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+++ Mo.28.04.08, 06:30         zum Nachrichten-Archiv Nachrichten-Archiv         aktuelle Nachrichten Aktuelle Nachrichten

Irak am 1497sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Türkische Angriffe auf PKK zu Land und aus der Luft. Massengrab nordöstlich von Bagdad entdeckt. Aufbauprojekte im Irak nicht abgeschlossen - US-Generalinspekteur legt Bericht vor

Mo.28.04.08 - Zwei Monate nach ihrem Abzug aus dem Nordirak hat die türkische Armee ihre Angriffe auf kurdische Rebellen im Grenzgebiet beider Staaten wieder verstärkt.

Die Armee setzte am Sonntag Militärkreisen zufolge im Südosten der Türkei mehr als 20.000 Soldaten in zwei größeren Offensiven gegen Anhänger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK ein. In der Nacht zum Samstag griff die Luftwaffe binnen einer Woche zum zweiten Mal Ziele im Nordirak an. Es sei die größte Angriffswelle in dem Gebiet seit Anfang des Jahres gewesen, hieß es in den Kreisen.

Bei den Kämpfen im türkischen Südosten wurden den Angaben zufolge in Bingöl zwei Soldaten getötet. Nach Angaben des Generalstabs waren in der Region allein in der vergangenen Woche acht Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden.

In der Offensive bei Bingöl waren zwischen 7000 und 8000 Soldaten eingesetzt. Weiter südlich in den Grenzprovinzen Sirnak und Hakkari kämpften mindestens 15.000 Soldaten gegen die PKK, hieß es in den Militärkreisen weiter. Die Armee nutzt häufig das Frühjahr dafür, den Druck auf die PKK zu erhöhen. Wenn der Schnee schmilzt, sind die Bergregionen leichter zugänglich.

Die Luftangriffe galten Stellungen kurdischer Rebellen im Nachbarland Irak. Die Luftwaffe sei zudem von Bodentruppen unterstützt worden, erklärte die Armee. Ein Sprecher der PKK sagte, es habe weder Tote noch Verletzte gegeben. Das Militär habe ein Gebiet im Dreiländereck mit dem Iran bombardiert.

Die Armee war im Februar in einer achttägigen Bodenoffensive in den kurdisch dominierten Nordirak vorgedrungen und damit international Sorgen um die regionale Stabilität ausgelöst. Die auch in der EU als Terror-Organisation verbotene PKK kämpft für einen kurdischen Staat. Die Regierung in Ankara macht sie für den Tod von 40.000 Menschen seit 1984 verantwortlich.

Irakische Soldaten haben nordöstlich von Bagdad ein Massengrab mit mehr als 50 stark verwesten Leichen entdeckt. Die Toten wurden am Sonntag in einer Obstplantage in der Ortschaft Al Kubaa in der Nähe der Stadt Bakuba entdeckt, die rund 60 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. In dem Gebiet gab es häufiger schwere Gefechte zwischen US-Truppen und sunnitischen Aufständischen, die von der Terrororganisation Al Kaida im Irak angeführt wurden. Anwohner berichteten, das Gebiet sei einmal eine Hochburg der Al Kaida im Irak gewesen.

Im Irak wurden millionenschwere Wiederaufbauprojekte nicht abgeschlossen. Der Generalinspekteur für den Irakischen Wiederaufbau, Stuart Bowen, erklärte in einem am Sonntag vorgestellten Bericht, Gründe seien Verzögerungen, schlechte Leistungen der Vertragspartner und andere Faktoren. Einige Projekte würden von den US-Behörden fälschlicherweise als abgeschlossen bezeichnet.

Der Generalinspekteur prüfte insgesamt 47.321 Wiederaufbauprojekte im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Er erklärte, 855 Aufträge seien von den US-Behörden vor ihrer Fertigstellung abgebrochen worden. In den meisten Fällen seien Gewalt und ausufernde Kosten der Grund gewesen. 112 der Verträge seien beendet worden, weil die Partner schlechte Leistungen abgeliefert hätten.

