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Irak am 1493sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkische Armee bombardiert PKK-Ziele im Nordirak. Briten und
Amerikaner greifen massiv in Basra ein
Do.24.04.08 - Die türkische Armee hat im Nordirak nach Informationen aus
Militärkreisen Stützpunkte von PKK-Rebellen bombardiert.
Mindestens vier Kampfjets hätten die Angriffe am Nachmittag
geflogen, sagte ein Vertreter der türkischen Armee am Mittwoch.
Informationen über Opfer lägen ihm nicht vor. Die PKK
bestätigte die Bombardierungen. Dabei sei aber niemand zu Schaden
gekommen, erklärte ein Sprecher.
Die Türkei geht seit Monaten immer wieder gegen die PKK vor, die
den Norden des Irak als Rückzugsgebiet nutzt. Ende Februar leitete
die Armee eine einwöchige Bodenoffensive in der Region ein. Die
PKK hat vor mehr als 20 Jahren ihren Kampf für einen eigenen
Kurden-Staat aufgenommen.
Britische und amerikanische Spezialeinheiten unterstützen derweil
im südirakischen Basra massiv den Kampf der Iraker gegen
schiitische Milizionäre. Wie der britische Sender BBC berichtete,
wurden in den vergangenen zwei Wochen bis zu 1000 US-Soldaten nach
Basra verlegt.
Seit Wochen toben Kämpfe zwischen den Milizen und irakischen
Verbänden. Die Gefechte griffen von Basra auf andere Teile des
Iraks über. Hunderte von Menschen verloren bislang ihr Leben.
Bisher konnten die Milizen nicht entwaffnet werden.
Unter anderem greifen US-Marineinfanteristen den Regierungstruppen in
ihrem Kampf gegen die Miliz des radikalen Schiiten-Predigers Muktada
al-Sadr unter die Arme. Das US-Militär meldete, am Montag sei ein
US-Soldat in Basra bei einer Sprengstoffattacke getötet worden.
Zwei weitere US-Marineinfanteristen kamen am Dienstag durch einen
Selbstmordanschlag mit einer Autobombe in der westlichen Anbar-Provinz
ums Leben. Nach einem Bericht des US-Militärkommandos wurden bei
dem Anschlag an einer Straßensperre in der Stadt Ramadi auch drei
US-Soldaten, zwei irakische Polizisten und 24 Zivilisten verletzt.
Irakische Medien hatten am Dienstag lediglich über irakische Opfer
des Anschlags berichtet.
(Quellen: rtr, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 24.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendneunundzwanzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.24.04.07 - US-Kongress weiter auf Konfrontationskurs zu Bush - Forderung nach
Zeitplan für Abzug aus dem Irak +++ USA wollen geplante Mauer in
Bagdad erneut prüfen +++ Mindestens 27 Tote bei
Selbstmordanschlägen im Irak - Unter den Opfern neun US-Soldaten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704240.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Anzeichen für höhere Terror-Gefahr in Nordafghanistan -- 13
Menschen bei Anschlägen getötet
Do.24.04.08 - Die deutsche Regierung hat Anzeichen für eine Verlagerung von
Terroraktivitäten aus dem Süden Afghanistans nach Norden.
Damit könnte ein größerer Einsatz der Bundeswehr
nötig werden.
"Wir beobachten, dass sich bestimmte Terroristengruppen in den Norden
bewegen", sagte Thomas Raabe, Sprecher des Verteidigungsministeriums,
am Mittwoch in Berlin. Die Gruppen kommen demnach offenbar auf zwei
Wegen aus dem Süden über Kabul in den Verantwortungsbereich
Deutschlands. "Wenn sich diese Entwicklung bewahrheiten sollte,
wäre es sicherlich klug, darauf zu reagieren bei der Erteilung des
nächsten Mandats."
Raabe deutete damit erneut an, dass die Koalition im Herbst beim
Parlament ein höheres Mandat beantragen könnte. Dies wird
wegen einer veränderten militärischen Lage seit Monaten
gefordert. Das bisherige Bundestagsmandat sieht den Einsatz von bis zu
3500 Soldaten im Norden vor, der im Vergleich zu anderen Teilen als
weniger gefährlich gilt.
Raabe verwies darauf, dass es seit dem letzten Mandatsbeschluss im
Oktober 2007 eine Reihe von Anschlägen im Bereich der Bundeswehr
gab. Die deutschen Soldaten sollen zudem die Ausbildung der
afghanischen Armee verstärken und Deutschland übernahm
zuletzt auch die Führung der schnellen Eingreiftruppe in der
Region. Wie lange die Bundeswehr diese Aufgabe behalte, sei unklar,
sagte Raabe. Zudem werde über eine Aufstockung des Mandats erst im
Herbst beraten. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte bereits am
Dienstag jüngste Forderungen des Bundeswehr-Verbands
zurückgewiesen, das deutsche Kontingent vorher aufzustocken.
Bei Anschlägen im Nordwesten, Osten und Süden Afghanistans
töteten die radikal-islamischen Taliban am Mittwoch 13 Menschen,
darunter zehn Polizisten. In Kunar im Grenzgebiet zu Pakistan
stürmten Extremisten eine Polizeistation und erschossen fünf
Offiziere. Beim anschließenden Gefecht seien auch 13 Taliban
getötet worden, sagte ein Kommandeur der Grenztruppen. Drei
weitere Polizisten starben bei einem Anschlag in der nordwestlichen
Provinz Badghis. Im Bezirk Girischk in der südlichen Provinz
Helmand sprengte sich ein Selbstmordattentäter am Eingang eines
Polizeistützpunktes in die Luft. Dabei seien zwei Beamte
getötet worden, teilte die Polizei mit. Bei einem
Selbstmordanschlag auf einen Basar in Spin Boldak im Südosten
kamen drei Zivilisten ums Leben, 14 weitere wurden verletzt.
(Quelle: rtr)
Fast 70 Tote bei schwersten Kämpfen des Jahres in Sri Lanka --
Regierung will von tamilischen Rebellen besetztes Gebiet
zurückerobern
Do.24.04.08 - Bei den schwersten Kämpfen in Sri Lanka seit Jahresbeginn sind am
Mittwoch nach Militärangaben 52 Rebellen und 15 Soldaten
getötet worden. Die Regierungstruppen feuerten mit Gewehren,
Mörsern und Panzern auf die tamilischen Rebellen, als diese
versuchten, ein vom Heer kontrolliertes Gebiet nördlich der
Halbinsel Jaffna einzunehmen, wie die Streitkräfte mitteilten. 74
Soldaten seien bei dem Gefecht verwundet worden.
