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Irak 1517 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Irakische Truppen nehmen über 1.000 Verdächtige in Mossul fest. Frau sprengt sich vor Gebäude einer Bürgerwehr in die Luft

So.18.05.08 - In einer großen Offensive gegen Al Kaida im Irak haben Regierungstruppen und Polizei in Mossul innerhalb einer Woche über 1.000 Verdächtige festgenommen. Die Offensive wurde gezielt in der drittgrößten Stadt des Landes durchgeführt, da sich Mossul zuletzt zu einer Hochburg der Al Kaida entwickelt hatte. Insgesamt wurden 1.068 mutmaßliche Al-Kaida-Terroristen festgenommen, 94 von ihnen wurden inzwischen wieder freigelassen, wie die Behörden am Samstag mitteilten.

Ministerpräsident Nuri Al-Maliki, der den Einsatz in Mossul überwacht hatte, kehrte am Samstag ins rund 360 Kilometer weiter südlich gelegene Bagdad zurück. Dort sollte er mit der demokratischen Mehrheitsführerin im US-Kongress, Nancy Pelosi, zusammentreffen. Pelosi, eine Kritikerin des Irak-Kriegs, traf bei ihrem nicht angekündigten Besuch auch den US-Botschafter Ryan Crocker und den Oberkommandierenden der US-Streitkräfte, General David Petraeus.

Eine Selbstmordattentäterin hat in der irakischen Stadt Bakuba ein Mitglied einer lokalen Bürgerwehr mit in den Tod gerissen und 15 weitere Menschen verletzt. Augenzeugen berichteten, die Frau habe ihren Sprengstoffgürtel vor dem Gebäude der Bürgerwehr gezündet, die mit Unterstützung der US-Armee gegen die El-Kaida- Terroristen kämpft. Nach Einschätzung von Beobachtern sind die Selbstmordattentäterin vor allem Frauen, deren Ehemänner, Väter oder Brüder von den Sicherheitskräften getötet worden waren.

(Quellen: dpa, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 18.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausenddreiundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Fr.18.05.07 - Britische Experten warnen vor Zusammenbruch des Irak +++ Zweiter Anschlag auf Brücke in Bagdad innerhalb einer Woche +++ US-iranische Gespräche über Irak ab 28. Mai... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0705180.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

USA planen großes Gefangenenlager in Afghanistan

So.18.05.08 - Die USA planen den Bau eines neuen Gefangenenlagers auf ihrem größten Militärstützpunkt in Afghanistan. Wie ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP sagte, soll das Lager auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram mehr als 16 Hektar groß werden, so groß wie die Baugrube von Ground Zero in New York. Grund sei der schlechte Zustand des alten Gefängnisses in Bagram, in dem seit Beginn des Einmarsches in Afghanistan Ende 2001 mutmaßliche Extremisten festgehalten werden.

Die US-Regierung hatte angekündigt, eine größere Anzahl von Gefangenen der Aufsicht der afghanischen Behörden in einem neuen Gefängnis außerhalb von Kabul zu unterstellen, wie die Zeitung "New York Times" berichtet. Das Gefängnis sollte mit US-Geldern gebaut werden. Allerdings kann das neue Gefängnis nach Ansicht von US-Vertretern nicht alle Gefangenen aufnehmen, zumal angesichts des erstarkenden Widerstands im Land immer neue Gefangene hinzukommen.

(Quelle: afp)
 


 

Nahost-Konflikt

Regierung und Opposition beraten über Krise im Libanon

So.18.05.08 - Zur Überwindung der politischen Krise im Libanon haben führende Politiker von Regierung und Opposition in der katarischen Hauptstadt Doha Gespräche aufgenommen. Katars Regierungschef Scheich Hamad bin Dschassem el Thani sagte die Teilnehmer seien "in der Lage, gefährliche Entgleisungen zu vermeiden". Deutschland und die USA begrüßten den Dialog. Der Libanon ist seit November ohne Staatsoberhaupt, da die pro-westliche Regierung und die pro-syrische Opposition sich nicht auf die Wahl eines Kompromisskandidaten einigen können.