Als Beispiel für ein nicht abgeschlossenes Projekt nannte Bowen den Bau eines Kinderkrankenhauses in Basra, das rund 50 Millionen Dollar kosten sollte. Die US-Behörde für Internationale Entwicklung (USAID) habe den Auftrag 2004 vergeben und dann 2006 das Projekt wegen monatelanger Verzögerungen praktisch beendet. Allerdings seien zuvor die Vertragsbedingungen verändert worden, so dass das Projekt jetzt als abgeschlossen gelte, obwohl das Krankenhaus erst zu 35 Prozent fertiggestellt sei. In dem Bericht hieß es, ein solches Vorgehen komme häufig vor. USAID wies die Vorwürfe zurück.

boa (Quellen: rtr, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 28.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausenddreiunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.28.04.07 - Dutzende Tote und Verletzte bei Autobombenanschlag im Nordirak +++ Polizei findet 26 Leichen in Bagdad an einem Tag +++ Irakischer Häftling in US-Militärgefängnis gestorben +++ deutsche Bundesanwaltschaft wird wegen mutmaßlicher Menschenrechtsverletzungen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib und im Gefangenenlager Guantanamo nicht gegen den früheren US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ermitteln... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0704280.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Afghanistan: Präsident Karsai entgeht Anschlag in Kabul

Mo.28.04.08 - Der afghanische Präsident Hamid Karsai ist am Sonntag abermals nur knapp einem Anschlag der radikalislamischen Taliban entgangen. Die Attentäter attackierten eine Gedenkfeier in Kabul, an der Karsai, Mitglieder seines Kabinetts und ausländische Diplomaten teilnahmen. Mindestens drei Menschen wurden getötet, darunter ein Abgeordneter, acht weitere wurden verletzt. Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem «hinterhältigen Anschlag». NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer verurteilte die Tat schärfstens.

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel telefonierte noch am Sonntag mit Karsai. Sie habe ihm versichert, dass Deutschland weiterhin eng an der Seite Afghanistans engagiert bleiben werde, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. De Hoop Scheffer betonte, das Attentat zeige, dass die Taliban entschlossen seien, mit äußerster Gewalt gegen die Freiheit und die demokratische Entwicklung Afghanistans zu kämpfen. Wie er betonte auch Steinmeier, dass die Hilfe für die Stabilisierung und den Wiederaufbau Afghanistans fortgesetzt werde.

Karsai zeigte sich nach dem fehlgeschlagenen Attentat im afghanischen Fernsehen und sagte, der Angriff sei das Werk «des Feindes Afghanistans». Er rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Aus Geheimdienstkreisen verlautete, es seien rund 100 Personen festgenommen worden. Auf den afghanischen Präsidenten wurden bereits mehrere Anschläge verübt. Im September 2002 feuerte ein Attentäter in Kandahar aus nächster Nähe auf ihn. Drei Menschen, darunter der Angreifer, wurden damals getötet.

Wegen der Feierlichkeiten, mit denen am Sonntag des Sieges der Mudschahedin über die Sowjetunion vor 16 Jahren gedacht wurde, herrschten in Kabul strengste Sicherheitsvorkehrungen. Seit Tagen durchsuchten Polizisten an Kontrollpunkten Fahrzeuge, das Gelände für die Feier wurde mit Panzern und Schützenpanzern abgeschirmt.

Ein Polizist berichtete, er habe zwei Männer gesehen, die mit Sturmgewehren auf die Hauptbühne geschossen hätten. Die Schüsse fielen nach der Nationalhymne, hunderte Menschen flohen und suchten Deckung. Auf dem Gelände in der Nähe des Stadions brach Chaos aus. Die Fernsehübertragung der Feier wurde abgebrochen.

Der Parlamentsabgeordnete Mohammed Saleh Saldschoki beobachtete nach eigenen Angaben, wie zwei Raketen in der Nähe der Hauptbühne explodierten. Die erste sei in einer Moschee eingeschlagen, die andere 50 Meter von Karsais Sitzplatz entfernt. Diesen hatte der Präsident aber bereits verlassen.

Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Ihr Sprecher Sabjullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur AP, sechs Kämpfer seien in Selbstmordwesten am Ort der Veranstaltung gewesen. Sie seien mit AK-47-Gewehren und Panzerfäusten bewaffnet gewesen. Drei der Kämpfer seien ums Leben gekommen.

Die Polizei bestätigte, dass drei Bewaffnete getötet worden seien. Sie hätten von einem Haus nicht weit vom Veranstaltungsort entfernt Schüsse abgegeben. Sturm- und Maschinengewehre seien sichergestellt worden.

