+++ Sa.19.04.08, 06:30
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Irak am 1488sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
El-Kaida-Vizechef will Irak zur Festung des Islam machen. EU skeptisch
über deutsche Initiative für irakische Christen -
EU-Ratspräsident gegen Sonderbehandlung für christliche oder
religiös verfolgte Iraker
Sa.19.04.08 - Die Nummer zwei des Terrornetzwerks El Kaida, Aiman el Sawahiri, will
den Irak zu einer "Festung des Islam" machen. Einen größeren
muslimischen Staat zu schaffen sei für Muslime die "oberste
Pflicht", sagte Sawahiri in einer im Internet veröffentlichten
Audiobotschaft. Die fast 16 Minuten lange Hördatei sei auf mehreren
Internetforen von Dschihadisten abrufbar, berichtete die in den USA
ansässige SITE Intelligence Group, die auf die Beobachtung
islamistischer Websites spezialisiert ist. Anlass sei der fünfte
Jahrestag der US-Invasion im Irak.
Sawahiri bezieht sich laut SITE auf eine Rede des US-Oberbefehlshabers
im Irak, General David Petraeus, am 8. April vor dem US-Kongress sowie
auf einen Streik von Textilarbeitern in Ägypten am 6. April.
Demzufolge sei die Hördatei erst kürzlich erstellt worden. Es
handelt sich bereits um die zweite Internetbotschaft Sawahiris binnen
eines Monats. Am 2. April hatte er die Vereinten Nationen attackiert und
als "Feind des Islams und der Muslime" bezeichnet.
Die deutsche Initiative zur Aufnahme verfolgter Christen aus dem Irak
stößt in der Europäischen Union auf Skepsis. Die
EU-Innenminister machten dem deutschen Innenminister Wolfgang
Schäuble (CDU) bei einem Treffen in Luxemburg vorerst keine
konkreten Zusagen, wie Schäuble berichtete. Das Thema wurde auf
Juni vertagt. Kritik an dem deutschen Vorstoß kam vom
slowenischen EU-Vorsitz sowie aus Luxemburg. Auch die deutsche
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) machte Bedenken geltend. Einen
deutschen Alleingang zur Aufnahme irakischer Christen schloss
Schäuble aus.
Schäuble sagte nach der ersten Beratung über das Thema im
Kreis seiner EU-Kollegen, es gebe "eine generelle Bereitschaft" zur
Hilfe. Konkret vereinbarten die Mitgliedstaaten nach seinen Angaben
aber nur, beim nächsten Treffen im Juni weiterverhandeln zu
wollen. Der Innenminister will eine vorübergehende Aufnahme
verfolgter irakischer Christen in Europa erreichen, bis sie in ihre
Heimat zurückkehren können. Die aktuelle Zahl der Christen im
Irak wird auf gut eine halbe Million Menschen geschätzt.
Der slowenische Ressortchef und amtierende EU-Ratspräsident
Dragutin Mate wandte sich gegen eine Sonderbehandlung für
christliche oder auch religiös verfolgte Iraker: "Wir müssen
Flüchtlinge ungeachtet ihrer Religion oder Rasse aufnehmen und
ihnen Asyl gewähren", sagte er.
Offen bleibt, um wie viele irakische Flüchtlinge es konkret geht.
Schäuble wollte dies nicht präzisieren. Er wolle verhindern,
dass sich die Debatte in der EU "nur um diese Zahl" drehe, sagte der
Minister. Nach seinen Angaben gibt es geschätzte 2,7 Millionen
Binnenvertriebene im Irak und 2,2 Millionen Flüchtlinge in
Nachbarstaaten.
Eine Initiative Schwedens für eine gerechtere Verteilung
irakischer Flüchtlinge in den EU-Staaten war zuletzt unter anderem
wegen deutschen Widerstands im Sande verlaufen. Das skandinavische Land
nahm in den vergangenen Jahren mehrere zehntausend Flüchtlinge aus
dem Irak auf und damit rund die Hälfte aller irakischen
Flüchtlinge in die EU.
In Deutschland sind die Zahlen deutlich niedriger. Laut
Bundesinnenministerium stellten im vergangenen Jahr 4327 Iraker erstmals
einen Asylantrag. Von den Irakern, deren Fälle abgeschlossen
wurden, erhielten nur 1,6 Prozent den Status als Asylberechtigte.
Weitere 72 Prozent wurden als Flüchtlinge anerkannt und können
sich damit vorübergehend in Deutschland aufhalten.
boa (Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 19.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendvierundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.19.04.07 - Eskalierende Gewalt in Bgdad - 195 Tote bei verheerender Anschlagserie +++
US-Verteidigungsminister Gates warnt vor Zusammenbrechen des Iraks +++
Keine Annäherung im Streit um Abzugsdatum für US-Truppen aus
Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704190.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Ex-US-Präsident Carter trifft Hamas-Chef - Boykott bröckelt
Sa.19.04.08 - Nach zweijährigem Boykott hat der ehemalige US-Präsident
Jimmy Carter als erster hochrangiger Politiker aus dem Westen
Hamas-Chef Chaled Maschaal getroffen.