Katars Staatschef Scheich Hamad bin Chalifa el Thani eröffnete das Treffen mit hochrangigen Vertretern der libanesischen Regierung und der unter syrischem sowie iranischem Einfluss stehenden Opposition. Sie hatten sich am Donnerstag unter Vermittlung der Arabischen Liga auf Gespräche geeinigt, um die seit 18 Monaten schwelende politische Krise in ihrem Land zu beenden. Neben Verhandlungen über eine Regierung der nationalen Einheit und ein neues Wahlrecht soll auch die Wahl von Armeechef Michel Suleiman zum Staatspräsidenten endlich vollzogen werden, die bereits 19 Mal verschoben wurde.

In der vergangenen Woche waren die Spannungen im Libanon eskaliert. Anlässlich eines Generalstreiks kam es zu ersten Scharmützeln; als kurz darauf der Chef der Schiiten-Miliz Hisbollah, Hassan Nasrallah, der Regierung eine "Kriegserklärung" vorwarf, kam es zu heftigen Feuergefechten zwischen Sunniten und Schiiten in mehreren Stadtteilen der Hauptstadt Beirut. Dabei wurden 65 Menschen getötet.

Die Bundesregierung begrüßte die neuen Bemühungen um eine Lösung der politischen Krise im Libanon als "Signal der Hoffnung". Die Gespräche zwischen den Konfliktparteien in Katar seien ein "erster, notwendiger Fortschritt", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin. Die Regierung hoffe sehr, dass jetzt der Wille da sei, sich zu verständigen und einen neuen Präsidenten zu wählen.

Die USA unterstützten den Dialog, würden sich jedoch nicht in diese innerlibanesische Angelegenheit einmischen, betonte ein Ministeriumsvertreter. Washington will vermeiden, dass die Hisbollah US-Stellungnahmen zum Anlass nimmt, den Verhandlungstisch zu verlassen.

Ein ursprünglich geplantes Treffen zwischen dem libanesischen Regierungschef Fuad Siniora und US-Präsident George W. Bush, das für Sonntag im ägyptischen Scharm el Scheich angesetzt war, sollte offenbar doch nicht stattfinden.

(Quelle: afp)
 


 

Brasilien hat kaum Erfolg im Kampf gegen illegale Rodungen

So.18.05.08 - Der beißende Rauch aus der Holzkohle-Herstellung liegt wieder über der Stadt Tailandia im Amazonasbecken. Dabei waren erst vor drei Monaten brasilianische Bundespolizisten in die Stadt eingerückt und hatten Sägewerke geschlossen, Holz beschlagnahmt und die Öfen zur Holzkohle-Herstellung zerstört. Die Razzia war Teil der Bemühungen der brasilianische Regierung, die illegalen Rodungen im Regenwald am Amazonas einzudämmen.

In Tailandia rollen die Lastwagen aber wieder, und die Menschen machen aus Holzresten wieder Holzkohle. Umweltministerin Marina Silva hat in dieser Woche die Konsequenzen aus der gescheiterten Aktion gezogen und ist zurückgetreten. Sie reagierte damit darauf, dass es ihr nicht gelungen war, sich in Orten wie Tailandia durchzusetzen. Sie kritisierte aber auch die Regierung, weil sie den Menschen in dem Gebiet keine echten Alternativen zu den illegalen Rodungen aufgezeigt habe. 70 Prozent der Arbeitsplätze in der Region hängen am Holzeinschlag. Nach der Razzia stiegen Arbeitslosigkeit und Kriminalität drastisch an.

Die «Operation Feuerbogen» war gestartet worden, nachdem Satellitenaufnahmen gezeigt hatten, dass die illegalen Rodungen im Amazonasgebiet wieder um 34 Prozent zugenommen hatten. Die Polizei beschlagnahmte 15.500 Tonnen illegal geschlagenes Holz, 19 Kettensägen, zehn Schusswaffen und 95 Fahrzeuge. Sägewerke ohne Genehmigung wurden geschlossen, registrierte Betriebe, die die legale Herkunft ihres Holzes nicht nachweisen konnten, mit Geldstrafen belegt. Die brasilianische Umweltbehörde Ibama verhängte insgesamt Strafen über mehr als 16 Millionen Euro.