(Quelle: ap)
 


 

Senegal: Proteste gegen steigende Lebensmittelpreise in Dakar

Mo.28.04.08 - Mehr als Tausend Menschen haben in Senegals Hauptstadt Dakar am Samstag gegen die rapide steigenden Lebensmittelpreise protestiert.

Die Demonstranten warfen der Regierung vor, sich mit imposanten Bauvorhaben schmücken zu wollen statt sich um die wichtigsten Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu kümmern. Viele Teilnehmer hielten leere Reissäcke in die Höhe. Sie klagten auch über teueres Wasser und Strom.

Sicherheitskräfte begleiteten den Demonstrationszug, griffen aber nicht ein. Bei ähnlichen Kundgebungen in anderen von Armut und Hunger betroffenen Ländern war es jüngst zu teils gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. In Kamerun starben bei Ausschreitungen ausgelöst durch den Ärger über die hohen Lebenshaltungskosten im Februar Dutzende Menschen.

(Quelle: rtr)
 


 

Venezuela droht mit Enteignung von Stahlkonzern

Mo.28.04.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat am Sonntag mit einer Enteignung des Stahlkonzerns Sidor gedroht. Die Aktionäre des größten Stahlunternehmens des Landes verlangten eine zu hohe Entschädigung für die geplante Verstaatlichung, erklärte der Präsident zur Begründung. Chavez hatte eine Forderung der Sidor-Muttergesellschaft Ternium SA mit Sitz in Belgien zurückgewiesen, vier Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) für ihren Anteil von 60 Prozent zu zahlen. Sollten sich beide Seiten nicht einigen, will der Präsident den Konzern enteignen.

(Quelle: ap)
 


 

Unfassbarer Inzest-Fall erschüttert Österreich - Mann missbraucht Tochter 24 Jahre im Verlies

Mo.28.04.08 - 24 qualvolle Jahre lang soll ein Mann in Österreich seine Tochter wie eine Gefangene versteckt, missbraucht und mit ihr sieben Kinder gezeugt haben.

In der niederösterreichischen Bezirksstadt Amstetten nahm die Polizei am Samstagabend den heute 73 Jahre alten Rentner fest, dem schwerer sexueller Missbrauch, Inzest sowie Freiheitsberaubung vorgeworfen wird. Josef F., ein ehemaliger Elektrotechniker, hatte nach Angaben der Ermittler vom Sonntag seine heute 42 Jahre alte Tochter Elisabeth seit August 1984 in einem dunklen Verlies eingesperrt und regelmäßig zu Sex gezwungen. Drei der Kinder mussten mit ihrer Mutter in Gefangenschaft leben. Offiziell hatte der Mann seine Tochter als vermisst gemeldet.

Von den sieben Kindern, die Elisabeth F. zur Welt brachte, starb eins nach der Geburt. Drei der Kinder blieben mit der Mutter bis zu 19 Jahre lang eingesperrt, nicht behördlich gemeldet und gingen nicht zur Schule. Die drei anderen lebten bei Josef F. und seiner Frau, die von alledem nichts mitbekommen haben will.

Erst am Sonntagabend gelang es der Polizei, das elektrisch gesicherte Verlies zu öffnen, das der mutmaßliche Täter offenbar im Keller seines Hauses für die Tochter und ihre Kinder angelegt hatte. Die 42-Jährige und drei Kinder lebten in den sehr engen und niedrigen Räumen viele Jahre lang offenbar ohne Tageslicht. Josef F. hatte der Polizei den Code für die mehrfache Sicherung des Gefängnisses kurz zuvor verraten. Der Mann verweigere nach wie vor die Aussage, habe jedoch erklärt, seine Familie «täte ihm leid», sagte ein Polizeisprecher am Abend.

Die Polizei kam Josef F. auf die Spur, als die 19 Jahre alte Tochter von Elisabeth F., die seit ihrer Geburt mit ihr in dem Verlies lebte, vor einer Woche bewusstlos im Haus ihres «Großvaters» gefunden wurde. Sie war bis dahin nach Angaben der Polizei zusammen mit ihren inzwischen 5 und 18 Jahre alten Brüdern und der Mutter eingesperrt gewesen.

Auf der Suche nach der als vermisst geltenden Mutter der lebensgefährlich Erkrankten entdeckten die Ermittler im Haus des Vaters einen Brief aus dem Jahre 1984, in dem es hieß: «Sucht mich nicht, denn es wäre zwecklos und würde mein Leid und das meiner Kinder nur erhöhen.» Josef F. hatte in den vergangenen Jahrzehnten Polizei und Öffentlichkeit immer wieder mit Erzählungen getäuscht, seine Tochter lebe möglicherweise bei einer Sekte. Er wurde dann jedoch am Samstagabend zusammen mit seiner Tochter in der Umgebung des Krankenhauses von Amstetten gefasst.

