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Irak am 1499sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mehr als 30 Tote bei neuen Gefechten in Bagdad - Unter den Opfern
zahlreiche Zivilpersonen. Prozess gegen irakischen
Exaußenminister Asis begonnen. US-Soldaten wegen
Tötung eines verletzten Irakers vor Militärgericht
Mi.30.04.08 - Die anhaltenden Kämpfe zwischen schiitischen Milizen sowie
irakischen und US-Truppen im Bagdader Stadtteil Sadr City haben am
Dienstag mehr als 30 Menschen das Leben gekostet. Unter den Opfern
waren nach Krankenhausangaben zahlreiche Zivilpersonen, Dutzende
Menschen wurden verletzt. In der Hauptstadt begann unterdessen der
Prozess gegen den früheren Außenminister Tarik Asis, der
sich zusammen mit sieben weiteren Angeklagten vor Gericht wegen
Gräueltaten während der Herrschaft von Präsident Saddam
Hussein verantworten muss.
Rund 25 Menschen wurden nach Krankenhausangaben bei Gefechten nach
einem Angriff schwer bewaffneter schiitischer Extremisten auf eine
amerikanische Patrouille getötet. Zuvor kamen bei Kämpfen
acht Menschen ums Leben, 67 weitere erlitten Verletzungen. Im Norden
Bagdads kam ein ranghoher Regierungsmitarbeiter bei einem
Bombenanschlag ums Leben, wie das Arbeitsministerium mitteilte.
Der Prozess gegen Exaußenminister Asis und seine Mitangeklagten
begann mit mehrstündiger Verzögerung. Als Grund nannte
Richter Rauf Abdul Rahman «organisatorische
Maßnahmen». Er vertagte das Verfahren anschließend
auf den 20. Mai.
In dem Prozess - der vierte gegen führende Mitglieder des 2003
gestürzten Regimes - geht es um die Hinrichtung von 42
Händlern im Jahr 1992, denen die Regierung vorwarf, am drastischen
Anstieg der Preise von Lebensmitteln schuld zu sein. Der Irak hatte
damals mit den Folgen von UN-Sanktionen gegen das Land zu kämpfen.
Zu den Angeklagten zählt auch Saddams Halbbruder Watban Ibrahim al
Hassan und ein Cousin des hingerichteten Ex-Diktators, Ali Hassan al
Madschid, genannt «Chemie-Ali». Dieser wurde bereits in
einem anderen Prozess wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit zum Tode verurteilt. Bei Prozessbeginn am Dienstag war
er nach Angaben von Richter Abdul Rahman aus Gesundheitsgründen
nicht anwesend. Der 72 Jahre alte Asis betrat den Gerichtssaal auf
einen Stock gestützt. Seinem Anwalt Giovanni Di Stefano zufolge
wies er die Vorwürfe zurück. Saddam Hussein wurde im Jahr
2006 hingerichtet.
Vor einem Militärgericht im US-Staat Texas hat am Montag der
Prozess gegen einen Soldaten begonnen, der einen verletzten irakischen
Aufständischen getötet haben soll. Die Anklage erklärte,
der Soldat habe im vergangenen Juni in Mukdadija zwei Mal auf das Opfer
geschossen, in den Bauch und in den Kopf. Zuvor habe er einen
Sanitäter angewiesen, den Iraker zu ersticken. Der Soldat soll
außerdem einen Kameraden aufgefordert haben, eine Waffe neben die
Leiche zu legen.
Militärstaatsanwalt Jacob Wolf erklärte, der Angeklagte und
andere Soldaten hätten sich ein Feuergefecht mit
Aufständischen geliefert. Dann seien sie einer Blutspur gefolgt,
die zu einem Iraker mit zahlreichen Schusswunden geführt habe. Der
Angeklagte habe den Iraker mit einem Kopfschuss getötet.
Der Anwalt des Angeklagten führte an, Augenzeugen hätten
unterschiedliche Angaben zu den Abläufen in Mukdadija gemacht. Auch
Fotos der Leiche stützten die Angaben der Anklage nicht. Der
Aufständische habe eine Gefahr dargestellt, auch wenn er verletzt
gewesen sei. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung lebenslange
Haft.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 30.04.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mo.30.04.07 - Bewaffnetes Kommando erschießt bekannte TV-Journalistin in Bagdad
- Seit Einmarsch der US-Truppen im Irak wurden mehr als 150
Journalistinnen und Journalisten getötet +++ Tote bei Explosion einer
Autobombe in Basra +++ UN-Generalsekretär Ban fordert vor
Irak-Konferenz Überstützung für Bagdad +++ Iran nimmt an
Irak-Konferenz teil...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0704300.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan: 19 Tote bei Taliban-Angriff auf Anti-Drogen-Einheit
Mi.30.04.08 - Bei einem Angriff der radikal-islamischen Taliban auf eine
Anti-Drogen-Einheit sind am Dienstag 19 Afghanen getötet worden,
darunter auch sieben Zivilisten.
Ein Selbstmordattentäter habe zunächst die Gruppe von
Politikern, Stammesältesten und Polizisten angegriffen, als ein
Regierungsgebäude nahe der östlich gelegenen
Provinzhauptstadt Dschalalabad verließen, teilte das
Innenministerium mit. Bei dem Treffen sei es um die Bekämpfung des
Mohnanbaus in der Region gegangen. Nach dem Anschlag hätten
Taliban-Kämpfer zudem einheimische Sicherheitskräfte mit
Granaten und kleineren Waffen beschossen.
Nach Augenzeugenangaben kamen bei den Angriffen in der Provinz
Nangarhar auch zwei Kinder ums Leben. Unter den 41 Verletzten befinden
sich nach Angaben des Rundfunksenders ABC auch zwei australische
Journalisten. Mitglieder der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe
Isaf hielten sich in der Nähe der Anschlagsorte auf, blieben aber
unverletzt.
"Dieser Anschlag zeigt, dass der Anbau und die Produktion von Drogen
untrennbar mit dem Terrorismus verwoben ist", teilte das
Innenministerium weiter mit. Mit einem Anteil von 93 Prozent ist
Afghanistan mit Abstand der größte Produzent von Opium, aus
dem wiederum Heroin hergestellt werden kann.
(Quelle: rtr)
UN befürchten beispiellose Unruhen wegen Hungerkrise
Mi.30.04.08 - Angesichts der derzeitigen weltweiten Lebensmittelkrise haben die
Vereinten Nationen vor «sozialen Unruhen von noch nie dagewesenem
Ausmaß» gewarnt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon
kündigte am Dienstag nach Beratungen mit den Leitern mehrerer
UN-Organisationen in Bern an, persönlich eine Sonderarbeitsgruppe
der Vereinten Nationen zur globalen Nahrungsmittelkrise zu leiten.
«Die erste und unmittelbarste Priorität besteht darin, dass
wir den Hungernden zu essen geben», sagte er.
