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+++ Sa.26.04.08, 06:30        zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am 1495sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Al-Maliki nennt Bedingungen für Ende der Offensive gegen Milizen - Irakischer Ministerpräsident fordert Entwaffnung und Ende der Einmischung in staatliche Angelegenheiten. UN: Irakische Kinder werden zu Selbstmordattentäter ausgebildet. Bombenanschlag auf Ölpipeline. Irakische Familien werfen Blackwater Vernichtung von Beweisen vor

Sa.26.04.08 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat vier Bedingungen für ein Ende der Offensive gegen die schiitische Mahdi-Miliz des Geistlichen Muktada al Sadr und andere illegale bewaffnete Gruppen genannt: Sie müssten ihre schweren und mittelschweren Waffen abgeben und damit aufhören, sich in die Angelegenheiten der Regierung und der Streitkräfte einzumischen, forderte Al-Maliki am Freitag in einem Interview des Fernsehsenders Al Arabija. Ferner müssten die Milizen alle gesuchten Personen ausliefern und eine Liste mit Namen jener erstellen, die in Gewalttaten verwickelt seien.

Zuvor hatte Milizführer al Sadr am Freitag zu einem Ende des Blutvergießens zwischen seinen Kämpfern und den irakischen Sicherheitskräften aufgerufen. Am vergangenen Samstag hatte er noch mit einem «offenen Krieg» gedroht, wenn die Regierung die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen seine Anhänger nicht einstellt.

In der am Freitag von einem Helfer in einer Moschee im Bagdader Stadtteil Sadr City verlesenen Botschaft erklärte Al Sadr, die Drohung sei lediglich gegen die US-Truppen gerichtet. «Ich habe mit einem offenen Krieg bis zur Befreiung gedroht, wir haben damit einen Krieg gegen die Besatzer gemeint», hieß es in der Botschaft. Einen Krieg der irakischen Brüder untereinander dürfe es nicht geben. «Ich rufe meine Brüder bei der Polizei, in den Streitkräften und der Mahdi-Miliz auf, das Blutvergießen zu beenden.

In den letzten Wochen ist es ungeachtet eines seit über sieben Monaten gültigen Waffenstillstands immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen Al Sadrs Mahdi-Miliz und den Regierungstruppen gekommen. Begonnen hatten die jüngsten Kämpfe am 25. März mit einer Offensive der Regierungstruppen gegen die Mahdi-Miliz im Bagdader Stadtteil Sadr City und in der südlichen Hafenstadt Basra.

Aufständische Gruppen und Milizen im Irak rekrutieren nach Einschätzung der UN Kinder als Selbstmordattentäter. Die Kinder seien die stillen Opfer der anhaltenden Gewalt im Irak, erklärte die UN-Sondergesandte für Kinder und bewaffnete Konflikte, Radhika Coomaraswamy, am Freitag in einer Stellungnahme in der jordanischen Hauptstadt Amman. Sie besuchte kürzlich fünf Tage lang den Irak. Die Quelle ihrer Informationen nannte sie nicht.

Coomaraswamy forderte alle Parteien im irakischen Konflikt auf, die Menschenrechte einzuhalten. Alle Minderjährigen in den eigenen Reihen müssten sofort freigelassen werden, sagte sie. Die US-Streitkräfte hatten im Februar mehrere Videos veröffentlicht, die in mutmaßlichen Verstecken der Al Kaida im Irak gefunden worden. Darauf waren Aufständische zu sehen, die Kindern das Töten beibrachten. Einige schienen erst zehn Jahre alt zu sein.

Bei einem Bombenanschlag auf eine Ölpipeline im Irak sind am Freitag acht Wachleute verletzt worden. Die Explosion ereignete sich am Abend in der Nähe von Dschilawija, rund 50 Kilometer südlich von Bagdad und löste nach Polizeiangaben ein Großfeuer aus. Die Pipeline transportiert Öl von den Vorratslagern in Latifija zu den Raffinerien im Süden des Iraks. Der Betrieb der Pipeline wurde nach dem Anschlag vorerst eingestellt.

Die Hinterbliebenen von mehreren Irakern haben die US-Sicherheitsfirma Blackwater Worldwide beschuldigt, Beweismittel zum Tod ihrer Angehörigen vernichtet zu haben. Anwälte der Familien legten am Freitag in Washington Gerichtsdokumente mit den Beschuldigungen vor. Demnoch sollen die Beweismittel Mitte März geschreddert worden sein. In dem Verfahren geht es um den Tod von 17 Irakern bei einem Einsatz von Blackwater-Mitarbeitern im September vergangenen Jahres in Bagdad. Die Familien werfen Blackwater auch vor, die bei dem tödlichen Einsatz verwendeten Fahrzeuge repariert und neu lackiert zu haben, um die Ermittlungen zu behindern.

boa (Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 26.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendeinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Do.26.04.07 - Zahl der Todesopfer im Irak laut UN trotz Sicherheitsoffensive gestiegen - 700.000 Iraker auf der Flucht vor Glaubenskämpfen +++ US-Abgeordnete fordern Rückzug aus dem Irak ab 1. Oktober +++ Prominente US-Soldaten haben der Armeeführung vorgeworfen, sie mit erfundenen und übertriebenen Geschichten zu Helden der Einsätze im Irak und in Afghanistan stilisiert zu haben... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0704260.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Israel lehnt Angebot der Hamas für Waffenruhe ab -- US-Präsident Bush gegen weiteren Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland -- Palästinenserpräsident Abbas enttäuscht nach Gespräch mit Bush

Sa.26.04.08 - Israel hat ein Angebot der radikal-islamischen Hamas für eine halbjährige Waffenruhe im Gazastreifen abgelehnt. Israel glaube, dass Hamas nur auf Zeit spielen wolle, um sich neu zu bewaffnen und neu zu ordnen.