Ein Sprecher der Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
erklärte, die Streitkräfte hätten die Kämpfe im
Bezirk Muhamalai provoziert, indem sie auf ihr Gebiet vorgerückt
seien. Die LTTE kontrolliert weite Teile im Norden des Landes. Seit Ende
Dezember eskalieren die Kämpfe zunehmend. Ein Waffenstillstand
wurde offiziell aufgekündigt. Die Regierung hat erklärt, sie
wolle die Rebellen bis Ende des Jahres militärisch bezwingen und
die Gebiete im Norden der Insel zurückerobern.
Es ist nicht möglich, die Angaben beider Seiten zu
überprüfen, da Journalisten nicht in das Kampfgebiet gelassen
werden. Beide Seiten neigen dazu, die Angaben für gegnerische
Verluste zu übertreiben und die eigenen zu verschweigen.
Nach Einschätzung von Diplomaten und anderen Beobachtern
stößt die Regierungsoffensive auf stärkeren Widerstand
als erwartet. Die LTTE kämpft seit 1983 für einen eigenen
Staat. Dabei kamen mehr als 70.000 Menschen ums Leben.
(Quelle: ap)
Vereinte Nationen streben Wahlen in Somalia an
Do.24.04.08 - Großbritannien hat im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen
neuen Vorstoß zur Befriedung von Somalia gestartet. Im Anschluss
an einen Bericht von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon legte die
britische UN-Vertretung am Mittwoch einen Entwurf für eine
Resolution vor, die für das nächste Jahr allgemeine Wahlen in
dem ostafrikanischen Land vorsieht.
In der Zwischenzeit werden alle UN-Staaten aufgerufen, Geld, Truppen
und Ausrüstung für die Somalia-Friedenstruppe der Vereinten
Nationen bereitzustellen. Diese hat ein Mandat für eine
Truppenstärke bis zu 8.000 Mann, doch sind zurzeit nur 2.600
Soldaten aus Uganda und Burundi im Einsatz.
Der britische Resolutionsentwurf macht sich die Forderung Bans zu
eigen, das für die Region zuständige politische Büro der
Vereinten Nationen von der kenianischen Hauptstadt Nairobi nach
Mogadischu zu verlegen. Zu dem Plan für eine politische
Stabilisierung des Landes gehören auch die Ausarbeitung einer
neuen Verfassung und ein Verfassungsreferendum.
Somalia ist seit dem Sturz des Machthabers Mohamed Siad Barre im Jahr
1991 ohne funktionierende Regierung. Mit militärischer
Unterstützung des Nachbarlandes Äthiopien vertrieb eine von
den UN unterstützte Übergangsregierung Ende 2006 die bis
dahin in Mogadischu herrschende islamische Miliz. Seitdem wird das Land
aber immer wieder von Anschlägen und Kämpfen erschüttert.
(Quelle: ap)
Simbabwe: Koalition unter Führung Mugabes?
Do.24.04.08 - In Simbabwe hat die Staatszeitung «The Herald» in einem
Meinungsartikel erstmals offen eine Koalitionsregierung unter
Führung von Präsident Robert Mugabe vorgeschlagen.
Angesichts einer zunehmenden «Polarisierung» der
Gesellschaft sollte der Westen seine Ablehnungshaltung gegen Mugabe
aufgeben. Die Situation in dem afrikanischen Krisenstaat sei zwar
düster, schreibt die Zeitung am Mittwoch, aber eine Wende sei
möglich. Dafür müssten aber mehrere Bedingungen
erfüllt werden
Unter Führung des regionalen Staatenbundes SADC müsse eine
Koalitionsregierung geschaffen werden, die den Weg zu fairen und freien
Neuwahlen ebnet. Voraussetzung sei, dass per Referendum eine Verfassung
in Kraft gesetzt werde, alle Sanktionen gegen Simbabwe aufgehoben
würden und akzeptiert werde, dass die Wahlen vom 29. März
keinen Gewinner erbracht hätten. Wörtlich heißt es in
dem Artikel: «Es ist wenig wahrscheinlich, dass die andauernde
teilweise Neuauszählung daran substanziell etwas ändern
wird.»
Vier Tage nach der teilweisen Neuauszählung der Stimmen für
die Parlamentswahl in Simbabwe liegt unterdessen ein erstes Ergebnis
vor. Wie die Wahlkommission am Mittwoch mitteilte, bestätigt dieses
den Sieg der Regierungspartei von Präsident Robert Mugabe in einem
der umstrittenen Wahlkreise.
Die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) hatte
unter Hinweis auf Betrugsverdacht die Neuauszählung von 2, die
Regierungspartei ZANU(PF) von 21 Wahlkreisen verlangt. Weitere
Ergebnisse sind bisher eben so wenig bekannt wie das offizielle Ergebnis
der Präsidentenwahl. Die MDC unter ihrem Vorsitzenden Morgan
Tsvangirai hatte sich nach der Wahl vor mehr als drei Wochen zum Sieger
erklärt.
(Quelle: dpa)
Maya in Guatemala bekommen eigenen Fernsehsender
Do.24.04.08 - Die Ureinwohner des Maya-Volkes in Guatemala können ihr
kulturelles Erbe jetzt mit einem eigenen Fernsehsender pflegen. Der
Sender TV Maya sollte gestern auf Sendung gehen, wie die für das
Programm verantwortliche Guatemaltekische Akademie für
Maya-Sprachen (ALMG) mitteilte. "Das ist die Gelegenheit, die
Multikulturalität des Landes zu zeigen", sagte ALMG-Chef Domingo
Pascual.
Zunächst sind täglich drei halbstündige Sendungen
geplant, von denen sich eine an Kinder richtet, eine den Maya-Kalender
erklärt und eine andere über Kultur und Sprachen der
Ureinwohner informiert. Das Programm wird wegen der begrenzten
finanziellen Mittel des Senders zunächst nur in der Hauptstadt
Guatemala-Stadt ausgestrahlt. Er hoffe, dass es ab dem kommenden Jahr
landesweit gezeigt werde, sagte Pascual.
Die rund sechs Millionen Maya in Mittelamerika leben in Mexiko, Belize
und vor allem in Guatemala. Rund 40 Prozent der 13 Millionen Einwohner
Guatemalas stammen von den Maya ab. Ihre berühmteste Vertreterin
ist die Menschenrechtsaktivistin Rigoberta Menchú vom Volk der
Maya-Quiché, die 1992 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet
wurde.
(Quelle: afp)
Programm gegen steigende Nahrungsmittelpreise in Lateinamerika --
Gemeinsame Initiative von Venezuela, Bolivien, Kuba und Nicaragua
Do.24.04.08 - Vier linksgerichtete Regierungen in Lateinamerika haben ein gemeinsames
Programm gegen die steigenden Nahrungsmittelpreise beschlossen. Im
Mittelpunkt der Initiative steht ein gemeinsamer Fonds mit einem
Volumen von 100 Millionen Dollar (63 Millionen Euro). Außerdem
wollen sich die teilnehmenden Staaten bei der Entwicklung der
Landwirtschaft unterstützen.
