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Irak 1511 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Türkei bombardiert PKK-Stellungen im Nordirak. Vier Tote bei Militäreinsatz in Mossul

Mo.12.05.08 - Türkische Kampfflugzeuge haben im Nordirak Stellungen von Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bombardiert. Die "intensiven" Bombenangriffe in der Region Awasin-Basjan am Samstagabend hätten sich gegen Kämpfer gerichtet, die am Freitag an einem tödlichen Angriff auf einen türkischen Militärposten in der Grenzregion Hakkari beteiligt waren, teilte das Militär in einer Erklärung mit. Wie viele PKK-Mitglieder bei dem Angriff getötet wurden, war zunächst unklar.

Die türkische Armee greift seit Dezember vergangenen Jahres regelmäßig Stellungen der PKK im Nordirak an. Die PKK wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von der EU und den USA als terroristische Gruppe eingestuft. Im gewaltsamen Kampf der PKK für eine Unabhängigkeit von der Türkei starben seit 1984 mindestens 37.000 Menschen.

Bei einem Einsatz gegen mutmaßliche El-Kaida- Terroristen in der nordirakischen Stadt Mossul sind nach Angaben des US-Militärs vier Menschen getötet worden, darunter eine Frau und ein Kind. Wie ein Sprecher des US-Militärs mitteilte, hatten Soldaten am Samstag das Feuer auf ein Fahrzeug mit Terror- Verdächtigen eröffnet, nachdem diese nicht zur Kontrolle gestoppt und auch nicht auf Warnschüsse reagiert hätten. Die Frau und das Kind befanden sich den Angaben zufolge zusammen mit zwei bewaffneten Kämpfern.

boa (Quellen: afp, dpa)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 12.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Sa.12.05.07 - Irakische Regierung wirbt in Washington um Unterstützung +++ Sunniten töten offenbar irakische Polizisten und Soldaten +++ Weiterer US-Soldat im Irak ums Leben gekommen +++ Reporter ohne Grenzen hilft Familien getöteter Journalisten im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0705120.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Hisbollah zieht sich in Beirut zurück - Mindestens 17 Tote bei Kämpfen im Norden des Libanons. USA und EU unterstützen libanesische Regierung

Mo.12.05.08 - Die Lage in Beirut hat sich nach dem Rückzug der Hisbollah beruhigt - im Norden des Libanon wird aber heftig gekämpft. Der Regierungschef spricht von Putsch-Versuchen.

Nach dem Rückzug der schiitischen Hisbollah-Miliz hat sich am Sonntag die Lage in der libanesischen Hauptstadt Beirut nach mehrtägigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen weitgehend beruhigt. Dagegen wurden aus dem Norden und Osten schwere Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern der prowestlichen Regierung gemeldet.

Bei den schweren Kämpfen im Norden des Libanons sind seit Samstagabend mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. 20 weitere wurden verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen konzentrierten sich die Gefechte in der Nacht zum Sonntag auf zwei Stadtteile in der nördlichen Hafenstadt Tripoli. Schwerbewaffnete Kämpfer hätten sich dort Straßenkämpfe geliefert. Tausende Bewohner seien geflohen. Erst als die libanesische Armee am Sonntagmorgen in die Stadtviertel einrückte, ließen die Kämpfe nach.

In Beirut waren am Sonntag zunächst noch zahlreiche Straßen geschlossen, darunter auch der Zubringer zum Flughafen. Die Straßenblockaden sind Teil der Kampagne des "zivilen Ungehorsames", mit der die schiitische Hisbollah-Miliz die Erfüllung ihrer Forderungen durchsetzen will. Am Sonntagmittag gedachte die libanesische Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora in einer Schweigeminute der weit mehr als 40 Opfer, die bei den Auseinandersetzungen der vergangenen fünf Tage ums Leben kamen.

