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Irak am 1491sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Irakische Regierung will keinen offenen Krieg mit Schiiten-Milizen.
Irak wirbt um Schuldenerlass. Weitere Öffnung westlicher
Unternehmen in Richtung Irak. US-Armee bombardiert Schiitenviertel Sadr
City
Di.22.04.08 - Die irakische Regierung wird nach den Worten von Außenminister
Hoschijar Sebari keinen offenen Krieg schiitischer Milizen gegen die
Armee zulassen: Das Militär werde entschlossen gegen alle illegale
Gruppen vorgehen, sagte Sebari am Montag in Bahrain am Rande eines
Treffens des Golf-Kooperationsrates, Ägyptens und Jordaniens. Der
Chef der radikal-schiitischen Mehdi-Miliz, Moktada al-Sadr, hatte am
Wochenende mit einem weiteren Aufstand gedroht, sollte die Armee seine
Anhänger weiter angreifen. Danach kam es in der Hochburg des
Predigers in Bagdad zu den heftigsten Kämpfen seit Wochen. Sie
hielten auch am Montag noch an.
Sadr hatte gegen die US-Truppen bereits im Jahr 2004 zwei
Aufstände geführt. Auf die Frage, ob die irakische Regierung
einer Konfrontation mit der Miliz des Schiitenführers gewachsen
sei, antwortete Sebari nun: "Natürlich. Die Regierung wird gegen
jeden vorgehen, der die Autorität des Staates infrage stellt." Es
müsse verhindert werden, dass die Miliz die Kontrolle über
bestimmte Gebiete an sich reiße. Die Armee habe ihre
Entschlossenheit in den vergangenen Wochen schon in der
südirakischen Hafenstadt Basra und anderen Hochburgen Sadrs unter
Beweis gestellt.
US-Außenministerin Condoleezza Rice, die am Sonntag zu einem
unangekündigten Besuch in Bagdad eingetroffen war,
begrüßte die Offensive der Regierung gegen die Sadr-Miliz.
Nach US-Militärangaben starben bei Gefechten zwischen
amerikanischen Truppen und schiitischen Milizionären im Bagdader
Stadtteil Sadr-Stadtviertel allein am späten Sonntagabend acht
Menschen. Die Gewalt erfasste am Montag auch umliegende Gebiete: Im
Bezirk New Bagdad, südlich von Sadr, wurde die US-Armee nach
eigenen Angaben mit einer Panzerabwehrrakete attackiert und tötete
daraufhin drei der Angreifer.
Bei der Regionalkonferenz in Bahrain, an der Rice ebenfalls teilnahm,
stand das Thema Irak am Montag ganz oben auf der Tagesordnung. Die
irakische Regierung warb dort im Schulterschluss mit den Vereinigten
Staaten für einen Schuldenerlass. Zudem forderte der Irak seine
arabischen Nachbarn auf, ihre diplomatischen Vertretungen in Bagdad
wieder zu eröffnen. Rice sagte nach dem Treffen, zu beiden Punkten
habe es keine konkreten Zugeständnisse der arabischen Staaten
gegeben. Der Irak solle künftig aber regelmäßig an den
Sitzungen des Golf-Kooperationsrates teilnehmen. Dies zeige den festen
Willen, das Land nach der US-geführten Invasion 2003 wieder in die
regionale Gemeinschaft aufzunehmen. Am heutigen Dienstag findet ein
weiteres Treffen zum Irak in Kuwait statt.
Was die Wirtschaftsbeziehungen angeht, deutet sich eine weitere
Öffnung westlicher Unternehmen in Richtung Irak an. Der
italienische Ölkonzern Eni denkt nach den Worten seines Chefs
Paolo Scaroni über die Aufnahme von Geschäften in dem Land
nach. "Wir betrachten den Irak als eine Gelegenheit", sagte Scaroni der
Zeitung "Corriere della Sera" vom Montag. In dem Golfstaat mit den
weltweit drittgrößten Ölreserven gebe es nun
Möglichkeiten für Verträge in einem neuen gesetzlichen
Rahmen. Für Eni interessant sei zunächst ein Engagement in
der Infrastruktur der Ölindustrie.
Die US-Armee hat trotz der Aufstands-Drohungen des Schiitenführers
Moktada Sadr ihre Militäraktionen in dem Schiitenviertel der
irakischen Hauptstadt Bagdad fortgesetzt. Flugzeuge der US-Armee
bombardierten am Montagmorgen nach Angaben von Anwohnern Teile des
Viertels, in denen sich Sadrs Miliz seit Ende März Kämpfe mit
irakischen und US-Soldaten liefert.
Die US-Armee bestätigte die Angriffe vorerst nicht, gab aber in
einer am Montag veröffentlichten Erklärung die Tötung
von vier Milizionären in Sadr City am Sonntag durch unbemannte
Drohnen bekannt. Demnach wurden die Männer getötet, als sie
gerade den Abschuss von Raketen vorbereiteten. Ein weiterer
Aufständischer sei getötet worden, als er einen
Kontrollposten der US-Armee angriff. Zwei weitere Angreifer seien
verletzt worden, hieß es. Sadr City gilt als Hochburg von
Schittenführer Sadr und dessen Mahdi-Miliz.
Der im Irak wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit zum Tode verurteilte Ali Hassan al Madschid ist nach dem
Beginn eines Hungerstreiks in ein US-Militärkrankenhaus
eingeliefert worden. Das teilte sein Anwalt Badi Issat Aref am Montag
mit. Al Madschid war am Freitag zusammen mit einem weiteren
Verurteilten in den Hungerstreik getreten. Die beiden wurden den
Angaben zufolge gemeinsam am Sonntag in das Krankenhaus gebracht.
Al Madschid, genannt «Chemie-Ali», wurde im Juni
vergangenen Jahres zum Tode verurteilt. Der Cousin des bereits 2006
hingerichteten Expräsidenten Saddam Hussein wurde für
schuldig befunden, in den 80er Jahren den Einsatz von Chemiewaffen
gegen Kurden im Nordirak angeordnet zu haben. Dabei wurden 180.000
Menschen getötet.
boa (Quellen: ap. afp, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 22.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsiebenundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
UN-Generalsekretär Ban ruft zu rascher Wahl eines Präsidenten
im Libanon auf: 'Die gegenwärtige Situation ist nicht mehr
tragbar' -- Assad: Bemühungen um Friedensgespräche
Israel/Syrien -- Hamas lehnt weiter Anerkennung Israels ab
Di.22.04.08 - Mehr als vier Monate nach dem Ende der Amtszeit des libanesischen
Staatspräsidenten hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zur
raschen Wahl eines Nachfolgers aufgerufen. In einem Bericht an den
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte Ban am Montag, das
Parlament müsse bei der Präsidentenwahl frei von
ausländischer Einflussnahme entscheiden.
«Die gegenwärtige Situation ist nicht mehr tragbar»,
heißt es in dem der Nachrichtenagentur AP vorliegenden Bericht.
Eine weitere Verschiebung würde die anstehende Reform des
Wahlrechts und die Vorbereitung der im Frühjahr 2009 anstehenden
Parlamentswahl behindern.
Ban rief alle beteiligten Staaten und Parteien zur Zusammenarbeit mit
der Arabischen Liga auf, die im Januar einen Vorschlag zur Lösung
der Staatskrise im Libanon vorgelegt hat. Dazu gehören die Wahl
des Kompromisskandidaten Michel Suleiman, die Bildung einer
Einheitsregierung und die Verabschiedung eines neuen Wahlrechts. 18
Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs, acht Jahre nach dem
israelischen Truppenrückzug und drei Jahre nach dem Abzug der
syrischen Truppen sei es höchste Zeit, die Lasten der
Vergangenheit zu überwinden. Der UN-Generalsekretär sprach
sich auch für die Entwaffnung der von Syrien und dem Iran
unterstützten schiitischen Hisbollah-Miliz aus.
Das Amt des Staatspräsidenten ist seit dem Ausscheiden von Emile
Lahoud am 23. November 2007 vakant. Seitdem wurde die Wahl im Parlament
17 Mal verschoben. Für den (heutigen) Dienstag war erneut eine
Parlamentssitzung zur Wahl des Präsidenten angesetzt.
Die prowestliche Parlamentsmehrheit und das prosyrische Lager um die
Hisbollah haben sich zwar auf General Suleiman als Kompromisskandidat
für das Amt des Staatspräsidenten verständigt. Die
Opposition verlangt aber eine Beteiligung am Kabinett und ein
Veto-Recht bei Entscheidungen der Regierung. Beides wird von
Ministerpräsident Fuad Siniora entschieden abgelehnt.
Zwischen Syrien und Israel wird nach syrischen Angaben über die
Wiederaufnahme von Friedensgesprächen verhandelt.
Es gebe seit längerem entsprechende Bemühungen über
Vermittler, sagte Syriens Präsident Baschar al-Assad am Sonntag.
"Die israelische Seite weiß genau, was Syrien akzeptieren und was
es nicht akzeptieren würde." Nach Angaben aus Kreisen in Damaskus
hat die Türkei die Rolle des Vermittlers übernommen.
Die Gespräche zwischen Israel und Syrien wurden im Jahr 2000
abgebrochen. Damals lehnte Syrien ein israelisches Angebot als
unzureichend ab, sich aus dem größten Teil der besetzten
Golanhöhen zurückzuziehen. Syrien hatte wiederholt
erklärt, eine Normalisierung der Beziehungen arabischer Länder
zu Israel sei erst dann möglich, wenn sich der jüdische Staat
aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückzieht. Israel will, dass
Syriens Beziehungen zur libanesischen Hisbollah und der
palästinensischen Hamas thematisiert werden.
Die Hamas lehnt eine Anerkennung des Staates Israel unverändert
ab. Das bekräftigte ihr Politbüro-Chef Chaled Meschaal am
Montag in Damaskus.
Stattdessen biete die Hamas einen zehnjährigen Waffenstillstand
an, wenn sich Israel hinter die Grenzen von 1967 zurückziehe.