«Buchstäblich jeder wurde hier bestraft», sagt Flavio Sufredini, der ein kleines Sägewerk betreibt, in dem illegales Holz gefunden wurde. Es sei fast unmöglich, hier legal zu arbeiten, da es für das meiste Land keinen Besitzer gebe. Holzfäller müssen aber Landrechte nachweisen, um Rodungsgenehmigungen zu erhalten.

Um die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes zu fördern, hat die Regierung das Programm «Grüner Bogen» gestartet. Es gewährt den Landbesitzern Kredite und bietet ihnen Unterstützung, erklärt die Gouverneurin Ana Julia Carepa des Staates Para, in dem Tailandia liegt. «Es ist wichtig, dass die Regierung Anreize schafft, um den Wald zu erhalten», sagt Carepa. «Es muss mehr wert sein, den Wald zu erhalten, als ihn zu roden.»

Aber Joao Medeiros, der Präsident der Vereinigung der Holzbetriebe in Tailandia, erklärt, die Regierung hätte dieses Programm vor ihrer Razzia starten sollen. Viele Holzfäller warteten seit zwei Jahren darauf, dass ihre Pläne genehmigt würden. «Ich sage, sieben von zehn Holzfäller wollen legal arbeiten, aber die Regierung hat nicht genügend Leute, um die Anträge zügig zu bearbeiten», sagt Medeiros. «Und die Menschen warten nicht und hungern.»

(Quelle: ap)
 


 

UN-Konferenz zur biologischen Sicherheit: Einigung bei Haftung für Schäden durch genveränderte Organismen

So.18.05.08 - Die UN-Konferenz zur biologischen Sicherheit hat sich am Freitag auf eine verbindliche Haftung bei Schäden durch gentechnisch veränderte Organismen geeinigt. Die Teilnehmer der Bonner Konferenz hätten sich grundsätzlich darauf verständigt, dass derjenige, der Schäden verursache, auch dafür haften müsse, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundeslandwirtschaftsministerium, Ursula Heinen (CDU), zum Abschluss der Konferenz am Freitag. Rechtsexperten sollen nun die rechtlichen Einzelheiten klären.

Die Verhandlungen seien sehr schwierig gewesen, sagte Heinen. Die Positionen der Delegierten zur Haftungsfrage hätten weit auseinandergelegen. «Wir standen im Verlauf der Verhandlungen zeitweise an einem Punkt, der ein Scheitern bedeutet hätte», sagte Heinen.

An der Konferenz in Bonn hatten mehr als 3000 Delegierte aus Ländern teilgenommen, die das sogenannte Cartagena-Protokoll unterschrieben haben. Das Protokoll trifft Regelungen zur Sicherheit von Mensch und Umwelt bei der Weitergabe und Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen, die nachhaltige Auswirkungen auf den Erhalt der biologischen Vielfalt haben können. Anfang 2000 war das Protokoll in Montreal von der Vertragsstaatenkonferenz der Konvention über die biologische Vielfalt beschlossen worden.

(Quelle: ddp)
 


 

Italien: Erneut 376 Flüchtlinge auf Lampedusa gelandet

So.18.05.08 - Auf der süditalienischen Insel Lampedusa sind in der Nacht zum Samstag erneut 376 Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern gelandet. Die Einwanderer, darunter 26 Frauen und vier Kinder, hätten mit einem alten Fischkutter gerade noch den Hafen der kleinen Insel vor Sizilien erreicht, teilte die italienische Küstenwache mit. Sie seien in das dortige Aufnahmelager gebracht worden. Am vergangenen Donnerstag hatte die Küstenwache eine Gruppe mit rund 70 Flüchtlingen rund 50 Kilometer vor der Insel aus dem Meer gerettet.

