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Irak 1501 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
UN kritisieren mangelnde Grundversorgung für Irak-Kinder.
Mindestens 35 Tote bei Doppelanschlag nordöstlich von Bagdad. Acht
Menschen bei Kämpfen in Sadr-City getötet
Fr.02.05.08 - Die Vereinten Nationen haben die Situation der Kinder im Irak als
"ziemlich unerträglich" kritisiert: Die Regierung in Bagdad
müsse wesentlich mehr Geld aufwenden, um eine Grundversorgung
für die Minderjährigen in dem Golfstaat zu gewährleisten,
forderte am Mittwoch die UN-Sonderbeauftragte für Kinder in
bewaffneten Konflikten, Radhika Coomaraswamy. Seit 2005 sei dort der
Anteil der Kinder, die eine Schule besuchten, von rund 80 Prozent auf
nur noch 53 Prozent gefallen. Etwa drei von fünf Kindern
hätten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In Kampfgebieten
stelle die Cholera ein ernstes Problem dar, sagte die UN-Beauftragte,
die den Irak kürzlich besucht hatte.
Coomaraswamy forderte, die irakische Regierung solle einen wesentlichen
Teil ihres Haushaltsüberschusses zur Befriedigung solcher
Grundbedürfnisse ausgeben. "Sie kümmert sich um große
Infrastruktur-Wiederaufbauprojekte, und es gibt überhaupt keine
Aufmerksamkeit für diese elementaren Dienstleistungen - und wenn es
sie gibt, hat sie einen konfessionsgebundenen Schwerpunkt." Der Irak
hatte zu Wochenbeginn erklärt, wegen hoher Öl-Einnahmen einen
Nachtragshaushalt von fünf Milliarden Dollar zu planen.
Die UN-Beauftragte kritisierte auch, dass im Irak viele
Minderjährige festgenommen würden. Insgesamt seien rund 1500
Kinder in Haft, von denen die jüngsten nur zehn Jahre alt seien.
Vielfach seien die Gefängnisse überfüllt, und die
Insassen hätten keinen ordentlichen Zugang zu Anwälten. 500
der inhaftierten Kinder befänden sich in US-Gewahrsam.
Bei einem doppelten Selbstmordanschlag auf einen Hochzeitskonvoi sind
am Donnerstag nordöstlich von Bagdad mindestens 35 Menschen
getötet und 65 verletzt worden. Wie die irakische Polizei
mitteilte, ereigneten sich die Anschläge in der Stadt Balad Rus.
Zunächst habe eine Frau einen Sprengsatz gezündet. Etwa zehn
Minuten später habe sich ein Mann in die Luft gesprengt, als sich
bereits Helfer um die Opfer der ersten Explosion bemühten, sagte
ein Polizeisprecher.
Bei Kämpfen im Bagdader Stadtteil Sadr City zwischen US-Soldaten
und schiitischen Milizen sind in der Nacht zum Donnerstag mindestens
acht Menschen getötet worden. Weitere 18 Menschen seien verletzt
worden, teilten Vertreter der Sicherheitskräfte und
Krankenhausmitarbeiter mit. Nach Krankenhausangaben waren unter den
Toten zwei Frauen und zwei Kinder. Die Kämpfe ereigneten sich laut
Augenzeugen im Osten von Sadr City und dauerten bis zum Morgen an.
In dem Armenviertel im Nordosten der Stadt kämpfen irakische
Truppe mit Unterstützung der US-Armee seit Ende März gegen die
Mahdi-Miliz des radikalen Schiitenpredigers Moktada Sadr. Nach
offiziellen Angaben starben seitdem mehr als 900 Menschen.
Bei einer Bombenexplosion in einem Einkaufsviertel von Bagdad wurden am
Donnerstag weitere acht Menschen getötet. Der in einem Auto
deponierte Sprengsatz sei gezündet worden, als eine US-Patrouille
vorbeifuhr, hieß es aus irakischen Sicherheitskreisen. Ob
US-Soldaten unter den Opfern waren, wurde zunächst nicht bekannt.
boa (Quellen: rtr, ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 02.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsiebenunddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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El-Dschasira-Mitarbeiter aus Guantánamo entlassen
Fr.02.05.08 - Ein Kameramann von El Dschasira ist nach mehr als sechs Jahren
Gefangenschaft im US-Stützpunkt Guantánamo auf Kuba
freigekommen. Das berichtet der arabische TV-Sender auf seiner
Internetseite. Der Sudanese sei im Dezember 2001 im afghanisch-
pakistanischen Grenzgebiet gefangen genommen und später dem US-
Militär übergeben worden. Das US-Militär
verdächtigte ihn, dem Terrornetz El Kaida anzugehören. Wegen
eines Hungerstreiks wurde der Kameramann laut El Dschasira seit 16
Monaten zwangsernährt.
(Quelle: dpa)
Israel gedachte der Opfer des Holocaust -- Antisemitische Gewalt
weltweit auf dem Vormarsch
Fr.02.05.08 - Mit Schweigeminuten, Sirenen und Kritik an den Deutschen haben die
Israelis am Donnerstag der sechs Millionen Holocaust-Opfer gedacht. Um
10.00 Uhr heulten im ganzen Land zwei Minuten lang die Sirenen, die
Menschen hielten in ihrer Arbeit inne, Autofahrer stoppten ihre
Fahrzeuge.
Bei einer Zeremonie in der Gedenkstätte Jad Vaschem warnte
Staatspräsident Schimon Peres am Vorabend des Gedenktags vor einer
atomaren Bedrohung durch den Iran und verglich indirekt den iranischen
Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad mit Hitler. Die Welt sei damals
zu spät aufgewacht, um der von Hitler ausgehenden Bedrohung noch
vor dem Krieg zu begegnen, sagte der 84-jährige
Friedensnobelpreisträger. Dies dürfe sich nicht wiederholen.
«In der Geschichte ist es verboten, spät dran zu
sein», sagte Peres. Israel vermutet, dass die Regierung in
Teheran nach Atomwaffen strebt.
Zugleich kritisierte Peres die Deutschen, die in den 1930er Jahren
«einen Verrückten» gewählt und verehrt
hätten. Er fügte hinzu: «Wie ist es möglich, dass
ein Volk nicht aufsteht im Angesicht von Mord auf offener
Straße?»
Der Holocaust-Gedenktag wurde vom israelischen Parlament 1951 auf einen
Tag festgelegt, der im jüdischen Kalender zwischen dem Passah-Fest
und dem Unabhängigkeitstag am 14. Mai liegt. In Israel leben heute
noch rund 270.000 Holocaust-Überlebende, davon rund 80.000
ehemalige KZ-Häftlinge.
