+++ Di.13.05.08, 06:30
Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1512 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Trotz Waffenruhe vereinzelt Kämpfe in Sadr-City. Weiterer
US-Soldat im Irak getötet
Di.13.05.08 - In Bagdads seit Wochen umkämpfter Schiiten-Vorstadt Sadr-City gibt
es nach der am Wochenende vereinbarten Feuerpause nur noch ganz
vereinzelt Gefechte. Bewohner des Stadtteils sagten am Montag, in der
Nacht seien noch einige Explosionen und Schusswechsel zu hören
gewesen.
Inzwischen sei die Lage jedoch so ruhig wie schon lange nicht mehr.
Auch einige zuvor blockierte Straßen seien wieder befahrbar.
Die am Samstag getroffene Vereinbarung sieht vor, dass sich die
Milizionäre der Bewegung des radikalen Schiiten-Predigers Muktada
al- Sadr von den Straßen zurückziehen. Die Milizen Al-Sadrs
hatten in dem rund 2,5 Millionen Einwohner zählenden
Schiitenviertel seit Ende März heftigen Widerstand gegen eine
Offensive der von US-Soldaten unterstützten Regierungstruppen
geleistet. Eine komplette Entwaffnung der Miliz wird in der Vereinbarung
nicht gefordert.
Ein Abgeordneter der schiitischen Regierungskoalition, von der sich die
Sadr-Bewegung getrennt hatte, sagte der Nachrichtenagentur Aswat
al-Irak, die Koalition und die Sadr-Bewegung hätten sich darauf
geeinigt, die Eskalation zu beenden.
Die Regierung betonte am Wochenender, sie behalte sich das Recht vor,
gesuchte Aufständische zu verfolgen und Häuser zu
durchsuchen. Außerdem ist unklar, ob sich alle bewaffneten
Kämpfer an das Waffenstillstands-Abkommen halten würden. Die
Mehrheit von Al Sadrs auf rund 60.000 Mann geschätzten sogenannten
Mahdi-Armee hatte sich an den jüngsten Kämpfen vermutlich
nicht beteiligt. Vielmehr gingen die Straßenschlachten auf das
Konto von Splittergruppen.
Nach irakischen Angaben kamen in den Kämpfen mehrere hundert
Menschen ums Leben. Tausende Bewohner haben Sadr City inzwischen
verlassen, in einigen Teilen des Viertels gibt es nach Angaben von
Hilfsorganisationen kaum noch Lebensmittel und Medikamente.
US-Truppen töteten bei Gefechten in Sadr City nach eigenen Angaben
am Sonntag und Montag drei schiitische Extremisten. In der
südlichen Stadt Basra nahmen irakische Polizisten und Soldaten
nach Militärangaben am Montag zehn Verdächtige fest und
beschlagnahmten Dutzende Maschinengewehre und Raketenwerfer.
Der Gewalt im Irak ist ein weiterer US-Soldat zum Opfer gefallen. Er
wurde bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten
Sprengsatzes im Nordwesten von Bagdad getötet, wie die
Streitkräfte am Montag mitteilten. Demnach ereignete sich der
Anschlag am späten Sonntagabend.
boa (Quellen: dpa, ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 13.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendachtundvierzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Nahost-Konflikt
Wahl von neuem Präsidenten im Libanon zum 19. Mal verschoben.
Kämpfe zwischen Hisbollah-Anhängern und Drusen. Arabische
Liga schickt hochrangige Mission
Di.13.05.08 - Die Wahl eines neuen Staatspräsidenten im Libanon ist am Sonntag
zum 19. Mal verschoben worden. Am Vorabend der geplanten Abstimmung
setzte Parlamentspräsident Nabih Berri den 10. Juni fest als neuen
Termin fest. Das Land ist seit dem Ende der Amtszeit von Emile Lahoud
im November vergangenen Jahres ohne Staatsoberhaupt. Zwar haben sich
das prowestliche Regierungslager um Ministerpräsident Fuad Siniora
und die schiitische Hisbollah auf Armeechef Michael Suleiman als
Kompromisskandidaten geeinigt. Dessen Wahl scheiterte bislang aber an
der Forderung der Hisbollah nach einer Beteiligung an der Regierung.
Der Konflikt zwischen beiden Seiten ist in den vergangenen Tagen
gewaltsam eskaliert. Bei Straßenkämpfen kamen mehr als 50
Menschen ums Leben.
Nach den Kämpfen in Beirut und Tripoli haben sich unterdessen auch
in den Bergen im Osten der libanesischen Hauptstadt Verbündete der
schiitischen Hisbollah Gefechte mit Anhängern des Regierungslagers
geliefert.
Dabei wurden am Samstag vier Menschen getötet und zwölf
weitere verletzt. Damit stieg die Zahl der Todesopfer in den seit Tagen
anhaltenden Auseinandersetzungen auf 46, 132 Menschen wurden verletzt.
Die Gefechte brachen in Aley und benachbarten Gemeinden aus, die auf
Beirut blicken. Auf der Seite der Regierung kämpften Anhänger
des Drusen-Chefs Walid Dschumblatt. Dschumblatt bat den
Drusen-Führer Talal Arsalan um die Vermittlung eines
Waffenstillstands. Arsalan ist mit der Hisbollah verbündet. Er
erklärte, er wolle die Armee darum bitten, die Kontrolle über
die Region zu übernehmen. Dem Militär ist es bereits in Beirut
gelungen, sich zwischen die Fronten zu stellen.
