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Irak am 1492sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Ministerpräsident Maliki wirft Nachbarstaaten mangelndes
Engagement für Irak vor. Irakische Truppen fordern Mahdi-Miliz in
Basra zur Aufgabe auf. Britische und amerikanische Soldaten in Basra im
Einsatz. Selbstmordattentäterin reißt neun Menschen mit in
den Tod. US-Soldat aus dem Irak erklärt sich in Mordprozess
für unschuldig
Mi.23.04.08 - Der Irak hat seinen Nachbarstaaten vorgeworfen, sich nicht ausreichend
für die wechselseitigen Beziehungen einzusetzen: Die Staaten in
der Region unternähmen zu wenig, um dem Land Schulden zu erlassen
und die Einreise von Extremisten zu verhindern, sagte
Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Dienstag bei einem regionalen
Außenministertreffen in Kuwait. Auch könne er sich nicht
erklären, warum viele der Länder keine ständigen
Botschafter in den Irak entsandt hätten, sagte Maliki. "Der Irak
ist heute ein anderes Land als früher, als er noch seine Nachbarn
angriff." Das Land sei nun dazu bereit, sich konstruktiv für
Sicherheit und Stabilität in der Region zu engagieren.
Auch US-Außenministerin Condoleezza Rice, die an der Konferenz
teilnimmt, wollte die arabischen Staaten zu einer verstärkten
Unterstützung des Irak anhalten.
Die irakischen Streitkräfte in Basra haben unterdessen den
Anführern der Mahdi-Miliz eine Frist gesetzt. General Mohan al
Freidschi sagte am Dienstag vor Journalisten, ihm lägen
Haftbefehle für 81 Menschen vor, darunter ranghohe Mitglieder der
schiitischen Mahdi-Miliz des radikalen Geistlichen Muktada al Sadr. Die
Gesuchten hätten 24 Stunden Zeit, sich zu ergeben. Die Stadt und
die umliegende Provinz sind nach Angaben des Generals wieder unter
Kontrolle der Regierung. Al Sadr wird im Iran vermutet.
In Basra unterstützen britische und amerikanische Spezialeinheiten
einem BBC-Bericht zufolge massiv den Kampf der Iraker gegen die
Schiitenmilizen. Wie BBC berichtet, wurden in den vergangenen zwei
Wochen bis zu 1000 US-Soldaten Richtung Basra verlegt. Sie seien aus
anderen Teilen des Irak und des Nahen Osten in den Südirak
geschickt worden. Besatzungsmacht dort sind die Briten.
In der irakischen Provinz Dijala hat sich eine Frau vor dem Eingang
einer Polizeiwache in die Luft gesprengt und neun Menschen mit in den
Tod gerissen. Die Polizei erklärte am Dienstag, bei den
Todesopfern handele es sich um acht Polizisten und einen kurdischen
Wachmann. Zehn weitere Menschen erlitten Verletzungen. Es war bereits
der zweite Selbstmordanschlag einer Frau in Dijala innerhalb von zwei
Tagen.
In Ramadi explodierte unterdessen ein Lastwagen an einem Kontrollpunkt.
Zwei amerikanische Marineinfanteristen und mindestens eine Zivilperson
kamen ums Leben. Drei US-Soldaten und zwei Dutzend weitere Menschen
wurden verletzt.
Ein wegen Mordes im Irak angeklagter US-Soldat hat sich zu Beginn
seines Prozesses für unschuldig erklärt. Oberfeldwebel Trey
Corrales wird vor einem Militärgericht auf Hawaii beschuldigt, am
23. Juni vergangenen Jahres in der Nähe von Kirkuk einen
unbewaffneten Iraker erschossen zu haben. Danach soll er einem anderen
Soldaten befohlen haben, weitere Schüsse auf den Mann abzugeben.
Bei einem Schuldspruch wegen Mordes muss der 35-jährige Texaner mit
lebenslanger Haft rechnen.
boa (Quelle: rtr, ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 23.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendachtundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Zahl der Gefallenen in Afghanistan erreicht 800
Mi.23.04.08 - Mit dem Tod eines britischen Soldaten ist die Zahl der
ausländischen Gefallenen im Afghanistan-Krieg auf 800 gestiegen.
Der Brite sei bei einem Anschlag im südafghanischen Helmand ums
Leben gekommen, teilte das Verteidigungsministerium in London am
Dienstag mit. Seit dem Sturz der Taliban vor sieben Jahren sind
offiziellen Angaben zufolge 494 Soldaten aus den USA gefallen, 94 aus
Großbritannien und 82 aus Kanada. Aus Deutschland stammten 26
Gefallene, aus Spanien 23, aus den Niederlanden 16 und aus anderen
Staaten 65.
(Quelle: rtr)
UN zeichnen düsteres Bild von Lage in Darfur -- Unruhen kosteten
300.000 Menschen das Leben
Mi.23.04.08 - Die Vereinten Nationen warnen vor einer weiteren Verschlechterung der
Lage in der sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur. Das Leid der
Bevölkerung sei in diesem Jahr noch größer geworden,
sagte der für humanitäre Einsätze zuständige
UN-Funktionär John Holmes. Zehntausende seien aus ihren
Häudern vertrieben worden. Die Vereinten Nationen schätzen
inzwischen, dass in den vergangenen fünf Jahren 300.000 Menschen
im Darfur-Konflikt ihr Leben verloren haben.
«Der Frieden in Darfur scheint ferner denn je zu sein»,
sagte Holmes. Ein Grund seien die Verzögerungen bei der
Stationierung der gemeinsamen Friedenstruppe von UN und Afrikanischer
Union (AU). Von 26.000 geplanten Soldaten und Polizisten sind bislang
nur etwa 9.000 eingetroffen. «Wir sind spät dran, versuchen
aber, die Bereitstellung dieser Mission zu beschleunigen», sagte
der Vertreter der gemeinsamen Friedenstruppe, Rodolphe Adada. Bis Ende
des Jahres könnten vielleicht 80 Prozent der Sollstärke
erreicht werden.
Der Einsatz stoße vielfach auf Probleme, weil die Truppen in eine
feindselige Umgebung entsandt würden, erklärte Adada. Es
fehle vor allem an Kampf- und Transporthubschraubern,
Aufklärungsflugzeugen und logistischer Unterstützung.
Auch die Bemühungen um eine politische Lösung sind kaum
vorangekommen. Seit Monaten versuchen UN und AU, neue
Friedensverhandlungen zwischen der sudanesischen Regierung und den
Rebellengruppen einzuleiten. Die meisten Rebellenführer
boykottieren jedoch Verhandlungen mit der Regierung. Von den
schätzungsweise sechs Millionen Bewohnern der Region Darfur sind
nach Angaben von Holmes 4,27 Millionen auf ernsthafte Weise von dem
Konflikt betroffen.
(Quelle: ap)
Unruhen in Südwestchina
Mi.23.04.08 - Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Bauern und der Polizei
in Südwestchina ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Mehr
als ein Dutzend weitere wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.
Örtliche Quellen bestätigten der Nachrichtenagentur dpa in
Peking telefonisch die Zwischenfälle in der Provinz Yunnan.
