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Irak 1510 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Binnen 24 Stunden 19 Tote bei Kämpfen in Bagdad. Schiitische Miliz
stimmt Waffenruhe in Sadr City zu. Offensive gegen El Kaida im Nordirak
So.11.05.08 - In Bagdad sind bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und
schiitischen Extremisten nach Angaben von Krankenhäusern binnen 24
Stunden 19 Menschen getötet worden.
116 Menschen seien verletzt worden, darunter auch Kinder, teilten
Krankenhaus-Sprecher am Samstag mit. Seit Tagen liefern sich
Anhänger der Miliz des radikalen Schiitenpredigers Moktada al-Sadr
in verschiedenen Stadtteilen heftige Gefechte mit US-Soldaten und
einheimischen Sicherheitskräften.
Die meisten Kämpfe habe es im Elendsviertel Sadr-City gegeben, wo
zwei Millionen Menschen leben. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen haben
vor den Folgen für die Zivilbevölkerung gewarnt, der
Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente fehlten.
Schiitische Splittergruppen haben derweil einer Waffenruhe in
Sadr City zugestimmt. Wie ein Sprecher des radikalen schiitischen
Predigers Muktada al Sadr ankündigte, soll die Feuerpause am
(heutigen) Sonntag in Kraft treten. Es gilt aber als zweifelhaft, dass
die Feuerpause wirklich zu einem Ende der seit sieben Wochen
andauernden Kämpfe in Sadr City führen, der Hochburg von al
Sadrs sogenannter Mahdi-Armee.
Die Splittergruppen haben sich bislang geweigert, den von Al Sadr im
vergangenen August angeordneten Waffenstillstand einzuhalten. Der
Prediger hat seine Milizionäre angewiesen, nur zu kämpfen,
wenn sie angegriffen werden. Die US-Streitkräfte erklärten,
verantwortlich für die bisherigen Gefechte seien Gruppen, die sich
von der Miliz Al Sadrs, gelöst hätten.
Im Norden des Iraks begann unterdessen nach Armeeangaben in der Stadt
Mossul eine Offensive der irakischen Regierungstruppen gegen das
Terrornetzwerk Al Kaida. Die Operation hat den Namen
«Löwenbrüllen». «Es handelt sich um ein
weiteres Beispiel für das wachsende Vertrauen und Vermögen
der Iraker, komplexe Kampf-, Polizei- und humanitäre Operationen
unabhängig zu planen und durchzuführen», erklärte
eine US-Militärsprecherin. Die Operation werde aber von
Koalitionsstreitkräften unterstützt. Mossul gilt als
wichtigste Bastion der Al Kaida im Irak.
boa (Quellen: rtr, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 11.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsechsundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Militär plant an Tieren orientierte Roboter
So.11.05.08 - Das US-Militär will in Zukunft offenbar tierähnliche Roboter
einsetzen. Ein Vertrag zur Entwicklung autonomer, intelligenter und
selbst-lernender Roboter für Militäreinsätze ist jetzt
von dem US Army Research Laboratory mit dem Waffenhersteller BAE Systems
unterzeichnet worden.
Laut dem Magazin "Vnunet.com" werden die Roboter ähnlich wie
lebende Wesen konstruiert. Flugfähige Überwachungsmaschinen
sollen etwa an Libellen erinnern, sich am Boden fortbewegende Roboter
werden Spinnen gleichen. Bereits für das Jahr 2013 ist eine
Marktreife der Maschinen geplant. Sie sollen "verlängerte" Augen
und Ohren für die Soldaten sein und sich in Gegenden begeben
können, in denen es für Menschen zu gefährlich ist.
(Quelle: gp)
Nahost-Konflikt
Hoffnung auf Ende des Machtkampfs im Libanon - Rücknahme von
Maßnahmen der Regierung gegen Hisbollah. Opposition zieht
bewaffnete Kämpfer aus Beirut ab
So.11.05.08 - Die Hoffnung auf ein Ende der jüngsten Gewaltwelle im Libanon
wächst wieder. Die ersten Kämpfer der radikalislamischen
Schiitenbewegungen Hisbollah und Amal zogen sich am Samstag von den
Straßen der libanesischen Hauptstadt zurück.
Sie hatten am Vortag weite Teile Beiruts unter ihre Kontrolle gebracht.
Der blutige Machtkampf zwischen der prowestlichen Regierung und der
prosyrischen Opposition mit mehr als 35 Toten binnen vier Tagen war
eskaliert.
