Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am 1495sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Al-Maliki nennt Bedingungen für Ende der Offensive gegen Milizen -
Irakischer Ministerpräsident fordert Entwaffnung und Ende der
Einmischung in staatliche Angelegenheiten. UN: Irakische Kinder werden
zu Selbstmordattentäter ausgebildet. Bombenanschlag auf
Ölpipeline. Irakische Familien werfen Blackwater Vernichtung von
Beweisen vor
Sa.26.04.08 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat vier
Bedingungen für ein Ende der Offensive gegen die schiitische
Mahdi-Miliz des Geistlichen Muktada al Sadr und andere illegale
bewaffnete Gruppen genannt: Sie müssten ihre schweren und
mittelschweren Waffen abgeben und damit aufhören, sich in die
Angelegenheiten der Regierung und der Streitkräfte einzumischen,
forderte Al-Maliki am Freitag in einem Interview des Fernsehsenders Al
Arabija. Ferner müssten die Milizen alle gesuchten Personen
ausliefern und eine Liste mit Namen jener erstellen, die in Gewalttaten
verwickelt seien.
Zuvor hatte Milizführer al Sadr am Freitag zu einem Ende des
Blutvergießens zwischen seinen Kämpfern und den irakischen
Sicherheitskräften aufgerufen. Am vergangenen Samstag hatte er
noch mit einem «offenen Krieg» gedroht, wenn die Regierung
die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen seine
Anhänger nicht einstellt.
In der am Freitag von einem Helfer in einer Moschee im Bagdader
Stadtteil Sadr City verlesenen Botschaft erklärte Al Sadr, die
Drohung sei lediglich gegen die US-Truppen gerichtet. «Ich habe
mit einem offenen Krieg bis zur Befreiung gedroht, wir haben damit
einen Krieg gegen die Besatzer gemeint», hieß es in der
Botschaft. Einen Krieg der irakischen Brüder untereinander
dürfe es nicht geben. «Ich rufe meine Brüder bei der
Polizei, in den Streitkräften und der Mahdi-Miliz auf, das
Blutvergießen zu beenden.
In den letzten Wochen ist es ungeachtet eines seit über sieben
Monaten gültigen Waffenstillstands immer wieder zu heftigen
Kämpfen zwischen Al Sadrs Mahdi-Miliz und den Regierungstruppen
gekommen. Begonnen hatten die jüngsten Kämpfe am 25.
März mit einer Offensive der Regierungstruppen gegen die
Mahdi-Miliz im Bagdader Stadtteil Sadr City und in der südlichen
Hafenstadt Basra.
Aufständische Gruppen und Milizen im Irak rekrutieren nach
Einschätzung der UN Kinder als Selbstmordattentäter. Die
Kinder seien die stillen Opfer der anhaltenden Gewalt im Irak,
erklärte die UN-Sondergesandte für Kinder und bewaffnete
Konflikte, Radhika Coomaraswamy, am Freitag in einer Stellungnahme in
der jordanischen Hauptstadt Amman. Sie besuchte kürzlich fünf
Tage lang den Irak. Die Quelle ihrer Informationen nannte sie nicht.
Coomaraswamy forderte alle Parteien im irakischen Konflikt auf, die
Menschenrechte einzuhalten. Alle Minderjährigen in den eigenen
Reihen müssten sofort freigelassen werden, sagte sie. Die
US-Streitkräfte hatten im Februar mehrere Videos
veröffentlicht, die in mutmaßlichen Verstecken der Al Kaida
im Irak gefunden worden. Darauf waren Aufständische zu sehen, die
Kindern das Töten beibrachten. Einige schienen erst zehn Jahre alt
zu sein.
Bei einem Bombenanschlag auf eine Ölpipeline im Irak sind am
Freitag acht Wachleute verletzt worden. Die Explosion ereignete sich am
Abend in der Nähe von Dschilawija, rund 50 Kilometer südlich
von Bagdad und löste nach Polizeiangaben ein Großfeuer aus.
Die Pipeline transportiert Öl von den Vorratslagern in Latifija zu
den Raffinerien im Süden des Iraks. Der Betrieb der Pipeline wurde
nach dem Anschlag vorerst eingestellt.
Die Hinterbliebenen von mehreren Irakern haben die US-Sicherheitsfirma
Blackwater Worldwide beschuldigt, Beweismittel zum Tod ihrer
Angehörigen vernichtet zu haben. Anwälte der Familien legten
am Freitag in Washington Gerichtsdokumente mit den Beschuldigungen vor.
Demnoch sollen die Beweismittel Mitte März geschreddert worden
sein. In dem Verfahren geht es um den Tod von 17 Irakern bei einem
Einsatz von Blackwater-Mitarbeitern im September vergangenen Jahres in
Bagdad. Die Familien werfen Blackwater auch vor, die bei dem
tödlichen Einsatz verwendeten Fahrzeuge repariert und neu lackiert
zu haben, um die Ermittlungen zu behindern.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 26.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.26.04.07 - Zahl der Todesopfer im Irak laut UN trotz Sicherheitsoffensive
gestiegen - 700.000 Iraker auf der Flucht vor Glaubenskämpfen +++
US-Abgeordnete fordern Rückzug aus dem Irak ab 1. Oktober +++
Prominente US-Soldaten haben der Armeeführung vorgeworfen, sie mit
erfundenen und übertriebenen Geschichten zu Helden der
Einsätze im Irak und in Afghanistan stilisiert zu haben...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704260.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Nahost-Konflikt
Israel lehnt Angebot der Hamas für Waffenruhe ab --
US-Präsident Bush gegen weiteren Bau jüdischer Siedlungen im
Westjordanland -- Palästinenserpräsident Abbas enttäuscht nach Gespräch mit Bush
Sa.26.04.08 - Israel hat ein Angebot der radikal-islamischen Hamas für eine
halbjährige Waffenruhe im Gazastreifen abgelehnt. Israel glaube,
dass Hamas nur auf Zeit spielen wolle, um sich neu zu bewaffnen und neu
zu ordnen.
