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Irak am 1484sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Kämpfe in Bagdader Armenviertel wieder aufgeflammt.
Entführter britischer Journalist im Irak befreit. US-Armee
entdeckt Massengrab mit 30 Leichen
Di.15.04.08 - Nach einem Tag relativer Ruhe sind im Bagdader Armenviertel Sadr-City
die Kämpfe zwischen der Mehdi-Miliz sowie irakischen und
US-Truppen wieder aufgeflammt.
Anwohner berichteten am Montag, die Schießereien hätten nach
Mitternacht an Heftigkeit zugenommen und etwa eine Stunde gedauert. Bis
in den Montagmorgen hinein seien US-Flugzeuge im Einsatz gewesen. Ein
Krankenhaus meldete die Einlieferung von sieben Verletzten. Sadr-City
mit seinen mehr als zwei Millionen Einwohnern ist Hochburg der
Mehdi-Miliz des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr und nach
dessen ermordeten Vater benannt.
Die Kämpfe hatten Ende März in der südirakischen Stadt
Basra mit dem Versuch der Regierung begonnen, den Einfluss der Miliz
einzudämmen. Die Auseinandersetzungen hatten danach auf die
Hauptstadt Bagdad übergegriffen. Die Wiederzunahme der Gewalt hat
den Irak auch wieder zum Thema im US-Wahlkampf gemacht.
Im Zentrum Bagdads kamen am Montagmorgen bei einer Explosion fünf
Menschen ums Leben. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden neun
Personen verletzt.
Nach zwei Monaten Geiselhaft im Irak ist am Montag ein britischer
Journalist aus den Händen seiner Entführer befreit worden.
Richard Butler wurde mit einem Sack über dem Kopf und gefesselten
Händen von irakischen Soldaten in einem Haus in Basra gefunden,
wie Generalleutnant Mohan al Firedschi erklärte. Butler gehe es
gut.
Butler arbeitet für den US-Fernsehsender CBS. Er wurde gemeinsam
mit einem irakischen Dolmetscher am 10. Februar in Basra entführt.
Augenzeugen und die Polizei erklärten, acht maskierte Männer
hätten bewaffnet mit Maschinengewehren ein Hotel gestürmt und
die beiden verschleppt. Der Dolmetscher kam später frei. Die
irakischen Truppen haben in den vergangenen Tagen auf der Suche nach
Waffen, Sprengstoff und Drogen zahlreiche Häuser in Basra
durchsucht.
US-Soldaten haben im Norden der irakischen Hauptstadt Bagdad ein
Massengrab mit etwa 30 Leichen entdeckt. Die sterblichen Überreste
seien am Sonntag nahe der Stadt Muktadija in der Provinz Dijala gefunden
worden, teilte das US-Militär mit. Demnach wurden die Toten vor
fast acht Monaten begraben. "Die Koalitionstruppen konnten nicht
feststellen, ob die Opfer zum Todeszeitpunkt gefoltert wurden",
hieß es in der Erklärung der US-Armee.
Im Irak werden häufig Massengräber gefunden, viele der dort
verscharrten Menschen wurden Opfer der religiös motivierten Gewalt,
durch die in den vergangenen Jahren Zehntausende Iraker getötet
wurden. Am Donnerstag war südlich von Bagdad ein Grab mit 40
Leichen entdeckt worden.
boa (Quellen: afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 15.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Simbabwe muss weiter auf Wahlergebnis warten
Di.15.04.08 - Im Streit um das Ergebnis der Präsidentenwahl hat Simbabwes
Opposition einen schweren Rückschlag erlitten.
Das Oberste Gericht des südafrikanischen Landes lehnte es am
Montag ab, die sofortige Bekanntgabe der seit mehr als zwei Wochen
ausstehenden Zahlen anzuordnen. Die Opposition beansprucht den Sieg
für ihren Spitzenkandidaten Morgan Tsvangirai und hat die
Regierung von Präsident Robert Mugabe im Verdacht, den Aufschub
für Wahlfälschungen zu nutzen.
Die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC)
äußerte sich zutiefst enttäuscht über die
Entscheidung. Die Partei werde mit ihren Anwälten eine Berufung
gegen das Urteil prüfen, sagte Sprecher Nelson Chamisa. "Aus
unserer Sicht, ist die Veröffentlichung dieses Ergebnisses sehr,
sehr dringend."
Das Oberste Gericht begründete seine Entscheidung zunächst
nicht. Richter Tendai Uchena teilte lediglich mit, der Antrag sei
abgewiesen worden und die Klägerin habe die Kosten des Verfahrens
zu tragen. Das vollständige Urteil soll demnach am Dienstag
veröffentlicht werden. Die Wahlkommission hatte geltend gemacht,
die Auszählung und Prüfung von Stimmzetteln sei noch nicht
abgeschlossen.
Mit dem Urteil zerschlagen sich Hoffnungen auf eine friedliche
Lösung des Konflikts. Ab Dienstag hat die MDC zu einem
unbefristeten Generalstreik aufgerufen. Es wäre die erste
Massenaktion seit der Wahl am 29. März.
Am Wochenende war ein Krisengipfel der Südafrikanischen
Entwicklungsgemeinschaft (SADC) ohne greifbare Ergebnisse zu Ende
gegangen. Die Nachbarstaaten mahnten zwar eine schnelle
Veröffentlichung des Wahlergebnisses an, unterstützten aber
Mugabes Erklärung, es gebe keine Krise in Simbabwe.
Nach Angaben der MDC hat Tsvangirai die Präsidentenwahl im ersten
Durchgang mit einer absoluten Mehrheit gewonnen. Auch Mugabes Partei
Zanu-PF sieht parteiinternen Hochrechnungen zufolge Tsvangirai vor
Mugabe. Das Ergebnis des langjährigen Machthabers reicht demnach
aber für eine Stichwahl. Bei der Parlamentswahl hat die Zanu-PF
auch nach offiziellen Angaben erstmals seit der Unabhängigkeit vor
28 Jahren die Mehrheit verloren.
(Quelle: rtr)
China und Taiwan nehmen offiziellen Dialog wieder auf
Di.15.04.08 - Nach fast einem Jahrzehnt Pause haben China und Taiwan die
Wiederaufnahme des politischen Dialogs vereinbart.
