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Aktuelle Nachrichten
Irak am 1500sten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität
Mindestens 925 Tote bei Kämpfen in Sadr City seit Ende März -
47 tote US-Soldaten im Irak im April
Do.01.05.08 - Seit Beginn der Kämpfe im Bagdader Stadtteil Sadr City Ende
März sind dort nach offiziellen Angaben mindestens 925 Menschen
getötet worden. Die Zahl wurde vom Sprecher des Zivilschutzes in
Bagdad mitgeteilt. Nach seinen Angaben wurden in diesem Zeitraum mehr
als 2600 Menschen bei den Gefechten verletzt. In dem Armenviertel im
Nordosten der Stadt kämpfen irakische Truppe mit
Unterstützung der US-Armee gegen die Mahdi-Miliz des radikalen
Schiitenpredigers Moktada Sadr.
Der irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki warf den
schiitischen Milizionären vor, bei den Kämpfen Zivilisten als
"menschliche Schutzschilde" zu benutzen. Die Menschen in Sadr City
würden die Regierung täglich bitten, sie von den "kriminellen
Banden" zu befreien, sagte Maliki am Mittwoch bei einer Pressekonferenz
in Bagdad. "Wir sind entschlossen, dieses Viertel von dem Einfluss der
Milizen zu befreien."
Sadr hatte der Regierung mit einem "offenen Krieg" gedroht, falls die
Angriffe gegen seine Miliz nicht eingestellt würden. Seine
Anhänger werfen den irakischen und den US-Truppen vor, sie wollten
die politisch einflussreiche Bewegung mit Blick auf die Provinzwahlen
im Oktober zerstören.
Im Irak sind im April 47 US-Soldaten gefallen und damit so viele in
einem Monat wie seit September 2007 nicht mehr.
Dies geht aus der unabhängigen Internet-Datenbank icasualties.org
hervor. Darin eingerechnet sind drei US-Soldaten, deren Tod das
US-Militär am Mittwoch bekanntgab. Sie starben am Vortag in der
Hauptstadt Bagdad.
Etwa die Hälfte der im April gefallenen US-Soldaten kamen in
Bagdad ums Leben. Viele von ihnen starben dort durch Raketenbeschuss
aus dem Schiiten-Viertel Sadr-City, wo sich die Armee seit Wochen
Gefechte mit Anhängern des radikalen Predigers Moktada al-Sadr
liefert.
Im September waren 65 US-Soldaten ums Leben gekommen. Vor genau einem
Jahr, im April 2007, wurden aber noch 104 getötete
US-Streitkräfte im Irak gezählt. Damals begann das
US-Militär gerade mit seiner Truppenaufstockung im Großraum
Bagdad.
boa (Quellen: afp. rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 01.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsechsunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Di.01.05.07 - US-Bericht verweist auf massive Probleme beim Wiederaufbau Iraks +++ Mehr
als 30 Tote bei Anschlag auf Trauergesellschaft +++ 25 Tote bei
nächtlichem Anschlag in Basra +++ Mehr als 100 US-Soldaten im April
im Irak getötet +++ EU sagt Syrien Unterstützung wegen
Flüchtlingen aus Irak zu...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705010.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Afghanistan: Stundenlange heftige Gefechte in Kabul -
Taliban-Kämpfer sprengen sich in die Luft
Do.01.05.08 - Wenige Tage nach einem Anschlag auf Präsident Hamid Karsai im
Zentrum Kabuls haben sich Taliban-Kämpfer in der afghanischen
Hauptstadt schwere Kämpfe mit Sicherheitskräften geliefert.
Nach den zehnstündigen Gefechten sprengten sich am Mittwoch nach
Innenministeriumsangaben fünf Kämpfer in einem Haus in die
Luft. Das Gebäude sei von afghanischen Sicherheitskräften
umstellt gewesen, sagte am Mittwoch ein Vertreter des Ministeriums der
Nachrichtenagentur Reuters. Bei Gefechten mit den Kämpfern wurden
in der Nacht nach Polizeiangaben zwei Mitarbeiter des nationalen
Sicherheitsdienstes NDS getötet. In der Gegend waren Schüsse
und die Einschläge von Granaten zu hören. Dem
Ministeriumsvertreter zufolge wird derzeit untersucht, ob durch die
Explosionen Menschen in den umliegenden Häusern verletzt oder
getötet wurden.
Ein Taliban-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Afghan Islamic Press,
bei den Kämpfen seien auch eine Frau und ihre Tochter ums Leben
gekommen. Die 2001 von der Macht vertriebenen Taliban sind bislang
nicht in nennenswerter Zahl in Kabul in Erscheinung getreten. Sie haben
jedoch angekündigt, die Hauptstadt in diesem Jahr verstärkt
ins Visier zu nehmen. Am Wochenende wurde Karsai bei einer
Militärparade in Kabul Ziel eines Anschlags. Dabei wurden drei
Menschen getötet, darunter ein zehnjähriges Kind. Karsai
konnte sich unverletzt retten. Dem Taliban-Sprecher zufolge war einer
der am Mittwoch getöteten Kämpfer auch am Anschlag auf Karsai
beteiligt.
Im Süden Afghanistans vertrieben US-Marine-Infanteristen die
Taliban aus dem Zentrum der Stadt Garmsir. Die Soldaten hätten
dort Regierungsgebäude eingenommen, bestätigte eine
Armee-Sprecherin am Mittwoch. Es war der bislang größte
Einsatz der Infanteristen gewesen, seit sie im vergangenen Monat zur
Verstärkung der NATO-Truppen in Afghanistan angekommen waren. Die
3200 Soldaten sollen den britischen, kanadischen und
niederländischen Truppen bei ihren Gefechten mit den Taliban unter
die Arme greifen. Garmsir liegt in der südafghanischen Provinz
Helmand und ist einer der Orte, die trotz mehrerer Offensiven
ausländischer Truppen noch immer von den Taliban beherrscht werden.
