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Irak 1503 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Türkische Armee spricht von 150 getöteten Kurden-Rebellen im Nordirak. Mindestens 14 Tote bei Kämpfen in Bagdad. US-Soldat bei Sprengstoffanschlag getötet

So.04.05.08 - Die türkischen Streitkräfte haben mitgeteilt, sie hätten bei ihren jüngsten Bombenaufgriffen auf kurdische Rebellen im Norden des Irak mehr als 150 Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) getötet. Die Angriffe auf insgesamt 43 Ziele hätten "große Panik ausgelöst" und möglicherweise auch führende Kommandeure der PKK "neutralisiert", hieß es in einer Mitteilung auf der Internetseite des Generalstabs. Die PKK bestritt die Angaben und teilte mit, sechs ihrer Kämpfer seien bei den Angriffen ums Leben gekommen.

Die Luftangriffe erfolgten in der unwegsamen Bergregion Kandil, die als Unterschlupf der PKK gilt. Die Organisation wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von der EU und den USA als terroristische Gruppe eingestuft. Im gewaltsamen Kampf der PKK für eine Unabhängigkeit von der Türkei starben seit 1984 mindestens 37.000 Menschen. Seit Dezember griff die türkische Armee zwölf Mal mutmaßliche PKK-Stellungen um Kandil an, im Februar unternahm sei eine kurze Bodenoffensive auf irakischem Territorium. Ankara vermutet, dass sich in dem Gebiet bis zu 2000 PKK-Kämpfer versteckt halten. Die USA befürworten die türkischen Einsätze.

Bei Kämpfen im Bagdader Schiiten-Viertel Sadr City sind am Freitag und Samstag mindestens 14 Menschen getötet worden. Die US-Streitkräfte feuerten bei den schweren Gefechten zwischen amerikanischen Soldaten und schiitischen Kämpfern Raketen ab, von denen eine 50 Meter entfernt von einem Krankenhaus explodierte. Krankenhausarzt Ali Bustan al-Fartusee sagte, 23 Zivilpersonen seien verletzt und 17 Krankenwagen zerstört worden. Patienten wurden nicht verletzt.

Die US-Streitkräfte bestätigten, dass ein «Kommando- und Kontrollzentrum krimineller Elemente» mit Raketen im Nordosten Bagdads zerstört worden sei. Sadr City liegt im Nordosten der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten, es sei bekannt gewesen, dass schiitische Extremisten ein Gebäude in der Nähe des Krankenhauses benutzt hätten.

Bei den Kämpfen wurden am Freitag nach US-Angaben zehn und am Samstag vier schiitische Kämpfer getötet. Mehr als 100 Menschen wurden nach Angaben irakischer Gesundheitsbehörden verletzt.

Amerikanische und irakische Truppen werden in dem Slum mit 2,5 Millionen Einwohnern seit März fast täglich in Gefechte verwickelt. Sadr City ist die Hochburg des antiamerikanischen Predigers Muktada al Sadr und seiner Mahdi-Armee.

Die US-Streitkräfte im Irak haben am Samstag den Tod eines weiteren Soldaten bekanntgegeben. Sein Fahrzeug wurde demnach am Freitag von der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe im Osten Bagdads getroffen. Der Todesfall ist der zweite der US-Streitkräfte seit Monatsbeginn. Im April wurden im Irak mindestens 50 US-Soldaten getötet, so viele wie seit September vergangenen Jahres nicht.

boa (Quellen: afp, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 04.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendneununddreißigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Fr.04.05.07 - Bagdader Regierung verspricht Versöhnung und Reformen +++ Al-Kaida-Gruppe bestätigt Tod ihres Sprechers... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0705040.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

US-Präsident Bush beantragt 70 Milliarden Dollar für Militärausgaben -- USA erwägen angeblich tausende zusätzliche Truppen für Afghanistan

So.04.05.08 - US-Präsident George W. Bush hat beim Kongress die Bewilligung von Ausgaben in Milliardenhöhe für die Kriege im Irak und in Afghanistan beantragt. Der Antrag über 70 Milliarden Dollar (rund 35 Milliarden Euro) sieht 45,1 Milliarden Dollar allein für die Militäreinsätze in den beiden Ländern vor. Für die Ausbildung und Unterstützung der afghanischen und irakischen Sicherheitskräfte sollen 3,7 Milliarden beziehungsweise zwei Milliarden Dollar ausgegeben werden. Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt Washington die Entsendung von zusätzlichen 7000 Soldaten nach Afghanistan im kommenden Jahr.

