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Irak 1507 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Ehemaliger Guantanamo-Häftling verübte laut US-Armee Anschlag im Irak. Angeblich Al-Kaida-Anführer im Irak identifiziert

Do.08.05.08 - Ein ehemaliger Häftling des US-Gefangenenlagers Guantanamo hat nach amerikanischen Angaben einen Selbstmordanschlag im Irak verübt. Bei dem Attentäter handle es sich um Abdallah Salih al Adschmi aus Kuwait, sagte ein Sprecher des US-Zentralkommandos am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP. Ziel des Anschlags in Mossul seien offenbar irakische Sicherheitskräfte gewesen. Al Adschmi war im Jahr 2005 aus Guantanamo entlassen und den kuwaitischen Behörden überstellt worden. Ein Gericht in Kuwait sprach ihn später vom Vorwurf des Terrorismus frei.

Die irakische Polizei hat laut einem Bericht des Fernsehsenders Al Arabija die Identität des mutmaßlichen Al-Kaida-Anführers im Irak enthüllt. Der als Abu Omar al Baghdadi bekannte Terrorist habe unter Saddam Hussein in den Streitkräften gedient und sei im Jahr 2003 zu Al Kaida gestoßen, zitierte der Sender am Mittwoch einen Polizisten. Er stamme aus der Stadt Haditha, sein wirklicher Name sei Hamid Dawud al Sawi. Al Arabija veröffentlichte außerdem ein Bild des Mannes.

Die Streitkräfte bestätigten den Bericht zunächst nicht. Nach Militärangaben handelt es sich bei Al Baghdadi um eine fiktive Person, der tatsächliche Anführer von Al Kaida im Irak sei ein Ägypter.

Ein sunnitischer Fundamentalist aus Kuwait erklärte unterdessen in einem Interview, der Iran unterstütze auch sunnitische Aufständische gegen die US-Truppen im Irak. Der Iran lasse Kämpfern «Waffen und Geld» zukommen, wurde Mubarak al Bathali von der kuwaitischen Tageszeitung «Al Kabas» zitiert. Mit der Unterstützung sowohl von Schiiten als auch von Sunniten wolle Teheran sicherstellen, dass die USA im Irak mit Hindernissen zu kämpfen hätten und deswegen nicht den Iran bekämpfen könnten. Beweise für seine Angaben lieferte Al Bathali nicht.

boa (Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 08.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausenddreiundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Di.08.05.07 - Blutvergießen im Irak hält an - Mindestens vierzig Tote durch Anschläge und Gefechte +++ Extremisten drohen mit Tötung entführter Sicherheitskräfte +++ Rotes Kreuz verstärkt Hilfsmaßnahmen im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0705080.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Libanon: Hisbollah legt Beirut lahm

Do.08.05.08 - Die libanesische Opposition unter Führung der pro-iranischen Hisbollah hat am Mittwoch mit Sandsackbarrikaden und brennenden Autoreifen auf den Straßen das öffentliche Leben in der Hauptstadt Beirut lahmgelegt.

Sie schloss sich einem Generalstreik an, zu dem die Gewerkschaften aus Protest gegen Preissteigerungen aufgerufen hatten. Allerdings sagte die Gewerkschaft ihre geplante Kundgebung in letzter Minute ab, nachdem sich Anhänger der Opposition und Sympathisanten der Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora in einigen Vierteln der Hauptstadt beschimpft und mit Schlagstöcken bedroht hatten.

«Unsere Forderungen sollen nicht für parteipolitische Zwecke ausgeschlachtet werden und wir wollen Gewalt auf den Straßen vermeiden», sagte ein Gewerkschaftsmitglied. Zuvor hatte jemand im Gedränge im Viertel Corniche al-Mazraa eine Schockgranate gezündet, durch die drei Zivilisten und zwei Soldaten leicht verletzt wurden. Die Armee bot Tausende von Soldaten auf, um Gewaltausbrüche während des Streiks zu verhindern.

Nach Angaben der Verwaltung des Flughafens von Beirut wurden 32 Flüge gestrichen oder verschoben, weil die Straße zum Flughafen von Oppositions-Anhängern mit Betonsperren unpassierbar gemacht worden war und weil sich auch Flughafenmitarbeiter dem Streik angeschlossen hatten. Am Dienstag hatte die Regierung den der Hisbollah nahestehenden Sicherheitschef des Flughafens entlassen. Der Flughafen gilt als Einfallstor für iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah.

(Quelle: dpa)
 


 

Hilfsorganisation: Millionen Menschen in Birma obdachlos

Do.08.05.08 - Durch die Wirbelsturmkatastrophe in Birma haben nach Angaben einer Hilfsorganisation Millionen Menschen ihr Hab und Gut verloren. "Es ist ganz klar, Millionen Menschen sind obdachlos. Wir wissen nur noch nicht, wie viele Millionen", berichtete der für Birma zuständige Vertreter der Organisation Save the Children, Andrew Kirkwood, telefonisch aus Rangun. Save the Children ist eine der wenigen Organisationen, die das Militärregime bisher in das Land gelassen hat.

Durch den Wirbelsturm "Nargis" sind im Süden Birmas mindestens 22.000 Menschen ums Leben gekommen. 41.000 gelten als vermisst. Kirkwood berichtete von katastrophalen Zuständen vor allem im Irawadiflussdelta, der am schwersten betroffenen Region. In einer der abgelegenen Orte habe sein Team tausende Tote gesehen - "Berge von Leichen", die auf der Straße lägen. Kirkwood klagte über die mangelnde Kooperation der Junta. Obwohl dringend Nachschub an Hilfskräften und Hilfe benötigt werde, warteten die Helfer weiter in Bangkok auf ihre Visa.