Die britischen Soldaten im umkämpften Süden Afghanistans
wurden unterdessen von Prinz William besucht. Wie das Büro des
Prinzen am Mittwoch bekanntgab, flog der 25-Jährige ein
militärisches Transportflugzeug zeitweise selbst nach Kandahar.
Dort habe er drei Stunden mit den Soldaten verbracht.
(Quelle: rtr)
USA erwogen 1958 Atomangriff auf China
Do.01.05.08 - Die US-Luftwaffe hat im Jahr 1958 einen Atombombenangriff gegen China
erwogen. Das geht aus am Mittwoch veröffentlichten
Geheimdokumenten der Streitkräfte hervor. Auf die Stadt Amoy, das
heutige Xiamen, hätten den Planungen zufolge 10.000 bis 15.000
Tonnen schwere Atombomben abgeworfen werden sollen, falls Pekinger
Truppen die Taiwan-Straße blockiert hätten. Der damalige
US-Präsident Dwight Eisenhower habe das Vorhaben jedoch abgelehnt
und angeordnet, dass im Fall einer Zuspitzung der Krise konventionelle
Bomben eingesetzt werden sollten.
Gegenüber der Militärführung argumentierte Eisenhower
den Unterlagen zufolge mit zivilen Opfern in China und Taiwan und der
Gefahr einer nuklearen Eskalation. Die Geheimdokumente wurden auf
Grundlage des Freedom of Information Act vom Nationalen
Sicherheitsarchiv der George Washington University veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Palästinenser-Gruppen angeblich über Waffenruhe einig
Do.01.05.08 - Vertreter diverser Palästinenser-Gruppen haben einem Medienbericht
zufolge einem ägyptischen Vorschlag für einen
Waffenstillstand mit Israel zugestimmt.
Dieser solle zunächst für den Gazastreifen gelten und
später auch auf das Westjordanland ausgeweitet werden, zitierte
die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena am Mittwoch
einen ungenannten hochrangigen Vertreter der Regierung in Kairo. Der
Vorschlag sei Teil eines weiter gefassten Plans, in dessen Rahmen am
Ende Israels Abriegelung des Gazastreifens aufgehoben werden solle.
Einige Gruppen äußerten aber Vorbehalte.
Ägypten hatte Vertreter von insgesamt zwölf politischen
Organisationen der Palästinenser zu Gesprächen nach Kairo
eingeladen, um eine gemeinsame Haltung zu dem vorab mit der Hamas
abgestimmten Vorstoß zu erreichen. Anschließend wollte sich
der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman um die Zustimmung
Israels bemühen. Ziel ist, die Spirale von israelischen Angriffen
auf Hamas-Mitglieder und palästinensischem Raketenfeuer auf Ziele
in Israel zu beenden, die die Nahost-Friedensgespräche behindern.
Beide Seiten machen geltend, lediglich auf gegnerische Angriffe zu
reagieren.
"Alle Palästinensergruppen haben dem ägyptischen Vorschlag
über einen Waffenstillstand mit Israel zugestimmt", sagte der
ägyptische Vertreter Mena zufolge. Dieser beinhalte einen
"umfassenden, beiderseitigen und gleichzeitigen Waffenstillstand". Ein
Sprecher von Israels Ministerpräsidenten Ehud Olmert nannte drei
Bedingungen für eine "echte und nachhaltige" Beruhigung der Lage:
"die völlige Abwesenheit von feindlichem Beschuss aus Gaza nach
Israel, ein Ende der terroristischen Angriffe und das Ende der
illegalen Waffenlieferungen. Wenn das passieren würde,
könnten wir morgen Ruhe haben."
Die islamistische Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert,
begrüßte die Einigung, weil damit "der Ball im israelischen
Spielfeld" liege. Die Gruppe Islamischer Dschihad hatte indes schon am
Dienstag erklärt, sie behalte sich auch nach Beginn eines
Waffenstillstands im Gazastreifen vor, israelische Angriffe im
Westjordanland zu vergelten. Ein Führungsmitglied der Volksfront
für die Befreiung Palästinas sagte, seine Gruppe werde sich
einem Konsens nicht entgegenstellen, halte einen Waffenstillstand unter
einer Besatzung aber für schädlich.
(Quelle: rtr)
Antisemitische Gewalt weltweit auf dem Vormarsch
Do.01.05.08 - Die Gewalt gegen Juden nimmt weltweit zu. Eine neue israelische Studie
berichtet von einem Anstieg von knapp sieben Prozent im vergangenen
Jahr. Die am Mittwoch von Wissenschaftlern der Universität Tel
Aviv veröffentlichte Studie über Vorfälle in 30
Ländern rund um den Erdball spricht von insgesamt 632 Fällen.
Dabei verdreifachte sich die Zahl schwerer Angriffe von 19 auf 57.
Dabei ging es vor allem um bewaffnete Angriffe, Brandstiftung oder
Tötungsabsichten.
Die Forscher sprachen von einem Zusammenhang zwischen der wachsenden
Zahl antisemitischer Vorfälle und einer allgemeinen
Kriminalitätszunahme. Außerdem seien Zusammenhänge mit
sozialen und wirtschaftlichen Spannungen und wachsender Furcht vor
Muslimen und anderen Ausländern festzustellen, heißt es.
Untersucht wurden unter anderem die USA, Kanada, Großbritannien,
Frankreich, Russland, Ukraine und Deutschland.
(Quelle: ap)
Äthiopische Soldaten richten Blutbad unter Somaliern an
Do.01.05.08 - Äthiopische Truppen in Somalia haben nach Augenzeugenberichten am
Mittwoch unter den Bewohnern der Stadt Baidoa ein Blutbad angerichtet
und 13 Zivilpersonen getötet. Vorausgegangen war die Explosion
einer Tretmine, bei der zwei Soldaten getötet wurden. Die anderen
Soldaten schossen daraufhin in alle Richtungen um sich.
«Es war ein furchtbares Bild, überall war Blut»,
berichtet ein Augenzeuge. «Ich habe die Leiche von mindestens
zehn Menschen gesehen, die mitten auf der Straße lagen.»