Das sagte der israelische Regierungssprecher David Baker am Freitag in
Jerusalem. Hamas wolle sich mit der Waffenruhe auf eine neue
Terroroffensive gegen Israel vorbereiten. In Washington kritisierte
US-Präsident Bush bei einem Treffen mit
Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den israelischen
Siedlungsbau in den Palästinensergebieten.
Das hochrangige Hamas-Mitglied Mahmud al-Sahar hatte zuvor nach
Gesprächen mit ägyptischen Regierungsvertretern in Kairo
erklärt, Hamas sei mit einer sechs Monate langen Feuerpause im
Gazastreifen einverstanden.
Diese solle später auch auf das Westjordanland ausgedehnt werden.
Der ehemalige palästinensische Außenminister nannte jedoch
eine Reihe von Bedingungen. Danach soll Israel die Blockade des
Gazastreifens aufheben und die Grenzübergänge wieder
öffnen. Außerdem müsse die Waffenpause gleichzeitig
einsetzen. Sahar forderte außerdem eine Öffnung des
Grenzüberganges Rafah zu Ägypten. Dieser ist seit der
Machtergreifung der Hamas im Gazastreifen Mitte Juni 2007 geschlossen.
Israel befürchtet, dass die Hamas die Öffnung von Rafah
für den Schmuggel von Waffen und Geld sowie für die Ein- und
Ausreise von Terroristen und ausländischen Ausbildern nutzen
könnte.
US-Präsident Bush sprach sich gegen den weiteren Bau
jüdischer Siedlungen im Westjordanland aus. «Der im
gegenwärtigen Friedensprozess angestrebte Palästinenserstaat
müsse «existenzfähig» sein und dürfe
«nicht wie ein Schweizer Käse aussehen», sagte Bush,
allerdings ohne dabei ausdrücklich jüngste israelische
Siedlungspläne beim Namen zu nennen. Die Gründung eines
Palästinenserstaates habe für ihn hohe Priorität.
Zugleich kündigte Bush für Mai eine weitere Nahost-Reise an.
Wie es hieß, wolle er zur 60-jährigen Jahresfeier der
Staatsgründung (14. Mai) in Israel sein.
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat sich
enttäuscht über sein Treffen mit US-Präsident George W.
Bush geäußert. Es habe bei dem Gespräch am Donnerstag
in Washington keine Fortschritte im Nahost-Friedensprozess gegeben,
sagte Abbas am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.
Er zeigte sich pessimistisch, dass noch vor dem Ende von Bushs Amtszeit
im Januar 2009 ein Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet werden
kann. Das größte Hindernis bleibe die Ausdehnung der
jüdischen Siedlungen in den besetzten palästinensischen
Gebieten, sagte Abbas.
Abbas hatte bereits vor dem Treffen mit Bush von den USA mehr
Initiative gefordert. Fünf Monate nach dem Start der letzten
Verhandlungsrunde mit den Israelis werde die Zeit zunehmend knapp, um
das geplante Friedensabkommen wie angestrebt bis zum Jahresende
abzuschließen, sagte er am Mittwoch nach einer Unterredung mit
US-Außenministerin Condoleezza Rice.
Erneut betonte Abbas die arabische Position, wonach ein Rückzug
Israel aus den seit 1967 besetzten Palästinensergebieten der
Schlüssel zum Frieden sei.
Unterdessen haben die Vereinten Nationen wegen Treibstoffmangels die
Nahrungsmittelhilfe für rund 650 000 palästinensische
Flüchtlinge im Gazastreifen gestoppt. Weil es kein Benzin für
die Autos gebe, könnten die Lebensmittelpakete nicht verteilt
werden, bestätigte am Donnerstagabend ein Sprecher des
UN-Hilfswerkes für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA).
Die israelischen Armee sagte für Freitag die Lieferung von
insgesamt 120 000 Litern Treibstoff direkt an das UN-Hilfswerk zu. Die
Hamas kündigte Massenprotesten an den Grenzübergängen des
Gazastreifens an.
Oberst Nir Press, der Beauftragte des israelischen Militärs
für den Grenzverkehr mit dem Gazastreifen, warf der Hamas vor, die
humanitäre Lage selbst zu verschärfen. Nach israelischen
Angaben lagern auf der palästinensischen Seite des
Grenzübergangs Nachal Oz im Norden des Gazastreifens fast eine
Million Liter Treibstoff. Jedoch habe die Hamas, die den Gazastreifen
seit zehn Monaten kontrolliert, seit mindestens vier Wochen keinen
Treibstoff mehr verteilt, auch nicht an die UNRWA, sagte Press.
boa (Quellen: dpa, ap)
USA beschuldigen Nordkorea des Reaktorbaus in Syrien
Sa.26.04.08 - Die US-Regierung hat Nordkorea offiziell beschuldigt, Syrien beim Bau
eines Atomreaktors geholfen zu haben. Der bis September 2007 geheim
gebaute Reaktor sei nicht für "friedliche Zwecke", sondern dazu
bestimmt gewesen, Plutonium für militärische Zwecke zu
produzieren, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana
Perino. Syrien müsse nun die Welt über seine Zusammenarbeit
mit Nordkorea informieren. Laut einem US-Geheimdienstmitarbeiter
zerstörte ein israelischer Luftangriff die Anlage im vergangenen
September. Damaskus wies die Anschuldigungen umgehend zurück.
