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Irak 1516 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Iranischer Konvoi in Bagdad unter Beschuss. US-Abgeordnetenhaus stoppt
Kriegsgelder für Irak
Sa.17.05.08 - Ein iranischer Botschaftskonvoi ist in Bagdad am Freitag unter Beschuss
geraten. Dabei wurden vier Menschen verletzt, darunter auch zwei
Diplomaten, wie ein Botschaftssprecher mitteilte. Die Regierung in
Teheran warf den USA vor, sie hätten zu Angriffen auf iranische
Vertretungen im Irak ermuntert. Die US-Streitkräfte erklärte,
sie verurteilten jeden Angriff «auf Besucher oder Gäste
eines Landes». Wer für den Schusswechsel verantwortlich war,
war zunächst nicht klar.
Die irakischen Behörden teilten mit, es sei zu dem Schusswechsel
gekommen, als bei einer Kontrolle die meisten Angehörigen des
Konvois keine Ausweise vorzeigen konnten. Nach Angaben des
Botschaftssprechers war der Konvoi auf dem Weg zu einem schiitischen
Schrein.
Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki bot unterdessen
Angehörigen bewaffneter Gruppen in der nordirakischen Stadt Mossul
eine Amnestie an, wenn sie ihre Waffen abliefern. Sie würden
dafür Geld als Entschädigung erhalten. Die Amnestie gelte
für diejenigen, die verleitet worden seien, die Waffen gegen die
Regierung zu erheben, die nicht an Angriffen auf Zivilisten beteiligt
gewesen seien und die kein Blut an ihren Händen hätten.
Mossul gilt als Hochburg der Terrorgruppe Al Kaida im Irak.
Das US-Repräsentantenhaus hat am Donnerstag überraschend ein
Gesetz gestoppt, das die Kriege im Irak und in Afghanistan ein weiteres
Jahr finanzieren soll. Die Entscheidung kann vom Senat aufgehoben werden.
Das von der Demkroatischen Partei kontrollierte Abgeordnetenhaus
votierte mit 149 zu 141 Stimmen dagegen, bis Sommer nächsten Jahres
weitere 162,5 Milliarden Dollar frei zu geben. 132 Republikaner
stimmten mit "anwesend", was einer Enthaltung gleichkommt. Damit war das
Gesetz durchgefallen. Es steht in der kommenden Woche auf der
Tagesordnung des Senats, der die Summe voraussichtlich genehmigt.
Die Abgeordneten verabschiedeten zudem eine Vorlage, die Präsident
George W. Bush zu einem Truppenabzug aus dem Irak bis Ende 2009 zwingen
soll. Auch diese Entscheidung dürfte von den Republikanern im Senat
blockiert werden. Zudem hat Bush mit einem Veto gedroht, sollte das
Gesetz durchgehen. Der mit 227 zu 196 Stimmen angenommenen Vorlage
zufolge müsste der Truppenabzug 30 Tage nach der Verabschiedung des
Gesetzes begonnen werden.
Die Demokraten haben bei den Wahlen im November 2006 eine Mehrheit im
Abgeordnetenhaus errungen. Es ist ihnen bisher aber nicht gelungen, Bush
auf einen Zeitplan für einen Truppenabzug aus dem Golfstaat
festzunageln. Dies hatten sie im Wahlkampf versprochen.
(Quellen: ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 17.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendzweiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.17.05.07 - US-Senator Hagel schlägt UN-Vermittler für den Irak vor +++
Sicherheitsoffensive hat kaum Auswirkungen auf Angriffe im Irak +++
Mindestens 32 Tote bei Bombenanschlag in Bagdad +++ 19 Tote bei Gewalt in
Mossul...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705170.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Konversionszentrum beklagt anhaltende Aufrüstung weltweit
Sa.17.05.08 - Das Internationale Konversionszentrum Bonn (BICC) hat einen anhaltenden
Trend zur weltweiten Aufrüstung beklagt. Die jährlichen
Ausgaben für Waffen und Militär seien von 2001 bis 2006 um 30
Prozent auf schätzungsweise 1,179 Billionen US-Dollar (763,6
Milliarden Euro) gestiegen, teilte das BICC am Donnerstag bei der
Vorstellung seines Jahresberichts für 2007/2008 mit.
Abrüstungsverhandlungen seien zum Stillstand gekommen, es gebe
Anzeichen für ein neues Wettrüsten, hieß es.
Fast die Hälfte der weltweiten Militärausgaben entfällt
dem BICC zufolge allein auf Verteidigungsausgaben der USA. Für das
Jahr 2006 seien dies insgesamt umgerechnet fast 342 Milliarden Euro
gewesen. Weitere "Spitzenreiter" bei den weltweiten
Rüstungsausgaben waren demnach Großbritannien, Frankreich,
China und Japan. Vor allem bei aufstrebenden Schwellenländern mit
rasch wachsenden Volkswirtschaften wie China, Indien, Indonesien und
Pakistan zeige sich der Trend zur Aufrüstung am deutlichsten,
hieß es.
Deutschland habe im europäischen Vergleich für Rüstung
und Militär eher wenig ausgegeben, berichtete das BICC. Von 2001
bis 2006 seien die Ausgaben insgesamt um etwa neun Prozent gesunken.
Allerdings verweisen die Konversionsexperten auf eine Trendwende in der
deutschen Rüstungspolitik: Die Militärausgaben seien wieder
gestiegen, von 27,87 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf 28,4 Milliarden
Euro in 2007. Das neue Haushaltsgesetz sehe für dieses Jahr eine
weitere Steigerung des Etats auf 29,45 Milliarden Euro vor. Bis zum Jahr
2010 dürfte die 30 Milliarden-Marke überschritten werden.
Auch die Ausfuhr deutscher Rüstungsgüter nahm dem BICC
zufolge zu. Im Jahr 2006 seien Exporte im Wert von 933 Millionen Euro in
Entwicklungsländer gegangen. Deutschland sei damit nach den USA
und Russland der weltweit drittgrößte Exporteur von
Rüstungsgütern.