Vordringlich sei dabei die Beschaffung von 755 Millionen Dollar (483
Millionen Euro), die das Welternährungsprogramm (WFP)
benötige, erklärte Ban. Es müsse aber mehr getan werden,
als den Menschen in Not Lebensmittel zur Verfügung zu stellen, wie
dies bei früheren Krisen der Fall gewesen sei. «Wir
müssen auch die Nahrung von Morgen garantieren»,
erklärte Ban. Im Zuge der beschlossenen Maßnahmen wolle die
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Bauern in den
ärmsten Ländern der Welt für 1,7 Milliarden Dollar (1,09
Milliarden Euro) Saatgut zur Verfügung stellen.
«Wir müssen alles tun, um diesen Bauern zu helfen»,
sagte Ban. Er hoffe, dass die Führer der Welt auf einem Treffen im
Juni in Rom Wege fänden, um die Krise anzugehen. Leider habe die
internationale Gemeinschaft frühere Warnungen der FAO und anderer
missachtet. «Dieses Mal werden die gesamten Vereinten Nationen
diese Frage angehen», sagte Ban.
Es gebe zahlreiche Ursachen für die Krise, unter anderem seien
dies auch der globale Klimawandel und längere Dürreperioden,
sagte er. Ban zählte auch geändertes Verbraucherverhalten in
großen Entwicklungsländern sowie den Anbau von
Feldfrüchten für die Gewinnung von Biotreibstoff dazu.
Ein besonderes Augenmerk müsse auf Afrika gerichtet werden,
forderte Ban später bei einer Rede am europäischen UN-Sitz in
Genf. Afrika könne schon in wenigen Jahren in der Lage sein, seine
Nahrungsmittelproduktion zu verdoppeln. Dazu seien «relativ
bescheidene acht bis zehn Millionen Dollar jährlich»
nötig, sagte Ban. Und er fügte hinzu: «Tatsächlich
ist Afrika alles andere als ein verlorener Kontinent».
FAO-Generaldirektor Jacques Diouf rief dazu auf, auch die Chancen der
aktuellen Nahrungsmittelkrise zu sehen und die Landwirtschaft
umzubauen, um künftig eine derartige Krise zu vermeiden. Er sprach
sich unter anderem für eine Förderung der Kleinbauern aus.
Sie müssten besseren Zugang zu Land und Wasserressourcen sowie
Saatgut haben. Damit könnten sie ihre Ernteerträge und
zugleich ihr Einkommen verbessern. Von der erhöhten Produktion
würden am Ende auch die Verbraucher profitieren.
Weltbank-Präsident Robert Zoellick, der auch an dem Treffen in
Bern teilnahm, erklärte, rund 100 Millionen Menschen seien in den
vergangenen beiden Jahren in die Armut getrieben worden. «Das ist
keine Naturkatastrophe», sagte Zoellick. Dem WFP seien zwar schon
475 Millionen Dollar (304 Millionen Euro) zugesagt worden, die
Organisation brauche aber noch mehr Geld. «Diese Krise ist auch
dann noch nicht vorbei, wenn die Nothilfe geleistet wurde.»
(Quelle: rtr)
China verhängt lebenslange Haft für Tibet-Demonstranten
Mi.30.04.08 - Sechs Wochen nach den Protesten in Tibet hat China in den ersten
Prozessen gegen Demonstranten harte Urteile gesprochen.
Das öffentlich tagende Volksgericht verhängte in der
tibetischen Hauptstadt Lhasa unter anderem eine lebenslange Haft gegen
einen buddhistischen Mönch, der zur Gewalt angestiftet und an der
Brandschatzung von Geschäften beteiligt gewesen sein soll.
China hat nach den gewaltsamen Demonstrationen Mitte März mehr als
tausend Menschen festgenommen. Das harte Durchgreifen löste eine
internationale Diskussion über einen Boykott der Olympischen
Sommerspiele in Peking aus. Der Olympische Fackellauf wurde in
Städten wie London, Paris oder San Francisco massiv gestört.
Im ersten Prozess nach dem Aufruhr standen 17 Angeklagte vor Gericht,
von denen keiner unter drei Jahren Haft davonkam. Zur
Urteilsverkündung waren nach einem Bericht des staatlichen
Fernsehens mehr als 200 Menschen im Saal, darunter zahlreiche
buddhistische Mönche und "Massen aus allen
Gesellschaftsschichten". Die Justiz hatte schnelle und harsche Urteile
angekündigt, um die für mehr Autonomie kämpfende
tibetische Bewegung abzuschrecken.
Ein Exempel statuierte das Gericht im Fall des Mönches Basang aus
dem Bezirk Doilungdeqen, der lebenslang ins Gefängnis muss. Er
soll eine Gruppe von zehn Demonstranten, darunter fünf
Mönchen, angeführt und zur Zerstörung von
Verwaltungsgebäuden angestiftet haben. Demnach überfiel die
Gruppe zudem elf Geschäfte, brannte sie nieder und plünderte
sie. Die Anklage warf ihm nicht zuletzt Widerstand gegen die
Staatsgewalt vor.
Lebenslänglich erhielt auch der 1988 geborene Soi'nam Norbu. Der
Fahrer einer Immobiliengesellschaft soll auf einem Platz in der
Nähe des Klosters Johkang Autos in Brand gesetzt, Steine auf
Polizeistationen und Löschfahrzeuge geworfen und
Feuerwehrmänner angegriffen haben. Offiziellen Angaben zufolge
wurden bei den Protesten mehr als 130 Gebäude beschädigt und
908 Geschäfte ausgeraubt.
Auch auf der politischen Ebene deuten die Zeichen auf eine
Verhärtung hin. Es gebe nichts Neues zum Dialog mit der
tibetischen Exil-Regierung, sagte eine Sprecherin des
Außenministeriums in Peking. "Die Fragen im Zusammenhang mit
einem Dialog oder Kontakt müssen noch beraten werden." Vor wenigen
Tagen hatte China unter dem internationalen Druck scheinbar eingelenkt
und am Rande eines EU-China-Gipfeltreffens Gespräche mit
Vertretern des Dalai Lama versprochen.
Chinesische Juristen warfen der Regierung vor, sie wegen der
Verteidigung von Bürgerrechten zu schikanieren oder dabei
systematisch zu behindern. "Anwälte stoßen auf große
Hindernisse wenn sie Bürger verteidigen, deren Rechte verletzt
wurden, oder auch bei der Vertretung von Kriminellen", erklärte
die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. "China hat noch
einen langen Weg zu einer rechtstaatlichen Ordnung vor sich."
(Quelle: rtr)
Spannungen zwischen Russland und Georgien weiter verschärft --
Moskau will Truppenkontingent in Abchasien und Südossetien
aufstocken -- EU mahnt zur Zurückhaltung
Mi.30.04.08 - Die Spannungen zwischen Russland und der früheren Sowjetrepublik
Georgien haben sich weiter verschärft: Das russische
Verteidigungsministerium kündigte am Dienstag eine Aufstockung
seinen Truppenkontingents in den abtrünnigen georgischen Provinzen
Abchasien und Südossetien an. Der georgische Außenminister
David Bakradse sprach von einer «sehr, sehr gefährlichen
Entscheidung». Seine Regierung sei vorher nicht konsultiert
worden, sagte der der Nachrichtenagentur AP .