Die Hisbollah hatte am Samstag ihren Rückzug aus den zuvor von sunnitischen Gruppen eroberten Stellungen in Beirut angekündigt, nachdem die Armee die verfeindeten Milizen zum Rückzug und die Soldaten zur Wiederherstellung der Ordnung aufgefordert hatte. Das Militär hatte der Hisbollah zwei wichtige Zugeständnisse angeboten: Der Leiter des Sicherheitsdienstes auf dem Flughafen, der von der Regierung wegen seiner Verbindungen zur Hisbollah entlassen worden war, darf seinen Posten behalten. Und mit dem von der Regierung verbotenen umstrittenen privaten Telekommunikationsnetz der Hisbollah soll sich nun das Fernmeldekorps der Armee befassen.

Der prowestliche Regierungschef Siniora hatte der Hisbollah zuvor einen bewaffneten Putsch gegen die Demokratie vorgeworfen. Die Regierung könne nicht länger akzeptieren, dass die Organisation Waffen besitze, sagte Siniora in einer Ansprache, in der er die Armee aufrief, Recht und Ordnung wiederherzustellen.

Die USA und die Europäische Union verurteilten den Gewaltausbruch im Libanon scharf und unterstrichen ihre Unterstützung für die Regierung Siniora. Die US-Regierung erklärte, für die Gewalt und die Destabilisierung der Lage im Libanon seien die mit Syrien und dem Iran verbundenen Gruppen verantwortlich. Die Regierungen in Damaskus und Teheran müssten ihre Unterstützung für die Schiiten-Miliz einstellen. Nach Angaben des Weißen Hauses hofft US-Präsident George W. Bush auf ein Treffen mit Siniora bei einem Nahost-Gipfeltreffen kommende Woche in Ägypten.

(Quelle: dw)
 


 

USA rufen Israelis und Palästinenser zum neuen Dialog auf

Mo.12.05.08 - Die USA haben Israelis und Palästinenser zu einem neuen und zielstrebigeren Dialog für den Frieden aufgerufen. Andernfalls könnte die öffentliche Unterstützung für den in Annapolis angestoßenen Friedensprozess gänzlich ausgehöhlt werden, erklärte US-Außenministerin Condoleezza am Sonntagabend in Washington. Die Warnung erfolgte kurz vor der Reise von US-Präsident George W. Bush nach Israel, wo er an den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der israelischen Staatsgründung teilnehmen will.

Rice betonte allerdings, ihre Botschaft stehe in keinem direkten Zusammenhang mit dem Besuch von Bush in Jerusalem. Sie habe bei ihrer eigenen Nahost-Reise vor gut einer Woche bereits einen ähnlichen Appell an Israelis und Palästinenser gerichtet. Es sei einfach dringend erforderlich, den Impuls der Nahost-Konferenz vom vergangenen November noch aufrechtzuerhalten. Damals wurde in Annapolis bei Washington vereinbart, ein Friedensabkommen bis Ende dieses Jahres unter Dach und Fach zu bringen - also noch dem Ende von Bushs Amtszeit.

(Quelle: ap)
 


 

Sudan bricht Beziehungen zum Tschad ab

Mo.12.05.08 - Nach einem Rebellenvormarsch auf Khartum hat der Sudan die Beziehungen zum Tschad abgebrochen. Die sudanesische Regierung beschuldigte das Nachbarland, hinter der Offensive der Aufständischen aus der Krisenregion Darfur zu stecken. Hunderte Kämpfer der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) waren am Samstagabend in die Außenbezirke von Khartum eingedrungen. Die sudanesische Regierung erklärte, sie habe den Angriff zurückgeschlagen.

Mehr als 300 Rebellen seien am Sonntag in Omdurman, Khartums Schwesterstadt am anderen Nil-Ufer, festgenommen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur SUNA. Der Vormarsch auf die sudanesische Hauptstadt soll von JEM-Chef Chalil Ibrahim persönlich angeführt worden sein. Ibrahim verstecke sich in Omdurman, hieß es weiter. Das Fernsehen veröffentlichte ein Fahndungsfoto. Die Regierung setzte für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, eine Belohnung von 250 Millionen Sudanesische Pfund (71.500 Euro) aus.

