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Irak am 1481sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Berater des irakischen Schiiten-Führers Sadr erschossen.
Zwölf Aufständische getötet. Ukraine schickt wieder
Soldaten in den Irak
Sa.12.04.08 - Ein enger Berater des irakischen Schiiten-Führers Moktada al-Sadr
ist am Freitag erschossen worden.
Nach dem von den Sicherheitskräften gemeldeten Anschlag auf Rijadh
al-Nuri in der in den Schiiten heiligen Stadt Nadschaf verhängte
die Polizei eine Ausgangssperre. Die Beamten errichteten
Straßensperren und ordneten per Lautsprecher die Schließung
von Geschäften an. Eine Schwester al-Nuris ist mit Sadrs Bruder
verheiratet. Zunächst war nicht klar, wer hinter der Tat steckte.
Sadr ist Chef der Mehdi-Armee, die sich in den vergangenen Wochen
heftige Gefechte mit irakischen und Sicherheitskräften geliefert
hatte. Mehdi-Kämpfer griffen am Freitagmorgen in ihrer Hochburg
Basra nach Polizeiangaben irakische Soldaten an.
Ende März hatte die Regierung in Bagdad eine Offensive gegen
radikale Schiiten in Basra begonnen. In der zweitgrößten
Stadt des Landes hat sich die Lage beruhigt, seitdem Sadr seine
Anhänger zur Zurückhaltung aufgerufen hat.
Bei Luftangriffen auf Bagdad und die südirakische Stadt Basra sind
nach britischen und US-Angaben vom Freitag zwölf mutmaßliche
Aufständische getötet worden. Eine unbemannte Drohne feuerte
am späten Donnerstagabend im Bagdader Stadtteil Sadr City auf eine
Gruppe Bewaffneter, die Granaten mit sich führten. Dabei kamen
Angaben der US-Streitkräfte sechs von ihnen ums Leben. Beim zweiten
Zwischenfall traf ein Hubschrauber der Koalition im Bezirk Hajanija von
Basra eine Gruppe Bewaffneter, wie ein britischer Militärsprecher
erklärte. Die Gruppe sei als «aktives
Mörsergranaten-Team» identifiziert worden.
Die Ukraine beteiligt sich wieder mit Soldaten am Irak-Einsatz.
Präsident Viktor Juschtschenko kündigte am Freitag die
Entsendung von 15 Mann an, offenbar um weitere Unterstützung
für die Bemühungen seines Landes um einen NATO-Beitritt zu
gewinnen. US-Präsident George W. Bush hat sich für eine
Aufnahme der ehemaligen Sowjetrepublik in das Verteidigungsbündnis
ausgesprochen, die NATO sagte Kiew auf ihrem Gipfel in Bukarest
vergangene Woche jedoch lediglich einen Beitritt auf lange Sicht zu.
Die Ukraine hatte bereits von 2003 bis 2005 Truppen im Irak
stationiert. Sie wurden nach öffentlichen Protesten wieder
abgezogen.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 12.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundsiebzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.12.04.07 - Schwerste Kämpfe in Bagdad seit Monaten - Mindestens 26 Tote +++ Lage
im Irak laut Rotem Kreuz immer schlimmer +++ Türkische Armee angeblich
in den Nordirak vorgedrungen +++ US-Armee verlängert Einsatzzeiten für Soldaten im Irak und
Afghanistan...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704120.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Rüstungsgegner fordern Verbot von Streubomben
Sa.12.04.08 - Ein internationaler Zusammenschluss von Rüstungsgegnern hat die
USA, Russland und China aufgefordert, sich nicht länger gegen ein
Verbot von Streubomben zu stellen. Die drei Großmächte
müssten sich dem sogenannten Osloprozess zur Ächtung der
Sprengkörper anschließen, teilte die Koalition gegen
Streumunition am Donnerstag in Genf mit. In der Koalition ist etwa die
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch vertreten.
Washington, Moskau und Peking beteiligen sich nicht an der
nächsten Konferenz des Osloprozesses in Dublin im Mai. Laut der
Koalition gegen Streumunition könnten die 100 Staaten des
Osloprozesses in der irischen Hauptstadt ein Verbot der Waffen
vereinbaren. Deutschland beteiligt sich am Osloprozess.
Eine Streubombe ist ein Behälter mit Streumunition. Die Bomben
werden aus der Luft abgeworfen oder vom Boden aus abgeschossen. Dabei
öffnet sich der Kanister und stößt die Streumunition ab,
die sich großflächig auf dem Boden verteilt. Als
Blindgänger stellen Streubomben oft noch viele Jahre nach dem
Abwurf eine Gefahr dar. Zehntausende Menschen wurden bisher durch die
Sprengsätze verletzt oder getötet.
Bis zu 90 Prozent der Opfer sind nach Darstellung von Hilfswerken
Zivilisten. Die US-Regierung bestreitet diese Zahl. Nach Angaben der
Koalition gegen Streumunition kamen bei den Kriegen 2003 im Irak und
1999 im Kosovo mehr Zivilisten durch Streubomben als durch jede andere
Waffe ums Leben.
Nach Angaben der Rüstungsgegner lagern weltweit in 76 Ländern
Streubomben. Deutschland gehörte den Angaben zufolge zu den
Produktions- und Exportländern. In mindestens 30 Staaten und
Regionen wurde die Munition bislang eingesetzt.
(Quelle: epd)
Deutscher Bundestag will Einsicht in NATO-Geheimpapier zu Afghanistan
Sa.12.04.08 - Der deutsche Bundestag will Einsicht in das vom Bukarester NATO-Gipfel
beschlossene Geheimdokument zum weiteren Militärengagement in
Afghanistan erhalten. Zumindest die Obleute im Verteidigungsausschuss
sollten den zehnseitigen Anhang der NATO-Strategie zu Afghanistan
einsehen können, forderten die Wehrexperten am Freitag
gegenüber «Spiegel Online». Dies habe
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) am Mittwoch im Ausschuss
aber unter Hinweis auf die Einstufung des Papiers als «NATO
CONFIDENTIAL» abgelehnt.
In der Vorwoche hatte sich die NATO auf ihrem Gipfel in Bukarest auf
gemeinsame Ziele für Afghanistan und damit erstmals auf eine
Ausstiegsstrategie verständigt. Nach Angaben von
NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sieht diese
Gesamtstrategie unter anderem den Aufbau einer 80 000 Mann starken
afghanischen Armee bis 2010 sowie einer Polizei mit 82 500 Mitarbeitern
vor. Damit solle die Grundlage für eine selbsttragende Sicherheit
am Hindukusch geschaffen werden, die als Voraussetzung für einen
Abzug der NATO-Truppen gilt.
(Quelle: ddp)
Simbabwe: Präsident Mugabe sagt Krisengipfel ab -- Opposition will
streiken
Sa.12.04.08 - Simbabwes Präsident Robert Mugabe hat die südafrikanischen
Nachbarstaaten vor den Kopf gestoßen und die Teilnahme am
Krisen-Gipfel in Lusaka abgesagt.
Mit dem Aufruf der Opposition zu einem Generalstreik drohte der
Konflikt damit ungebremst auf eine Konfrontation zuzusteuern. Die
Regierung lasse sich bei dem Gipfeltreffen am Samstag von drei
Ministern vertreten, berichtete der staatliche Rundfunk am Freitag.
