+++ Sa.10.05.08, 06:30
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Irak 1509 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Festgenommener doch nicht mutmaßlicher El-Kaida-Chef im Irak
Sa.10.05.08 - Bei dem von irakischen Sicherheitskräften festgenommenen
Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der US-Armee nicht um
den Chef des Terrornetzwerks El Kaida im Irak. "Sie haben nicht Abu
Hamsa el Muhadschir festgenommen. Jemand, der den gleichen Namen
trägt, aber nichts mit ihm zu tun hat, wurde festgesetzt", sagte
die Militärsprecherin Peggy Kageleiry.
Der Sprecher des irakischen Innenministeriums hatte zuvor im Fernsehen
die Festnahme eines Mannes bekanntgegeben, der sich als irakischer
El-Kaida-Chef ausgegeben habe. Demnach erfolgte die Festnahme bereits
am Mittwoch während eines Einsatzes in der Ortschaft Wad el
Hadschar in der Region Ninive. Nach Angaben des Innenministeriums
meldete sich ein Mann aus dem Umfeld Muhadschirs bei den Behörden
und verriet den Aufenthaltsort des mutmaßlichen El-Kaida-Chefs.
Auf den Kopf des Mannes, der auch unter dem Namen Abu Ajub el Masri
bekannt ist, hat das US-Außenministerium eine Belohnung von
fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Er wurde im Juni 2006 zum
Nachfolger des getöteten Abu Mussab el Sarkawi ernannt.
(Quelle: afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 10.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Libanon droht Abrutschen in einen neuen Bürgerkrieg. Hisbollah
kontrolliert Großteil Beiruts - TV-Sender abgeschaltet
Sa.10.05.08 - Der Libanon droht im Chaos und in einem neuen Bürgerkrieg zu
versinken. Bei blutigen Straßenkämpfen brachte die
schiitische Hisbollah-Miliz bis Freitag fast alle muslimischen Viertel
der Hauptstadt Beirut unter ihre Kontrolle. Mindestens elf Menschen
wurden bei den Kämpfen zwischen der Hisbollah und ihren
sunnitischen Gegnern getötet, die der prowestlichen Regierung
nahestehen. Über 20 weitere wurden verletzt.
Es ist die schwerste Krise in dem Land seit fast 20 Jahren. Der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die rivalisierenden
Parteien zu einer sofortigen Einstellung der Kämpfe und zur
Aufnahme von Gesprächen auf.
Die Residenzen des sunnitischen Spitzenpolitikers Saad Hariri und des
Drusenführers und scharfen Hisbollah-Kritikers Walid Dschumblatt
in West-Beirut wurden am Freitag belagert. Ministerpräsident Fuad
Saniora verschanzte sich in seinem von Polizei und Soldaten schwer
bewachten Büro in der Innenstadt. Bei ihm hielten sich einige
Minister auf. «Auch wenn die Hisbollah alles an sich reißt,
bleiben wir doch die von der Verfassung vorgesehene
Autorität», erklärte Kabinettsmitglied Ahmed Fatfat.
Rund 100 schwerbewaffnete Hisbollah-Kämpfer zogen die
ausgestorbene Hamra-Straße hinunter, normalerweise eine belebte
Geschäftsstraße in einem sunnitischen Viertel. Sie
errichteten Straßenkontrollposten und durchsuchten die
vorbeifahrenden Fahrzeuge.
Die Armee vermeidet es bislang, sich in die Straßenkämpfe
hineinziehen zu lassen, da sie ansonsten anhand religiöser Risse
auseinanderzubrechen droht. Am Nachmittag rückten
Regierungssoldaten in einigen sunnitischen Vierteln in aufgegebene
Stellungen nach.
Die Kämpfe könnten Folgen für den gesamten Nahen und
Mittleren Osten haben, da sie die ohnehin schon vorhandenen Spannungen
zwischen den beiden muslimischen Religionsgruppen Sunniten und Schiiten
weiter verschärfen. Der Iran ist überwiegend schiitisch,
unterstützt die Hisbollah und steht auch hinter der syrischen
Regierung - der mehr oder minder offen auftretenden eigentlichen Macht
im Libanon. Regionalmächte wie Ägypten und Saudi-Arabien sind
dagegen mehrheitlich sunnitisch. Und im Irak geht der Riss zwischen
beiden Gruppierungen quer durch die Bevölkerung.