"Es sind zwar einige wirklich besorgniserregende Entwicklungen
festzustellen, aber insgesamt schätze ich die Aussichten für
Frieden und Abrüstung als gut ein", zog Hans Blix, Vorsitzender der
Internationalen Kommission zu Massenvernichtungswaffen, Bilanz. Auch
die Chancen für eine nukleare Abrüstung stünden nicht
schlecht, erklärte das BICC-Beiratsmitglied. Doch müssten
weltweit mehr Anstrengungen unternommen werden, die Verbreitung solcher
Waffen zu verhindern.
(Quelle: epd)
US-Präsident Bush erhält keine Zusage für mehr Öl
von Saudi-Arabien
Sa.17.05.08 - US-Präsident George W. Bush ist bei Saudi-Arabien mit der Bitte
abgeblitzt, durch eine stärkere Ölproduktion zur
Dämpfung der US-Benzinpreise beizutragen.
Nach den Worten seines Nationalen Sicherheitsberaters Stephen Hadley
beharrte der größte Ölexporteur auf seinem Standpunkt,
dass er den Bedarf seiner Kunden ausreichend decke. Der saudische
Ölminister Ali al-Naimi sagte demnach bei den Gesprächen mit
Bush am Freitag in Riad, selbst eine Steigerung der Fördermengen
werde keine dramatische Senkung der Preise in den USA bewirken. Kein
Land verbraucht mehr Energie als die größte Volkswirtschaft
der Welt.
Bushs Sprecherin Dana Perino hatte angekündigt, dass der
Präsident seine Verbündeten um einen stärkeren Nachschub
bitten wolle. "Die Benzinpreise sind eindeutig zu hoch für die
Amerikaner", sagte sie. "Das Angebot reicht nicht aus und die Nachfrage
ist zu hoch." Sie machte die teure Energie auch für das schwache
US-Wachstum verantwortlich. "Bei niedrigeren Ölpreisen
könnten wir sicher ein besseres Wachstum haben."
Bush sagte der Regierung in Riad zu, zum Schutz der saudi-arabischen
Ölvorkommen beizutragen und bei der Entwicklung eines zivilen
Atomenergieprogramms zu helfen. Die beiden Staaten sollten während
des Besuchs dafür eine Absichtserklärung unterzeichnen. Das
Abkommen werde Saudi-Arabien den Weg zur Nutzung der Kernenergie ebnen
und in der Region ein Beispiel für eine gelungene atomare
Zusammenarbeit setzen, erklärte das Präsidialamt. Der
Seitenhieb galt dem Iran, der im Verdacht steht, hinter einem zivilen
Kernenergieprogramm die Entwicklung von Atomwaffen zu verbergen. Auch
das sunnitische Saudi-Arabien beobachtet das iranische Programm voller
Sorgen und sieht das regionale Vormachtstreben des schiitischen Staates
kritisch.
Trotz des Zwists über die Ölpreise demonstrierten Bush und
der saudische Herrscher König Abdullah herzliches
Einverständnis. Der Monarch empfing Bush und dessen Frau Laura
persönlich auf dem Flugfeld und beherbergte sie auf seiner
riesigen Pferderanch vor den Toren der Hauptstadt. Nach seinem Besuch
zum 60. Jahrestag der Staatsgründung in Israel würdigte Bush
mit seiner Reise nach Riad das 75-jährige Bestehen der Beziehungen
zu dem Golfstaat. Als überwunden gelten die Spannungen nach den
Anschlägen am 11. September 2001 in den USA. Die Mehrzahl der
Attentäter stammte aus Saudi-Arabien.
(Quelle: rtr)
Äthiopien plant Beschränkungen für unabhängige
Organisationen
Sa.17.05.08 - Die äthiopische Regierung plant weitreichende Beschränkungen
für die Arbeit nationaler und internationaler Entwicklungs- und
Umweltorganisationen. Ein von Präsident Meles Zenawi vorgelegter
Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass Polizisten oder Vertreter
der Regierung unangemeldet an allen Sitzungen teilnehmen dürfen,
wie die kenianische Tageszeitung "Daily Nation" am Mittwoch berichtete.
Die Regierung soll zudem Mitarbeiter nichtstaatlicher Organisationen
ohne Gerichtsprozess entlassen, Büros durchsuchen und Eigentum
beschlagnahmen dürfen, wenn ein Verdacht auf "ungesetzliches
Handeln" vorliegt.
Internationalen Organisationen wird in dem Gesetz die Arbeit in den
Bereichen Menschenrechte, Regierungshandeln und Konfliktbewältigung
ganz untersagt. Zudem definiert das Gesetz alle Organisationen als
international, wenn sie nicht zu mehr als 90 Prozent aus
äthiopischen Mitteln finanziert werden. In Äthiopien, einem
der ärmsten Länder der Welt, sind alle
Nichtregierungsorganisationen auf Mittel ausländischer Stiftungen
und Hilfswerke angewiesen. Daher unterlägen sie künftig den
geplanten Beschränkungen.
Die Regierung Zenawi geht seit langem rigide gegen kritische Stimmen im
Land vor. Zahlreiche Oppositionspolitiker und Journalisten wurden in den
vergangenen Jahren verhaftet. Dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz war die Arbeit in der Konfliktregion Ogaden im Osten des Landes
zweitweise ganz untersagt worden. Nachdem amnesty international vor
einer Woche einen Bericht über Menschenrechtsverletzungen
äthiopischer Soldaten in Somalia vorgelegt hatte, waren von
Regierungsseite zahlreiche Schmähschriften veröffentlicht
worden.
(Quelle: epd)
10.000 Menschen vor Kämpfen im Jemen auf der Flucht
Sa.17.05.08 - Rund 10.000 Zivilpersonen sind wegen Kämpfen zwischen
Regierungstruppen und Rebellen im Norden des Jemens aus ihren
Dörfern geflüchtet, wie das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) am Freitag mitteilte. Die Menschen hätten in den
vergangenen Tagen Unterschlupf in der Stadt Saada in der gleichnamigen
Provinz gefunden, sagte eine Sprecherin des IKRK im Jemen, Iman Monkar.