Die schiitische Miliz besetzte Sicherheitskreisen zufolge gemeinsam mit
drusischen Verbündeten mehrere Dörfer in der Region. Die
Kämpfe hätten nachgelassen, als am Abend eine Waffenruhe in
Kraft getreten sei, sagten Augenzeugen.
Die Arabische Liga will in der Krise im Libanon vermitteln und eine
hochrangige Delegation nach Beirut entsenden. Arabische Diplomaten
würden "sehr bald" nach Beirut reisen, um mit Verantwortlichen zu
sprechen und zu versuchen, ein Ende der lang anhaltenden politischen
Blockade zu erreichen, sagte der Generalsekretär der Arabischen
Liga, Amr Mussa, nach einer Krisensitzung der Außenminister des
Bündnisses in Kairo. Anhänger der pro-westlichen Regierung und
der oppositionellen Hisbollah-Miliz hatten sich im Libanon tagelange
Kämpfe geliefert.
Die Vertreter der Arabischen Liga sollen an einem Treffen zwischen
Angehörigen der libanesischen Opposition und der Regierung
teilnehmen. Für die Opposition sollen Parlamentspräsident
Nabih Berri, Christenführer Michel Aoun und Hisbollah-Chef Hassan
Nasrallah dabei sein, für die Regierung Ministerpräsident Fuad
Siniora, Mehrheitsführer Saad Hariri und Ex-Präsident Amin
Gemayel.
Die Delegation der Arabischen Liga soll laut Mussa von Katar geleitet
werden. Neben Mussa selbst sollen Diplomaten aus Algerien, Dschibuti,
Jordanien, Marokko, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Jemen
dazugehören. Die Arabische Liga schickt bewusst weder die
großen regionalen Verbündeten der libanesischen Regierung,
Saudi-Arabien und Ägypten, noch den Hisbollah-Verbündeten
Syrien nach Beirut.
Oppositionelle libanesische Kämpfer hatten vorübergehend
weite Teile der Hauptstadt Beirut kontrolliert. Bei den
Auseinandersetzungen kamen seit Donnerstag mindestens 35 Menschen ums
Leben.
Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rief zu einer sofortigen
Wiederaufnahme des Dialogs im Rahmen der Arabischen Liga auf. Ziel
müsse es sein, eine dauerhafte Gesamtlösung zu erreichen, die
Demokratie, Unabhängigkeit, Souveränität und Einheit des
Libanon respektiere, erklärte Merkel in Berlin. Die Bundeskanzlerin
verurteilte "aufs schärfste alle bewaffneten Aktionen der letzten
Tage im Libanon und diejenigen Kräfte, die dazu die Initiative
ergriffen haben". Sie rief zu einem bedingungslosen Ende der Gewalt auf
und verurteilte alle Einmischungen im Libanon von außen.
boa (Quellen: ap, rtr, afp)
Ägypten unterbreitet Israel Hamas-Angebot für Waffenruhe
Di.13.05.08 - Ägypten will Israel das Angebot der radikal-islamischen Hamas
für eine Waffenruhe im Gazastreifen unterbreiten.
Der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman werde die
Gespräche führen, hieß es in Regierungskreisen in
Jerusalem. Vize-Verteidigungsminister Matan Wilnai signalisierte am
Sonntag Flexibilität auf israelischer Seite. Die Regierung werde
keinesfalls direkt mit der Hamas reden, erklärte er. Sie werde
Suleiman aber zuhören, "wir werden beraten, wir werden warten, was
er anzubieten hat, und auf dieser Basis werden wir eine Entscheidung
fällen", sagte Wilnai Radio Israel.
Die USA unterstützen den ägyptischen Vermittlungsversuch. Ein
Ende der Gewalt in dem von der Hamas kontrollierten Küstengebiet
gilt als Voraussetzungen für Fortschritte im
Nahost-Friedensprozess, bei dem die USA noch in diesem Jahr ein
Abkommen erreichen wollen. US-Präsident George W. Bush wird in der
kommenden Woche aus Anlass des 60. Jahrestags der Staatsgründung
in Israel erwartet.
Hamas hat eine halbjährige Waffenruhe angeboten und verlangt im
Gegenzug ein Ende der israelischen Angriffe sowie der Blockade des
Küstenstreifens. Ägypten strebt bei einem Erfolg der
Vereinbarung eine Ausweitung auch auf das Westjordanland an, das von
den moderaten Kräften unter Führung von
Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas dominiert wird.
Am Freitag hat eine von der Hamas im Gazastreifen abgefeuerte Granate
einen israelischen Zivilisten getötet. Wenige Stunden später
tötete die israelische Luftwaffe fünf Hamas-Kämpfer in
dem Küstengebiet.