«Diese Nahrungsmittelkrise ist die größte
Demonstration für das historische Scheitern des kapitalistischen
Modells», sagte der venezolanische Präsident Hugo
Chávez bei dem Treffen am Mittwoch in Caracas. Die vier Staaten
planten ein gemeinsames Vertriebsnetz für Lebensmittel.
In Venezuela kommt es schon seit Monaten zu Engpässen in der
Versorgung mit Milch, Zucker oder Rindfleisch. Die Regierung hat
einzelnen Unternehmen vorgeworfen, Produkte vom Handel
zurückzuhalten. Kritiker machen aber die Preiskontrollen der
Regierung für die Lage verantwortlich.
Trotz der von Chávez vor mehr als sechs Jahren eingeleiteten
Agrarreform muss das Land immer noch den größten Teil seiner
Nahrungsmittel importieren. Der bolivianische Präsident Evo
Morales sagte in Caracas, seine Regierung habe wegen der weltweit
steigenden Preise für Nahrungsmittel damit begonnen, die
Kleinproduzenten von Mais, Reis, Weizen und Sojabohnen mit zinsfreien
Krediten zu unterstützen.
(Quelle: ap)
UN: Falsche Politik verantwortlich für Nahrungskrise
Do.24.04.08 - Die Welternährungsorganisation hat eine jahrzehntelange falsche
Politik für die Nahrungskrise verantwortlich gemacht.
"Die Situation, in der wir jetzt sind, ist das Ergebnis einer
verfehlten Politik in den vergangenen 20 Jahren", sagte der Chef der
UN-Organisation FAO, Jacques Diouf, am Mittwoch in Paris. Dabei
kritisierte er vor allem die Halbierung von Lebensmittelhilfen in den
Jahren vor der Jahrtausendwende und die großzügigen
Agrarsubventionen reicher Länder, wodurch in den armen
Ländern Landwirtschaft nicht attraktiv genug sei.
"Uns fehlten zwei Dinge: der politische Wille und die Mittel", sagte
Diouf. "Ich hoffe, dass die jetzige Krise für den politischen
Willen und die Mittel sorgt, etwas zu tun." Er rief die Staaten auf,
ihre Kräfte darauf zu verwenden, die diesjährige Ernte zu
einem Erfolg zu machen. Dies sei der wichtigste Kampf im Moment, sagte
Diouf.
EU-Handelskommissar Peter Mandelson forderte die
Welthandelsorganisation auf, Exportländer unter Druck zu setzen
und damit eine Dämpfung der Preisexplosion zu erreichen. Die
lebensmittelproduzierenden Länder müssten ihre Ausfuhren
aufrecht halten, um eine Verschlimmerung der Krise zu verhindern, sagte
Mandelson am Rande des EU-Japan-Gipfels in Tokio. "Wenn die Leute
einseitige nationale Maßnahmen ergreifen, werden sie damit aller
Wahrscheinlichkeit nach scheitern."
Auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die
Staatengemeinschaft in der Pflicht. "Es ist wichtig, dass die
internationale Gemeinschaft Maßnahmen ergreift, die dämpfend
auf die Preise einwirken", sagte sie nach Gesprächen mit dem
ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, in dessen Land es
wegen der Preisexplosion bei Lebensmitteln zu Unruhen gekommen ist. Das
Thema werde daher auf der Tagesordnung des Gipfeltreffens der sieben
führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) im Juli stehen. Die
Kanzlerin mahnte zugleich zu Geduld. Das Problem sei "nicht sehr
schnell zu lösen", sagte sie. Ziel sei eine langfristig
vernünftige Entwicklung und eine entsprechende Planung der
landwirtschaftlichen Anbauflächen.
Angesichts der Explosion der Preise für Grundnahrungsmittel wie
Reis oder Weizenmehl auf dem Weltmarkt haben Länder wie
Argentinien, Ägypten oder Indonesien ihre Exporte gestoppt. Andere
Staaten wie Russland haben Ausfuhren mit hohen Zöllen belegt.
Für die Entwicklung werden der steigende Ernährungsbedarf von
Schwellenländern wie China, die Verwendung landwirtschaftlicher
Produkte für Biosprit und Preisspekulationen verantwortlich
gemacht.
Bei Unruhen wegen stark gestiegener Lebensmittelpreise hat es in den
vergangenen Wochen Tote in Kamerun und Haiti gegeben. In Bangladesch kam
es zu Zusammenstößen zwischen hungrigen Textilarbeitern und
der Polizei. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief am Sonntag die
internationale Gemeinschaft zu einer Lösung der globalen
Nahrungsmittelkrise auf.
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wies unterdessen in Genf
daraufhin, dass nur auf die Bedürfnisse von Erwachsenen abgestimmte
Hilfslieferungen bei Kindern zu Mangelernährung führen
könnten. Es sei deshalb wichtig, dass auch Spezialnahrung für
Kinder in Hungergebiete geschickt werden. Mangelernährung
verursache jedes Jahre fünf Millionen Todesfälle bei Kindern
unter fünf Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
schätzt, das weltweit 178 Millionen Kinder mangelernährt sind
und 20 Millionen Kinder an schwerer Mangelernährung leiden.
boa (Quellen: rtr, ap)
Französisches Kabinett billigt große Verfassungsreform
Do.24.04.08 - Das französische Kabinett hat am Mittwoch die bislang
größte Reform der politischen Institutionen der
jüngeren Geschichte auf den Weg gebracht. Die Verfassungsreform
sieht unter anderem eine Stärkung des Parlaments vor und eine
Begrenzung des Präsidentenamts auf zwei Legislaturperioden.
Außerdem soll dem Staatschef die Möglichkeit gegeben werden,
vor dem Parlament zu sprechen. Die Reform muss zunächst aber von
beiden Kammern des Parlaments gebilligt werden.
Die Nationalversammlung wird ab dem 20. Mai über das Reformpaket
beraten, am 7. Juli soll die Verfassungsänderung dann in einer
gemeinsamen Sitzung mit dem Senat im Schloss Versailles beschlossen
werden. Präsident Nicolas Sarkozy sprach von der
größten Reform der Fünften Republik seit deren
Gründung durch Charles de Gaulle. Nach der aktuellen Verfassung
kann sich der Präsident - im Sinne der Gewaltenteilung - nur
schriftlich ans Parlament wenden.