Meschaal reagierte damit auf Äußerungen des ehemaligen
US-Präsidenten Jimmy Carter, mit dem er sich am Freitag in
Damaskus getroffen hatte.
Carter hatte am Montag in Jerusalem gesagt, die Hamas würde einen
Friedensvertrag mit Israel und einen Palästinenserstaat in den
Grenzen von 1967 akzeptieren. Eine von Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas ausgehandelte Friedensvereinbarung würde sie
annehmen, sollte diese in einer palästinensischen Volksbefragung
bestätigt werden. Carter betonte allerdings, sein Treffen mit dem
Hamas-Führer sei kein Vermittlungsgespräch gewesen.
Der 83-jährige Friedensnobelpreisträger forderte Israel und
die USA auf, auch die Hamas in die Friedensbemühungen
einzubeziehen. Beide Länder lehnen jedoch direkte Gespräche
mit der radikal- islamischen Organisation ab, solange diese das
Existenzrecht des jüdischen Staates nicht akzeptiert und nicht auf
Gewalt verzichtet.
In Washington sagte der Sprecher des Außenministeriums, Tom
Casey, die Hamas strebe weiterhin die Zerstörung Israels an.
«In Bezug auf die grundsätzlichen Ansichten der Hamas zu
Israel und über Frieden in der Region hat sich nichts
geändert.» Die Hamas habe die Forderungen der
internationalen Gemeinschaft - Ablehnung von Gewalt, Anerkennung des
Existenzrechts Israels sowie der bisherigen Nahost- Friedensabkommen -
noch immer nicht erfüllt.
Carter erklärte, es könne keinen Frieden in der Region geben,
solange Israel keine Friedensvereinbarung mit Syrien erreiche.
Hauptstreitpunkt zwischen beiden Ländern sind die seit über
40 Jahren von Israel besetzten Golanhöhen.
Der ehemalige US-Präsident sagte, Meschaal habe ihm zugesichert,
dass der im Juni 2006 von militanten Palästinensern entführte
israelische Soldat Gilad Schalit lebe und in guter Verfassung sei.
Carter kam am Montag auch mit den Eltern des Soldaten zusammen. Hamas
verlangt für die Freilassung Schalits, dass mehrere hundert
palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen
freikommen. Die mangelnde Kommunikation zwischen Israel und der Hamas
habe die Rückkehr Schalits verzögert, erklärte Carter.
Zwischen der israelischen Regierung und der Hamas gibt es indirekte
Gespräche über eine Freilassung Schalits unter
ägyptischer Vermittlung.
Bei einem Schusswechsel mit israelischen Soldaten ist im Norden des
Gazastreifens ein Hamas-Kämpfer getötet worden. Der Vorfall
ereignete sich nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte
in der Nähe von Beit Hanun, als israelische Soldaten das Feuer
gegen den Mann eröffneten. Der Getötete war demnach ein
Mitglied der Essedin-el-Kassam-Brigaden, dem bewaffneten Arm der Hamas.
Die israelische Armee bestätigte den Schusswechsel. Demnach wurden
zudem aus dem Gazastreifen drei Raketen auf israelisches Territorium
abgefeuert, ohne dass Menschen verletzt worden seien.
Die Organisation Palästinensisches Zentrum für Menschenrechte
(PCHR) teilte mit, dass ein vor zwei Wochen im Gazastreifen
getöteter palästinensischer Vierjähriger nicht, wie zuvor
angenommen, durch Schüsse israelischer Soldaten getötet
wurde. Der Junge sei durch die Explosion einer Granate ums Leben
gekommen, die radikale Palästinenser abgefeuert hätten. Der
Vorfall hatte sich am 6. April im Flüchtlingslager von Bureidsch
ereignet.
boa (Quellen: ap, dpa, rtr)
Beobachter sprechen von massivem Wahlbetrug in Simbabwe
Di.22.04.08 - Die Neuauszählung der Wahlergebnisse in Simbabwe ist Beobachtern
zufolge von massiven Unregelmäßigkeiten begleitet. Sie habe
persönlich gesehen, wie Wahlurnen manipuliert worden seien, sagte
die südafrikanische Wahlbeobachterin Dianne Kohler-Barnard am
Montag. Sie und ihre Kollegen seien mitunter vorsätzlich zu
falschen Orten transportiert worden, um die Kontrolle der
Auszählung zu erschweren.
All dies spreche für eine konzertierte Aktion, die Ergebnisse so
zu fälschen, dass Präsident Robert Mugabe letztlich als
Sieger dastehe, sagte die Abgeordnete der oppositionellen
Demokratischen Allianz in Südafrika. Die Wahlkommission
kündigte unterdessen an, dass die Neuzählung nicht drei Tage,
sondern vermutlich eine Woche dauern wird, wie die staatliche Zeitung
«Herald» berichtete.
Die Regierung war bei der Parlamentswahl am 29. März knapp
unterlegen. Die Ergebnisse der zeitgleichen Präsidentschaftswahl
wurden bislang nicht bekanntgegeben. Die Neuauszählung der Stimmen
in 23 Wahlkreisen könnte dazu führen, dass Mugabes Partei
ZANU-PF doch noch zur Wahlsiegerin erklärt wird. Der seit 28
Jahren regierende Mugabe klammert sich in dem verarmten Land an die
Macht.
Unterdessen häufen sich die Berichte über Gewalt und
Unterdrückung von Oppositionellen. 3.000 Familien sollen mit
politisch motivierter Gewalt aus ihren Häusern vertrieben worden
sein. Bis zu 500 Menschen wurden nach Oppositionsangaben verletzt, zehn
sogar getötet.
Der britische Außenminister David Miliband beschuldigte Mugabe,
Gewalt zu schüren, um sich den Wahlsieg rechtswidrig zu ergattern.
Die Nachbarländer Simbabwes rief er dazu auf, massiven Druck auf
die Regierung in Harare auszuüben, um diese zu demokratischem
Handeln zu zwingen. Als beispielhaft lobte Miliband die
südafrikanischen Hafenarbeiter, die sich in Durban geweigert
hatten, ein chinesisches Schiff mit Waffen für Simbabwe zu
entladen.
Die südafrikanischen Gewerkschaften kündigte eine Ausweitung
ihrer Kampagne gegen Waffenlieferungen an das nördliche
Nachbarland an. Sie befürchten, dass die Geschosse gegen die
Opposition in Simbabwe eingesetzt werden könnten. Ein Gericht in
Durban hatte den Waffentransport am Freitag untersagt und dem Boykott
damit neuen Auftrieb gegeben. Nachdem auch Mosambik ein Andocken
ablehnte, wurde das Schiff am Montag auf dem Weg nach Angola vermutet.
(Quelle: ap)
Somalia: Hunderte fliehen aus Mogadischu
Di.22.04.08 - Nach den blutigen Kämpfen vom Wochenende sind am Montag hunderte
Menschen aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu geflohen. Die
Bewohner der Stadt flohen teils bepackt mit ihrem gesamten Hab und Gut
zu Fuß, mit dem Auto oder mit Eselskarren. Die Menschen nutzten
die relative Ruhe des Montags, da sie weitere schwere Kämpfe
befürchteten. In der Stadt waren immer wieder vereinzelt
Gewehrsalven zu hören, zahlreiche Leichen wurden von
Angehörigen in den Straßen geborgen.
Bei den Gefechten islamischer Aufständischer mit äthiopischen
Soldaten sind am Wochenende nach Angaben einer
Menschenrechtsorganisation mindestens 81 Menschen getötet worden,
über 100 sollen verletzt worden sein, darunter viele Zivilpersonen.
Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Zentralregierung mehr,
Islamisten haben wiederholt versucht, die Kontrolle in dem Land am Horn
von Afrika an sich zu reißen. Anfang 2007 kämpften
somalische Truppen mit Unterstützung äthiopischer Soldaten
gegen die Machtübernahme radikaler Islamisten im ganzen Land. Die
äthiopischen Truppen unterstützen seitdem die somalische
Übergangsregierung.
(Quelle: ap)
Zu wenige Mädchen in Afghanistan gehen zur Schule
Di.22.04.08 - In Afghanistan stellen Mädchen nur 35 Prozent aller Schüler.
Die Hilfsorganisation Care International erklärte am Montag, zwar
wachse die Zahl der Schüler insgesamt. Der Anteil der Mädchen
bleibe jedoch unverändert. Es gebe zu wenige Lehrerinnen und zu
viele Schulen ausschließlich für Jungen.
Unter Berufung auf Daten des Bildungsministeriums erklärte Care,
derzeit gingen 5,4 Millionen afghanische Kinder in die Schule. Ein
Drittel aller mehr als 9.000 Schulen seien für Jungen reserviert.
Nur 28 Prozent der Lehrer seien weiblich und unterrichteten zumeist in
den Städten. Diese Faktoren zusammen bewirkten, dass viele Eltern
ihre Töchter nicht zur Schule schickten. «Eltern zögern,
ihre Töchter von einem Lehrer unterrichten zu lassen»,
erklärte Care in einer Stellungnahme. «Genauso zögern
sie, wenn die Schulen weit entfernt von ihrem Zuhause sind.»
Der stellvertretende Care-Direktor für Afghanistan, Jamie Terzi,
schlug vor, Eltern mit Hilfe islamischer Lehren zu überzeugen, ihre
Töchter zur Schule zu schicken. Diskussionen mit Dorfvorstehern,
Mullahs und den Eltern könnten Veränderungen
herbeiführen. Möglicherweise könnten bauliche
Veränderungen oder Veränderungen am Stundenplan vorgenommen
werden, damit Jungen und Mädchen in derselben Schule getrennt
unterrichtet werden könnten. Care ermöglicht 45.000 Kindern,
zwei Drittel von ihnen Mädchen, in 17 afghanischen Provinzen eine
Schulausbildung.
(Quelle: ap)
Afghanistans Präsident Karsai gegen Abschaffung der Todesstrafe
Di.22.04.08 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat sich gegen die
völlige Abschaffung der Todesstrafe in seinem Land ausgesprochen.
