+++ Mo.12.05.08, 06:30
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Irak 1511 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Türkei bombardiert PKK-Stellungen im Nordirak. Vier Tote bei
Militäreinsatz in Mossul
Mo.12.05.08 - Türkische Kampfflugzeuge haben im Nordirak Stellungen von Rebellen
der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bombardiert. Die
"intensiven" Bombenangriffe in der Region Awasin-Basjan am Samstagabend
hätten sich gegen Kämpfer gerichtet, die am Freitag an einem
tödlichen Angriff auf einen türkischen Militärposten in
der Grenzregion Hakkari beteiligt waren, teilte das Militär in
einer Erklärung mit. Wie viele PKK-Mitglieder bei dem Angriff
getötet wurden, war zunächst unklar.
Die türkische Armee greift seit Dezember vergangenen Jahres
regelmäßig Stellungen der PKK im Nordirak an. Die PKK wird
nicht nur von der Türkei, sondern auch von der EU und den USA als
terroristische Gruppe eingestuft. Im gewaltsamen Kampf der PKK für
eine Unabhängigkeit von der Türkei starben seit 1984
mindestens 37.000 Menschen.
Bei einem Einsatz gegen mutmaßliche El-Kaida- Terroristen in der
nordirakischen Stadt Mossul sind nach Angaben des US-Militärs vier
Menschen getötet worden, darunter eine Frau und ein Kind. Wie ein
Sprecher des US-Militärs mitteilte, hatten Soldaten am Samstag das
Feuer auf ein Fahrzeug mit Terror- Verdächtigen eröffnet,
nachdem diese nicht zur Kontrolle gestoppt und auch nicht auf
Warnschüsse reagiert hätten. Die Frau und das Kind befanden
sich den Angaben zufolge zusammen mit zwei bewaffneten Kämpfern.
boa (Quellen: afp, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 12.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsiebenundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.12.05.07 - Irakische Regierung wirbt in Washington um Unterstützung +++ Sunniten
töten offenbar irakische Polizisten und Soldaten +++ Weiterer
US-Soldat im Irak ums Leben gekommen +++ Reporter ohne Grenzen hilft
Familien getöteter Journalisten im Irak...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705120.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Hisbollah zieht sich in Beirut zurück - Mindestens 17 Tote bei
Kämpfen im Norden des Libanons. USA und EU unterstützen
libanesische Regierung
Mo.12.05.08 - Die Lage in Beirut hat sich nach dem Rückzug der Hisbollah
beruhigt - im Norden des Libanon wird aber heftig gekämpft. Der
Regierungschef spricht von Putsch-Versuchen.
Nach dem Rückzug der schiitischen Hisbollah-Miliz hat sich am
Sonntag die Lage in der libanesischen Hauptstadt Beirut nach
mehrtägigen bürgerkriegsähnlichen Kämpfen
weitgehend beruhigt. Dagegen wurden aus dem Norden und Osten schwere
Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern der prowestlichen
Regierung gemeldet.
Bei den schweren Kämpfen im Norden des Libanons sind seit
Samstagabend mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen. 20 weitere
wurden verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen konzentrierten
sich die Gefechte in der Nacht zum Sonntag auf zwei Stadtteile in der
nördlichen Hafenstadt Tripoli. Schwerbewaffnete Kämpfer
hätten sich dort Straßenkämpfe geliefert. Tausende
Bewohner seien geflohen. Erst als die libanesische Armee am
Sonntagmorgen in die Stadtviertel einrückte, ließen die
Kämpfe nach.
In Beirut waren am Sonntag zunächst noch zahlreiche Straßen
geschlossen, darunter auch der Zubringer zum Flughafen. Die
Straßenblockaden sind Teil der Kampagne des "zivilen
Ungehorsames", mit der die schiitische Hisbollah-Miliz die
Erfüllung ihrer Forderungen durchsetzen will. Am Sonntagmittag
gedachte die libanesische Regierung von Ministerpräsident Fuad
Siniora in einer Schweigeminute der weit mehr als 40 Opfer, die bei den
Auseinandersetzungen der vergangenen fünf Tage ums Leben kamen.