(Quelle: rtr)
Tschad schließt die Grenzen zum Sudan
Di.13.05.08 - Der Tschad hat am Montag seine Grenzen zum Nachbarstaat Sudan
geschlossen. Die Regierung in N'Djamena reagierte damit auf den Abbruch
der diplomatischen Beziehungen durch den Sudan. Die Spannungen zwischen
beiden Staaten haben sich erheblich verstärkt, weil eine der
Rebellengruppen in der sudanesischen Region Darfur, die Bewegung
für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM), einen militärischen
Vorstoß in Richtung Khartum unternommen hat. Die dortige
Regierung beschuldigt den Tschad, die Rebellen zu unterstützen.
Der tschadische Informationsminister Mahamat Hissene teilte mit, die
Entscheidung sei auf einer Kabinettssitzung unter dem Vorsitz von
Präsident Idriss Deby getroffen worden. Die Regierung habe auch
beschlossen, alle wirtschaftlichen Beziehungen zum Sudan einzustellen
und die Konten einer sudanesischen Bank im Tschad einzufrieren.
Ebenfalls verboten seien Sendungen und der Verkauf von sudanesischer
Musik, sagte Hissene in N'Djamena.
(Quelle: ap)
Friedensgespräche für Somalia aufgenommen
Di.13.05.08 - Zum Auftakt von Friedensgesprächen für Somalia haben sich
beide Seiten für ein Ende der Gewalt ausgesprochen. Die Vertreter
der Regierung und der islamischen Opposition kamen am Montag in
Dschibuti mit Diplomaten der Vereinten Nationen, der Europäischen
Union und der Afrikanischen Union zusammen. Allerdings lehnte die
Opposition direkte Gespräche mit den Regierungsvertretern ab.
Der Chefunterhändler der Opposition, Abdi Rahman Abdi Shakur
Warsami, sagte gleichwohl, seine Bewegung sei der Suche nach einer
Friedenslösung verpflichtet. Die Situation in Somalia gleiche
«einem Schlachthaus, in dem jederzeit Menschen getötet
werden». Der Leiter der Regierungsdelegation, Abdirasaq Ashkir
Abdi, schlug ähnliche Töne an und erklärte: «Es
ist höchste Zeit, die Waffen zum Schweigen zu bringen.»
Die islamischen Kräfte wurden Ende 2006 von der Macht
verdrängt und mit Unterstützung äthiopischer Truppen aus
der Hauptstadt Mogadischu vertrieben. Seitdem führen sie einen
Guerillakrieg gegen Regierung und äthiopische Truppen.
(Quelle: ap)
Keine baldige Stichwahl in Simbabwe
Di.13.05.08 - Die Wahlkommission in Simbabwe hat einer baldigen Lösung des
politischen Konflikts zwischen Präsident Robert Mugabe und
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai eine Absage erteilt. Die
Stichwahl über das Präsidentenamt könne nicht binnen der
vom Gesetz vorgesehenen 21 Tage nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses
stattfinden, erklärte der Leiter der Wahlkommission, George
Chiweshe. Tsvangirai hatte sich am Samstag dazu bereiterklärt,
gegen Mugabe anzutreten. In Regierungskreisen hieß es, die
Abstimmung könne um bis zu ein Jahr verzögert werden.
Die Wahlkommission bemühe sich, die zweite Wahlrunde «zum
frühestmöglichen Termin» anzusetzen, wurde Chiweshe am
Sonntag von der staatlichen Zeitung «Sunday Mail» zitiert.
Regierungsmitarbeiter bräuchten mehr Vorbereitungszeit, und sein
Gremium habe die nötigen Finanzmittel für die Organisation
der Stichwahl noch nicht erhalten. Die Wahlkommission hatte das
Ergebnis der Präsidentenwahl am 2. Mai veröffentlicht, mehr
als einen Monat nach der Abstimmung.
Tsvangirai hatte demnach die meisten Stimmen gewonnen, die absolute
Mehrheit aber verfehlt. Der Vorsitzende der Bewegung für
Demokratischen Wandel (MDC) forderte, die Stichwahl müsse
innerhalb von 21 Tagen nach Bekanntgabe des Ergebnisses stattfinden.
Mugabes Partei ZANU-PF bereitet bereits ihren Wahlkampf dafür vor.
Mit der Drei-Wochen-Frist habe die Legislative ehrgeizige Vorgaben
gemacht, zitierte die «Sunday Mail» Chiweshe. Es gebe
Vorschriften, diese Frist zu verlängern. Der vom Gesetz
vorgesehene Zeitraum bedeute, dass die Stichwahl «sobald wie
möglich» stattfinden solle.
Mugabes Kritiker beschuldigen die Regierung, ein Klima der Angst zu
schüren, um die Chancen des Amtsinhabers in der Stichwahl zu
erhöhen, die deswegen möglicherweise nicht frei und fair
ablaufen werde. Nach Angaben der simbabwischen Ärztevereinigung
ZADHR, die sich für die Einhaltung von Menschenrechten in dem
afrikanischen Land einsetzt, hat die Gewalt nach der
Präsidentenwahl 22 Menschen das Leben gekostet. 900 seien
gefoltert und 40.000 vertrieben worden, um sie an der Stimmabgabe bei
einer Stichwahl zu hindern. MDC-Generalsekretär Tendai Biti zeigte
sich besorgt wegen einer Verschlechterung der «humanitären
Krise» in Simbabwe.
