+++ Mo.05.05.08, 06:30
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Irak 1504 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Viele Tote bei Kämpfen von US-Truppen mit Schiiten in Bagdad. Vier
US-Soldaten in Anbar getötet
Mo.05.05.08 - Schwere Kämpfe zwischen US-Truppen und schiitischen
Milizionären in Bagdad haben am Wochenende zahlreiche Menschen in
den Tod gerissen. Die amerikanischen Streitkräfte töteten
nach eigenen Angaben insgesamt 18 Extremisten in der Elendssiedlung
Sadr City und zwei weiteren schiitischen Stadtvierteln. Irakische
Gesundheitsbehörden teilten mit, bei den Gefechten seien am
Wochenende mindestes zehn Menschen, darunter zwei Kinder, ums Leben
gekommen.
Die US-Streitkräfte setzten in Sadr City Raketen ein, von denen
eine am Samstag nur 50 Meter von einem Krankenhaus entfernt
explodierte. 23 Menschen wurden verletzt, mehrere Krankenwagen gingen
in Flammen auf. Der Angriff richtete sich nach Militärangaben
gegen ein Kommandozentrum schiitischer Kämpfer. Sadr City liegt im
Nordosten der Hauptstadt und hat 2,5 Millionen Bewohner. Der Stadtteil
ist eine Hochburg des antiamerikanischen Predigers Muktada al Sadr und
seiner Mahdi-Armee.
Im Zentrum von Bagdad wurde am Sonntagabend ein Anschlag auf einen
Fahrzeugkonvoi verübt, in dem sich auch die Frau des irakischen
Präsidenten Dschalal Talabani befand. Hiro Ibrahim Ahmed blieb
unversehrt, vier ihrer Leibwächter wurden verletzt. Zunächst
war unklar, ob sie das Ziel des Anschlags war oder ob es sich ein
willkürliches Sprengstoffattentat gehandelt hatte.
Die US-Truppen gingen am Wochenende auch wieder gegen sunnitische
Extremisten vor. Dabei wurden nach Militärangaben in den Provinzen
Salahuddin und Samarra nördlich von Bagdad elf mutmaßliche
Mitglieder von Al Kaida im Irak getötet.
In der westlichen Provinz Anbar kamen bei der Explosion einer
Straßenbombe vier US-Marineinfanteristen ums Leben, wie die
US-Streitkräfte mitteilten. Im Monat April wurden im Irak
mindestens 50 US-Soldaten getötet, so viele wie seit September
vergangenen Jahres nicht mehr.
In der nordirakischen Stadt Mossul wurde am Sonntag eine Journalistin
beim Versuch einer Geiselnahme erschossen. Die 36-jährige Sarwa
Abdul-Wahab war Korrespondentin einer kurdischen Nachrichtenagentur und
arbeitete als Anwältin für Journalisten. Sie wehrte sich nach
Polizeiangaben gegen ihre Entführung und wurde mit zwei
Schüssen in den Kopf getötet.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 05.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.05.05.07 - Fünf US-Soldaten bei Bombenanschlägen getötet +++ Iran
macht USA für Gewalt im Irak verantwortlich +++ Debatte in den USA
über Irak-Einsatz hält an +++ EU fordert von Iraks
Ministerpräsident Maliki verstärkte Bemühungen zur
Aussöhnung +++ Nur Hälfte von US-Soldaten würde Misshandlung von Zivilisten
anzeigen...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705050.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
UN muss Lebensmittelhilfen im Gazastreifen aussetzen. Rice drängt
Israel zum Abbau von Kontrollpunkten
Mo.05.05.08 - Die Vereinten Nationen müssen heute wegen Treibstoffmangels ihre
Lebensmittelhilfen in den Gazastreifen aussetzen. Das teilte ein
Sprecher des UN-Hilfswerks mit. Auch Schulbusse würden ausfallen,
da das Hilfswerk keinen Treibstoff geliefert bekommen habe. Israel
wirft der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas vor,
eine Treibstoffkrise fabrizieren zu wollen.
US-Außenministerin Condoleezza Rice hat derweil Israel zu einem
weiteren Abbau der Kontrollpunkte im Westjordanland aufgefordert.
Zugleich sagte Rice nach einem Treffen mit Israels
Ministerpräsident Ehud Olmert am Sonntag, die Existenz
israelischer Siedlungen in dem Palästinensergebiet sei
problematisch.
