+++ Mo.19.05.08, 06:30
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Irak 1518 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Scharfschütze nutzte Koran für Zielübungen
Mo.19.05.08 - Ein amerikanischer Scharfschütze hat im Irak eine Ausgabe des
Korans für Zielübungen verwendet und damit große
Empörung ausgelöst. Der Soldat sei nach dem Vorfall aus dem
Land abgezogen worden, teilten die US-Streitkräfte am Sonntag mit.
Den Angaben zufolge fanden irakische Polizisten den durchlöcherten
Koran in der Ortschaft Radwanija westlich von Bagdad. Gegen den
Soldaten wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, wie ein
Militärsprecher mitteilte.
Der Vorfall ereignete sich bereits am 9. Mai und wurde zwei Tage
später bekannt. Die Streitkräfte bemühten sich um
Schadensbegrenzung: In einer Zeremonie wurde Stammesführern ein
neuer Koran überreicht, der zuvor von einem US-Soldaten
geküsst wurde. Bei der feierlichen Übergabe bat Generalmajor
Jeffery Hammond um Entschuldigung. Er verlas außerdem ein
Entschuldigungsschreiben des Scharfschützen. Die Streitkräfte
bezeichneten den Vorfall als ernst und äußerst beunruhigend.
Die Soldaten seien normalerweise professionell und respektierten alle
Glaubensrichtungen.
Nach Angaben eines Stammesführers war für Donnerstag
zunächst ein Demonstrationszug geplant. Er wurde jedoch unter
Druck der US-Armee und aus Angst vor Racheakten von Aufständischen
abgesagt. Die konservative Vereinigung muslimischer Gelehrter
verurteilte den Vorfall als «abscheuliche Tat gegen das Buch des
allmächtigen Gottes». Auch der Prediger der Moschee von
Radwanija sagte, dass die örtlichen Anführer empört
gewesen seien. Sie hätten aber die Entschuldigung akzeptiert.
Die Zusammenarbeit zwischen US-Soldaten und sunnitischen
Stammesführern war ein wichtiger Grund für den deutlichen
Rückgang der Gewalt im Irak im vergangenen Jahr. Allerdings gibt
es immer wieder Rückschläge.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 19.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendvierundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Libanesische Parteien beraten über neues Wahlrecht. Bush:
Palästinenser haben meine Unterstützung. Israel droht erneut
mit Militäreinsatz im Gazastreifen
Mo.19.05.08 - Die rivalisierenden Parteien im Libanon wollen die Grundlagen des
Wahlrechts reformieren.
Bei ihren Krisenberatungen in Katar kamen sie nach Angaben von
Delegierten überein, dazu eine aus sechs Mitgliedern bestehende
Arbeitsgruppe einzusetzen. Diese nahm schon am Samstag ihre Beratungen
auf. Sobald das Gremium eine Einigung erzielt hat, soll es sich der sehr
viel strittigeren Frage der Kabinettsstruktur annehmen. Gespräche
zu anderen Themen sollten im Laufe des Sonntags fortgesetzt werden.
Die Gespräche in Doha unter Vorsitz von Katars Regierungschef
waren von der Arabischen Liga vermittelt worden. Die Vermittlung
beendete die schwersten Kämpfe unter den Anhängern der
zerstrittenen Parteien seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Die
Staatskrise im Libanon hatte sich 2007 an der Forderung der schiitischen
Hisbollah-Bewegung nach einer Sperrminorität in der vom Westen
unterstützten Regierung entzündet.
US-Präsident George W. Bush hat den Palästinensern erneut
seine Unterstützung in ihrem Streben nach einem Staat zugesichert.
"Wir müssen auf der Seite des palästinensischen Volks stehen,
das nach Jahrzehnten des Leidens das Recht auf einen eigenen Staat
hat", sagte Bush zum Abschluss seiner Nahost-Reise bei einem
Wirtschaftsforum am Sonntag im ägyptischen Scharm El-Scheich. Er
sei fest davon überzeugt, dass ein
israelisch-palästinensisches Friedensabkommen noch 2008 erreicht
werden könne. Bush, der Anfang 2009 aus dem Amt scheidet, will
seine Präsidentschaft mit dem Abkommen krönen. Eine Einigung
noch 2008 gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Bush wollte mit seiner Rede Zweifel in der arabischen Welt
ausräumen, er fühle sich dem Ziel eines
Palästinenser-Staates nicht mehr verpflichtet. Die
Palästinenser und ihre arabischen Verbündeten hatten
verärgert auf Bushs Ansprache in der Knesset reagiert, in der er
Israel uneingeschränkte Unterstützung zusagte und die Sache
der Palästinenser eher beiläufig erwähnte. Nun forderte
er Israel zu "spürbaren Opfern für den Frieden" und einer
Rücknahme der Beschränkungen für die Menschen in den
besetzten Gebieten auf. Zuvor hatte Bush am Samstag in Scharm
El-Scheich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas getroffen.
Bushs Forderung nach einem Palästinenser-Staat wurden von den
Teilnehmern des Forums mit Beifall aufgenommen. Ansonsten war der
Empfang für den Präsidenten, der am Nachmittag die
Rückreise in die USA antrat, eher gedämpft.
