Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am 1486sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
EU will mit dem Irak bei Erdgasförderung kooperieren.
Türkische Luftwaffe bombardiert erneut PKK-Kämpfer im Irak.
Mindestens vier Tote im südirakischen Basra nach britischem
Luftangriff. AP-Fotograf Bilal Hussein wieder frei
Do.17.04.08 - Die EU will mit dem Irak bei der Erdgasförderung kooperieren.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der
irakische Ministerpräsident Nuri Al-Maliki vereinbarten am
Mittwoch in Brüssel, bald ein entsprechendes Abkommen zu
unterzeichnen.
«Die Verhandlungen laufen sehr gut», sagte Barroso. Details
könne er aber noch nicht nennen. Firmen aus der EU sind vor allem
an Investitionen im Energiesektor interessiert. Unklar ist auch,
inwieweit Erdgas-Lieferungen in die EU vereinbart werden.
Ölminister Hussein al-Schahristani, der Al-Maliki nach
Brüssel begleitete, wird im Mai erneut in der belgischen
Hauptstadt erwartet.
Die Erdöl- und Erdgasproduktion im Irak hat seit dem Sturz Saddam
Husseins durch die US-Armee vor fünf Jahren erst wieder
Vorkriegsniveau erreicht. Die angestrebten Steigerungen wurden bisher
nicht erzielt. Die unsichere Lage hat Investitionen in neue Anlagen,
die die veraltete Technik ersetzen könnten, bisher weitgehend
verhindert. Immer wieder werden Anschläge auf Pipelines
verübt, Erdöl wird oft illegal abgezapft und vor allem
über die südirakische Hafenstadt Basra aus dem Land
geschmuggelt.
Knapp zwei Monate nach ihrer Militärintervention im Nordirak hat
die türkische Armee erneut Positionen der PKK-Kurdenrebellen im
Nachbarland angegriffen. Türkischd Kampfjets flogen Angriffe auf
eine Gruppe von PKK-Kämpfern, die sich jenseits der Grenze darauf
vorbereitet hätten, in die Türkei einzusickern, wie der
Generalstab mitteilte. Wie viele Rebellen starben, wurde nicht
mitgeteilt. Türkische Fernsehsender berichteten, nach der ersten
Angriffswelle seien erneut Kampfflugzeuge von türkischen
Stützpunkten aus aufgestiegen, um nach Irak zu fliegen. Die PKK
bestätigte die Luftangriffe, betonte aber, sie habe keine Verluste
erlitten.
Mit ihrer Bodenoffensive Ende Februar hatte die türkische Armee
versucht, die Vorbereitungen der PKK auf die erwartete
Frühjahrsoffensive der Rebellen zu stören. Seit dem
vergangenen Herbst können die türkischen Planer auf
Geheimdienstinformationen der USA aus dem Nordirak zurückgreifen;
dazu gehören auch Bilder von Spionageflugzeugen.
Ob auch die angegriffene PKK-Gruppe in der Nähe der nordirakischen
Stadt Basyan mit amerikanischer Hilfe ausfindig gemacht wurde, war
zunächst nicht bekannt. In Basyan befindet sich seit Jahren eine
kleinere Einheit der türkischen Armee, die Grenzübertritte
von PKK-Kämpfern vom Irak in die Türkei verhindern soll. Die
PKK nutzt den Norden Iraks seit 1999 als Rückzugsraum. Auch das
Hauptquartier der Rebellen befindet sich dort. Die PKK will mit ihren
Kämpfen unter anderem eine Generalamnestie für ihre rund 5000
Kämpfer und einen Rückzug der türkischen Armee aus
Südostanatolien erzwingen.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach der
Februar-Offensive verstärkte öffentliche Investitionen im
Kurdengebiet sowie die Gründung einer auf Kurdisch sendenden
Fernsehstation angekündigt und erklärt, neben der
militärischen Dimension des Kampfes gegen die PKK gebe es auch
soziale, kulturelle und psychologische Aspekte.
Nach einem Bericht der Zeitung "Milliyet" geht die türkische Armee
inzwischen neue Wege im Umgang mit Angehörigen von
PKK-Kämpfern. Soldaten besuchen demnach vor allem die Eltern von
Rebellen und versuchen sie dafür zu gewinnen, ihre Söhne zum
Aufgeben zu überreden. Heereskommandant Ilker Basbug, der in
diesem Sommer aller Vorraussicht nach neuer Generalstabschef werden
wird, habe die Armeevertreter ausdrücklich angewiesen,
einfühlsam vorzugehen und Verständnis für die
Gefühle der Familien von PKK-Mitgliedern zu zeigen.
Bei einem Luftangriff der britischen Streitkräfte in der
südirakischen Stadt Basra sind mindestens vier Menschen
getötet worden. Bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften
und schiitischen Milizen in Bagdad wurden im umkämpften Stadtteil
Sadr City unterdessen zwei Menschen getötet und 18 weitere
verletzt, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte.
Der Luftangriff in der Hafenstadt Basra richtete sich gegen bewaffnete
Aufständische, wie die britischen Streitkräfte
erklärten. Am Dienstag waren bei mehreren Anschlägen im
ganzen Land fast 60 Menschen ums Leben gekommen.
Die irakische Regierung begann am Mittwoch damit, im Zuge ihrer
Offensive gegen die Milizionäre der schiitischen Mahdi-Armee die
Spitzen der Sicherheitskräfte von Basra auszuwechseln. Das
Innenministerium teilte mit, der Polizeichef von Basra und der
Armeekommandeur der Stadt seien beide nach Bagdad versetzt worden. Die
Regierung hatte zuvor erklärt, 1300 Polizisten aus Basra
würden entlassen, weil sie sich zu Beginn der Offensive geweigert
hätten, «gegen die Gesetzlosen zu kämpfen».
Nach über zwei Jahren Haft ohne Prozess ist der von den
US-Streitkräften im Irak festgehaltene AP-Fotograf Bilal Hussein
wieder frei. Er wurde am Mittwoch an einem Straßenkontrollposten
in Bagdad an AP-Kollegen übergeben.
Hussein wurde am 12. April 2006 von US-Marineinfanteristen
festgenommen. Ihm wurden Verbindungen zu Aufständischen
vorgeworfen. Die Nachrichtenagentur Associated Press und Hussein wiesen
dies zurück und betonten, er habe nur seinen Beruf als Journalist
ausgeübt.
AP-Präsident Tom Curley erklärte, die Nachrichtenagentur sei
sehr erleichtert. «Unser Dank gilt allen, die uns in dieser
schwierigen Zeit unterstützt haben.» Hussein werde jetzt
Zeit mit seiner Familie verbringen und sich erholen. Sein Bruder Jassir
Hussein, ein Universitätsprofessor aus Bagdad, sagte, er
könne nicht beschreiben, wie glücklich er sei. «Die
Familie ist in den vergangenen zwei Jahren durch eine schwere Zeit
gegangen, aber jetzt danken wir Gott, dass wir etwas Ruhe
finden.» In New York begrüßte das Komitee zum Schutz
von Journalisten die Freilassung des Fotografen.
In einer am Montag in Bagdad veröffentlichten Erklärung der
US-Armee hieß es, es sei entschieden worden, dass Hussein keine
Bedrohung darstelle. Zuvor hatte schon in der vergangenen Woche ein
irakisches Gericht alle Vorwürfe gegen den Fotografen
fallengelassen und seine Freilassung angeordnet. AP-Präsident Tom
Curley hatte sich über die angekündigte Freilassung
erleichtert gezeigt.
Hussein hat stets seine Unschuld betont und alle Vorwürfe
zurückgewiesen. US-Militärstaatsanwälte hatte ihm
vorgehalten, dass er Material zum Bombenbau besessen habe, sich mit
Aufständischen verschworen habe, um Bilder von Anschlägen auf
US-Truppen zu machen und angeboten habe, einen Ausweis für einen
gesuchten Terroristen zu fälschen. Hussein soll zudem unerlaubten
Kontakt zu den Entführern der ermordeten italienischen Geisel
Salvatore Santoro gehabt haben.