Birma verweigerte offenbar auch einem britischen BBC-Journalisten die Einreise. Dieser hatte über die Folgen des Wirbelsturms berichten wollen. Andrew Harding sei wegen eines Verstoßes gegen die Visa-Regelungen an der Einreise gehindert worden, berichtet die staatliche Zeitung "New Light of Myanmar". Der Fernsehjournalist wollte demnach mit einem Touristenvisum einreisen. Er sei aber nach der Landung in Rangun am Verlassen des Flugzeugs gehindert worden, berichtet die Zeitung.

Nach Angaben der Behörden war Harding bereits 2006 und 2007 mit einem Touristenvisum nach Birma eingereist und stand auf einer "schwarzen Liste". Der Journalist hatte unter anderem über die Proteste von buddhistischen Mönchen und deren blutige Niederschlagung im September 2007 berichtet.

Zwei andere Hilfsorganisationen erklärten, dass sie bei ihrer Arbeit "vollständig" von den birmanischen Behörden unterstützt würden. Alle bisherigen Hinweise zeigten, dass Rangun kooperiere, sagte ein Sprecher des australischen Arms der internationalen Organisation CARE. Der Leiter von World Vision in Australien bestätigte, dass seine Hilfsorganisation mit ihrem Einsatz in Birma begonnen habe. "Wir haben 600 Menschen, die Decken, Moskitonetze, Nahrungsmittel und Wasser verteilen", sagte Tim Costello .

(Quelle: afp)
 


 

Banken schrieben wegen Finanzkrise weltweit offenbar 320 Milliarden Dollar ab

Do.08.05.08 - Banken in aller Welt haben nach einem Bericht der «Zeit» wegen der Finanzmarktkrise bisher rund 320 Milliarden Dollar abgeschrieben. Die Wochenzeitung berichtete am Mittwoch vorab unter Berufung auf eine «interne Übersicht, die europäische Zentralbanker angefertigt haben», diese Summe umfasse Abschreibungen bis Ende vergangener Woche. «Um ihre Existenz zu retten, verschafften sich strauchelnde Geldhäuser im selben Zeitraum neues Kapital von mehr als 230 Milliarden Dollar.»

Die Europäische Zentralbank äußerte sich auf AP-Anfrage nicht. EZB-Sprecher Raphael Anspach sagte, die Zentralbank kommentiere dies prinzipiell nicht.

Laut «Zeit» ist die internationale Finanzmarktkrise, die im vergangenen Jahr mit der US-Immobilienkrise ihren Anfang nahm, trotz dieser Milliardensummen noch nicht überwunden. Gemessen an der bereits im April veröffentlichten Schätzung des Internationalen Währungsfonds, der die weltweiten Kosten der Krise auf bis zu eine Billion Dollar schätzt, sei erst knapp ein Drittel des Bedarfs an Wertberichtigungen bewältigt.

(Quelle: ap)
 


 

Obama und Clinton verbuchen je einen Sieg bei US-Vorwahlen

Do.08.05.08 - Nach einem deutlichen Sieg Barack Obamas bei der Vorwahl in North Carolina und einem knappen Vorsprung Hillary Clintons in Indiana ist das Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten weiterhin offen. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam Obama in North Carolina auf 57 Prozent der Stimmen, Clinton erhielt 43 Prozent. Weniger deutlich fiel das Ergebnis in Indiana aus. Nach übereinstimmenden Angaben der US-Fernsehsender CNN, Fox und MSNBC kam Clinton nach Auszählung aller Stimmen auf 51 Prozent, Obama erreichte 49 Prozent.

In North Carolina konnte sich der Senator aus Illinois auf eine breite Unterstützung von schwarzen Wählern stützen, die dort ein Fünftel der Bevölkerung stellen. Sie stimmten zu 91 Prozent für Obama. Von den Weißen entschieden sich 36 Prozent für ihn.

In seiner Siegesrede in North Carolina rief Obama die Demokratische Partei zur Einheit auf. "Jedes Lager will verzweifelt den Sieg seines Kandidaten", sagte der 46-Jährige. Aber alle Demokraten seien sich einig, dass die Partei es sich nicht erlauben könne, dem Republikaner John McCain eine Chance zu geben. Dies würde eine "dritte Amtszeit der Präsidentschaft Bush" bedeuten. Obama bezeichnete sich als den Kandidaten, der die politischen Gräben in seiner Partei überwinden und das Land einen könne.

Obama gratulierte Clinton frühzeitig zu ihrem Sieg in Indiana. Clinton sagte, sie werde ihren Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten fortsetzen.

Kommentatoren hatten das Ergebnis in Indiana als besonders wichtig eingestuft. Mit einem Sieg dort hätte Obama beweisen können, dass er auch bei der traditionellen Demokratenklientel in einem stark industriell geprägten Bundesstaat Anklang findet. Obama hat zwar nach über 40 Vorwahlen mehr Siege als Clinton eingefahren und damit auch mehr Delegierte hinter sich bringen können, verlor jedoch zuletzt an Zustimmung. Sein langjähriger Pfarrer Jeremiah Wright war mit radikalen Äußerungen in die Kritik geraten. Außerdem hatte Clinton erfolgreich versucht, ihren Kontrahenten als elitär und abgehoben hinzustellen.

(Quelle: afp)
 


 

Medwedew als russischer Präsident vereidigt

Do.08.05.08 - Dmitri Medwedew ist am Mittwoch im Kreml als neuer russischer Präsident vereidigt worden. Der 42-Jährige löst seinen politischen Ziehvater Wladimir Putin ab, der nach acht Jahren im Amt nicht noch einmal kandieren durfte. Er wolle vor allem die Wirtschaft voranbringen und die Bürgerrechte fördern, erklärte Medwedew während der Feier im prunkvollen Andrejewski-Saal. Es wurde erwartet, dass er als erste Amtshandlung seinen Vorgänger zum künftigen russischen Ministerpräsidenten nominiert.