Die Hisbollah hatte am Samstag ihren Rückzug aus den zuvor von
sunnitischen Gruppen eroberten Stellungen in Beirut angekündigt,
nachdem die Armee die verfeindeten Milizen zum Rückzug und die
Soldaten zur Wiederherstellung der Ordnung aufgefordert hatte. Das
Militär hatte der Hisbollah zwei wichtige Zugeständnisse
angeboten: Der Leiter des Sicherheitsdienstes auf dem Flughafen, der
von der Regierung wegen seiner Verbindungen zur Hisbollah entlassen
worden war, darf seinen Posten behalten. Und mit dem von der Regierung
verbotenen umstrittenen privaten Telekommunikationsnetz der Hisbollah
soll sich nun das Fernmeldekorps der Armee befassen.
Der prowestliche Regierungschef Siniora hatte der Hisbollah zuvor einen
bewaffneten Putsch gegen die Demokratie vorgeworfen. Die Regierung
könne nicht länger akzeptieren, dass die Organisation Waffen
besitze, sagte Siniora in einer Ansprache, in der er die Armee aufrief,
Recht und Ordnung wiederherzustellen.
Die USA und die Europäische Union verurteilten den Gewaltausbruch
im Libanon scharf und unterstrichen ihre Unterstützung für
die Regierung Siniora. Die US-Regierung erklärte, für die
Gewalt und die Destabilisierung der Lage im Libanon seien die mit
Syrien und dem Iran verbundenen Gruppen verantwortlich. Die Regierungen
in Damaskus und Teheran müssten ihre Unterstützung für
die Schiiten-Miliz einstellen. Nach Angaben des Weißen Hauses
hofft US-Präsident George W. Bush auf ein Treffen mit Siniora bei
einem Nahost-Gipfeltreffen kommende Woche in Ägypten.
(Quelle: dw)
USA rufen Israelis und Palästinenser zum neuen Dialog auf
Mo.12.05.08 - Die USA haben Israelis und Palästinenser zu einem neuen und
zielstrebigeren Dialog für den Frieden aufgerufen. Andernfalls
könnte die öffentliche Unterstützung für den in
Annapolis angestoßenen Friedensprozess gänzlich
ausgehöhlt werden, erklärte US-Außenministerin
Condoleezza am Sonntagabend in Washington. Die Warnung erfolgte kurz
vor der Reise von US-Präsident George W. Bush nach Israel, wo er
an den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der israelischen
Staatsgründung teilnehmen will.
Rice betonte allerdings, ihre Botschaft stehe in keinem direkten
Zusammenhang mit dem Besuch von Bush in Jerusalem. Sie habe bei ihrer
eigenen Nahost-Reise vor gut einer Woche bereits einen ähnlichen
Appell an Israelis und Palästinenser gerichtet. Es sei einfach
dringend erforderlich, den Impuls der Nahost-Konferenz vom vergangenen
November noch aufrechtzuerhalten. Damals wurde in Annapolis bei
Washington vereinbart, ein Friedensabkommen bis Ende dieses Jahres
unter Dach und Fach zu bringen - also noch dem Ende von Bushs Amtszeit.
(Quelle: ap)
Sudan bricht Beziehungen zum Tschad ab
Mo.12.05.08 - Nach einem Rebellenvormarsch auf Khartum hat der Sudan die Beziehungen
zum Tschad abgebrochen. Die sudanesische Regierung beschuldigte das
Nachbarland, hinter der Offensive der Aufständischen aus der
Krisenregion Darfur zu stecken. Hunderte Kämpfer der Bewegung
für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM) waren am Samstagabend in
die Außenbezirke von Khartum eingedrungen. Die sudanesische
Regierung erklärte, sie habe den Angriff zurückgeschlagen.
Mehr als 300 Rebellen seien am Sonntag in Omdurman, Khartums
Schwesterstadt am anderen Nil-Ufer, festgenommen worden, meldete die
amtliche Nachrichtenagentur SUNA. Der Vormarsch auf die sudanesische
Hauptstadt soll von JEM-Chef Chalil Ibrahim persönlich
angeführt worden sein. Ibrahim verstecke sich in Omdurman,
hieß es weiter. Das Fernsehen veröffentlichte ein
Fahndungsfoto. Die Regierung setzte für Hinweise, die zu seiner
Ergreifung führen, eine Belohnung von 250 Millionen Sudanesische
Pfund (71.500 Euro) aus.
