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Irak am 1489sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Radikaler Prediger Al Sadr droht irakischer Regierung mit Krieg.
Kämpfe in den irakischen Städten Bagdad und Basra. Irakische
und US-Soldaten errichten Mauer in Sadr City
So.20.04.08 - Der schiitische Milizenführer Muktada al Sadr hat mit einer neuen
und zeitlich unbegrenzten Offensive im Irak gedroht. Wenn die Regierung
in Bagdad die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen
seine Anhänger nicht einstelle, werde er ihnen den «offenen
Krieg» erklären, teilte der Prediger am Samstag mit. Dies
sei die letzte Warnung. Die Regierung solle endlich den Weg des
Friedens einschlagen und damit aufhören, die eigene
Bevölkerung zu bekämpfen.
Die Drohung, den seit über sieben Monaten gültigen
Waffenstillstand aufzuheben, folgt heftigen Kämpfen zwischen Sadrs
Mahdi-Miliz und den Regierungstruppen. Diese begannen am 25. März
eine Offensive gegen die antiamerikanische Miliz im Bagdader Stadtteil
Sadr City und in der südlichen Hafenstadt Basra. Anfang April
hatte Sadr seine Gefolgsleute vorerst zum Rückzug aufgefordert,
seither kommt es aber immer wieder zu tödlichen Gefechten.
Sadr verglich die Regierung in Bagdad in seiner Stellungnahme mit dem
Regime des früheren sunnitischen Diktators Saddam Hussein, der die
schiitische Mehrheit im Land unterdrückte. Die Regierung des
schiitischen Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki kritisiert der
Prediger vehement, da sie sich nicht um einen Abzug der US-Soldaten
bemüht. Notfalls wolle er «bis zur Befreiung»
kämpfen, erklärte er am Samstag.
Ein Offensive der Mahdi-Miliz wäre auch für die USA ein
herber Rückschlag. Die Verbesserung der Sicherheitslage im Irak
wurde von führenden US-Generälen auch mit der Waffenruhe der
Sadristen begründet. Sadr gilt als stark antiamerikanisch. Die
US-Soldaten könnten bei einem Ende der Waffenruhe wieder
verstärkt zur Zielscheibe werden.
Irakische und US-Soldaten errichten im Schiitenviertel Sadr City der
Hauptstadt Bagdad eine meterhohe Mauer. Die Mauer solle verhindern,
dass der Rest der Stadt von Sadr City aus mit Raketen und Granaten
beschossen werde, teilte die US-Armee mit. Es gelte vor allem auch,
Bagdads Grüne Zone zu schützen, in der sich der Sitz der
irakischen Regierung und die US-Botschaft befinden.
US-Armeesprecher Steven Stover sagte der Nachrichtenagentur AFP, der
Mauerbau, der diese Woche begann, gehe auf einen Plan der irakischen
Regierung zurück. "Wir treffen keine unabhängige
Entscheidung", fügte er hinzu.
Sadr City gilt als Hochburg der Anhänger des Schiitenführers
Moktada Sadr. Seit Ende März starben in dem Viertel bei Gefechten
zwischen seinen Milizen einerseits und irakischen sowie US-Soldaten
andererseits etwa 400 Menschen. Allein in der Nacht zu Samstag wurden
13 Menschen getötet.
Seit dem Beginn der US-Besatzung im April 2003 sind in Bagdad hunderte
von Betonmauern errichtet worden. Begründet wurde dies mit dem
Schutz wichtiger Gebäude und Einrichtungen vor Anschlägen,
aber auch der verschiedenen Glaubensgemeinschaften voreinander.
Häufig stößt der Mauerbau auf heftigen Protest von
Bewohnern, die darin den Versuch sehen, Bagdad zu zerstückeln, um
die Hauptstadt besser kontrollieren zu können.
Bei Kämpfen zwischen irakischen Polizeikräften und
schiitischen Milizen in der südlichen Stadt Nassirija wurden nach
Polizangaben in der Nacht zwei Milizionäre getötet. Die
Polizei verhängte eine Ausgangssperre über die Stadt und
riegelte alle Zufahrtstraßen von Nassirija in die Provinz ab.
boa (Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 20.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.20.04.07 - Führender US-Demokrat hält Irak-Krieg für 'verloren' +++
Irakische Abgeordnete kritisieren Sicherheitsplan für Bagdad +++
Bombenanschlag in Bagdad - 13 Tote +++ Irakische Extremisten zeigen
Ermordung von Geiseln im Internet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704200.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan plant Untersuchung zu US-Einsatz von Uran-Geschosse
So.20.04.08 - Die afghanische Regierung will untersuchen, ob die USA Ende 2001 bei
ihrem Krieg gegen die Taliban Geschosse mit abgereichertem Uran
eingesetzt und damit Missbildungen bei Kindern verursacht haben.
In einigen der häufig bombardierten Gegenden etwa im Osten des
Landes seien Babys mit Fehlbildungen zur Welt gekommen, sagte ein
Vertreter des Gesundheitsministeriums, Faisullah Kakar, am Samstag. Er
berief sich dabei auf einen nicht näher genannten US-Experten.
"Wir werden Boden- und Wasserproben in verschiedenen Gebieten nehmen,
in denen es Kämpfe gab. Außerdem werden wir prüfen, ob
es dort vermehrt zu Missbildungen kam", sagte er. Bis die Studie
abgeschlossen sei, handle es sich jedoch nur um Spekulationen.
Das US-Militär habe die afghanische Regierung nicht darüber
aufgeklärt, ob panzerbrechende Bomben eingesetzt wurden, die
abgereichertes Uran enthielten. "Meine Quelle hat aber berichtet, dass
es so war", sagte Kakar. Die Untersuchung solle so schnell als
möglich eingeleitet werden, sobald die Finanzierung gesichert sei.
Abgereichertes Uran ist ein schwach radioaktives Schwermetall. Wegen
seiner besonderen Härte wird es in Waffen eingesetzt, die
Panzerungen durchbrechen sollen.