Tsvangirai kündigte am Samstag auf einer Pressekonferenz in der
südafrikanischen Hauptstadt Pretoria seine baldige Rückkehr
nach Simbabwe an. Er solle in Kürze seine «Siegestour»
starten. «Eine Stichwahl könnte den Diktator (Mugabe) ein
für allemal ausschalten», sagte der Oppositionsführer.
Zugleich erklärte er, Mugabe werde im Interesse von Frieden und
Stabilität im Land als «Vater der Nation» behandelt
werden. Im April hatte Tsvangirai noch vorgeschlagen, Mugabe solle sich
wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht verantworten.
(Quelle: rtr)
Pakistanische Regierungskoalition zerbrochen
Di.13.05.08 - In Pakistan ist die Regierungskoalition am Streit um die
Wiedereinsetzung entlassener Richter zerbrochen. Der ehemalige
Ministerpräsident Nawaz Sharif erklärte am Montag, seine
Pakistanische Muslimliga (PML-N) werde das Kabinett verlassen. Die
PML-N-Minister wollten am (heutigen) Dienstag ihren Rücktritt
einreichen.
Die beiden Koalitionsparteien konnten sich bei Gesprächen am
Wochenende in London nicht auf einen Plan für die Wiedereinsetzung
der Verfassungsrichter einigen, die Musharraf Ende vergangenen Jahres
abgesetzt hatte. Die Entlassung der Richter, die Zweifel an der
Verfassungsmäßigkeit von Musharrafs Wiederwahl als
Präsident geäußert hatten, löste zu Jahresende
wochenlange Proteste in Pakistan aus.
Sharif, der 1999 von Musharraf gestürzt wurde, fordert eine
sofortige Wiedereinsetzung der Richter, weil er sich davon mehr Druck
auf Musharraf verspricht. Die PPP unter Führung von Asif Ali
Zardari, dem Witwer der Ende Dezember ermordeten Benazir Bhutto,
plädiert indessen für ein weniger hartes Vorgehen gegen den
Präsidenten und will die Wiedereinsetzung der Richter mit einer
generellen Justizreform verbinden.
Die beiden Parteien, die aus der Parlamentswahl vom 18. Februar als
Sieger über die Anhänger Musharrafs hervorgingen, hatten sich
für eine Einigung eine Frist bis zum (heutigen) Montag gesetzt.
Sie verließen am Sonntag jedoch London, ohne eine
Übereinkunft erzielt zu haben.
(Quelle: ap)
Inflation in China steigt auf 8,5 Prozent
Di.13.05.08 - Die Inflation in China ist im April gegenüber dem Vorjahresmonat
auf 8,5 Prozent gestiegen. Dieser Wert lag nur geringfügig unter
den 8,7 Prozent des Monats Februar, der höchsten Quote seit
zwölf Jahren, wie das Amt für Statistik in Peking am Montag
mitteilte. Im März war die Inflationsrate auf 8,3 Prozent gesunken.
Der neuerliche Anstieg dürfte den Druck auf die Behörden
erhöhen, für eine Abkühlung der überhitzten
Konjunktur zu sorgen. Beobachtern zufolge sind die Lebensmittelpreise
überproportional um rund 20 Prozent gestiegen. Dies könnte
Unruhen auslösen zu einer Zeit, da sich Peking auf die Olympischen
Spiele vorbereitet.
(Quelle: ap)
Tausende Tote bei Erdbeben in Chinas Südwesten
Di.13.05.08 - Bei einem schweren Erdbeben im Südwesten Chinas sind tausende
Menschen getötet und verletzt worden. Wie die staatliche
Nachrichtenagentur Xinhua meldete, starben in der Provinz Sichuan sowie
in Nachbarregionen fast 8700 Menschen. Das Berggebiet um das Epizentrum
des Bebens mit der Stärke 7,8 auf der Richter-Skala ist für
Rettungskräfte bislang nicht zugänglich. Es wird deshalb mit
weit höheren Totenzahlen gerechnet. Regierungschef Wen Jiabao
sprach von einer "Katastrophe". Die Europäische Union und die
deutsche Regierung boten rasche Hilfe für die Erdbebenopfer an.
Das Epizentrum des Bebens befand sich etwa 90 Kilometer nordwestlich
von Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, in einer Berggegend
des Distrikts Wenchuan. In mehreren Städten stürzten bis zu
80 Prozent der Gebäude ein. In der Großstadt Dujiangyan
nördlich von Chengdu kamen beim Einsturz eines Schulgebäudes
mindestens 50 Schüler ums Leben, hunderte werden noch unter den
Trümmern vermutet. In der rund 600.000 Einwohner zählenden
Stadt seien ganze Häuserreihen eingestürzt, sagte ein
Mitarbeiter des chinesischen Seismologischen Instituts.
In der Stadt Shifang in Sichuan wurden zwei Chemie-Fabriken
zerstört. Hunderte Arbeiter wurden unter den Trümmern
verschüttet, mehr als 6000 Anwohner in Sicherheit gebracht. Der
Drei-Schluchten-Staudamm in Sichuan überstand das Beben offenbar
unbeschadet.
