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+++ Mi.09.04.08, 06:30        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am 1478sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

US-Generäle wollen Truppenabzug aus dem Irak stoppen - Demokraten: Abzugsstopp ist falsche Botschaft. Al Sadr fordert Abzug der US-Truppen. Bagdad und Washington planen angeblich zeitlich unbegrenzten US-Einsatz im Irak. Neue Kämpfe mit Sadristen in Bagdad

Mi.09.04.08 - Die US-Militärführung im Irak will den Abzug der amerikanischen Soldaten vorübergehend stoppen. Im Juli solle ein 45-tägiges Moratorium beginnen, sagte der Kommandeur der US-Truppen im Irak, General David Petraeus, am Dienstag vor dem Senat in Washington. Erst dann solle über die Möglichkeit eines weiteren Abzugs befunden werden. Die Sicherheitslage im Irak habe sich signifikant, aber sehr uneinheitlich verbessert und sei damit weiterhin instabil.

Die im vergangen Frühling zusätzlich ins Land geholten rund 30.000 Soldaten sollen Petraeus zufolge wie geplant bis Juli abziehen, dann soll die neue Situation 45 Tage lang gründlich geprüft werden. Wenn die amerikanischen Truppen vorschnell abgezogen würden, könnten bislang erzielte Fortschritte wieder gefährdet sein, sagte Petraeus. Dies würde bedeuten, dass zur Zeit der Präsidentenwahl am 4. November noch bis zu 140.000 Soldaten im Irak stationiert sind.

Auch auf Nachfrage wollte sich Petraeus nicht auf einen Zeitplan für eine Wiederaufnahme des Truppenabzugs nach dem Moratorium festlegen. Er erklärte lediglich, er werde eine weitere Reduzierung der Soldaten empfehlen, wenn die Bedingungen vor Ort dies erlaubten.

Petraeus und der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, unterrichteten das Parlament zum ersten Mal seit sieben Monaten wieder über die Lage im Land. Es wurde erwartet, dass US-Präsident George W. Bush der Empfehlung der Generäle entsprechen wird. Der Präsident wollte sich am Donnerstag in einer Ansprache zum Irak-Krieg äußern.

Demokraten und Republikaner nutzten die Anhörung, um ihre Ansichten zum Irak-Krieg zu bekräftigen. Unter den Senatoren, die Petraeus und Crocker befragten, waren auch die drei Präsidentschaftsbewerber: der bereits als Kandidat feststehende Republikaner John McCain sowie die demokratischen Rivalen Hillary Clinton und Barack Obama.

Die Demokraten kritisierten den von der Militärführung geforderten Abzugsstopp. Das sei die falsche Botschaft an die Regierung in Bagdad, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Carl Levin. Diese müsse endlich selbst mehr Verantwortung übernehmen. Bereits zuvor hatten Vertreter der Partei die Pläne heftig kritisiert: Wenn die Wirtschaft daheim in der Krise stecke, könne sich das Land keinen unbegrenzten und teuren Krieg leisten. McCain hingegen sagte, es gebe im Irak noch viel zu tun, aber es gebe auch Anlass für Hoffnung und Optimismus.

Petraeus bezeichnete den Einfluss des Irans als eines der größten Probleme. Teheran unterstütze Milizen, die den Irak destabilisierten, sagte Petraeus. Dabei hatte er offenbar vor allem die schiitische Mahdi-Miliz im Blick, die angeblich von Teheran unterstützt wird.

Der schiitische Geistliche Muktada Al Sadr drohte unterdessen mit einer Beendigung der vor sieben Monaten erklärten Waffenruhe seiner Mahdi-Miliz. Wenn die irakische Regierung nicht in der Lage sei, die eigenen Bürger zu schützen, müsse wieder zu den Waffen gegriffen werden. Außerdem forderte er erneut, dass Bagdad einen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen erstellt.

In Bagdad wurde unterdessen für (den heutigen) Mittwoch ein Fahrverbot verhängt. Die Anordnung gilt von 05.00 Uhr bis Mitternacht und soll Gewalt am fünften Jahrestag der Einnahme der Stadt durch die US-Truppen verhindern, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte, dass nach den Kämpfen von Basra im Süden des Landes gegen rund 1.000 Soldaten ermittelt würde, die Fahnenflucht begangen oder die Seiten gewechselt hätten.

Unterdessen berichtet die Zeitung "The Guardian", Bagdad und Washington planten einen zeitlich unbegrenzten US-Einsatz im Irak. Das gehe aus dem Entwurf für einen Vertrag hervor, der das zum Jahresende auslaufende UN-Mandat für den Irak ersetzen solle, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen Arbeitsbericht. Demnach sollen die USA ohne zeitliche Begrenzung dazu ermächtigt werden, weiterhin Militäreinsätze im Irak zu führen und bei "dringenden Sicherheitsbedrohungen" Menschen festzunehmen. Der Vertrag sehe weder eine zeitliche Begrenzung des Einsatzes noch eine Begrenzung der Truppengröße vor, schrieb "The Guardian".

Der Erhalt der Souveränität des Iraks und der politischen Unabhängigkeit seien "im beiderseitigen Interesse". Sollten diese gefährdet seien, wollten sich die USA und der Irak "unverzüglich" beraten, zitierte das Blatt aus dem Vertragsentwurf. Washington sicherte Bagdad demnach zu, von irakischem Boden aus keine Militäroffensiven gegen andere Staaten zu führen.

In der Hochburg der schiitischen Mahdi-Miliz in Bagdad ist es am Dienstag erneut zu Kämpfen mit irakischen Regierungstruppen gekommen. Die Soldaten drangen am Morgen in den Stadtteil Sadr City ein, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Danach waren in weiten Teilen von Bagdad schwere Explosionen zu hören.

