+++ So.27.04.08, 06:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak am 1496sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkische Armee fliegt neue Luftangriffe auf PKK im Nordirak.
Sunniten wollen in die irakische Regierung zurückkehren
So.27.04.08 - Die türkische Armee hat neue Luftangriffe auf Stellungen der
verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK im Nordirak geflogen. Sie
galten einer bewaffneten Gruppe der PKK, die sich auf Angriffe in der
Türkei vorbereitet habe und dabei entdeckt worden sei.
Anzeige
Das teilte der türkische Generalstab am Samstag in Ankara mit.
Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.
Unterdessen wurde in der Türkei ein Soldat bei Kämpfen
getötet. Zu den Gefechten sei es auf dem Berg Cudi in der
südöstlichen Provinz Sirnak gekommen, berichtete der
Fernsehsender CNN-Türk. Damit starben seit dem Vortag insgesamt
drei Soldaten. Sirnak liegt an der Grenze der Türkei zum Irak und
zu Syrien.
Die türkische Armee hatte im Februar während einer
einwöchigen Bodenoffensive gegen PKK-Lager im Nordirak nach
eigenen Angaben 240 Kämpfer der Organisation getötet, die
auch von der EU als terroristische Vereinigung eingestuft wird. 27
türkische Soldaten starben während der Offensive gegen die
PKK im kurdischen Autonomiegebiet im Nordirak.
Der sunnitische irakische Vizepräsident Tarik al Haschemi hat die
Rückkehr seines politischen Parteienbündnisses in die von den
Schiiten dominierte Regierung angekündigt. Die Sunniten hatten die
Regierung vor neun Monaten im Streit verlassen, weil sie sich von den
schiitischen Parteien an den Rand gedrängt fühlten. Al
Haschemi erklärte am Samstag, das neue Kabinett werde helfen, den
Irak zu retten. Die Rückkehr der Sunniten wäre ein
großer Erfolg für Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der
die zerstrittenen islamischen Glaubensrichtungen wieder versöhnen
will.
boa (Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 27.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendzweiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Fr.27.04.07 - Ex-US-Botschafter Holbrooke nennt Irak-Krieg 'Desaster historischen
Ausmaßes' +++ Ex-CIA-Chef wirft Weißem Haus
verabscheuungswürdiges Verhalten vor +++ Mindestens zehn Tote bei
Anschlägen +++ Leiter von US-Gefängnis im Irak festgenommen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704270.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Nahost-Konflikt
Türkei vermittelt zwischen Syrien und Israel -- UN-Gesandter:
Syrien will mit Atomenergiebehörde kooperieren.
UN-Lebensmittelhilfe im Gazastreifen gestoppt
So.27.04.08 - Die Türkei vermittelt zwischen Israel und Syrien. «Es gab
eine Anfrage von Syrien und Israel, und die Türkei wird ihr Bestes
geben», sagte der türkische Ministerpräsident Recep
Tayyip Erdogan am Samstag nach der Rückkehr von einem Besuch in
Damaskus. Er traf dort mit dem syrischen Präsidenten Baschar al
Assad zusammen. Ziel seien direkte Verhandlungen zwischen beiden Seiten
- zunächst auf niedriger diplomatischer Ebene, sagte Erdogan.
«Wenn die Ergebnisse positiv sind, beginnen die Bemühungen,
die Regierungschefs zusammenzubringen», zitierte die
Nachrichtenagentur Anadolu den türkischen
Ministerpräsidenten. Die Türkei unterhält enge
Beziehungen sowohl zu Israel als auch zu Syrien.
Ursprünglich sollte Erdogan in Damaskus nur ein
syrisch-türkisches Wirtschaftsforum eröffnen. Sein Besuch
erhielt aber zusätzliches Gewicht, nachdem Assad vor wenigen Tagen
Friedensgespräche seines Landes mit Israel unter türkischer
Vermittlung bestätigt hatte. Israel hat Assad zufolge angeboten,
sich von den Golanhöhen zurückzuziehen.
Im Streit über eine angebliche atomare Kooperation zwischen Syrien
und Nordkorea hat der syrische UN-Vertreter eine Zusammenarbeit mit der
Atomenergiebehörde IAEA angekündigt.
Syrien habe nichts zu verbergen, sagte Baschar Dscha'afari am Freitag.
IAEA-Chef Mohammed ElBaradei dürfe bezeugen, dass Syrien in der
Angelegenheit die Wahrheit sage. "Deswegen haben wir keine Angst vor
dieser Zusammenarbeit", sagte Dscha'afari.