Äthiopien unterstützt die somalische Übergangsregierung
im Kampf gegen islamische Milizen. Baidoa liegt 250 Kilometer
südwestlich der Hauptstadt Mogadischu und zurzeit Sitz des
somalischen Parlaments.
(Quelle: ap)
Chavez enteignet größten Stahlkonzern Venezuelas
Do.01.05.08 - Der venezolanische Präsident Hugo Chavez lässt das
größte Stahlunternehmen des südamerikanischen Landes
enteignen. Er habe ein Dekret zur Verstaatlichung des Konzerns Sidor
unterzeichnet, erklärte Chavez am Mittwoch vor Arbeitern in der
Hauptstadt Caracas. Der Staatschef hatte am Wochenende mit der
Enteignung von Sidor gedroht und zur Begründung erklärt, die
Aktionäre verlangten eine zu hohe Entschädigung für die
geplante Verstaatlichung. Er hatte zuvor eine Forderung der
Sidor-Muttergesellschaft Ternium SA mit Sitz in Belgien
zurückgewiesen, vier Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro)
für ihren Anteil von 60 Prozent zu zahlen. Das ehemals staatliche
Unternehmen Sidor war 1998 privatisiert worden.
(Quelle: ap)
Brasilien erwartet Rekordproduktion von Bioethanol
Do.01.05.08 - Brasilien erwartet dieses Jahr einen Rekord bei der
Biosprit-Produktion. Voraussichtlich würden 2008 rund 27
Milliarden Liter Ethanol aus Zuckerrohr gewonnen und damit 15 bis 20
Prozent mehr als 2007, erklärte die Regierungsbehörde Conab.
Die Exporte werden den Schätzungen zufolge auf etwa 4,2 Milliarden
Liter steigen, wovon der Großteil demnach in die USA gehen wird.
Brasilien ist zusammen mit den USA die Nummer eins in der
Biosprit-Produktion, Autos fahren dort schon seit Jahren mit einem sehr
hohen Bioethanol-Anteil im Benzin. Zuckerrohr wird in dem Land auf 7,7
Millionen Hektar angebaut, ein Plus von rund zehn Prozent
gegenüber der vorhergehenden Anbausaison. Mehr als die Hälfte
des geernteten Zuckerrohrs wird zur Ethanolgewinnung genutzt, der Rest
zur Herstellung von Zucker.
(Quelle: afp)
Pressefreiheit 2007 weltweit weiter eingeschränkt
Do.01.05.08 - Die Pressefreiheit ist im vergangenen Jahr weltweit erneut weiter
eingeschränkt worden. In mehreren Ländern habe es wieder
Gewalt gegen Journalisten gegeben, erklärte die
US-Bürgerrechtsgruppe Freedom House in Washington. Zu diesen
Staaten zählten unter anderem Russland, Mexiko und die Philippinen.
Zudem seien beispielsweise in Pakistan und Vietnam die Rechte der
Medien besorgniserregend eingeschränkt worden, urteilte die
Gruppe, die regelmäßig die Situation der Medien in der Welt
untersucht.
"Für jeden Schritt vorwärts in Sachen Menschenrechte im
vergangenen Jahr gab es im Gegenzug zwei Schritte zurück",
kritisierte Freedom-House-Direktorin Jennifer Windsor. Es sei nun schon
das sechste Jahr in Folge, in dem die Pressefreiheit in der Welt
insgesamt abgenommen habe.
(Quelle: afp)
Deutsche Gewerkschaften fordern am 1. Mai 'gute Arbeit'
Do.01.05.08 - Unter dem Motto «Gute Arbeit muss drin sein!» begehen die
Gewerkschaften heute den traditionellen Tag der Arbeit. Die
Hauptkundgebung mit dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB), Michael Sommer, findet in Mainz statt. Mit Kurt Beck wird
erstmals seit fünf Jahren auch wieder ein SPD-Vorsitzender
teilnehmen. Er spricht in seiner Eigenschaft als
rheinland-pfälzischer Ministerpräsident ein Grußwort
und nimmt an einer Talkrunde mit Sommer teil.
Nur gute Arbeit sei sozial, heißt es im Aufruf des DGB zum 1.
Mai. Der Gewerkschaftsbund fordert die Bundesregierung darin zur
Einführung eines Mindestlohns in Höhe von 7,50 Euro auf.
Zudem solle sich die Regierung gegen Altersarmut und für die
gleiche Bezahlung von Leiharbeitnehmern einsetzen.
Vergangenes Jahr besuchten laut DGB rund 530.000 Bundesbürger die
Mai-Kundgebungen im ganzen Land. Der Gewerkschaftsbund erwartet auch
dieses Jahr wieder rund eine halbe Million Menschen. Die Chefs der
großen Einzelgewerkschaften verteilen sich über das gesamte
Bundesgebiet; unter anderem sprechen der IG-Metall-Vorsitzende Berthold
Huber in Wolfsburg, ver.di-Chef Frank Bsirske in Köln und
IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt in Bremerhaven.
(Quelle: ap)
Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 94.000 auf 3.414.000 gesunken
Do.01.05.08 - Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im April um 94 000 auf 3
414 000 gesunken. Das waren 563 000 weniger als vor einem Jahr,
berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in
Nürnberg.
Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 8,4 Prozent zurück
und lag damit 1,4 Punkte unter dem Vorjahreswert. Die Entwicklung am
Arbeitsmarkt werde weiter von der guten Konjunktur getragen, sagte der
Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen
Weise. Die Arbeitslosigkeit sei im April aber geringer gesunken als
erwartet. Ein Grund dafür sei die niedrige Winterarbeitslosigkeit
gewesen. Entsprechend geringer falle der Abbau der Arbeitslosigkeit im
Frühjahr aus. Die Nachfrage der Unternehmen nach
Arbeitskräften bleibe auf hohem Niveau, berichtete Weise.
Saisonbereinigt ist die Arbeitslosenzahl in Deutschland im April nur um
7000 auf 3,299 Millionen gesunken. Im Westen nahm die um jahreszeitliche
Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 5000 ab, im Osten um 2000.