Am Sonntag soll sich in Kairo ein Krisengipfel der arabischen
Außenminister mit der Lage im Libanon befassen, wie die
ägyptische Regierung ankündigte. Die syrische Regierung
erklärte am Freitag nach einem Treffen mit Vertretern des
Golfstaates Bahrain, es handele sich um einen internen Konflikt im
Libanon.
Auslöser der jüngsten Unruhen war am Mittwoch ein
Generalstreik der Opposition. Am Donnerstag weiteten sich die
Kämpfe auch auf andere Landesteile aus. Beobachteter in Beirut
werteten es als Zeichen der Niederlage, dass der Fernsehsender Hariris
den Sendebetrieb einstellen musste. Das Gebäude von Hariris
Parteizeitung wurde in Brand gesetzt. Später ging auch das Archiv
von Hariris Sender in Flammen auf.
Hariri appellierte im libanesischen Fernsehen an Hisbollah-Chef Scheich
Hassan Nasrallah, den Kämpfen Einhalt zu gebieten. Ein Abgleiten
in einen Bürgerkrieg müsse unbedingt verhindert werden, sagte
der Sohn des 2005 ermordeten ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik
Hariri.
Nasrallah hat der Regierung vorgeworfen, seiner Organisation den Krieg
erklärt zu haben. Sanioras prowestliches Kabinett hatte
beschlossen, das private Telekommunikationsnetz der schiitischen Miliz
zu schließen.
(Quelle: ap)
UNO und Birmas Junta streiten über Hilfe für Sturmopfer
Sa.10.05.08 - Birmas Militärjunta und das Welternährungsprogramm (WFP) der
Vereinten Nationen haben sich ein zermürbendes Hin und Her
über Hilfslieferungen für mehr als eine Million
Wirbelsturmopfer geliefert. Wegen "nicht hinnehmbarer
Beschränkungen" verkündete das WFP zunächst die
Aussetzung seiner Hilfsflüge, nahm diese Entscheidung aber wenige
Stunden später wieder zurück. Die Vereinten Nationen riefen
die Geberländer auf, binnen sechs Monaten insgesamt 187 Millionen
Dollar (etwa 120 Millionen Euro) Soforthilfe für die Opfer des
Zyklons bereitzustellen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
appellierte an den UN-Sicherheitsrat, sich einzuschalten.
Das WFP habe entschieden, am Samstag zwei Flüge wie geplant nach
Birma zu schicken, erklärte WFP-Sprecherin Nancy Roman in Genf.
Währenddessen werde weiter mit der birmanischen Regierung
über die Verteilung der Nahrungsmittel verhandelt, die am Freitag
in Birma eingetroffen, aber nicht dem WFP ausgehändigt worden
seien. Eine am Donnerstag eingetroffene Lieferung sei zum
Großteil in den am stärksten betroffenen Gebieten verteilt
worden. Zuvor hatte der Birma-Direktor des WFP, Chris Kaye,
erklärt: "Die Beschränkungen, die uns auferlegt werden, sind
nicht hinnehmbar."
Das staatliche birmanische Fernsehen meldete, die Regierung werde auch
Hilfe aus den USA annehmen. Wie diese geliefert und verteilt werden
sollte, blieb erneut unklar. Zuvor hatte das Außenministerium in
Rangun erklärt, es werde zwar Hilfsgüter annehmen, aber keine
ausländischen Helfer oder Journalisten ins Land lassen. Die UNO
warnte davor, dass sich die Zahl der Opfer dramatisch erhöhen
werde, wenn die Junta sich weiter weigere, Helfer einreisen zu lassen.
"Ich unterstütze ausdrücklich die französische
Initiative, den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit der Krise zu
befassen", sagte Merkel in Berlin. Sie kündigte an, sie werde die
Frage einer Birma-Debatte telefonisch mit UN-Generalsekretär Ban
Ki Moon erörtern. Merkel und Bundesaußenminister
Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierten an Birmas Regierung, die
internationale Hilfe schnell in das Katastrophengebiet zu lassen. "Im
Augenblick zählt jede Stunde", erklärte Steinmeier.
Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
sprachen von einem hohen Risiko der betroffenen Kinder, an Cholera,
Malaria und Durchfall zu erkranken. Ein UNICEF-Vertreter warnte vor
Versorgungsengpässen mit Medikamenten und Wassertabletten.