Von den Kämpfen in der Provinz Saada, die am vergangenen Samstag
wieder aufgeflammt waren, sind nach Angaben des IKRK insgesamt etwa
100.000 Menschen betroffen. Ein Militärsprecher sagte, Soldaten
hätten in den Bergen Verstecke von Rebellen mit Artillerie
beschossen. Seit dem Beginn eines Aufstandes schiitischer Kämpfer
im Juni 2004 wurden in der Provinz tausende Menschen getötet.
(Quelle: ap)
IWF warnt vor Unruhen in Afrika wegen Lebensmittelpreisen
Sa.17.05.08 - Afrika drohen wegen der steigenden Lebensmittelpreise nach
Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) weitere
Unruhen.
Vor allem die Menschen in den Ländern südlich der Sahara
wendeten einen großen Teil ihres Geldes für Nahrungsmittel
auf, erklärte die für den Kontinent verantwortliche
Direktorin, Benedicte Vibe Christensen, am Freitag. Sie warnte die
südafrikanischen Staaten auf die Preisentwicklung mit Subventionen
oder Preiskontrollen zu reagieren. "Wir empfehlen den Regierungen,
einen gezielteren Ansatz zu nutzen." Christensen fügte jedoch
hinzu, dass der Einsatz von vorläufigen Fördermitteln den am
stärksten Betroffenen helfen könnte.
(Quelle: rtr)
Bundeswehr unterstützt Einsatz gegen Taliban in West-Afghanistan
Sa.17.05.08 - Deutsche Soldaten unterstützen im Westen Afghanistans und damit
außerhalb ihres eigentlichen Mandatsgebiets vorübergehend
die Jagd auf radikal-islamische Taliban und andere Aufständische.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung habe den Einsatz im Rahmen der
Operation "Karez" gebilligt, erklärte sein Ministerium am Freitag
in Berlin. Ziel sei es, eingesickerte Taliban und andere
Aufständische wieder aus den westlichen Provinzen Badghis und
Faryab zu verdrängen. Die deutschen Soldaten unterstützten
dabei die afghanische Armee.
In Militärkreisen hieß es, an dem Einsatz seien insgesamt 65
deutsche Soldaten beteiligt. Es handle sich jedoch nicht um einen
Kampfverband, sondern um Unterstützungskräfte. 20 der
Soldaten stünden als Sanitäter für Notfall-Evakuierungen
bereit. Die Deutschen unterstützten bei der Operation, die bereits
begonnen habe, Soldaten der afghanischen Armee und der schnellen
Eingreiftruppe der Norweger.
Der Einsatz sei Voraussetzung für den Wiederaufbau in der Region,
erklärte das Verteidigungsministerium. Nur so lasse sich der
Einfluss der Zentralregierung auch in den weit abgelegenen Gebieten im
Westen durchsetzen. Ohne den Einsatz würde das Vertrauen der
Bevölkerung in die Nato-Truppe Isaf und die afghanischen Soldaten
gestört.
Bereits im vergangenen Herbst war die Bundeswehr in der gleichen Region
an dem Einsatz "Harekate Yolo II" beteiligt. Auch damals ging es darum,
eingesickerte Aufständische aus dem Gebiet zu verdrängen.
Auch damals war die norwegische Eingreiftruppe an den Gefechten
beteiligt. Der Einsatz stand unter deutschem Kommando, da die
Bundeswehr die militärische Verantwortung für den Norden
trägt. Ab dem Sommer wird die Bundeswehr die schnelle
Eingreiftruppe stellen.
Nach dem aktuellen Mandat dürfen deutsche Soldaten außerhalb
ihres eigentlichen Verantwortungsbereichs eingesetzt werden, wenn dies
zur Erfüllung des Isaf-Auftrags unabweisbar ist. Derzeit sind rund
3400 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz.
(Quelle: rtr)
Mindestens neun Tote bei Selbstmordanschlag in Sri Lanka
Sa.17.05.08 - Bei einem Selbstmordanschlag in der srilankischen Hauptstadt Colombo
sind am Freitag nach Militärangaben mindestens neun Menschen
getötet worden, darunter sieben Polizisten. 75 Personen wurden
verletzt. Der Selbstmordattentäter sei auf einem Motorrad unterwegs
gewesen und habe seinen Sprengsatz neben einem Polizeibus auf einer
belebten Straße gezündet, sagte ein Militärsprecher.
Vermutlich seien Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)
für den Anschlag verantwortlich.
Wenige Stunden zuvor hatte die srilankische Luftwaffe im Norden des
Landes wieder vermutete Stellungen der LTTE angegriffen. Bei
Kämpfen am Donnerstag wurden zudem 27 Rebellen und zwei Soldaten
getötet, wie die Streitkräfte mitteilten. Eine
Bestätigung für die Angaben gab es zunächst nicht. Die
LTTE kämpfen seit 1983 für die Unabhängigkeit der Tamilen
auf Sri Lanka. Mehr als 70.000 Menschen wurden dabei getötet.
(Quelle: ap)
USA finanzieren laut 'Süddeutscher Zeitung' Tibet-Bewegung
Sa.17.05.08 - Die internationale Tibet-Bewegung erhält laut
«Süddeutscher Zeitung» erhebliche finanzielle
Unterstützung aus Washington. Die private, aber von der
US-Regierung ausgestattete Organisation «National Endowment for
Democracy» zahlte demnach 2007 allein 45 000 Dollar an das
International Tibet Support Network. Die Organisation hatte unter
anderem medienwirksame Proteste vor den Olympischen Sommerspielen
koordiniert, zum Beispiel beim Fackellauf. 2006 seien 293 000 Dollar an
tibetische Gruppen gespendet worden.
(Quelle: dpa)
Fast fünf Millionen Menschen in China nach Beben obdachlos
Sa.17.05.08 - Durch das verheerende Erdbeben in China sind allein in der Provinz
Sichuan fast fünf Millionen Menschen obdachlos geworden. Mehr als
4,8 Millionen Menschen hätten ihr Zuhause verloren, teilte ein
Behördenvertreter mit. Mittlerweile lief die internationale Hilfe
für die Katastrophenopfer an. Laut Auswärtigem Amt werden
auch einige Deutsche vermisst. Unterdessen erschütterte ein ein
schweres Nachbeben die Region, in der das Epizentrum des Bebens vom
Montag lag. Das nationale Rettungszentrum schätzte die Zahl der
Todesopfer auf über 50.000.
