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Irak am 1498sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 38 Tote bei Kämpfen in Sadr City. Vier US-Soldaten in
Bagdad getötet. USA: Iran und Syrien wollen den Irak
destabilisieren
Di.29.04.08 - Bei heftigen Kämpfen zwischen schiitischen Milizen sowie
irakischen und US-Soldaten im Nordosten Bagdads sind mindestens 38
Menschen getötet worden. Allein 22 Tote habe es gegeben, als ein
US-Panzer am Sonntag auf Angreifer gefeuert habe, teilte die
amerikanische Armee in der irakischen Hauptstadt mit. Im Stadtteil Sadr
City, einer Hochburg der Mahdi-Miliz des radikalen Schiitenführers
Moktada Sadr, seien die verbündeten Truppen mit Kleinfeuerwaffen
und Mörsergranaten angegriffen worden.
Der heftigste Angriff sei am Sonntag auf einen Checkpoint geführt
worden, hieß es in der Mitteilung. Dabei hätten US-Soldaten
"22 Kriminelle getötet" und die anderen Kämpfer zum
Rückzug gezwungen. Auf irakischer und US-Seite habe es keine Opfer
gegeben. Bei Kämpfen in Sadr City seit Ende März sind rund 430
Milizionäre und Zivilisten ums Leben gekommen; mindestens 15
US-Soldaten wurden getötet.
Die so genannte Grüne Zone in Bagdad wurde am Sonntag erneut
angegriffen. Mindestens 15 Raketen beziehungsweise Granaten seien in dem
als besonders sicher geltenden Gebiet der irakischen Hauptstadt
eingeschlagen, hieß es am Abend aus irakischen und
US-Sicherheitskreisen. Nach den Angriffen sei Panik ausgebrochen, das
Personal der US-Botschaft habe sich in die Schutzräume
geflüchtet. Es blieb zunächst unklar, ob bei den Angriffen
jemand verletzt wurde. Die "Grüne Zone" ist das bestbewachte Gebiet
in Bagdad. In ihr haben unter anderem die irakische Regierung und die
US-Botschaft ihren Sitz.
Mutmaßliche Aufständische haben im Irak vier amerikanische
Soldaten getötet. Die US-Streitkräfte erklärten am
Montag, drei Soldaten seien bei einem Raketen- oder Mörserangriff
im Osten der Hauptstadt Bagdad ums Leben gekommen. Ein weiterer Soldat
kam den Angaben zufolge im Westen Bagdads ums Leben.
Die Vereinigten Staaten werfen dem Iran und Syrien vor, den Irak
destabilisieren zu wollen. Der amerikanische UN-Botschafter Zalmay
Khalilzad erklärte am Montag vor dem Weltsicherheitsrat in New
York, vom Iran unterstützte Gruppen hätten in diesem Jahr
zahlreiche Angriffe auf irakische Zivilpersonen und die internationalen
Truppen verübt. Khalilzad verwies auf Schätzungen, nach denen
90 Prozent der ausländischen Kämpfer über Syrien in den
Irak gelangen. Der UN-Botschafter forderte den Iran und Syrien in einem
Bericht an den Sicherheitsrat auf, nicht länger Waffen und
Kämpfer in den Irak zu schicken. Beide Länder haben die
Anschuldigungen wiederholt zurückgewiesen.
boa (Quellen: afp, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 29.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendvierunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
So.29.04.07 - US-Präsident Bush kündigt Veto gegen Irak-Abzug an +++
Mindestens 55 Tote bei Selbstmordanschlag in Kerbela +++ Auch an anderen
Orten im Irak dauert die Gewalt an +++ Neun US-Soldaten bei Kämpfen
und Anschlägen getötet - Seit Kriegsbeginn im März 2003
verloren mindestens 3.346 US-Soldaten ihr Leben im Irak +++
Saddam-Anhänger gedenken 70. Geburtstag des Ex-Diktators...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704290.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Sieben Tote bei israelischem Einsatz im Gazastreifen
Di.29.04.08 - Bei einem israelischen Militäreinsatz im nördlichen
Gazastreifen sind am Montag mindestens sieben Palästinenser
getötet worden, darunter vier Kinder. Zehn weitere Menschen seien
in der Ortschaft Bet Hanun verletzt worden, teilte das
palästinensische Gesundheitsministerium mit.
Ein Mitglied der radikalen Gruppe Islamischer Dschihad hatte nach
Berichten palästinensischer Augenzeugen eine Abwehrrakete auf
israelische Soldaten gefeuert, die mit Panzern in die Ortschaft
vorgedrungen waren. Als die Soldaten zurückfeuerten, habe eine
Granate das Haus getroffen, hinter dem sich das Dschihad-Mitglied
versteckte. Dabei seien der Palästinenser sowie eine Mutter und
ihre vier Kinder im Alter von einem bis sieben Jahren getötet
worden.
Bei einem anderen Angriff der israelischen Luftwaffe in Bet Hanun kam
nach Angaben des Gesundheitsministeriums ein Mitglied der radikalen
Gruppe Hamas ums Leben.
Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, israelische Soldaten seien
in dem Bereich gegen die «Terror-Infrastruktur des nördlichen
Gazastreifens» im Einsatz. Militante Palästinenser
hätten von dort aus immer wieder Raketen auf das israelische
Grenzgebiet abgefeuert. «Wenn militante Palästinenser aus
einem bewohnten Gebiet angreifen, nehmen sie zivile Opfer billigend in
Kauf», sagte sie zu den Berichten über getötete Kinder.
