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Irak am 1490sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
USA fordern von arabischen Staaten Erlass irakischer Schulden.
US-Außenministerin Rice sieht Fortschritte im Irak.
Größte Sunnitenpartei kehrt in irakische Regierung
zurück. Neue Kämpfe in Sadr City. Irakische Truppen sollen 40
Aufständische bei Nassirija getötet haben
Mo.21.04.08 - Die USA haben die arabischen Staaten zu einem Schuldenerlass für
den Irak aufgerufen. Zudem sollten Staaten wie etwa Saudi-Arabien
und Bahrain wie zugesagt diplomatische Beziehungen zum Irak aufnehmen
und Botschaften in Bagdad eröffnen, sagte Außenministerin
Condoleezza Rice am Sonntag bei einem Zwischentopp zu ihrem Besuch in
der Golf-Region im irischen Shannon. Der Irak habe inzwischen
entsprechende Fortschritte bei der Verbesserung der Sicherheitslage und
der Verständigung der Bevölkerungsgruppen erzielt. Die
Nachbarn des Irak müssten dies auf ihrer Konferenz am Dienstag in
Kuwait anerkennen und ihre Versprechungen aus den beiden vorherigen
Treffen erfüllen.
Bevor Rice zu der Konferenz nach Kuwait fliegt, wird die Ministerin in
Bahrain Vertreter des Golf-Kooperationsrates (GCC) sowie Ägyptens
und Jordaniens treffen. Zum GCC gehören Saudi-Arabien, die
Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar, Oman und Bahrain.
US-Außenministerin Condoleezza Rice ist am Sonntag während
eines überraschenden Besuchs in Bagdad mit der irakischen
Führung zusammengetroffen. Rice erklärte, sie wolle um
weitere Unterstützung der Sunniten und Kurden für die
schiitische Regierung werben. Sie sagte, das harte Vorgehen von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki gegen Milizen in Basra im
März habe zu ermutigenden Signalen sunnitischer und kurdischer
Politiker geführt.
Rice sprach von einem «Zusammenwachsen einer Mitte in der
irakischen Politik». Darauf wolle sie aufbauen.
Gesprächspartner von Rice waren unter anderen Al-Maliki und der
kurdische Präsident Dschalal Talabani.
Unter anderem hat der Führer der kurdischen Regionalverwaltung,
Massud Barsani, kurdische Truppen für den Kampf gegen die
schiitische Mahdi-Miliz des Predigers Muktada al Sadr angeboten. Und
auch der sunnitische Vizepräsident Tarik al Haschemi schloss sich
einer Erklärung Talabanis und des schiitischen
Vizepräsidenten Adil Abdul Mahdi an, die Al-Maliki ihre
Unterstützung für das Vorgehen bekundet hatten. Al Haschemi
ist üblicherweise einer der schärfsten Kritiker Al-Malikis.
Die größte sunnitische Partei im Irak kehrte unterdessen in
die von Schiiten geführte Regierung zurück. Präsident
Talabani teilte am Sonntag mit, die Irakische Konsensfront habe bereits
eine Liste mit Kandidatenvorschlägen für Ministerämter
vorgelegt. Er sprach von einem wichtigen Schritt hin zu
«nationaler Aussöhnung und Einheit». Die Partei hatte
die Regierung vor neun Monaten verlassen.
Die Rückkehr der Konsensfront in die Regierungsverantwortung
bedeutet eine wichtige Stärkung des schiitischen
Ministerpräsidenten al-Maliki. Sunnitische Abgeordnete
erklärten, ein wichtiger Grund für die Rückkehr der
Front an Malikis Kabinettstisch sei die jüngste Offensive der
Regierungstruppen gegen schiitische Milizen gewesen.
Der schiitische Prediger Muktada al Sadr drohte indessen mit einer
neuen und zeitlich unbegrenzten Offensive im Irak. Wenn die Regierung
die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen seine
Anhänger nicht einstelle, werde er ihnen den «offenen
Krieg» erklären, erklärte er am Samstag. Dies sei die
letzte Warnung. Die Regierung solle endlich den Weg des Friedens
einschlagen und damit aufhören, die eigene Bevölkerung zu
bekämpfen.
Die heftigen Kämpfe im Bagdader Stadtteil Sadr City dauerten am
ganzen Wochenende an. Allein am Sonntag wurden nach Angaben von Polizei
und Krankenhausmitarbeitern mindestens sechs Zivilpersonen
getötet, darunter zwei Kinder. Außerdem töteten die
US-Streitkräfte nach eigenen Angaben mindestens zwölf
Aufständische.
Sadr City ist zu einem der zentralen Schauplätze des Machtkampfs
zwischen Al Sadrs Mahdi-Miliz und den amerikanischen und irakischen
Streitkräften geworden. Die Kämpfe in dem Gebiet haben
zugenommen, seit am Dienstag mit dem Bau einer bis zu 3,60 Meter hohen
Mauer begonnen wurde. Diese soll den nördlichen Teil, in dem die
Miliz, die Mahdi-Armee, ihre Hochburg hat, vom Rest trennen. Die USA
wollen damit auch die Angriffe auf die Grüne Zone in Bagdad mit
den Regierungsgebäuden und der Botschaft der USA unterbinden, die
von Sadr City aus mit Raketen und Mörsern beschossen wird.
Auch in der südirakischen Stadt Basra starteten die irakischen
Streitkräfte wieder eine Offensive gegen Hochburgen der
Mahdi-Miliz. Es habe kaum Widerstand gegeben, hieß es.
Irakische Truppen haben bei Kämpfen in der Nähe der Stadt
Nassirija am Wochenende 40 Aufständische getötet, wie die
US-Streitkräfte am Sonntagabend mitteilten. 40 weitere
Kämpfer seien gefangengenommen worden. Die schiitische Stadt
Nassirija liegt etwa 320 Kilometer südöstlich von Bagdad.
boa (Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 21.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsechsundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.21.04.07 - Irakische Versöhnungskonferenz in Genf geplant +++ Sunnitische
Scheichs gründen neue Partei +++ Irakische Behörden
verhängen Ausgangssperre über Tal Afar +++ Senat von Vermont
für Amtsenthebungsverfahren gegen Bush und Cheney +++ Schicksal
irakischer Flüchtlinge entzweit EU...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704210.htm#news
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Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Bush-Regierung beeinflusste TV-Militärexperten
Mo.21.04.08 - Die US-Regierung unter Präsident George W. Bush hat laut einem
Zeitungsbericht Militärexperten von führenden
US-Fernsehsendern beeinflusst, um eine positive Berichterstattung
über den Kriege im Irak und andere Themen zu erreichen. Dabei habe
Washington nicht nur an das Pflichtgefühl der Berater appelliert,
bei denen es sich zumeist um ehemalige hochrangige Militärs im
Ruhestand handelt, sondern auch Gelder fließen lassen, berichtete
die "New York Times" auf ihrer Internetseite.
