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Irak 1508 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Al-Kaida-Führer im Irak angeblich festgenommen. Haftstrafe für US-Soldat nach Mordurteil verringert

Fr.09.05.08 - Der Al-Kaida-Führer im Irak, Abu Ajjub al Masri, ist nach irakischen Angaben in der nördlichen Stadt Mossul gefangengenommen worden. Das Verteidigungsministerium in Bagdad erklärte am Donnerstagabend, die Behörden vor Ort hätten die Festnahme des Ägypters bestätigt. Die US-Streitkräfte erklärten, sie prüften die Informationen noch.

Al Masri habe bei einer ersten Vernehmung seine Identität bestätigt, sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums, Generalmajor Abdul Karim Chalaf. Die Festnahme sei bei einer Polizeirazzia erfolgt, sagte der Sprecher im staatlichen Fernsehen. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Al Masri übernahm den Posten als Al-Kaida-Kommandeur im Irak, nachdem sein Vorgänger Abu Mussab al Sarkawi im Juni 2006 bei einem amerikanischen Luftangriff nordöstlich von Bagdad getötet worden war. Nach US-Angaben schloss sich Al Masri, auch bekannt als Abu Hamsa al Muhadscher, schon 1982 dem Terrornetzwerk an. Seitdem soll er in zahlreiche Anschläge verwickelt gewesen sein.

Die 15-jährige Haftstrafe eines wegen Mordes an einem Iraker verurteilten Unteroffizier der US-Marineinfanterie ist um vier Jahre reduziert worden. Das teilte der Zivilverteidiger von Lawrence Hutchins am Mittwoch mit. Er habe zuvor beim befehlshabenden General seines Mandaten ein Gnadengesuch eingereicht, sagte Rich Brannon.

Hutchins war im August vorigen Jahres von einem Militärgericht im kalifornischen Camp Pendleton verurteilt worden. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass der Unteroffizier als Kommandoführer für die Tat im irakischen Hamdania im April 2006 maßgeblich verantwortlich war. Hutchins war der einzige der insgesamt acht Angeklagten, der des Mordes schuldig gesprochen wurde.

Die Gruppe von acht Marineinfanteristen im Irak wollte nach einer Serie von Anschlägen einen mutmaßlichen Aufständischen töten. Als sie den Mann nicht finden konnten, nahmen sie der Anklage zufolge einen Nachbarn mit und erschossen diesen. Anschließend legten sie eine Schaufel und ein Ak-47-Sturmgewehr neben die Leiche, um den Anschein zu erwecken, dass es sich um einen Aufständischen gehandelt habe.

(Quelle: ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 09.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendvierundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mi.09.05.07 - Fünfundvierzig Tote bei Anschlag im irakischen Kufa +++ Flüchtlingshilfswerk gegen Abschiebung von Irakern... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0705090.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Gefecht zwischen Sunniten und Schiiten im Libanon - Mehrere Tote. EU ruft zum Ende der Gewalt in Beirut auf

Fr.09.05.08 - Gefechte zwischen der schiitischen Hisbollah und sunnitischen Anhängern der Regierung in Beirut haben mindestens vier Unbeteiligte das Leben gekostet. Bei der Explosion einer Granate wurden am Donnerstag eine Mutter und ihr Sohn getötet, wie Sicherheitsbeamte in der libanesischen Hauptstadt mitteilten. Ein weiterer Passant sowie ein Mitglied der Sicherheitsgarde des Parlaments wurden den Angaben zufolge von Querschlägern tödlich getroffen. Insgesamt acht Personen wurden verletzt. Des weiteren wurde eine Frau bei Freudenschüssen von Hisbollah-Anhängern versehentlich erschossen.

Die verfeindeten Kämpfer stießen in Beirut den zweiten Tag in Folge zusammen. Dabei wurden auch automatische Schusswaffen und Granaten eingesetzt. Auslöser der jüngsten Unruhen war am Mittwoch ein Generalstreik der Opposition. Am Donnerstag weiteten sich die Kämpfe auch auf andere Landesteile aus. Im östlichen Bekaa-Tal wurden bei Schießereien mindestens vier Menschen verletzt, wie Sicherheitsbeamte mitteilten. Mehrere wichtige Straßenverbindungen waren wegen der Kämpfe blockiert.

Der muslimische Spitzenpolitiker Saad Hariri appellierte im libanesischen Fernsehen an Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah, den Kämpfen Einhalt zu gebieten. Ein Abgleiten in einen Bürgerkrieg müsse unbedingt verhindert werden, sagte der Sohn des 2005 ermordeten ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri. Nasrallah hat der Regierung vorgeworfen, seiner Organisation den Krieg erklärt zu haben. Das prowestliche Kabinett von Ministerpräsident Fuad Siniora hat beschlossen, das private Telekommunikationsnetz der schiitischen Miliz zu schließen.

Die Europäische Union hat unterdessen die libanesischen Konfliktparteien zu einem sofortigen Ende der Kämpfe in Beirut aufgerufen. Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, sie bedaure die Gewalt zutiefst. Die Blockade von Straßen müsse aufgehoben werden.

boa (Quellen: ap, dpa)
 


 

Israel feiert 60. Jahrestag der Staatsgründung -- Im Westjordanland und im Gazastreifen wurde der Jahrestag als Trauertag begangen -- Luftangriffe im Gazastreifen

Fr.09.05.08 - Mit Feuerwerken, Luftschauen, Konzerten und Grillpartys haben Millionen Israelis am Donnerstag den 60. Jahrestag ihrer Staatsgründung gefeiert. Überschattet wurden die Freudenfeste von einem schweren Fallschirm-Unfall und gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und israelischen Arabern. Letztere gedachten der «Nakba» (Katastrophe), da nach der israelischen Staatsgründung hunderttausende Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben wurden.