Diese sollte allerdings nur in äußerst seltenen Fällen
vollstreckt werden, sagte Karsai am Montag auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana in
Kabul. Solana sprach sich für ein Moratorium von Hinrichtungen und
letztlich für die Abschaffung der Todesstrafe aus.
Karsai erklärte, er bevorzuge lebenslange Haftstrafen, da diese
eine viel wirksamere Strafe darstellten. In schwerwiegenden Fällen
wie Morden und Entführungen von Unschuldigen werde er jedoch
Scharia-Recht anwenden und Hinrichtungen billigen. Dem Präsidenten
obliegt in Afghanistan die endgültige Entscheidung über
Exekutionen. Im Oktober 2007 wurden 15 Todesurteile vollstreckt - die
ersten seit dem Sturz der Taliban Ende 2001.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte, das
afghanische Rechtssystem garantiere keine fairen Prozesses und Urteile.
Deshalb sollte Karsai alle Hinrichtungen aussetzen.
(Quelle: ap)
Pakistan testet erneut atomwaffenfähige Langstreckenrakete
Di.22.04.08 - Pakistan hat zum zweiten Mal binnen drei Tagen eine
atomwaffenfähige Langstreckenrakete getestet. Militärangaben
zufolge kann die Rakete vom Typ Shaheen-2 mit einer Reichweite von 2000
Kilometern auch wichtige Ziele im benachbarten Indien treffen. Der
erfolgreiche Start der Rakete an einem geheimen Ort sei der
"Höhepunkt einer Militärübung gewesen", teilten die
pakistanischen Streitkräfte mit. Der Test zeige, dass die Rakete
im Kriegsfall einsatzbereit sei. Erst am Samstag hatte Pakistan eine
atomwaffenfähige Langstreckenrakete vom gleichen Typ getestet.
Der Chef der Marine, Mohammed Afsal Tahir, der bei dem Test anwesend
war, gratulierte dem Militär: "Pakistan kann stolz auf seine
Verteidigungskapazitäten und die Verlässlichkeit seiner
nuklearen Abschreckung sein." Die Shaheen-2-Rakete kann sowohl mit
konventionellen als auch mit Atomsprengköpfen bestückt
werden. Trotz eines 2004 begonnenen Friedensprozesses testen die beiden
verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan regelmäßig
Raketen.
(Quelle: afp)
Tibet-Krise: Dalai Lama bittet USA um Hilfe
Di.22.04.08 - Der Dalai Lama hat die USA um Unterstützung bei der Lösung
des Tibet-Konflikts gebeten. «In diesem Augenblick benötigen
wir Ihre Hilfe», sagte das geistliche Oberhaupt der tibetischen
Buddhisten am Montag bei einem Treffen mit der Staatssekretärin im
US-Außenministerium, Paula Dobriansky, in der Universität
von Michigan.
Dobriansky, die im State Departement für Tibet zuständig ist,
bezeichnete die Unterredung als gute Gelegenheit, um über die
Entwicklung in dem Konflikt zu sprechen. Ihre Regierung sei besorgt und
trete für einen Dialog der chinesischen Führung mit dem Dalai
Lama ein.
Der Stadtrat von Paris ernannte den Dalai Lama unterdessen zum
Ehrenbürger. Die Abgeordneten folgten damit am Montag einem Wunsch
des sozialistischen Bürgermeisters Bertrand Delanoe. Die
konservative UMP von Staatspräsident Nicolas Sarkozy lehnte die
Ehrung ab. In Frankreich war es Anfang April beim Olympischen
Fackellauf durch Paris zu massiven Protesten gegen das chinesische
Vorgehen in Tibet gekommen.
(Quelle: ap)
China startet Kampagne zur politischen Erziehung in Tibet
Di.22.04.08 - Im Kampf gegen die Autonomiebewegung in Tibet hat die kommunistische
Partei Chinas eine Kampagne zur politischen Erziehung gestartet:
Gerichtet sei sie vor allem an Funktionäre und Parteimitglieder in
der tibetischen Hauptstadt Lhasa, berichtete die amtliche Zeitung "Tibet
Daily" am Montag. Ziel sei es, "Separatismus zu bekämpfen, die
Stabilität zu schützen und die Entwicklung zu fördern".
Eine "einheitliche Denkweise" und eine "geschlossene Haltung von
Offiziellen und der Masse" sollten erreicht werden.
Auf diese Weise soll auch der Kampf gegen den Dalai Lama und seine
Anhänger intensiviert werden, den die Führung in Peking
für die jüngsten Unruhen in Tibet und Störungen der
Olympia-Vorbereitungen verantwortlich macht, wie das Blatt weiter
schreibt. Zu der auf zwei Monate ausgelegten Kampagne seien
Fernsehsendungen und organisierte Denunzierungssitzungen geplant. Die
Funktionäre und Parteimitglieder würden an ihrer Leistung
während der Kampagne gemessen.
China hat im vergangenen Monat Autonomie-Proteste in Tibet
niedergeschlagen, die von buddhistischen Mönchen ausgegangen waren.
Der im Exil lebende Friedensnobelpreisträger hat die chinesischen
Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen und mehrfach betont, ihm
gehe es nicht um staatliche Unabhängigkeit sondern um kulturelle
Autonomie der Tibeter. Zudem sprach er seine Unterstützung
für die Olympischen Sommerspiele in Peking aus.
(Quelle: rtr)
Bush verteidigt Freihandelsabkommen für Nordamerika --
Gipfeltreffen mit Kanada und Mexiko in New Orleans
Di.22.04.08 - US-Päsident George W. Bush hat das Freihandelsabkommen für
Nordamerika gegen wachsende Kritik in den drei beteiligten Staaten
verteidigt. Seit Gründung der Nordamerikanischen Freihandelszone
(NAFTA) im Jahr 1994 habe sich der Austausch von Gütern und
Dienstleistungen in der Region verdreifacht, sagte Bush bei einem
Gipfelstreffen mit den Staats- und Regierungschefs von Kanada und
Mexiko am Montag in New Orleans.
Im Präsidentschaftswahlkampf der USA haben beide demokratischen
Bewerber, Barack Obama und Hillary Clinton, von einem möglichen
Austritt aus der NAFTA gesprochen. Obama wies darauf hin, dass der
unpopuläre Vertrag in der Amtszeit von Präsident Bill Clinton
geschlossen worden sei. Dessen Frau sagte kürzlich vor Arbeitern
in Pennsylvania, sie wolle die von ihrem Mann damals gemachten Fehler
korrigieren.
Der mexikanische Präsident Felipe Calderón sagte in New
Orleans, die NAFTA werde oft missverstanden. «Ich glaube nicht,
dass die Leute erkennen, wie viele Vorteile ihnen die NAFTA gebracht
hat», sagte der rechtsliberale Politiker. Auf beiden Seiten der
Grenze zwischen den USA und Mexiko seien dadurch mehrere hunderttausend
Arbeitsplätze entstanden.
Bush setzte das zweitägige Gipfeltreffen bewusst in New Orleans
an, um ein Zeichen für den Wiederaufbau der 2005 vom Hurrikan
«Katrina» zerstörten Stadt zu setzen. Kanada wird auf
dem Gipfel von Ministerpräsident Stephen Harper vertreten.
(Quelle: ap)
EU will Beitrittsverhandlungen mit Türkei beschleunigen
Di.22.04.08 - Die Europäische Union (EU) will die seit 2005 laufenden
Beitrittsverhandlungen mit der Türkei beschleunigen. Die EU
beabsichtige, in den Verhandlungen mit der Türkei im Juni zwei
weitere Kapitel zu eröffnen, sagte EU-Erweiterungskommissar Olli
Rehn der Zeitung "Die Welt". Dabei handle es sich um die "Kapitel
Unternehmensrecht und intellektuelle Eigentumsrechte." In der zweiten
Jahreshälfte sollten dann unter französischer
Ratspräsidentschaft weitere Verhandlungskapitel hinzukommen, unter
anderem zu Energiefragen.
Es sei wichtig, dass sich die EU gerade auch in "kritischen Zeiten zur
Beitrittsperspektive der Türkei bekennt", sagte Rehn. Zugleich
forderte er weitere Reformen von der Regierung in Ankara: "Wir erwarten
Redefreiheit für alle. Wir erwarten, dass die Rechte von Frauen und
Minderheiten geschützt werden." Dies erfordere Anstrengungen,
keinen Fatalismus. "Niemand sollte sich darauf verlassen, dass die
Lösung vom Himmel fällt."
Die EU verhandelt seit 2005 mit der Türkei über einen
Beitritt. Bisher wurden erst sechs von insgesamt 35 Verhandlungskapiteln
eröffnet. Die für die zweite Jahreshälfte geplanten
Verhandlungen über Energiefragen sind aus Sicht der Türkei
besonders wichtig, die Regierung in Ankara fordert das seit mehr als
einem Jahr.
(Quelle: afp)
Türkei will Dialog mit Armenien aufnehmen
Di.22.04.08 - Die Türkei bemüht sich um einen Dialog mit der neuen
Regierung in Armenien. Der türkische Außenminister Ali
Babacan erklärte am Montag in Ankara, auf diese Weise sollten die
Beziehungen zwischen beiden Ländern normalisiert werden. Das habe
er seinem armenischen Kollegen in einem Brief geschrieben.
Die Türkei und Armenien unterhalten keine diplomatischen
Beziehungen. Armenien wirft der Türkei vor, während des
Ersten Weltkriegs rund 1,5 Millionen Armenier getötet zu haben und
spricht von einem Völkermord. Die Türkei hat die
Vorwürfe stets zurückgewiesen und die genannten Zahlen als
übertrieben bezeichnet. «Zugegeben, wir haben Probleme, von
denen einige 100 Jahre zurückreichen», erklärte Babacan
auf einer Pressekonferenz mit der österreichischen
Außenministerin Ursula Plassnik. Diese Probleme ließen sich
jedoch nur mit Hilfe des Dialogs lösen. In Armenien wurde im
Februar Serge Sarkisjan zum neuen Präsidenten gewählt.