Vor dem Rückzug hatte die Armeeführung nach Aufforderung von
Premierminister Fuad Siniora das Heft des Handels in die Hand genommen.
Sie kündigte die Rücknahme von Maßnahmen der Regierung
gegen Hisbollah an. Daraufhin erklärte die radikalislamische
Organisation, ihre Kämpfer von den Straßen abzuziehen. Sie
will aber als Akt des «zivilen Ungehorsams» die
Straße zum Flughafen solange blockieren, bis die Regierung eine
Entscheidung zurücknimmt, gegen das eigene Telefonnetz der
Hisbollah vorzugehen.
Siniora hatte am Samstagnachmittag in einer Fernsehansprache die Armee
aufgefordert, überall im Land die Sicherheit wiederherzustellen.
Anschließend erklärte die Militärführung, der
umstrittenen Sicherheitschef des Beiruter Flughafens, Wafik Schukair,
der der Hisbollah nahesteht, bleibe «bis zum Abschluss weiterer
Untersuchungen» im Amt. Zudem werde geprüft, inwieweit die
Hisbollah ihre eigenes Telefonnetz in Beirut weiter betreiben
könne.
Ein Regierungssprecher sowie die Führer der Parlamentsmehrheit,
Walid Dschumblatt und Saad Hariri, begrüßten die
Erklärung der Armee. Das Militär, dem Mitglieder aller
Bevölkerungsgruppen angehören, gilt als staatstreu und dazu
in der Lage, den Ausbruch eines blutigen Bürgerkriegs wie dem
zwischen 1975 und 1990 zu verhindern. Die jüngsten schweren
Gefechte waren ausgebrochen, nachdem Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah
erklärt hatte, die Regierung habe der Opposition «den Krieg
erklärt». Hintergrund war eine Entscheidung der Regierung,
den Sicherheitschef des Flughafens abzuziehen, das Hisbollah-eigene
Telefonnetz lahmzulegen und Vorwürfe zu untersuchen, wonach die
Hisbollah den Flugverkehr per Videokamera überwacht.
In seiner Fernsehansprache warf Siniora der Hisbollah vor, einen
«bewaffneten Putsch» gegen die libanesische Demokratie
geführt zu haben. Am Samstag starben nach Krankenhausangaben zwei
Teilnehmer einer Trauerprozession, als Bewaffnete von einem Dach aus in
die Menge feuerten. Etwa 35 Menschen seien verletzt worden. Mindestens
16 Menschen wurden im Norden des Landes bei Zusammenstößen
getötet.
An diesem Sonntag ist ein Treffen arabischer Außenminister in
Ägypten geplant, um einen Ausweg aus der Krise zu suchen. Dazu
hatten Ägypten und Saudi-Arabien aufgerufen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundeskanzlerin Angela Merkel
äußerten nach Angaben des Bundespresseamt in einem
gemeinsamen Telefongespräch die Hoffnung, dass das Liga-Treffen
zur Beruhigung der Lage im Libanon beitragen werde. US-Präsident
George W. Bush hofft nach Angaben des Weißen Hauses auf ein
Treffen mit Siniora bei einem Nahost-Gipfeltreffen kommende Woche im
ägyptischen Badeort Scharm el Scheich.
Die US-Regierung und die Europäische Union verurteilten den
Gewaltausbruch im Libanon scharf und betonten ihre Unterstützung
für die Regierung Siniora. Der Iran wies Vorwürfe des Westens
zurück, Teheran schüre zusammen mit Syrien die Gewalt im
Libanon. Vielmehr seien die USA und Israel für die Eskalation der
Lage verantwortlich, schrieben amtliche Medien in der iranischen
Hauptstadt.
Regierungsfraktion und Opposition liefern sich seit eineinhalb Jahren
einen erbitterten Machtkampf. Im November 2006 hatten pro- syrische
Minister die Regierungskoalition aus Protest verlassen, nachdem sie
sich mit ihrer Forderung nach mehr Einfluss nicht durchsetzen konnten.
Ein Streitpunkt war die Einsetzung eines internationalen Tribunals zur
Aufklärung des Mordes an dem früheren Regierungschef Rafik
Hariri im Februar 2005. Hariris Anhänger vermuten Syrien, die
frühere Ordnungsmacht im Libanon, hinter dem Verbrechen.
(Quelle: dpa)
Ein Israeli und fünf Palästinenser getötet
So.11.05.08 - Bei zwei israelischen Luftschlägen im Süden des Gazastreifens
sind in der Nacht zum Samstag fünf Palästinenser getötet
und fünf verletzt worden.