(Quelle: rtr)
US-Streitkräfte halten Deutschen in Afghanistan gefangen
So.20.04.08 - Die US-Streitkräfte halten in Afghanistan seit Jahresbeginn einen
Deutschen wegen Terrorverdacht in Haft: "Seit Anfang Januar befindet
sich ein deutscher Staatsbürger afghanischer Herkunft in Gewahrsam
der US-Streitkräfte in Afghanistan", sagte ein Sprecher des
Auswärtigen Amtes am Samstag in Berlin und bestätigte damit
in Teilen einen "Spiegel"-Bericht. Dem Mann werde vorgeworfen, sich
unerlaubt auf einem US-Stützpunkt aufgehalten zu haben. "Die
Bundesregierung steht in dieser Angelegenheit in intensiven Kontakt mit
der US-Seite und bemüht sich um Freilassung", sagte der Sprecher
weiter.
Das Magazin berichtete, nach Erkenntnisse deutscher
Sicherheitsbehörden sei der Terrorismusverdacht unbegründet,
die Lebensumstände des Mannes seien überprüft worden.
"Das war alles total sauber", zitierte der "Spiegel" einen namentlich
nicht genannten hochrangigen Sicherheitsexperten. Der aus Wuppertal
stammende 41 Jahre alte Mann sei zu einem Verwandtenbesuch nach Kabul
gereist. Als er einen Rasierapparat in einem Supermarkt der
US-Militärs habe kaufen wollen, sei er verhaftet worden. Dass der
Mann verschiedene Währungen und Telefonkarten bei sich gehabt
habe, werteten die US-Militärs als Indiz für den
Terrorverdacht.
Der "Spiegel" berichtete weiter, die Amerikaner verlangten von den
Deutschen eine umfassende Überwachung des 41-Jährigen als
Voraussetzung für dessen Freilassung. Dies sei aus deutscher Sicht
aber nicht erfüllbar. Das Magazin schreibt, deutsche
Geheimdienstler und Diplomaten befürchteten einen neuen Fall
Kurnaz. Der Deutsch-Türke Murat Kurnaz war Ende 2001 nach eigener
Aussage in Pakistan festgenommen und nach einem Zwischenaufenthalt in
einem US-Lager in Afghanistan in das US-Gefangenenlager Guantanamo
gebracht worden. Erst im August 2006 kam er frei.
(Quelle: rtr)
Acht frühere Guantanamo-Häftlinge verklagen London
So.20.04.08 - Acht frühere Guantánamo-Häftlinge haben einem
Medienbericht zufolge die britische Regierung und die Geheimdienste des
Landes verklagt. Die Zeitung «Daily Mail» berichtete am
Samstag, in der bei Gericht eingereichten Klage werde der Regierung und
den Geheimdiensten MI5 und MI6 vorgeworfen, sie seien mitschuldig an
der illegalen Verschleppung und der Behandlung der Kläger. Die
acht waren zu in Pakistan und in Afghanistan festgenommen und zu
Verhören in das US-Lager Guantánamo auf Kuba gebracht
worden.
In der Klage wird der Regierung den Angaben zufolge vorgeworfen,
über alle Schritte der US-Streitkräfte informiert gewesen zu
sein, aber trotzdem mit den Amerikanern kooperiert zu haben. Bei den
Klägern soll es sich um fünf Briten und drei Ausländer
handeln, die in Großbritannien leben. Eine Bestätigung des
Berichts war vom Gericht, das am Samstag geschlossen war, zunächst
nicht zu bekommen.
(Quelle: ap)
Palästinenser begrüßen geplanten Nahost-Gipfel in Moskau
So.20.04.08 - Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hat sich am Freitag bei
einem Treffen mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin optimistisch
über ein geplantes Nahost-Gipfeltreffen in Moskau
geäußert: "Wir glauben, dass die Konferenz ein Erfolg wird
und dazu beiträgt, Fortschritte hin zu einem Abkommen im Nahen
Osten zu erzielen", sagte Abbas.
Die USA äußerten sich dagegen zurückhaltender. Bisher
seien weder ein Zeitpunkt noch eine Tagesordnung abgesprochen, teilte
das Außenministerium in Washington mit. Abbas hatte am Donnerstag
wiederholt davon gesprochen, dass der Gipfel im Juni stattfinden
könnte.
Russland will mit der geplanten Konferenz in Moskau am das
Nahost-Treffen in Annapolis in den USA vom November anknüpfen, bei
dem die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen vereinbart worden war.
Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hat sich zurückhaltend
über seine Teilnahme an einem Gipfel in Russland
geäußert, aber nicht ausgeschlossen, dass er kommt.
Im März hieß es aus russischen Regierungskreisen, neben dem
Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern solle auch der
Friedensprozess mit Syrien wieder angestoßen werden. Dieser war
2000 wegen eines Streits das Ausmaß des israelischen Abzugs aus
den Golan-Höhen abgebrochen worden. Israel hatte die
Golan-Höhen 1967 erobert und später annektiert.
(Quelle: rtr)
Zwölf Tote bei Gefechten in Mogadischu
So.20.04.08 - Bei Gefechten islamischer Aufständischer mit äthiopischen
Soldaten sind am Samstag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu
zwölf Menschen getötet worden, wie Augenzeugen berichteten.
Jubelnde Anhänger der Aufständischen schleiften nach Angaben
eines Bewohners die Leichen von vier getöteten äthiopischen
Soldaten durch die Straßen. Unter den Toten waren auch acht
Zivilpersonen.
Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr,
Islamisten haben wiederholt versucht, die Kontrolle im Land an sich zu
reißen. Anfang 2007 kämpften somalische Truppen mit
Unterstützung äthiopischer Soldaten gegen die
Machtübernahme radikaler Islamisten im ganzen Land.
(Quelle: ap)
Erster vietnamesischer Satellit erfolgreich ins All gebracht
So.20.04.08 - Eine europäische Ariane-5-Trägerrakete hat in der Nacht den
ersten vietnamesischen Telekommunikationssatelliten ins All gebracht.
Die Rakete setzte nach dem Start vom Weltraumbahnhof Kourou in
Französisch-Guyana den vietnamesischen Satelliten Vinasat-1 und
einen brasilianischen Telekommunikationssatelliten erfolgreich aus,
teilte die Betreibergesellschaft Arianespace mit. Der 2,6 Tonnen schwere
Vinasat-1 soll künftig Signale für Telefon-, Radio- und
Fernsehsignale für Vietnam übertragen.