Viele dieser Experten unterhalten der Zeitung zufolge neben ihrer
Tätigkeit für das Fernsehen auch Verbindungen zu
militärischen Unternehmen. Diese Firmen seien genau mit der
Militärpolitik beauftragt gewesen, über die die Experten auch
im Fernsehen sprachen. Über ihre Tätigkeit als Lobbyisten,
Berater oder Geschäftsführer in Unternehmen sei im Fernsehen
aber kein Wort verloren worden.
Die Medien hätten damit für ihr Streben nach
Insider-Informationen und einem besseren Zugang zum Militär einen
hohen Preis zahlen müssen, hieß es in dem Beitrag.
(Quelle: afp)
Blutige Feiertage in Nahost
Mo.21.04.08 - Der Beginn des jüdischen Pessach-Festes ist von einer neuen Welle
der Gewalt im Gazastreifen überschattet worden. Die Zahl der
Todesopfer nach einem israelischen Raketenangriff im nördlichen
Gazastreifen erhöhte sich bis Sonntag auf sechs.
Zuvor waren am Samstag drei militante Palästinenser beim
schwersten Sprengstoffanschlag auf einen Grenzübergang zum
Gazastreifen seit dem Abzug Israels im Sommer 2005 getötet worden.
Nach Angaben einer israelischen Armeesprecherin wurden bei der Explosion
16 Soldaten verletzt.
Die israelische Armee vereitelte den Angaben zufolge am Samstag den
Versuch eines zweiten Sprengstoffanschlages südlich des
Grenzüberganges Kissufim. Die Zahl der palästinensischen
Todesopfer ist noch unbekannt. Bei zwei anderen israelischen
Raketenangriffen wurden am Samstag zwei weitere militante
Palästinenser getötet. Die Gewalt überschattet das
jüdische Pessach-Fest, das an den Auszug der Juden aus Ägypten
erinnert.
(Quelle: dpa)
44 Tote bei Kämpfen in somalischer Hauptstadt Mogadischu
Mo.21.04.08 - Bei Kämpfen zwischen islamistischen Rebellen und
Regierungssoldaten in der somalischen Hauptstadt Mogadischu sind am
Wochenende mindestens 44 Menschen getötet worden. Allein am
Sonntag kamen nach Angaben von Behördenvertretern und Augenzeugen
mindestens 26 Menschen ums Leben. Am Samstag starben nach Angaben von
Rettungskräften und Augenzeugen 18 Menschen bei
Zusammenstößen zwischen Islamisten und Soldaten. Unter den
Opfern waren viele Zivilisten. Dutzende Menschen wurden verletzt.
Trotz der vielen Opfer in der Zivilbevölkerung verteidigte der
somalische Regierungschef Nur Hassan Hussein das Vorgehen der
Regierungstruppen sowie der äthiopischen Soldaten, die sie
unterstützen. Die Regierung strebe nach Frieden, aber "es ist
notwendig, jedem mit Krieg entgegenzutreten, der die Gewalt bevorzugt",
sagte Hussein auf einer Pressekonferenz.
Somalia befindet sich seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 im
Bürgerkrieg und hat keine funktionierende Staatsmacht mehr. Ein
US-Militäreinsatz und zahlreiche Vermittlungsversuche zur
Befriedung des Landes blieben erfolglos. Islamistische Milizen, die im
Laufe des Jahres 2006 die Macht in weiten Teilen des Landes
übernahmen, wurden Anfang vergangenen Jahres von Einheiten aus
Äthiopien wieder vertrieben.
(Quelle: afp)
Nachbarländer von Simbabwe zunehmend in der Kritik
Mo.21.04.08 - Drei Wochen nach den Wahlen in Simbabwe geraten die afrikanischen
Nachbarländer wegen ihrer passiven Haltung zunehmend in die
Kritik. Ungeachtet aller internationalen Appelle müssen die
Menschen in dem afrikanischen Krisenstaat weiter auf die Ergebnisse
warten.
Der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Regierung, Günter
Nooke, nannte vor allem das Verhalten des Nachbarlands Südafrika
ein «Trauerspiel». «Präsident Thabo Mbeki
führt eine kumpelhafte Treue (zu Mugabe) als ehemaliger
Freiheitskämpfer vor. Das hat mit der realen Situation der
Bevölkerung in Simbabwe nichts zu tun.» Es sei völlig
unverständlich, dass sich Südafrika, das derzeit den Vorsitz
im UN-Sicherheitsrat führt, am 16. April dagegen gesperrt habe,
dass das Thema Simbabwe auf die Tagesordnung komme.
Auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan rief die
afrikanischen Politiker zu mehr Engagement bei der Lösung der
Simbabwe-Krise auf. Drei Wochen nach den umstrittenen Wahlen in
Simbabwe stelle sich die Frage: «Wo sind die Afrikaner?»
Kenias neuer Ministerpräsident Raila Odinga betonte, das Zeitalter
der Diktatoren sei vorbei. «Die afrikanischen Staatenführer
sollten notfalls Gewalt anwenden, um Menschen wie Mugabe von der
Herrschaft zu entfernen», meinte er.
Das Resultat der Neuauszählung von 23 der 210 Wahlkreise liegt
möglicherweise erst in einer Woche vor. Unterdessen mehren sich
Berichte über brutale Übergriffe gegen die Opposition. Der
Generalsekretär der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC),
Tendai Biti, verwies am Sonntag in Johannesburg auf Berichte über
ein regelrechtes Netzwerk von Folterlagern.
Bis Samstag seien mindestens 3000 Familien verschleppt worden, sagte
Biti. 400 MDC-Aktivisten seien festgenommen worden, weitere 500 seien
durch die Schlägertrupps von Präsident Robert Mugabe
krankenhausreif geprügelt worden. «Ich appelliere an die
internationale Gemeinschaft und die humanitären Organisationen -
das Rote Kreuz im besonderen - zu intervenieren», sagte Biti.
«In Simbabwe herrscht Krieg.»
Der Ausgang der Parlamentswahl, die die MDC nach den bisher
vorliegenden Resultaten gewonnen hat, könnte nach Ansicht von
Beobachtern durch die Neuauszählung zugunsten der ZANU(PF)-Partei
von Mugabe manipuliert werden. MDC-Chef Morgan Tsvangirai - der sich
aufgrund einer Parallelauszählung als Sieger der gleichzeitig
abgehaltenen Präsidentenwahl sieht - hatte die Neuauszählung
als illegal abgelehnt. Im südafrikanischen Rundfunk erklärte
er: «Die Wahlurnen wurden geöffnet und ohne Siegel
hereingebracht, was beweist, dass sie manipuliert wurden.»