Dies teilte Taiwans neu gewählter Vize-Präsident Vincent Siew
am Montag nach seiner Rückkehr aus der Volksrepublik mit. Die
offiziellen Gespräche zwischen beiden Seiten waren seit 1999
eingefroren. "Es gibt hier viel Eis, daher wollen wir nicht alles auf
einmal abschmelzen und es in eine Flut verwandeln", sagte Siew. Jetzt
sei Zeit und Willenstärke erforderlich, um gegenseitiges Vertrauen
aufzubauen.
Mit dem Sieg der oppositionellen Nationalistischen Partei bei den
taiwanischen Wahlen im vergangenen Monat haben sich die Beziehungen zu
China entspannt. Seit dem Bürgerkrieg 1949 betrachtet China das
autonom regierte Taiwan als Teil der Volksrepublik und hat wiederholt
angekündigt, notfalls mit Gewalt die Insel wieder einzugliedern.
Während der Regierungszeit des scheidenden Präsidenten Chen
Shui Bian verschlechterte sich das Verhältnis, da dessen
Demokratische Fortschrittspartei für eine formelle
Unabhängigkeit von China eintritt.
(Quelle: rtr)
Zwei britische ISAF-Soldaten im Süden Afghanistans getötet
Di.15.04.08 - Zwei britische Soldaten sind im Süden Afghanistans bei einer
Explosion ums Leben gekommen. Zwei weitere Soldaten wurden nach Angaben
der Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) vom Montag verletzt. Das
Verteidigungsministerium in London teilte mit, das Fahrzeug der
Soldaten sei am Sonntag in der Provinz Kandahar auf einen Sprengsatz
gefahren.
Bei einem Angriff von Taliban-Kämpfern auf einen Kontrollposten
nördlich der Stadt Kandahar wurden am Montag elf Polizisten
getötet und ein weiterer schwer verletzt. Die Aufständischen
hätten kurz nach Mitternacht auf die schlafenden Beamten
geschossen, erklärte der stellvertretende Polizeichef der Provinz
Kandahar, Amanullah Chan. Im vergangenen Jahr wurden in Afghanistan
mehr als 925 Polizisten bei Angriffen getötet. Polizisten machten
damit mehr als zehn Prozent der von den UN im Zusammenhang mit dem
Aufstand registrierten 8.000 Todesopfern aus. Sie sind schlechter
ausgebildet und bewaffnet als afghanische oder NATO-Soldaten,
außerdem arbeiten sie in kleineren Gruppen.
(Quelle: ap)
Hunderttausende Afghanen auf Lebensmittelhilfe angewiesen
Di.15.04.08 - Angesichts stark gestiegener Preise für Mehl verteilt das
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in Afghanistan
zehntausende Tonnen Grundnahrungsmittel. In den vergangenen fünf
Wochen seien rund 30.000 Tonnen Weizen, Hülsenfrüchte,
Pflanzenöl und Salz ausgegeben worden, sagte WFP-Landesdirektor
Rick Corsino am Montag. Weitere 58.000 Tonnen sollen bis zum Sommer
folgen.
Das Hilfsprogramm konzentriere sich auf besonders Bedürftige,
beispielsweise alleinerziehende Frauen, Behinderte oder
Großfamilien mit nur einem Einkommen, sagte Corsino. Bislang
seien etwa 400.000 Menschen versorgt worden. Für die
Unterstützung der insgesamt mehr als 2,5 Millionen
Bedürftigen benötigt das WFP nach eigenen Angaben 78
Millionen Dollar (49 Millionen Euro). Der Preis für Weizenmehl ist
in Afghanistan im Laufe des vergangenen Jahres um 60 Prozent gestiegen.
(Quelle: ap)
In Bangladesch droht eine Hungerkrise -- Preise für
Grundnahrungsmittel steigen unaufhörlich -- Anstehen für
Reis ist wichtiger als die Schule
Di.15.04.08 - Für Mohammad Hasan gibt es Dinge, die wichtiger sind als der
Schulbesuch. Reis zum Beispiel. «Zuerst mal muss ich essen, dann
kommt die Schule», sagt der 13-Jährige, während er mit
hunderten anderen Menschen in einer scheinbar endlosen Schlange wartet,
um an subventionierten Reis zu kommen. Rund 150 Millionen Menschen leben
in Bangladesch - etwa 30 Millionen von ihnen, so schätzen
Experten, könnten bald zu Hungerleidenden werden.
Weltweit steigen die Lebensmittelpreise unaufhörlich. Die
Ärmsten der Armen trifft es wie immer am härtesten. Dazu
gehören die Menschen in Bangladesch. Ohnehin sind schon viele
landwirtschaftliche Flächen der Industrialisierung und einer
ständig wachsenden Bevölkerungszahl zum Opfer gefallen. Hinzu
kommen schwere Überschwemmungen. Im November vernichtete ein
verheerender Zyklon rund drei Millionen Tonnen Getreide, Millionen
wurden obdachlos.
Der Preis für das Hauptnahrungsmittel Reis ist im Laufe des
vergangenen Jahres um 30 Prozent gestiegen - und das in einem Land, in
dem fast die Hälfte der Bevölkerung mit weniger als einem
Dollar pro Tag auskommen muss.
Die Übergangsregierung, die seit Januar 2007 im Amt ist, hat mehr
als 6.000 Verteilzentren eingerichtet, in denen verbilligter Reis
ausgegeben wird. Die Bedürftigen zahlen hier nur rund die
Hälfte des Marktpreises.
