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Irak am 1483sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
1.300 irakische Sicherheitskräfte nach Fiasko in Basra entlassen.
Blutigste Woche für US-Truppen im Irak seit Jahresbeginn -
Mindestens 19 amerikanische Soldaten bei Bombenanschlägen und
Überfällen getötet. Al Sadr verlangt erneut Abzug der
US-Soldaten. US-Kampfhubschrauber zerstört eigenes Fahrzeug
Mo.14.04.08 - Die irakische Regierung hat nach der gescheiterten Sicherheitsoffensive
in der Stadt Basra im vergangenen Monat insgesamt rund 1.300 Soldaten
und Polizisten entlassen. Sie waren desertiert oder hatten sich
geweigert, gegen die schiitischen Milizen im Süden des Landes
vorzugehen, wie am Sonntag der Sprecher des Innenministeriums
mitteilte, Generalmajor Abdul Karim Chalaf. Unter den Entlassenen seien
auch 37 hohe Offiziere vom Oberstleutnant bis zum Brigadegeneral.
Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte die irakischen
Sicherheitskräfte im vergangenen Monat angewiesen, gegen die
zahlreichen bewaffneten Gruppen vorzugehen, die Basra unsicher gemacht
haben. Der Widerstand war aber unerwartet heftig und die Offensive kam
bald zum Stillstand, die Kämpfe weiteten sich auch auf andere
Städte im Süden und auch auf Bagdad aus.
Da die Mehrheit der irakischen Soldaten und Polizisten auch Schiiten
sind, standen viele offenbar vor einem Gewissenskonflikt. In Basra
meuterten fast 1.000 Angehörige der Sicherheitskräfte,
darunter auch ein komplettes Infanterie-Bataillon, Waffen und Fahrzeuge
wurden den Milizen übergeben. In der Stadt Kut weigerten sich rund
400 Polizisten, gegen die Milizen vorzugehen.
Die amerikanischen Truppen im Irak haben die verlustreichste Woche in
diesem Jahr erlitten: Mindestens 19 US-Soldaten kamen bei
Bombenanschlägen und Überfällen ums Leben. Ursache der
steigenden Opfer-Zahlen sind die wieder aufgeflammten Kämpfe mit
der schiitischen Mahdi-Miliz des Predigers Muktada al Sadr, die sich
auf die Hauptstadt Bagdad konzentrieren.
Al Sadr, der im Iran vermutet wird, verlangte am Samstag erneut einen
Abzug der amerikanischen Soldaten aus dem Irak. Er forderte seine
Kämpfer auf, keine Iraker anzugreifen, «es sei denn, sie
unterstützen die Besatzung». Offenbar bemüht sich der
Geistliche aber auch, seine Miliz zu mäßigen, um einen
offenen Krieg mit den US-Truppen zu verhindern. So verlautete aus
Kreisen der Miliz, die Kämpfer seien aufgefordert worden, eine
direkte Konfrontation mit den amerikanischen und irakischen Soldaten zu
vermeiden. Dies gelte, solange die Truppen nicht versuchten, tiefer in
den Stadtteil Sadr City einzudringen.
In dem von Milizen dominierten Stadtteil kam es in der Nacht zum
Samstag erneut zu Gefechten. 13 Menschen kamen ums Leben, wie die
US-Streitkräfte erklärten. Bei den Toten handele es sich um
Extremisten. Aus irakischen Polizeikreisen sowie von
Krankenhausmitarbeitern verlautete dagegen, es seien sieben
Zivilpersonen getötet worden. US-Hubschrauber hätten
Wohnhäuser und Geschäfte in Sadr City angegriffen.
Die irakische Regierung hob unterdessen ihre Abriegelung des Bezirks
auf. Die Polizei erklärte, eine der Zufahrten sei wieder für
den Verkehr geöffnet worden. Soldaten warnten jedoch die Bewohner,
ihre Häuser noch nicht zu verlassen, weil zunächst von
Rebellen gelegte Bomben geräumt werden müssten.
In zwei Gräbern in Mahmudija südlich von Bagdad fanden
irakische Soldaten am Samstag insgesamt 14 Leichen. Zwölf der
Opfer waren in einem Massengrab in der Nähe des Büros der
Mahdi-Miliz verscharrt, wie ein Behördensprecher mitteilte. Dem
Fund sei ein Geständnis von festgenommenen Mitgliedern der
Mahdi-Miliz vorausgegangen. Die Männer gaben demnach an, Dutzende
Sunniten und mehrere Schiiten getötet zu haben. Das zweite Grab
befand sich im Westen von Mahmudija. Die vorwiegend von Schiiten
bewohnte Stadt liegt rund 30 Kilometer von Bagdad entfernt. Erst vor
wenigen Tagen hatten irakische Truppen in der Gegend 30 Leichen
gefunden.
Bei einem Luftangriff in Bagdad zerstörten die
US-Streitkräfte irrtümlich ein eigenes Geländefahrzeug,
wie ein Militärsprecher am Sonntag mitteilte. Dabei wurden nach
irakischen Polizeiangaben zwei US-Soldaten und drei Passanten verletzt.