Eine neue israelische Studie berichtet unterdessen von einem weltweiten
Anstieg antisemitischer Gewalt um knapp sieben Prozent im vergangenen
Jahr. Die am Mittwoch von Wissenschaftlern der Universität Tel
Aviv veröffentlichte Studie über Vorfälle in 30
Ländern spricht von insgesamt 632 Fällen. Die Zahl schwerer
Angriffe verdreifachte sich von 19 auf 57. Dabei ging es vor allem um
bewaffnete Angriffe, Brandstiftung oder Tötungsabsichten.
Die Forscher sprachen von einem Zusammenhang zwischen der wachsenden
Zahl antisemitischer Vorfälle und einer allgemeinen
Kriminalitätszunahme. Außerdem seien Zusammenhänge mit
sozialen und wirtschaftlichen Spannungen und wachsender Furcht vor
Muslimen und anderen Ausländern festzustellen, heißt es.
Untersucht wurden unter anderem die USA, Kanada, Großbritannien,
Frankreich, Russland, Ukraine und Deutschland.
(Quelle: ap)
Weltsicherheitsrat ruft zu Kompromissen im Westsahara-Konflikt auf
Fr.02.05.08 - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die Konfliktparteien im
Streit um die Westsahara zu Kompromissen aufgerufen. Im Anschluss an
vier ergebnislose Verhandlungsrunden unter dem Dach der UN
verabschiedete der Rat am Mittwoch eine Resolution, die Marokko und die
Polisario Front zu einer realistischen Haltung mahnt.
Die Westsahara wurde nach dem Abzug der spanischen Kolonialmacht 1975
zwischen Marokko und Mauretanien aufgeteilt. Marokko besetzte aber das
gesamte Territorium, nachdem sich Mauretanien 1979 zurückgezogen
hatte. Die Polisario Front nahm daraufhin den bewaffneten Kampf auf, der
1991 mit einem von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand
beendet wurde. Die am Mittwoch verabschiedete Resolution
verlängert das UN-Mandat für 225 Beobachter bis zum 30. April
2009.
Der marokkanische UN-Botschafter El Mostafa Sahel sagte, die Resolution
beruhe auf der Einschätzung des UN-Vermittlers Peter van Walsum,
dass die Bildung eines unabhängigen Staates kein realistisches Ziel
sein könne. Die Entschließung «stärkt die
Position des Königreichs Marokko, das stets Realismus und
Kompromissbereitschaft zum Ausdruck gebracht hat». Der Diplomat
rief zu weiteren Verhandlungen über den Autonomie-Vorschlag seiner
Regierung auf.
Die Polisario wertete die Resolution jedoch als Bestätigung
für «das unveräußerliche Recht» des Volks
der Westsahara auf Selbstbestimmung. Dieses könne nur in einem
Referendum über die Zukunft des Territoriums zum Ausdruck gebracht
werden, sagte Mohamed Khadad von der Führung der Polisario. Marokko
könne Realismus und Kompromissgeist zeigen, wenn es den Vorschlag
der Polisario für ein Referendum annehme.
Die USA und Frankreich erklärten jedoch, sie betrachteten die
Resolution als Unterstützung für den marokkanischen
Autonomie-Vorschlag für die an Rohstoffen reiche Region. Der
stellvertretende US-Botschafter Alejandro Wolff sagte, eine für
beide Seiten akzeptable Autonomieregelung sollte nun im Zentrum der
weiteren Verhandlungen stehen.
(Quelle: ap)
USA verschärfen Ton gegenüber Simbabwes Präsident Mugabe
Fr.02.05.08 - Fünf Wochen nach der umstrittenen Präsidentenwahl in Simbabwe
haben die USA ihren Ton gegenüber Staatschef Robert Mugabe
drastisch verschärft. Der Sprecher des US-Außenministeriums,
Tom Casey, forderte Mugabe ungewöhnlich Form zum Ende der Gewalt
gegen die Opposition auf.
Indirekt signalisierte er den Wunsch Washingtons nach einem
Rücktritt Mugabes. Zugleich begann in Simbabwe am Donnerstag die
abschließende Überprüfung der Wahlergebnisse.
«Was zunächst geschehen muss, ist, dass Mugabe seine Hunde
zurückruft und die Angriffe seiner Sicherheitskräfte und
seiner Anhänger auf diejenigen, die lediglich friedlich ihre
Meinung kundtun, beendet», sagte Casey in Washington vor
Journalisten.
Zwar weigerte sich der Sprecher, auf Fragen nach einem möglichen
Rücktritt Mugabes direkt einzugehen. Er sagte aber, Mugabe schulde
es seinem Volk, «die Ergebnisse (der Wahl) sprechen zu lassen und
darauf entsprechend zu reagieren».
Was auch immer bei der Überprüfung der Wahlergebnisse in
Simbabwe herauskomme, kann nach Meinung Caseys «wahrscheinlich
lediglich eine begrenzte Glaubwürdigkeit haben». Die
Verzögerung der Bekanntgabe der Ergebnisse fünf Wochen nach
dem Urnengang sei «völlig skrupellos». In einem
solchen Klima der Gewalt wie in Simbabwe könne es auch kaum faire
Stichwahlen geben.
Die Opposition in Simbabwe lehnt eine Stichwahl weiterhin ab, weil sie
nach eigenen Angaben die Wahlen klar gewonnen hat. Er habe
«einen absoluten Wahlsieg» errungen, meinte der Vorsitzende
der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), Morgan Tsvangirai.
Nach eigener Auszählung erhielt Tsvangirai 50,3 Prozent der
Stimmen.
Dagegen hatte der US-Nachrichtensender CNN von einem anderen Ergebnis
berichtet, das Kreise der Regierungspartei ZANU(PF) Mugabes gestreut
hätten. Demnach soll Mugabe 43 Prozent der Stimmen, Tsvangirai 47
Prozent erhalten haben. MDC-Sprecher Nelson Chamisa bezeichnete diese
Angaben als gezielt gestreute Falschinformation. Die
Wahlkommission habe die Ergebnisse einen Monat lang manipuliert.
«Wir können auch keine Stichwahl abhalten, weil Mugabe im
vergangenen Monat durch Gewalt all unsere Strukturen vor Ort
zerstört hat.»
Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch warf dem Militär in
Simbabwe vor, an brutalen Übergriffen gegen
Oppositionsanhängern beteiligt zu sein. Eine Mitarbeiterin der
Organisation sagte am Mittwoch dem südafrikanischen Rundfunk, die
Armee liefere unter anderem Lastwagen und stelle auch anderes
Militärgerät für Schlägertrupps bereit. Bei einem
zweiwöchigen Aufenthalt in dem afrikanischen Krisenstaat sei sie
vor allem in ländlichen Gegenden auf «horrende Gewalt»
gestoßen.
Die schrecklich zugerichteten Opfer würden gezwungen, auf die
ZANU(PF)-Partei von Mugabe zu schwören. Zudem seien im Zeitraum
von nur vier Tagen in zwei Provinzen mehr als 100 Wahlmitarbeiter
festgenommen worden.
Seit Wochen gibt es Berichte über brutale Gewalt im Land, die nach
Angaben der Opposition von radikalen Anhängern Mugabes ausgeht.