(Quelle: ap)
Italienische Lega Nord erhält vier wichtige Ministerposten
Di.22.04.08 - Die rechtspopulistische italienische Partei Lega Nord soll nach den
Worten ihres Vorsitzenden Umberto Bossi mit vier wichtigen
Ministerposten in der neuen Regierung von Silvio Berlusconi bedacht
werden. Er selbst werde das Reformministerium übernehmen, sagte
Bossi der Nachrichtenagentir Ansa nach einem Treffen mit Vertretern
rechter Parteien auf dem Anwesen des früheren und zukünftigen
Regierungschefs Berlusconi nahe Mailand. Auch das Innen- und das
Landwirtschaftsministerium gehen laut Bossi an seine Partei sowie einer
der Vizeregierungschef-Posten.
Die Menschen hätten die Lega Nord für die Themen Reformen,
Sicherheit, Verteidigung und Landwirtschaft gewählt, sagte Bossi.
Diese Menschen müssten Antworten bekommen.
Neuer Innenminister soll laut Bossi Roberto Maroni werden, der dieses
Amt bereits in der ersten Berlusconi-Regierung 1994 inne hatte. Das
Landwirtschaftsministerium soll demnach an Luca Zaia gehen, den
Vizepräsidenten der Regionalregierung von Venetien, einer Hochburg
der Lega Nord. Einer der Vizeregierungschefs soll Roberto Calderoli
werden, der in der vorigen Regierung Berlusconi Reformminister gewesen
war.
Die vor allem für fremdenfeindliche Parolen bekannte Lega Nord
hatte ihren Stimmenanteil bei der Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag
verdoppelt. Insgesamt erhielt Berlusconis rechtsgerichter Block 65,3
Prozent der Stimmen, das Mitte-links-Bündnis um die Demokratische
Partei von Walter Veltroni kam auf nur 30,4 Prozent.
(Quelle: afp)
Globaler Kampf gegen höhere Lebensmittelpreise
Di.22.04.08 - Im Kampf gegen die weltweit drastisch steigenden Lebensmittelpreise
werden auch in Deutschland die Rufe nach einer Agrarwende lauter.
Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) legte am
Montag einen «Neun-Punkte- Plan» vor.
Dieser schlägt unter anderem einen vorübergehenden Stopp der
Verwendung von Getreide und Ölfrüchten zur Produktion von
Agrartreibstoffen vor. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte mit
Blick auf die Lebensmittelpreise vor einer Eskalation der Gewalt.
«Wenn wir diese Krise nicht richtig angehen, könnte sie eine
Kaskade von anderen auslösen», sagte Ban am Sonntag bei der
Eröffnung der 12. UN-Konferenz zu Handel und Entwicklung (UNCTAD)
in der ghanaischen Hauptstadt Accra.
Auch Agrarminister Horst Seehofer (CSU) bekräftigte seine
Forderung einer Wende der Agrarpolitik. Der einzige Ausweg aus der
Krise sei eine höhere Nahrungsmittelproduktion. Der Preisindex
für Nahrungsmittel stieg nach Zahlen der
Welternährungsorganisation (FAO) von März 2007 bis März
2008 um 57 Prozent. Darauf verwies das Entwicklungsministerium. Bei
Reis habe die Steigerung allein in den vergangenen beiden Monaten 75
Prozent und bei Weizen im vergangenen Jahr 120 Prozent betragen. Der
Anstieg treffe vor allem die Ärmsten der Armen. Bereits heute
litten 850 Millionen Menschen an Hunger.
Die Welthungerhilfe setzt zur Bekämpfung der Lebensmittelkrise vor
allem auf eine wirtschaftlichere Nutzung der Landwirtschaft in den
Entwicklungsländern. Die Vorsitzende Ingeborg Schäuble
erklärte, die Lösung liege nicht darin, «dass wir im
Norden Überschüsse produzieren und diese dann erneut zu
billigen subventionierten Preisen in die Entwicklungsländer
schicken». Die Vergangenheit habe gezeigt, dass so die
Märkte dort und die Existenz vieler Kleinbauern zerstört
würden.
Das Entwicklungsministerium bezeichnete es als «wichtigstes
Ziel», die Produktivität bei der Lebensmittelherstellung in
den ärmeren Ländern möglichst umgehend deutlich zu
steigern. Außerdem müsse am Ziel des endgültigen Abbaus
von Exportsubventionen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO)
festgehalten werden. Dieser Vorschlag fand auch Anklang bei Seehofer.
Der Grünen-Bundesvorstand kritisierte die Agrarpolitik der EU und
Nordamerikas. Durch deren Zollbestimmungen und Exportsubventionen sei
die Landwirtschaft in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern
geschwächt oder sogar zerstört worden, heißt es in
einem am Montag gefassten Beschluss. Der Geschäftsführer der
Verbraucherorganisation Foodwatch, Thilo Bode, bemängelte in der
ARD, die Industrieländer subventionierten jeden Tag ihr
Agrarsystem mit einer Milliarde Dollar.
Ban forderte, die reichen Länder sollten ihre Agrarsubventionen
überdenken. Es müsse neue Ideen geben, wie die ärmsten
Länder am Wohlstand teilhaben könnten. Nirgends seien die
Herausforderungen größer als in Afrika, sagte Ban und
verwies darauf, dass einige Länder bereits begonnen hätten,
den Export von Reis und Weizen einzuschränken. Die reichen
Länder müssten die Versorgung der «Ärmsten der
Armen» mit Grundnahrungsmitteln sicherstellen. «Um der
Lebensmittelkrise langfristig zu begegnen, muss die Produktion von
Nahrungsmitteln gesteigert werden», sagte Ban.
(Quelle: dpa)
Abschaffung von Subventionen für Biosprit gefordert --
Entwicklungsbank will Bauern selbst über Anbau entscheiden lassen
Di.22.04.08 - Angesichts der gestiegenen Nahrungsmittelpreise hat die Asiatische
Entwicklungsbank (ADB) die Industriestaaten zur Abschaffung von
Subventionen für Biosprit aufgefordert. Biosprit müsse von den
Regierungen weltweit neu untersucht werden, weil nicht klar sei, wie
umweltfreundlich er tatsächlich sei, erklärte der
geschäftsführende Direktor der ADB, Rajat Nag, am Montag in
Singapur. Seine Produktion zerstöre Wälder und reduziere die
Flächen, die für den Anbau von Lebensmitteln zur
Verfügung stünden.
«Wir glauben, dass die Industriestaaten das Thema Biosprit
ernsthaft überdenken sollten, besonders die
Biosprit-Subventionen», sagte Nag der Nachrichtenagentur AP.
«Subventionen für Biotreibstoffe wirken wie eine Steuer auf
Grundnahrungsmittel.» Nag nannte keine Beispiele. Zu den
Ländern, die Biosprit subventionieren, gehören die Vereinigten
Staaten, die weltweit der größte Hersteller von Ethanol
sind. «Wir glauben, dass es wichtiger ist, die Bauern in den
Industriestaaten selbst entscheiden zu lassen, was sie anbauen.»
Diese Entscheidung müsse auf den internationalen Marktpreisen
beruhen, nicht auf subventionierten Preisen.
Nag forderte die Regierung angesichts der steigenden Preise auf, keine
Höchstgrenzen für die Lebensmittelpreise zu verhängen und
auch keine Exportverbote. Solche Maßnahmen seien kontraproduktiv.
Preiskontrollen führten nur dazu, dass die Bauern weniger
anbauten. Stattdessen sollten die Regierungen ihre Bauern mit
Einkommenshilfen unterstützen. Die ADB sei bereit, dafür
Kredite zur Verfügung zu stellen.
(Quelle: ap)
Klimawandel hat weitreichende Folgen für Bauern
Di.22.04.08 - Der weltweite Klimawandel hat nach Einschätzung des Deutschen
Wetterdienstes (DWD) weitreichende Folgen für die Bauern. «80
Prozent der Ernteerträge bei uns hängen vom Wetter ab»,
sagte der Präsident des DWD, Wolfgang Kusch, in einem
Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
«Wenn die Befunde, die wir jetzt schon haben, sich nochmal durch
verbesserte Modelle regional verfestigen, wird man sehr, sehr ernsthaft
darüber nachdenken können, wie die Landwirtschaft sich an
diese Bedingungen anpassen muss.» Wassermangel werde zunehmend ein
Problem. Außerdem müsse Saatgut entwickelt werden, das gegen
Trockenheit widerstandsfähig sei.
Wenn es genügend Wasserquellen gebe, sei bis zu einem gewissen
Grad auch eine Beregnung möglich, sagte Kusch. «Nur: Wir
müssen auch das Wasser verfügbar haben.» Das
Wasserproblem trete derzeit noch in den Hintergrund. «Das wird
auch eines der beherrschenden Themen zukünftig sein, dass wir uns
nicht Gedanken machen über zu viel Wasser, sondern über zu
wenig Wasser.» Die Trinkwasserversorgung müsse weiter
sichergestellt werden. In Brandenburg seien die Böden zum Beispiel
bereits durchlässig. Wenn Trockenheit dazukomme und sich
verstärke, gebe es «ein richtiges Problem».
Die Tier- und Pflanzenwelt in Deutschland hat sich nach Angaben des DWD
bereits verändert. Zecken seien wegen der Erwärmung von
Süd nach Nord und in der Höhe auf dem Vormarsch. Auch die hoch
allergene, wärmeliebende Ambrosia-Pflanze breite sich aus. Der
DWD-Präsident rechnet aber nicht damit, dass sich Deutschland
drastisch verändern wird. «Wenn es uns gelingt, den
anthropogenen (vom Menschen erzeugten) Klimawandel zu stoppen und wir
tatsächlich bei zwei Grad landen, dann wird Deutschland sich nicht
grundsätzlich verändern.» Die UN wollen die
Erderwärmung bis 2100 auf zwei Grad begrenzen. Die mittlere
Jahrestemperatur kann bis dahin laut Modellen aber um bis zu vier Grad
steigen.
Der DWD will die Pollenvorhersage für Allergiker verbessern.