Der Angriff ereignete sich nach US-Angaben am Samstag, als die
Besatzung eines Apache-Kampfhubschraubers im östlichen Stadtteil
Maschtal eine Gruppe von vier bewaffneten Männern entdeckte. Beim
Abschuss einer ersten «Hellfire»-Rakete seien zwei der
Bewaffneten getötet worden, erklärten die
US-Streitkräfte. Eine zweite Rakete habe dann ein gepanzertes
Geländefahrzeug, einen «Humvee», getroffen.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 14.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundneunzehnten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.14.04.07 - Amerikanische Parlamentspräsidentin Pelosi will im Streit um
Irak-Politik nicht nachgeben +++ Für die zivilen Opfer seiner Militäreinsätze im Irak und
in Afghanistan hat das US-Militär nach eigenen Angaben bislang rund
32 Millionen Dollar Entschädigung gezahlt +++ Parlamentssitzung in Bagdad setzt Zeichen
nach Anschlag +++ Zweites Ultimatum der Entführer von Deutschen im
Irak abgelaufen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704140.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Israels Ministerpräsident Olmert überraschend mit
Palästinenserpräsident Abbas zusammengetroffen
Mo.14.04.08 - Israels Regierungschef Ehud Olmert ist überraschend mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu einer privaten
Unterredung in Jerusalem zusammengetroffen. Im Mittelpunkt der
Gespräche stand der Nahost-Friedensprozess, wie örtliche
Medien berichteten. Über Inhalt und Verlauf der Unterredung wurden
keine Angaben gemacht. Abbas reist in dieser Woche zu Gesprächen
in die USA. Unter anderem trifft er US-Präsident George W. Bush.
Olmert und Abbas waren am vergangenen Montag zum ersten Mal seit sieben
Wochen zusammengekommen, um die Gespräche wieder aufzunehmen. Die
Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern waren
Anfang März nach der schwersten israelischen Militäroffensive
im Gazastreifen seit dem Jahr 2000 ausgesetzt worden. Binnen einer
Wochen kamen dabei mindestens 130 Menschen ums Leben. Israel reagierte
damit auf die Angriffe radikaler Palästinenser, die aus dem
Gazastreifen Raketen auf Israel abfeuerten. Olmert und Abbas hatten
sich zuletzt am 19. Februar in Jerusalem getroffen.
Die Konfliktparteien hatten sich im November auf der Nahost-Konferenz
in Annapolis darauf verständigt, vor Ablauf der Amtszeit von
US-Präsident George W. Bush im Januar 2009 ein Friedensabkommen
auszuhandeln. Die Verhandlungen werden jedoch durch diverse
Streitpunkte behindert, die unter anderem die israelischen Siedlungen
in den besetzten Gebieten, den künftigen Status von Jerusalem, die
Grenzziehung und die Flüchtlingsfrage betreffen.
Der frühere US-Präsident Jimmy Carter verteidigte sein
Vorhaben, den in der syrischen Hauptstadt Damaskus im Exil lebenden
Chef der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas,
Chaled Meschaal, treffen zu wollen. Gespräche mit den Führern
der Hamas seien wichtig, um sie beispielsweise davon zu
überzeugen, die Gewalt gegen israelische Zuvilisten einzustellen
und mit der Fatah von Palästinenserpräsident Abbas zu
kooperieren, sagte Carter dem US-Fernsehsender ABC. Die Regierungen
Israels und der USA hatten das Vorhaben des
Friedensnobelpreisträgers kritisiert.
Carter kam im Rahmen einer Studienreise am Sonntag in Israel an. Er
will außerdem ins Westjordanland, nach Ägypten, Syrien,
Saudi-Arabien und Jordanien reisen.
boa (Quellen: dpa, afp)
Generalinspekteur der Bundeswehr beunruhigt Lage in Nordafghanistan
Mo.14.04.08 - Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, hat laut
"Spiegel Online" in einer vertraulichen Sitzung vor einer
"beunruhigenden Entwicklung" in Nordafghanistan gewarnt. Allein in den
vergangenen vier Wochen seien dreimal Bundeswehrtruppen massiv
angegriffen worden, sagte Schneiderhan vor Verteidigungsexperten des
Bundestags, wie der Onlinedienst am Wochenende berichtete. Zudem seien
bei drei Attacken auf zivile Hilfsorganisationen sieben Afghanen
getötet worden. Angesichts der zunehmenden Gewalt sprach der
General von einer "neuen Herausforderung" für die Bundeswehr.
Nach Angaben eines NATO-Sprechers in Afghanistan war in der vergangenen
Woche vor einem Selbstmordanschlag auf eine Bundeswehrpatrouille nahe
Kundus eine weitere Streife der internationalen Schutztruppe ISAF mit
Raketenwerfern und Maschinenpistolen beschossen worden. "Spiegel Online"
zufolge handelte es sich dabei ebenfalls um einen
Bundeswehr-Spähtrupp. Ein gepanzertes Fahrzeug war der ISAF zufolge
dabei beschädigt worden.
Dem "Focus" sagte Schneiderhan: "Wenn ich die Anschläge dieses
Jahres allein im Norden sehe, ob auf uns oder auf Hilfsorganisationen,
gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass es weniger werden." Der
höchste Soldat der Bundeswehr wies zugleich Vorwürfe von
NATO-Partnern zurück, Deutschland drücke sich mit der
Beschränkung auf den Norden Afghanistans vor den gefährlichen
Regionen im Süden und Osten. "Das ist Stammtischniveau", sagte
Schneiderhan der neuen Ausgabe des Magazins.
Der Generalinspekteur kündigte an, er werde bei der Beratung
über das weitere Bundestagsmandat für den Afghanistan-Einsatz
dem Parlament eine Erhöhung der Obergrenze eingesetzter Soldaten
vorschlagen. "Wir bewegen uns in Afghanistan auf die Dauer mit unseren
zusätzlichen Aufgaben - örtliche Beratungsteams, Ausbildung
afghanischer Soldaten, Logistikschule in Kabul, Aufklärungstornados
- nahe an der derzeitigen Obergrenze von 3.500 Soldaten. Das nimmt mir
die Flexibilität, auf Lageverschärfungen schnell zu
reagieren", sagte der Generalinspekteur. Eine konkrete Zahl nannte er
nicht.