Die Regierung hielt jedoch auch der MDC Gewaltakte vor. Die
Staatszeitung «The Herald» (Donnerstag) berichtete
über die Festnahme von zehn Oppositionsanhängern. Ihnen werde
Gewalt, Kidnapping, versuchter Mord und Widerstand gegen die
Staatsgewalt vorgeworfen.
(Quelle: dpa)
Südostasien: Proteste gegen hohe Lebensmittelpreise
Fr.02.05.08 - Unter dem Eindruck der weltweiten Nahrungsmittelkrise fanden in
Südostasien die Demonstrationen zum Tag der Arbeit statt. Tausende
Menschen gingen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta auf die
Straße. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Senkt die
Lebensmittelpreise jetzt" und "Mehr Geld für Arbeiter und Bauern".
Essen werde immer teurer, "wir wollen, dass die Ölpreise sinken",
forderte Yuningsih, der in einer Tuchfabrik arbeitet. Die Polizei
rechnete im Tagesverlauf mit mehr als 40.000 Demonstranten. Sie war mit
einem Großaufgebot vor Ort.
In der thailändischen Hauptstadt Bangkok forderten tausende
Demonstranten einen höheren Mindestlohn von rund 230 Baht (knapp
fünf Euro) pro Tag. Dafür protestierten in den Mittagsstunden
bereits knapp 2000 Arbeiter verschiedener Industriezweige vor dem Sitz
der Regierung. "Hohe Reispreise - niedrige Arbeiterlöhne" und "Wie
können Arbeiter leben?" stand auf ihren Plakaten. Die Demonstranten
riefen die Regierung gleichzeitig auf, die Privatisierung staatlicher
Firmen zu stoppen und stattdessen die Rechte der Arbeiter sowie deren
Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. In Bangkok verdienen die
meisten Arbeiter weniger als 200 Baht pro Tag; die Menschen in den
thailändischen Provinzen weit weniger.
Gegen die Preiserhöhungen bei Grundnahrungsmitteln hatten in den
vergangenen Wochen vor allem in Asien und Afrika Menschen teils
gewaltsam protestiert. Als Hauptgründe für die Preisexplosion
gelten die steigenden Energiekosten und die hohen Preise für
Düngemittel, aber auch Spekulationen an den Finanzmärkten.
(Quelle: afpß)
Erneut Menschenrechtsaktivist in Argentinien verschwunden
Fr.02.05.08 - In Argentinien ist erneut ein Zeuge der Anklage in Prozessen wegen
Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur verschwunden. Juan
Evaristo Puthod wurde zuletzt gesehen, als er am Dienstag ein Zentrum
zur Erinnerung an die Opfer der Militärdiktatur verließ, wie
Präsidentin Cristina Fernandez am Mittwoch mitteilte. Der
49-jährige Menschenrechtsaktivist erhielt nach Angaben seiner
Familie vor rund eineinhalb Jahren Todesdrohungen.
Kollegen fürchten, dass ihn ehemalige Sicherheitskräfte zum
Schweigen bringen wollen. Puthod wurde in verschiedenen
Geheimgefängnissen festgehalten und gilt als wichtiger Zeuge in
mehreren Prozessen. Es werde eine umfassende Suchaktion gestartet,
kündigte Präsidentin Fernandez im Fernsehen an.
Seit September 2006 wird bereits der Bauarbeiter Jorge Julio Lopez
vermisst. Kurz zuvor hatte er im Prozess gegen einen ehemaligen
Polizeichef der Provinz Buenos Aires ausgesagt. Ein weiterer Zeuge, der
ehemalige Offizier Paul Alberto Navone, nahm sich kurze Zeit vor seiner
geplanten Aussage im Februar offenbar das Leben. Offiziell gelten 13.000
Opfer der Militärdiktatur als tot oder vermisst.
Menschenrechtsgruppen geben die Zahl mit fast 30.000 an.
(Quelle: ap)
US-Notenbank senkt Leitzins erneut
Fr.02.05.08 - Die US-Notenbank (Fed) hat angesichts der anhaltenden Konjunktur- und
Finanzkrise ihren Leitzins erneut gesenkt.
Sie nahm den Satz für Tagesgeld am Mittwoch um 0,25 Punkte auf
nunmehr zwei Prozent zurück - ein mäßiger Schritt,
nachdem die Fed den Zins im März um 0,75 Punkte gesenkt hatte.
Insgesamt war es die siebte Zinssenkung seit August 2007. Zuletzt hatte
der Satz im November 2004 derart niedrig gelegen.
Die meisten Experten waren von einem Zinsschritt in diesem Umfang
ausgegangen. Die Erwartungen gehen nun dahin, dass die
Währungshüter nach der erneuten Senkung eine Pause einlegen
und den Zins möglicherweise bis ins nächste Jahr hinein
unverändert lassen. Grundlage für diese Einschätzung sind
gewachsene Inflationssorgen insbesondere vor dem Hintergrund des
Preisauftriebs im Energie- und Nahrungsmittelbereich. Zudem ist das
Wirtschaftswachstum im ersten Quartal dieses Jahres mit 0,6 Prozent
etwas besser ausgefallen als erwartet, wie das Handelsministerium in
Washington kurz vor der Zinsentscheidung in einer ersten Schätzung
mitgeteilt hatte.
In einer Erklärung des Offenmarktausschuss der Fed hieß es,
in den nächsten Quartalen werde werde zwar eine Mäßigung
der Inflation im Zuge eines Preisausgleich bei Energie und anderen
Rohstoffen erwartet. Die «Ungewissheit» über die
Inflationsentwicklung bleibe aber groß. «Es werde
nötig sein, die Entwicklung sorgfältig zu beobachten.
Zum Konjunkturausblick sagen die Währungshüter, die
substanzielle Lockerung der Geldpolitik in den vergangenen Monaten
verbunden mit Maßnahmen zur größeren Liquidität
«sollten zur Förderung eines moderaten Wachstums im Laufe der
Zeit beitragen». Der Ausschuss werde weiterhin wenn nötig
handeln, um dauerhaftes Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zu
fördern.
(Quelle: dpa)
Gelder für US-Raketenabwehr in Europa sollen verdoppelt werden
Fr.02.05.08 - Ein Ausschuss des US-Senats hat eine Verdoppelung der Gelder für
den geplanten Bau eines Raketenabwehrsystems in Europa bewilligt.
Demnach sollen die Mittel für das Projekt von 320 Millionen Dollar
(206 Millionen Euro) auf 712 Millionen Dollar (458 Millionen Euro)
aufgestockt werden. Darin eingeschlossen sich auch Gelder für den
Bau der für die Aufstellung des Systems notwendigen Einrichtungen
in Tschechien und Polen, die der Kongress im vergangenen Jahr noch
blockiert hatte.