Unter Hinweis auf einen verspäteten Auszählungsbeginn sagte
der Sprecher der Wahlkommission, Utoile Silaigwana: «Wir haben
angedeutet, dass es ab Samstag mindestens drei Tage dauern würde,
bis wir ein Ergebnis haben. Nun sieht es so aus, dass wir in den
meisten Bezirken mehr als drei Tagen brauchen werden.»
Gleichzeitig geraten die afrikanischen Nachbarländer wegen ihrer
passiven Haltung zunehmend in die Kritik.
Unterdessen hat ein chinesisches Schiff mit Waffen für Simbabwe
nach gerichtlichen Verfügungen die südafrikanische Hafenstadt
Durban verlassen. Zielhafen des Frachters ist nach
südafrikanischen Medienangaben nun Angolas Hauptstadt Luanda. Die
Ladung besteht aus tausenden Granaten und Panzerfäusten sowie drei
Millionen Schuss Munition für Kalaschnikow-Sturmgewehre.
Peking liefere Waffen an ein Regime, das eigentlich schon
abgewählt sei, kritisierte Nooke. «Das ist in hohem
Maße alarmierend», sagte der CDU-Politiker der
Nachrichtenagentur dpa. In einer Situation, in der es deutliche
Hinweise auf Gewaltandrohung gebe, statte Peking Simbabwe mit Waffen
aus, die sich besonders zum Einsatz gegen die Bevölkerung
eigneten. «Das ist unsäglich.»
(Quelle: dpa)
Immer mehr Afghanen sind depressiv oder drogenabhängig
Mo.21.04.08 - Gezeichnet von Jahrzehnten der Gewalt leiden in Afghanistan nach
Regierungsangaben immer mehr Menschen an Depressionen oder rutschen in
die Drogenabhängigkeit ab.
66 Prozent der Afghanen seien depressiv oder hätten andere
Gemütserkrankungen, sagte Vize-Gesundheitsminister Faisullah Kakar
in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der
Nachrichtenagentur Reuters. Alle Bevölkerungsteile seien
betroffen, selbst Menschen in der Regierung und im Parlament. Schon ein
kleiner Funke genüge, um die Gewalt in einer so depressiven
Gesellschaft anzuheizen. Daher sei der Kampf gegen psychische
Erkrankungen und gegen Drogen die vorrangigste Aufgabe der
Gesundheitspolitik.
"Depressive Menschen neigen dazu, Drogen zu nehmen, und dadurch werden
sie noch depressiver. Das ist ein Teufelskreis, und den erleben wir
gerade in Afghanistan", sagte Kakar. Und die Zahl der Risikopersonen
wachse. Die dringendsten Probleme sind Selbstmord, Gewalt in der
Familie und Drogenmissbrauch. Afghanistan ist der weltgrößte
Erzeuger von Opium, woraus Heroin gewonnen wird. Die islamistischen
Taliban-Rebellen sollen sich zu einem großen Teil aus dem
Drogenhandel finanzieren. Vor wenigen Jahren wurde die Zahl der
Drogenabhängigen landesweit auf 920.000 geschätzt.
"Inzwischen dürften es mehr sein", sagte Kakar.
Angesichts von nur zwei staatlich angestellten Psychiatern bei 26
Millionen Einwohnern steht die Regierung allerdings vor einer kaum zu
bewältigenden Aufgabe. Deswegen müsse Afghanistan seine
Ärzte in den Grundlagen der Psychiatrie ausbilden, forderte Kakar,
damit sie in den Dörfern Menschen mit solchen Gesundheitsproblemen
ausmachen und behandeln könnten. Daneben sei eine
Aufklärungskampagne nötig, denn die meisten Afghanen
hätten noch nie von Anti-Depressiva gehört.
Das afghanische Gesundheitswesen hat seit dem Sturz der Taliban Ende
2001 enorme Fortschritte gemacht. Dank Geld aus dem Ausland wurde die
Zahl der medizinischen Versorgungseinrichtungen auf über 1400 von
damals 550 gesteigert.
(Quelle: rtr)
US-Militär dringt auf Ausweitung von Einsätzen in Pakistan
Mo.21.04.08 - US-Militärkommandeure in Afghanistan haben einem Zeitungsbericht
zufolge eine Ausweitung der Einsätze im benachbarten Pakistan
gefordert.
Dabei gehe es darum, auch pakistanische Extremisten angreifen zu
dürfen, berichtete die "New York Times". Dies werde aber bislang
von der Regierung in Washington abgelehnt. Grund sei die Furcht, die
neue pakistanische Regierung gegen sich aufzubringen, die Verhandlungen
mit Extremisten in den unruhigen Stammesregionen im Grenzgebiet
aufgenommen hat. Zudem werde eine weitere Destabilisierung der
Sicherheitslage in Pakistan befürchtet. Grundsätzlich
ausgeschlossen hätten US-Regierungsvertreter solche Angriffe aber
nicht.
Die Vorschläge der US-Militärs umfassten begrenzte
Artillerie-Angriffe auf pakistanisches Gebiet, Raketenangriffe mit Hilfe
von unbemannten Drohnen und Einsätze kleiner Einheiten von CIA
oder Elitesoldaten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf
Regierungskreise. Dem Blatt zufolge hat Pakistan der CIA eine
eingeschränkte Erlaubnis erteilt, arabische und andere
ausländische Extremisten in der Grenzregion zu Afghanistan zu
töten. Für Einsätze gegen pakistanische Gruppen habe die
Führung in Islamabad den USA aber höhere Beschränkungen
auferlegt.
(Quelle: rtr)
Chinesen protestieren weltweit gegen Berichterstattung über
Tibet-Konflikt
Mo.21.04.08 - In mehreren europäischen Länder und den USA haben Tausende
Chinesen gegen die Berichterstattung westlicher Medien über den
Tibet-Konflikt protestiert. In Los Angeles versammelten nach
Polizeiangaben bis zu 5000 Demonstranten vor den Studios des
Nachrichtenkanals CNN. Auch in Berlin kamen am Samstag Hunderte
pro-chinesischer Demonstranten auf dem Potsdamer Platz zusammen. Nach
der Ankunft der Olympischen Flamme in Kuala Lumpur sprach sich Malaysia
derweil gegen eine Politisierung der Olympischen Spiele aus. In mehreren
chinesischen Städten flammten erneut anti-westliche Proteste auf.