Israel ziele nicht absichtlich auf Zivilisten.
(Quelle: dpa)
Frankreich unterstützt tunesischen Atomreaktor
Di.29.04.08 - Frankreich und Tunesien haben am Montag Verträge über die
atomare Zusammenarbeit und Einwanderungsfragen geschlossen. Der
französische Präsident Nicholas Sarkozy und sein tunesischer
Kollege Zine El Abidine Ben Ali unterzeichneten die Vereinbarungen vor
einem Abendessen im Montagabend in Tunis. Danach will Frankreich
Tunesien bei der Entwicklung eines Atomreaktors unterstützen und
9.000 Tunesiern Arbeitserlaubnisse ausstellen. Sarkozy und seine
Ehefrau Carla Bruni-Sarkozy waren zuvor in Tunis begeistert empfangen
worden.
(Quelle: ap)
Opposition in Simbabwe tritt geschlossen gegen Mugabe auf
Di.29.04.08 - Einen Monat nach den Wahlen in Simbabwe hat sich die Opposition zu
einem entschiedenen Auftreten gegen Präsident Robert Mugabe
zusammengeschlossen. Gemeinsam habe man die Mehrheit im Parlament,
erklärten der Vorsitzende der Bewegung für Demokratischen
Wandel (MDC), Morgan Tsvangirai, und der Chef einer oppositionellen
Splittergruppe, Arthur Mutambara, am Montag auf einer Pressekonferenz
in Südafrika. Mugabe müsse seine Niederlage eingestehen.
Zugleich bat die MDC die Vereinten Nationen um Hilfe.
«Alter Mann, geh und hab einen ehrenhaften Abtritt», sagte
Tsvangirai an den 84 Jahre alten Mugabe gerichtet, der das afrikanische
Land seit mehr als einem Vierteljahrhundert regiert. In einer
Demokratie bestimme die Mehrheit, betonte der Oppositionsführer.
Mugabe müsse einräumen, dass er die Präsidentenwahl
verloren habe.
Es gebe keine Spaltung innerhalb der Opposition, sondern «wir
werden alle zusammenarbeiten», erklärte Mutambara.
Tsvangirai sagte, die MDC wolle mit einem weiteren Kandidaten bei der
Präsidentenwahl zusammenarbeiten, dem früheren Finanzminister
Simba Makino.
MDC-Generalsekretär Tendai Biti wird nach Angaben Tsvangirais beim
Weltsicherheitsrat auf die Entsendung eines UN-Sondergesandten dringen.
Das Gremium in New York will sich am (morgigen) Dienstag mit der
politischen Krise in Simbabwe befassen. Biti werde den Sicherheitsrat
bitten, «die Gewalt zu stoppen und dem Regime in Harare
klarzumachen, dass seine Handlungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
gleichkommen», sagte Tsvangirai. Seine MDC erklärte, die
Regierung habe «dem Volk den Krieg erklärt, dessen einziges
'Verbrechen' es ist, für den Wandel gestimmt zu haben».
Auch Deutschlands Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul
sprach sich für die Entsendung eines UN-Sondergesandten in das
afrikanische Land aus. Mugabes Regierung «muss endlich das
Ergebnis der Parlaments- und Präsidentenwahl vom 29. März
akzeptieren und seine Niederlage eingestehen», erklärte
Wieczorek-Zeul. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Opposition weiter von
der Regierung verfolgt und der Wille der Bevölkerung ignoriert
werde. Das Leid der Menschen in Simbabwe müsse ein Ende haben, und
«dafür müssen sich auch die Vereinten Nationen
engagieren».
Nach Angaben der Opposition wurden seit der Parlaments- und
Präsidentenwahl hunderte ihrer Anhänger drangsaliert. 14 von
ihnen seien ums Leben gekommen, dies konnte aber bislang nicht von
unabhängiger Seite bestätigt werden.
Offizielle Ergebnisse der Präsidentenwahl liegen auch mehr als
vier Wochen nach der Abstimmung noch nicht vor. Tsvangirai geht davon
aus, die Wahl mit der notwendigen Mehrheit gewonnen zu haben.
Internationalen Beobachtern zufolge muss er sich jedoch einer Stichwahl
gegen Mugabe stellen. Das lehnt der Oppositionsführer ab.
Der Sieg der Opposition bei der Parlamentswahl wurde am Wochenende
durch eine Neuauszählung strittiger Wahlkreise bestätigt. Die
Ergebnisse für fünf Bezirke sollten eigentlich am Montag
vorgelegt werden, standen am Abend aber noch aus.
(Quelle: ap)
Foltervorwürfe gegen kenianische Soldaten
Di.29.04.08 - Menschenrechtler haben schwere Foltervorwürfe gegen die
kenianische Armee erhoben. Offiziere hätten bei ihrem Einsatz gegen
eine Miliz im Westen des Landes mehr als 4000 Menschen misshandelt,
erklärte die Organisation IMLU. Im März und April dieses
Jahres hätten Soldaten ihre Opfer, darunter auch Zivilisten,
geschlagen und teilweise sexuell erniedrigt. Die Gefangenen seien
gezwungen worden, nackt über Stacheldraht zu kriechen,
während Offiziere sie getreten hätten.