Putin soll am (heutigen) Donnerstag zum Regierungschef gewählt werden. Medwedew hat bereits mehrfach, betont, dass er die Politik des bisherigen Präsidenten fortsetzen werde. Der Ernennung Putins folgt am Freitag - dem russischen Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg - eine Militärparade, bei der erstmals seit dem Ende der Sowjetunion wieder Panzer und mit Atomsprengköpfen bestückbare Raketenwerfer über den Roten Platz rollen sollen.

Medwedew hatte bei der Präsidentenwahl im März nach offiziellen Angaben 70,2 Prozent der Stimmen erhalten. Sein Sieg galt schon vor der Abstimmung als sicher, Kritiker bezeichneten die Wahl als Farce. Zwei prominenten Politikern der liberalen Opposition, Garri Kasparow und Michail Kasjanow, wurde aus formalen Gründen die Kandidatur verwehrt.

(Quelle: ap)
 


 

EU spielt bei Genehmigung von Genpflanzen auf Zeit

Do.08.05.08 - Die EU-Kommission schiebt die Entscheidung über den umstrittenen Anbau genetisch veränderter Pflanzen in Europa weiter hinaus.

Die gesundheitlichen und ökologischen Risiken der von BASF gezüchteten Kartoffel Amflora sowie von zwei Maissorten sollen von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (efsa) erneut geprüft werden. Das entschied die Brüsseler Behörde am Mittwoch nach einer Grundsatzdebatte über die strenge Zulassungspolitik der EU für genetisch veränderte Organismen. Doch stellte die Kommission das aufwendige Genehmigungsverfahren, mit dem mehrere EU-Länder - auch Deutschland - unzufrieden sind, und das Befürworter wie Gegner der Gentechnik heftig kritisieren, nicht in Frage.

BASF muss sich nun ebenso wie der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta und die DuPont-Tochter Pioneer, die vor Jahren die Zulassung schädlingsresistenter Maissorten beantragten, weiter gedulden. Eine erneute Prüfung durch die efsa könne sich Monate, vielleicht Jahre hinziehen, sagte ein Experte. Eine Sprecherin von Syngenta nannte den Beschluss einen großen Fehler. "Die Kommission wird die anstehenden Entscheidungen treffen, wenn efsa die Sicherheit dieser Produkte bestätigt", sagte Kommissionssprecher Johannes Laitenberger. Er bestritt, dass Brüssel automatisch grünes Licht geben würde, wenn die efsa nochmals Unbedenklichkeit erklären sollte.

Bisher hat die Behörde, die aus wissenschaftlicher Sicht die von den Unternehmen eingereichten Studien über Folgen ihrer Produkte für Umwelt und Gesundheit beurteilt, noch nie Nein gesagt. Seit 2005 wurden 16 genetisch veränderte Produte zur Einfuhr zugelassen, doch seit zehn Jahren keines mehr zum Anbau genehmigt. Da die Mitgliedsstaaten wegen des öffentlichen Drucks zerstritten sind und in der Regel keine Mehrheit für oder gegen einen Antrag finden können, blieb der schwarze Peter stets bei der Kommission. Diese ließ zwar Importe, aber keinen Anbau zu. Denn auch in der Kommission stehen sich Kritiker der Gentechnik wie Umweltkommissar Stavros Dimas und Unterstützer wie Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel gegenüber.

In Europa ist die Bevölkerung nach einer Umfrage zu 58 Prozent gegen Gen-Produkte, in Deutschland sind es rund 70 Prozent. Mit dem Genehmigungsverfahren, bei dem es jahrelang zwischen efsa, EU-Ländern und Kommission hin und hergehen kann, sind Deutschland, Frankreich und andere Länder unzufrieden. Die EU hat die strengsten Genehmigungsverfahren, während in den USA mit ihren viel rascheren Verfahren der Anbau von Genprodukten boomt. Die Hersteller wettern, dass Europa von diesem Markt abgehängt wird. Umweltschützer fordern, die EU solle bei ihrer harten Haltung bleiben.

Die efsa halten die Gentechnik-Kritiker für nicht kompetent. "Europas unterfinanzierte und unzulängliche Lebensmittelbehörde zu bitten, die Sicherheit der Pflanzen zum dritten Mal zu prüfen ist so wie den Fuchs in den Hühnerstall zu schicken", erklärte Marco Contiero von Greenpeace. Doch die Kommission steht hinter der Behörde. "Wir haben keinen Grund, die wissenschaftliche Qualität von efsa in Frage zu stellen", sagte Laitenberger.

Die Kommission beschloss außerdem, dass Österreich den Einfuhrstopp des Genmais 810 von Monsanto und der Maissorte T25 von Bayer aufheben muss. Doch den Anbau können die Österreicher ebenso wie Frankreich und andere Länder weiter verbieten, obwohl der Monsanto-Mais die einzige bisher in der EU zur Kultivierung zugelassene Genpflanze ist.

Auf die EU kommen wegen der Hängepartie bei den Genehmigungen gerichtliche Auseinandersetzungen zu. Pioneer reichte im vergangenen Jahr eine Klage gegen die Kommission ein wegen unangemessener Verzögerung. BASF drohte im vergangenen Monat mit rechtlichen Schritten, da der Antrag für Amflora erstmals vor fünf Jahren gestellt war und seit einem Jahr in der Kommission liegt. Eine Unternehmenssprecherin sagte, für eine erneute wissenschaftliche Bewertung gebe es keine Daten und damit auch keinen Anlass. "Wir befürchten, dass wir damit wieder in eine neue Warteschleife geschickt werden."