In seiner Rede rief der US-Präsident die arabische Welt zur
Solidarität mit der pro-westlichen Regierung im Libanon und zur
Isolation des Iran im Atomstreit auf. "Dem weltgrößten
Unterstützer des Terrorismus den Zugang zu tödlichsten Waffe
der Welt zu gestatten, wäre ein unverzeihlicher Verrat an
künftigen Generationen." Zugleich forderte Bush die
Demokratisierung der arabischen Welt. Die USA seien zutiefst besorgt
über die Unterdrückung demokratischer Aktivitäten und
dem Verbot von Zeitungen sowie nichtstaatlicher Organisationen. "Zu oft
hat die Politik im Nahen Osten aus einem regierenden Führer und
einer Opposition im Gefängnis bestanden", kritisierte Bush.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat am Sonntag
erneut eine baldige Militäraktion als Reaktion auf den dauernden
Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen angedroht. «Wir stehen beim
Thema Gaza kurz vor einer entscheidenden Weggabelung».
Das sagte Olmert während der wöchentlichen Kabinettssitzung
in Jerusalem. «Die gegenwärtige Situation kann nicht
weitergehen.» Auch am Sonntag schlug erneut eine von militanten
Palästinensern aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete südlich
von Aschkelon ein.
Olmert betonte, er wolle hinsichtlich einer israelischen Reaktion keine
Einzelheiten nennen. Am Mittwoch hatte er bei einem Gespräch mit
US-Präsident George W. Bush erklärt, er hoffe, «dass wir
nicht auf andere Art gegen (die radikalislamische
Palästinenserorganisation) Hamas vorgehen müssen, mit
Militärgewalt, die Israel bisher noch nicht angewandt hat, um dies
(die Raketenangriffe) zu stoppen».
Die Hamas wollte in den kommenden Tagen in Ägypten über von
Israel gestellte Bedingungen für eine Waffenruhe beraten. Der
ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman hatte Israel vergangene
Woche ein Waffenruhe-Angebot der radikalen Palästinenserfraktionen
unterbreitet. Diese wollen ihre Raketenangriffe einstellen, falls Israel
die Blockade des Gazastreifens beenden sollte.
Nach israelischen Medienberichten hat Israel das Angebot prinzipiell
begrüßt, aber Bedingungen gestellt, darunter eine Freilassung
des vor zwei Jahren verschleppten Soldaten Gilad Schalit. Der
israelische Verteidigungsminister Ehud Barak will an diesem Montag zu
einer Reihe von Gesprächen in den ägyptischen Badeort Scharm
el Scheich reisen, darunter auch mit Suleiman.
boa (Quellen: rtr, dpa)
US-Präsident Bush brüskiert mehrere arabische Staatschefs
Mo.19.05.08 - US-Präsident George W. Bush hat auf der letzten Station seiner
Nahostreise in Ägypten am Wochenende die arabischen Staats- und
Regierungschefs brüskiert.
Er mahnte in dem Sinai-Badeort Scharm el Scheich politische Reformen im
Gastgeberland Ägypten an und erklärte, in der Region
müsse insgesamt noch viel passieren, «damit das Licht der
Freiheit leuchten kann».
Bush nannte in seiner Rede vor den Teilnehmern einer Regionalkonferenz
des Weltwirtschaftsforums (WEF) Afghanistan, den Irak und die
Türkei als Vorbilder für die arabischen Staaten. Die
Türkei sei «eine wohlhabende Nation mit einer muslimischen
Bevölkerungsmehrheit und einer modernen Demokratie», sagte
er. Im Irak habe Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine
multi-ethnische Demokratie geschaffen.
Arabische Politiker sprachen nach der Rede von einer
«Unverschämtheit». Ägyptens Präsident Husni
Mubarak hatte den Saal bereits verlassen, bevor Bush sich an die
Teilnehmer wandte. Schon in der vergangenen Woche hatte der
US-Präsident mit einer Ansprache vor dem Parlament in Israel
für Unmut in der arabischen Welt gesorgt, weil die Rede als
«einseitig pro-israelisch» empfunden wurde.
Bush forderte in Scharm el Scheich von den arabischen Staatschefs
außerdem eine klare Haltung gegen das iranische Nuklearprogramm.
«Wir würden die kommende Generation verraten, wenn wir
erlauben würden, dass der weltweit größte
Unterstützer des Terrorismus die tödlichste Waffe der Welt in
die Hand bekommt», sagte er.
Mubarak warnte Bush davor, die Palästinenser in den
Friedensverhandlungen mit Israel zu sehr großen
Zugeständnissen zu zwingen.
«(Palästinenserpräsident Mahmud) Abbas braucht ein
Abkommen, dass die Hoffnungen seines Volkes auch erfüllt»,
sagte er in seiner Eröffnungsrede vor dem WEF. Bush betonte, dass
«ich immer noch daran glaube, dass in diesem Jahr ein
Friedensvertrag unterzeichnet wird». Sein nationaler
Sicherheitsberater Stephen Hadley präzisierte am Sonntag, dass der
Präsident nie versprochen habe, der Palästinenserstaat werde
vor Ende seiner Amtszeit Realität, sondern lediglich, dass
dafür in einem Abkommen die Weichen gestellt würden.
(Quelle: dpa)
Ägyptens Präsident Mubarak fordert Hilfe zur Bewältigung
der Hungerkrise
Mo.19.05.08 - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hat die
Weltgemeinschaft um Hilfe bei der Bewältigung der Krise gebeten,
die durch die stark gestiegenen Lebensmittelpreise ausgelöst
wurde. Besonders die armen Länder, die von den steigenden
Rohstoffpreisen besonders hart betroffen seien, bräuchten die
Hilfe der internationalen Gemeinschaft, forderte Mubarak am Sonntag bei
einer Wirtschaftskonferenz in Scharm El Scheich. Darüber hinaus
kritisierte Mubarak die Nutzung von Agrarprodukten für
Biotreibstoffe.