Der 83-jährige Friedensnobelpreisträger setzte sich bei dem
umstrittenen Treffen in der syrischen Hauptstadt für die
Freilassung eines israelischen Rekruten ein, den die Hamas seit bald
zwei Jahren in ihrer Gewalt hält.
An dem Gespräch nahmen mehrere hochrangige Hamas-Vertreter teil,
für die es auf solch hoher Ebene seit Anfang 2006 die erste
Gelegenheit zu einem Austausch mit einem westlichen Repräsentanten
war. Carter will Angaben aus seiner Delegation zufolge die Chancen
ausloten, die Extremisten in die Bemühungen um einen Frieden
zwischen Israel und den Palästinensern einzubeziehen. Nach einem
Treffen mit Hamas-Vertretern aus dem Gazastreifen sagte Carter am
Donnerstag, die Bewegung wolle einen Friedensvertrag zwischen
Präsident Mahmud Abbas und Israel unterstützen, wenn die
Vereinbarung in einem Referendum akzeptiert werde.
Die Hamas kämpft für eine Zerstörung des jüdischen
Staats und lehnt Verhandlungen mit Israel ab. Neben der Regierung in
Jerusalem haben auch die USA die Kontakte Carters mit den Extremisten
scharf kritisiert.
"Carter ist sehr optimistisch", hieß es unter seinen Begleitern.
"Die Aufmerksamkeit, die seine Kritiker erzeugt haben, hat ihn darin
bestärkt, einen anderen Weg mit der Hamas zu verfolgen." Der
Politiker sei zuversichtlich, auch in den festgefahrenen
Bemühungen um die Freilassung des israelischen Rekruten Gilad
Schalit etwas zu erreichen.
Carters Initiative brachte auch Bewegung in die starre Front zwischen
Israel und der Hamas. Minister Eli Jischai bat den ehemaligen
US-Präsidenten, ein Treffen mit der Hamas-Führung zu
vermitteln. Jischai will sich demnach persönlich für die
Freilassung Schalits einsetzen, aber keine anderen Themen zur Sprache
bringen. Der Minister sei bereit, jeden zu treffen, der Einfluss auf
eine Freilassung habe - "einschließlich Maschaal", sagte sein
Sprecher.
Jischai ist Chef der orthodoxen Schas-Partei und hat wiederholt direkte
Verhandlungen auch über die Freilassung zweier von der Hisbollah
festgehaltenen Soldaten gefordert. Er beruft sich dabei auf das
jüdische Gebot, Gefangene zu retten.
Im Westjordanland genehmigte Israel die Wiedereröffnung von 20
palästinensischen Polizeiposten. Der Schritt soll die stockenden
Friedensverhandlungen mit Abbas fördern. Zugleich kündigte
Israel aber den Bau weiterer hundert Wohnungen in einer Siedlung in den
besetzten Gebieten an. Unter dem internationalen Friedensplan Road Map
zugesagt, alle Baumaßnahmen zu stoppen.
(Quelle: rtr)
Südafrika: Hafenarbeiter verweigern Transport von Waffen
für Simbabwe
Sa.19.04.08 - Ein mit Waffen für Simbabwe geladenes Schiff ist aus einem
südafrikanischen Hafen ausgelaufen. Zuvor hatten sich
Hafenarbeiter in Durban geweigert, die Fracht zu entladen. Das Schiff
nahm nunmehr Kurs auf Mosambik, wie eine Menschenrechtsgruppe am
Freitagabend mitteilte. Ein Gericht verfügte kurz zuvor, dass die
«An Yue Jiang» den Hafen mit der umstrittenen Waffenladung
an Bord vorerst nicht verlassen dürfe. Als die Verfügung
zugestellt werden sollte, hatte der Frachter bereits abgelegt.
«Das sind hunderte Mörsergranaten und Munition und wir sind
sehr besorgt darüber, wie diese eingesetzt werden», sagte
Nicole Fritz vom südafrikanischen Zentrum für
Rechtsstreitigkeiten angesichts der politischen Krise in Simbabwe. Ihre
Organisation wolle ein Entladen der Fracht auch in Mosambik verhindern,
sagte Fritz.
Hafenarbeiter und Lastwagenfahrer in Südafrika hatten zuvor die
Entladung des Schiffs verweigert. Der Dachverband der
südafrikanischen Gewerkschaften begrüßte die Haltung
der Beschäftigten der Transportgewerkschaft. Er bekräftigte
seinen Aufruf an die Wahlkommission in Simbabwe, die Ergebnisse der
Präsidentenwahl vom 29. März zu veröffentlichen. Die
«An Yue Jiang» müsse nach China zurückkehren,
erklärte der Gewerkschaftsbund.