(Quelle: rtr)
 


 

EU-Parlament bekommt mehr Mitspracherechte bei Asylverfahren

Do.08.05.08 - Das Europaparlament bekommt in Fragen der EU-Asylpolitik mehr Mitspracherechte. Das entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg am Dienstag. Das Gericht erklärte Teile einer 2005 erlassenen EU-Richtlinie für nichtig, laut denen die EU-Regierungen im Ministerrat alleine über die Erstellung so genannter "Listen sicherer Herkunftsstaaten" entscheiden können. In diesen Listen sind Länder aufgeführt, in die Flüchtlinge in verkürzten Verfahren zurückgeschickt werden können, weil ihnen dort nach EU-Einschätzung keine übermäßigen Gefahren drohen. (Az: C-133/06)

Die Richtlinie räumt dem Parlament nur ein Anhörungsrecht ein. Für die Erstellung und Änderung der Listen habe künftig das Mitentscheidungsprinzip zwischen Regierungen und Parlament zu gelten, erklärten die Richter. Welche Länder in die Listen aufgenommen werden, ist bereits unter den EU-Regierungen umstritten - bisher gibt es noch kein gemeinsames Verzeichnis.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl begrüßte das Luxemburger Urteil als "Schritt in die richtige Richtung". Das Verfahren werde durch mehr Mitsprache des Parlaments demokratischer, sagte Europareferent Karl Kopp. Wünschenswert wäre es allerdings, dass allen Flüchtlingen unabhängig von ihrer Herkunft ein faires Asylverfahren garantiert werde. Anstelle von Verzeichnissen sicherer Drittstaaten brauche die EU gemeinsame Standards zum Rechtsschutz, betonte er.

(Quelle: epd)
 


 

Deutschland

Bundesverfassungsgericht stärkt Bundestagsrechte bei Bundeswehreinsätzen

Do.08.05.08 - Das Bundesverfassungsgericht hat die Mitbestimmungsrechte des Bundestags bei bewaffneten Einsätzen der Bundeswehr gestärkt. Nach einem in Karlsruhe verkündeten Urteil muss die Bundesregierung die Zustimmung des Parlaments zu solchen Missionen immer dann einholen, wenn die Verwicklung deutscher Soldaten in bewaffnete Auseinandersetzungen "konkret zu erwarten ist". Weil solch eine gefährliche Situation auch beim Einsatz deutscher Soldaten in AWACS-Aufklärungsflugzeugen der NATO über der Türkei während des Irakkriegs 2003 vorlag, hätte die damalige rot-grüne Regierung die Zustimmung des Bundestag einholen müssen.

Der Einsatz sei daher verfassungswidrig gewesen, führte das Gericht weiter aus. Das Gericht gab mit dem Urteil einer fünf Jahre alten Klage der FDP-Fraktion statt. Der Eilantrag der Liberalen war damals noch abgelehnt worden. Den Verfassungsrichtern zufolge hat die Bundesregierung zwar einen weiten Gestaltungsspielraum in ihrer Bündnispolitik. Innerstaatlich habe aber der Bundestag grundlegend darüber zu befinden, ob sich die Bundeswehr an einem vom Bündnis beschlossenen Einsatz beteiligen darf. Auch wegen der politischen Dynamik eines Bündnissystems sei es "um so bedeutsamer, dass die größer gewordene Verantwortung für den Einsatz bewaffneter Streitkräfte in der Hand des Repräsentationsorgans des Volkes liegt", heißt es im Urteil.

Für den so genannten Parlamentsvorbehalt kommt es dem Urteil zufolge nicht darauf an, ob bewaffnete Auseinandersetzungen bereits stattfinden. Entscheidend sei vielmehr, ob je nach den Umständen "konkret" zu erwarten ist, dass Soldaten in Kampfhandlungen verwickelt werden können. Dies sei beim AWACS-Einsatz im Frühjahr 2003 der Fall gewesen.

(Quelle: afp)
 


 

Kinderkommission will Kinderrechte ins Grundgesetz schreiben

Do.08.05.08 - Die Kinderkommission des Bundestags will noch in der laufenden Legislaturperiode die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz erwirken. Kinder hätten als «eigene Bevölkerungsgruppe auch eigenständige Ansprüche an die Gesellschaft», sagte die neue Vorsitzende der Kommission, Diana Golze (Die Linke), am Mittwoch bei ihrer Amtsübernahme in Berlin. Derzeit bemühten sich die Kommissionsmitglieder dafür um Mehrheiten innerhalb ihrer Fraktionen.

Während ihres neunmonatigen Vorsitzes werde sich die Kinderkommission insbesondere der Bekämpfung der Kinderarmut widmen, sagte Golze. Laut Angaben des Deutschen Kinderhilfswerks lebten derzeit bundesweit 2,5 Millionen Kinder unter dem Existenzminimum. Des weiteren sollten Möglichkeiten erörtert werden, die Mitbestimmungsrechte von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Auch wolle sich die Kommission mit den Folgen der Föderalismusreform für die Kinder- und Jugendhilfe befassen.

Die Kinderkommission ist mit jeweils einem Vertreter jeder Fraktion besetzt und kann nur im Konsens aller Mitglieder Beschlüsse und Empfehlungen formulieren. In den Ausschüssen des Bundestags hat sie lediglich beratende Funktion.

(Quelle: ddp)
 


 

Experte: 2009 könnten Renten noch stärker steigen

Do.08.05.08 - Nach Darstellung des Renten-Experten Bernd Raffelhüschen könnten die Renten zum Juli 2009 noch stärker steigen als bislang geplant.