«Ist es logisch oder gar akzeptabel, dass Agrarpflanzen genutzt
werden, um Ethanol zu produzieren und damit die Krise der
Lebensmittelpreise noch verschlimmern», fragte Mubarak. Es
müssten Wege eingeschlagen werden, «Lösungen zu finden,
die gleichzeitig den Weltbedarf an Nahrungsmitteln und an Energie
decken», forderte der Staatschef auf dem dreitägigen
Weltwirtschaftsforum für den Nahen Osten, einem Ableger der Tagung
in Davos.
Die Lebensmittelpreise sind seit Mitte 2007 um mindestens 40 Prozent
gestiegen. Ägypten ist wie zahlreiche Länder des Nahen und
Mittleren Ostens auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Die
Preissteigerungen haben in diesem Jahr bereits zu Unruhen im
größten arabischen Land geführt, bei denen drei
Menschen getötet wurden. Rund 20 Prozent der etwa 77 Millionen
Ägypter leben unter der Armutsgrenze von zwei Dollar pro Tag.
Ärmere Menschen in Entwicklungsländern sind den Vereinten
Nationen zufolge von den Preissteigerungen besonders betroffen: Sie
müssen 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel
ausgeben, wohingegen in Industrieländern nur etwa 10 bis 20
Prozent dafür ausgegeben werden.
(Quelle: ap)
Religiöse Konservative Sieger bei Parlamentswahl in Kuwait - Kein
Mandat für eine Frau
Mo.19.05.08 - Bei der Parlamentswahl in Kuwait haben religiös-konservative
Kandidaten knapp eine Mehrheit verfehlt. Sie gewannen am Samstag nach
dem am Sonntag veröffentlichten amtlichen Endergebnis zwei Sitze
hinzu und stellen künftig 24 der 50 Abgeordneten. Zum zweiten Mal
seit der Wahlrechtsreform 2005 konnten auch Frauen kandidieren, aber
auch diesmal gelang keiner Kandidatin der Einzug ins Parlament.
Scheich Sabah al Ahmed al Sabah hatte das 2006 gewählte Parlament
im März vorzeitig aufgelöst, da die Abgeordneten im
ständigen Streit mit den Ministern lagen, die vom Monarchen ernannt
werden. Dies habe eine effektive Regierungsarbeit unmöglich
gemacht, hieß es. Das Wahlergebnis wird nach Einschätzung
von Beobachtern zu einer Fortsetzung der Spannungen zwischen Regierung
und Parlament führen. Etliche von der Regierung als
«Unruhestifter» bezeichnete Politiker wurden wieder ins
Parlament gewählt.
(Quelle: ap)
Zwölf Tote bei ausländerfeindlicher Gewalt in Johannesburg
Mo.19.05.08 - Bei ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Südafrika sind am
Wochenende mindestens zwölf Menschen getötet worden. In armen
Vororten von Johannesburg wurden mehr als 50 Menschen zum Teil schwer
verletzt, Hunderte suchten vor dem wütenden Mob Schutz in
Polizeirevieren, wie Polizeisprecher Govindsamy Mariemuthoo am Sonntag
in der südafrikanischen Handelsmetropole erklärte. Zahlreiche
Geschäfte und Wohnhäuser wurden geplündert und in Brand
gesetzt.
Die Unruhen begannen kurz nach Mitternacht in der Elendssiedlung
Cleveland in der Nähe des Stadtzentrums. Zwei Menschen seien
verbrannt, drei weitere erschlagen und zwei erschossen worden,
erklärte die Polizei. Mehr als 50 weitere wurden mit Schuss- und
Stichwunden in Krankenhäuser gebracht. Ziel der Angriffe waren
Ausländer, mehrheitlich Simbabwer. Die aufgebrachte Menge warf
ihnen vor, den Südafrikanern Arbeit und Wohnraum streitig zu
machen. Die Polizei setzte Tränengas ein, hatte aber offenbar
Schwierigkeiten, die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Präsident Thabo Mbeki ordnete eine Untersuchung der Vorfälle
an. Der Vorsitzende der Regierungspartei ANC und wahrscheinliche
Nachfolger Mbekis, Jacob Zuma, verurteilte die Ausschreitungen:
«Wir können nicht erlauben, dass Südafrika für
Fremdenfeindlichkeit berühmt wird.» Die Regierung
bemüht sich im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft
2010, das Image des Landes zu verbessern. Derzeit gilt Südafrika
mit täglich etwa 50 Morden als eines der am meisten von
Gewaltkriminalität heimgesuchten Länder der Welt.
Die Serie der Gewalt gegen Ausländer begann bereits in der
vergangenen Woche im Township Alexandra und hat sich seitdem
ausgebreitet. In Johannesburg leben hunderttausende Zuwanderer, viele
von ihnen illegal.
Vertreter des Roten Kreuzes und anderen Hilfsorganisationen
berichteten, dass zeitweise bis zu 3.000 Menschen vor den
Ausschreitungen geflüchtet seien. «Es ist eine Krise»,
sagte der Landesvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Eric
Goemaere. Zahlreiche Patienten mit Schussverletzungen würden von
der Organisation behandelt.
(Quelle: ap)
Mindestens zehn Tote bei Anschlag im Nordwesten Pakistans
Mo.19.05.08 - Ein Selbstmordattentäter hat sich vor einer Kaserne im Nordwesten
Pakistans in die Luft gesprengt und mindestens zehn Menschen mit sich
in den Tod gerissen, darunter vier Soldaten. Etwa 20 Personen wurden
verletzt, wie die Behörden am Sonntag weiter mitteilten. Der
Anschlag wurde auf einem belebten Markt vor der Kaserne der Stadt
Mardan im Grenzgebiet zu Afghanistan ausgeführt. Die Region gilt
als Hochburg von Islamisten, die enge Verbindungen zu den Taliban in
Afghanistan und zum Terrornetzwerk Al Kaida unterhalten. Zunächst
bekannt sich niemand zu der Tat.
