag auf ihrem Gipfel in
Bukarest Kroatien und Albanien offiziell zum Beitritt eingeladen. Von
Zagreb aus flog Bush nach Russland, wo er mit Präsident Wladimir
Putin zusammentreffen wollte.
"Sollte Euren Völkern eine Gefahr drohen, werden Amerika und die
NATO Euch zur Seite stehen", sagte Bush. Die Entscheidung zur Aufnahme
Kroatiens und Albaniens nannte er einen "Vertrauensbeweis", dass beide
Länder ihre Reformen fortsetzen und sich weiter an
NATO-Einsätzen beteiligen würden. Mazedonien, das wegen eines
Namensstreits mit Griechenland vorerst noch nicht aufgenommen wird,
müsse "so schnell wie möglich seinen Platz in der NATO
einnehmen", sagte Bush und würdigte die Beiträge Mazedoniens
für Missionen der Militärallianz.
Mit Blick auf Serbien, einen engen Verbündeten Russlands, sagte
der US-Präsident, er hoffe, "dass ein freies und erfolgreiches
Serbien bald den ihm zustehenden Platz in der europäischen
Familie" finden werde. Auf die ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und
Ukraine, denen auf dem NATO-Gipfel noch kein Kandidatenstatus für
einen Beitritt zugebilligt wurde, ging Bush in seiner Rede nicht ein.
Er hatte in Bukarest massiv für eine Aufnahme der beiden
Länder in die Allianz geworben.
Bei einer Protestaktion in der Zagreber Innenstadt unterzeichneten
dutzende Kroaten eine riesige Postkarte, in der Bush aufgerufen wird,
nie mehr nach Kroatien zurückzukommen. In den kritischen
Botschaften auf der Rückseite der 1,5 Meter hohen und zwei Meter
breiten Karte wurde der US-Präsident als "Kriegsverbrecher" und
"Diktator" beschimpft.
(Quelle: afp)
EU-Finanzministertreffen: Inflation und Lohnpolitik bereitet
Kopfzerbrechen
So.06.04.08 - Angesichts der rekordhohen Inflation in Europa sind die Finanzminister
und Notenbankchefs hin- und hergerissen über die Lohnpolitik in
der Euro-Zone.
Bei ihrem Treffen im slowenischen Brdo äußerten die
Finanzminister am Wochenende einerseits Verständnis dafür,
dass die Arbeitnehmer an der noch immer günstigen
Wirtschaftsentwicklung fair beteiligt werden sollen. Doch Zentralbanker
warnten vor überzogenen Lohnabschlüssen, die die
Teuerungsrate noch mehr in die Höhe treiben und sie zu
Zinserhöhungen zwingen könnten. Die Europäische
Zentralbank (EZB) hält den Leitzins schon seit Juni 2007 bei vier
Prozent, denn die von den USA ausgehende Finanzkrise gefährdet das
mit schätzungsweise knapp zwei Prozent noch stabile Wachstum der
Wirtschaft im Euro-Raum.
Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück verteidigte
gegenüber seinen Kollegen die kräftige Tariferhöhung um
rund fünf Prozent im öffentlichen Dienst Deutschlands. Nach
den Nullrunden in den vergangenen Jahren sei dies ein gerechtfertigter
Nachholbedarf. "Die Arbeitnehmer haben sich sehr verantwortungsvoll
verhalten, sie müssen an der guten wirtschaftlichen Entwicklung
auch teilhaben", sagte er. Deutschlands Bundesbankpräsident Axel
Weber bezeichnete die Erhöhung dagegen als Grund zur Sorge. Die
EZB befürchtet, dass zu kräftige Lohnsteigerungen die
Inflation noch weiter in die Höhe treiben können. Solche
Zweitrundeneffekte gebe es jedoch nicht, betonte Steinbrück.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet forderte, dass der deutsche
öffentliche Dienst kein Vorbildcharakter für andere
Länder haben dürfe. Er mahnte, die Lohnentwicklung müsse
sich nach Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität eines Landes
richten. Deutschland hatte hier in den letzten Jahren die Nase in der
Euro-Zone vorn. "Eine vernünftige Lohnpolitik ist entscheidend
für weiteren Beschäftigungszuwachs", sagte Trichet.
Der Chef der Euro-Finanzminister, der Luxemburger Jean-Claude Juncker,
gestand den Gewerkschaften zu, bei ihren Forderungen auch die
Teuerungsrate ins Kalkül zu ziehen. Mit 3,5 Prozent im
Jahresabstand war diese im März so hoch wie seit 16 Jahren nicht
mehr. Der Preisanstieg treffe die sozial Schwächeren hart. Derweil
formierte sich in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana eine
Demonstration des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB) für
höhere Löhne. EGB-Generalsekretär John Monks sagte, die
Finanzminister und Zentralbanken müssten die Sorgen der
Beschäftigten verstehen: "Die Arbeitnehmer brauchen eine
Lohnerhöhung und einen ordentlichen Teil an den Früchten des
Reichtums und an den Früchten der Arbeit."
Der Ministerpräsident Sloweniens Janez Jansa, dessen Land derzeit
die EU-Ratspräsidentschaft hat, äußerte
Verständnis. "Die Forderungen des EGB sind berechtigt", sagte er.
Seine Regierung wolle diese in der EU als Präsidentschaft
vortragen. In Slowenien ist die Teuerungsrate fast doppelt so hoch wie
im Durchschnitt der Euro-Zone. Im Herbst muss sich die Regierung der
nächsten Wahl stellen.
Die Finanzminister und Notenbankchefs äußerten sich
zuversichtlich, dass die Konjunktur dem Sturm der Finanzkrise in diesem
Jahr noch Stand halten kann. "Ich habe keine Veranlassung, Korrekturen
am Wirtschaftswachstum vorzunehmen", sagte Steinbrück mit Blick
auf die Prognose der Bundesregierung von 1,7 Prozent. Die jüngste
Prognose des Internationalen Währungsfonds, wonach das
Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 2008 um nur 1,4 Prozent und in der
Euro-Zone um 1,3 Prozent zunehmen soll, halten die Europäer
für zu pessimistisch.
Ein Ende der Bankenkrise und der Talfahrt an den Börsen sei
allerdings noch nicht absehbar, sagten Steinbrück und Weber. Die
US-Wirtschaft steckt nach Einschätzung des Finanzministers schon
in einer Rezession, die sich aber erst nächstes Jahr stärker
als Wachstumsbremse in Europa bemerkbar machen werde. Die Krise kann
nach Ansicht der Minister und Zentralbankchefs nur durch schonungslose
Offenheit der Banken über ihre Verluste und Risiken bekämpft
werden. Als eine erste Lehre aus der Krise vereinbarten die Minister
eine engere Zusammenarbeit der nationalen Aufseher in der Kontrolle
grenzüberschreitend tätiger Banken, Versicherungen und
Wertpapierhäuser. Eine europaweite Finanzkrise soll damit
verhindert werden.