Israel hatte Rice bei ihrer letzten Nahost-Reise im März den Abbau
von 61 Kontrollpunkten in Aussicht gestellt. Die Palästinenser
sehen in den Straßenblockaden eine Kollektivstrafe, die die
wirtschaftliche Entwicklung im Westjordanland behinderten. Eine
UN-Untersuchung hatte ergeben, dass die Israelis bislang lediglich 44
und zudem unwesentliche Hindernisse entfernt haben. Die Aufhebung
israelischer Restriktionen soll nach dem Willen westlicher Regierungen
die Position von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas
gegenüber der islamistischen Hamas stärken, die den
Gazastreifen dominiert.
Rice, die am Sonntag auch mit Abbas zusammenkam, lobte die
"Ernsthaftigkeit und Tiefe" der Verhandlungen zwischen Israel und den
Palästinensern. Sie glaube nach wie vor an ein Friedensabkommen
bis zum Ende der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush im
Januar kommenden Jahres. Bush, der seine Regierungszeit mit einem
außenpolitischen Erfolg beenden will, hat im November in
Annapolis eine neue Runde von Friedensgesprächen angestoßen,
die inzwischen jedoch ins Stocken geraten sind.
Ägypten will Präsident Husni Mubarak zufolge bereits bald
einen ranghohen Vertreter nach Israel schicken, um der dortigen
Regierung einen Vorschlag für einen Waffenstillstand mit
palästinensischen Extremisten zu übermitteln. Der
israelisch-palästinensische Waffenstillstand soll zunächst im
von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen gelten
und später auch auf das Westjordanland ausgeweitet werden.
Die ägyptische Initiative zielt auch auf eine Aussöhnung
zwischen der Hamas und der gemäßigteren Fatah von Abbas ab,
die im Westjordanland die Macht hat. Die Hamas und andere
Extremistengruppen feuern regelmäßig Raketen vom
Gazastreifen aus auf südisraelische Städte ab. Die
israelische Armee tötet im Gegenzug immer wieder
palästinensische Extremisten. Beide Seiten behaupten, die
jeweiligen Angriffe stellten lediglich Vergeltungsmaßnahmen dar.
boa (Quellen: dpa, rtr)
Mehrheit der Deutschen sieht keine Verantwortung gegenüber Israel
Mo.05.05.08 - Die Mehrheit der Bundesbürger sieht nach einer Umfrage keine
besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel. Das sagten
53 Prozent der Befragten nach einer am Samstag veröffentlichten
Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF.
Kurz vor dem 60. Jahrestag der Staatsgründung Israels bejahten 40
Prozent die Frage, ob Deutschland wegen seiner Geschichte eine besondere
Verantwortung gegenüber Israel trage.
Unter den über 60-Jährigen stimmten 48 Prozent der
historischen Verantwortung Deutschlands zu, 45 Prozent antworteten mit
«Nein». Unter den 30- bis 39-Jährigen fällt die
Ablehnung einer solchen Verantwortung mit 65 Prozent am deutlichsten
aus, lediglich 29 Prozent erkennen sie an. Die Forschungsgruppe Wahlen
befragte im April 1230 zufällig ausgewählte Deutsche über
18 Jahre telefonisch.
(Quelle: dpa)
Afghanistan: Zwei Regierungsbeamte wegen Anschlags auf Karsai
festgenommen
Mo.05.05.08 - Eine Woche nach dem fehlgeschlagenen Anschlag auf den afghanischen
Präsidenten Hamid Karsai haben die Behörden in Kabul zwei
Regierungsbeamte festgenommen. Ihnen werde eine Beteiligung an der
Verschwörung zur Tötung Karsais vorgeworfen, hieß es
aus ranghohen Regierungskreisen. Geheimdienstchef Amrullah Saleh
erklärte am Sonntag ferner, das Terrornetzwerk Al Kaida sei in die
Pläne verwickelt gewesen.
Einer der Festgenommenen arbeitete im Verteidigungsministerium, wie
Ressortchef Abdul Rahim Wardak erklärte. Dieser Mann habe den drei
Attentätern zwei Sturmgewehre vom Typ AK47 sowie ein
Maschinengewehr beschafft. Der zweite Mann sei als Sanitäter bei
der Polizei beschäftigt gewesen und habe enge Verbindungen zu
einem bedeutenden Hintermann des geplanten Anschlags unterhalten.