Die Hoffnungen, Überlebende unter den Trümmern zu finden,
schwinden. In Yingxiu konnte jedoch 68 Stunden nach dem Erdbeben ein
elfjähriges Mädchen lebend aus den Trümmern befreit
werden.
In der Katastrophenregion werden noch einige Deutsche vermisst.
"Einigen wenigen Vermisstenmeldungen gehen die Botschaft in Peking und
das Generalkonsulat in Chengdu in Zusammenarbeit mit den chinesischen
Behörden mit Hochdruck nach", sagte eine Sprecherin des
Auswärtigen Amtes in Berlin. Bisher war bekannt, dass ein
deutscher Staatsangehöriger bei dem Erdbeben verletzt worden war.
Als erste ausländische Helfer trafen 31 Japaner in Chengdu, der
Hauptstadt der Provinz Sichuan, ein. Sie sollten in Guanzhuang nach
Verschütteten suchen, in der Nähe des Epizentrums des Bebens
von Montag, berichtete Xinhua. Nach Angaben eines Vertreters des
Außenministeriums in Peking lässt China damit zum ersten Mal
überhaupt ausländische Helfer bei einer Katastrophe in seinem
Land zu. Aus Moskau brach ein Team von 49 Helfern nach Chengdu auf,
darunter 13 Ärzte und drei Psychologen, wie das russische
Katastrophenministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax
mitteilte.
Das Nachbeben der Stärke 5,9 auf der Richter-Skala habe sich im
Bezirk Lixian ereignet, weniger als 50 Kilometer vom Epizentrum
entfernt, meldete die Nachrichtenagentur Xinhua. Durch das Beben
ausgelöste Erdrutsche hätten Straßen abgeschnitten und
Autos verschüttet.
(Quelle: afp)
Zahl der Sturmtoten in Birma sprunghaft gestiegen
Sa.17.05.08 - In Birma ist die Zahl der Opfer des Zyklons "Nargis" nach jüngsten
offiziellen Angaben sprunghaft gestiegen.
Das staatliche Fernsehen sprach am Freitag von 77.738 Toten im dicht
besiedelten Irrawaddy-Delta. Zuletzt war von 43.328 Toten die Rede
gewesen. Die Zahl der Vermissten verdoppelte sich dem Bericht zufolge
auf fast 56.000. Gut 19.350 Menschen seien verletzt worden.
Unabhängige Experten rechnen indes mit einem weiteren Anstieg.
Britische Vertreter gehen von über 200.000 Toten und Vermissten
aus.
Tropische Regenfälle verschlechterten die Lage der 2,5 Millionen
Überlebenden weiter. Die Niederschläge bremsten die
Hilfsbemühungen der Militärjunta. Mitarbeiter von
Hilfsorganisationen wiesen darauf hin, dass anhaltender Regen viele
Menschen erneut zur Flucht zwingen und die Gefahr von Seuchen
erhöhen könnten.
Die Militärjunta warnte in den staatlichen Zeitungen die
Bevölkerung davor, Hilfslieferungen beiseitezuschaffen oder zu
verkaufen. Derartige Vergehen würden streng bestraft. Die
Ankündigung war die Reaktion auf Gerüchte, dass einige
örtliche Militärangehörige Lastwagen mit Lebensmitteln,
Decken und Wasser verschwinden ließen. Die Regierung ließ
trotz internationalen Drucks bislang nur wenige ausländische
Helfer ins Land.
Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz rief die die UN trotz
chinesischer Ablehnung dazu auf, die Haltung der birmanischen Regierung
im Sicherheitsrat zu behandeln. Die Weigerung der Junta,
ausländische Helfer ins Land zu lassen, gehöre vor den
UN-Sicherheitsrat, sagte der Vorsitzende des außenpolitischen
Ausschusses in Berlin. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sei
aufgerufen, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, damit
ständige Ratsmitglieder wie China oder Russland ihre Ablehnung
begründen müssten. Das Nein Birmas zu ausländischen
Helfern sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte Polenz.
(Quelle: rtr)
EU-Lateinamerika-Gipfel berät über Armut und Klimawandel
Sa.17.05.08 - Rund 50 Staats- und Regierungschef aus Lateinamerika und Europa sind in
Perus Hauptstadt Lima zu einem Gipfeltreffen mit den Schwerpunkten
Armut und Klimawandel zusammengekommen. Von beidem ist der
lateinamerikanische Kontinent besonders betroffen; Gletscherschmelze
und Waldrodung führen zu massiven Umweltproblemen. Die EU, die in
Lima führend von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem
spanischen Kollegen José Luis Rodríguez Zapatero
vertreten wird, hofft aber auch, mit intensiveren Handelsbeziehungen
vom wirtschaftlichen Boom in Lateinamerika zu profitieren.
Der Kontinent bleibt eine der Weltregionen mit den größten
sozialen Ungleichheiten. Rund 194 Millionen Menschen leben in Armut,
das sind 36,5 Prozent der Einwohner Lateinamerikas. Besonders betroffen
von schlechten Lebensbedingungen sind oftmals die Ureinwohner, die mit
71 Millionen Menschen 13,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die
Spannungen zwischen Arm und Reich zeigten sich auch in Kontroversen
zwischen rechts- und linksgerichteten Regierungen im Vorfeld des
Gipfels.
Unter den linksgerichteten Staatschefs hatte sich vor dem Gipfel
Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hervorgetan, der Merkels
Unterstützerkreise in einem Atemzug mit den Anhängern Adolf
Hitlers genannt hatte. Die Bundeskanzlerin hatte darauf nicht reagiert
und auch kurz vor Beginn des Treffens in Lima betont: "Ich habe dazu
eigentlich alles gesagt, und ich glaube, dass wir einen guten
EU-Lateinamerika-Gipfel haben werden."