Im einzelnen sieht das vom Ministerrat beschlossene Paket auch vor,
dass bei künftigen EU-Erweiterungen nicht mehr in jedem Fall eine
Volksabstimmung durchgeführt werden soll. Das Parlament soll
gestärkt werden, indem die Möglichkeit der Regierung
eingeschränkt wird, Entscheidungen ohne die Zustimmung des
Parlaments zu treffen. Darüber hinaus soll das Parlament
künftig über Auslandseinsätze der Streitkräfte ab
einer Dauer von sechs Monaten bestimmen dürfen. Alle
Staatsbürger sollen außerdem neue Rechte und
Möglichkeiten zur Beschwerde über die Handlungen der
Exekutive bekommen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Scharfe Kritik an BND-Überwachung einer Journalistin
Do.24.04.08 - Wegen der Überwachung einer «Spiegel»-Redakteurin
durch den Bundesnachrichtendienst (BND) wächst der Druck auf den
Geheimdienst-Chef Ernst Uhrlau.
Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele sagte am
Mittwoch nach einer Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums
(PKG) des Bundestags, man werde nicht ohne personelle Konsequenzen
auskommen. Der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl hatte bereits im
ARD-«Morgenmagazin» die Forderung nach einem
Uhrlau-Rücktritt nicht ausgeschlossen. Im Anschluss an die
PKG-Sitzung wollte er aber zunächst die weiteren Beratungen
abwarten.
Das PKG hatte die Befragung Uhrlaus am Mittwoch nach zweieinhalb
Stunden unterbrochen und die Sitzung auf Donnerstagmittag vertagt. Es
gebe noch kein abschließendes Urteil, sagte der Vorsitzende
Thomas Oppermann (SPD). Nach einem «Spiegel»-Bericht hatte
der BND von Juni bis November 2006 die E-Mail-Korrespondenz der
Reporterin Susanne Koelbl mit einem afghanischen Politiker
aufgezeichnet. Uhrlau hatte die Journalistin am vergangenen Freitag
darüber informiert und um Entschuldigung gebeten.
Uhl sagte nach der PKG-Sitzung, es seien noch entscheidende Fragen zu
klären, zum Beispiel «Wann wusste wer was?».
Ströbele, der von einem «Skandal» und
«schwersten Grundrechtsverletzungen» sprach, erklärte,
die Verantwortungen seien klar zuzuordnen. Einzelheiten konnte er
allerdings nicht nennen, weil die Mitglieder des PKG zu strengster
Geheimhaltung verpflichtet sind.
Uhl sagte der Zeitung «Die Welt» (Donnerstag), das
Vertrauen des Kontrollgremiums «zur Leitung des BND ist
parteiübergreifend nicht mehr vorhanden». Nach Informationen
der Zeitung hat Ströbele in der PKG-Sitzung den Rücktritt
Uhrlaus gefordert. Dieser habe erklärt, er wisse erst seit rund
zwei Monaten von der Ausspähaktion. Dabei soll demnach ein
«Trojaner» - ein Späh-Programm - auf der Festplatte
des Computers des afghanischen Ministers eingesetzt worden sein. Die
Aktion sei auf Referatsleiter-Ebene durchgeführt worden.
Vertreter aller Parteien sprachen nach der Sitzung von einer schweren
Krise des Vertrauens in den BND. Der FDP-Innenexperte Max Stadler
betonte, der BND habe die Grundrechte der Bürger zu beachten.
Deshalb müsse alles getan werden, damit sich ein solcher Vorgang
nicht wiederholt.
(Quelle: dpa)
CDU-Abgeordneter Adam nahm angeblich dubiose Spenden an
Do.24.04.08 - Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Adam soll angeblich mehr als
110.000 Euro dubioser Spendengelder von dem Chef der
arbeitgeberfreundlichen Betriebsrats-Organisation AUB bei Siemens
erhalten haben. Der frühere AUB-Chef Wilhelm Schelsky, der seit 14
Monaten in Untersuchungshaft sitzt, habe für Adam in den
Bundestagswahlkämpfen 1998, 2002 und 2005 die Kosten für
Werbematerialien bezahlt, meldet die "Süddeutschen Zeitung". Adam
habe dies sowohl dem Bundestagspräsidenten als auch dem Finanzamt
verschwiegen. Der Abgeordnete ist Vize-Vorsitzender der CDU
Mecklenburg-Vorpommern, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren
Wahlkreis hat.
Der Nürnberger Justizsprecher Andreas Quentin bestätigte dem
Bericht zufolge den Vorgang, nannte unter Hinweis auf das
Steuergeheimnis aber keine Details. Adam räumte die Sachspenden
ein, deren finanziellen Wert könne er jedoch noch nicht beziffern.
"Ich hätte Schelsky fragen sollen, was er ausgibt", sagte er der
Zeitung. "Ich habe Fehler gemacht und das tut mir leid."
Nach eigenen Angaben bereitet Adam eine Selbstanzeige bei den
Finanzbehörden vor. Sein Amt als CDU-Vize in
Mecklenburg-Vorpommern lässt er dem Bericht zufolge ruhen, bis
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Vorwürfe
überprüft hat. Ihn habe Adam selbst informiert.
Sollte es sich bei Schelskys Sachzuwendungen im rechtlichen Sinne um
Parteispenden handeln, müsste dem Zeitungsbericht zufolge die CDU
dafür haften und mit einer Geldbuße in mehrfacher Höhe
der Spendensumme rechnen. Handelte es sich hingegen um eine private
Schenkung, drohe Adam ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Er hat
demnach die Spenden nicht als geldwerten Vorteil versteuert.
Verstoßen hat der Greifswalder Politiker nach eigener Aussage
laut "Süddeutscher Zeitung" auch gegen die Verhaltensrichtlinien
des Bundestages. Sie schreiben Abgeordneten vor, jede Zuwendung von
mehr als 5000 Euro pro Jahr dem Bundestagspräsidenten unter Angabe
des Spenders zu melden. Liegt der Betrag höher als 10.000 Euro,
muss die Spende veröffentlicht werden.
Schelsky war im Februar 2007 festgenommen worden. Er soll von Siemens
Millionen erhalten haben, um die IG Metall in Betriebs- und
Aufsichtsrat zu schwächen. Dazu soll er die AUB als
Anti-Gewerkschaftsorganisation aufgebaut haben.
(Quelle: afp)
Deutsche Bundesbank fordert Heraufsetzung des Rentenalters auf 68,5
Jahre -- Kritik in der Großen Koalition
Do.24.04.08 - Die Forderung der Deutschen Bundesbank nach einer Rente mit 68,5 Jahren
ist in der Großen Koalition auf deutlichen Widerspruch
gestoßen. Als «Unsinn» wies der rentenpolitische
Sprecher der Union, Peter Weiß, diesen Vorschlag zurück.
«Das sind abstruse Zahlenspielereien, die die Menschen nur
verunsichern», sagte Weiß der «Frankfurter
Rundschau». Es könne nicht nur darum gehen, das
Renteneintrittsalter höher zu schrauben. «Die Menschen
müssen auch länger arbeiten können», wurde
Weiß zitiert.