Die Attentäter attackierten am Sonntag vor einer Woche eine
Gedenkfeier in Kabul, an der Karsai, Mitglieder seines Kabinetts und
ausländische Diplomaten teilnahmen. Drei Menschen wurden
getötet, darunter ein Abgeordneter, acht weitere wurden verletzt.
Karsai selbst blieb unversehrt. Die radikalislamischen Taliban
bekannten sich zu dem Anschlag.
(Quelle: ap)
China und Vertreter des Dalai Lamas vereinbaren weiteres Treffen
Mo.05.05.08 - Die chinesische Regierung und die Abgesandten des Dalai Lamas haben
nach ihrem ersten Gespräche seit den jüngsten Unruhen in
Tibet ein weiteres Treffen vereinbart, wie die Nachrichtenagentur
Xinhua meldete. Ein Termin oder der Ort der Zusammenkunft wurden aber
zunächst nicht genannt.
Beide Seiten hatten sich zuvor hoffnungsvoll über ihre Beratungen
geäußert. Er hoffe auf ein positives Ergebnis, wurde der
chinesische Präsident Hu Jintao von der Nachrichtenagentur Xinhua
zitiert. Der tibetische Exilministerpräsident Samdhong Rinpoche
erklärte im nordindischen Dharamsala: «Wir sind
optimistisch, dass etwas Gutes dabei herauskommt.»
Beobachtern zufolge reagierte Peking mit seinem Gesprächsangebot
auf den internationalen Druck nach den Unruhen Mitte März in Tibet
und angrenzenden Gebieten. Damals kamen nach amtlichen chinesischen
Angaben 22, nach tibetischer Darstellung rund 140 Menschen ums Leben.
Xinhua erklärte indes, die Regierung komme mit ihrer
Verhandlungsbereitschaft wiederholten Bitten der
«Dalai-Seite» nach.
(Quelle: ap)
Boliviens größte Provinz votiert für mehr Autonomie
Mo.05.05.08 - Die Bevölkerung der größten bolivianischen Provinz
Santa Cruz hat am Sonntag in einer Abstimmung offenbar mit klarer
Mehrheit für eine größere politische und
wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Zentralregierung gestimmt.
Wählernachfragen örtlicher Medien zufolge, die die Abstimmung
unterstützt hatten, stimmten bis zu 85 Prozent für den
Autonomievorschlag. Der sozialistische Präsident Evo Morales wies
die Abstimmung als verfassungswidrig zurück.
In Santa Cruz ist die Opposition gegen Morales und seine Bewegung zum
Sozialismus am größten. Es geht vor allem um einen
höheren Anteil an den Einnahmen aus den lokalen Gasreserven.
Morales drohte jedoch, es wäre der schlimmste Fehler, den die
Regierung von Santa Cruz machen könnte, wenn sie das Referendum
dazu nutzen würde, der Zentralregierung Gelder zu verweigern. Bei
Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Abstimmung
wurden mindestens 25 Menschen verletzt. Berichte über einen Toten
wurden von den Behörden zunächst nicht bestätigt.
Aber nicht nur in Santa Cruz, auch in anderen Regionen wächst der
Wunsch nach Autonomie von der Regierung. Drei weitere Provinzen, Beni,
Pando und Tarija, planen ähnliche Abstimmungen im Juni. Zwei
weitere Provinzen erwägen auch Referenden.
(Quelle: ap)
Übernahme von Yahoo durch Microsoft gescheitert
Mo.05.05.08 - Yahoo wird nun doch nicht von Microsoft übernommen: Drei Monate
nach dem überraschenden Kaufangebot hat der
Software-Marktführer das geplante Geschäft ebenso
überraschend gestoppt. «Es wird keinen Deal geben»,
erklärte Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer. Zuvor hatte Yahoo
auch ein deutlich erhöhtes Kaufangebot abgelehnt.
Ballmer und Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang trafen am Samstag zu
einem persönlichen Gespräch in Seattle zusammen, wie aus
Firmenkreisen verlautete. Auf dem Tisch lag das Angebot von Microsoft
mit der Anhebung des Kaufpreises von ursprünglich 31 auf 33 Dollar
je Yahoo-Aktie. Das entspricht einem Wert von zurzeit 47,5 Milliarden
Dollar. Der Verwaltungsrat von Yahoo forderte aber nach Informationen
aus Firmenkreisen 37 oder 38 Dollar pro Aktie - das wären
mindestens 53 Milliarden Dollar. Bei der Vorlage des ersten Kaufangebots
am 1. Februar lag die Yahoo-Aktie bei 19,18 Dollar.