UN-Angaben zufolge mobiliserte die internationale Gemeinschaft bislang
insgesamt 67 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro). Deutschland
verdoppelte seine Hilfen auf zwei Millionen Euro.
Nach offiziellen birmanischen Angaben kamen durch den Wirbelsturm
"Nargis" am vergangenen Freitag knapp 22.000 Menschen ums Leben.
Ausländische Beobachter fürchten aber bis zu 100.000 Tote.
Ungeachtet der katastrophalen Lage will die Militärjunta ein
für Samstag geplantes Verfassungsreferendum abhalten.
(Quelle: afp)
Indien kämpft mit starker Inflation - Hohe Stahlpreise belasten
Sa.10.05.08 - Die Preisschübe bei Rohstoffen und Lebensmitteln haben die
Teuerung in Indien auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren
getrieben.
Ende April stiegen die in dem Schwellenland stark beachteten
Großhandelspreise zum Vorjahr um 7,6 Prozent, wie die Regierung am
Freitag mitteilte. Neben Preissteigerungen bei Lebensmitteln
schlägt insbesondere der immer teurere Stahl voll durch: Nach
Angaben des Finanzministeriums machen die Preisanstiege bei Stahl- und
Stahlerzeugnissen rund ein Fünftel der Teuerung aus. Wegen der
Kostenexplosion bei Kokskohle und Eisenerz hatten die indischen
Stahlkonzerne ihre Preise kräftig anheben müssen.
Auf Druck der Regierung verpflichteten sie sich am Mittwoch, die Preise
vorerst um fünf bis zehn Prozent zu kürzen und für
mindestens drei Monate auf diesem Niveau einzufrieren. Dennoch geben
Experte vorerst keine Entwarnung an der Inflationsfront: "Da der
Ölpreishöhenflug anhält, erwarten wir auch in den
nächsten Wochen nicht, dass die Teuerung bei den Erzeugerpreisen
unter sieben Prozent fällt", sagte Sonal Varma von Lehman Brothers
in Bombay. Der Großhandelspreisindex wird in Indien
wöchentlich erhoben und umfasst einen größeren Warenkorb
als der weniger stark beachtete Verbraucherpreisindex.
(Quelle: rtr)
Immobilienkrise reißt weltgrößten Versicherer tief in
rote Zahlen
Sa.10.05.08 - Die US-Immobilienkrise hat dem weltgrößten
Versicherungskonzern AIG einen neuen Milliardenverlust beschert. Wie das
US-Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte, fiel in den ersten drei
Monaten des Geschäftsjahres ein Verlust von 7,81 Milliarden Dollar
(5,09 Milliarden Euro) an. Bereits im Vorquartal hatte AIG (American
International Group) 5 Milliarden Dollar verloren. Nun soll eine
Geldspritze von 12,5 Milliarden Dollar dem Konzern wieder auf die Beine
helfen.
Im ersten Quartal 2007 hatte AIG noch einen Gewinn von 4,13 Milliarden
Dollar verbucht. Das Management habe zwar mit einem schwierigen
wirtschaftlichen Umfeld gerechnet, erklärte Konzernchef Martin
Sullivan: «Das Ausmaß der nicht realisierten Wertverluste
und des Verfalls des Werts unserer Investitionen übertraf unsere
Erwartungen.»
AIG verbuchte allein mit Kreditderivaten zu Ausfallrisiken ein Minus
von 9,1 Milliarden Dollar und im Investment-Portfolio weitere 6,1
Milliarden Dollar. Die insgesamt anfallenden Verluste von 3,09 Dollar
pro Aktie waren weit höher als von den Analysten vorhergesagt, die
AIG-Papiere verloren am Donnerstag im nachbörslichen New Yorker
Handel mehr als 7 Prozent.
Dennoch will das Unternehmen seinen Aktionären für das erste
Quartal eine um zehn Prozent erhöhte Dividende von 22 US-Cent pro
Anteilsschein zahlen. In zwei Schritten will das Unternehmen nun
insgesamt 12,5 Milliarden Dollar frisches Kapital aufnehmen. Ein
Zeitplan dafür stand zunächst nicht fest.