Der diplomatische Prozess zur atomaren Abrüstung Nordkoreas gehe
dennoch weiter, hieß es in der Erklärung des Weißen
Hauses. Washington werde im Zuge der Sechs-Länder-Gespräche
zwischen den USA, Russland, China, Japan sowie Nord- und Südkorea
alles tun, um das Ende des nordkoreanischen Atomprogramms zu
überwachen.
Laut Perino wurde der Reaktor am 6. September 2007 so stark
zerstört, dass er nicht mehr zu reparieren war. Die syrischen
Behörden hätten alle Beweisspuren beseitigt. Nach
US-Medieninformationen hatte die CIA den Kongressabgeordneten zuvor bei
einem Briefing einen Videofilm gezeigt, in dem nordkoreanische Arbeiter
in der syrischen Anlage zu sehen waren.
Ein US-Regierungsvertreter beschuldigte die syrische Regierung, mit dem
Bau der Anlage den seit 1970 gültigen Atomwaffensperrvertrag
verletzt zu haben. Die USA hätten deshalb IAEA-Direktor Mohamed El
Baradei über ihre Erkenntnisse unterrichtet. Es sei der Wunsch der
USA, "dass sich die IAEA des Falls annehme", sagte der US-Vertreter, der
namentlich nicht genannt werden wollte.
Die syrische Botschaft in den USA wies die "fortwährende Kampagne
falscher Anschuldigungen Syriens entschieden zurück". In einer
Erklärung forderte sie Washington auf, sich "verantwortungsbewusst"
zu verhalten und keine neuen Krisen im Nahen Osten auszulösen. Die
Region leide bereits jetzt unter den Folgen einer verfehlten Politik
der USA. Zuvor hatte bereits der syrische UN-Botschafter Baschar
Dschaafari eine syrisch-nordkoreanische Atom-Zusammenarbeit bestritten.
Der Fall könnte zu ernsten diplomatischen Spannungen Washingtons
mit Syrien und Nordkorea führen. US-Präsident George W. Bush
möchte bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 einen
abschließenden Erfolg bei den Sechser-Verhandlungen zur
Schließung der nordkoreanischen Atomanlagen erreichen.
(Quelle: afp)
IAEA kritisiert USA und Israels Umgang mit Reaktor in Syrien
Sa.26.04.08 - Mit Verärgerung hat die Internationale Atomenergiebehörde
(IAEA) auf die Veröffentlichung von US-Geheimdienstberichten
über den Bau eines Atomreaktors in Syrien mit nordkoreanischer
Hilfe reagiert. Die Behörde teilte in Wien mit, sie nehme die
Informationen ernst und prüfe sie. Zugleich übte sie Kritik
am Vorgehen der USA und Israels. Washington hatte Nordkorea offiziell
beschuldigt, Syrien beim Bau eines geheimen Atomreaktors geholfen zu
haben. Die Anlage wurde nach US-Geheimdienstangaben im September 2007
bei einem israelischen Luftangriff zerstört. Damaskus wies die
Anschuldigungen zurück.
Die Behörde werde die Informationen über den
mutmaßlichen Atomreaktor "mit der gebotenen Ernsthaftigkeit"
behandeln und prüfen, erklärte die IAEA. Syrien sei wegen
seiner Vereinbarungen mit der IAEA verpflichtet, Planungen für den
Bau möglicher Atomanlagen mitzuteilen. IAEA-Generaldirektor
Mohamed ElBaradei bedaure die Tatsache, dass die Informationen nicht
"frühzeitig" an die IAEA weitergeleitet worden seien, hieß
es. Laut Atomwaffensperrvertrag müsse die Behörde alle
Anschuldigungen möglicher atomarer Weiterverbreitung prüfen.
In diesem Zusammenhang kritisierte ElBaradei das einseitige
militärische Vorgehen Israels. Durch den Luftangriff auf den
mutmaßlichen Reaktor werde der Prozess der Überprüfung,
der im Mittelpunkt des Systems zur Nichtweiterverbreitung von
Atomwaffen stehe, untergraben, erklärte die IAEA. Die Behörde
erhielt nach eigenen Angaben erst am Donnerstag die
US-Geheimdienstinformationen über den mutmaßlichen Reaktor.
(Quelle: afp)
Afghanischer Minister empört über BND-Bespitzelung
Sa.26.04.08 - Der afghanische Handels- und Industrieminister Amin Farhang hat mit
Empörung und Entsetzen auf die Bespitzelung durch den
Bundesnachrichtendienst (BND) reagiert.
"Durch diese absurde Lüge, ich sei eine Art Doppelagent, ist mein
Leben und das meiner Familie in größter Gefahr", sagte
Farhang der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagausgabe) laut
Vorabbericht. "Ich kann morgen auf der Straße erschossen werden."
Einen unterschwelligen Vorwurf, er kooperiere mit dem Feind, weise
Farhang zurück, heißt es in dem Bericht. Der BND hatte den
E-Mail-Verkehr einer "Spiegel"-Journalistin mit afghanischen Politikern
überwacht.
Farhang sprach in der Zeitung von Rufmord und einem beispiellosen
Skandal. Er habe erfahren, dass der BND seinen Computer im Büro
manipuliert habe. Er gehe davon aus, dass nicht nur einer seiner
Computer für wenige Monate überwacht worden sei, wie der BND
behaupte. "Ich habe das Vertrauen verloren und nehme an, dass deutsche
Agenten alle meine Telefonate und Emails noch immer überwachen."
Enttäuscht zeigte sich Farhang darüber, dass weder der BND
noch die Bundesregierung sich bei ihm entschuldigt hätten, obwohl
die Affäre bereits seit Februar im BND bekannt sei. Das sei umso
bedauerlicher, da er sich keine Belastung der Beziehungen zu Deutschland
wünsche.
Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar-Spanta kündigte
an, die Abhöraktion bei der Bundesregierung zur Sprache zu bringen.
"Wir werden das Thema in den nächsten Tagen bei der
Bundesregierung ansprechen", sagte er der "Financial Times Deutschland"
laut Vorabbericht (Freitagausgabe).
(Quelle: rtr)
Chinesische Regierung will Dialog mit Dalai Lama aufnehmen -- Laut
Xinhua baldiges Treffen geplant
Sa.26.04.08 - Die chinesische Regierung hat Gespräche mit Vertretern des Dalai
Lama angekündigt. Ein Treffen werde in Kürze stattfinden,
berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. Von Seiten
des Dalai Lama sei mehrfach der Wunsch nach einer Wiederaufnahme des
Dialogs gekommen, zitierte Xinhua eine offizielle Quelle. Peking sah
sich nach den blutigen Zusammenstößen mit Aktivisten der
tibetischen Unabhängigkeitsbewegung vor mehr als einem Monat mit
zunehmenden Forderungen nach Gesprächen mit dem Dalai Lama
konfrontiert.
China machte das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten
für die Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa verantwortlich
und warf ihm vor, damit die Olympischen Spiele im August sabotieren zu
wollen. Nach offiziellen Angaben der Behörden kamen bei den Unruhen
22 Menschen ums Leben, die tibetische Exilregierung spricht von
mindestens 140 Toten. Vorwürfe Pekings, er strebe eine
Unabhängigkeit Tibets an, wies der Dalai Lama mehrfach zurück
und betonte, Tibet wolle lediglich eine Autonomie.
(Quelle: ap)
Nach Bauernproteste und Streiks - Wirtschaftsminister in
Argentinien gibt auf
Sa.26.04.08 - Unter dem Eindruck wochenlanger Bauernproteste und Streiks ist der
argentinische Wirtschaftsminister Martin Lousteau nach
fünfmonatiger Amtszeit zurückgetreten. Der 36-jährige
Hoffnungsträger hatte offenbar Streit mit anderen Beratern von
Präsidentin Cristina Fernandez.
Die sozialdemokratische Staats- und Regierungschefin sammelte in der
Nacht zum Freitag ihre engsten Mitarbeiter um sich, wie aus Kreisen des
Wirtschaftsministeriums verlautete. Dabei wurde der bisherige Leiter der
Steuerbehörde, Carlos Fernandez, zum Nachfolger von Lousteau
bestimmt. Er sollte gestern vereidigt werden.
Die Bauernproteste führten die zweitgrößte
Volkswirtschaft in Südamerika in erhebliche Turbulenzen. Wegen
anhaltender Straßenblockaden kam es zu Versorgungsengpässen
bei Rindfleisch, Hühnern und anderen Lebensmitteln. Die Bauern
haben ihren Streik unterbrochen, aber mit weiteren Aktionen gedroht,
falls die Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht. Stein des
Anstoßes ist die Erhöhung der Exportsteuern auf Sojabohnen
und andere Agrarprodukte. Argentinien ist der international
drittgrößte Exporteur von Sojabohnen. Mit der Anhebung der
Steuer wollte die Regierung ihren Anteil an den gestiegenen Preisen
steigern.
Lousteau war bei der Regierungsbildung von Christina Fernandez eines
der wenigen neuen Gesichter. Viele Minister gehörten schon dem
Kabinett von Fernandez' Mann und Vorgänger Nestor Kirchner an. Das
jüngste Kabinettsmitglied leitete vorher eine staatliche Bank.
(Quelle: ap)
Mordanschlag auf Gewerkschaftsvorsitzende in Honduras
Sa.26.04.08 - Mehrere bewaffnete Angreifer haben die Vorsitzende des
größten Gewerkschaftsverbands in Honduras erschossen. Auch
zwei Begleiter der 60-jährigen Altagracia Fuentes kamen bei dem
Überfall an der nördlichen Karibikküste des
mittelamerikanischen Landes ums Leben, wie Staatsanwalt Leonidas Rosa am
Donnerstagabend mitteilte.
Fuentes war zum Zeitpunkt des Mordanschlags auf dem Weg in die Stadt
San Pedro Sula, um dort Kundgebungen zum 1. Mai vorzubereiten. Die
Ermittler nehmen an, dass die Bluttat genau geplant war. «Die
Täter erschossen ihre Opfer an einem dunklen und verlassenen Ort
und setzten Scheinwerfer ein», sagte Hector Mejia vom
Sicherheitsministerium. Raub wird als Motiv ausgeschlossen, da Fuentes
noch umgerechnet 2.500 Euro bei sich hatte. Der Gewerkschaftsverband
Federación de Sindicatos de Trabajadores de Honduras (Fesitradeh)
vertritt die Interessen von 300.000 Mitgliedern.
(Quelle: ap)
US-Präsident Bush sieht US-Wirtschaft im Abwärtstrend
Sa.26.04.08 - US-Präsident George W. Bush sieht die heimische Wirtschaft in
einer Schwächephase und setzt seine Hoffnung in das unlängst
auf den Weg gebrachte milliardenschwere Konjunkturpaket: "Es ist
offensichtlich, dass unsere Wirtschaft in einem Abwärtstrend ist",
sagte Bush am Freitag in Washington. Die angekündigten
Steuernachlässe würden aber helfen, aus der Krise zu kommen.
Die Rückzahlungen sollten schon in der kommenden Woche erfolgen
und den Menschen helfen, die höheren Preise an den Tankstellen und
in den Supermärkten zu verkraften, betonte Bush. Auf diese Weise
werde die Konjunktur auch insgesamt wiederbelebt.