Merkel zeigte sich optimistisch, dass das Treffen in Lima positive
Ergebnisse zeitigen werde und unterstrich die Verantwortung Europas,
Lateinamerika zu unterstützen. Dieses setze "große Hoffnung"
auf die Partnerschaft mit Europa und die Europäer seien gefordert,
darauf einzugehen. Der Gipfel sei "eine Chance, dass beide Kontinente
sich näherkommen". Am Ende des Treffens soll eine "Erklärung
von Lima" stehen, die im Vorfeld erarbeitet und gebilligt worden war
und in der die gemeinsame Bekämpfung des Drogenhandels sowie der
Lebensmittelkrise im Mittelpunkt steht.
Die Handelsberatungen erwiesen sich dagegen nach Angaben von
EU-Handelskommissar Peter Mandelson als sehr kontrovers. Ein für
2009 geplantes Freihandelsabkommen der Union mit Zentralamerika und der
Andengemeinschaft drohe an mehreren Streitfragen zu scheitern, sagte
Mandelson am Vorabend des Gipfels. Einer der besonders umstrittenen
Punkte ist demnach der Bananenhandel.
(Quelle: afp)
Menschenrechtsgruppe verurteilt 24 europäische Unternehmen -
Kritik während des EU-Lateinamerika-Gipfels - Vorwürfe gegen
Bayer AG
Sa.17.05.08 - In einem symbolischen Prozess hat eine Menschenrechtsgruppe am Rande
des EU-Lateinamerika-Gipfels in Lima 24 europäische Unternehmen
moralisch verurteilt. Das sogenannte Ständige Volkstribunal warf
den Konzernen unter anderem Vergiftung der Umwelt, Ausbeutung von
Arbeitern und den sorglosen Verkauf gefährlicher
landwirtschaftlicher Chemikalien vor. Zu den kritisierten Unternehmen
zählten unter anderem die deutsche Bayer AG sowie die beiden
Ölkonzerne Royal Dutch Shell und Repsol. Von Bayer war
zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
1999 waren in einem entlegenen Andendorf 24 Schulkinder gestorben,
denen Milch gegeben wurde, die irrtümlicherweise mit einer
Chemikalie von Bayer gemischt worden war. Die Aktivisten werfen Bayer
vor, das giftige Produkt verkauft zu haben, obwohl das Unternehmen
gewusst habe, dass es von Analphabeten benutzt werden würde, die
keine Warnhinweise lesen könnten.
Dem Tribunal gehören 15 Mitglieder an, darunter ehemalige
Senatoren aus Kolumbien und Italien sowie Menschenrechtsaktivisten aus
Europa und Lateinamerika. Der Prozess war Teil des alternativen
«Volksgipfels», der das offizielle Treffen von Staats- und
Regierungschef der EU und Lateinamerika begleitet hat.
(Quelle: ap)
UNO-Umweltchef: Mangelnder Artenschutz in Deutschland und EU
Sa.17.05.08 - Deutschland unternimmt nach Ansicht der UNO nicht genug für den
Artenschutz. In der »Neuen Osnabrücker Zeitung«
(Freitagausgabe) kritisierte der Leiter des UNO-Umweltprogramms, Achim
Steiner, auch die Europäische Union. Die Diskussion in der EU zu
Fischereibeständen lasse «einen Widerspruch erkennen, der
nicht mit dem Anspruch einer Führungsrolle zusammenpasst».
Steiner betonte: »Aus mangelnder Handlungsbereitschaft werden in
der EU Fischereiquoten verabschiedet, die zu einer Überfischung
führen und damit die Artenvielfalt bedrohen.«
Mit Blick auf die am Montag in Bonn beginnende UNO-Artenschutzkonferenz
sagte Steiner zu den Ursachen des Artensterbens: «Unser
wirtschaftliches System hat es bisher nicht geschafft, Produkte und
Dienstleistungen, die die Natur uns täglich bereitstellt, in einen
wirtschaftlichen Kreislauf zu integrieren.» Nutzung müsse
gleichzeitig auch Nachhaltigkeit sicherstellen. »Solange wir eine
Art Raubbau an der Natur betreiben und glauben, dass dieses keinen Preis
hat, wird sich das Artensterben nicht verändern", sagte Steiner.
(Quelle: ddp)
Artenvielfalt seit 70er Jahren um ein Viertel gesunken
Sa.17.05.08 - Die Artenvielfalt auf der Erde ist laut einem Bericht der
weltgrößten Umweltschutzorganisation WWF in den vergangenen
drei Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Insgesamt sanken die
globalen Wildtierbestände seit den 70er Jahren um 27 Prozent, wie
aus dem in London vorgestellten "Living Planet Index 2008" hervorgeht.
Besonders betroffen seien Meerestiere, deren Lebensraum durch
Umweltverschmutzung und Überfischung beeinträchtigt worden
sei. Auch das rasante Bevölkerungswachstum und die zunehmende
Verstädterung des Planeten hätten sich zu Lasten der Tierwelt
ausgewirkt.
Der "Living Planet Index" überwacht die Bestände von 4000
Populationen in fast 1500 Arten. Eine verringerte Artenvielfalt
bedeute, dass Millionen Menschen in Zukunft damit rechnen müssten,
dass Nahrungsmittel anfälliger für Krankheiten seien, sagte
WWF-Generaldirektor James Leape. Niemand könne den Folgen des
Rückgangs entkommen, da eine geringere Biodiversität mit
einer größeren Gefahr von Naturkatastrophen und
stärkeren Auswirkungen des Klimawandels einhergehe.
In der kommenden Woche befasst sich die UN-Biodiversitätskonferenz
in Bonn mit dem weltweiten Artensterben. Die Experten beraten über
die konkrete Umsetzung der 1994 in Kraft getretenen Konvention
über die biologische Vielfalt (CBD). Die beteiligten Staaten haben
sich verpflichtet, bis 2010 den Verlust an biologischer Vielfalt
"bedeutend" zu verringern. Der WWF nannte es in seinem Bericht
allerdings "sehr unwahrscheinlich", dass die Vereinten Nationen ihre
Ziele erreichen würden.