Die sudanesische Regierung erklärte, man habe den Vormarsch der Rebellen aufhalten können. «Alles ist unter Kontrolle», versicherte Präsident Omar al Baschir am Sonntag in einer Fernsehansprache.

Die JEM ist eine der mächtigsten schwarzafrikanischen Rebellengruppen in Darfur. Seit 2003 kämpft sie dort gegen Soldaten der arabisch-dominierten Regierung sowie gegen arabische Reitermilizen, die der Regierung nahestehen. Den Kämpfen in Darfur sind Schätzungen zufolge schon mehr als 200.000 Menschen zum Opfer gefallen, 2,5 Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben.

Die sudanesische Regierung wirft dem Nachbarland Tschad vor, die JEM militärisch zu unterstützen. Rebellenführer Ibrahim sei «ein Agent des tschadischen Regimes», sagte Al Baschir am Sonntag. «Dies ist ein tschadischer Angriff», fügte er im Hinblick auf den Vorstoß der Rebellen hinzu.

Die tschadische Regierung wies die Anschuldigungen zurück. Kommunikationsminister Mahamat Hissene sagte der Nachrichtenagentur AP, er hoffe, dass die beiden Länder weiter «freundschaftliche und brüderliche Beziehungen» pflegen könnten.

Auch der Tschad wirft dem Sudan vor, Rebellen zu unterstützen, die gegen die Regierung in N'Djamena kämpfen. Die Präsidenten der beiden Nachbarländer vereinbarten im März, die Aktivitäten der Rebellen im Grenzgebiet zu unterbinden. Ungeachtet des Abkommens halten die gegenseitigen Vorwürfe unvermindert an.

(Quelle: ap)
 


 

Hunderte mutmaßliche Taliban in afghanischer Haft im Hungerstreik

Mo.12.05.08 - Mehr als 200 mutmaßliche Taliban sind im Gefängnis in Kandahar in Hungerstreik getreten, um ein faires Gerichtsverfahren zu erreichen. Die Häftlinge hätten seit etwa sechs Tagen keine Nahrung zu sich genommen, sagte Behördensprecher Bismillah Afghanmul am Sonntag. Er sei mit neun Männern zusammengetroffen, die sich den Mund zugeklebt hätten.

Die Verdächtigen fordern nach Angaben der Unabhängigen Menschenrechtskommission Afghanistans unter anderem, dass ihnen während der Ermittlungen Anwälte zur Seite gestellt werden. Einige Fälle seien noch nicht vor Gericht gekommen. Die Häftlinge beklagten der Kommission zufolge außerdem, dass sie gefoltert und ihre Häuser aufgrund fehlerhafter Geheimdienstangaben von ausländischen Truppen durchsucht worden seien.

Justizminister Mohammad Sarwar Danesch räumte ein, dass die Justiz «ein bisschen langsam» arbeite. Der Oberste Richter des Landes sei wegen des Falls bereits mit dem Gouverneur von Kandahar zusammengetroffen, außerdem werde sich eine Delegation des Obersten Gerichtshofs um eine Lösung bemühen.

(Quelle: ap)
 


 

Pakistanische Koalition möglicherweise vor dem Bruch - Keine Einigung über Plan für Wiedereinsetzung von Richtern

Mo.12.05.08 - In Pakistan droht ein Bruch des Regierungsbündnisses aus Gegnern von Präsident Pervez Musharraf. Die beiden Koalitionsparteien konnten sich bei Gesprächen am Wochenende in London nicht auf einen Plan für die Wiedereinsetzung der Verfassungsrichter einigen, die Musharraf Ende vergangenen Jahres abgesetzt hatte. Die Pakistanische Muslimliga (PML-N) des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif erklärte, sie werde noch am (heutigen) Montag über einen Verbleib in der Regierung mit der Pakistanischen Volkspartei (PPP) entscheiden.