Weiß sagte der Zeitung zufolge, die Politik habe sich und den
Arbeitnehmern mit der Rente mit 67 bereits genug zugemutet. Auch
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz lehnt den Vorschlag der Deutschen
Bundesbank ab. In der aktuellen Rentendebatte gebe es viele
unqualifizierte Äußerungen, sagte der SPD-Politiker der
«Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Die Forderung,
das Renteneintrittsalter auf über 68 Jahre anzuheben, ist der
neueste Quatsch.»
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) reagierte einem
«Bild»-Bericht zufolge zurückhaltend auf den
Vorschlag: «Der demografische Wandel endet nicht 2030. Wir werden
dann neue Antworten finden müssen, damit die Rente weiterhin
finanzierbar bleibt», sagte der Vorstandsvorsitzende der DRV,
Alexander Gunkel, dem Blatt zufolge.
(Quelle: ap)
Rüttgers' Rentenvorstoß entzweit die Union
Do.24.04.08 - In der Union wird der Ton im Streit über die Rentenpläne des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers immer rauer. Der bayerische Ministerpräsident
Günther Beckstein (CSU) warf Rüttgers am Mittwoch
verantwortungslose Politik vor. Der Chef des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt
Lauk, erklärte, Rentenpolitik nach Kassenlage führe ins
Verderben. Rüttgers dagegen beharrte trotz der Ablehnung durch
Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seiner Forderung nach höheren
Renten für Geringverdiener.
Ein Aufschlag auf die Renten, wie ihn Rüttgers fordere, könne
letztlich nur über Steuern finanziert werden, sagte Beckstein der
«Welt». «Eine Steuerfinanzierung würde bedeuten,
dass wir die Rente nach Kassenlage zahlen. Wer das fordert, handelt
unverantwortlich.» Er sei zu einer Aufstockung hin zu
Mindestrenten nicht bereit. Das scheitere schlicht an der
Finanzierbarkeit.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer,
warf Rüttgers im «Handelsblatt» vor, mit seinem
Vorstoß nur den ihm ins Konzept passenden Teil der
Rentenbeschlüsse des Leipziger Parteitags umzusetzen. Der
Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Dietrich Austermann (CDU),
hält Rüttgers' Vorschlag für ungeeignet und
fragwürdig. Für eine höhere Rente müssten die
Beiträge angehoben werden, sagte er im Deutschlandfunk. Damit
hätten die Arbeitnehmer noch weniger Geld in der Tasche als bisher.
Kritik kam auch von Gewerkschaftsseite: Der Vorsitzende der
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef
Möllenberg, erklärte im Deutschlandfunk, der Rentenvorschlag
gehe am Kern der aktuellen Probleme vorbei. Niedriglöhne
gefährdeten das Sozialsystem.
Rüttgers sagte dagegen in der «Bild»-Zeitung, es sei
ein Missstand, dass «ein Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen, der
sein Leben lang Rentenbeiträge zahlt und dann zum Sozialamt gehen
muss, weil seine Rente nicht zum Leben reicht». Die Menschen
erwarteten, dass dieses Problem behoben werde. Rüttgers
äußerte sich zuversichtlich, sein Vorhaben in der Union
durchzusetzen. «Wir werden jetzt dafür werben, in der CDU
eine Mehrheit für unsere Position zu bekommen. Das wird sicher
gelingen, denn unser Parteitag in Leipzig hat 2003 genau das
beschlossen, was wir jetzt fordern», sagte er.
Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, warf der Politik einen
falschen Umgang mit dem Thema Altersarmut vor. «Für mich ist
unverantwortlich, wie mit der Angst vor Altersarmut Politik gemacht
wird», sagte er der «Bild»-Zeitung.
Der Sozialexperte Meinhard Miegel erklärte in der «Passauer
Neuen Presse»: «Diese Pläne sind völlig verfehlt.
Hier geht es um teure Reparaturen an Symptomen. Damit lösen wir
kein Problem.»
Derweil unterstützte der Präsident des Münchner
Ifo-Instituts laut «Bild»-Zeitung die Forderung der
Deutschen Bundesbank nach einer Erhöhung des gesetzlichen
Rentenalters von 67 auf 68,5 Jahre. Die Bundesbank habe sehr
verantwortungsvoll argumentiert. Die Politik sei mit den Bürgern
nicht ehrlich, weil sie ihnen die Wahrheit über das Ausmaß
der drohenden Rentenkrise vorenthalte.
(Quelle: ap)
DGB fordert Ergänzung zum EU-Reformvertrag
Do.24.04.08 - Die Gewerkschaften haben eine Ergänzung des EU-Reformvertrages
gefordert, der am Donnerstag im Bundestag ratifiziert wird. Der DGB
verlangte eine «soziale Fortschrittsklausel», um eine
soziale Balance in der Europäischen Union sicherzustellen.
«Die EU ist kein Selbstzweck. Sie soll dazu beitragen, die
Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern»,
erklärte DGB-Chef Michael Sommer.
Der sogenannte Vertrag von Lissabon sei zwar ein Schritt in die
richtige Richtung, reiche aber nicht aus, hieß es. Die soziale
Balance in der EU sei durch Urteile des Europäischen Gerichtshofs
in eine bedrohliche Schieflage gekommen. Es müsse das Recht von
Arbeitnehmern und Gewerkschaften anerkannt werden, sich sowohl für
den Schutz von bestehenden Standards als auch für die Verbesserung
der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern einzusetzen.
Arbeitsnehmer- und Gewerkschaftsrechte müssten den gleichen
Stellenwert genießen wie die Dienstleistungsfreiheit und der
Binnenmarkt.
Der Bundestag stimmt am (heutigen) Donnerstag endgültig über
die Annahme des EU-Reformvertrages ab. Es wird erwartet, dass alle
Fraktionen mit Ausnahme der Linksfraktion dem Vertrag von Lissabon
zustimmen, der die Europäische Union auf eine neue rechtliche
Grundlage stellt. Mit ihm soll die auf 27 Mitgliedstaaten angewachsene
EU nach innen funktionsfähiger und nach außen
handlungsfähiger werden. Ratifiziert ist er in der Bundesrepublik
erst dann, wenn auch der Bundesrat am 23. Mai ihm zugestimmt hat.
(Quelle: ap)
Verhärtete Fronten im Post-Tarifstrei
Do.24.04.08 - Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post ist weiter keine Einigung in
Sicht. Die Gewerkschaft ver.di rief am Mittwoch erneut zu Warnstreiks
auf. Schwerpunkt waren Arbeitsniederlegungen in verschiedenen Depots
für Presse- und Infopost, so dass sich die Zustellung von
Katalogen, Zeitschriften oder Werbesendungen bundesweit
verzögerte, teilte die Gewerkschaft anschließend in Berlin
mit. Rund 400 Beschäftigte in Berlin, Köln, Essen, Hamburg,
Freising, Nürnberg und Stuttgart beteiligten sich an den
Warnstreiks. Auch am Donnerstag soll es Arbeitsniederlegungen geben.
ver.di hatte die Tarifverhandlungen über Entgelt, Arbeitszeit und
Kündigungsschutz für die 130 000 Beschäftigten mit der
Deutschen Post am Samstag für gescheitert erklärt. Vom 25.
bis zum 29. April sollen die ver.di-Mitglieder in einer Urabstimmung
über einen unbefristeten Streik abstimmen. Sollten mindestens 75
Prozent für den Ausstand votieren, startet der reguläre
Streik am 2. Mai.