Das sagte der israelische Regierungssprecher David Baker am Freitag in Jerusalem. Hamas wolle sich mit der Waffenruhe auf eine neue Terroroffensive gegen Israel vorbereiten. In Washington kritisierte US-Präsident Bush bei einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den israelischen Siedlungsbau in den Palästinensergebieten.

Das hochrangige Hamas-Mitglied Mahmud al-Sahar hatte zuvor nach Gesprächen mit ägyptischen Regierungsvertretern in Kairo erklärt, Hamas sei mit einer sechs Monate langen Feuerpause im Gazastreifen einverstanden.

Diese solle später auch auf das Westjordanland ausgedehnt werden. Der ehemalige palästinensische Außenminister nannte jedoch eine Reihe von Bedingungen. Danach soll Israel die Blockade des Gazastreifens aufheben und die Grenzübergänge wieder öffnen. Außerdem müsse die Waffenpause gleichzeitig einsetzen. Sahar forderte außerdem eine Öffnung des Grenzüberganges Rafah zu Ägypten. Dieser ist seit der Machtergreifung der Hamas im Gazastreifen Mitte Juni 2007 geschlossen. Israel befürchtet, dass die Hamas die Öffnung von Rafah für den Schmuggel von Waffen und Geld sowie für die Ein- und Ausreise von Terroristen und ausländischen Ausbildern nutzen könnte.

US-Präsident Bush sprach sich gegen den weiteren Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland aus. «Der im gegenwärtigen Friedensprozess angestrebte Palästinenserstaat müsse «existenzfähig» sein und dürfe «nicht wie ein Schweizer Käse aussehen», sagte Bush, allerdings ohne dabei ausdrücklich jüngste israelische Siedlungspläne beim Namen zu nennen. Die Gründung eines Palästinenserstaates habe für ihn hohe Priorität. Zugleich kündigte Bush für Mai eine weitere Nahost-Reise an. Wie es hieß, wolle er zur 60-jährigen Jahresfeier der Staatsgründung (14. Mai) in Israel sein.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat sich enttäuscht über sein Treffen mit US-Präsident George W. Bush geäußert. Es habe bei dem Gespräch am Donnerstag in Washington keine Fortschritte im Nahost-Friedensprozess gegeben, sagte Abbas am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Er zeigte sich pessimistisch, dass noch vor dem Ende von Bushs Amtszeit im Januar 2009 ein Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet werden kann. Das größte Hindernis bleibe die Ausdehnung der jüdischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten, sagte Abbas.

Abbas hatte bereits vor dem Treffen mit Bush von den USA mehr Initiative gefordert. Fünf Monate nach dem Start der letzten Verhandlungsrunde mit den Israelis werde die Zeit zunehmend knapp, um das geplante Friedensabkommen wie angestrebt bis zum Jahresende abzuschließen, sagte er am Mittwoch nach einer Unterredung mit US-Außenministerin Condoleezza Rice.
Erneut betonte Abbas die arabische Position, wonach ein Rückzug Israel aus den seit 1967 besetzten Palästinensergebieten der Schlüssel zum Frieden sei.

Unterdessen haben die Vereinten Nationen wegen Treibstoffmangels die Nahrungsmittelhilfe für rund 650 000 palästinensische Flüchtlinge im Gazastreifen gestoppt. Weil es kein Benzin für die Autos gebe, könnten die Lebensmittelpakete nicht verteilt werden, bestätigte am Donnerstagabend ein Sprecher des UN-Hilfswerkes für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA). Die israelischen Armee sagte für Freitag die Lieferung von insgesamt 120 000 Litern Treibstoff direkt an das UN-Hilfswerk zu. Die Hamas kündigte Massenprotesten an den Grenzübergängen des Gazastreifens an.

Oberst Nir Press, der Beauftragte des israelischen Militärs für den Grenzverkehr mit dem Gazastreifen, warf der Hamas vor, die humanitäre Lage selbst zu verschärfen. Nach israelischen Angaben lagern auf der palästinensischen Seite des Grenzübergangs Nachal Oz im Norden des Gazastreifens fast eine Million Liter Treibstoff. Jedoch habe die Hamas, die den Gazastreifen seit zehn Monaten kontrolliert, seit mindestens vier Wochen keinen Treibstoff mehr verteilt, auch nicht an die UNRWA, sagte Press.

boa (Quellen: dpa, ap)
 


 

USA beschuldigen Nordkorea des Reaktorbaus in Syrien

Sa.26.04.08 - Die US-Regierung hat Nordkorea offiziell beschuldigt, Syrien beim Bau eines Atomreaktors geholfen zu haben. Der bis September 2007 geheim gebaute Reaktor sei nicht für "friedliche Zwecke", sondern dazu bestimmt gewesen, Plutonium für militärische Zwecke zu produzieren, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino. Syrien müsse nun die Welt über seine Zusammenarbeit mit Nordkorea informieren. Laut einem US-Geheimdienstmitarbeiter zerstörte ein israelischer Luftangriff die Anlage im vergangenen September. Damaskus wies die Anschuldigungen umgehend zurück.