Es war bereits der zweite Ariane-Start in diesem Jahr. Zuletzt hatte
die Trägerrakete Anfang März den europäischen
Raumtransporter "Jules Verne" ins Weltall gebracht. Es versorgte die
Internationale Raumstation ISS mit Nahrungsmitteln, Sauerstoff, Wasser
und Treibstoff.
(Quelle: afp)
Pakistan testet atomwaffentaugliche Langstreckenrakete
So.20.04.08 - Pakistan hat eine Langstreckenrakete getestet, die auch mit
Atomsprengköpfen bestückt werden kann.
Das ballistische Geschoss vom Typ Hatf-VI (Shaheen-2) habe eine
Reichweite von 2000 Kilometern, teilte das Militär am Samstag mit.
Ministerpräsident Yousaf Raza Gillani bezeichnete den erfolgreichen
Test als wichtigen Meilenstein in dem Bestreben Pakistans für ein
strategisches Gleichgewicht in Südasien. Es war der erste
Raketentest der neuen Regierung, die im vergangenen Monat ihre
Geschäfte aufgenommen hatte.
Trotz des 2004 begonnenen Friedensprozesses testen die beiden
Atomwaffenmächte Pakistan und Indien regelmäßig Raketen.
Die beiden Nachbarn haben seit ihrer Unabhängigkeit von
Großbritannien im Jahr 1947 drei Kriege gegeneinander geführt.
(Quelle: rtr)
EU stellt Internet-Aufrufe zum Terror unter Strafe
So.20.04.08 - Der Aufruf, die Anwerbung und die Ausbildung zu Terroranschlägen
sollen künftig EU-weit unter Strafe stehen. Die Justizminister der
27 EU-Staaten einigten sich am Freitag in Luxemburg auf die
Grundzüge einer entsprechenden Regelung, die speziell Taten im
Internet ins Visier nimmt.
Deutschlands Justizministerin Brigitte Zypries wertete die Einigung am
Rande des Treffens als Fortschritt im gemeinsamen Vorgehen gegen
Terroristen. «Für Deutschland wird sich nicht viel
ändern», fügte Zypries hinzu.
Wer Anleitungen zum Bombenbau auf einen deutschen Internet-Server
stelle, werde auch heute schon bestraft. Die Einigung im Ministerrat
greife aber rechtsstaatliche Bedenken auf, betonte die Ministerin.
Deutschland brauche den Versuch der Vorbereitung entsprechender
Straftaten auch künftig nicht unter Strafe stellen. Das hatten
Spanien und einige andere Länder ursprünglich gefordert.
Die Erweiterung eines EU-Beschlusses vom Juni 2002 zielt vor allem auf
das Internet: Wer dort terroristische Propaganda oder Anleitungen zur
Herstellung und zum Einsatz von Bomben verbreitet, soll in allen
EU-Staaten bestraft werden. Die Meinungsfreiheit wird nach Darstellung
der EU-Kommission gewahrt: Die Formulierungen lehnten sich eng an ein
entsprechendes Übereinkommen des Straßburger Europarats zur
Verhütung des Terrorismus an.
Die EU-Innenminister beschlossen bei ihrem parallelen Treffen in
Luxemburg einen Aktionsplan, der den Umgang mit Explosivstoffen sicherer
machen soll. Unter anderem soll ein EU-weites System geschaffen werden,
dass die Behörden ständig über Vorfälle mit
Sprengstoffen informiert. Gegen den Diebstahl von Material, das zum
Bombenbau dienen kann, soll ein Frühwarnsystem helfen.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Agrarsubventionen auf dem Prüfstand - Landwirtschaftminister
Seehofer fordert Wende in Agrarpolitik
So.20.04.08 - Angesichts der weltweit stark gestiegenen Lebensmittelpreise wird in
Deutschland der Ruf nach grundlegenden Änderungen der Agrarpolitik
laut. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) forderte am
Samstag unter anderem einen Ausbau der Agrarproduktion in Deutschland.
Das Bundesfinanzministerium brachte eine Kürzung der
Agrarexportsubventionen ins Gespräch. Die Hilfsorganisation
«Brot für die Welt» verlangt gar deren Abschaffung.
Seehofer sagte: «Wir brauchen eine Renaissance der
Landwirtschaft, einen Ausbau der Agrarproduktion in Deutschland, der
gesamten EU und vor allem in den Entwicklungsländern.» Der
Minister verwies darauf, dass in der EU 3,8 Millionen Hektar
Agrarflächen stillgelegt worden seien, um Überschüsse bei
Milch, Butter, Wein und Fleisch zu bekämpfen. «Diese
Flächen müssen möglichst rasch wieder genutzt
werden», forderte Seehofer.
Die Welternährungsorganisation erwarte, dass der Bedarf an
Lebensmitteln bis 2030 um 60 Prozent steigen werde, betonte der
Minister. «Daraus folgt: Wir müssen weltweit mehr
Nahrungsmittel produzieren, um weitere Preissprünge zu verhindern.
Lebensmittel kommen nicht aus dem Kochtopf, sie müssen im Stall und
auf dem Acker produziert werden.»
Der FDP-Agrarexperte Hans-Michael Goldmann warf Seehofer vor, den
Überblick verloren zu haben. Seehofers Forderung sei von der EU
2007 für die Ernte 2008 bereits beschlossen worden. Experten
rechneten damit, dass in Deutschland 200 000 Hektar und in der EU 1,6
bis 2,9 Millionen Hektar wieder in die Produktion zurückkommen.
Das Bundesfinanzministerium stellt nach einem
«Spiegel»-Bericht in einem internen Vermerk die Frage,
«ob die Agrarsubventionen in ihrem derzeitigen Ausmaß noch
gerechtfertigt sind». 2006 hätten Landwirte aus dem
EU-Haushalt 50 Milliarden Euro bekommen, 32 Milliarden Euro in Form von
Direktzahlungen.