Während beim Kündigungsschutz Einigung besteht und die Post
bereit ist, die Arbeitsplatzgarantie bis 30. Juni 2011 zu
verlängern, ist bei Arbeitszeit und Entgelt keine Lösung in
Sicht. Die Post hatte eine Einkommenserhöhung von 5,5 Prozent
für zwei Jahre angeboten, ver.di fordert 7 Prozent für
zwölf Monate. Daneben will die Post die Arbeitszeit nach
Gewerkschaftsangaben von derzeit 38,5 Wochenstunden auf 41 Stunden
erhöhen. Eine weitere Stunde Arbeitszeit ergebe sich zudem durch
den geforderten Wegfall von Erholungspausen. ver.di sieht dadurch
Tausende von Arbeitsplätzen bedroht. Die Deutsche Post sprach
zuletzt hingegen von einer geforderten Arbeitszeiterhöhung von
lediglich einer halben Stunde.
ver.di fordert vom Arbeitgeber die Vorlage eines verbesserten Angebots.
Das lehnte die Deutsche Post am Mittwoch erneut ab. «Wir haben
ein sehr verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Und wir sind der
Meinung, ver.di muss sich jetzt bewegen», sagte Post-Sprecher Uwe
Bensien im WDR-«Morgenecho». Er appellierte an ver.di, an
den Verhandlungstisch zurückzukehren.
(Quelle: ddp)
Bundesarbeitsgericht stärkt Rechte von Arbeitgebern
Do.24.04.08 - Tarifverträge können nach einem Urteil des
Bundesarbeitsgerichts (BAG) von den gesetzlichen Kündigungsfristen
abweichen. Die Tarifvertragsparteien seien nicht verpflichtet, für
Arbeitnehmer mit längerer Beschäftigungsdauer
verlängerte Kündigungsfristen vorzusehen, erklärte der
Zweite Senat des BAG am Mittwoch in Erfurt. Damit blieb die Klage eines
über 50-jährigen Kfz-Mechanikers auch in dritter Instanz
erfolglos.
Der Mann arbeitete den Angaben zufolge seit 1975 in einem Betrieb, der
weniger als 20 Arbeitnehmer beschäftigte. 2005 wurde das
Unternehmen stillgelegt; dem Mann wurde am 14. November 2005 zum 31.
Dezember 2005 gekündigt. Zur Begründung hieß es, der
einschlägige Manteltarifvertrag für die gewerblichen
Arbeitnehmer und Angestellten des Kraftfahrzeuggewerbes in Bayern sehe
für alle Kündigungen gegenüber Arbeitnehmern in
Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten eine einheitliche
Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Monatsende vor.
Der Kläger hielt diese tarifliche Regelung für unwirksam und
meinte, das Arbeitsverhältnis ende erst mit Ablauf der
gesetzlichen Kündigungsfrist von sieben Monaten zum Monatsende,
also am 30. Juni 2006. Dazu erklärten die obersten deutschen
Arbeitsrichter, das Gesetz sehe zwar nach Dauer der
Betriebszugehörigkeit gestaffelte Kündigungsfristen vor. So
betrage etwa die gesetzliche Kündigungsfrist nach 20-jähriger
Zugehörigkeit zum Betrieb sieben Monate zum Monatsende. Diese
Fristen stünden aber ausdrücklich zur Disposition der
Tarifvertragsparteien. Es bestehe kein Differenzierungsgebot zum
Vorteil älterer Arbeitnehmer.
(Aktenzeichen: Bundesarbeitsgericht - 2 AZR 21/07 -)
(Quelle: ap)
Milchbauern drohen mit Lieferstopp
Do.24.04.08 - Die deutschen Milchbauern drohen angesichts des kräftigen
Preisrutsches für ihr Produkt mit einem Aussetzen der Lieferungen.
"Sinken die Preise, wie zu erwarten, weiter, dann bleibt uns kaum eine
andere Möglichkeit als der Lieferstopp", sagte der
Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter
(BDM), Thorsten Sehm, der "Berliner Zeitung" vom Mittwoch. "Wir sind
fest zum Handeln entschlossen." Nach einer Umfrage unter den 33.000
Mitgliedern des Verbandes seien 88 Prozent der Betriebe dazu bereit.
Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner sprach von einer
Existenzbedrohung für viele Milchbauern. Er warf dem
Lebensmitteleinzelhandel vor, mit den Preissenkungen seine Marktmacht zu
missbrauchen. "Das ist schlimmster Frühkapitalismus", sagte er der
"Süddeutschen Zeitung".
Ohne Lieferungen der Milchbauern ginge den Supermärkten schnell
die Frischmilch aus, sagte Sehm. Ein typisches regionales Lager fasse
Milchvorräte für eineinhalb Tage. "Wir stehen mit dem
Rücken zur Wand", klagte er. Die Lage der Milchbauern sei
katastrophal. Sie erhielten derzeit noch zwischen 30 und 35 Cent pro
Liter Milch nach 41,7 Cent im November. Zugleich seien aber die Kosten
drastisch gestiegen. "Wenn gleichzeitig die Preise für unser
Produkt sinken, müssen wir uns wehren", folgerte Sehm.
Die führenden Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl hatten zu
Wochenbeginn ihre Milchpreise drastisch um zwölf Cents auf 61 Cents
pro Liter gesenkt. Das läuft dem derzeitigen Trend zu deutlich
steigenden Nahrungsmittelpreisen zuwider.
(Quelle: rtr)
Notfallstatistik für Obdachlose gefordert
Do.24.04.08 - Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat eine bundesweite
Notfallstatistik für obdachlose Menschen gefordert. Eine
entsprechende Gesetzesinitiative sei längst überfällig,
um das gesamte Ausmaß von Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot
bestimmen zu können, erklärte Geschäftsführer Thomas
Specht am Dienstag in Bielefeld. Nach jüngsten Schätzungen
geht der Verband von 265.000 Wohnungslosen in Deutschland aus.
Der Geschäftsführer begrüßte eine Initiative des
EU-Parlaments, das in einer 2007 verabschiedeten Deklaration zu
Schutzmaßnahmen vor dem Verlust der Wohnung aufgerufen hatte.