Ein Sprecher des Militärs in Tel Aviv bestätigte die Angriffe
auf Polizeistationen der radikalislamischen
Palästinenserorganisation Hamas in den Ortschaften Rafah und Chan
Junis.
Währenddessen wurden am Samstag erneut israelische Grenzorte mit
palästinensischen Kassam-Raketen beschossen. Dabei schlug eine
Rakete nach Medienangaben in einer Synagoge der Stadt Sderot ein und
zerstörte die Fenster des jüdischen Gotteshauses. Eine weitere
selbst gebaute Rakete traf eine Schule in Sderot.
Nach Angaben des israelischen Militärs waren die Einsätze vor
Sonnenaufgang die Antwort auf einen Granatwerferüberfall militanter
Palästinenser auf den israelischen Kibbuz Kfar Aza. Bei diesem
Angriff waren am Freitag ein 48-jähriger Israeli getötet und
drei weitere verletzt worden. Die im Gazastreifen herrschende Hamas
bekannte sich zu dem Angriff.
(Quelle: dpa)
Darfur-Rebellen rücken auf Khartum vor
So.11.05.08 - Rebellen aus der westsudanesischen Krisenregion Darfur haben die
Außenbezirke der Hauptstadt Khartum erreicht. Die Regierung
bestätigte am Samstagabend, dass «Elemente» der
Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) in die Stadt
Omdurman am anderen Nil-Ufer eingedrungen seien. Man habe den Vormarsch
der meisten Rebellen jedoch bereits in einiger Entfernung aufhalten
können. Dagegen sagte JEM-Führer Abu Sumam der
Nachrichtenagentur AP in einem Telefongespräch, Hunderte seiner
Kämpfe hätten die Nachbarstadt Khartums erreicht.
«Wir haben Omdurman mit Gewalt eingenommen», erklärte
Sumam. Seine Einheiten verfügten über 700 Armeefahrzeuge und
wollten jetzt die Rundfunkanstalt der Stadt einnehmen. Auf den
Straßen von Khartum zogen die Streitkräfte mit
Schützenpanzern auf, die Bewohner wurden angewiesen, in ihren
Häusern zu bleiben. Später verhängte die Regierung ein
Ausgehverbot von 17.00 Uhr nachmittags bis 06.00 Uhr morgens. Dieses
bleibe bestehen, solange die Streitkräfte gegen
«Eindringlinge» vorgingen, hieß es in einer
Erklärung des Innenministeriums.
Die JEM ist eine der mächtigsten schwarzafrikanischen
Rebellengruppen in Darfur. Seit 2003 kämpft sie dort gegen
Soldaten der arabisch-dominierten Regierung sowie gegen arabische
Reitermilizen, die der Regierung nahestehen. In letzter Zeit operierten
JEM-Kämpfer jedoch auch in der Provinz Kordofan, die zwischen
Darfur und Khartum liegt. Bislang waren sie allerdings noch nie so nah
an die Hauptstadt herangerückt. Die sudanesische Regierung wirft
dem Nachbarland Tschad vor, die JEM militärisch zu
unterstützen.
(Quelle: ap)
Scharfe Kritik an birmanischer Junta - Offenbar hohe Zustimmung beim
Verfassungsreferendum
So.11.05.08 - Die Haltung der birmanischen Militärregierung zur Verteilung von
Hilfsgütern an die Zyklon-Opfer stößt auf immer
härtere Kritik. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und
Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichneten es in einem gemeinsamen
Telefongespräch am Samstag als inakzeptabel, dass sich die
Führung in Rangun einer umfassenden Zusammenarbeit mit
internationalen Hilfsorganisationen verweigere. Inzwischen erreichten
zwei Lastwagen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) Birma erstmals
auf dem Landweg.
Die Lastwagen brachten insbesondere Zelte und Plastikplanen für
rund 10.000 Menschen ins Katastrophengebiet, wie UNHCR-Sprecher Raymond
Hall in Thailand mitteilte. Rund eine Million Birmaner sind seit dem
verheerenden Zyklon «Nargis» obdachlos. Wie eine Sprecherin
des UN-Büros zur Koordination von Hilfseinsätzen, Elisabeth
Byrs, mitteilte, sind derzeit 23 internationale Organisationen vor Ort.
Viele warten aber noch auf Einreisegenehmigungen, vor allem für
weitere Mitarbeiter und für Transporte.