Die Entlassung der Richter, die Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit von Musharrafs Wiederwahl als Präsident geäußert hatten, löste zu Jahresende wochenlange Proteste in Pakistan aus. Sharif, der 1999 von Musharraf gestürzt wurde, fordert eine sofortige Wiedereinsetzung der Richter, weil er sich davon mehr Druck auf Musharraf verspricht. Die PPP unter Führung von Asif Ali Zardari, dem Witwer der Ende Dezember ermordeten Benazir Bhutto, plädiert indessen für ein weniger hartes Vorgehen gegen den Präsidenten und will die Wiedereinsetzung der Richter mit einer generellen Justizreform verbinden.

Die beiden Parteien, die aus der Parlamentswahl vom 18. Februar als Sieger über die Anhänger Musharrafs hervorgingen, hatten sich für eine Einigung eine Frist bis zum (heutigen) Montag gesetzt. Sie verließen am Sonntag jedoch London, ohne eine Übereinkunft erzielt zu haben.

(Quelle: ap)
 


 

Mindestens sechs Tote bei Kämpfen in Kaschmir

Mo.12.05.08 - Bei Kämpfen zwischen der indischen Armee und mutmaßlichen islamischen Milizionären sind im indischen Teil von Kaschmir am Sonntag mindestens sechs Menschen getötet worden. Unter den Opfern sind nach indischen Militärangaben zwei Zivilpersonen und ein Fotoreporter. Außerdem wurden ein indischer Soldat und zwei Milizionäre getötet.

Bei dem ersten Zusammenstoß stießen indische Soldaten auf eine Gruppe von Bewaffneten, die offenbar über die pakistanische Grenze eingedrungen waren, wie die Streitkräfte meldeten. Die Bewaffneten hätten das Feuer eröffnet und ein Haus getroffen, in dem zwei Zivilpersonen getötet worden seien. Während des Gefechts sei auch ein Fotograf der englischsprachigen Lokalzeitung «Daily Excelsior» tödlich verwundet worden.

(Quelle: ap)
 


 

Oxfam fürchtet um das Leben von 1,5 Millionen Birmanern

Mo.12.05.08 - Der akute Mangel an Trinkwasser und fehlende Hygiene nach dem Zyklon «Nargis» gefährden nach Einschätzung der Hilfsorganisation Oxfam das Leben von bis zu 1,5 Millionen Menschen in Birma. Es drohe eine Choleraepidemie. Das Technische Hilfswerk (THW) hält das Ausmaß der Zerstörung für weitaus schlimmer als nach dem Tsunami im Dezember 2004. Deutschland und Thailand forderten die Militärregierung auf, schnell ausländische Helfer einreisen zu lassen.

Es seien «alle Faktoren» für eine Folgekatastrophe gegeben, warnte die Regionaldirektorin von Oxfam, Sarah Ireland, am Sonntag in Thailand. «Es ist lebensnotwendig, dass die Leute Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen erhalten», sagte Ireland. UNICEF zufolge sind in einigen Gebieten bis zu 20 Prozent der Kinder an Durchfall erkrankt.

Das Hilfswerk World Vision sprach von einem «Wettlauf gegen die Zeit». Die bisher in Birma eingetroffene Unterstützung sei nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Nach Angaben der Vereinten Nationen erreichten am Sonntag weitere Hilfsgüter die Überlebenden des Sturms, nachdem Straßen von Trümmern und umgestürzten Bäumen geräumt wurden. Rotes Kreuz und Roter Halbmond berichteten, drei ihrer Flugzeuge hätten 14 Tonnen Hilfsgüter nach Birma gebracht. Am Montag sollten weitere Maschinen mit 20 Tonnen Material landen, darunter Benzinkanister und Moskitonetze.

Nach wie vor lässt die Junta aber nur vereinzelt katastrophenerprobte ausländische Experten einreisen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) beantragte Visa für 16 Mitarbeiter, nur eines wurde genehmigt. World Vision erging es nach eigenen Angaben ähnlich: Von 20 Einreiseanträgen kamen lediglich zwei durch.

UN-Schätzungen zufolge sind zwei Millionen Menschen unmittelbar von den Folgen des verheerenden Wirbelsturms betroffen, der am Samstag vor einer Woche über Birma hinweggerast war. Viele Überlebende warten seitdem verzweifelt auf Hilfe. Leichen und Tierkadaver treiben im Wasser, das dadurch verseucht ist, wie Oxfam-Direktorin Ireland sagte. Stehendes Wasser sei außerdem eine ideale Brutstätte für Moskitos, die dann wiederum Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber übertragen könnten.