Die Direktorin von «Brot für die Welt», Cornelia
Füllkrug-Weitzel, forderte von der EU die Abschaffung der
Agrarexportsubventionen. Mit den Subventionen würden die Preise
für Exportlebensmittel künstlich gesenkt und die Märkte
in den Entwicklungsländern zerstört. Füllkrug-Weitzel
kritisierte ferner den Internationalen Währungsfonds und die
Weltbank. Durch deren Auflage an Entwicklungsländer, auch in der
Landwirtschaft Devisen zu erwirtschaften, konzentrierten die Regierungen
ihre Förderung auf die Großflächenproduktion von
Exportgütern wie Baumwolle und heute Energiepflanzen. Die
kleinbäuerliche Landwirtschaft werde so vernachlässigt.
Auch die EU-Beimischungsquote für Biosprit hält
Füllkrug-Weitzel für einen «massiven Fehler».
Dadurch würden Anreize geschaffen, Agrarflächen verstärkt
für den Anbau von Energiepflanzen zu nutzen. «Unser
Energiehunger erzeugt echten Hunger bei den Menschen in
Entwicklungsländern, weil das Getreide nicht in den Mägen,
sondern im Tank landet», monierte Füllkrug-Weitzel.
(Quelle: ddp)
Grünen-Fraktionschefin Künast fordert Zerschlagung der
Energieversorger
So.20.04.08 - Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat eine Zerschlagung
der großen Energiekonzerne gefordert. «Die Stromnetze
gehören in unabhängige Hände, damit alle Stromerzeuger zu
fairen Bedingungen Zugang erhalten», schrieb Künast in einem
Beitrag für das «Offenburger Tageblatt».
Die großen Versorger zockten ihre Kunden ab, behinderten den
Klimaschutz und verbreiteten Panik, dass im Land bald die Lichter
ausgingen. Eine Verstaatlichung der Energiekonzerne hält
Künast aber für falsch.
Diesen Weg schlägt Linke-Fraktionschef Gregor Gysi vor. E.ON, RWE,
EnBW und Vattenfall hätten die Energieversorgung wie
Fürstentümer unter sich aufgeteilt und kommunale Anbieter
aufgekauft, da sie keine weiteren Konkurrenten neben sich duldeten. In
einem ersten Schritt für mehr Wettbewerb sollten deshalb die
Stromnetze wieder in den Besitz der öffentlichen Hand kommen,
schreibt Gysi in der Zeitung. E.ON sucht bereits Käufer für
seine Stromautobahnen, um eine drohende Strafe der EU-Kommission wegen
Wettbewerbsverstößen zu umgehen.
(Quelle: dpa)
SPD-Chef Beck umarmt linken Parteiflügel
So.20.04.08 - Kurt Beck hat schwere Wochen hinter sich. Neuen Rückhalt versucht
er zurzeit an der Basis der Sozialdemokraten zu gewinnen. Am Samstag
zog es ihn nach Kassel zum linken Parteiflügel. Sein Auftritt beim
Bundeskongress der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen
(AfA) - der größten Arbeitsgemeinschaft in der SPD - kam an:
Die 250 Delegierten bedankten sich mit stehenden Ovationen und
rhythmischem Klatschen. «Deine Rede hat mich bewegt», sagte
einer der Delegierten im Anschluss an Beck zugewandt.
Schon gleich zu Beginn hatte Beck die Delegierten rhetorisch umarmt.
«Ich fühle mich hier daheim», bekannte der Parteichef.
Seinen «lieben Mistreitern» berichtete er stolz von wieder
engeren Kontakten zwischen SPD und Gewerkschaften. Dann wetterte Beck
eine Stunde lang gegen eine jahrelange «neoliberale
Irrlehre» in Deutschland, gegen Arbeitnehmerbespitzelung bei
Unternehmen wie Lidl, Spekulanten auf den internationalen
Finanzmärkten und den Privatisierungs-«Hype» bei
öffentlichen Dienstleistungen.
Auch mit einem Plädoyer für Mindestlöhne und für
höhere Renten konnte sich Beck der Zustimmung des Kongresses
sicher sein. Die AfA-Delegierten bat er «ausdrücklich»
um ihre Mitarbeit am SPD-Programm für den Bundestagswahlkampf 2009.
Zwischendurch versuchte Beck klar zu machen, wo er die SPD sieht: nah
bei der Arbeitnehmerschaft. Die Sozialdemokratie sei die «direkte
Repräsentanz der Arbeitnehmer in Deutschland» - man sei dies
immer gewesen und werde es auch immer bleiben, schmetterte Beck in den
Saal - und an die Adresse der Linkspartei. Diese werde er so lange als
«sogenannte Linke» bezeichnen, solange sie sich kein
Programm gebe, bei dem man wisse, «womit man es zu tun hat».
Auch den langjährigen Koalitionspartner Grüne ging Beck hart
an. Die Grünen hätten in Hamburg die «gemeinsame
Position» gegen Studiengebühren geopfert, um mit der CDU an
die Macht zu kommen. «Dass die Grünen uns mal in den
Rücken fallen würden beim Thema Studiengebühren,
hätte ich mir nicht vorstellen können», klagte Beck.
Die Zustimmung der SPD-Linken für die geplante Teilprivatisierung
der Bahn zu gewinnen, blieb Becks schwierigster Redepart. Die Bahn
brauche Geld für Zukunftsaufgaben, mehr als eine 24,9-prozentige
Privatisierung des Güter- und Personenverkehrs komme aber nicht in
Frage. Der komplette Verbleib der Infrastruktur und der Gesamtsteuerung
des Konzerns seien ebenso nicht verhandelbar. Mit dem Ziehen dieser
roten Grenze gegenüber der Union versuchte Beck diejenigen
Delegierten zu besänftigen, die wegen der Bahnreform
«Bauchgrimmen» haben.
Dass die SPD-Linke zähneknirschend Becks Kompromissvorschlag zur
Teilprivatisierung mitträgt, hatte AfA-Chef Ottmar Schreiner
allerdings schon vor der Rede des Parteichefs klar gemacht. «Wenn
es gelingt, die angestrebte Privatisierung der Bahn im Umfang von
maximal 24,9 Prozent sattelfest zu machen, dann ist das gerade noch
vertretbar», sagte Schreiner, den die AfA-Delegierten mit 97
Prozent Zustimmung für weitere zwei Jahre im Amt bestätigten.