In Frankreichs Hauptstadt Paris gingen laut Polizei bis zu 4000
Menschen auf die Straße, vor allem chinesische Studenten. Sie
warben für die Olympischen Spiele in Peking und warfen den
westlichen Medien vor, die Lage in Tibet einseitig darzustellen. In
Berlin trugen die Demonstranten Schilder mit Aufschriften wie "Medien =
Lüge" und "Olympia in China. Eine Welt, ein Traum". In
Großbritannien protestierten mehr als 1000 Menschen vor den
Rundfunkstudios der BBC in Manchester.
Malaysia sei zuversichtlich, dass die Sommerspiele in Peking im August
ein Erfolg würden, hieß es in einer Erklärung von
Außenminister Rais Yatim. China zählt zu den wichtigsten
Handelspartnern Malaysias. Die Olympische Flamme war unter strengen
Sicherheitsvorkehrungen an Bord eines Flugzeugs aus Thailand in Kuala
Lumpur eingetroffen. Sie soll am Montag bei einem Fackellauf durch die
malaysische Hauptstadt getragen werden. Dabei wird mit antichinesischen
Protesten gerechnet. Es ist die vierte Etappe in Asien - nach Islamabad,
Neu Delhi und Bangkok.
In Nepal bereiteten sich die Sicherheitskräfte unterdessen auf den
geplanten Fackellauf auf den Mount Everest im kommenden Monat vor. In
Erwartung antichinesischer Proteste stationierten die Behörden
zusätzliche Kräfte auf der nepalesischen Seite des Berges, wie
ein Sprecher des Innenministeriums am Sonntag mitteilte. Insgesamt 25
Polizisten und Armeeangehörige seien in das Basiscamp II auf dem
Mount Everest entsandt worden. Die Sicherheitskräfte seien zuvor
extra für ihren Einsatz im Hochgebirge trainiert worden.
Die Flamme soll den Gipfel des höchsten Berges der Welt zwischen
dem 1. und 10. Mai erreichen. In dieser Zeit ist der Mount Everest, der
auf der Grenze zwischen Nepal und Tibet liegt, für private
Expedition geschlossen.
(Quelle: afp)
Machtwechsel in Paraguay nach mehr als sechs Jahrzehnten --
Linksgerichteter Exbischof Lugo wird neuer Präsident
Mo.21.04.08 - Nach mehr als 61 Jahren hat die Colorado-Partei in Paraguay ihre Macht
eingebüßt: Die Präsidentschaftswahl vom Sonntag gewann
der linksgerichtete ehemalige Bischof Fernando Lugo, der von einem
breiten Oppositionsbündnis unterstützt wurde.
Nach Auszählung von 70 Prozent der Wahllokale entfielen 40 Prozent
der Stimmen auf Lugo. Regierungskandidatin Blanca Ovelar erhielt 32
Prozent und räumte ihre Niederlage ein. Der ehemalige Armeechef
Lino Oviedo wurde Dritter mit 22 Prozent. Für den Wahlsieg
genügte die einfache Stimmenmehrheit. Der scheidende
Präsident Nicanor Duarte konnte nach fünfjähriger
Amtszeit nicht wiedergewählt werden.
Mehrere tausend Anhänger des 56-jährigen Lugo feierten das
Ergebnis am Sonntagabend mit einem Feuerwerk und Hupkonzerten in der
Hauptstadt Asunción. «Dies ist das Paraguay, von dem ich
träume», sagte Lugo in einer kurzen Ansprache. Mit dem Sieg
des «Bischofs der Armen» setzt sich der Trend zu
Mitte-Links-Regierungen in Südamerika fort.
Lugo warb im Wahlkampf für eine bessere Lebensqualität
insbesondere der indigenen Bevölkerung. Als zweites Ziel nannte er
die Absicht, die Dominanz der seit 61 Jahren regierenden
Colorado-Partei zu brechen. Unterstützt wurde Lugo von dem vor
acht Monaten gebildeten Bündnis Patriotische Allianz für den
Wechsel, dem neben der Oppositionspartei auch Gewerkschaften und
Vertreter von Landarbeitern und Indianern angehören. Lugo vertrat
als Bischof die linksgerichtete Theologie der Befreiung und geriet
damit in Konflikt mit dem Vatikan.
Bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag bestand Wahlpflicht
für die 2,8 Millionen Bürger des südamerikanischen
Landes. Neben dem Präsidenten wurden auch die 80 Mitglieder des
Abgeordnetenhauses und 45 Senatoren sowie 17 Gouverneure gewählt.
(Quelle: ap)
UN-Generalsekretär Ban ruft zu Lösung von globaler
Nahrungsmittelkrise auf
Mo.21.04.08 - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die internationale Gemeinschaft
zu einer Lösung der globalen Nahrungsmittelkrise aufgerufen. Die
Produktion von Lebensmitteln müsse erhöht werden, um den
Preisanstieg zu stoppen, sagte Ban am Sonntag zur Eröffnung der
UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in der
ghanaischen Hauptstadt Accra.
Die Nahrungsmittelpreise sind binnen Jahresfrist weltweit um 40 Prozent
gestiegen. In Kamerun, Burkina Faso, Ägypten und Haiti kam es zu
Hungerunruhen, weil sich die Armen die Ausgaben für Nahrungsmittel
nicht mehr leisten können.
«Wir dürfen keine Fehler machen, das Problem ist
gewaltig», sagte Ban. «Wenn wir die richtige Hilfe
anbieten, wird es auch eine Lösung geben.» In den
vergangenen drei Jahren habe die Welt mehr Nahrungsmittel verbraucht
als erzeugt. Ban machte dafür die steigenden Ölpreise, die
Abwertung des Dollars und Naturkatastrophen verantwortlich.
Der UN-Generalsekretär kündigte an, dass er den Kampf gegen
die Nahrungsmittelkrise zu einem Schwerpunkt der Vereinten Nationen
machen werde. Um die beim Millenniumsgipfel der UN im Jahr 2000
eingegangene Verpflichtung zur Halbierung der Armut bis 2015 zu
erfüllen, müssten die Anstrengungen verdoppelt werden, sagte
Ban.
(Quelle: ap)
Deutschlands Verbraucherminister Seehofer wirft Nahrungsindustrie
Gewinnsucht vor
Mo.21.04.08 - Angesichts der aktuellen Nahrungsmittelkrise hat der deutsche
Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) massive Kritik an der
internationalen Nahrungs- und Futtermittelindustrie geübt. "Denen
geht es in erster Linie doch um eine Gewinnmaximierung und nicht um die
Versorgung der Menschen", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". "Es kann
doch nicht sein, dass in den USA im wesentlichen nur noch ein Konzern
Saatgut anbietet. Die Landwirte dort werden doch erpresst und die
Entwicklungsländer auch."