Die WHO stufte das Gesundheitssystem Birmas im Jahr 2000 als das zweitschlechteste weltweit ein. Nach Angaben eines im vergangenen Jahr veröffentlichten Berichts investiert die Junta nur rund drei Prozent des jährlichen Budgets in das Gesundheitssystems, während 40 Prozent Ausgaben dem Militär zugute kommen.

Die birmanische Regierung beharrt nach wie vor darauf, die Hilfsgüter weitgehend selbst zu verteilen. Es gab Berichte, dass auf die Kisten die Namen führender Generäle geschrieben wurden - ein offenkundiger Versuch, aus der internationalen Unterstützung propagandistisches Kapital zu schlagen.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach am Sonntag telefonisch mit seinem thailändischen Amtskollegen Nopadol Pattama über die kritische Lage in Birma. Internationale Hilfe sei dringlich und dulde keinen Aufschub mehr, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin danach.

Die Behörden in Birma sprechen inzwischen von mehr als 28.400 Toten. Das sind rund 5.000 mehr als bislang angegeben. 33.400 Menschen würden noch vermisst, berichtete das staatliche Fernsehen am Sonntag.

Einen herben Rückschlag erlitten die allmählich anlaufenden Hilfslieferungen am Sonntag: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und Roten Halbmond (IKRK) teilte mit, ein Boot mit Hilfsgütern für 1.000 Menschen an Bord sei auf dem Weg von Rangun ins Irrawaddy-Delta mit einem Baumstamm zusammengestoßen und gesunken. Die Besatzung habe sich retten können.

(Quelle: ap)
 


 

Iran beharrt auf Urananreicherung

Mo.12.05.08 - Der Iran hat im Streit über sein Atomprogramm erneut einen Verzicht auf die Anreicherung von Uran abgelehnt. Jedes Verhandlungsangebot der internationalen Gemeinschaft, das eine solche Bedingung stelle, werde gar nicht erst in Erwägung gezogen, erklärte das Außenministerium in Teheran am Sonntag. Die Urananreicherung sei ein «unbestreitbares Recht» des Irans, das kein Anreizpaket aufwiege, sagte Sprecher Mohammad Ali Hosseini.

Die USA und andere Staaten einigten sich vergangene Woche darauf, dem Iran ein neues Angebot zu unterbreiten. Der Sicherheitsrat hat gegen Teheran wegen des umstrittenen Atomprogramms bereits drei Mal Sanktionen verhängt. Der Westen befürchtet, dass die Regierung ihr Atomprogramm nicht nur zu friedlichen Zwecken und zur Stromgewinnung betreibt, sondern längerfristig nach Atomwaffen strebt. Der Iran hat dies zurückgewiesen.

(Quelle: ap)
 


 

Sensation in Serbien: Pro-Europäer gewinnen Wahl

Mo.12.05.08 - Das Pro-Europa-Lager in Serbien hat entgegen allen Vorhersagen die vorgezogenen Parlamentswahlen gewonnen. Der von Staatsoberhaupt Boris Tadic angeführte Europa-Block habe rund 39 Prozent der Stimmen erzielt.

Das berichtete die Wahlforschungsgruppe Cesid am Sonntagabend in Belgrad. Demgegenüber haben die ultranationalistischen Radikalen (SRS) mit rund 29 Prozent eine herbe Niederlage erlitten. Alle Meinungsumfragen und Analysen hatten das gegenteilige Ergebnis vorhergesagt.

Während sich die Demokraten (DS) von Tadic zum Wahlsieger erklärten, erkannten die Radikalen ihre Niederlage an. «Serbien hat unmissverständlich für den europäischen Weg gestimmt», sagte der Staatspräsident vor jubelnden Anhängern in Belgrad. Dritter wurde laut Cesid die DSS-Partei von Regierungschef Vojislav Kostunica, die ebenfalls dem Anti-Europa-Lager zugerechnet wird. Sie erreichte rund 12 Prozent.