(Quelle: ap)
Birmas Militär trotzt weiter Ruf nach Öffnung für Helfer
- Tausende Kinder vom Hungertod bedroht
Mo.19.05.08 - Tausende Kinder in Birma sind vom Hungertod bedroht, die
Militärjunta schottet das Krisengebiet jedoch weiter ab. Die
Vereinten Nationen erhöhten ihren Druck auf das Regime. Der
UN-Koordinator für humanitäre Einsätze, John Holmes,
traf am Sonntag zu einem dreitägigen Besuch in Birma ein, um die
Generäle zu bewegen, endlich ausländische Hilfe in
großem Stil zuzulassen. Zuvor hatten diese sich sogar geweigert,
mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonisch zu sprechen oder
auf dessen Briefe zu antworten.
Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen könnten mehrere
tausend Kinder an den Folgen von Unterernährung sterben, wenn sie
nicht umgehend Hilfe erhielten, erklärte die Hilfsorganisation
Save The Children. Im Irrawaddy-Delta waren den Angaben zufolge bereits
vor dem verheerenden Wirbelsturm «Nargis» 30.000 Kinder
unterernährt. «Hunderttausende bekommen immer noch keine
Hilfe. Damit werden viele dieser Kinder nicht mehr lange überleben
können», erklärte die Organisation. Zahlreiche Kinder
seien wegen des Mangels an Lebensmitteln vermutlich schon gestorben.
Eine weitere internationale Hilfsorganisation, Aktion gegen Hunger
(Action Contre la Faim), bezeichnete die Lage als «extrem
alarmierend». Die Überlebenden kämpften täglich
mit dem Hunger. Der Reispreis im Land habe sich seit
«Nargis» vervierfacht.
Erstmals seit dem Durchzug des Zyklons vor gut zwei Wochen reiste
Militärmachthaber General Than Shwe in die Nähe des
Krisengebiets, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Er sei in
Vororten von Rangun mit Überlebenden des Wirbelsturms
zusammengetroffen, hieß es.
International wurde der Ton gegen die Junta schärfer. «Das
ist unmenschlich», sagte der britische Premierminister Gordon
Brown dem Rundfunksender BBC. Brown warf dem Militärregime vor,
mehr am eigenen Machterhalt als am Schicksal der Bevölkerung
interessiert zu sein. Auch die Bundesregierung hat Birma aufgefordert,
internationale Helfer ins Land zu lassen. Innenstaatssekretär
August Hanning sagte der «B.Z. am Sonntag»: «Wir
können innerhalb von Stunden helfen, wenn wir dürfen. Das
aber ist genau unser Problem in Myanmar», sagte Hanning.
Die Vereinten Nationen erklärten, die Generäle untersagten
auch den Import von Kommunikationstechnologie nach Birma. Dies
behindere die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen, die ihre
Technologie vom Ministerium für Post und Kommunikation beziehen
müssten. Jede Organisation erhalte maximal zehn Telefone - zum
Preis von 1.500 Dollar (960 Euro) pro Stück. Ein
französisches Kriegsschiff mit 1.500 Tonnen Lebensmitteln und
Medikamenten an Bord wartete vor der Küste Birmas weiter
vergeblich auf die Erlaubnis zum Andocken.
Die Junta führte am Samstag eine Gruppe von 60 Diplomaten und
UN-Mitarbeitern an drei ausgewählte Orte im Irrawaddy-Delta.
Teilnehmer beschwerten sich hinterher, sie hätten nur positive
Entwicklungen zu sehen bekommen, womit sich die Machthaber in ein gutes
Licht gestellt hätten.
Die Vereinten Nationen warnten eindringlich vor dem Ausbruch von
Seuchen und Krankheiten im Krisengebiet. Das staatliche Radio in Birma
berichtete jedoch am Sonntag, alle Opfer würden medizinisch
versorgt. Epidemien gebe es nicht.
Das genaue Ausmaß der Katastrophe blieb weiterhin unklar. Die
birmanische Regierung spricht von 78.000 Toten, die UN befürchten
jedoch mehr als 100.000 Opfer. Das Rote Kreuz setzte die Zahl bei bis
zu 128.000 an.
(Quelle: ap)
Angst im Erdbebengebiet in China
Mo.19.05.08 - Sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Südwestchina haben
Bergungstrupps am Sonntag noch einige Überlebende gefunden. Starke
Nachbeben und die Gefahr von Überflutungen durch Flüsse, die
durch Erdrutsche aufgestaut waren, versetzten die Menschen im
Katastrophengebiet in Panik.
Regenfälle erschwerten das Schicksal der fünf Millionen
Obdachlosen und lösten neue Erdrutsche in der Provinz Sichuan aus.
Ein Nachbeben der Stärke 6,0 erschreckte die Menschen in der Nacht
zum Sonntag. In der Provinzhauptstadt Chengdu flüchteten viele
Menschen auf die Straßen. Der Olympische Fackellauf wird
während einer dreitägigen Staatstrauer von Montag an
ausgesetzt. In drei Schweigeminuten soll das Volk am Montag um 14.28
Uhr Ortszeit - exakt zum Zeitpunkt des Erdbebens vor einer Woche - der
voraussichtlich 50 000 Todesopfer gedenken.