In einem am Donnerstag veröffentlichten US-Geheimdienstbericht
wird Nordkorea vorgeworfen, Syrien beim Bau eines Nuklearreaktors
geholfen zu haben, ehe dieser vor acht Monaten vom Nachbarland Israel
durch Luftangriffe zerstört wurde. Die IAEA kündigte daraufhin
eine Untersuchung an. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten,
hätte Syrien ElBaradei zufolge gegen internationale Vereinbarungen
verstoßen, mit denen die Verbreitung von Nuklearwaffen verhindert
werden soll.
Syrien wies die Anschuldigungen entschieden zurück und stellte die
Glaubwürdigkeit von US-Geheimdienstberichten grundsätzlich
infrage. Zudem warf die Regierung in Damaskus den USA vor, Israel im
vergangenen September bei einem Angriff auf Syrien geholfen zu haben.
Dabei soll nach US-Darstellung der besagte Atomreaktor zerstört
worden sein.
Angesichts des akuten Treibstoffmangels im Gazastreifen haben die
Vereinten Nationen am Samstag keine Nahrungsmittel mehr an rund 650 000
palästinensische Flüchtlinge verteilt.
Anzeige
Der Sprecher des UN-Hilfswerks für palästinensische
Flüchtlinge (UNRWA) Adnan Abu Hassna warnte vor weiteren
Konsequenzen, falls die Lebensmittelhilfe nicht bald wieder aufgenommen
werden könne. Die Betroffenen seien von der UN-Hilfe weitgehend
abhängig, sagte er in einem Interview des palästinensischen
Radios. Der UN-Sprecher erklärte allerdings, Israel habe eine
baldige Lösung der Treibstoffkrise versprochen.
Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas
vor, eine Treibstoffkrise fabrizieren zu wollen. Nach israelischen
Angaben lagern rund eine Million Liter Dieselkraftstoff und Benzin im
palästinensischen Teil des Grenzübergangs Nachal Oz im Norden
des Gazastreifens. Die Palästinenser hätten dort allerdings
seit einem Monat keinen Treibstoff mehr abgeholt. Die israelische
Regierung erklärte diese Woche, es stünden in Nachal Oz auch
100 000 Liter Diesel und 20 000 Liter Benzin für das UN-Hilfswerk
bereit. Palästinensische Demonstranten hatten jedoch am Donnerstag
die Auslieferung verhindert.
Währenddessen wurde am Samstag eine 14-jährige
Palästinenserin bei Kämpfen zwischen der israelischen Armee
und militanten Palästinensern im Norden des Gazastreifens
getötet. Wie Augenzeugen berichteten, waren israelische Panzer
noch vor Sonnenaufgang bis in die Stadt Beit Lahija vorgedrungen. Dann
sei es zu Schusswechseln gekommen. Bei den Kämpfen wurden
fünf weitere Menschen verletzt. Das Opfer war nach
Palästinenserangaben Tochter eines örtlichen
Hamas-Führers. Die israelische Regierung hatte am Vortag ein
Angebot der Hamas über eine sechsmonatige Waffenruhe im
Gazastreifen abgelehnt.
boa (Quellen: dpa, ap, rtr)
Simbabwe: Opposition bleibt nach Neuauszählung vor Mugabes Partei
So.27.04.08 - Die simbabwische Wahlkommission hat die Ergebnisse der Parlamentswahl
in zehn von 23 umstrittenen Wahlkreisen bestätigt. Nach dem am
Samstag vorgelegten Zwischenstand kann die Regierungspartei ZANU-PF die
Opposition nur noch dann als stärkste Kraft überflügeln,
wenn ihr alle verbleibenden 13 Sitze zugesprochen werden.
Angesichts der weitgehenden Übereinstimmung der Neuauszählung
mit den ursprünglichen Resultaten in den bestätigten
Wahlkreisen gilt das als unwahrscheinlich: Nur aus einem der Bezirke
wurde ein um eine einzige Stimme abweichendes Ergebnis gemeldet. Die
meisten der noch nicht neu ausgezählten Wahlkreise hatten
Oppositionskandidaten gewonnen.
Wie bei der ersten Auszählung der am 29. März abgegebenen
Stimmen gingen von den zehn überprüften Wahlkreisen sechs an
die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) und vier an die seit
der Unabhängigkeit von Großbritannien regierende Partei von
Präsident Robert Mugabe. Das erste offizielle Gesamtergebnis sah
die Oppositionsparteien mit 110 Sitzen vor Mugabes ZANU-PF mit 97. Drei
der 210 Mandate sind vakant, weil Kandidaten verstorben sind.
Weiterhin keine neuen Angaben gab es zum Ausgang der
Präsidentenwahl. MDC-Kandidat Morgan Tsvangirai hat sich zum
Wahlsieger ausgerufen. In der staatlichen Zeitung «The
Herald» hieß es, nach den Aushängen von Ergebnissen in
Wahllokalen deute alles auf eine Stichwahl zwischen Tsvangirai und
Mugabe hin.