Yahoo-Verwaltungsratschef Roy Bostock sagte, sein Unternehmen sei von
Microsoft zu niedrig bewertet worden. «Wir konzentrieren uns
weiter auf einen größtmöglichen Shareholder-Value. Wir
verfolgen strategische Chancen, die Yahoo auf Erfolgskurs und in eine
führende Marktposition bringen.»
Die Rücknahme des Kaufangebots kommt für Marktbeobachter
überraschend. Viele hatten damit gerechnet, dass Microsoft bei
einer weiteren Ablehnung des Angebots eine feindliche Übernahme
anstrebt - dies bedeutet, dass Microsoft so viele Yahoo-Aktien gekauft
hätte, bis es eine Mehrheit erzielt und damit eine Basis erreicht
hätte, um die Führungsgremien des Unternehmens auszutauschen.
Ballmer begründete den Verzicht auf diese Möglichkeit damit,
dass Yahoo bereits Kontakt mit Internet-Marktführer Google
über eine mögliche Zusammenarbeit aufgenommen habe.
«Unsere Diskussionen mit Ihnen haben uns zu dem Schluss
geführt, dass Sie in der Zwischenzeit Schritte unternommen haben,
die eine Übernahme von Yahoo unerwünscht machen
würden», schrieb Ballmer an Yang.
Es ist allerdings möglich, dass Microsoft sein Angebot erneuert,
falls Yahoo sich nicht grundlegend von einer wirtschaftlichen
Schwächephase erholt, die vor etwa zwei Jahren begonnen hat. Im
ersten Quartal des Jahres konnte Yahoo seinen Umsatz mehr als
verdreifachen und wies einen Gewinn von 542,2 Millionen Dollar aus.
Microsoft wollte Yahoo übernehmen, um seine Position im Wettbewerb
mit Google zu verbessern. Ballmer sagte, Microsoft werde seine Strategie
jetzt mit dem eigenen Team und anderen Partnern vorantreiben.
«Yahoo hätte unsere Strategie zwar beschleunigt, aber ich bin
zuversichtlich, dass wir uns unseren Zielen nähern werden.»
(Quelle: ap)
EU-Währungskommissar fordert Frühwarnsystem für Euro-Zone
Mo.05.05.08 - EU-Währungskommissar Joaquin Almunia fordert einem Magazinbericht
zufolge zusätzliche Mitspracherechte und Koordinationsbefugnisse
der Brüsseler Behörde für alle Bereiche der
Wirtschaftspolitik.
In einem Bericht zum zehnjährigen Bestehen des Euro plädiere
Almunia zudem für ein Frühwarnsystem in den Ländern der
Euro-Zone, um wirtschaftliche Fehlentwicklungen aufzuspüren und
rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können, berichtete
der "Spiegel" am Samstag vorab. Ausgeführt wurde dies im
Vorabbericht nicht weiter. Zudem forderte er erneut, dass die
EU-Kommission und nicht einzelne Mitgliedstaaten die Euro-Zone bei
wichtigen Finanzorganisationen wie der G-7-Gruppe und dem
Internationalen Währungsfonds (IWF) vertreten.
Die Brüsseler Kommission solle künftig Reformanstrengungen in
den Ländern der Euro-Zone beaufsichtigen und koordinieren, um
für mehr Wettbewerb zu sorgen, zitierte der "Spiegel" aus dem
Bericht, den Almunia am Mittwoch vorstellen will. Auch zur
"angemessenen Lohnentwicklung sowie Flexibilität und Sicherheit
auf dem Arbeitsmarkt" solle die Kommission beitragen.
Almunia bekräftige in seinem Bericht die Forderung nach einer
gemeinsamen Vertretung der 15 Euro-Länder bei G-7 und IWF. Die
Außenvertretung der Euro-Zone sei derzeit zersplittert und
unzureichend. "Es gibt nur eine Geld- und Wechselkurspolitik, deshalb
sollte die Euro-Zone auch nur mit einer Stimme sprechen", zitierte der
"Spiegel aus dem Bericht.
Auch der Chef der Euro-Finanzministergruppe, der Luxemburger
Jean-Claude Juncker, hat sich wiederholt für eine gemeinsame
Außenvertretung der Euro-Länder starkgemacht und sich
unzufrieden über die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit unter
den Ländern der Euro-Zone geäußert.