Wie Elisabeth F. nach dem Zugriff der Polizei angab, hatte ihr Vater sie seit ihrem elften Lebensjahr immer wieder missbraucht. Am 24. August 1984 habe er sie in den Keller gelockt, gefesselt und eingesperrt. Kurz darauf wurde sie von Josef F. bei der Polizei als «vermisst» gemeldet. In den folgenden Jahren erlitt die junge Frau ein nur schwer vorstellbares Martyrium. Sie wurde «laufend von ihrem Vater missbraucht», berichtete Sprecher Franz Polzer. In der Öffentlichkeit erklärte Josef F. die Anwesenheit von drei kleinen Kindern in seinem Haushalt damit, dass seine angeblich «vermisste» Tochter ihm von 1993 bis 2002 die Babys «vor die Haustür gelegt» habe. Tatsächlich hatte er sie selbst aus dem Verlies geholt und «an Kindes statt» angenommen. Die Behörden hatten keine Einwände.

Nach Angaben der Polizei machte Elisabeth F. einen äußerst verstörten psychischen Eindruck und sei auch in äußerst schlechter körperlicher Verfassung gewesen. Erst nach einem längeren Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt mit dem Vater mehr kommen und auch für ihre Kinder gesorgt werde, war sie zu einer umfassenden Aussage bereit. Während ihre älteste Tochter offenbar mit einer Inzest-bedingten schweren Erbkrankheit in der Klinik liegt, werden die anderen Kinder von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Elisabeth F. beschuldigt ihren Vater «massiver Verbrechen». Insgesamt brachte sie nach eigener Aussage während ihrer Gefangenschaft sieben Kinder zur Welt, von denen eines wegen mangelnder Versorgung einige Tage nach der Geburt gestorben sei. Während der Gefangenschaft sollen sie und die drei bei ihr lebenden Kinder ausschließlich von Josef F. mit Essen und Kleidung versorgt worden sein. Elisabeths Mutter, Rosemarie F. (69), behauptet, sie habe von der Gefangenschaft in nächster Nähe nichts gewusst. «Sie hat es als gegeben hingenommen», sagte Polizeichef Polzer.

Der Fall ruft bei vielen Österreichern Erinnerungen an das Schicksal von Natascha Kampusch wach. Die heute 19-jährige Wienerin war 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt worden und 2006 nach acht Jahren aus der Gewalt ihres Peinigers entkommen. Der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer, betonte am Sonntag allerdings, die Ereignisse von Amstetten überträfen den Fall Kampusch um ein «Vielfaches».

(Quelle: dpa)
 


 

Deutschland

Kanzlerin Merkel stimmt SPD-Vorschlag zur Bahn-Privatisierung zu

Mo.28.04.08 - Vor dem Koalitionsausschuss hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) positiv über den SPD-Vorschlag zur Teilprivatisierung der Bahn geäußert. "Die Union wäre gerne weiter gegangen, aber auch mit einer Teil-Privatisierung von 24,9 Prozent können wir einen wichtigen Schritt für die Zukunftsfähigkeit der Bahn machen", sagte Merkel der "Bild am Sonntag". Ein "beachtlicher" Teil der Erlöse soll in die Sanierung von Bahnhöfen, in den Lärmschutz beim Güterverkehr, die CO2-Senkung im Bahnverkehr und in die Infrastruktur der Bahn in Deutschland investiert werden.

Der SPD-Parteirat, das höchste Gremium zwischen den Parteitagen, hatte am Montag vor einer Woche mit Dreiviertel-Mehrheit für das Modell gestimmt, den Personen- und Güterverkehr zu 24,9 Prozent an private Investoren zu verkaufen. Die Infrastruktur von Schiene, Energieversorgung und Steuerung der Bahn soll in öffentlicher Hand bleiben. Das Thema soll jetzt auf dem Koalitionsausschuss am heutigen Montag beraten werden.

