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Irak am 1487sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Nato sieht 'neue Ära' in der Zusammenarbeit mit dem Irak. 51 Tote
bei schwerstem Anschlag im Irak seit einem Monat. Jeder fünfte
US-Irak-Veteran leidet offenbar psychisch
Fr.18.04.08 - Die Nato will ihr Engagement im Irak ausweiten. Das westliche
Bündnis werde im Irak nicht die Koalitionstruppen ersetzen, aber
seine Militärausbildung erweitern, sagte Generalsekretär Jaap
de Hoop Scheffer am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit dem
irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki.
"Es ist der Beginn einer neuen Ära", sagte Scheffer. "Alle
Nato-Verbündeten würden gern einen sicheren, stabilen,
blühenden Irak sehen." Maliki hatte bei seinem Besuch im
Nato-Hauptquartier in Brüssel formell um mehr Unterstützung
gebeten und dabei die Bereiche Training und Ausrüstung genannt.
Die Nato hatte im Juni 2004 von den Mitgliedstaaten das Mandat für
Ausbildungsaufgaben im Irak erhalten. Die Allianz reagierte damit auf
eine entsprechende Anfrage aus dem Irak. Seitdem bildet die Nato im
Land selbst und in Drittstaaten irakische Sicherheitskräfte aus.
Auch Deutschland hat sich an dem Programm beteiligt.
Beim schwersten Anschlag im Irak seit einem Monat sind am Donnerstag im
Norden des Landes mindestens 51 Menschen getötet worden. Weitere
22 seien bei dem Selbstmordanschlag in der Provinz Dijala verletzt
worden, wie die Polizei mitteilte. Der Attentäter sprengte sich
inmitten einer Trauerzeremonie für zwei sunnitische
Milizionäre in dem Dorf Bu Mohammed in die Luft.
Ein Überlebender des Anschlags berichtete, der Attentäter
habe den an seinem Körper befestigten Sprengsatz in dem Trauerzelt
zur Explosion gebracht. In der Nähe von Bu Mohammed befinden sich
die Hamrin-Berge, die als Rückzugsgebiet von Kämpfern des
Terrornetzwerkes El Kaida gelten. Sunnitische Milizen kämpfen mit
Unterstützung der USA gegen El-Kaida-Mitglieder im Irak.
Am Dienstag waren bei den schwersten Anschlägen im Irak seit
Wochen mehr als 60 Menschen getötet worden. In einem Restaurant in
Ramadi in der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Provinz Anbar hatte
ein Selbstmordattentäter 13 Menschen mit in den Tod gerissen.
Einige der Opfer waren ebenfalls Mitglieder einer örtlichen
Anti-El-Kaida-Gruppe. Ebenfalls am Dienstag starben in Baakuba 42
Menschen durch die Explosion einer Autobombe. Das US-Militär
schrieb die Anschläge in Ramadi und Baakuba El Kaida zu.
Jeder fünfte US-Soldat hat einer Untersuchung zufolge nach der
Rückkehr von Einsätzen im Irak oder Afghanistan unter
psychischen Problemen zu leiden. Bei etwa 300.000 Veteranen hätten
die Kriegseinsätze Depressionen oder post-traumatische
Störungen verursacht, heißt es in einem in Washington
veröffentlichten Bericht des Instituts RAND Corporation. Die
Schätzung beruht auf der Untersuchung von knapp 2000 Veteranen,
deren Befunde auf die Gesamtzahl der bislang rund 1,6 Millionen nach
Afghanistan oder Irak entsandten US-Soldaten hochgerechnet wurden.
Die Wissenschaftler beklagten in dem Gutachten eine mangelnde
psychologische Betreuung der Heimkehrer. Nur 53 Prozent jener Soldaten,
die unter Depressionen oder Traumata litten, hätten in den
vergangenen zwölf Monaten ärztliche Behandlung erfahren. Etwa
die Hälfte der psychisch Belasteten habe berichtet, während
ihres Einsatzes erlebt zu haben, dass ein Kamerad schwer verletzt oder
getötet wurde. Etwa 45 Prozent gaben an, getötete oder schwer
verletzte Zivilisten gesehen zu haben.
Ein weiteres großes Risiko sehen die Wissenschaftler in
Hirntraumata, die vor allem durch am Straßenrand platzierte
Sprengsätze hervorgerufen würden. Bei etwa 19 Prozent der
Heimgekehrten seien Symptome dieser Verletzungen festgestellt worden,
deren langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit bislang
noch nicht eindeutig geklärt sind. Die US-Armee erkenne solche
Hirntraumata erst seit kurzem als eine der "unsichtbaren Wunden" des
Kriegs an, heißt es in dem Bericht. Die Mehrzahl der Leidenden -
57 Prozent - wird demzufolge nicht ärztlich behandelt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 18.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausenddreiundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Mehr als 26 Millionen Menschen im eigenen Land entwurzelt
Fr.18.04.08 - Die Zahl der Menschen, die im eigenen Land zu Flüchtlingen
geworden sind, hat im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit
Anfang der 90er Jahre erreicht. Für das Schicksal der weltweit
mehr als 26 Millionen Binnenflüchtlinge sei in vielen Fällen
die jeweilige Regierung verantwortlich, erklärte am Donnerstag der
Norwegische Flüchtlingsrat (NRC [http://www.nrc.no/]) am Genfer Sitz der Vereinten
Nationen.
Die Zahl der Betroffenen nahm 2007 um 3,7 Millionen zu. Dabei
entfällt die Hälfte aller Binnenflüchtlinge auf
lediglich drei Länder: Kolumbien, Irak und Sudan. Im Irak wurden
mehr als 700.000 Menschen zusätzlich vertrieben, womit die Zahl
der Flüchtlinge im eigenen Land auf 2,5 Millionen stieg.
In der Zentralafrikanischen Republik und im Kongo flohen nach Angriffen
der staatlichen Sicherheitskräfte mehrere hunderttausend Menschen
aus ihren Häusern, wie aus dem Jahresbericht der Organisation
hervorgeht. Besonders erwähnt wird auch die Lage in Birma, wo
Zehntausende vor Gewalt und Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht
sind. In den östlichen Provinzen des offiziell als Myanmar
bezeichneten Landes wurden dem Bericht zufolge mindestens 167
Dörfer zerstört.
Den Entwurzelten fehlt es oft an geeigneter Unterkunft, Nahrung, Wasser
und Gesundheitsversorgung. Für Frauen und Mädchen gibt es ein
erhöhtes Risiko, sexueller Gewalt zum Opfer zu fallen. In einigen
Ländern wie Simbabwe, so erklärte der Flüchtlingsrat,
behindere die Regierung die Bemühungen der Vereinten Nationen und
von Hilfsorganisationen, den IDPs beizustehen - diese Abkürzung
steht für «Internally Displaced Persons» und wird von
den Hilfsorganisationen für die Binnenflüchtlinge verwendet.
(Quelle: ap)
US-Demokratische Präsidentschaftskandidaten Clinton und Obama
bekennen sich zur Sicherheit Israels -- Wollen im Fall der
Präsidentschaft unverzüglich Truppen aus dem Irak abziehen
Fr.18.04.08 - Die demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und
Barack Obama haben ein deutliches Bekenntnis zur Sicherheit Israels
abgelegt.
Letztendlich werde er als Präsident keine Option - also auch nicht
die militärische - vom Tisch nehmen, um den Iran am Bau und dem
Gebrauch von Nuklearwaffen zu hindern, betonte Obama bei einer
ABC-Fernsehdebatte mit Clinton am Mittwochabend (Ortszeit) in
Philadelphia (US-Bundesstaat Pennsylvania).
«Ein Angriff auf Israel würde einen massiven
Vergeltungsschlag der USA provozieren», betonte auch Clinton in
der fast zweistündigen Debatte. Aber auch andere Länder der
Region müssten wissen, dass die USA eine Nuklearmacht Iran
verhindern würden, sagte die Senatorin von New York bei der letzten
Debatte fünf Tage vor der wichtigen Vorwahl in Pennsylvania.