Die Feiern zum Unabhängigkeitstag begannen bereits am Mittwoch. Am Abend drängten sich tausende Menschen auf dem Jerusalemer Zionsplatz, um das jedes Jahr dort stattfindende Feuerwerk mitzuerleben. Bei einer Flugschau in Tel Aviv landete ein Fallschirmspringer am Donnerstag versehentlich mitten in der Zuschauermenge. Er und zwei weitere Personen wurden schwer verletzt, weitere Zuschauer erlitten leichte Verletzungen.

Der Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 proklamiert. Wegen des jüdischen Mondkalenders ergeben sich jedoch alljährlich Verschiebungen im Datum, so dass der Jahrestag diesmal schon auf den (gestrigen) Donnerstag fiel.

Höhepunkt der Feiern ist in der kommenden Woche eine Konferenz in Jerusalem, zu der US-Präsident George W. Bush, der internationale Nahost-Beauftragte Tony Blair sowie führende Manager erwartet werden. Dabei gehe es auch um die Zukunft Israels als High-Tech-Standort, sagte Staatspräsident Schimon Peres der Nachrichtenagentur AP. «Wir sind klein an Größe und Zahl, daher können wir kein großer Markt werden. Aber Israel kann ein kühnes Labor werden.»

Peres äußerte sich optimistisch über die Zukunft des Landes. «Wir haben alles erreicht, was man erreichen kann, denn unsere Zukunft ist reicher als unsere Vergangenheit», sagte er laut «Bild»-Zeitung. Auf die Frage, was er sich zum 60. Jahrestag von den Deutschen erwarte, antwortete der israelische Staatspräsident: «Ich wünsche mir, dass die Schatten der Vergangenheit nie wieder zurückkehren».

Im Norden Israels protestierten große Teile der arabischen Bevölkerung des Landes gegen die Vertreibungen im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskriegs von 1948 und 1949. Nach der Kundgebung warfen einige Demonstranten Steine auf Polizisten. Es gab mehrere Verletzte, fünf Menschen wurden festgenommen.

Auch im Westjordanland und im Gazastreifen wurde der Jahrestag als Trauertag begangen. In Bethlehem folgten etwa 500 Demonstranten einem riesigen Schlüssel, mit dem die Hoffnung der Flüchtlinge symbolisiert werden sollte, eines Tages in ihre Heimatdörfer in Israel zurückzukehren. Während der Feiertage war Palästinensern aus den besetzten Gebieten die Einreise nach Israel aus Angst vor Anschlägen untersagt.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajjad sagte zum Tag der «Nakba» in Ramallah, bei den Nahostgesprächen mit Israel gebe es vielfältige Probleme. Umso mehr verfolgten die Palästinenser ihren Traum der Unabhängigkeit und des «Rechts auf Rückkehr der Flüchtlinge».

Auch am Jahrestag gab es wieder israelische Luftangriffe im Gazastreifen. Dabei wurden vier Palästinenser zum Teil schwer verletzt, wie Rettungskräfte mitteilten. Bei zweien von ihnen handele es sich um Mitglieder des Islamischen Dschihads. Nach Angaben der Streitkräfte galten die Angriffe in der Nähe von Dschebalija einer Gruppe, die Raketen auf israelisches Gebiet abschießen wollte.

(Quelle: ap)
 


 

USA: Bürgerrechtler bei Protest gegen Freispruch dreier Polizisten festgenommen

Fr.09.05.08 - Der US-Bürgerrechter Al Sharpton und mehr als 200 weitere Demonstranten sind in New York bei einer Protestaktion gegen den Freispruch von drei Polizisten festgenommen worden, die wegen tödlicher Schüsse auf einen jungen Schwarzen angeklagt waren. In einer koordinierten Aktion hatten mehrere hundert Demonstranten Brücken und Tunnel in der Stadt blockiert. Die Festgenommenen wurden später wieder auf freien Fuß gesetzt.

Sharpton hatte nach dem Freispruch der Polizisten im vergangenen Monat mit massivem zivilen Ungehorsam gedroht, um das öffentlich Leben lahmzulegen. Die Demonstranten fordern eine erneute Untersuchung im Fall des im November 2006 im Kugelhagel der Polizei ums Leben gekommenen 23-jährigen Sean Bell.

In der Nacht vor seiner geplanten Hochzeit hatte Bell mit Freunden in einem Striptease-Lokal seinen Junggesellenabschied gefeiert. Als die drei den Club verließen, eröffneten Polizisten das Feuer. Sie gaben 50 Schüsse auf das Auto der unbewaffneten Männer ab, das nach Angaben der Polizei zuvor einen Beamten in Zivil gestreift hatte. Bell wurde tödlich getroffen, seine beiden Freunde erlitten Verletzungen. Die beteiligten Polizisten wurden im April von allen Vorwürfen freigesprochen.

(Quelle: ap)
 


 

Wachsende Spannungen zwischen zwischen Russland und Georgien -- EU schickt Vermittlungsmission

Fr.09.05.08 - Die Spannungen zwischen Russland und Georgien im Konflikt um die abtrünnige Region Abchasien nehmen weiter zu. Das Verteidigungsministerium in Moskau beschuldigte die georgische Regierung am Donnerstag, eine militärische Intervention in Abchasien vorzubereiten. Moskau kündigte an, seine eigenen Truppen in Abchasien um 500 auf 2.500 Mann zu verstärken, falls Tiflis an seinen Plänen festhalte.