«Wir sind dabei, die Pollenvorhersage auf völlig neue Beine
zu stellen», sagte Kusch. Die automatische Messung der Pollen
werde vorangetrieben. Ein Gerät sei produktionsreif, mit dem in
Echtzeit eingefangene Pollen ausgewertet werden könnten.
«Dieses Messergebnis werden wir koppeln mit einem
Ausbreitungsmodell, was in Zusammenarbeit mit dem Wetterdienst von der
Universität Karlsruhe entwickelt wird.» Der Start soll
möglichst 2009 sein. «Das wird eine neue Qualität
haben.»
(Quelle: dpa)
Ölpreis steigt und steigt
Di.22.04.08 - Ein Ende der Rekordjagd beim Ölpreis ist nicht abzusehen: Ein
Barrel (159 Liter) Leichtöl zur Auslieferung im Mai kostete am
Montagmorgen in Singapur mehr als 117 Dollar. Der Preis im
elektronischen Handel stieg zwischenzeitlich auf 117,40 Dollar, nachdem
ein japanischer Öl-Tanker vor der Ostküste des Jemen von
Unbekannten attackiert und beschädigt worden war. Damit lag der
Ölpreis 51 Cent über dem Preis von 117,20 Dollar zu
Handelsschluss am Freitag.
Als weitere Gründe für den Preisanstieg nannten Analysten den
Angriff einer Rebellengruppe auf eine wichtige Ölpipeline in
Nigeria Ende der vergangenen Woche sowie Äußerungen der
Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC) vom Wochenende.
Demnach ist mit einem weiteren Preisanstieg zu rechnen, aber keine
Steigerung der Produktion vorgesehen. Außerdem treibt der schwache
US-Dollar Investoren in sichere Anlagen wie Öl und Gold.
Der OPEC-Generalsekretär Abdullah al Badri hatte am Sonntag
erklärt, der derzeitige Preis habe nichts mit Fundamentaldaten zu
tun. Bis am Markt aber wieder andere Faktoren zum Tragen kämen,
«werden wir Preise sehen, die über den aktuellen
liegen». Die OPEC sei bereit, die Produktion zu steigern, wenn die
Ursache für den Preis Versorgungsengpässe seien. Er glaube
jedoch nicht, dass mehr Öl die hohen Preise drücken
würde.
(Quelle: ap)
Energiewirtschaft sagt steigende Strompreise voraus -- Verteuerung von
etwa 6 Prozent erwartet -- Kritik an Diskussion um Kraftwerke
Di.22.04.08 - Verbraucher in Deutschland müssen sich auf weiter steigende
Strompreise einstellen. Die Verteuerung könnte 2008 bei
durchschnittlich etwa 6 Prozent liegen, teilte der Bundesverband der
Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Montag zum Auftakt der Hannover
Messe mit. Auch der Gaspreis werde sich auf hohem Niveau halten oder
noch steigen.
Der Strompreis für einen deutschen Musterhaushalt wird in diesem
Jahr laut BDEW-Schätzung um durchschnittlich 6 Prozent klettern.
Ein Grund seien die durch die Verteuerung von Rohstoffen gestiegenen
Großhandelsmarktpreise. Zur genauen Entwicklung des Gaspreises
machte der Verband keinen Angaben.
Die Energiewirtschaft hat im vergangenen Jahr 8,5 Milliarden Euro
investiert und will ihre Ausgaben weiter steigern. Die Branche
investiere damit überdurchschnittlich in den Standort Deutschland,
teilte der BDEW mit.
Die Gaswirtschaft hat ihre Investitionen 2007 demnach auf gut 1,8
Milliarden Euro gesteigert, die Strombranche voraussichtlich auf 6,7
Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sei mit einem weiteren Anstieg im
Strombereich auf 8,9 Milliarden Euro zu rechnen.
Unklar ist nach Worten von BDEW-Präsident Michael Feist, ob die
Branche die geplanten Investitionen in vollem Umfang durchführen
kann: «Denn die Rahmenbedingungen sind unsicher.» Die
derzeitige Diskussion etwa um Kohlekraftwerke versunsichere Investoren.
Die Energiewirtschaft vermisse ein übergreifendes
energiepolitisches Gesamtkonzept, das länger als nur eine
Legislaturperiode Bestand habe, sagte Feist. Er warnte aber vor einer
Überregulierung des Marktes.
Derzeit sind nach Verbands-Schätzungen insgesamt 60
Kraftwerksprojekte mit einer Gesamtkapazität vor rund 34.500
Megawatt in Planung, die bis 2018 in Betrieb gehen sollen. Darin sind
nur Vorhaben enthalten, die über 20 Megawatt verfügen. Die
Investitionssumme dafür liegt bei 38 Milliarden Euro. Davon sind
bereits 24 Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 11.500 Megawatt und
einem Volumen von knapp 13 Milliarden Euro im Bau.
(Quelle: ap)
Discounter erwartet Verteuerung von Lebensmitteln
Di.22.04.08 - Die Verbraucher in Deutschland müssen sich ungeachtet der
jüngsten Preissenkungen bei Milchprodukten auf einen weiteren
Anstieg der Lebensmittelpreise einstellen.
Der Aufsichtsratschef von Lidl und Kaufland, Klaus Gehrig, sagte der
"Bild"-Zeitung vom Montag, in den nächsten Monaten werde es einen
Preisschub geben. "Die Markenartikler, die sich bislang noch
zurückgehalten haben, werden jetzt nachziehen", sagte Gehrig. Die
Preise könnten zwar schwanken, wie aktuell der Milchpreis. Die
Zeit dauerhafter Preissenkungen sei jedoch vorbei.
Am Montag senkten Lidl und Konkurrent Aldi ihre Milchpreise bundesweit
um 12 Cent auf 61 Cent pro Liter. Der Bauernverband kritisierte dies
als völlig falsches Signal. Aldi nutze dabei aus, dass es im
Frühjahr bei Milch ein höheres Angebot gebe, sagte der
Generalsekretär des Bauernverbands, Helmut Born, dem MDR. Im Trend
werde der Milchpreis aber weiter steigen. Er rechne damit, dass andere
Discounter den Milchpreis ebenfalls senken würden. Die Bauern
bräuchten jedoch höhere Preise, auch bei Milch. "Wir haben
Kostensteigerungen, die müssen abgedeckt werden", sagt Born.
Die Verbraucherpreise waren vor allem wegen der Preissteigerungen bei
Energie und Lebensmitteln zuletzt um 3,1 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr gestiegen. Im März verlangten die Hersteller von
Lebensmitteln nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 10,1
Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Milch und Milchprodukte waren sogar
23 Prozent teurer als im Vorjahr. Die Steigerungen bei den
Erzeugerpreisen für Lebensmittel auch lagen weit über dem
Anstieg der allgemeinen Erzeugerpreise von 4,2 Prozent.
(Quelle: rtr)
Konsum bleibt Sorgenkind der Wirtschaft
Di.22.04.08 - Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln drücken auf die
Stimmung der Konsumenten und trüben den Ausblick für das
Wirtschaftswachstum in diesem Jahr.
Dabei sind die Firmen optimistisch und fast jedes zweite deutsche
Unternehmen rechnet trotz reduzierter Wachstumsprognosen mit guten
Geschäften, ergab eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW). Die deutsche Wirtschaft werde derzeit von
den Investitionen der Unternehmen und dem Export getragen.
Das Bundesfinanzministerium ist besorgt über Preissteigerungen und
die sinkende Kaufkraft der Verbraucher. Allerdings ist der Preisschock
nach der Mehrwertsteueranhebung vom Januar 2007 laut Bundesbank
ausgestanden. Unternehmen und Einzelhändler hätten die
höheren Steuersätze inzwischen weitgehend an die Konsumenten
weitergegeben, lautet das Fazit einer Bundesbank-Studie.
Die bessere Lage am Arbeitsmarkt und die steigenden Löhne haben
laut Finanzministerium die Voraussetzungen für eine Belebung des
privaten Konsums im weiteren Jahresverlauf gelegt. «Ein weiterer
starker Preisanstieg würde jedoch dämpfend wirken»,
warnt das Ministerium. Die Teuerungsrate schwankt seit Monaten wegen
steigender Energie- und Lebensmittelpreise um die Drei-Prozent-Marke
und hatte im März 3,1 Prozent betragen. Der Konsum macht zwei
Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Seine Belebung gilt als
Voraussetzung für ein robustes Wirtschaftswachstum in diesem Jahr.
Die Bundesbank erwartet etwa 1,5 Prozent, die meisten Volkswirte 1,8
Prozent. Das Kölner IW sagt für 2008 ein Wachstum von 1,7
Prozent voraus.
«Als Wachstumsmotor erwies sich einmal mehr die Industrie»,
schrieb die Notenbank in ihrem Monatsbericht über das erste
Quartal. Auch das Baugewerbe habe nach einem insgesamt schwachen Jahr
2007 zuletzt wieder Boden gutgemacht haben. «Die Exporte
entwickelten sich nach der Jahreswende weiterhin günstig»,
schreibt die Bundesbank.
Rund 46 Prozent von 2000 Firmen, die vom IW befragt wurden, sind
optimistisch, dass die Konjunktur in diesem und im nächsten Jahr
dynamisch bleibt. «Diese Ergebnisse untermauern unsere
Einschätzung, dass ein Einbruch der Investitionstätigkeit bis
Ende 2009 nicht zu erwarten ist», sagte IW-Direktor Michael
Hüther am Montag in Berlin. Rund 37 Prozent der Firmen wollten
mehr investieren.
Wegen der weltweiten Finanzkrise, hoher Rohstoffkosten und des starken
Euro im Vergleich zum US-Dollar verliere der Aufschwung insgesamt an
Tempo. Es drohe aber kein Absturz in eine Rezession, sagte Hüther.
Gut jedes dritte Unternehmen wolle neue Arbeitsplätze schaffen -
dadurch würden mehr Menschen Geld in den privaten Konsum stecken.
Negativ wirke sich die hohe Teuerung aus. Im Jahresschnitt rechnet das
IW mit einer Inflation von 2,5 Prozent. «Erst im Jahr 2009 wird
die 2-Prozent-Marke wieder leicht unterschritten», sagte
Hüther.