(Quelle: afp)
Acht Polizisten bei Kämpfen in Südafghanistan getötet
Mo.14.04.08 - Bei Angriffen von Rebellen in Südafghanistan sind acht Polizisten
ums Leben gekommen. Bei dem ersten Angriff hatten die Beamten den
Auftrag, ein Mohnfeld für den Opiumanbau zu zerstören, wie der
Polizeichef der Provinz Kandahar, Sajed Agha Sakib, am Sonntag
mitteilte. In der Nachbarprovinz Helmand wurde ein Polizeifahrzeug von
Taliban-Kämpfern überfallen.
(Quelle: ap)
Viele Tote im Bürgerkrieg von Sri Lanka
Mo.14.04.08 - Regierungstruppen und Rebellen in Sri Lanka haben sich am Wochenende
erbitterte Kämpfe im Norden der Insel geliefert. Allein am Samstag
kamen nach Angaben der Streitkräfte 73 tamilische Kämpfer ums
Leben. Nach Angaben der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) wurden
auch 30 Soldaten getötet.
Unterstützt von schwerer Artillerie seien die Truppen in das von
den Rebellen gehaltene Gebiet im Bezirk Mannar vorgestoßen, sagte
Brigadegeneral Udaya Nanayakkara. Es ist nicht möglich, die Angaben
beider Seiten zu überprüfen, da Journalisten nicht in das
Kampfgebiet gelassen werden. Beide Seiten neigen dazu, die Angaben
für gegnerische Verluste zu übertreiben und die eigenen zu
verschweigen. Die Regierung hat erklärt, sie wolle die Rebellen bis
Ende des Jahres militärisch bezwingen. Nach Einschätzung von
Diplomaten und anderen Beobachtern stößt die Offensive aber
auf stärkeren Widerstand als erwartet.
Die LTTE kämpft seit 1983 für einen eigenen Staat. Dabei
kamen mehr als 70.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
China: Tibet-Konflikt gefährdet Einheit des Landes
Mo.14.04.08 - Chinas Präsident hat im Tibet-Konflikt vor einer Spaltung des
Landes gewarnt: In dem Streit gehe es nicht um ethnische oder
religiöse Probleme oder gar Menschenrechte, sondern einzig um die
nationale Einheit, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am
Samstag Präsident Hu Jintao. Die Regierung sei offen für
Gespräche mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai
Lama. Voraussetzung sei aber, dass der dieser damit aufhöre, die
Volksrepublik zu spalten, Gewalt zu schüren und die Olympischen
Spiele zu verderben. Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel signalisierte
erneut ihre Unterstützung für den Dalai Lama: Sie werde
sicherlich wieder einmal mit dem Friedensnobelpreisträger
zusammentreffen, sagte Merkel in einem Zeitungsinterview.
Die Regierung in Peking wirft dem im Exil lebenden Dalai Lama vor,
Drahtzieher der jüngsten anti-chinesischen Proteste in der Region
zu sein und diese bewusst wenige Monate vor den Olympischen Spielen
angezettelt zu haben. Der Dalai Lama hat wiederholt betont, ihm gehe es
nicht um Unabhängigkeit, sondern um kulturelle Autonomie der
Tibeter. Er sprach sich am Freitag in einem Interview des
US-Fernsehsenders NBC erneut gegen einen Boykott der Olympischen Spiele
aus. Die Botschaft an China sei folgende: "Wir sind nicht gegen Euch.
Und ich will keine Abspaltung", sagte er.
Das Europäische Parlament forderte unlängst einen Boykott der
Eröffnungsfeier der Spiele in Peking, sollte China keinen Dialog
mit dem Dalai Lama aufnehmen. Das chinesische Außenministerium
wies dies am Wochenende zurück: die Abgeordneten hätten sich
auf unverschämte Weise in die inneren Angelegenheiten Chinas
eingemischt, die Gefühle der Chinesen sehr verletzt und die
Tatsachen durcheinandergebracht, sagte eine Sprecherin. In den
chinesischen Medien wurde am Sonntag zudem die Präsidentin des
US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi heftig angegriffen. Die
Chinesen hätten Recht damit, Pelosi als eine "Beschützerin
von Gangstern, Brandstiftern und Mördern" zu bezeichnen,
hieß es in einem Xinhua-Kommentar. Pelosi hatte eine Resolution
unterstützt, die zum Dialog mit dem Dalai Lama, einem Ende der
Gewalt gegen friedliche Demonstranten und der Repressionen in Tibet
aufrief.
Die chinesische Polizei verhaftete amtlichen Angaben zufolge neun
buddhistische Mönche, die ein Bombenattentat auf ein
Regierungsgebäude in Tibet verübt haben sollen. Die
tibetischen Mönche hätten den Anschlag gestanden, berichtete
Xinhua am Samstag. Der Bombenanschlag fand demzufolge bereits am 23.
März in Tibet statt. Ob dabei Menschen oder das Gebäude zu
Schaden kamen, blieb unklar.
Bundeskanzlerin Merkel gab dem Dalai Lama am Wochenende
Rückendeckung. Zwar werde sie bei dessen geplantem
Deutschlandbesuch im Mai in Lateinamerika sein. "Aber ich werde
sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt wieder einmal mit dem Dalai
Lama zusammentreffen", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung". Zugleich verteidigte Merkel den Empfang des
Friedensnobelpreisträgers im Kanzleramt im vergangenen September,
auf den China mit der Absage offizieller Termine und einer
vorübergehenden Eiszeit in den Beziehungen zu Deutschland reagiert
hatte. Deutschlands Forschungsministerin Annette Schavan (CDU)
kündigte in der "Bild am Sonntag" an, bei einem China-Besuch diese
Woche Menschenrechtsverletzungen offen anzusprechen "und deutlich zu
machen, dass das Vorgehen der chinesischen Führung in Tibet auf
keine Akzeptanz stößt".