Die irakische Justiz stellte aber in der vergangenen Woche alle
Ermittlungen ein und wies die Vorwürfe zurück. Hussein
gehörte zu den AP-Fotografen, die 2005 für ihre Arbeit im
Irak mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurden. Seine Festnahme
führte zu Protesten von Bürgerrechts- und
Presseorganisationen.
boa (Quellen: dpa, ap, rtr,afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 17.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendzweiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.17.04.07 - UN rücken Schicksal irakischer Flüchtlinge in den Blickpunkt +++
Tausende radikale Schiiten protestieren in Basra gegen Provinzregierung +++
Minister des radikalen Schiiten Al Sadr verlassen Regierung +++ 13
irakische Soldaten bei Anschlag getötet +++ US-Streitkräfte melden Tod
von sieben US-Soldaten im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704170.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Papst ruft USA zu aktiver Friedenspolitik auf
Do.17.04.08 - Bei seinem Besuch im Weißen Haus hat Papst Benedikt XVI. die USA
aufgerufen, friedlicher Diplomatie den Vorzug vor militärischen
Einsätzen zu geben. Er zähle auf die Unterstützung der
USA "für die geduldigen Bemühungen der internationalen
Diplomatie, Konflikte zu lösen und den Fortschritt zu
fördern", sagte der Papst bei seiner Begegnung mit
US-Präsident George W. Bush. Den vom Vatikan abgelehnten
Irak-Krieg erwähnte Benedikt in seiner Ansprache nicht
ausdrücklich. Der Empfang für das Kirchenoberhaupt, das am
Mittwoch 81 Jahre alt wurde, fand in herzlicher Atmosphäre statt.
Der Papst stellte die Bemühungen um Frieden und internationale
Solidarität in den Mittelpunkt seiner Ansprache. "Amerika hat sich
traditionell immer großzügig gezeigt, wenn es darum ging,
humanitäre Bedürfnisse zu decken, die Entwicklung zu
fördern und den Opfern von Naturkatastrophe Hilfe anzubieten." Er
sei "zuversichtlich", dass dieses "Engagement für die
größere Menschenfamilie" in der weiteren Unterstützung
Washingtons für die internationale Diplomatie ihren Ausdruck finde.
Ausdrücklich hob der Papst die friedensstiftende Rolle der
Vereinten Nationen hervor, denen er am Freitag einen Besuch abstatten
will. Die UNO müsse zu einer "noch wirksameren Stimme für die
legitimen Hoffnungen der Welt" gemacht werden. Bush würdigte
seinen Gast als wichtigen Fürsprecher für Werte und Moral:
"In einer Welt, in der viele den Wert des Lebens missachten,
benötigen wir Ihre Botschaft, dass jedes Leben heilig ist."
Der Empfang für Benedikt im Garten des Weißen Hauses war
einer der größten der Geschichte, beinahe zehntausend
geladene Gäste waren gekommen. Den Papst begrüßten sie
mit einem Geburtstagslied, ehe 21 Schuss Salut zu seinen Ehren
abgefeuert wurden.
Der Papst pries die Lebendigkeit der Religion in den USA und dankte dem
Land für seine lange Geschichte der religiösen Freiheit.
"Alle Gläubigen haben hier die Freiheit gefunden, Gott in
Übereinstimmung mit ihren Lehren und ihrem Gewissen zu ehren",
sagte der Papst.
Höhepunkt von Benedikts Washington-Aufenthalt soll eine Messe vor
etwa 50.000 Menschen am Donnerstag im neuen Baseballstadion sein. Am
Freitag reist der Pontifex maximus nach New York weiter, wo er mit
einer großen Freiluftmesse seine Reise abschließen und nach
Rom zurückkehren will.
(Quelle: afp)
Zwei Nato-Soldaten in Südafghanistan getötet
Do.17.04.08 - Bei einer Explosion im Süden Afghanistans sind am Mittwoch Angaben
der Nato zufolge zwei Soldaten der Allianz getötet und zwei weitere
verletzt worden.
Der Sprecher machte keine Angaben zur Ursache der Explosion und zur
Nationalität der Soldaten. Der Süden ist eine Hochburg der
Taliban-Extremisten, die die ausländischen Streitkräfte aus
dem Land vertreiben und die vom Westen unterstützte Regierung von
Präsident Hamid Karsai stürzen wollen. Die radikal-islamische
Bewegung hat angekündigt, ihre Angriffe und Anschläge in den
kommenden Wochen zu verstärken. Die Bundeswehr ist im relativ
ruhigen Norden stationiert.
(Quelle: rtr)
Pentagon-Bericht über harsche Verhörmethoden in Afghanistan
-- Bürgerrechtsunion spricht von Folter
Do.17.04.08 - Das US-Verteidigungsministerium hat in einem am Mittwoch
veröffentlichten Bericht harsche Verhörmethoden in dem
afghanischen Gefängnis Gardes aufgelistet. So seien Gefangene
gezwungen worden, sich draußen in nasser Kleidung hinzuknien.
Wenn sie sich bewegt hätten, seien sie getreten und gestoßen
worden. Der Bericht wurde anlässlich des Tods des Gefangenen
Dschamal Nasser 2003 in Gardes bis 2006 erstellt und nun der
Amerikanischen Bürgerrechtsunion (ACLU) übergeben. Deren
Sprecherin Amrit Singh bezeichnete die darin geschilderten Methoden als
Folter.
In den in dem Bericht zusammengetragenen Dokumenten wird detailliert
geschildert, wie Nasser und sieben weitere Gefangene verhört
wurden. Dem Bericht zufolge starb Nasser nicht an den körperlichen
Misshandlungen, sondern an einem Magenleiden. Die Ermittler hätten
Verhörmethoden angewandt, die sie in einem Überlebenstraining
des Heeres gelernt hätten, das Survive, Evade, Resist and Escape
(Überleben, Ausweichen, Widerstehen und Entkommen) - kurz SERE -
heißt.
Singh erklärte, das SERE-Programm solle die US-Soldaten darauf
vorbereiten, grausamen Verhörmethoden zu widerstehen, sollten sie
selbst in Gefangenschaft geraten. Wenn alle Methoden zusammen - darunter
auch das Besprühen Gefangener mit kaltem Wasser oder Schnee -
angewandt würden, handele es sich um Folter. Der ACLU-Anwältin
zufolge wurden SERE-Methoden auch auf Guantanamo und im Irak angewandt.
(Quelle: ap)
Todesstrafe: Oberstes US-Gericht erklärt Giftspritze für
zulässig
Do.17.04.08 - Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Hinrichtung per Giftspritze
für zulässig erklärt. Die Exekutionsmethode sei keine
«grausame und unübliche Strafe» und verstoße
nicht gegen die Verfassung, erklärte Richter John Roberts am
Mittwoch zur Begründung. Das Gericht wies damit mit klarer
Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen die Klage zweier Todeskandidaten
aus Kentucky ab. Der Gouverneur von Virginia hob kurz nach Bekanntgabe
des Urteils ein seit Herbst geltendes Moratorium für Hinrichtungen
auf.
Seit der Oberste Gerichtshof im September erklärt hatte, sich mit
der Klage zu befassen, wurde in den USA kein Häftling mehr
hingerichtet. In mehreren US-Staaten hat die Staatsanwaltschaft
angekündigt, wieder Termine für Exekutionen anzustreben,
sollte der Oberste Gerichtshof die Giftspritze für
verfassungsgemäß erklären.