Die Senatoren vermieden bei der 21. TV-Diskussion der beiden Demokraten
in diesem Vorwahlkampf verletzende oder aggressive Töne. Beide
bedauerten «Fehler» und «missverständliche
Formulierungen» im Wahlkampf. Seine Äußerung,
frustrierte Amerikaner klammerten sich an Religion oder Waffen, sei
missverstanden worden, sagte Obama. Clinton entschuldigte sich für
die falsche Darstellung eines Besuchs in Bosnien 1996, bei dem sie
jüngst fälschlicherweise behauptet hatte, unter Beschuss
geraten zu sein. Die Übertreibungen seien ihr heute
«peinlich», gestand Clinton.
Obama und Clinton versicherten, dass sie auf jeden Fall als
Präsident umgehend die US-Truppen aus dem Irak abziehen
würden, selbst wenn die amerikanischen Generäle davon abraten
würden. Der Präsident bestimme die Politik, betonte Obama.
Clinton äußerte sich ähnlich, sagte aber, dass es bei
dem «schwierigen und gefährlichen Abzug» im Irak bei
taktischen Fragen natürlich auf die Militärs hören
würde.
Beide Kandidaten betonten, dass sie sich gegenseitig im Falle der
Nominierung einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl am 4. November
gegen den republikanischen Kandidaten John McCain zutrauen würden.
Auch Clinton antwortete mit einem «Ja, ja, ja!» auf eine
Frage über die Erfolgsaussichten Obamas. Bisher hatte das
Wahlkampflager Clintons argumentiert, Obama wäre kein
aussichtsreicher Kandidat der Demokraten, der McCain schlagen
könne. «Ich bin mir sicher, dass wir eine einige
demokratische Partei haben werden - und ich werde alles tun, damit wir
gewinnen», sagte Clinton. Entweder werde sie werde Präsident
oder Obama. Clinton und Obama versicherten, dass sie die US-Bürger
mit einem Einkommen von unter 200 000 Dollar (125 000 Euro) im Jahr mit
keinen höheren Steuern belasten würden.
(Quelle: dpa)
US-Wissenschaftler bezweifeln wirksame Raketenabwehr
Fr.18.04.08 - Mehrere prominente US-Wissenschaftler glauben nicht, dass die derzeit
von Präsident George W. Bush vorangetriebene Raketenabwehr den
Vereinigten Staaten tatsächlich einen wirksamen Schutz bieten kann.
Sie stellten in einer Anhörung des Repräsentantenhauses auch
die Frage, ob europäische Verbündete über das Programm
getäuscht worden sein könnten.
«Das Programm bietet keine Aussicht, die USA gegen einen
tatsächlichen Raketenangriff zu beschützen», sagte die
Wissenschaftlerin Lisbeth Gronlund von der Union Besorgter
Wissenschaftler am Donnerstag in Washington. Der demokratische
Abgeordnete John Tierney sagte als Vorsitzender des zuständigen
Ausschusses, angesichts von Kostenschätzungen von 213 bis 277
Milliarden Dollar (133,7 bis 173,9 Milliarden Euro) bis 2025 stelle sich
die Frage, ob hier das Geld von Steuerzahlern sinnvoll ausgegeben werde.
Die US-Regierung will das System bereits aufbauen, während
einzelne Teile davon noch getestet werden. Sie begründet das mit
Bedrohungen durch den Iran und Nordkorea, weswegen auch in Polen und
Tschechien ein Teil der Raketenabwehr aufgebaut werden soll. Das hat zum
Streit mit Russland geführt.
Ein Zeuge der Republikaner, Jeff Kueter vom George C. Marshall
Institute in Washington sagte, das System mache Fortschritte und bereits
jetzt begrenzte Fähigkeiten zur Abwehr ballistischer Raketen.
Andere Zeugen bezeichneten die zuletzt gemachten erfolgreichen Tests als
unrealistisch. So könnte die Abwehr mit Sprengkopfattrappen leicht
ausgehebelt werden. Einer von ihnen, Philip Coyle, bezeichnete diese
Gegenmaßnahme als Achillesferse des gesamten Projekts.
(Quelle: ap)
24 Tote bei Selbstmordanschlag in Südafghanistan
Fr.18.04.08 - Bei einem Selbstmordanschlag im Südwesten Afghanistans sind
mindestens 24 Menschen getötet worden. 34 weitere seien verletzt
worden, als sich der Attentäter vor einer Moschee in der Provinz
Nimros in die Luft sprengte, sagte Provinzgouverneur Ghulam Dastgir
Asad. Der Mann habe das Attentat auf einem Markt in der Stadt Sarandsch
verübt. Deutschlands Aaußenminister Frank-Walter Steinmeier
(SPD) sprach sich nach einem Gespräch mit dem neuem
UN-Sondergesandten in Afghanistan, Kai Eide, für eine deutliche
Aufstockung der EU-Polizeimission in Afghanistan (EUPOL) aus.
Unter den 24 Todesopfern seien zwei Polizeibeamte, sagte der
Provinzgouverneur der Nachrichtenagentur AFP. Mehrere der 34
Verletzten, darunter Kinder, befanden sich in ernstem Zustand. Der
Gouverneur hatte in einer ersten Bilanz von 17 Toten und 25 Verletzten
gesprochen. Zunächst war unklar, wer für den
Selbstmordanschlag vor einer Moschee in der Nähe eines
Marktplatzes verantwortlich war. Im Süden und Osten Afghanistans
kommt es immer wieder zu Angriffen der radikalislamischen Taliban.
Nach Angaben des Innen- und des Verteidigungsministeriums töteten
die afghanische Armee und internationale Truppen bei Kämpfen im
Süden des Landes 13 Aufständische. Zudem sei der hochrangige
Taliban-Führer Mullah Tor Dschan in der südlichen Provinz
Urusgan gefangengenommen worden.
Steinmeier schlug nach seinem Gespräch mit Eide vor, die
Anstrengungen für eine Aufstockung der EUPOL "zu verdoppeln". Im
Hinblick auf die Wahlen 2009 in Afghanistan sei eine Aufstockung der
derzeit etwa 200 EU-Polizeibeamten notwendig. "Ich werde Gespräche
führen mit den EU-Mitgliedern, um eine zweite ergänzende
Initiative auf den Weg zu bringen", sagte Steinmeier weiter.
Eide forderte, den Aufbau der afghanischen Polizei weiter zu verfolgen,
um eine "alltägliche Sicherheit" zu erreichen. Zur Sicherheitslage
in Afghanistan sagte der UN-Sondergesandte: "Ich glaube nicht, dass die
Taliban in der Offensive sind. Ich denke, sie sind in der Defensive."
(Quelle: afp)
Neuer UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan: Konflikt am
Hindukusch nur politisch lösbar
Fr.18.04.08 - Der neue UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Kai Eide, sieht den
Konflikt am Hindukusch nur politisch lösbar. «Das ist ein
politischer Prozess», sagte Eide am Donnerstag nach Treffen mit
dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und
Deutschlands Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in Berlin.
Zugleich stellte der Diplomat klar, dass er keine Kontakte zu den
radikal-islamischen Taliban aufnehmen werde. Eine Lösung, die
für ganz Afghanistan gelten muss, sei Sache der Afghanen selbst
und müsse auf Grundlage der afghanischen Verfassung gefunden
werden.
Der norwegische Diplomat leitet seit März die
Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan UNAMA
(United Nations Assistance Mission in Afghanistan) und ist damit auch
für die Koordinierung der zivilen Hilfen mit der Arbeit der
Internationalen Schutztruppe ISAF zuständig. Eide unterstrich,
militärische Unterstützung werde sicherlich noch gebraucht,
doch könne ausländisches Militär allein keine
Lösung bringen.
Am Nachmittag fand noch ein Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela
Merkel (CDU) statt. Bei seinen politischen Gesprächen wurde Eide
versichert, dass Deutschland langfristig zu seinem
Afghanistan-Engagement stehe. «Afghanistan ist eine Aufgabe, bei
der wir nicht scheitern wollen und nicht scheitern dürfen»,
hob Steinmeier hervor. Zugleich bekräftigte der Minister seinen
Vorstoß, die gegenwärtig mit knapp 200 Ausbildern geplante
EU-Polizeimission am Hindukusch zu verdoppeln.