In Westdeutschland waren im April 2 216 000 Männer und Frauen ohne
Beschäftigung. Das waren 55 000 weniger als im März und 395
000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland gab es im April 1 198
000 Arbeitslose, 38 000 weniger als im März und 167 000 weniger als
vor zwölf Monaten. Die Arbeitslosenquote lag im April im Westen
bei 6,6 Prozent und im Osten bei 13,9 Prozent.
Die Zahl der Erwerbstätigen lag zuletzt (im Februar) mit 39,93
Millionen um 683 000 über dem Vorjahreswert. Die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg binnen zwölf
Monaten um 663 000 auf 27,15 Millionen.
(Quelle: dpa)
Sozialkassen entgehen durch Niedriglöhne 4,2 Milliarden Euro
Do.01.05.08 - Den Sozialkassen entgehen durch die vielen Niedriglöhne in
Deutschland jährlich 4,2 Milliarden Euro. Darauf hat der Direktor
des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität
Duisburg-Essen, Gerhard Bosch, am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur
hingewiesen. Bei dieser Schätzung würden die Ausfälle
gegenüber einem Mindestlohn von 7,50 Euro berechnet, der sogar noch
unter den Mindestlöhnen in Frankreich und vielen anderen
westlichen Ländern liege.
Bosch kritisierte im Zusammenhang mit Niedriglöhnen scharf die
christlichen Gewerkschaften in Deutschland. Diese seien bereit,
«quasi jeden Tarifvertrag zu unterzeichnen. Da werden
Stundenlöhne von 4,50 Euro tarifvertraglich unterzeichnet».
So werde auch das ursprüngliche Ziel der Hartz-Gesetze unterlaufen,
dass Leiharbeiter den gleichen Lohn bekommen wie Beschäftigte im
Betrieb. Bei der Leiharbeit gebe es zurzeit «eine ganz rasante
Zunahme, gerade in den Kernbereichen unserer Industrie».
Der Arbeitsforscher lehnte auch den Vorschlag des
nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers für eine Mindestrente ab: Die sei nur ein
Reparaturversuch wegen der zunehmend schlechteren Arbeitsverdienste.
«Das halte ich für falsch, nur bei der Rente
anzusetzen», sagte Bosch. «Die Rente kann nicht alle
Probleme des Arbeitsmarktes lösen. Da muss man schon im
Arbeitsmarkt ansetzen, durch Mindestlöhne etwa.»
Eine von zahlreichen Politikern ernsthaft in Erwägung gezogene
Vollbeschäftigung in Deutschland hält der Arbeitsmarktexperte
nur mit höheren Löhnen für möglich. «Wir
werden Vollbeschäftigung nur erreichen, wenn der
Konjunkturaufschwung nicht mehr auf einem, sondern auf zwei Beinen
steht», sagte er.
(Quelle: ap)
SPD rechnet schon bald mit Vollbeschäftigung -- Experte erwartet
sechste Minus-Lohnrunde in Folge
Do.01.05.08 - Die SPD hält schon in wenigen Jahren Vollbeschäftigung in
Deutschland für möglich. «Unser Ziel für das
nächste Jahrzehnt ist: Vollbeschäftigung in Deutschland zu
guten Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen», schreiben
Parteichef Kurt Beck und Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier in
einem am Mittwoch veröffentlichten Aufsatz. Zum Tag der Arbeit am
1. Mai kritisierten Politiker und Experten Niedriglöhne, DGB-Chef
Michael Sommer verteidigte die jüngsten hohen Lohnabschlüsse.
Beck und Außenminister Steinmeier sehen gute Chancen, 2008 die
Arbeitslosenzahl unter drei Millionen zu drücken. «Wir
wollen die Arbeitslosigkeit nicht nur bekämpfen - wir wollen sie
besiegen», schrieben sie. Das Ziel Vollbeschäftigung sei
mittel- und langfristig erreichbar. Auch Bundesarbeitsminister Olaf
Scholz (SPD) sagte: «Wir können und werden es
schaffen.» Vollbeschäftigung sei kein Traum, sondern ein
realistisches Ziel.
Zum DGB-Motto zum 1. Mai «Gute Arbeit muss drin sein»
erklärten Beck und Steinmeier, gute Arbeit bedeute: «Wer
eine Vollzeitbeschäftigung hat, muss von dem Lohn dieser Arbeit
leben können.» Darum kämpfe die SPD mit den
Gewerkschaften für branchenspezifische Mindestlöhne und einen
gesetzlichen Mindestlohn. Zudem dürfe Leiharbeit nicht für
Lohndumping oder Tarifflucht missbraucht werden.
Arbeitsminister Scholz kritisierte die Praxis von Arbeitsagenturen,
auch Job-Angebote zu Niedrigstlöhnen zu vermitteln: «Sowas
nehme ich keineswegs hin. Solche Dumpinglöhne darf es in
Deutschland nicht geben - erst recht nicht als Job-Angebot bei der
Arbeitsagentur.» Er zeigte sich zugleich zuversichtlich, den
Mindestlohn bis Ende Juni für die infrage kommenden Branchen zu
verwirklichen.
Die Grünen-Chefs Reinhard Bütikofer und Claudia Roth
forderten drei Maßnahmen, um Armut trotz Arbeit zu verhindern:
Mindestlöhne, ein Progressivmodell für die Lohnnebenkosten
und eine Verbesserung des Kinderzuschlags beim Arbeitslosengeld II.
Laut dem Arbeitsforscher Gerhard Bosch entgehen den Sozialkassen durch
Niedriglöhne jährlich 4,2 Milliarden Euro. Bosch kritisierte
die christlichen Gewerkschaften, die bereit seien, Stundenlöhne
von 4,50 Euro tarifvertraglich zu unterzeichnen. Vollbeschäftigung
hält der Experte nur mit höheren Löhnen für
möglich.
Der Deutsche Journalisten-Verband prangerte die Bedrohung der
unabhängigen Presse durch immer mehr Leiharbeit in den Redaktionen
an. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken nannte mehr als ein
Dutzend Zeitungsverlage in Deutschland, die qualifizierte
Redakteursstellen ausschließlich und dauerhaft mit
Leiharbeitnehmern besetzten.