(Quelle: rtr)
Tausende Demonstranten fordern sozialeres Europa -- Protest am Rande
des EU-Finanzministertreffens in Slowenien -- DGB-Chef Sommer:
Arbeitnehmer an Aufschwung beteiligen
So.06.04.08 - Tausende Gewerkschafter aus ganz Europa haben am Samstag in Ljubljana
für gerechte Löhne demonstriert. Zu der Kundgebung
anlässlich eines EU-Finanzministertreffens in der Nähe der
slowenischen Hauptstadt reisten Arbeiter und Angestellte aus
Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Belgien, Polen,
Tschechien, Ungarn, Litauen, Rumänien, Bulgarien und Kroatien an.
Die Organisatoren sprachen von 35.000 Teilnehmern, die Polizei von
10.000.
DGB-Chef Michael Sommer forderte in Ljubljana, die Arbeitnehmer
müssten am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt werden:
«Wir wollen nicht mehr und nicht weniger als den gerechten Anteil
dessen, was wir selbst erarbeiten.» An die Adresse der
Finanzminister gerichtet, erklärte er: «Stellt endlich klar,
in Europa gelten soziale Bedingungen. Sonst stellen wir Europa in
Frage!»
Der Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbunds
(EGB), John Monks, übte scharfe Kritik am Präsidenten der
Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet. Dieser hatte
beim Finanzministertreffen die Gewerkschaften zur Zurückhaltung
aufgerufen, weil hohe Lohnabschlüsse der Inflation weiteren
Auftrieb geben würden. «Wir können Predigten von
europäischen Zentralbankern und Finanzministern, dass die
Arbeitnehmer bescheiden sein sollten, nicht akzeptieren»,
erklärte Monks.
Auch Sommer wandte sich gegen das Argument, dass mit den Löhnen
auch die Preise stiegen. «Andersrum wird ein Schuh draus: Die
Lebensmittel sind nicht mehr zu bezahlen, das Gemüse ist nicht
mehr zu bezahlen, der Strom ist nicht mehr zu bezahlen, das Benzin ist
nicht mehr zu bezahlen, und deshalb brauchen wir endlich mehr Geld -
und zwar überall in Europa», sagte der DGB-Chef.
EGB-Generalsekretär Monks kritisierte zudem, in Europa mache sich
ein «Kasino-Kapitalismus» breit und rief die
EU-Finanzminister auf, riskanten Spekulationsgeschäften ein Ende
zu bereiten: «Wir wollen ein Ende der Spekulationen und der
leichtsinnigen Gier auf den Finanzmärkten.»
Der DGB bekräftigte auf der Demonstration auch seine Forderung
nach einem Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro in Deutschland. Es
könne nicht sein, «dass Kolleginnen und Kollegen in
Leiharbeit sind und von sieben Euro pro Stunde eine Familie
ernähren müssen», sagte Petra Bergtholdt,
Betriebsrätin der IG Metall in Landau, der Nachrichtenagentur AP.
Sie sei nach Slowenien gereist, «weil mir wichtig ist, dass
für die Arbeitsbedingungen in ganz Europa Mindeststandards
gelten».
Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück äußerte vor
Journalisten Verständnis für die Forderungen der
Gewerkschaften. «Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und ihre
Organisationen haben sich sehr verantwortungsbewusst in den letzten
Jahren verhalten. Daher halte ich es für naheliegend, dass in dem
Augenblick, wo wir es mit einem wirtschaftlichen Aufschwung zu tun
haben, sie auch teilhaben», sagte der SPD-Politiker am Rande des
Finanzministertreffens in Brdo nahe Ljubljana. Es sei richtig, dass
«viele Menschen real weniger im Portemonnaie haben als zum
Beispiel noch vor drei, vier oder fünf Jahren».
(Quelle: ap)
EU unterstützt Vorschlag zur IWF-Stimmrechtsreform
So.06.04.08 - Die EU-Länder unterstützen die vorgeschlagene Reform der
Stimmrechte im Internationalen Währungsfonds (IWF).
"Die EU ist zuversichtlich, dass es zu einem erfolgreichen Ergebnis
kommt", erklärte die slowenische EU-Ratspräsidentschaft am
Samstag nach dem Treffen der EU-Finanzminister und Notenbankchefs in
Brdo bei Ljubljana. Mit der Reform würden die aufstrebenden
Volkswirtschaften und ärmeren Länder in der internationalen
Organisation besser repräsentiert. Nach dem Vorschlag des IWF wird
das Stimmengewicht großer Schwellenländer wie China, Indien,
Südkorea, Mexiko und Brasilien wachsen. Die Quote Deutschlands bei
Abstimmungen im IWF sinkt nur minimal auf 5,81 Prozent.
"Wir können als Deutsche sehr zufrieden sein mit der
Quotenformel", sagte Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück.
Bei dieser würde zu 50 Prozent die Wirtschaftsleistung und zu 30
Prozent die Teilhabe einer Volkswirtschaft am Welthandel
berücksichtigt. Die Quotenänderung soll der wirtschaftlich
gewachsenen Bedeutung der Schwellenländer Rechnung tragen. Neben
Deutschland müssen auch die USA, Großbritannien, Frankreich,
Italien und Kanada Abstriche bei ihren Quoten hinnehmen. Die Amerikaner
bleiben mit 16,73 Prozent der mit Abstand größte
Anteilseigner. Die Industrieländer müssen 2,7 Prozent des
Stimmengewichts an die Schwellenländer abgeben.
Der Gouverneursrat des IWF wird auf seiner Frühjahrstagung am 11.
und 12. April in Washington über den Vorschlag abstimmen.
Fünf Länder, die ebenfalls an Einfluss verlieren sollen,
waren zuletzt noch dagegen: Ägypten, Iran, Saudi-Arabien, Russland
und Argentinien.
(Quelle: rtr)
Slowakei will 2009 Mitglied der Euro-Zone werden
So.06.04.08 - Die Slowakei will den Euro Anfang 2009 als 16. Mitglied der Euro-Zone
einführen.
"Ich schätze, die statistische Wahrscheinlichkeit, dass wir der
Euro-Zone beitreten, liegt bei 90 Prozent", sagte der slowakische
Finanzminister Jan Pociatek am Samstag anlässlich eines Treffens
der EU-Finanzminister in Slowenien. Er habe entsprechende Dokumente an
die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank EZB gesendet. Zu
den entscheidenden Hürden für einen Betritt des Landes
zählt neben der Inflation auch die Neuverschuldung der
öffentlichen Haushalte.