Der georgische Verteidigungsminister David Keseraschwili dementierte, dass seine Regierung eine Offensive vorbereite. Bei einem Angriff werde Tiflis aber entsprechend reagieren.

Die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und RIA-Nowosti zitierten den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili mit den Worten, dass vor einigen Tagen die Gefahr eines offenen Konflikts zwischen Russland und Georgien sehr real gewesen sei. Dieses Kriegsrisiko bestehe weiterhin.

Die Beziehungen zwischen beiden Staaten haben sich seit der Regierungsübernahme Saakaschwilis im Januar 2004 erheblich verschlechtert. Georgien bemüht sich um einen Beitritt zur NATO und wirft Moskau vor, die abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien zu unterstützen. Das abchasische Parlament hat 1992 die Unabhängigkeit erklärt, Südossetien schon 1989. Die Auflösung der Sowjetunion war in beiden Regionen von Bürgerkriegen begleitet.

Vier Außenminister der Europäischen Union werden am Montag nach Georgien reisen, um in der schweren Krise um die abtrünnige Teilrepublik Abchasien zu vermitteln. Wie ein europäischer Diplomat in Brüssel mitteilte, sollen die Chefdiplomaten Sloweniens, Schwedens, Polens und Litauens die Spannungen zwischen Georgien und Russland beruhigen.

(Quelle: ap, afp)
 


 

Duma wählt Putin zum neuen Regierungschef Russlands

Fr.09.05.08 - Einen Tag nach dem Ende seiner Amtszeit als Präsident ist Wladimir Putin zum neuen Regierungschef Russlands gewählt worden. In der Duma stimmte wie erwartet eine breite Mehrheit der Abgeordneten für den 55-Jährigen. Mit dieser Wahl und dem neuen Präsidenten Dmitri Medwedew wurde der Umbau der Staatsspitze nach dem Willen Putins vollendet. Vor der Abstimmung hatte Medwedew Putin eine "zentrale Rolle" bei der Verwirklichung der Pläne für die Entwicklung Russlands bis 2020 zugewiesen.

Vor der Abstimmung im Parlament verdeutlichten Putin und Medwedew mit einer symbolischen Geste ihren Willen zur gemeinsamen Führung Russlands: Der neue Präsident und der zukünftige Ministerpräsident fuhren im selben Auto vor die Duma. Medwedew hatte Putin am Mittwoch erwartungsgemäß für den Posten des Ministerpräsidenten vorgeschlagen, nachdem er von diesem das Amt des Staatschefs übernommen hatte.

In seiner 45-minütigen Rede sprach Putin von Steuersenkungen und einer Anhebung der Mindestlöhne. Er rief dazu auf, die "steuerliche Bürde" zu erleichtern, um Investitionen zu fördern. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, die Unternehmensfreiheit zu stärken. Putin sagte weiter, Russland werde in zehn bis 15 Jahren zu den Ländern mit der besten Lebensqualität gehören und ein Hauptfinanzzentrum der Welt sein.

Die anschließende Aussprache der Abgeordneten über Putins Kandidatur war wenig diskussionsreich, da seine Partei Einiges Russland über eine Zweidrittelmehrheit in der Duma verfügt. Wie erwartet stimmten 392 der 450 Duma-Abgeordneten für Putin als Ministerpräsidenten. Die 56 Abgeordneten der Kommunisten, der einzigen Oppositionspartei im Parlament, votierten gegen ihn.

Wer der neuen Regierung angehören wird, blieb bislang unklar. Es wurde jedoch erwartet, dass Putin dem Amt des Ministerpräsidenten neues Gewicht verleiht. Als Präsidentschaftskandidat durfte er laut Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten. Nach einer Zeit mit Medwedew an der Spitze des Staates wäre dies jedoch wieder möglich. Außerdem sind durch die Zweidrittelmehrheit seiner Partei Einiges Russland Verfassungsänderungen möglich.

(Quelle: afp)
 


 

Italien: Berlusconi ist wieder an der Macht

Fr.09.05.08 - Der 71-jährige Medienzar Silvio Berlusconi ist nach zweijähriger Unterbrechung wieder italienischer Ministerpräsident. Der konservative Milliardär legte am Donnerstag in Rom den Amtseid als Chef der 62. italienischen Nachkriegsregierung ab.

Staatspräsident Giorgio Napolitano vereidigte auch die 21-köpfige Ministerriege des von Berlusconi in Rekordzeit zusammengestellten Kabinetts. Berlusconi war bereits 1994 sowie von 2001 bis 2006 im Amt. Seine Sammelbewegung Volk der Freiheit (PDL) hatte sich bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 13./14. April klar durchgesetzt.

Der neue Regierungschef hat bereits angekündigt, rasch dort anknüpfen zu wollen, «wo wir vor zwei Jahren aufgehört haben.» Er hatte die Wahlen im April 2006 an das Mitte-Links-Bündnis unter Romano Prodi verloren, dessen Regierung dann Ende Januar 2008 über keine Mehrheit mehr im Senat verfügte und damit gescheitert war.

Berlusconi hatte ursprünglich ein Kabinett mit nur zwölf Ministern angekündigt, diese Zahl jedoch in den vergangenen Tagen immer weiter erhöht. Von den jetzt vereidigten 21 Ministern sind 9 ohne Portfolio. Prodis letzte Regierung hatte noch 26 Minister.