Der diplomatische Prozess zur atomaren Abrüstung Nordkoreas gehe dennoch weiter, hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses. Washington werde im Zuge der Sechs-Länder-Gespräche zwischen den USA, Russland, China, Japan sowie Nord- und Südkorea alles tun, um das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms zu überwachen.

Laut Perino wurde der Reaktor am 6. September 2007 so stark zerstört, dass er nicht mehr zu reparieren war. Die syrischen Behörden hätten alle Beweisspuren beseitigt. Nach US-Medieninformationen hatte die CIA den Kongressabgeordneten zuvor bei einem Briefing einen Videofilm gezeigt, in dem nordkoreanische Arbeiter in der syrischen Anlage zu sehen waren.

Ein US-Regierungsvertreter beschuldigte die syrische Regierung, mit dem Bau der Anlage den seit 1970 gültigen Atomwaffensperrvertrag verletzt zu haben. Die USA hätten deshalb IAEA-Direktor Mohamed El Baradei über ihre Erkenntnisse unterrichtet. Es sei der Wunsch der USA, "dass sich die IAEA des Falls annehme", sagte der US-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die syrische Botschaft in den USA wies die "fortwährende Kampagne falscher Anschuldigungen Syriens entschieden zurück". In einer Erklärung forderte sie Washington auf, sich "verantwortungsbewusst" zu verhalten und keine neuen Krisen im Nahen Osten auszulösen. Die Region leide bereits jetzt unter den Folgen einer verfehlten Politik der USA. Zuvor hatte bereits der syrische UN-Botschafter Baschar Dschaafari eine syrisch-nordkoreanische Atom-Zusammenarbeit bestritten.

Der Fall könnte zu ernsten diplomatischen Spannungen Washingtons mit Syrien und Nordkorea führen. US-Präsident George W. Bush möchte bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 einen abschließenden Erfolg bei den Sechser-Verhandlungen zur Schließung der nordkoreanischen Atomanlagen erreichen.

(Quelle: afp)
 


 

IAEA kritisiert USA und Israels Umgang mit Reaktor in Syrien

Sa.26.04.08 - Mit Verärgerung hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) auf die Veröffentlichung von US-Geheimdienstberichten über den Bau eines Atomreaktors in Syrien mit nordkoreanischer Hilfe reagiert. Die Behörde teilte in Wien mit, sie nehme die Informationen ernst und prüfe sie. Zugleich übte sie Kritik am Vorgehen der USA und Israels. Washington hatte Nordkorea offiziell beschuldigt, Syrien beim Bau eines geheimen Atomreaktors geholfen zu haben. Die Anlage wurde nach US-Geheimdienstangaben im September 2007 bei einem israelischen Luftangriff zerstört. Damaskus wies die Anschuldigungen zurück.

Die Behörde werde die Informationen über den mutmaßlichen Atomreaktor "mit der gebotenen Ernsthaftigkeit" behandeln und prüfen, erklärte die IAEA. Syrien sei wegen seiner Vereinbarungen mit der IAEA verpflichtet, Planungen für den Bau möglicher Atomanlagen mitzuteilen. IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei bedaure die Tatsache, dass die Informationen nicht "frühzeitig" an die IAEA weitergeleitet worden seien, hieß es. Laut Atomwaffensperrvertrag müsse die Behörde alle Anschuldigungen möglicher atomarer Weiterverbreitung prüfen.

In diesem Zusammenhang kritisierte ElBaradei das einseitige militärische Vorgehen Israels. Durch den Luftangriff auf den mutmaßlichen Reaktor werde der Prozess der Überprüfung, der im Mittelpunkt des Systems zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen stehe, untergraben, erklärte die IAEA. Die Behörde erhielt nach eigenen Angaben erst am Donnerstag die US-Geheimdienstinformationen über den mutmaßlichen Reaktor.

(Quelle: afp)
 


 

Afghanischer Minister empört über BND-Bespitzelung

Sa.26.04.08 - Der afghanische Handels- und Industrieminister Amin Farhang hat mit Empörung und Entsetzen auf die Bespitzelung durch den Bundesnachrichtendienst (BND) reagiert.

"Durch diese absurde Lüge, ich sei eine Art Doppelagent, ist mein Leben und das meiner Familie in größter Gefahr", sagte Farhang der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagausgabe) laut Vorabbericht. "Ich kann morgen auf der Straße erschossen werden." Einen unterschwelligen Vorwurf, er kooperiere mit dem Feind, weise Farhang zurück, heißt es in dem Bericht. Der BND hatte den E-Mail-Verkehr einer "Spiegel"-Journalistin mit afghanischen Politikern überwacht.

Farhang sprach in der Zeitung von Rufmord und einem beispiellosen Skandal. Er habe erfahren, dass der BND seinen Computer im Büro manipuliert habe. Er gehe davon aus, dass nicht nur einer seiner Computer für wenige Monate überwacht worden sei, wie der BND behaupte. "Ich habe das Vertrauen verloren und nehme an, dass deutsche Agenten alle meine Telefonate und Emails noch immer überwachen." Enttäuscht zeigte sich Farhang darüber, dass weder der BND noch die Bundesregierung sich bei ihm entschuldigt hätten, obwohl die Affäre bereits seit Februar im BND bekannt sei. Das sei umso bedauerlicher, da er sich keine Belastung der Beziehungen zu Deutschland wünsche.

Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar-Spanta kündigte an, die Abhöraktion bei der Bundesregierung zur Sprache zu bringen. "Wir werden das Thema in den nächsten Tagen bei der Bundesregierung ansprechen", sagte er der "Financial Times Deutschland" laut Vorabbericht (Freitagausgabe).