(Quelle: rtr)
Dalai Lama bekräftigt Ziel der Autonomie für Tibet
Mo.14.04.08 - Die Tibeter halten nach den Worten des Dalai Lamas am Ziel einer
Autonomie fest. Zu weiteren Kompromissen seien sie in dieser Frage aber
nicht bereit, erklärte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am
Sonntag in den USA. Er wies dabei Vorwürfe Chinas zurück, er
strebe die Unabhängigkeit Tibets an und stehe hinter den
jüngsten Unruhen in seinem Heimatland. «Die ganze Welt
weiß, dass der Dalai Lama weder die Unabhängigkeit noch die
Loslösung (von China) anstrebt», erklärte er. Er
befürchte, dass China mit noch mehr Gewalt und Unterdrückung
gegen das tibetische Volk reagieren werde.
In einer Rede vor mehr als 50.000 Menschen in Seattle hatte der Dalai
Lama zuvor am Samstag dazu aufgerufen, das 21. Jahrhundert zu einem
Jahrhundert des Dialogs zu machen. Nach dem Blutvergießen im 20.
Jahrhundert habe die Welt die Verantwortung zur Umkehr, sagte das
geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten auf einer Konferenz
über das Mitleid (Seeds of Compassion) in Seattle.
«Das Konzept der Gewaltfreiheit ist nicht nur einfach die
Abwesenheit von Gewalt», sagte der Friedensnobelpreisträger
des Jahres 1989. «Gewaltfreiheit bedeutet, die Probleme
entschlossen und mit einer Vision anzugehen.»
Vor der Rede des Dalai Lama sagte der tibetische Mönch Lama Tenzin
Dhonden, dass Tibet lediglich die Selbstbestimmung anstrebe. «Die
Autonomie zu gewähren, wäre gut für Tibet und auch gut
für China», sagte der Mönch, auf den die Initiative zu
der Konferenz zurückgeht. Dies würde aber erfordern, dass
sich China zu einem ernsthaften Dialog verpflichte.
(Quelle: ap)
Totenzahl nach Explosion in iranischer Moschee gestiegen
Mo.14.04.08 - Einen Tag nach der Explosion in einer Moschee im Südiran ist die
Zahl der Toten Medienberichten zufolge auf mindestens zehn gestiegen.
Mehr als 160 Menschen seien zudem verletzt worden, berichtete der
staatliche Fernsehsender Press TV am Sonntag. Zunächst war noch von
einer Bombe die Rede gewesen. Ein Behördenvertreter wollte nun dem
Sender gegenüber aber nicht von einem Anschlag in der Stadt
Schiras sprechen. Wahrscheinlich sei die Detonation durch
Fahrlässigkeit ausgelöst worden, erklärte er.
Die Explosion hatte sich am Samstag während der Rede eines
Geistlichen ereignet. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nach Berichten
von Augenzeugen rund 800 Menschen in der Schohada-Moschee, die in einem
belebten Stadtviertel liegt. Die Behörden leiteten Ermittlungen
ein. Wegen der hohen Zahl an Verletzten wurden die Einwohner von Schiras
zu Blutspenden aufgerufen.
(Quelle: rtr)
Kommission zählt Wahlzettel in Simbabwe neu aus
Mo.14.04.08 - Die Wahlkommission in Simbabwe will einen Teil der bei der Parlaments-
und Präsidentschaftswahl Ende März abgegebenen Stimmen neu
auszählen.
"Die erneute Auszählung bezieht sich auf 23 Wahlkreise und nicht
auf die gesamte Abstimmung", sagte ein Kommissionsmitarbeiter am
Wochenende. Dies solle am nächsten Samstag geschehen. Die
staatliche Zeitung "Sunday Mail" hatte zuvor unter Berufung auf den
Leiter der Wahlkommission, Justice George Chiweshe, berichtet, dass die
Wahlzettel in Anwesenheit der Parteivertreter, Kandidaten und Beobachter
erneut geprüft würden.
Für die Wahl vom 29. März liegt noch immer kein offizielles
Ergebnis vor. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai von der Bewegung
für Demokratischen Wandel (MDC) reklamiert den Sieg bei der
Präsidentenwahl für sich. Seine Partei kämpft derzeit vor
Gericht für eine sofortige Veröffentlichung des
Abstimmungsergebnisses. Die Opposition befürchtet eine
Fälschung des Resultats. Sie lehnt eine Neuauszählung der
Stimmen ab.
Die Partei von Simbabwes Präsident Robert Mugabe, Zanu-PF, hat bei
der Parlamentswahl dem offiziellen Ergebnis zufolge erstmals seit der
Unabhängigkeit vor knapp 30 Jahren die Mehrheit verloren. Auch in
der Präsidentenwahl liegt Mugabe nach inoffiziellen Berechnungen
der Parteien und unabhängiger Wahlbeobachter hinter Oppositionschef
Tsvangirai zurück, könnte aber den Einzug in eine Stichwahl
geschafft haben.
Die Nachbarstaaten von Simbabwe waren am Samstag wegen des Streits um
die Präsidentenwahl in dem afrikanischen Land zu einem
Gipfeltreffen zusammengekommen. Eine Abschlusserklärung wurde
bislang nicht veröffentlicht. mit
(Quelle: rtr)
IWF: Ärmere Länder bald mit größerem
Mitspracherecht
Mo.14.04.08 - Ein größeres Mitspracherecht von ärmeren Staaten und
Schwellenländern beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ist
einen wichtigen Schritt näher gerückt.