Seehofer verwies auf Prognosen, nach denen die Preise für
Futtermittel "um 600 Prozent steigen, weil es Futtermittelknappheit
gibt. Dahinter steht das Interesse der Konzerne, ihren
genveränderten Sojamais zu verkaufen", so der Minister.
Zugleich verteidigte Seehofer die Nutzung von Bioenergie. "Wir haben
aus Gründen des Klimaschutzes in Europa eine stärkere Nutzung
von nachwachsenden Rohstoffen beschlossen", sagte er der "BamS". Anders
seien die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Der Minister wies darauf
hin, dass es weltweit 42 Millionen Quadratkilometer landwirtschaftlicher
Nutzfläche gebe. Es würden aber nur 15 Millionen
Quadratkilometer tatsächlich genutzt, davon ein Prozent für
Biosprit. "Er kann also nicht für die aktuellen Probleme
verantwortlich gemacht werden."
Seehofer äußerte sich allerdings besorgt über die
Vernichtung von Regenwäldern für Biosprit und forderte dazu
eine klare eine Regelung der EU.
(Quelle: afp)
Klimawandel: Spanien vertrocknet -- Dürre-Notfallplan
für Barcelona
Mo.21.04.08 - Die Dürre der vergangenen Monate in Spanien hat einen Streit um
das Wasser ausgelöst. Nach dem Notfallplan der spanischen Regierung
zur Versorgung der Millionenstadt Barcelona fühlen sich andere
wasserarme Regionen am Mittelmeer benachteiligt und verlangten
ebenfalls Hilfen.
Valencia und Murcia forderten nach Presseberichten vom Sonntag, ebenso
wie Barcelona über ein Leitungssystem Wasser aus dem Fluss Ebro in
Nordspanien zu erhalten.
Dies lehnte die spanische Umweltministerin Elena Espinosa bei einem
Treffen mit ihren Amtskollegen der einzelnen spanischen Regionen in
Madrid aber ab. Im Falle Barcelonas handele es sich um eine
Notlösung, die zudem vorübergehend sei. Im Großraum von
Spaniens zweitgrößter Stadt sind fünf Millionen Menschen
wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren von
Einschränkungen bei der Wasserversorgung bedroht. Die Stauseen in
der Umgebung der katalanischen Metropole sind nur zu gut einem
Fünftel gefüllt.
Die Madrider Zentralregierung beschloss deshalb, Barcelona über
ein Röhrensystem mit Wasser aus dem Ebro zu versorgen. Insgesamt
soll die Stadt 50 Milliarden Liter Trinkwasser erhalten. Das ist in etwa
so viel, wie in 50 große Fußballstadien passen würde.
Die 180 Millionen Euro teure Leitung soll im Herbst fertiggestellt sein
und maximal bis Juni 2009 genutzt werden. Dann geht bei Barcelona eine
große Meerwasser-Entsalzungsanlage in Betrieb, die fortan die
Versorgung der Stadt sichern soll.
Valencia und Murcia forderten die Wiederaufnahme eines
milliardenschweren Wasserprojekts, das von der vorherigen Regierung von
Ministerpräsident José María Aznar ins Leben gerufen
worden war. Dieses sah vor, über ein weitläufiges Leitungsnetz
Wasser aus dem Ebro in den trockenen Süden umzuleiten. Die jetzt
regierenden Sozialisten hatten das auf rund 25 Milliarden Euro
geschätzte Vorhaben aus Umweltschutzgründen gekippt.
(Quelle: dpa)
Russland legt Atomreaktor in Sibirien still
Mo.21.04.08 - Russland hat einem Medienbericht zufolge einen seiner letzten drei
Atomreaktoren stillgelegt, die atomwaffenfähiges Plutonium
herstellen. Die Stilllegung des Reaktors am Sonntag in der sibirischen
Stadt Sewersk ist Teil einer Vereinbarung mit den USA vom März
2003 über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen.
Ein zweiter Reaktor in Sewersk soll im Juni abgeschaltet werden, wie
die russische Nachrichtenagentur ITAR-Tass meldete. Der dritte Reaktor
in der mittelsibirischen Stadt Schelesnogorsk soll bis Ende 2009
stillgelegt werden. Als Ausgleich für die Energieversorgung der
beiden sibirischen Städte haben sich die USA in der Vereinbarung
verpflichtet, Russland finanziell beim Bau von zwei konventionellen
Kraftwerken zu unterstützen. Das Kraftwerk in Sewersk ist bereits
fast fertig.
(Quelle: ap)
Deutschland
Wachsende Sympathien für Schwarz-Grün im Bund
Mo.21.04.08 - Nach der Koalitionsvereinbarung von CDU und Grünen in Hamburg wird
der Ruf nach einer Zusammenarbeit auch auf Bundesebene lauter. Der
baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger (CDU) sagte der «Bild am Sonntag»,
Schwarz-Grün sei als Option in den Ländern und im Bund
möglich, «wenn Schwarz-Gelb nicht möglich ist und wenn
die Grünen zu einer pragmatischen Politik bereit sind».
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte ihre Partei mit
Blick auf die Bundestagswahl 2009 auf, der CDU im Zweifelsfall entgegen
zu kommen.
«Das, was die Landesregierung in Hamburg vorhat, ist besser als
das, was die SPD jetzt im Bund macht», sagte Künast der
«tageszeitung». Wenn nach der Bundestagswahl die Frage
heiße: «Wollen wir die Große Koalition oder sollen
wir uns bewegen, dann sage ich klar: Wir müssen uns
bewegen.» Sie sei dafür, nicht im Lagerdenken zu verharren,
sondern auf Inhalte zu schauen und Gemeinsamkeiten mit der CDU
auszuloten. «Wir testen das jetzt mal in Hamburg.»
Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck warf den Grünen Verrat an ihren
eigenen Grundsätzen vor. Der einstige Koalitionspartner sei der
SPD in den Rücken gefallen, indem er in Hamburg
Studiengebühren zugestimmt habe, sagte Beck in Kassel. Die
Grünen hätten ihre Position damit «für die Macht
geopfert». Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verurteilte die
Hamburger Koalitionsvereinbarung auch energie- und umweltpolitisch als
«fatal».
Der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi
begrüßte Schwarz-Grün dagegen als «gute
Kombination». Die Hamburger Koalition sei das Ergebnis einer ganz
normalen politischen Entwicklung, sagte der SPD-Politiker der
«Welt am Sonntag».
Beifall kam auch aus der CDU. Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp
Mißfelder, lobte das Hamburger Bündnis als positives Signal.