Hintergrund seien Landstreitigkeiten. Ein Bergbauunternehmen habe auf
dem Land der Dorfbewohner mit Grubenarbeiten begonnen. Die Menschen
gehören der Minderheit der Miao an.
(Quelle: dpa)
China und Deutschland setzen Rechtsstaatsdialog fort
Mi.23.04.08 - Deutschland und China wollen ihren Rechtsstaatsdialog fortsetzen.
Darauf verständigten sich am Montag in München
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und ihr chinesischer
Kollege Cao Kangtai. Unterdessen hält die Kritik an China mit Blick
auf die Olympischen Spiele im August in Peking an. In Wolfsburg
protestierten Exil-Tibeter gegen das Olympia-Sponsoring von VW.
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke
(CDU), betonte, es gebe international geltende Regeln, an die sich China
zu halten habe. Dies gelte erst recht, wenn "man die Welt zu
friedlichen Spielen einlädt". Der Erhalt von Kultur, Sprache und
Religion der Uiguren müsse gewährleistet werden.
Nooke sprach sich zudem für eine Aufnahme in Deutschland von 17 in
Afghanistan und Pakistan aufgegriffene und seither im US-Gefangenenlager
Guantánamo inhaftierte Uiguren aus. Eine Auslieferung nach China
sei "weit gefährlicher als Guantánamo".
Die im Exil lebende Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren,
Rebiya Kadeer, forderte die Bundesregierung auf, den Druck auf China zu
erhöhen. In einem Land, das Menschenrechte missachte, dürften
die Olympischen Spiele nicht stattfinden. In China stehe ihr Volk
generell unter Terrorverdacht, seine religiösen und kulturellen
Traditionen würden systematisch unterdrückt, sagte sie zum
Auftakt einer Konferenz in Berlin. Nach Kadeers Angaben leben in China
rund 20 Millionen Uiguren. Die Regierung spreche von 9,3 Millionen.
In Wolfsburg demonstrierten rund hundert Menschen, überwiegend
Exil-Tibeter. Auf Transparenten appellierten sie an VW: "Wer große
Ziele hat, darf nicht durch Tibet fahren!" und "Das Auto der Vernunft
fährt nicht durch Tibet!"
Sprecher des VW-Konzerns hatten bereits in der vorigen Woche
erklärt, dass das Unternehmen seinen Sponsorenvertrag einhalten und
auch den Fackellauf mit dem olympischen Feuer durch Tibet
unterstützen wolle. In Tibet starben nach Angaben von Exil-Tibetern
bei der blutigen Niederschlagung von Protesten im März mehr als
140 Menschen. 4.000 seien von chinesischen Sicherheitskräften
verhaftet worden.
(Quelle: epd)
Clinton gewinnt Vorwahl der US-Demokraten in Pennsylvania
Mi.23.04.08 - Mit einem Sieg bei der Vorwahl in Pennsylvania hat Hillary Clinton ihre
Chancen für die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen
Partei gewahrt. Nach Auszählung von 80 Prozent der Stimmen kam die
New Yorker Senatorin auf 55 Prozent der Stimmen. Ihr Rivale Barack
Obama erhielt 45 Prozent.
«Das Blatt hat sich gewendet», sagte Clinton am
Dienstagabend vor jubelnden Anhängern in Philadelphia.
«Einige haben mich ausgezählt und mir gesagt, ich solle
aufgeben. Aber das amerikanische Volk gibt nicht auf. Und es verdient
einen Präsidenten, der auch nicht aufgibt.» Jetzt gebe es
die Hoffnung, dass zum ersten Mal in der Geschichte der USA eine Frau
ins Weiße Haus einziehe, sagte Clinton.
In der von Sorgen um die Wirtschaft geprägten Wahlentscheidung
verdankte Clinton ihren Sieg vor allem den Weißen aus der
Arbeiterschaft: Zwei von drei Weißen ohne College-Abschluss
entschieden sich nach dem Ergebnis von Wählerumfragen für die
New Yorker Senatorin. Ein ähnliches Ergebnis gab es bei
Wählern mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 50.000 Dollar
(31.400 Euro) im Jahr. Zu Clintons Wählern gehörten auch
überproportional viele Katholiken, Gewerkschafter sowie Besitzer
von Schusswaffen.
Obama erhielt die Stimmen von 90 Prozent der Schwarzen, die in
Pennsylvania aber nur einen Anteil von einem Siebtel der
Bevölkerung stellen. Wichtigstes Wahlkampfthema war die
Entwicklung der Wirtschaft. Mehr als 80 Prozent der Wähler waren
der Auffassung, dass sich die USA bereits in einer Rezession befinden.
Bei der Frage nach dem Kandidaten mit der besten Wirtschaftskompetenz
hatte Clinton einen leichten Vorsprung vor Obama.
Im Anschluss an die Vorwahl in Pennsylvania stehen bei den Demokraten
bis zum 3. Juni noch Entscheidungen in sieben Staaten sowie auf den
Inseln Puerto Rico und Guam an. Dabei ist Clinton in West Virginia und
Kentucky favorisiert, während Obama in North Carolina, Oregon und
South Dakota die besten Chancen hat. In den beiden Staaten Indiana und
Montana ist noch keine klare Tendenz erkennbar.
In Pennsylvania ging es um 158 Delegiertenstimmen, die nach dem
Ergebnis der Vorwahl proportional auf beide Bewerber aufgeteilt werden.
Obama hatte zuvor 1.648 Delegierte, Clinton 1.509. Darin sind auch die
Stimmen der sogenannten Superdelegierten enthalten, soweit diese sich
auf einen der beiden Bewerber festgelegt haben. Die Superdelegierten
können beim Nominierungsparteitag der Demokraten im August frei
entscheiden, ohne auf das Ergebnis ihrer Herkunftsstaates festgelegt zu
sein. Es gilt mittlerweile als nahezu ausgeschlossen, dass einer der
beiden Bewerber vor dem Nominierungsparteitag Ende August in Denver die
erforderliche Delegiertenzahl von 2.025 erreichen kann.
Bei den Republikanern hat Senator John McCain die
Präsidentschaftskandidatur schon so gut wie sicher. Er gewann bei
der Vorwahl der Republikaner in Pennsylvania 73 Prozent der Stimmen.
Andere Bewerber standen zwar noch auf dem Stimmzettel, sind aber
bereits aus dem Rennen ausgeschieden.
Die Wähler entscheiden am 4. November, wer Nachfolger von
Präsident George W. Bush werden soll. Die Amtsübergabe findet
am 20. Januar 2009 statt.
(Quelle: ap)
Hillary Clinton droht Iran mit 'völliger Vernichtung' nach
Atomangriff
Mi.23.04.08 - Hillary Clinton hat den Iran gewarnt, dass sie als Präsidentin
einen Atomschlag gegen Israel mit einer völlig Vernichtung des
islamisches Religionsstaates beantworten würde.