Auch den Leitantrag des AfA-Vorstands, in dem unter anderem die
Einführung einer Mindestrente verlangt wurde stimmten die
Delegierten mit einigen Änderungen, aber großer Mehrheit zu.
(Quelle: ddp)
Gysi: Linke müssen stärker in Kommunen verankert sein
So.20.04.08 - Der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Gregor Gysi, hat seine
Partei zu einem stärkeren Engagement in den Kommunen aufgefordert.
Die Bedeutung der Kommunen habe im Laufe der Jahrzehnte abgenommen,
sagte Gysi am Samstag auf einer kommunalpolitischen Konferenz der
rheinland-pfälzischen Linkspartei in Mainz. Es sei eine Aufgabe der
Linken, dafür zu sorgen, dass sich dies ändere. «Wir
brauchen eine kommunale Verankerung, die Linke kann nicht allein aus
dem Bundestag aufgebaut werden», sagte Gysi vor rund 120
Teilnehmern. Eine starke kommunalpolitische Verankerung sei die beste
Voraussetzung für die nächste Landtagswahl 2011.
Die Linke wollte an diesem Samstag die Weichen für die
Kommunalwahl 2009 stellen und dafür ein 15-Punkte-Programm
aufstellen. Am Morgen verabschiedeten die Teilnehmer zunächst eine
Resolution gegen den Bau des Mainzer Kohlekraftwerks. «Klimaschutz
ist die dringendste soziale Frage weltweit», sagte Dieter Hofem
vom Kreisverband Mainz. Das geplante Kraftwerk werde aber den
Kohlendioxidausstoß in Mainz verdoppeln. Die Linke werde sich
konsequent für Klimaschutz einsetzen und deshalb das Bündnis
gegen das Kohlekraftwerk unterstützen.
(Quelle: ddp)
Streit um Wagenknecht in Spitze der Linkspartei
So.20.04.08 - Die Sprecherin der Kommunistischen Plattform in der Linkspartei, Sahra
Wagenknecht, soll nach einem Vorschlag des orthodoxen Flügels
stellvertretende Parteivorsitzende werden. Der Personalvorschlag
löste nach Medienberichten vom Samstag jedoch Streit aus. Die
Parteiführung wird auf dem Parteitag Ende Mai in Cottbus neu
gewählt. Eine der vier stellvertretenden Vorsitzenden, Katina
Schubert, will nicht mehr kandidieren.
Der Kandidatenvorschlag Wagenknecht geht aus einem offenen Brief der
«Sozialistischen Linken» an die beiden Parteichefs Lothar
Bisky und Oskar Lafontaine hervor, über die das parteinahe Blatt
«Neues Deutschland» berichtete. Zu den Unterzeichnern
gehören unter anderen Christa Luft, einst Mitglied des
DDR-Übergangskabinetts von Hans Modrow, sowie der frühere
stellvertretende DDR-Kulturminister Klaus Höpcke.
Gegen den Personalvorschlag wandte sich nach einem Bericht der
«Rheinpfalz am Sonntag» stellvertretend für junge
Parteimitglieder der Bundestagsabgeordnete Michael Leutert, weil die
Europaabgeordnete Wagenknecht zu wenig Distanz zum Stalinismus zu
erkennen gebe. Ein Parteisprecher wollte den Streit nicht
bestätigen. Eine offizielle Kandidatur gebe es noch nicht.
Die von SPD kommende Amtsinhaberin Katina Schubert, die das Amt der
stellvertretenden Parteivorsitzenden vor zwei Jahren antrat, hatte
ihren Rückzug bereits im Februar angekündigt. Sie will sich
dem Sprecher zufolge künftig mehr der Programmarbeit widmen. Eine
Gegnerschaft zu Lafontaine bestritt sie. Sie sagte aber in einem
Interview, die Linke dürfe nicht «eine Ersatz-SPD mit den
Rezepten aus den siebziger Jahren»werden..
(Quelle: ap)
Steuerzuschüsse für Parteien sollen erhöht werden
So.20.04.08 - Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel» wollen
die Parteien die staatliche Parteienfinanzierung zu ihren Gunsten
verändern. Die Obergrenze der Zuschüsse, mit denen der
Steuerzahler jährlich die politischen Parteien subventioniert, soll
von 133 auf mindestens 140 Millionen Euro angehoben werden.
Darüber verständigten sich dem Bericht zufolge Vertreter von
Regierungs- und Oppositionsparteien nach einem vertraulichen Treffen im
Berliner Jakob-Kaiser-Haus. Obwohl einige Details noch strittig sind,
soll das Parteiengesetz vor der Sommerpause entsprechend geändert
werden.
(Quelle: ddp)
Immer mehr Deutsche sind arm
So.20.04.08 - Jede vierte Familie in Deutschland (26 Prozent) fällt laut
«Spiegel» unter die Armutsgrenze. Insgesamt hätten 18
Prozent der Deutschen weniger als 50 Prozent des
Durchschnittseinkommens zur Verfügung - also fast jeder
fünfte.
Das berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin unter Berufung auf einen
Entwurf für den nächsten «Armuts- und
Reichtumsbericht» der Bundesregierung. Grundlage der Berechnung
sei das «Sozio-oekonomische Panel» (SOEP), eine
repräsentative Wiederholungsbefragung privater Haushalte in
Deutschland, die seit 1984 bei denselben Personen und Familien
durchgeführt wird.
Das Bundesarbeitsministerium bestätigte diese Zahlen am Samstag
nicht. Der Bericht zu den «Lebenslagen in Deutschland»
werde derzeit im Ministerium erarbeitet und gehe dann in die
Ressortabstimmung. Er werde noch in diesem Jahr vorgelegt, sagte eine
Sprecherin.
Der erste Armuts- und Reichtumsbericht war von der damaligen
rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 in Auftrag gegeben worden.
Im März 2005 wurde dann der zweite Bericht vorgelegt. Demnach
waren Ende 2003 13,5 Prozent der Menschen in Deutschland arm, von den
Familien waren es 13,9 Prozent. Damit galten mehr als 11 Millionen
Bürger als arm.