(Quelle: ap)
Deutschland
'Grundrechte-Report' 2008 kritisiert staatliche Sicherheitsgesetze
Sa.10.05.08 - Der frühere Vizepräsident des Bundestags, Burkhard Hirsch,
hat ein Ausufern staatlichen Sicherheitsdenkens auf Kosten der
bürgerlichen Freiheiten kritisiert. Bei der Vorstellung des
«Grundrechte-Report 2008» am Donnerstag in Karlsruhe nannte
er beispielhaft das Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung. Damit
sei die Grenze zum Überwachungsstaat überschritten.
Als Autoren analysieren Hirsch und der Rechtsanwalt Heinrich Hannover
in dem Report verfassungsrechtlich bedeutsame Gesetzesinitiativen.
Beanstandet wird insbesondere die Sicherheitsgesetzgebung des Bundes und
der Länder sowie deren Umsetzung durch die zuständigen
Behörden. Zuletzt seien mehrere Gesetze erst durch das
Bundesverfassungsgericht gestoppt worden, etwa die zur
Online-Durchsuchung, zur Vorratsdatenspeicherung und zur automatischen
Kennzeichenidentifizierung. Hirsch kritisierte, dass Regierungen und
Parlamente von Bund und Ländern die Verfassung fortgesetzt auf die
Probe stellten, statt ihre Verantwortung im Rahmen des Grundgesetzes
wahrzunehmen.
Der jährlich erscheinende «Grundrechte-Report» wird
von neun Menschen- und Bürgerrechts-Organisationen herausgegeben
und erscheint im Fischer-Taschenbuch-Verlag. Ein Schwerpunkt des
aktuellen Bandes ist der G8-Gipfel in Heiligendamm, bei dem die Autoren
Eingriffe in die Versammlungsfreiheit anprangern. Weitere kritische
Betrachtungen gelten Änderungen im deutschen Ausländerrecht,
dem Fluggastabkommen zwischen den USA und der EU sowie dem
Gefährdungspotenzial von Medienmonopolen für die Demokratie.
(Quelle: ap)
Internet-Portal gegen rechte Gewalt geehrt
Sa.10.05.08 - Am Jahrestag des Kriegsendes vor 63 Jahren ist das Internet-Portal
«mut-gegen-rechte-gewalt.de»
am Donnerstag in Berlin als «Ausgewählter Ort» im Land
der Ideen ausgezeichnet worden. Das Projekt der Amadeu Antonio Stiftung
und der Aktion «Mut gegen rechte Gewalt» der Zeitschrift
«Stern» gehört damit zu den Preisträgern des
bundesweit ausgetragenen Innovationswettbewerbs «365 Orte im Land
der Ideen». Auf der Veranstaltung in der Berliner Sophie Scholl
Oberschule diskutierten der Beauftragte der Bundesregierung für die
neuen Länder, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), mit
prominenten Musikern und Schülern über Mut und Zivilcourage.
Die Musiker Stefanie Kloß und Andreas Nowak von der Band
Silbermond sowie Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel und der
Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck,
lasen mit den Schülern Flugblatt-Texte der Widerstandgruppe
Weiße Rose vor. Tiefensee würdigte Zivilcourage als
«klares und selbstbewusstes Eintreten für demokratische und
menschliche Wert, für Mitmenschlichkeit, für die Achtung der
Menschenwürde, für Respekt».
Anlässlich seines fünfjährigen Bestehens
präsentierte zudem das ausgezeichnete Internet-Portal das Buch
«Mut-ABC für Zivilcourage». Das Handbuch, das von
zahlreichen Jugendinitiativen erstellt wurde, informiert über
Projekte gegen Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Gewalt.
Anhand von 140 Stichwörtern von der «Briefmarke» gegen
Rechtsextremismus bis zum «Widerstandsrecht» illustriert die
330-Seiten starke Broschüre mit zahlreichen Bildern
Möglichkeiten der Zivilcourage. Das Buch ist für fünf
Euro bei der Amadeu Antonio Stiftung erhältlich.