Die Todeskandidaten aus Kentucky hatten gegen die umstrittene
Zusammensetzung der Todesspritze geklagt. Sie hatten erklärt, die
derzeit verwendete Kombination aus drei Substanzen berge die Gefahr,
dass dem Verurteilten unsägliche Schmerzen zugefügt werden
könnten.
Die Giftspritze, die zurzeit in rund drei Dutzend US-Staaten verwendet
wird, besteht aus einem Mittel zur Betäubung, einer Substanz zur
Muskellähmung und einer Droge, die zum Herzstillstand führt.
Die Kläger machen geltend, dass der Verurteilte bei der
Verabreichung der dritten tödlichen Substanz schwere Schmerzen
erleide, falls das Betäubungsmittel versage. Wegen der
Muskellähmung könne er dies aber nicht mehr verdeutlichen.
Dies widerspreche der US-Verfassung, die körperliche Grausamkeit
bei Hinrichtungen verbiete.
Den Obersten Gerichtshof forderten die Kläger auf, entweder eine
andere Zusammensetzung der Giftspritze vorzuschreiben oder die
Vorschriften für ihre Anwendung verschärfen. Auch
müssten Gefängnisbeamte besser ausgebildet werden, um
Komplikationen bei Hinrichtungen erkennen und darauf reagieren zu
können. Auslöser des Verfahrens waren Exekutionen in Florida
und Ohio, die wesentlich länger dauerten als üblich und
deutliche Hinweise darauf gaben, dass der Todeskandidat Schmerzen erlitt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Mindestens 20 Tote bei Kämpfen im Gazastreifen
Do.17.04.08 - Bei den schwersten Kämpfen im Gazastreifen seit Anfang März
sind am Mittwoch mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Nach
Angaben von Rettungskräften starben bei israelischen Luftangriffen
mindestens zwölf Zivilisten, darunter ein Journalist der
britischen Nachrichtenagentur Reuters. Die israelischen Armee
tötete den Angaben zufolge auch fünf Kämpfer der
radikalislamischen Hamas. Bei Gefechten mit Hamas-Kämpfern kamen
drei israelische Soldaten ums Leben, wie eine Armeesprecherin
mitteilte. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der zu einem
dreitägigen Besuch in Moskau eintraf, verurteilte das israelische
Vorgehen.
Augenzeugen zufolge feuerten israelische Kampfhubschrauber mehrere
Raketen auf eine Gruppe radikaler Palästinenser, die einen
Granatangriff auf Israel vorbereiteten. Einige Geschosse hätten
aber auch das nahegelegene Flüchtlingslager von Bureidsch
getroffen. Dabei seien mindestens neun Zivilisten getötet worden,
darunter auch zwei Kinder.
Bei einem weiteren Luftangriff wurde der Jeep eines Reuters-Kameramanns
von einer Rakete getroffen. Der 25-jährige Fadel Tschanaa erlag im
Krankenhaus seinen schweren Verletzungen, wie Rettungskräfte
mitteilten. Mit ihm kamen zwei weitere Palästinenser ums Leben.
Die drei israelischen Soldaten wurden in den frühen Morgenstunden
bei einem Schusswechsel nahe des Grenzübergangs Nahal Os
getötet. Der bewaffnete Arm der Hamas, die
Essedin-el-Kassam-Brigaden, bekannte sich zu dem Angriff. Der
israelische Präsident Schimon Peres zeigte sich während eines
Warschau-Besuchs bestürzt über den Tod der Soldaten. Israel
nahm dennoch Treibstofflieferungen über den Grenzübergang
Nahal Os, die nach einem Angriff radikaler Palästinenser vor einer
Woche unterbrochenen worden waren, wieder auf.
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter traf im Rahmen seiner
neuntägigen Nahost-Reise in Kairo ein, wo er nach
palästinensischen Angaben am Freitag Hamas-Führer Chaled
Meschaal treffen soll. Die USA und Israel kritisieren die Reise des
früheren US-Präsidenten, der zum Dialog mit der Hamas aufruft.
Abbas rief die israelische Regierung nach Angaben eines Sprechers zum
Ende der Luftangriffe auf den Gazastreifen auf. Der
Palästinenserpräsident führte in Moskau
Vorgespräche für eine Nahost-Konferenz, die Russland im Juni
ausrichten will. Die Tagung soll nach dem Willen Moskaus das
Nachfolgetreffen zu der im vergangenen November in der US-Stadt
Annapolis abgehaltenen Friedenskonferenz werden.
(Quelle: afp)
Australien: Kinder der Aborigines sollen Versuchskaninchen gewesen sein
Do.17.04.08 - Kinder der Aborigines sollen in Australien in den 20er und 30er Jahren
des vergangenen Jahrhunderts für medizinische Versuche missbraucht
worden sein. Die Regierung habe ihnen zu Testzwecken ein Lepraserum
gespritzt, erklärten Anwälte der Aborigines-Gruppe Allianz
einer gestohlenen Generation am Mittwoch vor dem Senat in Canberra.
«Über diese Dinge wurde nie gesprochen. Die Kinder wurden
benutzt», sagte Anwältin Kathleen Mills.
Gesundheitsministerin Nicola Roxon kündigte an, die Vorwürfe
würden genauestens untersucht. Eine Untersuchung der entsprechenden
Archive ist veranlasst, wie die Ministerin erklärte. Ein von der
Regierung initiierte Gesetzesvorhaben der gestohlenen Generation hat
zum Ziel, rund 100.000 Eingeborene zu entschädigen, die im
Kindesalter aus ihren Familien gerissen wurden und gezwungen wurden,
wie Weiße in Städten aufzuwachsen.
Ein Medizinprofessor an der Universität Sydney, Warwick Britton,
äußerte Zweifel an den Vorwürfen. Ein derartiges Serum
sei in Australien nie zur Anwendung gekommen, sagte er dem australischen
Fernsehen. In den 20er und 30er Jahren habe es eine schmerzhafte
Therapie gegeben, bei der erkrankten Patienten alle ein bis zwei Monate
eine Ölinjektion verabreicht worden sei. Diese Therapie sei damals
allerdings weltweit eingesetzt worden, sagte der Mediziner.
(Quelle: ap)
Zusammenstöße in Haiti wegen hoher Lebensmittelpreise
Do.17.04.08 - In Haiti halten die Auseinandersetzungen wegen der hohen
Lebensmittelpreise an.
Händler und Kunden gerieten am Dienstag aneinander, weil sich Reis
trotz des Eingreifens der Regierung nicht verbilligt hatte. Die
Läden verkauften das Grundnahrungsmittel noch zu den hohen Preisen,
die in der vergangenen Woche auf dem Weltmarkt gezahlt werden mussten.
Die Regierung hatte am Wochenende mit den Importeuren eine deutliche
Senkung der Kosten vereinbart.
Vor zahlreichen Geschäften kam es wegen der Preise zu heftigem
Streit, der in einigen Fällen in Rangeleien ausartete. Eine
Mehrheit der neun Millionen Haitianer muss mit weniger als zwei Dollar
am Tag (1,26 Euro) auskommen. Nach tagelangen Unruhen wurde
Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis am Samstag vom Parlament
entlassen.
Abgeordnete warnten vor einem Aufflammen der Gewalt, sollte die
Regierung die Preissenkung nicht in den Geschäften durchsetzen.
"Dann müssen wir uns auf weitere Vorfälle zwischen
Käufern und Verkäufern einstellen", sagte Jean Beauvoir Dorson
auf dem Weg ins Parlament. Die Händler machten geltend, dass sie
ihre Vorräte zu teuren Preisen eingekauft hätten.
Proteste gegen den drastischen Anstieg der Nahrungsmittelpreise gab es
auch in mehreren afrikanischen Ländern, in Bangladesch, Indonesien
und auf den Philippinen. Die Weltbank hat davor gewarnt, dass die Krise
Millionen Menschen in Armut und Hunger stürze. Die rapide Teuerung
geht vor allem auf höhere Energiepreise, eine stärkere
Nachfrage nach Lebensmitteln in Asien und den durch staatliche
Subventionen geförderten Biosprit-Boom zurück, der
landwirtschaftliche Anbauflächen verbraucht.