Das Bundesfinanzministerium spricht von einer «nach wie vor
intakten konjunkturellen Grunddynamik». Zum Jahresanfang habe die
deutsche Wirtschaft deutlich an Fahrt gewonnen und sei stärker
gewachsen als erwartet. Allerdings könnte das Wachstumstempo im
Jahresverlauf langsamer werden.
Nach der Mehrwertsteuererhöhung vom Jahresbeginn 2007 um drei
Punkte auf 19 Prozent haben Unternehmen und Einzelhändler die
höheren Steuersätze inzwischen weitgehend an die Konsumenten
weitergegeben, lautet das Fazit einer Untersuchung der Bundesbank. Ein
weiterer Inflationsschub sei nicht mehr zu erwarten. Anders als bei der
Euro- Bargeldeinführung 2002, die eine «Teuro»-Debatte
auslöste, beobachteten die Experten keine überzogenen
Preissprünge. Der Effekt der Mehrwertsteuererhöhung auf die
Inflationsrate sei 2007 insgesamt geringer ausgefallen als
befürchtet - rein rechnerisch war ein Anstieg um 1,4 Prozent
erwartet worden.
(Quelle: dpa)
Unionsfraktion für stärkeres Sparen im Sozialetat
Di.22.04.08 - Die Unionsfraktion hat stärkere Sparanstrengungen im Sozialetat
empfohlen.
"Finanzminister (Peer) Steinbrück muss die Möglichkeiten
ausschöpfen, die in den größten Einzeletats sind", sagte
der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion,
Norbert Röttgen, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vom
Montag. Der Finanzminister hätte sich bei seinem jüngsten
Sparappell besser an den Arbeitsminister wenden sollen. Mit Blick auf
den Etat des Bundesarbeitsministers merkte Röttgen an: "Herr
(Olaf) Scholz verfügt über 50 Prozent des Etats, das
Wirtschaftsministerium über zwei Prozent. Man könnte den
Wirtschaftsetat auf null zusammenstreichen und den Zuwachs vom
Forschungsministerium oben drauf packen und die Probleme wären
nicht gelöst."
Röttgen bekannte sich aber zum Ziel des Etatausgleichs für
den Bund bis 2011. Es habe Priorität vor Ausgabenwünschen und
Steuersenkungen. Geringere Steuern blieben eine Option für die
nächste Legislaturperiode. Das "Handelsblatt" berichtete
unterdessen, das Kanzleramt wie das Finanzministerium arbeiteten an
einem Sparpaket für das kommende Jahr, das alle Ressorts betreffe.
"Alle Ministerien müssen einen Sparbeitrag leisten, damit politisch
gewollte Projekte wie die Erhöhung der Forschungsausgaben und
zusätzliche Entwicklungshilfe finanziert werden können",
zitierte die Zeitung Quellen in der Spitze des Finanzministeriums.
Steinbrück hatte kürzlich einen Streit innerhalb der
Koalition ausgelöst, indem er seinen Ministerkollegen in den
Ressorts Wissenschaft, Verkehr, Entwicklungshilfe und Wirtschaft
öffentlich wegen zu hoher Etatanmeldungen für 2009 vorgeworfen
hatte, "den Bogen überspannt" zu haben. Er hatte ihnen daraufhin
angedroht, ihnen Haushalte ohne ihre Mitwirkung zuzuweisen.
(Quelle: rtr)
Koalition stellt Konzept für Mitarbeiterbeteiligung vor
Di.22.04.08 - Nach wochenlangen Verhandlungen hat sich die Große Koalition auf
ein Konzept zur stärkeren Beteiligung von Arbeitnehmern am eigenen
Unternehmen verständigt. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD),
CSU-Chef Erwin Huber und der nordrhein-westfälische Sozialminister
Karl-Josef Laumann (CDU) stellten die Eckpunkte am Montag in Berlin
vor. Danach sollen unter anderem der Steuerfreibetrag erhöht und
die Förderung über die vermögenswirksamen Leistungen
verbessert werden. Auch das von der SPD verfochtene Fondsmodell findet
sich wieder.
Die Eckpunkte der Arbeitsgruppe würden kommenden Montag im
Koalitionsausschuss vorgelegt, kündigte Huber an. Das Gesetz soll
noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden. Scholz nannte es
vorstellbar, das Gesetz Anfang 2009 wirksam werden zu lassen.
Er begründete das Vorhaben damit, dass Deutschland bei der
Mitarbeiterbeteiligung international hinterherhinke. Die Gewinne der
Unternehmen seien in den letzten Jahren gestiegen, aber nicht der
Anteil der Beschäftigten. Er setze darauf, dass es mit dem
«innovativen» und unbürokratischen Modell gelinge,
eine Trendwende zu erreichen. Die Beteiligungen seien zusätzlich
und freiwillig und kein Ersatz für die Altersvorsorge.
Vorgesehen ist unter anderem, die Arbeitnehmer-Sparzulage für
vermögenswirksame Leistungen, die in Beteiligungen angelegt
werden, von 18 auf 20 Prozent anzuheben. Zugleich wird die
Einkommensgrenze dafür von 17.900/35.800 Euro
(Ledige/Verheiratete) auf 20.000/40.000 Euro erhöht. Im
Einkommensteuergesetz soll der Freibetrag für eine
Mitarbeiterbeteiligung von 135 auf 360 Euro im Jahr erhöht werden.
Zugleich entfällt die Bedingung, dass der Arbeitnehmer sich in
gleicher Höhe des Arbeitgeberzuschusses aus eigener Tasche
beteiligt. Den Staat werden die Steuerausfälle
schätzungsweise 300 Millionen Euro kosten.
Neben direkten Beteiligungen am Unternehmen werden künftig auch
Beteiligungen über Fonds beispielsweise für einzelne Branchen
gefördert, die Mittelstandsfirmen Beteiligungsmodelle
ermöglichen sollen. Diese Fonds müssen garantieren, dass 75
Prozent des Geldes in die beteiligten Unternehmen
zurückfließen.
Huber sprach von einem kräftigen Impuls für das Ziel, aus
Arbeitnehmern Mitunternehmer zu machen. Für die Union habe im
Vordergrund gestanden, relativ unkompliziert direkte Beteiligungen zu
ermöglichen und keine zusätzlichen Rechtsformen zu schaffen.
Er setze darauf, dass der Anreiz, 360 Euro jährlich steuer- und
abgabefrei anzulegen, vor allem von Beziehern unterer und mittlerer
Einkommen angenommen werde.
Laumann äußerte sich sehr zufrieden damit, dass ein
«gewaltiger Schritt» erreicht sei. Wichtig sei, dass die
Beteiligung für die gesamte Belegschaft gleich gelte und keine
Form der Entgeltumwandlung, sondern eine zusätzliche Leistung sei.
Die Väter des Modells räumten allerdings auch ein, dass ins
eigene Unternehmen gestecktes Geld auch verloren sein kann, wenn die
Firma pleite geht. «Prinzipiell ist diese Beteiligung mit einem
Risiko verbunden», sagte Huber. «Es gibt keine Rose ohne
Dornen», meinte Laumann. Bei Fonds sei das Risiko gestreut und
daher geringer, erklärte Scholz.
(Quelle: ap)
Arbeitgeber gegen Pläne zur Mitarbeiterbeteiligung -- Hundt sieht
Beschäftigte von Kapitalgesellschaften im Vorteil -- Lob von
Gewerkschaft
Di.22.04.08 - Die Arbeitgeber haben die Koalitionspläne für eine Ausweitung
der Mitarbeiterbeteiligung kritisiert. Die Vorschläge seien kaum
geeignet, die Mitarbeiterkapitalbeteiligung in Deutschland
voranzubringen, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der
Tageszeitung «Die Welt» laut einer Vorabmeldung. «Von
der höheren Förderung werden fast ausschließlich
Beschäftigte von Kapitalgesellschaften profitieren, die schon
heute eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung anbieten.»
Diejenigen, die einen Teil ihres Lohnes in den eigenen Betrieb
investierten, würden künftig aber nicht mehr gefördert,
bemängelte Hundt. Für die große Mehrheit der
Beschäftigten in klein- und mittelständischen Unternehmen
werde das Modell nicht wirksam. «Es ist für ein Unternehmen
kaum attraktiv, 100 Prozent in einen Fonds zu investieren, von dem
anschließend nur 75 Prozent in den Betrieb
zurückfließen.»
Zustimmung zu dem Mitarbeiterbeteiligungskonzept kam dagegen von der
Arbeitnehmerseite. Von einem «ersten Schritt in die richtige
Richtung», sprach Hubertus Schmoldt, Chef der
Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Man müsse aber
abwarten, ob die steuerliche Förderung ausreiche. Er lobte vor
allem die vorgesehene Mitarbeiterbeteiligung über branchenbezogene
Fonds. «Die Fonds dürfen aber nicht zulasten von
Tariferhöhungen gespeist werden.»
(Quelle: ap)
Bundessozialgericht fordert Sicherung des Existenzminimums bei
ALG-II-Berechnung
Di.22.04.08 - Das Bundessozialgericht hat die Berechnung des Arbeitslosengeldes II
für teilweise fehlerhaft erklärt. Leben Rentner mit ihrem
arbeitslosen Partner zusammen, muss bei beiden das Existenzminimum
gesichert sein, wie der Hartz-IV-Senat des BSG am Montag in Kassel auf
Anfrage zu einem am 15. April gefällten Urteil mitteilte.
Bislang ist dies nicht immer gewährleistet. Bei der Berechnung des
ALG II ermitteln die Arbeitsgemeinschaften den gemeinsamen Bedarf des
Paares und rechnen alle Einkommen - wie beispielsweise die Rente des
Partners - auf das Arbeitslosengeld an.
Diese Vorgehensweise sei zwar rechtens, urteilte der 14. Senat. Dies
dürfe jedoch nicht dazu führen, dass dem Rentner
schließlich weniger als das Existenzminimum bleibe. Im
verhandelten Fall hatte die Arge Zwickau der arbeitslosen,
61-jährigen Klägerin ALG II in Höhe von nur 52,99 Euro
zugesprochen. Denn die Behörde hatte die Rente des
schwerbehinderten Partners in Höhe von 970,45 Euro voll als
Einkommen angerechnet.