(Quelle: ddp)
Große Koalition wegen Diäten unter Rechtfertigungsdruck
Sa.10.05.08 - Die geplante Diätenerhöhung bringt die große Koalition
ins Schwitzen. Ihre parlamentarischen Geschäftsführer Norbert
Röttgen (CDU) und Thomas Oppermann (SPD) mussten sich im Bundestag
schärfster Vorwürfe seitens der Opposition erwehren. Redner
von FDP, Grünen und Linksfraktion appellierten an schwankende
Abgeordnete aus den Reihen der Koalition, auf die zweite Erhöhung
der Bezüge innerhalb von sechs Monaten zu verzichten. Zuvor hatten
sich schon ein gutes Dutzend SPD-Abgeordnete und ein CDU-Mann von dem
Plan distanziert.
Das Gesetz zur Übertragung des Tarifabschlusses im
öffentlichen Dienst, welches auch die Diätenregelung
enthält, wurde am Freitag in den Bundestag eingebracht. Die erste
Lesung war begleitet von einer kurzen aber heftigen Debatte. Der
FDP-Abgeordnete Ernst Burgbacher nannte es einen "unglaublichen
Vorgang", dass Union und SPD "durch die kalte Küche" neben dem
Beamtensold nun auch die Diäten erhöhen wollten. "Folgen Sie
Ihrem Gewissen, stimmen Sie mit Nein", rief Burgbacher den
Koalitionsabgeordneten zu.
Die Linken-Politikerin Dagmar Enkelmann nannte die geplante Anhebung
eine "glatte Unverschämtheit". "Was hier vorgeht, das ist mit uns
nicht zu machen", sagte sie. Die Bürger seien zu recht wütend
über das Vorhaben. "Ich hoffe sehr auf Ihre Vernunft", sagte die
Linken-Politikerin an die Adresse von SPD und CDU/CSU.
Die Grünen-Politikerin Silke Stokar forderte, dass die
Diätenfrage von der Beamtenbesoldung abgekoppelt und getrennt
entschieden wird. Burgbacher warb dafür, dass eine neutrale
Kommission über die Höhe der Diäten entscheidet: "Dann
wäre der Vorwurf der Selbstbedienung ein für alle Mal
erledigt." Röttgen wies dies als verfassungsrechtlich bedenklich
zurück. "Wir haben nicht das Recht, uns wegzuducken", sagte er.
Auch Oppermann bezeichnete den FDP-Vorschlag als "Scheinlösung".
Das Parlament hatte vergangenes Jahr beschlossen, sich bei der
Steigerung der Abgeordneten-Entschädigungen an der
Gehaltsentwicklung bei Bundesrichtern und Bürgermeistern zu
orientieren. Allerdings wäre die nun diskutierte Erhöhung die
zweite innerhalb von sechs Monaten. Kommt sie durch, dann wäre das
ein Plus von insgesamt 16,4 Prozent innerhalb von drei Jahren.
(Quelle: afp)
Linke-Fraktion zahlt jetzt nach Tarif
Sa.10.05.08 - Die Linke-Fraktion hat sich mit der Gewerkschaft ver.di auf einen
Tarifvertrag für ihre Beschäftigten geeinigt. Damit sei die
Voraussetzung dafür geschaffen, dass «vergleichbare
Tätigkeiten auch nach vergleichbaren Kriterien entlohnt
werden», sagte Verhandlungsführer und Fraktionsvize Bodo
Ramelow am Freitag in Berlin.
Die neuen Gehälter der 116 Beschäftigten der
Bundestagsfraktion orientieren sich laut Ramelow am Tarifabschluss des
öffentlichen Dienstes. Wie bei den Angestellten bei Bund und
Kommunen seien für Juni 2008 und Januar 2009 Einmalzahlungen von
250 beziehungsweise 225 Euro vorgesehen.
Die Gehaltsvereinbarung gelte jedoch nur für die direkten
Angestellten der Fraktion; die über 300 Mitarbeiter der 53
Linkspartei-Abgeordneten betreffe der neue Tarifvertrag nicht, da die
Parlamentarier als selbstständige Arbeitgeber aufträten.
Ramelow kritisierte diese Regelung, die einer Vereinheitlichung der
Gehälter und der Rechtssicherheit der Angestellten im Wege stehe.
Im Bundestag gebe es derzeit rund 4500 tariflich ungeregelte
Beschäftigungsverhältnisse. Der Bundestag sei damit auch
«repräsentativ für Tausende Arbeitsverhältnisse in
Deutschland, die tariflich ungeregelt sind», rügte Ramelow.
Die Linksfraktion will für eine Übernahme des Tarifvertrags
durch die Landtagsfraktionen und die anderen Bundestagsfraktionen
werben.