(Quelle: rtr)
Hunger-Nothilfe der UN vor dem Finanz-Kollaps --
Welternährungsprogramm rechnet mit einer Verschärfung
der Nahrungskrise
Do.17.04.08 - Dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) geht das
Geld für die Nothilfe gegen Hungersnöte aus. Wegen der hohen
Nahrungspreise hat sich die Finanzlücke des WFP drastisch
verschärft.
«Die Krise hat sich verschärft, weil allein im März die
Nahrungsmittelpreise weltweit nochmals um rund 20 Prozent zugelegt
haben», sagte der Leiter des deutschen WFP- Büros, Ralf
Südhoff, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur
dpa in Berlin. Seit Sommer vergangenen Jahres seien die Preise für
Hauptnahrungsmittel damit um 55 Prozent gestiegen.
«Wir müssen davon ausgehen, dass der Betrag von 500
Millionen Dollar (316 Millionen Euro) nicht mehr reichen wird. Wir
werden wahrscheinlich eine noch höhere Summe nennen
müssen», sagte Südhoff. Die UN-Organisation hatte einen
Appell an die wichtigsten Geldgeber gerichtet, um die Finanzlücke
von 500 Millionen Dollar zu stopfen. Dies hatte die Weltbank
aufgegriffen. Mit dem Geld sollen die 70 Millionen bedürftigsten
Menschen auf der Welt versorgt werden.
«Wir reden überhaupt noch nicht über die Frage, wie
viele neue Bedürftige es gibt», sagte Südhoff. «In
Afghanistan muss man davon ausgehen, dass dort rund zweieinhalb
Millionen neue Bedürftige hinzugekommen sind, weil sich die
Weizenpreise um mehr als zwei Drittel erhöht haben.»
Der Experte hält die angekündigten Mittel der deutschen
Regierung und der USA für bedeutend. «Wenn sich das
realisiert, wäre womöglich bald die Hälfte des Bedarfs
von 500 Millionen Dollar etwa gedeckt», sagte Südhoff.
«Das ist weit mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Trotzdem genügt es hinten und vorne nicht.» Deutschlands
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hatte insgesamt
13 Millionen Euro zusätzliche Hilfe angekündigt. Die
Bundesregierung gab im vergangenen Jahr 48 Millionen Euro an das WFP.
Die US-Regierung stellt 200 Millionen Dollar (126 Millionen Euro)
Soforthilfe bereit.
Das WFP rechnet mit einer Verschärfung der Krise. «Alle
Experten gehen davon aus, dass die Lebensmittelpreise zumindest in den
nächsten Jahren weiter steigen werden», sagte Südhoff.
«Menschen, die ohnehin weite Teile ihres Einkommens früher
schon für Essen ausgeben mussten, können es sich jetzt
überhaupt nicht mehr leisten.» Das Problem sei, dass die
Preise explosionsartig gestiegen seien. «Kleinbauern können
im Moment vom Preisboom nur Schaden nehmen.» Sie müssten
Nahrungsmittel zukaufen. «Mittel- und langfristig ist unser Ziel,
dass sie auf ihren lokalen Märkten ihre Ernte verkaufen und von den
gestiegenen Preisen profitieren.»
Die UN-Organisation forderte die Europäische Union auf, ihre
Exportsubventionen für Agrarprodukte wie geplant bis 2013
abzuschaffen. «Die EU hat da erste Schritte unternommen, aber das
Problem ist noch nicht gelöst.»
(Quelle: dpa)
Im Kampf gegen Kindersterblichkeit fehlen Milliarden
Do.17.04.08 - Im weltweiten Kampf gegen die Kinder- und Müttersterblichkeit
fehlen nach Ansicht von UN-Experten 10 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
In den meisten der 68 am schlimmsten betroffenen Länder gebe es zu
wenig Fortschritte, mahnt die Weltgesundheitsorganisation in einem am
Mittwoch in Kapstadt (Südafrika) veröffentlichten Bericht.
Noch immer stürben jährlich knapp zehn Millionen Kinder vor
ihrem fünften Geburtstag und eine halbe Million Frauen im
Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt.
In den Millenniums-Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (UN) haben
sich die Staats- und Regierungschefs verpflichtet, bis 2015 die
Kindersterblichkeit weltweit um zwei Drittel und die
Müttersterblichkeit um drei Viertel im Vergleich zu 1990 zu
senken. 2006 habe die internationale Gemeinschaft für diese
Aufgaben 3,5 Milliarden US-Dollar (2,2 Milliarden Euro) zur
Verfügung gestellt, heißt es in der Studie mit dem Titel
«Countdown bis 2015». Das seien nur drei Prozent der
gesamten Entwicklungshilfe-Ausgaben.
Rund 97 Prozent der weltweiten Kinder- und Mütter-Todesfälle
entfallen auf 68 Staaten. Nach der in Teilen schon im britischen
Medizinjournal «The Lancet» (Bd. 371, S. 1247)
veröffentlichten Untersuchung ist zwar ein knappes Viertel dieser
Länder auf dem richtigen Weg. Doch das Bild ist uneinheitlich.
Während sich in China - das Land mit der größten
Bevölkerungsdichte - die medizinische Versorgung von
Säuglingen und Müttern erstmals drastisch verbessert hat, hat
sich die Situation in Teilen Afrikas sogar verschlechtert. Dort sind
Lungenentzündung, Durchfall und Malaria für mehr als die
Hälfte der Todesfälle verantwortlich. Zwischen 2000 und 2003
starben daran mehr als 17 Millionen Kinder.
Das schlägt sich auch im Vergleich der Länder mit den besten
und schlechtesten Ergebnissen nieder: Peru hat die Kindersterblichkeit
seit 1990 um mehr als zwei Drittel gesenkt, während sie sich im
Aids- geplagten Botsuana mehr als verdoppelt hat. Neben dem Krisenstaat
Simbabwe schneidet aber auch das benachbarte Schwellenland
Südafrika schlecht ab. Außer chronischer
Unterernährung, einem Mangel an gut ausgebildetem medizinischen
Personal, hohen Gesundheitskosten im Verbund mit einem enormen
Einkommensgefälle erschwert dort ebenfalls die Immunschwäche
Aids die Situation.
Wörtlich heißt es in der Studie: «Zwölf
afrikanische Staaten haben seit 1990 - vor allem wegen der HIV-Epidemie
und wegen Konflikten - eine Zunahme der Kindersterblichkeit
registriert.» Der akute Mangel an gut ausgebildeten Helfern
für Notfälle während der Geburt sowie für die
Pflege von Babys, die krank zur Welt kommen, macht allerdings auch
anderen Staaten arg zu schaffen - insgesamt sind es 79 Prozent der
untersuchten Länder. Im Schnitt hat in den untersuchten
Ländern nur jede zweite Frau Geburtshilfe gehabt.
Zu den 16 Ländern, die auf gutem Wege sind, die UN-Ziele zu
erreichen, gehören Brasilien, Bangladesch, Mexiko und Indonesien.