(Quelle: dpa)
Konzept zur Mitarbeiterbeteiligung vor dem Abschluss
So.20.04.08 - Das Koalitionskonzept zur stärkeren Beteiligung von Mitarbeitern
am Unternehmenserfolg wird den Staat voraussichtlich weniger kosten als
bislang geplant. Statt 500 Millionen Euro seien jetzt nur noch Hilfen in
Höhe von 300 Millionen Euro vorgesehen, berichtete das
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Samstag unter Berufung
auf das Abschlusspapier der Koalitionsarbeitsgruppe.
Wer die Zuschüsse erhalten will, muss strikte Kriterien
erfüllen. So sollen dem Bericht zufolge nur solche
Firmenbeteiligungen begünstigt werden, die zusätzlich zum
Arbeitslohn gewährt werden und allen Beschäftigten offen
stehen.
Auch die Förderung der neuen Mitarbeiterbeteiligungsfonds wird
demnach an enge Bedingungen geknüpft. So seien die Fonds
verpflichtet, drei Viertel ihres Vermögens in die Unternehmen ihrer
Anleger zu investieren. Zudem müssten die Kapitalgesellschaften 25
Prozent ihres Vermögens in liquiden Finanztiteln halten und bei
der Anlage «den Grundsatz der Risikomischung wahren».
Die Große Koalition hatte sich Medienberichten zufolge vorige
Woche darauf geeinigt, dass Arbeitnehmer künftig 360 Euro
jährlich steuer- und sozialabgabenfrei in eine
Unternehmensbeteiligung investieren können. Bislang betrug der
Förderbetrag nur 135 Euro. Zudem soll die Förderung über
die so genannten vermögenswirksamen Leistungen erhöht werden.
Das Eckpunkte-Papier wurde von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD),
CSU-Chef Erwin Huber und Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl-Josef
Laumann (CDU) erarbeitet. Das Bundesarbeitsministerium erklärte am
Mittwoch, die Beratungen seien auf der Zielgeraden, es gebe aber noch
keine abschließende Einigung über das Gesamtpaket.
(Quelle: ap)
Verdi kündigt ab Mai unbefristeten Post-Streik an
So.20.04.08 - Bundesbürger und Unternehmen müssen sich ab Anfang Mai auf
einen massiven und unbefristeten Streik bei der Deutschen Post
einstellen.
Die Gewerkschaft Verdi kündigte am Samstag eine Urabstimmung und
einen unbefristeten Streik vom 02. Mai bei dem Konzern an. Zuvor waren
die Tarif-Verhandlungen beider Seiten in Düsseldorf gescheitert.
Bis Anfang Mai soll es Verdi zufolge zudem weiter Warnstreiks geben.
"Die Beschäftigten sind stinkesauer und sie werden das der
Deutschen Post AG in den kommenden Tagen eindrucksvoll beweisen",
kündigte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis an. Nur mit
einem "einigungsfähigen Angebot" könne der Konzern den
unbefristeten Ausstand noch abwenden.
Hauptstreitpunkt bei den Tarifgesprächen, die am Donnerstag in
Düsseldorf begonnen hatten, waren die Arbeitszeiten für die
Beamten und Angestellten bei der Post. Kocsis warf dem Post- Management
unter dem neuen Konzernchef Frank Appel vor, die Arbeitszeiten der
Beschäftigten massiv erhöhen und damit letztlich 12.500
Stellen im Konzern streichen zu wollen. Die Post habe zwar ein Angebot
vorgelegt, doch dies sei eine "pure Provokation" gewesen. Die
Tarifkommission habe die Verhandlungen zu Arbeitszeit und
Kündigungsschutz deshalb einstimmig für gescheitert
erklärt. Zudem hatten beide Seiten noch erfolglos über einen
Lohnabschluss gesprochen. Für diesen Themenkomplex herrscht aber
noch bis Ende April Friedenspflicht. Das Angebot der Post habe
insgesamt ein Volumen von nur zwei Prozent über 26 Monate gehabt,
betonte Kocsis. Die Mitarbeiter sollten länger arbeiten und
dafür solle ihnen auch noch in die Tasche gegriffen werden.
Die Gewerkschaft ruft nun für die Zeit vom 25. April bis 29. April
zu Urabstimmungen unter den Beschäftigten auf. Am 30. April will
sie das Ergebnis bekannt geben, ab 02. Mai soll dann der unbefristete
Arbeitskampf beginnen. Ein Post-Sprecher sagte, ein Streik sei nicht
notwendig, da der Konzern weiter "uneingeschränkt
gesprächsbereit" sei. Ein Arbeitskampf sei weder im Interesse des
Unternehmens noch der Beschäftigten. Der Konzern hoffe, ihn noch
abwenden zu können.
."Die Deutsche Post bleibt bei ihrer konstruktiven Grundhaltung und ist
uneingeschränkt gesprächsbereit", betonte der
Verhandlungsleiter der Post, Personalvorstand Walter Scheurle. Man habe
ein attraktives Angebot vorgelegt. Darin sei eine Verlängerung des
Kündigungsschutzes bis Juni 2011 und einen Anstieg der Löhne
in den nächsten zwei Jahren um rund 5,5 Prozent vorgesehen. Im
Gegenzug sollten die Arbeitszeiten angehoben werden. Arbeitnehmer
sollten künftig eine halbe Stunde länger pro Woche arbeiten,
Beamte 41 statt 40 Stunden.
Verdi hatte für die Tarifbeschäftigten sieben Prozent mehr
Lohn und einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum
30. Juni 2011 gefordert. Zudem soll eine Verlängerung der
wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden bei der Post verhindert
werden, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Gewerkschaft hatte ihre
Forderung bereits mit Warnstreiks unterstrichen, durch die Millionen
von Paketen und Päckchen nur mit großer Verspätung ihre
Kunden erreichten. Appel muss sich mit dem Arbeitskampf nun auf die
ersten große Herausforderung in seiner Amtszeit einstellen.
Zuletzt hatte es in Deutschland 1994 einen großen Post-Streik
gegeben.