Der Lenkungsausschuss der Finanzinstitution habe einer entsprechenden
Reform am Samstag (Ortszeit) ihre volle Zustimmung erteilt, sagte der
Vorsitzende des Gremiums, der italienische Finanzminister Tommaso
Padoa-Schioppa. In dem Ausschuss vertreten 24 Finanzminister alle 185
Mitgliedsstaaten der Organisation. Ende März hatte sich bereits der
Exekutivrat des Weltwährungsfonds für das Vorhaben
ausgesprochen, durch das ein Teil der Stimmrechte von den
Industrienationen hin zu ärmeren Ländern oder aufstrebenden
Staaten wie Brasilien verlagert wird.
Die IWF-Mitglieder müssen den Vorschlag nun noch bis zum 28. April
mit einer Stimmenmehrheit von 85 Prozent absegnen. IWF-Direktor
Dominique Strauss-Kahn zeigte sich zuversichtlich nach der Zustimmung
der Minister vom Samstag: «Es gibt nur eine sehr kleine Chance,
dass wir die 85 Prozent nicht erreichen», sagte er.
Noch bei der vergangenen Herbsttagung von IWF und Weltbank hatte sich
der Streit zwischen Boomländern wie Brasilien und Industriestaaten
über die Neuordnung der Stimmengewichte verschärft.
Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte damals
erklärt, dass einige Schwellenländer auf sehr deutliche
Veränderungen pochten.
(Quelle: dpa)
Weltbank fordert Sofortmaßnahmen gegen steigende Preise --
Menschen in ärmeren Ländern drohen in noch größere
Armut zu stürzen -- Frühjahrstagung von IWF und Weltbank
beendet
Mo.14.04.08 - Die Weltbank hat ein rasches und entschlossenes internationales
Vorgehen gegen die steigenden Lebensmittelpreise gefordert, die schon
in mehreren Ländern zu blutigen Unruhen geführt haben.
Weltbank-Präsident Robert Zoellick sprach sich dafür aus,
Hunger und Unterernährung mit einer globalen
Nahrungsmittelmittelpolitik zu bekämpfen. «Unser Geld muss
dahin, wo unser Mund ist», erklärte Zoellick am Sonntag zum
Abschluss der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington.
Er rief die Regierungen in aller Welt auf, dem
UN-Ernährungsprogramm (WFP) bis 1. Mai dringend benötigte 500
Millionen Dollar (315 Millionen Euro) für Notfallhilfen zur
Verfügung zu stellen. Der Sturz der Regierung in Haiti nach
Protesten gegen gestiegene Lebensmittelpreise habe gezeigt, wie wichtig
ein entschlossenes Handeln sei, sagte Zoellick. Die Weltbank habe Haiti
weitere zehn Millionen Dollar für Lebensmittelhilfen zugesagt,
andere sollten diesem Schritt folgen.
Zoellick erklärte, es gebe auch für andere Länder
Programme, um ihnen mit Lebensmitteln oder Saatgut für die
nächste Ernte zu helfen. Die steigenden Preise drohten viele
Menschen in ärmeren Ländern in noch größere Armut
zu stürzen.
Schon zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank hatten
sich beide Weltfinanzorganisationen besorgt über die weltweit
steigenden Nahrungsmittelpreise geäußert. Dabei wächst
die Kritik an der verstärkten Produktion von Biosprit, die zu
Lasten des Getreideanbaus geht.
«Während sich manche Sorgen machen, wie sie ihren Benzintank
füllen, kämpfen viele andere darum, wie sie ihren Magen
füllen können», sagte Zoellick vor Beginn der Konferenz
am Sonntag. «Und das wird von Tag zu Tag schwieriger.» Die
Ärmsten seien von den steigenden Preisen am stärksten
betroffen, da sie bisher schon bis zu 75 Prozent ihres Einkommens
für Lebensmittel ausgeben müssten.
Der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique
Strauss-Kahn, mahnte, die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise
verschärften die Gefahr von Hungerkrisen in vielen
Entwicklungsländern - wie die jüngsten Unruhen in Haiti,
Ägypten und Bangladesch bereits zeigen. «Hunderttausende
Menschen werden darben, und Kinder werden ihr Leben lang unter
Mangelernährung leiden», sagte Strauss-Kahn.
(Quelle: ap)
18 somalische Flüchtlinge vor Küste des Jemen ertrunken
Mo.14.04.08 - Vor der Küste des Jemen sind nach Regierungsangaben vom Sonntag 18
somalische Flüchtlinge ertrunken.
Die Besatzung ihres Schiffs habe die insgesamt 120 Somalier gezwungen,
ins Meer zu springen und an Land zu schwimmen, erklärten die
jemenitischen Behörden. Einige der Flüchtlinge seien von der
jemenitischen Küstenwache gerettet worden, andere hätten
selbst das Ufer erreicht. Die 102 Überlebenden seien in
Flüchtlingslager gebracht worden.
In Somalia leiden nach Angaben von Hilfsorganisationen Hunderttausende
Menschen an den Folgen von Krieg, Dürre und Lebensmittelknappheit.
Oxfam appellierte unlängst an die Weltgemeinschaft, die
katastrophale Lage der Somalier nicht zu vergessen. Auf dem Weg in
wohlhabendere Regionen Afrikas und Europas versuchen zahlreiche
Migranten, den Jemen zu erreichen.