(Quelle: ddp)
Debatte um Steuerentlastungen gewinnt an Fahrt
Sa.10.05.08 - Die Debatte um rasche Steuerentlastungen gewinnt an Fahrt: Nach der
Vorstellung eines CSU-Konzepts wurden am Freitag auch konkrete
Pläne des Mittelstands- und Arbeitnehmerflügels der Union
bekannt. Danach soll der steuerliche Grundfreibetrag steigen und der
Tarifanstieg bei der Einkommenssteuer geändert werden, wie die
Financial Times Deutschland (FTD) in ihre Online-Ausgabe berichtete.
Dies solle ab Januar 2009 und damit vor der Bundestagswahl greifen,
habe der Parlamentskreis Mittelstand in einem Schreiben an
Fraktionschef Volker Kauder gefordert. Nach einem Bericht des "Spiegel"
gibt es auch im Finanzministerium Überlegungen, im Zuge der vom
Bundesverfassungsgericht verlangten Absetzbarkeit von
Kassenbeiträgen die Bürger unter dem Strich zu entlasten. Das
Verfassungsgericht verlangt Änderungen bis spätestens Anfang
2010.
Kanzlerin Angela Merkel schloss dagegen am Freitag erneut Entlastungen
bei der Einkommenssteuer vor der Wahl im Herbst 2009 aus. Allerdings
solle ein Konzept für eine Reform für die nächste
Legislaturperiode vor der Wahl vorgelegt werden, sagte sie der
"Passauer Neuen Presse." Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, das
Verfassungsgerichtsurteil zur Absetzbarkeit der
Krankenkassenbeiträge sei noch nicht ausgewertet. Der
parlamentarische Staatssekretär des Ressorts, Karl Diller (SPD),
bezifferte die Mindereinnahmen wegen des Urteils auf rund zehn
Milliarden Euro für den Staat.
Dem "Spiegel" zufolge erwägt das Ressort im Gegenzug die
Streichung von Steuervergünstigungen für Besserverdiener. Es
könne aber auch eine Gewerbesteuer für Freiberufler
eingeführt werden oder freiwillige Leistungen des Bundes für
die Bundesagentur für Arbeit gekürzt werden.
Im Gegenzug solle die bessere Anrechenbarkeit der Kassen-Beiträge
mit der Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums für Kinder
verknüpft werden. Dieses Paket führe ohne Gegenfinanzierung
zu Ausfällen von 15 Milliarden Euro. Selbst mit den geplanten
Gegenmaßnahmen würde es den Bürgern unter dem Strich
zwei bis drei Milliarden Euro bringen, schreibt das Magazin. Zur
Debatte stehe auch die Senkung des Eingangssteuersatzes von derzeit 15
Prozent.
In einer Aktuellen Stunde des Bundestages zu den CSU-Steuerplänen
verteidigte die Partei ihre Vorstellungen für Entlastungen etwa
bei der Pendlerpauschale. Das Konzept stehe nicht in Widerspruch zum
Ziel eines ausgeglichenen Haushalt des Bundes im Jahr 2011, sagte der
Abgeordnete Eduard Oswald. Die damit verbundene Leistungsanreize
würden zu mehr Wachstum und damit mehr Einnahmen führen.
Vertreter der Opposition kritisierten, die CSU habe alle
Steuererhöhungen der großen Koalition in den vergangenen
Jahren mitgetragen. In Bayern wird im Herbst ein neuer Landtag
gewählt.
(Quelle: rtr)
Studie: Zuwanderer arbeiten häufig unterhalb ihrer Qualifikation
Sa.10.05.08 - Zuwanderer arbeiten in Deutschland einer neuen Studie zufolge
überproportional häufig in Berufen, die deutlich unter ihrer
Qualifikation liegen. Nur 16 Prozent der befragten Migranten mit
Hochschulabschluss oder abgeschlossener Ausbildung fanden einen
Arbeitsplatz in ihrer Branche, heißt es in der Untersuchung "Brain
Waste", die die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria
Böhmer (CDU), am Donnerstag in Berlin vorstellte.
"Wir haben hier einen Schatz, den es zu heben gilt", sagte Böhmer.