Abchasien und Südossetien haben in den vergangenen Jahren
weitgehende Unabhängigkeit genossen und wurden dabei von Russland
unterstützt. Die georgische Regierung besteht jedoch darauf, dass
die Provinzen weiterhin zu ihrem Territorium gehören. Im Februar
hatte die Regierung Abchasiens die internationale Gemeinschaft gebeten,
ihre Unabhängigkeit anzuerkennen. Das abchasische Parlament berief
sich dabei auf die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos.
Der Streit um den Status Abchasiens und Südossetiens hat die
ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis angeheizt.
Russland hat in beiden Regionen Soldaten als Friedenstruppen
stationiert. Die georgische Regierung wirft den russischen Truppen dort
vor, die Separatisten zu unterstützen. Das russische
Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag, Georgien habe seine
Truppen um die beiden Regionen herum verstärkt, deshalb
müssten auch die russischen Friedenstruppen in den Konfliktzonen
aufgestockt werden.
In der vergangenen Woche hatte Russland mit militärischen
Maßnahmen gedroht, sollte es in Abchasien und Südossetien zu
Gefechten kommen. Es war die bislang schärfste Drohung Russlands
gegen Georgien. Wenige Tage zuvor war eine georgische
Aufklärungsdrohne über Abchasien abgeschossen worden.
Russland hat georgische Vorwürfe zurückgewiesen, dafür
verantwortlich zu sein.
Die Europäische Union mahnte Russland zur Zurückhaltung. Der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana kritisierte die Entscheidung,
die Truppen in Abchasien und Südossetien zu verstärken, am
Dienstag als unklug.
(Quelle: ap)
Türkei ändert Gesetz über 'Beleidigung des
Türkentums'
Mi.30.04.08 - Das türkische Parlament hat das umstrittene Gesetz zur
«Beleidigung des Türkentums» geändert. Die
Abgeordneten stimmten mit 250 zu 65 Stimmen für den von der
Regierung unterstützten Vorschlag, den Artikel 301 des
Strafgesetzbuches zu reformieren. Kritiker sehen in dem Gesetz eine
Einschränkung der Meinungsfreiheit. Auf seiner Grundlage wurde
unter anderen der Schriftsteller Orhan Pamuk strafrechtlich verfolgt.
Die EU hat die Türkei wiederholt zur Änderung des Gesetzes
aufgefordert. Die Gesetzesreform ist eine der wesentlichen
Voraussetzungen für Fortschritte in den Gesprächen über
eine EU-Mitgliedschaft der Türkei.
(Quelle: ap)
EU unterzeichnet Stabilisierungsabkommen mit Serbien
Mi.30.04.08 - Die Europäische Union wollte am Dienstag ein Stabilisierungs- und
Assoziationsabkommen mit Serbien unterzeichnen, das als erster Schritt
zu einem EU-Beitritt gilt. Das teilte der slowenische EU-Vorsitz in
Luxemburg mit. Vorbehalte der Niederlande und Belgiens seien aufgehoben
worden. Die Niederlande hatten zur Bedingung gemacht, dass Belgrad den
wegen Kriegsverbrechen angeklagten früheren bosnisch-serbischen
Militärchef Ratko Mladic ausliefert. Bereits Ende Januar hatten die
Niederlande mit ihrem Veto eine Unterzeichnung des Abkommens verhindert.
Laut einem europäischen Diplomaten einigten sich die 27 EU-Staaten
auf "bestimmte Bedingungen", unter denen das Abkommen in Kraft treten
soll. Details wurden vorerst nicht genannt. Mit der Unterzeichnung des
seit Monaten auf Eis liegenden Abkommens will die EU vor den
Parlamentswahlen in Serbien am 11. Mai ein deutliches Signal zur
Unterstützung der prowestlichen Kräfte geben. Die Niederlande
und Belgien hatten zuvor zur Bedingung gemacht, das Abkommen könne
erst dann in Kraft treten, wenn Serbien voll mit dem
UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien zusammenarbeitet.
Gegen ein neues Partnerschaftsabkommen der EU mit Russland gibt es
weiter Vorbehalte aus Osteuropa. Litauen will dem Beginn der seit rund
18 Monaten auf Eis liegenden Verhandlungen bisher nicht zustimmen, wie
Außenminister Petras Vaitiekunas vor dem EU-Ministerrat in
Luxemburg deutlich machte. Das vom slowenischen EU-Vorsitz aufgesetzte
Verhandlungsmandat sei in seiner jetzigen Form "nicht zufriedenstellend".
Damit können die EU-Außenminister heute womöglich nicht
in der nötigen Einstimmigkeit das Mandat für den Beginn der
Verhandlungen beschließen. Auch ob ein Beschluss vor dem ersten
Gipfeltreffen der EU mit dem designierten russischen Präsidenten
Dmitri Medwedew Ende Juni möglich ist, ließ der litauische
Chefdiplomat offen.
Die EU will das alte Partnerschaftsabkommen mit Russland von 1997
ersetzen. Europa erhofft sich davon mehr Zuverlässigkeit bei
russischen Öl- und Gaslieferungen. Litauen will bei den
Verhandlungen aber eine Reihe von Streitpunkten mit Moskau
berücksichtigt wissen. Unter anderem will der Baltenstaat Moskau zu
einer Zusammenarbeit bei der Aufklärung mutmaßlicher
Sowjet-Verbrechen kurz vor der Unabhängigkeit des Landes zwingen.
Litauen war bis 1991 Teil der Sowjetunion.
(Quelle: afp)
Italien: Rechtskandidat gewinnt Bürgermeister-Stichwahl in Rom
Mi.30.04.08 - Bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Rom hat sich Gianni
Alemanno von der ehemals neofaschistischen Nationalen Allianz
durchgesetzt.
Der 50-Jährige konnte vorläufigen Ergebnissen vom Montagabend
zufolge 53,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen und schlug damit
seinen Konkurrenten Francesco Rutelli von der Demokratischen Partei.
Nach dem Machtverlust bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen bedeutet
das Ergebnis eine weitere schwere Schlappe für das
Mitte-links-Lager, das Rom während eines Großteils der
vergangenen 30 Jahre und zuletzt ununterbrochen seit 1993 regierte.
Der designierte Ministerpräsident Silvio Berlusconi, zu dessen
Rechtsbündnis die Nationale Allianz gehört, sprach von einem
"historischen Sieg", der den Erfolg der Parlamentswahl festige.
Alemanno, der unter Berlusconi in der Vergangenheit als Agrarminister
diente, sagte, ein "scheinbar perfektes Machtsystem" sei
zusammengebrochen und verschwunden. Zugleich kündigte er an, er
werde ein Bürgermeister für alle Römer sein. Alemanno ist
allerdings dafür kritisiert worden, dass er eine Kette mit einem
Keltenkreuz trage. Dieses gilt als Symbol der extremen Rechten.
(Quelle: rtr)
BP und Shell mit Milliardengewinnen dank Ölpreisrekord
Mi.30.04.08 - Der steigende Ölpreis spült immer höhere
Milliardengewinne in die Kassen der Konzerne.