(Quelle: rtr)
 


 

Chinesische Regierung will Dialog mit Dalai Lama aufnehmen -- Laut Xinhua baldiges Treffen geplant

Sa.26.04.08 - Die chinesische Regierung hat Gespräche mit Vertretern des Dalai Lama angekündigt. Ein Treffen werde in Kürze stattfinden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. Von Seiten des Dalai Lama sei mehrfach der Wunsch nach einer Wiederaufnahme des Dialogs gekommen, zitierte Xinhua eine offizielle Quelle. Peking sah sich nach den blutigen Zusammenstößen mit Aktivisten der tibetischen Unabhängigkeitsbewegung vor mehr als einem Monat mit zunehmenden Forderungen nach Gesprächen mit dem Dalai Lama konfrontiert.

China machte das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten für die Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa verantwortlich und warf ihm vor, damit die Olympischen Spiele im August sabotieren zu wollen. Nach offiziellen Angaben der Behörden kamen bei den Unruhen 22 Menschen ums Leben, die tibetische Exilregierung spricht von mindestens 140 Toten. Vorwürfe Pekings, er strebe eine Unabhängigkeit Tibets an, wies der Dalai Lama mehrfach zurück und betonte, Tibet wolle lediglich eine Autonomie.

(Quelle: ap)
 


 

Nach Bauernproteste und Streiks  - Wirtschaftsminister in Argentinien gibt auf

Sa.26.04.08 - Unter dem Eindruck wochenlanger Bauernproteste und Streiks ist der argentinische Wirtschaftsminister Martin Lousteau nach fünfmonatiger Amtszeit zurückgetreten. Der 36-jährige Hoffnungsträger hatte offenbar Streit mit anderen Beratern von Präsidentin Cristina Fernandez.

Die sozialdemokratische Staats- und Regierungschefin sammelte in der Nacht zum Freitag ihre engsten Mitarbeiter um sich, wie aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums verlautete. Dabei wurde der bisherige Leiter der Steuerbehörde, Carlos Fernandez, zum Nachfolger von Lousteau bestimmt. Er sollte gestern vereidigt werden.

Die Bauernproteste führten die zweitgrößte Volkswirtschaft in Südamerika in erhebliche Turbulenzen. Wegen anhaltender Straßenblockaden kam es zu Versorgungsengpässen bei Rindfleisch, Hühnern und anderen Lebensmitteln. Die Bauern haben ihren Streik unterbrochen, aber mit weiteren Aktionen gedroht, falls die Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht. Stein des Anstoßes ist die Erhöhung der Exportsteuern auf Sojabohnen und andere Agrarprodukte. Argentinien ist der international drittgrößte Exporteur von Sojabohnen. Mit der Anhebung der Steuer wollte die Regierung ihren Anteil an den gestiegenen Preisen steigern.

Lousteau war bei der Regierungsbildung von Christina Fernandez eines der wenigen neuen Gesichter. Viele Minister gehörten schon dem Kabinett von Fernandez' Mann und Vorgänger Nestor Kirchner an. Das jüngste Kabinettsmitglied leitete vorher eine staatliche Bank.

(Quelle: ap)
 


 

Mordanschlag auf Gewerkschaftsvorsitzende in Honduras

Sa.26.04.08 - Mehrere bewaffnete Angreifer haben die Vorsitzende des größten Gewerkschaftsverbands in Honduras erschossen. Auch zwei Begleiter der 60-jährigen Altagracia Fuentes kamen bei dem Überfall an der nördlichen Karibikküste des mittelamerikanischen Landes ums Leben, wie Staatsanwalt Leonidas Rosa am Donnerstagabend mitteilte.

Fuentes war zum Zeitpunkt des Mordanschlags auf dem Weg in die Stadt San Pedro Sula, um dort Kundgebungen zum 1. Mai vorzubereiten. Die Ermittler nehmen an, dass die Bluttat genau geplant war. «Die Täter erschossen ihre Opfer an einem dunklen und verlassenen Ort und setzten Scheinwerfer ein», sagte Hector Mejia vom Sicherheitsministerium. Raub wird als Motiv ausgeschlossen, da Fuentes noch umgerechnet 2.500 Euro bei sich hatte. Der Gewerkschaftsverband Federación de Sindicatos de Trabajadores de Honduras (Fesitradeh) vertritt die Interessen von 300.000 Mitgliedern.

(Quelle: ap)
 


 

US-Präsident Bush sieht US-Wirtschaft im Abwärtstrend

Sa.26.04.08 - US-Präsident George W. Bush sieht die heimische Wirtschaft in einer Schwächephase und setzt seine Hoffnung in das unlängst auf den Weg gebrachte milliardenschwere Konjunkturpaket: "Es ist offensichtlich, dass unsere Wirtschaft in einem Abwärtstrend ist", sagte Bush am Freitag in Washington. Die angekündigten Steuernachlässe würden aber helfen, aus der Krise zu kommen. Die Rückzahlungen sollten schon in der kommenden Woche erfolgen und den Menschen helfen, die höheren Preise an den Tankstellen und in den Supermärkten zu verkraften, betonte Bush. Auf diese Weise werde die Konjunktur auch insgesamt wiederbelebt.