In der «Augsburger Allgemeinen» schätzte er nach der von der Bundesregierung geplanten Aussetzung des Riester-Faktors, dass sich die Renten zum 1. Juli 2009 zwischen 2,5 bis 3,5 Prozent erhöhen werden. Angekündigt waren bisher nur 2,2 Prozent. «Aufgrund der Tarifabschlüsse, die derzeit bei rund vier Prozent liegen, ist damit durchaus zu rechnen», sagte Raffelhüschen.

Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, warnte vor zu großem Optimismus: «Ich halte diese Zahlen für reine Spekulation.» Auch die Deutsche Rentenversicherung hält eine Prognose für verfrüht. Es gebe bislang noch zwei Unbekannte, sagte Sprecher Dirk von der Heide der Zeitung. Sowohl bei Tarifabschlüssen als auch beim Nachhaltigkeitsfaktor müsse erst die weitere Entwicklung abgewartet werden.

Die Bundesregierung hatte die außerplanmäßige Erhöhung der Renten zum 1. Juli 2008 auf den Weg gebracht. Sie soll dann um 1,1 Prozent angehoben werden. Die Erhöhung fällt damit mehr als doppelt so hoch aus wie ursprünglich geplant. Auch 2009 sollen die 20 Millionen Rentner einen Extra-Zuschlag erhalten. Der die regelmäßige Anpassung der Renten an die Nettolöhne dämpfende Riester-Faktor wird für zwei Jahre ausgesetzt.

(Quelle: dpa)
 


 

SPD für Senkung der Abgabenlast

Do.08.05.08 - SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann hat eine Senkung der Sozialbeiträge zur Entlastung der Bürger befürwortet. Oppermann sagte am Mittwoch in Berlin, er sehe für eine Senkung der Abgabenlast mittelfristig «Spielräume», wenn sich der Arbeitsmarkt weiter positiv entwickele. Er bekräftigte, dass die SPD auf ihrem Zukunftskongress Ende Mai in Nürnberg Eckpunkte für ein Steuerkonzept vorlegen werde. Vorrang vor Steuersenkungen hätten aber Haushaltskonsolidierung und Zukunftsinvestitionen.

Oppermann warf CSU-Chef Erwin Huber und dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) vor, sie hätten ihre Pläne zur Steuersenkung und zur Verbesserung der Renteneinkünfte für langjährige Beitragszahler nicht gegenfinanziert. Mit der SPD werde es «auf keinen Fall eine Steuersenkung auf Pump» geben, die zu Lasten zukünftiger Generationen ginge. Da man auch «politische Schnellschüsse» vermeiden wolle, würden in Nürnberg nur Orientierungspunkte vorgelegt. Das «voll durchgerechnete Konzept» werde im Hinblick auf den Wahlkampf ausgearbeitet.

Ein «zumindest gleichwertiges Ziel» sei die Entlastung bei den Abgaben, betonte Oppermann. Ein Spielraum dafür werde sich bei der Verbesserung am Arbeitsmarkt voraussichtlich ergeben. Der CSU warf er vor, allein auf die Steuern fixiert zu sein.

Auf die Ankündigung der SPD, ein eigenes Entlastungskonzept vorzulegen, reagierte Huber mit leichtem Spott. «Ich nehme das mit Erstaunen zur Kenntnis. In der SPD weiß man offensichtlich in der Steuerpolitik nicht mehr weiter.» Scharf konterte der CSU-Chef zugleich die Vorwürfe, die CSU-Vorschläge seien nicht finanzierbar. «Ich will von den 100 Milliarden Mehreinnahmen 28 Milliarden bei den Bürgern belassen. Der Staat hat dann immer noch 72 Milliarden Mehreinnahmen. Damit muss er auskommen.»

Huber wies auch die Kritik aus der CDU an seinem Steuerkonzept zurück. Er sei felsenfest davon überzeugt, dass «die CDU auf unseren Kurs einschwenkt», sagte Huber der «Passauer Neuen Presse». Er betonte, im Ziel «mehr netto für alle» sei man sich mit der Schwesterpartei völlig einig. «Das Übrige ist nur eine Frage der Zeit.»

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück verteidigte steigende Staatsausgaben unterdessen gegen Kritik. Allein 25 Milliarden Euro würden in dieser Legislaturperiode für ein Investitionsprogramm zur Wirtschaftsförderung aufgebracht, sagte er der «Bild»-Zeitung. Damit habe die Große Koalition die Grundlage für robustes Wachstum gelegt.

(Quelle: ap)
 


 

Ruf nach unabhängiger Diäten-Kommission

Do.08.05.08 - Angesichts der Koalitionspläne für höhere Diäten der Bundestagsabgeordneten wird der Ruf nach einer unabhängigen Kommission beim Bundespräsidenten lauter. «Man muss eine strukturelle Entscheidung treffen, dass die Abgeordneten nicht selbst über ihre Bezüge entscheiden müssen.»

Dies sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Reinhard Göhner, im Fernsehsender n-tv. Entsprechend äußerte sich auch FDP- Generalsekretär Dirk Niebel in der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Mittwoch).

Göhner sagte aber auch: «Prinzipiell halte ich die Abgeordneten für unterbezahlt. Es ist zunehmend so, dass Menschen, die beruflich erfolgreich sind, nicht mehr bereit sind ins Parlament zu gehen, weil die finanziellen Opfer zu groß sind.» Niebel sagte: «Abgeordnete gehören nicht dem öffentlichen Dienst an. Sie sind keine Beamten oder Angestellten einer Behörde. Deshalb müssen die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes nicht auf die Parlamentarier und ihre Bezüge übertragen werden.»