Peking ist einer der wichtigsten Handelspartner und Verbündeten
Simbabwes. Ein südafrikanischer Regierungssprecher hatte am
Donnerstag erklärt, die Behörden würden nicht
einschreiten, um eine Lieferung der Waffen zu verhindern, da die
Papiere des Frachters in Ordnung seien. Der südafrikanische
Präsident Thabo Mbeki hat erklärt, in Simbabwe gebe es keine
Krise.
(Quelle: ap)
Notstand auf der Südsee-Insel Nauru ausgerufen
Sa.19.04.08 - Der Präsident der Südsee-Insel Nauru hat am Freitag das
Parlament aufgelöst und den nationalen Notstand ausgerufen.
Für die kommende Woche setzte Präsident Marcus Stephen gegen
den erbitterten Protest der Opposition eine Neuwahl am 26. April an. Im
bisherigen Parlament verfügte er über genau die Hälfte
der 18 Parlamentssitze. Der Opposition warf Stephen vor, eine
«Agenda der wirtschaftlichen Zerstörung» der von 12.000
Einwohnern bewohnten Insel zu betreiben.
Stephen hatte versucht, sich eine Mehrheit im Parlament zu verschaffen,
in dem sein Block einen Oppositionspolitiker zum
Parlamentspräsidenten wählte. Der Parlamentspräsident
gibt in Pattsituationen mit seiner Stimme den Ausschlag, sonst beteiligt
er sich nicht an Abstimmungen - die Regierung rechnete daher mit einer
Mehrheit von neun gegen acht Stimmen im Parlament.
Parlamentspräsident David Adeang nutzte sein Amt aber seinerseits,
der Regierung Schwierigkeiten zu machen: Er setzte am 22. März zwei
Abgeordnete von Stephens Partei ab, weil sie neben der
Staatsbürgerschaft Naurus auch noch die australische besitzen. Das
Oberste Gericht hob die Entscheidung auf, worauf Adeang allen neun
Abgeordneten der Regierung das Mandat wegen «ungebärdigen und
schändlichen Verhaltens» entzog.
Die letzte Parlamentswahl fand im August 2007 statt, die nächste
stand turnusmäßig erst 2010 an. Stephen, ein früherer
Gewichtheber, wurde am 19. Dezember vom Parlament zum Präsidenten
gewählt, nachdem sein Vorgänger Ludwig Scotty in einem
Misstrauensvotum gestürzt wurde. Nach Ausbeutung der
Phosphatvorkommen der 21 Quadratkilometer großen Insel hat der
Staat mit Wirtschafts- und Umweltproblemen zu kämpfen.
(Quelle: ap)
Ecuadors Verfassungsgebende Versammlung hebt Bergbaukonzessionen auf
Sa.19.04.08 - Die Verfassungsgebende Versammlung Ecuadors hat drei Viertel der
Bergbaukonzessionen in dem südamerikanischen Land aufgehoben. Sie
stimmte damit einem Erlass des linksgerichteten Präsidenten Rafael
Correa zu, der die meisten bestehenden Genehmigungen zur Ausbeutung von
Bodenschätzen auch durch internationale Konzerne als schrecklich
bezeichnet hatte.
Mit dem Beschluss der Versammlung werden 3.100 von 4.112 Konzessionen
aufgehoben, darunter die von ausländischen Unternehmen wie
Aurelian Resources und Iamgold aus Kanada. «Das derzeitige
Dilemma besteht nicht darin, ob wir Ja zum Bergbau sagen, sondern Ja
zum wirtschaftlich, sozial und umweltpolitisch verantwortungsvollen
Bergbau», hieß es in einer Erklärung Correas.
Der Abbau von Bodenschätzen in Ecuador ist zur Zeit gering, viele
Firmen sind aber dabei, reiche Vorkommen an Gold und Kupfer zu
erschließen. An der Börse in Toronto fielen die Aktien von
Aurelian nach dem Beschluss in Quito um 31,5 Prozent, Iamgold
verzeichnete leichte Verluste.
(Quelle: ap)
FAO: Reiche Staaten für stagnierenden Getreideanbau verantwortlich
-- Arme Staaten auf Hilfe von außen angewiesen
Sa.19.04.08 - Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat die
reichen Staaten für den weltweit stagnierenden Getreideanbau
verantwortlich gemacht. Sie seien nicht willens,
Entwicklungsländer mit Geld, Saatgut und Investitionen in
Infrastruktur zu unterstützen, sagte FAO-Chef Jacques Diouf am
Freitag in Brasilia auf einer Lateinamerika-Tagung seiner Organisation.
Die globale Lebensmittelproduktion könnte verdoppelt werden, wenn
mehr Produzenten Zugang zu Saatgut, Dünger und Krediten
hätten und ihre Ernte zu Marktpreisen verkaufen könnten,
erklärte Diouf. «Wenn die nötige Arbeit getan ist, wird
die Produktion in atemberaubenden Tempo zunehmen», sagte er
weiter.