Die sudanesische Regierung erklärte, man habe den Vormarsch der
Rebellen aufhalten können. «Alles ist unter
Kontrolle», versicherte Präsident Omar al Baschir am Sonntag
in einer Fernsehansprache.
Die JEM ist eine der mächtigsten schwarzafrikanischen
Rebellengruppen in Darfur. Seit 2003 kämpft sie dort gegen
Soldaten der arabisch-dominierten Regierung sowie gegen arabische
Reitermilizen, die der Regierung nahestehen. Den Kämpfen in Darfur
sind Schätzungen zufolge schon mehr als 200.000 Menschen zum Opfer
gefallen, 2,5 Millionen wurden aus ihren Dörfern vertrieben.
Die sudanesische Regierung wirft dem Nachbarland Tschad vor, die JEM
militärisch zu unterstützen. Rebellenführer Ibrahim sei
«ein Agent des tschadischen Regimes», sagte Al Baschir am
Sonntag. «Dies ist ein tschadischer Angriff», fügte er
im Hinblick auf den Vorstoß der Rebellen hinzu.
Die tschadische Regierung wies die Anschuldigungen zurück.
Kommunikationsminister Mahamat Hissene sagte der Nachrichtenagentur AP,
er hoffe, dass die beiden Länder weiter «freundschaftliche
und brüderliche Beziehungen» pflegen könnten.
Auch der Tschad wirft dem Sudan vor, Rebellen zu unterstützen, die
gegen die Regierung in N'Djamena kämpfen. Die Präsidenten der
beiden Nachbarländer vereinbarten im März, die
Aktivitäten der Rebellen im Grenzgebiet zu unterbinden. Ungeachtet
des Abkommens halten die gegenseitigen Vorwürfe unvermindert an.
(Quelle: ap)
Hunderte mutmaßliche Taliban in afghanischer Haft im Hungerstreik
Mo.12.05.08 - Mehr als 200 mutmaßliche Taliban sind im Gefängnis in
Kandahar in Hungerstreik getreten, um ein faires Gerichtsverfahren zu
erreichen. Die Häftlinge hätten seit etwa sechs Tagen keine
Nahrung zu sich genommen, sagte Behördensprecher Bismillah
Afghanmul am Sonntag. Er sei mit neun Männern zusammengetroffen,
die sich den Mund zugeklebt hätten.
Die Verdächtigen fordern nach Angaben der Unabhängigen
Menschenrechtskommission Afghanistans unter anderem, dass ihnen
während der Ermittlungen Anwälte zur Seite gestellt werden.
Einige Fälle seien noch nicht vor Gericht gekommen. Die
Häftlinge beklagten der Kommission zufolge außerdem, dass
sie gefoltert und ihre Häuser aufgrund fehlerhafter
Geheimdienstangaben von ausländischen Truppen durchsucht worden
seien.
Justizminister Mohammad Sarwar Danesch räumte ein, dass die Justiz
«ein bisschen langsam» arbeite. Der Oberste Richter des
Landes sei wegen des Falls bereits mit dem Gouverneur von Kandahar
zusammengetroffen, außerdem werde sich eine Delegation des
Obersten Gerichtshofs um eine Lösung bemühen.
(Quelle: ap)
Pakistanische Koalition möglicherweise vor dem Bruch - Keine
Einigung über Plan für Wiedereinsetzung von Richtern
Mo.12.05.08 - In Pakistan droht ein Bruch des Regierungsbündnisses aus Gegnern
von Präsident Pervez Musharraf. Die beiden Koalitionsparteien
konnten sich bei Gesprächen am Wochenende in London nicht auf
einen Plan für die Wiedereinsetzung der Verfassungsrichter
einigen, die Musharraf Ende vergangenen Jahres abgesetzt hatte. Die
Pakistanische Muslimliga (PML-N) des ehemaligen
Ministerpräsidenten Nawaz Sharif erklärte, sie werde noch am
(heutigen) Montag über einen Verbleib in der Regierung mit der
Pakistanischen Volkspartei (PPP) entscheiden.