Das Militärregime begann am Samstag mit der Verteilung
internationaler Hilfsgüter an die notleidende Bevölkerung.
Auf die Kisten wurden aber die Namen führender Generäle
geschrieben - ein offenkundiger Versuch, die internationale Hilfe als
Eigenleistung darzustellen. Das Staatsfernsehen zeigte ständig
Bilder, wie Generäle, darunter auch Junta-Chef General Than Shwe,
Kisten an Überlebende verteilten. Auf einer Kiste war der Name von
Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift
überdeckte den kleineren Aufdruck «Hilfe aus dem
Königreich Thailand».
Die deutsche Regierung erwägt, angesichts der dramatischen Lage
Hilfslieferungen auch gegen den Willen der Junta auf den Weg zu
bringen. «Die internationale Gemeinschaft hat die Verantwortung
und das Recht, Menschen in Not zur Seite zu stehen, auch wenn die
eigene Regierung sich dagegen sträubt», sagte
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) der
«Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sagte, man sei auf einen
komplexen humanitären Soforthilfeeinsatz vorbereitet.
Deutsche Hilfsorganisationen haben versichert, dass die
Militärjunta keinen Zugriff auf deutsche Spenden habe. «Wir
wickeln alle Zahlungen nur über unsere Partner in Birma ab»,
sagte Caritas-Sprecher Achim Reinke der «Berliner Zeitung».
Ähnlich äußerte sich die Diakonie: «Geld
fließt erst, nachdem die lokalen Helfer konkrete Anträge
gestellt haben», zitierte die Zeitung Ulrike Felsenstein von der
Diakonie-Katastrophenhilfe.
Ungeachtet internationaler Kritik wurde am Samstag in einem Referendum
über eine neue Verfassung für Birma abgestimmt.
UN-Generalsekretär Ban hatte die Militärregierung vergeblich
aufgerufen, die Abstimmung wegen der Sturmkatastrophe zu verschieben.
Lediglich in den Katastrophengebieten soll das Referendum erst in zwei
Wochen stattfinden.
Erste Ergebnisse lassen auf eine hohe Zustimmung schließen.
Augenzeugen und Kommunalbeamte, die am Samstag die
Stimmenauszählung überwachten, sprachen von einer
durchschnittlichen Billigung der Vorlage zwischen 80 und 90 Prozent.
Die Augenzeugen berichteten ferner von Wählereinschüchterung
in zahlreichen Stimmlokalen.
(Quelle: ap)
US-Diplomat erhält Dokumente über Nordkoreas Atomprogramm
So.11.05.08 - Im Streit um die Offenlegung seines Atomprogramms hat Nordkorea erste
Zugeständnisse gemacht. Ein US-Diplomat überquerte am Samstag
mit umfangreichen Dokumenten über die nordkoreanischen
Atomaktivitäten die Grenze nach Südkorea, berichtete ein
Fotograf der Nachrichtenagentur AFP. Der Korea-Verantwortliche des
US-Außenministeriums, Sung Kim, brachte mit seiner Delegation
insgesamt sieben Kartons mit rund 18.000 Seiten Papier mit. Nach Angaben
eines Vertreters des südkoreanischen Außenministeriums
enthielten die Dokumente vor allem Informationen über die
nordkoreanische Atomanlage Yongbyon.
Mit den Dokumenten sollen Nordkoreas Erklärungen zur Stilllegung
seines umstrittenen Atomprogramm überprüft werden, hatte der
Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, zu Beginn der
Reise von Sung Kim gesagt. Zuvor hatte der kommunistische Staat die
Frist, bis Ende 2007 sein Atomprogramm offenzulegen, verstreichen lassen.
Mit dem Überreichen der Dokumente könnten die festgefahrenen
Sechs-Nationen-Gespräche, an denen neben den beiden Koreas, die
USA, Japan, China und Russland teilnehmen, wieder angeschoben werden.
Sollte das verarmte Land tatsächlich sein Atomprogramm
vollständig offenlegen, kann es mit weiteren Energielieferungen
rechnen. US-Präsident George W. Bush möchte bis zum Ende
seiner Amtszeit im Januar 2009 einen abschließenden Erfolg bei den
Sechser-Verhandlungen zur Schließung der nordkoreanischen
Atomanlagen erreichen.