Nur drei Länder - China, Haiti und Turkmenistan - hätten seit
Beginn des «Countdowns bis 2015» allerdings vorzeigbare
Fortschritte erzielt. Verbesserungen habe es vor allem bei Impfungen
von Kindern sowie der Schwangerenfürsorge gegeben. Die Autoren
fordern neben intensiverer Betreuung von Frauen vor und während
der Schwangerschaft und nach der Geburt vor allem eine konstantere
Finanzierung der Gesundheitsmaßnahmen
(Quelle: dpa)
Klimaerwärmung: US-Präsident Bush will
Treibhausgas-Ausstoß von 2025 an reduzieren
Do.17.04.08 - US-Präsident George W. Bush will den Ausstoß von
Treibhausgasen in den USA vom Jahr 2025 an reduzieren. Eine
Verringerung der CO2-Emissionen davor ist laut einer am Mittwoch in
Washington vorgestellten Strategie im Kampf gegen den Klimawandel nicht
geplant, ebenso wenig gesetzlich festgelegte Obergrenzen. Die
gesteckten Ziele könnten nur mit neuen Technologien erreicht
werden, erklärte Bush in einer Rede im Rosengarten des
Weißen Hauses.
Die Schadstoffemissionen im Energiesektor sollten in zehn bis 15 Jahren
ihren Höhepunkt erreichen und danach verringert werden, sagte
Bush. Sie sollten dann deutlich unter den Wert sinken, der im Jahr 2002
anvisiert worden sei. Bush hatte damals als Ziel genannt, den
Ausstoß von Treibhausgasen innerhalb von zehn Jahren um 18
Prozent zu verringern.
Umweltschützer und die Demokraten kritisierten Bush Pläne als
unzureichend. Die Strategie des Präsidenten sei «schlimmer
als Nichtstun» und «der Gipfel der Unverantwortlichkeit,
sagte die demokratische Senatorin Barbara Boxer, die Vorsitzende des
Umweltausschusses im Senat.
Bushs Strategie hat allerdings praktisch wenig Bedeutung: Die drei
Bewerber um seine Nachfolge - Hillary Clinton, Barack Obama und John
McCain - haben sich alle für verbindliche Emissionsgrenzen
ausgesprochen. Bushs Amtszeit endet im Januar kommenden Jahres.
Der Präsident forderte am Mittwoch außerdem die Einbindung
weiterer Länder in die Bemühungen um eine Eindämmung des
Treibhausgas-Ausstoßes. Maßnahmen der USA allein
könnte das Problem der globalen Erwärmung nicht angehen. Bush
hat mehrfach gefordert, dass sich auch Schwellenländer wie China
und Indien landesweite Ziele für die Verringerung von
klimaschädlichen Emissionen setzen. Dem Kyoto-Protokoll zur
Reduzierung des CO2-Ausstoßes sind die USA nicht beigetreten.
Konkrete Vorschläge für Maßnahmen im Kampf gegen den
Klimawandel machte Bush nicht. Er warnte vielmehr vor der
Verabschiedung von Gesetzen im Kongress, die das Wirtschaftswachstum
der USA behindern könnten. Der Präsident setzt bei der
unverbindlichen Vorgabe derzeit vor allem auf finanzielle Anreize, um
die Entwicklung neuer Technologien zu fördern. Die Forschung in
diesem Bereich soll dabei ebenso gefördert werden wie eine
verstärkte Nutzung regenerativer Energien.
Die Regierung kann die Bekämpfung des Klimawandels nicht
länger ignorieren: International steigt der Druck und auch die
demokratische Kongressmehrheit fordert verbindliche Grenzwerte. Zuletzt
hat auch der Oberste Gerichtshof die Umweltbehörde (EPA)
aufgefordert, Grenzwerte für Kohlendioxid-Emissionen festzulegen.
Als Folge einer Reihe jüngster Gerichtsentscheidungen sei es sehr
wahrscheinlich, dass die Regierung den Ausstoß von
Treibstoffgasen regulieren werde, sagte Perino. Eine Anweisung von
Richtern an ungewählte Bürokraten könne nicht der
richtige Umgang mit dem Thema sein.
(Quelle: ap)
53 kurdische Bürgermeister in der Türkei verurteilt -- Wegen
Unterstützung von kurdischem Fernsehsender in Dänemark
Do.17.04.08 - Wegen Unterstützung einer Terrororganisation hat ein
türkisches Gericht am Dienstag 53 kurdische Bürgermeister
verurteilt, die sich gegen die Schließung eines kurdischen
Fernsehsenders in Dänemark stark gemacht haben. Die meisten
Verurteilten gehören der Partei der demokratischen Gesellschaft
(DTP) an, der Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK
nachgesagt werden. Die Urteile gegen die Bürgermeister sollten in
einem Verbotsverfahren gegen die DTP verwendet werden, erklärte
einer ihrer Anwälte.
Das Gericht in Diyarbakir verurteilte die Angeklagten zunächst zu
zwei Monaten Gefängnis, milderte sein Urteil dann aber in
Geldstrafen von umgerechnet 900 Euro ab. Drei weitere Bürgermeister
wurden freigesprochen. Die Verurteilten kündigten an, das Urteil
anzufechten.
Die Bürgermeister wurden 2006 vor Gericht gestellt. Sie hatten den
dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen in einem
Brief aufgerufen, sich der von der türkischen Regierung geforderten
Einstellung des Senders Roj TV zu widersetzen. Ankara sieht in dem
kurdischen Sender ein Sprachrohr der PKK. Die dänischen
Behörden haben wegen möglicher Verbindungen zwischen Roj TV
und der PKK eine Untersuchung eingeleitet, Ergebnisse liegen noch nicht
vor. Der Sender hat die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Euro-Inflation steigt stärker als erwartet
Do.17.04.08 - Der Preisauftrieb in der Eurozone hat sich im März stärker
beschleunigt als erwartet. Die Jahresinflationsrate stieg vor allem
wegen hoher Energie- und Nahrungsmittelpreise auf 3,6 Prozent nach 3,3
Prozent im Februar. Das teilte die europäische
Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mit. Die Behörde
korrigierte damit eine frühere Schätzung für März um
0,1 Prozentpunkte nach oben. Die Teuerung hat den höchsten Stand
seit Beginn der einheitlichen Inflationsberechnung für das
Eurogebiet im Januar 1997 erreicht.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Teure Energie und Lebensmittel treiben Inflation über drei
Prozent
Do.17.04.08 - Drastische Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel haben
die Inflation in Deutschland im März wieder über die
Drei-Prozent-Marke getrieben. Die Jahresteuerungsrate kletterte auf 3,1
Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach endgültiger
Berechnung mitteilte.
In den 15 Euro- Ländern erreichte der Preisauftrieb sogar 3,6
Prozent und damit den höchsten Wert seit Beginn der einheitlichen
Inflationsberechnung für das Eurogebiet im Januar 1997. In
Deutschland hatte es im November 2007 mit 3,2 Prozent die höchste
Teuerung seit 1994 gegeben.
Damit liegt die Teuerung in Deutschland und im Euro-Gebiet deutlich
über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp
unter zwei Prozent. Die Notenbank geht davon aus, dass im Gesamtjahr
die Zwei-Prozent-Marke im Euro-Raum verfehlt wird.
Als Grund für den Preisauftrieb nannte das Statistische Bundesamt
vor allem Preissteigerungen bei Mineralölerzeugnissen und
Lebensmitteln, hier vor allem bei Brot und Milch. Nahrungsmittel
verteuerten sich in Deutschland laut Statistik innerhalb eines Jahres
so stark wie in den zehn Jahren zuvor - allerdings verlangsame sich der
Anstieg inzwischen. Die Inflationsrate stieg damit in diesem Jahr
erstmals über die Drei-Prozent-Marke - im Januar und Februar hatte
sie jeweils 2,8 Prozent betragen.
Der Preisauftrieb in der Eurozone hat sich im März stärker
beschleunigt als zunächst erwartet. Die Jahresinflationsrate stieg
auf 3,6 Prozent nach 3,3 Prozent im Februar. Das teilte die
europäische Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch in
Luxemburg mit. Die Behörde korrigierte damit eine frühere
eigene Schätzung um 0,1 Prozentpunkte nach oben. In der gesamten
EU gab es einen Anstieg um ebenfalls 0,3 Punkte auf 3,8 Prozent.