Der simbabwische Justizminister Patrick Chinamasa warf unterdessen den
USA vor, zusammen mit Großbritannien eine MDC-Kampagne zu
unterstützen, Simbabwe unregierbar zu machen. Dem für Afrika
zuständigen Ministerialdirektor im US-Außenministerium,
Jendayi Frazer, warf er vor, sich aufrührerisch und ungebeten in
die Angelegenheiten Simbabwes eingemischt zu haben. Frazer hatte am
Donnerstag Tsvangirai zum Wahlsieger erklärt und Mugabe zum
Rücktritt aufgefordert.
Die simbabwische Polizei teilte mit, sie habe im MDC-Hauptsitz in
Harare 215 Personen verhaftet. Die Opposition erklärte, es handele
sich um Menschen, die aus Angst vor Mugabes Anhängern vom Land in
die Hauptstadt gekommen seien. Unter den Verhafteten seien 24 Kinder,
darunter noch einige Säuglinge.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschäftigt sich in der
kommenden Woche mit der Lage in Simbabwe. UN-Generalsekretär Ban
Ki Moon hat wiederholt gefordert, das Wahlergebnis zu
veröffentlichen. Auch haben sich mehrere Mitgliedsstaaten des
Sicherheitsrats besorgt über die Verzögerung
geäußert.
«Wir sind alle frustriert wegen der Tatsache, dass die Ergebnisse
nicht kommen», sagte der südafrikanische UN-Botschafter
Dumisani Kumalo, der im April den Vorsitz im Rat innehat. Nach seinen
Angaben wird das UN-Sekretariat die Mitglieder voraussichtlich am
Dienstag über die Lage in Simbabwe unterrichten.
(Quelle: ap)
BND-Angriff auf Afghanistans Handelsminister Farhang umfangreicher als
bekannt
So.27.04.08 - Die Online-Überwachung des Bundesnachrichtendienstes (BND) in
Afghanistan war nach Informationen des Magazins «Der
Spiegel» umfangreicher als bislang bekannt.
Die Aktion betraf demnach nicht nur das persönliche E-Mail-Konto
des afghanischen Handelsministers Amin Farhang, sondern das gesamte
Computernetzwerk des Ministeriums für Handel und Industrie.
Über die Späh-Software konnte der BND auch die Mails einer
«Spiegel»- Journalistin mitlesen.
Mit dem Fall hat sich in den vergangenen Tagen bereits das
Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages befasst. Trotz heftiger
Kritik an den Aktivitäten des Auslands-Geheimdienstes soll BND-Chef
Ernst Uhrlau aber im Amt bleiben.
Das Bundeskanzleramt will nach «Spiegel»-Informationen mit
einer Sonderprüfung der Frage nachgehen, ob der BND auch weitere
afghanische Ministerien ausforschte. Die Aufarbeitung werde dadurch
erschwert, dass offenbar die meisten Unterlagen über den Einsatz
vernichtet worden seien.
(Quelle: dpa)
China setzt verbale Angriffe auf Dalai Lama fort
So.27.04.08 - Trotz des chinesischen Angebots zu Gesprächen mit einem Vertreter
des Dalai Lamas haben staatliche chinesische Medien ihre verbalen
Attacken auf das geistliche Oberhaupt der Tibeter fortgesetzt. Zugleich
bekräftigte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua, der Dalai Lama
müsse Tibet zweifelsfrei als Teil Chinas anerkennen. Die
Exilregierung der Tibeter in Nordindien regierte zurückhaltend auf
das Dialogangebot Pekings.
Die Parteizeitung «Renmin Ribao» kritisierte, die
«Dalai-Clique» suche Unterstützung im Westen und
ignoriere «die von China erzielten Errungenschaften nach dem
Abschütteln der Leibeigenschaft und Armut in Tibet».
Die chinesische Regierung hatte am Freitag angekündigt,
Gespräche mit einem Vertreter des Dalai Lamas aufnehmen zu wollen.
Das Treffen werde in Kürze stattfinden, meldete Xinhua.
«Der Dalai Lama ist immer offen für einen Dialog»,
sagte der Leiter der Exilregierung in der Stadt Dharamsala, Samdhong
Rinpoche, der Nachrichtenagentur AP. «Aber die gegenwärtigen
Umstände in Tibet erscheinen nicht als angemessene Plattform
für einen bedeutsamen Dialog.»
Das geistliche Oberhaupt der tibetischen Buddhisten hat wiederholt
erklärt, er strebe eine weitreichende Autonomie für Tibet an,
aber keine Unabhängigkeit. Bei gewaltsamen Unruhen in der
tibetischen Hauptstadt Lhasa kamen Mitte März nach amtlichen
Angaben mindestens 22 Menschen ums Leben. Die tibetische Exilregierung
sprach von insgesamt 140 Todesopfern, darunter 19 in der Provinz Gansu.