Sadr City war bereits in der vergangenen Woche Schauplatz blutiger Gefechte. Mehrere hundert Bewohner haben den Stadtteil verlassen. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat am 25. März eine Offensive gegen die Miliz des schiitischen Geistlichen Muktada al Sadr gestartet und ultimativ deren Entwaffnung gefordert.

boa (Quellen: ap, afp)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 09.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendundvierzehnten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.09.04.07 - US-Demokraten wollen Mittel für den Irak-Krieg nicht kappen +++ Mindestens 18 Tote bei Anschlag südlich von Bagdad +++ Erneut sechs US-Soldaten im Irak getötet - Seit Kriegsbeginn verloren mindestens 3.280 Mitglieder der US-Truppen ihr Leben im Irak +++ Waffenlager in Haus von sunnitischem Abgeordneten entdeckt +++ Teheran warnt vor Verschlechterung der Beziehungen zum Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0704090.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Immer mehr Kampfhandlungen in Afghanistan

Mi.09.04.08 - Der Krieg in Afghanistan breitet sich nach Einschätzung des Internationalen Roten Kreuzes aus und hat allein in diesem Jahr Tausende Menschen zu Flüchtlingen gemacht. «Die Unsicherheit nimmt ebenso zu wie die Kampfhandlungen, die nicht länger auf den Süden beschränkt sind, sondern sich nach Osten und Westen ausgebreitet haben», sagte Jakob Kellenberger, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), bei einem Besuch in Afghanistan.

Die Gewalt im Land ist nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr drastisch gestiegen und hat mit 8.000 Toten den höchsten Stand seit dem Sturz der Taliban 2001 erreicht. Unter den Getöteten waren mindestens 1.500 Zivilisten.

Rot-Kreuz-Sprecherin Graziella Leite Piccolo erklärte in Kabul, allein seit Januar hätten 13.000 Menschen wegen des Konflikts ihre Häuser verlassen. Genaue Zahlen und Hinweise, wo die Menschen abgeblieben seien, seien schwierig zu bekommen, weil in die gefährlichen Gebiete nicht hineinzukommen sei. Die meisten Vertriebenen gebe es im Süden. Dort seien die Kämpfe am schwersten.

Die Flüchtlinge und andere Menschen in Not müssten dringend versorgt werden, sagte IKRK-Präsident Kellenberger. Das Rote Kreuz habe in den vergangenen Jahren seine Hilfsleistungen verstärkt. Doch oft hätten die Lieferungen die Flüchtlinge nicht erreicht.

Während seines Afghanistan-Aufenthalts will Kellenberger auch das US-Militärgefängis in Bagram besuchen. Menschenrechtsgruppen werfen den Amerikanern vor, dort und in anderen Einrichtungen Menschen ohne Haftbefehl zum Teil länger als fünf Jahre festzusetzen.

Das Rote Kreuz und die US-Militärbehörden haben in diesem Jahr in Bagram ein Video-Konferenz-System installiert. So können die Häftlinge ihre Familienmitglieder zumindest sehen und hören. Direkter Kontakt zu ihnen ist untersagt.

Aufständische griffen am Dienstagmorgen im Süden Afghanistans eine Gruppe Bauarbeiter an und töteten 17 von ihnen. Ein Sprecher des Innenministerium erklärte, bei dem Angriff in der Provinz Sabul seien 16 weitere Arbeiter verletzt worden. Afghanische und internationale Soldaten hätte zurückgeschossen und sieben der Angreifer getötet. Die Arbeiter waren mit dem Bau einer Straße beschäftigt.

(Quelle: ap)
 


 

Israelische Polizei macht Friedenssender in Jerusalem dicht

Mi.09.04.08 - Die israelische Polizei hat in Jerusalem die Senderäume eines privaten Radiosenders geschlossen, der sich für einen Friedensdialog zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt. Die Räume des "Piratensenders" RAM FM seien geschlossen und seine Sendetechnik beschlagnahmt worden, sagte der Sprecher des israelischen Kommunikationsministeriums, Jetschiel Schavi, der Nachrichtenagentur AFP. Sieben Menschen, die sich während des Einsatzes in dem Sender aufhielten, seien für eine spätere Befragung überprüft worden.

RAM FM habe die Kommunikation zwischen Flugzeugen und der Flugaufsicht des Ben-Gurion-Flughafens nahe Tel Aviv gestört, betonte Schavi. RAM FM sendete aus seinen Räumen in Ramallah im Westjordanland weiter. Die israelischen Behörden schließen regelmäßig Sender, deren Frequenzen die Kommunikation des Ben-Gurion-Flughafens stören. RAM FM war vor etwa einem Jahr auf Initiative des südafrikanischen Geschäftsmannes Issie Kirsh gegründet worden. In seiner Heimat hatte er zuvor einen Radiosender ins Leben gerufen, der sich für die Versöhnung zwischen Weißen und Schwarzen nach dem Ende der Apartheid einsetzt.

(Quelle: afp)
 


 

USA fordern Veröffentlichung der Wahlergebnisse in Simbabwe

Mi.09.04.08 - Die US-Regierung hat die Wahlkommission in Simbabwe zur unverzüglichen Veröffentlichung der Präsidentschaftswahlergebnisse aufgefordert. US-Präsident George W. Bush trete für eine sofortige Veröffentlichung der Resultate des Urnengangs vom 29. März ein, damit das simbabwische Volk entscheiden könne, "wie es weitergehen soll", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, in Washington. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die unverzügliche Veröffentlichung der Wahlergebnisse gefordert. Bei dem Urnengang hatte der langjährige Staatschef Robert Mugabe um eine sechste Amtszeit gekämpft.

Unterdessen führte der Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC), Morgan Tsvangirai, Gespräche in Südafrika. Er traf mit dem Chef der südafrikanischen Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, zusammen, wie ANC-Sprecher Steyn Speed der Nachrichtenagentur AFP bestätigte. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hielt sich im Ausland auf. Die MDC war mit Aussagen über Tsvangirais Südafrika-Reise zurückhaltend und wies Mutmaßungen über Treffen mit Regierungsvertretern zurück.

Unterdessen wurden wegen des Verdachts auf Stimmfälschung nach Angaben der Regierungspartei von Präsident Robert Mugabe sieben Mitarbeiter der Wahlbehörde festgenommen. Die Polizei bestätigte die Festnahme von sieben Menschen "im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten". Sie seien seit Beginn der Stimmauszählung nach der Präsidentschaftswahl am 29. März festgenommen worden.

Die ZANU-PF von Mugabe hatte bereits am Sonntag wegen Unregelmäßigkeiten eine Neuauszählung gefordert, obwohl die Ergebnisse noch nicht veröffentlicht sind. Sie kündigte zudem eine Stichwahl zwischen zwischen Mugabe und dem Oppositionsführer Morgan Tsvangirai an. Dieser hatte sich bereits zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt.