Nur vier Frauen gehören Berlusconis Kabinett an, darunter Stefania Prestigiacomo, die das Umweltressort übernimmt. Giulio Tremonti wird, wie schon in der letzten Regierung Berlusconis, Wirtschaftsminister, und der bisherige EU-Kommissar Franco Frattini leitet erneut das Außenministerium. Unter den berufenen treuen Gefolgsleuten ist der erst 38-jährige Angelino Alfano, der das Justizressort übernimmt. Er war Privatsekretär des «Cavaliere».

Die rechtspopulistische Lega Nord als drittstärkste Partei im neuen Parlament und die postfaschistische Nationale Allianz erhalten als Berlusconis Bündnispartner je vier Ministerposten. Lega-Nord-Chef Umberto Bossi fungiert erneut als Minister für Reformen, sein Parteikollege Roberto Maroni ist Innenminister. Von der Nationalen Allianz (AN), einem wichtigen Partner in Berlusconis Sammelbewegung, kommt unter anderen der neue Verteidigungsminister Ignazio La Russa.

Der umstrittene Lega-Politiker Roberto Calderoli soll in einem «Ministerium der Vereinfachung» für weniger Gesetze und Bürokratie sorgen. Calderoli hatte 2006 zurücktreten müssen, nachdem er mit einem anti-islamischen T-Shirt erhebliches Aufsehen erregt hatte. Bei Unruhen in Libyen wegen einer Mohammed-Karikatur auf dem Hemd des Politikers waren damals elf Menschen ums Leben gekommen.

Berlusconis neue Regierung muss sich am Mittwoch und Donnerstag der kommenden Woche in beiden Parlamentskammern dem Vertrauensvotum stellen. Die Regierung verfügt dort über komfortable Mehrheiten. Das Kabinett soll zu seiner ersten Sitzung in Neapel zusammenkommen, um vor allem die Müllkrise in der Region zu erörtern. Berlusconi hatte dies im Wahlkampf als einen seiner allerersten Schritte angekündigt.

(Quelle: dpa)
 


 

Umweltminister Gabriel räumt Scheitern von UN-Artenschutzpolitik ein

Fr.09.05.08 - Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat eineinhalb Wochen vor Beginn der UN-Konferenz über biologische Vielfalt in Bonn einen Misserfolg der bisherigen Bemühungen um mehr globalen Artenschutz eingeräumt. "Die Konferenz ist 16 Jahre lang gescheitert", sagte Gabriel im Bundestag mit Blick auf die Tatsache, dass weiterhin hundert- bis tausendmal mehr Tier- und Pflanzenarten pro Jahr aussterben als in vorindustrieller Zeit. Der Minister zeigte sich zugleich entschlossen, in Bonn eine Wende einleiten zu wollen, auch wenn ein neuerliches Scheitern nicht auszuschließen sei.

Voraussetzung sei auf jeden Fall, die Interessen betroffener Entwicklungs- und Schwellenländer angemessen zu berücksichtigen. Naturschutz müsse mit wirtschaftlicher Entwicklung zusammengebracht werden. Nachdrücklich stellte sich Gabriel dabei hinter die Forderung Brasiliens und weiterer betroffener Staaten nach einem fairen, internationalen Interessenausgleich für die Nutzung natürlicher Ressourcen. Dazu müsse bis 2010 ein verbindliches Abkommen erreicht werden. Er verwies darauf, dass Deutschland in diesem Bereich bereits mit 210 Millionen Euro jährlich engagiert sei. Zusätzliche finanzielle Angebote machte er allerdings zunächst nicht. Vielmehr forderte er andere Industriestaaten wie Japan und die USA zu einem stärkeren Engagement auf.

Nachdrücklich warnte Gabriel vor den auch wirtschaftlichen Folgen, wenn das Artensterben ungebremst weitergehe. "Wenn wir über Artenvielfalt reden, reden wir über das Betriebshandbuch der Erde, und wir reißen da jeden Tag eine Seite raus." Das aber könnten genau die Seiten sein, die später einmal gebraucht würden. So bestehe die Gefahr, dass ab 2050 wegen der Überfischung der Meere keine kommerzielle Fischerei mehr auf der Erde möglich sei.

Gabriel verwies auch auf erste Ergebnisse einer Untersuchung des indischen Ökonomen Pavan Sukhdev im Auftrag der G-8-Staaten. Demnach erzeugen ökologische Dienstleistungen weltweit jährlich einen ökonomischen Wert von vier bis fünf Billionen Dollar. Zugleich werden die Kosten für ein effektives weltweites Schutzgebietssystem auf insgesamt 30 Milliarden Dollar geschätzt. Gabriel forderte daher, nach dem Vorbild des CO2-Emissionshandels "marktwirtschaftliche Instrumente zu entwickeln, damit Artenschutz sich mehr lohnt als die Vernichtung von Arten". Nur so könnten beispielsweise auch Menschen, die um ihr eigenes Überleben kämpfen, davon abgehalten werden, den Regenwald abzuholzen.

(Quelle: afp)
 


 

Entwicklungsorganisationen fordern Stopp von Biopiraterie

Fr.09.05.08 - Entwicklungsorganisationen haben ein internationales Verbot von "Biopiraterie" gefordert. Westliche Pharmakonzerne nutzten unerlaubt Substanzen aus Pflanzen, die von Naturvölkern in Entwicklungsländern seit Generationen verwendet würden, teilten der Evangelische Entwicklungsdienst (EED), die "Erklärung von Bern" und "Kein Patent auf Leben" am Mittwoch in München mit. Ein Beispiel sei das Arzneimittel Umckaloabo, das der Karlsruher Arzneimittelhersteller Dr. Willmar Schwabe aus südafrikanischen Pelargonien-Arten herstelle.