Nach Angaben des Innenministeriums in Rom erreichten im vergangenen Jahr insgesamt rund 16.500 Flüchtlinge aus Afrika Italien, rund 4500 weniger als das Jahr zuvor. Das neue Kabinett von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will am kommenden Mittwoch neue Maßnahmen gegen illegale Einwanderung beschließen. Unter anderem soll illegale Einwanderung künftig als Straftat mit Haftstrafen zwischen sechs Monaten und vier Jahren geahndet werden.

(Quelle: afp)
 


 

Deutschland

Kritik an Einsperrung minderjähriger Flüchtlinge am Flughafen

So.18.05.08 - Die Einsperrung minderjähriger Flüchtlinge ohne gültige Papiere am Frankfurter Flughafen wird von Anwälten und Hilfsorganisationen als rechtswidrig angeprangert. Nach Informationen der «Frankfurter Rundschau» sind in den vergangenen fünf Jahren rund 400 Kinder und Jugendliche in der Flüchtlingsunterkunft festgehalten worden. Davon sei die Hälfte jünger als 16 Jahre gewesen, berichtet die Zeitung.

«Das ist eine rechtswidrige Haft für Kinder», kritisierte die Fachanwältin für Flüchtlingsrecht, Ursula Schlung-Muntau, in einem Interview des Blatts. Sie forderte, die jungen Flüchtlinge müssten vom Jugendamt betreut und in Heime gebracht werden. «Ich beobachte eine Missachtung der besonderen Schutzbedürftigkeit der Minderjährigen auf allen Ebenen», sagte die Juristin.

So sei es besonders dramatisch, dass es keine Betreuung und keine Angebote für die Jugendlichen gebe. «Das ist eine reine Verwahrung. Es gab einen Jungen, der saß drei Monate dort in Haft und niemand hat mit ihm gesprochen. Niemand hatte ihm Kleidung gegeben.» Auch die Schulpflicht gelte nicht, da sich die Kinder in der Unterkunft formell auf exterritorialem Gebiet befänden.

Die Hilfsorganisation Pro Asyl kritisierte, das Vorgehen der Behörden verstoße gegen die geltende EU-Richtlinie von 2003. Außer Schweden, Portugal und Deutschland hätten alle Länder die Richtlinie umgesetzt. Im vergangenen Jahr seien in Frankfurt am Flughafen sogar zehn Flüchtlinge im Alter unter 14 Jahren inhaftiert gewesen. Das Flughafenverfahren und das gefängnisähnliche Gebäude 587 seien «für Jugendliche ungeeignet», kritisiert Anwalt Helmut Bäcker. «Ich fordere, dass Minderjährigen die Einreise gestattet wird.»

(Quelle: ap)
 


 

Laut Armutsbericht 13 Prozent der Deutschen arm

So.18.05.08 - Jeder vierte Bundesbürger ist von Armut betroffen oder muss durch staatliche Leistungen vor Armut bewahrt werden. Dies geht aus dem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, der am Montag vorgelegt wird, wie Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) der "Bild am Sonntag" sagte. 13 Prozent der Bundesbürger gelten demnach als arm, weitere 13 Prozent der Gesamtbevölkerung würden durch Sozialtransfers wie Kindergeld oder Arbeitslosengeld 2 vor dem Abrutschen in Armut bewahrt.

Insgesamt hat sich die soziale Kluft in Deutschland weiter vertieft. "Die Schere zwischen arm und reich hat sich weiter geöffnet", sagte Scholz. Die Einkünfte der Reichen seien gewachsen, während die Einkommen im unteren Bereich leicht sinken würden und im mittleren Bereich stagnierten. Als reich gelte, wer als Alleinlebender im Monat netto mehr als 3418 Euro zur Verfügung habe oder als Familie mit zwei Kindern mehr als 7178 Euro netto im Monat. "Arm ist, so definiert es die EU, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, also 781 Euro netto", sagte Scholz.

