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Irak am 1493sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Türkische Armee bombardiert PKK-Ziele im Nordirak. Briten und Amerikaner greifen massiv in Basra ein

Do.24.04.08 - Die türkische Armee hat im Nordirak nach Informationen aus Militärkreisen Stützpunkte von PKK-Rebellen bombardiert.

Mindestens vier Kampfjets hätten die Angriffe am Nachmittag geflogen, sagte ein Vertreter der türkischen Armee am Mittwoch. Informationen über Opfer lägen ihm nicht vor. Die PKK bestätigte die Bombardierungen. Dabei sei aber niemand zu Schaden gekommen, erklärte ein Sprecher.

Die Türkei geht seit Monaten immer wieder gegen die PKK vor, die den Norden des Irak als Rückzugsgebiet nutzt. Ende Februar leitete die Armee eine einwöchige Bodenoffensive in der Region ein. Die PKK hat vor mehr als 20 Jahren ihren Kampf für einen eigenen Kurden-Staat aufgenommen.

Britische und amerikanische Spezialeinheiten unterstützen derweil im südirakischen Basra massiv den Kampf der Iraker gegen schiitische Milizionäre. Wie der britische Sender BBC berichtete, wurden in den vergangenen zwei Wochen bis zu 1000 US-Soldaten nach Basra verlegt.

Seit Wochen toben Kämpfe zwischen den Milizen und irakischen Verbänden. Die Gefechte griffen von Basra auf andere Teile des Iraks über. Hunderte von Menschen verloren bislang ihr Leben. Bisher konnten die Milizen nicht entwaffnet werden.

Unter anderem greifen US-Marineinfanteristen den Regierungstruppen in ihrem Kampf gegen die Miliz des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr unter die Arme. Das US-Militär meldete, am Montag sei ein US-Soldat in Basra bei einer Sprengstoffattacke getötet worden.

Zwei weitere US-Marineinfanteristen kamen am Dienstag durch einen Selbstmordanschlag mit einer Autobombe in der westlichen Anbar-Provinz ums Leben. Nach einem Bericht des US-Militärkommandos wurden bei dem Anschlag an einer Straßensperre in der Stadt Ramadi auch drei US-Soldaten, zwei irakische Polizisten und 24 Zivilisten verletzt. Irakische Medien hatten am Dienstag lediglich über irakische Opfer des Anschlags berichtet.

(Quellen: rtr, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 24.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.24.04.07 - US-Kongress weiter auf Konfrontationskurs zu Bush - Forderung nach Zeitplan für Abzug aus dem Irak +++ USA wollen geplante Mauer in Bagdad erneut prüfen +++ Mindestens 27 Tote bei Selbstmordanschlägen im Irak - Unter den Opfern neun US-Soldaten... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0704240.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Anzeichen für höhere Terror-Gefahr in Nordafghanistan -- 13 Menschen bei Anschlägen getötet

Do.24.04.08 - Die deutsche Regierung hat Anzeichen für eine Verlagerung von Terroraktivitäten aus dem Süden Afghanistans nach Norden. Damit könnte ein größerer Einsatz der Bundeswehr nötig werden.

"Wir beobachten, dass sich bestimmte Terroristengruppen in den Norden bewegen", sagte Thomas Raabe, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am Mittwoch in Berlin. Die Gruppen kommen demnach offenbar auf zwei Wegen aus dem Süden über Kabul in den Verantwortungsbereich Deutschlands. "Wenn sich diese Entwicklung bewahrheiten sollte, wäre es sicherlich klug, darauf zu reagieren bei der Erteilung des nächsten Mandats."

Raabe deutete damit erneut an, dass die Koalition im Herbst beim Parlament ein höheres Mandat beantragen könnte. Dies wird wegen einer veränderten militärischen Lage seit Monaten gefordert. Das bisherige Bundestagsmandat sieht den Einsatz von bis zu 3500 Soldaten im Norden vor, der im Vergleich zu anderen Teilen als weniger gefährlich gilt.

Raabe verwies darauf, dass es seit dem letzten Mandatsbeschluss im Oktober 2007 eine Reihe von Anschlägen im Bereich der Bundeswehr gab. Die deutschen Soldaten sollen zudem die Ausbildung der afghanischen Armee verstärken und Deutschland übernahm zuletzt auch die Führung der schnellen Eingreiftruppe in der Region. Wie lange die Bundeswehr diese Aufgabe behalte, sei unklar, sagte Raabe. Zudem werde über eine Aufstockung des Mandats erst im Herbst beraten. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte bereits am Dienstag jüngste Forderungen des Bundeswehr-Verbands zurückgewiesen, das deutsche Kontingent vorher aufzustocken.

Bei Anschlägen im Nordwesten, Osten und Süden Afghanistans töteten die radikal-islamischen Taliban am Mittwoch 13 Menschen, darunter zehn Polizisten. In Kunar im Grenzgebiet zu Pakistan stürmten Extremisten eine Polizeistation und erschossen fünf Offiziere. Beim anschließenden Gefecht seien auch 13 Taliban getötet worden, sagte ein Kommandeur der Grenztruppen. Drei weitere Polizisten starben bei einem Anschlag in der nordwestlichen Provinz Badghis. Im Bezirk Girischk in der südlichen Provinz Helmand sprengte sich ein Selbstmordattentäter am Eingang eines Polizeistützpunktes in die Luft. Dabei seien zwei Beamte getötet worden, teilte die Polizei mit. Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Basar in Spin Boldak im Südosten kamen drei Zivilisten ums Leben, 14 weitere wurden verletzt.

(Quelle: rtr)
 


 

Fast 70 Tote bei schwersten Kämpfen des Jahres in Sri Lanka -- Regierung will von tamilischen Rebellen besetztes Gebiet zurückerobern

Do.24.04.08 - Bei den schwersten Kämpfen in Sri Lanka seit Jahresbeginn sind am Mittwoch nach Militärangaben 52 Rebellen und 15 Soldaten getötet worden. Die Regierungstruppen feuerten mit Gewehren, Mörsern und Panzern auf die tamilischen Rebellen, als diese versuchten, ein vom Heer kontrolliertes Gebiet nördlich der Halbinsel Jaffna einzunehmen, wie die Streitkräfte mitteilten. 74 Soldaten seien bei dem Gefecht verwundet worden.