Für die Obdachlosen, die bislang auf Europas Straßen unter
Brücken oder in Abrisshäusern leben, sei eine eigene
Unterkunft der erste Schritt aus extremer Armut und Ausgrenzung, sagte
Specht.
In der Deklaration wird die EU-Kommission den Angaben zufolge
aufgefordert, eine europaweite anerkannte Definition von
Wohnungslosigkeit zu schaffen, um verlässliche Daten über das
Ausmaß des Problems zu sammeln. Ziel solle die Beseitigung der
Wohnungslosigkeit bis zum Jahr 2015 sein.
(Quelle: epd)
Bundesregierung beschließt Bildungsprämie
Do.24.04.08 - Mit einer Bildungsprämie von jährlich bis zu 154 Euro will
die Bundesregierung mehr Bürger zur Weiterbildung motivieren. Das
Kabinett beschloss ein Maßnahmenpaket zum lebenslangen Lernen. Die
Prämie können Geringverdiener, die höchstens 17 900 Euro
im Jahr verdienen, von Oktober an als Zuschuss für die Teilnahme
an Bildungskursen beantragen. Mindestens die Hälfte der
Gebühren müssen sie aber selbst bezahlen. Unabhängig vom
Einkommen bietet die Staatsbank KfW ab 2009 Darlehen für die
Weiterbildung an.
(Quelle: dpa)
Rektoren fordern Perspektivwechsel in der Hochschullehre
Do.24.04.08 - Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat drastische Änderungen in
der studentischen Ausbildung gefordert. «Wir brauchen einen
Perspektivwechsel und müssen weg von der reinen Wissensvermittlung
hin zu einer aktiven Aneignung von Kompetenzen», erklärte
HRK-Präsidentin Margret Wintermantel am Mittwoch in Berlin. Auf
der HRK-Mitgliederversammlung in Jena sei eine Agenda verabschiedet
worden, die Strategien für eine «Reform der Lehre in den
Hochschulen» aufzeige.
Wintermantel erneuerte die Forderung der HRK nach weiteren finanziellen
Mitteln zur Verbesserung der Lehre. Bis ins Jahr 2020 würden
jährlich im Schnitt 2,6 Milliarden Euro zusätzlich
benötigt. «Allein bis 2014 werden wir insgesamt 12,7
Milliarden Euro zusätzlich brauchen», sagte sie.
«Wir stehen in der Mitte der Bologna-Reform. Jetzt müssen
wir am Ball bleiben. Dazu gehört es, dass wir auf eine angemessene
Finanzierung bestehen. Die Hochschulen spannen gleichzeitig alle
Kräfte an, um die Reform mit ihren richtigen Konzepten für
eine bessere Lehre zu einem guten Ergebnis zu führen», sagte
Wintermantel. Unter dem Bologna-Prozess ist die Schaffung eines
einheitlichen europäischen Hochschulraumes bis 2010 zu verstehen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Umstellung auf Master- und
Bachelor-Studiengänge.
Das Strategiepapier «Für eine Reform der Lehre in den
Hochschulen» umfasst unter anderem die Forderung, Studierende als
«selbstständige, eigenverantwortliche Lerner
anzusprechen». Die Lehrenden müssten auch unter schwierigen
Bedingungen den Dialog mit den Studierenden suchen. Dabei spiele die
individuelle Lehrkompetenz der Professoren eine entscheidende Rolle.
Andererseits müssten auch die Studierenden mehr Eigenverantwortung
übernehmen.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Der Genpool wird immer kleiner -- UN-Konferenz in Bonn zu Verlust der
Artenvielfalt - 40 Prozent der Tierarten in Deutschland bedroht
Do.24.04.08 - Im Jahr 1900 gab es in Bayern noch 35 verschiedene Rinderrassen - 2003
waren es gerade noch vier. In Sri Lanka wurden 1959 noch 2.000
verschiedene Reissorten angebaut - 2002 waren es nur noch fünf.
Weltweit geht die Artenvielfalt - die sogenannte Biodiversität -
immer weiter zurück, nur noch rund zehn Pflanzenarten und fünf
Nutztierrassen bilden heutzutage die Basis der gesamten
Welternährung. Eine UN-Konferenz in Bonn wird sich im Mai damit
beschäftigen, wie der Artenschwund gestoppt oder zumindest
verlangsamt werden kann.
«Die Erhaltung der biologischen Vielfalt zählt neben dem
Klimawandel zu unseren dringlichsten Aufgaben - sie ist die
vernachlässigte Schwester des Klimawandels», erklärte
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Anfang April bei der
Biodiversitätskonferenz des Landes Rheinland-Pfalz. Allerdings sei
das Thema Biodiversität «nicht ganz
nordkurventauglich», räumt der Minister ein: Während den
Klimawandel viele als bedrohlich für das eigene Leben empfinden,
ist der Artenschutz als Thema in der Bevölkerung nicht sehr
präsent.
Dabei hängen Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt
eng miteinander zusammen: Einerseits ist der menschengemachte
Klimawandel eine der Ursachen für den weltweiten Artenschwund,
andererseits kann der Verlust der biologischen Vielfalt gleichzeitig
auch den Klimawandel beschleunigen. So speichern etwa Moore große
Mengen Kohlenstoff, der sich bei Trockenlegung mit Sauerstoff verbindet
und in die Atmosphäre entweicht.
Der Schutz der Artenvielfalt folgt somit nicht nur rein
ethisch-altruistischen Aspekten. Vielmehr geht es auch ganz handfest um
den Nutzen, den Natur und Menschheit aus der Biodiversität ziehen.
So sind Pflanzen, Tiere und ihre Produkte auch wirtschaftlich nutzbar,
ebenso wie die genetischen Informationen einzelner Individuen, etwa als
Ausgangsmaterial für pharmazeutische Forschungen.
Gabriel verweist als Beispiel auf die Erkenntnisse, die Medizin und
Pharmazie aus dem Speichel der Vampirfledermaus gezogen haben: Ein Enzym
dieses Speichels, das gegen Blutgerinnung wirkt, soll bei der
Behandlung von Schlaganfallpatienten helfen. «Wer was gegen
Fledermausschutz hat, spielt möglicherweise mit seinem eigenen
Leben», wehrt Gabriel folgerichtig Kritik an Naturschutzinteressen
ab, die gerne als Hemmschuh für wirtschaftliche Entwicklung
gesehen werden.
Der Zugang zu den genetischen Ressourcen spielt eine große Rolle
bei der 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über
die biologische Vielfalt (CBD), die vom 19. bis 30. Mai in Bonn
stattfinden wird. Das CBD gehört wie das Klimarahmenabkommen und
die Wüstenkonvention zu den drei völkerrechtlichen Abkommen,
die 1992 beim UN-Gipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro beschlossen wurden. Hauptziele sind der Erhalt der biologischen
Vielfalt, deren nachhaltige Nutzung sowie der gerechte Vorteilsausgleich
aus der Nutzung der biologischen Vielfalt.