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Die "systematische Folter... kommt einem Verbrechen gegen die
Menschlichkeit gleich", hieß es in dem Bericht der Independent
Medico-Legal Unit weiter, der in Zusammenarbeit mit Ärzten und
Anwälten entstand. Ein Zeuge berichtete, in provisorischen
Armeelagern seien die Menschen gezwungen worden, Waffen herzustellen.
Dabei seien sie mit Peitschen und Stöcken geschlagen worden. In der
Region Mount Elgon nahe der Grenze zu Uganda geht die kenianische Armee
gegen die SLDF-Miliz vor.
Die Gegend ist für Journalisten und Hilfsorganisationen nicht
zugänglich, weil sie von den Behörden zur Militärzone
erklärt wurde. Die IMLU betonte, dies sei Teil einer
Verschleierungstaktik. Daran hätten "alle Sicherheitskräfte
und staatlichen Behörden" teil, zudem zeige die Affäre die
Gleichgültigkeit ranghoher Staatsvertreter bis hin zu
Präsident Mwai Kibaki und Regierungschef Raila Odinga. Ein
Polizeisprecher wies die Vorwürfe als "unwahr" zurück. Die
Polizei sei aber bereit, Ermittlungen zu eröffnen.
Vor kurzem hatte die in New York ansässige
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärt, kenianische
Soldaten hätten im Kampf gegen die SLDF-Miliz Menschen
getötet, zur Flucht gezwungen und Gefangene gefoltert. Aber auch
Milizionäre hätten Gewalttaten verübt.
(Quelle: afp)
Philippinen bittet Weltbank wegen Reisknappheit um Unterstützung
Di.29.04.08 - Die Philippinen haben die Weltbank wegen der anhaltenden Reisknappheit
um Unterstützung gebeten.
Die Weltbank soll nach dem Willen der Regierung in Manila die Reis
exportierenden Länder davon überzeugen, die
Lieferbeschränkungen für das Grundnahrungsmittel aufzuheben.
"Ich habe die Weltbank gebeten, ihre moralische Überzeugungskraft
einzusetzen," sagte der philippinische Landwirtschaftsminister Arthur
Yap einem regionalen Fernsehsender am Montag.
Reisexporteure wie Indien und Vietnam hatten zuvor die Ausfuhren
begrenzt, um den beschleunigten Preisauftrieb zu bekämpfen. Die
Philippinen sind als weltgrößter Reisimporteur auf die
Lieferungen dringend angewiesen, um Hungerkatastrophen zu verhindern.
Die südostasiatische Inselgruppe erwägt nun die Ausgabe von
Reiskarten, mit denen die Armen das Grundnahrungsmittel deutlich
preiswerter einkaufen können. Außerdem sei langfristig eine
erneute staatliche Subventionierung für Reisimporte möglich,
fügte Yap hinzu.
Die Weltbank hatte bereits ein rasches und entschlossenes
internationales Vorgehen gegen die steigenden Lebensmittelpreise
gefordert, die schon in mehreren Ländern zu Unruhen geführt
haben. Die Verteuerung könnte weltweit nach
Expertenschätzungen rund 100 Millionen Menschen in den Hunger
treiben. Grund für die Preissteigerungen sind unter anderem das
teure Öl, der wirtschaftliche Siegeszug von China und Indien sowie
der durch staatliche Subventionen geförderte Biosprit-Boom.
(Quelle: rtr)
UN-Organisationen suchen Wege aus Lebensmittelkrise
Di.29.04.08 - Die Vereinten Nationen haben sich bei einer Tagung von 27 in der
Schweiz ansässigen UN-Institutionen mit der weltweiten
Lebensmittelkrise beschäftigt. Die Beratungen in der Schweizer
Hauptstadt Bern seien "ein bedeutender Moment" und stellten zugleich
eine große Herausforderung dar, sagte UN-Generalsekretär Ban
Ki Moon. Vor allem in Afrika und Asien hatte es zuletzt gewaltsame
Proteste gegen hohe Lebensmittelpreise gegeben. Die UNO will daher
einen Katalog mit Notfallmaßnahmen erarbeiten.
An der nicht-öffentlichen Tagung nahmen auch die Chefs des
Welternährungsprogramms (WFP), der Weltbank und des
Internationalen Währungsfonds (IWF) teil. Die Institutionen der
Vereinten Nationen stünden bei ihren Beratungen in Bern der
Herausforderung gegenüber, "unser Bestes zu tun, um den
Erwartungen, die die Welt in uns setzt, gerecht zu werden", sagte Ban
vor der Tagung. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollten dabei
Maßnahmen zur Bewältigung der weltweiten Lebensmittelkrise
erörtert werden.
Zu dem Treffen reisten viele hochrangige UN-Vertreter an. Außer
WFP-Chefin Josette Sheeran nahm auch der Chef der Welternährungs-
und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Jacques Diouf, teil. Auch
Weltbank-Chef Robert Zoellick und IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn
standen auf der Teilnehmerliste. Beide hatten bei der
Frühjahrstagung ihrer Institutionen vor gefährlichen
Auswirkungen der weltweit gestiegenen Nahrungsmittelpreise, vor allem
in Entwicklungsländern, gewarnt.
Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Ernährung,
Jean Ziegler, sprach in Genf mit Blick auf die Tagung in Bern von einem
"wichtigen Tag" für die Hungernden in der Welt. Vor dem Auslaufen
seiner Mission drang Ziegler noch einmal auf ein "vollständiges
Moratorium" für Bio-Kraftstoffe. Ziegler sieht in der Verwendung
von Nutzpflanzen zur Energiegewinnung einen wichtigen Grund für
den rasanten Anstieg der Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten.