(Quelle: rtr)
Greenpeace: Radioaktivität um spanisches Atomkraftwerk festgestellt
So.06.04.08 - In der Umgebung des spanischen Atomkraftwerks Asco ist nach
Greenpeace-Angaben Radioaktivität festgestellt worden.
Radioaktivität von mehr als fünf Curie sei auf Dächern,
Zäunen und anderen Oberflächen nahe dem Kernkraftwerk am Ebro
gemessen worden. Vermutlich habe ein Zwischenfall mit
Kühlflüssigkeit vor einigen Monaten ein radioaktives Leck
verursacht, das nicht ordnungsgemäß beseitigt worden sei,
erklärte Greenpeace-Sprecher Mario Rodriguez. Vom Betreiber des
Kernkraftwerks im Nordosten des Landes lag zunächst keine
Stellungnahme vor. Der Ebro ist einer der größten und
wichtigsten Flüsse Spaniens.
(Quelle: ap)
Deutschland
BND dementiert Verwicklung in Libyen-Affäre
So.06.04.08 - Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat jede Verwicklung in die
Affäre um die Ausbildungseinsätze deutscher Polizisten in
Libyen dementiert.
«Der BND hat weder Ausbildungshilfe geleistet, noch war er
beratend oder begleitend eingebunden», sagte ein Sprecher des
Geheimdienstes am Samstag in Berlin der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Von dem 2005 begonnenen Engagement einer privaten Sicherheitsfirma in
Libyen habe man nichts gewusst. Damit widersprach der BND einem Bericht
der «Berliner Zeitung», wonach er die Lehrgänge
für libysche Sicherheitskräfte «beratend
begleitet» hat.
Trotz des Dementis werden die Vorwürfe den Bundestag
beschäftigen. Am Mittwoch soll es dazu eine Aktuelle Stunde geben.
Über alle Parteigrenzen hinweg verlangten Abgeordnete die
Einschaltung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG), das sich mit
der Arbeit der Geheimdienste befasst. «Allein bei Erwähnung
des Namens Libyen müssen beim BND alle roten Lampen
angehen», sagte CDU/CSU-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der
«Bild am Sonntag». Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth
sprach von einem «unglaublichen Aufklärungsbedarf».
Ein Sprecher der Bundesregierung sagte eine genaue Prüfung des
gesamten Sachverhalts zu. Für die Kontrolle der Geheimdienste war
seinerzeit im Kanzleramt der heutige Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) zuständig. Insgesamt sollen seit Dezember 2005
gut 30 deutsche Polizisten, ein Soldat und Spezialisten mit GSG-9-
Hintergrund libysche Polizeikräfte ausgebildet haben. Die Beamten
sollen ohne Erlaubnis ihrer Behörden tätig geworden sein.
Deshalb laufen mehrere Disziplinarverfahren. Außerdem hat die
Staatsanwaltschaft Düsseldorf Ermittlungen aufgenommen.
Die «Berliner Zeitung» berichtete unter Berufung auf nicht
näher genannte «Sicherheitskreise», die Zusammenarbeit
mit Tripolis sei im Oktober 2004 nach einem Besuch des damaligen
Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) bei Revolutionsführer
Muammar al-Gaddafi vereinbart worden. Der BND habe aber darauf
bestanden, im Hintergrund zu bleiben und sich nicht mit eigenen
Kräften zu beteiligen. Dazu sagte der Geheimdienstsprecher:
«Die Behauptungen sind falsch.»
Zu einem Bericht des Magazins «Der Spiegel», wonach auch
die deutsche Botschaft in Tripolis über den Einsatz Bescheid
wusste, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes: «Wir
haben bisher keinerlei Anzeichen, dass das stimmt.» Nach
Informationen des Berliner «Tagesspiegels am Sonntag» war
auch ein Personenschützer des Verteidigungsministeriums an der
Ausbildungshilfe beteiligt. Geprüft wird nun auch, ob
Dienstgeheimnisse wie zum Beispiel besondere Eingreif- oder
Schießtechniken von Sondereinsatzkommandos wie der GSG 9 verraten
wurden.
Dem «Spiegel» zufolge begann der Einsatz der inzwischen
insolventen Sicherheitsfirma BDB Protection GmbH im Dezember 2005 und
ging im Juni 2006 zu Ende. Das Ausbildungsprogramm für etwa 120
libysche Polizisten fand demnach hauptsächlich in einer Kaserne in
Tripolis statt. Dazu gehörte auch das «taktische Vorgehen
beim Zugriff in Gebäuden» sowie das Entern von Schiffen und
das Absetzen aus Hubschraubern. Das Unternehmen habe dafür
insgesamt 1,6 Millionen Euro bekommen. Nach
«Spiegel»-Informationen erhielt einer der Beamten rund 50
000 Euro. Das meiste Geld sei bar bezahlt worden.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangte ebenfalls eine
«rückhaltlose Aufklärung» der Vorwürfe.
Libyen stand bis Mai 2006 auf der Liste der Staaten, die Terrorismus
unterstützen. Trotz der Öffnung gegenüber dem Ausland
werden auch heute noch massive Verletzungen der Menschenrechte beklagt.
(Quelle: dpa)
Bundesbankchef - Kreditinstituten steht das Schlimmste noch bevor
So.06.04.08 - Die Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten sind nach Ansicht
von Bundesregierung und Bundesbank noch lange nicht ausgestanden. Den
Banken stehe das Schlimmste sogar noch bevor, weil sie «Verluste
nicht wie im letzten Jahr gegen ein sehr gutes erstes Halbjahr buchen
können», sagte Bundesbankpräsident Axel Weber am Samstag
am Rande eines EU-Finanzministertreffens in Slowenien.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erklärte: «Es ist
nicht absehbar, wann da das Tal durchschritten ist.»
Für das laufende Jahr will der Finanzminister dennoch an seiner
Wachstumsprognose von 1,7 Prozent festhalten. Er äußerte
allerdings die Befürchtung, «dass die rezessiven
Entwicklungen in den USA mit einem Time Lag (Verzögerung)
2009» auch das Wachstum in Europa dämpfen könnten.
Bundesbankchef Weber schloss dagegen eine leichte Korrektur seiner
Wachstumsprognose von 1,6 Prozent für 2008 nicht aus. Er sehe aber
«weder einen Grund, die Projektionen deutlich nach unten zu
senken, noch einen Grund, wirtschaftspolitisch gegenzusteuern»,
betonte der Bundesbankpräsident. Er erwarte in Deutschland
«ein kräftiges Wachstum im ersten Quartal», auch die
Kreditvergabe sei von der Immobilienkrise in den USA bislang nicht in
Mitleidenschaft gezogen worden: «In Deutschland sehen wir
weiterhin eine Steigerung der Kreditvergabe an den
Nicht-Bankensektor», sagte Weber.