DGB-Chef Sommer sagte zu den hohen Lohnabschlüssen, die
Gewerkschaften holten jetzt lediglich die bereits seit zwei Jahren
fälligen verdienten Zuwächse heraus. Doch trotz des
deutlichen Anstiegs der Tarifgehälter erwartet der
Konjunkturexperte Gustav Adolf Horn erneut sinkende Reallöhne: Bei
einem erwarteten Anstieg der Tariflöhne um durchschnittlich 2,2
Prozent und einer Inflationsrate von knapp drei Prozent hätten die
meisten Beschäftigten 2008 «unterm Strich erneut weniger im
Portemonnaie». Damit drohe bereits die sechste Minus-Lohnrunde in
Folge.
Die Metall-Arbeitgeber warnten die Gewerkschaften vor einem
Konfrontationskurs. Die IG Metall verfolge derzeit eine betriebsnahe
Politik, was nicht «zum Schüren von Konflikten missbraucht
werden» dürfe, um Mitglieder zu gewinnen, sagte
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser.
(Quelle: ap)
DGB-Chef Sommer fordert 'Manager-Steuer'
Do.01.05.08 - Reiche sollten nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds viel mehr
Steuern zahlen. DGB-Chef Michael Sommer regte an, den Steuer-Aufschlag
für Gutverdiener mit Jahreseinkommen über 500.000 Euro
deutlich aufzustocken. Derzeit muss dieser Personenkreis neben dem
Spitzensteuersatz von 42 Prozent drei Prozent
«Reichensteuer» zusätzlich zahlen, Sommer will den
Aufschlag auf elf Prozent aufstocken.
«Ich plädiere dafür, für den Aufschlag die alte
Höhe des Spitzensteuersatzes von 53 Prozent zum Maßstab zu
nehmen. Dann haben wir - wenn Sie so wollen - so etwas wie eine
Manager-Steuer», sagte Sommer der «Sueddeutschen.de».
Bei einer deutlichen Ausweitung der Reichensteuer hin zu einer
Manager-Steuer wäre «durchaus noch was drin, ohne dass ein
Dax-Vorstand plötzlich zum Hartz-IV-Empfänger
würde», sagte er.
Die Vorstellungen der Koalitionspartner Union und SPD zur Frage der
Managergehälter lehnt Sommer im Kern ab. «Alles, was ich aus
den Volksparteien dazu höre, mutet an wie unfreiwillige
Komik.» So habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch vor vier
Monaten zu hohe Managerbezüge und -abfindungen gegeißelt. Nun
sperre die CDU sich aber gegen politische Konsequenzen und auch gegen
die Vorschläge der SPD, die nach DGB-Ansicht ohnehin nicht weit
genug gehen.
In der Diskussion über die Gehälter der Topverdiener kommt
nach Ansicht von Sommer das Gefühl vieler Menschen zum Ausdruck,
ungerecht behandelt zu werden. Sommer sagte dem Blatt: «Die
Menschen regen sich auch deshalb über Managergehälter auf,
weil sie unzufrieden damit sind, dass Ludwig Erhards Verheißung
vom Wohlstand für alle nicht mehr die Verheißung der
Bundesrepublik im Jahr 2008 ist. Wir haben Armut für immer mehr
Menschen, Reichtum für immer mehr Menschen und Wohlstand für
immer weniger Menschen.»
Sommer verteidigte im Gespräch mit «sueddeutsche.de»
die hohen Lohnabschlüsse der jüngsten Zeit. Die Gewerkschaften
holten in den diesjährigen Tarifrunden teilweise lediglich die
verdienten Zuwächse für die Beschäftigten heraus, die
eigentlich schon in den zwei Aufschwungjahren zuvor fällig gewesen
seien. Den 1. Mai bezeichnete der DGB-Chef als einen Tag, der für
die Gewerkschaften und ihre Mitglieder «wie Weihnachten und
Ostern für die Christen» sei, sagte Sommer. Dieses Jahr
begeht der DGB den Mai-Feiertag unter dem Motto: «Gute Arbeit
muss drin sein.»
(Quelle: ap)
Siemens-Gewinn bricht um zwei Drittel ein
Do.01.05.08 - Der Technologiekonzern Siemens hat wie erwartet einen herben
Gewinneinbruch erlitten.
Vor allem missratene Projekte im Kraftwerksbau und der Zugsparte sowie
die Restrukturierungskosten für das zum Verkauf stehende
Telefonanlagengeschäft SEN drückten den Gewinn im zweiten
Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 um zwei Drittel auf 412
Millionen Euro, wie der von einer Korruptionsaffäre
geschüttelte Konzern am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten im
Schnitt mit 451 Millionen Euro gerechnet.
Mit einem Rückgang des operativen Gewinns um ein Drittel auf 1,2
Milliarden Euro schnitt Siemens allerdings besser ab als von den
Branchenexperten erwartet. Die Belastungen aus unrentablen Projekten
fielen mit 857 Millionen Euro geringer aus als Siemens im März bei
seiner Gewinnwarnung in Aussicht gestellt hatte. Der Umsatz sei um zwei
Prozent auf 18,1 Milliarden Euro gewachsen, teilte Siemens mit.
Trotz der hohen Zuwächse von 15 Prozent auf 23,4 Milliarden Euro
beim Auftragseingang rechnet Siemens-Chef Peter Löscher im
laufenden Geschäftsjahr (bis Ende September) mit stagnierenden
Gewinnen im operativen Geschäft. An den Renditezielen für
2010 halte Siemens fest.
Welcher Gewinn im laufenden Jahr aber unter dem Strich übrig
bleibt, ist offener denn je. Aus der Trennung von SEN werde ein
erheblicher Verlust entstehen. Allein für den Stellenabbau hat
Siemens im vergangenen Quartal 109 Millionen Euro zur Seite gelegt.