"Ich will, dass die Iraner wissen, dass wenn ich die Präsidentin
bin, wir den Iran angreifen würden", sagte die demokratische
Präsidentschaftsbewerberin am Dienstag dem Sender ABC. "In den
kommenden zehn Jahren, in denen sie unklugerweise einen Angriff auf
Israel in Betracht ziehen könnten, würden wir in der Lage
sein, sie völlig zu vernichten." Es sei furchtbar, so etwas zu
sagen, ergänzte die Senatorin aus New York. Aber die Machthaber im
Iran müssten das verstehen, um sie von einen solchen Schritt
abzuhalten.
Ihr Konkurrent bei den Vorwahlen, Barack Obama, wies die Erklärung
zurück. In den vergangenen Jahren habe es "viel Gerede mit Worten
wie 'vernichten'" gegeben, sagte er demselben Sender. "Das führt
nicht wirklich zu guten Ergebnissen. Und deswegen habe ich kein
Interesse an Säbelgerassel." Am Dienstag fand im Bundesstaat
Pennsylvania eine Vorwahl der Demokraten statt. Experten zufolge
benötigte Clinton einen deutlich Sieg.
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte 2005 im Westen
für Empörung gesorgt mit seiner Erklärung, Israel
müsse von der Landkarte getilgt werden. Vor einer Woche sagte ein
Kommandeur des iranischen Heers, Iran würde im Fall eines
israelischen Angriffs das Land vernichten.
(Quelle: rtr)
Boliviens Präsident sieht Kapitalismus als Haupt-Klimakiller
Mi.23.04.08 - Der bolivianische Präsident Evo Morales sieht im kapitalistischen
System den Hauptschuldigen für den derzeitigen Klimawandel. "Wenn
wir unseren Planeten ernsthaft retten wollen, müssen wir den
Kapitalismus beseitigen", sagte Morales im UN-Hauptquartier in New York
vor hunderten Vertretern indigener Völker aus aller Welt. Morales
machte das kapitalistische System nicht nur verantwortlich für die
Klimaerwärmung, sondern auch für "wachsende Müllberge,
Konsumrausch und Verschwendung". "Mutter Erde ist kein Gebrauchsgut. Sie
lässt sich nicht kaufen und verkaufen", mahnte Boliviens erster
indigener Präsident.
Neben einem Ende aller Kriege zur Rettung des Planeten rief Morales vor
allem zum "Respekt vor Mutter Erde" auf. Als Vorbild bezeichnete er
dabei die Lebensweise der Stämme: Diese legten größeren
Wert auf soziale Gerechtigkeit und den Allgemeinbesitz von Land. An dem
zweiwöchigen UN-Forum nehmen mehr als 2500 Delegierte indigener
Volksgruppen teil. Sie vertreten rund 370 Millionen Menschen weltweit.
(Quelle: afp)
Mehr Menschen nach AKW-Störfall in Spanien werden untersucht
Mi.23.04.08 - Die spanische Atomaufsicht lässt nach einem Störfall in einem
Kernkraftwerk mehr Menschen als bisher geplant auf eine radioaktive
Verseuchung hin untersuchen. Eine Mitarbeiterin der Atomaufsicht,
Isabel Mellado, erklärte am Dienstag, bei den bisher 800
Untersuchten seien keine Auffälligkeiten festgestellt werden.
Weitere 800 würden noch überprüft. Die Zahl der
Untersuchungen wurde verdoppelt, nachdem an einem Lastwagen, der das
Gelände des Kraftwerks befahren hatte, Spuren von
Radioaktivität gefunden worden waren.
Der Störfall im Kernkraftwerk Asco I ereignete sich bereits im
November, wurde aber erst in diesem Monat gemeldet. Zwei Direktoren des
Kraftwerks wurden entlassen, das Unternehmen muss eine Strafe zahlen.
Die Atomaufsicht erklärte, der Betreiber Endesa schätze die
bei dem Störfall freigewordene Radioaktivität auf bis zu
84,95 Millionen Becquerel. In Spanien sind derzeit sieben
Atomkraftwerke in Betrieb.
(Quelle: ap)
Agrarriese Syngenta erlebt ungekannten Boom
Mi.23.04.08 - Die rekordhohen Preise für viele Grundnahrungsmittel haben dem
weltgrößten Agrarchemiekonzern Syngenta zum Jahresauftakt
wie erwartet einen Umsatzsprung beschert.
Der Umsatz zog im ersten Quartal 2008 um 28 Prozent auf rund 3,79
Milliarden Dollar (2,39 Milliarden Euro) an, teilte das schweizerische
Unternehmen am Dienstag mit. Analysten hatten lediglich mit 3,67
Milliarden Dollar gerechnet. Der schwache Dollar habe dabei für
Rückwind gesorgt, doch auch ohne diesen Effekt lag das Plus immer
noch bei 20 Prozent. Dass das Wachstum so stürmisch ausfallen
würde, hatte Syngenta bereits Anfang des Monats durchblicken
lassen, nachdem die US-Konkurrenten Monsanto und DuPont ihre Prognosen
erhöht hatten. In diesem Jahr erwartet Syngenta bei mindestens
zehn Prozent Umsatzplus ein Gewinnwachstum je Aktie von über 20
Prozent. 2007 wurden pro Titel 11,42 Dollar erzielt.
"Wir hatten ein breitangelegtes Wachstum in allen Regionen und bei
allen Produkten", sagte Finanzchef John Ramsay zu Reuters. Bauern rund
um den Globus seien in Anbetracht der hohen Preise sehr daran
interessiert, die Ernten zu verbessern und greifen deshalb immer
öfter zu gentechnisch verändertem Saatgut und
Unkrautvernichtungsmitteln. Letztere verkauft Syngenta in der Sparte
Pflanzenschutz, deren Umsatz um 31 Prozent auf 2,67 Milliarden Dollar
anzog. Im kleineren Konzernstandbein Saatgut habe der Umsatz um 20
Prozent auf 1,13 Milliarden Dollar zugelegt. In der ersten
Jahreshälfte entscheidet sich für Syngenta wegen der
wichtigen Anbausaison auf der Nordhalbkugel bereits, wie das gesamte
Geschäftsjahr läuft.
Bei Analysten fanden die Umsatzzahlen ein geteiltes Echo. Besonders
erfreulich ist nach Aussage von Citigroup-Analyst Andrew Benson, dass
Syngenta zum ersten Mal seit Jahren die Preise insgesamt um drei
Prozent anheben konnte. Sein Kollege Michael Eastwood von Morgan
Stanley sieht beim Aktienkurs nicht mehr viel Potenzial: "Bei einem
geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 für 2008 sind
die guten Neuigkeiten schon größtenteils eingepreist."
Die Syngenta-Aktien gaben in Zürich bis zum späten Vormittag
in einem unfreundlichen Gesamtmarkt 1,2 Prozent auf 320,75 Franken nach.