Bushs Antrag zufolge sind insgesamt 5,6 Milliarden Euro für die Anschaffung und Entwicklung von Techniken zum Schutz der US-Soldaten gegen selbstgefertigte Sprengsätze vorgesehen, wie sie die Kämpfer radikaler Gruppen in Afghanistan und dem Irak benutzen. Zudem soll der Kongress 770 Millionen Dollar bewilligen, mit denen Lebensmittelhilfen und Entwicklungsprogramme unterstützt werden sollen. Die Ausgaben sind für das kommende Jahr vorgesehen, wenn Bush selbst nicht mehr im Amt ist.

Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf ungenannte ranghohe Regierungsvertreter, mit der Truppenverstärkung in Afghanistan sollten Defizite ausgeglichen werden, die der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF durch geringere Beiträge der NATO-Verbündeten entstünden. Sollte der Plan gebilligt werden, würde die Zahl der US-Truppen in dem Land auf 40.000 steigen.

US-Präsident George W. Bush hatte eine Truppenverstärkung bereits im April während des NATO-Gipfels in Bukarest angekündigt. US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte die europäischen Verbündeten in der Vergangenheit mehrfach auf, die ISAF-Kampftruppen im Süden stärker zu unterstützen, stieß damit bislang aber auf wenig Resonanz. Die Bundeswehr ist vor allem im Norden im Einsatz.

Laut "New York Times" hat sich das Pentagon inzwischen damit abgefunden, dass die NATO-Mitglieder nicht willens oder in der Lage seien, ausreichend Soldaten zu stellen. Während sie etwa 2000 zusätzliche Soldaten entsenden wollen, fordern NATO-Kommandeure der Zeitung zufolge etwa 10.000 Soldaten.

(Quelle: afp)
 


 

Afrikanische Entwicklungsbank erhöht Lebensmittelhilfe um eine Mrd Dollar

So.04.05.08 - Angesichts stark steigender Lebensmittelpreise hat die Afrikanische Entwicklungsbank eine weitere Milliarden Dollar an Lebensmittelhilfen zugesagt.

Kurzfristig sollten 250 Millionen Dollar verfügbar gemacht werden, hieß es am Freitag in einer Mitteilung. Die Bank forderte Export-Staaten auf, nicht die Ausfuhr von Nahrung einzuschränken. Damit werde die Lebensgrundlage von 150 Millionen Afrikanern infrage gestellt, hieß es. Internationale Hilfsorganisationen und zahlreiche Staaten haben in den vergangenen Wochen ebenfalls Gelder zugesagt.

(Quelle: rtr)
 


 

Kubaner stehen für Computer Schlange

So.04.05.08 - Auf Kuba ist am Freitag eine weitere Barriere der technologischen Isolierung gefallen: Mehr als einen Monat nach der Freigabe durch die kommunistische Regierung tauchten in Geschäften die ersten Computer auf. In den Läden bildeten sich Trauben Kaufwilliger und Schaulustiger. Präsident Raul Castro hat Durchschnittsbürgern ferner den Besitz von Handys sowie die Übernachtung in Luxushotels gestattet. In der Landwirtschaft wurden Hemmnisse für Privatinitiativen abgebaut. Der Besitz von PCs und Handys war normalen Kubanern bislang nicht gestattet.

(Quelle: ap)
 


 

Boliviens Präsident nennt Autonomie-Referendum in Provinz illegal

So.04.05.08 - Der bolivianische Präsident Evo Morales hat ein am (heutigen) Sonntag angesetztes Referendum über mehr Autonomie in der größten und reichsten Provinz Santa Cruz als illegal bezeichnet. Die Abstimmung sei verfassungswidrig, sagte der sozialistische Präsident am Freitagabend in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Das Referendum in Santa Cruz gilt als bislang größte Herausforderung des Präsidenten in seiner bisherigen zweijährigen Amtszeit.