(Quelle: afp)
 


 

Weiterer Schritt für gemeinsame Regierung in Kenia

Mi.09.04.08 - Die Partei des kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki hat sich nach langem Zögern zur Auflösung des bisherigen Kabinetts bereiterklärt. Damit bekomme Kibaki freie Hand bei der Bildung einer neuen Regierung, sagte Vizepräsident Kalonzo Musyoka am Dienstag nach Beratungen mit Abgeordneten der Partei der Nationalen Einheit und ihrer Verbündeten.

Zuvor hatte die Opposition die Gespräche über eine Teilung der Macht ausgesetzt und verlangt, Kibaki müsse sein Kabinett auflösen und sich zur Bildung einer Regierung bereitfinden, die paritätisch mit Politikern der Opposition besetzt sei. Kibaki ging aus der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl im Dezember vergangenen Jahres als Sieger hervor. Oppositionsführer Raila Odinga weigerte sich jedoch, dies anzuerkennen. Es folgten blutige Unruhen, denen mehr als 1.000 Menschen zum Opfer fielen.

(Quelle: ap)
 


 

Indien investiert in afrikanische Entwicklungsprojekte

Mi.09.04.08 - Nach dem massiven Afrika-Engagement von China will jetzt auch Indien verstärkt in Entwicklungsprojekte des Kontinents investieren. Zur Eröffnung eines Indien-Afrika-Gipfels in Neu-Delhi sagte Ministerpräsident Manmohan Singh den Staats- und Regierungschefs aus 14 Staaten Investitionen von mehr als 500 Millionen Dollar (320 Millionen Euro) in den nächsten fünf bis sechs Jahren zu.

Singh kündigte außerdem an, dass Indien seine Kreditlinien für afrikanische Staaten und regionale Wirtschaftsorganisationen auf 5,4 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) mehr als verdoppeln werde. Mit dieser Ausweitung trägt Indien auch der Entwicklung des bilateralen Handels Rechnung, der sich in den vergangenen fünf Jahren auf 30 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) versechsfacht hat.

Der frühere Präsident der Afrikanischen Union, Alpha Oumar Konaré, sagte, es sei wichtig, dass sich Afrika von den Strukturen des kolonialen Handelssystems entferne, der den Kontinent zu einem reinen Absatzmarkt gemacht habe. Der ehemalige malische Präsident rief Indien auf, auch die Initiativen gegen den Hunger zu unterstützen. In vielen afrikanischen Ländern gebe es zunehmende Sorgen wegen steigender Nahrungsmittel- und Ölpreise. An dem Gipfel in Neu-Delhi nehmen unter anderem die Staats- und Regierungschefs von Südafrika, Kenia, Ägypten, Tansania, Ghana und Algerien teil.

(Quelle: ap)
 


 

Iran weitet Urananreicherung aus

Mi.09.04.08 - Mit Besorgnis hat die internationale Staatengemeinschaft auf Berichte über einen weiteren Ausbau des iranischen Atomprogramms reagiert. Der Iran begann nach eigenen Angaben vom Dienstag mit der Installation von 6.000 neuen Zentrifugen für die Urananreicherung. Das staatliche Fernsehen zitierte Präsident Mahmud Ahmadinedschad mit den Worten, der nächste Schritt für die Ausweitung der Urananreicherung in der Atomanlage Natans habe begonnen. In Natans sind bislang 3.000 Zentrifugen in Betrieb.

Der UN-Sicherheitsrat hat den Iran aufgefordert, sein Programm zur Urananreicherung einzustellen. Weil die Regierung in Teheran dies ablehnt, wurden im März bereits zum dritten Mal Sanktionen verhängt. Die USA und andere westliche Staaten drohten nach der Erklärung Ahmadinedschads mit weiteren Strafmaßnahmen. Demgegenüber sprach sich Russland dafür aus, den Iran durch wirtschaftliche Anreize zum Verzicht auf sein Programm zur Urananreicherung zu bewegen.

«Der Iran verletzt weiterhin internationale Verpflichtungen und setzt sich über die Sorgen der Staatengemeinschaft hinweg», sagte der US-Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Gregory Schulte. US-Außenministerin Condoleezza Rice warnte Teheran vor einer weiteren internationalen Isolation. Der französische Außenminister Bernard Kouchner nannte Ahmadinedschads Ausführungen «gefährlich». Die internationale Gemeinschaft könnte den Weg zu weiteren Sanktionen fortsetzen.

Deutschland und die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats wollen Mitte des Monats wieder über das iranische Atomprogramm beraten. Nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow soll dabei auch über ein neues Angebot an den Iran gesprochen werden. «Wir müssen uns auf positive Vorschläge konzentrieren», sagte der Minister dem Sender Echo Moskau.

Die iranische Regierung betont, das Programm diene allein zivilen Zwecken. Der Westen vermutet dagegen, dass Teheran nach Atomwaffen strebt. «Das iranische Atomprogramm hat keinen offensichtlichen zivilen Nutzen», sagte ein britischer Außenamtssprecher am Dienstag.

Mit den Zentrifugen lässt sich Uran so anreichern, dass es zur Herstellung von Brennstäben für Kernkraftwerke verwendet werden kann. Bei einer höheren Anreicherung könnte das Uran auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Der Iran strebt nach eigenen Angaben eine Urananreicherung in großem Stil an, bei der insgesamt 54.000 Zentrifugen zum Einsatz kommen sollen.

(Quelle: ap)
 


 

Olympisches Feuer weltweit von Protesten begleitet

Mi.09.04.08 - Proteste und Demonstrationen gegen die chinesische Tibet-Politik begleiten die Reise des Olympischen Feuers um die Welt. -- China und IOC verurteilen Krawalle bei Fackellauf

Schon vor der Ankunft der Flamme auf dem amerikanischen Kontinent demonstrierten in San Francisco pro-tibetische Gruppen mit einer spektakulären Aktion auf der Golden-Gate-Brücke. Nach gewalttätigen Störungen des Fackellaufs in Paris und London empfing ein massives Sicherheitsaufgebot das Feuer am Dienstag auf der einzigen Etappe in den USA.

Während die chinesische Regierung die Demonstrationen scharf verurteilte, stand das Internationale Olympische Komitee (IOC) in der Frage des Fackellaufs vor einer Zerreißprobe.

Unter dem Schutz von 500 Sicherheitskräften traf die Olympische Fackel am Dienstag aus Paris kommend in San Francisco ein. Zuvor hatten drei Mitglieder der Organisation «Studenten für ein freies Tibet» die Golden-Gate-Brücke erklommen und zwischen den Stahlseilen ein Transparent mit der Aufschrift «Eine Welt, ein Traum, Freies Tibet» aufgehängt.