Royal Dutch Shell und BP übertrafen am Dienstag mit deutlichen
Ergebnissteigerungen die Erwartungen der Analysten. Der Preis für
Rohöl hatte im Januar erstmals die Marke von 100 Dollar je Barrel
(159 Liter) durchbrochen. Seitdem stieg der Preis auf einen Rekord von
knapp 120 Dollar. Positiv auf die Ergebnisse der Ölkonzerne
wirkten sich auch die hohen Gaspreise in den USA und Europa aus. An den
europäischen Börsen legten Öl-Aktien nach Bekanntgabe
der Quartalsergebnisse zu.
Ohne Sonderposten sprang BPs Nettogewinn um 48 Prozent auf 6,49
Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilte. Damit übertraf
BP die Markterwartungen. Von Reuters befragte Experten hatten im
Durchschnitt mit lediglich 5,31 Milliarden Dollar gerechnet. Auch der
Konkurrent Royal Dutch Shell, nach dem US-Konzern Exxon die Nummer Zwei
der Branche, konnte sein Ergebnis nach eigenen Angaben im
Berichtszeitraum um zwölf Prozent auf 7,85 Milliarden Dollar
steigern. Hier hatten Experten mit 6,84 Milliarden Dollar gerechnet.
Analysten zeigten sich von den Bilanzdaten beeindruckt. "Die Zahlen
haben den Investoren die Augen geöffnet. Sie zeigen, was die hohen
Rohstoffpreise wirklich für die Gewinne im Ölsektor
bedeuten," sagte Fortis-Analyst Paul Andriessen. Die Daten dürften
zudem zu einer Neubewertung der Öl-Aktien insgesamt führen.
Die Erwartungen an andere Ölkonzerne, die in Kürze ihre
Kennzahlen vorlegen, seien nun gestiegen, sagten Analysten. Dazu
zählten die US-Unternehmen Exxon Mobil und Chevron sowie der
britische Gasproduzent BG Group. Auch für das zweite Quartal sieht
es Experten zufolge rosig für die Branche aus. "Der Ausblick
bleibt stark im zweiten Quartal. Die Ölpreise dürften sich im
Durchschnitt auf 107 Dollar belaufen," sagte Citigroup-Analyst James
Neale.
Der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell
steigerte seinen Umsatz in den ersten drei Monaten auf 114,3 Milliarden
Dollar von 73,5 Milliarden Dollar. Die Aktionäre sollen nur
für das Quartal 40 Cent je Aktie bekommen. Das seien elf Prozent
mehr als im Vorjahresquartal. BP - der drittgrößte
Ölkonzern der Welt - steigerte seinen Umsatz im gleichen Zeitraum
auf 89,2 Milliarden Dollar von 62 Milliarden Dollar. Die Dividende soll
um 31 Prozent auf 13,5 Cent je Aktie angehoben werden.
Die an der Londoner Börse gehandelten Shell-Aktien kletterten um
5,1 Prozent auf 2021 Pence. BP-Papiere sprangen um 5,2 Prozent auf
608,5 Pence. Der DJ-Stoxx-Index für den europäischen Öl-
und Gassektor erhöhte sich um 2,9 Prozent.
(Quelle: rtr)
Energieexpertin Kemfert will Sondersteuer auf Gewinne der Ölbranche
Mi.30.04.08 - Die Energieexpertin Claudia Kemfert regt angesichts kräftiger
Gewinnsteigerungen bei Mineralölkonzernen eine Sondersteuer auf
hohe Gewinne in der Branche an. In den USA werde über eine solche
Sondersteuer diskutiert, sagte die Expertin des Deutschen Instituts
für Wirtschaftsforschung (DIW) der «Neue Ruhr/Neue Rhein
Zeitung». Diese Idee, die ausgerechnet aus dem Mutterland der
freien Märkte komme, «könnte auch für Deutschland
interessant sein».
Einnahmen aus einer derartigen Sondersteuer könnten dann der
Mineralölwirtschaft wieder zufließen, um die Entwicklung
alternativer Kraftstoffe und Antriebe zu beschleunigen, erklärte
Kemfert. «Die Politik kann das nicht alleine stemmen.» Die
Energieexpertin findet eine solche Sondersteuer auf Konzerngewinne
besser als eine Steuersenkung bei den Spritpreisen: Denn diese
führe nicht automatisch zu niedrigeren Verkaufspreisen an der
Tankstelle. «Die Mineralölkonzerne könnten die
Gelegenheit nutzen, um in Deutschland ihre vergleichsweise niedrigen
Gewinnmargen zu vergrößern. Besser wäre es deshalb,
nachhaltige Mobilitätskonzepte durch finanzielle
Unterstützung voranzutreiben.»
(Quelle: ap)
Verbraucher gewinnen Prozess gegen Gaspreiserhöhung
Mi.30.04.08 - Verbraucher müssen nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs
Gaspreiserhöhungen nicht bezahlen, wenn ihre Verträge
einseitig nur Verteuerungen und nicht auch Preissenkungen vorsehen. Mit
dem am Dienstag verkündeten Urteil haben rund 160 Privatkunden aus
Sachsen ihren Prozess gegen den Gasversorger ENSO endgültig
gewonnen. Sie müssen vier Preiserhöhungen in den Jahren 2005
und 2006 nicht bezahlen.
Die Verbraucherzentrale Sachsen wertete das Urteil als
«Meilenstein im Kampf gegen die ständig steigenden
Gaspreise». Es gehe auch darum, «den in der Vergangenheit
bei der Preisgestaltung oft nach Gutsherrenart verfahrenden
Gasversorgern die Schranken des Gesetzes aufzuzeigen und deutlich zu
machen, dass Verbraucher nicht rechtlos sind», sagte
Verbandsjuristin Bettina Dittrich.
Bei den 160 Klägern handelt es sich nicht um Tarifkunden, sondern
um sogenannte Sonderkunden mit einem über zwei Jahre geltenden
Vertrag. Das Gasunternehmen hatte in den Verträgen festgelegt, dass
gestiegene Kosten zur Preiserhöhung berechtigen. Eine Pflicht zur
Weitergabe auch fallender Kosten durch Preissenkungen war dagegen nicht
vorgesehen.
Wie bereits vom Landgericht und vom Oberlandesgericht Dresden wurde
diese Klausel jetzt auch vom BGH als unangemessene Benachteiligung der
Kunden für ungültig erklärt. Denn die Folgen von
Schwankungen des Einkaufspreises würden einseitig dem Kunden
auferlegt, so die Begründung des BGH-Kartellsenats. Die
Bundesrichter wiesen darauf hin, dass Gasversorger bei Tarifkunden ohne
Sondervertrag von Gesetzes wegen verpflichtet sind, sowohl
Kostensteigerungen als auch Kostensenkungen nach den gleichen
Maßstäben zu berücksichtigen.
Folge des Urteils ist, dass ENSO für die Dauer der
Vertragslaufzeit von zwei Jahren keine Preiserhöhungen durchsetzen
kann. Erst am Ende der Vertragsdauer von zwei Jahren kann sowohl das
Unternehmen als auch der Verbraucher den Vertrag kündigen.