(Quelle: afp)
 


 

Union lehnt SPD-Pläne für Managergehälter ab

Mo.28.04.08 - Die Union lehnt die Pläne der SPD zur gesetzlichen Begrenzung von Managergehältern rundheraus ab. «Das wird es mit uns nie geben», sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer der «Berliner Zeitung». Er bezeichnete den SPD-Vorschlag als typischen Neidreflex.

Eine Arbeitsgruppe der SPD schlägt vor, dass Unternehmen Vorstandsgehälter nur noch bis zur Höhe von einer Million Euro pro Kopf komplett von der Steuer absetzen dürfen. Darüber hinaus gehende Beträge sollen nur noch zur Hälfte steuerlich geltend gemacht werden können.

Ramsauer sagte, über die Bezahlung von Angestellten befänden immer noch die Eigentümer von Unternehmen. Wenn der Staat anfange, in die Gewinn- und Verlustrechnung von Unternehmen hineinzurechnen und in moralisch gute und schlechte Aufwendungen einzuteilen, höre der Spaß auf. «Das ist eine Rückkehr in das Denken von Staatsunternehmen, da feiert die DDR fröhliche Urständ.»

Gleichzeitig appellierte der CSU-Politiker an Unternehmen aller Art, bei der Festsetzung von Bezügen Maß zu halten. «Wer diese Exzesse betreibt im Topmanagement und im Sport, der spaltet die Gesellschaft», sagte Ramsauer. Es sei auch «völlig überzogen, wenn ein 24-jähriger Bundesligaprofi sich erdreistet und sagt: Fünf Millionen im Jahr sind zu wenig». Ramsauer bezog sich auf Berichte über Vertragsverhandlungen des Bayern-Spielers Philipp Lahm mit dem FC Barcelona.

(Quelle: ap)
 


 

Dickes Gehalts-Plus für deutsche Aufsichtsräte

Mo.28.04.08 - Die Vergütungen der DAX-Aufsichtsräte sind 2007 wieder kräftig gestiegen: Im Schnitt verdiente ein Kontrolleur im vergangenen Jahr 124.510 Euro und damit 17,45 Prozent mehr als 2006, wie die «Welt am Sonntag» auf der Grundlage der Geschäftsberichte der Unternehmen berichtete. Die Aufsichtsratsvorsitzenden erhielten demnach durchschnittlich 297.000 Euro, das entspricht einem Zuwachs von 10,14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

An der Spitze liegt dem Bericht zufolge Deutsche-Bank-Manager Clemens Börsig mit einer Gesamtvergütung von 662.667 Euro, er konnte seine Bezüge um 35 Prozent steigern. Den zweithöchstbezahlten Vorsitz habe Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp: Er kam auf eine Jahresvergütung von 479.207 Euro. Damit landete er knapp vor BASF-Chefkontrolleur Jürgen Strube, der 475.000 Euro verdiente, wie das Blatt berichtete. Schlusslicht unter den Aufsichtsratsvorsitzenden sei Max Dietrich Kley von Infineon mit einem Jahresgehalt von 59.500 Euro.

Am stärksten nahmen laut der Zeitung die durchschnittlichen Pro-Kopf-Bezüge bei Merck und Lufthansa zu: Sie verdoppelten sich in etwa. Der Zuwachs gehe vor allem auf einen Anstieg der erfolgsabhängigen Vergütung zurück, die festen Bezüge seien weitgehend konstant geblieben. Anders bei der Deutschen Bank: Das Plus von 78 Prozent sei hier in erster Linie auf eine Verdopplung der festen Bezüge zurückzuführen.

(Quelle: ap)
 


 

SPD, FDP und Linkspartei dringen auf niedrigere Benzinpreise

Mo.28.04.08 - Führende Politiker von SPD, FDP und Linkspartei haben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, die hohen Benzinpreise über staatliche Eingriffe zu senken. Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas sagte der «Bild am Sonntag»: «Ich fordere Kanzlerin Angela Merkel auf, der Preistreiberei ein Ende zu setzen und für bezahlbare Spritpreise zu sorgen.» Die Grenze des Zumutbaren sei überschritten.

Weiter sagte Maas: «Wir verlangen von den Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität und Mobilität. Deswegen ist es gesamtwirtschaftlich notwendig, dass der Staat Obergrenzen für die Spritpreise festlegt.» Vorbild für Maas ist Luxemburg, wo das Wirtschaftsministerium die Preise reguliert. Der SPD-Politiker will so auch in Deutschland die Preistreiberei der Ölkonzerne gerade vor Feiertagen und Ferien unterbinden: «Den Menschen bleibt so Netto mehr Geld für den Konsum, das kurbelt die Binnenwirtschaft an.» Das Bundesfinanzministerium wies den Vorstoß als «populistisch und unrealistisch» zurück, wie die Zeitung schreibt.