(Quelle: afp)
Deutschland
'Große Parteien' zusammen so schwach wie noch nie
Sa.17.05.08 - Die Koalitionsparteien von Union und SPD rangieren nach einer Umfrage
in der Wählergunst tiefer denn je. CDU/CSU und SPD kommen in der
Sonntagsfrage des ARD-«Deutschlandtrends» zusammen nur noch
auf 61 Prozent. Auf diesen Wert seien sie noch nie gefallen, teilte der
Sender mit.
Die Union verlor demnach einen Punkt und kommt auf 36 Prozent. Die SPD
büßte zwei Punkte ein und liegt bei 25 Prozent, ihrem
schlechtesten Wert in der Umfrage von Infratest dimap seit August 2004.
Die Grünen verbesserten sich um zwei Punkte auf 12 Prozent, die
Freidemokraten um einen auf 11 Prozent. Die Linke liegt stabil bei 12
Prozent.
Das Institut hatte am 13. und 14. Mai 1000 Bundesbürger befragt.
(Quelle: dpa)
Sahra Wagenknecht tritt nicht als Parteivize der Linken an
Sa.17.05.08 - Die Wortführerin der Kommunistischen Plattform in der Linken,
Sahra Wagenknecht, will nicht für den stellvertretenden Vorsitz
ihrer Partei kandidieren. Das Vorstandsmitglied der Linken
begründete die Entscheidung am Freitag unter anderem damit, dass
eine Kandidatur auf dem Parteitag kommende Woche in Cottbus von einigen
zur «Zerreißprobe» hochstilisiert werden könnte.
Es liege nicht in ihrem Interesse, dass der erste Parteitag der neuen
Linken von «personalpolitischen Grabenkämpfen»
dominiert werde.
Wagenknecht räumte ein, dass sie einer Kandidatur zunächst
aufgeschlossen gegenüber gestanden habe. Sie sei von vielen dazu
ermutigt worden. Es habe aber auch andere Reaktionen gegeben.
Wagenknecht will sich nun erneut um einen Posten im Parteivorstand
bewerben.
Die bisherige Parteivive-Chefin Katina Schubert tritt beim Parteitag am
24. und 25. Mai in Cottbus nicht mehr an. Wagenknecht gehört der
Kommunistischen Plattform der Linkspartei an. Die Plattform mit rund 840
Mitgliedern wird vom Verfassungsschutz beobachtet und als «offen
extremistischer Zusammenschluss» eingestuft.
(Quelle: ddp)
CDU-Spitze im unionsinternen Steuerstreit weiter unter Druck
Sa.17.05.08 - Im unionsinternen Steuerstreit steht die CDU-Spitze trotz der
Beschwichtigungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter stark
unter Druck. Unionsabgeordnete warben offen für Entlastungen bei
Einkommensteuertarif und Grundfreibetrag noch in dieser
Legislaturperiode. Dabei wurde auch persönliche Kritik an Merkel
laut. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla schloss baldige
Steuersenkungen dagegen erneut aus. SPD-Generalsekretär Hubertus
Heil plädierte unterdessen für eine stärkere
Steuerfinanzierung der Sozialkassen, um die Beiträge senken zu
können.
Der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der Union, Josef Schlarmann
(CDU), forderte Merkel auf, sich "aus der Umklammerung" von
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) zu lösen und die
politischen Prioritäten von der Haushaltskonsolidierung zur
Steuerentlastung korrigieren. Ein solcher Politikwechsel stärke die
Binnenkonjunktur und beende die Enttäuschung der
Stammwählerschaft der CDU, sagte Schlarmann dem "Handelsblatt".
In einem offenen Brief fordern 200 Abgeordnete der Union schon 2009 die
Anhebung des Steuerfreibetrags und die Anpassung des Steuertarifs an die
Inflationsentwicklung. Merkel, die sich zurzeit auf einer
Lateinamerika-Reise befindet, sagte dazu, die Haushaltskonsolidierung
solle zwar weiter verfolgt werden. Doch "alles, was wir den Menschen
zurückgeben können, werden wir natürlich auch
zurückgeben", so schnell das möglich sei.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla pochte hingegen darauf, der
Haushaltskonsolidierung weiterhin Vorrang einzuräumen. "In dieser
Legislaturperiode kann es keine Steuersenkung geben", sagte er im
ARD-Morgenmagazin. Er kündigte jedoch an, dass Kindergeld und
Kinderfreibetrag erhöht werden könnten, wenn dies laut dem
für Herbst erwarteten Existenzminimum-Bericht notwendig sei.
(Quelle: afp)
SPD will Sozialkassen stärker durch Steuern finanzieren
Sa.17.05.08 - Die SPD will sich nach den Worten ihres Generalsekretärs Hubertus
Heil für eine stärkere Steuerfinanzierung der Sozialkassen
einsetzen, um im Gegenzug die Beiträge zu senken.
«Grundsätzlich bin ich für eine stärkere
Steuerfinanzierung der sozialen Sicherungssysteme», sagte Heil der
«Saarbrücker Zeitung» (Freitagausgabe). Eine
Entlastung bei den Sozialabgaben helfe den Arbeitnehmern. Außerdem
würden die Lohnzusatzkosten gesenkt. In der
«Gesamtbetrachtung» von Steuern und Abgaben dürften die
Leistungsträger bei den Arbeitnehmern dadurch aber nicht
stärker belastet werden.
Dieses Thema wird sich nach den Worten Heils auch im Regierungsprogramm
der Partei ab 2009 widerspiegeln. Auf dem Zukunftskonvent der SPD, der
Ende Mai in Nürnberg stattfindet, werde es eine entsprechende
Orientierung geben. «Darin wird der Dreiklang aus
Haushaltskonsolidierung, Zukunftsinvestitionen und
Entlastungsspielräume durch Beitragsenkungen der zentrale Eckpunkt
sein», kündigte Heil an.
(Quelle: ddp)
Wirbel um Personalabbau bei der Bahn
Sa.17.05.08 - Mit Aussagen zu einem unvermeidbaren Personalabbau bei der Deutschen
Bahn hat der künftige Arbeitsdirektor Norbert Hansen neue Unruhe
im Konzern ausgelöst. Vorstandschef Hartmut Mehdorn reagierte
umgehend und sprach von Spekulationen, die «an den Haaren
herbeigezogen seien».