(Quelle: rtr)
Regierung will offenbar noch schärfere Sicherheitsgesetze --
Opposition übt Kritik an BKA-Novelle --- Auch innerhalb der
Koalition regt sich Widerstand
So.20.04.08 - Die Bundesregierung plant offenbar eine weitere Verschärfung der
Sicherheitsgesetze. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll die
Vorbereitung von Terroranschlägen künftig mit bis zu zehn
Jahren Gefängnis bestraft werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf
von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sei innerhalb der
Bundesregierung bereits abgestimmt und solle am Montag den
Bundesländern zugeleitet werden. Die im neuen BKA-Gesetz geplante
Video-Ausspähung von Wohnungen stößt im Bundestag auf
heftige Kritik. Zypries verteidigte die geplante Maßnahme zur
Terrorabwehr gegen Kritik.
Als Vorbereitungshandlungen gelten dem Gesetzentwurf für ein
schärferes Vorgehen gegen Terrorverdächtige zufolge die
Ausbildung in einem ausländischen Terrorlager, die Beschaffung von
Sprengstoff und Zubehör zum Bombenbau sowie die Finanzierung eines
Terroranschlags, wie die "Bild am Sonntag" berichtet. Mit einer
Freiheitsstrafe würden solche Handlungen allerdings nur geahndet,
wenn sie tatsächlich in der Absicht geschehen, einen Terroranschlag
zu verüben.
Mit bis zu drei Jahren Gefängnis solle künftig bestraft
werden, wer Anleitungen zum Bombenbau ins Internet stellt oder solche
Anleitungen aus dem Internet herunterlädt. Außerdem plane die
Bundesregierung, das Aufenthaltsrecht zu verschärfen. "Auch
Deutschland kann - wie andere europäische Länder - zum Ziel
von Terroranschlägen werden", sagte Zypries der "Bild am Sonntag".
Es gehe darum, Vorbereitungshandlungen im Vorfeld schwerer
terroristischer Gewalttaten noch gezielter strafrechtlich zu erfassen.
Nach Ansicht der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast
darf das BKA-Gesetz das Parlament nicht passieren. "Was hier an
Maßnahmen beschlossen werden soll, erinnert an Systeme, die keine
Rechtsstaaten sind", sagte Künast der "Berliner Zeitung". Auch
innerhalb der Koalition regt sich Widerstand: SPD-Rechtsexperte Klaus
Uwe Benneter kündigte an, dass seine Fraktion das Gesetzespaket
sehr genau prüfen werde.
Der «Frankfurter Rundschau» (FR/Samstag) sagte er:
«Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.» Der
Innenexperte der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, verteidigte
hingegen den Entwurf zur Gesetzesänderung, auf den sich
Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte
Zypries (SPD) geeinigt hatten.
Dabei bezog sich Wiefelspütz ausdrücklich auch auf die
geplante heimliche Kameraüberwachung von Wohnungen
Verdächtiger. «Ich persönlich rechne damit, dass die
Koalitionsfraktionen den Gesetzentwurf mit großer Mehrheit
verabschieden», sagte er dem «Kölner
Stadt-Anzeiger» (Samstag). In der «Braunschweiger
Zeitung» (Samstag) erläuterte er: «Wir haben bei dem
BKA-Gesetz fast ausschließlich das abgebildet, was es in den
Landespolizeigesetzen schon gibt. Deshalb gibt es auch mit dem
Spähangriff keine verfassungsrechtlichen Probleme - das ist
längst ausdiskutiert, die Maßnahme ist
verfassungskonform.»
Zuvor hatten sich auch schon andere SPD-Politiker skeptisch über
die Videoüberwachung geäußert, etwa der Vorsitzende des
Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy, und Berlins Innensenator
Ehrhart Körting. Wiefelspütz sagte, er sei erstaunt über
die Aufregung, weil diese Passage seit einem Jahr im Gesetzentwurf
stehe. «Nur bei der Online-Durchsuchung betreten wir Neuland, aber
das ist vorbereitet durch das Bundesverfassungsgericht - die Vorgaben
sind millimetergenau abgebildet.»
FDP-Innenexperte Max Stadler kritisierte in der "FR" den geplanten
Einsatz versteckter Kameras als "verfassungsrechtlich viel zu
bedenklich". Aus den Reihen der Union meldete die ehemalige
Bundestagsabgeordnete Vera Lengsfeld Bedenken an.
Zypries verteidigte die geplante Videoüberwachung privater
Wohnungen: "Wir haben uns die Regelung im BKA-Gesetz sehr
sorgfältig angesehen, verfassungsrechtlich ist sie nicht zu
beanstanden", sagte sie der "Welt am Sonntag". Außerdem habe das
Ministerium dafür gesorgt, dass die Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts zum Schutz des Kernbereichs privater
Lebensgestaltung penibel eingehalten würden.
boa (Quellen: afp, dpa)
BND bespitzelte laut 'Spiegel' erneut Journalisten
So.20.04.08 - Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat nach einem Magazinbericht erneut
Journalisten bespitzelt.
Der Auslands-Geheimdienst habe monatelang E-mails einer
"Spiegel"-Mitarbeiterin überwacht und mitgeschnitten, berichtete
das Magazin am Samstag vorab. BND-Chef Ernst Uhrlau habe die 42 Jahre
alte Reporterin am vergangenen Freitag über den Vorgang informiert
und um Entschuldigung gebeten. Die Reporterin habe über Mails in
Kontakt mit afghanischen Politikern gestanden. Nach Angaben von Uhrlau
sei die elektronische Post zwischen dem 7. Juni und dem 29. November
mitgeschnitten worden. Der Fall solle kommenden Mittwoch im
Parlamentarischen Kontrollgremium zur Sprache kommen, berichtete der
"Spiegel" weiter. Vom BND war am Samstag zunächst keine
Stellungnahme zu erhalten.
Der für das Ausland zuständige BND ist bereits früher
wegen der Ausspähung von Journalisten in die Kritik geraten.