(Quelle: ap)
IOC-Chef Rogge: Westen soll Kritik an China zurückfahren
So.27.04.08 - Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge,
hat den Westen aufgefordert, seine Kritik an Chinas Umgang mit den
Menschenrechten zurückzufahren.
"Man erreicht in China mit einer lauten Stimme überhaupt nichts",
sagte Rogge der in London erscheinenden "Financial Times"
(Samstagausgabe). Dies sei ein großer Fehler, den Menschen im
Westen machten, wenn sie ihre Meinung zum Ausdruck bringen wollten.
"Alle China-Experten werden Ihnen sagen, dass nur eine Sache
funktioniert: eine respektvolle und leise, aber standfeste Diskussion."
Anderenfalls würden sich die Chinesen verschließen. "Das ist
es, was derzeit passiert."
Rogge forderte mehr Geduld mit der Regierung in Peking. "Wir haben 200
Jahre gebraucht, um uns aus der Französischen Revolution zu
entwickeln. China hat 1949 angefangen." Er sei überzeugt, dass die
Olympischen Spiele einen "guten Einfluss auf die soziale Entwicklung in
China haben werden". Rogge betonte, seine Beziehungen zur Regierung in
Peking seien exzellent, auch wenn "sie ihre Prioritäten hat und wir
unsere". Manchmal würden sich diese widersprechen.
China steht derzeit vor allem wegen seiner harten Haltung im
Tibet-Konflikt in der Kritik. Dies hatte Forderungen nach einem
Olympia-Boykott ausgelöst.
(Quelle: rtr)
Irans Konservative festigen bei Stichwahl absolute Mehrheit
So.27.04.08 - Bei der zweiten Runde der Parlamentswahlen im Iran haben die
Konservativen Medienberichten zufolge ihre absolute Mehrheit gefestigt.
Wie das staatliche Radio am Samstag unter Berufung auf den
Innenminister Mostafa Purmohammadi berichtete, erhielten sie bei beiden
Wahlrunden vom Freitag und im März zusammen gerechnet über 69
Prozent und damit nahezu 200 der 290 Parlamentssitze. Das Reformlager,
welches den Hardliner-Kurs von Präsident Mahmud Ahmadinedschad
ablehnt, habe etwa 16,4 Prozent und damit etwa 47 Sitze erhalten,
unabhängige Kandidaten 40 Sitze, entsprechend 14,3 Prozent. Die
Ergebnisse für drei Sitze wurden Medienberichten zufolge aus nicht
näher genannten Gründen annulliert. Bei der Stichwahl wurden
über 82 unentschiedene Sitze abgestimmt.
Das Reformlager bezeichnete die Abstimmung als unfair. Es wirft dem
nicht vom Volk gewählten iranischen Wächterrat vor,
zahlreiche Kandidaten von der Abstimmung ausgeschlossen zu haben. Auch
die Europäische Union hatte die Wahlen im März aus diesem
Grund als weder gerecht noch frei kritisiert.
(Quelle: rtr)
Ukraine: Gedenken an Opfer von Tschernobyl-Katastrophe vor 22 Jahren
So.27.04.08 - Am 22. Jahrestag der Reaktorexplosion in Tschernobyl ist in der Ukraine
an die tausenden Opfer der Atom-Katastrophe erinnert worden. Staatschef
Viktor Juschtschenko legte in Kiew einen Kranz vor einem Denkmal
für die Tschernobyl-Opfer nieder. In Slawutitsch, einer Kleinstadt
in der Nähe des Unglücksorts, fand eine Mahnwache statt. Der
Unfall am 26. April 1986 habe sich zu einer "weltweiten" Katastrophe
entwickelt und schade weiterhin der Gesundheit von Menschen,
erklärte das ukrainische Gesundheitsministerium.
Außer Präsident Juschtschenko legten auch andere hochrangige
Politiker Kränze am Tschernobyl-Denkmal in Kiew nieder.
Während eines Gottesdienstes wurden zum Gedenken an die Opfer
Kerzen angezündet. "Die Katastrophe von Tschernobyl ist eine
weltweite geworden und schadet weiterhin der Gesundheit von Menschen
und der Umwelt", betonte das Gesundheitsministerium.
Im Zentrum von Kiew demonstrierten etwa ein Dutzend Atomkraftgegner.
"Baut kein neues Tschernobyl, spart Energie", forderten sie auf einem
Spruchband. In Slawutitsch, wo früher viele Beschäftigte des
Atomkraftwerks Tschernobyl wohnten, wurde eine nächtliche
Mahnwache abgehalten.
Bei den Aufräumarbeiten nach der Reaktorexplosion waren amtlichen
Schätzungen zufolge mehr als 25.000 Menschen vor allem aus
Russland, der Ukraine und Weißrussland gestorben. Neben diesen
drei Ländern wurden auch weite Teile Europas radioaktiv verseucht.