Es gebe rund 500.000 zugewanderte Akademiker in Deutschland, deren
Abschluss nicht anerkannt worden sei. Diese qualifizierten Migranten
müssten eine Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten, so dass alle
einen Gewinn davon hätten. Dabei gehe es auch um eine Entlastung
der sozialen Sicherungssysteme.
Weil die Anerkennung ausländischer Abschlüsse Sache der
Bundesländer ist, gibt es eine Vielzahl von Stellen, die dafür
zuständig sind, fanden die beiden Autorinnen der Studie, Bettina
Englmann (rpt: Englmann) und Martina Müller, heraus. Zudem
müssten Zuwanderer ihre Qualifikationen formal anerkennen lassen,
was viele gar nicht wüssten. Fehlt diese Anerkennung, werden die
Zuwanderer bei den Arbeitsagenturen als "Ungelernte" eingestuft. Die
Autorinnen befragten 152 Migranten.
Die Kosten einer Anerkennung des Abschlusses in Deutschland können
der Studie zufolge bis zu 1.000 Euro betragen. Neben amtlichen
Übersetzern müssen beglaubigte Kopien und zum Teil
Zulassungsgebühren gezahlt werden. "Von Chancengleichheit kann
keine Rede sein", sagte Müller.
Böhmer sprach sich für transparente, bundesweit vergleichbare
und zügige Verfahren zur Anerkennung ausländischer
Qualifikationen aus. Bei EU-Bürgern gebe es manchmal eine
Teilanerkennung, was durch spätere Qualifizierungen ergänzt
werden könne. Das müsse auch für Ausländer aus
Nicht-EU-Staaten geprüft werden. Zudem könnten vorhandene
Abschlüsse schon vor der Einreise erfasst werden, um das Verfahren
in Deutschland zu erleichtern. Böhmer will als ersten Schritt zur
einer Vereinfachung das Gespräch mit der Kultusministerkonferenz
suchen.
(Quelle: epd)
Viele Gewerkschaftsmitglieder laut Umfrage unzufrieden
Sa.10.05.08 - Mehr als eine Million Gewerkschaftsmitglieder sind einer Umfrage
zufolge unzufrieden mit ihrer Organisation. Dies geht nach einem Bericht
der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» aus einer bislang
unveröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts
Infratest im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor.
«Jedes 4. Mitglied (24 Prozent) ist als gefährdet
einzustufen», knapp die Hälfte davon als «stark
gefährdet», heißt es demnach in der Auswertung der
Umfrage, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt und vom DGB
unter Verschluss gehalten werden solle.
Unter den «gefährdeten» Mitgliedern befänden sich
«überdurchschnittlich viele, die beruflich erfolgreich
sind», wie Facharbeiter und Gesellen, zitierte das Blatt die
Analyse. Diese Mitglieder hielten die Bemühungen der
Gewerkschaften, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern, für
sich selbst für nicht so bedeutsam. Seit 1994 sind die
DGB-Gewerkschaften um 1,7 Millionen Mitglieder auf 4,3 Millionen
geschrumpft.
Die unzufriedenen Mitglieder werfen dem Bericht zufolge den
Gewerkschaften vor, ihre Schutzfunktion zu vernachlässigen, die
Arbeitswirklichkeit nicht zu kennen und sich zu wenig um die
Beschäftigten in den Betrieben zu kümmern. Zudem bemühten
sie sich nicht genug um den Erhalt der Arbeitsplätze, hätten
zu geringen Erfolg bei Tarifverhandlungen und verträten die
Interessen der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern nur
unzureichend. Ein weiterer Grund für die Enttäuschung
über die Gewerkschaften sei mangelnde Kommunikation mit den
Mitgliedern, berichtete das Blatt.
Allerdings zeige die Umfrage auch, dass die Gewerkschaften unter
Nicht-Mitgliedern beträchtliches Potenzial hätten, um neue
Mitglieder zu werben. Zwar zeigten 26 Prozent der Nicht-Mitglieder
Distanz. 55 Prozent stünden den Gewerkschaften jedoch eher neutral
gegenüber, 19 Prozent sähen sich sogar nahe bei den
Gewerkschaften.
Besonders unter Frauen, Auszubildenden, Arbeitnehmern in Teilzeit und
unsicherer Beschäftigung sowie bei den unter 40-Jährigen
besteht demnach eine positive Haltung zu den Gewerkschaften und ihrer
Arbeit. Dennoch hätten viele erklärt, es zahle sich für
sie nicht aus, Mitglied zu werden. Vor allem Frauen hätten
kritisiert, dass sich die Gewerkschaften zu wenig für die
Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzten, schrieb die Zeitung
unter Berufung auf die Umfrage.