Dies führte dazu, dass der Ehemann seine Frau mit der Hälfte
seiner Rente unterstützen muss. Mit den verbliebenen 485 Euro
seiner Rente sollte er seine Lebenshaltungs- und Wohnkosten bestreiten.
Die rechnerisch verbliebene Rentenhöhe liege jedoch unter dem
Existenzminimum und sei daher nicht verfassungsgemäß,
entschieden die Richter.
Nach den gesetzlichen Regelungen kann der Rentner keine
ergänzenden Leistungen beim ALG II oder der Sozialhilfe
beanspruchen. In seinem schriftlichen Urteil will der 14. Senat
ausführen, wie das ALG II und die Berücksichtigung von Renten
berechnet werden muss, so dass das Existenzminimum der
Hilfebedürftigen gewahrt bleibt.
(Aktenzeichen: B 14/7b AS 58/06 R)
(Quelle: ap)
Krankenstand laut Bericht zurückgegangen -- Hauptgrund: Anhaltende
Angst vor Jobverlust
Di.22.04.08 - Die krankheitsbedingten Fehlzeiten in den deutschen Betrieben sind
einem Zeitungsbericht zufolge im ersten Quartal 2008 deutlich
zurückgegangen. Die Arbeitnehmer hätten in den ersten drei
Monaten in nur 3,4 Prozent der Sollarbeitszeit gefehlt, schreibt die
Zeitung «Die Welt» unter Berufung auf neueste Statistiken
des Bundesgesundheitsministeriums.
Das entspreche einem Rückgang um acht Prozent gegenüber dem
Vorjahreszeitraum (3,72 Prozent der Sollarbeitszeit) und einem
Rückgang um 20 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2005 (4,32
Prozent). Die Fehlzeiten in den ersten drei Monaten 2008 entsprechen
1,9 Arbeitstagen. Frauen waren dem Bericht zufolge mit 3,6 Prozent der
Sollarbeitszeit häufiger krank als Männer (3,3 Prozent).
Hauptgrund für die weiter rückläufigen Zahlen sei laut
Arbeitsmarktforschern die anhaltende Angst vor Jobverlust, heißt
es in dem Bericht. Die Zahl der Krankenstände ist in den
vergangenen Jahren immer mehr zurückgegangen und hatte 2007 ein
Rekordtief erreicht. Ergebnisse einzelner Krankenkassen hatten dieses
Jahr zunächst auf eine Trendwende hingewiesen.
(Quelle: ap)
Deutsche Industrie fühlt sich trotz Finanzkrise stark -- Inflation
zehrt Lohnzuwächse auf
Di.22.04.08 - Die deutsche Industrie kann der Finanzkrise dank ihrer starken Stellung
auf dem Weltmarkt bisher trotzen.
Die Grundstimmung sei robust, sagte BDI-Präsident Jürgen
Thumann am Montag auf der Hannover Messe. Ein Wirtschaftswachstum von
zwei Prozent in diesem Jahr bleibe erreichbar. Einer Umfrage zufolge
erwartet die Hälfte der Unternehmen in näherer Zukunft keinen
Konjunktureinbruch. Auch die Bundesregierung hält, wie Reuters
nach einer Expertenrunde aus mehreren Quellen erfuhr, an ihrer
Wachstumsschätzung für 2008 von 1,7 Prozent fest. Für
nächstes Jahr rechne sie aber nur noch mit plus 1,2 Prozent. Sorge
äußerten Regierung und Bundesbank über die hohe
Inflation, die den Privatkonsum dämpft.
Mit ihrer Erwartung von zwei Prozent Wachstum in diesem Jahr ist der
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) etwas optimistischer als
die Forschungsinstitute und die Regierung. Die Institute hatten in
ihrem Frühjahrsgutachten 1,8 Prozent vorhergesagt. Die Regierung
will den Kreisen zufolge knapp darunter bleiben. Thumann sagte zur
Begründung: "Aufträge und Produktion der Industrie befinden
sich auf hohem Niveau. Auch vom Außenhandel gibt es erfreuliche
Nachrichten - trotz des starken Euros." So sei die Bereitschaft der
Industrie zu Investitionen anhaltend hoch, unterstrich er.
Der Ausblick wird von einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW) untermauert. IW-Direktor Michael Hüther
sagte, fast zwei Drittel der optimistisch gestimmten Unternehmen
begründeten ihre Zuversicht mit der Wettbewerbsfähigkeit
ihres Unternehmens auf dem Weltmarkt. Dagegen geht das Vertrauen der
2000 befragten Firmen in die Weltwirtschaft deutlich zurück.
Das IW rechnet dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,7 und 2009 von 1,4
Prozent. Damit lässt das Tempo nach, der Aufschwung bleibt aber
intakt. Dem IW zufolge spiegelt sich das auch in den
Arbeitsmarktvorhersagen wider. Ein Drittel der Unternehmen will noch in
diesem Jahr mehr Personal einstellen, nur 16 Prozent planen einen
Arbeitsplatzabbau. Hüther zufolge dürfte die Arbeitslosigkeit
2008 um fast 390.000 und 2009 weiter um 90.000 auf 3,3 Millionen
Menschen im Jahresschnitt zurückgehen: Das wäre eine Quote
von 7,6 Prozent.
Als besonders erfreulich bezeichnete Hüther, dass die Industrie im
Osten mit der Entwicklung Schritt halte. Bei den
Beschäftigungserwartungen überholt sie den Westen sogar.
Ein Schwachpunkt in den Konjunkturerwartungen bleibt jedoch der private
Konsum, der unter den steigenden Preisen für Energie und
Nahrungsmittel leidet. Das IW erwartet, dass die zusätzlichen
Arbeitsplätze und damit Einkommen in diesem Jahr ihren Effekt auf
den Konsum voll entfalten können. Andere Experten bleiben
skeptisch. So schrieb das Finanzministerium in seinem Monatsbericht,
das kräftige Preisplus bei Erzeugern und Großhändlern
habe das Risiko für einen weiteren deutlichen Anstieg der
Verbraucherpreise erhöht. Dabei seien eigentlich die Bedingungen
für ein Anziehen des privaten Konsums angesichts besserer
Beschäftigung und steigender Löhne günstig.
Insgesamt bewertete das Ministerium die konjunkturelle Verfassung aber
positiv. Das Wachstum im ersten Quartal werde wohl besser ausfallen als
erwartet, dürfte sich aber im weiteren Jahr verlangsamen. Motor
der Wirtschaftsentwicklung war zu Jahresanfang nach Analyse der
Bundesbank ein weiteres Mal die Industrie. Auch das Baugewerbe
dürfte nach dem schwachen Vorjahr Boden gutgemacht haben.
Insgesamt hätten die Unternehmen ihre Investitionen
beträchtlich ausgeweitet. Nach IW-Berechnungen werden die
Investitionen 2009 um 40 Prozent über dem Niveau des Jahres 2003
liegen.
Der Bundesbank zufolge führt die Investitionsnachfrage aber auch
zu einem kräftigen Anstieg der Importe. Die werden von den
Statistikern bei der BIP-Berechnung mit den Exporten verrechnet. Unter
dem Strich dürfte damit vom Außenhandel kaum ein positiver
Wachstumsimpuls gekommen sein. Das Wachstum sei damit im ersten Quartal
voraussichtlich primär von der Inlandsnachfrage getragen worden,
erwartet die Bundesbank. Zentralbankchef Axel Weber hatte den
BIP-Zuwachs im ersten Vierteljahr jüngst auf rund 0,75 Prozent
veranschlagt. Das wäre mehr als doppelt soviel wie im Endquartal
2007 mit lediglich 0,3 Prozent - trotz Finanzkrise.
(Quelle: rtr)
Fronten im Post-Tarifstreit bleiben verhärtet
Di.22.04.08 - Im Tarif-Konflikt bei der Deutschen Post sinken die Chancen rapide,
einen unbefristeten Streik in letzter Minute abzuwenden. Ein
Verdi-Sprecher sagte am Montag, die Gewerkschaft sei nur dann zu
weiteren Gesprächen mit dem Bonner Konzern bereit, wenn dieser ein
neues Angebot vorlege. Ein Post-Sprecher betonte dagegen: "Verdi muss
sich jetzt bewegen." Die Gewerkschaft setzte ihre Warnstreiks fort und
legte nach eigenen Angaben in der Nacht neun Brief-Verteilzentren lahm.
Weitere Arbeitsniederlegungen sollen folgen. Am 2. Mai soll dann ein
unbefristeter Streik beginnen.
"Zu dem Angebot der Post kann es keine Zustimmung geben",
bekräftigte Verdi-Vizechefin Andrea Kocsis. Während die
Gewinne des Konzerns kletterten und die Aktionäre mit einer um 20
Prozent gestiegenen Dividende umschmeichelt würden, sollten die
Beschäftigten zwischen 2,5 und 3,5 Stunden pro Woche länger
arbeiten. "Das ist maßlos und ungerecht." Die Post habe eine
"attraktive, faire und verhandlungsfähige Offerte" auf den Tisch
gelegt, unterstrich dagegen der Post-Sprecher. "Auf dieser Basis kann
man miteinander reden." Presseberichte, die Post wolle ihre Offerte nun
doch nachbessern, träfen nicht zu, betonte er.
Post-Verhandlungsleiter Walter Scheurle hatte der "Süddeutschen
Zeitung" gesagt, es gebe "ein Angebot, und kein Diktat". Zugleich hatte
er das Angebot aber als Grundlage bezeichnet, "um sich zu
verständigen".