Eide hatte zuvor dazu aufgerufen, die Ausbildung der afghanischen
Polizei und Justiz zu verstärken: «Es gibt keinen Zweifel,
dass hier noch mehr getan werden muss.» Entscheidungen erwartet
Steinmeier von der internationalen Afghanistan-Konferenz am 12. Juni in
Paris. Auf dieser Grundlage will die Bundesregierung auch über
eine mögliche Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents beraten.
Jung teilte mit, er habe Eide generell eine «nachdrückliche
Unterstützung» Deutschlands zugesagt. Daher werde die
Bundeswehr die Zahl ihrer Militärausbilder verdreifachen. Er wies
auch darauf hin, dass zur Stärkung des zivilen Wiederaufbaus
Deutschland seine Hilfen von 80 Millionen Euro auf 125 Millionen Euro
pro Jahr aufgestockt habe. Insgesamt will Deutschland von 2001 bis 2010
über eine Milliarde Euro in Afghanistan investieren.
Die FDP reagierte zufrieden. «Endlich reagiert die
Bundesregierung und stockt die Mittel für den Wiederaufbau in
Afghanistan auf», sagte FDP-Fraktionsvize Birgit Homburger.
Wichtig sei, den Wiederaufbau endlich in den Mittelpunkt der
Bemühungen in Afghanistan zu rücken. Dafür sei eine
bessere Koordination innerhalb der Bundesregierung sowie zwischen den
beteiligten ISAF-Partnern in Afghanistan nötig.
Im neuen UN-Mandat für Eide ist eine stärkere
Koordinierungsrolle für den Wiederaufbau Afghanistans
festgeschrieben. Dabei will der neue Sonderbeauftragte weg von
ereignisorientierter Arbeit und mehr einen «ergebnisorientierten
Ansatz» verfolgen. Eide war zuvor Sonderbeauftragter des
UN-Generalsekretärs für Bosnien-Herzegowina (1997/98) und
für das Kosovo (2004/2005).
(Quelle: ddp)
Russland schreibt 4,5 Milliarden Dollar libysche Schulden ab --
Zusammenarbeit bei Bahnmodernisierung und Ölförderung
Fr.18.04.08 - Russland schreibt 4,5 Milliarden Dollar libysche Schulden ab und
bekommt dafür Milliardenaufträge für seine Firmen: Das
haben der russische Präsident Wladimir Putin und der libysche
Revolutionsführer Muammar Gaddafi nach Angaben aus libyschen
Ölindustriekreisen in Tripolis vereinbart.
In ihren am Donnerstag beendeten zweitägigen Gesprächen gab
es zunächst unterschiedliche Auffassungen über die Höhe
der libyschen Schulden, wie der Gewährsmann weiter sagte. Russland
sei von 4,5 Milliarden Dollar ausgegangen, Libyen nur von 1,6
Milliarden. Beide Seiten hätten sich aber schließlich darauf
geeinigt, «diese Schulden im Gegenzug für Verträge und
Projekte abzuschreiben, die von Russland in Libyen umgesetzt
werden».
Russische Nachrichtenagenturen meldeten unter Berufung auf
Finanzminister Alexej Kudrin, unter anderem sei ein Vertrag über
den Bau einer 500 Kilometer langen Eisenbahnstrecke mit einem Volumen
von 3,4 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) geschlossen worden.
Damit werde Russland zu einem zentralen Technologie-Lieferanten bei der
Modernisierung der libyschen Eisenbahn. Der Staatskonzern Gazprom
teilte mit, mit dem staatlichen libyschen Ölkonzern und dem
Libyschen Afrikanischen Investmentfonds sei ein Memorandum
unterzeichnet worden, bei der Öl- und Gasförderung sowie dem
Raffinieren, Verflüssigen von Erdgas und Gaskraftwerken zu
kooperieren.
(Quelle: ap)
WFP kürzt Nahrungsmittelrationen für Bedürftige in Darfur
Fr.18.04.08 - Wegen zahlreicher Überfälle auf Lastwagen mit
Hilfsgütern halbiert das UN-Welternährungsprogramm (WFP) in
der sudanesischen Krisenregion Darfur die Nahrungsmittelrationen
für bis zu drei Millionen Menschen ab Mai. Seit Anfang des Jahres
seien in der westsudanesischen Provinz 60 Lastwagen entführt
worden, erklärte das WFP am Donnerstag in Khartum. 39 davon seien
noch immer verschwunden, 26 Fahrer würden vermisst. Ein Fahrer
wurde im März in Darfur getötet.
«Angriffe auf die Nahrungsmittel-Pipeline des WFP sind ein
Angriff auf die verwundbarsten Menschen in Darfur», sagte
Exekutivdirektorin Josette Sheeran. Das Überleben von bis zu drei
Millionen Menschen hänge in der bevorstehenden Regenzeit davon ab,
dass das WFP ausreichend Nahrungsmittel liefere. Dies sei eine Frage
von Leben und Tod. «Wir rufen alle Parteien auf, den Zugang zu
Nahrungsmitteln zu schützen.»
Zu dieser Jahreszeit sollten Lastwagen des WFP täglich 1.800
Tonnen Nahrung nach Darfur bringen, um die Lager zu füllen. Die
Regenzeit beginn im Mai. Die Lieferungen sind aber auf weniger als 900
Tonnen täglich zurückgegangen. Der WFP-Vertreter im Sudan,
Kenro Oshidari, rief die Rebellen auf, die Sicherheit auf den
Straßen zu gewährleisten und die Neutralität von
Mitarbeitern der Hilfsorganisationen zu respektieren.
Die Gewalt in Darfur hat seit 2003 mindestens 200.000 Menschen das
Leben gekostet. 2,5 Millionen flüchteten.
(Quelle: ap)
Odinga als Regierungschef in Kenia vereidigt
Fr.18.04.08 - Nach mehr als dreimonatigem Machtkampf ist der bisherige
Oppositionsführer in Kenia, Raila Odinga, am Donnerstag als neuer
Regierungschef vereidigt worden. Damit ist die Bildung einer gemeinsamen
Regierung mit der Partei von Staatspräsident Mwai Kibaki
abgeschlossen. Die beiden Rivalen der Präsidentschaftswahl vom 27.
Dezember einigten sich im Februar auf eine Teilung der Macht, nachdem
bei wochenlangen Unruhen mehr als 1.000 Kenianer ihr Leben verloren
hatten. Auch 40 Minister des Kabinetts wurden am Donnerstag vereidigt.
Die Größe des Kabinetts und die damit verbundenen Kosten
sind auf Kritik gestoßen.
(Quelle: ap)
Simbabwe: Westliche Staaten verschärfen Druck auf Mugabe
Fr.18.04.08 - Im Streit über den Ausgang der Präsidentenwahl in Simbabwe
nimmt der internationale Druck auf den autokratischen Amtsinhaber Robert
Mugabe zu.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte bei einer Sitzung des
Sicherheitsrates mit der Afrikanischen Union an, die Welt werde die
Entwicklung in Simbabwe genau beobachten und warte auf ein entschiedenes
Vorgehen der Nachbarstaaten. Der britische Premierminister Gordon Brown
erklärte, Mugabe habe verloren. "Eine gestohlene Wahl kann keine
demokratische Wahl sein." Die Führung in Harare wies die
Vorwürfe am Donnerstag in scharfem Ton zurück und warf der
Opposition vor, mit der früheren Kolonialmacht
Großbritannien den Sturz der Regierung zu planen.
Ban und Brown forderten das Mugabe-Lager auf, internationale Beobachter
zuzulassen, sollte es zu einer Stichwahl um das höchste Staatsamt
zwischen dem 84-jährigen Amtsinhaber und Oppositionsführer
Morgan Tsvangirai kommen. Unterstützung bekamen die beiden
Politiker bei der Sitzung in New York am Mittwochabend von den USA. Am
Donnerstag äußerten sich auch die Außenminister der
sieben führenden Industriestaaten und Russlands tief besorgt
über die zunehmenden Spannungen in Simbabwe. Das Problem müsse
schnell, glaubhaft und auf demokratische Weise gelöst werden,
hieß es in einer in Tokio veröffentlichten Erklärung
der G-8-Minister.