(Quelle: rtr)
OECD-Generalsekretär stützt Entwicklungsministerin
Wieczorek-Zeul im Etat-Streit
Mo.14.04.08 - Im Streit um den Bundesetat 2009 hat sich der OECD-Generalsekretär
Angel Gurria hinter Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
(SPD) gestellt. Er forderte die Bundesregierung im "Handelsblatt" auf,
ihre Zusagen zur Erhöhung der Entwicklungshilfe einzuhalten. "Der
Einfluss der Entwicklungshilfeausgaben auf einen ausgeglichenen
Haushalt ist wirklich marginal", sagte Gurria. "Man darf keine
Entschuldigung suchen, weniger Geld für die Ärmsten und
Bedürftigsten dieser Welt zu zahlen. Ich ermutige Deutschland,
seine Zusagen zu erfüllen", sagte der Generalsekretär.
Schließlich habe dies nicht nur humanitäre, sondern auch
klare außenpolitische Aspekte. "Großzügigkeit ist
nicht billig, aber bezahlbar", sagte Gurria weiter.
Deutschland sei zudem wegen seiner verantwortlichen Haushaltspolitik
besser in der Lage, die zugesagten Ziele bei der so genannten
Entwicklungshilfe-Quote (ODA) auch zu erreichen. Diese bestimmt das
Verhältnis der Hilfsleistungen zum Bruttoinlandsprodukt. Sogar
Länder mit größeren Problem versuchten dies.
(Quelle: afp)
Regierung und Bundesbank halten Konjunktur für robust
Mo.14.04.08 - Bundesregierung und Bundesbank sehen noch keine gravierenden
Auswirkungen der Finanzkrise für das deutsche Wirtschaftswachstum:
"Durch die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen ist die
Konjunktur in Deutschland so robust, dass ich keinen Grund für
Krisenangst sehe", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung". Finanzminister Peer Steinbrück und
der Chef der fünf Wirtschaftsweisen, Bert Rürup,
erklärten das von der Regierung erwartete Wachstum von 1,7 Prozent
in diesem Jahr für erreichbar. Nach Einschätzung von
Bundesbankpräsident Axel Weber wird die Wachstumsentwicklung im
ersten Quartal gut und auch im Gesamtjahr "nicht schlecht" ausfallen.
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute stellen am Donnerstag
ihre gemeinsame Wachstumsprognose für 2008 und 2009 vor. Die
meisten von ihnen haben ihre individuellen Vorhersagen inzwischen
zurückgenommen.
Steinbrück sagte am Wochenende in Washington, Deutschland und
Europa könnten die globale Finanzkrise relativ glimpflich
überstehen. Die ausgewogene außenwirtschaftliche Position
sowie die vergleichsweise niedrigen Haushaltsdefizite versetzten Europa
in eine "relativ gute Position", dem weltwirtschaftlichen Gegenwind
standzuhalten. In Deutschland stehe der Aufschwung mittlerweile auf
einer breiten Basis. Die grundlegende Dynamik halte an. Allerdings
drohten auch Gefahren wie etwa die schwächere Weltwirtschaft und
der kräftige Ölpreisanstieg. Dem stünden volle
Auftragsbücher, eine hohe Kapazitätsauslastung und lebhafte
Investitionen gegenüber. Von der niedrigeren Arbeitslosigkeit und
höheren Löhnen erhofft sich der Minister eine Stimulierung
des privaten Konsums in Deutschland.
Gerade darauf könne man allerdings wegen der hohen Inflation nicht
bauen, warnte der Wirtschaftsweise Rürup. "Das Kalkül, dass
der private Verbrauch zu einer kräftigeren Stütze des
Wachstums in diesem Jahr wird, wird wohl nicht aufgehen", sagte er dem
"Tagesspiegel". Die Teuerung zehre die Lohnsteigerungen auf, ihre reale
Kaufkraft stagniere womöglich nur.
Dennoch rechnet auch Rürup damit, dass die Regierungsprognose
erreichbar bleibt. "In diesem Jahr, das kann man wohl sagen, wird das
Wachstum bei etwa 1,7 Prozent landen", sagte der Vorsitzende des
Sachverständigenrates der Bundesregierung. Grund seien der Schub
aus dem vergangenen Jahr und das starke erste Quartal 2008.
Steinbrück sagte in Washington, er kenne derzeit keine
überzeugende Expertenmeinung, die ihn zu einer deutlicheren
Revision veranlassen würde. Zur jüngsten Schätzung des
IWF, der für Deutschland nur noch 1,4 Prozent in diesem und ein
Prozent Wachstum im nächsten Jahr erwartet, sagte der Minister
unter Hinweis auf den Arbeitsmarkt und andere volkswirtschaftliche
Komponenten: "Unsere Fundamentaldaten sprechen eine andere Sprache".
(Quelle: rtr)
Wirtschaftsflügel der Union will Rentenerhöhung noch
verhindern -- Aufhebung des Fraktionszwangs gefordert -
Unterstützung von Arbeitgeberpräsident Hundt
Mo.14.04.08 - Der Wirtschaftsflügel der Union will die von der Bundesregierung
beschlossene Rentenerhöhung noch verhindern und appelliert an die
Führungen von CDU/CSU und SPD, bei der Abstimmung im Bundestag den
Fraktionszwang aufzuheben. Die Rentenerhöhung würde das
soziale Gleichgewicht in Deutschland stören, sagte der Vorsitzende
der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, laut «Bild
am Sonntag». Bei einer so zentralen Frage müssten die
Abgeordneten das Recht haben, nach ihrem Gewissen zu entscheiden.
Auch der Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, Kurt Lauk,
forderte die Aufhebung des Fraktionszwangs: Die Abgeordneten
müssten «in dieser fundamentalen Kursänderung nur und
ausschließlich nach ihrem Gewissen» entscheiden können.