Für einen Personalabbau gebe es keine Pläne «und schon
gar nicht gibt es derartige Beschlüsse», teilte Mehdorn am
Freitag in Berlin mit. Richtig sei vielmehr, «dass es im Zuge der
Teilprivatisierung bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen
geben wird». Die zweitgrößte Bahngewerkschaft GDBA
warnte vor weiteren Rationalisierungen. Die Bundesregierung wies
Vermutungen zurück, der bundeseigene Konzern wolle die
Beschäftigungssicherung durch Ausgründung von Unternehmen
aushebeln.
Hansen hatte der «Bild»-Zeitung (Freitag) gesagt:
«Wir werden bei der Bahn weiter rationalisieren müssen. Und
das wird in einigen Bereichen nicht ohne Personalabbau gehen.» In
seinem neuen Amt als Arbeitsdirektor im Bahnvorstand sei es jedoch sein
Ziel, ohne Kündigungen auszukommen. Hansen war erst vor einer
Woche als Vorsitzender der Gewerkschaft Transnet zurückgetreten
und beginnt am 1. Juni bei der Bahn. Die Verkehrs- und Logistiksparten
der Bahn sollen spätestens bis Frühjahr 2009 bis zu 24,9
Prozent an die Börse gebracht werden.
Hansen forderte von den Mitarbeitern der Bahn eine höhere
Effizienz: «Es gibt mittlerweile viele regionale
Bahngesellschaften, die zeigen, wie es gehen kann. Da ist dann zum
Beispiel ein Lokführer nicht nur dafür verantwortlich, den
Zug zu steuern - sondern kann in den Zugabteilen auch einmal
aufräumen oder auf einem kleinen Bahnhof mit anpacken.» So
etwas sei bei einem großen Konzern wie der Bahn zwar schwieriger,
«aber in diese Richtung müssen wir langfristig
denken», sagte Hansen.
Für den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus
Weselsky, zeigen die Äußerungen Hansens, «dass die
Eisenbahner die Leidtragenden einer Teilprivatisierung der DB sein
werden.» Auch aus diesem Grunde lehne die GDL den Einfluss
privater Investoren auf das Unternehmen ab.
Der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel kündigte Widerstand an,
sollten tatsächlich weitere Rationalisierungen geplant sein.
«Dann droht Krach, aber richtig», sagte Hommel. «Die
Arbeitsbelastung der Mitarbeiter ist zwischenzeitlich so hoch, dass es
für solche Überlegungen keinerlei Spielräume
gibt.» Hommel hatte in den vergangenen Jahren in enger Abstimmung
mit Hansen Tarifpolitik betrieben.
Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte in Berlin, in Sachen
Beschäftigungssicherung werde «nichts mit Tricks und
Kniffen» gemacht. Koalition und Bundesregierung hätten ihre
Bedingungen für die Teilprivatisierung hinreichend klargemacht.
Das Bündnis «Bahn für alle» erinnerte daran, dass
der am Mittwoch vereinbarte Tarifvertrag nur betriebsbedingte
Kündigungen im Zusammenhang mit der Teilprivatisierung
ausschließe, nicht jedoch «betriebsbedingte
Kündigungen aus Motiven der einzelnen Gesellschaften
heraus». Die Bahn strebe an, Beschäftigte vom dem
privatisierten Teil des Unternehmens in die Arbeitsvermittlungs-
Tochter DB JobService zu verschieben, der bei der Konzernmutter und so
im öffentlichen Eigentum bleibe. So würden «Gewinne
privatisiert, Kosten sozialisiert.»
Indessen wurde Lothar Krauß erwartungsgemäß zum
Vorsitzenden der Gewerkschaft Transnet gewählt. Der
Transnet-Beirat, das höchste Gremium zwischen den
Gewerkschaftstagen, wählte den 52-Jährigen in Frankfurt mit
71 von 75 Stimmen zu Hansens Nachfolger, wie nach der Sitzung
mitgeteilt wurde. Krauß war bislang stellvertretender
Vorsitzender und hatte keinen Gegenkandidaten.
(Quelle: dpa)
Wissenschaft
Höchste C02-Konzentration seit 800.000 Jahren
Sa.17.05.08 - Die Treibhausgaskonzentration hat heute ihren höchsten Stand seit
rund 800.000 Jahren erreicht. Mit Analysen von Luftblasen im ewigen Eis
der Antarktis gelang es Forschern erstmals, so weit in die
Klimageschichte zurückzugehen. Die Ergebnisse der Eisbohrungen bis
zu eine Tiefe von 3.270 Metern wurden am Donnerstag im
Wissenschaftsmagazin «Nature» vorgestellt.
«Die Aussicht, einen höheren CO2-Gehalt als in der Gegenwart
zu finden, sind unwahrscheinlich geworden», sagte der
französische Co-Autor der Studie, Jérôme Chappelaz,
der Zeitung «Le Figaro».
Die Daten, die 150.000 Jahre weiter als je zuvor in die Vergangenheit
zurückreichen, belegen abermals die hohe Korrelation zwischen
Kohlendioxidkonzentration und Temperaturanstieg auf der Erde. Die
höchsten Temperaturen herrschten vor 320.000 Jahren, damals war es
am Südpol zwischen 3 und 5 Grad wärmer als heute. Der
C02-Gehalt betrug 320 Teile pro Million (ppm). Inzwischen liegt die
Konzentration bei 380 ppm.
Der große Unterschied: Der Treibhausgaseffekt hat sich in der
jüngeren Vergangenheit seit etwa 150 Jahren ausgewirkt, also mit
vergleichbar rasendem Tempo. Die vorangegangene Wärmephase habe
sich «über mehrere Jahrtausende erstreckt, so dass das Klima
Zeit hatte, sich zu stabilisieren», sagte Chappelaz vom Grenobler
Forschungszentrum LGGE dem «Figaro».
Die niedrigste Treibhausgaskonzentration gab es der Studie zufolge vor
667.000 Jahren mit 172 ppm. Die Wissenschaftler vermuten, dass die
Ozeane in der damaligen Zeit das CO2 besser gespeichert haben.