Als Konsequenz aus der aktuellen Krise hatten die 27 EU-Finanzminister
am Freitag eine engere Zusammenarbeit bei der Finanzaufsicht
beschlossen. Sie vereinbarten die Einrichtung sogenannter
Stabilitätsgruppen, die als eine Art Frühwarnsystem für
riskante Entwicklungen bei europaweit aktiven Großbanken, aber
auch bei Versicherungen und Investmentfirmen dienen sollen. Betroffen
wären etwa die Deutsche Bank oder die italienische UniCredit-Gruppe.
Weber erklärte, die Bundesbank pflege schon seit Jahren intensive
Kontakte mit den Finanzaufsehern anderer EU-Länder. Eine
Formalisierung dieser Zusammenarbeit sei dennoch sinnvoll.
Künftig soll für jedes Finanzinstitut mit «bedeutsamen
Tochtergesellschaften oder Niederlassungen» in mehreren EU-Staaten
eine Stabilitätsgruppe gegründet werden, in der die
Aufsichtsbehörden, Zentralbanken und Regierungen der betroffenen
Länder vertreten sind. Die am Freitag geschlossene Vereinbarung
tritt am 1. Juli 2008 in Kraft.
(Quelle: ap)
Bankenkrise schürt Sorgen beim Mittelstand
So.06.04.08 - Das Ausmaß der Finanzmarktkrise treibt inzwischen auch deutschen
Mittelständlern Sorgenfalten auf die Stirn. Auch wegen des starken
Euro werden die Firmen zunehmend skeptischer, wenn sie ihre
Zukunftsaussichten beurteilen.
Das ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst
& Young. Die Krise trifft den Mittelstand, wenn zum Beispiel
weniger Kredite vergeben werden. Ihre aktuelle Lage beurteilten die
meisten Unternehmen aber als gut, auch zeigten sie sich mit dem
vielgescholtenen Standort Deutschland zufrieden. Die Bereitschaft,
Investitionen zu erhöhen, ist laut der Umfrage gesunken. Nur bei
der Beschäftigung zeigte sich ein positives Bild. Für die
Studie wurden 3000 Mittelständler befragt.
Im Vergleich zur Vorjahresbefragung erwarteten nur noch halb so viele
Firmen - knapp ein Drittel - eine bessere Geschäftsentwicklung
für das laufende Jahr. Die Mehrheit (55 Prozent) ging davon aus,
dass sich die Geschäftslage nicht ändert. Die Zahl der
Pessimisten, die von einer Verschlechterung der Lage ausgehen, nahm im
Vergleich zum Vorjahr von 12 auf 14 Prozent zu. Sollte die
US-Wirtschaft in eine Rezession rutschen, könnte das der Studie
zufolge nicht durch das Geschäft mit Ländern wie China,
Indien und Russland ausgeglichen werden. Die Auswirkungen für
Deutschland hielten sich bislang aber in Grenzen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Investitionen. Während
die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, im vergangenen Jahr bei 41
Prozent lag, ging sie dieses Jahr auf 32 Prozent zurück. Doch will
nur eine Minderheit von 13 (Vorjahr: 15) Prozent die Investitionen
verringern.
Gute Aussichten gibt es für den Arbeitsmarkt. Der Umfrage zufolge
wollen zwar nur noch 29 (Vorjahr: 35) Prozent die Mitarbeiterzahl
steigern - doch ist der Prozentsatz derjenigen, die Stellen abbauen
wollen, binnen Jahresfrist von 25 auf 15 Prozent gesunken. Es sei auch
festzustellen, «dass sich auf Seiten der Betriebe allmählich
ein Perspektivwechsel hin zu älteren Arbeitnehmern und eine
längst überfällige Abkehr von verfehlten
Frühverrentungs-Strategien (...) durchsetzt», heißt es
in der Studie.
Mit der Bildungspolitik in ihrem Bundesland waren Mittelständler
oft unzufrieden. Durchschnittlich nur 60 Prozent bezeichneten sie als
gut oder sehr gut. Am besten schnitten Bayern und
Baden-Württemberg ab. Nordrhein-Westfalen rutschte innerhalb eines
Jahres von Rang eins auf den elften Platz ab. Ansonsten sieht sich der
Mittelstand laut der Studie vor allem durch die Bürokratie in
Deutschland belastet.
(Quelle: dpa)
Inflation für Rentner im März bei sechs Prozent
So.06.04.08 - Die rund 20 Millionen Rentner in Deutschland müssen einen deutlich
stärkeren Preisauftrieb verkraften als offiziell ausgewiesen. Wie
die «Bild»-Zeitung unter Berufung auf Berechnungen der
Universität Fribourg in der Schweiz berichtete, lag die
Inflationsrate für Rentner im März bei sechs Prozent, also
doppelt so hoch wie die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene
vorläufige Rate von 3,1 Prozent.
Als Grund nannte der Inflationsexperte der Universität, Hans
Wolfgang Brachinger, den vergleichsweise hohen Anteil von Lebensmitteln
an den Gesamtausgaben der Rentner. Sie fielen daher stärker ins
Gewicht als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Von sinkenden Preisen
beispielsweise bei Computern oder Fernsehern, würden die Senioren
dagegen kaum profitieren, da sie diese Waren fast nie kauften.
«Die sechs Prozent sind ein echter Kaufkraftverlust für das
Rentner-Portemonnaie», sagte Brachinger dem Blatt. Dadurch
entstehe den Ruheständlern in diesem Jahr unterm Strich ein dickes
Minus.
Am Freitag hatte schon der Sozialverband Deutschland (SoVD) gefordert,
die Renten jedes Jahr mindestens in Höhe der allgemeinen
Preissteigerung anzuheben. Die nun zum 1. Juli geplante
Rentenerhöhung von 1,1 Prozent sei zwar ein erster Schritt, reiche
aber nicht aus.
Für die rund 20 Millionen Rentner hatte die Koalition nach
mehreren Nullrunden eine außerplanmäßige Anhebung um
1,1 Prozent beschlossen - doppelt so viel, wie nach der geltenden
Rentenformel herausgekommen wäre. Für einen
«Eckrentner» bedeutet das 13,05 Euro mehr im Monat statt
5,50 Euro. Die Regelung wird den Bundeshaushalt 2011 mit Mehrkosten von
rund zwei Milliarden Euro belasten.
(Quelle: ap)
DGB kritisiert Rentenkompromiss als 'Bumerang'
So.06.04.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den Rentenkompromiss der
Bundesregierung scharf kritisiert. DGB-Vorstandsmitglied Annelie
Buntenbach warnte vor einem «Bumerang für die 20 Millionen
Rentnerinnen und Rentner».