Die Ankunft des Feuers in den frühen Morgenstunden verlief ohne Zwischenfälle, aber zum Fackellauf durch die Stadt an diesem Mittwoch haben sich tausende Demonstranten angesagt. Ein Großaufgebot von Polizisten sollte dafür sorgen, dass sich das Chaos von Paris und London nicht wiederholt.

China verurteilte am Dienstag die heftigen pro-tibetischen Proteste beim Fackellauf in Paris und äußerte die Erwartung, dass solche Aktionen sich nicht wiederholen. Peking hoffe, dass der für Mittwoch in San Francisco geplante Lauf «sicher, erfolgreich und reibungslos» beendet werde, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu. Die Sicherheit des Fackellaufs liege auch im Interesse der beteiligten Länder. Mit der Unterbrechung und «Sabotage» des Fackellaufs in Paris, als die Flamme für etwa 20 Minuten verloschen war, hätten die Demonstranten gegen die olympische Charta und den olympischen Geist verstoßen.

Die pro-tibetischen Proteste überschatteten auch die Sitzung der IOC-Exekutive in Peking. «So kann es nicht weitergehen», schimpfte IOC-Mitglied Sergej Bubka, und IOC-Vizepräsident Thomas Bach gab zu bedenken: «Man muss sehr sorgfältig abwägen. Ein Abbruch der Fackelläufe würde ein Zurückweichen vor Gewalt bedeuten. Wenn man gegen Gewalt ist, muss man auch gegen Gewalt aufstehen. Je bedrohter eine positive Botschaft ist, umso wichtiger ist sie.»

«Ich beteilige mich nicht an Spekulationen», sagte IOC-Präsident Jacques Rogge, «ein wichtiges Symbol ist attackiert worden, und ich bin sehr traurig für die Athleten und die Menschen, die sich darauf gefreut haben.» Für das australische IOC-Mitglied John Coates wäre eine Unterbrechung das falsche Signal: «Das ist, als ob man dem Terrorismus nachgeben würde.»

Intern diskutierten die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bereits seit Tagen über einen möglichen Abbruch. Am Freitag wird die IOC-Exekutive über die nächsten Schritte des 137 000 Kilometer langen und von Chinesen als «Reise der Harmonie» angepriesenen Fackellaufs entscheiden - die Abschaffung der internationalen Route bei zukünftigen Spielen gilt unter Beobachtern schon als beschlossene Sache.

(Quelle: dpa)
 


 

Türkische Regierungspartei will 'Türkentum'-Paragraf ändern

Mi.09.04.08 - Die Partei des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan plant eine Reform des umstrittenen Straftatbestands "Beleidigung des Türkentums". Die AKP habe einen Reformentwurf zum Paragrafen 301 des Strafgesetzbuches ins Parlament in Ankara eingebracht, meldete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Der Vorschlag solle in dieser Woche in einem Parlamentsausschuss debattiert und in den kommenden Wochen dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Europäische Union, der die Türkei beitreten möchte, hatte die Regelung wiederholt als Einschränkung der Meinungsfreiheit kritisiert.

Der Entwurf sehe vor, die Höchststrafe für "Beleidigung des Türkentums" von drei auf zwei Jahre zu senken, verlautete laut Anadolu aus Parlamentskreisen. Außerdem solle ein entsprechendes Verfahren nur mit Erlaubnis des Präsidenten eingeleitet werden dürfen.

Der Paragraf 301 des türkischen Strafgesetzbuches stellt die Beleidigung des Türkentums sowie die Herabwürdigung staatlicher Institutionen der Türkei unter Strafe. Er war in den vergangenen Jahren von Nationalisten benutzt worden, um den Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk und andere Intellektuelle vor Gericht zu bringen. Ende März wurde die prominente türkische Menschenrechtlerin Eren Keskin mit Verweis auf Paragraf 301 zu mehr als sechs Monaten Haft verurteilt, weil sie die politische Rolle der Armee kritisiert hatte.

(Quelle: afp)
 


 

IWF sieht Finanzkrise-Verluste von fast einer Billion-Dollar

Mi.09.04.08 - Durch die in den USA ausgelöste Finanz- und Immobilienkrise drohen nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) weltweite Schäden von fast einer Billion Dollar. Die Verluste durch die Krise könnten sich auf insgesamt 945 Milliarden Dollar (602 Milliarden Euro) summieren, warnte der IWF in seinem ungewöhnlich scharf formulierten Bericht zur weltweiten Finanzstabilität. Der IWF warnte, es handle sich um unvollständige Schätzungen, weshalb die Verluste sogar noch höher ausfallen könnten.

Es ist das erste Mal, dass der Währungsfonds eine offizielle Einschätzung des Schadens durch die seit acht Monaten anhaltende Krise abgab. Allein 565 Milliarden Dollar seien durch riskante Bankgeschäfte mit den als Ramsch-Hypotheken bezeichneten schlecht gesicherten Immobilienhypotheken entstanden, heißt es in dem Bericht. Die Krise weite sich von den Ramschhypotheken auch auf solide Hypotheken, Verbraucher- und Firmenkredite aus. Zwar liege das Zentrum der Krise weiter in den USA, allerdings seien inzwischen auch Finanzinstitutionen in anderen Ländern betroffen. Es zeige sich, dass weltweit "übermäßig günstige" finanzielle Bedingungen ebenso wie Schwächen beim Risikomanagement und der Bankenaufsicht herrschten.

In Zusammenhang mit den Verlusten außerhalb des Bankensektors bestehe die Gefahr, dass das Bankensystem erneut von der Krise heimgesucht werde, warnte der IWF. Der diesmal ungewöhnlich präzise und harsch formulierte Bericht, den der Währungsfonds alle zwei Jahre veröffentlicht, geht vor allem mit dem US-Finanzsektor ins Gericht.