Die Entlassung der Richter, die Zweifel an der
Verfassungsmäßigkeit von Musharrafs Wiederwahl als
Präsident geäußert hatten, löste zu Jahresende
wochenlange Proteste in Pakistan aus. Sharif, der 1999 von Musharraf
gestürzt wurde, fordert eine sofortige Wiedereinsetzung der
Richter, weil er sich davon mehr Druck auf Musharraf verspricht. Die
PPP unter Führung von Asif Ali Zardari, dem Witwer der Ende
Dezember ermordeten Benazir Bhutto, plädiert indessen für ein
weniger hartes Vorgehen gegen den Präsidenten und will die
Wiedereinsetzung der Richter mit einer generellen Justizreform
verbinden.
Die beiden Parteien, die aus der Parlamentswahl vom 18. Februar als
Sieger über die Anhänger Musharrafs hervorgingen, hatten sich
für eine Einigung eine Frist bis zum (heutigen) Montag gesetzt.
Sie verließen am Sonntag jedoch London, ohne eine
Übereinkunft erzielt zu haben.
(Quelle: ap)
Mindestens sechs Tote bei Kämpfen in Kaschmir
Mo.12.05.08 - Bei Kämpfen zwischen der indischen Armee und mutmaßlichen
islamischen Milizionären sind im indischen Teil von Kaschmir am
Sonntag mindestens sechs Menschen getötet worden. Unter den Opfern
sind nach indischen Militärangaben zwei Zivilpersonen und ein
Fotoreporter. Außerdem wurden ein indischer Soldat und zwei
Milizionäre getötet.
Bei dem ersten Zusammenstoß stießen indische Soldaten auf
eine Gruppe von Bewaffneten, die offenbar über die pakistanische
Grenze eingedrungen waren, wie die Streitkräfte meldeten. Die
Bewaffneten hätten das Feuer eröffnet und ein Haus getroffen,
in dem zwei Zivilpersonen getötet worden seien. Während des
Gefechts sei auch ein Fotograf der englischsprachigen Lokalzeitung
«Daily Excelsior» tödlich verwundet worden.
(Quelle: ap)
Oxfam fürchtet um das Leben von 1,5 Millionen Birmanern
Mo.12.05.08 - Der akute Mangel an Trinkwasser und fehlende Hygiene nach dem Zyklon
«Nargis» gefährden nach Einschätzung der
Hilfsorganisation Oxfam das Leben von bis zu 1,5 Millionen Menschen in
Birma. Es drohe eine Choleraepidemie. Das Technische Hilfswerk (THW)
hält das Ausmaß der Zerstörung für weitaus
schlimmer als nach dem Tsunami im Dezember 2004. Deutschland und
Thailand forderten die Militärregierung auf, schnell
ausländische Helfer einreisen zu lassen.
Es seien «alle Faktoren» für eine Folgekatastrophe
gegeben, warnte die Regionaldirektorin von Oxfam, Sarah Ireland, am
Sonntag in Thailand. «Es ist lebensnotwendig, dass die Leute
Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen erhalten»,
sagte Ireland. UNICEF zufolge sind in einigen Gebieten bis zu 20
Prozent der Kinder an Durchfall erkrankt.
Das Hilfswerk World Vision sprach von einem «Wettlauf gegen die
Zeit». Die bisher in Birma eingetroffene Unterstützung sei
nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Nach Angaben der Vereinten Nationen erreichten am Sonntag weitere
Hilfsgüter die Überlebenden des Sturms, nachdem Straßen
von Trümmern und umgestürzten Bäumen geräumt
wurden. Rotes Kreuz und Roter Halbmond berichteten, drei ihrer
Flugzeuge hätten 14 Tonnen Hilfsgüter nach Birma gebracht. Am
Montag sollten weitere Maschinen mit 20 Tonnen Material landen,
darunter Benzinkanister und Moskitonetze.
Nach wie vor lässt die Junta aber nur vereinzelt
katastrophenerprobte ausländische Experten einreisen. Das
Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) beantragte
Visa für 16 Mitarbeiter, nur eines wurde genehmigt. World Vision
erging es nach eigenen Angaben ähnlich: Von 20
Einreiseanträgen kamen lediglich zwei durch.
UN-Schätzungen zufolge sind zwei Millionen Menschen unmittelbar
von den Folgen des verheerenden Wirbelsturms betroffen, der am Samstag
vor einer Woche über Birma hinweggerast war. Viele
Überlebende warten seitdem verzweifelt auf Hilfe. Leichen und
Tierkadaver treiben im Wasser, das dadurch verseucht ist, wie
Oxfam-Direktorin Ireland sagte. Stehendes Wasser sei außerdem
eine ideale Brutstätte für Moskitos, die dann wiederum
Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber übertragen könnten.