US-Außenministerin Condoleezza Rice räumte einen
Zusammenhang zwischen der Verwendung von Ackerland für die
Biospritproduktion und den weltweit explodierenden Preisen für
Lebensmittel ein. Das Streben nach alternativen Kraftstoffen habe
"unbeabsichtigte Konsequenzen" gehabt, sagte Rice in Washington.
"Obwohl wir davon überzeugt sind, dass Biosprit weiterhin einen
großen Teil alternativer Kraftstoffe bilden soll, muss
sichergestellt werden, dass die Produktion keine nachteiligen Effekte
hat."
(Quelle: afp)
US-Präsidentschaftskandidatur: Clinton liegt in Umfrage deutlich
vor McCain
Di.29.04.08 - Hillary Clinton hätte nach einer neuen Umfrage bessere Chancen als
ihr innerparteilicher Rivale Barack Obama, den Republikaner John McCain
bei der US-Präsidentenwahl im November zu schlagen. Die
demokratische Senatorin kommt in einer am Montag veröffentlichten
Erhebung der Nachrichtenagentur AP und des Meinungsforschungsinstituts
Ipsos im direkten Vergleich mit McCain auf 50 Prozent. 41 Prozent der
Befragen sprachen sich bei dieser Konstellation für McCain aus.
Obama liegt dagegen im direkten Vergleich mit dem republikanischen
Senator aus Arizona praktisch Kopf-an-Kopf. 46 Prozent der Befragten
sprachen sich bei diesem hypothetischen Duell für Obama aus und 44
Prozent für McCain.
Clinton und Obama liefern sich im Rennen um die
Präsidentschaftskandidatur der Demokraten seit Beginn der
Vorwahlen im Januar einen erbitterten Zweikampf. Bei den Republikanern
steht dagegen McCain bereits als designierter
Präsidentschaftskandidat fest.
Die nächsten Vorwahlen der Demokratischen Partei finden am 6. Mai
in Indiana und in North Carolina statt. In North Carolina, wo 115
Delegiertenstimmen zu holen sind, gilt Obama als Favorit. In Indiana
mit 72 Delegierten liegen er und seine Konkurrentin Hillary Clinton
Kopf an Kopf.
Der demokratische Parteivorsitzende Howard Dean sagte, nach der letzten
Vorwahl am 3. Juni müsse entweder Clinton oder Obama das Rennen
aufgeben. Die Demokraten brauchten die Zeit, um sich bis zur Wahl am 4.
November zu einen.
(Quelle: ap)
Europa leidet unter Rekordinflation und Finanzkrise
Di.29.04.08 - Europas Wirtschaft und Verbraucher leiden unter der Rekordinflation und
den Auswirkungen der Turbulenzen auf den internationalen
Finanzmärkten.
Die EU-Kommission schraubte deshalb in Brüssel ihre
Konjunkturerwartungen kräftig nach unten. Bei der Teuerung sieht
EU-Währungskommissar Joaquín Almunia aber Licht am Ende des
Tunnels: Der Höhepunkt soll bis zum Sommer überschritten
werden, danach dürften die Inflationsraten wieder fallen.
«Die Inflation ist kurzfristig gesehen unser Hauptproblem. Sie
trifft besonders die ärmsten Schichten unserer Gesellschaft.»
Für das Eurogebiet erwartet Brüssel im laufenden Jahr nur ein
Wirtschafts-Wachstum von 1,7 Prozent, das ist ein halber Prozentpunkt
weniger als noch im Herbst vergangenen Jahres angenommen. Für das
kommende Jahr werden 1,5 Prozent vorhergesagt. Für die gesamte EU
prognostiziert Brüssel für das kommende Jahr ein Plus von 1,8
Prozent nach 2,0 Prozent im laufenden Jahr.
Die EU-Behörde beurteilt die Konjunktur in Deutschland dabei
zuversichtlicher als die Bundesregierung. Die deutsche Wirtschaft werde
im laufenden Jahr voraussichtlich um 1,8 Prozent wachsen und im
kommenden Jahr um 1,5 Prozent. Brüssel liegt damit für das
laufende Jahr um 0,1 Punkte über der Berliner Prognose, für
das kommende Jahr sogar um 0,3 Punkte.
Eurokurse um die 1,60 US-Dollar schlagen zunehmend auf die Exporte aus
dem gemeinsamen Währungsgebiet. Eine Entspannung ist nicht in
Sicht: Für das kommende Jahr rechnet Brüssel immer noch mit
einem Euro-Durchschnittskurs von 1,57 Dollar nach 1,55 Dollar 2008.
Auch beim Rohöl winkt keine Besserung: «Die Preise werden
weiter bei rund 100 Dollar je Barrel (159 Liter) bleiben», sagte
Almunia. «Dies sind unsichere Zeiten.» Als ein weiteres
Risiko nannte er die wirtschaftliche Talfahrt der USA.
Der spanische Kommissar warnte aber vor Panikmache: «Wir wachsen
weiter und schaffen auch neue Jobs.» Drei Millionen sollen es
2008 und 2009 insgesamt sein. Almunia warnte vor überzogenen
Lohnabschlüssen, um die Inflation nicht weiter anzuheizen. Er nahm
dabei aber Deutschland aus, denn dort habe es jahrelang eine deutliche
Zurückhaltung bei den Lohnzuwächsen gegeben.