Es wird damit gerechnet, dass die Wähler mit überwältigender Mehrheit für den Vorschlag ihrer Regionalregierung für mehr Unabhängigkeit von der Zentralregierung stimmen werden. In Santa Cruz ist die Opposition gegen Morales und seine Bewegung zum Sozialismus am größten. Es geht vor allem um einen höhere Anteil an den Einnahmen aus den örtlichen Gasreserven. Präsident Morales warnte jedoch, es wäre der schlimmste Fehler, den die Regierung von Santa Cruz machen könnte, wenn sie das Referendum dazu nutzen würde, der Zentralregierung Gelder zu verweigern.

(Quelle: ap)
 


 

Mehrere Tote bei neuen Kämpfen in Sri Lanka

So.04.05.08 - Bei neuen Gefechten im Norden von Sri Lanka sind nach Militärangaben elf tamilische Rebellen und drei Soldaten getötet worden. 15 weitere Kämpfer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) sowie vier Soldaten seien verwundet worden, teilten die Streitkräfte am Samstag weiter mit. Die meisten Opfer habe es bei Schusswechseln in der Region Mannar gegeben. Ferner hätten die Aufständischen in der Nachbarregion Welioya ein Armeefahrzeug in die Luft gesprengt. Die Kämpfe im Norden Sri Lankas, wo abtrünnige Tamilen weite Gebiete kontrollieren, haben sich seit Januar kontinuierlich verschärft. Damals kündigte die Regierung einen seit langem brüchigen Waffenstillstand endgültig auf.

(Quelle: ap)
 


 

Chinas Medien wettern gegen den Dalai Lama

So.04.05.08 - Kurz vor geplanten Gesprächen zwischen Sondergesandten des Dalai Lama und chinesischen Regierungsvertretern haben Chinas Medien das geistliche Oberhaupt der Tibeter erneut heftig beschimpft.

Die Zeitung «Xizang Ribao» bezeichnete den im Exil in Indien lebenden Dalai Lama als «Verbrecher». Seine «Clique» habe die Tibeter zu den Mitte März begonnenen schweren Ausschreitungen angestiftet, bei denen nach offiziellen Angaben 19 Menschen getötet wurden. Seit dem Aufstand von 1959 habe der Dalai Lama immer wieder versucht, China zu spalten, hieß es weiter. In einem weiteren Artikel bezichtigte das Blatt den Friedensnobelpreisträger eines «politischen Komplotts». Der Dalai Lama sei außerdem ein «Zerstörer» der buddhistischen Tradition Tibets.

Die tibetische Exilregierung mit Sitz in der nordindischen Stadt Dharamsala hatte am Freitag mitgeteilt, zwei Gesandte des Dalai Lama würden an diesem Wochenende zu informellen Gesprächen über die Tibet- Krise nach China reisen. Ort und genauer Zeitpunkt des Treffens waren zunächst nicht bekannt.

(Quelle: dpa)
 


 

UN-Konvention für Rechte von Behinderten

So.04.05.08 - Eineinhalb Jahre nach der Annahme durch die UN-Mitgliedsstaaten trat am Freitag die internationale Konvention für die Rechte Behinderter in Kraft. Alle Unterzeichnerländer werden darin zu einer behindertenfreundlichen Politik verpflichtet.

Wie die Vereinten Nationen am Freitag in New York mitteilten, haben seit März vergangenen Jahres 127 Länder das Dokument unterzeichnet, in 25 Ländern wurde es ratifiziert. Weltweit gibt es mindestens 650 Millionen Menschen mit Behinderung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte das Inkrafttreten der Konvention einen «historischen Augenblick» genannt. Sie werde ein machtvolles Instrument sein, um die Hürden für Menschen mit Behinderung abzubauen und allen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, ließ er erklären.

Der internationale Menschenrechtsvertrag war im Dezember 2006 einstimmig von der UN-Vollversammlung beschlossen worden. Er tritt nach einer Frist von 30 Tagen automatisch in Kraft, sobald das 20. Land die Vereinbarung ratifiziert hat. Das hatte Ecuador am 3. April getan.

(Quelle: dpa)
 


 

Ureinwohner fordern Mitsprache bei Klimaschutz-Maßnahmen

So.04.05.08 - Vertreter der weltweit rund 370 Millionen Ureinwohner haben ein Mitspracherecht bei den Entscheidungen zum Klimaschutz gefordert. Bei internationalen Programmen zum Kampf gegen den Klimawandel, von denen sie betroffen seien, müssten die "indigenen Völker eine Stimme" erhalten, erklärten die rund 3000 Delegierten des ständigen UN-Forums für indigene Angelegenheiten zum Abschluss ihrer zweiwöchigen Sitzung in New York.