Die Rekordinflation besorgt die EU-Kommission. «Das ist eine
Situation, die uns beunruhigt», sagte die Sprecherin von EU-
Währungskommissar Joaquín Almunia in Brüssel. Sie
verwies auf die kräftigen Aufschläge bei den Energie- und
Nahrungsmittelpreisen. Es sei wichtig, dass die Teuerung nicht auf
andere Bereiche überspringe. Deshalb dürften Lohn- und
Gehaltssteigerungen nicht den Produktivitätszuwachs in den
jeweiligen Branchen übersteigen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mussten Verbraucher in
Deutschland im März für Kraftstoffe 12,3 Prozent mehr als im
Vorjahr zahlen, darunter für Diesel 19,5 Prozent mehr. Leichtes
Heizöl verteuerte sich um 40 Prozent, Strom um 7,2 Prozent und die
Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme um 2,3 Prozent. Ohne
Energie, die etwa ein Zehntel der Gesamtausgaben der privaten Haushalte
ausmacht, hätte die Teuerungsrate nur bei 2,3 Prozent gelegen.
Preissprünge registrierten die Statistiker bei Lebensmitteln mit
plus 8,6 Prozent gegenüber Vorjahr. Besonders stark verteuerten
sich Milch, Käse und Eier (plus 23,9 Prozent) sowie Speisefette
(plus 15,9 Prozent). Auch für Obst (plus 11 Prozent) sowie Brot
und Getreideerzeugnisse (plus 8,7 Prozent) mussten die Verbraucher mehr
ausgeben. Mineralwasser, Säfte und Limonade wurden um 7,1 Prozent
teurer. Auch Bus-, Bahn- und Flugtickets wurden teurer, während
Computer und Telefone günstiger wurden (minus 3,2 Prozent).
Gegenüber dem Vormonat Februar war der Preisanstieg von 0,5
Prozent laut Statistik vornehmlich auf saisonbedingte
Preiserhöhungen zurückzuführen. Wegen des frühen
Ostertermins stiegen im März die Preise für Flugtickets,
Hotels und Pensionen sowie Pauschalreisen. Bei den
saisonabhängigen Waren zogen vor allem die Preise für
leichtes Heizöl und Kleidung an. Lebensmittel und Getränke
wurden um 0,5 Prozent teurer.
(Quelle: dpa)
Bundessozialgerichts-Urteil: Arbeitslose müssen Lebensversicherung
verkaufen
Do.17.04.08 - Arbeitslose können auch dann zum Verkauf ihrer
Lebensversicherungen gezwungen werden, wenn sie neben dieser privaten
Altersvorsorge fast keinen Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben.
Das entschied am Dienstag das Bundessozialgericht (BSG) in Kasselder
Altersarmut verwiesen»: Wenn er seine private Altersvorsorge
aufgäbe, müsste er im Alter von Sozialhilfe leben.
Deutschlands oberste Sozialrichter wollten darin jedoch keinen
Härtefall erkennen, der Ausnahmen von der grundsätzlichen
Verpflichtung der Arbeitslosen zur Verwertung ihres Vermögen
zulässt. «Der Senat sieht allein in der beruflichen Biografie
keine besondere Härte», sagte der Senatsvorsitzende Peter
Udsching.
Empfänger von Arbeitslosengeld II dürfen derzeit pro
Lebensjahr nur 150 Euro Erspartes plus 250 Euro für eine private
Altersvorsorge besitzen. Lebensversicherungen gelten zudem nur dann als
Altersvorsorge, wenn sie vor Beginn des Rentenalters nicht
gekündigt werden können. Nur wer sich von der gesetzlichen
Rentenversicherungspflicht hat befreien lassen und deshalb keinerlei
Rentenansprüche hat, darf auch mehr Geld fürs Alter behalten.
Grundsätzlich müssen Arbeitslose vor dem Bezug von
«Hartz IV»-Leistungen jedes Vermögen verwerten, das
über den Freibeträgen liegt - es sei denn, der Verkauf
wäre unwirtschaftlich. Bei Lebensversicherungen ist das nach der
Rechtsprechung des BSG dann der Fall, wenn der mögliche Ertrag
deutlich unter den eingezahlten Beiträgen liegt. Weil das im
verhandelten Fall noch nicht überprüft worden ist, verwies der
Senat das Verfahren zurück an das nordrhein-westfälische
Landessozialgericht in Essen.
(Quelle: ddp)
SPD gibt Vollbeschäftigung als Ziel an
Do.17.04.08 - Zum Tag der Arbeit am 1. Mai hat die SPD die Vollbeschäftigung als
Ziel ausgegeben. In dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten
Aufruf des Präsidiums hieß es aber: «Es geht nicht um
irgendwelche Arbeit. Die Würde der Arbeit muss gewahrt
bleiben.» Dies setze gerechte Bezahlung und Mindestlöhne
voraus. Ziel der Sozialdemokratie bleibe ein gesetzlicher Mindestlohn.
«Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind die
Leistungsträger unseres Landes. Sie müssen angemessen am
wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden», schrieb die
Parteispitze unter Führung von SPD-Chef Kurt Beck.
Besonders kritisierte die Partei die Lage vieler Leiharbeiter.
Zeitarbeit solle eigentlich ein Instrument sein, um Auftragsspitzen zu
bewältigen und eine Brücke in reguläre Beschäftigung
sein. «In zunehmendem Maße wird sie jedoch für
Lohndumping und Tarifflucht missbraucht», monierte die
SPD-Spitze. «Deshalb wollen wir die Einbeziehung der
Zeitarbeitsbranche in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz und die Ausweitung
des vom DGB abgeschlossenen Mindestlohn-Tarifvertrages auf die gesamte
Branche.» Darüber hinaus müsse nach einer angemessenen
Einarbeitungszeit ohne Ausnahme für Beschäftigte in
Leiharbeit die gleiche Bezahlung und die gleichen Arbeitsbedingungen
gelten wie für die Stammbelegschaft.
Das Präsidium rief die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei
auf, gemeinsam mit ihren Gewerkschaften am 1. Mai für Gute Arbeit
und soziale Gerechtigkeit zu demonstrieren.
(Quelle: ap)
Chemie-Beschäftigte bekommen 4,4 Prozent mehr Lohn
Do.17.04.08 - Die chemische Industrie hat einen neuen Tarifabschluss: Die rund 550
000 Beschäftigten erhalten in diesem Jahr 4,4 Prozent mehr Geld
für eine Laufzeit von 13 Monaten. Zudem sollen die Betriebe eine
Einmalzahlung von 0,5 Prozent eines Monatsentgeltes mal 13 zahlen.
2009 werden die Entgelte um weitere 3,3 Prozent für zwölf
Monate erhöht. Das teilten beide Seiten am Mittwoch nach der
zweiten bundesweiten Verhandlungsrunde im rheinland-pfälzischen
Lahnstein mit. Die Laufzeit beginnt regional unterschiedlich und endet
zwischen Ende März und Ende Mai 2010.
«Die kräftige Anhebung der Einkommen entspricht der Lage,
wir haben unser Ziel - ein höherer Abschluss als 2007 -
erreicht», sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG
BCE, Werner Bischoff. Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach
Einkommenserhöhungen von sieben Prozent in die Tarifrunde
gegangen. Der Verhandlungsführer des Bundesarbeitgeberverbandes
Chemie (BAVC), Hans-Carsten Hansen, sagte: «Mit diesem
Tarifabschluss sind die Arbeitgeber bis an die Belastungsgrenze
gegangen.» Zudem einigten sich die Tarifparteien bei den Themen
Ausbildung und Lebensarbeitszeit.