Eine Rezession sieht Bush in den Vereinigten Staaten derzeit nicht. Die weltgrößte Volkswirtschaft ist aktuell nicht nur mit steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen konfrontiert, sondern erlebt zudem einen Preisverfall am Immobilienmarkt. Auch die Zahl der Arbeitslosen nimmt zu. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes ist inzwischen so schwach wie seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr. Dies ging am Freitag aus dem entsprechenden Index von Reuters und der Universität Michigan für April hervor.

(Quelle: rtr)
 


 

Russland droht mit Militäreinsatz in georgischen Provinzen

Sa.26.04.08 - Russland hat mit militärischen Maßnahmen gedroht, sollte es in den abtrünnigen georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien zu Gefechten kommen. Man müsse dann die dort lebenden russischen Staatbürger schützen, erklärte Valeri Kenjaikin, der im Moskauer Außenministerium für die Beziehungen zu den ehemaligen Sowjetrepubliken verantwortlich ist. Es war die bislang schärfste Drohung Russlands gegen Georgien.

Abchasien und Südossetien haben in den vergangenen Jahren weitgehende Unabhängigkeit genossen und wurden dabei von Russland unterstützt. Die georgische Regierung besteht jedoch darauf, dass die Provinzen weiterhin zu ihrem Territorium gehören. Der Streit um den Status dieser Gebiete hat die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis weiter verschärft.

Der Konflikt droht zu eskalieren, nachdem vor einer Woche ein georgisches Aufklärungsflugzeug über Abchasien abgeschossen wurde. Russland hat georgische Vorwürfe zurückgewiesen, dafür verantwortlich zu sein.

(Quelle: ap)
 


 

Notenbanker der EU sehen anhaltende Vertrauenskrise bei Banken

Sa.26.04.08 - Führende Notenbanker der Euro-Zone rechnen offenbar nicht mit einem schnellen Ende der Vertrauenskrise im Bankensektor.

Die Verwerfungen am Geldmarkt dürften nach Einschätzung des deutschen Bundesbank-Chefs Axel Weber und des französischen Zentralbankgouverneurs Christian Noyer daher noch längere Zeit andauern. "Es scheint, als seien die Finanzmarktturbulenzen noch nicht vorbei", sagte Weber am Freitag in Eltville bei Wiesbaden. Allerdings gebe es in anderen Finanzmarktsegmenten Anzeichen einer Beruhigung der seit Monaten andauernden Turbulenzen.

"Einer Rückkehr in ruhigere Bahnen steht bisher entgegen, dass das Vertrauen insbesondere zwischen den Finanzinstituten immer noch erheblich gestört ist", sagte Weber, der auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) Sitz und Stimme hat. Die Zentralbanken könnten aber mit der großzügigen Bereitstellung von Liquidität lediglich die Symptome der Krise kurieren, nicht aber deren Ursachen. Es gebe jedoch Licht am Ende des Tunnels. Während die Anspannungen am Geldmarkt weiter anhielten, zeigten sich etwa die Aktienmärkte gegenüber Mitte März mittlerweile "spürbar fester".

Um das Vertrauen unter den Banken wieder zu verbessern, müsse deren Transparenz erhöht und das Risikomanagement verbessert werden, forderte der Bundesbank-Präsident. "Um ein Mindestmaß an Vertrauen wiederherzustellen, ist weiterhin mehr Transparenz bezüglich noch bestehender Risiken und des möglichen, damit zusammenhängenden Wertberichtigungsbedarfs nötig. Zwingende Schlussfolgerung für die Zukunft ist, dass Finanzinstitute ihr Risikomanagement verbessern müssen." Intransparenz sei der "Nährboden, auf dem Unsicherheit schürende Gerüchte weiter gedeihen können".

Deshalb sei mehr Klarheit bei der Rechnungslegung der Banken nötig. "Hierbei ist mir wichtig zu betonen, dass ich es für sinnvoll halte, am bestehenden Rechnungslegungsrahmenwerk - inklusive Zeitwertbilanzierung - grundsätzlich festzuhalten. Hiervon gerade in ungünstigen Marktlagen abzurücken, dürfte eher verunsichern und daher nicht dazu beitragen, das Vertrauen unter den Marktteilnehmern wiederzugewinnen." Sollte eine Bewertung zu Marktpreisen nicht möglich sein, müssten die Bewertungsmethoden möglichst verlässlich und nachvollziehbar sein.

Frankreichs Notenbankchef Noyer sagte dem "Wall Street Journal", der jüngste erneute Anstieg der Zinsen am Geldmarkt sei nicht normal. Es bestehe Anlass zu Sorge. "Die aktuelle Lage stellt sich so dar, dass wir nicht von Normalität sprechen können oder davon, dass sie angemessen wäre." Die Verwerfungen an den Geldmärkten dürften nicht toleriert werden.

Die Zentralbanken haben in der Vergangenheit Milliarden in den Geldmarkt gepumpt, um ein Austrocknen des Geldmarktes zu verhindern, auf dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Nachdem es den Notenbanken mit mehreren gemeinsamen Aktionen zwischenzeitlich gelungen war, die Lage etwas zu beruhigen, stiegen die Geldmarktzinsen zuletzt wieder an. Vor allem bei mittleren Laufzeiten liegt der Geldmarktzins wieder deutlich über dem Leitzinsniveau von vier Prozent.

(Quelle:rtr)
 


 

Deutschland

Wirtschaftsweiser Bofinger: Aufschwung ohne Konsum ist Fehlentwicklung

Sa.26.04.08 - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat angesichts der aktuellen Finanzkrise vor einer stagnativen Entwicklung in Deutschland gewarnt. Mit der Aufwertung des Euro, einer sich abschwächenden Weltkonjunktur und einer stagnierenden Konsumnachfrage drohe eine ähnliche Phase wie zwischen 2001 und 2004, sagte das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am Freitag im Deutschlandradio Kultur.