Als Beispiel nannten sie den neuen Klimafonds der Weltbank (FCPF), der Maßnahmen zur Erhaltung des Tropenwalds finanziert. Bei den FCPF-Projekten müsse sichergestellt werden, dass die Ureinwohner nicht umgesiedelt oder gar aus ihren Stammesgebieten verjagt würden, hieß es in der Erklärung weiter.

Die Vorsitzende des UN-Forums, Victoria Tauli-Corpuz, erinnerte unter Berufung auf einen Weltbank-Bericht daran, dass die Ureinwohner den geringsten ökologischen Schaden anrichteten, häufig jedoch am härtesten vom Klimawandel betroffen seien.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschland

Union will Nationalen Sicherheitsrat schaffen

So.04.05.08 - In Deutschland soll nach dem Willen der Union künftig ein Nationaler Sicherheitsrat für die effiziente Zusammenarbeit verschiedener Ressorts in sicherheitspolitischen Fragen sorgen.

Das Gremium solle als «politisches Analyse-, Koordinierungs- und Entscheidungszentrum» im Kanzleramt eingerichtet werden, melden «Welt am Sonntag» und «Spiegel» unter Berufung auf einen «Entwurf für eine Sicherheitsstrategie für Deutschland». Diesen will die Bundestagsfraktion der Union am Mittwoch bei einer Sicherheits-Konferenz vorlegen.

Der SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag»: «Diese Pläne müssen vom Tisch.» Es gebe «überhaupt keine Notwendigkeit», sicherheitspolitische Kompetenzen vom Auswärtigen Amt abzuziehen und im Kanzleramt anzusiedeln. Die SPD-Bundestagsfraktion hat für Montag zu einer eigenen Sicherheitskonferenz unter dem Motto «Auf dem Weg zu einer europäischen Armee» eingeladen.

FDP-Chef Guido Westerwelle sagte der Zeitung «Schleswig-Holstein am Sonntag», ein Nationaler Sicherheitsrat könne «die Achse unserer Außenpolitik massiv verschieben und auch beschädigen». Es sei gefährlich, wenn damit «dem regelmäßigen Einsatz der Bundeswehr im Landesinneren der Boden bereitet werden soll». Der FDP-Innenexperte Max Stadler warnte, die Vermengung der Aufgaben von Polizei und Armee widerspreche «unseren bewährten rechtsstaatlichen Prinzipien».

Die «Welt am Sonntag» zitiert aus dem Unions-Papier: «Für Aufgaben des Heimatschutzes, wie beispielsweise Pionieraufgaben, Sanitätswesen und ABC-Abwehr, müssen aus dem Personalbestand der Bundeswehr ausreichend Soldaten zur Verfügung stehen.»

Der Unions-Vorstoß für einen deutschen «Sicherheitsrat» ist nicht neu. Bereits 2004 hatte der Bundesfachausschuss Sicherheitspolitik der CDU diesen Vorschlag in einem «Gesamtsicherheitskonzept zur Verzahnung der inneren und äußeren Sicherheit» gemacht. Auch die erste rot-grüne Bundesregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag von 1998 festgelegt, die Koordinierung der deutschen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik in die Hände des bereits bestehenden Bundessicherheitsrats zu legen, einem Unterausschuss des Kabinetts.

Nach dem Willen der Unions-Fraktion soll dieses Gremium nun aufgewertet werden und unter Nutzung bestehender Ressourcen mit einem handlungsfähigen Stab ausgestattet werden, wie die «Welt am Sonntag» berichtet. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte der Zeitung, der Nationale Sicherheitsrat solle sich frühzeitig mit Krisen und Herausforderungen befassen und dabei alle wichtigen Ressorts miteinbeziehen: «Gerade bei der Bedrohung durch den globalen Terrorismus ist es wichtig, dass wir die traditionellen Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit überwinden.»