Beide Seiten bezeichneten den Tarifabschluss als wegweisend für
andere Branchen, bei denen in diesem Jahr noch Tarifverhandlungen
anstehen. Der vorige Chemie-Abschluss hatte ein Volumen von 4,3
Prozent, bestehend aus einer linearen Anhebung von 3,6 Prozent und
einer Einmalzahlung von 0,7 Prozent eines Monatsentgelts in jedem Monat
der Laufzeit. Die Verhandlungen in der Chemie-Industrie waren
regelmäßig ohne große Konflikte über die
Bühne gegangen.
Zudem wurde am Mittwoch ein neuer Tarifvertrag zur flexiblen Gestaltung
der Lebensarbeitszeit geschlossen. Kernpunkt sei eine Regelung zur
Altersteilzeit, erklärte die IG BCE. Demnach werden 2009
betriebliche Fonds eingerichtet, die von den Arbeitgebern jährlich
mit einem Beitrag von zunächst 300 Euro pro Beschäftigten
gespeist werden. Der Beitrag sei dynamisch. «Die künftigen
Erhöhungen werden entsprechend den Entgelterhöhungen
vorgenommen», hieß es. Zudem würden die bereits
bestehenden Langzeitkonten attraktiver. Aus den Fonds solle auch die
Teilrente aufgebessert werden.
Der IG BCE war es vor allem darum gegangen, Lösungen für
besonders belastete Arbeitnehmer zu finden, die nicht bis 67 arbeiten
können. So seien 25 bis 30 Prozent der Mitarbeiter in der
chemischen Industrie Schichtarbeiter. Ende 2009 läuft die
bisherige Altersteilzeit-Förderung aus, mit der der Staat unter
bestimmten Bedingungen den vorzeitigen Ruhestand finanziell attraktiver
macht. Mit der neuen Vereinbarung werde der bestehende Tarifvertrag
nach 2009 auf dem bisherigen Niveau fortgeführt. Die
Altersteilzeit könne vom 59. bis zum 65. Lebensjahr in Anspruch
genommen werden, erklärte die Gewerkschaft
Zudem vereinbarten die Tarifparteien die Fortführung des
Ausbildungstarifvertrags bis 2012. Dabei legten sie konkrete
Ausbildungszahlen für die Jahre 2009 und 2010 fest:
«Insgesamt werden die Chemiebetriebe in dieser Zeit 18 200
Ausbildungsplätze neu anbieten», erklärte der BAVC.
(Quelle: dpa)
Mitarbeiter-Bespitzelung im Handel flächendeckend
Do.17.04.08 - Die gesetzeswidrige Überwachung von Mitarbeitern ist nach einem
«Stern»-Bericht bei vielen Einzelhandelsketten an der
Tagesordnung. Auch in Filialen von Penny, Netto und Norma sowie REWE,
Tegut, Hagebau oder Famila seien Mitarbeiter illegal bespitzelt worden.
Das schreibt das Magazin unter Berufung auf 150 ihm vorliegende
Protokolle. Der Fall Lidl sei nur ein Beispiel von vielen. Der
«Stern» hatte zuvor Bespitzelungs-Fälle bei Lidl
aufgedeckt und später auch von ähnlichen Praktiken bei Edeka
und Plus berichtet.
Die Handelsgruppe Rewe räumte eine Überwachung von
Mitarbeitern durch Detektive in Filialen von Penny und Rewe ein.
Detekteien, die zur Bekämpfung des Ladendiebstahls beauftragt
wurden, seien in den Jahren 2003 bis 2005 bei ihrer Arbeit in die
Privatsphäre von Mitarbeitern eingedrungen, sagte Sprecher Wolfram
Schmuck. Es seien Protokolle angefertigt worden, in denen sich auch
sehr private Anmerkungen zu Mitarbeitern befunden hätten. Nun gebe
es eine Arbeitsgruppe, um Licht ins Dunkel zu bringen, betonte der
Sprecher auf Anfrage. Die Überwachung sei «aus der Region
heraus gemacht», und nicht zentral von der Kölner Gruppe
gesteuert worden.
Laut «Stern» zeigen die Protokolle, dass die Detektive
gegen Gesetze verstoßen haben. Das heimliche Ausspähen von
Mitarbeitern sei nur bei begründetem Verdacht einer Straftat
erlaubt. Die Protokolle bewiesen aber, dass wahllos bespitzelt worden
sei: «Private Beziehungen, Liebeskummer, Scheidungen,
Alkoholprobleme, Krankheiten, arbeitslose Verwandte - für alles
interessieren sich die Detektive.»
Das Magazin zitiert ausführlich aus den Protokollen, so etwa
über eine Penny-Markt-Mitarbeiterin: «Frau Z. ist mit allen
Wassern gewaschen, was aus ihrer zurückliegenden Tätigkeit zu
schließen ist. Frau Z. war Sekretärin beim KGB.»
Über eine andere Penny-Angestellte heißt es: «Frau A.
kommt aus Bayern und ist sehr rustikal im Umgang. Sie ist sehr wach und
abgeklärt und sollte intensiver beleuchtet werden.» Die
Krankheit eines Plus-Mitarbeiters wurde ebenfalls genau dokumentiert:
«Herr N. ist ein starker Raucher. Weiter fielen seine stark
zitternden Hände sofort auf. ... Der sehr hohe Nikotinbedarf und
die zitternden Hände weisen auf ein Krankheitsbild hin, was
für ein Unternehmen auf Dauer untragbar ist.»
Nach Einschätzung des Einzelhandelsverbands HDE wurde die
Bespitzelung vielfach von den Detekteien eigenmächtig und ohne
Auftrag vorgenommen. «Es ist daher wenig überzeugend, wenn
jetzt Protokolle von Detekteien herangeführt werden, die
dafür keinen Auftrag hatten», sagte Sprecher Hubertus
Pellengahr der dpa. Dem HDE sei auch kein Fall bekannt, in dem diese
Mitarbeiter-Informationen von den betroffenen Unternehmen genutzt
wurden, sagte Pellengahr.
Die Supermarktkette Tegut wies die Vorwürfe zurück. Zwar sei
2005 eine Detektei beauftragt worden, Arbeitsprozesse mit Blick auf die
Warensicherung im Verkaufsraum zu beobachten. Doch die Kameras seien
vom Betriebsrat genehmigt gewesen und die Mitarbeiter informiert
worden. Die Videoüberwachung habe nicht dazu gedient,
Arbeitsabläufe zu analysieren oder persönliches Verhalten zu
beobachten.
Nach Angaben des EHI Retail Institutes in Köln summierten sich
Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel auf zuletzt knapp 3,9
Milliarden Euro. Gut ein Viertel der Verluste werde von Mitarbeitern
verursacht, schätzt das Kölner Institut.
Laut Bundesverband der deutschen Detektive (BDD) bezogen sich im
vergangenen Jahr 58 Prozent der Aufträge aus der Wirtschaft auf
das Überwachen von Mitarbeiter-Fehlverhalten. Anlässe
für den Einsatz von Detektiven seien unter anderem
Diebstähle, Krankfeiern, Verrat von Betriebsgeheimnissen und
falsches Abrechnen.
Unterdessen sagte NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), die
Beschäftigten in deutschen Unternehmen müssten besser vor
Bespitzelung geschützt werden. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz
(SPD) und der Bundestag müssten ein Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz
auf den Weg bringen.
(Quelle: dpa)
Schwarz-Grüne Koalition in Hamburg fast perfekt
Do.17.04.08 - Die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene in Deutschland
ist so gut wie perfekt. CDU und Grüne in Hamburg haben bei ihren
letzten Verhandlungen in großer Runde am Mittwoch offenbar die
größten Brocken aus dem Weg geräumt. Dazu gehört
nach Medienberichten, das umstrittene Großkohlekraftwerk Moorburg
durch ein Gaskraftwerk zu ersetzen, wenn sich dafür ein Investor
findet. Arbeitsgruppen beider Parteien wollen bis Donnerstag die
letzten verbliebenen Streitpunkte ausräumen und dann am Abend den
Koalitionsvertrag vorlegen.