Auch die Linkspartei forderte «ein Eingreifen des Staates». «Die Abzockerei der Energiekonzerne muss endlich gestoppt werden. Ich fordere die Kanzlerin auf, umgehend klarzustellen, ob die Koalition Sprit-, Heizöl- und Gaspreise begrenzen will», sagte Fraktionschef Gregor Gysi.

Niedrigere Spritpreise verlangte von der Kanzlerin auch die FDP - allerdings über Steuersenkungen. «Der Staat ist der größte Preistreiber bei den Energiekosten. Zwei Drittel der Benzinpreise sind vom Staat gemacht», sagte Parteichef Guido Westerwelle. Sein Vorschlag: «Für Energie sollte wie für Lebensmittel der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten, weil Autofahren, Heizung und Strom für die Wohnung kein Luxus werden dürfen. Ich appelliere an die Bundeskanzlerin, endlich die breite Mittelschicht, die den Karren in Deutschland zieht, durch Steuersenkungen zu entlasten.»

(Quelle: ap)
 


 

SPD will Firmen in Europa mit EU-Steuer zur Kasse bitten

Mo.28.04.08 - Die SPD hat die Einführung einer EU-Steuer gefordert: "Eine EU-Steuer, etwa in Form einer europäischen Körperschaftsteuer, halten wir für richtig", heißt es in einem Schreiben von SPD-Fraktionschef Peter Struck an EU-Kommissionschef Jose Manuel Barroso, das der "Welt am Sonntag" vorliegt. Die neue EU-Steuer soll nach dem Willen der SPD von den Unternehmen bezahlt werden. Sie sollen künftig in allen 27 EU-Mitgliedsländern mit einem einheitlichen Steuersatz belastet werden. Liberale und Industrie kritisierten die SPD-Forderung.

"Eine europäische Körperschaftsteuer könnte den kontraproduktiven Wettbewerb um den niedrigsten Steuersatz beseitigen", schreibt die SPD-Bundestagsfraktion in ihrem "Positionspapier zur Überprüfung des EU-Haushalts".

"Eine EU-Steuer würde die steuerliche Belastung für Bürger und Unternehmen nur weiter erhöhen, die EU braucht zu ihrer Selbstfinanzierung keine eigenen Steuern", sagte FDP-Europaexperte Michael Link. Er forderte, die EU-Abgaben der Länder zu begrenzen: "Wichtiger als neue Steuern ist sparsames Wirtschaften."

Kritik an den Forderungen kommt auch aus der Wirtschaft. Eine EU-Steuer sei "weder erforderlich noch sachgerecht", sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Werner Schnappauf der "WamS". "Eine neue Abgabe birgt die Gefahr, dass Bürger und Unternehmen künftig höher besteuert werden." Zudem seien aus Ländern mit weniger effizienten Steuerverwaltungen geringere Beiträge zu erwarten - die Deutschen müssten dann mehr bezahlen.

(Quelle: afp)
 


 

Umfrage: CDU in Ostdeutschland nur noch drittstärkste Partei

Mo.28.04.08 - Die CDU ist laut einer Umfrage in Ostdeutschland nur noch drittstärkste politische Kraft. Der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die Zeitung «Bild am Sonntag» zufolge würden jetzt bei einer Bundestagswahl nur 24 Prozent der Deutschen in den neuen Ländern CDU wählen. Die SPD käme auf 25 Prozent. Stärkste Partei im Osten wäre die Linke mit 31 Prozent. Die FDP erreicht 9 Prozent, die Grünen 6 Prozent.

Trotz der für die CDU schlechten Zahlen glaubt Bundeskanzlerin und Parteichefin Angela Merkel an eine Trendwende zugunsten ihrer Partei. Der Zeitung sagte sie: «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr wieder bessere Ergebnisse erzielen werden. Und wir haben die Chance, bei der nächsten Bundestagswahl wieder stärkste Kraft in den neuen Ländern zu werden.»

Im April 2004 wollte noch mehr als jeder Dritte Ostdeutsche (34 Prozent) die CDU wählen. Zwei Jahre später waren es noch 28 Prozent.