Die Rolle Deutschlands als «Exportweltmeister» sei mit extrem niedrigen Lohnerhöhungen erkauft, sagte Bofinger. Der Aufschwung sei nicht vom Konsum getragen. Dies sei «im Grunde eine gewisse Fehlentwicklung».

(Quelle: ddp)
 


 

CSU verliert laut Umfrage dramatisch in der Wählergunst

Sa.26.04.08 - Fünf Monate vor der Landtagswahl in Bayern hat die CSU laut einer aktuellen Umfrage dramatisch in der Wählergunst verloren. Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Radiosenders Antenne Bayern kommt die CSU nur noch auf 44 Prozent und könnte damit nach über 40 Jahren nicht mehr alleine regieren. Bei der Landtagswahl 2003 hatte die CSU mit 60,7 Prozent noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei den Sitzen im Landtag erreicht.

Die SPD läge der Umfrage zufolge derzeit bei 20 Prozent, die Grünen bei 11 Prozent. Von 1.000 befragten bayerischen Wählern gaben jeweils neun Prozent an, sie würden für die Freien Wähler und die FDP stimmen.

Damit würden beide Parteien in den Landtag einziehen. Müsste sich die CSU einen Koalitionspartner suchen, könnte sich der Umfrage zufolge die Hälfte der Befragten eine schwarz-gelbe Koalition aus CSU und FDP vorstellen. Ein Bündnis der CSU mit den Freien Wählern wäre für 26 Prozent der Wähler eine Option. Eine Große Koalition aus CSU und SPD wäre nur für 22 Prozent der Befragten vorstellbar. Am wenigsten Unterstützung fände der Umfrage zufolge mit 20 Prozent ein Bündnis aus CSU und Grünen.

Für die Erhebung führte das Münchner Institut für Marktforschung (mifm) im April in zwei Erhebungszeiträumen jeweils 1.000 Telefon-Interviews mit bayerischen Wahlberechtigten.

(Quelle: ap)
 


 

Bundestag erhöht Wohngeld um 60 Prozent

Sa.26.04.08 - Nach jahrelangem Miet- und Heizkosten-Anstieg können rund 800 000 Geringverdiener und Rentner mit geringen Einkünften Anfang 2009 auf Entlastung bei den Wohnkosten hoffen. Dann soll das Wohngeld erstmals seit 2001 wieder steigen - und zwar um 60 Prozent.

Der Bundestag gab am Freitag grünes Licht für die von der Bundesregierung beschlossene Aufstockung von im Schnitt 90 auf 142 Euro monatlich. Nach zähem Drängen von Mieterorganisationen wird künftig erstmals auch ein Teil der Heizkosten bei der Berechnung des Wohngeldes berücksichtigt. Jetzt kommt es im Bundesrat noch auf die Bundesländer an, die sich die 520 Millionen Zusatzkosten zur Hälfte mit dem Bund teilen. Sie hatten aber schon Zustimmung signalisiert.

Die große Koalition stimmte dem Gesetz zu, während sich FDP, Grüne und Linke enthielten. Anträge von Grünen und Linken für weitergehende Wohnungshilfen fanden keine Mehrheit. Der Deutsche Mieterbund sieht im höheren Wohngeld einen «wirksamen Beitrag gegen Wohnungsarmut». Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach von einem «guten Tag» für die betroffenen Haushalte. «Das ist ein deutlicher Zuwachs im Portemonnaie der Bürgerinnen und Bürger. (...) Wir haben etwa 800 000 Menschen, die bessergestellt werden - davon etwa 300 000 Rentner.» Die Wohngeld-Erhöhung sei die dritte Komponente neben der geplanten Rentenerhöhung im Juli um 1,1 Prozent und der Erweiterung des Kinderzuschlags. Damit will die Koalition die auch aktuell wieder steigenden Lebenshaltungskosten weiter Bevölkerungsteile abfedern.

Allerdings hatte es acht Jahre keine Anpassung an die um zehn Prozent gestiegenen Kaltmieten gegeben. Für die Heizkosten, die in dieser Zeit um 50 Prozent kletterten, gab es bislang überhaupt keine Entlastung gegeben. In dieser Zeit verloren zugleich zahlreiche Empfänger wegen Überschreitens der zulässigen Miethöchstgrenzen die Wohngeldberechtigung, so dass derzeit «nur» etwa 690 000 Menschen Wohnhilfe vom Staat bekommen.

Die Erhöhung setzt sich aus mehreren Veränderungen zusammen. Generell um acht Prozent werden die Beträge nach der Wohngeld-Tabelle angehoben. Ferner werden zehn Prozent höhere Mietkosten als bisher für die Wohngeld-Berechtigung zugelassen. Die Heizkosten werden künftig mit 50 Cent pro Quadratmeter bei der Berechnung nur teilweise berücksichtigt. Dafür werde ein Drittel der Mittel eingesetzt, erläuterte Gero Storjohann von der CDU. Damit soll ein latenter Anreiz zum Energiesparen gegeben werden. Auch spielen verschiedene Baualtersklassen von Gebäuden für die Wohngeldberechnung von 2009 an keine Rolle mehr. Dies werde das Wohngeld für Empfänger in vor 1992 fertiggestellten Wohnungen erhöhen, so der Mieterbund.