Laut einer Bilanz der UNO von 2005 ist mit insgesamt rund 4000
Todesfällen in Folge von Krebserkrankungen, die durch den
Reaktorunfall verursacht wurden, zu rechnen. Nicht-staatlichen
Organisationen zufolge erlitten jedoch allein in der Ukraine 2,3
Millionen Menschen Schäden in Folge der Reaktorexplosion unweit
der russischen Grenze. Der letzte Tschernobyl-Reaktor war im Dezember
2000 abgeschaltet worden.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte den verseuchten Regionen
Unterstützung bei der Sanierung zu. Die Vereinten Nationen
würden die Ukraine "weiter mit Großzügigkeit bei der
Wiederherstellung der von Tschernobyl betroffenen Gebiete
unterstützen".
Ab Oktober soll um die Reaktor-Ruine von Tschernobyl bis 2012 ein neuer
190 Meter dicker und 200 Meter langer Stahlsarkophag gebaut werden, um
vor radioaktiver Strahlung zu schützen. Die alte Schutzhülle
ist bereits rissig.
(Quelle: afp)
Deutschland
Abkommen mit USA sieht auch Austausch intimer Daten vor -- DGB und
Opposition empört
So.27.04.08 - Der vereinbarte Datenaustausch zwischen den USA und Deutschland im
Kampf gegen Terrorismus und andere schwere Kriminalität umfasst
unter bestimmten Voraussetzungen auch Daten zu politischer Anschauung,
Mitgliedschaft in Gewerkschaften oder dem Sexualleben
Verdächtiger. Dies geht aus Artikel zwölf des Abkommens
hervor. DGB und Opposition reagierten empört auf die Passage.
In dem am 11. März in Berlin paraphierten deutsch-amerikanische
Abkommen hatten Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und
Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) mit ihren US-Kollegen einen
gegenseitigen Online-Zugriff auf Polizeidaten nach dem Vorbild des
europäischen Prüm-Vertrages vereinbart. Deutschland und sechs
weitere EU-Staaten hatten sich 2005 im Eifelort Prüm auf die
Vernetzung ihrer Polizeidatenbanken verständigt.
In Artikel zwölf des Abkommens heißt es: "Personenbezogene
Daten, aus denen die Rasse oder ethnische Herkunft, politische
Anschauungen, religiöse oder sonstige Überzeugungen oder die
Mitgliedschaft in Gewerkschaften hervorgeht oder die die Gesundheit und
das Sexualleben betreffen, dürfen nur zur Verfügung gestellt
werden, wenn sie für die Zwecke dieses Abkommens besonders
relevant sind."
Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, kritisierte
den Artikel in der Vereinbarung scharf. Es sei ein "Höhepunkt der
Unverfrorenheit, dass die Regierung die Gewerkschaftsmitgliedschaft
deutscher Bürger an die USA weitergeben kann", sagte Sommer dem
"Spiegel". Die FDP-Innenexpertin Gisela Piltz, bezeichnete das Abkommen
in dem Nachrichtenmagazin als "Kuckucksei". Sie frage sich, was etwa
sexuelle Orientierung mit terroristischen Straftaten zu tun habe. Das
Vorstandsmitglied der Linken-Fraktion, Petra Pau, sprach in Berlin von
einem "Ding aus dem Tollhaus". Die in der Passage beschriebenen Daten
gingen "den Staat nichts an, nicht den deutschen und nicht den
US-amerikanischen"."
Der umstrittene Artikel des Abkommens regelt die "Übermittlung von
personenbezogenen Daten besonderer Kategorien". Im zweiten Absatz
heißt es dazu: "In Anerkennung der besonderen
Schutzbedürftigkeit der in Absatz 1 genannten Kategorien
personenbezogener Daten treffen die Vertragsparteien geeignete
Schutzvorkehrungen, insbesondere geeignete Sicherheitsmaßnahmen,
um diese Daten zu schützen."
(Quelle: afp)
Streit zwischen SPD und Union wegen Verheugen-Nachfolge
So.27.04.08 - Zwischen Union und SPD gibt es Streit über die Nachfolge des Mitte
2009 frei werdenden Posten des deutschen EU-Kommissars Günter
Verheugen (SPD). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reklamierte in der
"Bild am Sonntag" den Posten des deutschen EU-Kommissars für die
Union. "Unser Koalitionspartner darf davon ausgehen, dass die Union
ihren Anspruch anmelden wird", sagte die CDU-Vorsitzende.