Die Grünen-Politikerin Antje Möller sagte, die Verhandlungen
lägen «in den letzten Zügen». Ein weiteres
Treffen in der großen Runde sei nicht mehr geplant. CDU und
Grüne wollten die noch ausstehenden «Feinabstimmungen»
bis Donnerstag abschließen. Beide Parteien lehnten jeden
Kommentar zu Inhalten der am Mittwoch getroffenen Vereinbarungen sowie
den noch offenen Punkten ab. «Welt online» meldete jedoch
eine Einigung auch über die beiden größten verbliebenen
Streitpunkte: das Großkohlekraftwerk Moorburg und die
Elbvertiefung.
Danach soll das von den Grünen abgelehnte riesige
Steinkohlekraftwerk im südlichen Stadtteil Moorburg entfallen,
wenn sich ein Unternehmen findet, das stattdessen ein Gaskraftwerk
für die Grundlastversorgung errichten will. Im Gegenzug solle die
zunächst von den Grünen bekämpfte Elbvertiefung erfolgen.
Aus Verhandlungskreisen will das Online-Portal erfahren haben, für
die Natur solle ein Ausgleichsfonds mit rund 40 Millionen Euro
eingerichtet werden. Bisher gebe es jedoch noch keine ernstzunehmenden
Angebote für das Gaskraftwerk. Der Stromerzeuger Vattenfall, der
das Kohlekraftwerk bauen will, sei überzeugt, dass selbst bei
einer europaweiten Ausschreibung kein Investor für ein derartiges
Gaskraftwerk gefunden werde.
Die Bürgerschaftsabgeordnete Möller erklärte: «Es
sind diverse Arbeitsprozesse noch in Gange.» Meldungen, wonach
sich CDU und Grüne bereits geeinigt hätten, bezeichnete sie
als «Ente». Am Donnerstag stehe noch ein langer Tag mit
Beratungen in Arbeitsgruppen bevor. Diverse Themen seien noch strittig.
Eine CDU-Sprecherin kündigte an, die endgültigen Ergebnisse
und der Koalitionsvertrag würden am Donnerstagabend um 18.00 Uhr
im Rathaus verkündet.
Auch Berichte, wonach es bereits Einigungen über die
Senatorenposten gegeben haben soll, wurden offiziell nicht
bestätigt. Medienberichten zufolge streben die Grünen drei
Posten an. Als gesetzt gelten GAL-Spitzenkandidatin Goetsch als
Bildungssenatorin sowie die Landesvorsitzende Anja Hajduk als Chefin
der Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung sowie Bau und
Verkehr.
Im Amt bleiben sollen demnach CDU-Finanzsenator Michael Freytag,
Innensenator Udo Nagel und Kultursenatorin Karin von Welck, beide
parteilos. Die bisherige Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram (CDU)
erklärte unterdessen ihren Rückzug aus dem Senat.
Außerhalb Hamburgs löste die geplante Koalition mit der CDU
bei den Grünen unterschiedliche Reaktionen aus. Der
stellvertretende Fraktionschef im Bundestag, Hans-Christian
Ströbele, warnte seine Partei im Gespräch mit
«Sueddeutsche.de» davor, das linke Lager zu verlassen. Die
Entwicklung in der Hansestadt stelle eine «ganz neue Dimension
grüner Koalitionspolitik dar», die er sehr skeptisch und
sehr kritisch sehe. Auch der Parteilinke Robert Zion warnte im
«Tagesspiegel» vor drohenden Wählerverlusten.
Dagegen lobte die Finanzpolitikerin Christine Scheel die Hamburger
Pläne. Dem «Kölner Stadt-Anzeiger» sagte sie:
«Wir wollen nicht, dass die SPD uns in eine Rolle der
Umklammerung bringt.»
(Quelle: ap)
Ströbele warnt Grüne vor Verlassen des linken Lagers
Do.17.04.08 - Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hat seine Partei
davor gewarnt, das linke Lager zu verlassen. Im Gespräch mit
«Sueddeutsche.de» kritisierte der stellvertretende
Fraktionschef der Grünen im Bundestag die geplante Bildung einer
schwarz-grünen Koalition in Hamburg.
Die Entwicklung in der Hansestadt stelle eine «ganz neue
Dimension grüner Koalitionspolitik dar», die er sehr
skeptisch und sehr kritisch sehe, sagte der Parteilinke. Ströbele
prophezeite den Verlust von Wählerstimmen, falls Schwarz-Grün
zum Standard einer Koalitionsbildung seiner Partei werde. «Es
gibt doch einige, die bei Ihrer Wahlentscheidung solche Debatten und
Konstellationen berücksichtigen - und dann die Grünen nicht
mehr wählen werden», wird Ströbele zitiert.
(Quelle: ap)
Neonazis erhalten Zulauf
Do.17.04.08 - Die Zahl der Neonazis in Deutschland hat nach einem Zeitungsbericht im
vergangenen Jahr um etwa fünf Prozent zugenommen. Die Zahl
derjenigen, die offen einen «Führerstaat» nach
nationalsozialistischem Vorbild wollen, sei von 4200 auf rund 4400
Personen gestiegen, berichtete die «Bild»-Zeitung
(Mittwochausgabe) vorab unter Berufung auf den neuen, noch
unveröffentlichten Jahresbericht des Kölner Bundesamtes
für Verfassungsschutz. Gleichzeitig konstatiere der Bericht einen
Rückgang des rechtsextremistischen Potenzials um insgesamt knapp 20
Prozent von 38 600 auf 31 000 Personen. Dies sei allerdings vor allem
Folge einer statistischen Bereinigung. Der Verfassungsschutz ordne die
Partei Die Republikaner seit 2006 nicht mehr als rechtsextrem ein.
(Quelle: ddp)
Abschiebepraxis in Nordrhein-Westfalen: 'Eines Rechtsstaats
unwürdig'
Do.17.04.08 - Die Grünen haben die Abschiebepraxis in Nordrhein-Westfalen scharf
kritisiert. «In menschenverachtender Weise werden schwer kranke
Flüchtlinge von den Behörden abgeschoben», sagte die
innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Monika Düker,
am Dienstag in Düsseldorf. Die Praktiken einiger
Ausländerämter seien «eines Rechtsstaats
unwürdig». Dabei handele es sich nicht um Einzelfälle,
betonte Düker. Für viele der derzeit 44 000 geduldeten
Flüchtlinge in NRW werde es mit der bestehenden Altfallregelung
keine Chance auf ein dauerhaftes Bleiberecht geben.
Psychisch schwer traumatisierte und auch pflegebedürftige Menschen
würden abgeschoben, berichtete Düker. Vor allem bei
Bürgerkriegsflüchtlingen sei dies nicht akzeptabel. Die
Ausländerämter sicherten sich bei der Abschiebung mit
bestellten Gutachten von Ärzten ab, die die Reisefähigkeit der
Flüchtlinge attestierten. So sei ein kranker älterer Mann aus
dem Münsterland nach Bosnien abgeschoben worden. Dort sei der
Flüchtling kurz darauf verstorben, berichtete die
Landtagsabgeordnete.
Düker forderte Innenminister Ingo Wolf (FDP) auf, eine
verbindliche Anweisung an die Ausländerbehörden zu geben. Die
Reisefähigkeit der Flüchtlinge dürfe ausschließlich
auf der Grundlage fachärztlicher und aktueller Gutachten beurteilt
werden. Dazu sei eine Liste zu erstellen, die für die
verschiedenen Erkrankungen Empfehlungen für die zu beauftragenden
Fachärzte gibt. Es müsse verhindert werden, dass sich
Ärzte auf Gefälligkeitsgutachten für die Ämter
spezialisierten.
(Quelle: ddp)