Am Wochenende kommen der IWF und seine Schwesterinstitution, die Weltbank, in Washington zu ihrem Frühjahrstreffen zusammen. Beim vergangenen Treffen im Oktober hatten mehrere Entwicklungsländer den von den sieben reichsten Industrienationen (G-7) dominierten IWF scharf dafür kritisiert, die heraufziehende Finanzkrise in den USA nicht rechtzeitig erkannt und bekämpft zu haben. Hauptaufgabe des IWF ist es, die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu gewährleisten.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschland

Gutachter halten Gesundheitsfonds für nicht umsetzbar

Mi.09.04.08 - Der für 2009 geplante Gesundheitsfonds lässt sich nach den Erkenntnissen eines neuen Gutachtens in der vorgesehenen Form nicht umsetzen. "Der Versuch einer wörtlichen Umsetzung würde zu einer grotesken Unterfinanzierung der gesamten gesetzlichen Krankenversicherung führen", schrieben die Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem, Florian Buchner und Eberhard Wille in ihrer 55 Seiten starken Expertise, aus der "Welt Online" zitierte. Die geplante Konvergenzklausel, die Abflüsse aus Bundesländern mit besonders hohen Beitragseinnahmen begrenzt, sei weder sinnvoll noch umsetzbar.

In einer Modellrechnung kommen die Gutachter laut der Online-Ausgabe der "Welt" zu dem Ergebnis, dass Krankenkassen in Bayern und Baden-Württemberg unter dem Strich Beitragseinnahmen in Höhe von jeweils mehr als 100 Millionen Euro an den Fonds abgeben müssten. Demnach müssten auch Kassen in Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein mehr Geld in den Fonds zahlen als sie herausbekommen. Um die Verluste in den genannten Ländern wie vereinbart auf jeweils 100 Millionen Euro zu begrenzen, wären laut Gutachten Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 474 Millionen Euro nötig.

Ein Sprecher von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bezeichnete das Gutachten als "sachlich ergänzungsbedürftig". Es werde von den Autoren noch überarbeitet und in dieser Woche vorliegen, sagte er "Welt Online".

(Quelle: afp)
 


 

Verbesserungen für Rentner, Geringverdiener und Häuslebauer

Mi.09.04.08 - Im Jahr vor der Bundestagswahl hat die schwarz-rote Bundesregierung eine Reihe von Verbesserungen für Millionen Rentner, Geringverdiener und Häuslebauer auf den Weg gebracht. Auf einer eigens dafür vorgezogenen Sitzung billigte das Kabinett am Dienstag die umstrittene Sonder-Rentenerhöhung zum 1. Juli. Zugleich beschloss es, den Kinderzuschlag für geringverdienende Eltern zu erweitern, das Wohngeld im Schnitt um 60 Prozent zu erhöhen und Eigenheime mit dem «Wohn-Riester» zu fördern.

Die 20 Millionen Rentner können ab Juli mit 1,1 Prozent mehr Geld rechnen. Die Erhöhung fällt damit gut doppelt so hoch aus als zunächst vorgesehen. Auch 2009 soll sie stärker sein als nach jetziger Rechtslage möglich. Weil dafür Rentengesetze geändert werden müssen und die Maßnahme insgesamt rund zwölf Milliarden Euro kosten soll, gibt es heftige Kritik. So forderten die Arbeitgeber, den Eingriff zu stoppen. Die Opposition bemängelte, die Rentner hätten von der Kurzfristmaßnahme kaum etwas.

Ab 1. Oktober können deutlich mehr Eltern den Kinderzuschlag von 140 Euro monatlich bekommen. Anspruch haben geringverdienende Berufstätige, die zwar ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können, ihrer Kinder wegen aber in Hartz IV abrutschen würden. Künftig sollen 250.000 Kinder von dem Zuschlag profitieren, 150.000 mehr als jetzt. Der Höchstbetrag von 140 Euro bleibt gleich, doch wird die Mindesteinkommensgrenze auf 600 Euro bei Alleinerziehenden und 900 Euro bei Paaren vereinheitlicht und das Antragsverfahren vereinfacht.

Zum 1. Januar 2009 soll das Wohngeld von durchschnittlich 90 auf 142 Euro monatlich erhöht werden, was vor allem den Bewohnern einfacher Wohnungen zu Gute kommt. Kernstück ist die Einbeziehung der Heizkosten. Außerdem steigen die Wohngeld-Tabellenwerte der Miethöchstbeträge um jeweils rund acht Prozent.

Zwei Jahre nach Abschaffung der Eigenheimzulage können Häuslebauer neue staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Rückwirkend zum 1. Januar 2008 gelten die Regelungen der Riester-Förderung - staatliche Zuschüsse zu einer selbstfinanzierten Altersvorsorge - auch für Erwerb oder Bau selbstgenutzter Wohnimmobilien. So können bis zu 2.100 Euro Zins und Tilgung pro Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Aus bestehenden Riester-Verträgen können bis 75 Prozent der angesparten Summe als Startkapital entnommen und die laufende staatliche Förderung komplett in Zins- und Tilgungszahlung umgeleitet werden.

(Quelle: ap)
 


 

Industrie schafft auch im Februar deutliches Umsatzplus

Mi.09.04.08 - Der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe ist auch im Februar kräftig gewachsen.

Er lag preis- und kalenderbereinigt um 6,2 Prozent höher als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Der Zuwachs fiel zwar etwas geringer aus als im Januar mit sieben Prozent, blieb aber über dem Niveau des Gesamtjahres 2007 von 5,9 Prozent. Der Auslandsumsatz legte mit 7,2 Prozent deutlich stärker zu als das Geschäft mit inländischen Abnehmern mit 5,3 Prozent.

Am besten lief es für die Rundfunk- und Nachrichtentechnik. Hier schafften die Hersteller ein Umsatzplus von 9,6 Prozent. Die Fahrzeugbauer und Zulieferer nahmen 9,5 Prozent mehr ein. Dagegen stagnierte der Umsatz im Ernährungsgewerbe.

(Quelle: rtr)
 


 

Immer mehr Deutsche benötigen laut IWH Zweitjob zum Lebensunterhalt

Mi.09.04.08 - Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt vor einer zunehmenden Tendenz zum Zweitjob. Von rund 30 Millionen abhängig Beschäftigten in Deutschland gehe heute schon etwa eine Million regelmäßig einer zusätzlichen Beschäftigung nach. Das sagte der IWH-Arbeitsmarktexperte Herbert Buscher der Nachrichtenagentur dpa. Diese Tendenz nehme zu. Betroffen seien vor allem Menschen mit geringer Qualifikation.