Nach wie vor liegt kein offizielles Ergebnis der simbabwischen
Präsidentenwahl vom 29. März vor, zu der westliche Beobachter
nicht einreisen durften. Tsvangirais Bewegung für Demokratischen
Wandel (MDC) argumentiert, ihr Kandidat habe die Abstimmung bereits im
ersten Durchgang gewonnen. Die Regierung nutze die Verzögerung
für Manipulationen. Die Behörden bestreiten dies und verweisen
ihrerseits auf angebliche Unregelmäßigkeiten.
Die afrikanischen Staaten zeigten sich beim Treffen mit dem
UN-Sicherheitsrat erwartungsgemäß zurückhaltend, was das
Thema Simbabwe anging. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki, der
als derzeitiger Vorsitzender des Sicherheitsrates das Treffen mit der
Afrikanischen Union anberaumt hatte, setzte Simbabwe zunächst
überhaupt nicht auf die Agenda. Nach der massiven Kritik der
westlichen Staaten an der Lage in Harare bekräftigte Mbeki
später seine "stille Diplomatie" als Vermittler im Nachbarland: Nur
durch Gespräche mit der Regierung und der Opposition könne
sich die Situation dort entspannen, sagte Mbeki vor Reportern.
Simbabwes Justizminister Patrick Chinamasa verbat sich derweil jede
Einmischung von außen, insbesondere von der Regierung in London.
Brown behandle Simbabwe noch immer wie eine britische Kolonie,
ließ der Minister über staatliche Medien erklären.
Einige Mitarbeiter der Wahlbehörden seien von Großbritannien
bezahlt worden, um die Ergebnisse der Präsidentenwahl zulasten von
Mugabe zu fälschen, deutete Chinamasa weiter an. Es gebe zudem
Beweise dafür, dass Oppositionsführer Tsvangirai mit Brown
zusammenarbeite, um Mugabe aus dem Amt zu drängen. Dies sei
Hochverrat.
(Quelle: rtr)
Inflation in Simbabwe auf neuem Höhepunkt
Fr.18.04.08 - Die Inflation in Simbabwe hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach
Angaben des südafrikanischen Rundfunks vom Mittwoch erreichte die
Teuerung in Simbabwe im Februar fast die Marke von 165.000 Prozent. Nach
Angaben des simbabwischen statistischen Amtes betrug die Inflation im
Februar etwas über 164.900 Prozent. Zum Ende des vergangenen
Jahres hatte die Inflationsrate noch bei etwa 100.000 Prozent gelegen.
Simbabwe verfügt seit mehreren Jahren über die höchste
Teuerungsrate der Welt.
Die Zentralbank in Harare ist wegen der galoppierenden Inflation immer
wieder gezwungen, neue Geldscheine zu drucken. Im vergangenen Jahr waren
beim Simbabwe Dollar drei Nullen gestrichen worden, um die Bargeldmenge
zu einzuschränken, die Normalbürger für die Beschaffung
von Alltagsgüter mit sich herumtragen müssen.
Vor zehn Tagen hatte die Zentralbank neue Geldscheine mit einem Wert
von 50 Millionen Simbabwe Dollar in Umlauf gebracht. Für einen
US-Dollar erhält man zum offiziellen Wechselkurs immer noch 3.000
Zimbabwe Dollar. Auf dem Schwarzmarkt werden für einen US-Dollar
inzwischen über 50 Millionen Zimbabwe Dollar gezahlt.
(Quelle: epd)
Deutsche Institute sehen Schwellenländer als Stütze der
Weltwirtschaft
Fr.18.04.08 - Das Wachstum der Schwellenländer wird die Weltwirtschaft nach
Einschätzung führender deutscher Forschungsinstitute vor einem
Einbruch wegen der Krise in den USA bewahren.
Zwar werde die Weltkonjunktur gegenüber den Vorjahren an Fahrt
verlieren, die Wirtschaft werde aber in diesem Jahr noch 2,7 Prozent
zulegen, sagten die Institute in ihrem am Donnerstag
veröffentlichten Frühjahrsgutachten für die deutsche
Rgierung voraus. Im kommenden Jahr werde der Zuwachs dann weltweit 2,9
Prozent betragen. Belastet werde die Konjunktur durch die steigenden
Öl- und Rohstoffpreise sowie durch teuere Nahrungsmittel. Dies
entziehe den Menschen Kaufkraft und mache es wegen der Inflationsgefahr
den Notenbanken schwer, die Zinsen zu senken.
Die USA stünden wegen des Einbruchs am Immobilienmarkt und der
Finanzkrise am Rande einer Rezession, erklärten die Institute.
Diese werde aber nicht das Ausmaß eines dramatischen
Konjunktureinbruchs annehmen. Die US-Notenbank habe mit Zinssenkungen
und Finanzspritzen massiv gegengesteuert. Die US-Leitzinsen werden nach
Einschätzung der Institute noch einmal um 25 Basispunkte auf 2,0
Prozent gesenkt und erreichen damit einen Tiefpunkt bevor sie 2009
wieder steigen könnten. In diesem Jahr werde das US-Wachstum 1,5
Prozent betragen, im kommenden klettere es wieder auf 2,2 Prozent.
Beeinflusst werde auch die japanische Wirtschaft von der US-Krise, deren
Wachstum schwächer werde.
Europa leide unter anderem unter der Aufwertung des Euro, was die
Exporte in den Dollar-Raum erschwere. Eine Rezession sei aber nicht in
Sicht.
Als wichtige Stütze der Konjunktur würden sich die
Schwellenländer erweisen: Die Volkswirtschaften Chinas und Indiens
würden um zehn Prozent wachsen und auch die russische Wirtschaft
bleibe stark. Sie profitiere wie Lateinamerika stark von der Nachfrage
nach Rohstoffen. Positiv werde sich weltweit auswirken, dass der
Preisanstieg bei Nahrungsmittel und auch die Inflationsraten sich bis
2009 wieder abschwächen würden.
(Quelle: rtr)
EZB warnt vor weiteren Preissteigerungen bei Nahrung und Energie
Fr.18.04.08 - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erneut vor kräftigen
Preissteigerungen durch die massive Teuerung bei Lebensmitteln und
Energie gewarnt.
"Die Inflationsaussichten sind mittelfristig weiterhin eindeutig mit
Aufwärtsrisiken behaftet", heißt es in dem am Donnerstag
veröffentlichten EZB-Monatsbericht.
Daneben bestehe das Risiko, dass von den aktuellen Lohnrunden weitere
Inflationsimpulse ausgingen. "Vor diesem Hintergrund ist es
unerlässlich, dass alle Beteiligten ihrer Verantwortung gerecht
werden", hieß es an die Adresse der Tarifparteien.
"Zweitrundeneffekte auf das Lohn- und Preissetzungsverhalten, bedingt
durch höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise sind zu vermeiden."
Eine Lohn-Preis-Spirale könne das Wachstum abwürgen und den
Teuerungsdruck weiter anheizen.
Die EZB hatte den Leitzins für die Euro-Zone vergangene Woche bei
vier Prozent belassen. Wegen der hohen Inflation verzichteten die
Notenbanker auf eine Lockerung ihrer Geldpolitik und folgten erneut
nicht dem Beispiel anderer Zentralbanken, die wegen der Finanzkrise
zuletzt die Zinsen kräftig gesenkt hatten.
Im Monatsbericht heißt es, die Inflationsrate werde
voraussichtlich noch in den kommenden Monaten deutlich über zwei
Prozent liegen. Die Teuerung hatte zuletzt mit 3,6 Prozent den
höchsten Stand seit Einführung des Euro im Jahr 1999 erreicht.
Ungeachtet der Finanzkrise bleibe die konjunkturelle Entwicklung in den
Länder der Währungsunion aber weiter solide, teilte die EZB
mit und bestätigte damit Aussagen ihres Präsidenten
Jean-Claude Trichet von vergangener Woche.
(Quelle: rtr)
Europarats-Parlament will Recht auf Abtreibung
Fr.18.04.08 - Die Parlamentarische Versammlung des Europarats hat sich für ein
europaweites Recht auf Abtreibung ausgesprochen. Die Abtreibung
müsse straffrei gestellt werden, wo dies noch nicht geschehen sei,
erklärten die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg nach
einer vierstündigen Debatte. Frauen müssten ein "Recht auf
Zugang zu einer sicheren und legalen Abtreibung" erhalten. Die
schärfsten Vorschriften gebe es derzeit in Polen, Irland, Malta,
Andorra und Monaco, erklärte die sozialdemokratische
Berichterstatterin Gisela Wurm aus Österreich.