«In anderen Ländern des Eurogebiets ging es aber nicht so
moderat zu wie in Deutschland.» Für das Eurogebiet erwartet
er eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,2 Prozent, die dann im
kommenden Jahr deutlich auf 2,2 Prozent schrumpfen soll. Im März
wurde mit 3,6 Prozent die höchste Rate seit 12 Jahren erreicht.
(Quelle: dpa)
Inflationsrate in Deutschland wieder unter 3 Prozent -- Nahrungsmittel
und Heizöl deutlich teurer
Di.29.04.08 - Der Preisanstieg in Deutschland hat sich verlangsamt. Nach Daten vom
Montag aus vier Bundesländern ist die Inflationsrate im April
wieder unter 3 Prozent gesunken, teilweise sogar deutlich. Allerdings
machten die Statistiker auch Sondereffekte wie das frühe Osterdatum
für die vergleichsweise günstige Entwicklung verantwortlich.
Der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Mineralölprodukten ging
weiter.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen lagen die
Verbraucherpreise im April 2,2 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im
März hatte der Preisanstieg noch 3,2 Prozent betragen. Nach
Angaben der Statistiker ist die Abschwächung allerdings vor allem
darauf zurückzuführen, dass die zum Sommersemester 2007 an den
Hochschulen des Landes eingeführten Studiengebühren sich im
Jahresvergleich nicht mehr auf den Preisindex auswirkten.
Der Preisanstieg bei Mineralölprodukten und vielen Lebensmitteln
ging dagegen weiter. So waren im April Heizöl um 41,3 Prozent,
Molkereiprodukte und Eier um 21,8 Prozent und Frischobst um 9,9 Prozent
teurer als im Vorjahr.
In Hessen lag das Verbraucherpreisniveau im April um 2,9 Prozent
höher als vor einem Jahr. Im März hatte die Inflationsrate
nach Angaben des Statistischen Landesamts bei 3,4 Prozent gelegen. Auch
in Hessen schlugen Energiepreise (Heizöl: plus 41,3 Prozent)
besonders deutlich zu Buche. Das Niveau der Nahrungsmittelpreise (plus
7,8 Prozent im Jahresvergleich) sei gegenüber März
unverändert geblieben, erklärten die Statistiker.
In Baden-Württemberg erhöhte sich im April der
Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,3 Prozent,
nach 3,1 Prozent im März. Auch in diesem Land machten die
Statistiker einen Sondereffekt geltend, weil die zum Sommersemester 2007
eingeführten Studiengebühren erstmals nicht mehr in vollem
Umfang auf den Verbraucherpreisindex durchschlügen.
Für Sachsen errechnete das Statistische Landesamt im April eine
Jahresteuerungsrate von 2,6 Prozent. Ausschlaggebend sei der Effekt der
frühen Osterfeiertage, erklärte das Amt. Ohne diesen
Sondereffekt hätte die Jahresteuerung 2,9 Prozent betragen.
(Quelle: ap)
GfK: Kauflaune verbessert sich trotz hoher Teuerung
Di.29.04.08 - Trotz Finanzkrise und steigender Preise bessert sich überraschend
die Kauflaune der Verbraucher: Das Barometer für das Konsumklima im
Mai stieg um 1,1 auf 5,9 Punkte, wie die Nürnberger Gesellschaft
für Konsumforschung (GfK) am Montag mitteilte. Das ist der
höchste Stand seit dem Herbst. Von Reuters befragte Volkswirte
hatten hingegen mit einem leichten Rückgang gerechnet. Die
abnehmende Arbeitslosigkeit und die jüngsten Tarifabschlüsse
sorgten dafür, dass die Bürger ihre Einkommenserwartungen
kräftig nach oben schraubten und wieder eher mit
größeren Anschaffungen liebäugeln. "Der Verbraucher
geht davon aus, dass er netto trotz Inflation mehr in der Tasche haben
wird", sagte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst zu Reuters.
Zugleich hätten sich die Voraussetzungen verbessert, dass die
bereits für Jahresbeginn vorhergesagte Erholung des Konsums nun
doch bevorstehe. Die Verbraucher erweisen sich damit als weit
optimistischer als die Manager in den Chefetagen. Wegen der Finanzkrise
und des starken Euro hat sich deren Stimmung zuletzt so stark
eingetrübt wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr, wie das
Münchner Ifo-Institut jüngst herausfand.
Die GfK sieht bei den Konsumenten hingegen vorerst keine Gefahr, dass
die Konjunkturstimmung kippt. Die Konsumenten gingen davon aus, dass die
deutsche Wirtschaft nicht in eine Rezession abrutsche, sondern
allenfalls eine konjunkturelle Abschwächung hinnehmen müsse.
Der Indikator für die Konjunkturerwartungen legte den zweiten Monat
in Folge zu und stieg um 8,3 auf 23,3 Zähler.
Die Verbraucher blicken auch weiter optimistisch auf ihre künftige
finanzielle Lage. Dieser Teilindikator stieg zum dritten Mal in Folge.
Mit einem Plus von neun Punkten fiel der Zuwachs jedoch deutlicher aus
als in den beiden vorangegangenen Monaten zusammen. "Vor allem die guten
Tarifabschlüsse für den öffentlichen Dienst wecken
offenbar in den Augen der Beschäftigten die berechtigte Hoffnung,
im Gegensatz zu den Vorjahren endlich wieder mehr Kaufkraft zur
Verfügung zu haben", teilte die GfK mit. Diese Erwartungen
könnten momentan offenbar die Inflationsängste überlagern.