Nach Informationen des «Spiegel» fordert die Unions-Fraktion in ihrem Sicherheitspapier auch einen strategischen Raketenabwehrschild zum Schutz gegen Nuklearangriffe auf Deutschland. Die «Welt am Sonntag» zitiert aus dem Entwurf: «Die im Rahmen der Nato seit langem bestehende nukleare Teilhabe garantiert Deutschland dabei Einfluss. Systeme wie Raketenabwehr und andere Schutzkomponenten lassen den Erwerb von Nuklearwaffen weniger attraktiv werden und sind daher im deutschen Interesse.»

SPD-Politiker Weisskirchen warnte angesichts dieser Vorschläge davor, «sehenden Auges in eine Gefahrenzone zu laufen und eine Spirale der Aufrüstung in Gang zu setzen». Der Iran werde eine vorschnelle Entscheidung für einen Abwehrschild als Ermunterung verstehen, im Atomstreit hart zu bleiben.

(Quelle: dpa)
 


 

RWI hält Vollbeschäftigung für möglich

So.04.05.08 - Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI Essen) hält Vollbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt für ein realistisches, im nächsten Jahrzehnt erreichbares Ziel. «Üblicherweise spricht man dann von Vollbeschäftigung, wenn die Arbeitslosenquote unter vier Prozent liegen würde. Das ist wohl im nächsten Jahrzehnt zu schaffen», sagte RWI-Vorstandsmitglied Wim Kösters dem Bremer «Kurier am Sonntag». In Westdeutschland sei bereits jetzt eine Arbeitslosenquote von unter sieben Prozent erreicht.

Doch müsse es bei den eingeleiteten Reformen bleiben. «Diejenigen, die jetzt am lautesten von Vollbeschäftigung im nächsten Jahrzehnt reden, tun leider einiges dafür, dass dieses Ziel nicht erreicht werden kann», sagte Kösters. Es werde versucht, die Hartz-Reformen zurückzudrehen. Die Gewerkschaften würden zu immer höheren Lohnforderungen ermutigt, die Einführung von Mindestlöhnen werde vorangetrieben: «Das alles ist aus ökonomischer Sicht kontraproduktiv für Konjunktur und Arbeitsmarkt.»

Der RWI-Forscher forderte eine Steuerreform zur Entlastung der Mittelschicht in Deutschland. «Die heimliche Progression belastet die Mittelschicht insbesondere in Zeiten höherer Inflation. Eigentlich ist die steuerliche Progression ja dazu gedacht, die Leistungsfähigen höher zu besteuern», sagte Kösters.

(Quelle: ddp)
 


 

HypoVereinsbank verlagert Stellen nach Polen -- Auch Auslagerung geplant -- Arbeitnehmervertreter befürchten weitere Sparmaßnahmen

So.04.05.08 - Verlagerung und Auslagerung bei der HypoVereinsbank: Die deutsche Tochter der italienischen Großbank UniCredit verlagert in den kommenden beiden Jahren im Rahmen einer grundlegenden Umstrukturierung des Konzerns rund 250 Stellen nach Polen. Bereits 2009 sollen zudem 300 Mitarbeiter der HypoVereinsbank (HVB) in Fremdfirmen ausgelagert sein, wie das Unternehmen am Samstag in München mitteilte.

Die HVB betonte, es sei mit der Umstrukturierung und der damit verbundenen Verlagerung nach Polen «kein zusätzlicher Personalabbau verbunden, es ist auch derzeit keine Schließung von Standorten innerhalb Deutschlands geplant». Die Mitarbeiter der künftig ausgelagerten Bereiche Gebäudemanagement, Postdienste, Druck und das Flottenmanagement behielten nach dem Outsourcing zudem ihre «bisherigen Vertragskomponenten» wie Gehalt und Betriebszugehörigkeit. Zugleich würden jährlich bis zu 25 Millionen Euro eingespart.

Arbeitnehmervertreter befürchten laut «Süddeutscher Zeitung» gleichwohl, dass bis zu 1.800 der rund 23.000 HVB-Mitarbeiter von den Sparmaßnahmen betroffen sein könnten. Die Arbeitnehmervertreter wollten die Mitarbeiter in der nächsten Woche zu Betriebsversammlungen an allen großen HVB-Standorten zusammenrufen, um über die Pläne zu informieren, berichtete das Blatt weiter. Betriebsräten zufolge seien die jetzt bekanntgewordenen Verlagerungen lediglich «ein erster Schritt».