Dort sei Abtreibung gar nicht oder nur bei Lebensgefahr für die
Mutter erlaubt. Abtreibungen dürften keinesfalls als "eine Methode
der Familienplanung" angesehen werden, betonte das Parlament. Strikte
Verbote führten jedoch nicht zu weniger, sondern vielmehr zu
heimlichen, sehr belastenden Eingriffen. Auch der
"Abtreibungs-Tourismus" werde gefördert. Die Abgeordneten wiesen
zudem darauf hin, dass in manchen Ländern die Abtreibung zwar legal
sei, es aber finanzielle oder andere Hindernisse gebe. Auch diese
beschränkten den Zugang zur sicheren Abtreibung, erklärten
sie.
(Quelle: epd)
Rund 50 Prozent mehr gefährliche Produkte in der EU entdeckt
Fr.18.04.08 - In der EU sind im vergangenen Jahr gut 50 Prozent mehr gefährliche
Produkte entdeckt worden als noch 2006. Die Zahl der Warnmeldungen
nationaler Behörden an das EU-weite Alarmsystem Rapex sei von 1.051
von 1.605 gestiegen, teilte die EU-Kommission am Donnerstag bei der
Vorstellung des offiziellen Rapex-Jahresberichts mit. 1.355 davon
hätten sich auf «ernste Risiken» bezogen. Über ein
Drittel der Meldungen betrafen Spielwaren und andere Produkte für
Kleinkinder.
Allein aus Deutschland gingen 163 Meldungen über Produkte ein, die
verboten oder vom Hersteller freiwillig vom Markt genommen wurden
beziehungsweise deren Vermarktung eingeschränkt wurde. Die
Bundesrepublik als größter EU-Mitgliedstaat führt damit
die Statistik an, gefolgt von Griechenland, der Slowakei, Ungarn und
Spanien.
Nach Angaben der Kommission hätten 23 Prozent der gemeldeten
Produkte Verletzungen verursachen können, bei jeweils 15 Prozent
wurden Erstickungsgefahr oder das Risiko eines Stromschlags
befürchtet, die Gefahr einer Verbrennung bei 13 Prozent. Weitere 13
Prozent der gemeldeten Waren bargen ein «chemisches
Risiko», also etwa die Gefahr einer Verbrennung oder
Verätzung.
Über die Hälfte der als gefährlich eingestuften Produkte
stammten aus China, immerhin 22 Prozent allerdings auch aus Staaten
innerhalb der EU beziehungsweise des Europäischen Wirtschaftsraums.
Letzterem gehören neben den EU-Staaten auch Norwegen,
Liechtenstein und Island an. Bei 13 Prozent der Meldungen wurde kein
Herkunftsland angegeben.
(Quelle: ap)
Deutschland trotzt Finanzkrise - Frühjahrsgutachten
prognostiziert sinkende Inflation, mehr Jobs, höhere Löhne
und robuste Banken
Fr.18.04.08 - Deutschland bleibt nach Ansicht der Wirtschaftsinstitute trotz der
weltweiten Finanzkrise auf einem soliden Wachstumskurs.
Während die USA am Rande der Rezession stehen, trauen die
Ökonomen in ihrem Frühjahrsgutachten dem Exportweltmeister
2008 ein Wachstum von 1,8 Prozent zu.
Gefährlich seien der starke Euro, die hohen Ölpreise und die
drohenden Milliardengeschenke von SPD und Union an die Wähler.
Für die Verbraucher gebe es nach den Preisschocks bei Heizöl,
Benzin oder Lebensmitteln wieder Hoffnung. Spätestens 2009
könnte die Teuerungswelle nach Einschätzung der Institute
nachlassen. Deshalb dürften die Gewerkschaften bei den Tarifrunden
den Bogen nicht überspannen.
«Die deutschen Unternehmen behaupten sich hervorragend auf den
Weltmärkten», sagte Prof. Joachim Scheide vom Kieler
Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag in Berlin. Die
robuste Verfassung sei auch ein Verdienst der Politik. In drei Jahren
seien mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Arbeitslosigkeit
herausgeholt worden. Und der Job-Boom gehe weiter: 2008 werde die
Arbeitslosenzahl um 560 000 auf 3,2 Millionen sinken. Im nächsten
Jahr würden dann sogar weniger als drei Millionen Deutsche
arbeitslos sein - das gab es zuletzt 1992. Wirtschaftsminister Michael
Glos (CSU) freute sich: «Trotz der gestiegenen Belastungen aus
dem Ausland bestehen gute Chancen für eine Fortsetzung des
Aufschwungs, wenn auch mit geringerem Tempo.» Für 2009
erwarten die acht Institute ein Wachstum von 1,4 Prozent.
Die weltweiten Börsenturbulenzen sind nach Einschätzung der
Forscher noch lange nicht ausgestanden. «Es ist kaum abzusehen,
wie weit die Immobilienpreise und Aktienkurse noch fallen und wann sie
ihren Tiefpunkt erreichen werden», sagte Klaus-Jürgen Gern
(Kiel). Die deutschen Banken hätten - die IKB und Landesbanken
ausgenommen - die Probleme bislang gut weggesteckt. Jedoch könnten
Kredite für Firmen und Verbraucher teurer werden, wenn die am
US-Häusermarkt ausgelöste Krise sich nochmals
verschärfe. Die Experten warnten die Regierung davor, nach dem
Vorbild von US-Präsident George W. Bush ein Milliarden-Programm
zur Stützung der Konjunktur aufzulegen.
Neben dem strikten Sparkurs könnte der Staat aber mehr in
Straßen, Schienen, Bildung und Forschung investieren, um die
Wirtschaft anzukurbeln. Diesen Vorschlag begrüßte der
Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB): Die Politik dürfe Wachstums- und
Beschäftigungsspielräume jetzt nicht fahrlässig
verschenken. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt forderte dagegen
einen eisernen Sparwillen: «Ich warne die Bundesregierung davor,
die robuste Wirtschaftsentwicklung durch eine lasche und populistische
Politik zu gefährden.» Der Bankenverband kritisierte, die
Politik sei bei der Rentenerhöhung bereits vom Kurs abgekommen.
Die Institute wiesen den Eindruck zurück, der Aufschwung komme bei
vielen Bürgern nicht an. Durch die jüngsten
Tarifabschlüsse hätten viele Beschäftigte netto wieder
mehr Geld im Portemonnaie. Die im Moment explodierenden
Verbraucherpreise seien deshalb kein Grund für hohe
Lohnforderungen. «Drei Prozent ist nicht das, was zur Verteilung
ansteht», sagte Scheide. Hohe Tarifabschlüsse wie im
öffentlichen Dienst seien verkraftbar, wenn sie ein Einzelfall
blieben. CDU- Generalsekretär Ronald Pofalla sagte: «Eine
moderate Inflationsrate im nächsten Jahr sorgt für ein
positives Konsumklima und gibt den Bürgern die Möglichkeit,
verlässlich kalkulieren zu können.»
Die Inflation, die im März bei 3,1 Prozent lag, wird laut Prognose
der Institute im Jahresdurchschnitt rund 2,6 Prozent erreichen. Im
nächsten Jahr zeichnet sich eine deutliche Entspannung auf 1,8
Prozent ab. Mindestlöhne lehnte die Mehrheit der Institute ab.
Dies könnte viele Arbeitsplätze vernichten. Das Argument von
SPD, Gewerkschaften und Linke, von einem niedrigen Stundenlohn
könne man nicht leben, greife zu kurz, sagte Scheide. Der Staat
helfe Menschen am Existenzminimum doch mit Hartz IV oder dem
Arbeitslosengeld II. Die Bundesregierung legt in der nächsten
Woche ihre eigene neue Prognose vor. Bislang geht sie für 2008 von
einem Wachstum von 1,7 Prozent aus.