Allein dafür werde der Staat 120 Millionen der 520 Millionen aufbringen müssen, berichtete der Haushaltsausschuss des Bundestages. 155 Millionen Euro seien für die Personen zu erwarten, für die es sich künftig lohne, aus der Inanspruchnahme von Unterkunftskosten für Arbeitslosengeld-II-Bezieher ins allgemeine Wohngeld hinüberzuwechseln. Hier sei von 70 000 Haushalten mit 150 000 Kindern auszugehen, berichtete Tiefensee.

FDP, Grüne und Linksfraktion hielten dem Minister vor, er habe mit seinem ursprünglichen Gesetzentwurf trotz vielfacher Hinweise auf die gestiegenen Wohn- und Heizkosten nur eine Wohngeldvereinfachung durchsetzen wollen. Damit stehe die Regierung nach 2009 schon bald vor der nächsten Erhöhung. Die Grünen verlangten automatische Anpassungen an die Kostenentwicklung, während die Linksfraktion weitergehende Heizkosten- und Wohnraumhilfen für sozial Schwache wünschen.

(Quelle: dpa)
 


 

Pflegereform nach langem Streit unter Dach und Fach

Sa.26.04.08 - Nach monatelangen Auseinandersetzungen ist die Reform der Pflegeversicherung perfekt: Der Bundesrat billigte die Neuregelung, nachdem sie der Bundestag bereits im März beschlossen hatte. Das Gesetz sieht Verbesserungen bei den Leistungen der ambulanten Pflege und der Betreuung von Demenzkranken sowie verstärkte Kontrollen in den Einrichtungen vor. Zugleich steigt der Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,95 Prozent, bei Kinderlosen von 1,95 auf 2,2 Prozent. Der Bundesrat verlangte jedoch, zur langfristigen Finanzierung der Pflege einen Kapitalstock aufzubauen.

Zu den zwischen Union und SPD lange strittigen Pflegestützpunkten wurde beschlossen, dass diese nur in den Ländern eingerichtet werden, die dies wünschen. Nach der Billigung durch die Länderkammer wird die Reform nun am 1. Juli 2008 in Kraft treten. In einer von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen eingebrachten Entschließung heißt es, der Aufbau eines Kapitalstocks sei unverzichtbar, da ein reines Umlagesystem, das sich allein an den Arbeitskosten orientiere, auf Dauer überfordert sei. Angesichts des demografischen Wandels sei mit einer deutlichen Zunahme der Zahl der pflegebedürftigen Menschen zu erwarten, hieß es in der mehrheitlich verabschiedeten Resolution.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich erleichtert über den Bundesratsbeschluss. Schmidt erklärte, die Neuregelung rücke die Pflege in die Mitte der Gesellschaft. "Diese Reform setzt ein Zeichen für die ganze Gesellschaft." In der Debatte des Bundesrates räumte sie zugleich ein, dass es bislang nicht gelungen sei, die Pflegeversicherung auf eine langfristig breite Basis zu stellen. Mit Blick auf die vom Bundesrat beschlossene Resolution sagte die Ministerin dem Sender Phoenix, das Umlagesystem, bei dem die Menschen füreinander einstehen, sei immer noch das sicherste gewesen. Trotzdem könne ergänzend ein Kapitalstock aufgebaut werden. Allerdings sei die Union nicht dazu bereit gewesen, "dass wir hier auch einen gerechten Ausgleich zwischen den privat Versicherten und den gesetzlich Versicherten auf den Weg bringen".

Bei Opposition und Verbänden stieß die Reform erneut auf Kritik. Der FDP-Pflegeexperte Heinz Lanfermann erklärte, die mehrheitlich beschlossene Bundesratsresolution "legt den Finger in die offene Pflegewunde der schwarz-roten Koalition". "Dass nun auch die Länder dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz zugestimmt haben, macht die Reform nicht besser", erklärte die Grünen-Pflegeexpertin Elisabeth Scharfenberg.

(Quelle: afp)
 


 

Familiengerichte sollen früher eingreifen

Sa.26.04.08 - Um Kinder besser vor Misshandlungen oder Vernachlässigung zu schützen, hat der Bundestag am Donnerstag die Eingriffsmöglichkeiten von Familiengerichten erweitert. Die Gerichte sollen tätig werden, bevor das Kind zu Schaden kommt oder sie den Eltern das Sorgerecht entziehen müssen. Voraussetzung ist, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern die Situation nicht selbst verbessern können oder wollen.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte, die tragischen Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung in den vergangenen Monaten hätten erhebliche Defizite beim Schutz besonders gefährdeter Kinder gezeigt. Diese Defizite würden nun behoben. Darüber hinaus müssten die Jugendämter ihre Möglichkeiten stärker nutzen. Bei Hausbesuchen müssten sich die Mitarbeiter ein gefährdetes Kind persönlich anschauen. Wenn Eltern die Vorsorgeuntersuchungen nicht nutzten, könne dies ebenfalls ein Grund sein, tätig zu werden.

Die Familiengerichte können Eltern künftig verpflichten, eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen, mit dem Kind zum Arzt zu gehen, es regelmäßig in den Kindergarten oder in die Schule zu schicken oder ein Anti-Gewalt-Training mitzumachen. Bisher werden diese Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt, weil die Gerichte zu spät eingreifen. Den Eltern soll in einem Gespräch deutlich gemacht werden, dass es Konsequenzen bis zum Entzug des Sorgerechts haben kann, wenn sie die Erziehungshilfen nicht nutzen.