Die Organisationen unterstützen den Angaben zufolge indigene Völker aus Südafrika bei ihren Einspruchsverfahren gegen zwei europäische Patente der Firma auf Wirkstoffe der Pelargonien-Arten. Die Naturvölker, die das Rohmaterial bisher züchten und nutzen, sprechen von illegitimen Patenten, weil sie einer industriellen Weiterverarbeitung nicht zugestimmt haben. Eine Stellungnahme des Arzneimittelherstellers war zunächst nicht zu erhalten.

Der Züricher Patentanwalt Professor Fritz Dolder räumte vor Journalisten gute Chancen für eine erfolgreiche Anfechtung ein, da mehrere Voraussetzungen für eine Patentierung fehlten wie etwa eine neue Erfindung. Genetische oder biologische Ressourcen dürften nicht ohne die Zustimmung des Herkunftslandes oder betroffener Völkergemeinschaften patentrechtlich geschützt und genutzt werden, unterstrich Michael Frein vom EED.

Über den Zugang zu genetischem Material aus armen Ländern will die UN-Konferenz über biologische Vielfalt vom 19. bis 31. Mai in Bonn beraten. Die Weichen für eine verbindliche internationale Regelung müssten bei der Bonner Konferenz gestellt werden, so Frein.

Der Karlsruher Pharmahersteller hat mit seinem flüssigen Pflanzenextrakt Umckaloabo nach Angaben der Entwicklungsorganisationen im Jahr 2006 einen Umsatz von etwa 80 Millionen Euro erzielt. Das Medikament wird gegen Atemwegserkrankungen eingesetzt.

(Quelle: epd)
 


 

Unternehmen in Deutschland zahlen deutlich weniger Steuern

Fr.09.05.08 - Deutsche Unternehmen zahlen nach einem Zeitungsbericht in den kommenden Jahren deutlich weniger Steuern. Das Körperschaftsteueraufkommen sinkt in diesem Jahr um 4,1 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreswert (minus 17,8 Prozent), wie das «Handelsblatt» (Freitagausgabe) unter Berufung auf die Einzelsteuerschätzung berichtet, die der Zeitung vorliege. Das Gewerbesteueraufkommen dürfte knapp vier Milliarden Euro (minus 9,8 Prozent) hinter dem Rekordjahr 2007 zurückbleiben, hieß es weiter.

Wesentlicher Grund für den Rückgang sei die Unternehmensteuerreform: Sie entlastet die Wirtschaft dem Bericht zufolge dieses Jahr um 4,8 Milliarden Euro Körperschaftsteuer und 2,1 Milliarden Euro Gewerbesteuer.

Dank der robusten Konjunktur dürfte laut Steuerschätzung trotz Unternehmensteuerreform die Wirtschaft mittelfristig wieder mehr an den Fiskus überweisen. Die Körperschaftsteuer dürfte schon ab 2010 Jahr wieder Rekordkurs aufnehmen und bis 2012 auf 35,6 Milliarden Euro steigen. Die Gewerbesteuer dürfte erst ab 2011 wieder Rekorde erreichen.

(Quelle: ap)
 


 

SPD-Linke will Vermögenssteuer wieder einführen

Fr.09.05.08 - Nach der Ankündigung eines Steuerkonzepts der Sozialdemokraten durch Parteichef Kurt Beck noch in diesem Monat dringt die SPD-Linke auf Wiedereinführung der Vermögenssteuer sowie Anhebungen der Erbschaftssteuer und der Einkommenssteuer für hohe Einkommen. Die nordrhein-westfälische SPD-Chefin, Hannelore Kraft, forderte dagegen eine «Steuerreform für die Mittelschicht». In der Union sprechen sich nach der CSU nun auch führende CDU-Politiker für Steuerentlastungen bereits ab 2009 aus. Die FDP kündigte unterdessen an, die CSU-Steuersenkungspläne im Bundestag zur Abstimmung zu stellen. Das Bundesfinanzministerium gibt am Mittag die Ergebnisse des Arbeitskreises Steuerschätzung bekannt.

Der Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD, Dieter Rossmann, begrüßte die Debatte über den künftigen finanzpolitischen Kurs seiner Partei. Die SPD müsse sich auf die Zeit nach der großen Koalition vorbereiten. Ziel einer Vermögenssteuer ist laut Rossmann die Gegenfinanzierung für eine Entlastung der niedrigen und mittleren Einkommen. Zuvor hatte sich bereits Bayerns SPD-Vize Florian Pronold für eine «Millionärssteuer» ausgesprochen.

SPD-Landeschefin Kraft setzte sich besonders für eine Entlastung der Mittelschicht als «Hauptlastenträger in unserer Gesellschaft» ein. Der Spitzensteuersatz solle aber nicht gesenkt werden. «Damit der Mittelschicht mehr Netto vom Brutto bleibt, müssen wir die Steuerprogression für die mittleren Einkommen abflachen. Dies muss durch Umverteilungen solide gegenfinanziert werden, unter anderem durch niedrigere Einkommensgrenzen bei der Reichensteuer», sagte sie.

In der Union hat sich der Streit über die Steuerpolitik derweil ausgeweitet. Die Arbeitnehmergruppe in der Unions-Fraktion fordere Entlastungen schon im kommenden Jahr, sagte der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe, Gerald Weiß. Konkret nannte er die Wiedereinführung der alten Pendlerpauschale sowie die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibeträgen.