Unter internationalem Druck hatte sich die Südafrikanische
Entwicklungsgemeinschaft (SADC) nach jahrelanger Zurückhaltung vor
zwei Tagen in die Krise eingeschaltet und den Vermittlungsversuch
angekündigt.
Mugabes Sprecher kritisierte, das Treffen sei nicht mit der Regierung
in Harare abgesprochen gewesen. "Wir haben nicht um den Gipfel gebeten,
er wurde von der SADC angesetzt", betonte er. Oppositionschef Morgan
Tsvangirai wird in Lusaka erwartet.
Die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) will den Druck nun
mit einem landesweiten Ausstand am Dienstag erhöhen. Damit solle
die Veröffentlichung der Ergebnisse der bereits zwei Wochen
zurückliegenden Präsidentenwahl erzwungen werden, teilte die
Partei mit. Sie reklamiert den Sieg für Tsvangirai und hat Mugabe
im Verdacht, das Ergebnis zu fälschen.
Die Polizei warf der Opposition vor, gezielt Auseinandersetzungen zu
schüren. Die MDC habe dafür hunderte junger Mitglieder ins
ganze Land geschickt, erklärte Vize-Polizeichef Faustino Mazango
bei einer Pressekonferenz. Deshalb habe die Polizei eine
Großdemonstration am Sonntag verboten.
Mugabe hat Menschenrechtsorganisationen zufolge seinerseits
Anhänger mobilisiert, um die Opposition einzuschüchtern.
Veteranen des Unabhängigkeitskrieges haben ihm bereits nach einem
starken Abschneiden der Opposition 2000 und bei der
Präsidentenwahl 2002 die Macht gesichert und wurden mit Land
belohnt, das weißen Bauern abgenommen wurde. Seit dem Wochenende
seien mindestens 60 Farmer von ihrem Hof vertrieben worden, teilte der
mehrheitlich weiße Bauernverband mit.
Vor Mugabes Absage an die SADC hatte selbst die Regionalmacht
Südafrika ihren Druck auf den Nachbarstaat erhöht. "Wir rufen
alle Seiten auf, den Willen des Volkes zu respektieren, unabhängig
vom Ausgang der Wahl", erklärte Jacob Zuma, Chef des regierenden
Afrikanischen Nationalen Kongress (ANC). Präsident Thabo Mbeki
setzt im Simbabwe-Konflikt seit Jahren auf das Mittel der "stillen
Diplomatie" und hat es bislang abgelehnt, Mugabe öffentlich unter
Druck zu setzen. Der 84-Jährige wird auf dem Kontinent noch immer
als Befreiungskämpfer gegen die Kolonialmächte verehrt. In
der Region wächst jedoch die Angst vor einer Welle der Gewalt wie
nach der Wahl im ostafrikanischen Kenia.
Mugabes Partei Zanu-PF hat bei der Parlamentswahl dem offiziellen
Ergebnis zufolge erstmals seit der Unabhängigkeit vor knapp 30
Jahren die Mehrheit verloren. Auch in der Präsidentenwahl liegt
Mugabe nach inoffiziellen Berechnungen der Parteien und
unabhängiger Wahlbeobachter hinter Oppositionschef Morgan
Tsvangirai zurück, könnte aber den Einzug in eine Stichwahl
geschafft haben.
(Quelle: rtr)
Tokio und Paris wollen bei Atomenergie zusammenarbeiten
Sa.12.04.08 - Japan und Frankreich haben am Freitag eine Zusammenarbeit bei der
Bekämpfung des Klimawandels und bei der friedlichen Nutzung der
Atomenergie vereinbart. Auch mit Blick auf die Entwicklung Afrikas
hätten sich beide Staaten auf eine enge Kooperation
verständigt, sagte der japanische Ministerpräsident Yasuo
Fukuda nach Gesprächen mit dem französischen Premierminister
François Fillon in Tokio.
Beide teilten die Ansicht, dass die Kernenergie eine bedeutende Rolle
für Wohlstand und nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert
spielen werde, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung Fukudas
und Fillons. Die Atomkraft werde hinsichtlich der globalen
Energiesicherheit und der Bekämpfung des Klimawandels immer
wichtiger. Fillons Besuch erfolgte zum 150. Jahrestag der Aufnahme
diplomatischer Beziehungen zwischen Japan und Frankreich.
Japan bezieht 30 Prozent seines Stroms aus Atomkraft und will deren
Anteil bis 2010 auf 40 Prozent steigern. In Frankreich kommt 70 Prozent
des Stroms aus Kernkraftwerken. Ein Gipfel der acht wichtigsten
Industrienationen (G-8) in Osaka wird sich voraussichtlich vor allem mit
dem Klimawandel befassen.
(Quelle: ap)
Im Streit über Tibet und Olympia werden Töne schriller
Sa.12.04.08 - Im Streit über das chinesische Vorgehen in Tibet und die
Olympischen Spiele in Peking werden die Töne schriller.
China reagierte am Freitag empört auf eine Resolution des
US-Repräsentantenhauses, in dem ein Ende der Polizeiaktionen gegen
demonstrierende Tibeter gefordert wird. Die Aufforderung an China sei
boshaft und verkenne die Lage, sagte eine Sprecherin des
Außenministeriums. Ihre Regierung sei zutiefst entrüstet und
lehne die am Mittwoch verabschiedete Resolution des
US-Repräsentantenhauses entschieden ab. Die Abgeordneten sollten
ihre Empörung stattdessen gegen die Anhänger des Dalai Lama
richten, zitierte die Nachrichtenagentur Xinhua die Sprecherin.
Die in Hongkong erscheinende Tageszeitung "Wen Wei Po" warf der
exil-tibetischen Jugendorganisation vor, insgeheim mit uigurischen
Extremisten und der Al-Kaida zusammenzuarbeiten, um die Spiele in
Peking anzugreifen. Menschenrechtler werfen China vor, unter dem
Vorwand der Terrorbekämpfung Bürgerrechte einzuschränken.
Die chinesische Regierung macht den im Exil lebenden Dalai Lama
für die jüngsten Unruhen in Tibet verantwortlich. Die Tibeter
lehnen sich gegen die chinesische Herrschaft auf und verlangen mehr
Autonomie. Auch US-Präsident George W. Bush hatte China zuletzt zu
einem offenen Dialog mit dem Dalai Lama aufgefordert.
Wegen des gewaltsamen Vorgehens der chinesischen Behörden in Tibet
ist es beim Olympischen Fackellauf zu massiven Protesten gekommen. Am
Freitag sollte das Feuer durch die argentinische Hauptstadt Buenos
Aires getragen werden. Auch hier wurde mit Protesten gerechnet.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kommt im August nicht zur
Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Peking. Ban
könne den Feierlichkeiten aufgrund von Terminschwierigkeiten nicht
beiwohnen, sagte eine UN-Sprecherin. Der Generalsekretär habe die
chinesische Führung bereits vor Monaten über die
Terminprobleme unterrichtet. US-Präsident Bush steht unter
massiven Druck der drei Bewerber um seine Nachfolge, die
Eröffnungszeremonie zu boykottieren. Das Europäische
Parlament verlangte am Donnerstag einen Boykott der Feier, wenn China
keinen Dialog mit dem Dalai Lama aufnimmt.
(Quelle: rtr)
Lateinamerikanische Entwicklungsbank öffnet erste Filiale in Kuba
Sa.12.04.08 - Die Entwicklungsbank des lateinamerikanischen
Wirtschaftsbündnisses ALBA hat ihre erste Filiale eröffnet.