Die Umfrage wurde am 16. und 17. April 2008 unter 1001 Befragten in den neuen Ländern erhoben.

(Quelle: ddp)
 


 

Grüne in Hamburg beschließen Koalition mit CDU

Mo.28.04.08 - Die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene ist fast in trockenen Tüchern. Am Sonntag stimmte die Parteibasis der Grün-Alternativen Liste (GAL) mit deutlicher Mehrheit für das Bündnis mit der CDU. Der Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, begrüßte die «überwältigend große Geschlossenheit». Am (morgigen) Montag muss noch der Landesausschuss der CDU zustimmen, dann gilt der Koalitionsvertrag, den die Parteispitzen am 17. April unterzeichnet hatten. Die Zustimmung der CDU gilt als sicher.

Auch bei den Grünen war im Vorfeld mit einer Zustimmung gerechnet worden, allerdings nicht mit einer so deutlichen. Lediglich zehn bis 20 Prozent der 440 Anwesenden stimmten auf der entscheidenden Landesmitgliederversammlung gegen die Koalition, wenige enthielten sich. «Ich bin freudig überrascht, dass die Zustimmung so groß ist», sagte die GAL-Fraktionsvorsitzende und künftige Zweite Bürgermeisterin Christa Goetsch.

Kurz zuvor hatte sie noch einmal für das Bündnis geworben und betont, das Bündnis mit der CDU sei keine Ehe und keine Fusion. «Natürlich werden wir auch weiterhin die politische Auseinandersetzung suchen», sagte Goetsch. Die GAL habe ihr Gewissen nicht an der Garderobe abgegeben.

Bütikofer sagte, es sei eine gute Voraussetzung, mit einem so hohen Grad an Geschlossenheit in das Bündnis zu gehen. «Und es ist eine sehr gute Voraussetzung, dass lange diskutiert wurde.» Die GAL halte an der Tradition fest, Mitglieder einzubeziehen.

Der Abstimmung war eine rund fünfstündige Diskussion vorausgegangen. Zum Auftakt wies die Landesvorsitzende Anja Hajduk auf die Stärken des Koalitionsvertrages hin. Auf Grundlage des Vertrages könne man mit der CDU Verantwortung übernehmen. «Dass der Vertrag Risiken hat, liegt nicht nur daran, dass er Mängel hat, sondern auch daran, dass er verdammt ambitionierte Ziele hat», sagte die GAL-Vorsitzende. Als Beispiele nannte sie die umfangreiche Schulreform, die verbesserte Kinderbetreuung und das neue Modell für Studiengebühren.

Hajduk räumte aber auch Kompromisse ein: «In dem Vertrag stehen Dinge, die wir nicht wollten, und fehlen Dinge, die wir wollten.» So sei die Elbvertiefung ein schwerer Kompromiss. Auch seien mit der CDU keine Bundesratsinitiativen zu Mindestlohn und Hartz IV zu machen.

Zu dem umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg sagte Hajduk, es stehe «eine richtige, wichtige und ehrliche Verabredung in dem Vertrag». Die Genehmigung für den Bau des Kraftwerks sei rechtlich zu prüfen, und noch in dieser Legislaturperiode erfolge die Ausschreibung für das Fernwärmenetz.

In der anschließenden Diskussion wurde überwiegend Zustimmung laut. Mehrere Redner sprachen von einem guten und sehr grünen Vertrag. Der ehemalige Stadtentwicklungssenator Willfried Maier wehrte sich gegen die Kritik, darin stehe zu oft das Wort «soll». Es sei die Natur eines Koalitionsvertrages, darin zu verabreden, dass vier Jahre das umgesetzt werde, wozu «soll» gesagt wurde, um am Ende «ist» sagen zu können.

Deutliche Kritik äußerte der ehemalige Kreis-Chef der GAL in Wandsbek Vasco Schultz: Das Bündnis sei eine Täuschung der Wähler, weil die GAL vor der Wahl Schwarz-Grün ausgeschlossen habe. Auch sei Rot-Rot-Grün nicht ausgelotet worden, und der Vertrag entferne die Partei inhaltlich von Gruppen wie Attac und Umweltschutzorganisationen.