Auch der Unions-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer zeigte sich aufgeschlossen für Entlastungen bereits 2009. «Wenn Steuersenkungen schon 2009 gehen, ohne dass wir unsere Haushaltsziele gefährden, bin ich sehr dafür», sagte der CDU-Politiker.

Die FDP will die erste Stufe des CSU-Vorschlags zur Steuersenkung in Kürze im Bundestag zur Abstimmung stellen, kündigte der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hermann Otto Solms, an. «Wenn es dann doch keine Zustimmung von der Union dazu gibt, entlarven sich die gemachten Äußerungen sehr schnell als bayerisches Wahlkampfmanöver.« In Bayern wird am 28. September ein neuer Landtag gewählt.

Der Vorsitzende des Bundestag-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), forderte die Bundesregierung derweil zu weiteren Sparanstrengungen auf. «Das Ergebnis der Steuerschätzung wird deutlich machen, dass die Zeit der Schön-Wetter-Haushalte und der ständig sprudelnden Steuerquellen vorbei ist», sagte Fricke. Die Minister müssten sich daher mit neuen Ausgabenvorschlägen zurückhalten.

(Quelle: ddp)
 


 

Chef der Gewerkschaft Transnet wird Bahn-Manager

Fr.09.05.08 - Der Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, wechselt kurz vor dem geplanten Börsengang der Bahn die Seiten und soll Arbeitsdirektor des Konzerns werden.

«Ich bin vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG und aus Kreisen der Politik gefragt worden, ob ich als Arbeitsdirektor zur Verfügung stehen würde», teilte Hansen am Donnerstag in Berlin mit. Er habe seine Bereitschaft dazu erklärt. Vom Gewerkschaftsvorsitz, den der 55-Jährige seit 1999 innehatte, trat er bereits zurück.

Der Vorstand der Gewerkschaft wertete den vorgesehenen Schritt als «eine weitere Garantie für den integrierten Konzern und für die Sicherung der Beschäftigung». Von der Partei Die Linke und Gegnern der Bahn-Privatisierung kam heftige Kritik. Die Bahn äußerte sich nicht. Der Aufsichtsrat des Konzerns kommt am Donnerstag nächster Woche zusammen, um den Börsengang vorzubereiten.

Der Transnet-Vorstand habe seine Entscheidung begrüßt und wolle seine Ernennung durch den Aufsichtsrat der Bahn unterstützen, teilte Hansen weiter mit. Er kündigte an, das vereinbarte Beschäftigungsbündnis im neuen Amt umsetzen zu wollen.

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles rügte in der «Berliner Zeitung» (Freitag-Ausgabe): «Dieser einmalige Vorgang wirft einen Schatten auf die gesamte Bahnreform.» Der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen warf Hansen in der «Leipziger Volkszeitung» eine «gewisse Schamlosigkeit» vor, die dessen Rolle in der Debatte um die Bahnprivatisierung «in einem ganz bestimmten Licht» erscheinen lasse. Hansen selbst sagte dagegen der «Frankfurter Rundschau» (Freitag): «Die Unterstellung, ich hätte als Gewerkschaftschef aus persönlichen Motiven die Bahnreform unterstützt, ist aberwitzig.»

Dem Vernehmen nach soll Hansen als Arbeitsdirektor auf der Ebene des Mutterkonzerns engagiert werden. Für den Börsengang ist geplant, dass darunter eine neue Gesellschaft für den Personen- und Güterverkehr gebildet wird, die zu 24,9 Prozent an private Investoren verkauft werden soll. Darauf hatte sich die schwarz-rote Koalition verständigt. Personalvorstand im Konzern ist derzeit Margret Suckale, die gerade den Tarifkampf mit der Lokführergewerkschaft GDL beigelegt hatte. In die Lösung des monatelangen Konflikts war auch Transnet eingebunden. Nach Informationen der Tageszeitung «Die Welt» (Freitag) soll Suckale Personalchefin der künftig börsennotierten Transport- Tochter werden. Die Rochade sei zum 1. Juni vorgesehen.

Erst kürzlich hatten Hansen und der Chef der Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, vom Bahnvorstand die Zusage erhalten, dass es in Zusammenhang mit der Privatisierung bis Ende 2023 keine Entlassungen geben wird. Hansen ist bisher auch stellvertretender Vorsitzender des Bahn-Aufsichtsrats, der von Evonik-Chef Werner Müller geleitet wird. Hansen hatte den Börsenkurs von Bahnchef Hartmut Mehdorn gestützt und auch gegen Widerstand in der SPD und im Lager der DGB-Gewerkschaften verteidigt. An diesem Freitag sollen die Spitzengremien von Transnet über die Nachfolge beraten. Im Gespräch ist unter anderem der bisherige Tarifvorstand Alexander Kirchner (51).

Linke-Fraktionsvize Werner Dreibus kritisierte, «mit windelweichen Regelungen zur Beschäftigungssicherung» bei gleichzeitiger Zustimmung zur Bahn-Privatisierung habe Hansen sich «eine gute Ausgangsposition im neuen Job geschaffen». Das privatisierungskritische Bündnis «Bahn für alle», das auch ver.di und IG Metall unterstützen, warf Hansen vor, der Vorstandsposten sei sein Motiv gewesen, die Privatisierung zu betreiben. Die Gewerkschaft GDBA begrüßte dagegen den Schritt, da Hansen um die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter bei der Bahn wisse.

Direkte Wechsel führender Gewerkschafter in Chefetagen der deutschen Wirtschaft sind selten. Im Jahr 2001 war der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), Herbert Mai, als Arbeitsdirektor zum größten deutschen Flughafenkonzern Fraport in Frankfurt gegangen.