Das im Januar gegründete Institut öffnete erstmals seine
Türen in Kubas Hauptstadt Havanna. Damit sei ein weiterer Schritt
für die regionale Integration erreicht worden, hieß es auf
Radio Havanna am Mittwoch (Ortszeit). Kuba, Venezuela, Bolivien und
Nicaragua hatten die Bank mit einem Startkapital von einer Milliarde
US-Dollar und Hauptsitz in Venezuelas Hauptstadt Caracas als
Gegengewicht zum Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
gegründet.
Die ALBA-Bank soll ihre Geschäftstätigkeit kommenden Mai
aufnehmen. Sie stelle wirtschaftlichen Ausgleich und Solidarität
vor Gewinn. Francisco Soberón, Präsident der Zentralbank
Kubas, erklärte, die Region werde somit "vor einer möglichen
wirtschaftlichen Krise in den USA" geschützt. Ihre Kredite sollen
in "produktive Projekte" der vier ALBA-Staaten und weiterer
Entwicklungsländer gehen. Die Bank strebt ein Eigenkapital von zwei
Milliarden US-Dollar an. Der größte Teil der bislang
vorhandenen Mittel stammt aus Venezuela, das Milliardeneinkünfte
aus der Erdölförderung verfügt.
Das Wirtschaftsbündnis ALBA ("Bolivarianische Alternative für
die Völker unseres Amerikas") versteht sich als Gegenprojekt zu der
von den USA propagierten gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA, die
im November 2005 auf Eis gelegt wurde.
(Quelle: epd)
IWF: Versagen des Risikomanagements trug zur Finanzkrise bei
Sa.12.04.08 - Ein mangelhaftes Risikomanagement bei den großen westlichen
Banken ist dem IWF zufolge ein Hauptgrund für die gegenwärtige
Finanzkrise.
Es habe Mängel bei "dem Urteilsvermögen und der
Unternehmungsführung" gegeben, hieß es am Freitag in einem
Bericht, den der Internationale Währungsfonds für das Treffen
mit der Weltbank am Wochenende vorbereitet hat. Defizite bei den Regeln
für die Bilanzierung und der Regulierung hätten ebenfalls zu
den Problemen beigetragen. Die Investoren hätten sich zudem zu sehr
auf die Ratings der Agenturen verlassen. Nun werde eine stärkere
Überwachung und ein besseres Krisenmanagement benötigt.
(Quelle: rtr)
G-7 beschließen Plan zur Verhinderung weiterer Finanzkrisen --
Steinbrück beurteilt deutsche Konjunkturlage als gut --
Entwicklungsländer fordern mehr Finanzhilfen
Sa.12.04.08 - Mit mehr Transparenz und einer stärkeren internationalen
Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden wollen die G-7-Staaten
künftige Finanzmarktkrisen verhindern. Die Finanzminister und
Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen beschlossen
am Freitag in Washington einen entsprechenden Plan in Reaktion auf die
von faulen Hypothekenkrediten in den USA ausgelösten Turbulenzen
auf den weltweiten Finanzmärkten.
Die G-7-Minister und Notenbankchefs werden an diesem Wochenende mit
Vertretern des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der
Weltbank in Washington zu ihrer Frühjahrstagung zusammenkommen.
Auch dabei wird die Krise auf den Finanzmärkten im Mittelpunkt
stehen.
Deutschlands Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zeigte sich beim
G-7-Treffen optimistisch, dass die deutsche Wirtschaft den
konjunkturellen Abschwung in den USA gut meistern wird. Es gebe keinen
Grund für ein Gefühl von drohendem Unheil, sagte er am
Freitag (Ortszeit). Die deutsche Konjunktur sei in einem guten Zustand.
Er sehe auch keinen Anlass, seine Prognose eines Wirtschaftswachstums
von 1,7 Prozent in diesem Jahr zu ändern, betonte der
SPD-Politiker.
Der deutsche Bundesbankchef Axel Weber erklärte, es gebe positive
Signale, dass die Bemühungen zur Stabilisierung der US-Konjunktur
infolge der Krise auf dem Immobilienmarkt Erfolg hätten. Er gehe
davon aus, dass die Leitzinssenkungen in den USA in der zweiten
Jahreshälfte einen stabilisierenden Effekt hätten, sagte
Weber.
Wegen der steigenden Lebensmittel- und Energiepreise haben unterdessen
Entwicklungs- und Schwellenländer verstärkte Finanzhilfen
gefordert. Die Gruppe der G-24 rief die Industrienationen zudem zu
einem entschiedenen Handeln in der derzeitigen Finanzkrise auf.
Koordinierte internationale Zusammenarbeit sei nötig, um eine noch
größere Krise zu verhindern, heißt es in einer in
Washington veröffentlichten Erklärung.
Die Welt sehe sich einer «beispiellosen Finanzkrise»
gegenüber, sagte der Vorsitzende der G-24 und Präsident der
kongolesischen Notenbank, Jean-Claude Masangu-Mulongo. Diese Krise habe
«im Herzen des Systems begonnen, den USA, und breitet sich
aus». Industrienationen müssten den ärmsten
Entwicklungsländern helfen, mit den externen Effekten
fertigzuwerden.
Das Treffen der G-24-Gruppe fand am Rande der Frühjahrstagung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington
statt. Zu den G-24 gehören Staaten in Asien, Lateinamerika und
Afrika.
(Quelle: ap)
IWF-Chef Strauss-Kahn: Lebensmittelpreise so bedrohlich wie
globale Finanzkrise
Sa.12.04.08 - IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn betrachtet den weltweiten Anstieg der
Lebensmittelpreise als ebenso großes Problem für die
Weltwirtschaft wie die globale Finanzkrise.
"Es gibt heute nicht nur eine reine Wachstumskrise, sondern eine
mindestens ebenso wichtige Krise entwickelt sich gerade durch das
Anziehen der Inflation sowie der Preise von Rohstoffen und besonders
Lebensmitteln", sagte der Präsident des Internationalen
Währungsfonds (IWF) dem französischen Fernsehsender France
24. "In einer Anzahl von Ländern, namentlich in Afrika, wird dies
zu wirtschaftlichen Turbulenzen führen, aber auch zu
beträchtlichem individuellen Leid, weil es eine der
Ernährungsgrundlagen destabilisieren wird."
Neben Missernten in Folge von Dürren und Überschwemmungen
werden auch die hohen Ölpreise und der schwache Dollar für
den seit drei Jahren zu beobachtenden Anstieg der Nahrungsmittelpreise
verantwortlich gemacht. Hinzu kommen wachsende Importe nach China und
Indien sowie der Boom des Bio-Sprits, der zur Verringerung von
Anbauflächen für Lebensmittel geführt hat.
Für Jose Graziano von der für Lateinamerika und die Karibik
zuständigen UN-Agrarorganisation gehören auch internationale
Investmentfonds zu den Preistreibern. "Die Krise ist die Folge eines
spekulativen Angriffs, und sie wird andauern. Das ist keine
Verschwörungstheorie", sagte Graziano in Brasilia. Fehlendes
Vertrauen in den Dollar habe die Fonds veranlasst, mit Rohstoffen
höhere Gewinne zu machen. Nach Metallen hätten sie ihr
Augenmerk auf Nahrungsmittel gerichtet.