(Quelle: rtr)
Gipfel mitteleuropäischer Staatschefs pocht auf EU-Mitgliedschaft
für Balkanländer
Mo.05.05.08 - Eine volle Integration in die EU ist auf einem Gipfel
mitteleuropäischer Staatschefs als "einzig gangbarer politischer
Weg" für die Länder des westlichen Balkan bezeichnet worden.
"Der Prozess der euro-atlantischen Integration kann solange nicht als
abgeschlossen gelten, wie nicht alle Staaten des westlichen Balkans und
die Ukraine in die EU und die NATO aufgenommen wurden", sagte
Mazedoniens Präsident Branko Crvenkovski zum Schluss des
zweitägigen Treffens. An dem Gipfel in der mazedonischen Stadt
Ohrid nahmen die Staatschefs von 18 Staaten aus Ost-, Mittel- und
Südeuropa teil.
Die Präsidenten hätten vereinbart, "weitere Anstrengungen
für mehr Stabilität und Wohlstand in der Region zu
unternehmen", fügte der mazedonische Präsident hinzu. Die
Integration in die EU habe "keine realistische politische Alternative
für die Kandidaten und interessierten Staaten", sagte Crvenkovski.
Der Gipfel der europäischen Staatschefs findet seit 15 Jahren
jährlich statt. Das Treffen im Jahr 2009 soll in Serbien
stattfinden.
(Quelle: afp)
Deutschland
Union geht von längeren Bundeswehreinsätzen aus
Mo.05.05.08 - Die Bundeswehr muss sich nach Ansicht von CDU und CSU auf weitere und
längere Friedenseinsätze vorbereiten. Das geht laut
«Welt am Sonntag» aus dem «Entwurf für eine
Sicherheitsstrategie für Deutschland» hervor, den die
Unionsfraktion am Dienstag beschließen will. Darin heiße es
weiter, die Bundeswehr müsse auch dann kurzfristig
einsatzfähig sein, wenn eine Entscheidung des Bundestags nicht
rechtzeitig herbeigeführt werden kann. Dafür sei das
Parlamentsbeteiligungsgesetz entsprechend anzupassen.
(Quelle: dpa)
Parteienkritiker sieht in Deutschland keine echte Demokratie
Mo.05.05.08 - Deutschland ist nach Ansicht des Parteienkritikers Hans Herbert von
Arnim keine echte Demokratie mehr. "Das Volk hat fast nichts zu sagen.
Wir haben weder Herrschaft durch das Volk noch für das Volk - und
damit keine wirkliche Demokratie", sagte der Staatsrechtsprofessor der
"Bild am Sonntag". Die Bundesrepublik werde von der "politischen Klasse
beherrscht". Das seien die Berufspolitiker, die zwei Prozent aller
Mitglieder der Parteien ausmachten und "vornehmlich aus Eigeninteresse"
handelten.
Auf die Frage, ob Deutschland reformierbar sei, antwortete von Arnim,
er sei "durchaus optimistisch". Da Politik viel zu wichtig sei, "um sie
allein den Berufspolitikern zu überlassen", hoffe er auf mehr
direkte Demokratie durch Bürgerbegehren und Volksentscheide - "auch
wenn die politische Klasse dies gar nicht mag, weil ihre Allmacht
begrenzt wird".
Nach Ansicht des Parteienkritikers hätten zudem direkt vom Volk
gewählte Politiker "eine höhere demokratische Legitimation und
eine größere Autorität auch gegenüber ihren
eigenen Parteien". Deshalb sollten die Ministerpräsidenten der
Länder, der Bundespräsident genau wie Bürgermeister und
Landräte direkt gewählt werden. "Die Bürger wählen
keineswegs die Freibier-Politiker, sondern Menschen, die sie für
fachlich kompetent und charismatisch halten."
Auf die Frage, ob in diesem Falle auch TV-Stars wie Günther Jauch
eine Chance hätten, gewählt zu werden, antwortete von Arnim,
die USA hätten mit den Ex-Schauspielern Ronald Reagan und Arnold
Schwarzenegger "gute Erfahrungen gemacht". "Was wäre schlimm daran,
wenn die Deutschen einen so klugen Kopf wie Günther Jauch zum
Bundespräsidenten wählen würden?" Wenn die Bürger
wichtige politische Ämter direkt vergeben könnten, würde
dies verhindern, "dass die höchsten Staatsämter in den
Ländern und im Bund in Hinterzimmern ausgekungelt werden, wie die
Nachfolger von Edmund Stoiber und Johannes Rau".