(Quelle: dpa)
 


 

Renten steigen um 1,1 Prozent -- Sozialverbände fordern mehr

Fr.09.05.08 - Die Renten steigen zum 1. Juli um 1,1 Prozent. Der Bundestag billigte am Donnerstag den umstrittenen Plan der Regierung, den 20 Millionen Ruheständlern mehr Erhöhung zu gewähren, als ursprünglich vorgesehen. Sie können auch im Wahljahr 2009 mit einem deutlichen Plus rechnen. Die Opposition kritisierte den Eingriff als Willkür und stimmte geschlossen dagegen.

Mit dem Beschluss des Bundestags mit schwarz-roter Mehrheit hat die Rentenerhöhung die entscheidende Hürde genommen. Der Bundesrat muss dem Gesetz nicht zustimmen.

Nach bisherigem Recht hätten die Altersbezüge dieses Jahr nur um 0,46 Prozent angehoben werden können, weil die Löhne 2007 nur wenig stiegen. Nun wird die Rentenformel geändert, damit der Anstieg 2008 und 2009 jeweils 0,6 Punkte höher ausfallen kann. Dafür wird der «Riester-Faktor» für zwei Jahre ausgesetzt. Was jetzt mehr gezahlt wird, soll bei den Rentenrunden 2012 und 2013 abgezogen werden. Danach sollen die Rentenfinanzen wieder in Ordnung sein. Bis dahin entstehen Kosten von rund 12,8 Milliarden Euro.

Für die Regierung verteidigte der parlamentarische Staatssekretär Klaus Brandner (SPD) den Eingriff erneut. Der Aufschwung solle auch die Ruheständler erreichen. Auch CDU-Rentenexperte Peter Weiß sagte, die Erhöhung sei «ok, das ist sauber gemacht und sachlich völlig gerechtfertigt».

Bei 1.000 Euro Rente macht der Aufschlag 11 Euro im Monat aus. Tatsächlich gleichen die 1,1 Prozent die Inflation von derzeit 2,4 Prozent nicht aus, die Rentner verlieren also trotz Sondererhöhung Kaufkraft. Im nächsten Jahr könnte dies anders sein: Die Regierung rechnet mit einer Rentenerhöhung um zwei, Experten sogar mit bis zu 3,5 Prozent, weil die Tariflöhne derzeit spürbar steigen.

Die Opposition griff den Beschluss scharf an. So zweifeln FDP und Grüne daran, dass die Kürzungen tatsächlich 2012 und 2013 nachgeholt werden. FDP-Experte Heinrich Kolb kritisierte: «Die Manipulation an der Rentenformel ist rein wahltaktisch bedingt.» Die Grünen-Politikerin Irmingard Schewe-Gerigk sagte, die Koalition habe durch ihre Politik die Menschen mit kleinen Renten selbst an den Rand der Existenz gebracht und verteile nun «vergiftete» Wahlgeschenke.

Der Linken forderten eine Rentenerhöhung um vier Prozent und die Aussetzung sämtlicher Kürzungsfaktoren. Fraktionschef Oskar Lafontaine nannte den Plan der Regierung eine «bodenlose Unverschämtheit» und verwies auf den Kaufkraftverlust der Rentner von acht Prozent in den vergangenen Jahren.

Für einen dauerhaften Verzicht auf den Riester-Faktor machen sich die Sozialverbände SoVD, VdK und Volkssolidarität stark. Auch seien Maßnahmen gegen die künftig wachsende Altersarmut nötig.

Der Verband Junger Unternehmer (BJU) beklagte hingegen, dass mit dem Beschluss die Generationengerechtigkeit ausgehebelt werde. Damit würden die Lasten des demografischen Wandels einseitig auf die Jungen abgewälzt. Wegen der Erhöhung kann der Beitragssatz von derzeit 19,9 Prozent nicht 2011, sondern erst ein Jahr später sinken und dann auch langsamer als bislang vorgesehen.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, forderte als Mittel gegen Altersarmut eine «Riester-Pflicht». Dass nur 30 Prozent der Berechtigten für eine Riester-Rente sparten, sei «ein Skandal», sagte er den «Ruhr Nachrichten». Sinn.

(Quelle: ap)
 


 

Arbeitslos mit 50 plus - Neuer Ratgeber der Verbraucherzentralen

Fr.09.05.08 - Ältere haben auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Chancen. Derzeit ist jeder vierte Arbeitslose über 50, knapp jeder siebte über 55 Jahre alt. Angesichts dieser Perspektiven trifft eine Kündigung ältere Arbeitnehmer besonders hart.
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Wie sich Betroffene im Ernstfall verhalten sollten, zeigt der neue Ratgeber «Fünfzig plus und jetzt arbeitslos» der Verbraucherzentralen und der Ratgeberredaktion der ARD. Das Buch befasst sich zunächst mit den rechtlichen Möglichkeiten älterer Arbeitnehmer. Sie sollten prüfen, ob die Kündigung überhaupt gerechtfertigt war oder ob der Arbeitgeber gegen den Grundsatz der Sozialauswahl verstoßen hat. Ist der Job nicht zu retten, kommt möglicherweise eine Abfindung in Betracht.

Zudem erläutert der Ratgeber, wie hoch das Arbeitslosengeld ist, ab wann ältere Arbeitslose nur noch Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben und welche besonderen Förderprogramme es für Ältere gibt. Wer sich nicht auf den Arbeitsmarkt verlassen will, bekommt in dem Ratgeber auch Tipps zum Start in die Selbstständigkeit.