Die ursprünglich geplante außerplanmäßige
Rentenerhöhung «entpuppt sich inzwischen als Nullsummenspiel,
weil sich die Koalition das Geld, das sie für 2008 und 2009
verspricht, in den Folgejahren wieder von den Rentnern zurückholen
will», sagte Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur dpa in
Berlin.
Nach den Koalitionsplänen, die das Bundeskabinett am kommenden
Dienstag beschließen will, würden die Renten bereits ab 2011
wieder «doppelt und dreifach gekürzt, weil dann die
unterschiedlichen Kürzungsfaktoren zusammenwirken», sagte die
DGB-Rentenexpertin.
Sie forderte erneut eine «dauerhafte Aussetzung» des
sogenannten Riester-Faktors, der den Beitragsanstieg dämpfen soll.
Dies nannte sie einen «notwendigen Schritt zu einer Kurskorrektur
in der Rentenpolitik». Der Bundesregierung warf sie einen
«Zickzack-Kurs» vor, mit dem sie das Vertrauen in die Rente
weiter verspiele.
Nach heftigem Streit hatte sich die Bundesregierung am Freitag auf
einen Rentenkompromiss verständigt, der bei zwei
Sondererhöhungen der Renten in Folge eine kräftige
Ermäßigung des Rentenbeitragssatzes auf 19,1 Prozent bis 2013
vorsieht. Der Renten-Zuschlag soll mit künftigen Anhebungen wieder
verrechnet werden.
Auf der Senkung des Rentenbeitragssatzes von 19,9 Prozent auf 19,1
Prozent bis 2013 hatten Kanzleramt und Wirtschaftsministerium bestanden
und sich damit gegen Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) durchgesetzt.
Dieser wollte den Rentenbeitrag - bei gleichzeitiger kräftiger
Aufstockung der Finanzreserven - erst später und dann deutlich
weniger stark senken. Diesen Plan musste er wegen des Widerstands aus
den anderen Ressorts aber fallen lassen.
(Quelle: dpa)
CSU drängt weiter auf Sonderweg bei Gesundheitsreform
So.06.04.08 - In der Debatte um die Gesundheitsreform beharrt die CSU auf einem
Sonderweg für Bayern. Der Vorstand beschloss nach Angaben aus
Teilnehmerkreisen bei einer Klausurtagung in Wildbad Kreuth, den
Gesundheitsfond zu stoppen, wenn ein bayerischer Kriterienkatalog nicht
erfüllt werde. Demnach sollen etwa die Leistung der Hausärzte
je nach Bundesland weiter unterschiedlich vergütet werden und die
möglichen Mehrbelastungen für Bayern auf jährlich 100
Millionen Euro gedeckelt werden.
Die CSU fordert zudem ein Verhandlungsmandat für Hausärzte
und die Insolvenzfähigkeit von Krankenkassen. Würden diese
Kriterien nicht erfüllt "kommt der Fond" nicht, hieß es aus
Teilnehmerkreisen. Parteivize und Bundeslandwirtschaftsminister Horst
Seehofer hatte dagegen in der Vergangenheit immer wieder die Bedeutung
einer pünktlichen Einführung zum 1. Januar 2009 betont. Auch
bei der Pendlerpauschale bleibt die CSU bei ihrer Forderung nach einer
Wiedereinführung. Der Vorstand begrüßte den jüngst
geäußerten Vorstoß von Parteichef Erwin Huber.
(Quelle: afp)
SPD-Chef Beck kündigte scharfe Auseinandersetzung mit der
Linkspartei an
So.06.04.08 - Der wegen anhaltend schlechter Umfragewerte in die Kritik geratene
SPD-Chef Kurt Beck hat seine Partei für den kommenden
Bundestagswahlkampf auf eine scharfe Auseinandersetzung mit der
Linkspartei eingeschworen. Die SPD müsse ringen und kämpfen,
um Betriebsräte und Wähler aus der Mitte wieder stärker
zurückzugewinnen, sagte er am Samstag auf dem Landesparteitag der
nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten in Düsseldorf. Die
mit großer Mehrheit wiedergewählte Landeschefin Hannelore
Kraft forderte die Partei zu mehr Geschlossenheit nach außen auf.
Die Auseinandersetzung mit der Linkspartei sei nur über Inhalte
und die Besinnung auf sozialdemokratische Grundwerte zu bestehen,
betonte Beck. Gleichzeitig erklärte der SPD-Chef, die
Sozialdemokraten würden sich nicht ständig zu
Koalitionsschwüren drängen lassen. «Die Linke ist nicht
der Hauptgegner der SPD», sagte er. In ihren Landesverbänden
werde die SPD beschließen, was gehe und was nicht. «Auf
Bundesebene wissen wir, was nicht geht», sagte er unter lang
anhaltendem Applaus und bekräftigte damit seine Absage an ein
Bündnis mit der Linken.
Landeschefin Kraft, die mit 96,6 Prozent in ihrem Amt bestätigt
wurde, erteilte der Linken in Nordrhein-Westfalen eine deutliche
Kampfansage: «Wir suchen die Auseinandersetzung, nicht die
Zusammenarbeit.» Ziel der SPD sei es, stärkste Partei zu
werden und die Linkspartei aus dem Landtag herauszuhalten. Eine klare
Koalitionsaussage wollte sie zwei Jahre vor der Landtagswahl noch nicht
machen. Gleichzeitig forderte Kraft die Partei dazu auf, endlich wieder
geschlossen aufzutreten und auch aus den eigenen Reihen kein Öl
mehr ins Feuer zu gießen. «Das ist der Schlüssel
für den Wahlerfolg», erklärte sie.
Kraft stärkte Parteichef Beck demonstrativ den Rücken: Mit
dem Hamburger Bundesparteitag im vergangenen Oktober habe die SPD unter
Beck Antworten auf die neuen Herausforderungen im 21. Jahrhundert
gegeben, sagte sie. Unter seiner Führung habe die SPD die Politik
der Regierung Gerhard Schröders weiterentwickelt und damit
«die Basis für den wirtschaftlichen Aufschwung gelegt».
In seiner Rede äußerte Beck auch scharfe Kritik an der
Union: Er forderte den Koalitionspartner auf, seine Blockadehaltung
für ein erneutes NPD-Verbotsverfahren aufzugeben. Es gebe eine
klare Absprache, dass Materialien über die NPD zusammengetragen
und anschließend ausgewertet werden sollen. Für das
NPD-Verbot sei es höchste Zeit, denn «es kann nicht sein,
dass braune Horden wieder herumziehen und die Freiheit der Verfassung
mit Füßen treten».