Der Ausblick in die unmittelbare Zukunft sei aber eher pessimistisch:
Die weltweite Getreideproduktion werde im kommenden Jahr
voraussichtlich nicht zunehmen, obwohl die Lebensmittelpreise rasant
steigen. Arme Staaten könnten die Produktion aber nicht ohne Hilfe
von außen erhöhen, sagte er.
Diouf wies darauf hin, dass es seiner Organisation noch nicht einmal
gelungen sei, 17 Millionen Dollar (10,8 Millionen Euro) seit
vergangenen Dezember aufzutreiben, um armen Bauern bis zum März
Saatgut zu kaufen. Er hoffe, dass dies nun bis Oktober gelingen werde.
Zum Thema Biosprit wollte Diouf sich nicht äußern und
verwies darauf, dass sich eine FAO-Tagung im Juni damit befassen werde.
Ein am Dienstag veröffentlichter UN-Bericht hatte die
Biosprit-Produktion als «Verbrechen gegen die Menschheit»
kritisiert, weil sie dazu führe, dass Anbauflächen umgewidmet
werden, auf denen einst Lebensmittel produziert wurden.
(Quelle: ap)
WFP muss wegen hoher Lebensmittelpreise Hilfe für Arme kürzen
Sa.19.04.08 - Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen muss seine
Hilfslieferungen wegen der stark gestiegenen Lebensmittelpreise
weltweit kürzen. Die Organisation stehe vor
«herzzerreißenden Entscheidungen, wo der Rotstift angesetzt
werden soll», sagte WFP-Direktorin Josette Sheeran am Freitag. In
den nächsten Wochen müsse das Welternährungsprogramm
voraussichtlich 400.000 Kinder von Programmen der Schulspeisung
ausschließen.
Die Organisation müsse derzeit auf Rücklagen
zurückgreifen, um laufende Programme zu finanzieren. Das WFP hofft
wegen der kritischen Situation auf eine Budgeterhöhung durch
Geberländer. Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln haben bereits
zu Unruhen in Haiti, Ägypten und anderen Ländern geführt.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte am Freitag ebenfalls
vor den dramatischen Folgen der Ernährungskrise: «Es besteht
die Gefahr von Kriegen, das Schlimmste liegt vielleicht noch vor
uns», sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn dem
französischen Radiosender Europe-1. Die Menschen richteten sich in
Hungerrevolten gegen ihre Staatsführungen. In der Geschichte gebe
es viele Beispiele für Kriege, die wegen derartiger Probleme
begonnen hätten. Die Welt muss begreifen, dass die Krise extrem
schwerwiegend ist, wie der ehemalige französische Finanzminister
forderte.
(Quelle: ap)
Klimaschutz: Treibhausgas-Ausstoß ging 2006 in EU und USA
zurück
Sa.19.04.08 - Die Europäische Union und die USA haben 2006 ihren Ausstoß
von Treibhausgasen verringert.
Dies ging am Freitag aus Daten auf einer Website der Vereinten Nationen
hervor. Der Rückgang betrug dabei für die EU 0,3 Prozent und
für die USA 1,3 Prozent. Im Jahr zuvor war der Ausstoß der
EU um 0,4 Prozent zurückgegangen und der der USA um 0,4 Prozent
gestiegen. Weltweit steigt der Ausstoß um etwa drei Prozent pro
Jahr, insbesondere wegen des Wirtschaftswachstums in China und Indien.
Die Daten für die EU waren auf den 15. April datiert und sollten
am Montag veröffentlicht werden. Die Zahlen für die USA waren
vom 10. April.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Koalitionsdebatte bei Grünen voll entbrannt
Sa.19.04.08 - Nach der Einigung auf ein Regierungsbündnis mit der CDU in Hamburg
ist bei den Grünen im Bund die Koalitionsdebatte voll entbrannt.
Während sich Grünen-Fraktionschefin Renate Künast am
Freitag eher skeptisch zeigte, ob das Hamburger Modell für den Bund
tauge, zeigte sich der Fraktionschef im Europaparlament, Daniel
Cohn-Bendit, aufgeschlossen für Experimente.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kritisierte das erste
schwarz-grüne Bündnis auf Landesebene als «Koalition der
Beliebigkeit».
Künast sagte im Inforadio vom rbb, der Hamburger Koalitionsvertrag
sei seriös, aber es gebe kein schwarz-grünes Projekt. Eine
«Kerngemeinsamkeit» zwischen CDU und Grünen über
gesellschaftliche Erneuerung könne sie nicht erkennen. Für die
Grünen sei es aber wichtig, Eigenständigkeit zu zeigen und
sich angesichts der Schwäche der SPD nach anderen
Koalitionspartnern umzusehen.