Auch die Kosten aus den Folgen der Schmiergeldaffäre und aus dem
laufenden Konzernumbau seien in den Prognosen nicht enthalten,
hieß es. Deutschlands größter Industriekonzern hatte
im ersten Quartal seines Geschäftsjahres Milliarden aus dem
Verkauf seiner Autozuliefersparte VDO an Continental erlöst.
Die Analyse der unrentablen Projekte im Kraftwerksbau sei inzwischen
abgeschlossen, sagte Vorstandschef Peter Löscher. "Wir konnten uns
alles in allem ein klares Bild über die Risiken machen." An den
Folgen werde Siemens aber noch längere Zeit zu knabbern haben. Die
Kraftwerks-Sparte werde in den kommenden Quartalen Verluste schreiben.
Allein von Januar bis März habe die Sparte 559 Millionen Euro im
konventionellen Kraftwerksbau zurückgestellt. Davon entfielen
allein 163 Millionen Euro auf das finnische Atomkraftwerk "Olkiluoto",
das noch nicht einmal zur Hälfte fertiggestellt ist.
(Quelle: rtr)
Post und Gewerkschaften einigen sich auf Tarifabschluss
Do.01.05.08 - Der große Streik bei der Post fällt aus: In
buchstäblich letzter Minute haben sich die Deutsche Post AG und
die Gewerkschaft ver.di nach wochenlangem Tarifstreit am Mittwoch doch
noch auf einen Kompromiss geeinigt. Beide Seiten zeigten sich mit den
Ergebnis zufrieden. Erst kurz vor der Einigung hatte ver.di
bekanntgegeben, dass am Dienstag beendete Urabstimmung mehr als 90
Prozent Zustimmung für einen Arbeitskampf ergeben hat.
Beide Parteien verständigten sich für die rund 130.000
Beschäftigten am Nachmittag auf eine Verlängerung des
Kündigungsschutzes bis zum 30. Juni 2011, eine gestaffelte
Erhöhung der Löhne um insgesamt sieben Prozent und eine
Reduzierung bezahlter Pausen. Die Tarifkommission stimmte dem Ergebnis
am Abend zu. In einer erneuten Urabstimmung vom 13. bis 15. Mai
müssen nun noch die Beschäftigten über die gefundene
Lösung befinden. Die Gewerkschaft geht allerdings von einer
breiten Zustimmung aus.
Hauptstreitpunkt war zuletzt die Forderung der Post AG, die
Arbeitszeiten im Konzern zu erhöhen. Nach der nun vereinbarten
Einigung wird die wöchentliche Arbeitszeit der tariflichen
Mitarbeiter wie auch der Beamten bei 38,5 Stunden belassen. Im Gegenzug
akzeptieren die Arbeitnehmer eine wöchentliche Mehrarbeit von rund
50 Minuten durch die Reduzierung bezahlter Pausen.
Die Löhne werden nach Post-Angaben zum 1. November dieses Jahres
um vier Prozent und im Dezember 2009 noch einmal um weitere drei
Prozent erhöht. Außerdem erhalten die Arbeitnehmer eine
Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro. Zugleich soll der so genannte
Beschäftigungspakt laut Konzernangaben bis zum 30. Juni 2011 um 39
Monate verlängert werden. Der Pakt schließt betriebsbedingte
Kündigungen aus.
«Mit über 93 Prozent streikbereiten Beschäftigten im
Rücken konnten wir ein sehr akzeptables Ergebnis erzielen»,
sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Andrea Kocsis. Die
wichtigsten Punkte seien aus Sicht der Gewerkschaft erreicht. Eine
Arbeitszeitverlängerung und der damit verbundene Stellenabbau
konnten ihren Worten zufolge verhindert werden.
Auch der Personalvorstand der Deutschen Post, Walter Scheurle, zeigte
sich zufrieden, dass es noch zu einer Einigung am Verhandlungstisch
gekommen ist: «Trotz schwieriger Rahmenbedingungen haben wir
einen für beide Seiten tragfähigen Kompromiss erzielt»,
sagte er.
Mit einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik hatte
ver.di in den vergangenen Tagen den Druck auf den Konzern nochmals
erhöht. 93,1 Prozent der ver.di-Mitglieder sprachen sich für
einen unbefristeten und flächendeckenden Arbeitskampf aus. Mit dem
nun abgeschlossenen Paket sei die Entschlossenheit der
Beschäftigten, notfalls auch einen harten Arbeitskampf zu
führen, belohnt worden, sagte der ver.di-Leiter des Fachbereichs
Postdienste in Bayern, Anton Hiertreiter.
Damit auch die Arbeitszeit der Postbeamten - abweichend von der
für andere Bundesbeamte geltenden Regelung - bei 38,5
Wochenstunden bleiben kann, muss laut Post der Bundesfinanzminister
zustimmen. Auch für diese Beschäftigtengruppe sollen die
bezahlten Pausenzeiten reduziert werden. Die Laufzeit des Vertrags
beträgt 26 Monate und geht bis zum 30. Juni 2010.
Die Gewerkschaft hatte in dem von massiven Warnstreiks begleiteten
Tarifkonflikt ein erstes Angebot der Post am 19. April abgelehnt und
die Tarifgespräche damit für gescheitert erklärt. Erst
am Mittwochvormittag waren die Verhandlungen wieder aufgenommen worden,
nachdem beide Seiten neue Gesprächsbereitschaft signalisiert
hatten.
(Quelle: ap)
Deutsche legen mehr auf hohe Kante - Preise fördern Sparneigung
Do.01.05.08 - Die Deutschen haben im vergangenen Jahr mehr Geld auf die hohe Kante
gelegt.
Die Sparquote legte deutlich auf 10,9 von 10,5 Prozent des
verfügbaren Einkommens zu, wie die Bundesbank am Mittwoch
mitteilte. Hierzu dürften Vorzieheffekte wegen der
Mehrwertsteuererhöhung Anfang des Jahres beigetragen haben, teilte
die Bundesbank weiter mit. Zugleich sei die Ausgabefreude durch die
Preisschübe bei Energie und Nahrungsmitteln Ende 2007 gehemmt
worden. Das Geldvermögen der privaten Haushalte nahm um 150
Milliarden auf etwa 4560 Milliarden Euro zu. Diese Summe entspricht
etwa dem Dreifachen des verfügbaren Einkommens der Bürger.