(Aktenzeichen: Bundesgerichtshof KZR 2/07)
(Quelle: ap)
Finanzkrise reißt neue Milliardenlöcher bei Banken auf
Mi.30.04.08 - Die seit Monaten andauernde Finanzkrise hat die deutschen Banken weiter
fest im Griff und zwingt sie zu Jahresbeginn zu neuen
Milliardenabschreibungen.
Marktführer Deutsche Bank musste im Auftaktquartal den ersten
Verlust seit fünf Jahren hinnehmen. Beim Versicherungsriesen
Allianz drückten weitere Wertberichtigungen der Tochter Dresdner
Bank auf das Ergebnis. Besonders finster sieht es bei der Krisenbank
IKB aus: Hier summierten sich die Verluste in der ersten Hälfte
des Geschäftsjahres 2007/08 auf fast eine Milliarde Euro. Nach
Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) müssen
sich die deutschen Banken auf weitere Milliardenbelastungen und
sinkende Gewinne einstellen.
"Im ersten Quartal war die Lage an den Finanzmärkten so schwierig
wie noch nie zuvor in der jüngeren Geschichte", sagte
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Dienstag bei Vorlage der Zahlen.
"Im März nahm der Druck auf den Bankensektor das bisher
größte Ausmaß seit Ausbruch der Finanzmarktkrise an."
Das Institut musste in den ersten drei Monaten weitere 2,7 Milliarden
Euro abschreiben und damit mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Vor
Steuern verbuchte die Deutsche Bank einen Verlust von 254 Millionen
Euro - ohne Beteiligungsverkäufe wäre das Minus noch deutlich
höher ausgefallen.
Im April zeichnete sich an den Kreditmärkten eine leichte
Entspannung ab. Viele Analysten gehen daher davon aus, dass das
Schlimmste der Krise mittlerweile überwunden sei. "Das Gros der
Abschreibungen liegt hinter uns", sagt Bankexperte Christopher Wheeler
von Bear Stearns. "Jetzt kommt es darauf an zu zeigen, wie man wieder
Erträge generieren kann."
S&P zufolge gehören die deutschen Banken zu den am
stärksten von der Krise betroffenen Instituten. Sie hätten
verstärkt in einst renditeträchtige komplexe Anleiheprodukte
investiert, um niedrigere Margen im Inlandsgeschäft auszugleichen.
Ein Beispiel hierfür ist die IKB, die sich als deutsche
Mittelstandsbank in großem Stil mit US-Ramschhypotheken
verspekuliert hat. Sie musste mit Hilfen über 8,5 Milliarden Euro
vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die staatliche
Hauptaktionärin KfW sucht seit Monaten einen Käufer für
die Bank, die noch immer riskante Wertpapiere in Milliardenhöhe in
ihren Büchern hat. Der IKB zufolge gibt es neun Kaufinteressenten
aus dem In- und Ausland.
Von den größeren Privatbanken ist die Dresdner Bank mit am
stärksten von der Krise betroffen. Die Belastungen seit Ausbruch
der Finanzkrise Mitte 2007 summieren sich mittlerweile auf rund 2,5
Milliarden Euro, allein in den ersten drei Monaten dieses Jahren waren
es 900 Millionen Euro. Für die Allianz entwickelt sich die Tochter
damit immer mehr zum Bremsklotz. Der Konzern-Überschuss brach zu
Jahresbeginn um zwei Drittel auf 1,1 Milliarden Euro ein. Analysten
erwarten schon länger einen baldigen Verkauf der Banktochter. Die
Allianz stellte unlängst die Weichen, indem sie die Dresdner Bank
in das Investmentbanking und das Privatkundengeschäft aufspaltete.
Die Finanzkrise macht die Vorstände immer zurückhaltender,
was Prognosen für das laufende Jahr angeht. Die Deutsche Bank
kassierte wegen des unsicheren Marktumfeldl endgültig ihre
Ergebnisziele für 2008. Vor allem im Anleihehandel brechen dem
Institut die Erträge weg. Die Allianz hielt zwar an ihrem Ziel
eines jährlichen Wachstums beim operativen Gewinn von
durchschnittlich zehn Prozent bis 2009 fest. Dies werde aber umso
schwieriger, je länger die Krise dauere, räumte Finanzchef
Helmut Perlet ein.
Die Bankenexperten von S&P erwarten einer neuen Studie zufolge
für die großen deutschen Institute 2008 im Schnitt einen bis
zu 20-prozentigen Rückgang des Vorsteuergewinns. "Ausmaß und
Dauer der Marktverwerfungen sind derzeit unsere größte
Sorge", erklärte S&P-Kreditanalyst Stefan Best. Gründe
für den Druck auf die Ergebnisse seien auch niedrigere
Erträge im Großkunden- und Kapitalmarktgeschäft und die
teurer gewordene Refinanzierung. S&P erwartet aber nur geringe
Auswirkungen auf die Ratings der deutschen Geldhäuser. Die Agentur
gehe weiter von einer guten Qualität der inländischen Kredite
aus.
Anders als bei vielen Konkurrenten in den USA, der Schweiz oder
Großbritannien gibt es bei den deutschen Großbanken trotz
der Abschreibungen derzeit offenbar keinen Bedarf für eine
Kapitalerhöhung. So liegt die Kernkapitalquote bei der Deutschen
Bank mit 9,2 Prozent vergleichsweise hoch. Dagegen kündigte der
größte britische Hypothekenversicherer HBOS an, rund
fünf Milliarden Euro bei seinen Aktionären einsammeln zu
wollen. Weltweit haben die Institute wegen der Krise mittlerweile mehr
als 140 Milliarden Euro abgeschrieben.
(Quelle: rtr)
Höchster Anstieg der Tarifverdienste seit zwölf Jahren -- Im
Januar plus 3,3 Prozent für Arbeiter und Angestellte -- DGB fordert
weitere kräftige Reallohnerhöhrungen
Mi.30.04.08 - Die Tarifverdienste der Arbeiter und Angestellten in Deutschland sind
so stark gestiegen wie seit rund zwölf Jahren nicht mehr. Im Januar
2008 erhöhten sich sowohl Stundenlöhne als auch
Monatsgehälter um durchschnittlich 3,3 Prozent gegenüber dem
Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden
mitteilte. Um mehr als drei Prozent hatten die Einkommen bundesweit
zuletzt Mitte 1996 zugelegt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert zum
1. Mai weitere kräftige Reallohnerhöhungen und einen
Mindestlohn.
Die höchsten durchschnittlichen Tarifsteigerungen gab es dem
Bundesamt zufolge im Januar 2008 im öffentlichen Dienst mit einer
Erhöhung von im Schnitt 4,4 Prozent bei den Angestellten und sogar
5,5 Prozent bei den Arbeitern. Grundsätzlich unterscheiden die
Statistiker zwischen Monatsgehältern von Angestellten und
Stundenlöhnen von Arbeitern.
Im verarbeitenden Gewerbe stiegen die tariflichen Monatsgehälter
der Angestellten dem Bundesamt zufolge durchschnittlich um 3,7 Prozent.