Die Bergungsmannschaften fanden am Sonntag nur noch wenige
Überlebende. Ein 50-Jähriger mit Kopfverletzungen
überlebte 146 Stunden unter den Trümmern eines
Bürogebäudes in Maoxian. Ein anderer Mann und eine Frau
wurden in dem schwer zerstörten Ort Yingxiu entdeckt, mussten aber
vorerst mit Wasser und Traubenzucker versorgt werden, da sie noch nicht
geborgen werden konnten. Ein weiterer Mann wurde in der Stadt Beichuan
nach 139 Stunden geborgen. Am Samstag waren noch rund 60 Menschen
lebend gerettet worden. Chinesische Medien berichteten, dass einige
Verschüttete nach dem schwersten Erdbeben des 20. Jahrhunderts -
1976 in der nordostchinesischen Stadt Tangshan mit 242 000 Toten -
sogar bis zu zehn Tage überlebt hätten.
Die Bergungsmannschaften holten am Wochenende allerdings meist nur noch
Leichen aus den zerstörten Häusern. Die Zahl der
bestätigten Todesopfer stieg auf 32 477. Etwa 122 000 Verletzte
werden in Hospitälern und Feldlazaretten ärztlich behandelt.
Chinas Erdbebenwarte korrigierte die Stärke des Bebens von 7,9 auf
8 nach oben. Staats- und Parteichef Hu Jintao bedankte sich beim
Ausland für die Unterstützung. Er rief die
Rettungsmannschaften auf, mit allen Mitteln auch die von der
Außenwelt abgeschnittenen Dörfer in den Bergen zu erreichen.
Notfalls müssten die Soldaten zu Fuß gehen, um Trinkwasser
und Nahrung in die Dörfer zu bringen. Die Bergungsarbeiten sollten
sich nicht nur auf die Städte konzentrieren.
Nach seiner Bergung berichtete ein deutscher Bergsteiger, der in einem
Dorf abgeschnitten war, er sei im Auto gewesen, als die Erde bebte.
Steine seien herabgefallen. «Alles begann sich zu bewegen»,
sagte der Münchner der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.
«Es war die Hölle, wie eine Atombombe, wie im Film, wie der
Weltuntergang.» Mit seinen Begleitern fand der 62-Jährige
Zuflucht in einem Dorf, wo sie versorgt wurden. Erst am Samstag konnte
der Deutsche nach Wenchuan gebracht werden. «Mir geht es gut, mit
mir ist alles in Ordnung.» Als erstes habe er seine Frau in
Deutschland angerufen. «Als sie meine Stimme hörte, weinte
sie.» Das Auswärtige Amt geht noch «einigen wenigen
Vermisstenmeldungen» Deutscher nach.
Nach dem Erdbeben drohte Gefahr durch beschädigte Staudämme
und Reservoirs sowie aufgestaute Flüsse, die nach Erdrutschen
große Seen gebildet hatten. 21 solcher Blockaden waren bekannt.
Am Oberlauf des Jian-Flusses bei Pengzhou brach ein Wall aus
Geröll und Felsen. Bei der Flutwelle habe es wegen vorheriger
Evakuierungen keine Opfer gegeben, berichtete Xinhua. An drei
natürlichen Dämmen konnte das Wasser kontrolliert abgelassen
werden. Aus Angst vor einer Flutwelle musste die Stadt Beichuan am
Samstag evakuiert werden, weil ein Damm aus Erde und Felsen 3,2
Kilometer oberhalb der Stadt zu brechen drohte. Es hat sich ein neun
Kilometer langer und 200 bis 250 Meter breiter See mit einer Tiefe bis
zu 40 Meter gebildet.
Bei der Evakuierung flüchteten alle Rettungstrupps und tausende
Menschen hektisch in höher gelegene Gebiete. Die Menschen riefen
«lauft, lauft» oder «schnell, schnell»,
berichtete telefonisch die ARD-Korrespondentin Ariane Reimers,
während sie selber mit ihrem Kameramann und einer Mitarbeiterin
den Berg heraufrannte. «Alle helfen sich gegenseitig.»
Obwohl von einer «großen Bedrohung» die Rede war,
wurden die Bergungsarbeiten in Beichuan am Sonntag fortgesetzt. Die
Zerstörung in der Stadt, in der nur 10 000 der 30 000 Einwohner
überlebt haben, nannte Reimers «unfassbar».
«Alles ist voller Leichen.» Durch die schlechten
hygienischen Bedingungen stieg bei feuchtwarmem Wetter die
Seuchengefahr.
Einer der Überlebenden, der nach fast 100 Stunden aus den
Trümmern gerettet worden waren, schilderte, seinen Urin getrunken
und sich von Papiertaschentüchern und Zigaretten ernährt zu
haben. Der 46-jährige Peng Zhijun steckte mit gebrochenem Arm und
Beinverletzungen fest. «Ich habe Zigaretten auseinandergebrochen
und den Tabak gegessen.» Dann habe er Papiertücher genommen.
«Ich habe es geschafft, meinen Schuh auszuziehen und meinen Urin
zu sammeln.» Er habe Klopfzeichen gegeben. Seine Retter
«waren begeistert, mich lebend zu finden - so wie ich. Ich habe
laut geweint». Drei andere Überlebende, die auch ihren Urin
getrunken hatten, wurden mit ihm gerettet. Andere seien seinem Beispiel
nicht gefolgt. Mehr als zehn Verschüttete seien um ihn herum
gewesen. «Am Anfang waren sie alle noch am Leben.»
Bei einem deutsch-chinesischen Benefizkonzert in der
südwestchinesischen Metropole Chongqing kamen am Samstag 110
Millionen Yuan, umgerechnet zehn Millionen Euro, für die
Erdbebenopfer zusammen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sendet Mitte der
Woche ein mobiles Krankenhaus ins Erdbebengebiet. Es kann 120 Patienten
aufnehmen und 250 000 Menschen medizinisch versorgen.