Eine Rezession sieht Bush in den Vereinigten Staaten derzeit nicht. Die
weltgrößte Volkswirtschaft ist aktuell nicht nur mit
steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen konfrontiert, sondern
erlebt zudem einen Preisverfall am Immobilienmarkt. Auch die Zahl der
Arbeitslosen nimmt zu. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die
wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes ist inzwischen so schwach wie
seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr. Dies ging am Freitag aus dem
entsprechenden Index von Reuters und der Universität Michigan
für April hervor.
(Quelle: rtr)
Russland droht mit Militäreinsatz in georgischen Provinzen
Sa.26.04.08 - Russland hat mit militärischen Maßnahmen gedroht, sollte es
in den abtrünnigen georgischen Provinzen Abchasien und
Südossetien zu Gefechten kommen. Man müsse dann die dort
lebenden russischen Staatbürger schützen, erklärte
Valeri Kenjaikin, der im Moskauer Außenministerium für die
Beziehungen zu den ehemaligen Sowjetrepubliken verantwortlich ist. Es
war die bislang schärfste Drohung Russlands gegen Georgien.
Abchasien und Südossetien haben in den vergangenen Jahren
weitgehende Unabhängigkeit genossen und wurden dabei von Russland
unterstützt. Die georgische Regierung besteht jedoch darauf, dass
die Provinzen weiterhin zu ihrem Territorium gehören. Der Streit
um den Status dieser Gebiete hat die ohnehin gespannten Beziehungen
zwischen Moskau und Tiflis weiter verschärft.
Der Konflikt droht zu eskalieren, nachdem vor einer Woche ein
georgisches Aufklärungsflugzeug über Abchasien abgeschossen
wurde. Russland hat georgische Vorwürfe zurückgewiesen,
dafür verantwortlich zu sein.
(Quelle: ap)
Notenbanker der EU sehen anhaltende Vertrauenskrise bei Banken
Sa.26.04.08 - Führende Notenbanker der Euro-Zone rechnen offenbar nicht mit
einem schnellen Ende der Vertrauenskrise im Bankensektor.
Die Verwerfungen am Geldmarkt dürften nach Einschätzung des
deutschen Bundesbank-Chefs Axel Weber und des französischen
Zentralbankgouverneurs Christian Noyer daher noch längere Zeit
andauern. "Es scheint, als seien die Finanzmarktturbulenzen noch nicht
vorbei", sagte Weber am Freitag in Eltville bei Wiesbaden. Allerdings
gebe es in anderen Finanzmarktsegmenten Anzeichen einer Beruhigung der
seit Monaten andauernden Turbulenzen.
"Einer Rückkehr in ruhigere Bahnen steht bisher entgegen, dass das
Vertrauen insbesondere zwischen den Finanzinstituten immer noch
erheblich gestört ist", sagte Weber, der auch im Rat der
Europäischen Zentralbank (EZB) Sitz und Stimme hat. Die
Zentralbanken könnten aber mit der großzügigen
Bereitstellung von Liquidität lediglich die Symptome der Krise
kurieren, nicht aber deren Ursachen. Es gebe jedoch Licht am Ende des
Tunnels. Während die Anspannungen am Geldmarkt weiter anhielten,
zeigten sich etwa die Aktienmärkte gegenüber Mitte März
mittlerweile "spürbar fester".
Um das Vertrauen unter den Banken wieder zu verbessern, müsse
deren Transparenz erhöht und das Risikomanagement verbessert
werden, forderte der Bundesbank-Präsident. "Um ein Mindestmaß
an Vertrauen wiederherzustellen, ist weiterhin mehr Transparenz
bezüglich noch bestehender Risiken und des möglichen, damit
zusammenhängenden Wertberichtigungsbedarfs nötig. Zwingende
Schlussfolgerung für die Zukunft ist, dass Finanzinstitute ihr
Risikomanagement verbessern müssen." Intransparenz sei der
"Nährboden, auf dem Unsicherheit schürende Gerüchte
weiter gedeihen können".
Deshalb sei mehr Klarheit bei der Rechnungslegung der Banken
nötig. "Hierbei ist mir wichtig zu betonen, dass ich es für
sinnvoll halte, am bestehenden Rechnungslegungsrahmenwerk - inklusive
Zeitwertbilanzierung - grundsätzlich festzuhalten. Hiervon gerade
in ungünstigen Marktlagen abzurücken, dürfte eher
verunsichern und daher nicht dazu beitragen, das Vertrauen unter den
Marktteilnehmern wiederzugewinnen." Sollte eine Bewertung zu
Marktpreisen nicht möglich sein, müssten die
Bewertungsmethoden möglichst verlässlich und nachvollziehbar
sein.
Frankreichs Notenbankchef Noyer sagte dem "Wall Street Journal", der
jüngste erneute Anstieg der Zinsen am Geldmarkt sei nicht normal.
Es bestehe Anlass zu Sorge. "Die aktuelle Lage stellt sich so dar, dass
wir nicht von Normalität sprechen können oder davon, dass sie
angemessen wäre." Die Verwerfungen an den Geldmärkten
dürften nicht toleriert werden.
Die Zentralbanken haben in der Vergangenheit Milliarden in den
Geldmarkt gepumpt, um ein Austrocknen des Geldmarktes zu verhindern, auf
dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Nachdem es den
Notenbanken mit mehreren gemeinsamen Aktionen zwischenzeitlich gelungen
war, die Lage etwas zu beruhigen, stiegen die Geldmarktzinsen zuletzt
wieder an. Vor allem bei mittleren Laufzeiten liegt der Geldmarktzins
wieder deutlich über dem Leitzinsniveau von vier Prozent.
(Quelle:rtr)
Deutschland
Wirtschaftsweiser Bofinger: Aufschwung ohne Konsum ist Fehlentwicklung
Sa.26.04.08 - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat angesichts der aktuellen
Finanzkrise vor einer stagnativen Entwicklung in Deutschland gewarnt.