Ein Sprecher der Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) erklärte, die Streitkräfte hätten die Kämpfe im Bezirk Muhamalai provoziert, indem sie auf ihr Gebiet vorgerückt seien. Die LTTE kontrolliert weite Teile im Norden des Landes. Seit Ende Dezember eskalieren die Kämpfe zunehmend. Ein Waffenstillstand wurde offiziell aufgekündigt. Die Regierung hat erklärt, sie wolle die Rebellen bis Ende des Jahres militärisch bezwingen und die Gebiete im Norden der Insel zurückerobern.

Es ist nicht möglich, die Angaben beider Seiten zu überprüfen, da Journalisten nicht in das Kampfgebiet gelassen werden. Beide Seiten neigen dazu, die Angaben für gegnerische Verluste zu übertreiben und die eigenen zu verschweigen.

Nach Einschätzung von Diplomaten und anderen Beobachtern stößt die Regierungsoffensive auf stärkeren Widerstand als erwartet. Die LTTE kämpft seit 1983 für einen eigenen Staat. Dabei kamen mehr als 70.000 Menschen ums Leben.

(Quelle: ap)
 


 

Vereinte Nationen streben Wahlen in Somalia an

Do.24.04.08 - Großbritannien hat im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen neuen Vorstoß zur Befriedung von Somalia gestartet. Im Anschluss an einen Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon legte die britische UN-Vertretung am Mittwoch einen Entwurf für eine Resolution vor, die für das nächste Jahr allgemeine Wahlen in dem ostafrikanischen Land vorsieht.

In der Zwischenzeit werden alle UN-Staaten aufgerufen, Geld, Truppen und Ausrüstung für die Somalia-Friedenstruppe der Vereinten Nationen bereitzustellen. Diese hat ein Mandat für eine Truppenstärke bis zu 8.000 Mann, doch sind zurzeit nur 2.600 Soldaten aus Uganda und Burundi im Einsatz.

Der britische Resolutionsentwurf macht sich die Forderung Bans zu eigen, das für die Region zuständige politische Büro der Vereinten Nationen von der kenianischen Hauptstadt Nairobi nach Mogadischu zu verlegen. Zu dem Plan für eine politische Stabilisierung des Landes gehören auch die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und ein Verfassungsreferendum.

Somalia ist seit dem Sturz des Machthabers Mohamed Siad Barre im Jahr 1991 ohne funktionierende Regierung. Mit militärischer Unterstützung des Nachbarlandes Äthiopien vertrieb eine von den UN unterstützte Übergangsregierung Ende 2006 die bis dahin in Mogadischu herrschende islamische Miliz. Seitdem wird das Land aber immer wieder von Anschlägen und Kämpfen erschüttert.

(Quelle: ap)
 


 

Simbabwe: Koalition unter Führung Mugabes?

Do.24.04.08 - In Simbabwe hat die Staatszeitung «The Herald» in einem Meinungsartikel erstmals offen eine Koalitionsregierung unter Führung von Präsident Robert Mugabe vorgeschlagen.

Angesichts einer zunehmenden «Polarisierung» der Gesellschaft sollte der Westen seine Ablehnungshaltung gegen Mugabe aufgeben. Die Situation in dem afrikanischen Krisenstaat sei zwar düster, schreibt die Zeitung am Mittwoch, aber eine Wende sei möglich. Dafür müssten aber mehrere Bedingungen erfüllt werden

Unter Führung des regionalen Staatenbundes SADC müsse eine Koalitionsregierung geschaffen werden, die den Weg zu fairen und freien Neuwahlen ebnet. Voraussetzung sei, dass per Referendum eine Verfassung in Kraft gesetzt werde, alle Sanktionen gegen Simbabwe aufgehoben würden und akzeptiert werde, dass die Wahlen vom 29. März keinen Gewinner erbracht hätten. Wörtlich heißt es in dem Artikel: «Es ist wenig wahrscheinlich, dass die andauernde teilweise Neuauszählung daran substanziell etwas ändern wird.»

Vier Tage nach der teilweisen Neuauszählung der Stimmen für die Parlamentswahl in Simbabwe liegt unterdessen ein erstes Ergebnis vor. Wie die Wahlkommission am Mittwoch mitteilte, bestätigt dieses den Sieg der Regierungspartei von Präsident Robert Mugabe in einem der umstrittenen Wahlkreise.

Die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) hatte unter Hinweis auf Betrugsverdacht die Neuauszählung von 2, die Regierungspartei ZANU(PF) von 21 Wahlkreisen verlangt. Weitere Ergebnisse sind bisher eben so wenig bekannt wie das offizielle Ergebnis der Präsidentenwahl. Die MDC unter ihrem Vorsitzenden Morgan Tsvangirai hatte sich nach der Wahl vor mehr als drei Wochen zum Sieger erklärt.

(Quelle: dpa)
 


 

Maya in Guatemala bekommen eigenen Fernsehsender

Do.24.04.08 - Die Ureinwohner des Maya-Volkes in Guatemala können ihr kulturelles Erbe jetzt mit einem eigenen Fernsehsender pflegen. Der Sender TV Maya sollte gestern auf Sendung gehen, wie die für das Programm verantwortliche Guatemaltekische Akademie für Maya-Sprachen (ALMG) mitteilte. "Das ist die Gelegenheit, die Multikulturalität des Landes zu zeigen", sagte ALMG-Chef Domingo Pascual.

Zunächst sind täglich drei halbstündige Sendungen geplant, von denen sich eine an Kinder richtet, eine den Maya-Kalender erklärt und eine andere über Kultur und Sprachen der Ureinwohner informiert. Das Programm wird wegen der begrenzten finanziellen Mittel des Senders zunächst nur in der Hauptstadt Guatemala-Stadt ausgestrahlt. Er hoffe, dass es ab dem kommenden Jahr landesweit gezeigt werde, sagte Pascual.

Die rund sechs Millionen Maya in Mittelamerika leben in Mexiko, Belize und vor allem in Guatemala. Rund 40 Prozent der 13 Millionen Einwohner Guatemalas stammen von den Maya ab. Ihre berühmteste Vertreterin ist die Menschenrechtsaktivistin Rigoberta Menchú vom Volk der Maya-Quiché, die 1992 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

(Quelle: afp)
 


 

Programm gegen steigende Nahrungsmittelpreise in Lateinamerika -- Gemeinsame Initiative von Venezuela, Bolivien, Kuba und Nicaragua

Do.24.04.08 - Vier linksgerichtete Regierungen in Lateinamerika haben ein gemeinsames Programm gegen die steigenden Nahrungsmittelpreise beschlossen. Im Mittelpunkt der Initiative steht ein gemeinsamer Fonds mit einem Volumen von 100 Millionen Dollar (63 Millionen Euro). Außerdem wollen sich die teilnehmenden Staaten bei der Entwicklung der Landwirtschaft unterstützen.