Landeschefin Kraft hatte ihre Basis auf dem Parteitag zuvor mit einem
Leitantrag zur Stärkung der Kommunalpolitik auf die Kommunalwahlen
im nächsten und die Landtagswahl 2010 eingestimmt. Der Antrag
wurde mit zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen von den insgesamt 450
Delegierten angenommen.
Den Stimmungstest hatte die erstmals zur Wiederwahl stehende
SPD-Politikerin mühelos bestanden. Mit einem Prozentpunkt mehr als
im Januar vergangenen Jahres entschieden sich die Delegierten für
die 46-Jährige.
Ebenfalls neu gewählt wurden ihre vier Stellvertreter: Der
Kölner Parteichef Jochen Ott konnte den bisherigen Amtsinhaber
Karsten Rudolph in einer Kampfkandidatur ausstechen. Britta Altenkamp,
Birgit Fischer und Ute Schäfer wurden dagegen in ihrem Amt
bestätigt.
(Quelle: ap)
Grüne für neue Bündnisse offen
So.06.04.08 - Eineinhalb Jahre vor der nächsten Bundestagswahl wollen sich die
Grünen mit einem eigenständigen ökologischen und
sozialen Profil neue Bündnismöglichkeiten erschließen.
Dabei sollten «unterschiedliche Koalitionsoptionen»
geprüft werden, beschlossen die Delegierten eines kleinen
Parteitags am Samstag einstimmig in Berlin. Parteichef Reinhard
Bütikofer betonte: «Unser Projekt ist grün und nicht
bindestrich-grün.» Der Länderrat stellte sich bei
wenigen Enthaltungen hinter den Plan eines Spitzenkandidaten-Duos aus
Fraktionschefin Renate Künast und ihrem Vize Jürgen Trittin.
Die meisten Überschneidungen sehen die Grünen laut Beschluss
weiterhin mit der SPD. Deren Lage sei aber «schlicht als
schlimm» zu bezeichnen, sagte Bütikofer. Im Mai 2009 - also
vier Monate vor der Wahl - soll es eine «Wahlaussage»
geben. Dann soll deutlich werden, mit wem «grüne
Projekte» zu verwirklichen sind. Einen neuen Lagerwahlkampf lehnt
die Partei ab.
Parteichefin Claudia Roth versicherte, die Grünen «wollen
und würden nie Teil einer Wischi-Waschi-Koalition» wie dem
schwarz-roten Bündnis sein. Der Kompass sei werteorientiert,
ökologisch, freiheitlich und links. Trittin sprach von einer
«schwierigen Operation», die Abwahl der großen
Koalition zu erreichen und eine Regierungsbildung mit den Grünen
zu erzwingen. «Es kommt darauf an, dass wir unser ureigenes
politisches Profil herausstreichen.» Es gehe darum, jene
Wähler zu gewinnen, die von der SPD ins Nichtwählerlager
abwanderten. Sonst drohe ein neoliberales schwarz-gelbes Bündnis.
Bütikofer warnte, die Grünen dürften sich nicht
«einfach rumdrehen und den Schwarzen zulächeln». Dem
stünden auch die Forderungen nach Atomausstieg, Tempolimit oder
Mindestlohn entgegen. Fraktionschef Fritz Kuhn betonte, ein
mögliches schwarz-grünes Bündnis in Hamburg bedeute
nicht, dass es automatisch Schwarz-Grün im Bund gebe.
Künast zeigte sich zufrieden mit dem Strategiebeschluss.
«Alle anderen Parteien haben über die Frage, mit wem sie
wollen sollen, ein riesiges Gezicke», sagte sie der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Die Grünen zeigten, dass sie gezielt auf
Inhalte setzen könnten. Bütikofer sagte vor den etwa 80
Delegierten, klar werden müsse nun, «wie es geht und nicht,
wie sich die Grünen die Welt zurechtträumen».
Kompliziert fiel die Unterstützung der beiden designierten
Spitzenkandidaten aus: Die Delegierten nahmen zur Kenntnis, dass der
Parteivorstand die Bewerbungen Künasts und Trittins als
Spitzenkandidaten begrüßt. Entscheiden soll ein Parteitag im
November. Auch ein mindestens fünfköpfiges Spitzenteam soll
ein Parteitag nominieren.
Hart gingen die Grünen vor allem mit der Union ins Gericht.
Trittin sagte, Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gefährde den
Mittelstand. Kuhn bemängelte, Kanzlerin Angela Merkel (CDU)
predige Ökologie und soziale Gerechtigkeit nur sonntags. Roth
bezeichnet Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als
«Verfassungsrisiko». Künast kritisierte Umweltminister
Sigmar Gabriel (SPD) als «Pannen-Gabriel».
In weiteren Beschlüssen forderten die Grünen Kinderrechte in
der Verfassung und einen milliardenschweren
«Bildungs-Soli». Dafür sollen 23 Milliarden Euro bis
2019 aus Mitteln des Solidaritätszuschlags fließen. Zudem
forderten die Grünen ein Ende der Gewalt in Tibet. Ein
Olympia-Boykott dürfe nicht voreilig ausgeschlossen werden.
In der Medienpolitik wollen die Grünen ein Verbot von Sponsoring
im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach 20 Uhr. Sie forderten
einen Stopp der geplanten Ausweitung der Befugnisse des
Bundeskriminalamts: «Deutschland darf sich nicht zum
Überwachungsstaat entwickeln, in dem jeder zum Verdächtigen
wird.» Weiter in der Debatte bleibt der Vorschlag eines
«Ökobonus». Über eine derartige Koppelung einer
neuen Ökosteuer mit direkten Rückzahlungen an die Bürger
wurde kontrovers diskutiert.
(Quelle: dpa)
Wechselnde Bündnisse in Hessen erwartet
So.06.04.08 - Nach dem Scheitern der Bildung einer neuen Regierung in Hessen richten
sich die Parteien im Landtag auf eine längere Zeit wechselnder
Mehrheiten ein.
Ministerpräsident Roland Koch bleibt mit seiner
CDU-Alleinregierung vorerst geschäftsführend im Amt und will
mit allen Fraktionen außer der Linken enger zusammenarbeiten.
"Jetzt beginnt eine Phase des Ringens", sagte Koch nach der
konstituierenden Landtagssitzung am Samstag in Wiesbaden.
In der Sitzung entfiel die übliche Wahl eines
Ministerpräsidenten mangels Kandidaten: Weder Koch noch seiner
Herausforderin von der SPD, Andrea Ypsilanti, war es in den zehn Wochen
nach der Wahl gelungen, eine Regierungskoalition zu schmieden. Nach dem
Einzug der Linkspartei ins Parlament reicht es weder für eine
schwarz-gelbe noch für eine rot-grüne Mehrheit.