Mit der Aufwertung des Euro, einer sich abschwächenden
Weltkonjunktur und einer stagnierenden Konsumnachfrage drohe eine
ähnliche Phase wie zwischen 2001 und 2004, sagte das Mitglied des
Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung am Freitag im Deutschlandradio Kultur.
Die Rolle Deutschlands als «Exportweltmeister» sei mit
extrem niedrigen Lohnerhöhungen erkauft, sagte Bofinger. Der
Aufschwung sei nicht vom Konsum getragen. Dies sei «im Grunde eine
gewisse Fehlentwicklung».
(Quelle: ddp)
CSU verliert laut Umfrage dramatisch in der Wählergunst
Sa.26.04.08 - Fünf Monate vor der Landtagswahl in Bayern hat die CSU laut einer
aktuellen Umfrage dramatisch in der Wählergunst verloren. Nach
einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Radiosenders Antenne
Bayern kommt die CSU nur noch auf 44 Prozent und könnte damit nach
über 40 Jahren nicht mehr alleine regieren. Bei der Landtagswahl
2003 hatte die CSU mit 60,7 Prozent noch eine Zwei-Drittel-Mehrheit bei
den Sitzen im Landtag erreicht.
Die SPD läge der Umfrage zufolge derzeit bei 20 Prozent, die
Grünen bei 11 Prozent. Von 1.000 befragten bayerischen Wählern
gaben jeweils neun Prozent an, sie würden für die Freien
Wähler und die FDP stimmen.
Damit würden beide Parteien in den Landtag einziehen. Müsste
sich die CSU einen Koalitionspartner suchen, könnte sich der
Umfrage zufolge die Hälfte der Befragten eine schwarz-gelbe
Koalition aus CSU und FDP vorstellen. Ein Bündnis der CSU mit den
Freien Wählern wäre für 26 Prozent der Wähler eine
Option. Eine Große Koalition aus CSU und SPD wäre nur
für 22 Prozent der Befragten vorstellbar. Am wenigsten
Unterstützung fände der Umfrage zufolge mit 20 Prozent ein
Bündnis aus CSU und Grünen.
Für die Erhebung führte das Münchner Institut für
Marktforschung (mifm) im April in zwei Erhebungszeiträumen jeweils
1.000 Telefon-Interviews mit bayerischen Wahlberechtigten.
(Quelle: ap)
Bundestag erhöht Wohngeld um 60 Prozent
Sa.26.04.08 - Nach jahrelangem Miet- und Heizkosten-Anstieg können rund 800 000
Geringverdiener und Rentner mit geringen Einkünften Anfang 2009
auf Entlastung bei den Wohnkosten hoffen. Dann soll das Wohngeld
erstmals seit 2001 wieder steigen - und zwar um 60 Prozent.
Der Bundestag gab am Freitag grünes Licht für die von der
Bundesregierung beschlossene Aufstockung von im Schnitt 90 auf 142 Euro
monatlich. Nach zähem Drängen von Mieterorganisationen wird
künftig erstmals auch ein Teil der Heizkosten bei der Berechnung
des Wohngeldes berücksichtigt. Jetzt kommt es im Bundesrat noch
auf die Bundesländer an, die sich die 520 Millionen Zusatzkosten
zur Hälfte mit dem Bund teilen. Sie hatten aber schon Zustimmung
signalisiert.
Die große Koalition stimmte dem Gesetz zu, während sich FDP,
Grüne und Linke enthielten. Anträge von Grünen und
Linken für weitergehende Wohnungshilfen fanden keine Mehrheit. Der
Deutsche Mieterbund sieht im höheren Wohngeld einen
«wirksamen Beitrag gegen Wohnungsarmut».
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach von einem
«guten Tag» für die betroffenen Haushalte. «Das
ist ein deutlicher Zuwachs im Portemonnaie der Bürgerinnen und
Bürger. (...) Wir haben etwa 800 000 Menschen, die bessergestellt
werden - davon etwa 300 000 Rentner.» Die Wohngeld-Erhöhung
sei die dritte Komponente neben der geplanten Rentenerhöhung im
Juli um 1,1 Prozent und der Erweiterung des Kinderzuschlags. Damit will
die Koalition die auch aktuell wieder steigenden Lebenshaltungskosten
weiter Bevölkerungsteile abfedern.
Allerdings hatte es acht Jahre keine Anpassung an die um zehn Prozent
gestiegenen Kaltmieten gegeben. Für die Heizkosten, die in dieser
Zeit um 50 Prozent kletterten, gab es bislang überhaupt keine
Entlastung gegeben. In dieser Zeit verloren zugleich zahlreiche
Empfänger wegen Überschreitens der zulässigen
Miethöchstgrenzen die Wohngeldberechtigung, so dass derzeit
«nur» etwa 690 000 Menschen Wohnhilfe vom Staat bekommen.
Die Erhöhung setzt sich aus mehreren Veränderungen zusammen.
Generell um acht Prozent werden die Beträge nach der
Wohngeld-Tabelle angehoben. Ferner werden zehn Prozent höhere
Mietkosten als bisher für die Wohngeld-Berechtigung zugelassen.
Die Heizkosten werden künftig mit 50 Cent pro Quadratmeter bei der
Berechnung nur teilweise berücksichtigt. Dafür werde ein
Drittel der Mittel eingesetzt, erläuterte Gero Storjohann von der
CDU. Damit soll ein latenter Anreiz zum Energiesparen gegeben werden.
Auch spielen verschiedene Baualtersklassen von Gebäuden für
die Wohngeldberechnung von 2009 an keine Rolle mehr. Dies werde das
Wohngeld für Empfänger in vor 1992 fertiggestellten Wohnungen
erhöhen, so der Mieterbund.