«Diese Nahrungsmittelkrise ist die größte Demonstration für das historische Scheitern des kapitalistischen Modells», sagte der venezolanische Präsident Hugo Chávez bei dem Treffen am Mittwoch in Caracas. Die vier Staaten planten ein gemeinsames Vertriebsnetz für Lebensmittel.

In Venezuela kommt es schon seit Monaten zu Engpässen in der Versorgung mit Milch, Zucker oder Rindfleisch. Die Regierung hat einzelnen Unternehmen vorgeworfen, Produkte vom Handel zurückzuhalten. Kritiker machen aber die Preiskontrollen der Regierung für die Lage verantwortlich.

Trotz der von Chávez vor mehr als sechs Jahren eingeleiteten Agrarreform muss das Land immer noch den größten Teil seiner Nahrungsmittel importieren. Der bolivianische Präsident Evo Morales sagte in Caracas, seine Regierung habe wegen der weltweit steigenden Preise für Nahrungsmittel damit begonnen, die Kleinproduzenten von Mais, Reis, Weizen und Sojabohnen mit zinsfreien Krediten zu unterstützen.

(Quelle: ap)
 


 

UN: Falsche Politik verantwortlich für Nahrungskrise

Do.24.04.08 - Die Welternährungsorganisation hat eine jahrzehntelange falsche Politik für die Nahrungskrise verantwortlich gemacht.

"Die Situation, in der wir jetzt sind, ist das Ergebnis einer verfehlten Politik in den vergangenen 20 Jahren", sagte der Chef der UN-Organisation FAO, Jacques Diouf, am Mittwoch in Paris. Dabei kritisierte er vor allem die Halbierung von Lebensmittelhilfen in den Jahren vor der Jahrtausendwende und die großzügigen Agrarsubventionen reicher Länder, wodurch in den armen Ländern Landwirtschaft nicht attraktiv genug sei.

"Uns fehlten zwei Dinge: der politische Wille und die Mittel", sagte Diouf. "Ich hoffe, dass die jetzige Krise für den politischen Willen und die Mittel sorgt, etwas zu tun." Er rief die Staaten auf, ihre Kräfte darauf zu verwenden, die diesjährige Ernte zu einem Erfolg zu machen. Dies sei der wichtigste Kampf im Moment, sagte Diouf.

EU-Handelskommissar Peter Mandelson forderte die Welthandelsorganisation auf, Exportländer unter Druck zu setzen und damit eine Dämpfung der Preisexplosion zu erreichen. Die lebensmittelproduzierenden Länder müssten ihre Ausfuhren aufrecht halten, um eine Verschlimmerung der Krise zu verhindern, sagte Mandelson am Rande des EU-Japan-Gipfels in Tokio. "Wenn die Leute einseitige nationale Maßnahmen ergreifen, werden sie damit aller Wahrscheinlichkeit nach scheitern."

Auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Staatengemeinschaft in der Pflicht. "Es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft Maßnahmen ergreift, die dämpfend auf die Preise einwirken", sagte sie nach Gesprächen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, in dessen Land es wegen der Preisexplosion bei Lebensmitteln zu Unruhen gekommen ist. Das Thema werde daher auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) im Juli stehen. Die Kanzlerin mahnte zugleich zu Geduld. Das Problem sei "nicht sehr schnell zu lösen", sagte sie. Ziel sei eine langfristig vernünftige Entwicklung und eine entsprechende Planung der landwirtschaftlichen Anbauflächen.

Angesichts der Explosion der Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis oder Weizenmehl auf dem Weltmarkt haben Länder wie Argentinien, Ägypten oder Indonesien ihre Exporte gestoppt. Andere Staaten wie Russland haben Ausfuhren mit hohen Zöllen belegt. Für die Entwicklung werden der steigende Ernährungsbedarf von Schwellenländern wie China, die Verwendung landwirtschaftlicher Produkte für Biosprit und Preisspekulationen verantwortlich gemacht.

Bei Unruhen wegen stark gestiegener Lebensmittelpreise hat es in den vergangenen Wochen Tote in Kamerun und Haiti gegeben. In Bangladesch kam es zu Zusammenstößen zwischen hungrigen Textilarbeitern und der Polizei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief am Sonntag die internationale Gemeinschaft zu einer Lösung der globalen Nahrungsmittelkrise auf.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wies unterdessen in Genf daraufhin, dass nur auf die Bedürfnisse von Erwachsenen abgestimmte Hilfslieferungen bei Kindern zu Mangelernährung führen könnten. Es sei deshalb wichtig, dass auch Spezialnahrung für Kinder in Hungergebiete geschickt werden. Mangelernährung verursache jedes Jahre fünf Millionen Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, das weltweit 178 Millionen Kinder mangelernährt sind und 20 Millionen Kinder an schwerer Mangelernährung leiden.

boa (Quellen: rtr, ap)
 


 

Französisches Kabinett billigt große Verfassungsreform

Do.24.04.08 - Das französische Kabinett hat am Mittwoch die bislang größte Reform der politischen Institutionen der jüngeren Geschichte auf den Weg gebracht. Die Verfassungsreform sieht unter anderem eine Stärkung des Parlaments vor und eine Begrenzung des Präsidentenamts auf zwei Legislaturperioden. Außerdem soll dem Staatschef die Möglichkeit gegeben werden, vor dem Parlament zu sprechen. Die Reform muss zunächst aber von beiden Kammern des Parlaments gebilligt werden.

Die Nationalversammlung wird ab dem 20. Mai über das Reformpaket beraten, am 7. Juli soll die Verfassungsänderung dann in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Senat im Schloss Versailles beschlossen werden. Präsident Nicolas Sarkozy sprach von der größten Reform der Fünften Republik seit deren Gründung durch Charles de Gaulle. Nach der aktuellen Verfassung kann sich der Präsident - im Sinne der Gewaltenteilung - nur schriftlich ans Parlament wenden.