Gleichzeitig sank die Verschuldung um knapp 20 Milliarden auf 1550
Milliarden Euro.
(Quelle: rtr)
Sozialstudie: Behinderte schätzen betreutes Wohnen
Do.01.05.08 - Behinderte Menschen erleben in ambulant betreuten Wohnformen mehr
Lebensqualität. Das ist das Zwischenergebnis einer Studie, die von
der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften im Auftrag
des Elternvereins "Leben mit Behinderung" am Dienstag in der Hansestadt
vorgestellt wurde. Die Betroffenen seien danach selbstbestimmter, als
wenn sie in Heimen wohnen würden.
Ambulant betreutes Wohnen ist ein Angebot für erwachsene Menschen
mit Behinderung. Sie leben selbständig in ihrer eigenen oder
gemieteten Wohnung und werden durch Helfer in vielen Bereichen des
Lebens betreut und begleitet. Die auf einen Zeitraum von vier Jahren
angelegte Studie basiere vor allem auf dem Vergleich "stationären
und ambulanten Wohnens". Befragt wurden 47 Menschen mit Handicap, 50
Mitarbeiter und 19 Angehörige. Markanteste Zahl: 90 Prozent aller
Betroffenen gaben an, mit ihrer größereren
Entscheidungsfreiheit zufrieden oder sehr zufrieden zu sein.
Positive Veränderungen betreffen der Studie zufolge nicht nur
tägliche Verrichtungen wie Körperpflege, Wäschewaschen
oder Einkaufen, sondern auch das Freizeitverhalten: Aktivitäten
jeder Art hätten insgesamt zugenommen, sagte Professorin Petra
Weber, Leiterin der Studie. Die Befragten treffen mehr Freunde, treiben
mehr Sport, nutzen mehr Gruppenangebote und empfangen häufiger
Besuche.
Die bis 2010 laufende Studie wird von der deutschen Conterganstiftung
für behinderte Menschen (Bonn) mit einem Zuschuss in Höhe von
38.400 Euro unterstützt. Der Elternverein "Leben mit Behinderung
Hamburg" hat 1.500 Mitglieder und 637 Mitarbeiter und wird von über
1.000 Ehrenamtlichen unterstützt. Unterhalten werden 39
Wohngruppen, sechs ambulante Wohngemeinschaften und zwei
Hausgemeinschaften mit insgesamt 412 Bewohnern.
(Quelle: epd)
Duisburger Stadtrat gegen islamisches Kulturzentrum
Do.01.05.08 - Der Rat der Stadt Duisburg hat sich mit breiter Mehrheit gegen ein
islamisches Kulturzentrum mit Gebetsmöglichkeiten und
Internatsplätzen ausgesprochen. Der Stadtrat habe das
Neubauvorhaben des Verbands islamischer Kulturzentren (VIKZ) im
nördlichen Stadtteil Walsum aus städtebaulichen Gründen
abgelehnt und sei damit einer Entscheidung der Bezirksvertretung
gefolgt, bestätigte ein Sprecher der Stadt am Dienstag dem
evangelischen Pressedienst epd.
Die Bezirksregierung und Stadtrat werteten das Bauvorhaben, das neben
Kulturzentrum, Gebetsmöglichkeiten und Internatsplätzen auch
Läden und Wohnungen vorsieht, als zu groß. Allerdings
müsse nun die Bezirksregierung Düsseldorf den ablehnenden
Beschluss des Stadtrats prüfen, erläuterte der Sprecher der
Stadt. Denn eigentlich hätte die Baugenehmigung aus rechtlichen
Gründen erteilt werden müssen, hieß es.
Der Verband islamischer Kulturzentren (VIKZ) war wiederholt in den
Blick von Landesjugendämtern geraten, die dem Verband in einigen
Fällen die Betriebserlaubnis von Internaten und Jugendbetreuung
wegen fehlender pädagogischer Eignung entzogen. Der VIKZ ist einer
von vier islamischen Dachverbänden im Koordinationsrat der Muslime.
Dem Verband gehören bundesweit rund 300 Ortsvereine mit mehr als
20.000 Mitgliedern an. Von den Verfassungsschutzbehörden wird der
VIKZ nicht zu den extremistischen Organisationen gezählt, gilt
aber als umstritten.
(Quelle: epd)
Ehrung 40 Jahre nach Attentat: Berliner Stadtteil Kreuzberg
erhält Rudi-Dutschke-Straße
Do.01.05.08 - 40 Jahre nach dem Attentat auf Rudi Dutschke erinnert jetzt in
Berlin eine Straße an den früheren Studentenführer.
Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) enthüllte am
Mittwoch im Stadtteil Kreuzberg in Anwesenheit der Familie Dutschke das
Straßenschild für die neue Rudi-Dutschke-Straße direkt
vor dem Springer-Hochhaus. Dutschke war bei einem Anschlag am 11. April
1968 mit mehreren Schüssen verletzt worden. Er starb am 24.
Dezember 1979 an den Spätfolgen des Attentats.
Der Teil der bisherigen Kochstraße, die nun
Rudi-Dutschke-Straße heißt, stößt direkt auf die
Axel-Springer-Straße. Der Weg für die Umbenennung war frei
geworden, nachdem Gerichte mehrere Klagen zurückgewiesen hatten.
Anwohner sowie der in der Kochstraße ansässige
Springer-Verlag hatten sich gegen die von der Berliner "tageszeitung"
mitinitiierte Umbenennung gewandt.
Dutschke war im April 1968 vor dem Büro des linksgerichteten
Deutschen Studentenbundes (SDS) am Kurfürstendamm von einem
Attentäter zunächst vom Fahrrad gezerrt und dann mit mehreren
Schüssen verletzt worden. Am 11. April erinnerten hunderte
Menschen am Kurfürstendamm an den Anschlag.