Mittlerweile gehören der Konvention 189 Vertragsparteien und die
EU an. Alle zwei Jahre treffen sich diese Vertragsstaaten zu einer
Konferenz, auf der die Bestimmungen der einzelnen Artikel der CBD durch
Beschlüsse konkretisiert werden. Bei der neunten derartigen
Konferenz in Bonn soll es vor allem darum gehen, das Konventionsziel
umzusetzen, den Verlust der Biodiversität bis 2010 weltweit
deutlich zu reduzieren.
Umweltminister Gabriel ist sich als Gastgeber des UN-Treffens durchaus
bewusst, dass «kein grundsätzlicher Wandel in einer einzigen
Konferenz» zu erreichen ist. «Aber wir brauchen einen
substanziellen Wandel in einer Reihe von Bereichen» betont er. Und
es werde auch beobachtet, wie sich das Gastgeberland Deutschland bei
dem Thema verhalte.
Schließlich hat Deutschland bei den Arten und Lebensräumen
laut Bundesamt für Naturschutz mit die höchsten
Gefährdungsraten in Europa: 40 Prozent der einheimischen Tierarten
sind bestandsgefährdet oder extrem selten, fast die Hälfte der
Pflanzengesellschaften sind aktuell gefährdet. Von den in
Deutschland vorkommenden Lebensräumen sind rund 72 Prozent
gefährdet.
Gründe dafür sind neben der Intensivierung von Land- und
Forstwirtschaft vor allem die Zerstörung und Zerschneidung von
Lebensräumen. «Der Flächenverbrauch pro Tag ist wieder
auf 115 Hektar gestiegen - er war schonmal unter 100 Hektar»,
kritisiert Gabriel. Unzerschnittene verkehrsarme Räume von
mindestens 100 Quadratkilometern Größe kommen nur noch auf 21
Prozent der Bundesfläche vor.
Artenschutz, der für viele vor allem Schutz von Elefanten oder
Eisbären bedeutet, beginnt somit nicht erst in Afrika, meint
Gabriel: «Ein Afrikaner wird wenig Verständnis haben, wenn
bei uns der erste Bär, der um die Ecke kommt, gleich erschossen
wird.»
(Quelle: ap)
Ernährung der Frau beeinflusst Geschlecht von Baby
Do.24.04.08 - Die kalorienbewusste Ernährung vieler Frauen führt laut einer
britischen Studie dazu, dass in Industrieländern immer weniger
Jungen geboren werden.
Forscher der Universität Exeter haben das Essverhalten von 740
schwangeren Frauen mit dem Geschlecht ihrer späteren Kinder
verglichen. Das Ergebnis: Je mehr Kalorien die Mütter zum Zeitpunkt
der Befruchtung zu sich genommen hatten, desto eher haben sie
später einen Jungen geboren. Vor allem ein Müsli zum
Frühstück erhöhe die Wahrscheinlichkeit auf einen Jungen,
berichtet die Universität. Wer bei der Befruchtung hingegen gerade
Diät halte, bekomme deutlich häufiger ein Mädchen. Eine
schlüssige Erklärung dafür gaben die Forscher nicht. Die
Arbeit ist in den «Proceedings of the Royal Society»
veröffentlicht.
Die Wissenschaftler teilten die werdenden Mütter entsprechend der
konsumierten Kalorien vor und zu Beginn der Schwangerschaft in drei
Gruppen ein. Sie befragen die Schwangeren, bevor diese wussten, welches
Geschlecht ihr Kind hat. Die Gruppe mit der größten
Nahrungsaufnahme im Befruchtungszeitraum bekam zu 56 Prozent einen Sohn,
in der Gruppe mit der geringsten Kalorienaufnahme waren es hingegen nur
45 Prozent. Neben den Kalorien haben die Wissenschaftler Kalium,
Kalzium, die Vitamine C, E und B12 sowie Glukose im Verdacht, das
Geschlecht zu beeinflussen.
Der gleiche Zusammenhang sei schon bei Pferden, Kühen und einigen
Wildtieren festgestellt worden. Bislang gingen Wissenschaftler davon
aus, dass das Geschlecht ausschließlich genetisch durch das
Spermium bestimmt werde, das in die Eizelle eindringt. Es fehlte bislang
eine Erklärung dafür, dass in den Industrieländern seit
Jahren immer weniger Jungen geboren werden. Dies lasse sich nun durch
die steigende Verbreitung von Diäten erklären, sagte Fiona
Mathews von der Universität Exeter. Gewicht, Gesundheit und
Lebensstil der werdenden Mütter haben laut der Studie hingegen
keine Auswirkungen auf das Geschlecht des Kindes.
(Quelle: dpa)
Computer & Cyberspace
Medienexperten warnen vor Werbemethoden im Internet
Do.24.04.08 - Medienexperten haben vor raffinierten Werbemethoden im Internet
gewarnt. Es sei ein Skandal, dass gerade Kinder diesen neuen
Werbestrategien ausgesetzt seien, sagte der Medienpädagoge Franz
Josef Röll am Dienstag auf einer Fachtagung in Marl. Als Beispiel
nannte der Darmstädter Professor für Neue Medien das
sogenannte "Virus-Marketing".
Dabei würden Jugendliche in Internet-Foren und Chaträume
eingeschleust, um die Wünsche und Vorlieben ihrer Altersgenossen
auszuspionieren, erläuterte Röll auf der Tagung zum Thema
"Aufwachsen im Mediendschungel: Gerät die familiäre
Medienerziehung an ihre Grenzen?". In einem zweiten Schritt würden
dann entsprechend zugeschnittene Werbebotschaften im Internet platziert.
Die Paderborner Medienforscherin Dorothee Meister rief vor allem die
Familien dazu auf, die jüngsten Mediennutzer nicht aus den Augen zu
verlieren. Gerade sie bräuchten Orientierung. Dabei dürfe der
Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen nicht verteufelt werden,
ergänzte der Kommunikationswissenschaftler Detlef Ruffert. Ihre
medialen Bedürfnisse nach Unterhaltung, Entspannung und
Informationen müssten anerkannt werden.
Neben der Fähigkeit, mit den heutigen Medien umzugehen,
müssten Eltern und Erzieher vor allem jederzeit bereit sein, mit
ihren Kindern über deren Medienkonsum zu reden, forderte Ruffert.
Zuhören, Verstehen und Vertrauen seien die Eckpfeiler einer guten
Medienerziehung.
Die Tagung wurde vom Medienkompetenz-Netzwerk NRW mekonet veranstaltet.
Die Materialien zur Veranstaltung werden in den nächsten Tagen
unter http://www.mekonet.de
im Internet veröffentlicht.
(Quelle: epd)