Weitere Tote und Verletzte wurden aus den Provinzen Gansu und Shaanxi
im Nordwesten des Landes sowie aus der 30-Millionen-Einwohner-Stadt
Chongqing an der Grenze zu Sichuan gemeldet. Auch in der an Sichuan
angrenzenden Provinz Yunnan stürzten mehrere Häuser ein. In
Peking und Shanghai liefen zahlreiche verängstigte Menschen auf
die Straße, während Häuser und Bürotürme
wankten. Über Schäden oder Opfer dort lagen zunächst
keine Berichte vor. Die Erdstöße waren noch in Hongkong,
Taipeh, Bangkok und Hanoi zu spüren.
Staatspräsident Hu Jintao wies die Rettungskräfte an, alle
Anstrengungen zu unternehmen, um den Opfern zu helfen. Auch
Militär wurde in die betroffenen Gebiete beordert.
Ministerpräsident Wen sagte dem Fernsehsender CCTV auf dem Flug in
das Erdbebengebiet, das Wichtigste seien nun "Ruhe, Vertrauen, Mut und
starke Führung".
(Quelle: afp)
Weltsicherheitsrat setzt schleppende Birma-Hilfe auf die Tagesordnung
Di.13.05.08 - Die Verzögerung der internationalen Hilfe für die
Zyklon-Opfer in Birma beschäftigt jetzt auch den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen. Der Rat werde noch vor Mitte dieser Woche
zusammenkommen, um das Militärregime zu einer Öffnung des
Landes zu bewegen, teilten britische Regierungsbeamte am Mittwoch mit.
«Die Behörden in Birma müssen erkennen, dass ihr Mangel
an Zusammenarbeit verhindert, dass die Hilfe zu den Menschen
gelangt», sagte der britische Premierminister Gordon Brown. Der
Regierungschef lehnt jedoch Forderungen aus der konservativen
Opposition ab, Hilfsgüter auch gegen den Willen der
Militärjunta aus der Luft über dem Katastrophengebiet
abzuwerfen.
Offenbar als Reaktion auf den wachsenden internationalen Druck erlaubte
das Regime die Landung von Flugzeugen mit Hilfsgütern aus dem
Ausland. Am Montag trafen Maschinen aus den USA und Frankreich mit
mehreren Tonnen Trinkwasser, Decken und Medikamenten in Rangun ein. Am
Dienstag wird die Ankunft von zwölf Trinkwasserexperten des
Technischen Hilfswerks (THW) erwartet.
Die vom Auswärtigen Amt gecharterte Frachtmaschine bringt auch
vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen, die sauberes Wasser für
täglich 40.000 Menschen produzieren können.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Montag in Berlin,
das Auswärtige Amt habe bisher eine Million Euro für
Hilfsmaßnahmen in Birma bereit gestellt.
An Bord einer US-Militärmaschine vom Typ C-130 waren vor allem
Trinkwasser, Decken und Moskito-Netze. Die Versorgungsgüter sollen
mit Hubschraubern der birmanischen Luftwaffe in die am schwersten
betroffene Region des Irrawaddy-Deltas gebracht werden. Zwei weitere
US-Flüge wurden für Dienstag angekündigt.
Eine Erlaubnis für eine umfassende Hilfsaktion der USA liege noch
nicht vor, werde aber geprüft, sagte der Kommandeur der
US-Streitkräfte im Pazifik, Admiral Timothy Keating. Für den
geplanten Einsatz mit der Bezeichnung «Caring Relief»
wollen die USA 11.000 Soldaten, sechs Frachtflugzeuge und mehrere
Hubschrauber bereitstellen.
Der Leiter des US-Programms für die Katastrophenhilfe im Ausland,
Ky Luu, sagte am Montag, es bestehe die große Sorge, ob die nach
Rangun transportierten Güter auch wirklich die Menschen
erreichten, die darauf angewiesen seien. Luu rief die Regierung von
Birma auf, ausländische Experten für die Katastrophenhilfe
ins Land zu lassen.
Auch zwei Flugzeuge aus Frankreich landeten am Montag in Rangun. An
Bord waren Medikamente und Gerät der Hilfsorganisationen
Ärzte ohne Grenzen (MSF) und Medecins du Monde. Lastwagen sollen
die Hilfsgüter in das Irrawaddy-Delta bringen, darunter auch
Arzneimittel zur Behandlung von Durchfallerkrankungen.
Zelte und Decken kamen am Montag mit dem ersten Landtransport des
UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) nach Rangun. Die beiden Lastwagen
benötigten zwei Tage für die Strecke.
Im Katastrophengebiet haben hunderte Menschen in Klöstern Schutz
gesucht, wo sie auf dem Fußboden schlafen. Andere
übernachten im Freien und trinken schmutziges Wasser, das mit
Fäkalien oder Kadavern verseucht war. «Bisher haben wir
genug Wasser, weil wir Regen aufgefangen haben», sagte der Abt
eines Klosters in Pyapon. «Aber wir haben nichts mehr zu
essen.»
Die Zahl der Toten nach dem Zyklon «Nargis» stieg
unterdessen nach amtlichen Angaben auf 31.938. Fast ebenso viele
Menschen gelten noch als vermisst. Catherine Bragg vom
Generalsekretariat der Vereinten Nationen sagte, die tatsächliche
Zahl der Todesopfer liege vermutlich zwischen 62.000 und 100.000
«oder womöglich noch höher». Nach
Einschätzung der Hilfsorganisation Oxfam ist das Leben von 1,5
Millionen Menschen akut bedroht.