Aber das allein reicht nicht aus, wie der Wirtschaftswissenschaftler
Qazi Kholiquzzaman Ahmad sagt. Die Regierung habe es versäumt, nach
den Naturkatastrophen des vergangenen Jahres einen ausreichenden
Lebensmittelvorrat aufzubauen. Das müsse sie jetzt
unverzüglich nachholen, sonst werde sich die Situation weiter
verschärfen.
Indien hat angekündigt, dem Nachbarland 400.000 Tonnen Reis zu
stark verbilligten Preisen zu liefern. Doch bis es soweit ist, kann es
noch Wochen dauern. Und es ist fraglich, ob die Engpässe damit
wirklich überbrückt werden können.
Die Reisknappheit ist in Bangladesch auch zu einem politischen
Unsicherheitsfaktor geworden. Die Opposition hat bereits mit
Massendemonstrationen gedroht, wenn es der Regierung nicht gelingt, den
Anstieg der Lebensmittelpreise zu bremsen. Die wachsende Unzufriedenheit
der Bevölkerung bedroht die ohnehin schon prekäre politische
Balance.
Bangladesch ist bei weitem nicht das einzige Land in einer solchen
Situation. In mehreren afrikanischen Ländern - Burkina Faso,
Mauretanien, Mosambik und Senegal - sind verzweifelte Menschen schon auf
die Straße gegangen, um gegen die steigenden Preise zu
demonstrieren. In Haiti setzte das Parlament nach tagelangen Unruhen am
Wochenende den Ministerpräsidenten ab. Das
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) erwartet, dass
in diesem Jahr 500 Millionen Dollar (316 Millionen Euro) zusätzlich
benötigt werden, um die 89 Millionen Bedürftigen zu versorgen.
Eine Reihe von Faktoren treibt die Lebensmittelpreise weltweit in die
Höhe. Der steigende Ölpreis verteuert Dünger, Transport
und Produktion. Die wachsende Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten
in China und Indien führt zu zusätzlichem Bedarf an Getreide
für Tierfutter. Und die verstärkte Produktion von Biosprit
geht zu Lasten des Anbaus von Nahrungsmitteln.
Weltbank-Präsident Robert Zoellick rechnet damit, dass die
gegenwärtige Preisentwicklung noch mehrere Jahre anhalten wird.
«Das ist kein Ein-Jahres-Phänomen», warnte er. Zum
Abschluss der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank sprach sich
Zoellick dafür aus, Hunger und Unterernährung mit einer
globalen Nahrungsmittelmittelpolitik zu bekämpfen.
In Bangladesch sucht man unterdessen nach schnelleren Lösungen. In
der vergangenen Woche schlug ein Regierungsvertreter vor, die Leute
sollten mehr Kartoffeln statt Reis essen. In den Ohren vieler
Bangladescher klingt das sonderbar: «Sollen er und seine Familie
das doch erst mal vormachen», sagt der Bauarbeiter Abdus Sobhan,
der seit Stunden in der Hitze auf eine Ration subventionierten Reises
wartet. «Wir halten es einfach nicht mehr aus.»
(Quelle: ap)
Hungerkrise im Süden ruft Kritik an reichen Ländern hervor
Di.15.04.08 - Die Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der
Weltbank vor einer Verstärkung der Hungerkrise im Süden haben
scharfe Kritik an den wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der
reichen Länder hervorgerufen. Der UN-Sonderberichterstatter
für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, die Welthungerhilfe und
die Organisation Foodwatch verurteilten vor allem die Verwendung von
Nahrungsmitteln für die Herstellung von Biosprit und die
Agrarsubventionen etwa in den USA und der Europäischen Union. Die
Welthungerhilfe beziffert die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, auf
mehr als 850 Millionen.
Für Menschen in armen Ländern seien die stark gestiegenen
Lebensmittelpreise "eine Frage des Überlebens", sagte der
UN-Beauftragte Ziegler der französischen Zeitung
"Libération". Ein Faktor für die Preiserhöhungen seien
die Biokraftstoffprogramme in den USA und der EU. Im Bayerischen
Rundfunk bezeichnete Ziegler die Herstellung von Biotreibstoffen als
"Verbrechen gegen die Menschheit". Er kritisierte auch IWF-Auflagen an
die Entwicklungsländer, ihre Landwirtschaft auf den Export
auszurichten, um Devisen für Zins- und Tilgungszahlungen
einzunehmen.
Angesichts der weltweit gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel
warnte nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auch die
Weltbank vor gewaltsamen Unruhen in zahlreichen Ländern. Grob
geschätzt drohten rund 100 Millionen Menschen ins "Elend"
abzurutschen, sagte Weltbank-Direktor Robert Zoellick. 33 Länder
könnten wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise von sozialem
Chaos und politischen Unruhen heimgesucht werden, erklärte die
Weltbank. Gewalttätige Proteste gegen teure Grundnahrungsmittel
gab es zuletzt auch in Ägypten, Kamerun, Mauretanien, der
Elfenbeinküste, Äthiopien, Madagaskar, den Philippinen und
Indonesien.
Zoellick warb bei den reichen Staaten dafür, bis zum 1. Mai 500
Millionen Dollar für Hilfsprogramme des
Welternährungsprogramms (WFP) bereitzustellen. Das WFP stellt in
78 Ländern die Ernährung von 73 Millionen Menschen sicher.
Die Zusagen der Weltbank und des IWF für kurzfristige
Nahrungsmittelhilfe sind nach Ansicht der Welthungerhilfe nur "ein
Tropfen auf den heißen Stein".
Die Industrienationen müssten "endlich zugestehen, dass sie eine
mörderische Handelspolitik betreiben", erklärte der
Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch,
Thilo Bode. "Wir dürfen nicht mehr wie in der Vergangenheit unsere
Nahrungsmittel auf die Märkte der Dritten Welt schmeißen und
dort die Existenz von Kleinbauern vernichten."