Die Verdoppelung der Preise in den vergangenen drei Jahren könnte
nach Schätzungen der Weltbank 100 Millionen Menschen in den
Entwicklungsländern in noch größere Armut treiben. Die
weltweite Armut könnte dabei um drei bis fünf Prozent
zunehmen. Das seien aber nur erste Schätzungen, sagte
Weltbankdirektor Marcelo Giugale der Nachrichtenagentur Reuters.
Wegen der zum Teil drastisch gestiegenen Preise für das Essen ist
es in mehreren Entwicklungsländern zu Unruhen gekommen. Die
jüngsten Ausschreitungen wurden am Donnerstag aus Tunesien
gemeldet. Bei den Zusammenstößen seien in den vergangenen
drei Tagen in Redeyef im Zentrum des Landes mehr als 20 Menschen seien
festgenommen worden, hieß es in Gewerkschaftskreisen. Gewaltsame
Proteste sind in dem Mittelmeerland selten. Tunesien gehört zu den
nordafrikanischen Staaten mit der größten Mittelschicht.
Nach Jahren des wachsenden Wohlstands bekommen aber viele Menschen die
steigenden Preise von importierten Lebensmitteln zu spüren. Im
Februar lag die Teuerungsrate bei Nahrungsmitteln bei 8,6 Prozent.
(Quelle: rtr)
Weiter Chaos im US-Luftverkehr
Sa.12.04.08 - In den USA setzt sich das Chaos im Luftverkehr fort: Die Fluglinie
American Airlines kündigte wegen technischer Sicherheitskontrollen
an ihrer Flotte an, dass heute weitere rund 570 Flüge gestrichen
würden. Laut Anweisung der Nationalen Flugaufsichtsbehörde FAA
müssen die Kabelstränge in den Fahrwerksschächten aller
Boeing-Maschinen des Typs McDonnell Douglas MD-80 überprüft
werden. Seit Dienstag fielen damit beim größten
US-Luftfahrtunternehmen mehr als 2400 Flüge aus. Zehntausende
Fluggäste strandeten landesweit vor den Check-In-Schaltern der
Gesellschaft.
Bereits am Donnerstag musste American Airlines fast 900 Flüge
streichen. Auch andere US-Fluggesellschaften sagte Flüge ab,
darunter United, Southwest, Midwest und Delta Airlines sowie ein
Regionalgesellschaft. Hintergrund des Chaos ist die Anordnung einer
Masseninspektion durch die FAA, die den Gesellschaften zum Teil
gravierende Nachlässigkeiten bei den Sicherheitschecks der
Kabelstränge in den Fahrwerksschächten der MD-80-Maschinen
vorwirft.
Es gibt jedoch auch schwerwiegende Vorwürfe gegen die FAA selbst.
So sollen die Schlampereien im Fall der Fluggesellschaft Southwest
Airlines von ranghohen Behördenvertretern gebilligt worden seien.
Mehrere Southwest-Maschinen seien in der Vergangenheit trotz
Kabelbrüchen eingesetzt worden. Als schließlich der Kongress
den Hinweisen auf die Nachlässigkeiten nachging, reagierte die FAA.
Southwest wurde zu einer Strafe in Höhe von 10,2 Millionen Dollar
(6,4 Millionen Euro) und Inspektionen Dutzender Maschinen verurteilt.
Auch American Airlines muss nun ihre insgesamt 300 MD-80-Maschinen
blitzwarten. Bis der Flugverkehr sich wieder normalisiere, werde es noch
mehrere Tage dauern, kündigte die Gesellschaft an. Vor
Journalisten nahm American-Airlines-Chef Gerard Arpey die Schuld auf
sich: "Es ist mein Fehler, ich trage die volle Verantwortung." American
Airlines tue alles, um die Unannehmlichkeiten für die
Fluggäste so gering wie möglich zu halten. Es ist bereits das
zweite Mal binnen weniger Wochen, dass die Gesellschaft ihre
MD-80-Maschinen aufgrund von Sicherheitsvorschriften nicht einsetzen
kann. Flugzeuge vom Typ McDonnell Douglas MD-80 können rund 140
Passagiere befördern.
(Quelle: afp)
Umfrage: Republikanischer US-Präsidentschaftskandidat McCain holt
kräftig auf
Sa.12.04.08 - Barack Obama und Hillary Clinton haben ihren Vorsprung gegenüber
dem designierten republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten
John McCain jüngsten Umfragen zufolge eingebüßt.
Demnach liegt McCain nun praktisch gleichauf mit seinen demokratischen
Rivalen. Obama hatte noch Ende Februar einen Vorsprung von zehn
Prozentpunkten vor McCain.
Laut der am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der
Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos von
Anfang April kommen beide nun auf 45 Prozent. Clinton lag im Februar
mit 48 Prozent fünf Punkte vor McCain. Ihr Vorsprung schrumpfte
nun auf drei Punkte und liegt damit innerhalb der statistischen
Fehlertoleranz.
Im Rennen der Demokraten liegt Obama bei 46 und Clinton bei 43 Prozent
Zustimmung, wie aus der Umfrage hervorgeht. Die Erhebung zeigt auch,
dass ein Viertel der Anhänger Obamas bei der
Präsidentschaftswahl im November lieber für McCain stimmen
würde als für Clinton, falls diese die Kandidatin der
Demokraten wird. Das gleiche Prinzip gilt für ein Drittel der
Clinton-Anhänger, die McCain den Vorzug vor Obama geben
würde, falls dieser nominiert werden sollte.
Die nächste Vorwahl bei den Demokraten steht am 22. April an. Im
Rennen um die Delegiertenstimmen liegt Obama vorn. Weder ihm noch
Clinton dürfte es aber gelingen, bis zum Parteitag im August die
für eine Nominierung nötige Zahl von 2.025 Delegiertenstimmen
auf sich zu vereinigen.
(Quelle: ap)
Deutsch-französische CO2-Gespräche für Autos ohne
Fortschritt
Sa.12.04.08 - Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über den
Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß von Autos stocken.
Frankreich wolle die Debatte von den Umweltministern nun auf die Ebene
Präsidentenamt und Kanzleramt heben, sagte ein Regierungsvertreter
am Freitag in Berlin. In den entscheidenden Punkten seien noch keine
Fortschritte bei der von den Umweltministern eingesetzten Arbeitsgruppe
erzielt worden. Das bestätigte auch Matthias Wissmann als
Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA):
"Man ist in den wichtigen Fragen noch weit auseinander", sagte er
Reuters. "Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht."
Deutschland und Frankreich wollen Änderungen an dem EU-Plan
für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes der europäischen
Autoflotten. Dieser sieht vor, dass ab 2012 im Schnitt der
Neuwagenflotte nur 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen wird.
Bei Verstößen sollen Strafzahlungen fällig werden.
Deutschland, wo vor allem größere Wagen mit höherem
CO2-Ausstoß produziert werden, sieht sich benachteiligt.
Kleinwagenhersteller müssten nach den jetzigen Regelungen weniger
leisten als technisch möglich sei. Unter anderem hält
Deutschland die jetzt vorgesehenen Strafen für überzogen.
Deutschland und Frankreich als größte EU-Volkswirtschaften
wollten daher einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen, um die EU-Pläne
in einigen Punkten zu ändern.