Merkel sagte weiter: "In der Regierungszeit Helmut Kohls war es sogar
Tradition, dass die damalige Opposition, also auch die SPD, einen der
beiden deutschen Kommissare benennen konnte." Die Union habe eine Reihe
fachlich sehr gut geeigneter Persönlichkeiten. "Ich wundere mich
daher schon über die Haltung der SPD, die diese Tatsache und die
langjährige gemeinsame Praxis nunmehr gegenüber ihrem
Koalitionspartner außer Betracht lässt." Die CDU habe vor
fast 20 Jahren das letzte Mal einen Kommissar aus ihren Reihen besetzt.
Bei der CSU sei dies 1995 das letzte Mal der Fall gewesen.
Parteichef Kurt Beck sagte der "Bild"-Zeitung: "Bei der anstehenden
Neubesetzung des Kommissar-Postens sollte es in erster Linie darum
gehen, wer am besten für die Aufgabe geeignet ist." Dies sei aus
seiner Sicht Martin Schulz. "Berücksichtigt werden muss aber auch
das gesamte Personal-Tableau: In Berlin regiert eine große
Koalition." Es könne nicht sein, dass alle wichtigen Positionen von
der Union im Alleingang besetzt würden.
EU-Industriekommissar Verheugen (SPD) hatte kürzlich
angekündigt, mit Ende seiner Amtszeit im Herbst 2009 in den
politischen Ruhestand gehen zu wollen.
(Quelle: afp)
Bayerischer SPD-Chef Stiegler kündigt politischen Rückzug an
So.27.04.08 - Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag und
bayerische SPD-Landesvorsitzende, Ludwig Stiegler, will sich aus der
Politik zurückziehen. Er werde 2009 nicht mehr für den
Bundestag kandidieren und auch den Landesvorsitz der Bayern-SPD abgeben,
sagte der 64-Jährige der Zeitung «Der neue Tag».
«Die Entscheidung ist getroffen», wurde Stiegler von dem
Blatt zitiert. Nach mehr als 40-jähriger politischer Arbeit habe
er das Recht, das «Reich der Freiheit» in Anspruch zu
nehmen.
Als Nachfolger habe der Jurist den bayerischen Landtagsabgeordneten
Werner Schieder im Blick, berichtete die Zeitung. Der 59-Jährige
beende im Herbst seine Landtagstätigkeit und habe sich eigentlich
aus der Politik zurückziehen wollen. Stiegler gehe jedoch davon
aus, dass Schieder sich dem Wunsch nicht verschließen werde.
«Ich hatte andere Pläne», wurde Schieder zitiert. Er
sehe sich aber in der Pflicht, das Bundestagsmandat in der
nördlichen Oberpfalz zu halten. Seine Entscheidung wolle er seiner
Partei nach Pfingsten mitteilen.
Stiegler ist seit 1980 Abgeordneter des Bundestages und seit zehn
Jahren stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Zwischen Juli und
September 2002 war er Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Als
stellvertretender Vorsitzender war er zuletzt für die Bereiche
Wirtschaft und Technologie sowie Arbeit und Tourismus zuständig.
Auf Landesebene soll dem Zeitungsbericht zufolge der derzeitige
Stellvertreter Stieglers, Florian Pronold, die Arbeit fortsetzen.
Die SPD Bayern und Stiegler selbst waren am Samstag zunächst nicht
für eine Stellungnahme erreichbar.
(Quelle: ap)
SPD will Manager-Gehälter begrenzen
So.27.04.08 - Die SPD will die Höhe von Managergehältern und -abfindungen
durch Änderungen des Steuer-, Aktien- und Handelsrechts begrenzen.
Das geht aus dem vorläufigen Abschlussbericht der eingesetzten
Arbeitsgruppe hervor, den das Parteipräsidium verabschieden will,
wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Offen ist dem Bericht
zufolge noch, ob die Union mitzieht.
Laut dem Bericht, der der "SZ" vorliegt, sollen die Unternehmen
Vorstandsgehälter und -abfindungen künftig nur noch bis zu
einer Höhe von einer Million Euro pro Kopf komplett von der Steuer
abziehen dürfen. Darüber hinausgehende Beträge
können nur noch zur Hälfte beim Finanzamt geltend gemacht
werden. Für große Firmen ergäbe sich daraus eine
Mehrbelastung von mehreren Millionen Euro. Eine gesetzliche Obergrenze
für Managerbezüge, wie sie die Linke fordert, lehnt die
Arbeitsgruppe dagegen ausdrücklich ab.
Ausgelöst worden war die Gehaltsdiskussion im vergangenen Herbst
unter anderem durch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er soll im
zurückliegenden Geschäftsjahr rund 60 Millionen Euro verdient
haben - mehr als das Tausendfache des Durchschnittslohns in der
Automobilindustrie.
(Quelle: afp)
Linkspartei will Union bei Rentenstreit im Bundestag bloßstellen
So.27.04.08 - Die Linkspartei will die Union in der Rentendebatte im Bundestag
bloßstellen.