(Quelle: afp)
US-Präsidentschaftskandidatur: Obama überrundet Clinton bei
Superdelegierten
So.11.05.08 - Barack Obama ist der Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten
einen weiteren Schritt näher gekommen: Der Senator aus Illinois
hat jetzt mehr Superdelegierte hinter sich als seine New Yorker Rivalin
Hillary Clinton. Vier weitere dieser Parteifunktionäre, die bei
ihrer Abstimmung auf dem Nominierungsparteitag freie Hand haben,
stellten sich am Samstag hinter Obama. Darunter waren auch zwei
Delegierte der Jungferninseln, die bislang Clinton unterstützt
hatten. Die beiden anderen kamen aus den Staaten Utah und Ohio.
Beobachter werteten die Tatsache, dass Obama bei den Superdelegierten
so kräftig aufholen konnte, als Zeichen, dass er innerhalb der
Demokratischen Partei zunehmend als Sieger betrachtet wird.
Ursprünglich galten diese Funktionäre eher als Clinton
zugeneigt. Vor vier Monaten hatte sie noch 169 von ihnen hinter sich,
Obama lediglich 63. Mit den neuen Zusagen für Obama verfügt
dieser nun über 275 Superdelegierte, wie die jüngste
Zählung der Nachrichtenagentur AP ergab. Clinton hat 271,5 von
ihnen auf ihrer Seite.
Insgesamt kommt Obama jetzt auf 1.863,5 Delegiertenstimmen, Clinton auf
1.697. Auf dem Parteikonvent Ende August in Denver sind 2.025 Stimmen
für eine Nominierung notwendig, Obama fehlen also nur noch 161,5.
Das erforderliche Quorum können die beiden Bewerber letztlich aber
nur erreichen, wenn sie möglichst viele der insgesamt fast 800
Superdelegierten für sich einnehmen können. Rund 250 von
ihnen haben sich noch nicht festgelegt.
Obama machte am Wochenende Wahlkampf im nordwestlichen US-Staat Oregon,
wo die Vorwahl am 20. Mai stattfindet. Dabei konzentrierte er sich ganz
auf den republikanischer Bewerber John McCain, dessen Kandidatur
bereits feststeht, allerdings noch vom Parteitag bestätigt werden
muss. Seine Rivalin Clinton ignorierte Obama fast ganz. Dies werteten
Beobachter als Zeichen, dass er sich schon sicher sein dürfte,
gegen McCain anzutreten.
(Quelle: ap)
IWF sieht Probleme der Finanzkrise längst nicht gelöst
So.11.05.08 - Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Probleme der
globalen Finanzmärkte längst nicht gelöst.
IWF-Vizedirektor John Lipsky warnte im Interview der
«Süddeutschen Zeitung» vor Selbstzufriedenheit. Zwar
sei die unmittelbare Gefahr eines Zusammenbruchs der Finanzmärkte
geringer geworden. Es gebe jedoch viel zu tun, um eine Wiederholung zu
verhindern, sagte Lipsky.
Die Krise habe einen «neuen Typ von Gefahren» gezeigt. Nun
komme es darauf an, diese Gefahren zu verstehen. «Weitere Aktionen
könnten notwendig sein, die Probleme sind in keiner Weise
gelöst», wird der IWF-Vize zitiert. Bei der Finanzkrise komme
es auch darauf an, nicht nur den amerikanischen Hypothekenmarkt zu
sehen. «Wir befinden uns in einem Prozess sinkender
Vermögenswerte und in diesem Prozess entsteht Druck auf den
Finanzsektor.»
Lipsky bestätigte zugleich die auch von der EZB laut
Medienberichten geschätzte Zahl von weltweit 320 Milliarden Dollar,
die die Banken im Zuge der Krise bislang abgeschrieben hätten. Zum
Ausgleich seien 235 Milliarden an neuem Kapital aufgenommen worden. Das
frische Kapital habe den Druck auf die Banken verringert, wird Lipsky
zitiert.
Für die USA sagte der IWF-Vize eine milde Rezession voraus. Der
Anstieg der Energiepreise reduziere die Kaufkraft, der Arbeitsmarkt
werde schwächer. «Wahrscheinlich erreichen wir jetzt den seit
langem erwarteten Übergang zur Normalisierung des Sparverhaltens
in den amerikanischen Haushalten», wird Lipsky zitiert.