In Regierungskreisen hieß es, die Chancen für eine
Verständigung noch im Rahmen der jetzigen slowenischen
Präsidentschaft seien gesunken. Zunächst war vermutet worden,
die Franzosen wollten die Frage auf EU-Ebene vor ihrer eigenen
Präsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte gelöst
wissen. Von dem Staat, der die Präsidentschaft innehat, werden
traditionell größere Kompromisse für einen Einigung
erwartet. Mittlerweile habe man aber den Eindruck, dass Frankreich seine
Führungsrolle dann nutzen wolle, um die eigenen
Industrie-Interessen wirkungsvoller zu vertreten.
(Quelle: rtr)
EGB fordert gesetzliche Aufwertung Europäischer Betriebsräte
Sa.12.04.08 - Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat die EU-Kommission zu
einer Aufwertung der Rechte von Arbeitnehmern in multinationalen
Konzernen aufgerufen. Der EGB forderte am Freitag, die Kommission solle
die EU-Richtlinie über Europäische Betriebsräte
nachbessern. Gespräche mit dem Arbeitgeberverband BusinessEurope
hätten gezeigt, dass es auf Ebene der Sozialpartner keine Chance
auf eine Einigung gebe, erklärte EGB-Generalsekretär John
Monks.
Die Kommission hatte die Sozialpartner Ende Februar aufgefordert,
Verhandlungen über ein neues Betriebsratsstatut aufzunehmen.
Andernfalls werde sie selbst eine Neufassung der 1994 in Kraft
getretenen Richtlinie über Europäische Betriebsräte
vorlegen, drohte die Brüsseler Behörde damals.
Am Freitag ruderte die Kommission indes zurück. Auf die Frage, ob
und wann sie einen neuen Richtlinienentwurf präsentieren werde,
wollte sich Kommissionssprecherin Katharina von Schnurbein nicht
festlegen: «Wir müssen die Situation analysieren und
schauen, wie die Schlussfolgerungen ausfallen», sagte sie. Die
Kommission bedauere, dass der EGB mit BusinessEurope nicht in
offizielle Verhandlungen eintreten wolle: «Die Sozialpartner sind
am besten dazu im Stande, eine Verbesserung der bisherigen Regeln zu
finden.»
Der Arbeitgeberverband BusinessEurope forderte EU-Sozialkommissar
Vladimir Spidla in einem offenen Brief auf, auf einen gesetzlichen
Eingriff zu verzichten und weiter auf den Dialog der Sozialpartner zu
setzen. Bis zu dem Ultimatum der Kommission hatte sich BusinessEurope
allerdings stets geweigert, über ein neues Statut für
Europäische Betriebsräte zu verhandeln. Die
SPD-Europaabgeordnete Karin Jöns warf dem Arbeitgeberverband
deswegen Scheinheiligkeit vor: «Wer neun Jahre lang die
Verhandlungsaufnahme blockiert, sie dann plötzlich doch will, dann
aber nicht bereit ist, sich auf zügige und substantielle
Verhandlungen einzulassen, der zeigt sein wahres Gesicht.»
Anspruch auf Einrichtung eines Europäischen Betriebsrats haben
bislang nur die Belegschaften von Unternehmen ab 1.000
Beschäftigten, die über Produktionsstandorte in mindestens
zwei EU-Staaten mit jeweils 150 oder mehr Mitarbeitern verfügen.
Der EGB will die Schwelle auf 500 Mitarbeiter herabgesetzt sehen. Mit
Blick auf überraschende Unternehmensentscheidungen wie die
Schließung des Nokia-Werks in Bochum fordert der
Gewerkschaftsbund zudem eine klare Festlegung, wann der
Europäische Betriebsrat über solche Pläne informiert
werden muss.
Verhandlungsfortschritte in diesen Fragen erschienen derzeit
unrealistisch, erklärte EGB-Generalsekretär Monks. Die Zeit
dränge aber, weil auch eine von den Sozialpartnern erzielte
Lösung von der EU-Kommission in Form einer Richtlinie kodifiziert
und dann von EU-Parlament und Rat angenommen werden müsste. Dies
sei vor der Europawahl 2009 nicht mehr zu schaffen, argumentierte Monks.
(Quelle: ap)
Tariflöhne variieren in Deutschland beträchtlich
Sa.12.04.08 - Der niedrigste Tariflohn in Deutschland liegt bei 3,06 Euro pro Stunde
und wird im sächsischen Friseurhandwerk gezahlt. Das geht aus einer
am Donnerstag in Düsseldorf vorgestellten Studie des
WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung
hervor, die 43 Wirtschaftszweige mit knapp 16 Millionen
Beschäftigten vergleicht. Die höchste Tarifvergütung
für eine unterste Lohngruppe erhalten demnach Beschäftigte in
der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie Baden-Württembergs
mit 12,62 Euro pro Stunde.
Sehr niedrig sei die Bezahlung auch mit 4,58 Euro pro Stunde in der
Floristikbranche in Mecklenburg-Vorpommern, mit 4,80 Euro je Stunde im
Erwerbsgartenbau Sachsen-Anhalts und im privaten Transport- und
Verkehrsgewerbe mit 5,12 Euro. Relativ hohe Vergütungen auch in der
untersten Tarifgruppe erhielten hingegen auch die Mitarbeiter in der
chemischen Industrie in Hamburg mit 12,06 Euro, der Metallindustrie
Baden-Württembergs mit 11,61 Euro und der westdeutschen
Druckindustrie mit 11,53 Euro.
In älteren, zum Teil seit mehr als zehn Jahren ausgelaufenen
Tarifverträgen, finden sich noch niedrigere Vergütungen von
2,75 Euro pro Stunde im Friseurhandwerk in Brandenburg und im
Erwerbsgartenbau in Sachsen. Diese Verträge sind ausgelaufen und
wurden daher in der Studie nicht berücksichtigt, besitzen aber
weiter Gültigkeit, da keine Anschlusstarifverträge vereinbart
wurden. Durch Mitarbeiterfluktuation und der Verabschiedung vieler
Betriebe aus dem Tarifverbund kommt ihnen aber praktisch nur minimale
Bedeutung zu, wie Tarifexperte Reinhard Bispinck erläuterte.
(Quelle: ddp)
Großhandelspreise steigen so stark wie seit 1982 nicht mehr
Sa.12.04.08 - Im Großhandel sind die Preise im März so kräftig
gestiegen wie seit 26 Jahren nicht mehr.
Sie lagen im Schnitt um 7,1 Prozent höher als vor einem Jahr, wie
das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Zuletzt hatte es im
Februar 1982 mit 8,5 Prozent eine stärkere Teuerung gegeben. Von
Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich 6,1 Prozent erwartet. Im
Vergleich zum Vormonat zogen die Preise um 1,6 Prozent und damit
ebenfalls deutlicher als erwartet an.
Nahrungsmittel verteuerten sich erneut überdurchschnittlich.
Getreide, Saaten und Futtermittel kosteten 52 Prozent mehr als im
März 2007. Bei Milch, Milcherzeugnissen, Eiern, Speiseölen und
Nahrungsfetten zogen die Preise um knapp ein Viertel an. Kaffee, Tee,
Kakao und Gewürze wurden um 13,2 Prozent teurer. Für feste
Brennstoffe und Mineralölprodukte wurden 18,8 Prozent mehr
verlangt.
Die kräftigen Preiserhöhungen dürften auch die
Verbraucher zu spüren bekommen. Sie schlagen in der Regel mit
Verzögerung auf den Einzelhandel durch. Der
Großhandelsverband BGA rechnet wegen des starken Konkurrenzdrucks
aber nicht damit, dass die höheren Preise eins zu eins auf die
Endverbraucher überwälzt werden.