(Quelle: afp)
Millionen Deutschen droht laut Studie sozialer Abstieg
Mo.05.05.08 - Millionen Deutschen droht nach einer Studie der Unternehmensberatung
McKinsey bis zum Jahr 2020 der Abstieg aus der Mittelschicht. Grund sei
das zu geringe Wirtschaftswachstum, das nicht ausreiche, um das
Wohlstandsniveau langfristig zu halten, heißt es dazu in der "Welt
am Sonntag". Bis 2020 würden demnach zehn Millionen Menschen
weniger zur Mitte zählen als noch Anfang der 90er Jahre. Weniger
als 50 Prozent der Deutschen bezögen dann ein Einkommen im
mittleren Bereich. Derzeit seien es noch rund 54 Prozent.
Zur Einkommensmittelschicht gehören nach dieser Definition alle,
die 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen, das im
Jahr 2006 bei 25.000 Euro im Jahr lag.
Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt auch eine Studie des Deutschen
Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Demnach
gehörten im Jahr 2000 noch mehr als 62 Prozent der Deutschen der
Mittelschicht an. Inzwischen seien es nur noch 54 Prozent. Der Weg weg
von der Mitte führe dabei meistens nach unten.
"Umkehren lässt sich das Abdriften der Mitte in die unteren
Einkommensklassen kurz- bis mittelfristig nur über einen
verbesserten Arbeitsmarkt", sagte der DIW-Experte Joachim Frick dazu der
"WamS". Das aber gelinge nur, wenn die Wirtschaft so stark wachse, dass
neue Jobs geschaffen würden.
Den Schwellenwert dafür sehen Ökonomen der "WamS" zufolge bei
einem Wirtschaftswachstum von etwa zwei Prozent. Für das laufende
Jahr erwartet die Regierung aber nur ein Wachstum von 1,7 Prozent. In
den Jahren zuvor waren die Zahlen mehrfach jedoch deutlich geringer.
"Das Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren hatten,
hat nicht gereicht, um bei den Leuten anzukommen", sagte dazu der
Deutschland-Chef von McKinsey, Frank Mattern. Er rief Politik und
Wirtschaft auf, gemeinsam gegen den sich abzeichnenden
Fachkräftemangel anzugehen und Branchen mit großem
Wachstumspotenzial gezielt stärker zu fördern. Als Beispiele
nannte Mattern in der "WamS" das Gesundheitswesen, den Finanzsektor und
die Umwelttechnologie. McKinsey entwirft dafür ein sogenanntes
"Chancen-Szenario" mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent. Werde
dies nicht erreicht, würden "die Abstiegsängste der
Mittelschicht schon bald sehr real".
(Quelle: afp)
DIHK will Sozialleistungen wegen Demografiewandel kappen
Mo.05.05.08 - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat für
umfangreiche Einschnitte bei den Sozialleistungen plädiert, um
Deutschland an die Alterung der Gesellschaft anzupassen.
In einem Zehn-Punkte-Plan spreche sich DIHK-Präsident Ludwig Georg
Braun für einen Karenzmonat beim Arbeitslosengeld I aus,
berichtete die "Berliner Zeitung" vorab aus ihrer Montagausgabe.
Erwerbslose erhielten somit im ersten Monat ihrer
Beschäftigungslosigkeit kein Arbeitslosengeld I, was die
Wiederaufnahme einer Arbeit beschleunigen soll. Generell solle die
Arbeitslosengeldzahlung auf zwölf Monate beschränkt werden.
Zudem sei der DIHK für Karenztage auch bei der Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall, für eine private Versicherung der Arbeitnehmer
gegen Wegeunfälle und für einen Übergang in der
gesetzlichen Krankenversicherung auf pauschale Prämien.
Braun habe ein entsprechendes Positionspapier an das Kanzleramt und
alle Bundesministerien verschickt und darin einen "Demografie-Check"
gefordert, berichtete das Blatt weiter. Die große Koalition
müsse "alle ihre Entscheidungen auf ihre Demografietauglichkeit"
prüfen. Schon in wenigen Jahren werde die Zahl der gut
ausgebildeten jungen Menschen nicht mehr ausreichen, um diejenigen zu
ersetzen, die aus dem Berufsleben ausschieden. Gleichzeitig
müssten immer weniger Erwerbstätige mit ihren Steuern und
Abgaben immer mehr Rentner finanzieren.