Besonders bedrückend bleibe für ihn, dass die Zahl derjenigen, die arbeiteten und sich trotzdem im Armutsrisikobereich befänden, größer geworden sei, sagte Scholz. Am schlimmsten sei die Lage für die Langzeitarbeitslosen und die Alleinerziehenden und deren Kinder. Allerdings sinke das Armutsrisiko auf nur noch vier Prozent der Haushalte mit Kindern, falls die Eltern Arbeit hätten. Halbiert habe sich seit 1998 die Wohnungslosigkeit, und zwar von 530.000 auf 254.000 Betroffene, zitierte Scholz aus dem Armuts- und Reichtumsbericht.

(Quelle: afp)
 


 

Bundestagsabgeordnete ließen sich jahrelang Parkplätze spendieren

So.18.05.08 - Etwa 150 Bundestagsabgeordnete haben sich von den Flughäfen Frankfurt, München und Nürnberg nach «Focus»-Informationen VIP-Freikarten für Parkplätze an den Airports spendieren lassen. Für den Frankfurter Großflughafen beispielsweise beträgt der Wert einer Jahresparkkarte laut Aufdruck 2640 Euro. Nach einer Prüfung durch die Unions-Fraktionsgeschäftsführung verstößt die Annahme der Tickets gegen die «Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestages», wie das Nachrichtenmagazin am Samstag vorab berichtet.

Zwar dürfen Politiker Spenden annehmen, so die Analyse. Zuwendungen von Unternehmen, die sich in öffentlicher Hand befänden, seien jedoch nicht erlaubt. Das ergab eine Überprüfung des Parlamentarischen Geschäftsführers der Unions-Fraktion, Bernhard Kaster (CDU). Die Flughäfen Frankfurt, München und Nürnberg gehören mehrheitlich den Ländern und namensgebenden Städten.

In der vergangenen Woche empfahl Kaster den Landesverbänden der betroffenen Bundesländer, dringend auf die Freitickets zu verzichten. Allein im Einzugsgebiet des Rhein-Main-Airports erhielten 86 Parlamentarier aus Hessen und den angrenzenden Bundesländern die VIP-Karte. Dafür dürfen die Bundestagsabgeordneten ihren Privatwagen für bis zu drei Tage auf einem Diplomaten-Parkplatz abstellen. Bis zu sechs Tage lang können die Mandatsträger ihr Auto mit dem Ticket kostenlos in ein Parkhaus stellen.

Noch großzügigere Angebote unterbreiten der Münchener und Nürnberger Flughafen den Bundespolitikern. Sie erhalten laut «Focus» auf Anfrage eine zeitlich unbegrenzte Dauerkarte. Nürnberg verschickt jährlich ein Dutzend Tickets an Abgeordnete.

(Quelle: ddp)
 


 

Trittin erbost über seine Ex-Staatssekretärin Wolf

So.18.05.08 - Die Grünen-Bundestagsfraktion hat mit harscher Kritik auf den Wechsel der früheren Abgeordneten Margareta Wolf zu einer Unternehmensberatung mit PR-Mandat für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken reagiert. «Wenn sie noch meine Staatssekretärin wäre, wäre sie heute entlassen worden», erklärte Fraktionsvize Jürgen Trittin am Samstag in Berlin. Wolf war unter dem früheren Umweltminister Trittin dessen Parlamentarische Staatssekretärin.

Die aus Hessen stammende Wolf hatte Ende 2007 ihr Bundestagsmandat zurückgegeben. Sie galt als Vertreterin des wirtschaftsliberalen Flügels der Grünen. Wolf arbeitet jetzt für die Unternehmensberatung Deekeling Arndt Advisors.

Wolf ist nicht die erste Grünen-Politikerin, deren Wechsel in die Wirtschaft Irritationen ausgelöst hat. Ex-Agrar-Staatssekretär Matthias Berninger wechselt als Manager zu einem Genussmittelkonzern, die frühere Grünen-Abgeordnete Marianne Tritz wurde Chefin des Deutschen Zigarettenverbandes.