Im einzelnen sieht das vom Ministerrat beschlossene Paket auch vor, dass bei künftigen EU-Erweiterungen nicht mehr in jedem Fall eine Volksabstimmung durchgeführt werden soll. Das Parlament soll gestärkt werden, indem die Möglichkeit der Regierung eingeschränkt wird, Entscheidungen ohne die Zustimmung des Parlaments zu treffen. Darüber hinaus soll das Parlament künftig über Auslandseinsätze der Streitkräfte ab einer Dauer von sechs Monaten bestimmen dürfen. Alle Staatsbürger sollen außerdem neue Rechte und Möglichkeiten zur Beschwerde über die Handlungen der Exekutive bekommen.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland

Scharfe Kritik an BND-Überwachung einer Journalistin

Do.24.04.08 - Wegen der Überwachung einer «Spiegel»-Redakteurin durch den Bundesnachrichtendienst (BND) wächst der Druck auf den Geheimdienst-Chef Ernst Uhrlau.

Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele sagte am Mittwoch nach einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKG) des Bundestags, man werde nicht ohne personelle Konsequenzen auskommen. Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl hatte bereits im ARD-«Morgenmagazin» die Forderung nach einem Uhrlau-Rücktritt nicht ausgeschlossen. Im Anschluss an die PKG-Sitzung wollte er aber zunächst die weiteren Beratungen abwarten.

Das PKG hatte die Befragung Uhrlaus am Mittwoch nach zweieinhalb Stunden unterbrochen und die Sitzung auf Donnerstagmittag vertagt. Es gebe noch kein abschließendes Urteil, sagte der Vorsitzende Thomas Oppermann (SPD). Nach einem «Spiegel»-Bericht hatte der BND von Juni bis November 2006 die E-Mail-Korrespondenz der Reporterin Susanne Koelbl mit einem afghanischen Politiker aufgezeichnet. Uhrlau hatte die Journalistin am vergangenen Freitag darüber informiert und um Entschuldigung gebeten.

Uhl sagte nach der PKG-Sitzung, es seien noch entscheidende Fragen zu klären, zum Beispiel «Wann wusste wer was?». Ströbele, der von einem «Skandal» und «schwersten Grundrechtsverletzungen» sprach, erklärte, die Verantwortungen seien klar zuzuordnen. Einzelheiten konnte er allerdings nicht nennen, weil die Mitglieder des PKG zu strengster Geheimhaltung verpflichtet sind.

Uhl sagte der Zeitung «Die Welt» (Donnerstag), das Vertrauen des Kontrollgremiums «zur Leitung des BND ist parteiübergreifend nicht mehr vorhanden». Nach Informationen der Zeitung hat Ströbele in der PKG-Sitzung den Rücktritt Uhrlaus gefordert. Dieser habe erklärt, er wisse erst seit rund zwei Monaten von der Ausspähaktion. Dabei soll demnach ein «Trojaner» - ein Späh-Programm - auf der Festplatte des Computers des afghanischen Ministers eingesetzt worden sein. Die Aktion sei auf Referatsleiter-Ebene durchgeführt worden.

Vertreter aller Parteien sprachen nach der Sitzung von einer schweren Krise des Vertrauens in den BND. Der FDP-Innenexperte Max Stadler betonte, der BND habe die Grundrechte der Bürger zu beachten. Deshalb müsse alles getan werden, damit sich ein solcher Vorgang nicht wiederholt.

(Quelle: dpa)
 


 

CDU-Abgeordneter Adam nahm angeblich dubiose Spenden an

Do.24.04.08 - Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Adam soll angeblich mehr als 110.000 Euro dubioser Spendengelder von dem Chef der arbeitgeberfreundlichen Betriebsrats-Organisation AUB bei Siemens erhalten haben. Der frühere AUB-Chef Wilhelm Schelsky, der seit 14 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, habe für Adam in den Bundestagswahlkämpfen 1998, 2002 und 2005 die Kosten für Werbematerialien bezahlt, meldet die "Süddeutschen Zeitung". Adam habe dies sowohl dem Bundestagspräsidenten als auch dem Finanzamt verschwiegen. Der Abgeordnete ist Vize-Vorsitzender der CDU Mecklenburg-Vorpommern, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Wahlkreis hat.

Der Nürnberger Justizsprecher Andreas Quentin bestätigte dem Bericht zufolge den Vorgang, nannte unter Hinweis auf das Steuergeheimnis aber keine Details. Adam räumte die Sachspenden ein, deren finanziellen Wert könne er jedoch noch nicht beziffern. "Ich hätte Schelsky fragen sollen, was er ausgibt", sagte er der Zeitung. "Ich habe Fehler gemacht und das tut mir leid."

Nach eigenen Angaben bereitet Adam eine Selbstanzeige bei den Finanzbehörden vor. Sein Amt als CDU-Vize in Mecklenburg-Vorpommern lässt er dem Bericht zufolge ruhen, bis Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Vorwürfe überprüft hat. Ihn habe Adam selbst informiert.

Sollte es sich bei Schelskys Sachzuwendungen im rechtlichen Sinne um Parteispenden handeln, müsste dem Zeitungsbericht zufolge die CDU dafür haften und mit einer Geldbuße in mehrfacher Höhe der Spendensumme rechnen. Handelte es sich hingegen um eine private Schenkung, drohe Adam ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Er hat demnach die Spenden nicht als geldwerten Vorteil versteuert.

Verstoßen hat der Greifswalder Politiker nach eigener Aussage laut "Süddeutscher Zeitung" auch gegen die Verhaltensrichtlinien des Bundestages. Sie schreiben Abgeordneten vor, jede Zuwendung von mehr als 5000 Euro pro Jahr dem Bundestagspräsidenten unter Angabe des Spenders zu melden. Liegt der Betrag höher als 10.000 Euro, muss die Spende veröffentlicht werden.

Schelsky war im Februar 2007 festgenommen worden. Er soll von Siemens Millionen erhalten haben, um die IG Metall in Betriebs- und Aufsichtsrat zu schwächen. Dazu soll er die AUB als Anti-Gewerkschaftsorganisation aufgebaut haben.

(Quelle: afp)
 


 

Deutsche Bundesbank fordert Heraufsetzung des Rentenalters auf 68,5 Jahre -- Kritik in der Großen Koalition

Do.24.04.08 - Die Forderung der Deutschen Bundesbank nach einer Rente mit 68,5 Jahren ist in der Großen Koalition auf deutlichen Widerspruch gestoßen. Als «Unsinn» wies der rentenpolitische Sprecher der Union, Peter Weiß, diesen Vorschlag zurück. «Das sind abstruse Zahlenspielereien, die die Menschen nur verunsichern», sagte Weiß der «Frankfurter Rundschau». Es könne nicht nur darum gehen, das Renteneintrittsalter höher zu schrauben. «Die Menschen müssen auch länger arbeiten können», wurde Weiß zitiert.