(Quelle: dpa)
Zehntausende Lehrer demonstrieren in Paris gegen Stellenstreichungen
Mo.19.05.08 - Zehntausende Lehrer haben am Sonntag in Paris gegen von der Regierung
geplante Stelleneinsparungen protestiert. Nach Polizeiangaben
beteiligten sich 20.000 Menschen an dem Protest gegen den Reformkurs von
Präsident Nicolas Sarkozy, die Organisatoren sprachen von 40.000
Teilnehmern. Die Regierung plant massive Stellenstreichungen im
öffentlichen Dienst, um den Staatshaushalt zu sanieren - mehr als
10.000 Stellen sollen allein im Schulbereich wegfallen.
Die Regierung verhalte sich wie ein Rechnungsprüfer, die
Qualität der Bildung habe für sie offenbar keine Bedeutung
mehr, erklärten Lehrerverbände. Die Demonstranten kamen der
Lehrergewerkschaft FSU zufolge aus dem ganzen Land für den
Nachmittag in die Hauptstadt. Die ursprünglich geplante Zahl von
10.000 Teilnehmern war rasch überschritten.
«Die Regierung sagt uns, wir sollen nicht so sehr auf die
Quantität achten. Aber das ist einfache Mathematik: Wenn Stellen
wegfallen und die Schülerzahlen steigen, dann bekommt das die
Qualität zu spüren», sagte Francois Cordel, ein
Geschichts- und Erdkundelehrer aus Tournon-sur-Rhône in der
Ardèche.
Bereits vergangene Woche hatte ein landesweiter Beamtenstreik Schulen
und Behörden lahmgelegt. Am Donnerstag ist ein Protest gegen eine
Rentenreform geplant, am nächsten Wochenende wollen die Lehrer
erneut auf die Straße gehen. Für Sarkozy, dessen
Popularität kontinuierlich sinkt, erweist sich die Durchsetzung
der Reformen als schwieriges Unterfangen.
(Quelle: ap)
Bedenken bei Biosprit-Ausbau wachsen
Mo.19.05.08 - In Deutschland und der Europäischen Union wachsen die Bedenken
über einen Ausbau des Biosprits zu Lasten von Lebensmitteln und
des Umweltschutzes.
Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte zum Abschluss ihrer
Lateinamerika-Reise am Wochenende in Peru, bei ihren Gesprächen
sei die gemeinsame Sorge der Länder Lateinamerikas und der EU
über mögliche Interessenkonflikte zwischen dem Ausbau der
Biosprit-Produktion und des Anbaus von Nahrungsmitteln deutlich
geworden. EU-Industriekommissar Günther Verheugen ging einen
Schritt weiter und kritisierte den geplanten massiven Ausbau des
Biosprits als Erdöl-Ersatz.
Merkel erklärte zwar, viele lateinamerikanische
Gesprächspartner hätten versichert, dass sie genug
landwirtschaftliche Flächen für die Lebensmittelproduktion
hätten. "Wir haben natürlich darauf hingewiesen, dass wir
trotzdem keine Waldrodung wollen für Biokraftstoffe und vor allen
Dingen auch sozialverträgliche Arbeitsbedingungen."
Industriekommissar Verheugen sagte der "Bild am Sonntag": "Es kann
nicht vernünftig sein, aus Pflanzen, die der Ernährung von
Menschen und Tieren dienen sollen, Treibstoff für Autos zu
machen." Er sei froh, dass die erste Biosprit-Euphorie vorbei sei. Die
EU will nach früheren Plänen den Anteil von Biosprit bis 2020
auf zehn Prozent steigern. Daran gab es aber zuletzt Kritik aus
verschiedenen Mitgliedsstaaten und dem EU-Parlament.
Auch in Deutschland sind die ehrgeizigen Pläne zum Ausbau bereits
zurückgenommen worden, nachdem sich ein höherer Anteil des
Treibstoffs als unverträglich für Millionen von Autos
erwiesen hat. Biosprit etwa aus Palmöl oder Mais gilt zudem als
mitverantwortlich für die Rodung des Regenwalds und die
Preisexplosion bei Lebensmitteln. "Es geht der Kommission um
Nachhaltigkeit. Wenn die Produktion von Nahrungsmitteln
beeinträchtigt oder Regenwald abgeholzt wird, funktioniert es
überhaupt nicht", sagte Verheugen. "Wir sollten genau hinschauen,
bevor wir voraussetzungslos auf Biosprit setzen."
Entwicklungshilfe-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
bekräftigte ihre Forderung nach einem Moratorium bei der Einfuhr
von Biosprit, so lange nicht klare Kriterien für den Treibstoff
definiert seien. Man brauche eine kritische Diskussion auch mit den
Entwicklungsländern über die Produktion von Biosprit auf
Flächen, die eigentlich für Nahrungsmittel vorgesehen seien.
"Es gibt keine ausreichende Zertifizierung bisher, die das behindern
oder beenden könnte", sagte sie im "Deutschlandfunk".
(Quelle: rtr)
SPD-Chef Beck verärgert über Treffen Wieczorek-Zeuls mit
Dalai Lama
Mo.19.05.08 - Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck war nach eigenen Angaben nicht vorab
über das Treffen von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul (SPD) mit dem Dalai Lama informiert. Beck sei über
die für den heutigen Montag in Berlin geplante Begegnung sehr verärgert,
berichtete die "Welt am Sonntag". Seine Partei werde dadurch abermals in
die Defensive gedrängt, sagte Beck demnach am Rande des
schleswig-holsteinischen Kommunalwahlkampfs am Freitagabend.