Auf dem vierten Platz landeten mit rund acht Prozent die Sozialisten (SPS) des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Den fünften Platz belegen die reformistischen Liberaldemokraten (LDP), die knapp die Fünf-Prozent-Hürde übersprangen. Die Tadic-DS könnte nach diesen Angaben gemeinsam mit der LDP und den Vertretern der nationalen Minderheiten im neuen Parlament auf eine hauchdünne Mehrheit von 126 der 250 Sitze kommen.

«Sieg, Sieg», skandierten die vor allem jungen Tadic-Anhänger vor der DS-Parteizentrale im Zentrum Belgrads. Tadic versprach, die neue Regierung werde den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität und die Korruption aufnehmen. Daneben werde sie die noch gesuchten vier Serben ausliefern, die vom UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagt und seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten flüchtig sind. «Da gibt es kein Dilemma», sagte Tadic. Er werde sich für eine «schnelle Regierungsbildung» einsetzen, jedoch stünden «schwierige Verhandlungen» bevor.

(Quelle: dpa)
 


 

Deutschland

Wirtschaftsverbände fordern Entlastungen bei Steuern und Abgaben

Mo.12.05.08 - Die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft fordern die Bundesregierung zu spürbaren Entlastungen der Bürger bei Steuern und Abgaben auf. In einer am Sonntag in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Erklärung verlangen die Präsidenten der Verbände, Jürgen Thumann, (Bundesverband der Deutschen Industrie), Dieter Hundt, (Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände), Ludwig Georg Braun, (Deutscher Industrie- und Handelskammertag), und Otto Kentzler (Zentralverband des Deutschen Handwerks): «Die Früchte des Aufschwungs müssen bei jenen ankommen, die sie erarbeitet haben. Wir fordern, dass von dem, was die Arbeitgeber zahlen, mehr netto in den Taschen der Arbeitnehmer ankommt.«

Vor allem die Leistungsträger aus der Mittelschicht dürften nicht durch einen überzogenen Zugriff des Staates immer stärker zur Kasse gebeten werden, kritisieren die Chefs der Verbände. Bislang sei der Staat der große Gewinner des Aufschwungs. Von 2004 bis 2007 habe der Staat 91 Milliarden Euro mehr an Steuern eingenommen. Im gleichen Zeitraum hätten die Arbeitnehmer - trotz deutlicher Lohnzuwächse - am Ende netto nur ein Plus von gut 18 Milliarden Euro. »Die Differenz von 73 Milliarden Euro zeigt das krasse Missverhältnis.«

Die Bundesregierung müsse mit einer Verringerung der Steuer- und Abgabenlast dafür sorgen, dass die Menschen sich vom Staat wieder angemessen behandelt fühlen, heißt es in der Erklärung weiter. Neue Schulden seien dafür nicht nötig, wenn der Staat sparsam wirtschafte. »Laut jüngster Steuerschätzung werden im Zeitraum von 2008 bis 2012 weitere Mehreinnahmen von 107 Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen fließen." Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sei richtig. Sie dürfe aber nicht als Ausrede benutzt werden, notwendige Korrekturen bei Steuern und Abgaben auf die lange Bank zu schieben.

(Quelle: ddp)
 


 

Wulff will Wirtschaftsprofil der Union stärken

Mo.12.05.08 - Einen Monat nach seinem Verzicht auf das Amt des CDU-Landesvorsitzenden in Niedersachsen drängt Ministerpräsident Christian Wulff verstärkt in die Bundespolitik. Er wolle "eine Stimme sein, die die wirtschaftliche Standortbedingungen unseres Landes und seine Herausforderungen klar beschreibt", sagte er der "Welt am Sonntag". Für dieses Engagement könne er "etwas vorweisen, das mich qualifiziert": Er habe eine CDU/FDP-Regierung im Rücken, eine klare Mehrheit im Land und fünfjährige Regierungserfahrung. "Ob diese Erfahrung dann gewollt ist und genutzt wird, ist eine andere Frage."