Die Mittel sind im Ausgabengesetz für das Verteidigungsministerium
für 2009 enthalten, das der Verteidigungsausschuss des Senats in
dieser Woche gebilligt hat. Sie entsprechen den Forderungen der
Regierung von Präsident George W. Bush. Es bestehe jetzt ein
parteiübergreifender Konsens im Senat, dass vom Iran eine Gefahr
für Europa und die USA ausgehe, sagte ein Sprecher der für
die Raketenabwehr zuständigen Behörde im
Verteidigungsministerium, Rick Lehner, am Donnerstag.
Die US-Regierung begründet die Notwendigkeit des Raketenschilds
mit Bedrohungen durch den Iran und Nordkorea.
(Quelle: ap)
Merkel für Lösung der EU-Krise mit Karlspreis geehrt
Fr.02.05.08 - Mit einem klaren Appell zur konsequenten Weiterentwicklung der
Europäischen Union hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag
den Internationalen Karlspreis entgegengenommen.
Den Willen, Europa zu gestalten, hätten die EU-Mitglieder im
vorigen Jahr bewiesen, indem sie mit dem Vertrag von Lissabon die
Grundlage der Union erneuert hätten. Auf diesen Lorbeeren
dürfe man sich jetzt aber nicht ausruhen, betonte Merkel in
Aachen. «Wir sollten die Ärmel hochkrempeln und uns auf
Politik konzentrieren, auf Ergebnisse und Lösungen, die über
die eigene Selbstbeschäftigung hinausgehen.»
Merkel erhielt den Karlspreis für ihre Verdienste um die
europäische Einigung. Das Karlspreis-Direktorium würdigte vor
allem ihren «herausragenden Beitrag» zur Überwindung
der EU-Verfassungskrise. Der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy betonte in seiner Laudatio Merkels unermüdlichen
Einsatz in der EU. Ihr Engagement habe den Reformvertrag von Lissabon
erst möglich gemacht, sagte Sarkozy im Krönungssaal des
Aachener Rathauses.
Merkel bedankte sich bei ihm ausdrücklich - und in
französischer Sprache. Sie sagte die Unterstützung
Deutschlands bei der am 1. Juli beginnenden französischen
EU-Präsidentschaft zu. In ihrer Dankesrede sprach sie von der
europäischen Einigung als einem «Friedenswerk» und
«Wunder». «Nach Jahrhunderten gewalttätiger
Auseinandersetzungen haben wir das kaum Denkbare geschafft - ein
friedliches und freundschaftliches Miteinander in Europa.» Dies
sei auch für andere Regionen der Welt ein Modell. «Europa
war, ist und wird unser gemeinsames Schicksal sein.»
Sarkozy sagte, er habe viel von Merkel gelernt und sei glücklich,
in der Europapolitik «Hand in Hand» mit ihr gehen zu
können. «Wir sind ein harmonisches Paar.» Frankreich
werde bei der bevorstehenden Ratspräsidentschaft das Wohl Europas
im Auge haben: «Frankreich wird nicht zu seinem eigenen Nutzen
arbeiten.» Die Arbeit der Europäer beginne erst. Die EU habe
Frieden und wirtschaftlichen Fortschritt gebracht. «Aber jetzt
müssen wir darüber hinaus agieren.»
Frankreichs Präsident nannte die Einwanderungsproblematik und die
gemeinsame Verteidigung als weitere Aufgaben. Ähnlich wie Merkel
hob er hervor, dass Frieden und Demokratie und vor allem die
Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich nicht so
selbstverständlich seien, wie sie heute schienen. Sarkozy:
«Unsere Großväter haben sich noch gegenseitig
umgebracht. Jetzt sind Deutschland und Frankreich für immer
Freunde geworden.»
Zu den Ehrengästen in Aachen gehörten fünf Staats- und
Regierungschefs, darunter der spanische König Juan Carlos. Der
Karlspreis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen Europas und
wird seit 1950 verliehen. Merkel ist die vierte Frau, die ihn
erhält. Auch der frühere Bundespräsident Roman Herzog
und Altkanzler Helmut Kohl (CDU) sind Karlspreis-Träger. 2007
wurde der EU-Außenbeauftragte Javier Solana geehrt.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte, die Verleihung des
Preises an Merkel - und damit an den dritten CDU-Kanzler nach Konrad
Adenauer (1954) und Kohl (1988) - unterstreiche, «dass die CDU
die deutsche Europapartei ist». Mit ihrer «integrierenden,
zugleich bestimmenden und zielorientierten
Verhandlungsführung» habe Merkel die EU wieder zu neuen
Erfolgen geführt.
(Quelle: dpa)
300 Flüchtlinge auf italienischer Insel Lampedusa gelandet
Fr.02.05.08 - Auf der süditalienischen Insel Lampedusa sind insgesamt 300
Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern gelandet. Die
Küstenwache teilte mit, insgesamt drei Boote seien vor der
Küste abgefangen worden. Auf einem 15 Meter langen Boot seien 234
Menschen gewesen. Auch ein Schlauchboot mit rund vierzig Menschen sei
unterwegs gewesen und aus eigener Kraft bis in den Hafen von Lampedusa
gelangt. Rund fünfzig Menschen auf einem dritten Schiff seien 48
Kilometer vor der Küste von der Küstenwache gerettet worden.
Die Flüchtlinge stammen den Angaben zufolge zumeist aus Somalia,
Eritrea, Ghana und Nigeria. Sie wurden in ein Aufnahmezentrum gebracht,
in dem bereits 700 in den vergangenen Tagen festgenommene
Flüchtlinge versorgt werden.
(Quelle: afp)
Straßenschlachten bei versuchten Maikundgebungen in Istanbul
Fr.02.05.08 - Die türkische Polizei ist gewaltsam gegen Versammlungen zum 1. Mai
in der Innenstadt von Istanbul vorgegangen und hat damit
Straßenschlachten ausgelöst. Die Sicherheitskräfte
setzten gepanzerte Fahrzeuge, Tränengas und Wasserwerfer gegen
Gewerkschafter ein, um sie daran zu hindern, zum zentralen Taksim-Platz
zu marschieren, wie türkische Fernsehsender meldeten. Die
Gewerkschafter hätten Steine auf die Polizisten geworfen; es habe
Verletzte und Festnahmen gegeben.
Auch Ärzte und Patienten eines nahegelegenen Krankenhauses wurden
in Mitleidenschaft gezogen, weil ein Polizist vor der Notaufnahme der
Klinik eine Tränengasgranate fallen ließ und diese
explodierte. Oppositionspolitiker warfen der Polizei übertriebene
Gewaltanwendung vor.
Die Spannungen hatten sich bereits in den vergangenen Tagen angedeutet,
weil die Behörden die Forderung der Gewerkschaften ablehnten, eine
Maikundgebung auf dem Taksim-Platz im Stadtzentrum abzuhalten. Einige
Gewerkschaften erklärten darauf, sie wollten trotz des Verbots zum
Taksim marschieren. Um dies zu verhindern, wurde der Platz
weiträumig abgesperrt. Der gesamte öffentliche Nahverkehr in
der Umgebung wurde eingestellt.