Die Preise für Getreide und andere Nahrungsmittel sind in den
letzten Monaten mit ungeahntem Tempo gestiegen. In der Vorwoche kostet
in den USA ein Zentner Reis zur Lieferung im Juli mit 24,67 Dollar so
viel wie nie zuvor. Auch die Mais-Futures erreichten Rekordpreise. Nach
Aussage von Syngenta werden die stetig wachsende Weltbevölkerung,
eine höhere Nachfrage nach Futtermitteln sowie der zunehmende
Einsatz von Pflanzentreibstoffen dafür sorgen, dass der Bedarf an
landwirtschaftlichen Produkten bis in das nächste Jahrzehnt hinein
um jährlich um 2,5 Prozent wächst. Vor dem "Agrarboom" waren
es im Schnitt 1,6 Prozent. Da die Anbauflächen sich kaum noch
ausweiten lassen, versuchten die Bauern durch verstärkten
Chemieeinsatz und schädlingsresistente Pflanzen die
Ernteerträge hochzuschrauben. Doch auch dann dürften die
Preissteigerungen noch ein paar Jahre anhalten. "Kurzfristig sehen wir
keine Entspannung. Falls die Bauern ihre Erträge aber weiter in
diesem Ausmaß steigern, könnten wir das Problem in zwei bis
drei Jahren angehen", sagte Ramsay.
(Quelle: rtr)
Euro steigt erstmals über die Marke von 1,60 Dollar
Mi.23.04.08 - Der Euro ist am Dienstag erstmals seit seiner Einführung an den
Finanzmärkten über die Marke von 1,60 Dollar gestiegen. Am
späten Nachmittag kletterte die europäische
Gemeinschaftswährung bis auf 1,6002 Dollar, nachdem sie am Morgen
noch deutlich unter 1,59 Dollar notierte.
Zuletzt fiel der Euro indes wieder etwas zurück und kostete noch
1,5970 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den
Referenzkurs am Mittag noch auf 1,5931 (Montag: 1,5898) Dollar
festgesetzt. Der Dollar kostete 0,6277 (0,6290) Euro.
«Der Euro ist heute neben erneut enttäuschenden
Konjunkturdaten vom amerikanischen Immobilienmarkt vor allem von
Aussagen ranghoher Vertreter der EZB beflügelt worden»,
sagte Devisenexperte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. So deuteten
jüngste Äußerungen von Bundesbankpräsident Axel
Weber und Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer darauf hin, dass
schnelle Zinssenkungen der Währungshüter trotz getrübter
Konjunkturaussichten endgültig vom Tisch sein dürften. Grund
sei die anhaltend hohe Inflation im Euroraum, die im März auf
einen Rekordwert von 3,6 Prozent gestiegen war.
«In den letzten Tagen hat sich der Euro jedoch etwas
orientierungslos gezeigt», ergänzte Sartoris. So habe die
Marke von 1,60 Dollar zwar regelmäßig eine hohe
Anziehungskraft ausgestrahlt, wie die mehrfachen Anläufe der
Gemeinschaftswährung auf die Marke gezeigt hätten. Auf der
anderen Seite seien die Investoren offensichtlich kurz vor dem
Erreichen der Grenze immer wieder zurückgeschreckt und hätten
zu Gewinnmitnahmen geneigt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse
für einen Euro auf 0,79980 (0,80070) britische Pfund, 164,43
(164,43) japanische Yen und auf 1,6065 (1,6059) Schweizer Franken fest.
Die Feinunze Gold wurde in London mit 918,00 (918,50) Dollar gefixt.
(Quelle: dpa)
Düsseldorfer Hypobank im Strudel der Finanzkrise
Mi.23.04.08 - Die Finanzkrise hat eine weitere deutsche Bank in Schwierigkeiten
gebracht.
Die Düsseldorfer Hypothekenbank wird verkauft, wie der
Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Montagabend mitteilte. Die
Eigentümer hätten sich entschlossen, das Institut
vorübergehend auf den Einlagensicherungsfonds des BdB zu
übertragen. Die Bank solle in einem geordneten Verfahren einem
neuen Eigentümer zugeführt werden. Die Bedienung und
Einlösung der Pfandbriefe sei gesichert. Mit dem Schritt
würden "die Schwierigkeiten überwunden, in die das Institut in
dem jetzigen angespannten Marktumfeld geraten" sei.
Die Finanzaufsicht BaFin und die Bundesbank seien über die
Transaktion unterrichtet, teilte der BdB weiter mit. "Bankaufsichtliches
Handeln" sei nicht nötig gewesen.
Die Finanzkrise hatte 2007 den Gewinn der Düsseldorfer Bank, die
in der Staatsfinanzierung und der Immobilienfinanzierung tätig ist,
aufgezehrt. Zur Stärkung der Kapitalbasis hatte die
Unternehmerfamilie Schuppli als Alleinaktionärin der Hypothekenbank
im Februar diesen Jahres 100 Millionen Euro zugeführt. Weitere 50
Millionen Euro stünden auf Abruf bereit, hieß es vor zwei
Monaten weiter. Die Bank mit einer Bilanzsumme von knapp 27 Milliarden
Euro hatte damit auch auf einen von der BaFin in Auftrag gegebenen
Sonderbericht der KPMG-Wirtschaftsprüfer reagiert. Darin sei eine
Prüfung der Strategie und eine Kapitalzufuhr gefordert worden.
Die Düsseldorfer Hypothekenbank teilte am Abend mit, ihre
Eigentümer hätten 94 Prozent der Anteile an die
Beteiligungsgesellschaft Resba verkauft, die vom BdB-Sicherungsfonds
verwaltet würden. Die restlichen sechs Prozent der Anteile seien an
die Einlagensicherungs- und Treuhandgesellschaft gegangen, diese
Anteile würden vom Prüfungsverband deutscher Banken gehalten.
(Quelle: rtr)
Fast jeder fünfte in Deutschland ist arm --
Wohlfahrtsverband will mehr Geld für Kinder und für Alte --
Ökonomen sehen keine gravierende Altersarmut in Deutschland
Mi.23.04.08 - Beinahe jeder fünfte Mensch in Deutschland ist von Armut bedroht -
die Jungen mehr als die Alten. Die sogenannte Armutsquote betrug 2005
rund 18,3 Prozent, wie der Sachverständigenrat zur Begutachtung
der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in seinem Jahresgutachten
2007/2008 schreibt. Unter den über 65-Jährigen lag der Anteil
der von Armut bedrohten Menschen mit einer Quote von 11,6 Prozent
deutlich unter dem Durchschnitt.
Insgesamt hatten 17,4 Prozent der Menschen in den alten und 22,6
Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern 2005 weniger als
60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung und galten damit
als arm oder armutsgefährdet, wie die Experten unter Berufung auf
das sogenannte Sozio-ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erklären. 1991 waren
unter den Rentnern nach diesen Angaben noch deutlich mehr Arme (plus
acht Prozentpunkte) als unter der Gesamtbevölkerung. Seit dem Jahr
2000 habe sich dieses Verhältnis umgekehrt.
Führende Ökonomen sehen derzeit denn auch keine gravierende
Altersarmut in Deutschland. Vielmehr verweisen sie auf die große
Kinderarmut. Die Diskussion über den Vorschlag des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers nach einer höheren Rente für Geringverdiener
hielt dennoch an.
«Die materielle Lebenssituation der Älteren ist besser als
die des Durchschnitts der Gesamtbevölkerung», sagte Markus
Grabka vom DIW der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
«Durchschnittlich haben die Senioren mehr verfügbares
Einkommen als die Jüngeren, die heute ihre Beiträge in die
gesetzliche Rentenversicherung zahlen und später deutlich weniger
Rente rausbekommen werden», wird Grabka zitiert.
Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen nannte
Altersarmut im selben Blatt «eines der
meistüberschätzten Phänomene der Gegenwart».
Statistisch gesehen sei die Wahrscheinlichkeit, auf ein armes Kind zu
stoßen, etwa fünfmal größer als die, auf einen
armen Rentner zu stoßen. Die heutigen Rentner seien im
Durchschnitt die reichsten Rentner, die dieses Land jemals gesehen habe.
Angesichts der großen Kinderarmut in Deutschland und der
mittelfristig erwarteten ebensogroßen Altersarmut forderte der
Paritätische Wohlfahrtsverband eine drastische Erhöhung von
sowohl Kindergeld als auch Altersgrundsicherung. Beide Leistungen
müssten ebenso wie die Hartz-IV-Regelsätze um jeweils 26
Prozent angehoben werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des
Verbands, Ulrich Schneider, der Nachrichtenagentur AP. Zum Problem der
Altersarmut erklärte der Hauptgeschäftsführer, derzeit
sei die Situation mit etwa 370.000 Betroffenen noch relativ angenehm.
Deshalb müssten Reformen jetzt kommen.
In den Koalitionsparteien ging unterdessen die Diskussion über die
Rentenpolitik weiter. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla lehnte in
den «Stuttgarter Nachrichten» Änderungen ab. Der
Fraktionschef der SPD im Bundestag, Peter Struck, wandte sich in Berlin
ebenfalls gegen den Rüttgers-Vorschlag. Der Vorsitzende der Jungen
Union (JU), Philipp Mißfelder, warnte in der «Westdeutschen
Allgemeinen Zeitung» vor einer einseitigen Diskussion und
forderte Entlastungen für die jüngere Generation.
Der sozialpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralf
Brauksiepe, befürwortete dagegen in der «Rheinischen
Post» den Rentenvorstoß Rüttgers'. Ebenso
äußerte sich Vorsitzende der Christlich-Demokratischen
Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann.
(Quelle: ap)
Keine generelle Zuzahlungsbefreiung für ALG-II-Empfänger
Mi.23.04.08 - Hartz-IV-Empfänger können sich nicht grundsätzlich von
Zuzahlungen für Arzneimittel befreien lassen. Zu diesem Ergebnis
kam das Bundessozialgericht in einem am Dienstag verkündeten
Urteil. Mit den Zuzahlungen werde das gesetzlich geschützte
Existenzminimum nicht unterschritten, entschieden die Kasseler Richter.
Die Regelungen, dass gesetzlich Krankenversicherte zwei Prozent und
chronisch Kranke ein Prozent ihres jährlichen Bruttoeinkommens an
Zuzahlungen leisten müssen, stünden nicht im Gegensatz zum
Grundgesetz.
Im verhandelten Fall ging es um die Klage eines 53-jährigen
chronisch Kranken, der von seinem Arbeitslosengeld II in Höhe von
345 Euro insgesamt 41,40 Euro an Zuzahlungen für die Jahre 2005
und 2006 leisten sollte. Auf diesen Betrag hatte seine Krankenkasse die
Belastungsgrenze des Klägers festgesetzt und ihn darüber
hinaus von weiteren Zuzahlungen befreit. Der Kläger hielt die
Zuzahlungen für verfassungswidrig und unzumutbar, weil deshalb
sein Existenzminimum nicht mehr gewährleistet sei.
Wie schon die Vorinstanzen sahen dies auch die Bundesrichter in Kassel
nicht so: Der Gesetzgeber müsse sicherstellen, dass
Hilfebedürftige das «physische Existenzminimum» wie
Lebensmittel und Unterkunft zum Schutz der Menschenwürde erhalten.
Darüber hinaus gebe es aber einen Gestaltungsspielraum. Die
Regelleistung des ALG II orientiere sich nicht an den denkbar untersten
verfassungsrechtlichen Grenzen, sondern gehe darüber hinaus. So
habe der Regelsatz auch einen «soziokulturellen
Leistungsanteil», so dass die Zuzahlungen für den
Hilfebedürftigen noch zumutbar seien.
Wenn er die 41,40 Euro nicht aufbringen könne, bestehe die
Möglichkeit, dafür ein Darlehen von der Arbeitsgemeinschaft
zu erhalten, welches er mit 3,45 Euro monatlich zurückzahlen
könne.
Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger,
kritisierte die Entscheidung: «Das Urteil belastet gerade
diejenigen, die eh schon wenig Geld zur Verfügung haben. Damit
verschärft sich das Armutsproblem. Deshalb müssen chronisch
Kranke, Hartz-IV-Bezieher und Menschen mit geringem Einkommen
grundsätzlich von Zuzahlungen befreit werden», forderte er.
(Aktenzeichen: Bundessozialgericht B 1 KR 10/07 R)
(Quelle: ap)
Lohnnebenkosten 2007 in Deutschland unterdurchschnittlich
Mi.23.04.08 - Die Arbeitskosten in Deutschland sind im EU-Vergleich relativ hoch, die
Lohnnebenkosten liegen dagegen unter dem Durchschnitt. Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes vom Dienstag zahlten Arbeitgeber in
Deutschland im vergangenen Jahr 29,10 Euro je Stunde. Damit liegt die
Bundesrepublik EU-weit auf Rang sieben. Die Lohnnebenkosten, also die
Sozialbeiträgen der Arbeitgeber, sind mit 32 Euro
unterdurchschnittlich.
Am meisten zahlten im vergangenen Jahr mit 35 Euro je Stunde die
dänischen Arbeitgeber, gefolgt von Schweden, Belgien, Luxemburg,
Frankreich und den Niederlanden. Bulgarien wies mit 2,10 Euro je Stunde
die niedrigsten Arbeitskosten auf. Betrachtet man allein die Industrie,
so lag Deutschland mit durchschnittlich 33 Euro auf Rang vier hinter
Belgien, Schweden und Dänemark.
Auf 100 Euro Bruttolohn und -gehalt zahlten die Arbeitgeber in
Deutschland im vergangenen Jahr 32 Euro Lohnnebenkosten, das war weniger
als der europäische Durchschnitt von 36 Euro. In Frankreich und
Schweden lagen die Lohnnebenkosten bei 50 Euro, in Malta waren es nur
10 Euro.
(Quelle: ap)
Leiharbeiter ersetzen zunehmend Stammbeschäftigte
Mi.23.04.08 - Leiharbeiter ersetzen einer Studie zufolge in mittleren und
größeren Betrieben vermehrt Beschäftigte der
Stammbelegschaften. Nach einer repräsentativen Befragung von
Betriebsräten in Firmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sei dies in
jedem vierten Unternehmen mit Leiharbeit der Fall, teilte das
Forschungsinstitut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung
am Montag in Düsseldorf mit. Knapp 26 Prozent der sogenannten
Entleihbetriebe gaben an, Beschäftigte durch Zeitarbeiter zu
ersetzen.