(Quelle: ddp)
 


 

Beck, Struck und Gabriel für neue Kohlekraftwerke

So.18.05.08 - SPD-Chef Kurt Beck, der Fraktionsvorsitzende Peter Struck und SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel wollen sich gemeinsam für den Neubau von hocheffizienten Kohlekraftwerken in Deutschland einsetzen.

Das vereinbarten die Politiker nach einem Bericht des «Spiegel« in internen Gesprächen. Ziel sei, den Protest gegen neue Kohlekraftwerke in der Bevölkerung und den eigenen Reihen gemeinsam einzudämmen.

Nach Ansicht von Beck, Struck und Gabriel dient der Neubau von Kohlekraftwerken dem Ersatz älterer, extrem umweltschädlicher Anlagen. Zum anderen sollen die Investitionen dazu beitragen, dass Strom trotz des Ausstiegs aus der Atomenergie günstig bleibe.

In Hamburg sorgte das umstrittene Kohlekraftwerk Moorburg, mit dessen Bau bereits begonnen wurde, für Diskussionen während der Regierungsbildung der schwarz-grünen Koalition. Eine konkrete Entscheidung dazu wurde nicht gefällt, im Fall eines Baustopps drohen möglicherweise Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. (Der Beitrag lag vorab in redaktioneller Fassung vor.)

(Quelle: dpa)
 


 

Konsequenz aus massenhaftem Bienensterben: Bund zieht acht Pflanzenschutzmittel aus dem Verkehr

So.18.05.08 - Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat als Konsequenz aus dem massenhaften Bienensterben am badischen Oberrhein insgesamt acht Pflanzenschutzmittel vorerst aus dem Verkehr gezogen. Wie die Behörde am Freitag in Berlin mitteilte, wurde für die betroffenen Saatgutbehandlungsmittel mit sofortiger Wirkung «das Ruhen der Zulassung» angeordnet. Begründet wurde dieser Schritt mit neuen Risikobewertungen. Unvertretbare Auswirkungen auf Bienen seien nicht auszuschließen.

Das Ruhen der Zulassung sei aus Vorsorgegründen erfolgt, um weitere Bienenschäden und mögliche andere Auswirkungen auf den Naturhaushalt zu vermeiden, bis die Zusammenhänge endgültig aufgeklärt sind, hieß es weiter. Mit der Anordnung ist sowohl eine Einfuhr als auch die Anwendung der Mittel deutschlandweit untersagt.

Am Oberrhein war es in den vergangenen Wochen während der Maisaussaat zu einem großen Bienensterben gekommen. Bei ersten Untersuchungen wurden in Bienenproben Rückstände des Insektizids Clothianidin nachgewiesen, das in mehreren Pflanzenschutzmitteln enthalten ist, darunter in dem Maisbeizmittel «Poncho Pro». Endgültige Ergebnisse zur Ursache des Bienensterbens werden erst in einigen Wochen erwartet.

Die Grünen begrüßten die Anordnung des BVL. Der baden-württembergische Grünen-Agrarexperte Bernd Murschel bemängelte allerdings, dass Landesagrarminister Peter Hauk (CDU) nicht längst ein Anwendungsverbot erlassen habe. Murschel forderte zugleich ein Umdenken in der Landwirtschaft hin zu einer stärkeren Förderung des Öko-Anbaus.

(Quelle: ddp)
 


 

Bundesausgaben für Forschung um Milliarden Euro erhöht

So.18.05.08 - Die Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung werden von neun Milliarden Euro im Jahr 2005 auf elf Milliarden Euro im laufenden Jahr steigen. Das geht laut «Wirtschaftswoche» aus dem Bundesbericht Forschung und Innovation 2008 hervor, den das Bundeskabinett am kommenden Mittwoch beschließen will. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte lediglich, dass es eine Steigerung «im Milliardenbereich» gegeben habe. Einzelheiten sollen nach der Kabinettssitzung mitgeteilt werden.

(Quelle: dpa)
 
 
 
 

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