Schon im vergangenen Jahr hatte eine ähnliche Konfrontation
zwischen Behörden und Gewerkschaften zu Straßenschlachten
geführt. Diesmal begründete der Istanbuler Gouverneur Muammer
Güler das Demonstrationsverbot damit, dass es Hinweise auf
bewaffnete Anschläge gebe. Der Taksim-Platz hat für die
türkischen Gewerkschafter eine besondere Bedeutung, weil dort bei
einer Mai-Kundgebung 1977 fast 40 Menschen umkamen.
(Quelle: afp)
Gewerkschaften prangern am Tag der Arbeit Niedriglöhne in
Deutschland an -- Trendwende bei der Mitgliederentwicklung
Fr.02.05.08 - Über 400.000 Menschen sind nach Gewerkschaftsangaben am Tag der
Arbeit gegen Niedriglöhne auf die Straße gegangen.
Auf der zentralen Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB) in Mainz forderte DGB-Chef Michael Sommer am Donnerstag einen
gesetzlichen Mindestlohn und ein Einschreiten gegen "Raubtier- und
Karawanenkapitalismus". Der rheinland-pfälzische
Ministerpräsident Kurt Beck, seit fünf Jahren erster
SPD-Parteichef bei der DGB-Hauptkundgebung, nutzte die Gelegenheit zum
Schulterschluss. Die CDU lehnte einen flächendeckenden Mindestlohn
erneut ab. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt verteidigte den
Niedriglohnsektor als Arbeitschance für Geringqualifizierte und
Langzeitarbeitslose.
Bundesweit hatten die Gewerkschaften zu mehr als 440 Veranstaltungen
unter dem Motto "Gute Arbeit muss drin sein" aufgerufen. Bis zum
Nachmittag zählte der DGB 416.000 Teilnehmer und damit gut 100.000
weniger als im Vorjahr.
Sommer forderte eine gesetzliche Regulierung der Gehälter von
Managern. "Wenn die Manager-Kaste nicht von sich aus begreift, dass es
keinen Menschen gibt, dessen Arbeit hundert mal mehr wert ist als die
des Anderen, dann muss der Gesetzgeber handeln", forderte Sommer. Der
DGB-Chef unterstützte damit jüngste, bei der Union auf
Widerstand stoßende Forderungen der SPD, die Absetzbarkeit von
Manager-Vergütungen einzuschränken.
SPD-Chef Beck machte sich für einen gesetzlichen Mindestlohn
stark. "Wer für ein anständiges System ist, muss aus
ordnungspolitischen und sozialen Gründen für einen gesetzlich
verankerten Mindestlohn sein", sagte Beck vor den etwa 1000 Besuchern
der DGB-Kundgebung in Mainz. Seine Rede wurde immer wieder von Gegnern
der auf den Weg gebrachten Teilprivatisierung der Bahn mit
Zwischenrufen und Trillerpfeifen gestört.
Seit der Rede des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder 2003
war Beck nach DGB-Angaben der erste SPD-Chef, der wieder auf der
zentralen Mai-Kundgebung sprach. Mit Schröders im Jahr 2003
verkündeter Reformagenda 2010 war das Verhältnis zwischen
Gewerkschaften und SPD in eine tiefe Krise geraten. Beck suchte zuletzt
mit einem sozialpolitisch bestimmten Kurs wie der längeren
Zahldauer des Arbeitslosengeldes I verstärkt die Nähe der
Gewerkschaften. Diese kämpfen ihrerseits angesichts eines rasanten
Mitgliederschwundes mit einem Bedeutungsverlust.
Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske,
sieht die Gewerkschaften aber im Kommen. Verdi habe seit Jahresbeginn
65.000 neue Mitglieder gewonnen. Bsirske führte dies im
Deutschlandfunk auch auf die Arbeitskämpfe und relativ hohen
Tarifabschlüsse der vergangenen Monate zurück.
Es gebe in der Bevölkerung ein tief empfundenes Gefühl der
sozialen Ungerechtigkeit, sagte Bsirske. 1,9 Millionen Menschen
würden für fünf Euro oder weniger beschäftigt.
IG-Metall-Chef Berthold Huber forderte in Wolfsburg: "Wir brauchen eine
Gesellschaft, in der Menschen mehr sind als ein Rädchen im
Wirtschaftsgetriebe." Ein ungezügelter Kapitalismus spalte die
Belegschaft und zerstöre die Grundfesten der Demokratie.
Sommer kritisierte das Motto der Union "Sozial ist, was Arbeit schafft"
als "unsoziale Verlogenheit". Weder Ein-Euro-Jobs noch unterbezahlte
Arbeit für drei oder fünf Euro die Stunde hätten etwas
mit guter Arbeit zu tun.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bekräftigte, dass es mit
der Union "keinen einheitlichen flächendeckenden Mindestlohn"
geben werde. "Auch der Zeitarbeitsbranche dürfen keine Fesseln
angelegt werden", erklärte Pofalla. Union und SPD streiten derzeit
über den von Teilen der Zeitarbeitsbranche beantragten
Mindestlohn. Die Union lehnt diesen vehement ab.
Die CDU verteidigte den Niedriglohnsektor als notwendig für die
Wirtschaftskraft. "Das Ziel der Vollbeschäftigung erreichen wir
nur, wenn wir den Niedriglohnsektor nicht aus unserem Land vertreiben",
sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der
Unions-Fraktion, Norbert Röttgen, der "Rheinischen Post".
Ähnlich äußerte sich Arbeitgeberchef Hundt. "Die
bessere Erschließung des Niedriglohnsektors während der
letzten Jahre hat entscheidend zum aktuellen Beschäftigungsboom
beigetragen", sagte Hundt in der "Welt". Niemand, der arbeite,
müsse in Armut leben. Das sei Sinn und Zweck des aus Steuern
finanzierten ergänzenden Arbeitslosengeldes II.
In einigen großen Gewerkschaften zeichnet sich eine Trendwende
bei der Mitgliederentwicklung ab. Die IG Bauen, Agrar und Umwelt (IG
Bau), die seit 1997 mehr als 46 Prozent ihrer Beitragszahler verloren
hat, konnte ihren Mitgliederschwund im ersten Quartal 2008 bremsen.
«Es geht noch nicht wieder aufwärts, die Abwärtskurve
hat sich aber deutlich abgeflacht», sagte IG Bau-Sprecherin Sigrun
Heil am Mittwoch auf ddp-Anfrage.
Eine leichte Erholung verzeichnet auch die IG Bergbau, Chemie, Energie
(IG BCE). Sprecher Michael Denecke verwies auf einen leichten
Beschäftigungsaufbau in der Chemiebranche. «Das schlägt
sich natürlich auch in den Mitgliederzahlen nieder», sagte
er. Der anhaltende Stellenabbau vor allem im Bergbau und die
demografische Entwicklung drücke aber die Zahl der Beitragszahler
weiter nach unten.