(Quelle: dpa)
 


 

Nokia besiegelt mit Sozialplan Aus für Bochumer Werk

Mi.09.04.08 - Das Ende des Bochumer Nokia-Werks ist besiegelt: Der finnische Handyhersteller stimmte am Dienstag einem Sozialplan in Höhe von 200 Millionen Euro zu. Der Konzern einigte sich mit Vertretern der IG Metall und des Betriebsrats auf die Rahmenbedingungen für die Schließung des Werks mit 2300 Festangestellten zum 30. Juni. Danach stimmte Nokia der Gründung einer Transfergesellschaft zu, in der arbeitslos werdende Mitarbeiter nach Ablauf der Kündigungsfrist zwölf Monate lang beschäftigt werden können. Zugleich will der Konzern nach Investoren suchen, die Mitarbeiter in Bochum übernehmen. Für rund 300 Mitarbeiter sei dies bereits gelungen.

"Wir sind mit den Eckpunkten zufrieden. Wir hätten zwar gerne mehr gehabt, aber es ist ein Kompromiss", sagte die Nokia-Betriebsratsvorsitzende Gisela Achenbach bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der Düsseldorfer Deutschland-Zentrale des Konzerns. Seit der im Januar angekündigten Schließung des Werks habe die Unsicherheit die Mitarbeiter zunehmend belastet. "Die Kollegen wollen weg von Nokia." Die Beschäftigten würden bereits zum 1. Mai freigestellt. Die Höhe der Abfindungen werde nun individuell festgelegt. Die Kündigungsfristen betrügen bis zu sieben Monate. Danach könnten Mitarbeiter in die Transfergesellschaft wechseln, so dass einige dort bis 2010 weiter beschäftigt werden könnten.

Nokia will das Werk aus Kostengründen schließen und den größten Teil der Produktion in eine neue Fabrik in Rumänien verlagern. Die Ankündigung im Januar hatte bundesweit für Proteststürme gesorgt. Politiker forderten öffentlich zum Boykott des Unternehmens auf, bei zahlreichen Demonstrationen gingen Tausende Menschen auf die Straße. Auch am Dienstag waren wieder Beschäftigte mit Plakaten und Trillerpfeifen vor die in einem Gewerbegebiet liegende Zentrale gezogen. Auf Spruchbändern forderten sie, von dem Konzern nicht mit Almosen abgespeist zu werden.

Der nach Düsseldorf gereiste Nokia-Vorstand Veli Sundbäck wollte sich zu einem möglichen Imageschaden für sein Unternehmen nicht äußern. "Die Schließung des Werks heißt nicht, dass Nokia Deutschland verlässt oder Deutschland kein wichtiger Markt ist", betonte er. Deutschland spiele vielmehr weiter eine Schlüsselrolle für das Unternehmen. "Die Verhandlungen sind hart gewesen", räumte er ein. Die Einigung kam in der sechsten Gesprächsrunde zustande. Es sei eine "vernünftige, faire und für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung" gefunden worden.

Nokia will nun auch seinen Streit mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung rasch beilegen. "Wir hoffen, dass eine Einigung in den kommenden Tagen erreicht werden kann", sagte Sundbäck. Das Land fordert von Nokia die Rückzahlung von rund 60 Millionen Euro Subventionen, da das Unternehmen Zusagen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen nicht eingehalten habe.

Das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf wollte sich nicht festlegen, ob eine angedrohte Klage nun weiter verfolgt wird. Die Landesregierung stehe in "konstruktiven" Gesprächen mit Nokia über Zukunftsperspektiven für den Standort und die Region Bochum. "Vom Verlauf hängt ab, wie wir in der Sache weiter verfahren", sagt eine Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

(Quelle: rtr)
 


 

Preiskampf bei Halbleitern - Chip-Hersteller AMD streicht jede zehnte Stelle

Mi.09.04.08 - Der wegen des Preiskampfes bei Halbleitern angeschlagene Chip-Hersteller Advanced Micro Devices (AMD) aus Kalifornien streicht jede zehnte Stelle. Noch im April werde AMD damit beginnen, 1650 Stellen abzubauen, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig warnte AMD, dass die Umsätze für das erste Quartal unter den Erwartungen liegen würden. Der Gewinn werde mit 1,5 Milliarden Dollar (955 Millionen Euro) 15 Prozent unter dem des Vorjahresquartals liegen.

AMD fertigt auch in Dresden. Die Werke dort gelten als eine der größten wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten in Ostdeutschland. Aufbauend auf der Chip-Industrie der DDR entstand dort ein wichtiger Standort der weltweiten Halbleiter-Fertigung. Neben AMD siedelte sich auch Konkurrent Infineon dort an.

(Quelle: afp)
 


 

Studie: Immer mehr Unternehmen führen unbezahlte Mehrarbeit ein

Mi.09.04.08 - Immer mehr Unternehmen führen einer Studie zufolge unbezahlte Mehrarbeit ein.

Jeder vierte Betrieb habe zwischen Anfang 2005 und Herbst 2007 die Arbeitszeit verlängert, teilte das gewerkschaftsnahe WSI-Institut am Dienstag zu seiner Befragung von 2000 Betriebsräten mit. In den zwei Jahren zuvor hätten dies bloß 15,5 Prozent getan. Nur jedes zweite Unternehmen zahle dafür einen Lohnausgleich. "Die Arbeitszeit wird zunehmend zum Einfallstor für indirekte Lohnsenkungen", sagte der Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), Hartmut Seifert. Zumal jeder Beschäftigte im Schnitt noch 0,7 unbezahlte Überstunden pro Woche leiste.

Die Unternehmensleitung muss veränderte Arbeitszeiten mit dem Betriebsrat vereinbaren. "Häufig argumentiert das Management mit einer verschärften Wettbewerbssituation", sagte Seifert. Längere Arbeitszeiten seien für Firmen attraktiv. Sie könnten so kurzfristig Produktionskapazitäten ausweiten, ohne zuschlagspflichtige Überstunden anzuordnen oder neue Mitarbeiter einzustellen. Das spare Kosten - insbesondere, wenn kein Lohnausgleich gezahlt werde.

Für die Zustimmung für längere Arbeitszeiten handeln die Betriebsräte häufig Beschäftigungsgarantien aus oder Zusagen, am Standort zu investieren. Das WSI befragte für seine Studie mehr als 2000 Betriebsräte in Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern. Dort sind rund zwölf Millionen Menschen tätig.