Allein dafür werde der Staat 120 Millionen der 520 Millionen
aufbringen müssen, berichtete der Haushaltsausschuss des
Bundestages. 155 Millionen Euro seien für die Personen zu
erwarten, für die es sich künftig lohne, aus der
Inanspruchnahme von Unterkunftskosten für
Arbeitslosengeld-II-Bezieher ins allgemeine Wohngeld
hinüberzuwechseln. Hier sei von 70 000 Haushalten mit 150 000
Kindern auszugehen, berichtete Tiefensee.
FDP, Grüne und Linksfraktion hielten dem Minister vor, er habe mit
seinem ursprünglichen Gesetzentwurf trotz vielfacher Hinweise auf
die gestiegenen Wohn- und Heizkosten nur eine Wohngeldvereinfachung
durchsetzen wollen. Damit stehe die Regierung nach 2009 schon bald vor
der nächsten Erhöhung. Die Grünen verlangten
automatische Anpassungen an die Kostenentwicklung, während die
Linksfraktion weitergehende Heizkosten- und Wohnraumhilfen für
sozial Schwache wünschen.
(Quelle: dpa)
Pflegereform nach langem Streit unter Dach und Fach
Sa.26.04.08 - Nach monatelangen Auseinandersetzungen ist die Reform der
Pflegeversicherung perfekt: Der Bundesrat billigte die Neuregelung,
nachdem sie der Bundestag bereits im März beschlossen hatte. Das
Gesetz sieht Verbesserungen bei den Leistungen der ambulanten Pflege
und der Betreuung von Demenzkranken sowie verstärkte Kontrollen in
den Einrichtungen vor. Zugleich steigt der Beitrag zur
Pflegeversicherung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,95 Prozent, bei
Kinderlosen von 1,95 auf 2,2 Prozent. Der Bundesrat verlangte jedoch,
zur langfristigen Finanzierung der Pflege einen Kapitalstock aufzubauen.
Zu den zwischen Union und SPD lange strittigen Pflegestützpunkten
wurde beschlossen, dass diese nur in den Ländern eingerichtet
werden, die dies wünschen. Nach der Billigung durch die
Länderkammer wird die Reform nun am 1. Juli 2008 in Kraft treten.
In einer von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und
Niedersachsen eingebrachten Entschließung heißt es, der
Aufbau eines Kapitalstocks sei unverzichtbar, da ein reines
Umlagesystem, das sich allein an den Arbeitskosten orientiere, auf
Dauer überfordert sei. Angesichts des demografischen Wandels sei
mit einer deutlichen Zunahme der Zahl der pflegebedürftigen
Menschen zu erwarten, hieß es in der mehrheitlich verabschiedeten
Resolution.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich erleichtert
über den Bundesratsbeschluss. Schmidt erklärte, die
Neuregelung rücke die Pflege in die Mitte der Gesellschaft. "Diese
Reform setzt ein Zeichen für die ganze Gesellschaft." In der
Debatte des Bundesrates räumte sie zugleich ein, dass es bislang
nicht gelungen sei, die Pflegeversicherung auf eine langfristig breite
Basis zu stellen. Mit Blick auf die vom Bundesrat beschlossene
Resolution sagte die Ministerin dem Sender Phoenix, das Umlagesystem,
bei dem die Menschen füreinander einstehen, sei immer noch das
sicherste gewesen. Trotzdem könne ergänzend ein Kapitalstock
aufgebaut werden. Allerdings sei die Union nicht dazu bereit gewesen,
"dass wir hier auch einen gerechten Ausgleich zwischen den privat
Versicherten und den gesetzlich Versicherten auf den Weg bringen".
Bei Opposition und Verbänden stieß die Reform erneut auf
Kritik. Der FDP-Pflegeexperte Heinz Lanfermann erklärte, die
mehrheitlich beschlossene Bundesratsresolution "legt den Finger in die
offene Pflegewunde der schwarz-roten Koalition". "Dass nun auch die
Länder dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz zugestimmt haben, macht
die Reform nicht besser", erklärte die Grünen-Pflegeexpertin
Elisabeth Scharfenberg.
(Quelle: afp)
Familiengerichte sollen früher eingreifen
Sa.26.04.08 - Um Kinder besser vor Misshandlungen oder Vernachlässigung zu
schützen, hat der Bundestag am Donnerstag die
Eingriffsmöglichkeiten von Familiengerichten erweitert. Die
Gerichte sollen tätig werden, bevor das Kind zu Schaden kommt oder
sie den Eltern das Sorgerecht entziehen müssen. Voraussetzung ist,
dass das Wohl des Kindes gefährdet ist und die Eltern die Situation
nicht selbst verbessern können oder wollen.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte, die tragischen
Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung in den
vergangenen Monaten hätten erhebliche Defizite beim Schutz
besonders gefährdeter Kinder gezeigt. Diese Defizite würden
nun behoben. Darüber hinaus müssten die Jugendämter ihre
Möglichkeiten stärker nutzen. Bei Hausbesuchen müssten
sich die Mitarbeiter ein gefährdetes Kind persönlich
anschauen. Wenn Eltern die Vorsorgeuntersuchungen nicht nutzten,
könne dies ebenfalls ein Grund sein, tätig zu werden.
Die Familiengerichte können Eltern künftig verpflichten, eine
Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen, mit dem Kind zum Arzt zu
gehen, es regelmäßig in den Kindergarten oder in die Schule
zu schicken oder ein Anti-Gewalt-Training mitzumachen. Bisher werden
diese Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt, weil die Gerichte zu
spät eingreifen. Den Eltern soll in einem Gespräch deutlich
gemacht werden, dass es Konsequenzen bis zum Entzug des Sorgerechts
haben kann, wenn sie die Erziehungshilfen nicht nutzen.