(Quelle: afp)
EU-Kommission: Biosprit in Europa treibt nicht die Nahrungsmittelpreise
Di.15.04.08 - Die Nutzung von Biosprit in Europa trägt nach Ansicht der
EU-Kommission nicht zu dem drastischen Preisanstieg bei
Grundnahrungsmitteln weltweit bei: In der EU bestehe keine große
Gefahr, dass der Anbau von Pflanzen für die Biospritgewinnung die
landwirtschaftliche Produktion von Nahrungsmitteln verdränge,
sagte der Sprecher von EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel am
Montag in Brüssel. Es gebe noch genug ungenutzte Flächen in
Osteuropa. Bis 2015 sei außerdem damit zu rechnen, dass Biosprit
aus Abfall gewonnen werden könne, womit ein Konflikt von
Nahrungsmittel- und Energiepflanzen vermeidbar wäre.
Die EU gerät mit ihrer Strategie zum Klimaschutz angesichts der
Preisexplosion im Agrarsektor zunehmend unter Druck, denn sie will bis
2020 erreichen, dass Biokraftstoff zehn Prozent des gesamten
Treibstoffs ausmacht. Die EU-Umweltminister hatten am Wochenende
bekräftigt, an diesem Ziel festzuhalten und strenge Kriterien zu
entwickeln, damit die steigende Biosprit-Nachfrage nicht die Umwelt
belastet oder den Anbau von Nahrungsmitteln verdrängt.
Die Weltbank hatte am Wochenende indes den Trend zu Biokraftstoffen aus
Getreide für den drastischen Anstieg der Preise von Weizen, Mais
oder Reis mitverantwortlich gemacht und gewarnt, Millionen Menschen
würden in Armut und Hunger zurückgeworfen. Deutschlands
Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul forderte eine
Abkehr vom Ausbau der Biosprit-Produktion.
EU-Kommissionssprecher Michael Mann wies darauf hin, dass in der EU nur
zwei Prozent der Getreideproduktion auf Bioethanol oder -diesel
entfallen. Die Subventionen von 90 Millionen Euro jährlich
dafür sollen nach einem Vorschlag von Fischer-Boel abgeschafft
werden. Nach dem heutigen Stand der Technik müsste die EU 17
Prozent ihrer Agrarfläche nutzen, um im Jahr 2020 ihr Ziel von
zehn Prozent Biokraftstoff zu erreichen. Doch werde damit gerechnet,
bis 2015 Treibstoff aus Abfallstoffen wie Stroh oder Klärschlamm
zu gewinnen. Damit müsste die Anbaufläche für die
Energiepflanzen kaum ausgeweitet werden.
In den USA habe der Umstieg auf die Herstellung von Bioethanol dagegen
maßgeblich Nahrungsmittel wie Mais verteuert. Wichtige
Gründe seien außerdem Missernten in den vergangenen Jahren
und die wachsende Lebensmittelnachfrage aus Asien. Die Weizenpreise
stiegen im vergangenen Jahr weltweit um 120 Prozent. Der Preis für
Reis stieg zuletzt binnen zwei Monaten um rund 75 Prozent auf ein
Rekordhoch. In den armen Ländern der Welt führte das zu
Unruhen. In Haiti stürzte am Wochenende die Regierung, Proteste
gab es auch in mehreren afrikanischen Ländern, in Indonesien und
auf den Philippinen.
(Quelle: rtr)
USA stellen 200 Millionen Dollar gegen Hunger in der Welt bereit
Di.15.04.08 - Die USA stellen 200 Millionen Dollar Soforthilfe zur Sicherung der
Lebensmittelversorgung in den ärmsten Ländern bereit. Das
teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, am Montag
in Washington mit. Präsident George W. Bush habe
Landwirtschaftsminister Ed Schafer angewiesen, die 200 Millionen Dollar
(126 Millionen Euro) aus einem Sonderfonds des Ministeriums für
Lebensmittelreserven zu entnehmen.
Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Abwehr der global
eskalierenden Lebensmittelkrise umfassende internationale Anstrengungen
gefordert. Auch Weltbank-Präsident Robert Zoellick forderte am
Wochenende die Regierungen in aller Welt auf, bis zum 1. Mai für
das UN-Ernährungsprogramm (WFP) 500 Millionen Dollar (fast 320
Millionen Euro) bereitzustellen.
Präsidentensprecherin Perino verwies am Montag darauf, dass die
Vereinigten Staaten schon jetzt mehr Lebensmittelhilfe leisteten, als
jedes andere Land in der Welt.
(Quelle: ap)
IWF-Direktor warnt vor zu viel Optimismus in Finanzkrise
Di.15.04.08 - IWF-Direktor Jaime Caruana hat vor zu großem Optimismus gewarnt,
dass in der Finanzkrise bereits ein Wendepunkt erreicht sein
könnte. «Es wäre keine große Überraschung,
wenn wir auf noch weitere Schwierigkeiten treffen würden»,
sagte der Direktor für Kapitalmärkte beim Internationalen
Währungsfonds (IWF), der «Financial Times Deutschland»
am Rande der IWF-Frühjahrstagung. Zuletzt hatten einige Beobachter
Hoffnungen geschürt, dass das Schlimmste eventuell schon vorbei
sein könnte.
Caruana warnte zudem vor dem Risiko eines Kreditschocks. «Es gibt
die reale Gefahr eines Kreditschocks in der Realwirtschaft. Die USA
befinden sich im Epizentrum dieser Entwicklungen, aber eine deutliche
Kreditstraffung ist auch in anderen Regionen der Welt sehr gut
möglich, auch in Europa und der Euro-Zone», wurde er zitiert.
In der Euro-Zone gebe es «einige Anzeichen aus Umfragen, dass die
Straffung, die eingesetzt hat, bedeutend ist».