Weiß sagte der Zeitung zufolge, die Politik habe sich und den Arbeitnehmern mit der Rente mit 67 bereits genug zugemutet. Auch Bundesarbeitsminister Olaf Scholz lehnt den Vorschlag der Deutschen Bundesbank ab. In der aktuellen Rentendebatte gebe es viele unqualifizierte Äußerungen, sagte der SPD-Politiker der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Die Forderung, das Renteneintrittsalter auf über 68 Jahre anzuheben, ist der neueste Quatsch.»

Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) reagierte einem «Bild»-Bericht zufolge zurückhaltend auf den Vorschlag: «Der demografische Wandel endet nicht 2030. Wir werden dann neue Antworten finden müssen, damit die Rente weiterhin finanzierbar bleibt», sagte der Vorstandsvorsitzende der DRV, Alexander Gunkel, dem Blatt zufolge.

(Quelle: ap)
 


 

Rüttgers' Rentenvorstoß entzweit die Union

Do.24.04.08 - In der Union wird der Ton im Streit über die Rentenpläne des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers immer rauer. Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) warf Rüttgers am Mittwoch verantwortungslose Politik vor. Der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, erklärte, Rentenpolitik nach Kassenlage führe ins Verderben. Rüttgers dagegen beharrte trotz der Ablehnung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seiner Forderung nach höheren Renten für Geringverdiener.

Ein Aufschlag auf die Renten, wie ihn Rüttgers fordere, könne letztlich nur über Steuern finanziert werden, sagte Beckstein der «Welt». «Eine Steuerfinanzierung würde bedeuten, dass wir die Rente nach Kassenlage zahlen. Wer das fordert, handelt unverantwortlich.» Er sei zu einer Aufstockung hin zu Mindestrenten nicht bereit. Das scheitere schlicht an der Finanzierbarkeit.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer, warf Rüttgers im «Handelsblatt» vor, mit seinem Vorstoß nur den ihm ins Konzept passenden Teil der Rentenbeschlüsse des Leipziger Parteitags umzusetzen. Der Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Dietrich Austermann (CDU), hält Rüttgers' Vorschlag für ungeeignet und fragwürdig. Für eine höhere Rente müssten die Beiträge angehoben werden, sagte er im Deutschlandfunk. Damit hätten die Arbeitnehmer noch weniger Geld in der Tasche als bisher.

Kritik kam auch von Gewerkschaftsseite: Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg, erklärte im Deutschlandfunk, der Rentenvorschlag gehe am Kern der aktuellen Probleme vorbei. Niedriglöhne gefährdeten das Sozialsystem.

Rüttgers sagte dagegen in der «Bild»-Zeitung, es sei ein Missstand, dass «ein Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen, der sein Leben lang Rentenbeiträge zahlt und dann zum Sozialamt gehen muss, weil seine Rente nicht zum Leben reicht». Die Menschen erwarteten, dass dieses Problem behoben werde. Rüttgers äußerte sich zuversichtlich, sein Vorhaben in der Union durchzusetzen. «Wir werden jetzt dafür werben, in der CDU eine Mehrheit für unsere Position zu bekommen. Das wird sicher gelingen, denn unser Parteitag in Leipzig hat 2003 genau das beschlossen, was wir jetzt fordern», sagte er.

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, warf der Politik einen falschen Umgang mit dem Thema Altersarmut vor. «Für mich ist unverantwortlich, wie mit der Angst vor Altersarmut Politik gemacht wird», sagte er der «Bild»-Zeitung.

Der Sozialexperte Meinhard Miegel erklärte in der «Passauer Neuen Presse»: «Diese Pläne sind völlig verfehlt. Hier geht es um teure Reparaturen an Symptomen. Damit lösen wir kein Problem.»

Derweil unterstützte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts laut «Bild»-Zeitung die Forderung der Deutschen Bundesbank nach einer Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters von 67 auf 68,5 Jahre. Die Bundesbank habe sehr verantwortungsvoll argumentiert. Die Politik sei mit den Bürgern nicht ehrlich, weil sie ihnen die Wahrheit über das Ausmaß der drohenden Rentenkrise vorenthalte.

(Quelle: ap)
 


 

DGB fordert Ergänzung zum EU-Reformvertrag

Do.24.04.08 - Die Gewerkschaften haben eine Ergänzung des EU-Reformvertrages gefordert, der am Donnerstag im Bundestag ratifiziert wird. Der DGB verlangte eine «soziale Fortschrittsklausel», um eine soziale Balance in der Europäischen Union sicherzustellen. «Die EU ist kein Selbstzweck. Sie soll dazu beitragen, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern», erklärte DGB-Chef Michael Sommer.

Der sogenannte Vertrag von Lissabon sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus, hieß es. Die soziale Balance in der EU sei durch Urteile des Europäischen Gerichtshofs in eine bedrohliche Schieflage gekommen. Es müsse das Recht von Arbeitnehmern und Gewerkschaften anerkannt werden, sich sowohl für den Schutz von bestehenden Standards als auch für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern einzusetzen. Arbeitsnehmer- und Gewerkschaftsrechte müssten den gleichen Stellenwert genießen wie die Dienstleistungsfreiheit und der Binnenmarkt.

Der Bundestag stimmt am (heutigen) Donnerstag endgültig über die Annahme des EU-Reformvertrages ab. Es wird erwartet, dass alle Fraktionen mit Ausnahme der Linksfraktion dem Vertrag von Lissabon zustimmen, der die Europäische Union auf eine neue rechtliche Grundlage stellt. Mit ihm soll die auf 27 Mitgliedstaaten angewachsene EU nach innen funktionsfähiger und nach außen handlungsfähiger werden. Ratifiziert ist er in der Bundesrepublik erst dann, wenn auch der Bundesrat am 23. Mai ihm zugestimmt hat.