Der jüngste Sohn Marek Dutschke sagte, die Tatsache, dass
«knapp 30 Jahre nach dem Tod seines Vaters eine Straße nach
ihm benannt wurde, ist ein Zeichen dafür, dass seine Ideen
weiterleben». Diese seien geprägt gewesen von
«Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit». Die neue
Ecke- Rudi-Dutschke/Axel-Springer-Straße nannte er einen Ort der
«konstruktiven Geschichtsverarbeitung».
Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) unterstrich, Berlin habe
jetzt eine «neue feine Adresse». Er hob zugleich hervor,
dass Dutschke für einen demokratischen Sozialismus gestanden habe
und Anti-Stalinist gewesen sei.
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg hatte am Montag
vergangener Woche entschieden, dass ein Teil der Kochstraße nach
Dutschke umbenannt werden darf. Gegen einen entsprechenden Beschluss
des Bezirksparlaments von Ende April 2005 hatten 27 Anlieger geklagt,
darunter der Axel Springer Verlag. Dessen Axel-Springer-Passage liegt
nun an der Rudi-Dutschke-Straße.
Dutschke gilt als herausragende Symbolfigur der Protestbewegung von
1968. Der Mitbegründer der außerparlamentarischen Opposition
(APO) war auch einer der Organisatoren der
«Springer-Kampagne», bei der die Enteignung des Verlegers
Axel Springer gefordert wurde. Am 11. April 1968 wurde der
überzeugte Marxist von dem jungen Hilfsarbeiter Josef Bachmann vor
dem Büro des Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) am
Kurfürstendamm niedergeschossen und lebensgefährlich
verletzt. Am 24. Dezember 1979 später erlag der damals
39-Jährige im dänischen Aarhus den Spätfolgen des
Attentats.
Die Schüsse auf den damals 28-jährigen Soziologiestudenten
waren Auslöser der härtesten innenpolitischen Unruhen seit
Bestehen der Bundesrepublik. Die Demonstranten warfen dem
Springer-Verlag vor, durch seine diffamierende Kampagne gegen Dutschke
sowie die Studentenbewegung eine Mitschuld an dem Attentat zu haben.
Sie riefen «Bild schoss mit». Bei Krawallen wurden das
Springer-Hochhaus angegriffen und Auslieferungsfahrzeuge des Verlags
angezündet.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, der
an der versuchten Erstürmung des Springer-Gebäudes beteiligt
war, erinnerte daran, damals sei gegen die «Hintermänner der
Kugeln» demonstriert worden. Viele sagten, so eine Hetze wie
gegen Dutschke hätten sie noch nie erlebt.
Ströbele betonte zugleich, die meisten Berliner seien mittlerweile
«immun» gegen die Beeinflussungsversuche des Verlags, dies
habe auch das Scheitern des Volksentscheids zur Offenhaltung Tempelhofs
gezeigt, für den Springer sich stark eingesetzt habe. In Anlehnung
an einen Ausruf Dutschkes bei der Beerdigung des RAF-Mitglieds betonte
Ströbele: «Der Kampf geht weiter, auch gegen Medienmacht.
Anschließend wurde die neue Rudi-Dutschke-Straße mit einer
von der «taz» organisierten Demonstration
»eingeweiht".
boa (Quellen: afp, ddp)
Computer & Cyberspace
World Wide Web seit 15 Jahren für alle offen
Do.01.05.08 - Das World Wide Web, kurz WWW, machte das Internet am Mittwoch vor 15
Jahren für jedermann zugänglich: Am 30. April 1993 wurde die
neue Technologie für Internetinhalte zur allgemeinen Nutzung
freigegeben. Zuvor war es eine eher wissenschaftliche Angelegenheit
für Physiker gewesen. Rund 52 Millionen Deutsche nutzen nach
Angaben des Branchenverbandes Bitkom inzwischen das World Wide Web, fast
zwei Drittel der Bundesbürger. Keine andere Technologie habe sich
"so schnell zu einem Massenphänomen entwickelt" wie das Internet
mithilfe des WWW, schwärmt Bitkom-Präsident August-Wilhelm
Scheer.
41 Prozent bestellen Waren und Dienstleistungen im Web, 21 Prozent
lesen online Nachrichten. Ganze 18 Prozent der Deutschen haben laut
Bitkom persönliche Informationen im Netz veröffentlicht.
Insgesamt surfen weltweit 1,3 Milliarden Menschen im Internet.
Das Surfen im Internet - das heißt das Klicken von Link zu Link -
ist es, was 1993 das neue am World Wide Web ausmachte. Denn diese
Verknüpfungen der Informationen sind die Grundlage des weltweiten
Datennetzes. "Das Web wird dadurch aufgespannt, dass man diese
Hypertext-Links hat - Verweise auf Adressen auf anderen Rechnern", sagt
der Dortmunder Informatiker Gerd Sokolies. "Die Fülle von Daten,
die zur Verfügung stehen und diese Links, die man anklickt, um
wieder woanders hinzukommen, die machen letztendlich das WWW aus."
Als Erfinder dieses virtuellen Raums miteinander verwobener
Informationen gilt Tim Berners-Lee, damals Wissenschaftler am
europäischen Kernforschungszentrum CERN nahe Genf. Er startete das
Projekt 1989, um den internationalen Informationsaustausch unter
Forschern zu vereinfachen. Bald entstanden der erste Browser - ein
Programm zum Surfen im Netz - und die Homepage des CERN als erste
Website.
Für Microsoft-Gründer Bill Gates war das WWW damals noch "nur
ein Hype". Doch bald erkannte auch der Software-Gigant das Internet als
strategisches Feld - und ab 1995 war der Browser "Internet Explorer" von
Microsoft auf Rechnern mit dessen Software automatisch installiert.
Heute wird der Internet Explorer weltweit auf fast 80 Prozent aller
Computer verwendet. Doch inzwischen erhält Microsoft nicht nur
durch den Internetgiganten Google Gegenwind, sondern auch für durch
den kostenlosen Browser "Firefox", der immer beliebter wird.
(Quelle: afp)