Fraktionschef Gregor Gysi stellte sich hinter den von der Bundes-CDU
abgelehnten Vorstoß von Nordrhein-Westfalens
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers für höhere
Renten nach langer Beitragszahlung. Seine Partei habe bereits im
November "die gleiche Forderung wie Rüttgers" im Bundestag
eingebracht. "Mal sehen, wie die Union abstimmen wird", sagte Gysi der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Zweifellos hat
Rüttgers recht, wenn er sagt, dass Geringverdiener zu niedrige
Renten haben." Nach 40 Beitragsjahren müsse die Rente mindestens
800 Euro betragen.
Die Spitzen der Regierungskoalition wiesen Rüttgers' Pläne
erneut zurück. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, kein
Experte sehe in Deutschland die Gefahr einer Altersarmut in den
kommenden Jahren. Mit einer Politik für Beschäftigung und mit
privater Vorsorge lasse sich dafür sorgen, dass es diese Gefahr
auch in 15 oder 20 Jahren nicht gebe, sagte sie der "Bild am Sonntag".
Die bedarfsabhängige Grundsicherung sorge dafür, dass niemand
ohne Unterstützung bleibe, dessen Rente nicht ausreiche.
"Am Grundprinzip der Rentenversicherung - wer mehr einzahlt, bekommt
auch mehr heraus - darf nicht gerüttelt werden", betonte Merkel.
Die Vorschläge von Rüttgers wichen teils entscheidend vom
Beschluss des Leipziger CDU-Parteitages 2003 ab. Eine Absage erteilte
Merkel der Forderung der Bundesbank nach einem Renteneinstieg erst mit
68,5 Jahren statt jetzt 67 Jahren. Auch CSU-Chef Erwin Huber wandte
sich gegen die Vorschläge aus NRW. "Eine Systemdebatte über
die Rente wäre völlig verfehlt", sagte er der "Passauer Neuen
Presse".
Der Unions-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder (CDU), gab
Rüttgers' Plänen keine Chance. "Im Vorstand der
Bundestagsfraktion hat dieser Vorschlag keine Zustimmung gefunden, weil
er ordnungspolitisch falsch ist und außerdem ungerecht. Was
sollen denn diejenigen sagen, die mit ihrer Rente knapp über der
Grenze liegen, bis zu der der Staat einen Zuschuss gibt", sagte Kauder
der "Welt am Sonntag".
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Rüttgers vor, zu
niedrige Kosten seines Vorstoßes anzugeben. "Herr Rüttgers
hat keine Ahnung von den Zahlen. Ich halte die 2,3 Milliarden für
unseriös, das wird um ein Vielfaches teurer", sagte Heil der
"Wirtschaftswoche". Experten der Deutschen Rentenversicherung
veranschlagen die Kosten nach einem Bericht des "Spiegel" 2030 auf 4,5
Milliarden Euro.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung legte unterdessen
weitere Rentenforderungen nach. Arbeitsminister Karl-Josef Laumann
(CDU) forderte, auch Selbstständige in die gesetzliche
Rentenversicherung einzubeziehen. Befreit davon solle nur werden, wer
in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahle oder privat
ausreichend vorsorge, zitierte der "Spiegel" aus einem 60-seitigen
Bericht Laumanns. Zudem solle ein Rentenbezug in Teilen bereits mit 60
Jahren möglich sein. Damit solle der Übergang in die Rente
erleichtert werden.
Auch die Linkspartei forderte eine breitere Basis für die
Rentenversicherung. Jeder Erwerbstätige müsse einzahlen,
verlangte Gysi. "Der Millionär braucht keine gesetzliche Rente,
aber die Rentenkasse braucht den Millionär."
(Quelle: rtr)
Keine Entlassungen wegen Börsengangs -- Bahn gibt langfristige
Jobgarantien
So.27.04.08 - Kurz vor der Koalitionsentscheidung über einen Börsengang der
Deutschen Bahn hat das Unternehmen nach Angaben von Gewerkschaften
langfristige Arbeitsplatzgarantien zugesagt.
Bis Ende 2023 solle es in Zusammenhang mit einer Teilprivatisierung
keine betriebsbedingten Kündigungen geben, teilten Transnet und
GDBA am Freitagabend nach einem fünfstündigen Treffen mit
Konzernchef Hartmut Mehdorn in Berlin mit. Wie der bis Ende 2010
bestehende tarifliche Schutz vor Entlassungen künftig ausgestaltet
wird, solle im selben Jahr ausgehandelt werden. Die Bahn machte keine
näheren Angaben. Ein Sprecher sagte, man sei mit den Gewerkschaften
auf einem gutem Weg.