Mit mehr Transparenz und einer stärkeren internationalen
Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden wollen die G-7-Staaten
künftige Finanzmarktkrisen verhindern. Die Finanzminister und
Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen beschlossen
bei dem Frühjahrstreffen von IWF und Weltbank in Washington einen
entsprechenden Plan in Reaktion auf die von faulen Hypothekenkrediten in
den USA ausgelösten Turbulenzen auf den weltweiten
Finanzmärkten.
(Quelle: ap)
Parlamentswahl in Italien: Berlusconi wieder vor der Regierungsbildung
Di.15.04.08 - Der Medienunternehmer Silvio Berlusconi hat Hochrechnungen zufolge die
Parlamentswahl in Italien gewonnen. Den Berechnungen des Fernsehsenders
RAI zufolge lag Berlusconi mit seinem Mitte-rechts-Bündnis Volk
der Freiheit im Abgeordnetenhaus sechs Prozentpunkte vor der
Demokratischen Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Walter Veltroni. Auch
im Senat wird er wahrscheinlich eine klare Mehrheit haben: Laut RAI
kann Berlusconi mit 164 Sitzen rechnen, Veltroni mit 139. Damit
könnte Berlusconi zum dritten Mal Ministerpräsident werden.
Die Hochrechnungen spiegelten im Wesentlichen das Bild wider, das
Meinungsumfragen vor der Wahl zeichneten. Der 71-jährige
Berlusconi ging zwar mit deutlichem Vorsprung in den Wahlkampf, zuletzt
konnte Veltroni aber aufholen. Die Wahlbeteiligung lag bei 82 Prozent
und damit etwa drei Prozent unter der von 2006.
Die vorgezogene Neuwahl war nach dem Scheitern der bisherigen
Mitte-links-Regierung unter Prodi im Januar notwendig geworden.
Beherrscht wurde der Wahlkampf von der weit verbreiteten
Unzufriedenheit mit den Politikern und der wirtschaftliche Stagnation.
Sinnbild der Krise war das Müllchaos in Neapel, wo sich wochenlang
der Abfall in den Straßen türmte. Aber auch der Versuch, die
nationale Fluglinie Alitalia zu verkaufen, oder der Skandal um
verseuchten Büffel-Mozzarella kratzten am Selbstbewusstsein der
Italiener. In Sorrent wurde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur
ANSA ein Geschäftsmann verwarnt, der aus Protest seinen
Stimmzettel zerriss und begann, ihn aufzuessen.
Um ihre Wahlchancen zu verbessern, traten beide Kandidaten mit neu
gegründeten Parteien an: Veltroni, der 52-jährige ehemalige
Bürgermeister von Rom, an der Spitze der Demokratischen Partei und
Berlusconi mit dem Bündnis Volk der Freiheit, dem seine eigene
Partei Forza Italia, die rechtsgerichtete Nationale Allianz und andere
Parteien der Rechten angehören. Laut den Prognosen waren es die
kleineren Parteien im Bündnis, die Berlusconi seinen Vorsprung im
Abgeordneten sicherten.
(Quelle: ap)
Deutschland
Sachsens Ministerpräsident Milbradt tritt zurück
Di.15.04.08 - Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt CDU
tritt Ende Mai von allen Ämtern zurück. Das gab der
63-jährige CDU-Politiker, der seit Monaten wegen der Krise um die
inzwischen verkaufte Landesbank Sachsen LB unter Druck stand, am Montag
in Dresden bekannt. Sowohl für den Posten des Regierungschefs als
auch für den des CDU-Landesvorsitzenden schlug er Finanzminister
Stanislaw Tillich (CDU) vor. Der 49-Jährige soll auf einem
CDU-Parteitag am 24. Mai an die Spitze gewählt werden und am 28.
Mai als Ministerpräsident vom Landtag vereidigt werden.
Auch an der CDU-Fraktionsspitze ist ein Wechsel vorgesehen: Der
bisherige Kultusminister Steffen Flath soll Amtsinhaber Fritz
Hähle (CDU) ablösen. Darauf einigte sich am Sonntagabend eine
Runde von CDU-Spitzenpolitikern mit Milbradt und Hähle. Der
66-jährige Hähle kündigte an, erst nach der Wahl des
neuen Regierungschefs von seinem Amt zurückzutreten.
Die CDU regiert in Sachsen seit Herbst 2004 gemeinsam mit der SPD.
Zuletzt hatte im Zuge der Affäre um die Sachsen LB auch ein Bruch
des Regierungsbündnisses als möglich gegolten. Milbradt war
indes nicht nur beim Koalitionspartner, sondern auch in den eigenen
Reihen in die Kritik geraten. Vor einer Woche waren
Privatgeschäfte Milbradts und seiner Ehefrau mit der Landesbank
bekannt geworden.
Milbradt sagte, er habe knapp anderhalb Jahre vor der nächsten
Landtagswahl die Entscheidung der «Amtsübergabe getroffen,
weil mir ein geordneter und harmonischer Übergang wichtig ist - und
um Verletzungen zu vermeiden - bei mir und bei anderen». Die
Koalition mit der SPD in Sachsen nannte er im Freistaat besonders
schwierig wegen der unterschiedlichen Größe der Parteien.
Die CDU hatte bei der vergangenen Landtagswahl 41,1 Prozent der Stimmen
erhalten, die SPD 9,8 Prozent.
Tillich erklärte seine Bereitschaft, sowohl für das Amt
des Regierungschefs als auch als neuer CDU-Landesvorsitzender zur
Verfügung zu stehen. Er lade seine Partei, die Regierung und die
Opposition ein, die Zukunft des Landes mitzugestalten. Eine Nennung des
Koalitionspartners SPD vermied er zwar, allerdings gilt das
CDU/SPD-Bündnis durch den Milbradt-Rücktritt als
gestärkt. SPD-Fraktionschef Martin Dulig sagte, nun sei «der
Weg frei, um zur Sacharbeit zurückzukehren». Er erwarte nun
ein «Aufbruchsignal zur Umsetzung gemeinsamer Vorhaben».