(Quelle: ap)
 


 

Verhärtete Fronten im Post-Tarifstrei

Do.24.04.08 - Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post ist weiter keine Einigung in Sicht. Die Gewerkschaft ver.di rief am Mittwoch erneut zu Warnstreiks auf. Schwerpunkt waren Arbeitsniederlegungen in verschiedenen Depots für Presse- und Infopost, so dass sich die Zustellung von Katalogen, Zeitschriften oder Werbesendungen bundesweit verzögerte, teilte die Gewerkschaft anschließend in Berlin mit. Rund 400 Beschäftigte in Berlin, Köln, Essen, Hamburg, Freising, Nürnberg und Stuttgart beteiligten sich an den Warnstreiks. Auch am Donnerstag soll es Arbeitsniederlegungen geben.

ver.di hatte die Tarifverhandlungen über Entgelt, Arbeitszeit und Kündigungsschutz für die 130 000 Beschäftigten mit der Deutschen Post am Samstag für gescheitert erklärt. Vom 25. bis zum 29. April sollen die ver.di-Mitglieder in einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik abstimmen. Sollten mindestens 75 Prozent für den Ausstand votieren, startet der reguläre Streik am 2. Mai.

Während beim Kündigungsschutz Einigung besteht und die Post bereit ist, die Arbeitsplatzgarantie bis 30. Juni 2011 zu verlängern, ist bei Arbeitszeit und Entgelt keine Lösung in Sicht. Die Post hatte eine Einkommenserhöhung von 5,5 Prozent für zwei Jahre angeboten, ver.di fordert 7 Prozent für zwölf Monate. Daneben will die Post die Arbeitszeit nach Gewerkschaftsangaben von derzeit 38,5 Wochenstunden auf 41 Stunden erhöhen. Eine weitere Stunde Arbeitszeit ergebe sich zudem durch den geforderten Wegfall von Erholungspausen. ver.di sieht dadurch Tausende von Arbeitsplätzen bedroht. Die Deutsche Post sprach zuletzt hingegen von einer geforderten Arbeitszeiterhöhung von lediglich einer halben Stunde.

ver.di fordert vom Arbeitgeber die Vorlage eines verbesserten Angebots. Das lehnte die Deutsche Post am Mittwoch erneut ab. «Wir haben ein sehr verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Und wir sind der Meinung, ver.di muss sich jetzt bewegen», sagte Post-Sprecher Uwe Bensien im WDR-«Morgenecho». Er appellierte an ver.di, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

(Quelle: ddp)
 


 

Bundesarbeitsgericht stärkt Rechte von Arbeitgebern

Do.24.04.08 - Tarifverträge können nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) von den gesetzlichen Kündigungsfristen abweichen. Die Tarifvertragsparteien seien nicht verpflichtet, für Arbeitnehmer mit längerer Beschäftigungsdauer verlängerte Kündigungsfristen vorzusehen, erklärte der Zweite Senat des BAG am Mittwoch in Erfurt. Damit blieb die Klage eines über 50-jährigen Kfz-Mechanikers auch in dritter Instanz erfolglos.

Der Mann arbeitete den Angaben zufolge seit 1975 in einem Betrieb, der weniger als 20 Arbeitnehmer beschäftigte. 2005 wurde das Unternehmen stillgelegt; dem Mann wurde am 14. November 2005 zum 31. Dezember 2005 gekündigt. Zur Begründung hieß es, der einschlägige Manteltarifvertrag für die gewerblichen Arbeitnehmer und Angestellten des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern sehe für alle Kündigungen gegenüber Arbeitnehmern in Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten eine einheitliche Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Monatsende vor.

Der Kläger hielt diese tarifliche Regelung für unwirksam und meinte, das Arbeitsverhältnis ende erst mit Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist von sieben Monaten zum Monatsende, also am 30. Juni 2006. Dazu erklärten die obersten deutschen Arbeitsrichter, das Gesetz sehe zwar nach Dauer der Betriebszugehörigkeit gestaffelte Kündigungsfristen vor. So betrage etwa die gesetzliche Kündigungsfrist nach 20-jähriger Zugehörigkeit zum Betrieb sieben Monate zum Monatsende. Diese Fristen stünden aber ausdrücklich zur Disposition der Tarifvertragsparteien. Es bestehe kein Differenzierungsgebot zum Vorteil älterer Arbeitnehmer.

(Aktenzeichen: Bundesarbeitsgericht - 2 AZR 21/07 -)

(Quelle: ap)
 


 

Milchbauern drohen mit Lieferstopp

Do.24.04.08 - Die deutschen Milchbauern drohen angesichts des kräftigen Preisrutsches für ihr Produkt mit einem Aussetzen der Lieferungen.

"Sinken die Preise, wie zu erwarten, weiter, dann bleibt uns kaum eine andere Möglichkeit als der Lieferstopp", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Thorsten Sehm, der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch. "Wir sind fest zum Handeln entschlossen." Nach einer Umfrage unter den 33.000 Mitgliedern des Verbandes seien 88 Prozent der Betriebe dazu bereit. Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner sprach von einer Existenzbedrohung für viele Milchbauern. Er warf dem Lebensmitteleinzelhandel vor, mit den Preissenkungen seine Marktmacht zu missbrauchen. "Das ist schlimmster Frühkapitalismus", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Ohne Lieferungen der Milchbauern ginge den Supermärkten schnell die Frischmilch aus, sagte Sehm. Ein typisches regionales Lager fasse Milchvorräte für eineinhalb Tage. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", klagte er. Die Lage der Milchbauern sei katastrophal. Sie erhielten derzeit noch zwischen 30 und 35 Cent pro Liter Milch nach 41,7 Cent im November. Zugleich seien aber die Kosten drastisch gestiegen. "Wenn gleichzeitig die Preise für unser Produkt sinken, müssen wir uns wehren", folgerte Sehm.

Die führenden Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl hatten zu Wochenbeginn ihre Milchpreise drastisch um zwölf Cents auf 61 Cents pro Liter gesenkt. Das läuft dem derzeitigen Trend zu deutlich steigenden Nahrungsmittelpreisen zuwider.

(Quelle: rtr)
 


 

Notfallstatistik für Obdachlose gefordert

Do.24.04.08 - Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat eine bundesweite Notfallstatistik für obdachlose Menschen gefordert. Eine entsprechende Gesetzesinitiative sei längst überfällig, um das gesamte Ausmaß von Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot bestimmen zu können, erklärte Geschäftsführer Thomas Specht am Dienstag in Bielefeld. Nach jüngsten Schätzungen geht der Verband von 265.000 Wohnungslosen in Deutschland aus.

Der Geschäftsführer begrüßte eine Initiative des EU-Parlaments, das in einer 2007 verabschiedeten Deklaration zu Schutzmaßnahmen vor dem Verlust der Wohnung aufgerufen hatte. Für die Obdachlosen, die bislang auf Europas Straßen unter Brücken oder in Abrisshäusern leben, sei eine eigene Unterkunft der erste Schritt aus extremer Armut und Ausgrenzung, sagte Specht.