Der Ratgeber «Fünfzig plus und jetzt arbeitslos» kostet 9,90 Euro zuzüglich Versandkosten. Er ist im Buchhandel oder direkt bei den Verbraucherzentralen erhältlich (Versandservice des vzbv, Telefon: 02962 - 908647, E-Mail: versandservice@vzbv.de, Internet: http://www.ratgeber.vzbv.de).

(Quelle: ddp)
 


 

Zahl der abgehörten Telefone stieg um mehr als acht Prozent

Fr.09.05.08 - Die Zahl der gerichtlich angeordneten Telefonüberwachungen ist im Jahr 2007 um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Wie die Bundesnetzagentur am Mittwoch in Bonn mitteilte, wurden 44.278 Telefone abgehört, überwiegend Handys.

Das Abhören von Telefonen ist nach der Strafprozessordnung in Fällen besonders schwerer Kriminalität auf richterliche Anordnung zulässig. Nach den Angaben der Bundesnetzagentur stieg im vergangenen Jahr vor allem die Zahl der abgehörten Handys um fast 9,5 Prozent auf 39.200 Rufnummern. Dies hänge aber auch mit der Zunahme der Zahl der Mobilfunknutzer im Jahr 2007 um 13 Prozent zusammen, erklärte die Behörde. Die Zahl der abgehörten Festnetzanschlüsse ging dagegen leicht um 0,41 Prozent auf 5.078 Anschlüsse zurück.

Seit 1998 hat sich nach den Angaben der Bundesnetzagentur die Zahl der abgehörten Mobiltelefone von 6.391 auf 39.200 Rufnummern mehr als verfünffacht. Im Festnetz stieg die Zahl der Anordnungen um 14,5 Prozent von 4.437 auf 5.078. Insgesamt wuchs die Zahl der Abhörmaßnahmen nach der Strafprozessordnung um fast 309 Prozent von 10.828 auf 44.278.

(Quelle: ap)
 


 

Bundestag: Jugendschutzgesetz verschärft - Keine 'Killerspiele' für Jugendliche

Fr.09.05.08 - Der Bundestag hat das Jugendschutzgesetz verschärft, um Jugendlichen den Zugang zu gewaltverherrlichenden Filmen und Computerspielen zu erschweren.

Die Gesetzesnovelle, die am Donnerstag gegen die Stimmen der Opposition verabschiedet wurde, erweitert die Kriterien, nach denen Gewaltvideos und sogenannte Killerspiele als jugendgefährdend auf dem Index landen.

Darüber hinaus müssen die Altersbeschränkungen auf CDs und DVDs vergrößert werden, damit sie beim Kauf künftig auf den ersten Blick ins Auge fallen. «Damit machen wir Jugendschutz sichtbar», sagte die CDU-Abgeordnete Antje Blumenthal.

FDP, Linke und Grüne bezeichneten das Gesetz hingegen als unzureichend und mahnten zusätzliche Regelungen für den Online- Bereich an. Der FDP-Medienexperte Christoph Waitz warnte, im Internet könnten sich Kinder und Jugendliche indizierte Spiele weiterhin ohne jede Altersprüfung herunterladen. Auch der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, kritisierte, mit der Neuregelung treibe man die Jugendlichen «vorsätzlich ins ungeregelte Internet».

Die Linke mahnte eine Stärkung der Medienkompetenz bei Kindern und Eltern an. «Medienkompetenz ist die Schlüsselkategorie», sagte Lothar Bisky. Der jugendpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Kai Gehring, forderte darüber hinaus verschärfte Kontrollen im Handel sowie höhere Bußgelder bei Verstößen gegen den Jugendschutz.

Ursprünglich hatte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Einsatz jugendlicher Testkäufer geplant. Damit sollten Händler überführt werden, die Schnaps, Zigaretten oder Gewaltvideos unerlaubt an minderjährige Kunden verkaufen. Nach heftiger Kritik von SPD und Opposition war dieser Vorschlag aus dem Gesetzentwurf gestrichen worden. Gehring erklärte, damit hätte man Kinder zu «Lückenbüßern» für mangelnde staatliche Kontrolle gemacht.

(Quelle: dpa)
 


 

Wikipedia will Artikelqualität kennzeichnen

Fr.09.05.08 - Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia will in der deutschen Version die Artikelqualität kennzeichnen.

Seit Anfang Mai werden gesichtete oder geprüfte Artikel entsprechend markiert. Hierbei bedeutet der Vermerk "gesichtet", dass der entsprechende Sachtext von einem regelmäßigen Autor des Internet-Nachschlagewerks gelesen worden ist. Ein Kasten in der rechten oberen Ecke der Seite zeigt dann ein kleines Augen-Symbol. Hat ein Experte einen Artikel inhaltlich auf Herz und Nieren geprüft, erhält der Text ein Häkchen-Symbol als Kennzeichnung und hat damit den Status "geprüft" inne.

Nicht geprüfte Artikel sind mit einem Minus-Zeichen markiert. Vor allem in der Anfangsphase nach der Einführung der neuen Kennzeichnung ist diese Markierung bei den meisten Artikeln zu finden, weil die Texte nach und nach gesichtet oder geprüft werden müssen. Informationen über die inhaltliche Qualität der Artikel werden ebenfalls durch Symbole angegeben. Ein "L"-Logo zeigt an, dass ein Text lesenswert ist, exzellente Artikel erhalten ein grünes Sternchen als Kennzeichnung (http://de.wikipedia.org).

(Quelle: gp)
 
 
 
 

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