(Quelle: rtr)
 


 

Telekom bietet T-Mobile-Beschäftigten 3,8 Prozent mehr Lohn

Mi.09.04.08 - Die Deutsche Telekom AG hat den Beschäftigten ihrer Tochter T-Mobile Deutschland eine Lohnerhöhung von 3,8 Prozent angeboten. Zudem schlug der Bonner Konzern in den Tarifverhandlungen für T-Mobile eine Einmalzahlung von 470 bis 650 Euro vor, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Telekom wolle bei T-Mobile zudem ein flexibleres Entgeltsystem durchsetzen, wie es schon bei anderen Konzerntöchtern gelte.

Nach Angaben des Personalgeschäftsführers von T-Mobile Deutschland, Peter Körner, muss von einem starren Stufensystem zu einer flexiblen Gehaltsstruktur übergegangen werden. «Wir sind überzeugt, dass dies ein faires Tarifangebot ist», fügte er hinzu.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verlangt für die rund 6000 Beschäftigten der Telekom-Tochter 6,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

(Quelle: ddp)
 


 

Keine Streiks bei den Klinikärzten - Mediziner erhalten knapp acht Prozent mehr Gehalt

Mi.09.04.08 - Streiks bei den Klinikärzten sind abgewendet: Im Tarifkonflikt um die Gehälter der rund 55.000 Ärzte an kommunalen Kliniken haben sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft Marburger Bund am Dienstagabend geeinigt. Die Mediziner erhalten knapp acht Prozent mehr Geld. Die Gehälter sollen rückwirkend zum 1. April um durchschnittlich vier Prozent und zum 1. Januar 2009 nochmals um durchschnittlich 3,8 Prozent steigen.

Zusätzlich werden die Gehälter der ostdeutschen Ärzte rückwirkend zum 1. April an das Westniveau angepasst. Die Forderung der Arbeitgeber nach längeren Arbeitszeiten konnte der Marburger Bund abwehren. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Joachim Finklenburg, bezifferte die Belastung für die Krankenhäuser mit rund 300 Millionen Euro für die kommenden zwei Jahre. Mit dem Tarifabschluss ist ein drohender Streik der Mediziner an den kommunalen Kliniken abgewendet.

Der Verhandlungsführer des Marburger Bundes, Lutz Hammerschlag, sprach von einem schmerzlichen und schwierigen Kompromiss. Dennoch sei es eine deutliche lineare Erhöhung der Einkommen. Die Kleine Tarifkommission des Marburger Bundes habe dem Ergebnis bereits zugestimmt. Die Ärztegewerkschaft hatte eine Tariferhöhung von durchschnittlich 10,19 Prozent für zwölf Monate gefordert. Die Große Tarifkommission wird nach seinen Worten nun zeitnah über eine offizielle Annahme beraten.

«Die Krankenhäuser sehen den Abschluss mit gespaltenen Gefühlen», sagte Finklenburg: «Der Abschluss wird vielen Krankenhäusern große finanzielle Probleme bereiten.» Angesichts der Gesamtbelastung von 300 Millionen Euro seien nun 10.000 Stellen an den kommunalen Kliniken gefährdet. Andererseits hätten die Krankenhäuser mit dem Abschluss wieder eine gute Position, um qualifizierte Ärzte zu gewinnen und zu halten.

(Quelle: ap)
 


 

Dokumentation über Zwangsarbeit in der katholischen Kirche erschienen

Mi.09.04.08 - Die Geschichte der Zwangsarbeit in der katholischen Kirche während der NS-Zeit ist nun in Buchform dokumentiert. Der 703 Seiten dicke Band mit dem Titel «Zwangsarbeit und katholische Kirche 1939-1945» wurde am Dienstag in Mainz vorgestellt und fasst die Ergebnisse einer sieben Jahre währenden Recherche kirchlicher Stellen zusammen. Der Band dürfe aber nicht «im Sinne einer Schlussbilanz» verstanden werden, sagte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann bei der Vorstellung. Vielmehr sei die Dokumentation «ein weiterer wichtiger Baustein» auf dem Weg der Versöhnung.

Die Tatsache der Zwangsarbeit bleibe «eine historische Last, die unsere Kirche auch für die Zukunft herausfordert», sagte Lehmann. Zugleich räumte der Kardinal ein, die Erinnerung der Kirche sei «allzu lange blind» für das Schicksal dieser Menschen gewesen.

Dass die katholische Kirche während der NS-Zeit Zwangsarbeiter beschäftigt hatte, war erst im Jahr 2000 ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gekommen. Im August 2000 beschloss die Bischofskonferenz dann, sich nicht am Entschädigungsfonds der Bundesregierung zu beteiligen, sondern zwei eigene Fonds für Entschädigung und Versöhnungsarbeit in Höhe von damals je fünf Millionen Mark einzurichten. Bereits im November 2000 wurden die ersten Entschädigungen ausgezahlt. Die Kirche betonte seinerzeit stets, dass viele ihrer Zwangsarbeiter im Bundesfonds nicht berücksichtigt worden wären.

Zwischen 1939 und 1945 arbeiteten nachweislich fast 6000 Zwangsarbeiter, 4829 zivile Zivilarbeiter und 1075 Kriegsgefangene, in Einrichtungen der katholischen Kirche. Insgesamt wurden 587 Fremdarbeiter mit 1,5 Millionen Euro entschädigt. Aus dem Versöhnungsfonds wurden 206 Projekte mit 2,71 Millionen Euro gefördert.

(Quelle: ddp)
 


 

Wissenschaft

Forscher entdecken Wasserfrösche ohne Lunge

Mi.09.04.08 - Wissenschaftler haben auf der südostasiatischen Insel Borneo Frösche entdeckt, die ganz ohne Lunge leben. Insgesamt seien neun lungenlose Exemplare des Wasserfroschs Barbourula kalimantanensis im indonesischen Teil der tropischen Insel gefunden worden.

Das berichten die Biologen der Nationalen Universität von Singapur im Journal «Current Biology». Der Frosch nehme den lebenswichtigen Sauerstoff stattdessen wahrscheinlich komplett über die Haut auf. Bislang waren unter den Amphibien nur wenige lungenlose Tiere bekannt, darunter drei Salamanderfamilien und die einem Regenwurm ähnelnde Blindwühle.

Forscher hatten bereits in den 1970er und 1990er Jahren jeweils ein lungenloses Exemplar des Wasserfroschs entdeckt. Erst nach der Entdeckung von insgesamt neun weiteren Tieren im vergangenen Jahr könne nun aber als erwiesen gelten, dass diese Art generell keine Lunge besitzt.