Die Union müsse für solche Konstellationen offen bleiben,
sagte er der «Berliner Zeitung». Der
rheinland-pfälzische CDU-Chef Christian Baldauf sagte der
«Bild am Sonntag», wenn es für Schwarz-Gelb im Bund
nicht reiche, sei eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen
allemal zielführender als eine Große Koalition.
Zurückhaltender äußerte sich Unionsfraktionschef Volker
Kauder. «Die Grünen sind wie alle anderen demokratischen
Parteien auch für die CDU ein möglicher
Koalitionspartner», sagte der CDU-Politiker der «Welt am
Sonntag». In der zentralen Existenzfrage für Deutschland, in
der Energiefrage, könne man jedoch mit den Grünen zu keiner
Lösung kommen, warnte er. CSU-Vize Horst Seehofer sagte, ein
solches Bündnis sei aktuell überhaupt kein Thema.
Auch Grünen-Chef Reinhard Bütikofer vertrat die Ansicht, das
Hamburger Bündnis sei kein Modell für den Bund. Ein
schwarz-grünes Projekt gebe es nicht, sagte er der «Welt am
Sonntag». Für die Diskussion auf Bundesebene gelte:
«Man darf den politischen Gegner nicht verteufeln, ihn sich aber
auch nicht schönreden.»
SPD-Chef Beck zeigte sich erneut offen für eine Ampelkoalition aus
SPD, FDP und Grünen. Da Schwarz-Gelb keine Mehrheit habe, seien
auch andere Konstellationen denkbar, sagte er dem
«Spiegel». Für den Bundestagswahlkampf kündigte
Beck eine harte Auseinandersetzung mit CDU und CSU an.
(Quelle: ap)
CSU dringt auf Steuersenkung für Geringverdiener
Mo.21.04.08 - Die CSU dringt auf rasche Steuerentlastungen für Geringverdiener
und den Mittelstand. Es sollten die Menschen entlastet werden, "die
jeden Tag fleißig sind und in die Arbeit gehen", sagte Parteichef
Erwin Huber dem Deutschlandfunk. Anfang Mai will die CSU dazu ein
Konzept vorlegen, das zunächst für 2009 Verbesserungen bei
Kindergeld und Kinderfreibetrag vorsieht. In den Jahren danach sollen
nach den Worten Hubers "weitere Schritte zur Absenkung der Einkommen-
und Lohnsteuer folgen". Kompensieren will Huber dies durch vermehrte
Sparanstrengungen bei den Ausgaben.
Huber bekräftigte auch die Forderung seiner Partei nach einer
Wiederherstellung der Pendlerpauschale. Ein Nein dazu von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werde er nicht akzeptieren. "Wenn es
nicht im ersten Anlauf gelingt, dann machen wir einen zweiten oder auch
einen dritten", kündigte der CSU-Chef an. Er begründete
seinen Vorstoß vor allem mit den gestiegenen Benzin- und
Dieselpreisen.
(Quelle: afp)
SPD- und CDU-Politiker forden mehr Rente für Geringverdiener
Mo.21.04.08 - Zur Bekämpfung der wachsenden Altersarmut haben Politiker von CDU
und SPD höhere Renten für Geringverdiener gefordert. Der
nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen
Rüttgers und der Arbeitnehmerflügel der SPD plädierten
am Wochenende dafür, insbesondere langjährige Beitragszahler
besser zu stellen. Rüttgers forderte dazu eine Reform nach dem
Vorbild des Arbeitslosengelds I: «Wer lange in die Rentenkasse
eingezahlt hat, muss mehr Rente bekommen als nur die
Grundsicherung», sagte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende.
Die Rente von Arbeitnehmern, die 35 Jahre lang geringe Beträge
eingezahlt hätten, sei heute nicht höher sei als die
Grundsicherung. «Da stellt sich der Bürger zu Recht die
Frage, warum soll ich überhaupt noch arbeiten, wenn es auch ohne
Arbeit die gleiche Rente gibt», sagte Rüttgers der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
Er verwies darauf, dass die Auszahlung des Arbeitslosengeldes I bereits
entsprechend verlängert worden sei. Rüttgers begründete
seinen Vorstoß mit der drohenden Altersarmut in den kommenden
Jahren.
Ähnlich äußerte sich der Arbeitnehmerflügel der
SPD. Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) forderte
in Kassel die Einführung einer Mindestrente, die für
langjährige Beitragszahler deutlich über der Grundsicherung
liegen solle. Reichten die Beitragszahlungen dafür nicht aus,
müsse die Finanzierung über einen Bundeszuschuss zur
Rentenversicherung gesichert werden.
Der alte und neue AfA-Vorsitzende Ottmar Schreiner rief seine Partei zu
einer neuen Grundsatzdebatte über das Alterssicherungssystem auf.
Ohne Änderungen drohe eine massive Altersarmut, warnte der
SPD-Bundestagsabgeordnete. Wer bei einem Bruttolohn von 1.450 Euro 45
Beitragsjahre in die Rentenversicherung eingezahlt habe, erhalte nach
dem jetzigen System eine Rente in Höhe der Sozialhilfe. Dies
könne nicht angehen.
Auch Rüttgers forderte, das Rentensystem zu verändern. Immer
wenn die Politik Beschlüsse fasse, die aus der Rentenkasse
finanziert werden sollten, müsse das aus Steuern finanziert
werden, sagte er. Die geplante Rentenerhöhung kritisierte
Rüttgers scharf. Es gehe nicht an, dass diese von der
Versichertengemeinschaft bezahlt werden müsse. «Denn die
Rente, die wir heute mehr zahlen, nehmen wir kommenden Generationen
weg. Das ist nicht in Ordnung.»
Auf Skepsis stießen die Forderungen beim SPD-Politiker Klaus
Brandner. «Ich kann nur davor warnen, nun beim Thema Altersarmut
in Populismus zu verfallen,» sagte der Staatssekretär im
Bundesarbeitsministerium dem «Handelsblatt»
(Montagsausgabe). Der richtige Weg zur Bekämpfung von Altersarmut
sei mehr Beschäftigung zu auskömmlichen Löhnen. Zudem
müssten die Bürger ermuntert werden, stärker die
staatlichen Förderungen für ergänzende Altersvorsorge
wie die Riesterrente in Anspruch zu nehmen.
Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte unterdessen auch
SPD-Chef Kurt Beck die Kritik des früheren Bundespräsidenten
Roman Herzog an der geplanten Rentenerhöhung. Dem
Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» sagte Beck, er sei
für einen fairen Ausgleich zwischen den Generationen. «Es
ist fatal, wenn jetzt einige daraus einen Generationenkonflikt
konstruieren», sagte Beck.