Die besseren Einkommensaussichten dürften auch dazu geführt
haben, dass die Menschen sich wieder mehr leisten. Ihre
Anschaffungsneigung kletterte um 5,5 Punkte auf minus 4,7 Zähler.
Das Niveau blieb aber noch immer unter dem langjährigen
Durchschnitt von 0 Punkten. "Dies belegt, dass die Verunsicherung noch
nicht verschwunden ist und die Bundesbürger die
Kaufzurückhaltung nur sehr vorsichtig aufgeben werden",
prognostizierten die Forscher. Dennoch hätten sich die
Voraussetzungen verbessert, dass sich der private Verbrauch im weiteren
Verlauf des Jahres weiter erholen könne. "Damit sich das
Konsumklima auf Dauer positiv entwickeln kann, ist es notwendig, dass
der Inflationsdruck im Verlauf der kommenden Monate wieder
nachlässt", erklärten die Nürnberger Forscher.
(Quelle: rtr)
Erste schwarz-grüne Landesregierung in Hamburg ist perfekt --
Bundespolitiker begrüßen Bündnis
Di.29.04.08 - Die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene wird
künftig in Hamburg regieren. Einstimmig stimmte die CDU der
Hansestadt am Montagabend dem Bündnis mit der
Grün-Alternativen Liste (GAL) zu. «Ich bin sehr
dankbar», sagte Bürgermeister Ole von Beust nach der
Entscheidung. Nachdem die grüne Basis bereits am Sonntag
zugestimmt hatte, gilt nun der von den Parteispitzen am 17. April
unterschriebene Koalitionsvertrag. Am 7. Mai soll von Beust zum
Bürgermeister ernannt und der neue Senat vereidigt werden.
Das Votum auf dem kleinen Parteitag fiel wie erwartet sehr deutlich
aus: Von den 210 anwesenden Delegierten stimmte keiner gegen den
Vertag, es gab nur eine Enthaltung.
Von Beust räumte ein, es sei für die CDU kein einfacher Weg,
mit jemandem zu koalieren, der jahrzehntelang ein Gegner gewesen sei.
«Aber dass die Bereitschaft so groß ist, einen neuen Weg zu
gehen, gibt uns auch eine große Rückendeckung, das
Vertrauen, das wir haben, auch zu nutzen und es wirklich zu einer
Chance für Hamburg zu machen», sagte er.
In dem neuen Senat bekommt die CDU sechs und die GAL drei Posten. Die
Ressorts Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft, Inneres, Soziales und
Gesundheit sowie Kultur, Sport und Medien werden der CDU zugeschlagen.
Die Grünen übernehmen Bildung, Umwelt und Stadtentwicklung
sowie Justiz.
Der CDU-Landesvorsitzende Michael Freytag hatte zu Beginn der
Versammlung noch einmal für die Koalition geworben: «Das
Beste von der CDU wird mit dem Besten von der GAL kombiniert.»
Das Bündnis habe «alle Chancen, ein Zukunftsmodell für
erfolgreiche Politik zu werden». Er räumte aber auch ein,
dass in dem Koalitionsvertrag durchaus Punkte stünden, die ihm und
der Partei nicht gefielen, aber: «Politik ist kein
Wunschkonzert.» Die CDU sei klar stärkste Partei, habe aber
keine Mehrheit.
Nach den Sondierungsgesprächen habe sich die CDU dann bewusst
für die Grünen und gegen die SPD entschieden. «Wir
haben uns aus Überzeugung gegen den bequemen Weg einer
Großen Koalition entschieden und für eine bessere
Lösung für Hamburg», sagte Freytag. Der SPD sei es
ausschließlich um die schnelle Rückkehr an die Macht
gegangen, während die Grünen sich gut eingebracht hätten.
Von Beust räumte ein, dass einem «in der Tat das Wort
Schwarz-Grün noch gar nicht so leicht über die Lippen»
komme. Aber die gesellschaftliche Änderung der vergangenen
Jahrzehnte brauche neue gesellschaftliche Antworten. Und dafür
wolle diese Regierung stehen. «Auf den ausgetretenen Pfaden
kommen wir nicht weiter. Weder in Hamburg noch in Deutschland»,
sagte von Beust. Er glaube, Politik sei gut beraten, die argumentativen
Schützengräben zu verlassen und für neue Argumente
bereit zu sein.
Zuvor hatten Bundespolitiker von CDU und Grünen die
schwarz-grüne Koalition in Hamburg begrüßt. Der
Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion, Fritz Kuhn, sagte im
SWR: «Ich habe ein sehr gutes Gefühl, und ich halte es auch
nicht für ein Abenteuer.» In Hamburg gebe es bei beiden
Koalitionspartnern die Überzeugung, dass ein Aufbruch in Richtung
sozialökologische Moderne nötig sei.
Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sagte im
Bayerischen Rundfunk, es gebe keinen vernünftigen Grund,
«warum die CDU leichter mit den Sozialdemokraten eine Koalition
eingehen könnte als mit den Grünen». Bei einer
Koalition komme es immer auf die Inhalte an, diese seien in Hamburg
kompatibel und deckten sich. Das werde sicher auch auf Bundesebene so
kommen.