Nach Angaben der HVB ist die Verlagerung der Stellen nach Polen Teil der bereits im Sommer 2007 als Vorhaben vorgestellten Umstrukturierung des Konzerns, wonach unter anderem die gesamten Backoffice-Einheiten von UniCredit, HVB und Bank Austria in eine rechtlich selbstständige Einheit überführt werden. Backoffice meint Abteilungen ohne direkten Kundenkontakt, die sich etwa um die Verwaltung von Baufinanzierungen kümmern. Auch für die Bereiche Datenverarbeitung und Immobilien sollen demnach solche Einheiten gebildet werden.

Laut Spiegel Online sollen langfristig die Backoffice-Abteilungen aller 23 Länder der UniCredit-Gruppe in der zentralen Gesellschaft gebündelt werden. In einem ersten Schritt fassten die Konzernstrategen die Aktivitäten von sieben Ländern in der neuen «Abwicklungsfabrik» zusammen. «Mit circa 7.000 Mitarbeitern aus den Backofficeeinheiten in Deutschland, Österreich, Italien, Rumänien, Tschechien, Polen und der Ukraine wird unsere neue Backoffice Gesellschaft bereits Nummer fünf im europäischen Vergleich sein», heißt es den Angaben zufolge in einer Mitarbeiter-Information vom vergangenen Dienstag.

Die deutschen Aktivitäten gingen laut Plan zum Teil nach Osteuropa, berichtete der Online-Dienst des Nachrichtenmagazins. Bis zum Jahr 2010 würden 255 Jobs nach Polen verlagert, weil die jährlichen Kosten mit 25.000 Euro pro Mitarbeiter beinahe 70 Prozent unter dem deutschen Niveau lägen. Die betroffenen Stellen sollten über die natürliche Fluktuation, Vorruhestandsregelungen, Freiwilligenaktionen oder Umschulungen abgebaut werden, berichtete Spiegel Online weiter.

(Quelle: ap)
 


 

'Spiegel': SPD-Abgeordnete fordern Linksrutsch

So.04.05.08 - Mit einer Reihe von Forderungen wollen die SPD-Linken nach Informationen des «Spiegel» in den kommenden Monaten einen weiteren Linksschwenk der Partei erreichen. Intern laufe die Aktion in Bezug auf den Hamburger Parteitag Ende Oktober unter dem Kennwort «Hamburg Plus». Unter anderem forderten die Linken-Sprecher Björn Böhning und Ernst Dieter Rossmann in einem gemeinsamen Positionspapier, dass sich die SPD verschärft um die Kontrolle des Bankensektors und der internationalen Finanzmärkte kümmere. Dem «Kasino-Kapitalismus» müsse Einhalt geboten werden.

Gefordert werde, dass Aufsichtsräte künftig nur noch eine begrenzte Zahl von Aufsichtsratsmandaten annehmen dürfen. Außerdem sollten die Kontrolleure «im Falle offensichtlicher Pflichtvernachlässigung» für entstandene Schäden finanziell haften. Um zu verhindern, dass der Staat für die Folgen von Fehlspekulationen aufkommt, wollen die SPD-Linken laut Bericht die Banken dazu verpflichten, einen «nationalen Absicherungsfonds» einzurichten, der die Risiken trägt.

Der Chef der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, setze sich ferner für eine Anhebung der Reichensteuer ein. «Bei der Besteuerung von sehr hohen Einkommen ist noch Luft. Da kann man noch etwas machen», sagte Stegner, der auch Mitglied des SPD-Präsidiums ist. Außerdem solle sich die SPD bereits bei ihrem Nürnberger Zukunftskongress Ende Mai für eine Verschärfung der Regelungen zur Leiharbeit starkmachen.

(Quelle: ddp)
 


 

Forsa-Chef: Lafontaine könnte Ministerpräsident im Saarland werden

So.04.05.08 - Nach Einschätzung des Meinungsforschungsinstituts Forsa könnte der Linkspartei-Vorsitzende Oskar Lafontaine mit der SPD als Partner Ministerpräsident im Saarland werden. Es sei «nicht ausgeschlossen, dass er mit Hilfe der SPD Ministerpräsident wird», sagte Forsa-Chef Manfred Güllner in einem Interview der Berliner Zeitung «B.Z.» (Sonntagausgabe).