Union und SPD argumentieren, dass die Diäten im November an die Vergütungen von «einfachen» Bundesrichtern und die Einkommensentwicklung im öffentlichen Dienst gekoppelt worden seien. CSU-Chef Erwin Huber verteidigte in der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch) die Anhebung der Diäten. «Wir brauchen engagierte, fleißige Abgeordnete. Wenn generell die Einkommen steigen, dann kann man auch für die Volksvertreter eine maßvolle Steigerung verantworten und rechtfertigen.»

Die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, Angelika Krüger-Leißner (SPD), hält den Zeitpunkt für die Diätenerhöhung dagegen für falsch. Deshalb habe sie in der Fraktion gegen den Beschluss gestimmt, sagte die Abgeordnete der in Erfurt erscheinenden «Thüringer Allgemeine» (Mittwoch). Da bereits im vergangenen Jahr eine Diäten-Erhöhung beschlossen worden sei, sei die jetzige doch «ziemlich maßlos».

Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, vermutete dagegen in den «Ruhr Nachrichten» (Mittwoch): «Die 20 Millionen Rentner werden sich nach den Diskussionen der letzten Wochen fragen, ob es möglicherweise eine Gerechtigkeitslücke in Deutschland gibt.»

(Quelle: dpa)
 


 

Deutlich mehr Ältere auf Hartz IV angewiesen

Do.08.05.08 - Immer mehr ältere Menschen sind auf Hartz IV angewiesen. Im Jahresdurchschnitt 2007 waren bundesweit 654.000 Menschen zwischen 55 bis unter 65 Jahren als «erwerbsfähige Hilfebedürftige» registriert, wie das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) am Mittwoch mitteilte. Gegenüber 2006 war das ein Anstieg um 8,3 Prozent. Dabei sei die absolute Zahl der 55- bis unter 65-Jährigen im gleichen Zeitraum gesunken, betonten die Forscher.

Der Zuwachs an älteren Hartz-IV-Beziehern fiel in Ostdeutschland mit 11,6 Prozent fast doppelt so stark wie in den alten Bundesländern aus (plus 6,6 Prozent). Die anteilig meisten ALG-II-Empfänger gab es im Dezember 2007 in Berlin mit 12,9 Prozent, vor Sachsen-Anhalt mit 12,5 und Mecklenburg-Vorpommern mit 12,0 Prozent. Am niedrigsten war der Anteil in Bayern mit 4,2 Prozent.

Am stärksten stieg die Zahl älterer Hartz-IV-Bezieher in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg: Hier waren im Jahresschnitt 16,5 beziehungsweise 14,5 Prozent mehr ältere Menschen auf Arbeitslosengeld II angewiesen als im Vorjahr. Das geringste Plus gab es in Bremen (plus 3 Prozent) und Bayern (plus 5,3). Die Bremer Forscher griffen bei ihren Berechnungen auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zurück.

Besonders viele der ALG-II-Empfänger zwischen 55 und unter 65 Jahren leben den Angaben zufolge in Ostdeutschland: Zum Jahresende 2006 seien dies 34,1 Prozent gewesen. Gleichzeitig seien nur 16,6 Prozent der über 65-jährigen Bezieher von Grundsicherung auf den Osten entfallen.

«Dies zeigt, wie viele Ostdeutsche kurz vor Erreichen des gesetzlichen Rentenalters auf Hartz IV angewiesen sind, und wie groß das Potenzial derer ist, die im Alter bedürftig sein könnten», sagte Instituts-Sprecher Paul Schröder. Mit hoher Wahrscheinlichkeit seien ältere Hartz-IV-Empfänger nach ihrem 65. Geburtstag auf Alters-Grundsicherung angewiesen.

Die Linke nannte den Anstieg der Zahl älterer ALG-II-Empfänger alarmierend: «Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass das Verarmungsrisiko Älterer deutlich zunehmen wird», sagte der rentenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Volker Schneider. Dass insbesondere ältere Erwerbslose vom Aufschwung profitierten, sei ein bloßes Hirngespinst.

Schneider verlangte die Rücknahme der Rente mit 67 und die Abschaffung der Dämpfungsfaktoren in der Rentenformel: «Zudem sollten langjährig Erwerbstätige mit geringem Einkommen eine Aufwertung ihrer Rentenpunkte erhalten, damit sie nicht im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind», sagte er.

(Quelle: ap)
 


 

Hamburg: Erste schwarz-grüne Landesregierung im Amt

Do.08.05.08 - Deutschlands erste schwarz-grüne Landesregierung ist im Amt. Die Hamburger Bürgerschaft wählte am Mittwoch Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mit deutlicher Mehrheit zum Regierungschef. Der 53-Jährige, der in seine dritte Amtszeit geht, erhielt 69 von 121 Stimmen.

Das ist eine Stimme mehr als seine Koalition aus CDU und Grünen (GAL) Sitze hat. 52 Abgeordnete votierten gegen ihn. Anschließend wurden Beust und der neue Senat aus sechs CDU- und drei GAL-Senatoren vereidigt.

Zweieinhalb Monate nach der Bürgerschaftswahl vom 24. Februar hat die Hansestadt damit wieder eine reguläre Regierung. Neue zweite Bürgermeisterin und Schulsenatorin ist die bisherige GAL- Fraktionsvorsitzende Christa Goetsch. Ebenfalls von den Grünen besetzt sind die Ressorts Umwelt und Stadtentwicklung sowie Justiz. Sie wurden von der bisherigen Bundestagsabgeordneten und Hamburger Grünen-Vorsitzenden Anja Hajduk und von dem GAL- Bürgerschaftsabgeordneten Till Steffen übernommen.