Nach Angaben der mehr als 2.000 befragten Betriebsräte arbeiteten
in über 37 Prozent der Betriebe Leiharbeiter. Gut 54 Prozent der
Entleihfirmen hätten die Zahl der Leiharbeiter gesteigert,
hieß es. In knapp 14 Prozent sei zwar deren Anzahl
zurückgegangen, aber ihre Verweildauer gestiegen.
Diese Zahlen seien ein Indiz für einen Wandel der
Personalstrategie vieler Firmen, erklärte WSI-Leiter Hartmut
Seifert. Dabei gehe es den Unternehmen nicht mehr nur um die
Bewältigung von Auftragsspitzen. "Manche Unternehmen setzen
Leiharbeiter als flexible Quasi-Stammbelegschaft ein", erklärte
Seifert. Dies sei für die Unternehmen finanziell attraktiv. In der
großen Mehrheit der Fälle liege der Lohn der Zeitarbeiter
durchschnittlich um 29 Prozent unter dem von Stammbeschäftigten.
(Quelle: epd)
Deutsche Firmen überschätzen laut Studie Einsparpotenzial im
Ausland
Mi.23.04.08 - Deutsche Unternehmen überschätzen einer Studie zufolge die
Einsparmöglichkeiten durch eine Verlagerung ihrer Produktion ins
Ausland. So fielen Einsparungen bei den Personalkosten im Vergleich zu
anderen Ausgaben häufig kaum ins Gewicht, erklärte Steffen
Kinkel, Industrieexperte beim Fraunhofer Institut für System- und
Innovationsforschung. "Die Lohnkosten machen in vielen Betrieben nur
noch zehn Prozent der Gesamtkosten aus, die hier zu erzielende
Hebelwirkung ist also begrenzt." Daneben sollten Unternehmen eine ganze
Reihe weiterer Kosten berücksichtigen.
In vielen Fällen blieben etwa die Anlaufzeiten für die
Produktion im Ausland, die Errichtung eines neuen Netzwerkes aus
Zulieferern und Kunden oder die Kosten für die Betreuung und
Kontrolle der Anlagen unberücksichtigt, erklärte Kinkel.
Unternehmen könnten den Ergebnissen der Untersuchung zufolge von
einer Produktionsverlagerung vor allem dann profitieren, wenn sie am
neuen Standort auch einen neuen Markt erschließen wollten.
Seit 2001 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts deutsche
Unternehmen insgesamt 188.000 Arbeitsplätze durch
Produktionsverlagerungen abgebaut. Zeitgleich enstanden im Zeitraum bis
2006 aber auch insgesamt 105.000 neue Stellen am heimischen Standort.
Von den Stellenverlagerungen ins Ausland waren vor allem die Jobs
Geringqualifizierter betroffen.
(Quelle: afp)
Bauernverband wirft Discounter Raubtierkapitalismus vor
Mi.23.04.08 - Der Bauernverband hat dem Lebensmitteldiscounter Aldi
"Raubtierkapitalismus" vorgeworfen: "Hier hat Aldi seine Marktmacht
missbraucht", sagte der Präsident des Bauernverbandes, Gerd
Sonnleitner, am Dienstag in der ARD mit Blick auf die Preissenkung beim
Milcheinkauf. Diese koste einen durchschnittlichen Bauern 7000 Euro pro
Jahr. Insgesamt entstehe der Landwirtschaft ein Schaden von 650
Millionen Euro. "Das ist Raubtierkapitalismus." Die Discounter Aldi und
Lidl hatten am Montag den Preis für einen Liter frische Vollmilch
von 73 auf 61 Cent gesenkt.
Der Milchpreis entwickelt sich damit gegen den Trend. Allerdings hatte
der Aufsichtsratschef von Lidl und Kaufland, Klaus Gehrig, gewarnt,
ungeachtet dieser Preissenkung werde es in den nächsten Monaten
werde es einen Preisschub bei Lebensmitteln geben. Weltweit ziehen die
Nahrungsmittelpreise seit Monaten um zweistellige, teils sogar
dreistellige Raten an, was in einigen Entwickungsländern bereits zu
sozialen Unruhen führte. Die Ursachen sind vielfältig: Von
einer steigenden Nachfrage über veränderte
Ernährungsgewohnheiten bis hin zum verstärkten Einsatz von
Agrarrohstoffen zur Biosprit-Produktion.
Der "Passauer Neuen Presse" sagte Sonnleitner, auch
Börsenspekulationen trieben die Lebensmittelpreise. "Wir
müssen eine Lösung finden, dass in der virtuellen Welt der
Spekulanten nicht weiter Schaden für die reale Welt angerichtet
wird." Der Verbandspräsident sagte voraus, in Deutschland
würden die Lebensmittelpreise künftig zwischen zwei und drei
Prozent pro Jahr steigen.
(Quelle: rtr)
Deutsche Windenergieunternehmen profitieren von Auslandsmärkten
Mi.23.04.08 - Die deutschen Windkraftanlagenbauer profitieren vom boomenden
Weltmarkt. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr
um 18 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gestiegen, wie der Bundesverband
WindEnergie (BWE) am Dienstag in Berlin mitteilte. Mehr als 78 Prozent
dieser Erlöse hätten die Unternehmen mit dem Export von
Anlagen und Bauteilen im Ausland erzielt. Weltweit seien 2007
Windenergieanlagen mit einer Leistung von 20 076 Megawatt neu
installiert worden.
Wie das Unternehmen bereits Ende Januar mitgeteilt hatte, entwickelte
sich der deutsche Windenergiemarkt 2007 langsamer als der Weltmarkt.
Deutschland habe im internationalen Vergleich mit nur 1667 Megawatt neu
installierter Leistung die Spitzenposition an die USA verloren und folge
an fünfter Stelle nach Spanien, China und Indien.
Als Hauptgrund für diesen Rückgang nannte der BWE die stetig
sinkende Vergütung für Windstrom an Land. Deutschland
benötige eine Erneuerbare-Energien-Gesetz-Novelle, die neue
Investitions- und Innovationsanreize auch für die Windenergie an
Land setze, betonte BWE-Präsident Hermann Albers.
(Quelle: ddp)
Kinderkommission fordert Kinderrechte in Verfassung
Mi.23.04.08 - Die Kinderkommission des Bundestages hat erneut die Aufnahme von
Kinderrechten in die Verfassung gefordert. "Dieses Signal wollen wir
setzen", sagte die Vorsitzende Miriam Gruß (FDP) am Montag in
Berlin zum zwanzigjährigen Bestehen der Kommission. Es gehe um den
Stellenwert der Kinder in der Gesellschaft. Der Unterausschuss des
Bundestages wurde im April 1988 als weltweit erstes Parlamentsgremium
für die Interessenvertretung der Kinder eingesetzt.
In Deutschland trat die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen
bereits 1992 in Kraft. In das Grundgesetz wurden die Rechte der Kinder
trotz regelmäßiger Vorstöße von Politikern und
Organisationen jedoch bisher nicht aufgenommen. Viele Bundesländer
haben bereits Rechte in ihrer Verfassung verankert, die speziell die
Förderung und den Schutz Heranwachsender verbessern sollen.