Die WHO stufte das Gesundheitssystem Birmas im Jahr 2000 als das
zweitschlechteste weltweit ein. Nach Angaben eines im vergangenen Jahr
veröffentlichten Berichts investiert die Junta nur rund drei
Prozent des jährlichen Budgets in das Gesundheitssystems,
während 40 Prozent Ausgaben dem Militär zugute kommen.
Die birmanische Regierung beharrt nach wie vor darauf, die
Hilfsgüter weitgehend selbst zu verteilen. Es gab Berichte, dass
auf die Kisten die Namen führender Generäle geschrieben
wurden - ein offenkundiger Versuch, aus der internationalen
Unterstützung propagandistisches Kapital zu schlagen.
Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach am
Sonntag telefonisch mit seinem thailändischen Amtskollegen Nopadol
Pattama über die kritische Lage in Birma. Internationale Hilfe sei
dringlich und dulde keinen Aufschub mehr, erklärte das
Auswärtige Amt in Berlin danach.
Die Behörden in Birma sprechen inzwischen von mehr als 28.400
Toten. Das sind rund 5.000 mehr als bislang angegeben. 33.400 Menschen
würden noch vermisst, berichtete das staatliche Fernsehen am
Sonntag.
Einen herben Rückschlag erlitten die allmählich anlaufenden
Hilfslieferungen am Sonntag: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
und Roten Halbmond (IKRK) teilte mit, ein Boot mit Hilfsgütern
für 1.000 Menschen an Bord sei auf dem Weg von Rangun ins
Irrawaddy-Delta mit einem Baumstamm zusammengestoßen und
gesunken. Die Besatzung habe sich retten können.
(Quelle: ap)
Iran beharrt auf Urananreicherung
Mo.12.05.08 - Der Iran hat im Streit über sein Atomprogramm erneut einen
Verzicht auf die Anreicherung von Uran abgelehnt. Jedes
Verhandlungsangebot der internationalen Gemeinschaft, das eine solche
Bedingung stelle, werde gar nicht erst in Erwägung gezogen,
erklärte das Außenministerium in Teheran am Sonntag. Die
Urananreicherung sei ein «unbestreitbares Recht» des Irans,
das kein Anreizpaket aufwiege, sagte Sprecher Mohammad Ali Hosseini.
Die USA und andere Staaten einigten sich vergangene Woche darauf, dem
Iran ein neues Angebot zu unterbreiten. Der Sicherheitsrat hat gegen
Teheran wegen des umstrittenen Atomprogramms bereits drei Mal
Sanktionen verhängt. Der Westen befürchtet, dass die
Regierung ihr Atomprogramm nicht nur zu friedlichen Zwecken und zur
Stromgewinnung betreibt, sondern längerfristig nach Atomwaffen
strebt. Der Iran hat dies zurückgewiesen.
(Quelle: ap)
Sensation in Serbien: Pro-Europäer gewinnen Wahl
Mo.12.05.08 - Das Pro-Europa-Lager in Serbien hat entgegen allen Vorhersagen die
vorgezogenen Parlamentswahlen gewonnen. Der von Staatsoberhaupt Boris
Tadic angeführte Europa-Block habe rund 39 Prozent der Stimmen
erzielt.
Das berichtete die Wahlforschungsgruppe Cesid am Sonntagabend in
Belgrad. Demgegenüber haben die ultranationalistischen Radikalen
(SRS) mit rund 29 Prozent eine herbe Niederlage erlitten. Alle
Meinungsumfragen und Analysen hatten das gegenteilige Ergebnis
vorhergesagt.
Während sich die Demokraten (DS) von Tadic zum Wahlsieger
erklärten, erkannten die Radikalen ihre Niederlage an.
«Serbien hat unmissverständlich für den
europäischen Weg gestimmt», sagte der Staatspräsident
vor jubelnden Anhängern in Belgrad. Dritter wurde laut Cesid die
DSS-Partei von Regierungschef Vojislav Kostunica, die ebenfalls dem
Anti-Europa-Lager zugerechnet wird. Sie erreichte rund 12 Prozent.