Koch rief die Fraktionen zur Zusammenarbeit auf und bot ihnen die
Kooperation der Regierung an. "Wenn sich das Parlament
außerstande sieht, eine neue Regierung zu wählen,
können sich seine Abgeordneten nicht einfach in die
Oppositionsrolle zurückfallen lassen", mahnte er. "Solange es
keine tragfähige parlamentarische Mehrheit gibt, geht der
Gestaltungsauftrag an alle gleichermaßen." Er versprach einen
"neuen Regierungsstil", der "offen, transparent und einladend" sein
werde.
Mit der Linkspartei will Koch jedoch nicht über das notwendige
Maß hinaus zusammenarbeiten. Bei der Suche nach Mehrheiten werde
er allein die Fraktionschefs von CDU, SPD, FDP und Grünen zu
Gesprächen einladen. "Da ist die Linkspartei kein möglicher
Bündnispartner", sagte Koch nach der Sitzung. "Wir betrachten sie
garantiert nicht als Mehrheitsbeschaffer."
SPD-Fraktionschefin Ypsilanti bekundete ihre Bereitschaft zur
Kooperation mit sämtlichen Parteien in Sachfragen: "Wir werden mit
allen Fraktionen über eine Mehrheitsfindung beraten, und wir
werden dabei keine Fraktion ausschließen." Ob solche Mehrheiten
auch zu einer Regierungsmehrheit führten, sei nicht abzusehen.
"Wir werden alle Initiativen der Landesregierung offen entgegennehmen,
aber auch verbessern, wo sie zu verbessern sind", fügte Ypsilanti
hinzu. "Es gehört auch dazu, dass sich die Regierung auch einmal
dem Parlamentswillen beugen muss."
Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir sagte, für ihn sei keine
Koalition zu erkennen: "Wir werden auf nicht absehbare Zeit mit diesem
Zustand leben müssen." Der FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn
kündigte sachliche, aber harte Auseinandersetzungen an - vor allem
mit der Linken. Deren Fraktionschef Willi van Ooyen betonte, seine
Partei sei angetreten für alle, die in der Öffentlichkeit
bisher kein Gehör fänden.
Bei der Wahl des Landtagspräsidenten ließ die SPD der CDU
trotz gleichstarker Fraktionen den Vortritt. Das Parlament
bestätigte einstimmig Amtsinhaber Norbert Kartmann von der CDU.
Beide großen Parteien stellen jeweils 42 Abgeordnete. Die FDP hat
elf, die Grünen neun und die Linke sechs Mandate.
Koch bevorzugt eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen, was die
Grünen jedoch ablehnen. Ypsilanti strebt ein Bündnis mit den
Grünen und der Linken an, hat diesen Plan jedoch nach Widerstand
in den eigenen Reihen auf Eis gelegt. Eine von SPD und Grünen
geplante Ampelkoalition ist am Widerstand der FDP gescheitert. Auch
eine große Koalition kam nicht zustande.
In Hessen war bereits zu Beginn der 80er Jahre Ministerpräsident
Holger Börner von der SPD rund anderthalb Jahre
geschäftsführend im Amt geblieben, weil sich die
Landtagsparteien auf keine Regierungsmehrheit einigen konnten.
(Quelle: rtr)
Umfrage: Mehrheit der Hessen für vorgezogene Landtagswahl
So.06.04.08 - In Hessen hat sich vor der konstituierenden Sitzung des Landtags eine
deutliche Mehrheit der Bürger für Neuwahlen ausgesprochen.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der "Bild
am Sonntag" ergab, dass 65 Prozent der Befragten eine vorgezogene
Landtagswahl als richtigen Ausweg aus dem Patt nach der Wahl von Ende
Januar sehen. 26 Prozent sind dagegen. Bei den CDU-Anhängern seien
sogar 71 Prozent für Neuwahlen, bei den SPD-Wählern 65 Prozent.
Hessens amtierender Ministerpräsident Roland Koch lehnt Neuwahlen
ab. "Wir müssen den Wählerwillen ernst nehmen. Das bedeutet,
dass wir aus der gegenwärtigen Situation das Beste machen
müssen, statt so lange wählen zu lassen, bis sich eine
eindeutige Mehrheit ergibt", sagte Koch der "Süddeutschen Zeitung".
Als Chef einer geschäftsführenden Regierung will Koch
möglichst nicht länger als ein Jahr im Amt sein.
Der neue Hessische Landtag tritt am Samstag erstmals zusammen. Koch
will formell zurücktreten, dann aber als
geschäftsführender Ministerpräsident im Amt bleiben. Bei
der Landtagswahl Ende Januar hatte keines der politischen Lager eine
Mehrheit gefunden. Nun wirbt Koch für eine Koalition mit der FDP
und den Grünen. Auch eine große Koalition mit der SPD
schließt er nicht aus. Die SPD und die Grünen lehnen diese
Varianten allerdings ab.
(Quelle: rtr)
Weiter Streit um NPD-Verbot
So.06.04.08 - Die große Koalition streitet weiter über ein Verbot der
rechtsextremen NPD. Während sich Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) erneut höchst skeptisch zeigte, ob ein zweiter
Verbotsanlauf Aussicht auf Erfolg hätte, betonte der
SPD-Vorsitzende Kurt Beck am Samstag, es sei für ein neues
Verfahren «höchste Zeit».
Schäuble entgegnete: «So einfach, wie sich das die SPD
vorstellt, ist ein Verbotsverfahren ja nicht. Die Hürden sind sehr
hoch.» Die These, man könne ein Verbotsverfahren mit
öffentlich zugänglichem Material anstrengen, werde durch
Antworten aus den Unions-Ländern an sein Ministerium widerlegt.
Schäuble wies den Vorwurf der Sozialdemokraten erneut zurück,
die Unions-regierten Länder wollten keine neuen Erkenntnisse
über die NPD liefern. Vielmehr seien es die SPD-geführten
Länder, die auf seine Materialanfrage bislang nicht geantwortet
hätten.
Ein Abziehen aller Informanten des Verfassungsschutzes aus der NPD
wäre unverantwortlich, bekräftigte Schäuble. Das jedoch
wäre nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes
Voraussetzung für ein erfolgreiches Verbotsverfahren.
Der SPD-Vorsitzende mahnte dagegen ein zügiges Verbot der
rechtsextremen Partei an. Die «braunen Horden», die
Verfassung und Freiheit «mit Füßen treten»,
seien «unerträglich», sagte Beck auf einem
Landesparteitag der nordrhein-westfälischen SPD in
Düsseldorf. Er erwarte von der Union, dass sie den Weg zu einem
NPD-Verbot mitgehe.