(Quelle: ap)
Deutschland
Wirtschaftsweiser fordert Bildungsoffensive statt Steuersenkung
So.11.05.08 - In der Debatte um Steuersenkungen hat der Wirtschaftsweise Peter
Bofinger gegen eine schnelle Verringerung der Abgabenlast plädiert:
"Ich halte nichts von Steuersenkungen zum jetzigen Zeitpunkt", sagte
der Volkswirtschafts-Professor in einem Interview der "Frankfurter
Rundschau" (Samstagsausgabe). Das drängendste Problem Deutschlands
sei die Bildung, nicht die Abgabenlast oder die Staatsverschuldung.
Bevor die Steuern gesenkt würden, müssten die Staatsausgaben
für Bildung kräftig aufgestockt werden.
"Wir betreiben Raubbau an der Zukunft unserer Kinder", sagt der
Professor für Volkswirtschaft laut Vorab-Bericht dem Blatt.
Deutschland nehme bei der Bildung in vielen internationalen Statistiken
hintere Plätze ein. Dies sei skandalös, weil Wissen die
wichtigste Ressource sei. Deshalb müsse der Staat das Geld in
Bildung investieren. "Wir brauchen eine nationale Bildungsinitiative",
fordert Bofinger. Zudem müss der Bund wieder mehr
Zuständigkeiten des Bundes für dieses Thema erhalten.
(Quelle: rtr)
Ex-Arbeitsminister Riester verdient gut an der Riester-Rente
So.11.05.08 - Während viele Bundestagabgeordnete erneut eine Erhöhung ihrer
Diäten verlangen, zeigt der SPD-Abgeordnete Walter Riester, wie man
auf andere Weise viel Geld verdienen kann. Ein Minimum von 284 000 Euro
hat der frühere Arbeitsminister in den ersten 29 Monaten dieser
Legislaturperiode durch Vorträge zur Werbung für die nach ihm
genannte Riester-Rente verdient. Das sind fast 10 000 Euro
Nebenverdienst im Monat, also mehr als seine Abgeordnetendiät von
7339 Euro. Doch damit ist es noch lange nicht getan. Die monatlichen 10
000 Euro sind nur eine Mindestzahl.
Nach einer Regelung des Bundestages müssen die Abgeordneten ihre
Nebenverdienste zwar angeben, jedoch nicht die exakten Einkommen,
sondern nur bestimmte Einkommensstufen. Zum Beispiel: Riester hielt in
dieser Legislaturperiode bisher 35 Vorträge mit einem Honorar der
öffentlich deklarierten «Stufe 3». Nach dem
Bundestagschlüssel heißt das mehr als 7000 Euro. Es
können auch mehr sein. Hinzu kommen Vorträge in den Stufen von
1000 bis 3500 Euro sowie 3500 bis 7000 Euro. Dazu wollte Riester auf
Nachfrage der Nachrichtenagentur ddp keine präzise Zahlen nennen.
Ebenso erstaunlich wie die Summe ist Riesters Vortragsthema: die
Riester-Rente. Die von ihm, als damaliger Bundesminister für Arbeit
und Sozialordnung, entworfene staatlich geförderte Altersvorsorge
war zunächst ein Flop. Der Ausbau der Förderung und
Korrekturen haben viele Bundesbürger nun überzeugt, die Markt
für Riester-Produkte brummt heute. Riester räumt selber ein,
dass seine Riester-Rente mit einer Reihe Fehler behaftet war:
«Die Riester-Rente heute ist ein ganzes Stück anders als
meine», sagte Riester der Nachrichtenagentur ddp.
«Das ist ein Boom und es wird weiter boomen», meint Riester
heute zur Rente, die seinen Namen trägt. Doch bei Riester selber
boomt es auch. Im Jahr 2007 nahm er allein 169 000 Euro (Minimum)
für Vorträge ein, in der ersten zwei Monaten dieses Jahres
waren es laut Bundestagsveröffentlichung mindestens 31 500 Euro.
Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim, der in seinem neuen Buch
«Die Deutschlandakte« die Höhe der
Abgeordneten-Diäten scharf kritisiert, sagte ddp: »Riester
schlachtet sein politisches Kind, die Riester-Rente, immer ungenierter
für den eigenen Geldbeutel aus und demonstriert so, wie man ein
Staatsamt nachträglich zu Geld macht. Ein Vorbild an
öffentlichem Anstand ist das nicht.»
Riesters großzügige Auftraggeber sind Finanzberater, die
Versicherungswirtschaft, Sparkassen und Volksbanken, die die
Riester-Rente vertreiben. Mit der neuen Riester-Rente machen sie das
große Geschäft. Es sollen in der Zwischenzeit, dank den
erhöhten Zuschüssen der öffentlichen Hand, rund zehn
Millionen Bundesbürger Riester-Renten abgeschlossen haben. Der
Finanzvertrieb MLP meldete diese Woche, dass ein positives
Jahresergebnis im ersten Quartal 2008 nur dank dem florierenden Vertrieb
von der Riester-Rente erzielt wurde.