Überdurchschnittliche Erhöhungen gab es für die
Angestellten unter anderem im Schiffbau (plus 7,1 Prozent) und in der
Tabakverarbeitung (plus 4,5 Prozent). Unterdurchschnittlich waren die
Anhebungen für die Angestellten dagegen im Textilgewerbe (plus 2,2
Prozent), im Ernährungsgewerbe (plus 2,1 Prozent) und im
Verlagsgewerbe (plus 1,7 Prozent).
Die tariflichen Stundenlöhne der Arbeiter stiegen besonders stark
im Schiffbau (plus 6,0 Prozent) und im Schienenfahrzeugbau (plus 5,7
Prozent). Unter dem Durchschnitt lagen dagegen die Zuwächse
für Arbeiter im Ernährungsgewerbe (plus 2,4 Prozent) und im
Baugewerbe (plus 2,5 Prozent).
Eingerechnet in die Statistik sind auch die rückwirkend zum 1.
Januar geltenden jüngeren Tarifabschlüsse beispielsweise im
öffentlichen Dienst oder in der Chemieindustrie. Ebenfalls darin
aufgenommen sind die jeweiligen Zahlen für die Monate November und
Dezember 2007, wie Bundesamt-Referatleiter Jörg Decker auf
AP-Anfrage erklärte.
Größere Zuwächse als jetzt hatten Arbeiter und
Angestellte laut Bundesamt zuletzt 1996 bekommen. Die Stundenlöhne
waren im Juli 1996 um 3,5, im April um 5,2 und im Januar sogar um 5,9
Prozent gestiegen. Die Gehälter waren im April 1996 um 4,1 und im
Januar um 4,8 Prozent angewachsen. Die mit Abstand deutlichsten
Tariferhöhungen der letzten 50 Jahre hatte es mit Steigerungen von
zehn Prozent und darüber in den 1970er Jahren gegeben.
Der DGB, der mit dem Motto «Arbeit muss drin sein!» zu
Veranstaltungen zum 1. Mai aufruft, erklärte: «Wir fordern
angesichts explodierender Gewinne, Managergehälter und Dividenden
kräftige Reallohnerhöhungen für alle
Beschäftigten.» Daneben müsse Lohndumping durch
tarifliche und gesetzliche Mindestlöhne entschieden bekämpft
werden.
(Quelle: ap)
Ver.di kehrt an Verhandlungstisch mit der Post zurück
Mi.30.04.08 - Ein großer Post-Streik mit leeren Briefkästen und negativen
Folgen auch für die Wirtschaft könnte in letzter Minute
abgewendet werden: Zwei Tage vor dem geplanten Streik kehren die
Deutsche Post und die Gewerkschaft ver.di an den Verhandlungstisch
zurück.
Die bislang gescheiterten Verhandlungen werden an diesem Mittwoch
wieder aufgenommen, wie beide Seiten am Dienstag erklärten. Die
Tarifparteien zeigten sich zuversichtlich, den von ver.di für den
2. Mai angekündigten unbefristeten Streik doch noch mit einer
friedlichen Lösung abwenden zu können. Über
mögliche Kompromisslinien hüllten sich beide Seiten in
Schweigen.
Die Verständigung auf eine Fortsetzung der Verhandlungen erfolgte
noch während der Urabstimmung unter den rund 100 000 ver.di-
Tarifbeschäftigten für den Streik. «Die Urabstimmung
läuft super, die Botschaft der Beschäftigten kommt beim
Vorstand an», sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende
Andrea Kocsis. Die Gewerkschaft habe in den letzten Tagen
«Gesprächsbereitschaft» signalisiert, berichtete die
Post.
Die Urabstimmung endete in der Nacht zum heutigen Mittwoch. Das
Ergebnis soll dann am Mittwochnachmittag bekanntgegeben werden Die
Gewerkschaft rechnet nach ihren Beobachtungen mit einer
«überwältigenden Zustimmung» zu einem Streik.
Mit der klaren Stimmung der Beschäftigten im Rücken und der
Drohung mit dem größten Streik bei der Post seit 1994 nimmt
Kocsis die Verhandlungen wieder auf. Sie hatte früher
erklärt, dass für ver.di eine Arbeitszeitverlängerung
für die insgesamt rund 130 000 Tarifbeschäftigten (bisher
38,5 Stunden) in der Woche nicht in Frage komme. «Eine
Lösung auf Basis der 38,5-Stunden-Woche scheint denkbar»,
sagte Kocsis nun vor der neuen Runde.
Ver.di bekräftigte die Forderung, für die Tarifkräfte
müsse der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 30.
Juni 2011 verlängert werden. Außerdem müsse es zehn
«Arbeitszeitverkürzungstage» geben, um die
«arbeitsplatzvernichtende Wirkung» einer
Wochenarbeitszeiterhöhung von 38,5 auf 41 Stunden bei den 55 000
Beamten zu kompensieren. Für die Beamten verhandelt ver.di nicht.
Außerdem fordert ver.di sieben Prozent mehr Lohn bei einer
Laufzeit von zwölf Monaten.
Die Post entsprach mit ihrem früheren Angebot bisher der ver.di-
Forderung beim weiteren Kündigungsschutz. Daneben bot sie die
Steigerung der Löhne in den kommenden zwei Jahren um rund 5,5
Prozent an. Im Gegenzug sollten die Arbeitszeiten auch bei den
Tarifbeschäftigten verlängert werden - um 0,5 Stunden in der
Woche sowie darüber hinaus auch durch Kürzung von bisherigen
Pausenzeiten.
(Quelle: dpa)
Deutschland laut Studie weiter streikarmes Land
Mi.30.04.08 - Trotz einer wachsenden Zahl von Arbeitskämpfen bleibt Deutschland
im internationalen Vergleich einer Studie zufolge weiter ein
streikarmes Land. So fielen zwischen 1995 und 2006 im
Jahresdurchschnitt nur 3,6 Arbeitstage pro 1.000 Beschäftigte aus
- dagegen waren es in Kanada 203,4 Arbeitstage, in Spanien 134,8, in
Frankreich 91,4 und in Norwegen 74,3 Tage, wie das Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen
Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag in Düsseldorf mitteilte.
Auch in den USA, in Schweden und den Niederlanden liege die Streikquote
um ein Mehrfaches höher als in Deutschland, berichtete die
Stiftung anlässlich der Vorstellung des WSI-Tarifhandbuchs 2008.
Lediglich die Schweiz habe die deutsche Quote zwischen 1995 und 2006
mit im Schnitt 2,8 Ausfalltagen unterboten.
Zudem habe die Zahl der Arbeitskampftage in Deutschland im
langfristigen Vergleich abgenommen. Zwischen 2000 und 2006 seien im
Jahresdurchschnitt 3,6 Arbeitstage je 1.000 Beschäftigte durch
Streiks und Aussperrungen ausgefallen. Dagegen seien es in den 90er
Jahren 11,2 Tage, in den 80er Jahren 25,2 Tage und in den 70er Jahren
sogar 50,7 Tage gewesen - teilweise auch durch großflächige
Aussperrungen.