"Keiner von uns hat gewusst, dass Heidemarie Wieczorek-Zeul den Dalai
Lama treffen wollte", sagte Beck zum Kieler SPD-Landesvorsitzenden Ralf
Stegner, wie die Zeitung berichtet. Als er dann von dem
Gesprächstermin der Ministerin erfahren habe, "war der Scheiß
ja nicht mehr rückgängig zu machen." Vor Beck hatten sich
auch Außenminister Frank-Walter-Steinmeier kritisch über das
eigenmächtige Treffen Wieczorek-Zeuls mit dem Dalai Lama
geäußert.
(Quelle: afp)
Steuerstreit zwischen SPD und CSU eskaliert
Mo.19.05.08 - Im Streit über mögliche Steuersenkungen wird der Ton
zunehmend schärfer. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
(SPD) wies entsprechende Forderungen der CSU in aller Schärfe
zurück und warf Wirtschaftsminister Michael Glos indirekt vor,
damit die Basis des Koalitionsvertrags zu verlassen. Der
SPD-Finanzexperte Joachim Poß kritisierte, Glos verbreite
unseriöse Spekulationen und missbrauche damit sein Amt.
Im Bundeswirtschaftsministerium wird für dieses Jahr mit
Steuermehreinnahmen von 20 Milliarden Euro gerechnet wie aus einem
Regierungspapier hervor, das der AP vorliegt, vom Ministerium am
Sonntag jedoch als intern eingestuft und folglich nicht kommentiert
wurde.
Darin heißt es: «Würde das Wachstum der Einnahmen bis
zum Jahresende im gleichen Tempo wie bis April anhalten, würden
gegenüber der Steuerschätzung Mehreinnahmen von 20 Milliarden
Euro für den Gesamtstaat (insgesamt 575 Milliarden Euro) und knapp
zwei Milliarden Euro für den Bund (insgesamt 240 Milliarden Euro)
resultieren. Dies wären für den Bund gegenüber dem
Haushaltssoll 2008 ebenfalls zwei Milliarden Euro mehr.»
Der CSU-Vorsitzende Erwin Huber verwies in «Bild am
Sonntag» auf die günstige Einnahmesituation und
bekräftigte seiner Forderung nach weiteren Entlastungen für
die Bürger. Er forderte, die Arbeitslosenbeiträge ab Januar
2009 von 3,3 auf 3,0 Prozent zu senken. Auch an der Forderung nach
einer Erhöhung des Kindergelds sowie der Wiedereinführung der
Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer hielt Huber fest.
Steinbrück wies die Forderungen der CSU nach Steuerentlastungen
vehement zurück. In einem Interview der «Stuttgarter
Nachrichten» und der «Kölnischen Rundschau» warf
er der CSU indirekt vor, die Basis des Koalitionsvertrages zu
verlassen. Steinbrück sagte: «Sollte das ernst gemeint sein,
wird da mit der Verlässlichkeit und Stetigkeit der
Koalitionsregierung gespielt.» Die Vorstöße aus Reihen
der CSU seien nicht seriös.
Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Poß, kritisierte:
«Michael Glos verbreitet Spekulationen über
Steuermehreinnahmen, um das unseriöse Steuerkonzept der CSU zu
rechtfertigen. Damit missbraucht er sein Amt als
Bundeswirtschaftsminister.»
Auch in der CDU findet die Diskussion über mögliche
Steuersenkungen vor der Wahl kein Ende. Obwohl Bundeskanzlerin Angela
Merkel Steuergeschenke in dieser Legislaturperiode abgelehnt hat, blieb
der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe in der Unionsfraktion, Gerald
Weiß, bei seiner Forderung nach Entlastungen noch 2009.
Weiß sagte der «Bild»-Zeitung: «Zügige
Steuerentlastungen und Etat-Sanierung sind kein Gegensatz.»
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther
Oettinger rief in der «Süddeutschen Zeitung» Merkel
hingegen auf, im Streit über baldige Steuersenkungen
«glasklar» zu machen, «dass die Konsolidierung vor
allem anderen kommt und nur im Rahmen der damit verbundenen
Möglichkeiten die übrigen Ziele umgesetzt werden».
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller
erklärte, vor der Wahl werde es nur Entlastungen in Form eines
höheren Freibetrags für Kinder und eines höheren
Kindergeldes geben. Auch müsse das Verfassungsgerichtsurteil zur
steuerlichen Anrechnung von Krankenkassenbeiträgen umgesetzt
werden. «Eine Steuerreform darüber hinaus wird es vor den
Wahlen nicht geben», sagte Müller der «Welt am
Sonntag». In der «Berliner Zeitung» sprach
Müller sich dafür aus, mit der Ankündigung von
Steuersenkungen in den Bundestagswahlkampf 2009 zu gehen.
(Quelle: ap)
Jeder vierte Deutsche gilt als arm
Mo.19.05.08 - Jeder vierte Bundesbürger ist von Armut betroffen oder muss durch
staatliche Leistungen vor ihr bewahrt werden. Dies geht aus dem neuen
Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, den
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) an diesem Montag in Berlin
vorgelegen will.
Insgesamt hat sich die soziale Kluft in Deutschland vertieft.
«Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter
geöffnet», sagte Scholz der «Bild am Sonntag».
Scharfe Kritik an der Regierung kam von der FDP, der Linken und vom DGB.