Lafontaine stehe zwar bundesweit am Ende der Beliebtheitsskala. «Aber im Saarland ist er instinktsicher und beliebt», sagte Güllner. Während sich Linkspartei-Wähler im Osten vor allem als Verlierer der Deutschen Einheit fühlten, seien es im Westen «mehr Querulanten, die von der alten PDS als nützliche Idioten gesehen werden». So habe sich die Linke stabilisiert.

(Quelle: ddp)
 


 

Bund soll Extra-Kosten für Schulessen armer Kinder übernehmen

So.04.05.08 - Das Saarland und Nordrhein-Westfalen wollen, dass der Bund die Kosten für Schulmahlzeiten armer Kinder trägt. «Es ist nicht hinnehmbar, dass Kinder von ´Hartz IV´-Empfängern vom Mittagessen ausgeschlossen bleiben», sagte Saarlands Ministerpräsident Peter Müller (CDU), Initiator des Vorstoßes, dem Nachrichtenmagazin «Focus». Es gehe um das Existenzminimum. «Der einzig saubere und richtige Lösungsweg ist der über einen bedarfsgerechten ´Hartz IV´-Satz.» Mit dem Antrag befasst sich am 8. Mai der Sozialausschuss des Bundesrats. Müller rechnet mit einer «klaren Mehrheit» der unionsgeführten Länder.

Für Schüler, die nachmittags an Ganztagsschulen Angebote wahrnehmen, und Kinder in Tageseinrichtungen soll es nach dem Vorschlag 1,40 Euro extra pro Tag geben. Die Unionsländer fordern zudem einmalige Leistungen zum Schulstart und Förderung besonderer Lernmittel. Die Gesamtkosten für den Bund werden in dem Antrag auf 208 Millionen Euro beziffert. Bei der Berechnung der «Hartz IV»-Sätze sei das «Sonderthema» Mittagessen in Ganztagsschulen nicht berücksichtigt worden, sagte Müller. Der Vorschlag knüpfe in Teilen an ältere Ideen aus dem SPD-regierten Rheinland-Pfalz an.

(Quelle: ddp)
 


 

DGB: Kindergelderhöhung nur für bedürftige Familien

So.04.05.08 - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, hat sich dafür ausgesprochen, das Kindergeld nur für bedürftige Familien zu erhöhen.

Die Politik sollte prüfen, «ob es verfassungsrechtliche Wege gibt, die Erhöhungen des Kindergeldes stärker an der Bedürftigkeit auszurichten», schrieb Sommer in der «Bild am Sonntag». «Wenn fast zwei Millionen Kinder im reichen Deutschland in Armut leben, dann ist das ein Skandal, der ganz schnell beseitigt werden muss. Das aber geht nicht mit einer Kindergelderhöhung für alle nach dem Gießkannenprinzip. Das hilft nicht, weil die dann finanzierbare Erhöhung viel zu gering wäre für wirklich notleidende Familien», so der DGB-Vorsitzende.

Er unterstütze allerdings den Vorschlag von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach einer kräftigen Erhöhung des Kindergeldes ab dem dritten Kind, so Sommer, «weil kinderreiche Familien besonders oft von Armut bedroht sind». Allerdings würde man auch damit vielen Familien helfen, die das Geld aufgrund hoher Einkommen nicht dringend benötigten.

(Quelle: dpa)
 


 

CSU-Steuerkonzept sieht Milliarden-Entlastung vor

So.04.05.08 - Mit der Forderung nach Steuerentlastungen in Milliardenhöhe will die CSU in den diesjährigen Landtagswahlkampf und in das Bundestagswahljahr 2009 gehen. Vor allem kleinere und mittlere Einkommen sollen davon profitieren, bestätigte ein CSU-Sprecher am Samstag.

Das mehrstufige Konzept beinhaltet unter anderem einen einheitlichen Grundfreibetrag für Kinder und Erwachsene, eine Senkung des Eingangssteuersatzes, eine Abflachung des Steuertarifs und die Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer. Insgesamt sollen die Bürger um mehr als 20 Milliarden Euro entlastet werden. Die CSU-Führung will das Konzept am Montag in München verabschieden.