(Quelle: ap)
SPD fordert Verschärfung der EU-Regeln über grüne
Gentechnik
Di.29.04.08 - Die SPD-Bundestagsfraktion plant eine parlamentarische Initiative
für eine Verschärfung der EU-Regelungen zur grünen
Gentechnik. Damit solle der Druck auf Bundesagrarminister Horst Seehofer
(CSU) erhöht werden, sich für weitreichende Änderungen
des Gentechnikrechts einzusetzen, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber
der «Passauer Neuen Presse» (Montagausgabe).
Seine Fraktion werde im Mai einen Antrag vorlegen. Insbesondere solle
eine Rechtsgrundlage dafür geschaffen werden, dass sich Landkreise
verbindlich zu gentechnikfreien Zonen erklären können.
Außerdem gehe es um Änderungen bei Saatgutkennzeichnung sowie
Genehmigungsrecht. Die Union müsse hier «Farbe
bekennen», verlangte Kelber.
(Quelle: ddp)
Koalitionsparteien über Teilprivatisierung der Bahn einig
Di.29.04.08 - Die Koalitionsparteien haben sich am Montag auf eine Teilprivatisierung
der Bahn verständigt: Gemäß dem Vorschlag der SPD
sollen bis zu 24,9 Prozent des Personen - und Güterverkehrs an
private Investoren verkauft werden, wie SPD-Chef Kurt Beck,
Unionsfraktionschef Volker Kauder und CSU-Chef Erwin Huber in Berlin
mitteilten. Schienennetz und Bahnhöfe bleiben demnach
vollständig in staatlicher Hand. Zwei Drittel des Erlöses aus
der Teilprivatisierung sollten der Bahn zufließen, damit diese
ihre Infrastruktur ausbauen kann.
Außerdem wurde in der Koalitionsrunde eine Einigung über die
geplante Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen erzielt. Vertreter von
Union und SPD verständigten sich auf einen Steuerfreibetrag in
Höhe von 360 Euro im Jahr, um die Beteiligung von Arbeitnehmern an
Unternehmen zu fördern.
Im Anschluss wollten die Koalitionspartner noch über die Themen
Mindestlohn, Gesundheitsfonds und Erbschaftssteuer beraten. Mit
weiteren konkreten Ergebnisse wurde aber eher nicht gerechnet.
(Quelle: afp)
SPD-Fraktionschef Struck tritt bei Bundestagswahl 2009 nicht mehr an
Di.29.04.08 - SPD-Fraktionschef Peter Struck zieht sich Ende 2009 aus der
Bundespolitik zurück. Er stehe nicht wieder als SPD-Kandidat
für den Wahlkreis Celle/Uelzen zur Verfügung, teilte Struck am
Montag in einem Schreiben an die Mitglieder beider Unterbezirke mit.
Den Entschluss habe er gemeinsam mit seiner Familie getroffen. Er teile
dies so frühzeitig mit, damit an der Basis «in aller Sorgfalt
und Ruhe die Nachfolgefrage» geklärt werden könne.
Struck kündigte an, seine Aufgaben im Wahlkreis und als
Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion bis zur Neuwahl «in
gewohnter Weise und gerne» zu erfüllen. Er werde auch dazu
beitragen, dass die «gute Arbeit der SPD in der Regierung im
nächsten Wahlkampf deutlich wird», heißt es in Strucks
Brief. «Die SPD muss bei der nächsten Bundestagswahl wieder
stärkste Fraktion werden», betonte der Fraktionsvorsitzende.
Der SPD-Unterbezirk Uelzen/Lüchow-Dannenberg nahm die
Ankündigung von Struck «mit großem Respekt» auf.
Die SPD verliere damit einen der profiliertesten und markantesten
Politiker dieser Zeit, heißt es in einer Stellungnahme des
Unterbezirks. Dass Struck seine Entscheidung bereits eineinhalb Jahre
vor der nächsten Bundestagswahl bekanntgegeben habe, zeuge
«von seinem großen Format». So habe die SPD in der
Region die Möglichkeit, ein Nachfolgeverfahren in Gang zu setzen.
Der 65-jährige Struck ist seit 1980 Mitglied des Bundestages. Von
1998 bis 2002 sowie nunmehr seit November 2005 führt er die
SPD-Fraktion. Von 2002 bis 2005 war er Verteidigungsminister. Zusammen
mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther
Oettinger (CDU) leitet Struck zurzeit noch die
Föderalismuskommission II, die sich mit der Neuordnung der
Bund-Länder-Finanzbeziehungen befasst.
Bereits am Wochenende war bekanntgeworden, dass sich SPD-Fraktionsvize
Ludwig Stiegler 2009 aus der Bundespolitik zurückzieht
(Quelle: ddp)
Arbeitgeber drohen mit Ausstieg aus Bundesagentur für Arbeit
Di.29.04.08 - Die Arbeitgeber drohen mit dem Ausstieg aus den Gremien der
Bundesagentur für Arbeit (BA). Auslöser sei ein
Eckpunktepapier des Bundesarbeitsministeriums, berichtet der
"Kölner Stadt-Anzeiger". Dieses sehe vor, dass die Regierung der
BA per Rechtsverordnung vorschreiben könne, wie sie im Alltag die
Vermittlung, Qualifizierung und Betreuung von Arbeitslosen vorzunehmen
habe. "Das ist für mich eine Kriegserklärung", sagte Peter
Clever, Spitzenvertreter der Arbeitgeber im BA-Verwaltungsrat.