(Quelle: epd)
Kinder reicher Eltern studieren öfter im Ausland
Mi.23.04.08 - Kinder reicher und gebildeter Eltern gehen während ihres Studiums
doppelt so oft ins Ausland wie solche aus einkommensschwachen und
hochschulfernen Familien. Dies zeigt ein Sonderbericht aus der
jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW), der am
Dienstag veröffentlicht wurde.
DSW-Präsident Rolf Dobischat sagte, diese soziale Schieflage
müsse zügig beseitigt werden, weil Auslandserfahrungen auch
über spätere Chancen im Beruf entscheiden. «Alle
Studierenden müssen mobil sein können, unabhängig von
ihrer Herkunft oder dem Geldbeutel ihrer Eltern», verlangte er.
Weiter zeigt die Studie, dass die Zahl ausländischer Studierender
in Deutschland seit 1997 von gut 100.000 auf nun knapp 190.000
gestiegen ist. Drei Viertel kommen aus Entwicklungs- und
Schwellenländern, rund 85 Prozent organisieren ihr Studium selbst.
Dobischat berichtete, viele klagten über die schwierige
Orientierung im deutschen Studiensystem, den mangelnden Kontakt zu
ihren deutschen Kommilitonen sowie Hürden bei der
Studienfinanzierung. Sein Fazit: «Die Integration
ausländischer Studierender muss besser werden.»
Die Defizite sind der Studie zufolge auch für die hohe
Abbruchquote der Ausländer mitverantwortlich. Dobischat sagte, die
Hochschulreformen, voran die Umstellung auf Bachelor und Master,
erschwerten den ausländischen Studierenden die Orientierung im
Studiensystem. Die Finanzlage der Ausländer ist überdies
angespannter als die der deutschen, sie haben im Schnitt nur 645 Euro
im Monat. «Mehr als die Hälfte der ausländischen
Studierenden ist erwerbstätig, die zwei weiteren wichtigsten
Finanzierungsquellen sind die Unterstützung durch die Eltern sowie
Stipendien», sagte Dobischat.
Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagfraktion, Kai
Gehring, erklärte dazu: «Die Situation ausländischer
Studierender in Deutschland ist beschämend.» Fast die
Hälfte der Studierenden mit Migrationshintergrund brächen
Studium und Aufenthalt vorzeitig ab. «Viele sprechen zum Ende
ihres Aufenthalts schlechter deutsch als zu Beginn. Hier sind Politik,
Hochschulen, deutsche und ausländische Studierende dringend
gefragt», meinte er.
Positiv strich Dobischat die hohe Auslandsmobilität der deutschen
Studierenden hervor. «Deutsche Studierende sind wesentlich
mobiler als Studierende aus anderen Industrieländern, deutlich
mobiler als etwa Studierende aus Großbritannien oder den
USA.» Laut der Studie hatten 16 Prozent der deutschen Studenten
im Sommersemester 2006 bereits einen so genannten studienbezogenen
Auslandsaufenthalt absolviert, wozu man Sprachkurse, Praktika und
Studium zählt. Frauen sind mobiler als Männer; Studierende
der Medizin sowie der Sprach- und Kulturwissenschaften gehen am
häufigsten ins Ausland.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium,
Andraes Storm, zeigte sich erfreut, dass die Zahl der deutschen
Studierenden im Ausland von 52.220 im Jahr 2000 auf 75.800 im Jahr 2005
gestiegen ist. Als Ziel gab er aus, dass in fünf Jahren die Marke
von 100.000 erreicht werden soll.
(Quelle: ap)
Immer mehr ausländische Studenten in Deutschland
Mi.23.04.08 - Deutschlands Hochschulen ziehen immer mehr ausländische Studenten
an. Von 1997 bis 2006 erhöhte sich die Zahl der Studierenden aus
anderen Ländern von 100.033 auf 189.450, wie aus einer vom
Bundesbildungsministerium in Berlin vorgestellten Studie hervorgeht.
Damit belege Deutschland weltweit einen führenden Platz hinter den
USA und Großbritannien, erklärte der Parlamentarische
Staatssekretär des Ministeriums, Andreas Storm (CDU). Es gehen aber
auch immer mehr junge Deutsche zum Studium ins Ausland. Die Zahl der
deutschen Studierende
(Quelle: afp)
Gemeinsamer europäischer Hochschulraum durch Studienreform
Mi.23.04.08 - Die Studienreform erfolgt im Rahmen des europaweiten Bologna-Prozesses.
Dessen Ziel ist nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und
Forschung die Schaffung eines gemeinsamen europäischen
Hochschulraums. Gleichzeitig soll damit die europaweite Mobilität
von Studenten und Lehrenden verbessert werden. Kernstück der Reform
ist die Umstellung der bisherigen Abschlüsse Diplom, Magister und
Staatsexamen auf das zweigliedrige Bachelor/Master-System. Bis 2010
soll dies laut Ministerium abgeschlossen sein.
Ein Bachelor-Studium führt in der Regel in sechs Semestern zum
ersten akademischen Grad. Daran können die Studierenden ein
Master-Studium anhängen, das meist noch einmal vier Semester
dauert. Die Studenten haben die Wahl zwischen einem auf dem Bachelor
aufbauenden Master (konsekutiv) oder einer neuen Fachrichtung
(nicht-konsekutiv). Auch eine Rückkehr aus dem Berufsleben an die
Universität ist im Rahmen eines weiterbildenden Master-Studiums
möglich.
Die Studienreform geht zurück auf einen Beschluss aus dem Jahre
1999. Am 19. Juni 1999 verständigten sich im italienischen Bologna
29 Staaten auf die Einführung vergleichbarer
Studienabschlüsse. Mittlerweile beteiligen sich 46 Staaten am
Bologna-Prozess, den Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) als
«große Chance für die Integration Europas»
bezeichnete. Auch über die Grenzen Europas hinaus könne der
europäische Hochschulraum so an Attraktivität gewinnen.
Die deutschen Hochschulen bieten den Angaben zufolge derzeit 66,9
Prozent ihres Studienangebots im neuen System an. In Sachsen waren es
zum Start des Sommersemesters 2008 mit 343 Bachelor- und
Masterstudiengängen 61,3 Prozent, geht aus der aktuellen Statistik
der Hochschulrektorenkonferenz hervor.
Als erste Hochschule im Freistaat stellte die Universität Leipzig
ihr Studienangebot zum Wintersemester 2006/07 komplett auf das neue
System um. Die Technische Universität Chemnitz bietet derzeit rund
75 Prozent ihres Studienangebots im neuen System an, bis zum
Wintersemester 2008/09 soll die Umstellung weitgehend abgeschlossen
sein. An der Technischen Universität Dresden sind es rund 45
Prozent der Studiengänge, die auf Bachelor und Master umgestellt
sind. Bis 2010 soll die Umstellung hier noch andauern.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Schnelle lokale Funknetze auf Nano-Basis
Mi.23.04.08 - Schnelle lokale Funknetzwerke als Nachfolger für Bluetooth wollen
deutsche Forscher entwickeln. Auf dem Weg dorthin ist ihnen jetzt mit
speziellen integrierten Schaltungen ein weiterer Schritt gelungen.