(Quelle: dpa)
Wulff betont Wirtschaftsprofil der CDU
Fr.18.04.08 - Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU)
will sich verstärkt in die wirtschaftspolitischen Debatten seiner
Partei einmischen. Nach dem Rückzug vom CDU-Landesvorsitz werde er
sich stärker an den Diskussionen etwa in der Gesundheits-, Energie-
und Arbeitsmarktpolitik beteiligen, kündigte Wulff am Donnerstag
in der Zeitung «Die Welt» an. Der stellvertretende
CDU-Bundesvorsitzende beklagte: «Manche CDU-Positionen in der
Wirtschaftspolitik sind von den Kompromissen in der großen
Koalition zu stark überlagert worden.»
Zwar habe die große Koalition wichtige Reformen auf den Weg
gebracht, räumte Wulff ein. Mit der SPD sei aber «weniger
Reformpolitik möglich als mit der FDP». Das Erstarken der
Linken habe die SPD verunsichert. «Das behindert den Reformprozess
in Deutschland», sagte Wulff.
Der CDU-Bundesvize lehnte zugleich Steuersenkungen vor der
Bundestagswahl 2009 ab und wandte sich auch gegen weitere
Änderungen bei der Rente. «Es muss Schluss sein mit den
ständigen Eingriffen in die Rentenformel», betonte der
CDU-Politiker. Von einer Verschiebung des 2009 geplanten
Gesundheitsfonds hält Wulff nichts. Er mahnte aber
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), ihre Hausaufgaben zu machen
und die Bedingungen für den Start des Fonds zu erfüllen.
Wohlwollend sieht Wulff das absehbare schwarz-grüne Bündnis
in Hamburg. «Die CDU schaut mit großem Interesse nach
Hamburg. Wir wollen dort positive Erfahrungen sammeln. Es ist nicht
ausgeschlossen, dass es in anderen Ländern ebenfalls
schwarz-grüne Koalitionen geben wird», sagte der
Ministerpräsident. Er warnte aber vor Euphorie: Das
Lieblingsbündnis der CDU muss eine bürgerliche Koalition mit
der FDP bleiben. Mit ihr ist am meisten möglich."
(Quelle: ddp)
CSU will massive Steuersenkung
Fr.18.04.08 - Die CSU plant nach Medienberichten milliardenschwere Steuersenkungen.
Der Eingangssteuersatz und die mittleren Steuersätze sollen demnach
sinken, wie die «Financial Times Deutschland» (FTD)
meldete. Die CSU wollte dies am Donnerstag nicht kommentieren. Der
bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sprach sich
allerdings im Unternehmermagazin des Vereins der Bayerischen Wirtschaft
für einen Freibetrag von 8.000 Euro pro Person bei der
Einkommensteuer aus. Dadurch könne eine vierköpfige Familie
32.000 Euro steuerfrei erhalten.
Der Höchststeuersatz soll nach dem Bericht der FTD nicht sinken,
Beckstein sprach sich aber dafür aus, dass er erst bei höheren
Einkommen greifen solle - nicht wie jetzt bereits ab 52.000 Euro. Die
CSU wolle noch im ersten Halbjahr 2008 Eckpunkte für eine
Steuerreform vorlegen, sagte er. Sie solle angegangen werden sobald auf
Bundesebene ein ausgeglichener Haushalt erreicht sei. Ein CSU Sprecher
sagte der Nachrichtenagentur AP, dass die Steuerpläne im Mai vorgelegt werden sollten.
(Quelle: ap)
Hamburg: Koalitionsvertrag zu erster schwarz-grüner
Landesregierung steht
Fr.18.04.08 - Der bundesweit erste schwarz-grüne Koalitionsvertrag auf
Landesebene ist unterschrieben. In Hamburg präsentierten die
Parteispitzen von CDU und Grünen am Donnerstagabend die
Vereinbarung. «Dies ist kein Experiment, sondern eine
Chance», sagte Bürgermeister Ole von Beust (CDU), der mit
Grünen-Fraktionschefin Christa Goetsch, CDU-Landeschef Michael
Freytag und Grünen-Landeschefin Anja Hajduk den Vertrag sowie die
Ressortverteilung vorstellte. Die Zukunft des Kohlekraftwerks Moorburg
bleibt weiter offen.
Beide Parteien äußerten sich nicht konkret zur umstrittenen
1.600-Megawatt-Anlage, die der schwierigste Knackpunkt in den
Koalitionsverhandlungen war und nun auch im Vertrag nicht eindeutig
festgeschrieben ist. Lediglich eine politische Willensbekundung ist
dort formuliert: Es werde «eine europaweite, transparente und
diskriminierungsfreie Ausschreibung» zum Betrieb des
Fernwärmenetzes «inklusive der Schaffung
grundlastfähiger Kraftwerkskapazitäten» geben.
Darüber hinaus heißt es nur: «Die zuständige
Behörde entscheidet rechtlich über die Genehmigungs- und
Erlaubnisanträge zum Bau des Kohlekraftwerks Moorburg.» Die
Umweltbehörde prüft derzeit noch die letzen ausstehenden
wasser- und immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen. Vattenfall hatte
bereits Klage wegen Untätigkeit gegen die Behörde
eingereicht, die den vorzeitigen Baubeginn an der rund zwei Milliarden
Euro teuren Anlage Ende 2007 bereits zugelassen hatte.
Vattenfall bekräftigte angesichts des Koalitionsvertrages seine
Forderung, den Bau des Kraftwerks zu genehmigen. Der
Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europe, Tuomo Hatakka, sagte:
«Wir planen mit Moorburg Europas modernstes Kohlekraftwerk. Es
ist mit Blick auf Versorgungssicherheit, Umweltschutz und
Wirtschaftlichkeit die optimale Lösung für den Energiebedarf
Hamburgs.» Er gehe davon aus, dass das Genehmigungsverfahren nach
Recht und Gesetz weitergeführt werde.
In einem weiteren zentralen Punkt haben die Grünen
Zugeständnisse gemacht. «Die Elbvertiefung kommt in vollem
Umfang», sagte der alte und neue Finanzsenator Michael Freytag
(CDU). Fortschritt sei nur möglich, wenn man bereit sei, neue Wege
zu gehen und auf neue Partner zuzugehen. Allerdings betonte Freytag die
gute Zusammenarbeit: «Dies ist zweifellos keine
Liebesheirat», sagte er. Wenn es aber gelinge, die Vereinbarungen
umzusetzen, «dann ist dies heute der Beginn einer wunderbaren
Freundschaft».
Die Grünen-Fraktionschefin Christa Goetsch, die Schulsenatorin
werden soll, betonte: «Wir haben es geschafft, dass wir hier in
Hamburg die frühe Auslese überwinden.» Unter
Schwarz-Grün wird es künftig eine sechsjährige
Grundschule geben. «Ich muss an dieser Stelle sagen, dass wir
Bildungsgeschichte geschrieben haben», sagte Goetsch.
Die Parteigremien müssen der Regierungsbildung noch zustimmen. Die
Grünen wollten ihren Mitglieder noch am Abend den Vertrag
vorstellen. Es sei richtig, die Kraft und den Mut zu haben, neue Wege
in der Politik zu beschreiten, sagte von Beust nach der Unterzeichnung:
«Wir waren uns von Anfang an der besonderen Situation
bewusst.» Weitere Details kündigten die Parteien für
eine Pressekonferenz am (morgigen) Freitag an.
Außerdem wurde die Ressortverteilung sowie die gewünschten
Senatoren vorgestellt. Die CDU wird die Bereiche Finanzen, Wirtschaft,
Inneres, Wissenschaft und das Ressort Familie, Soziales und Gesundheit
sowie ein neu zu schaffendes Ressort Kultur, Sport und Medien
übernehmen. Die Grünen stellen wie erwartet drei Senatoren.
Sie bekommen die Ressorts Schule, Justiz sowie Stadtentwicklung und
Umwelt. Entgegen bisherigen Vermutungen bleibt der parteilose
Innensenator Udo Nagel nicht im Amt.
Der Hamburger SPD-Fraktionschef Michael Neumann sieht den Vertrag zur
bundesweit ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene
skeptisch. «Aufbruch sieht anders aus», sagte er. Das
Bündnis werde vor allem teuer sein.