Auf dem vierten Platz landeten mit rund acht Prozent die Sozialisten
(SPS) des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan
Milosevic. Den fünften Platz belegen die reformistischen
Liberaldemokraten (LDP), die knapp die Fünf-Prozent-Hürde
übersprangen. Die Tadic-DS könnte nach diesen Angaben
gemeinsam mit der LDP und den Vertretern der nationalen Minderheiten im
neuen Parlament auf eine hauchdünne Mehrheit von 126 der 250 Sitze
kommen.
«Sieg, Sieg», skandierten die vor allem jungen
Tadic-Anhänger vor der DS-Parteizentrale im Zentrum Belgrads.
Tadic versprach, die neue Regierung werde den Kampf gegen die
Organisierte Kriminalität und die Korruption aufnehmen. Daneben
werde sie die noch gesuchten vier Serben ausliefern, die vom
UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagt und seit mehr als eineinhalb
Jahrzehnten flüchtig sind. «Da gibt es kein Dilemma»,
sagte Tadic. Er werde sich für eine «schnelle
Regierungsbildung» einsetzen, jedoch stünden
«schwierige Verhandlungen» bevor.
(Quelle: dpa)
Deutschland
Wirtschaftsverbände fordern Entlastungen bei Steuern und Abgaben
Mo.12.05.08 - Die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft fordern die
Bundesregierung zu spürbaren Entlastungen der Bürger bei
Steuern und Abgaben auf. In einer am Sonntag in Berlin
veröffentlichten gemeinsamen Erklärung verlangen die
Präsidenten der Verbände, Jürgen Thumann, (Bundesverband
der Deutschen Industrie), Dieter Hundt, (Bundesverband der Deutschen
Arbeitgeberverbände), Ludwig Georg Braun, (Deutscher Industrie-
und Handelskammertag), und Otto Kentzler (Zentralverband des Deutschen
Handwerks): «Die Früchte des Aufschwungs müssen bei
jenen ankommen, die sie erarbeitet haben. Wir fordern, dass von dem,
was die Arbeitgeber zahlen, mehr netto in den Taschen der Arbeitnehmer
ankommt.«
Vor allem die Leistungsträger aus der Mittelschicht dürften
nicht durch einen überzogenen Zugriff des Staates immer
stärker zur Kasse gebeten werden, kritisieren die Chefs der
Verbände. Bislang sei der Staat der große Gewinner des
Aufschwungs. Von 2004 bis 2007 habe der Staat 91 Milliarden Euro mehr
an Steuern eingenommen. Im gleichen Zeitraum hätten die
Arbeitnehmer - trotz deutlicher Lohnzuwächse - am Ende netto nur
ein Plus von gut 18 Milliarden Euro. »Die Differenz von 73
Milliarden Euro zeigt das krasse Missverhältnis.«
Die Bundesregierung müsse mit einer Verringerung der Steuer- und
Abgabenlast dafür sorgen, dass die Menschen sich vom Staat wieder
angemessen behandelt fühlen, heißt es in der Erklärung
weiter. Neue Schulden seien dafür nicht nötig, wenn der Staat
sparsam wirtschafte. »Laut jüngster Steuerschätzung
werden im Zeitraum von 2008 bis 2012 weitere Mehreinnahmen von 107
Milliarden Euro in die öffentlichen Kassen fließen." Die
Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sei richtig. Sie
dürfe aber nicht als Ausrede benutzt werden, notwendige
Korrekturen bei Steuern und Abgaben auf die lange Bank zu schieben.
(Quelle: ddp)
Wulff will Wirtschaftsprofil der Union stärken
Mo.12.05.08 - Einen Monat nach seinem Verzicht auf das Amt des CDU-Landesvorsitzenden
in Niedersachsen drängt Ministerpräsident Christian Wulff
verstärkt in die Bundespolitik. Er wolle "eine Stimme sein, die
die wirtschaftliche Standortbedingungen unseres Landes und seine
Herausforderungen klar beschreibt", sagte er der "Welt am Sonntag".
Für dieses Engagement könne er "etwas vorweisen, das mich
qualifiziert": Er habe eine CDU/FDP-Regierung im Rücken, eine
klare Mehrheit im Land und fünfjährige Regierungserfahrung.
"Ob diese Erfahrung dann gewollt ist und genutzt wird, ist eine andere
Frage."