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende riet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), im Bundestagswahlkampf stärker als bislang auf ein Team zu setzen. Innenpolitisch seien die Themen Arbeitsmarktreform, Rentenreform, Gesundheitsreform, Föderalismusreform und andere nicht von einem Menschen allein zu besetzen, sagte er weiter. "Da sind wir in der Unionsspitze schlicht verpflichtet, uns mehr in Haftung nehmen zu lassen." Die Unionsspitze könne Merkel "das Leben auch erleichtern", indem sie Positionen beziehe, die sie als Moderatorin in der großen Koalition so nicht beziehen könne.

(Quelle: afp)
 


 

Wirtschaftsminister und Umweltminister streiten weiter über Energieförderung

Mo.12.05.08 - Zwischen Bundesumwelt- und Wirtschaftsministerium gibt es neuen Streit über die richtige Energiepolitik.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte seinen für Umwelt zuständigen Kollegen Sigmar Gabriel nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" auf, seine Pläne für eine verstärkte Förderung von Strom aus Windenergie aufzugeben. Die von Gabriel angekündigte Erhöhung des garantierten Abnahmepreises für Windstrom sei verfrüht, zitiert das Blatt aus einem Brief des Wirtschaftsministers an Gabriel.

"Angesichts der gestiegenen Strompreise und insgesamt höherer Energiepreise halte ich dies für die falsche Richtung", schrieb Glos. Das Ministerium errechnete bei einer 20-jährigen Förderungsdauer ein zusätzliches Vergütungsvolumen von 5,3 Milliarden Euro. Die garantierten Abnahmepreise, die über dem Marktpreis für konventionellen Strom liegen, werden durch eine Umlage auf alle Verbraucher bezahlt.

Gabriel hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Vergütung für an Land gewonnene Windenergie pro Kilowattstunde ab 2009 auf 9,1 Cent anzuheben. Dies sind 1,2 Cent mehr als der SPD-Politiker in seinem Gesetzentwurf für die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehen hatte. Der Umweltminister will mit diesem Schritt die Erreichung der Klimaziele sicherstellen, nachdem der dazu ursprünglich auch vorgesehene Ausbau des Biosprit-Anteils wegen Motor-Problemen bei den Autos gestoppt worden war.

Die große Koalition liegt bereits wegen unterschiedlicher Vorstellungen zur Förderung von Solarenenergie im Streit. Die Union will die Förderung für Sonnenenergie weitaus stärker einschränken, als dies die SPD befürwortet.

(Quelle: rtr)
 


 

Industrie und Behörden bei grüner Gentechnik gut vernetzt

Mo.12.05.08 - Die Verbindungen zwischen den staatlichen Stellen, die gentechnisch veränderte Pflanzen zulassen, und der Industrie sind einer Studie zufolge enger als bisher bekannt. Die Studie haben Christoph Then und Antje Lorch im Auftrag der Grünen- Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken erarbeitet, wie der «Tagesspiegel am Sonntag» berichtet. Then hat 2007 die Firma Scouting Biotech gegründet, nachdem er als Gentechnik-Experte bei Greenpeace aufhörte. Antje Lorch bereibt eine ähnliche Firma in den Niederlanden.

«Die enge Verflechtung zwischen Agroindustrie und Behörden macht die staatliche Risikobewertung unglaubwürdigt und erschüttert das Vertrauen in die Demokratie", sagte Höfken.

Then und Lorch haben dem Bericht zufolge ein «Who ist Who» der Gentech-Lobby vorgelegt. Die Studie lege den Schluss nahe, dass der krasse Fall von Jochen Schiemann von der Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft kein Einzelfall war. Schiemann hatte 2005 Forschungsmittel für die Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen beantragt, war aber gleichzeitig auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene an der Bewertung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Zulassungsverfahren beteiligt. Die damalige Agrarministerin Renate Künast (Grüne) lehnte den Antrag mit dieser Begründung ab.

(Quelle: ddp)
 
 
 
 

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