(Quelle: ap)
Parlament in Haiti lehnt designierten Regierungschef ab
Di.13.05.08 - Die Regierungskrise in Haiti spitzt sich weiter zu. Das Parlament in
Port-au-Prince lehnte am Montag den Finanzexperten Ericq Pierre ab, den
Präsident Rene Preval zum neuen Ministerpräsidenten ernannt
hatte. Pierre sollte nach dem Wunsch Prevals schon 1997 haitianischer
Regierungschef werden, wurde damals aber ebenfalls von den Abgeordneten
abgelehnt. Der Präsident muss nun einen neuen Kandidaten benennen.
Pierre sollte Nachfolger des entlassenen Jacques Edouard Alexis werden.
Letzterer war nach den Hunger-Unruhen Anfang April vom Parlament
entlassen worden. Die Abgeordneten warfen ihm vor, trotz der
angespannten Lage die Lebensmittelproduktion nicht vorangetrieben zu
haben. Bei den Unruhen kamen sieben Menschen ums Leben, hunderte
Geschäfte wurde geplündert und zerstört.
(Quelle: ap)
Zerreißprobe in Serbien nach Parlamentswahl - Pro-Europäer
in Serbien trotz Siegs ohne Mehrheit
Di.13.05.08 - Trotz des Sieges des pro-europäischen Lagers bei den
Parlamentswahlen in Serbien droht dem Land ein Machtkampf.
Das demokratische Lager von Präsident Boris Tadic bemühte
sich am Montag um eine Koalitionsregierung mit kleineren Parteien,
nachdem es bei der Abstimmung keine klare Mehrheit erzielte. Doch auch
die Nationalisten unter Führung von Tomislav Nikolic strebten ein
Regierungsbündnis an. Sie nahmen bereits Koalitionsgespräche
mit dem bisherigen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica auf.
Nach Auszählung von etwa 98 Prozent der Stimmen erhielt Tadics
Demokratische Partei am Sonntag bei dem vorgezogenen Urnengang 38,75
Prozent und wurde damit stärkste Kraft. Die ultra-nationalistische
Radikale Partei von Nikolic erreichte 29,2 Prozent. Der Vorsprung der
Demokratischen Partei fiel überraschend deutlich aus. In Umfragen
hatten Nikolics Radikale seit Wochen leicht vorne gelegen.
Außenminister Frank-Walter Steinmeier und die Europäische
Union begrüßten das Wahlergebnis als deutlichen Sieg des
europafreundlichen Lagers.
Wahlsieger Tadic erklärte, die Serben hätten einen klaren
europäischen Kurs für ihr Land bestätigt. Angesichts der
bevorstehenden Zerreißprobe um die Mehrheit im Parlament mahnte
er zu einer raschen Regierungsbildung mit kleineren Parteien. "Das ist
ein großartiger Sieg, aber es ist noch nicht vorbei."
Ultra-Nationalist Nikolic bestritt einen Sieg des pro-europäischen
Lagers und traf noch am Montag mit dem bisherigen
Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica zusammen, um über die
Ziele einer zukünftigen Koalitionsregierung zu beraten.
Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft erklärte, die
Gemeinschaft sei sehr glücklich darüber, dass Tadics Partei
künftig eine stärkere Rolle einnehme. "Das
pro-europäische Lager hat gewonnen und das war das, was wir
erreichen wollten", sagte Sloweniens Außenminister Dimitrij Rupel
am Abend.
Die EU ist den moderaten Kräften zuletzt weit entgegengekommen und
hat ein erstes Abkommen für Beitrittsverhandlungen unterzeichnet,
obwohl Serbien den wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesuchten
General Ratko Mladic bislang nicht ausgeliefert hat. Steinmeier
erklärte, der Wahlsieg Tadics zeige, dass das europäische
Angebot richtig gewesen sei. Die Mehrheit der Serben wolle nach Europa.
"Ich freue mich, dass das Wahlergebnis sehr deutlich zum Ausdruck
gebracht hat, dass eine unerwartet große Mehrheit in Serbien den
europäischen Weg wünscht", sagte Steinmeier vor seinem Abflug
nach Russland am Montag.
Tadics Kontrahenten Nikolic und Kostunica hatten aus Protest gegen die
europäische Anerkennung des unabhängigen Kosovo dazu
aufgerufen, Serbien enger mit Russland und China zu verbünden. Die
Koalition Kostunicas mit der Demokratischen Partei war wegen des
Streits über die Haltung zum Kosovo auseinandergebrochen. Tadic
hatte trotz Europas Kosovo-Politik für eine Annäherung zur EU
geworben. Nach dem Wahlsieg erklärte er dennoch, dass eine
Regierung unter seiner Führung die Unabhängigkeit der
ehemaligen serbischen Provinz nicht anerkennen werde.
Der serbische Aktienmarkt verzeichnete am Montag im Handelsverlauf
Kursgewinne von knapp 13 Prozent. Anleger zeigten sich optimistisch,
dass die pro-europäischen Kräfte zur Bildung einer
Koalitionsregierung in der Lage sein würden. Auch die serbische
Währung Dinar legte zum Euro zeitweise gut zwei Prozent zu.