Nach Ablauf dieser Legislaturperiode wird Riester keine Angaben mehr
machen müssen zu seinen Tätigkeiten. Der 64-Jährige will
nicht wieder für den Bundestag kandidieren. Dies begründete er
dem Nachrichtenmagazin «Focus» gegenüber mit der
Erklärung, er sei zwar gern Abgeordneter, er habe aber das
Gefühl, dass auch noch andere Aufgaben im Leben auf ihn warteten.
(Quelle: ddp)
Studie: Immer mehr Deutsche unzufrieden mit Entlohnung
So.11.05.08 - Immer mehr Deutsche fühlen sich für ihre Arbeit nicht mehr
gerecht bezahlt. Während 2005 noch rund 75 Prozent der
Westdeutschen und 58 Prozent der Ostdeutschen ihre Entlohnung als
gerecht empfanden, waren es 2007 nur noch 61 Prozent in Westdeutschland
und 50 Prozent in Ostdeutschland, wie aus einer von der "Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung" veröffentlichten Studie hervorgeht.
Danach bewerten Frauen ihr Einkommen im Vergleich zu den Männern
"eher als gerecht".
Tendenziell unzufrieden mit ihrem Einkommen seien vor allem Menschen
mit guten Abschlüssen. Besserverdienende seien aber insgesamt
zufriedener mit ihrer Entlohnung. Es gebe eine deutliche Tendenz: je
mehr Geld, desto mehr empfundene Gerechtigkeit.
(Quelle: afp)
SPD-Abgeordnete wollen angeblich Kooperation mit der Linken prüfen
So.11.05.08 - Eine Gruppe linker SPD-Bundestagsabgeordneter will einem
Zeitungsbericht zufolge Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit
mit der Linkspartei ausloten.
Bei der Frage, in welcher Konstellation die SPD-Projekte realisierbar
seien, dürfe es keine Tabus geben, zitiert die "Sächsische
Zeitung" (Samstagsausgabe) aus einem Papier von etwa 40 jungen
SPD-Parlamentariern und Fraktionsmitarbeitern. Zu ihnen gehörten
Ex-Juso-Chef Niels Annen, der Chef der bayerischen Landesgruppe, Florian
Pronold, und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.
"Wir erleben in diesen Tagen, dass auch andere politische Kräfte
zur Zusammenarbeit finden, die dies vor wenigen Jahren kategorisch
ausgeschlossen haben", schreiben die Abgeordneten dem Blatt zufolge
weiter. Sie seien entschlossen, sich künftig
"regelmäßig" mit Vertretern von Parteien zu treffen, mit
denen es Schnittmengen für das sozialdemokratische Projekt gebe:
"Dabei werden wir uns auch mit der Partei Die Linke treffen." Damit
solle verhindert werden, dass politische Konsultationen erstmals in
Koalitionsverhandlungen geführt werden.
(Quelle: rtr)
Benzinpreis über 1,50 - Forderungen nach Entlastung
So.11.05.08 - Der Benzinpreisrekord von erstmals mehr als 1,50 Euro in Deutschland
hat die Diskussion über Entlastungen der Autofahrer neu angefacht.
Aus der Politik und von Automobilclubs wurden Forderungen nach
Steuererleichterungen und Erhöhung der Pendlerpauschale laut.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sprach sich in der Kölner
Tageszeitung «Express» (Samstag) für einen
ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Kraftstoffe aus. Ulrich
Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr, forderte die
Regierung auf, die Aussetzung der Ökosteuer auf die Tagesordnung zu
nehmen und die Pendlerpauschale zu erhöhen. Auch CSU-Chef Erwin
Huber erneuerte seine Forderung, die Kürzung der Pendlerpauschale
wieder zurückzunehmen.
Kurz vor dem langen Pfingstwochenende durchbrach der Benzinpreis
erstmals in Deutschland die Marke von 1,50 Euro je Liter. Nach Angaben
aus der Mineralölwirtschaft in Hamburg waren für einen Liter
Benzin im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen 1,51 Euro zu
bezahlen. Auch der Dieselpreis erreichte mit 1,45 Euro je Liter einen
neuen Höchststand.