Cohn-Bendit sagte in der «Frankfurter Rundschau», man
müsse «neue Konstellationen ausprobieren». Dazu
gehöre im Zweifelsfall aber auch die Kraft zu sagen: «Es
klappt doch nicht. Notbremse.» Auf die Frage, ob er sich eine
Koalition von Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin grundsätzlich
vorstellen könne, sagte er: «Manche Paarungen haben ihren
ästhetischen Reiz.»
Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer,
nannte eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene in
«Cicero-Online» eine «interessante Option». Sie
hänge davon ab, «ob Frau Merkel mit dem Klimaschutz Ernst
mache. Ich sehe hier bislang mehr Ankündigungen als Taten.»
In Rot-Grün sieht er kein Modell der Vergangenheit. Eine
Jamaika-Koalition beurteilte er kritisch, denn die Kooperation mit der
FDP sei für die Grünen noch schwieriger als mit der SPD.
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus,
Volker Ratzmann, hält die programmatischen Unterschiede zwischen
Union und Grünen für «tief greifend und
grundsätzlich», wie er der «Berliner Zeitung»
sagte. Man dürfe sich nicht in Farbspielen ergehen, sondern
müsse im Einzelfall entscheiden, «wo und mit wem wir eine
profilierte grüne Politik machen können». Ratzmann
schloss nicht aus, dass er als Nachfolger für den scheidenden
Grünen-Vorsitzenden Reinhard Bütikofer kandidieren
könnte. Der Vorschlag, diese «reizvolle Aufgabe» zu
übernehmen, sei an ihn herangetragen worden: «Aber das will
gut überlegt und diskutiert sein.»
SPD-Generalsekretär Heil machte im ZDF-Morgenmagazin deutlich,
dass es zwischen Sozialdemokraten und Grünen immer noch die meisten
Schnittstellen zu verzeichnen seien, obwohl es «keine feste
Abonnements» gebe. Zum Hamburger Modell sagte er, da kombinierten
sich die schlechten Seiten beider Parteien. Er sprach von «faulen
Kompromissen» und sagte beiden Partnern Schwierigkeiten voraus.
Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel forderte die SPD als Konsequenz
aus dem schwarz-grünen Modell in Hamburg zu einer Annäherung
an die Linkspartei auf. In der «Rheinischen Post» sagte sie,
die SPD müsse ihre «ideologischen Scheuklappen zur
Linkspartei verlieren».
FDP-Chef Guido Westerwelle sagte im «Südkurier»:
«Dass die Grünen in Hamburg mit der CDU und in Hessen mit der
Linkspartei regieren wollen, ist ein bemerkenswerter Spagat, bei dem
noch nicht ausgemacht ist, ob das die Basis zerreibt.» Für
die FDP im Bund kündigte Westerwelle mehr Offenheit an. Zwar gebe
es die größten inhaltlichen Gemeinsamkeiten nach wie vor mit
der Union. «Aber wir sollten uns nicht selbst so fesseln, dass -
wenn es keine bürgerliche Mehrheit gäbe - am Schluss die
Linkspartei entscheiden könnte, wer Deutschland regiert.»
(Quelle: ap)
Parteienforscher Falter stößt Diskussion um Wahlrecht an
Sa.19.04.08 - Die Bildung der schwarz-grünen Koalition in Hamburg hat eine
Diskussion über das Wahlrecht in Deutschland ausgelöst. Der
Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter sagte der
«Bild»-Zeitung (Freitagausgabe): «Wer eine bestimmte
Partei wählt, kann nicht mehr sicher sein, welche Koalition er am
Ende bekommt. Darum sollten wir über Wahlrechtsänderungen
nachdenken. Es wäre wünschenswert, wenn die Bürger auf
dem Wahlzettel neben einer Partei auch ihre Wunschkoalition ankreuzen
könnten.»
Die FDP muss sich nach Ansicht Falters jetzt stärker als bisher
auch für ein Bündnis mit den Sozialdemokraten öffnen.
Falter: «Als Mehrheitsbeschaffer für die Union hat die FDP
kein Alleinstellungsmerkmal mehr.»
(Quelle: ddp)
SPD-Arbeitnehmerflügel bekräftigt Forderung nach Grundrente
Sa.19.04.08 - Der Arbeitnehmerflügel in der SPD hat angesichts der zunehmenden
Gefahr von Altersarmut seine Forderung nach Korrekturen am Rentensystem
bekräftigt. Es müsse Grundrenten geben, die allen ein
Auskommen im Alter sicherten, sagte der Chef des Bundesausschusses der
Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA), Andreas Steppuhn,
im WDR. Dazu müssten alle Einkommensarten in das
Rentenversicherungssystem einbezogen werden, also auch Beamte und
Politiker. Eine solche Erwerbstätigenversicherung müsse durch
Steuermittel ergänzt werden.
Die AfA eröffnete gestern in Kassel einen dreitägigen
Bundeskongress zusammen. Die Konferenz, auf der am heutigen Samstag auch
SPD-Chef Kurt Beck sprechen will, steht unter dem Motto "Gute Arbeit -
Sicherheit im Alter - Gemeinsam für soziale Gerechtigkeit."