WSI-Tarifexperte Heiner Dribbusch sagte, die Zunahme in den vergangenen
Jahren falle auch deshalb so stark auf, weil es seit der zweiten
Hälfte der 90er Jahre eine Phase mit außergewöhnlich
wenigen Arbeitskämpfen gegeben habe. Einiges spreche dafür,
dass diese Phase nun zu Ende gehe, ohne dass Deutschland deshalb zu
einer «Streikrepublik» werde.
Als Gründe für die im internationalen Vergleich weiter
niedrige Intensität von Arbeitskämpfen nannte Dribbusch das
vergleichweise restriktive deutsche Streikrecht, das Modell der
Mitbestimmung, das Prinzip der Einheitsgewerkschaft sowie das System
der Flächentarifverträge. Veränderungen des Tarifsystems
könnten laut dem WSI-Experten daher auch Auswirkungen auf Zahl und
Intensität der Arbeitskämpfe haben. «Sollte etwa der
Trend zu Firmentarifverträgen weiter zunehmen, wird auch die Zahl
der Arbeitskämpfe davon nicht unberührt bleiben.»
(Quelle: ap)
Gewerkschaften attackieren Ikea und Burger King -- Fastfoodkette zeichnete
Betriebsversammlung auf -- Betriebsräte des Möbelhauses wurden
offenbar schickaniert
Mi.30.04.08 - Wegen angeblicher Verstöße gegen Mitarbeiterrechte haben
Gewerkschaften den Möbelriesen Ikea und die Fast-Food-Kette Burger
King scharf angegriffen. So wirft die Gewerkschaft ver.di Ikea vor,
Mitarbeiter massiv unter Druck zu setzen und Betriebsräte zu
schikanieren. Burger King geriet in die Kritik, weil die Gründung
eines Betriebsrats in München von einer Videokamera aufgezeichnet
worden war. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gasstätten setzte
Burger King ein Ultimatum.
Zuletzt hatten Fälle von heimlicher Mitarbeiterüberwachung
bei Unternehmen wie Lidl, Edeka und Plus Aufsehen erregt. Burger King
räumte ein, dass die Versammlung am 21. April aufgezeichnet wurde,
dies habe aber nicht der Überwachung der Mitarbeiter gedient. Die
Gewerkschaft NGG fordert das Unternehmen auf, es solle sich
entschuldigen und versichern, weitere Betriebsratswahlen nicht zu
behindern. Andernfalls werde die NGG am Freitag Strafanzeige erstatten.
Burger King betonte, weder die Geschäftsführung noch die
Restaurantleitung hätten die Aufnahme angesehen. Sie stamme von
einer automatischen Überwachungskamera, die im Restaurant aus
Sicherheitsgründen Bilder ohne Ton aufzeichne. Nach einigen Tagen
würden diese aber automatisch wieder gelöscht. Diese Kameras
seien den Mitarbeitern aber allesamt bekannt.
Die NGG wirft Burger King vor, die Gründung von Betriebsräten
zu torpedieren. Das Unternehmen beteuert dagegen, der Gründung von
Betriebsräten positiv gegenüber zu stehen. Bisher gebe es
diese Institution nur in Berlin. Die NGG will jetzt verstärkt
für die Gründung von Betriebsräten bei dem Burger-Brater
werben.
Auch bei Ikea sollen Mitarbeiter nach einem Bericht des ZDF-Magazins
«Frontal 21» ohne Zustimmung des Betriebsrats von Kameras
überwacht worden sein, zudem seien illegale Protokolle über
den Gesundheitszustand von Mitarbeitern angefertigt worden.
Auch sollen Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt worden sein,
berichtete das Magazin unter Berufung auf die Gewerkschaft ver.di.
«Betriebsräte werden behandelt wie Vogelfreie. Wer
Betriebsrat geworden ist, der hat seine Karriere vermiest, der kann
eigentlich darauf warten, dass er irgendwann mal zur Aufgabe seines
Arbeitsplatzes gezwungen wird», sagte die Stuttgarter
ver.di-Gewerkschaftssekretärin Christina Frank «Frontal
21» zufolge.
Das Unternehmen kündigte an, die Vorwürfe prüfen zu
wollen. «Sollten sie zutreffen, werden die nötigen
Konsequenzen umgehend gezogen», hieß es in einer
Stellungnahme. Ikea pflege «grundsätzlich einen offenen,
fairen und respektvollen Umgang miteinander». Die Vorwürfe
widersprächen «völlig der Unternehmensphilosophie von
Ikea», sagte Unternehmenssprecher Kai Hartmann der
Nachrichtenagentur AP. Das Unternehmen kritisierte allerdings, dass es
sich bei den von «Frontal 21» geschilderten Fällen
überwiegend um Vorkommnisse handele, die bereits mehrere Jahre
zurück lägen und bei denen längst personelle
Konsequenzen gezogen worden seien.
Kein Verständnis für die Vorwürfe seitens der
Gewerkschaft zeigte laut Ikea auch der stellvertretende Vorsitzende des
Gesamtbetriebsrats, Thomas Ossowicki: «Die Aussagen der
ver.di-Vertreterin kann ich nicht nachvollziehen. Sicher gibt es auch
bei Ikea strittige Themen. Diese versuchen Betriebsräte und
Unternehmensführung immer in einem gemeinsamen und konstruktiven
Dialog miteinander zu lösen», wurde der
Arbeitnehmervertreter zitiert.
Der Bericht wurde gestern Abend im ZDF ausgestrahlt.
(Quelle: ap)
Wallraff erhebt schwere Vorwürfe gegen Lidl-Bäckerei
Mi.30.04.08 - Der Journalist Günter Wallraff hat als verdeckter Reporter einen
Monat lang in einer Fabrik gearbeitet, die Brötchen für Lidl
backt, und dabei nach eigenen Angaben unwürdige Arbeitsbedingungen
erlebt. Für das rheinland-pfälzische Unternehmen sei der
Lebensmitteldiscounter Lidl der einzige Auftraggeber, berichtete das
«Zeit»-Magazin «Leben» am Dienstag in einer
Vorabmeldung. Entsprechend hoch sei der Druck, so billig wie
möglich zu produzieren. Dem Bericht zufolge arbeitete Wallraff als
Niedriglöhner bis zur Erschöpfung und erlitt wie seine
Kollegen mehrfach Brandverletzungen.
Die Arbeitsbedingungen der Niedriglöhner seien unwürdig,
berichtete demnach der 65-Jährige, der mit den Papieren eines
51-Jährigen eingestellt wurde. Immer wieder sei ihnen ein Teil des
zustehenden Lohnes vorenthalten worden. Zudem lebten sie in
ständiger Sorge, willkürlich abgemahnt zu werden, und in
dauernder Gefahr, sich zu verletzen, weil Sicherheitsbestimmungen nicht
eingehalten würden. Nachdem sich im vorigen Jahr ein Betriebsrat
gegründet habe, sei der gewählte Betriebsratsvorsitzende vom
Firmenbesitzer aus dem Unternehmen gemobbt worden.
Wallraff gilt als einer der bekanntesten Undercover-Journalisten
Deutschlands. Bekannt wurde er in den 60er Jahren mit seinen
Industrie-Reportagen, im vergangenen Jahr arbeitete er verdeckt in
Call-Centern. Seine Reportage führte damals zu einer
Gesetzesinitiative, um Kunden besser vor unerwünschten
Werbeanrufen zu schützten.