(Quelle: ap)
SPD-Linker Schreiner: Reiche sollen mehr zur Rente beitragen
Mo.21.04.08 - In der Diskussion über die wachsende Altersarmut hat der SPD-Linke
Ottmar Schreiner einen höheren Rentenbeitrag von Wohlhabenden
gefordert. Nötig sei ein «neuer sozialer Ausgleich»,
sagte Schreiner der «Passauer Neuen Presse». Schreiner
verwies auf das Rentensystem der Schweiz, wo alle Einkommensbezieher
ohne Beitragsbemessungsgrenze in die gesetzliche Rentenversicherung
einzahlten, auch Millionäre seien in voller Einkommenshöhe
beitragspflichtig. Zugleich werde die Rentenhöhe gedeckelt.
«Der Sozialausgleich ist weitaus größer als
hierzulande. Was in der Schweiz möglich ist, muss auch für
Deutschland möglich gemacht werden», forderte der
Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen
(AfA). Schreiner plädierte auch dafür, dass alle - auch
Selbstständige - Rentenbeiträge zahlen.
Schreiner unterstützte den Vorstoß des stellvertretenden
CDU-Vorsitzenden Jürgen Rüttgers, der für
langjährige Beitragszahler eine höhere Rente fordert:
«Wer mehrere Jahrzehnte gearbeitet und Beiträge gezahlt hat,
muss eine Rente erhalten, die deutlich oberhalb der sozialen
Grundsicherung liegt», wird Schreiner zitiert.
Altersarmut sieht der SPD-Linke derzeit allerdings nicht als
gravierendes Problem an. «Noch ist es kein Kernproblem der Armut
in Deutschland. Zur Zeit reden wir eher von einer 'Infantilisierung'
der Armut, also Armut ganz überwiegend bei Kindern und
Jugendlichen», sagte Schreiner. Derzeit seien etwa 2,5 Prozent
Rentner im Bezug der Grundsicherung. Die Zahl habe sich in den
vergangenen Jahren deutlich erhöht, «und das wird
weitergehen», sagte der SPD-Politiker voraus.
(Quelle: ap)
DGB will über Aufsichtsräte gegen hohe Manager-Gehälter
kämpfen
Mo.21.04.08 - Die Gewerkschaften wollen über ihre Mandate in den
Aufsichtsräten künftig mehr Widerstand gegen
Gehaltssprünge bei Managern leisten.
"Zweistelligen Zuwachsraten bei Vorstandsbezügen werden wir nicht
mehr zustimmen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Dietmar Hexel dem
"Handelsblatt" (Montagausgabe). Hexel, der auch Mitglied der Corporate
Governance Kommission für Unternehmensführung ist, will zudem
in dem Gremium weitere Regeln zur Begrenzung der Gehälter
durchsetzen. "Ich werde das Thema in der nächsten Sitzung auf die
Tagesordnung setzen und beantragen, dass die Kommission entsprechende
Empfehlungen ausspricht."
Gerade die Bankenkrise habe gezeigt, dass bei den Manager-Bezügen
falsche Anreize gesetzt würden. Vorstände orientierten sich
an kurzfristigen Erfolgen statt die Strategie auf langfristige Ziele
auszurichten, sagte Hexel.
(Quelle: rtr)
Post will Arbeitskampf mit verbessertem Angebot abwenden
Mo.21.04.08 - Im Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi ist die Deutsche Post
bereit, ihr Angebot zu verbessern. Die bisherige Offerte sei "nicht das
letzte Wort der Post", sagte Personalvorstand Walter Scheurle der
"Süddeutschen Zeitung". Nun müssten aber auch die
Gewerkschafter über ihren Schatten springen. Verdi hatte
erklärt, die Annahme des Post-Angebots würde die
"Vernichtung" von 12.500 Jobs bedeuten. Post-Vorstand Scheurle nannte
diese Zahlen "aus der Luft gegriffen".
Die Offerte der Post sei "ein Angebot, und kein Diktat", sagte
Scheurle. Es solle eine Grundlage sein, "um sich zu verständigen".
Verdi will am Montag mit bundesweiten Warnstreiks ihren Forderungen
Nachdruck verleihen. In Baden-Württemberg soll etwa der
Großraum Stuttgart keine Post erhalten, wie der dortige
Landesverband am Sonntag ankündigte. Nach Angaben des
Landesverbandes Rheinland-Pfalz sollten ab Sonntagabend 22 Uhr
voraussichtlich 50 Beschäftigte der Niederlassung in
Mainz-Hechtheim in den Ausstand treten. Rund 450.000 Briefsendungen
würden dadurch nicht bearbeitet.
Die Tarifverhandlungen waren in der Nacht zum Samstag in
Düsseldorf abgebrochen worden. Verdi drohte daraufhin mit einem
unbefristeten Arbeitskampf ab Mai. Knackpunkt bei den Verhandlungen war
die von der Post geforderte Verlängerung der Arbeitszeit, die
Verdi strikt ablehnt. Die Post hatte die Arbeitszeitverlängerung
zusammen mit einer Gehaltserhöhung um rund 5,5 Prozent in den
kommenden zwei Jahren und einer Verlängerung des
Kündigungsschutzes bis Juni 2011 angeboten.
(Quelle: afp)
Kanzlerin Merkel warnt vor Vertrauensverlust in Marktwirtschaft
Mo.21.04.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zur Eröffnung der Hannover
Messe vor einem «Vertrauensverlust» in die soziale
Marktwirtschaft gewarnt. Es sei die gemeinsame Aufgabe von Politik,
Unternehmen und Gewerkschaften, «diese Gesellschaftsordnung
zukunftsfähig» zu machen.
Das sagte Merkel am Sonntagabend. Es dürfe niemals vergessen
werden, für die «Bindekraft» der sozialen
Marktwirtschaft zu werben. Merkel forderte zudem, Lehren aus der
Finanzmarktkrise zu ziehen. Notwendig sei etwa mehr Transparenz.
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI),
Jürgen Thumann, sagte: «Wir, Unternehmen und Unternehmer,
bekennen uns zur sozialen Marktwirtschaft.» Der Wirtschaft komme
eine «tragende Rolle» zu. Die soziale Marktwirtschaft, die
in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiert, sei ein
«Erfolgsmodell». Das Verhalten von Unternehmern entscheide
mit darüber, ob die Menschen diese Gesellschaftsordnung auch
künftig bejahten. «Wer Verantwortung trägt, muss auch
Vorbild sein», sagte Thumann - ohne jedoch die jüngsten
Skandale von Managern direkt anzusprechen.