Derzeit streitet die Koalition darüber, wie die parlamentarische
Kontrolle der Geheimdienste verbessert werden kann. Die Union will dem
Parlamentarischen Kontrollgremium ähnliche Ermittlungsbefugnisse
wie einer Staatsanwaltschaft geben und dafür Sonderermittler
berufen. Die SPD will dagegen derartige Ermittlungen nicht in die
Hände eines Experten legen. Dies sei ureigenste parlamentarische
Aufgabe.
(Quelle: rtr)
Zahlreiche sensible Daten bei Bundesbehörden verschwunden
So.20.04.08 - Bei den Bundesbehörden sind offenbar durch gestohlene oder
verschwundene Computer in großem Umfang sensible Daten abhanden
gekommen. Betroffen seien auch Steuerdaten und Geheim-Unterlagen des
Verteidigungsministeriums, berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung
auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des
FDP-Bundestagsfraktionsvizes Carl-Ludwig Thiele. Allein von 2005 bis
2007 seien in Ministerien und anderen Behörden 189 Tischcomputer
und 326 Laptops verschwunden.
Zudem gingen dem Bericht zufolge 271 Handys und Taschencomputer sowie
38 Speicher-Sticks, CDs und DVDs mit Daten verloren oder wurden
gestohlen. Den Wert der fehlenden Geräte beziffert das
Innenministerium demnach auf rund 540.000 Euro. Auf vielen der
Datenträger hätten sich vertrauliche Informationen befunden,
berichtet das Blatt. Diese sollen zwar durch Passwörter und
Software geschützt sein, ob sie gezielten Hackerangriffen
standhalten, ist aber nicht klar.
(Quelle: afp)
Neue Runde im Streit um Studiengebühren
So.20.04.08 - Erst seit knapp zwei Jahren werden in einzelnen Bundesländern
Studiengebühren erhoben. Doch nun hoffen die Gegner der
umstrittenen Campus-Maut, dass diese schon bald wieder der Vergangenheit
angehört. Begründet liegt ihre Hoffnung darin, dass CDU und
Grüne in Hamburg die Beiträge senken sowie erst nach
Studienabschluss einfordern wollen und dass die Gebühren in Hessen
sogar vor dem kompletten Aus stehen. "Ich glaube, dass das eine
Trendwende ist", freut sich das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller. Die Hochschulen sind
dagegen in Sorge. Sie fürchten, dass den Universitäten
dringend benötigtes Geld verlorengeht.
Erst im Sommer vergangenen Jahres führte in Hamburg die
CDU-Regierung unter Bürgermeister Ole von Beust
Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester ein. Der von
Union und Grünen ausgehandelte Koalitionsvertrag sieht nun vor,
dass erst nach Studienabschluss ab einem Brutto-Jahreseinkommen von
30.000 Euro nachträglich 375 Euro pro Semester fällig werden
sollen.
In Hessen müssen Studenten ab dem kommenden Wintersemester
vermutlich weder während noch nach ihrem Studium zahlen. SPD und
Grüne brachten bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf in den
Landtag ein, der noch vor der Sommerpause beschlossen werden soll. Da
Rot-Grün auf die Unterstützung der Linken zählen kann,
gibt es für den Vorstoß im Landtag eine Mehrheit. Die
CDU-Regierung unter Ministerpräsident Roland Koch, die nur noch
geschäftsführend im Amt ist, müsste sich dem
Parlamentswillen dann beugen.
Für GEW-Vorstand Keller sind das hoffnungsvolle Entwicklungen. Der
Hochschulexperte der Gewerkschaft freut sich vor allem darüber,
dass die CDU in Hamburg das Rad zurückdrehe. Denn schließlich
setzt bislang vor allem die Union auf Gebühren. Allerdings ist
Keller mit dem Hamburger Kompromiss nicht ganz zufrieden. Eine
nachgelagerte Bezahlung sei lediglich "weniger schlimm", als wenn die
Studenten sofort bezahlen müssten.
Die Hamburger Universität treiben dagegen ganz andere Sorgen um.
Die Hochschule hofft, dass es durch die spätere Zahlung keine
Finanzierungslücke gibt und auch später Verluste durch die
geringere Gebühr ausgeglichen werden. Eine Sprecherin der
Universität sagt allerdings auch, dass die Hochschule mittlerweile
eher optimistisch sei. In Hessen versprechen SPD und Grüne den
Hochschulen, dass ihnen Ausfälle komplett ersetzt werden.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) betrachtet die Entwicklung dennoch
mit Sorge. "Ich hoffe, dass es keine Trendwende bei den
Studienbeiträgen gibt", sagt HRK-Präsidentin Margret
Wintermantel. Die Hochschulen bräuchten unbedingt zusätzliche
finanzielle Mittel. Sie sehe die Gefahr, dass die fehlenden Gelder nicht
wie versprochen vom Staat ersetzt würden. Zudem hätten die
Hochschulen auch mit Studienbeiträgen zu wenig Ressourcen.
Unterschiedlich werden die bisherigen Erfahrungen mit den
Studiengebühren bewertet. Nach den Worten Wintermantels sind diese
"positiv". Sie begründet dies auch damit, dass junge Menschen das
Studium durch die Gebühren als "Investition in die eigene Zukunft"
betrachteten. Das Prinzip Leistung und Gegenleistung sei gut. Gerade
dieser Effekt wird nach ihrer Ansicht aber in Hamburg nicht mehr
erreicht, wenn erst nach dem Studium bezahlt werden muss. Dann
würden die Beiträge "als eine Art Steuer" empfunden.
GEW-Experte Keller zeigt sich dagegen überzeugt, dass die
Nachteile immer deutlicher würden. Als Indiz für die
abschreckende Wirkung der Gebühren wertet er unter anderem
jüngste Zahlen des Statistischen Bundesamtes, wonach es im
vergangenen Jahr gerade in Ländern ohne Gebühren mehr
Studienanfänger gab. Keller räumt zwar ein, dass die Wirkung
der Beiträge bislang nicht systematisch untersucht worden sei.
Für ihn steht aber fest: Solange dies nicht der Fall sei,
dürfe nicht weiter experimentiert werden. Momentan erscheint
fraglich, ob das Experiment Studiengebühren in Deutschland
überhaupt eine Zukunft hat.
(Quelle: afp)