In der Deklaration wird die EU-Kommission den Angaben zufolge aufgefordert, eine europaweite anerkannte Definition von Wohnungslosigkeit zu schaffen, um verlässliche Daten über das Ausmaß des Problems zu sammeln. Ziel solle die Beseitigung der Wohnungslosigkeit bis zum Jahr 2015 sein.

(Quelle: epd)
 


 

Bundesregierung beschließt Bildungsprämie

Do.24.04.08 - Mit einer Bildungsprämie von jährlich bis zu 154 Euro will die Bundesregierung mehr Bürger zur Weiterbildung motivieren. Das Kabinett beschloss ein Maßnahmenpaket zum lebenslangen Lernen. Die Prämie können Geringverdiener, die höchstens 17 900 Euro im Jahr verdienen, von Oktober an als Zuschuss für die Teilnahme an Bildungskursen beantragen. Mindestens die Hälfte der Gebühren müssen sie aber selbst bezahlen. Unabhängig vom Einkommen bietet die Staatsbank KfW ab 2009 Darlehen für die Weiterbildung an.

(Quelle: dpa)
 


 

Rektoren fordern Perspektivwechsel in der Hochschullehre

Do.24.04.08 - Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat drastische Änderungen in der studentischen Ausbildung gefordert. «Wir brauchen einen Perspektivwechsel und müssen weg von der reinen Wissensvermittlung hin zu einer aktiven Aneignung von Kompetenzen», erklärte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel am Mittwoch in Berlin. Auf der HRK-Mitgliederversammlung in Jena sei eine Agenda verabschiedet worden, die Strategien für eine «Reform der Lehre in den Hochschulen» aufzeige.

Wintermantel erneuerte die Forderung der HRK nach weiteren finanziellen Mitteln zur Verbesserung der Lehre. Bis ins Jahr 2020 würden jährlich im Schnitt 2,6 Milliarden Euro zusätzlich benötigt. «Allein bis 2014 werden wir insgesamt 12,7 Milliarden Euro zusätzlich brauchen», sagte sie.

«Wir stehen in der Mitte der Bologna-Reform. Jetzt müssen wir am Ball bleiben. Dazu gehört es, dass wir auf eine angemessene Finanzierung bestehen. Die Hochschulen spannen gleichzeitig alle Kräfte an, um die Reform mit ihren richtigen Konzepten für eine bessere Lehre zu einem guten Ergebnis zu führen», sagte Wintermantel. Unter dem Bologna-Prozess ist die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes bis 2010 zu verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Umstellung auf Master- und Bachelor-Studiengänge.

Das Strategiepapier «Für eine Reform der Lehre in den Hochschulen» umfasst unter anderem die Forderung, Studierende als «selbstständige, eigenverantwortliche Lerner anzusprechen». Die Lehrenden müssten auch unter schwierigen Bedingungen den Dialog mit den Studierenden suchen. Dabei spiele die individuelle Lehrkompetenz der Professoren eine entscheidende Rolle. Andererseits müssten auch die Studierenden mehr Eigenverantwortung übernehmen.

(Quelle: ap)
 


 

Wissenschaft

Der Genpool wird immer kleiner -- UN-Konferenz in Bonn zu Verlust der Artenvielfalt - 40 Prozent der Tierarten in Deutschland bedroht

Do.24.04.08 - Im Jahr 1900 gab es in Bayern noch 35 verschiedene Rinderrassen - 2003 waren es gerade noch vier. In Sri Lanka wurden 1959 noch 2.000 verschiedene Reissorten angebaut - 2002 waren es nur noch fünf. Weltweit geht die Artenvielfalt - die sogenannte Biodiversität - immer weiter zurück, nur noch rund zehn Pflanzenarten und fünf Nutztierrassen bilden heutzutage die Basis der gesamten Welternährung. Eine UN-Konferenz in Bonn wird sich im Mai damit beschäftigen, wie der Artenschwund gestoppt oder zumindest verlangsamt werden kann.

«Die Erhaltung der biologischen Vielfalt zählt neben dem Klimawandel zu unseren dringlichsten Aufgaben - sie ist die vernachlässigte Schwester des Klimawandels», erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Anfang April bei der Biodiversitätskonferenz des Landes Rheinland-Pfalz. Allerdings sei das Thema Biodiversität «nicht ganz nordkurventauglich», räumt der Minister ein: Während den Klimawandel viele als bedrohlich für das eigene Leben empfinden, ist der Artenschutz als Thema in der Bevölkerung nicht sehr präsent.

Dabei hängen Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt eng miteinander zusammen: Einerseits ist der menschengemachte Klimawandel eine der Ursachen für den weltweiten Artenschwund, andererseits kann der Verlust der biologischen Vielfalt gleichzeitig auch den Klimawandel beschleunigen. So speichern etwa Moore große Mengen Kohlenstoff, der sich bei Trockenlegung mit Sauerstoff verbindet und in die Atmosphäre entweicht.

Der Schutz der Artenvielfalt folgt somit nicht nur rein ethisch-altruistischen Aspekten. Vielmehr geht es auch ganz handfest um den Nutzen, den Natur und Menschheit aus der Biodiversität ziehen. So sind Pflanzen, Tiere und ihre Produkte auch wirtschaftlich nutzbar, ebenso wie die genetischen Informationen einzelner Individuen, etwa als Ausgangsmaterial für pharmazeutische Forschungen.

Gabriel verweist als Beispiel auf die Erkenntnisse, die Medizin und Pharmazie aus dem Speichel der Vampirfledermaus gezogen haben: Ein Enzym dieses Speichels, das gegen Blutgerinnung wirkt, soll bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten helfen. «Wer was gegen Fledermausschutz hat, spielt möglicherweise mit seinem eigenen Leben», wehrt Gabriel folgerichtig Kritik an Naturschutzinteressen ab, die gerne als Hemmschuh für wirtschaftliche Entwicklung gesehen werden.

Der Zugang zu den genetischen Ressourcen spielt eine große Rolle bei der 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD), die vom 19. bis 30. Mai in Bonn stattfinden wird. Das CBD gehört wie das Klimarahmenabkommen und die Wüstenkonvention zu den drei völkerrechtlichen Abkommen, die 1992 beim UN-Gipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro beschlossen wurden. Hauptziele sind der Erhalt der biologischen Vielfalt, deren nachhaltige Nutzung sowie der gerechte Vorteilsausgleich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt.