Der Verlust der Lunge sei vermutlich eine Reaktion auf die Lebensbedingungen und Eigenschaften des Tieres, schreiben die Forscher um David Bickford. Der braun-schwarze Frosch lebe in kühlen, klaren und schnell fließenden Gewässern mit hohem Sauerstoffgehalt. Zudem habe das Tier eine geringe Stoffwechselrate und eine flache Körperform. Wegen der flachen Form besitzt der Frosch eine relativ große Körperoberfläche für seine Körpermasse, was die Sauerstoffaufnahme über die Haut erleichtert.

Nach Angaben der Wissenschaftler ist der Lebensraum des einzigartigen Froschs vor allem wegen illegaler Goldminen bedroht. Das Wasser sei dadurch vielerorts getrübt und mit Quecksilber versetzt. Der Schutz dieses «evolutionären Rätsels» müsse daher verstärkt werden, fordern die Biologen.

(Quelle: dpa)
 


 

Computer & Cyberspace

Bloggen könnte ungesund sein

Mi.09.04.08 - Einen schlechten Einfluss auf die Gesundheit könnte das regelmäßige Verfassen von Einträgen für Weblogs (Blogs) haben. Erfolgreiche Blogger stehen unter Umständen unter dem Zwang, regelmäßig neue und aufregende Beiträge zu verfassen. Dies verursacht Stress, der sich unter anderem negativ auf das Herz-Kreislauf-System auswirken könnte.

Darüber sind jetzt einige Blogger besorgt. Ausschlaggebend für ihre Besorgnis ist der Tod zweier bekannter Blogger, die an Herzproblemen gestorben sind. Es wäre denkbar, dass der Druck, täglich lange und qualitativ hochwertige Beiträge zu verfassen, zu hoch für die Verstorbenen gewesen ist.

Gegenüber der "New York Times" hat jetzt Michael Arrington, der Gründer des Blogs "TechCrunch" von gesundheitlichen Problemen gesprochen. Er hat erklärt, während seiner aktiven Blogger-Zeit 30 Pfund zugenommen zu haben. Außerdem habe er aufgrund seines Jobs in den vergangenen drei Jahre eine schwere Schlafstörung entwickelt. Es gäbe keine Situation, in der ein Blogger nicht besorgt sei, eine spannende Geschichte zu verpassen - nicht einmal im Schlaf.

Insbesondere für Profi-Blogger, die ihr Geld mit dem Schreiben verdienen, könnte durchaus zu viel Stress durch die Tätigkeit entstehen. Der Großteil der Freizeit-Blogger dürfte erheblich weniger gefährdet sein. Der noch neue Beruf des Bloggers ist für die Profis mit viel Stress verbunden. Sie sind meist freischaffende Arbeitskräfte und verkaufen ihre Meldungen an unterschiedliche Kunden. Weil die Honorare teils sehr gering sind - oft lediglich rund zehn US-Dollar pro Meldung unabhängig von Anzahl der Worte - lastet ein enormer wirtschaftlicher Druck auf ihnen.

Genau wie beispielsweise Tageszeitungs-Redakteure und Nachrichten-Journalisten dürfen sie zudem keine aktuellen Geschehnisse verpassen, sie müssen immer schnell reagieren. Das erfordert ständig eine hohe Konzentration und geistige Präsenz, Pausen können selten gemacht werden. Aus diesem Grund ist häufig auch die Ernährung der Profi-Blogger und Journalisten und ungesund, sie besteht nicht selten überwiegend aus Fastfood.

(Quelle: gp)
 


 

Domain 'Pizza.com' für 2,6 Millionen US-Dollar verkauft

Mi.09.04.08 - Für rund 2,6 Millionen US-Dollar ist jetzt die Domain "Pizza.com" verkauft worden. Der Käufer aus den USA hat sich gegen mehr als 20 weitere Bieter aus aller Welt durchgesetzt; das Startangebot hatte bei 100 US-Dollar gelegen. Für nur 20 US-Dollar hatte der bisherige Besitzer die Domain im Jahr 1994 erworben. Laut Angaben des Versteigerungs-Portals Sedo hat er seinerzeit die Internet-Adresse lediglich gekauft, um einen Pizzalieferanten davon zu überzeugen, sich von ihm einen Online-Auftritt erstellen zu lassen.

(Quelle: gp)
 


 

Studie: Online-Netzwerke stärker im Visier von Internet-Kriminellen

Mi.09.04.08 - Der freizügige Umgang mit persönlichen Informationen in den Online-Communities ermögliche ihnen immer gezieltere sogenannte Phishing-Attacken, bei denen finanziell verwertbare Daten abgeschöpft werden sollen.

Dies stellte der Antiviren-Spezialist Symantec in seinem neuen Bericht zur Internet-Sicherheit fest. Die Angreifer nutzten auch Schwachstellen der Webseiten aus, um Trojaner und Spionage-Software in die Computer einzuschleusen. «In den meisten Fällen ist es nicht einmal notwendig, dass der Anwender bewusst etwas herunterlädt oder anklickt», warnte Symantec.

Im vergangenen Jahr seien mehr als fünf Mal so viele neue Schadprogramme entdeckt worden wie 2006. Dabei falle eine zunehmende Vernetzung und Arbeitsteilung der Netz-Kriminellen auf. Die Angriffswerkzeuge würden weltweit modifiziert und in sogenannten Toolkits zusammengeführt, die von «Untergrundservern» heruntergeladen werden können. Gut ein Viertel aller weltweiten Phishing-Seiten gehe auf nur drei solcher Toolkits zurück, stellte Symantec fest.

Nach wie vor blüht auch der Markt für gestohlene Informationen. Daten mit finanzieller Relevanz machten dort im zweiten Halbjahr 2007 insgesamt 53 Prozent der Angebote aus, Informationen zu Bankkonten wurden mit 22 Prozent des Gesamtaufkommens am häufigsten angeboten. Der Anteil der angebotenen Kreditkarten-Daten sei dagegen von 21 auf 13 Prozent gesunken. Das liege an der verstärkten Beobachtung der Szene durch die Kreditkarteninstitute sowie höheren Hürden bei der Einlösung von Kreditkarten, erklärte der amerikanische Sicherheitssoftware-Anbieter, der unter anderem Programme der «Norton»-Reihe produziert.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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