Zudem werden familiengerichtliche Verfahren beschleunigt, wenn das
Kindeswohl gefährdet ist. Ein erster Gerichtstermin soll dann
innerhalb eines Monats stattfinden.
(Quelle: epd)
Zentralrat der Juden für kommentierte 'Mein-Kampf'-Ausgabe
Sa.26.04.08 - Der Zentralrat der Juden tritt dafür ein, Hitlers "Mein Kampf" als
kommentierte Ausgabe in Deutschland zu veröffentlichen. Eine
historisch-kritische Ausgabe des hierzulande verbotenen Bandes solle
nicht nur als Buch, sondern auch im Internet publiziert werden, sagte
der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland,
Stephan Kramer, im Deutschlandfunk. Der Zentralrat der Juden sei
bereit, an einer solchen Kommentierung mitzuwirken und sich auch bei
der bayerischen Staatsregierung für eine Publikation des Buches
einzusetzen.
"Wir würden uns an einer solchen Initiative beteiligen, wir
würden auch gerne mitarbeiten", sagte Kramer. Bayern ist Inhaber
der Urheber- und Verwertungsrechte von Hitlers "Mein Kampf", die 2015
auslaufen. Der Freistaat begründet seine restriktive Haltung zur
Neuveröffentlichung des Buches mit Verantwortung und Respekt vor
den Opfern des Holocausts. In einem schriftlichen Statement des
zuständigen bayrischen Finanzministeriums an den Deutschlandfunk
heißt es, die gehandhabte Praxis bei Abdruckgenehmigungen sei im
"In- und Ausland, im Besonderen auch von der jüdischen
Bevölkerung, allgemein anerkannt und hoch geschätzt". Davon
"abzurücken, würde weltweit enorme politische Aufmerksamkeit
erregen und vermutlich auf großes Unverständnis
stoßen."
(Quelle: afp)
Wissenschaft
Chemiker finden Abhilfe gegen schädliche Gase in der Raumluft
Sa.26.04.08 - Chemiker der Universität Jena haben einen neuen Minireaktor
entwickelt, der schädliche Gase etwa von Kunststoffen in der Luft
abbaut. Dabei setzen sie auf leistungsstarke Leuchtdioden, wie die
Universität am Donnerstag mitteilte.
Diese LEDs senden ultraviolettes Licht aus, das an einem Katalysator
die Bildung sogenannter freier Radikale fördert. Als Katalysator
dient ein mit Titanoxid beschichtetes Drahtgeflecht aus Aluminium.
«Die entstehenden freien Radikale reagieren mit den Schadstoffen,
die sie dabei zersetzen», erläuterte der Chemiker Andreas
Kirsch das Prinzip.
Bei Tests sei der Gehalt an Substanzen wie Toluol und Acetaldehyd
deutlich verringert worden. Durch die Bestrahlung mit den LEDs über
einen Zeitraum von zwei Stunden sei der Gehalt an Acetaldehyd im
Versuchsaufbau um etwa die Hälfte, der Anteil an Toluol um etwa
ein Drittel gesunken. «Damit konnten wir zeigen, dass das System
prinzipiell geeignet ist, diese Schadstoffe abzubauen», sagte
Kirsch.
Die Forscher hoffen nun, das System optimieren zu können. Denn bis
zum Einsatz in der Praxis sei weitere Entwicklungsarbeit nötig,
hieß es. Der Reaktor könne etwa in Autos zur Aufbereitung der
Luft im Innenraum eingesetzt werden. Denn gerade bei Neuwagen
entstünden dort zahlreiche flüchtige chemische Substanzen, die
aus den Kunststoffen entweichen. Dieser Prozess könne mehrere
Jahre dauern. Das Projekt wird den Angaben zufolge mit 200 000 Euro von
der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unterstützt.
(Quelle: dpa)
Tyrannosaurus war Vorfahr der heutigen Hühner
Sa.26.04.08 - Der fleischfressende Tyrannosaurus Rex ist der Vorfahr unserer heutigen
Hühner: Mittels einer Analyse von Proteinen aus Dinosaurierknochen
bewiesen Wissenschaftler der Harvard-Universität nun, dass der
furchterregende Landräuber enger mit Vögeln als mit
irgendeinem anderen noch lebenden Tier verwandt ist. Das berichtet die
Zeitschrift "Science". "Diese Ergebnisse bestätigen die
Vorhersagen, die aufgrund von anatomischen Beobachtungen an den
Skeletten gemacht wurden", erklärte der Forscher und Ko-Autor der
Studie, Chris Organ. Nun gebe es einen ersten molekularen Beweis
für die bisherigen Vermutungen.
Die Wissenschaftler der medizinischen Fakultät in Harvard
verglichen Proteine von einem Tyrannosaurus-Rex-Knochen mit 21
Tierarten aus der heutigen Zeit. Dabei zeigte sich laut der Studie eine
direkte Verwandtschaft mit Hühnern und Straußen sowie eine
etwas entferntere mit den heutigen Alligatoren. Ebenso wiesen die
Forscher der Harvard-Universität eine weniger überraschende
Verwandtschaft zwischen den Mastodonten und den heutigen Elefanten
nach. Der sogenannte Ur-Elefant lebte 160.000 bis 600.000 Jahre vor
unserer Zeitrechnung.
Die Untersuchungen wurden überhaupt erst möglich, weil in
einem 2003 in den USA gefundenen Oberschenkelknochen eines
Tyrannosaurus noch Kollagenreste entdeckt wurden. Aus diesem rund 68
Millionen Jahre alten Kollagen gewannen die Wissenschaftler die
Proteine, mit denen sie ihre Vergleiche zu heutigen Lebewesen anstellen
konnten.
(Quelle: afp)