Die IG Metall, mit 2,3 Millionen Mitgliedern die größte
Einzelgewerkschaft unter dem Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB), hat im ersten Quartal 2008 rund 6000 Mitglieder verloren.
Sprecherin Ingrid Gier sieht dennoch eine belegbare Trendwende.
«Wir haben die Talsohle durchschritten», zeigte sie sich
überzeugt. Auf Seiten der Betriebsangehörigen stünden
allein 29 000 Neuaufnahmen im ersten Quartal. «Die Vielen
Sterbefälle unter den Rentnern sorgen zwar noch für ein
negatives Saldo», sagte Gier. Die Situation in den Betrieben
entwickele sich aber sehr positiv.
DGB-Sprecherin Marion Falk sagte, durch die guten Abschlüsse vor
allem im Dienstleistungssektor habe ein sozialer Klimawandel eingesetzt.
«Es ist uns gelungen, die sozialen Fragen stärker in die
Öffentlichkeit zu bringen», sagte Falk. Der DGB hat in den
vergangenen zehn Jahren rund ein Viertel seiner Mitglieder verloren.
Heute haben die acht großen Einzelgewerkschaften des DGB
insgesamt noch rund 6,4 Millionen Mitglieder.
boa (Quellen: rtr, ddp)
Mehrheit der Deutschen wünscht sich stärkeren Einfluss der
Gewerkschaften -- 82 Prozent finden, dass sich die Arbeitsbedingungen
verschlechtert haben -- Sichere Arbeit wichtiger als mehr Geld
Fr.02.05.08 - Eine Mehrheit der Bundesbürger von 57 Prozent wünscht sich,
dass die Gewerkschaften mehr Einfluss in der Gesellschaft bekommen. Von
der Wirtschaft wünschen sich dies nur 41 Prozent. Weniger als die
Hälfte der Deutschen (46 Prozent) findet, dass es den
Gewerkschaften gelingt, ihre Interessen in der Gesellschaft
durchzusetzen. Von der Wirtschaft denken dies mehr als zwei Drittel der
Bundesbürger (70 Prozent).
Für diese Umfrage im Auftrag der ARD-Tagesthemen hat das
Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Montag und Dienstag
dieser Woche 1.000 Bundesbürger telefonisch befragt.
82 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass sich die
Arbeitsbedingungen in Deutschland in den letzten Jahren immer weiter
verschlechtert haben. Dennoch finden 72 Prozent, dass die Unternehmen
in Deutschland "insgesamt gute Arbeit leisten". Von den Gewerkschaften
denken dies 55 Prozent. 73 Prozent der Bundesbürger sind der
Ansicht, dass sich die Gewerkschaften vor allem um diejenigen
kümmern, die schon einen festen und sicheren Job haben. 46 Prozent
der Bundesbürger finden, dass die Gewerkschaften sich in
Tarifverhandlungen besonders für den Verzicht auf betriebsbedingte
Kündigungen einsetzen sollten. 32 Prozent sind der Ansicht, die
Gewerkschaften sollten sich besonders für die Erhöhung der
Löhne und Gehälter stark machen. Nur 14 Prozent sind der
Meinung, die Gewerkschaften sollten sich besonders dafür
einsetzen, dass die Arbeitszeit nicht erhöht wird.
(Quelle: ARD-DeutschlandTREND)
Immer mehr Ältere auf Hartz IV angewiesen
Fr.02.05.08 - Immer mehr ältere Menschen rutschen nach Informationen des
«Tagesspiegels» in die Altersarmut ab und sind auf Hartz IV
angewiesen. Seit der Einführung des Arbeitslosengeldes II 2005 sei
die Zahl der älteren Hilfebedürftigen bis Ende 2007 um mehr
als 22 Prozent und damit fast doppelt so stark gestiegen wie bei den
anderen Altersgruppen, schreibt die Zeitung unter Bezug auf eine
aktuelle Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes. «Das ist ein
bedrückendes Ergebnis, vor allem vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels», sagte Wilhelm Adamy, vom
DGB-Bundesvorstand.
Zwar hätten sich im vergangenen Jahr immer weniger der 50- bis
64-Jährigen arbeitslos gemeldet, die Arbeitslosenstatistik sei
für sich allein aber nicht aussagefähig, sagte Adamy.
Betrachte man die Entwicklung der Zahlen der Hartz-IV-Empfänger,
ergebe sich ein anderes Bild: Von November 2006 bis November 2007 sank
demnach deren Zahl wegen des Aufschwungs um 3,8 Prozent auf rund 5,1
Millionen. In der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen stieg sie im
selben Zeitraum aber um 3,3 Prozent auf gut 1,2 Millionen. «Das
Verarmungsrisiko der Älteren steigt deutlich», sagte Adamy.
Heute sei jeder elfte Erwerbsfähige zwischen 15 und 64 Jahren auf
diese staatliche Fürsorge angewiesen.
Im Osten liegt die Quote der Älteren, die auf Hartz IV angewiesen
sind, dem Bericht zufolge mit fast 13 Prozent doppelt so hoch wie im
Westen. Berlin führe diese Armutsstatistik mit einer Quote von
14,4 Prozent an, dicht gefolgt von Sachsen-Anhalt (14,2 Prozent) und
Mecklenburg-Vorpommern (13,9). Am niedrigsten sei die Hartz-IV-Quote
der 50- bis 64-Jährigen in Bayern (4,3 Prozent) und
Baden-Württemberg (4,3).
(Quelle: ap)
Ausschreitungen bei Protesten gegen NPD-Aufmärsche
Fr.02.05.08 - Tausende Menschen haben in Hamburg und Nürnberg gegen
Aufmärsche der rechtsextremen NPD demonstriert.
Nach einem zunächst friedlichen Protest griffen Demonstranten in
Hamburg am Donnerstag Polizisten mit Steinen und Flaschen an. "Das ist
ein Kleinkrieg überall", sagte ein Polizeisprecher.
Etwa 2000 Demonstranten zogen am Nachmittag in der Hansestadt in
kleinen Gruppen durch den Stadtteil Barmbek. Sie zündeten laut
Polizei sechs Autos an und bauten Barrikaden aus Mülltonnen und
Holz. Es habe Verletzte und Festnahmen gegeben. Bereits zuvor hatte die
Polizei Wasserwerfer eingesetzt. Scheiben wurden eingeschmissen,
Polizeiautos umgeworfen, kleinere Brände etwa in Mülltonnen
entzündet.