Die Renten dürften nicht so niedrig werden, "dass wir
ergänzend dann noch Sozialhlfe zahlen müssen", sagte Steppuhn.
Der eigentliche Weg gegen Altersarmut sei, dass es in Deutschland
wieder "vernünftige Arbeitsverhältnisse mit vernünftigen
Löhnen" gibt. Dies könne über die flächendeckende
Einführung von Mindestlöhnen bewerkstelligt werden.
Vernünftige Einkommen während der Arbeitsphase würden
nachher auch zu einer auskömmlichen Rente führen.
Zuvor hatte sich bereits der AfA-Vorsitzende Ottmar Schreiner für
grundlegende Korrekturen in der Rentenpolitik stark gemacht. Die AfA
will in Kassel neben der Mindestrente auch eine "gesetzlich zwingende
betriebliche Altersversorgung" fordern. Gesetzliche Rente und
Betriebsrente zusammen sollten für die Altersvorsorge reichen,
private Altersversorgung solle reine Privatsache sein, sagte Schreiner.
Damit wendet sich die AfA gegen das Konzept der staatlich
geförderten Riester-Rente, die laut Schreiner "vor allem
Besserverdienenden zu Gute" komme.
(Quelle: afp)
Mieterbund fordert Programm gegen Wohnarmut
Sa.19.04.08 - Der Deutsche Mieterbund (DMB) fordert von der Politik ein Programm
gegen drohende Wohnarmut. Einkommensschwache Haushalte, egal ob
selbstnutzende Eigentümer oder Mieter, könnten die hohen
Energiepreise nicht mehr schultern, sagte DMB-Präsident Franz-Georg
Rips am Freitag in Rostock. Nach Berechnungen des DMB müssen
Mieterhaushalte in diesem Jahr im Schnitt 1,50 Euro pro Quadratmeter
und Monat für Heizung und Warmwasser aufwenden. Ein Ende der
Preisspirale sei nicht zu erkennen.
Aus Sicht von Rips ist die von der Bundesregierung vorgesehene
Entlastung von Wohngeldempfängern angesichts der steigenden
Energiepreise nicht ausreichend. Der Anteil der Heizkosten am Wohngeld
müsse von jetzt 0,50 Euro pro Quadratmeter und Monat auf 0,75 Euro
angehoben werden.
Rips wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die
Rentenerhöhung von 1,1 Prozent den durchschnittlichen
Rentnerhaushalten lediglich 12 bis 25 Euro pro Monat zusätzliches
Einkommen verschafft. Ein wirksames Wohngeld könne dagegen das
verfügbare Haushaltseinkommen um 60 bis 80 Euro monatlich
erhöhen - über die durchschnittlich 90 Euro hinaus, die
Wohngeldempfänger bereits jetzt monatlich erhalten.
Weiter forderte Rips mehr staatliche Förderung für
Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz von
Wohngebäuden und den Einsatz erneuerbarer Energien nicht nur in
Neubauten.
(Quelle: ddp)
Tarifverhandlungen bei der Post ohne Annäherung beendet
Sa.19.04.08 - Die zweitägigen Tarifverhandlungen bei der Deutschen Post sind in
der Nacht zu Samstag in Düsseldorf ohne Vereinbarung eines
weiteren Termins beendet worden. Ein von den Arbeitgebern vorgelegtes
Angebot nannte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di eine
«mutwillige Provokation eines Arbeitskampfes». Die
Verhandlungskommission werde der am Samstag in Düsseldorf tagenden
Tarifkommission empfehlen, das Angebot abzulehnen. Ein Scheitern der
Tarifverhandlungen rückt damit näher.
Die Deutsche Post sprach dagegen von einem «attraktiven
Angebot». Es sehe eine Verlängerung des
Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011 vor. Die Löhne der
130 000 Tarifmitarbeiter sollen den Arbeitgeber-Angaben zufolge in den
nächsten zwei Jahren um rund 5,5 Prozent ansteigen. Im Gegenzug
sollen die Arbeitnehmer künftig statt 39,5 Stunden 40 Stunden pro
Woche arbeiten. Für die Beamten soll sich die kürzlich auf 41
Stunden erhöhte Arbeitszeit wieder auf 40 Stunden verringern. Die
Deutsche Post versicherte, wie sei weiter «uneingeschränkt
gesprächsbereit».
Laut ver.di haben die Arbeitgeber ab 1. November dieses Jahres eine
Einkommensverbesserung von 3 Prozent angeboten. Ab 1. November 2009
sollen die Löhne um weitere 2,4 Prozent steigen. Dies bedeute
umgerechnet eine zweiprozentige Einkommensverbesserung über eine
Laufzeit von 26 Monaten. Mit dem Arbeitgeber-Angebot drohe die
Vernichtung von 12 500 Arbeitsplätzen und ein Griff in die Taschen
der Beschäftigten, sagte der Gewerkschaftssprecher.
ver.di fordert für die Tarifbeschäftigten neben dem
verlängerten Kündigungsschutz sieben Prozent mehr Lohn sowie
zehn sogenannte Arbeitszeitverkürzungstage. Die Gewerkschaft hatte
ihren Forderungen mit mehreren Warnstreiks Nachdruck verliehen.