Neu im Kabinett sind auch Innensenator Christoph Ahlhaus, Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach und Sozialsenator Dietrich Wersich. Alle drei CDU-Politiker waren in der Vorgängerregierung Staatsräte. Im Amt geblieben sind Finanzsenator Michael Freytag (CDU) und Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos). Der bisherige Umweltsenator Axel Gedaschko (CDU) wechselte an die Spitze des Wirtschaftsressorts. Die CDU hatte bei der Bürgerschaftswahl 42,6 Prozent der Stimmen erhalten. Die Grünen kamen auf 9,6 Prozent.

CDU und GAL hatten sich in fünfwöchigen Verhandlungen auf ihren 65 Seiten starken Koalitionsvertrag verständigt und sich von den jeweiligen Parteigremien bestätigen lassen. Bei den Grünen entschied sich die Basis auf einer Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit für die Koalition, bei der CDU gab ein kleiner Parteitag sogar ein einstimmiges Votum (bei einer Enthaltung) für das neue Bündnis ab. Während es bei der CDU keine Kritik am Koalitionsvertrag gab, entzündeten sich bei den Grünen Unmut vor allem an der Elbvertiefung und am umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg.

Beust legte seinen Amtseid mit der Formel «Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe» ab. Sollte der 53-Jährige - wie von ihm angekündigt - bis zum Ende der Legislaturperiode 2012 im Amt bleiben, wäre er der am längsten regierende Erste Bürgermeister der Hansestadt seit dem Zweiten Weltkrieg. Bei seiner ersten Wahl 2001 hatte sich Beust von CDU, FDP und der rechtsgerichteten Schill-Partei wählen lassen. 2004 benötigte er nur seine CDU, da sie bei der Bürgerschaftswahl die absolute Mehrheit erzielt hatte.

Die bislang am längsten amtierenden Ersten Bürgermeister in Hamburg waren die SPD-Politiker Max Brauer (1946-53; 1957-60) und Henning Voscherau (1988-97). Hamburg wurde seit Kriegsende bislang insgesamt 44 Jahre von der SPD regiert.

(Quelle: dpa)
 


 

Bayerische Regierung soll Bank-Krise verheimlicht haben -- Risiken angeblich schon im August 2007 bekannt - Unterlagen darüber sollten vernichtet werden

Do.08.05.08 - Die bayerische Landesregierung soll laut einem Medienbericht weit früher als bisher eingestanden über hohe Risiken der Landesbank informiert gewesen sein. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» wusste die Regierung bereits im August 2007 von drohenden Ausfällen von 420 Millionen Euro. Dies sei bei einer Sondersitzung in der Bank Ende August für «streng vertraulich» erklärt worden. Anschließend sollten brisante Unterlagen zu den Risiken vernichtet werden, wie die Zeitung berichtet.

Die Finanzmarktkrise hat die Bayerische Landesbank tief in die roten Zahlen gestürzt. Abschreibungen auf riskante Wertpapiere führten zu einem Quartalsverlust von 770 Millionen Euro vor Steuern, wie die BayernLB am Mittwoch mitteilte. Die riskanten Finanzanlagen im US-Immobilienmarkt könnten zu weiteren horrenden Zahlungsausfällen führen. Der Freistaat und die Sparkassen müssen als Eigentümer der Bank für 4,8 Milliarden Euro haften.

Erst im Februar 2008 hatte der Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber auf Druck der Landtagsopposition und der Öffentlichkeit Belastungen in Milliardenhöhe zugegeben. Laut «SZ» war die Regierung schon ein halbes Jahr zuvor vom Vorstand der Landesbank alarmiert worden: Im Juli und August 2007 waren laut internen Berechnungen der Bank die damals bereits absehbaren Risiken in kurzer Zeit von knapp 100 auf fast 420 Millionen Euro gestiegen.

Der damalige Finanzminister Kurt Faltlhauser habe eine Sondersitzung des Verwaltungsrats veranlasst, der die Landesbank kontrolliert. Dem Verwaltungsrat gehörten damals neben Faltlhauser auch der heutige Ministerpräsident Günther Beckstein und Georg Schmid an, der inzwischen Fraktionschef der CSU im Landtag ist. Beckstein und Schmid waren bei der Sitzung nicht dabei, wie die Zeitung schreibt.

Für das Treffen am 29. August hätten die Verwaltungsräte schriftliche Informationen über die drohenden Ausfälle erhalten. Der Verwaltungsrat habe sich laut Sitzungsprotokoll darauf verständigt, dass die verteilten Unterlagen über mögliche Zahlungsausfälle «wieder eingesammelt und vernichtet werden».

Im Protokoll sei weiter vermerkt, dass der Verwaltungsrat entschied, alle Informationen zu diesem heiklen Thema «streng vertraulich zu behandeln». Faltlhauser erklärte der «SZ» dazu: «Wir haben uns entschlossen, zum Schutz der Bank Stillschweigen zu bewahren». Es habe sich um «völlig ungesicherte Zahlen» gehandelt. Der Verwaltungsrat habe vermeiden wollen, mit diesen Zahlen Spekulationen über die Bank anzuheizen. «Dass die Unterlagen wieder eingesammelt wurden, war in der damaligen Situation kein ungewöhnlicher Vorgang», sagte Faltlhauser.

Der heutige Finanzminister Huber äußerte laut «SZ», er habe an der Sitzung nicht teilgenommen. Huber und Ministerpräsident Beckstein erklärten wortgleich, «zu Fragen hinsichtlich Ablauf und Inhalt der Sitzung» vom 29. August 2007 verweise man an Faltlhauser sowie an den Vorsitzenden des Verwaltungsrats, den bayerischen Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser

(Quelle: ap)
 


 

Höhn kritisiert Gabriels Biospritpläne

Do.08.05.08 - Die Pläne von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), den Import von Bioenergie aus Ländern wie Brasilien zuzulassen, wenn deren nachhaltige Erzeugung gewährleistet sei, stoßen bei den Grünen auf Vorbehalte. Gabriel betreibe «Augenwischerei», wenn er verkünde, dass bereits im kommenden Jahr ein solches umweltgerechtes Einfuhrsystem auf die Beine gestellt werden könne, sagte die Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Bärbel Höhn, der «Frankfurter Rundschau» (Mittwochausgabe). Die von Gabriel versprochene Zertifizierung werde «bis zur vollständigen Umsetzung noch mehrere Jahre brauchen und auch dann nicht richtig funktionieren».