Widerstand dagegen gibt es nicht nur vom Koalitionspartner SPD, sondern auch von der Schwesterpartei CDU. Beide sehen das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts durch die Pläne gefährdet. CSU- Landesgruppenchef Peter Ramsauer verteidigte die Pläne dagegen und erklärte sie für finanzierbar. Der Staat erwarte in den nächsten Jahren erheblich höhere Steuereinnahmen. Ein Teil dieser Gewinne solle an die Bürger weitergegeben werden, sagte Ramsauer am Samstag im Deutschlandfunk. Das Ziel eines ausgeglichenen Bundeshaushalts bis 2011 müsse deswegen nicht aufgegeben werden.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der «Welt am Sonntag»: «Mit unserem Steuerkonzept wollen wir die Bürger schrittweise um einen zweistelligen Milliardenbetrag entlasten.» Als zusätzlicher Schritt für Familien wäre ein einheitlicher Grundfreibetrag für jedes Familienmitglied von rund 8000 Euro denkbar. Derzeit liegt der Grundfreibetrag bei 7664 Euro für Erwachsene und 5 808 Euro für eheliche Kinder. CSU-Chef Erwin Huber verwies im «Focus» auf die Entlastungswirkung vor allem bei Familien. Durch den einheitlichen Grundfreibetrag zahle eine vierköpfige Familie erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von 32 000 Euro Steuern, rechnete Bayerns Finanzminister vor.

Beginnen sollen die Entlastungen schon 2009 mit Verbesserungen für Pendler und Familien in Höhe von insgesamt rund 5 Milliarden Euro. Weitere Entlastungen sind für 2010 und 2012 geplant. Dann soll laut Huber durch einen flacheren Tarifverlauf in der Einkommensteuer auch den «heimlichen Steuererhöhungen» entgegengewirkt werden, die dem Staat durch Lohn- und Einkommenszuwächse Mehreinnahmen bescheren. Der Eingangssteuersatz soll von derzeit 15 auf dann 12 Prozent gesenkt werden. Der Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent soll zwair beibehalten werden, aber erst später greifen - bei einem Einkommen von 60 000 Euro für einen Alleinverdiener statt wie bisher schon bei rund 52 100 Euro.

Einwände, die Reform sei nicht finanzierbar, wies Huber zurück. «Der Gesamtstaat nimmt im Jahr 2012, wenn die letzte Stufe unsere Konzepts in Kraft tritt, an die 100 Milliarden Euro mehr Steuern ein als in diesem Jahr», sagte Huber dem «Focus». «Davon soll die öffentliche Hand immer noch 70 Milliarden behalten, aber 28 Milliarden soll der Bürger behalten. Es kommt also nicht zu einem Rückgang der Einnahmen, sie steigen nur langsamer.»

(Quelle: dpa)
 


 

Keine Steuervorteile für extremistische Vereine

So.04.05.08 - Die Bundesregierung will extremistischen Vereinen und Stiftungen die steuerlichen Privilegien streichen und sie so finanziell austrocknen. Das berichtete die «Süddeutsche Zeitung» am Samstag unter Berufung auf den Entwurf des Jahressteuergesetzes 2009, den das Kabinett Anfang Juni verabschieden will. Damit setze die Koalition eine Anregung der Innenminister von Bund und Ländern um, die im Kampf gegen die NPD und andere extremistische Vereinigungen auch auf finanziellen Druck setzten.

Einrichtungen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes agierten, sollen demnach künftig nicht mehr als gemeinnützig anerkannt werden. In diesem Fall gingen alle bisherigen Steuervorteile verloren. «Die Steuervergünstigung setzt voraus, dass die Körperschaft nach ihrer Satzung und bei ihrer tatsächlichen Geschäftsführung kein extremistisches Gedankengut fördert und sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung hält», zitiert die Zeitung aus dem Entwurf des Bundesfinanzministeriums.

Gemeinnützige Vereinigungen sind unter anderem von der Körperschaft- und der Gewerbesteuer befreit, zudem profitieren sie vom ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Darüber hinaus dürfen sie Spendenquittungen ausstellen, die der Geldgeber beim Finanzamt geltend machen kann. Der NPD den Geldhahn zudrehen kann die Bundesregierung nicht, solange die Partei nicht vom Bundesverfassungsgericht verboten ist. Die Mehrheit der Innenminister lehnt jedoch ein neuerliches Verbotsverfahren wegen der ungewissen Erfolgsaussichten ab.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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