Eine weitere Erkenntnis des europäischen Forschungsprojektes EPICA
an zwei Bohrstellen in der Antarktis: Die starken
Klimaveränderungen in der Geschichte lassen sich nicht durch das
Ausmaß und die Geschwindigkeit der Vergletscherung erklären.
Sogar in der Eiszeit vor 770.000 Jahren veränderte sich das Klima.
Die Temperaturen folgen demnach einem von den Gletschern
unabhängigem Schema. «Das ist erstaunlich», sagte
Chappelaz. «Wir haben erwartet, dass die Klimavariationen vom
Volumen der Eisberge im Nordatlantik abhängen. Das ist jedoch nicht
der Fall.»
Die Hypothese, die gegenwärtige Gletscherschmelze könne zu
einer Verlangsamung der Meeresströme und damit zu einer
Klimaabkühlung in Europa führen, scheint durch die Forschungen
in Frage gestellt.
(Quelle: ap)
10 Kilometer großer Pulsar schwerer als die Sonne
Sa.17.05.08 - Ein internationales Forscherteam hat einen ungewöhnlichen
Himmelskörper entdeckt, der sich mit rasender Geschwindigkeit um
seine eigene Achse dreht und schwerer ist als die Sonne.
Der Stern sei ein «Winzling» mit einen Durchmesser von zehn
Kilometern, wiege aber dennoch 1,74 Mal so viel wie unsere Sonne. Das
berichtete ein Team um Wouter Vlemmings vom Argelander-Institut für
Astronomie an der Universität Bonn im Journal
«Science» (online vorab) vom Freitag. Es handele sich um
einen in der Fachsprache «Pulsar» genannten Stern, der fast
500 Mal pro Sekunde um die eigene Achse rotiere und dabei quasi wie ein
Leuchtturm einen Strahl aus Radiowellen aussende.
Der als «J1903+0327» bezeichnete Himmelskörper sei mit
Hilfe des weltgrößten Radioteleskops, dem Arecibo-Teleskop in
Puerto Rico, entdeckt worden. Der kuriose Stern sei praktisch an einen
Partnerstern «gefesselt». Die beiden Himmelskörper
umtanzen sich nach Angaben des Astronomen-Teams auf einer
merkwürdigen elliptischen Bahn. Möglicherweise sei noch ein
dritter Partnerstern an dem «galaktischen Ringelreihen»
beteiligt, der aber von der Erde aus nicht zu sehen sei.
Pulsare entstehen, wenn massereiche Sterne explodieren. Es bleibt dann
ein extrem verdichteter Rest zurück, ein Neutronenstern. Dieser
sendet an seinen magnetischen Polen Radiowellen aus, die man selbst in
einer Entfernung von vielen Milliarden Lichtjahren noch auffangen kann,
wie die Forscher berichteten. Der nun entdeckte Pulsar drehe sich so
ungewöhnlich rasch um seine eigene Achse, dass er zu den
schnellsten Pulsaren gehöre, die je entdeckt wurden. Diese
Himmelskörper können wichtige Erkenntnisse über
Entstehung und Aufbau des Universums liefern.
(Quelle: dpa)
Computer
Microsoft steigt in Projekt für 'Dritte-Welt-Laptop' ein
Sa.17.05.08 - Den «100-Dollar-Laptop» der Stiftung OLPC (One Laptop per
Child) wird es künftig auch mit Microsoft-Betriebssystem geben. Der
weltgrößte Softwarekonzern ist dafür der
gemeinnützigen Stiftung um den MIT-Professor Nicholas Negroponte
beigetreten, teilte das Unternehmen am Freitag mit.
Bereits im kommenden Monat werde es einen ersten Laptop mit dem
Betriebssystem Windows XP geben, hieß es. Bislang waren die
Billig-Laptops ausschließlich mit freier Software und dem
Betriebssystem Linux bestückt. Der Beitritt Microsofts ist in der
Organisation allerdings nicht unumstritten.
Das ambitionierte Projekt war Ende 2005 mit dem Ziel gestartet, mit
einem Laptop für nur 100 Dollar den digitalen Graben zwischen
Industrienationen sowie Entwicklungs- und Schwellenländern zu
schließen. Unterdessen hatte es sich jedoch als schwierig
erwiesen, den Preis von 100 Dollar überhaupt zu erreichen. Von dem
Gerät, das derzeit rund doppelt so teuer wie geplant ist, wurden
nur wenige 100 000 Stück verkauft. Zwischenzeitlich war als
Chip-Lieferant neben AMD auch Marktführer Intel dem Projekt
beigetreten, gab seine Mitarbeit jedoch nach Streitigkeiten zugunsten
des Konkurrenz-Projekts «Classmate» wieder auf.
Microsoft hat nach eigenen Angaben mehr als ein Jahr mit mehreren
Partnern gearbeitet, um Windows XP auf den «XO»-Laptop zu
bringen. Das Betriebssystem unterstützt nun auch den E-Book-Reader
des Geräts sowie den drahtlosen Netzstandard Wi-Fi, eine Kamera und
andere Funktionen. Im Oktober soll ein neues Modell des
grün-weißen Geräts verfügbar sein, der sich sowohl
unter Windows als auch unter Linux starten lässt. Nach Angaben des
«Wall Street Journal» stellt Microsoft dem Projekt XP
für nur 3 Dollar pro Software-Paket zur Verfügung.
Die OLPD hatte bislang ausschließlich auf offene und frei
verfügbare Software gesetzt, um finanzielle Abhängigkeiten in
der Dritten Welt zu vermeiden. Der Beitritt von Microsoft ist deshalb
auch nicht unumstritten. In den letzten zwei Monaten hat die OLPC aus
diesem Grund bereits zwei wichtige Mitarbeiter verloren, berichtet das
«Wall Street Journal». So habe auch der
Software-Präsident Walter Bender aus Protest die Organisation
verlassen. «Um Windows auf einen Laptop zu bringen, braucht ihr
mich nicht», zitiert die Zeitung den Software-Experten.
(Quelle: dpa)