Zudem werden familiengerichtliche Verfahren beschleunigt, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Ein erster Gerichtstermin soll dann innerhalb eines Monats stattfinden.

(Quelle: epd)
 


 

Zentralrat der Juden für kommentierte 'Mein-Kampf'-Ausgabe

Sa.26.04.08 - Der Zentralrat der Juden tritt dafür ein, Hitlers "Mein Kampf" als kommentierte Ausgabe in Deutschland zu veröffentlichen. Eine historisch-kritische Ausgabe des hierzulande verbotenen Bandes solle nicht nur als Buch, sondern auch im Internet publiziert werden, sagte der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, im Deutschlandfunk. Der Zentralrat der Juden sei bereit, an einer solchen Kommentierung mitzuwirken und sich auch bei der bayerischen Staatsregierung für eine Publikation des Buches einzusetzen.

"Wir würden uns an einer solchen Initiative beteiligen, wir würden auch gerne mitarbeiten", sagte Kramer. Bayern ist Inhaber der Urheber- und Verwertungsrechte von Hitlers "Mein Kampf", die 2015 auslaufen. Der Freistaat begründet seine restriktive Haltung zur Neuveröffentlichung des Buches mit Verantwortung und Respekt vor den Opfern des Holocausts. In einem schriftlichen Statement des zuständigen bayrischen Finanzministeriums an den Deutschlandfunk heißt es, die gehandhabte Praxis bei Abdruckgenehmigungen sei im "In- und Ausland, im Besonderen auch von der jüdischen Bevölkerung, allgemein anerkannt und hoch geschätzt". Davon "abzurücken, würde weltweit enorme politische Aufmerksamkeit erregen und vermutlich auf großes Unverständnis stoßen."

(Quelle: afp)
 


 

Wissenschaft

Chemiker finden Abhilfe gegen schädliche Gase in der Raumluft

Sa.26.04.08 - Chemiker der Universität Jena haben einen neuen Minireaktor entwickelt, der schädliche Gase etwa von Kunststoffen in der Luft abbaut. Dabei setzen sie auf leistungsstarke Leuchtdioden, wie die Universität am Donnerstag mitteilte.

Diese LEDs senden ultraviolettes Licht aus, das an einem Katalysator die Bildung sogenannter freier Radikale fördert. Als Katalysator dient ein mit Titanoxid beschichtetes Drahtgeflecht aus Aluminium. «Die entstehenden freien Radikale reagieren mit den Schadstoffen, die sie dabei zersetzen», erläuterte der Chemiker Andreas Kirsch das Prinzip.

Bei Tests sei der Gehalt an Substanzen wie Toluol und Acetaldehyd deutlich verringert worden. Durch die Bestrahlung mit den LEDs über einen Zeitraum von zwei Stunden sei der Gehalt an Acetaldehyd im Versuchsaufbau um etwa die Hälfte, der Anteil an Toluol um etwa ein Drittel gesunken. «Damit konnten wir zeigen, dass das System prinzipiell geeignet ist, diese Schadstoffe abzubauen», sagte Kirsch.

Die Forscher hoffen nun, das System optimieren zu können. Denn bis zum Einsatz in der Praxis sei weitere Entwicklungsarbeit nötig, hieß es. Der Reaktor könne etwa in Autos zur Aufbereitung der Luft im Innenraum eingesetzt werden. Denn gerade bei Neuwagen entstünden dort zahlreiche flüchtige chemische Substanzen, die aus den Kunststoffen entweichen. Dieser Prozess könne mehrere Jahre dauern. Das Projekt wird den Angaben zufolge mit 200 000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt.

(Quelle: dpa)
 


 

Tyrannosaurus war Vorfahr der heutigen Hühner

Sa.26.04.08 - Der fleischfressende Tyrannosaurus Rex ist der Vorfahr unserer heutigen Hühner: Mittels einer Analyse von Proteinen aus Dinosaurierknochen bewiesen Wissenschaftler der Harvard-Universität nun, dass der furchterregende Landräuber enger mit Vögeln als mit irgendeinem anderen noch lebenden Tier verwandt ist. Das berichtet die Zeitschrift "Science". "Diese Ergebnisse bestätigen die Vorhersagen, die aufgrund von anatomischen Beobachtungen an den Skeletten gemacht wurden", erklärte der Forscher und Ko-Autor der Studie, Chris Organ. Nun gebe es einen ersten molekularen Beweis für die bisherigen Vermutungen.

Die Wissenschaftler der medizinischen Fakultät in Harvard verglichen Proteine von einem Tyrannosaurus-Rex-Knochen mit 21 Tierarten aus der heutigen Zeit. Dabei zeigte sich laut der Studie eine direkte Verwandtschaft mit Hühnern und Straußen sowie eine etwas entferntere mit den heutigen Alligatoren. Ebenso wiesen die Forscher der Harvard-Universität eine weniger überraschende Verwandtschaft zwischen den Mastodonten und den heutigen Elefanten nach. Der sogenannte Ur-Elefant lebte 160.000 bis 600.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung.

Die Untersuchungen wurden überhaupt erst möglich, weil in einem 2003 in den USA gefundenen Oberschenkelknochen eines Tyrannosaurus noch Kollagenreste entdeckt wurden. Aus diesem rund 68 Millionen Jahre alten Kollagen gewannen die Wissenschaftler die Proteine, mit denen sie ihre Vergleiche zu heutigen Lebewesen anstellen konnten.

(Quelle: afp)
 
 
 
 

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