(Quelle: ap)
Jedem Vierten sagt der 1. Mai nichts
Mi.30.04.08 - Jeder vierte Bundesbürger kennt nicht die Bedeutung des 1. Mai als
traditioneller Tag der Arbeit. Zwar beantworteten in einer Umfrage
für das Magazin «Stern» 74 Prozent die Frage richtig,
warum der 1. Mai ein Feiertag ist. 26 Prozent der Befragten aber wussten
aber nicht Bescheid, wie das Blatt am Dienstag vorab mitteilte.
Besonders hoch ist der Anteil der Unwissenden demnach bei den 18- bis
29-Jährigen: In dieser Gruppe wussten 47 Prozent nicht, was am 1.
Mai traditionell gefeiert wird.
Gefragt, ob es für sie wichtiger sei, am 1. Mai freizuhaben oder
sich für die sozialen Rechte der Arbeitnehmer einzusetzen,
erklärten allerdings 53 Prozent aller Befragten, dass es ihnen an
diesem Tag um die Arbeiterschaft gehe. Überdurchschnittlich hoch
sehen dies so die Anhänger der Linken (73 Prozent), der SPD (66
Prozent) und der Grünen (56 Prozent).
Mehr als 40 Prozent der Deutschen sagten dagegen, ihnen sei am 1. Mai
die Freizeit am wichtigsten. Der Meinung sind vor allem die unter
30-Jährigen (58 Prozent) sowie die Wähler der FDP (56
Prozent). Befragt wurden 1.003 repräsentativ ausgewählte
Bürger am 23. und 24. April 2008.
(Quelle: ap)
Im kommenden Jahr kein Castortransport nach Gorleben
Mi.30.04.08 - Der für das kommende Jahr geplante Castortransport aus der
französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins
niedersächsische Zwischenlager Gorleben wird ausfallen. Eine
deutsch-französische Regierungskommission habe empfohlen, den
geplanten Atommülltransport auszusetzen, berichtet die
«Süddeutsche Zeitung» (Dienstagausgabe) aus
Regierungskreisen. Grund seien Verzögerungen bei der Genehmigung
eines neuen Castortyps.
Ursprünglich sollte es 2009 den vorletzten Transport
hochradioaktiven Mülls aus der französischen
Wiederaufarbeitungsanlage La Hague geben. Dieser Zeitplan sei nun nicht
mehr zu halten, hieß es in Berlin. Stattdessen soll nun auch 2011
ein Transport rollen. Zuvor war bekannt geworden, dass sich die
Genehmigung eines neuen Castorbehälters stärker verschieben
wird als bislang angenommen. Der Castor vom Typ HAW 28 M wird derzeit in
der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) auf seine
Zuverlässigkeit hin überprüft. Diese Prüfung werde
frühestens im September beendet sein.
Die Castor-Transporte umfassen meist ein Dutzend
Transportbehälter. Nächstes Jahr hätten elf weitere in
einem Zug von La Hague nach Gorleben transportiert werden sollen. In den
vergangenen sieben Jahren sind 75 Behälter so in das
niedersächsischen Zwischenlager gebracht worden, die Ladung
für 33 weitere wartet noch in La Hague auf den Transport.
(Quelle: ddp)
Computer & Cyberspace
Kinder mögen Sport lieber als Computer und Fernseher
Mi.30.04.08 - Die Nutzung elektronischer Geräte wie Computer, Fernseher oder
Telefon stehen in der Rangliste der liebsten Freizeitaktivitäten
von Kindern nicht an erster Stelle. Das gemeinsame Spielen mit anderen
und Sport sind bei der Freizeitgestaltung immer noch am wichtigsten. Das
hat eine Umfrage der DAK unter 1 002 Eltern von Kindern bis 18 Jahren
ergeben.
Rund 70 Prozent der Sprösslinge gestalten ihre Freizeit gemeinsam
mit anderen, etwa 27 Prozent spielen bevorzugt alleine. Als
häufigste Freizeitaktivität wird mit 58 Prozent der Sport
genannt, gefolgt von der Nutzung des Computers und Lesen mit jeweils 32
Prozent. Der Fernseher spielt bei 23 Prozent eine Hauptrolle in der
Freizeit. Bei sechs Prozent der Jugendlichen ist Telefonieren die
liebste Beschäftigung.
76 Prozent der Befragten sind der Ansicht, für Bewegungsmangel der
Kinder seien vor allem die Eltern verantwortlich. Diese sollten mehr
darauf achten, dass sich ihr Nachwuchs ausreichend bewegt. Zehn Prozent
der Eltern denken, die moderne Technik wie Fernseher oder Computer sei
einfach zu verlockend und würde die Kinder so zur Bewegungsarmut
verleiten. Sieben Prozent meinen, die Politik müsse in diesem
Bereich aktiver werden. Es müsse besser aufgeklärt werden,
zudem könnten mehr Sportplätze und Schwimmbäder
geschaffen werden. Für eine konsequente Förderung der Bewegung
durch die Schule plädieren sechs Prozent der Eltern.
(Quelle: gp)
Internet-Nutzer bevorzugen 'soziale' Informationsbeschaffung
Mi.30.04.08 - Bei der Suche nach Informationen setzen viele Nutzer auf das Befragen
anderer Menschen. Zwar sind die gewünschten Antworten häufig
an anderer Stelle und zudem viel ausführlicher im Internet zu
finden. Dennoch wird der persönliche Austausch mit anderen
Anwendern oft bevorzugt. Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine Studie der
School of Information von der Universität von Michigan gekommen.
Die Forscher haben das Suchverhaltens der Nutzer von "Yahoo Answers"
einen Monat lang analysiert. Das Portal weist circa 1 000 verschiedene
Kategorien auf, in denen die Nutzer Fragen stellen können. Einige
dieser Themenbereiche sind besonders populär: Es hat sich gezeigt,
dass innerhalb von rund 300 Kategorien mehr als 91 Prozent des Inhaltes
des gesamten Portals zu finden sind. Demnach diskutieren die Menschen
besonders gern miteinander zum Beispiel über Ehen und Scheidungen,
Stars und Sternchen, Religion und Politik. In Spezialgebieten wie der
Biologie erhielten Fragesteller durchschnittlich weniger Antworten als
etwa jene Menschen, die nach Babynamen oder Modetrends fragten.
Zwar ist die Bandbreite der Themen innerhalb des Portals groß.
Häufig sind die Antworten aber nicht besonders tiefgehend,
zumindest verglichen mit anderen Informationsquellen im Internet. Den
Nutzern scheint die soziale Komponente bei der Informationsbeschaffung
offenbar wichtiger zu sein als die Detailfülle, die sie bei einer
Online-Recherche zu erwarten hätten.
Yahoo Answers ist im englischsprachigen Raum ein virtueller
Zusammenschluss (Community) von Menschen, die einander kostenlos Fragen
beantworten und Ratschläge erteilen. In Deutschland heißt das
Angebot "Yahoo Clever" (http://de.answers.yahoo.com).
(Quelle: gp)