Der Arbeitgebervertreter wechselt sich mit DGB-Vorstandsmitglied
Annelie Buntenbach im Vorsitz des BA-Verwaltungsrats ab. "Bevor wir zum
reinen Erfüllungsgehilfen eines ministeriellen
Bürokratieapparates herabsteigen, steigen wir aus", sagte Clever.
In dieser Einschätzung sei er sich mit dem Deutschen
Gewerkschaftsbund einig. "Wir verbitten uns diese Art der
angekündigten Bevormundung durch die Ministerial-Bürokratie",
betonte Clever.
Das Bundesarbeitsministerium hatte zuvor mitgeteilt, auch heute schon
gebe es längst Zielvereinbarungen zwischen dem Arbeitsministerium
und der Bundesagentur für Arbeit. Auch die Steuerung der BA durch
das Ministerium sei "längst gängige Praxis". Diese geltende
Rechtslage solle im Rahmen der Neuausrichtung der
arbeitsmarktpolitischen Instrumente im Sinne einer Effizienzsteigerung
und größerer Transparenz gemeinsam mit der BA nochmal auf
den Punkt gebracht werden. Zugleich widersprach das Ministerium
Berichten, Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) wolle aus
Beitragseinnahmen bezahlte Mittel der BA verstärkt für
allgemeine Sozialpolitik einsetzen.
(Quelle: afp)
Ver.di stellt Absage des Poststreiks in Aussicht
Di.29.04.08 - In ihrem seit Wochen andauernden Tarifkonflikt haben sich ver.di und
die Deutsche Post grundsätzlich zu neuen Gesprächen bereit
erklärt, um einen unbefristeten Streik doch noch abzuwenden.
Bedingung für ein erneutes Treffen mit der Post-Spitze sei
allerdings ein Verzicht auf längere Arbeitszeiten für weite
Teile der Belegschaft, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende
Andrea Kocsis der «Bild»-Zeitung. Der flächendeckende
Ausstand könnte laut ver.di ab dem 2. Mai beginnen.
Konzernsprecher Uwe Bensien sagte am Montag, die Post habe die
Äußerungen Kocsis' zur Kenntnis genommen. Inhaltlich wollte
er sich aber nicht dazu äußern. «Das muss am
Verhandlungstisch geklärt werden, und wir haben immer gesagt, dass
wir uneingeschränkt gesprächsbereit sind», betonte er.
Seit Freitag entscheiden rund 100.000 ver.di-Tarifbeschäftigte
über einen unbefristeten Streik ab dem 2. Mai. Die Gewerkschaft
erwartet in der bis zum (morgigen) Dienstag dauernden Urabstimmung eine
breite Zustimmung. «Bislang läuft die Abstimmung
bombig», sagte ver.di-Sprecher Günter Isemeyer. «Wir
wollen keinen Streik um jeden Preis, aber wenn es dazu kommt, sind wir
bereit», betonte er. Das Ergebnis soll am Mittwoch verkündet
werden.
Mit einem unbefristeten Streik will die Gewerkschaft ihre Forderungen
nach sieben Prozent mehr Lohn, einer Verlängerung des
Kündigungsschutzes und dem Verzicht auf längere Arbeitszeiten
durchsetzen. Eine erste Offerte der Post hatte die Tarifkommission
abgelehnt. Sie sieht eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, eine
Verlängerung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde pro Woche und
eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni
2011 vor. Ver.di erklärte, die Annahme des Post-Angebots
würde die Vernichtung von 12.500 Jobs bedeuten.
(Quelle: ap)
'Europäischer Friedensrat Türkei' gegründet
Di.29.04.08 - Der erste "Europäische Friedensrat Türkei" ist am Wochenende
in Düsseldorf gegründet worden. Die Initiative wolle für
eine friedliche Annäherung zwischen Türken und Kurden auf
sozialem und kulturellem Gebiet in der Türkei und in Deutschland
sorgen, betonte Friedensrat-Sprecher Mautat Cakir am Samstag auf der
Gründungsversammlung vor mehreren hundert Teilnehmern. Auch auf
diplomatischer Ebene wolle man auf die politisch Verantwortlichen
einwirken. Vertreter der deutschen Friedensbewegung sagten dem neu
gegründeten Friedensrat ihre Unterstützung zu.
Zu den Hauptzielen der neuen Initiative gehört nach eigenen
Angaben eine friedliche Lösung für den
türkisch-kurdischen Konflikt. Zu den Aufgaben gehörten sowohl
"Aufklärung über die Zustände in der Türkei und in
Kurdistan" als auch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit in
Europa. Der Europäische Friedensrat Türkei begreife sich dabei
auch als Teil der europäischen Friedensbewegung, sagte Sprecher
Cakir. In diesem Rahmen wolle die Initiative auch gegen eine
befürchtete Militarisierung der EU-Außenpolitik vorgehen.
Der Bundestagsabgeordnete Norman Paech von der Linkspartei forderte die
Bundesregierung dazu auf, den Beitrittsprozess der Türkei zur
Europäischen Union zu nutzen, um eine politische Lösung des
Konflikts zwischen Türken und Kurden zu erreichen. Peter Strutynski
vom Bundesausschuss Friedensratschlag, ein bundesweiter Zusammenschluss
von Friedensinitiativen, betonte, in einer "Situation, in der die
Türkei einen Krieg gegen die Kurden führt", sei die
Gründung des Europäischen Friedensrates Türkei
notwendiger denn je.
(Quelle: epd)