(Quelle: rtr)
Ex-Bundespräsident Herzog warnt vor 'Rentnerdemokratie' --
Senioren-Union, VdK und der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität
wehren sich gegen Stimmungsmache
Sa.12.04.08 - Angesichts der außerplanmäßigen Rentenerhöhung
hat Ex-Bundespräsident Roman Herzog vor einer Benachteiligung der
jüngeren Generation gewarnt. «Ich fürchte, wie sehen
gerade die Vorboten einer Rentnerdemokratie», sagte Herzog der
«Bild»-Zeitung. «Die Älteren werden immer mehr,
und alle Parteien nehmen überproportional Rücksicht auf sie.
Das könnte am Ende in die Richtung gehen, dass die Älteren die
Jüngeren ausplündern», wurde das frühere
Staatsoberhaupt zitiert.
Die beschlossene Rentenerhöhung hält Herzog dem Bericht
zufolge zwar für verfassungsgemäß, weil die Kaufkraft
der Renten seit Jahren nicht gestiegen sei. Allerdings warnte er:
«Wenn die Älteren die Jüngeren immer stärker zur
Kasse bitten, würde die Staatsquote wachsen. Und ich gehe davon
aus, dass ab einem gewissen Punkt eine hohe Staatsquote durchaus
verfassungswidrig ist.» Die Chancen, dass die nun ausgefallene
Rentendämpfung nach 2011 tatsächlich nachgeholt wird,
schätzte Herzog auf «50 zu 50».
Empört reagierte der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität auf
Herzogs Äußerungen. «Wir warnen davor, immer wieder zu
behaupten, die Älteren würden die Jüngeren
ausplündern», sagte Präsident Gunnar Winkler am Freitag
in Berlin. «Wer so was in die Welt setzt, zündelt als
geistiger Brandstifter gefährlich am sozialen Frieden in unserem
Lande und gefährdet die Demokratie.»
Offenbar müsse die These vom vermeintlichen
«Generationenkrieg» immer dann herhalten, wenn in der
Bevölkerung verstärkt die Frage nach sozialer Gerechtigkeit
gestellt und nach den Ursachen des Gegensatzes von Arm und Reich gefragt
werde, meinte Winkler. Der demographische Wandel werde gezielt als
Schreckensszenario benutzt, um den fortgesetzten Sozialabbau und leere
öffentliche Kassen zu rechtfertigen.
Die Vorsitzenden der Senioren-Union, Otto Wulff (CDU), und des
Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, wandten sich in der
«Frankfurter Neuen Presse» (Samstagausgabe) gegen
Diskriminierungen der Rentner.
Wulff forderte «die Macht der Alten». Dazu müsse die
Politik «viel mehr Rentner in ihre Reihen aufnehmen, sie in den
Parlamenten an die Rednerpulte treten lassen, damit wir einander besser
verstehen», sagte der Vertreter der älteren Generation in der
CDU. Es habe viele Jahre der Diskriminierung von Senioren gegeben. Sie
seien als inkompetent und überflüssig bezeichnet worden und
hätten viele Verletzungen hinnehmen müssen. «Die Folge
ist ein Bumerang-Effekt, so dass die Älteren jetzt auch mal
schärfer zurückschlagen», wird Wulff zitiert.
Auch der VdK-Vorsitzende Hirrlinger forderte künftig einen
größeren Einfluss der Senioren auf politische Entscheidungen
in Deutschland. «Wir haben jetzt schon über 1,4 Millionen
Mitglieder. Damit sind wir größer als die Parteien und wir
wachsen täglich», sagte er derselben zeitung. «Das
zeugt davon, dass wir gebraucht werden», fügte Hirrlinger
hinzu.
boa (Quelle: ap)
Bundestag lehnt Freigabe embryonaler Stammzellforschung ab
Sa.12.04.08 - In Deutschland wird es weder ein vollständiges Verbot noch eine
Freigabe der Forschung mit embryonalen Stammzellen geben. Der Bundestag
sprach sich gegen eine Verschärfung des Stammzellgesetzes ebenso
aus wie gegen eine Abschaffung der Stichtagsregelung. Der Bundestag
beschloss jedoch eine einmalige Verschiebung des Stichtags, der im
Stammzellgesetz vorgesehen ist. Dies ermöglicht deutschen Forschern
nun auch Zugang zu Zell-Linien, die nach dem 1. Januar 2002 entstanden
sind. Der neue Stichtag ist der 1. Mai 2007.
Für ein Verbot der Stammzellforschung stimmten nur 118
Abgeordnete. 442 Abgeordnete stimmten gegen den Antrag des
CDU-Politikers Hubert Hüppe (CDU). Auch der Antrag der
FDP-Abgeordneten Ulrike Flach fiel durch. Nur 126 Abgeordnete stimmten
für die Freigabe der Stammzellforschung. 443 Abgeordnete stimmten
dagegen. Die Verschiebung des Stichtags wurde mit 346 zu 228 Stimmen
beschlossen. Sechs Abgeordnete enthielten sich bei der namentlichen
Abstimmung.
Abgestimmt wird noch über einen vierten Entwurf, der alles beim
Alten belassen will. Dazu kommt ein Antrag, der klarstellt, dass die
alte Stichtagsregelung nur Forscher im Inland betrifft. Über die
Anträge wird nacheinander abgestimmt. Sobald ein Entwurf mehr
Ja-Stimmen als Nein-Stimmen erhält, gilt er als angenommen.
Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte zuvor für
die einmalige Verschiebung des Stichtages, der im bisherigen Gesetz
vorgesehen ist, geworben. Dies würde deutschen Forschern auch
Zugang zu Zell-Linien ermöglichen, die nach dem 1. Januar 2002
entstanden sind. Dadurch werde das ethische Dilemma nicht
aufgelöst, das mit der embryonalen Stammzellforschung verbunden
sei, sagte Schavan. Das Gesetz werde aber so weiterentwickelt, dass ein
schmaler Korridor für verantwortungsbewusste Forschung erhalten
bleibe.
Schavan forderte Verständnis für das Anliegen der Forscher.
Sie seien keine bloßen Interessenvertreter, sagte die Ministerin.
"Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland haben ebenso
ethische Überzeugungen wie wir."
(Quelle: afp)
Koalitionsverhandlungen: Hamburger CDU und Grüne einigen sich auf Schulreform --
Verlängerung der Grundschule von vier auf sechs Jahre -- Streit um
das Kohlekraftwerk Moorburg wird schärfer
Sa.12.04.08 - CDU und Grüne in Hamburg haben sich bei ihren
Koalitionsverhandlungen offenbar auf eine umfassende Schulreform
geeinigt. Kernstücke sind laut Medienberichten die
Verlängerung der Grundschule von vier auf sechs Jahre sowie die
Einführung von zwei weiterführenden Schulformen. Künftig
sollen Gymnasien und sogenannte Stadtteilschulen zum Abitur führen.
Unterdessen verschärfte sich der Streit um das Kohlekraftwerk
Moorburg, das als einer der Hauptknackpunkte der
Koalitionsverhandlungen gilt.
Die Schulreform sieht nach Medienberichten eine sogenannte Primarschule
vor, die von der Vorschule bis zur sechsten Klasse reicht. Eine
Grundstufe geht laut NDR von der Vorschule bis zum Ende der dritten
Klasse, eine Unterstufe von der vierten bis zur sechsten Klasse.