(Quelle: rtr)
CSU stößt mit neuem Steuerkonzept auf heftigen Widerstand
Mo.05.05.08 - Die CSU ist mit einem neuen Konzept für Steuererleichterungen in
Milliardenhöhe auf heftige Kritik gestoßen.
Finanzministerium, SPD und Opposition wiesen die Pläne am Sonntag
als untauglich zurück. Die CSU will unter anderem einen
höheren Grundfreibetrag einführen und die alte
Pendlerpauschale wieder gelten lassen. Profitieren sollen vor allem
Familien und Arbeitnehmer. Das Steuerkonzept hat ein Gesamtvolumen von
28 Milliarden Euro und soll über Mehreinnahmen finanziert werden.
Die CSU will den Eingangssteuersatz auf 12 Prozent senken und den
Grundfreibetrag für Kinder und Erwachsene auf 8.000 Euro anheben,
wie der Parteivorsitzende Erwin Huber dem Nachrichtenmagazin
«Focus» sagte. Zudem soll der Spitzensteuersatz
künftig erst bei einem Jahreseinkommen über 60.000 Euro
greifen. Schließlich plant die CSU die Wiedereinführung der
Pendlerpauschale vom ersten Kilometer an.
Die Reform sei finanzierbar, sagte Huber. «Der Gesamtstaat nimmt
im Jahr 2012, wenn die letzte Stufe unseres Konzepts in Kraft tritt, an
die 100 Milliarden Euro mehr Steuern ein als in diesem Jahr. Davon soll
die öffentliche Hand immer noch 70 Milliarden bekommen, aber 28
Milliarden soll der Bürger behalten.»
Ähnlich äußerte sich der bayerische
Ministerpräsident Günther Beckstein. Er nannte in der
«Welt am Sonntag» außerdem verbesserte
Abzugsmöglichkeit von Kranken- und
Pflegeversicherungsbeiträgen.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erklärte, die CSU
verspreche den Menschen diese angebliche Reform nur, um ihre schlechten
Umfragewerte zu verbessern. Die Partei wisse selbst ganz genau, dass
die öffentlichen Haushalte eine Umsetzung der Pläne nicht
zuließen, sagte der stellvertretende SPD-Vorsitzende der
«Süddeutschen Zeitung».
Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß sagte,
Entlastungen in dieser Höhe zu versprechen, sei «glatte
Wählertäuschung». Der Landesvorsitzende der Bayern-SPD
und stellvertretende SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler hielt der CSU
vor, «hinterlistig und hinterfotzig» zu agieren.
Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende und
CDU-Haushaltsexperte Michael Meister sagte in der ARD, zunächst
müsse vor allem der Bundeshaushalt, ausgeglichen werden. Das
Bundesfinanzministerium verwies ebenfalls auf das vorrangige Ziel der
Haushaltskonsolidierung. «Dabei bleibt es», bekräftige
Sprecherin Ulrike Abratis.
Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn erklärte, Huber posaune
«populäre Wahlversprechen hinaus und gibt damit mal eben
wichtige Ziele wie Bildungsinvestitionen und Entschuldung auf.»
Linke-Partei- und Fraktionsvorsitzender Oskar Lafontaine bezeichnete
die Vorschläge als unglaubwürdig und als
«durchsichtiges Wahlkampfmanöver».
Nach Ansicht des FDP-Finanzexperten Hermann-Otto Solms ist das
Steuerkonzept «inhaltlich richtig, dennoch aber
unglaubwürdig», wie er der «Augsburger
Allgemeinen» sagte. Anklang finden die Steuerpläne hingegen
bei der rheinland-pfälzischen CDU. «Ich kann das Anliegen
der CSU nur unterstützen», sagte deren Landesvorsitzende
Christian Baldauf der «Bild»-Zeitung.
Das Konzept wird am (heutigen) Montag im CSU-Vorstand beraten. Die
Partei will mit dem Thema zur Landtags- und zur Bundestagswahl auf
Stimmenfang gehen.
(Quelle: ap)
Studie: Gesundheitsbranche als Jobmotor - Autobranche gebremst
Mo.05.05.08 - Das Gesundheitswesen kann sich nach einer Studie der
Unternehmensberatung McKinsey zu einem der bedeutendsten
Wachstumsmärkte in Deutschland entwickeln und bis zum Jahr 2020
eine Million neue Arbeitsplätze schaffen.