(Quelle: ddp)
Kirchliche Arbeitgeber gegen Mindestlohn
Sa.19.04.08 - Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Weigerung kirchlicher
Arbeitgeber kritisiert, im Pflegesektor einen gesetzlichen Mindestlohn
einzuführen. Sie erwarte von den kirchlichen Trägern ein
stärkeres Engagement, für eine anständige Bezahlung der
Beschäftigten in der Pflege zu sorgen», sagte sie der
«Frankfurter Rundschau». Nach Ansicht der
Arbeitsgemeinschaft caritativer Unternehmen und des Verbands
diakonischer Dienstgeber in Deutschland bringt ein gesetzlicher
Mindestlohn mehr Nach- als Vorteile.
(Quelle: dpa)
Studie: Jeder Fünfte arbeitet für Billiglohn
Sa.19.04.08 - Der Niedriglohnsektor in Deutschland wächst und könnte schon
bald amerikanische Dimensionen erreichen. Im Jahr 2006 war mehr als
jeder fünfte Beschäftigte gering bezahlt.
Seit 1995 erhöhte sich der Anteil der Niedriglöhner von 15
auf 22,2 Prozent - ein Anstieg um 43 Prozent. Dies sind Ergebnisse aus
einer Länderstudie des Duisburger Instituts Arbeit und
Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen.
Danach lag Deutschland 2005 etwas über dem britischen und nur noch
knapp unter dem amerikanischen Niveau. Schon heute arbeiten der Studie
zufolge 6,5 Millionen Beschäftigte für wenig Geld. «Die
Befunde für die Bundesrepublik sind besorgniserregend»,
sagte IAQ- Direktor Gerhard Bosch der «Frankfurter
Rundschau» (Freitag). Wenn die Politik nicht gegensteuere,
könne der Niedriglohnsektor in Deutschland
«größer werden als in den USA, wo jeder Vierte
Geringverdiener ist».
Gründe für die Entwicklung sieht Bosch darin, dass eine
«wachsende Zone des Arbeitsmarktes» nur noch schwach oder
gar nicht mehr reguliert sei, «weil die Unternehmen nicht
tarifgebunden oder die Gewerkschaften zu schwach sind». Dies
gelte vor allem im privaten Dienstleistungssektor. Verstärkt habe
den Trend auch die Hartz-IV-Gesetzgebung, die Deregulierung der
Zeitarbeit und die politisch gewollte Förderung der Mini-Jobs.
Als Niedriglohn gilt ein Verdienst von weniger als zwei Dritteln des
mittleren Stundenlohns. Die Schwelle lag danach 2006 in Westdeutschland
bei 9,61 Euro und bei 6,81 Euro im Osten. Das Institut zog zur
Berechnung sämtliche Jobs inklusive Mini- und Nebenjobs heran.
Im Bundesarbeitsministeriums hieß es dazu, die Ergebnisse des IAQ
deckten sich «in der Tendenz» mit den eigenen
Erkenntnissen. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hatte in einem
Interview gesagt: «Die Zahl derjenigen, die wenig verdienen, hat
zugenommen. Etwa 15 Prozent aller Arbeitsnehmer verdienen unter 7,50
Euro je Stunde, darunter sind rund zwei Millionen
Vollzeitbeschäftigte.»
Politiker der Linken und der Grünen sprachen sich für
gesetzliche Lohnuntergrenzen aus. DGB-Vorstandsmitglied Annelie
Buntenbach sprach von einem «eindeutigen Alarmsignal». Es
sei ein «Armutszeugnis, dass fast ein Viertel aller
Beschäftigten in Deutschland zu Niedriglöhnen arbeiten
muss». Die Bundesregierung dürfe dieser Entwicklung nicht
tatenlos zusehen: «Hier braut sich sozialer Sprengstoff zusammen,
der längst auch die Mitte der Gesellschaft erreicht hat.»
Für die Arbeitgeber wies BDA-Hauptgeschäftsführer Peter
Clever im TV-Sender N24 die Forderung nach Mindestlöhnen
zurück. Die zunehmende Zahl von Geringverdienern sei «kein
Argument» dafür. Niedriger Lohn heiße «noch
lange nicht, in einer armen Familie zu leben». Dies betreffe 17
Prozent, vor allem Alleinerziehende und Migranten. Die Alternative zu
Niedriglohn-Jobs sei Arbeitslosigkeit.
(Quelle: dpa)
Hersteller von Nahrungsmitteln heben Preise stark an
Sa.19.04.08 - Die Hersteller von Nahrungsmitteln haben ihre Preise im März
kräftig angehoben.