(Quelle: ap)
DIW-Expertin für Sondersteuer auf Gewinne der Ölkonzerne
Sa.10.05.08 - Angesichts der immer höheren Benzinpreise schlägt das
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die
Einführung einer Extrasteuer auf Ölgewinne vor. Die
Energieexpertin des Instituts, Claudia Kemfert, sagte der
«Bild»-Zeitung (Samstagausgabe), eine Sondersteuer auf die
Gewinne der Mineralölfirmen könnte den Preisanstieg
dämpfen. Gleichzeitig regte sie an, mit einem Teil des Geldes
finanzschwache Autofahrer zu entlasten. «Die Einnahmen einer
solchen Sondersteuer könnten auch den Autofahrern mit niedrigen
Einkommen zugute kommen», sagte Kemfert. Wie hoch eine solche
Steuer sein sollte, sagte sie jedoch nicht.
Der hohe Benzinpreis kann offenbar zunehmend zur Gefahr für die
Konsumlust der Bundesbürger und damit für die Konjunktur
werden. Das befürchtet die Gesellschaft für Konsumforschung
(GfK). Grund sei, dass die Bundesbürger einen immer
größeren Teil ihres verfügbaren Einkommens für
Benzin ausgeben müssten, sagte GfK-Fachmann Rolf Bürkl.
«Vor allem Pendler können den hohen Benzinpreisen nicht
ausweichen. Es ist daher zu befürchten, dass sie Anschaffungen
aufschieben oder ganz aufgeben. Das kann Wachstum kosten», sagte
Bürkl.
(Quelle: ddp)
CDU-Wirtschaftsrat: Hauptschule ist nicht zu retten
Sa.10.05.08 - Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, hat die Union
aufgefordert, nicht länger am Modell der Hauptschule festzuhalten.
Die Hauptschulen seien die größte bildungspolitische
Belastung für die Wirtschaft, sagte Lauk dem Nachrichtenmagazin
«Focus» laut Vorabbericht vom Freitag. Lauk fügte
hinzu: «Die CDU muss endlich zur Kenntnis nehmen, dass die
Hauptschule nicht zu retten ist».
Der Wirtschaftsexperte, der dem Europäischen Parlament
angehört, plädierte für mehr Durchlässigkeit und
hält das bestehende Schulsystem für verfehlt. Es zementiere
die «hoffnungslose Lage schwächerer Schüler, statt diese
zu fördern», sagte Lauk. «Wir müssen auch
Spätentwicklern, die sich erst nach der vierten, sechsten, zehnten
Klasse entfalten, bessere Chancen geben.» Der Präsident des
Wirtschaftsrates setzt auf ein zweigliedriges Schulsystem «mit
einem Gymnasium und einer Volks-Schule im wörtlichen Sinne».
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Göttinger Forscher arbeiten mit Super-Lichtmikroskop
Sa.10.05.08 - Als weltweit erste Forscher können Göttinger Wissenschaftler
mit einem neuartigen Lichtmikroskop besonders kleine Bereiche der
lebenden Zelle sehen.
Das 900 000 Euro teure Gerät, das auf der preisgekrönten
Erfindung des Göttinger Physikers Stefan Hell beruht, hat ein
Auflösungsvermögen von rund 60 Nanometern. Ein Nanometer ist
ein Millionstel eines Millimeters. Wie die Universität
Göttingen am Donnerstag mitteilte, wollen die Forscher um Silvio
Rizzoli mit dem Mikroskop die chemische Vorgänge der Nervenzellen
untersuchen, um Ursachen für neurologische und psychische
Störungen zu finden.
Mit Hilfe der Technik von Hell ist die Schärfe des Mikroskops
nicht mehr durch die Lichtwellenlänge begrenzt. Hell hatte für
die sogenannte «Stimulated Emission Depletion» (STED) 2006
den Deutschen Zukunftspreis erhalten. Das von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem niedersächsischen
Wissenschaftsministerium bezahlte Leica STED-Mikroskop ist nach Angaben
der Hochschule das weltweit erste seiner Art.
(Quelle: dpa)