Vize-Regierungschef Thomas Jurk nannte die SPD den «stabilen
Faktor in der Regierung».
Milbradt bezeichnete Tillich einen «kraftvollen und erfahrenen
Politiker». Dieser habe bereits bewiesen, dass er den Freistaat
weiter voranbringen könne. Der vorherige Umweltminister war von
Milbradt Ende September 2007 zum Finanzminister ernannt worden. In
diesem Amt war Tillich vor allem mit dem Notverkauf der Sachsen LB an
die Landesbank Baden-Württemberg befasst. Für die
Fehlspekulationen des Instituts haftet der Freistaat mit einer
Ausfallgarantie in Höhe von 2,75 Milliarden Euro.
Milbradt ist seit Mitte April 2002 Ministerpräsident in
Sachsen, seit Herbst 2001 steht er an der Spitze der Landes-CDU. Von
1990 bis Februar 2001 war er unter Ministerpräsident Kurt
Biedenkopf (CDU) Finanzminister, bis er von ihm aus dem Kabinett
entlassen worden war. Anschließend gab es einen monatelangen
Führungsstreit in der CDU.
CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer zufolge hat sich
Milbradt «bereits vor mehreren Wochen» zu seinem
Rückzug entschieden. Bei dem Treffen der CDU-Spitze am
Sonntagabend wurde nach einem Bericht der «Sächsischen
Zeitung» auch vereinbart, dass Kanzleramtschef Thomas de
Maizière die CDU-Landesliste bei der Bundestagswahl 2009
anführen solle.
(Quelle: ddp)
Immer mehr Ältere arbeiten laut Bericht auch noch nach Rentenbeginn
Di.15.04.08 - Immer mehr ältere Menschen arbeiten einem Bericht zufolge auch
über das Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus. In den letzten
fünf Jahren ist die Zahl der Minijobber über 65 Jahren um
knapp 40 Prozent auf 702.141 gestiegen, wie die Tageszeitung «Die
Welt» unter Berufung auf Zahlen des Bundesarbeitsministeriums
berichtet. Hinzu kämen weitere 114.913 Ältere, die einer
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgingen. 2002
hatte es erst 506.065 Minijobber und 109.212 Beschäftigte im
Rentenalter gegeben.
Wie das Blatt weiter schreibt, dürften tatsächlich noch
weitaus mehr Menschen über 65 Jahre arbeiten. Denn
Selbstständige seien in dieser Statistik des Ministeriums nicht
erfasst. Auch arbeitende Rentner unter 65 Jahren würden in der
Statistik nicht mitgezählt.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer warnt vor Altersarmut bei Millionen Rentnern
Di.15.04.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet eine dramatisch
zunehmende Altersarmut in Deutschland. Derzeit lebe die letzte
Rentner-Generation, in der die allermeisten noch ein auskömmliches
Einkommen hätten, sagte DGB-Chef Michael Sommer laut
«Bild»-Zeitung.
Das werde schon in wenigen Jahren anders sein: «Wir werden
spätestens in 15 Jahren Millionen Rentner haben, die - wenn nichts
passiert - von Sozialhilfe leben müssen», sagte Sommer laut
der Zeitung. «Das Thema Altersarmut wird heute völlig
unterschätzt. Ein Beispiel: Für ein Jahr Hartz IV bekommt man
später 2,19 Euro monatliche Rente.»
Zur außerplanmäßigen Rentenerhöhung sagte Sommer,
sie lindere den Kaufkraftverlust der Rentner «ein bisschen».
Der DGB-Chef forderte dem Bericht zufolge jedoch eine generelle Debatte
über den künftigen Kurs des Rentensystems: «Wir
müssen angesichts der Überalterung unserer Gesellschaft die
Frage stellen, wie das System künftig bezahlbar bleiben soll und
gleichzeitig eine anständige Sicherung im Alter garantiert. Ich
denke, mehr Steuerzuschüsse in das Rentensystem wären
sinnvoll.»
Der Gewerkschaftschef warnte zugleich vor einem «Kampf der
Generationen». Er halte nichts davon, die Generationen
aufeinanderzuhetzen. «Unsere Mitglieder schauen heute genau
darauf, was ihnen netto übrig bleibt. Später als Rentner
schauen Sie dann sehr genau auf die Höhe der Rente. So
differenziert muss man das Thema betrachten», erklärte Sommer
laut dem Bericht.
(Quelle: ap)
Wegen Teuerungswelle: Höfken fordert mehr Geld für
Hartz-IV-Empfänger
Di.15.04.08 - Angesichts der Preisexplosion bei Nahrungsmitteln hat die Vorsitzende
des Agrar-Ausschusses im Bundestag, Ulrike Höfken, die
Bundesregierung zu Nachbesserungen bei der Hartz-Reform aufgefordert.
Notwendig sei eine Anhebung des Regelsatzes für Kinder, sagte die
Grünen-Politikerin der «Saarbrücker Zeitung».
«2,57 Euro pro Tag reichen hinten und vorne nicht, um
Heranwachsende bei steigenden Preisen ausgewogen zu
ernähren», wird Höfken zitiert.
Außerdem müssten Kinder aus sozial schwachen Haushalten
endlich in allen Kindergärten und Schulen eine kostenlose Mahlzeit
bekommen. Die Landwirte treffe an der Preisentwicklung keine Schuld,
denn auch Energie und Transport hätten sich verteuert, sagte die
Abgeordnete.
(Quelle: ap)
Hightech-Industrie auf Höhenflug
Di.15.04.08 - Die Hightech-Industrie hat große Erwartungen an das
Geschäftsjahr 2008: Die meisten Anbieter sowohl von Soft- als auch
von Hardware erwarten ein Umsatzplus. Viele wollen Leute einstellen und
würden noch mehr neue Mitarbeiter nehmen, wenn es ausreichend
Fachkräfte gäbe. Das geht aus einer Umfrage des
Branchenverbandes Bitkom hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt
wurde.