Hingegen dürfte die Automobilindustrie ihre Rolle als Jobmotor im
Inland verlieren und nur unterdurchschnittlich wachsen, berichtete die
Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe) aus der Studie, deren zentrale
Ergebnisse McKinsey auch im Internet veröffentlichte.
Die Gesundheitsbranche könne bis 2020 um jährlich 3,3 Prozent
pro Jahr wachsen. Voraussetzung dafür sei allerdings die
Lösung der Finanzierungsprobleme des öffentlichen
Gesundheitssystems, zitierte die Zeitung aus der Studie. So sollten die
Bürger eine garantierte Grundversorgung erhalten und für
weitergehende Leistungen durch Selbstbehalte und Zusatzversicherungen
stärker an den Kosten beteiligt werden. Auch müsse die
Spitzenforschung rasch weiter dereguliert werden, um Produktivität
und Qualität zu steigern.
Der Automobilsektor werde zwar eine Schlüsselindustrie bleiben,
mittelfristig aber deutlich schwächer wachsen als alle anderen
untersuchten Branchen. Bestenfalls sei ein Wachstum von jährlich
1,3 Prozent möglich, bei einem angenommenen Basisszenario eines
gesamtwirtschaftlichen Wachstums von 1,7 Prozent jährlich bis 2020
allerdings nur 0,3 Prozent. Bei einer solchen Entwicklung würden
bis 2020 im Inland 100.000 der gegenwärtig rund 1,4 Millionen
Stellen im Automobilsektor verloren gehen. Im günstigsten Fall
eines Wirtschaftswachstums von drei Prozent und einer
Branchenentwicklung von 1,3 Prozent könnten die
Beschäftigtenzahlen konstant bleiben, zitiert die Zeitung aus der
Studie. Ihre Rolle als Technologieführer müsse die deutsche
Autobranche durch mehr Innovationen verteidigen.
Deutlich stärkere Wachstumsraten sagen die Unternehmensberater
neben dem Gesundheitswesen dem Handel, der Transport- und
Logistikbranche sowie der Hoch- und Umwelttechnologie voraus.
Spitzenreiter sei die Hightech-Branche, der bis 2020 ein
jährliches Wachstum von 4,8 Prozent zugetraut werde.
(Quelle: rtr)
Regierung will Schufa zu Gratis-Auskünften verpflichten
Mo.05.05.08 - Das Bundesinnenministerium will nach einem
«Spiegel»-Bericht die Rechte der Verbraucher bei
Kreditauskünften stärken. So soll nach Informationen des
Nachrichtenmagazins jeder Bürger das Recht auf eine
Gratis-Selbstauskunft pro Jahr bekommen. Bislang sind
Bonitätsanfragen gebührenpflichtig; eine Auskunft kostet bei
der Schufa 7,80 Euro. Der Anspruch auf Gratisauskunft ist dem Bericht
zufolge Teil eines Neuentwurfs des Bundesdatenschutzgesetzes, der auch
neue Verbraucherrechte beim umstrittenen Thema Scoring vorsehe.
Scoring ist ein mathematisches Verfahren, mit dem Banken,
Versicherungen oder Telefonanbieter die Wahrscheinlichkeit errechnen,
mit der Kunden zahlen können. Auf Basis dieses Verfahrens
entscheiden sie, ob und zu welchen Konditionen sie einen Vertrag
abschließen. Verbraucher- und Datenschützer kritisieren
Scoring bislang als intransparent, fehlerhaft und diskriminierend.
Der Entwurf aus dem Innenministerium sieht laut «Spiegel»
vor, dass Kunden künftig nicht nur über ihren Score-Wert
unterrichtet werden müssen, sondern auch über die
«wesentlichen Datenarten», auf deren Basis er bestimmt
wurde. Auch wenn Scoring-Anbieter die besonders umstrittenen Daten
über den Wohnort verwenden, müssen sie die Betroffenen
künftig darüber unterrichten. Diese Wohnort-Daten führen
teils dazu, dass eine vermeintlich «schlechte Adresse» zu
höheren Kreditzinsen führt.
Der Scoring-Experte Dieter Korczak wertet es als «Erfolg, dass
wesentliche Kritikpunkte berücksichtigt wurden». Korczak
hatte Scoring jüngst im Auftrag des Bundesverbands der
Verbraucherzentralen untersucht und scharf kritisiert.
(Quelle: ap)