(Quelle: ap)
Grünenpolitiker Trittin kann sich Koalition mit Merkel vorstellen
Fr.18.04.08 - Der designierte Spitzenkandidat der Grünen für die
Bundestagswahl, Jürgen Trittin, kann sich auch eine
schwarz-grüne Koalition mit Bundeskanzlerin Angela Merkel
vorstellen. Es komme auf die Inhalte an, sagte der frühere
Umweltminister am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. «Wenn ich mit
Frau Merkel beispielsweise einen Mindestlohn einführen kann oder
Atomkraftwerke abschalten, warum soll ich dann nicht mit Frau Merkel
koalieren?», sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der
Grünen.
Das sei eher eine Frage an Merkel, ob sie bereit sei, diese wichtigen
Themen mit der Flexibilität zu behandeln, die für Koalitionen
notwendig sei. «Es gibt ein grundsätzliches
Missverständnis: Dadurch dass Grüne mit der CDU oder
übrigens mit der SPD koalieren, werden sie nicht weniger grün.
Ganz im Gegenteil.» Gerade in Koalitionen mit der CDU - wie jetzt
auf Landesebene in Hamburg - müssten die Grünen mehr Wert
darauf legen, ihr ökologisches und soziales Profil deutlich zu
machen, sagte Trittin.
Skeptisch zeigte sich der frühere Umweltminister der
rot-grünen Regierung Schröder gegenüber solchen
Bündnissen in der Zukunft: «Wir sind in einer Situation, wo
rot-grüne Mehrheiten auf Grund der eklatanten Schwäche der SPD
in weite Ferne gerückt sind.» Alternativen seien
schwarz-grüne Koalitionen wie in Hamburg. Als «interessante
Variante» bezeichnete Trittin den «permanenten
Koalitionspoker» im hessischen Landtag, wo eine Regierungsbildung
seit der Landtagswahl vor elf Wochen nicht möglich ist.
Seine Partei sei aber keine Mehrheitsbeschafferin um der
Mehrheitsbeschaffung willen, sondern dafür da, «unsere
Inhalte, zum Beispiel beim Klimaschutz oder beim gerechten
Bildungssystem durchzusetzen».
Deutlich skeptischer zu schwarz-grünen Bündnissen hatte sich
Parteichef Reinhard Bütikofer geäußert. Auch die
Fraktionsvorsitzende Renate Künast nannte eine Koalition aus CDU
und Grünen wie in Hamburg «eigentlich eine Ausnahme».
Auf Bundesebene sei dagegen eine Ampel (SPD, Grüne und FDP)
näher gerückt: «Weil wir rechnen können. Das halte
ich für das Wahrscheinlichste», sagte sie im
Deutschlandradio. Die so genannte Jamaica-Koalition (Union, Grüne
FDP) wäre für ihre Partei eine extreme Herausforderung.
«Wir hätten zwei mit anderen Positionen, ich weiß
nicht, ob das funktionieren könnte.»
(Quelle: ap)
Kommunale Gebühren steigen auf breiter Front Jede dritte Gemeinde
will Arbeitsplätze abbauen - Als Folge des Tarifabschlusses
Fr.18.04.08 - Mit höheren Gebühren für die Müllabfuhr oder im
Nahverkehr sowie dem Abbau von Stellen reagieren viele Städte und
Gemeinden auf den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. Der
Deutsche Städte- und Gemeindebund schätzt nach Angaben vom
Donnerstag, dass 75 Prozent der 12.000 Städte und Gemeinden die
Tarife in den nächsten Monaten anheben werden. Nach einer Umfrage
einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in gut jeder dritten
Kommune ein Stellenabbau sicher oder wahrscheinlich.
Der Hauptgeschäftsführer des Städtebundes, Gerd
Landsberg, sagte der «Bild»-Zeitung, vor allem bei
Müllentsorgung, Abwasserbetrieben sowie im öffentlichen
Personennahverkehr sei mit steigenden Tarifen zu rechnen. Genaue Zahlen
nannte er jedoch nicht. Das sei je nach Kommune verschieden.
Nach einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) halten fast 80
Prozent der Kämmerer und Dezernenten von bundesweit 152
Städten und Gemeinden strukturelle Sparmaßnahmen zum
Ausgleich der Mehrbelastung durch den Tarifabschluss für
unumgänglich. Fast die Hälfte der Kommunen will demnach die
Gebühren für öffentliche Dienstleistungen anheben.
Vor allem Großstädte mit mindestens 100.000 Einwohner wollen
demnach Arbeitsplätze streichen. Auch bei höheren
Gebühren für Müllabfuhr führen die Groß- und
Mittelstädte vor den Kleinstädten, ebenso bei höheren
Eintrittspreisen für etwa Schwimmbäder. Jede vierte Gemeinde -
mit einem Schwerpunkt in Ostdeutschland - will die Tickets für
ihre Theater, Museen und andere kulturelle Einrichtungen verteuern,
berichtete PwC.
Jede zehnte Gemeinde will sich darüber hinaus über
Privatisierungen Geld in die Kassen holen, wobei vor allem Wohnungen,
der Nahverkehr und die Müllabfuhr verkauft werden sollen. Auch in
diesem Bereich gibt es laut PwC Unterschiede zwischen Ost- und
Westdeutschland: Jede vierte ostdeutsche Gemeinde denkt an den Verkauf
kultureller Einrichtungen. Im Westen sind es vier Prozent. 13 Prozent
der ostdeutschen Kommunen plant Privatisierungen in Sozialbereich und
den öffentlichen Nahverkehr. Im Westen sind es dagegen nur drei und
neun Prozent.
(Quelle: ap)
Niedriglohnsektor in Deutschland wächst stark
Fr.18.04.08 - Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst nach einem Bericht der
«Frankfurter Rundschau» stark. Innerhalb eines Jahrzehnts
habe der Anteil der Geringverdiener von 15 auf 22 Prozent. zugenommen,
berichtet die Zeitung unter Berufung auf Länderstudien. Damit habe
Deutschland 2005 knapp über dem britischen und nur noch knapp
unter dem amerikanischen Niveau gelegen. Schon heute arbeiten demnach
6,5 Millionen Beschäftigte für wenig Geld.
(Quelle: dpa)
Gewerkschaften fordern Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz
Fr.18.04.08 - Angesichts von Mitarbeiterbespitzelung in Unternehmen verlangen
Gewerkschaften und der Bundesdatenschutzbeauftragte ein
eigenständiges Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz. Die Arbeitnehmer
müssten an ihrem Arbeitsplatz deutlich besser geschützt werden
als bisher, sagte ver.di-Handelsexperte Achim Neumann der
«Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe) laut Vorabbericht.
«Wer gegen den Datenschutz am Arbeitsplatz verstößt,
muss so hart bestraft werden, dass er merkt, Schindluder mit der
Würde des Menschen getrieben zu haben», forderte er. Vor
allem bei den Discountern gehöre es offensichtlich zum
Führungsprinzip, Leistungsdruck und ein Klima der Angst zu erzeugen.
DGB-Arbeitsrechtsexpertin Martina Perreng kritisierte, durch das Fehlen
gesetzlicher Vorgaben habe sich bei manchem Arbeitgeber die Ansicht
festgesetzt, alles zu dürfen, um Mitarbeiter zu überwachen.
Ein Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten sagte dem Blatt:
«Ein entsprechendes Gesetz sollte festlegen, welche Daten der
Arbeitgeber überhaupt erheben und wie er mit den ermittelten Daten
verfahren darf.»
Der Einzelhandelsverband HDE nannte die Bespitzelungen eine Ausnahme.
«Hier haben sich offenbar Detekteien ohne Auftrag
selbstständig gemacht», sagte HDE-Sprecher Hubertus
Pellengahr der Zeitung. Eine Kameraüberwachung von
Supermärkten sei notwendig, um Mitarbeiter und Kunden vor
Straftaten zu schützen. «Jährlich gibt es rund tausend
Raubüberfälle auf Einzelhandelsunternehmen und 400 000
Ladendiebe werden gefasst», sagte Pellengahr.
Die Union sprach sich gegen schärfere Gesetze aus. «So etwas
ist doch bereits nach geltender Gesetzeslage grob rechtswidrig»,
sagte der für Datenschutz zuständige Bundestagsfraktionsvize
Wolfgang Bosbach (CDU).