In Nürnberg wurden nach Angaben der Polizei vier Beamte verletzt,
als Teilnehmer eines Protestmarsches am Donnerstag die Absperrungen zu
durchbrechen versuchten. Vereinzelt flogen Steine und Flaschen. Sechs
Menschen wurden festgenommen.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und andere Gruppen forderten ein
NPD-Verbot. "Ich erwarte von unserem demokratischen Staat, dass er sich
wirklich als wehrhaft erweist und dem Spuk der NPD und anderer
Neo-Faschisten in deutschen Landtagen und Kommunalparlamenten endlich
ein Ende bereitet", sagte DGB-Chef Michael Sommer auf der zentralen
Mai-Kundgebung der Gewerkschaften in Mainz. "Die NPD muss verboten
werden - und zwar jetzt." Die Innenminister der Länder hatten sich
zuletzt nicht auf ein neues Verbotsverfahren einigen können.
In Nürnberg versammelten sich 5000 Menschen auf dem Platz, auf dem
die Nationalsozialisten die Nürnberger Hauptsynagoge
niedergebrannt hatten. Bayerns Ministerpräsident Günther
Beckstein (CSU), Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly
(SPD) und der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Arno
Hamburger, bezeichneten die NPD als verfassungsfeindlich. "Wir wollen
die Nazi-Bande hier nicht haben", rief Beckstein der Menge zu. An die
Zuhörer gerichtet sagte Hamburger: "Sie alle sind die Garantie
dafür, dass nie wieder braune Rabauken in der Lage sein werden,
unser Land ins Unglück zu stürzen."
Weitere 4000 Menschen schlossen sich nach Schätzungen der Polizei
einem Demonstrationszug linker Gruppen der "Initiative neue
ArbeiterInnenbewegung" an. Die Polizei hatte 3000 Beamte im Einsatz, um
diese Menge von den 1500 NPD-Anhängern zu trennen.
In Hamburg hatte ein "Bündnis gegen Rechts" zum Protest gegen
Rechtsextremismus aufgerufen. "Ausgerechnet die, die die Gewerkschaften
1933 zerschlagen haben, die das Führerprinzip auch im Betrieb
wollen, für die Menschen- und Bürgerrechte, für die
Arbeitnehmerrechte absolute Fremdwörter sind, wollen jetzt auch
noch die soziale Frage okkupieren", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie
Buntenbach und forderte ein gründlich vorbereitetes NPD-Verbot.
Die evangelische Bischöfin Maria Jepsen erklärte, es sei
nicht hinzunehmen, dass die NPD Menschen mit Migrationshintergrund aus
Gesellschaft und Arbeitswelt drängen wolle. "Das nehmen wir nicht
hin. Das darf in Hamburg und Deutschland nie mehr geschehen."
(Quelle: rtr)
Kartellamt führt beim Gas nun 41 Missbrauchsverfahren
Fr.02.05.08 - Das Bundeskartellamt hat gegen weitere Gasversorger
Missbrauchsverfahren wegen des Verdachts überhöhter Preise
für Haushalts- und Gewerbekunden eingeleitet. Dies berichtete die
«Thüringer Allgemeine» unter Berufung auf einen
Sprecher der Behörde. Inzwischen seien 41 Versorger aufgefordert
worden, dem Kartellamt ihre Preisbildung offen zu legen. Im März
hatte die Behörde von 35 Missbrauchsverfahren gesprochen.
Betroffen seien Unternehmen aus allen Regionen Deutschlands. Die ersten
Entscheidungen werde das Kartellamt Mitte des Jahres bekannt geben,
wurde der Sprecher zitiert. Bestätigt sich der Verdacht der
Wettbewerbshüter, könnte die Kartellbehörde
Preissenkungen anordnen.
Unter den ins Visier der Kartellwächter geratenen Unternehmen sind
Tochterfirmen der beiden größten deutschen Energieversorger
E.ON und RWE, aber auch Regionalversorger und Stadtwerke. Im März
hieß es, die verdächtigen Unternehmen hätten einen
Marktanteil von rund 20 Prozent.
Die Bonner Behörde macht in dem Pilotverfahren erstmals vom
novellierten Kartellrecht Gebrauch, das ihr mehr Möglichkeiten bei
der Missbrauchsaufsicht einräumt und ihr erlaubt, in einem
vereinfachten Verfahren Preissenkungen durchzusetzen.
Darüber hinaus kann die Behörde bei den betroffenen
Unternehmen zu viel kassierte Gelder abschöpfen. Allerdings
würden diese Gelder dann nicht an die Verbraucher
zurückfließen, sondern in die Staatskasse. Verbraucher, die
zu viel gezahltes Geld von den Gasversorgern zurückhaben wollten,
müssen laut Kartellamt ein Zivilverfahren gegen die Unternehmen
anstrengen.
(Quelle: ap)
Hitzige Debatte um Gentechnik nach Ende der Northeimer Feldbesetzung
Fr.02.05.08 - Nach der Aussaat von gentechnisch veränderten Rüben und dem
Ende der Feldbesetzung bei Northeim haben die Grünen im
niedersächsischen Landtag zur Unterstützung des Widerstandes
gegen die Freilandversuche aufgerufen. «Dass die Aussaat der
Zuckerrüben nur hinter Bauzäunen und unter Polizeischutz
stattfinden konnte, demonstriert sehr anschaulich die mangelnde
Akzeptanz der Agrogentechnik in der Bevölkerung», sagte der
agrarpolitische Sprecher der Fraktion, Christian Meyer, am Mittwoch in
Hannover.
Die Aussaatversuche des Unternehmens KWS dienten allein den
kommerziellen Interessen der Gentechnikindustrie und bedeuteten eine
erhebliche Gefahr für die biologische Vielfalt, erklärte
Meyer. Die Grünen verlangten deshalb ein Verbot der
Freisetzungsversuche von nicht zugelassenen Genrüben, Genkartoffeln
und Genweizen. Meyer verwies darauf, dass rund 80 Prozent der
Bevölkerung Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnten und auch
der Northeimer Stadtrat gegen die Versuche sei.
Die SPD-Fraktion forderte ebenfalls am Mittwoch eine bessere
Bürgerbeteiligung bei Gentechnik-Versuchen. «Die
jüngsten Ereignisse bei Northeim um die Freisetzung gentechnisch
veränderter Zuckerrüben zeigen, wie problematisch das Thema
ist», sagte die agrarpolitische Sprecherin Karin Stief-Kreihe. Die
Genehmigungsverfahren müssten verändert werden, um den
Menschen mehr Mitspracherechte zu ermöglichen. Als Vorbild
könne die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im
Baurecht dienen.
Zuvor hatten die Besetzer des Versuchsfeldes ihre Aktion am Mittag mit
einer Demonstration in Northeim beendet. Am Dienstagmorgen hatten die
KWS auf einem Teil des Feldes die Rüben ausgesät. Rund 450
Mitarbeiter des Unternehmens sowie etwa 70 Polizisten schützten das
Vorhaben. Auf der Restfläche will die KWS nach eigenen Angaben
Hafer pflanzen. Die Besetzung des Feldes hatte vor zweieinhalb Wochen
begonnen. Mehrere Dutzende junge Leute hatten dort ein Zeltdorf
errichtet, Bäume und Blumen gepflanzt und einen Aussichtsturm aus
Holz gebaut.