Transnet-Chef Norbert Hansen und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter
Hommel teilten mit: «Wir haben einen wichtigen Pflock
eingeschlagen.» Sie hatten eine Jobgarantie für 15 Jahre
verlangt. In dem Gespräch sei zudem vereinbart worden, dass
«kein Beschäftigter wegen der geplanten Kapitalbeteiligung
Nachteile erleidet» und der Konzernverbund mit dem internen
Arbeitsmarkt erhalten bleibe. «Wir wollen sicherstellen, dass kein
Investor sich beteiligt, der die Absicht hat, über Personalabbau
zu einer Dividende zu kommen», hatte Hansen zuvor gesagt. Die
Gewerkschafter forderten mit Blick auf das Treffen der
Koalitionsspitzen am Montag «klare Beschlüsse, die den
integrierten Konzern und die Mehrheitsbeteiligung des Bundes»
absicherten.
Vereinbarungen der Tarifpartner sieht auch das Kompromissmodell vor,
mit dem die SPD in die Koalitionsrunde gehen will. Demnach sollen
private Investoren über eine neue Zwischenholding der Bahn mit
maximal 24,9 Prozent in den Personen- und Güterverkehr einsteigen
können. Der Mutterkonzern mitsamt dem Gleisnetz bliebe in
Bundeshand. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte schon Zustimmung
zu diesem Modell signalisiert, auch wenn weitergehende Vorstellungen der
Union zur Privatisierung von bis zu 49,9 Prozent bekannt seien. Am
Montag will sie wenige Stunden vor dem abendlichen Koalitionsausschuss
mit Managern der Bahn zusammenkommen.
In der Spitzenrunde von Union und SPD könnte die Verwendung der
Erlöse noch ein Streitthema sein. CSU-Chef Erwin Huber forderte
eine Zweckbindung für die Modernisierung des Netzes. «Ich
wehre mich gegen die Pläne der SPD, einen Teil der
Verkaufserlöse der Bahn zu überlassen, die damit andere
Logistikkonzerne kaufen will, und den anderen Teil zur
Haushaltskonsolidierung dem Bundesfinanzminister zu
überlassen», sagte Huber dem «Handelsblatt»
(Freitag).
(Quelle: dpa)
HypoVereinsbank will sich von 143 000 Kunden trennen
So.27.04.08 - Die HypoVereinsbank (HVB) will sich dem «Spiegel» zufolge
von 143 000 Kunden und einem Kreditvolumen von 19,8 Milliarden Euro
trennen.
In eine Sanierungsabteilung seien vor allem Kunden ausgelagert worden,
die ihre Immobilienkredite immer einwandfrei bedient hätten, aber
als wenig gewinnträchtig eingestuft würden, schreibt das
Magazin in seiner neuen Ausgabe. Allerdings laufe das 2006 unter
UniCredit-Chef Alessandro Profumo angestoßene Programm nicht so
reibungslos wie erwünscht, heißt es. Bisher seien nach
Auskunft der HVB erst knapp 50 000 Kunden mit einem Kreditvolumen von
acht Milliarden Euro aus der Sanierungsabteilung ausgeschieden.
Die meisten von ihnen hätten sich eine neue Bank gesucht. Die
anderen hätten zusätzliche Sicherheiten oder Umsätze
einbringen können und würden wieder wie normale HVB-Kunden
behandelt.
(Quelle: dpa)
Knapp fünf Millionen Euro für Opfer des Erfurter Amoklaufs
So.27.04.08 - Sechs Jahre nach dem Blutbad im Erfurter Gutenberg-Gymnasium werden
noch immer 13 Zeugen psychologisch behandelt: acht ehemalige
Schüler, vier Lehrer und der Hausmeister. Das berichtet das
Nachrichtenmagazin «Focus» am Samstag vorab unter Berufung
auf die Thüringer Unfallkasse. Unmittelbar nach der Tat am 26.
April 2002 litt fast die Hälfte der 700 Gutenberg-Schüler
unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Ein Jahr später
waren es knapp 100. Am 26. April 2002 hatte der ehemalige Schüler
Robert Steinhäuser in der Schule zwölf Lehrer, die
Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten getötet.
Anschließend erschoss er sich.
Die Thüringer Unfallkasse investierte bislang demnach 4,9
Millionen Euro in die Betreuung der Opfer. Darin enthalten sind
Rentenzahlungen in Höhe von 1,43 Millionen Euro. So erhielten 13
Witwen und Waisen insgesamt 818 000 Euro Hinterbliebenenrente. Hinzu
kämen 614 000 Euro Verletztenrenten für 241 Schüler, 16
Lehrer und den Hausmeister. Über einen Zeitraum von rund zwei
Jahren wurden ihnen monatliche Renten zwischen 90 und 163 Euro gezahlt.
«Fünf Opfern des Verbrechens gewähren wir die
Unfallrente auch weiterhin», sagte Klaus Nagel von der
Unfallkasse. «In diesen Fällen sind die psychischen
Störungen nach wie vor massiv.»
(Quelle: ddp)