(Quelle: ddp)
Studie: Viele Jugendliche in Deutschland fremdenfeindlich eingestellt
Fr.18.04.08 - Unter deutschen Jugendlichen sind ausländerkritische und
fremdenfeindliche Vorurteile laut einer Studie weit verbreitet. Fast
jeder dritte deutsche Schüler stimme der Aussage «voll und
ganz» zu, es gebe in Deutschland zu viele Ausländer. Ein
weiteres Drittel der Befragten stimmt dem «eher» zu,
berichtet die «Neue Osnabrücker Zeitung» unter Berufung
auf einen vertraulichen Abschlussbericht einer bundesweiten
Arbeitsgruppe zur Jugendgewalt.
Der Report für die Innenministerkonferenz (IMK) enthält dem
Bericht zufolge erste Auswertungen einer bundesweiten
Schülerbefragung vom Bundesinnenministerium (BMI) und
Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachen (KFN).
Fast jeder fünfte der quer durch alle Schulformen befragten
Neuntklässler lässt demnach islamfeindliche Einstellungen
erkennen. Jeder 13. Jugendliche räumt ein, eine Straftat mit
rechtem Hintergrund begangen zu haben. Als Beispiele werden
Hakenkreuz-Schmierereien oder Angriffe auf das Eigentum von
Ausländern genannt.
Die IMK-Arbeitsgruppe empfehle Anschlussbefragungen, um die Ursachen
der Ressentiments zu erhellen. Nach Angaben der Zeitung werden in dem
Forschungsprojekt von BMI und KFN zum Thema Jugendkriminalität
50.000 Neuntklässler verschiedener Nationalitäten in 61
zufällig ausgewählten Städten und Landkreisen befragt.
Bisher lägen dem KFN mehr als 30.000 beantwortete Fragebögen
vor.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Vater der Chaos-Theorie Edward Lorenz ist tot
Fr.18.04.08 - Edward Lorenz, der Vater der Chaos-Theorie und des
Schmetterlingseffekts, ist tot. Der Meteorologe starb im Alter von 90
Jahren in seinem Haus in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts.
Lorenz litt an Krebs. Seine Theorie hatte nicht nur einen großen
Einfluss auf die Mathematik, sondern auch auf die meisten anderen
Wissenschaften, von der Physik und Biologie bis zu den
Sozialwissenschaften. In der Meteorologe führte sie zu der Annahme,
dass sich das Wetter höchstens für zwei bis drei Wochen
einigermaßen exakt vorhersagen lässt.
Während seiner Forschungen als Professor am Massachusetts
Institute of Technology (MIT) entdeckte Lorenz 1963, dass dynamische
Systeme - auch wenn sie formal einfach sind - in ihrem Langzeitverhalten
so empfindlich von den Anfangsbedingungen abhängen, dass eine
Vorhersage unmöglich ist. Dafür genügen bereits drei
Variablen.
Geringfügig veränderte Bedingungen am Anfang können
somit im langfristigen Verlauf zu einer völlig anderen Entwicklung
führen. Lorenz erklärte den Effekt anhand des Wetters: In
einer Studie 1972 führte er aus, dass der Flügelschlag eines
Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen
könne.
In der Meteorologe führte sie zu der Annahme, dass sich das Wetter
höchstens für zwei bis drei Wochen einigermaßen exakt
vorhersagen lässt. Einige Wissenschaftler gingen so weit, die
Chaos-Theorie gemeinsam mit der Relativitätstheorie und der
Quantenmechanik als eine der drei wissenschaftlichen Revolutionen des
20. Jahrhunderts zu bezeichnen.
Lorenz wurde 1917 in West Hartford (Connecticut) geboren. 1940 schloss
er sein Diplom an der Universität Harvard ab, acht Jahre
später promovierte er am MIT in Meteorologie. Nach Angaben seiner
Familie blieb er bis zwei Wochen vor seinem Tod aktiv. Er
hinterlässt drei Kinder und vier Enkel.
(Quelle: afp)
Ältester Baum der Welt 9550 Jahre alt
Fr.18.04.08 - Der älteste lebende Baum der Welt ist eine fast zehntausend Jahre
alte Fichte in Schweden. Der Nadelbaum steht am Fuluberg im
mittelschwedischen Bezirk Dalarna, wie die Universität Umeå
am Mittwoch mitteilte.
Forscher hatten das genaue Baumalter durch eine spezielle Analyse der
Kohlenstoff-Varianten im Holz des Baumes (Kohlenstoff-14-Datierung) in
einem US-Labor auf 9550 Jahre bestimmt. Damit sei die Fichte rund
doppelt so alt wie die nordamerikanischen Kiefern, die mit 4000 bis 5000
Jahren bislang als älteste lebende Bäume gegolten hätten.
Mit diesen neuen Resultaten sei auch die bisherige Überzeugung
widerlegt, wonach die Fichten «relative Neulinge» in
schwedischen Wäldern seien, sagte der für das
Forschungsprojekt zuständige Geograf Leif Kullman. «Im
Gegenteil, sie gehören zu den ältesten hier ansässigen
Bäumen.»
Der «Weltrekord-Baum» sei ein «ausgesprochen
zäher Überlebender», der unter anderem bestehen konnte,
indem er geschützt von anderen Bäumen und Büschen
«dramatischen Klimaänderungen getrotzt hat». Er steht
unter anderem zusammen mit einer Gruppe von 375, 5660 und 9000 Jahre
alten Bäumen. Dies seien verschiedene «Generationen»
mit exakt identischem Erbmaterial, sagte Kullman.
(Quelle: dpa)
Wissenschaftler: Tsunami im Mittelmeer kommt
Fr.18.04.08 - Mehr als drei Jahre nach dem verheerenden Tsunami im Indischen Ozean
sind die Anrainerländer des Mittelmeers noch immer nicht
ausreichend auf eine mögliche solche Flutwelle vorbereitet.
Doch dass es «irgendwann» durch ein Erdbeben zu einem
Mittelmeer-Tsunami kommen werde, steht für europäische
Wissenschaftler so gut wie fest: «Wir sind ziemlich sicher»,
meint der italienische Geophysiker Stefano Tinti von der
Universität Bologna, verantwortlich für das europäische
Tsunami-Warnsystem. «Es ist nur eine Frage der Zeit. Aber wir
wagen keine öffentliche Prognose, wann dies sein wird», sagte
Tinti am Rande der Jahresversammlung der Europäischen
Geowissenschaftler, die an diesem Freitag in Wien zuende geht.
Am 26. Dezember 2004 war nach einem heftigen Erdbeben unter dem
Indischen Ozean ein gewaltiger Tsunami entstanden. Die Flutwelle
tötete Hunderttausende und richtete vor allem in Indonesien,
Thailand und Sri Lanka schwere Verwüstungen an. Im Mittelmeer ist
nach Expertenschätzungen etwa alle 100 Jahre mit einem
größeren Tsunami zu rechnen. So hatte etwa 1908 nach einem
Erdbeben unter der Meerenge von Messina eine Flutwelle auf Sizilien und
in Kalabrien hunderte Menschen getötet. In den 1950er Jahren
verwüstete eine Flutwelle die Kykladeninsel Amorgos.
Nach Ansicht Tintis würde ein umfassendes Tsunami-Warnsystem
für das am stärksten gefährdete Mittelmeer «nicht
mehr als mehrere zehn Millionen Euro» kosten. Im Mittelmeerraum
fehle es vor allem an modernen Gezeiten-Messgeräten an den
Küsten. Die einzelnen Länder verfügten zwar über
nationale seismologische Überwachungszentren, die jedoch noch nicht
für den Einsatz als nationale Warnzentren eingerichtet seien.
Tinti: «Zur Zeit ist noch kein Ort am Mittelmeer sicher.»
Nach Aussagen seines griechischen Kollegen Gerassimos Papadopulos von
der Universität Athen sind Italien und Griechenland besonders
Erdbeben- und damit Tsunami-gefährdet. Vor allem Griechenland werde
regelmäßig von Erdstößen heimgesucht. «Wenn
jemand vor dem Dezember 2004 vor den verheerenden Folgen einer schweren
Tsunami-Flut gewarnt hätte, hätten vermutlich alle
gelacht», warnte Papadopulos. Er nannte es «entscheidend,
dass wir vorbereitet sind».
(Quelle: dpa)