Für die genaue Ausgestaltung soll es drei Modelle geben. Das erste
Modell ist laut «Hamburger Abendblatt» eine
eigenständige Primarschule mit sechs Klassen. Beim zweiten Modell
wechseln die Kinder bereits nach der dritten Klasse auf eine
weiterführende Schule, bei der dritten Option ist die Primarschule
direkt an ein Gymnasium oder eine Stadtteilschule angeschlossen.
Als weiterführende Schulen soll es künftig neben den
Gymnasien, die zum Abitur nach Klasse zwölf führen, sogenannte
Stadtteilschulen geben. Sie sollen die bisherigen Haupt-, Real- und
Gesamtschulen umfassen und ein Jahr länger zum Abitur führen.
Anders als heute sollen künftig nur jene Kinder das Gymnasium
besuchen dürfen, denen die Zeugniskonferenz der Grundschule den
Besuch ausdrücklich empfiehlt. Die Reform soll ab dem Schuljahr
2010/11 gelten.
Unterdessen wurde der Streit um das von Vattenfall im südlichen
Stadtteil Moorburg geplante Kohlekraftwerk schärfer. Die Hamburger
Umweltbehörde erklärte am Freitag, man habe die Frist für
die endgültige Genehmigung um weitere drei Monate auf den 10. Juni
verschoben. Dies sei fristgerecht erfolgt, sagte
Behördensprecherin Kerstin Feddersen der AP. Die Prüfung der
wasserrechtlichen Genehmigung brauche noch Zeit.
Vattenfall forderte, bis zum heutigen Freitag zumindest schon die
ebenfalls noch ausstehende immissionsschutzrechliche Genehmigung zu
erhalten. Sollte dies nicht erfolgen, werde Vattenfall Anfang der
nächsten Woche Untätigkeitsklage gegen die Behörde
einreichen, sagte eine Konzernsprecherin.
Die Behörde sieht der Drohung und einer Klage laut Feddersen
«gelassen entgegen». Es gebe triftige sachliche Gründe
für die Fristverlängerung.
(Quelle: ap)
GEW fordert Kooperation von Bund und Ländern für Bildung
Sa.12.04.08 - Als Reaktion auf den OECD-Appell für Bildungsreformen in
Deutschland fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
eine Rücknahme des Kooperationsverbotes zwischen Bund und
Ländern. «Die Bildungsfinanzierung ist offensichtlich nicht
ausreichend sicher gestellt, wenn allein die Länder dafür
zuständig sind», sagte der Vorsitzende der GEW, Ulrich
Thöne, den «Ruhr Nachrichten» (Freitagausgabe).
«Der Bund kann, wie bei der Finanzierung von Ganztagsschulen,
positive Akzente setzen. Das wäre zumindest eine erste Hilfe
für unser marodes Bildungssystem», sagte Thöne.
Seit der Föderalismusreform der großen Koalition sind die
Zuständigkeiten von Bund und Ländern strikt getrennt. Dem Bund
ist es nicht erlaubt, den Ländern Finanzmittel etwa für
Schulen zur Verfügung zu stellen. «Dieses Kooperationsverbot
muss mit der Förderalismusreform II wegfallen», forderte
Thöne. Der GEW-Vorsitzende kritisierte, dass die Politik über
die Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern nur noch unter dem
Aspekt der Schuldenbegrenzung diskutiere. «Das macht im
Bildungssystem alles noch fataler», sagte Thöne.
(Quelle: ddp)
Zehn Semester Studium kosten laut Studentenwerk 46 000 Euro
Sa.12.04.08 - Studierende müssen nach Angaben des Deutschen Studentenwerks (DSW)
im Durchschnitt mehr als 55 000 Euro für ein zwölfsemestriges
Studium ohne Studiengebühren aufbringen. Zehn Semester schlagen mit
rund 46 000 Euro zu Buche, wie DSW-Präsident Rolf Dobischat am
Donnerstagabend in Dortmund mitteilte.
Berechnungsgrundlage sind die 770 Euro monatliche Einnahmen, die
Studierenden gemäß der aktuellen DSW-Sozialerhebung von 2006
durchschnittlich zur Verfügung stehen. Hochgerechnet auf Semester
und Jahre eröffnen sie laut Dobischat einen Orientierungswert
für die durchschnittlichen Kosten, die Studierende und insbesondere
ihre Eltern für ein Studium aufbringen müssen. Hinzu kommen
in diese Kalkulation noch Studiengebühren, die im Jahr 2006 noch
nicht zu entrichten waren.
«Die Bildungs- und Hochschulpolitik in Deutschland muss neben den
institutionellen Kosten, die beispielsweise ein Studienplatz den Staat
kostet, unbedingt auch die individuellen Kosten eines Studiums mit in
den Blick nehmen», forderte Dobischat in Dortmund: «Wir
brauchen mehr begabte junge Menschen aus hochschulfernen,
einkommensschwächeren Familien.» Die tatsächlichen
Kosten spielten gerade in diesen Familien die Schlüsselrolle bei
der Entscheidung für oder gegen ein Studium. Nach seinen Angaben
werden derzeit 90 Prozent der Studierenden mit durchschnittlich 448 Euro
im Monat von ihren Eltern unterstützt.
(Quelle: ddp)
Kommission fordert freien Eintritt für Kinder in
Kultureinrichtungen
Sa.12.04.08 - Die Kinderkommission des Bundestages fordert eine eigenständige
Kulturpolitik für Kinder und Jugendliche. «Die Bedeutung von
Kultur für unsere Gesellschaft und gerade die Bedeutung von Kultur
für unsere Kinder wird systematisch vernachlässigt»,
sagte die Vorsitzende der Kommission, Miriam Gruß (FDP), am
Freitag in Berlin. Um das zu ändern will die Kommission erreichen,
dass Kinder möglichst früh mit Kunst und Kultur in
Berührung kommen.
Die fünf Mitglieder der Kinderkommission verlangen unter anderem
freien Eintritt für Kinder in alle staatlichen Kultureinrichtungen
und eine Verbesserung der Erreichbarkeit von Museen und Theatern vor
allem in ländlichen Gebieten. Darüber hinaus solle die
Vermittlung kultureller Kompetenzen verbindlicher Inhalt der Ausbildung
von Erziehern und Lehrern werden.
Im ZDF-Morgenmagazin plädierte Gruß am Freitag zudem
für eine Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz. «Bis
jetzt sind die Kinderrechte die, die am wenigsten beachtet werden in
Deutschland. Deswegen müssen wir die Kinderrechte stärken. Wir
müssen dahin kommen, Kinder nicht als Objekte, sondern als
Subjekte zu betrachten», sagte Gruß.
(Quelle: ddp)
40. Jahrestag: Mehrere hundert Menschen erinnern an Attentat auf
Dutschke
Sa.12.04.08 - Mehrere hundert Menschen haben am Freitag in Berlin an das Attentat auf
den Studentenführer Rudi Dutschke vor 40 Jahren erinnert. Am
Kurfürstendamm legten die Teilnehmer für eine halbe Stunde
unzählige Fahrräder an jener Stelle nieder, an der Dutschke
am 11. April 1968 niedergeschossen worden war. Grünen-Chefin
Claudia Roth bezeichnete den 1979 verstorbenen Studentenführer als
einen der größten Köpfe der Emanzipationsbewegung. Auch
Dutschkes Witwe Gretchen nahm an der Veranstaltung teil.