Aus den Angaben von Scholz geht hervor, dass 13 Prozent der
Bundesbürger als arm gelten, weitere 13 Prozent der
Gesamtbevölkerung würden durch Sozialtransfers wie Kindergeld
oder Arbeitslosengeld II vor dem Abrutschen in Armut bewahrt. Daran
zeigt sich nach Einschätzung des Ministers auch die positive
Wirkung des Sozialstaats.
«Die Einkünfte der Reichen sind gewachsen, dagegen sinken
die Einkommen im unteren Bereich leicht, im mittleren stagnieren
sie», sagte er. Zu den Reichen zählt, wer als Alleinlebender
im Monat netto mehr als 3418 Euro zur Verfügung hat oder als
Familie mit zwei Kindern mehr als 7178 Euro. «Arm ist, so
definiert es die EU, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des
mittleren Einkommens verdient, also 781 Euro netto.»
«Besonders bedrückend» nannte Scholz, dass die Zahl
derjenigen gewachsen sei, die arbeiten und sich trotzdem im
Armutsrisikobereich befinden. «Das zeigt: Wir haben zu niedrige
Löhne in Deutschland und wir brauchen Mindestlöhne.»
Die Lage für Langzeitarbeitslose und Alleinerziehende sowie deren
Kinder sei besonders schlimm. Das Armutsrisiko sinke aber auf nur noch
vier Prozent der Haushalte mit Kindern, falls die Eltern Arbeit
hätten.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel warf Scholz vor, er beklage die
Auswirkungen einer Politik, «die er und seine SPD zu verantworten
haben». Seit Regierungsantritt der SPD 1998 sei die Mittelschicht
um über fünf Millionen Menschen geschrumpft.
«Seriöse Armutsbekämpfung beginnt mit einer deutlichen
Entlastung der kleineren und mittleren Einkommen in Deutschland»,
sagte Niebel.
Auch für den Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar
Bartsch, sind die Zahlen «Ergebnis der Regierungspolitik von
Rot-Grün bis Schwarz-Rot». Dem Druck auf
Hartz-IV-Empfänger, Löhne und Renten stünden
«Steuererleichterungen für Vermögende und Konzerne,
maßlose Managergehälter (...) und Privatisierungswahn»
gegenüber. Diese Entwicklung habe die Politik nicht nur
zugelassen, sondern befördert. In zehn Jahren SPD-Regierungszeit
habe sich die Zahl der Vermögensmillionäre auf 800 000
verdoppelt.
DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, die Zunahme der Armut
in einem reichen Land wie Deutschland sei
«erschütternd». Der DGB erwarte nun praktische
Konsequenzen. «Es darf nicht passieren, dass man diese bitteren
Fakten einfach nur zur Kenntnis nimmt und dann wieder zur Tagesordnung
übergeht.» Die Ursachen für die traurige Entwicklung
sieht Buntenbach vor allem in der Hartz-IV-Reform sowie in der
unzureichenden Entwicklung der Löhne.
(Quelle: dpa)
Deutsche-Bank-Chef Ackermann kritisiert Köhlers
'Monster'-Äußerung
Mo.19.05.08 - Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kritisiert Bundespräsident
Horst Köhler wegen dessen Äußerungen, Finanzmärkte
seien «Monster», die in ihre Schranken gewiesen werden
müssten. «Es wäre schädlich für unser
künftiges Wirtschaftswachstum und unseren Wohlstand,
Finanzinnovationen generell zu dämonisieren», sagte Ackermann
der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Nur
ein kleiner Teil des Finanzsystems hat den Markttest nicht
bestanden», fügte Ackermann hinzu.
Der Schweizer Banker lehnte es ab, das von Köhler geforderte
Schuldbekenntnis zu geben. «Ich fühle mich da nicht
angesprochen», sagte Ackermann und fügte hinzu: «Schon
im vergangenen Sommer habe ich gesagt, dass die Banken Fehler gemacht
haben - inklusive wir selbst.» Ackermann bestreitet zudem die
Aussage Köhlers, im Verlauf der Krise habe die Gefahr des
Zusammenbruchs der Weltfinanzmärkte bestanden. Davon könne
keine Rede sein. Er sehe auch «keine Anzeichen für eine neue
Weltwirtschaftskrise.» Die Auswirkungen der Krise auf die
Realwirtschaft nannte er «erträglich».
Der Deutsche-Bank-Chef plädierte dafür, «auf Basis
einer sauberen Ursachenanalyse gemeinsam den Schaden infolge der
aktuellen Finanzkrise zu begrenzen.» Anders als Köhler will
er aber nicht den Internationalen Währungsfonds zu einem neuen
Aufsichtsorgan für die Stabilität der Finanzmärkte
machen. Stattdessen sprach Ackermann sich dafür aus, «eine
Art Weisen-Rat zu gründen, der systematisch nach möglichen
Übertreibungen forschen und rechtzeitig Alarm schlagen kann.»
(Quelle: ddp)
CSU-Generalsekretärin betreibt Justizschelte wegen Kopftuchurteil
Mo.19.05.08 - CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer hat ein Urteil des
baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof kritisiert, der
Lehrkräften das Tragen religiöser Kleidung an
öffentlichen Schulen grundsätzlich verboten hat. Es sei ein
Skandal, dass Ordensleute dem Urteil zufolge an öffentlichen
Schulen ihre Tracht nicht mehr tragen dürften, schrieb Haderthauer
in der «Bild am Sonntag». Wer wie die Richter mit der
Gleichbehandlung mit dem Kopftuchverbot argumentiere, verleugne
«die besondere Rolle des Christentums in unserem Land». Der
bayerische Kultusminister Siegfried Schneider hatte am Freitag
klargestellt, dass Ordenskleidung an den Schulen des Freistaats erlaubt
bleibe.
(Quelle: ap)