Mittlerweile gehören der Konvention 189 Vertragsparteien und die EU an. Alle zwei Jahre treffen sich diese Vertragsstaaten zu einer Konferenz, auf der die Bestimmungen der einzelnen Artikel der CBD durch Beschlüsse konkretisiert werden. Bei der neunten derartigen Konferenz in Bonn soll es vor allem darum gehen, das Konventionsziel umzusetzen, den Verlust der Biodiversität bis 2010 weltweit deutlich zu reduzieren.

Umweltminister Gabriel ist sich als Gastgeber des UN-Treffens durchaus bewusst, dass «kein grundsätzlicher Wandel in einer einzigen Konferenz» zu erreichen ist. «Aber wir brauchen einen substanziellen Wandel in einer Reihe von Bereichen» betont er. Und es werde auch beobachtet, wie sich das Gastgeberland Deutschland bei dem Thema verhalte.

Schließlich hat Deutschland bei den Arten und Lebensräumen laut Bundesamt für Naturschutz mit die höchsten Gefährdungsraten in Europa: 40 Prozent der einheimischen Tierarten sind bestandsgefährdet oder extrem selten, fast die Hälfte der Pflanzengesellschaften sind aktuell gefährdet. Von den in Deutschland vorkommenden Lebensräumen sind rund 72 Prozent gefährdet.

Gründe dafür sind neben der Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen. «Der Flächenverbrauch pro Tag ist wieder auf 115 Hektar gestiegen - er war schonmal unter 100 Hektar», kritisiert Gabriel. Unzerschnittene verkehrsarme Räume von mindestens 100 Quadratkilometern Größe kommen nur noch auf 21 Prozent der Bundesfläche vor.

Artenschutz, der für viele vor allem Schutz von Elefanten oder Eisbären bedeutet, beginnt somit nicht erst in Afrika, meint Gabriel: «Ein Afrikaner wird wenig Verständnis haben, wenn bei uns der erste Bär, der um die Ecke kommt, gleich erschossen wird.»

(Quelle: ap)
 


 

Ernährung der Frau beeinflusst Geschlecht von Baby

Do.24.04.08 - Die kalorienbewusste Ernährung vieler Frauen führt laut einer britischen Studie dazu, dass in Industrieländern immer weniger Jungen geboren werden.

Forscher der Universität Exeter haben das Essverhalten von 740 schwangeren Frauen mit dem Geschlecht ihrer späteren Kinder verglichen. Das Ergebnis: Je mehr Kalorien die Mütter zum Zeitpunkt der Befruchtung zu sich genommen hatten, desto eher haben sie später einen Jungen geboren. Vor allem ein Müsli zum Frühstück erhöhe die Wahrscheinlichkeit auf einen Jungen, berichtet die Universität. Wer bei der Befruchtung hingegen gerade Diät halte, bekomme deutlich häufiger ein Mädchen. Eine schlüssige Erklärung dafür gaben die Forscher nicht. Die Arbeit ist in den «Proceedings of the Royal Society» veröffentlicht.

Die Wissenschaftler teilten die werdenden Mütter entsprechend der konsumierten Kalorien vor und zu Beginn der Schwangerschaft in drei Gruppen ein. Sie befragen die Schwangeren, bevor diese wussten, welches Geschlecht ihr Kind hat. Die Gruppe mit der größten Nahrungsaufnahme im Befruchtungszeitraum bekam zu 56 Prozent einen Sohn, in der Gruppe mit der geringsten Kalorienaufnahme waren es hingegen nur 45 Prozent. Neben den Kalorien haben die Wissenschaftler Kalium, Kalzium, die Vitamine C, E und B12 sowie Glukose im Verdacht, das Geschlecht zu beeinflussen.

Der gleiche Zusammenhang sei schon bei Pferden, Kühen und einigen Wildtieren festgestellt worden. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass das Geschlecht ausschließlich genetisch durch das Spermium bestimmt werde, das in die Eizelle eindringt. Es fehlte bislang eine Erklärung dafür, dass in den Industrieländern seit Jahren immer weniger Jungen geboren werden. Dies lasse sich nun durch die steigende Verbreitung von Diäten erklären, sagte Fiona Mathews von der Universität Exeter. Gewicht, Gesundheit und Lebensstil der werdenden Mütter haben laut der Studie hingegen keine Auswirkungen auf das Geschlecht des Kindes.

(Quelle: dpa)
 


 

Computer & Cyberspace

Medienexperten warnen vor Werbemethoden im Internet

Do.24.04.08 - Medienexperten haben vor raffinierten Werbemethoden im Internet gewarnt. Es sei ein Skandal, dass gerade Kinder diesen neuen Werbestrategien ausgesetzt seien, sagte der Medienpädagoge Franz Josef Röll am Dienstag auf einer Fachtagung in Marl. Als Beispiel nannte der Darmstädter Professor für Neue Medien das sogenannte "Virus-Marketing".

Dabei würden Jugendliche in Internet-Foren und Chaträume eingeschleust, um die Wünsche und Vorlieben ihrer Altersgenossen auszuspionieren, erläuterte Röll auf der Tagung zum Thema "Aufwachsen im Mediendschungel: Gerät die familiäre Medienerziehung an ihre Grenzen?". In einem zweiten Schritt würden dann entsprechend zugeschnittene Werbebotschaften im Internet platziert.

Die Paderborner Medienforscherin Dorothee Meister rief vor allem die Familien dazu auf, die jüngsten Mediennutzer nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade sie bräuchten Orientierung. Dabei dürfe der Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen nicht verteufelt werden, ergänzte der Kommunikationswissenschaftler Detlef Ruffert. Ihre medialen Bedürfnisse nach Unterhaltung, Entspannung und Informationen müssten anerkannt werden.

Neben der Fähigkeit, mit den heutigen Medien umzugehen, müssten Eltern und Erzieher vor allem jederzeit bereit sein, mit ihren Kindern über deren Medienkonsum zu reden, forderte Ruffert. Zuhören, Verstehen und Vertrauen seien die Eckpfeiler einer guten Medienerziehung.

Die Tagung wurde vom Medienkompetenz-Netzwerk NRW mekonet veranstaltet. Die Materialien zur Veranstaltung werden in den nächsten Tagen unter http://www.mekonet.de im Internet veröffentlicht.

(Quelle: epd)
 
 
 
 

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