Entsprechend dem Antrag des Landesvorstandes stimmte die Parteibasis auch den vorgeschlagenen Senatoren zu. Die Vorsitzende der GAL-Fraktion in der Bürgerschaft, Christa Goetsch, wurde als Zweite Bürgermeisterin und Senatorin für Bildung nominiert, Landeschefin Hajduk als Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt sowie Till Steffen als Senator für Justiz. Am 7. Mai soll der neue Senat vereidigt und Ole von Beust (CDU) erneut zum Bürgermeister ernannt werden.

(Quelle: ap)
 


 

Experte: Ein Drittel des Weltstrombedarfes aus dem Meer

Mo.28.04.08 - Aus Meeresenergie gewonnener Strom kann nach Ansicht eines Experten in Zukunft ein Drittel des Weltstrombedarfs abdecken.

«Wenn man von dem ausgeht, was wir an Studien kennen, liegt das Potenzial der Meeresenergie etwa in der Größenordnung der weltweiten Wasserkrafterzeugung», sagte Jochen Bard vom Kasseler Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Jedoch gebe es noch keine flächendeckenden Studien und keine einheitlichen Verfahren für die Entwicklung der Potenziale. «Unter Meeresenergie verstehen wir alle Energieerzeugungsarten, die unmittelbar mit dem Seewasser zu tun haben, im Wesentlichen Wellenenergie, Strömungsenergie und Gezeitenkraftwerke», sagte der Projektleiter für sogenannte Energiewandlungsverfahren.

Weltweit gibt es laut Bard über 150 Projekte im Bereich Meeresenergie. Ein Drittel werde bislang realisiert. «Es gibt bis auf einige Gezeitenkraftwerke jedoch noch kein kommerzielles Projekt im Sinne von: Man kann eine Anlage kaufen, installieren, damit Strom erzeugen und Geld verdienen», sagte der Physiker. In Nordirland werde gerade eine Pilotanlage mit Meeresströmungsturbinen aufgebaut. «Sie erzeugt genug Strom, um tausend Haushalte zu versorgen und soll nach einer Anlaufphase von etwa drei Monaten kommerziell genutzt werden.» Insgesamt seien Forscher und Betreiber noch darauf angewiesen, dass jemand Geld für die Projekte bezahlt - aus öffentlichen Töpfen, von privaten Investoren und von Energieversorgungsunternehmen.

«Die Stromkosten von heutigen Anlagen liegen bei zwanzig Cent pro Kilowattstunde aufwärts», sagte Bard, der an der Entwicklung von Systemtechnik für Meeresströmungsturbinen beteiligt ist. Wenn man Meeresenergie langfristig im großen Stil nutze, könne das jedoch günstiger werden. In Deutschland wird laut Bard der Ausbau der Meeresenergie aber eine untergeordnete Rolle für die Stromversorgung spielen. «Eine große Bedeutung könnte für uns der Technologieexport haben. Denn in Deutschland gibt es sehr viel Know-how in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau.»

Gefährlich ins Ökosystem der Meere greife diese Form der Energienutzung nicht ein: «Bei jedem Projekt, das ins Meer gebaut wird, braucht man eine Baugenehmigung, mit der ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung einhergeht», sagte der ISET-Projektleiter. Solange man beispielsweise Durchzugsgebiete von Meeressäugern meide, seien weder diese noch Fische beeinträchtigt von der Technologie.

(Quelle: dpa)
 


 

Mehr als 100 Millionen Mobilfunkanschlüsse in Deutschland

Mo.28.04.08 - Seit Mitte April 2008 gibt es in Deutschland mehr als 100 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Damit besitzt von den rund 82 Millionen Einwohnern statistisch gesehen jeder fünfte zwei Handys oder Mobilfunkkarten, berichtet der Branchenverband BITKOM am Sonntag.

Im August 2006 hatte die Zahl der Anschlüsse erstmals die der Einwohner übertroffen, Ende 2007 stieg sie auf gut 97 Millionen. Ende 2008 wird sie bei rund 107 Millionen liegen, schätzt BITKOM. Weltweit liegt Deutschland damit hinter den USA, Indien, Russland, Brasilien und Japan auf Rang sieben der absoluten Zahl der Mobilfunkanschlüsse.

Auch die Zahl der UMTS-Anschlüsse wächst kontinuierlich. Ende 2007 gab es mehr als 10 Millionen UMTS-Nutzer in Deutschland, und in diesem Jahr soll die Zahl um 60 Prozent auf fast 16 Millionen Anschlüsse steigen. Grundlage der Daten ist eine BITKOM-Umfrage bei den Mobilfunkbetreibern.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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