Die Tarifkommission der Gewerkschaft hatte das bestehende Tarif-Angebot
der Post am Samstag einstimmig abgelehnt, nachdem Gespräche beider
Seiten über Löhne, Kündigungsschutz und Arbeitszeit
gescheitert waren. Die Post hatte Verdi einen Ausschluss
betriebsbedingter Kündigungen bis Ende Juni 2011 und
Lohnerhöhungen angeboten, die sich in zwei Schritten auf 5,2
Prozent summieren sollen. Zugleich wollte sie die Arbeitszeiten
anheben. Dieser Wunsch ist Hauptstreitpunkt zwischen beiden Seiten.
Verdi lehnt Mehrarbeit für Angestellte und Beamte strikt ab und
fürchtet, dass dann 12.500 Stellen gestrichen werden. Zugleich
fordert die Gewerkschaft weiter sieben Prozent mehr Lohn.
In der Nacht zum Montag hatte die Gewerkschaft nach eigenen Angaben mit
Ausständen in neun der 83 Briefzentren der Post dafür
gesorgt, dass rund drei Millionen Briefe nur mit Verspätung ihre
Empfänger erreichten. Rund 800 Beschäftigte hätten die
Arbeit niedergelegt. Betroffen waren unter anderem Briefzentren in
Stuttgart, Berlin, Hamburg, Hannover und Dresden. Ein Post-Sprecher
nannte die Verdi-Angaben "übertrieben". Es hätten sich
deutlich weniger Beschäftigte an dem Ausstand beteiligt.
Auch für den heutigen Dienstag kündigte die Gewerkschaft
weitere Arbeitsniederlegungen an. In ganz Baden-Württemberg
sollten die Postfächer von Großkunden nicht geleert werden,
erklärte Verdi.
(Quelle: rtr)
FDP strebt 'Jamaika'-Koalitionen in Ländern und Bund an
Di.22.04.08 - Nach dem erfolgreichen Abschluss der schwarz-grünen
Koalitionsverhandlungen in Hamburg setzt die FDP nun vor allem auf
«Jamaika»-Koalitionen mit CDU und Grünen in
Ländern und Bund. «Rechnerisch gibt es seit Juni bei keinem
Umfrageinstitut eine Mehrheit für eine Ampelkoalition, wohl aber
für Jamaika», sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel der
«Financial Times Deutschland» (Montagausgabe). Vor allem in
Hessen stehe die FDP für eine Koalition mit der CDU und den
Grünen bereit. «Für uns ist spannend daran, wie die
Grünen eigentlich noch begründen wollen, dass sie in Hamburg
mit der CDU gemeinsame Sache machen wollen, in Hessen aber nicht.»
Die FDP will sich Niebel zufolge künftig verstärkt um mehr
Kontakte mit den Grünen konzentrieren. Er treffe sich
regelmäßig mit der Parlamentarischen
Geschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke. Auch unter
den Bundestagsabgeordneten von FDP und Grünen bestünden
regelmäßige, gute Kontakte. «Wir hätten 2005
gerne noch länger über Jamaika diskutiert, aber die CSU und
die Grünen waren es, die das nicht wollten. Ich glaube, das hat
sich, was die Grünen angeht, mittlerweile geändert»,
sagte Niebel.
Gegenüber der Union verschärfte der FDP-Generalsekretär
die kritische Haltung der FDP. «Mit Hamburg hat die Union einen
großen Schritt nach links gemacht. Das ist für uns das
Signal, jetzt noch stärker für die Mitte der Gesellschaft zu
sprechen», sagte Niebel. «Schwarz-Grün ist neu, das
ist spannend, das finden die Leute gerade schick. Für uns ist das
kein Alarmzeichen. Auf der Koalition lastet jetzt ein enormer
Erfolgsdruck.»
(Quelle: ddp)
Linke wird im Bundestag gegen neuen EU-Vertrag stimmen
Di.22.04.08 - Die Linke wird nach den Worten ihres Parteivorsitzenden Lothar Bisky am
Donnerstag im Bundestag den EU-Reformvertrag ablehnen. Dieser Vertrag
von Lissabon richte sich letztlich gegen ein soziales und friedliches
Europa, sagte Bisky am Montag in Berlin zur Begründung.
Gleichzeitig räumte er ein, dass mit dem Vertragswerk die
Europäische Union demokratischer und die Abstimmungen
transparenter würden. Doch überwögen die Nachteile im
Vertrag die Vorteile, was auch von Gewerkschaften und Friedensbewegung
so gesehen werde.
«Wir stehen mit unserer Kritik nicht allein da»,
versicherte Bisky. Daher sollten die Bürger selbst über den
EU-Vertrag abstimmen können und Deutschland nicht nur im
parlamentarischen Verfahren dem europäischen Grundlagenvertrag
seine Zustimmung erteilen. Für ein entsprechendes Referendum habe
die Linke bislang mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt.
Das Ratifizierungsgesetz steht am Donnerstag gleich zu Beginn der
Sitzung auf der Tagesordnung des Parlaments. In namentlicher Abstimmung
entscheiden die Abgeordneten über eine Vorlage der großen
Koalition, mit der von deutscher Seite die notwendigen Voraussetzungen
für das Inkrafttreten des EU-Reformvertrags geschaffen werden
soll. Der Vertrag von Lissabon, der wesentliche Teile der gescheiterten
EU-Verfassung enthält, kann aber erst nach der Ratifizierung in
allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in Kraft treten.
(Quelle: ddp)
Linkspartei: Bisky gegen Wagenknecht
Di.22.04.08 - Linke-Chef Lothar Bisky will die Europaabgeordnete Sahra Wagenknecht
nicht als Nachfolgerin der scheidenden Parteivize Katina Schubert. Er
werde dem Cottbuser Parteitag im Mai die Wahl von Halina Wawzyniak
vorschlagen, kündigte Bisky am Montag in Berlin an. Die
34-Jährige ist Justiziarin der Linksfraktion im Bundestag und
Vorsitzende des Berliner Bezirksverbandes der Linken in
Friedrichshain-Kreuzberg. Im vergangenen Jahr war sie an prominenter
Stelle mitverantwortlich für die Vereinigung der PDS mit der
linken Wahlalternative WASG zur Partei Die Linke.
Bisky wies zugleich Berichte zurück, wonach Parteichef Oskar
Lafontaine hinter einer Nominierung Wagenknechts stehen solle. Die
Parteispitze werde sich in der Personalfrage «nicht gegeneinander
in Stellung bringen lassen», sagte Bisky. Im Übrigen gebe es
bisher schon rund ein Dutzend Vorschläge für die vier
Stellvertreterposten.
Auf dem Parteitag am 24./25. Mai im brandenburgischen Cottbus will die
2007 gründete Linke ihre Führungsmannschaft neu bestimmen.
Eine Wiederwahl von Lafontaine und Bisky als Parteivorsitzende gilt als
sicher. Das wird auch für die drei der vier Stellvertreter Klaus
Ernst, Katja Kipping und Ulrike Zerhau erwartet. Die vierte
Stellvertreterin, Katina Schubert, hatte Ende Februar einen
Amtsverzicht angekündigt und dies mit Loyalitätskonflikten
als Vorstandsmitglied begründet.
(Quelle: ddp)
Justizministerin Zypries erntet Kritik für Gesetzentwurf zu
Terrorlagern
Di.22.04.08 - Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ist wegen ihres Gesetzentwurfes
zur Bestrafung von Ausbildung in Terrorlagern unter Beschuss geraten.
Union, FDP und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichneten ihre
Pläne als untauglich. Es werde schwierig genug sein, einem
Verdächtigen die Ausbildung in einem Terrorlager nachzuweisen,
sagte GdP-Chef Konrad Freiberg Reuters am Montag in Berlin. Zypries
mache darüber hinaus aber zur Bedingung, dass der Verdächtige
mit seinem Wissen tatsächlich einen Anschlag begehen wolle. "Das
wird in den meisten Fällen nicht zusammen beweisbar sein, und dann
wird es allmählich unpraktikabel", kritisierte der GdP-Chef.
"Allein die Tatsache einer Ausbildung in einem Terrorlager muss
für die Bestrafung reichen", forderte Freiberg. Schon dies stelle
die Ermittler vor Schwierigkeiten, da Informationen über
Terrorcamps in Regionen wie Pakistan meist nur vom Geheimdienst
kämen. Auch der Innenexperte der Union, Wolfgang Bosbach, nannte
die Pläne der SPD-Ministerin wenig praxistauglich. "Wir sollten
uns davor hüten, reine Symbolpolitik zu machen", sagte er der
"Neuen Osnabrücker Zeitung". Wenn Besuchern eines Terrorcamps die
Absicht eines späteren Anschlags nachgewiesen werden müsse,
werde die Strafvorschrift in der Praxis kaum eine Rolle spielen.
Darüber werde mit der SPD noch zu verhandeln sein.
Bei der Opposition stieß der Gesetzentwurf ebenfalls auf Kritik.
Die Liberalen sprachen von einer "Placebo-Gesetzgebung", die zur
Lösung der Probleme ungeeignet sei. "Ohne Mitwirkung der
Nachrichtendienste wird sich ein Tatnachweis schwer feststellen
lassen", bemängelte ihr Parlamentarischer
Geschäftsführer Jörg van Essen. Damit stelle sich die
Frage der gerichtlichen Verwertbarkeit der Erkenntnisse.
Zypries hatte den in der Regierung abgestimmten Entwurf am Montag zur
Stellungnahme an die Länder verschickt. Wer sich in einem
Terrorlager für Anschläge ausbilden lässt, soll danach
künftig mit sechs Monaten bis zehn Jahren Haft bestraft werden.
Das Gleiche gilt für Verdächtige, die Sprengstoff herstellen
oder sich Chemikalien und Bauteile für eine Bombe verschaffen. Die
Strafe droht den Verdächtigen allerdings nur dann, wenn sie mit
ihrem Wissen tatsächlich einen Anschlag verüben wollen. Kann
ihnen dies nicht nachgewiesen werden, bleibt etwa der Besuch eines
Terrorcamps straflos.
Außerdem will die Ministerin die Bestrafung von Extremisten
erleichtern, die Anleitungen zum Bombenbau ins Internet stellen oder
sie sich dort herunterladen. Ihnen drohen künftig drei Jahre Haft.
(Quelle: rtr)