Danach erwarten 73 Prozent der Unternehmen in Deutschland steigende
Umsätze. 17 Prozent rechnen mit einem stabilen Geschäft und
nur zehn Prozent mit Rückgängen. Die Investitionen in moderne
Systeme der Informations- und Telekommunikationsindustrie stiegen weiter
an, erklärte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer und
erinnerte an den «hervorragenden» Verlauf der Fachmesse
CeBIT. Diese Aufträge brächten Schwung in die kommenden Monate.
Besonders hohe Nachfrage verzeichneten Software-Häuser und
IT-Dienstleister: 70 Prozent erwarten 2008 höhere Umsätze,
fest drei Viertel auch höhere Gewinne. Auch fast zwei Drittel der
Hersteller von Computern und anderen IT-Geräten rechnen mit einem
Umsatzplus. «Das sind deutlich bessere Werte als vor einem
Jahr», sagte Scheer.
57 Prozent der Firmen wollen der Umfrage zufolge im laufenden Jahr
zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Ein Drittel will die
Beschäftigtenzahl konstant halten, nur jede elfte Firma muss
Stellen streichen. Für die Branche erwartet Bitkom einen Zuwachs
von 4.000 auf 820.000 Beschäftigte. «Es könnten einige
Tausend mehr sein, wenn es auf dem Arbeitsmarkt genügend
IT-Spezialisten gäbe», sagte Scheer. «Der Mangel an
qualifiziertem Personal ist inzwischen ein unerfreulicher
Dauerzustand.»
65 Prozent der Unternehmen sagten in der Umfrage, dass der
Expertenmangel ihre Geschäftstätigkeit bremst. Dies sei ein
neuer Negativrekord seit Beginn der Umfrage 2001, erklärte Scheer.
Betroffen seien in erster Linie mittelständische
Software-Häuser und IT-Dienstleister, die vor allem
Hochschulabsolventen suchten. Jedes vierte Unternehmen müsse
Aufträge ablehnen, weil Mitarbeiter fehlten.
Zwar sei im vergangenen Jahr die Zahl der Studienanfänger im Fach
Informatik um vier Prozent auf rund 30.000 gestiegen. Dies sei aber
«nur ein Tropfen auf den heißen Stein», beklagte
Scheer.
(Quelle: ap)
VW-Konzern mit Absatzrekord
Di.15.04.08 - Angetrieben von einem starken Wachstum in China und Brasilien hat der
VW-Konzern im ersten Quartal 2008 einen Absatzrekord erzielt. Der
Autokonzern lieferte in den ersten drei Monaten dieses Jahres weltweit
1,57 Millionen Fahrzeuge aus.
Das waren 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. VW sprach in
Wolfsburg vom erfolgreichsten ersten Quartal seiner Geschichte. Der
Konzern sei auf einem guten Weg, auch im Gesamtjahr 2008 einen neuen
Verkaufsrekord zu erreichen. Als Grund nannte VW etwa eine breitere
Modellpalette.
Volkswagen will auf längere Sicht zum weltweit größten
Autobauer aufsteigen und hat vor allem Toyota den Kampf angesagt. Die
Japaner setzten wie der US-Autobauer General Motors im vergangenen Jahr
etwa 9,37 Millionen Fahrzeuge ab. Dahinter folgte Ford mit einem Absatz
von rund 6,5 Millionen Autos vor dem VW-Konzern mit rund 6,2 Millionen
Fahrzeugen.
Wachstumstreiber im VW-Konzern sind derzeit vor allem die Märkte
China und Brasilien. In China, dem vor Deutschland größten
Einzelmarkt des Konzerns, wuchs der Absatz im ersten Quartal um fast
ein Drittel auf rund 268 000 Fahrzeuge. In Brasilien steigerte sich die
Zahl der Auslieferungen um fast ein Viertel auf rund 148 000 Fahrzeuge.
Im Heimatmarkt Deutschland verzeichnete der VW-Konzern ein Plus von 2,6
Prozent auf rund 241 000 Fahrzeuge.
Massiv zulegen will der Konzern künftig vor allem in Russland und
Indien. In beiden Wachstumsmärkten ist der Konzern bislang noch
vergleichsweise schwach. In Russland verkaufte Volkswagen im ersten
Quartal 2008 konzernweit rund 23 000 Fahrzeuge, das war im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum ein Plus von fast 58 Prozent. In Indien erzielte
der Konzern einen Zuwachs von 46 Prozent auf rund 5000 Fahrzeuge.
Größtes Sorgenkind des Konzerns bleibt der US-Markt. In den
ersten drei Monaten sank der Absatz in einem rückläufigen
Gesamtmarkt um 0,7 Prozent auf rund 72 000 Autos.
Unter den acht Konzernmarken steigerte die Marke Volkswagen Pkw ihren
Absatz von Januar bis Ende März um mehr als 8 Prozent auf rund 920
000 Autos. Die tschechische Tochter Skoda schaffte ein Plus von fast 16
Prozent auf rund 173 000 Fahrzeuge. Audi erzielte einen Zuwachs von 1,3
Prozent auf rund 251 000 Autos, VW Nutzfahrzeuge ein Plus von 12
Prozent auf rund 123 000 Fahrzeuge. Dagegen sank der Absatz der
spanischen Marke Seat im ersten Quartal um 7,5 Prozent auf rund 101 000
Fahrzeuge. VW nannte als Grund die Schwäche des Gesamtmarkts in
Spanien und Italien.