Merkel sagte, sie habe Verständnis dafür, dass die
internationale Finanzmarktkrise bei vielen Menschen die Sorgen um
Wohlstandsverluste durch die Globalisierung verstärke. Sie sei
nicht dieser Meinung. Zwar verschärfe die Globalisierung den
internationalen Wettbewerb. Daher müsse es auch in Deutschland die
Bereitschaft geben, «zu verändern, zu reformieren und zu
investieren».
Mit Blick auf zurückgeschraubte Wachstumserwartungen für die
deutsche Wirtschaft sagte Merkel, die Aussichten seien dennoch gut,
dass Deutschland weniger von der Finanzmarktkrise betroffen sein werde
als andere Länder. Dazu trage auch der starke Euro bei. Zudem
zeige sich die Bedeutung des EU-Binnenmarktes. Deutsche Unternehmen
könnten außerdem verstärkt ihre Chancen auf den
asiatischen Wachstumsmärkten nutzen. Die Krise habe jedoch
gezeigt, dass es auch im deutschen Bankensystem Reformbedarf gebe.
«Aber wir sollten es auch nicht schlecht reden.»
BDI-Präsident Thumann sagte, die konjunkturelle Entwicklung in
Deutschland sei robust. Seit 2005 seien 1,7 Millionen neue Jobs
entstanden. Die Politik habe die Rahmenbedingungen verbessert, es
bestehe aber noch immer Reformbedarf.
Auf der Industrieschau Hannover Messe zeigen von diesem Montag an bis
zum kommenden Freitag knapp 5100 Unternehmen aus 62 Ländern ihre
Produkte. Schwerpunktthemen sind Klimaschutz und Energieeinsparung.
Partnerland der Messe ist in diesem Jahr Japan.
Der frühere japanische Regierungschef Shinzo Abe warb in Hannover
für eine Vertiefung der Kontakte mit der deutschen Wirtschaft.
«Wir möchten die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Japan und
Deutschland weiter ausbauen.» Vor allem einer Ausweitung der
Investitionen komme große Bedeutung zu. Abe betonte zudem, die
japanische Regierung werde auch beim Vorsitz der führenden
Industrieländer G8 in diesem Jahr dem Klimaschutz hohen Rang
einräumen. Um die Zukunft zu sichern, sei «ein aufrichtiges
Inangriffnehmen der globalen Umweltprobleme» nötig.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Hat der Mensch einen freien Willen? - Hirnmuster beim Lügen
entdeckt
Mo.21.04.08 - Was passiert im Gehirn beim Denken? Diese Frage fasziniert die
Neurowissenschaft. Liegt ein Mensch im Kernspintomografen - einer Art
Röhre -, können Hirnforscher schon seit längerem dem
Gehirn mit einer speziellen Technik beim Arbeiten zusehen.
Sie beobachten, in welchen Bereichen Nervenzellen feuern und
Aktivität zeigen. Inzwischen kann man schon einige Gedanken lesen
ohne Scharlatanerie, sondern mit naturwissenschaftlichen Methoden.
«Wenn man spezielle Gehirnmuster findet weiß man, was
eine Person denkt», sagte Prof. John-Dylan Haynes vom Berliner
Bernstein Center für «Computational Neurosciene» bei
einer hochkarätig besetzten Tagung im evangelischen
Bildungszentrum Hospitalhof am Wochenende in Stuttgart.
Unter der Leitung des Bielefelder Hirnforschers Professor Hans J.
Markowitsch und Pfarrer Helmut A. Müller diskutierten
Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen miteinander. Das
Thema: «Produzieren die Neurowissenschaften den gläsernen
Menschen?» Eine Frage, die zunehmend Moralphilosophen,
Strafrechtler, Forensiker und Theologen herausfordert.
So zeigte Haynes in einem Experiment, wie und wo im Gehirn bestimmte
Entscheidungen gefällt werden. Versuchspersonen sollten sich
entscheiden, ob sie addieren oder subtrahieren und dies für
sich behalten. «Diese Entscheidung konnten wir mit 70-prozentiger
Genauigkeit entschlüsseln», sagte Haynes. Zuvor hatte man den
Computer mit den entsprechenden «Gehirnabdrücken»
eben mit dem speziellen Muster des Neuronenflackerns für das
Addieren und Subtrahieren - gefüttert und mit den Gedankenmustern
der Probanden verglichen.
Eine zusätzliche Entdeckung: «Bis zu zehn Sekunden, bevor
eine Person die Entscheidung fällt was sie per Tastendruck
angezeigt hatte, flackerte das entsprechende Gedanken-Muster auf. Noch
bevor die Person also weiß, wie sie sich entscheidet, zeigt die
Maschine den Beschluss schon an. «Hier stellt sich die Frage, ob
der freie Wille des Menschen haltbar ist», sagte Haynes. Dies ist
zurzeit eine der umstrittensten Kontroverse in der Wissenschaft. Hat der
Mensch einen freien Willen? Oder ist er durch neuronale
Aktivitäten im Gehirn festgelegt? Kann er also nicht gegen seine
Natur handeln?
Hirnforscher Markowitsch schilderte hierzu den Fall eines treu
sorgenden Familienvaters, der plötzlich pädophil geworden war
und sich an seinen Kindern vergriffen hatte. Nachdem man einen Tumor im
Stirnhirn gefunden hatte, das die Emotionen steuerte - ihn entfernte -
verschwanden diese Neigungen wieder. Ist der Straftäter also
schuldfähig oder nicht?
«Wahrscheinlich werden Gehirnscans irgendwann auch vor Gericht
zugelassen», prognostizierte Markowitsch, der auch schon als
Gutachter vor Gericht tätig war. In einem eigenen Experiment hat er
sogar den «Abdruck der Lüge» im Gehirn nachgewiesen.
Als Studenten aufgefordert wurden, eine wahre Geschichte zu
erzählen, feuerten die Nervenzellen im Stirnhirn. Erzählten
sie Lügen, gab es ein Neuronengewitter im hinteren
Schädelbereich.
Auch Unternehmen studierten mittlerweile, wie das Gehirn von Bewerbern
aussieht. «Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion, welche
Technik erwünscht ist und welche nicht», forderte
Markowitsch. Eine kritische Position übernahm Technikphilosoph
Prof. Thomas Zoglauer von der TU Cottbus. Die neuronale Tätigkeit
sage nichts über die Gründe von Menschen aus. Auch Prof.
Hans-Ludwig Kröber, Leiter des Instituts für Forensische
Psychiatrie, warnte davor, alle Entscheidungen auf eine rein
physiologische Ebene zu reduzieren. «Der Mensch ist mehr als seine
neuronalen Aktivitäten im Gehirn», so der Tübinger
Theologe Dirk Evers. Der Mensch sei im Kern autonom eine
Freiheit, die ihm Gott geschenkt habe.
(Quelle: dpa)