Wenn es um einzelne Soja- oder Palmöl-Plantagen gehe, drohe sogar die Gefahr von «Verschiebebahnhöfen», warnte Höhn. Öle für die energetische Nutzung in Europa würden dann zwar nur auf unbedenklichen Flächen angebaut. «Für Sojaöl, das nach China oder als Lebensmittel nach Europa geht, würde aber weiter fleißig Regenwald gerodet», befürchtet die Grünen-Politikerin. Sie wirft Gabriel vor, «fröhlich Werbung zu machen für große Mineralölkonzerne, die immer mehr Soja- und Palmöl aus Brasilien und Indonesien kaufen».

(Quelle: ddp)
 


 

Schäuble verbietet zwei rechtsextreme Vereine aus Westfalen

Do.08.05.08 - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat zwei rechtsextreme Vereine aus Ost-Westfalen verboten. Die beiden Gruppierungen mit Sitz in Vlotho seien "Sammelbecken organisierter Holocaustleugner", begründete Schäuble den Schritt in Berlin. Das Verbot richtet sich gegen das "Collegium Humanum" (CH) und den "Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgter" (VRBHV). Seit dem frühen Mittwochmorgen untersuchten Beamte bundesweit knapp 30 Objekte. Schwerpunkte der Razzia waren Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen.

Die Tätigkeit beider Vereine bestehe aus antisemitischer Propaganda und der Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, teilte das Innenmimisterium weiter mit. Die Gruppierungen richteten sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung und verstießen durch fortgesetzte Leugnung des Holcaust gegen geltendes Recht. In Vlotho trafen sich demnach Holocaustleugner und Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet. "Mit dem Verbot wurde dieses Treiben unterbunden", erklärte das Ministerium. Den Vereinen sei damit jede Betätigung und die Bildung von Ersatzorganisationen untersagt.

Schäuble betonte, zum rechtsextremistischen Spektrum gehörten "junge Neonazis ebenso wie alte Nationalsozialsten". Ihnen gemeinsam sei die Ablehnung der freiheitlichen demokratischen Ordnung. Der Staat sei "in der Pflicht, dem zu begegnen und alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen". "Die geistigen Brandstifter, mit denen wir es hier zu tun haben, sind der Nährboden, aus dem letztlich auch rassistisch motivierte Gewalt erwächst."

Das "Collegium Humanum" wurde 1963 gegründet und galt als ein Knotenpunkt im Netzwerk der Holocaust-Leugner. Der Bundesregierung zufolge wurden von dem Verein und dem ebenfalls verbotenen VRBHV Schulungen, Vorträge und Mitgliedversammlungen organisiert. Laut Verfassungsschutzbericht trat bei Veranstaltungen des CH unter anderem der rechtsextreme Holocaust-Leugner Horst Mahler auf.

(Quelle: afp)
 


 

Internet muss auch für Menschen mit Behinderung zugänglich sein

Do.08.05.08 - Für jedermann sollte das Internet in Zukunft zugänglich sein. Dies gilt vor allem für Menschen mit Behinderung, die das Web überdurchschnittlich häufig nutzen. Deshalb fordern Experten einen Wandel hin zu einer besseren Zugänglichkeit, der sogenannten Barrierefreiheit. Eine Studie der Aktion Mensch hat jetzt gezeigt, dass Gehandicapte das Web und auch Angebote des "Mitmach-Internets" Web 2.0 selbstständig - teils mit Hilfe unterstütztender technischer Vorrichtungen - nutzen. Durchschnittlich an 6,5 Tagen pro Woche sind Menschen mit Behinderung online. Der Wert der Internet-Nutzung für die Deutschen liegt gemäß einer Online-Studie von ARD und ZDF aus dem Jahr 2007 hingegen bei nur 5,1 Tagen pro Woche. "Dies unterstreicht, dass Barrierefreiheit wirklich ein Meilenstein auf dem Weg zum Internet der Zukunft ist", erklärt Iris Cornelssen, Projektleiterin der Aktion Mensch-Initiative "Einfach für Alle".

Aus der jüngsten Erhebung geht ebenfalls hervor, dass Gehandicapte je nach Behinderungsart im Web nach wie vor auf einige Hürden treffen. Hierzu gehört etwa die Eingabe von Registrierungscodes, die oft nur schwer lesbar sind. Auch unklare Benutzerführungen und die Sprache im weitesten Sinne können für Menschen mit Behinderungen im Web problematisch sein. Zwar sind diese Barrieren seit geraumer Zeit bekannt. Allerdings berücksichtigen nicht alle Anbieter von Web-Inhalten dieses Wissen, um ihre Online-Angebote für Gehandicapte problemlos zugänglich zu machen.

Um auf dieses Thema aufmerksam zu machen, haben sich jüngst in Gelsenkirchen Experten ausgetauscht. Außerdem hat die Aktion Mensch gemeinsam mit der Stiftung Digitale Chancen jetzt zum fünften Mal den BIENE-Wettbewerb für die besten deutschsprachigen barrierefreien Internet-Seiten im Bereich Web 2.0 gestartet. Anbieter können ihre Web-Seiten bis zum 15. Juli unter www.biene-wettbewerb.de einreichen. Die Preisverleihung findet im Dezember 2008 in Berlin statt.

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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