«Mit den Beschlüssen zur Rentenreform am Beginn der
Großen Koalition waren wir auf einem guten Weg. Jetzt ist es ein
ordnungspolitischer Sündenfall, diesen Kurs zu verlassen»,
wird Lauk zitiert.
Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU),
warnte der Zeitung zufolge, die Rentenerhöhung sei «ungerecht
gegenüber der jüngeren Generation, die immer stärkere
Lasten schultern muss. Die Jungen zahlen viel in die gesetzliche
Rentenkasse ein und werden nur wenig herausbekommen». In der
Unionsfraktion gebe es einige «die mit dem Beschluss
Bauchschmerzen haben».
Unterstützung kommt von den Wirtschaftsverbänden.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warf der Bundesregierung laut der
Zeitung vor, sich auf einen Irrweg zu begeben: «Sie spendiert zig
Milliarden für zusätzliche Sozialausgaben, zuletzt das
Wahlgeschenk für die Rentner. Die Zeche zahlen die Wirtschaft, die
Arbeitnehmer, die Jungen. Das kostet Arbeitsplätze und
Zukunftschancen.»
Hundt sprach dem Bericht zufolge von einem «Rentenbetrug zu
Lasten der Beitragszahler», der im Bundestag gestoppt werden
müsse. Die Regierung müsse zugunsten von Investitionen und
Bildung umschichten.
Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms (FDP) sagte laut der
Zeitung, er sei sich sicher, dass viele Rentner zugunsten ihrer Kinder
und Enkel «auf dieses Wahlgeschenk von Union und SPD
verzichten» würden. Die jüngeren Abgeordneten sollten
für die Interessen ihrer Generation und deren Kinder eintreten und
die Rentenerhöhung ablehnen, forderte Solms.
(Quelle: ap)
Verdi will gegen Arbeitsbedingungen in Call Centern vorgehen
Mo.14.04.08 - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will gegen die schlechten
Arbeitsbedingungen in Call Centern vorgehen. Die Arbeit sei hart, das
Gehaltsniveau niedrig und Interessenvertretung bislang Mangelware,
erklärte Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder in Berlin.
"In den Call Centern müssen endlich vernünftige Arbeits- und
Entlohnungsbedingungen Einzug halten." Die Gewerkschaft startete am
Wochenende eine Kampagne, mit der bundesweit zunächst rund 10.000
Beschäftigte erreicht werden sollten.
Vorrangiges Ziel sei die Verbesserung der Arbeitsbedingungen.
Gleichzeitig müssten Mitbestimmungsstrukturen geschaffen und die
Rolle der Betriebsräte gestärkt werden, erklärte
Schröder. Auch wolle Verdi gemeinsam mit den Beschäftigten den
Anspruch auf eine angemessene Bezahlung durchsetzen. Pate der
Verdi-Kampagne ist der Journalist und Autor Günter Wallraff, der
verdeckte Recherchen über die Arbeitssituation in Call Centern
unternommen hatte.
(Quelle: afp)
Linkspartei will Passagen des Kommunistischen Manifests übernehmen
Mo.14.04.08 - Linksparteichef Oskar Lafontaine will Passagen aus dem Kommunistischen
Manifest in das künftige Parteiprogramm der Linken aufnehmen.
«Die Sätze des Kommunistischen Manifestes sind doch
hochaktuell», sagte Lafontaine der «Welt»
(Montagausgabe). Zum Beispiel will er aus der Kampfschrift die
Textstelle übernehmen, wonach die Bourgeoisie und das Kapital
«die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst
und an die Stelle der zahllosen verbrieften und wohl erworbenen
Freiheiten die 'eine' gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt» haben.
Aufnehmen will Lafontaine auch die Passage, wonach «an die Stelle
der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten
Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre
Ausbeutung gesetzt» wurde.
Lafontaines Ankündigung dürfte auf dem Bundesparteitag der
Linken Ende Mai in Cottbus für Diskussionen mit den ehemaligen
Mitgliedern der Wahlalternative WASG sorgen. WASG und PDS hatten sich
am 16. Juni 2007 zur Linkspartei zusammengeschlossen.
Das Kommunistische Manifest von 1848 ist eine Art Gründungsurkunde
des modernen Kommunismus. Es wurde von Karl Marx und Friedrich Engels
in London verfasst.
(Quelle: ap)
Siemens-Affäre: Ex-Chef von Pierer in Bedrängnis
Mo.14.04.08 - In der Schmiergeldaffäre bei Siemens gerät die frühere
Konzernspitze in Bedrängnis. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende
und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und weitere Topmanager sollen
nach Medienberichten frühzeitig von schwarzen Kassen gewusst haben.
Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (Montag)
will sich der Siemens-Aufsichtsrat Ende April über
Schadenersatzforderungen gegen ehemalige Vorstände beraten. Auf
Pierer und ehemalige Kollegen von ihm könnten Klagen in
Millionenhöhe zukommen. Der bei Siemens für
Korruptionsbekämpfung und Rechtsfragen zuständige
Vorstandsmitglied Peter Solmssen sagte dem «Tagesspiegel»
(Montag) auf die Frage, ob der ehemaligen Konzernspitze straf- oder
zivilrechtliche Schritte drohten: «Wo es
Schadenersatzansprüche geben könnte, werden wir sie
konsequent verfolgen.»