Bei einem Anteil von 39 Prozent ist die Demokratische Partei
Expertenberechnungen zufolge 103 der 250 Sitze im Parlament erhalten.
Zum nationalistischen Lager zählt neben Kostunicas Partei auch die
populistische Sozialistische Partei des früheren serbischen
Diktators Slobodan Milosevic. An der Wahl beteiligten sich 61 Prozent
der 6,7 Millionen Wahlberechtigten.
(Quelle: rtr)
Deutschland will Modernisierungspartnerschaft mit Russland
Di.13.05.08 - Mit einer Grundsatzrede über die deutsch-russischen Beziehungen
setzt Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier am
(heutigen) Dienstag seinen Russlandbesuch fort. Er will sich in der
Ural-Universität von Jekaterinburg für eine
Modernisierungspartnerschaft zwischen beiden Ländern einsetzen,
die die bestehende strategische Partnerschaft ergänzen soll. Davor
besucht er die Kirche, in deren unmittelbarer Nähe 1917 die
Zarenfamilie von Bolschewisten erschossen worden war.
Steinmeier ist das erste deutsche Regierungsmitglied, das Russland nach
dem Machtwechsel im Kreml besucht. Am Mittwoch und Donnerstag sind in
Moskau politische Gespräche mit Präsident Dmitri Medwedew und
Ministerpräsident Wladimir Putin vorgesehen. Am Freitag stattet
Steinmeier St. Petersburg einen Besuch ab, wo er auch die Eremitage und
den Katharinenpalast mit der Nachbildung des verschollenen
Bernsteinzimmers besichtigt.
(Quelle: ap)
Koalition driftet in Steuerpolitik weiter auseinander
Di.13.05.08 - Die große Koalition driftet in der Steuerpolitik immer weiter
auseinander.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) stellte am Pfingstwochenende den
gemeinsamen Kurs der Haushaltssanierung infrage. Es sei möglich,
den Staat zu sanieren und die Menschen zu entlasten. Die
Spitzenverbände der Wirtschaft sprangen ihm bei: Die Früchte
des Aufschwungs müssten bei denen ankommen, die sie erarbeitet
hätten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstrich dagegen, die
Haushaltssanierung habe bis 2011 Vorrang. Die SPD debattierte über
eine Belastung von Besserverdienern, um die kleinen Einkommen zu
entlasten.
Glos sagte dem "Tagesspiegel", ein ausgeglichener Bundesetat dürfe
nicht isoliert über alles andere gestellt werden. Wichtig sei,
dass der Gesamtstaat - Bund, Länder, Gemeinden und die
Sozialversicherungen - keine neue Schulden mehr mache. Das sei seit dem
vergangenen Jahr der Fall. Die CSU will bis 2012 die Bürger in
einem Volumen von 28 Milliarden Euro entlasten.
"Es wäre falsch, allein den Bundeshaushalt als Maßstab
für steuerliche Entlastungen zu nehmen", sagte Glos. Sobald sich
bei der Konsolidierung des Gesamtetats Spielräume ergäben,
müsse man diese nutzen, um die Leistungsträger zu entlasten.
Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte dagegen, Merkel halte
daran fest, 2011 einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zu erreichen.
"Dieses Ziel hat gemäß den Absprachen in der Koalition
absoluten Vorrang." Das Finanzministerium erklärte, Glos vertrete
nicht die Position der Bundesregierung, sondern seine Privatmeinung.
Die Regierung werde ihr Ziel 2011 erreichen - "auch mit Glos", sagte
ein Sprecher der "Rheinischen Post".
Die Wirtschaft dringt dagegen auf schnelle Entlastungen. Die Regierung
müsse baldmöglichst für "mehr Netto" in den Kassen der
Arbeitnehmer sorgen, forderten die Präsidenten der Verbände
BDI, BDA, DIHK und ZDH. Vor allem die Mittelschicht erwirtschafte den
Wohlstand. Sie dürfe nicht durch einen überzogenen Zugriff
des Staates immer stärker zur Kasse gebeten werden. Industrie,
Handwerk, Arbeitgeberverbände und Wirtschaftskammern sehen vor
allem den Staat als Gewinner des Aufschwungs: Von 2004 bis 2007 habe er
91 Milliarden Euro mehr eingenommen. Die Arbeitnehmer hätten trotz
deutlicher Lohnzuwächse aber nur 18 Milliarden Euro mehr bekommen.
Als Grund nennen sie die "kalte Progression": Mit dem Verdienst steigt
auch die durchschnittliche Steuerlast.
Unterdessen scharen sich immer mehr CDU-Politiker hinter die CSU.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte der
"Welt am Sonntag", der Staat müsse sich auf seine Kernaufgaben
konzentrieren. Der Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer
begrüßte, dass die CSU die Menschen in den Blick genommen
habe, die etwa keinen Anspruch auf Wohngeld oder Bafög hätten.