(Quelle: ddp)
Immer mehr Bundesbürger wandern aus
Fr.02.05.08 - Immer mehr Bundesbürger kehren Deutschland den Rücken. Allein
von Januar bis November 2007 entschieden sich knapp 150.000 deutsche
Staatsbürger für eine Auswanderung, wie aus Zahlen des
Statistischen Bundesamts hervorgeht. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres
hatten rund 7.000 Bundesbürger weniger das Land verlassen. Von
Januar bis November 2007 kehrten zugleich etwa 99.000 Menschen mit
deutschem Pass in die Bundesrepublik zurück.
Die Schweiz hat nach den Zahlen der Statistiker in den ersten elf
Monaten 2007 ihren Spitzenplatz als beliebtestes Auswandererziel
behauptet. Insgesamt 18.863 Bundesbürger wählten als neuen
Wohnsitz einen Ort in dem Nachbarland. In der Beliebtheitsskala folgen
die USA (13.433 Auswanderer dorthin) vor Österreich (9.516) und
Polen (9.414). Diese Länder gehörten der Statistikbehörde
zufolge auch in den vergangenen Jahren zu den begehrtesten Zielen
deutscher Auswanderer. 2006 lagen hinter Spitzenreiter Schweiz, die USA,
Österreich und Großbritannien.
Auch Auswanderer-Berater beispielsweise des Raphaels-Werks haben seit
einiger Zeit jede Menge zu tun. Nach ihren Angaben sind familiäre
und berufliche Gründe ausschlaggebend für den Gang ins
Ausland. Vor allem für Fachkräfte und Menschen mit guter
Ausbildung und Erfahrung stehen die Chancen nicht schlecht, einen Job im
Ausland zu finden und damit eine wichtige Grundlage für den
Aufenthalt zu schaffen. Nicht zu unterschätzen seien auch
Kenntnisse der Sprache des jeweiligen Landes. Abenteuerlust spiele zwar
auch noch eine Rolle fürs Auswandern, mittlerweile stünden
aber sehr handfeste Gründe im Vordergrund.
Insgesamt gilt Deutschland aber als Einwanderungsland: So zogen 646.594
Menschen von Januar bis November 2007 nach Deutschland, knapp 590.696
zogen fort. Die meisten Einwanderer kamen 2007 aus Polen (135.713).
Darauf folgten Rumänen (37.904), US-Amerikaner (25.602),
Türken (24.625) und Ungarn (21.006).
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Klimaerwärmung - Experten erwarten 2008 Rekord-Rückgang des
Nordpoleises
Fr.02.05.08 - Das Eis am Nordpol könnte nach Vorhersagen von Wissenschaftlern in
diesem Jahr mehr abschmelzen als jemals zuvor: Es wäre das dritte
Mal in fünf Jahren, dass der Rückgang des arktischen Eises im
Sommer einen Rekordwert erreicht, heißt es in der am Mittwoch
veröffentlichten Prognose. Die Veränderung des Nordpolareises
sei eine der offensichtlichsten Folgen des Klimawechsels, erklärte
dazu der Klimaforscher Sheldon Drobot von der University of Colorado in
Boulder.
Die Vorhersage der Experten basiert auf Satelliten-Daten und
Temperatur-Aufzeichnungen. Danach besteht eine Wahrscheinlichkeit von 59
Prozent, dass 2008 ein neuer Rekord beim Rückgang des
Nordpolareises verzeichnet wird. Der Eispanzer an den Polen
schwächt die Erderwärmung ab, da die weißen Flächen
die wärmende Sonnenstrahlung reflektieren. Weniger Eis bedeutet
daher eine Beschleunigung der Erderwärmung.
Der Rückgang des Eises am Nordpol bedroht auch die
Lebensräume von Tieren in der Region. Vor allem die Eisbären
sind akut gefährdet. Einige Staaten sehen aber auch Vorteile darin:
Neue Schifffahrtswege im Norden verkürzen die Passagen von Europa
nach Asien und Nordamerika. Außerdem werden Lagerstätten von
Erdöl und anderen Rohstoffen zugänglich.
(Quelle: rtr)
Max-Planck-Forscher: Jupiter hat einen riesigen Ring
Fr.02.05.08 - Nicht nur der Saturn, auch der Jupiter hat einen Ring, und der ist viel
größer als angenommen.
Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts (MPI) für
Sonnensystemforschung im südniedersächsischen
Katlenburg-Lindau gemeinsam mit Kollegen des Heidelberger MPI für
Kernphysik und der University of Maryland (USA) entdeckt. Das aus
Staubpartikeln bestehende Ringsystem um den Jupiter habe einen
Durchmesser von mehr als 640 000 Kilometern, berichtet der Lindauer
Forscher Harald Krüger zusammen mit seinem US-Kollegen Douglas
Hamilton im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 453, S. 72).
Es gelang den Forschern erstmals, die um den Jupiter kreisenden
Staubkörnchen direkt zu vermessen. Sie sind nur etwa ein
tausendstel Millimeter groß. Dies entspreche der Größe
der Partikel im Zigarettenrauch, erläutert Krüger. Für
ihre Studie haben die Wissenschaftler Daten der US-Raumsonde
«Galileo» ausgewertet, die von 1995 bis 2003 durch das
Jupiter-System geflogen war.
Für die Bahnen, auf denen die Teilchen um den Jupiter kreisen,
spielt nach den neuen Untersuchungsergebnissen der Schatten des Planeten
eine größere Rolle als bisher gedacht. Auf der Tagseite des
Jupiter werden die Staubpartikel durch die Sonnenstrahlung positiv
aufgeladen. Auf der Nachtseite dagegen tragen sie eine negative Ladung.
Durch dieses komplizierte Wechselspiel wird die Bewegung der Teilchen
maßgeblich bestimmt.
Die Ergebnisse sind nach Krügers Darstellung nicht nur für
das Verständnis des Jupiter-Systems von Bedeutung. Da elektrisch
aufgeladene Staubteilchen auch bei der Geburt von Planeten eine
entscheidende Rolle spielen, seien die Jupiter-Ringe «wie ein
Labor», in dem staubige astrophysikalische Prozesse untersucht
werden können.
Alle großen Planeten unseres Sonnensystems haben mehr oder
weniger ausgeprägte Ringe aus Staubteilchen und Gesteinsbrocken.
Während Saturns majestätische Ringe bereits in irdischen
Hobby-Teleskopen sichtbar werden, sind Jupiters in den 1970er Jahren
entdeckte Ringe so hauchzart, dass sie selbst mit Raumsonden nur schwer
zu fotografieren sind. Kürzlich hatte ein internationales
Forscherteam unter Beteiligung derselben Max-Planck-Institute mit Hilfe
der Raumsonde «Cassini» beim Saturn-Trabanten Rhea das erste
Ringsystem eines Mondes entdeckt.
(Quelle: dpa)