Dutschke war am 11. April 1968 vor dem Büro des linksgerichteten
Deutschen Studentenbundes (SDS) am Kurfürstendamm von dem
Attentäter zunächst vom Fahrrad gezerrt und dann mit mehreren
Schüssen verletzt worden. Er starb am 24. Dezember 1979 an den
Spätfolgen des Attentats.
Das Attentat auf Rudi Dutschke traf eine charismatische Figur der
damaligen Studentenbewegung. Mit seinen Kampagnen gegen Vietnamkrieg,
Große Koalition und Springer-Konzern war Dutschke nicht nur zum
Idol der rebellischen Jugend geworden.
Der junge Mann mit den dunklen, langen Haaren - oft mit gestreiftem
Pullover oder Lederjacke - erregte mit seinen stakkatoartigen Reden auch
Hassgefühle in der Bevölkerung. Dutschke wurde am 7.
März 1940 bei Luckenwalde (Brandenburg) als jüngster Sohn
eines Postbeamten geboren. Seine älteren Brüder Helmut und
Manfred erinnern sich heute in einem Gespräch mit dem Audiodienst
der dpa an ihn als einen eher ruhigen Typ.
Helmut Dutschke sagt aber auch: «Er war immer der führende
Mann vorne, der die anderen immer wieder motivieren wollte.» Der
«verrückte Sportler» hatte eigentlich Sportjournalismus
studieren wollen. Nachdem er in einer Rede in seiner Luckenwalder
Schule den Dienst in der Nationalen Volksarmee abgelehnt hatte, wurde
ihm das Studium von den DDR-Funktionären jedoch verwehrt.
So pendelte Rudi Dutschke nach West-Berlin, machte dort noch einmal das
Abitur, um im Westen studieren zu können, und kehrte 1961 nach dem
Bau der Mauer nicht mehr zu seiner Familie in die DDR zurück. Als
Soziologiestudent an der Freien Universität (FU) schloss er sich
1963 der «Subversiven Aktion» an, die 1964 im
Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) aufging. Der SDS war Mitte
der 60er Jahre Motor der Studentenbewegung und der
außerparlamentarischen Opposition - und Dutschke mit seinen
radikal-sozialistischen Ideen eine seiner herausragenden Figuren.
Das Attentat auf ihn bedeutete für den Revolutionär eine
tiefe Zäsur. Die Schüsse, die der Gelegenheitsarbeiter Josef
Bachmann auf ihn abfeuerte, beschädigten sein Gehirn. Mit eisernem
Willen fand er seine Sprache und sein Gedächtnis wieder.
In seiner Autobiografie «Aufrecht gehen» schrieb Dutschke
später: «Dem Leser möge es erspart bleiben, eine
Situation zu erleben, in der sich herausstellt: nicht mehr lesen, die
Alltagssprache nur äußerst eingeschränkt handhaben zu
können und die eigenen Erfahrungen, die eigene Begriffswelt und
vieles mehr in einem langen und schmerzhaften Prozess voller Fort- und
Rückschritte zurückgewinnen zu müssen.» Dennoch
schrieb der «christlich motivierte Sozialist» (Biograf
Ulrich Chaussy) versöhnliche Briefe an seinen Attentäter.
Er schaffte es, erneut politisch und wissenschaftlich aktiv zu werden.
Die Jahre nach dem Attentat waren eine Odyssee durch Europa. Nicht
überall war Dutschke willkommen. 1970 begann er ein Studium an der
Universität Cambridge. Nach der Ausweisung aus England wurde er
Dozent an der dänischen Universität Aarhus. Ein Jahr vor
seinem Tod notierte er resigniert: «Wenige, lumpige Jahre aktiv im
Leben politischer Arbeit gewesen zu sein und Kugeln in den Kopf zu
bekommen, welche Notwendigkeit war da?»
Auch in der Bundesrepublik wurde Dutschke wieder politisch aktiv,
engagierte sich gegen Berufsverbote und nahm an
Anti-Atomkraft-Demonstrationen teil. 1973 promovierte er an der FU
Berlin. 1979 wurde er Mitglied der Bremer Grünen Liste.
Kurz vor dem Gründungskongress der Grünen starb er am 24.
Dezember 1979 mit nur 39 Jahren an den Spätfolgen des Attentats. Im
Haus seiner Familie in Aarhus ertrank er nach einem epileptischen
Anfall in der Badewanne. Neben seiner schwangeren Frau Gretchen
hinterließ er die Kinder Hosea Che und Polly Nicola. Das dritte
Kind, Rudi Marek, wurde erst Monate später geboren.
«Wo Rudi begraben werden sollte, war keine Frage: in Berlin.
Dorthin gehörte er», schrieb Gretchen Dutschke-Klotz in ihren
Erinnerungen («Wir hatten ein barbarisches, schönes
Leben»). Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem kleinen St.
Annen-Friedhof unweit der FU - 1999 vom Senat in ein Ehrengrab
umgewidmet.
40 Jahre nach dem Attentat will auch der Berliner Bezirk
Friedrichshain-Kreuzberg an den einstigen Wortführer der
68er-Bewegung erinnern. Dafür soll ein Teil der Kochstraße
in Kreuzberg, wo der Springer-Konzern seinen Sitz hat, nach Dutschke
benannt werden. Der Rechtsstreit über die Umbenennung dauert
allerdings noch an.
boa (Quellen: afp, dpa)
Computer & Cyberspace
Virtuelle Live-Bühne eröffnet
Sa.12.04.08 - Eine virtuelle Live-Bühne ist ab sofort im Internet zu erreichen.
Tempodome (http://www.tempodome.com)
verspricht seinen Nutzern, bei Konzerten in aller Welt vom heimischen
PC aus dabei sein zu können. Darüber hinaus bietet das Portal
den Fans die Möglichkeit, bei den Auftritten in das Geschehen
einzugreifen. So sollen die Musiker beispielsweise auf im Web
geäußerte Kommentare und Zurufe reagieren können. Sogar
virtueller Applaus ist möglich: Indem der Anwender einen speziellen
Button drückt, wird der Band am Auftrittsort ein entsprechendes
Geräusch übermittelt. Je mehr Internet-Zuschauer den Button
drücken, desto mehr akustische Rückmeldungen erhalten die
Künstler. Noch ist das Angebot kostenlos verfügbar. In
Zukunft werden aber bestimmte Dienste voraussichtlich kostenpflichtig
werden .
(Quelle: gp)
Online-Sucht: Sachverständige kritisieren Forschungsdefizit
Sa.12.04.08 - Die Erforschung der Online-Sucht sowie die Heilungsangebote
müssten in Deutschland verbessert werden. Darin waren sich die
Sachverständigen des Ausschusses für Kultur und Medien im
Deutschen Bundestag in einer Anhörung einig. Vorausgegangen war ihr
ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, der die
Unterstützung der Forschung und den Ausbau von Beratungs- und
Therapiemöglichkeiten fordert.
Laut Angaben von Gabriele Farke, Initiatorin und Vorstandsvorsitzende
des Vereins Hilfe zur Selbsthilfe für Onlinesüchtige (HSO),
gibt es derzeit in Deutschland zwei Millionen Online-Süchtige. Laut
Professor Henning Scheich vom Leibniz-Institut für Neurobiologie
ist es unklar, weshalb die illusionären sozialen Situationen eines
Online-Spiels ein so starkes Suchtpotenzial auf junge Menschen
ausüben. Erst durch psychologische Experimente könne man mehr
über Auslöser und Gefahren der Sucht erfahren.
(Quelle: gp)