Die neue Entwicklung basiert auf der Nanotechnologie und soll im
Vergleich zu Bluetooth mehr als tausendfach höhere
Datenübertragungsraten erlauben. Erprobt werden die
mikroelektronischen Bauteile an der Fakultät für
Elektrotechnik und Informationstechnik der Universität Bochum.
Solche schnellen Funknetze könnten nicht nur zum Datenaustausch
zwischen Computer und anderen Geräten genutzt werden. Auch in
Abstandsregeltempomaten in Autos könnten sie zum Einsatz kommen.
(Quelle: gp)
Fehler sind laut Studie vorhersehbar
Mi.23.04.08 - Fehler sind einer aktuellen Studie zufolge vorhersehbar. Durch
Messungen im Gehirn, das sich 30 Sekunden vor dem Begehen eines Fehlers
in einer Art Ruhezustand befindet, könne dieser vorausgesagt
werden, heißt es in einer in der US-Fachzeitschrift "Proceedings
of the National Academy of Sciences" veröffentlichten Studie.
Tom Eichele, Forscher an der Universität von Bergen in Norwegen,
und seine Kollegen aus den USA, Großbritannien und Deutschland
befassten sich mit dem Zustand des Gehirns während des Erledigens
monotoner Arbeiten und fanden heraus, dass sich dabei eine Art
Ruhezustand im Gehirn einstelle.
"Es gibt diesen Zustand, wenn das Gehirn signalisiert, dass es eine
Pause braucht, und man kann nichts dagegen tun", sagte Eichele. Manchmal
sei das Gehirn nicht so aufnahmefähig oder funktionsfähig wie
sonst. In diesem Zustand fließe Blut in den Teil des Gehirns, der
im Ruhezustand aktiver ist. Nach 30 Sekunden erfolge dann ein Fehler.
Nach den Vorstellungen Eicheles müsste es ein tragbares
Messgerät geben, welches den entsprechenden Gehirnzustand erkennt.
So könnten Fehler am Arbeitsplatz verhindert werden, sagte Eichele
der Nachrichtenagentur AFP. Die Geräte könnten am Kopf
befestigt werden und dem Träger anzeigen, wann das Gehirn in einem
Zustand ist, in dem das Risiko fehlerhaften Handelns groß ist.
Allerdings gibt es die von den Forschern verwendete Technik der
Magnetresonanztomographie noch nicht in tragbarer Form. Als
nächster Schritt müsste daher untersucht werden, ob mobile
EEG-Geräte dieselben Messergebnisse erzielen könnten. Laut
Eichele entwickeln Experten gerade den Prototyp eines kabellosen,
leichten Gerätes zur Messung der elektrischen Gehirnströme
(Elektroenzephalogramm, EEG), das in zehn bis 15 Jahren auf den Markt
kommen könnte.
(Quelle: afp)
Zehntausende sterben jährlich durch Klinik-Infektionen
Mi.23.04.08 - Bis zu 100.000 Menschen sterben nach Berechnungen der Deutschen
Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) hierzulande
jährlich an Infektionen, die sie sich im Krankenhaus geholt haben.
Diese so genannten nosokomialen Infektionen stellten noch vor Influenza
oder HIV "die größte Bedrohung" unter den ansteckenden
Krankheiten dar, erklärte ein Sprecher zum Auftakt eines
DGKH-Kongresses in Berlin. Der Verband forderte daher spezielle
Hygiene-Fachkräfte an jedem Krankenhaus.
Bislang seien solche Fachkräfte nur an 60 Prozent der deutschen
Krankenhäuser zu finden, lediglich fünf Prozent der Kliniken
hätten einen eigenen Facharzt für Hygiene, sagte der Sprecher.
Hier sei die Politik gefordert, erklärte DGKH-Präsident Axel
Kramer. "Ohne die gesetzliche Verankerung des Hygienefachpersonals im
Infektionsschutzgesetz werden wir die Anforderungen der Hygiene nicht
flächendeckend umsetzen können." Er forderte dafür
zusätzliche Ressourcen und schlug vor, künftig sollten
Krankenkassen nur noch Verträge mit solchen Krankenhäusern
abschließen dürfen, die spezielles Personal und ein
Qualitätsmanagement für Hygiene hätten.
(Quelle: afp)
Klimawandel bedroht Hälfte der Arten
Mi.23.04.08 - Der Klimawandel könnte nach Einschätzung des Klimaforschers
Hans Joachim Schellnhuber die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten
auslöschen. Sollte die Erwärmung bis 2100 vier bis fünf
Grad betragen, «könnte mit großer Wahrscheinlichkeit
etwa die Hälfte der Arten verschwinden», sagte der Direktor
des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) der
«Bild»-Zeitung. Bei einer Erwärmung zwischen zwei und
drei Grad seien immer noch weltweit 20 bis 30 Prozent aller Arten
bedroht.
Der wissenschaftliche Chefberater der Bundesregierung erwartet zudem
einen deutlichen Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels.
«Ein Meeresspiegelanstieg von ein bis zwei Metern bis zum Jahr
2100 ist nicht unrealistisch», sagte er. Ursache sei das schnelle
Abschmelzen des Eises in Grönland und der Antarktis in den
vergangenen Jahren.
«Bei einem Anstieg um 1,5 Meter würden langsam, aber stetig
die fruchtbaren Flussdeltas in Ländern wie Ägypten, China oder
Bangladesch buchstäblich absaufen», warnte der
Wissenschaftler vor den Folgen. Nach und nach müssten sich hunderte
Millionen Menschen eine neue Bleibe suchen.» Auch für die
deutsche Nordseeküste sagt der Regierungsberater negative Folgen
voraus: Die heutigen Deiche «würden nicht mehr ausreichen.
Für den Ausbau wäre mit vielen Milliarden Euro Zusatzkosten
zu rechnen.»
(Quelle: ap)
Kälterekorde in der Antarktis
Mi.23.04.08 - Die Tiefsee der Antarktis hat sich entgegen der globalen
Klimaerwärmung deutlich abgekühlt. Noch sei allerdings unklar,
ob sich der Temperatursturz am Südpol durch kalte
Meeresströmungen ausbreiten und den Klimawandel bremsen werde.
Das teilte das Alfred-Wegener-Institut am Montag im Bremerhaven mit.
Jahrzehntelang hatte sich das Südpolarmeer immer weiter aufgeheizt.
Dieser Trend sei jetzt erstmals durchbrochen worden, berichtet das Team
um den Ozeanographen Eberhard Fahrbach.
Satellitenbilder hätten gleichzeitig die größte
Ausdehnung der Eisdecke gezeigt, die je in einem antarktischen Sommer
gemessen worden sei. Ob der Temperatursturz einen neuen Trend einleitet
oder nur ein klimatischer Ausrutscher war, werde sich allerdings erst in
den kommenden Jahren zeigen, teilte das Institut mit. 58
Wissenschaftler waren von Februar bis April unter Leitung von Fahrbach
im Südlichen Ozean unterwegs, um im antarktischen Sommer das
Polarmeer zu erforschen.
(Quelle: dpa)