Die SPD-Linken unterstrichen ihren Anspruch, Anwalt der Geringverdiener
zu sein, die durch niedrigere Sozialabgaben stärker als durch
geringere Steuern entlastet würden. Nach einem Bericht der
"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sehen die Eckpunkte des
SPD-Konzeptes, das Ende Mai vorliegen soll, höhere Belastungen
Besserverdienender zugunsten von Geringverdienern und mittlerer
Einkommen sowie die Senkung der Sozialabgaben vor.
SPD-Vize Andrea Nahles sagte dem ZDF, wenn Konsolidierung und
Zukunftsinvestitionen vorangetrieben werden sollten, sei es richtig,
die Wohlhabenden stärker zu belasten. Dazu solle wieder eine
Vermögensteuer eingeführt werden. Berlins Regierender
Bürgermeister Klaus Wowereit forderte in der Zeitschrift "Super
Illu": "Wir sollten an die zahlreichen Ausnahmetatbestände
herangehen, mit denen Reiche ihre persönliche Steuerlast derzeit
noch völlig legal drücken können." Schleswig-Holsteins
SPD-Chef Ralf Stegner warnte seine Partei, sich auf einen Wettbewerb um
die niedrigsten Steuersätze einzulassen. Es könnten
allenfalls Niedrigverdiener entlastet und Reiche stärker belastet
werden.
(Quelle: rtr)
DGB wirbt für Vermögenssteuer und höheren
Spitzensteuersatz
Di.13.05.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wirbt für eine
Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Außerdem sollte
der Spitzensteuersatz wieder angehoben werden und künftig bei einem
Jahreseinkommen von 60 000 Euro greifen, sagte DGB-Vorstandsmitglied
Claus Matecki der Nachrichtenagentur ddp. Im Gegenzug könnten
Arbeitnehmerhaushalte steuerlich entlastet werden - etwa über
einen höheren Grundfreibetrag und eine Rückkehr zur alten
Pendlerpauschale.
Matecki kritisierte zugleich das Steuerkonzept der CSU als «eine
Mogelpackung». Die geplante Nettoentlastung in Milliardenhöhe
gefährde die Finanzierbarkeit der öffentlichen Haushalte. Das
DGB-Vorstandsmitglied warnte: «Dieses Geld fehlt dann für
Kitas, Schulen, Universitäten und Krankenhäuser.»
Außerdem sei zu erwarten, dass «die neuen Löcher durch
gekürzte Sozialleistungen gestopft werden».
Matecki betonte: «Einen armen Staat können sich nur Reiche
leisten.» Für pauschale Steuersenkungen gebe es
«aktuell überhaupt keinen Spielraum in den öffentlichen
Hauhalten». Diese seien schon heute chronisch unterfinanziert. Die
deutsche Steuerquote sei eine der niedrigsten in Europa.
Das DGB-Vorstandsmitglied lehnte auch den Vorschlag ab, die
Sozialabgaben zu senken. Matecki mahnte: «Die sogenannten
Lohnnebenkosten sind ein fester Bestandteil des Lohnes. Wer sie senken
will, will die Löhne senken.» Die fehlenden Einnahmen der
Sozialkassen müssten dann von den Arbeitnehmern etwa in Form
niedrigerer Renten und einer höheren Eigenbeteiligung wieder
ausgeglichen werden.
Matecki kritisierte: «Das funktioniert aus Arbeitnehmersicht nach
dem Prinzip ´linke Tasche, rechte Tasche´. Profitieren
werden allein die Arbeitgeber.» Reden könne man allerdings
über eine Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen.
(Quelle: ddp)
Diätenanhebung auch im Bundeskabinett strittig
Di.13.05.08 - Die geplante abermalige Anhebung der Abgeordneten-Diäten ist
offenbar auch innerhalb der Bundesregierung umstritten.
Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung warnte Justizministerin Brigitte
Zypries bei der Kabinettssitzung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am
vergangenen Mittwoch vor dem Schritt, wenn nicht zugleich die
Pensionsansprüche der Abgeordneten weiter reduziert würden.
Die SPD-Politikerin habe aber ihren Standpunkt nicht durchsetzen
können, berichtete das Blatt unter Berufung auf Koalitionskreise.
Union und SPD vermeldeten wegen der unpopulären Pläne erste
Parteiaustritte. Der Verwaltungswissenschaftler Hans Herbert von Arnim
forderte kritische Abgeordnete in der "Bild am Sonntag" auf,
Verfassungsklage gegen die Diätenanhebung einzureichen.
"Abgeordnete können verfassungswidrige Teile der Diäten vor
das Verfassungsgericht bringen", sagte er. Er appelliere deshalb an die
Abgeordneten, die sich noch als Vertreter des Volkes verstünden,
"nicht nur dagegen zu stimmen, sondern nach Karlsruhe zu gehen", sagte
Arnim.
Vor allem bei den Oppositionsparteien Linke, FDP und Grüne
stößt das Vorhaben, die Bezüge der Parlamentarier um
weitere gut acht Prozent steigen zu lassen, auf massiven Protest. Auch
SPD-Abgeordnete haben angekündigt, bei der Abstimmung Ende Mai
gegen die Anhebung zu stimmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel
verteidigte die Diätenanhebung, zeigte aber Verständnis
für Kritiker, die auf eine vor wenigen Monaten beschlossene
Anhebung verweisen.
(Quelle: rtr)