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU)
bekräftigte, die gesammelten Äußerungen führender
NPD-Funktionäre rechtfertigten ein Verbot der Partei. In
Mecklenburg-Vorpommern habe man sich diese genau angesehen. «Wenn
man das liest, ist klar: Die NPD verfolgt Ziele, die ein Verbot
rechtfertigen würden«, sagte Caffier und betonte: «Wir
müssen jetzt handeln.»
Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner stimmte dem zu, lehnte aber
einen Abzug von V-Leuten aus der Partei ab. Was NPD-Leute
öffentlich sagten, sei eindeutig genug. «Die reden
ungehemmt, zügellos und offen», sagte Stegner. Andererseits
benötige man die V-Leute bei der Gefahrenabwehr.
Einem «Spiegel»-Bericht zufolge steht der umstrittene neue
Anlauf für ein NPD-Verbot allerdings nun auch offiziell vor dem
Aus. Selbst eine rechtliche Würdigung der sozialdemokratisch
geführten Landesinnenministerien zweifle an den Erfolgsaussichten
vor Gericht. Die SPD-Innenminister, die dennoch ein Verbotsverfahren
anstrengen wollen, dächten nun über eine
Veröffentlichung des von ihnen gesammelten Materials nach - es
soll den verfassungsfeindlichen Charakter der Partei aufzeigen.
Für diesen Fall erwäge indes das Bundesinnenministerium das
sofortige Ende des Verfahrens, da der NPD somit bekannt werde, was
gegen sie vorliege - und die Rechtsextremen sich entsprechend
vorbereiten könnten. Eine Veröffentlichung würde zudem
einer Absprache zwischen SPD-Fraktionschef Peter Struck und
Schäuble widersprechen, die ausgemacht hatten, belastendes
Material zunächst dem Parlamentarischen Kontrollgremium des
Bundestages vorzulegen.
(Quelle: ddp)
Überwachung von Beschäftigten Hauptgeschäft von
Detektiven
So.06.04.08 - Die Überwachung von Beschäftigten ist die Haupteinnahmequelle
für Wirtschaftsdetektive. «60 bis 70 Prozent aller
Aufträge aus der Wirtschaft zielen auf das Verhalten der
Mitarbeiter», sagte der Geschäftsführer des
Bundesverbands Deutscher Detektive, Hans Sturhan, der «Welt am
Sonntag». Die Überwachung von Angestellten mit Minikameras,
Peilsendern und eingeschleusten Mitarbeitern sei der bei weitem
wichtigste Umsatzfaktor der Branche.
Warendiebstahl und Untreue seien die Hauptgründe, warum
Unternehmen Detektive auf ihre Mitarbeiter ansetzten. «Dadurch
entstehen der Wirtschaft Schäden in Milliardenhöhe»,
sagte er.
Zugleich distanzierte er sich von den systematischen Bespitzelungen bei
Lidl durch Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma. «Dort wurden
fachfremd Kaufhausdetektive eingesetzt, die für die
Überwachung von Mitarbeiterin weder qualifiziert noch berechtigt
sind», sagt Sturhan. Das erkläre auch die
Verstöße gegen den Datenschutz. Das Filmen mit versteckt
angebrachten Kameras sei zwar ein gängiges Mittel zur Observierung
von Angestellten. «Doch eine heimliche Videoüberwachung ist
nur zulässig, wenn ein Anfangsverdacht besteht und die
Überwachung räumlich und zeitlich begrenzt ist.»
Um Missbrauch zu verhindern, forderte Sturhan die Einführung
staatlicher Prüfungen als Zulassungsvoraussetzung für
Detektive. «Es gibt zu viele schwarze Schafe, die als Detektiv
auftreten und krumme Geschäfte machen.»
In Deutschland gibt es dem Bericht zufolge rund 1.500 Detekteien mit
gut 4.000 Ermittlern. 3.000 von ihnen sind vornehmlich oder
ausschließlich im Auftrag der Wirtschaft tätig. Die Branche
setzt im Jahr rund 220 Millionen Euro um.
(Quelle: ap)
Bundesnetzagentur leitet Missbrauchsverfahren gegen Energieriesen ein
So.06.04.08 - Die Bundesnetzagentur hat gegen die vier großen deutschen
Energiekonzerne ein Verfahren wegen angeblich überzogener
Rechnungen eingeleitet.
Ein Sprecher der Behörde sagte am Samstag, man prüfe, ob
E.ON, RWE, Vattenfall Europe und EnBW ihren Kunden Kosten für die
Bereitstellung von Stromreserven ungerechtfertigt berechnet
hätten. Die Konzerne müssen solche Reserven vorhalten, um
Schwankungen in der Nachfrage oder der Produktion jederzeit ausgleichen
zu können.
Der Regulierer reagiert mit der Prüfung nach eigenen Angaben auf
einen Antrag des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick und des
Bundesverbands Neuer Energieanbieter (BEN). Das Magazin "Der Spiegel"
berichtete vorab, Lichtblick und der BEN hielten den Energieriesen in
einem Gutachten vor, überflüssige Reserven in Rechnung
gestellt zu haben. Insgesamt hätten sie 2006 und 2007 rund 800
Millionen Euro zu viel kassiert. Die Netzagentur wolle den Fall
innerhalb der kommenden zwei Monate entscheiden.
Die Behörde wollte sich zum Stand des Verfahrens nicht
äußern. Von Lichtblick und dem BEN war keine Stellungnahme
zu erhalten.
RWE erklärte, der Konzern sei Anfang März von der Netzagentur
zu einer Stellungnahme aufgefordert worden und wolle diese in den
nächsten Wochen vorlegen. "Die Vorwürfe sind haltlos", sagte
ein Sprecher von RWE Transportnetz Strom. "Die genannten Kosten
entsprechen nicht der Realität und sind um ein Vielfaches zu
hoch." Wie hoch die Kosten waren, sagte er nicht.
Die großen Übertragungsnetze sind in Deutschland in der Hand
der vier Energieriesen. Jedes Unternehmen ist in einer Zone für
den sicheren Betrieb verantwortlich. Darüber hinaus kooperieren
sie, wenn es in den Nachbarzonen zu starken Schwankungen bei der
Nachfrage oder bei der Stromproduktion kommt. Hierfür halten sie
Stromreserven bereit.
Kritiker bemängeln die Zersplitterung in mehrere Zonen. Gäbe
es nur eine Zone, würden solche Kosten nicht anfallen, beklagen
sie. "Es ist ein europäisches System und kein spezifisch
deutsches", sagte demgegenüber der RWE-Sprecher. In 24 Staaten in
Kontinentaleuropa gebe es 29 Zonen von ebenso vielen Netzbetreibern.
Diese kooperierten zonenübergreifend miteinander und sorgten damit
über Landesgrenzen hinaus für den Ausgleich von Schwankungen.
(Quelle: rtr)