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende riet Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU), im Bundestagswahlkampf stärker als bislang auf ein Team zu
setzen. Innenpolitisch seien die Themen Arbeitsmarktreform,
Rentenreform, Gesundheitsreform, Föderalismusreform und andere
nicht von einem Menschen allein zu besetzen, sagte er weiter. "Da sind
wir in der Unionsspitze schlicht verpflichtet, uns mehr in Haftung
nehmen zu lassen." Die Unionsspitze könne Merkel "das Leben auch
erleichtern", indem sie Positionen beziehe, die sie als Moderatorin in
der großen Koalition so nicht beziehen könne.
(Quelle: afp)
Wirtschaftsminister und Umweltminister streiten weiter über
Energieförderung
Mo.12.05.08 - Zwischen Bundesumwelt- und Wirtschaftsministerium gibt es neuen Streit
über die richtige Energiepolitik.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) forderte seinen für Umwelt
zuständigen Kollegen Sigmar Gabriel nach einem Bericht der "Welt
am Sonntag" auf, seine Pläne für eine verstärkte
Förderung von Strom aus Windenergie aufzugeben. Die von Gabriel
angekündigte Erhöhung des garantierten Abnahmepreises
für Windstrom sei verfrüht, zitiert das Blatt aus einem Brief
des Wirtschaftsministers an Gabriel.
"Angesichts der gestiegenen Strompreise und insgesamt höherer
Energiepreise halte ich dies für die falsche Richtung", schrieb
Glos. Das Ministerium errechnete bei einer 20-jährigen
Förderungsdauer ein zusätzliches Vergütungsvolumen von
5,3 Milliarden Euro. Die garantierten Abnahmepreise, die über dem
Marktpreis für konventionellen Strom liegen, werden durch eine
Umlage auf alle Verbraucher bezahlt.
Gabriel hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die
Vergütung für an Land gewonnene Windenergie pro
Kilowattstunde ab 2009 auf 9,1 Cent anzuheben. Dies sind 1,2 Cent mehr
als der SPD-Politiker in seinem Gesetzentwurf für die Novelle des
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehen hatte. Der Umweltminister
will mit diesem Schritt die Erreichung der Klimaziele sicherstellen,
nachdem der dazu ursprünglich auch vorgesehene Ausbau des
Biosprit-Anteils wegen Motor-Problemen bei den Autos gestoppt worden
war.
Die große Koalition liegt bereits wegen unterschiedlicher
Vorstellungen zur Förderung von Solarenenergie im Streit. Die
Union will die Förderung für Sonnenenergie weitaus
stärker einschränken, als dies die SPD befürwortet.
(Quelle: rtr)
Industrie und Behörden bei grüner Gentechnik gut vernetzt
Mo.12.05.08 - Die Verbindungen zwischen den staatlichen Stellen, die gentechnisch
veränderte Pflanzen zulassen, und der Industrie sind einer Studie
zufolge enger als bisher bekannt. Die Studie haben Christoph Then und
Antje Lorch im Auftrag der Grünen- Bundestagsabgeordneten Ulrike
Höfken erarbeitet, wie der «Tagesspiegel am Sonntag»
berichtet. Then hat 2007 die Firma Scouting Biotech gegründet,
nachdem er als Gentechnik-Experte bei Greenpeace aufhörte. Antje
Lorch bereibt eine ähnliche Firma in den Niederlanden.
«Die enge Verflechtung zwischen Agroindustrie und Behörden
macht die staatliche Risikobewertung unglaubwürdigt und
erschüttert das Vertrauen in die Demokratie", sagte Höfken.
Then und Lorch haben dem Bericht zufolge ein «Who ist Who»
der Gentech-Lobby vorgelegt. Die Studie lege den Schluss nahe, dass der
krasse Fall von Jochen Schiemann von der Bundesanstalt für Land-
und Forstwirtschaft kein Einzelfall war. Schiemann hatte 2005
Forschungsmittel für die Entwicklung gentechnisch veränderter
Pflanzen beantragt, war aber gleichzeitig auf EU-Ebene und auf
nationaler Ebene an der Bewertung von gentechnisch veränderten
Pflanzen in Zulassungsverfahren beteiligt. Die damalige Agrarministerin
Renate Künast (Grüne) lehnte den Antrag mit dieser
Begründung ab.
(Quelle: ddp)