Sie stiegen um 10,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das
Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die Produzenten von
Ölen und Fetten langten mit einem Aufschlag von 42,7 Prozent
besonders kräftig zu. Milch und Milchprodukte verteuerten sich um
23 Prozent, Käse und Quark um 26,7 Prozent. Die Erzeugerpreise
gelten als Indikator für die Entwicklung der Lebenshaltungskosten.
Der Handel reicht höhere Einkaufspreise an die Endverbraucher
weiter. Groß- und Einzelhandelsverband gehen aber davon aus, dass
wegen des starken Wettbewerbs nur ein Teil der Mehrkosten auf die
Kunden abgewälzt werden kann.
Insgesamt erhöhten sich die Erzeugerpreise um 4,2 Prozent. Das ist
die höchste Teuerungsrate seit Dezember 2006. Ähnlich stark
wie Nahrungsmittel verteuerte sich auch Energie. Hier gab es einen
Aufschlag von 8,2 Prozent. Dabei zogen die Preise für schweres
Heizöl um 60,7 Prozent an, für Diesel um 22 Prozent und
für Benzin um 8,9 Prozent. Strom kostete 12,4 Prozent mehr.
Die Nahrungsmittelpreise sind weltweit auf dem Vormarsch. Neben
Missernten werden auch die hohen Ölpreise dafür
verantwortlich gemacht. Hinzu kommen die wachsende Nachfrage in China
und Indien sowie der Boom von Bio-Sprit, der zur Verringerung von
Anbauflächen für Lebensmittel geführt hat.
(Quelle: rtr)
Jetzt auch Überwachung in Wohnungen Nichtverdächtiger?
Sa.19.04.08 - Die Sicherheitsbehörden des Bundes können künftig auch
Wohnungen von unbescholtenen Bürgern mit Wanzen und Videokameras
überwachen, wenn dort verdächtige Personen verkehren.
Dies geht aus dem Entwurf der Novelle des Bundeskriminalamtsgesetzes
(BKAG) hervor, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.
Dort heißt es in Paragraf 20h: Das Abhören und Filmen
dürfe sich grundsätzlich nur gegen die verdächtige Person
«richten und nur in deren Wohnung durchgeführt werden. In
Wohnungen anderer Personen ist die Maßnahme nur zulässig,
wenn auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass 1. sich eine
... (verdächtige) Person dort aufhält und 2. die
Maßnahmen in der Wohnung einer ... (verdächtigen) Person
allein nicht zur Abwehr der Gefahr ... führen wird. Die
Maßnahme darf auch durchgeführt werden, wenn andere Personen
unvermeidbar betroffen werden.»
In der SPD zeichnet sich unterdessen eine Auseinandersetzung
darüber ab, dass Wohnräume künftig nicht mehr nur durch
Mikrofone, sondern auch durch Videokameras überwacht werden
können. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte in dem
mit Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erzielten Kompromiss zum
BKAG zwar ein Installieren von Ausspäh-Programmen für Computer
durch Eindringen in die Wohnung von Verdächtigen verhindern
können. Die Video-Überwachung nahm sie aber offensichtlich
hin. Insbesondere Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wehrt
sich gegen diese Ausweitung der Überwachung.
Auch der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebastian
Edathy (SPD), äußerte sich skeptisch zu den Plänen.
«Die Notwendigkeit einer Videoüberwachung in Wohnungen
erschließt sich mir nicht ohne weiteres. Das müsste man schon
sehr gut begründen», sagte er der «Neuen
Osnabrücker Zeitung» (Freitag). Diese «neuerliche
Ausdehnung der BKA-Befugnisse» werde in der SPD-Fraktion sicher
auf einige Bedenken stoßen. Ähnlich äußerte sich
auch SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz: «Das wird noch ganz
genau zu prüfen sein.»
Als chancenlos bezeichnete Wiefelspütz den Vorstoß einiger
Unionsländer, ihrer Landespolizei im Zuge von Online-Durchsuchungen
auch das heimliche Eindringen in Wohnungen zu erlauben. «Wenn sie
das versuchen, landen sie damit in Karlsruhe schmerzhaft auf der
Nase.» Entsprechende Befugnisse würde das
Bundesverfassungsgericht mit Sicherheit für nichtig erklären.
Im brandenburgischen Bad Saarow beenden die Innenminister von Bund und
Ländern heute (Freitag) ihre Frühjahrskonferenz. Zu den
zentralen Themen zählen die Debatte über Online-Durchsuchungen
und ein neues NPD-Verbotsverfahren. Der SPD-Innenpolitiker Edathy
kritisierte in der «Schweriner Volkszeitung» (Freitag)
erneut die Haltung der Union. «Die Mehrheit in CDU und CSU ist
nicht willens, die Voraussetzungen für ein NPD-Verbot zu
schaffen.»
(Quelle: dpa)