Zur Person des langjährigen Vorstandsvorsitzenden von Pierer
wollte sich Solmssen nicht konkret äußern, stellte aber
klar: «Wir werden die Interessen von Siemens ohne Ansehen der
Person wahren.» Zwei Wochen vor der nächsten
Aufsichtsratssitzung bei Siemens, die Klarheit über das
Ausmaß der Affäre bringen soll, belasten nach Information
der «SZ» und des «Spiegels» neue Erkenntnisse
den alten Vorstand. Der ehemalige Justiziar und
Anti-Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Albrecht Schäfer, soll
Pierer und mehrere seiner Kollegen frühzeitig auf schwarze Kassen
hingewiesen haben. Am 3. Mai 2004 notierte Schäfer intern, ein
Mailänder Gericht habe wegen eines Schmiergeldfalles in der
Kraftwerkssparte angeordnet, Siemens von öffentlichen
Aufträgen auszuschließen, so die «SZ».
Auch der «Spiegel» bezieht sich auf den Vermerk. Darin
heiße es, «insbesondere die ... Existenz schwarzer Kassen
bei Siemens zeigt, dass die von Siemens praktizierte Aufsicht
völlig ineffizient war und das Unternehmen Schmiergeldzahlungen
zumindest als mögliche Unternehmensstrategie ansah». Der
Vermerk führe im Verteiler nach der Formulierung «zur
Kenntnis» auch den Namen Pierer sowie weitere Vorstände auf.
Bei der Münchner Staatsanwaltschaft hat Schäfer laut
«SZ» überdies als Zeuge ausgesagt, er habe die
Konzernspitze bereits Ende 2003 über Erkenntnisse der
Mailänder Justiz informiert.
Pierers Anwalt antwortete laut «SZ», es sei Schäfers
Aufgabe gewesen, für die Einhaltung der Regeln zu sorgen.
Schäfer habe seine Aufgaben erfüllt. Es habe davon
ausgegangen werden können, dass es sich um einen einzelnen Vorgang
handele. Die Staatsanwaltschaft hält Pierer für schuldlos.
In dem Siemens-Skandal geht es nach derzeitigem Stand um rund 1,3
Milliarden Euro an dubiosen Zahlungen, die vermutlich
größtenteils als Schmiergeld im Ausland eingesetzt wurden.
Ein Sprecher der Münchner Anklagebehörde sagte der Deutschen
Presse-Agentur dpa am Samstag, die Staatsanwaltschaft mache keine
Angaben über Zeugenaussagen in dem Ermittlungskomplex und
äußere sich nicht zu entsprechenden Medienberichten. Pierer
hat wiederholt bestritten, von Schmiergeldsystemen bei Siemens gewusst
zu haben. Ein Siemens- Sprecher sagte am Samstag der dpa zu den
Schmiergelduntersuchungen, das Unternehmen kommentiere laufende
Ermittlungen nicht, unterstütze aber wie bekannt die Behörden
bei ihren Untersuchungen.
Die Affäre ist für Siemens deshalb so brisant, da sich wegen
der US-Börsennotierung die besonders scharf durchgreifende US-
Börsenaufsicht (SEC) eingeschaltet hat, wobei die Gefahr hoher
Strafgelder droht. Solmssen rechnet nicht mit einem schnellen Ende der
Ermittlungen der SEC. «Das kann noch lange dauern», sagte
er dem «Tagesspiegel». Er zeigte sich aber zuversichtlich,
was den Ausgang des Verfahrens angeht. «Mein Gefühl ist,
dass unser Vorgehen auch bei der SEC gut ankommt», sagte der
US-Manager, der vor einem halben Jahr in den Vorstand einzog.
Um die SEC zu besänftigen, ist ein Großteil der alten
Siemens- Führungsriege gegangen. Die amerikanische Anwaltskanzlei
Debevoise & Plimpton, die Siemens selbst zur Untersuchung der
Affäre im eigenen Haus beauftragt hat, sollen laut
«Spiegel» und «SZ» für die
Aufsichtsratssitzung Ende April einen Bericht ausarbeiten. Nach Angaben
von Siemens-Aufsichtsrat Heinz Hawreliuk von der IG Metall soll dann
weiter über Schadensersatzklagen beraten werden. «Wir haben
im Prüfungsausschuss wiederholt die Frage des Schadensersatzes
thematisiert, auch im Hinblick auf Vorstandsmitglieder».
Die gerichtliche Aufarbeitung der Siemens-Schmiergeldaffäre
beginnt Ende Mai mit dem Untreue-Prozess gegen einen ersten,
geständigen Beschuldigten. Auch Ex-Chef von Pierer soll als Zeuge
aussagen.
(Quelle: dpa)
Studienstiftung des Deutschen Volkes senkt Zugangsvoraussetzungen
Mo.14.04.08 - Die Studienstiftung des Deutschen Volkes, das größte und
älteste Begabtenförderungswerk der Bundesrepublik, hat jetzt
ihre Aufnahmehürden gesenkt. Ihr Präsident, der Bremer
Hirnforscher Gerhard Roth, sagte der «Welt am Sonntag»:
«Wer bislang bei der Auswahl von 30 möglichen Punkten nicht
mindestens 23 erreichte, wurde nicht aufgenommen Jetzt haben wir die
Grenze auf 21 Punkte gesenkt.» Damit solle die Hochbegabtenreserve
von schätzungsweise einem Prozent der Gesamtbevölkerung
besser als bisher ausgeschöpft werden.
Außerdem soll es künftig möglich sein, sich selber um
ein Stipendium bei der Studienstiftung zu bewerben. Roth betonte:
«In Massenfächern wie Medizin oder Jura ist es
äußerst schwer, positiv aufzufallen und vorgeschlagen zu
werden. Deshalb wollen wir eine gefilterte Selbstbewerbung
einführen.»
Roth bedauerte auch «die vergleichsweise geringe Anzahl von
Studierenden der Technikwissenschaften in der Studienstiftung». Er
begründet dies damit, dass die vorschlagsberechtigten Schulen
«immer noch relativ technikfeindlich sind».
(Quelle: ddp)