Als Grund für die Preissteigerungen unmittelbar vor Pfingsten
nannten Sprecherinnen von Mineralölkonzernen die Notierungen am
europäischen Markt für Ölprodukte in Rotterdam. Bei der
wöchentlichen Umfrage des Energie-Informationsdienstes EID in 14
deutschen Städten ergab sich auch beim Heizöl mit einem
Durchschnittspreis von 89,65 Euro für 100 Liter (beim Kauf von 3000
Litern) ein Rekordwert.
Die Ölpreise kletterten am Freitag an den internationalen
Märkten erstmals über die 125-Dollar-Marke, zeitweilig sprang
der US-Ölpreis sogar über 126 Dollar je Barrel (159 Liter),
bevor er am Abend wieder leicht nachgab. Die Rohölpreise werden
nach Angaben von Branchenkennern derzeit vor allem von der Spekulation
und der Angst vor Engpässen in die Höhe getrieben. Rohstoffe,
speziell das Öl, werden von Spekulanten als lukrative Geldquelle
angezapft. Sie wetten auf immer höhere Ölpreise. Politische
Krisen wie in dem wichtigen afrikanischen Ölförderland Nigeria
und die steigende Nachfrage aus Ländern wie China und Indien
fachen die Ölpreise ebenfalls an. Einige Marktkenner haben schon
die Marke von 200 Dollar je Barrel US-Öl und einen Benzinpreis von
2,00 Euro in Deutschland im Visier.
Angesichts der Preisexplosion forderte Becker vom ADAC, die
Pendlerpauschale zu erhöhen. Auch die Aussetzung der Ökosteuer
müsse die Regierung sofort auf die Tagesordnung setzen: «Der
Staat kassiert immer größere Summen an Steuergeldern vom
Autofahrer, während Millionen von Menschen längst nicht mehr
wissen, wovon sie die nächste Tankrechnung bezahlen sollen»,
sagte Becker dem «Express». CSU-Chef Huber erneuerte seine
Forderung, die Kürzung der Pendlerpauschale wieder
zurückzunehmen. «Wir dürfen die Pendler, die mit den
steigenden Spritpreisen zu kämpfen haben, nicht im Regen stehen
lassen», sagte er der Zeitung.
FDP-Generalsekretär Niebel meinte im «Express»:
«Wir stehen unter Schwarz-Rot bald schon bei dem "5-Mark-Benzin",
mit dem einst die Grünen gedroht hatten.» Die Regierung sei
nicht für den Ölpreis am Weltmarkt haftbar zu machen, aber sie
könne den Preisanstieg durch einen teilweisen Verzicht auf Steuern
dämpfen. «Kraftstoff gehört zum alltäglichen
Bedarf in einer mobilen Gesellschaft, deshalb sollte der
Mehrwertsteueranteil auf den ermäßigten Satz von 7 statt 19
Prozent gesenkt werden - wie bei anderen Grundbedarfsartikeln.»
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) riet am Freitag allen, die über
Pfingsten eine Reise mit dem Auto unternehmen wollen, ihre Pläne
kurzfristig zu ändern und das Auto stehen zu lassen. Angesichts
weiter steigender Spritpreise und voraussichtlicher Staus auf den
Autobahnen belaste jede Autofahrt am Pfingstwochenende Portemonnaie und
Nerven über Gebühr.
(Quelle: dpa)
Linke-Innenexpertin Pau: Zahl rechtsextremer Straftaten im März
'extrem hoch'
So.11.05.08 - Im März dieses Jahres sind nach Angaben der Linke-Innenexpertin
Petra Pau bundesweit 1311 rechtsextreme Straftaten registriert worden,
darunter 72 Gewalttaten. Dies habe ihr das Bundesinnenministerium auf
ihre monatliche Anfrage hin mitgeteilt, erklärte Pau am Samstag in
Berlin. Diese Zahlen seien «im langfristigen Vergleich extrem
hoch».
Auch die Zahl registrierter Straftaten mit antisemitischem Hintergrund
sei gestiegen, fügte die Bundestagsvizepräsidentin hinzu. Sie
umfasse laut Innenministerium im ersten Quartal 2008 bundesweit 256
Fälle, darunter 8 Gewalttaten. Das seien «im statistischen
Schnitt täglich nahezu drei antisemitische Straftaten»,
unterstrich Pau. Dabei gälten alle Zahlen als vorläufig. Sie
würden später regelmäßig nach oben korrigiert.
(Quelle: ddp)