(Quelle: dpa)
Bahnprivatisierung: SPD einigt sich auf gemeinsame Linie -- Union
signalisiert Kompromissbereitschaft
Di.15.04.08 - Die SPD-Spitze sieht sich durch die Einigung auf ein neues Modell zur
Teilprivatisierung der Bahn gestärkt. SPD-Chef Kurt Beck betonte
am Montag in Berlin, das Präsidium und die zuständige
Arbeitsgruppe hätten den Plänen ohne Gegenstimme oder
Enthaltung zugestimmt. Demnach sollen private Investoren maximal 24,9
Prozent an Teilen der Bahn übernehmen können. Während
die Union Kompromissbereitschaft signalisierte, sieht die SPD-Linke den
neuen Vorschlag kritisch. Nun müssen Union und SPD im
Koalitionsausschuss am 28. April über eine Einigung verhandeln.
Bei dem Modell soll das rund 34 000 Kilometer lange Netz und die
Bahnhöfe vollständig beim Bund bleiben. Von den Personen- und
Güterverkehrssparten bliebe ebenfalls die Mehrheit beim Bund.
Statt wie - bislang geplant - maximal 49,9 Prozent sollen nur maximal
24,9 Prozent privatisiert werden. Der Bund könnte dann allein
über die Besetzung des Aufsichtsrats entscheiden.
Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn sei mit dem Modell einverstanden,
sagte Beck unter Berufung auf ein Gespräch mit Mehdorn.
Beck erläuterte, eine Zerschlagung der Deutschen Bahn sei mit dem
Modell ausgeschlossen, zudem werde der Einfluss des Bundes nicht
eingeschränkt. Die SPD trage damit den Sorgen in weiten Teilen der
Bevölkerung über Auswirkungen auf den Personenverkehr
Rechnung. Zudem bleibe der konzerninterne Arbeitsmarkt erhalten.
Die Erlöse aus der Teilprivatisierung sollten laut Beck in
gleichen Teilen dem Bundeshaushalt, der Erhöhung des Grundkapitals
der Bahn und der Verbesserung der Infrastruktur, etwa für
Lärmschutzmaßnahmen und Baumaßnahmen an
Bahnhöfen, zugutekommen. Es dürfte sich um eine «nicht
unbeachtliche Milliardensumme» handeln, vermutete Beck für
die Privatisierungserlöse.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bezeichnete die Pläne in
Berlin als «gute Grundlage» für die Verhandlungen. Er
stellte aber klar: «Wir wollen 49,9 Prozent Privatisierung
haben.» Die Union werde darauf drängen, dass deshalb bei der
Privatisierung eine zweite Tranche auf absehbare Zeit verwirklicht
wird. CDU-Fraktionschef Volker Kauder bezeichnete das SPD-Modell
deshalb als «Einstieg in die Privatisierung». Die
Bahnreform habe aber nun «alle Chancen, noch in dieser
Legislaturperiode auf den Weg gebracht zu werden.»
Der SPD-Linke Hermann Scheer sagte in Berlin, es handle sich beim
SPD-Modell um einen «konstruktiven Kompromiss». Der Bund
habe sich «großen öffentlichen Einfluss
gesichert». Der Nachrichtenagentur ddp sagte Scheer, die
Privatisierungspläne gingen entschieden weniger weit als
ursprünglich gedacht. Ob dies in der Koalition mit der CDU
umsetzbar sei, bleibe offen.
Der Sprecher des linken SPD-Flügels, Björn Böhning,
lehnte eine Beteiligung privater Investoren am Bahnverkehr nach wie vor
strikt ab. Auch wenn dieser Bereich nur zu knapp einem Viertel verkauft
werden solle, sei die Gefahr der Einflussnahme auf die
Unternehmenspolitik immer noch zu groß, sagte er im
Südwestrundfunk. Auch Berlins SPD-Landes- und Fraktionschef
Michael Müller sieht Becks Vorschlag kritisch, wie er der
Nachrichtenagentur ddp sagte. Wie bereits Böhning verwies auch er
auf einen Beschluss des Parteitags vom Oktober 2007, der dem Vorschlag
widerspreche. Danach darf eine Beteiligung privater Investoren
lediglich in Form stimmrechtsloser Vorzugsaktien erfolgen.
Beck hingegen verwies darauf, dass beim Parteitag noch eine
Privatisierung von 49,9 Prozent im Raum stand. Das neue Modell nehme
viele der damaligen Bedenken auf. Er rechne deshalb nicht damit, dass
ein Sonderparteitag nötig wird.
(Quelle: ddp)
Bürger finden Steuersystem laut Umfrage ungerecht
Di.15.04.08 - Die Bundesbürger halten das deutsche Steuersystem einer Umfrage
zufolge für ungerecht. 78 Prozent sind dieser Meinung, wie das
Institut für Demoskopie in Allensbach am Bodensee am Montag
mitteilte. Nur eine kleine Minderheit von 8 Prozent empfinde das
bestehende System als gerecht.
Obwohl fast jeder Zweite (49 Prozent) darauf bestehe, dass
Steuerhinterziehung unter keinen Umständen zu dulden sei, gehe die
Mehrheit der Bevölkerung davon aus, dass in Wirklichkeit viele
Bürger durchaus versuchten, Steuern zu hinterziehen. 77 Prozent
der Befragten antworten, der Betrug bei den Abgaben sei weit
verbreitet. In allen sozialen Schichten sei die Vorstellung von
Steuerhinterziehung als Allgemeinverhalten fast wie eine
Selbstverständlichkeit vorhanden.
Zwar gingen die Meisten (53 Prozent) davon aus, dass die Hintergehung
des Staates vor allem in höheren Schichten vorkomme, aber viele
glaubten auch, dass der Versuch, dem Staat einen Teil der verordneten
Steuern vorzuenthalten, sich längst nicht auf sie beschränke.
43 Prozent meinen, Steuerhinterziehung sei generell verbreitet.
Für die Umfrage wurden 1.798 Personen ab 16 Jahren befragt.
(Quelle: ap)