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Aktuelle Nachrichten
Irak 1519 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Elf Tote bei Überfall auf Polizeibus. Örtlicher
Al-Kaida-Führer festgenommen
Di.20.05.08 - Bei einem Überfall Aufständischer westlich von Mossul sind am
Montag elf irakische Polizeirekruten getötet worden. Ihre Leichen
und ein von Kugeln durchsiebter Kleinbus der Rekruten wurden am Montag
nahe der syrischen Grenze gefunden, wie die örtlichen
Behörden mitteilten. Irakische Sicherheitskräfte sind in der
Gegend von Mossul in letzter Zeit mit Unterstützung der US-Truppen
massiv gegen Aufständische vorgegangen, einige sollen dabei nach
Syrien geflüchtet sein.
Die irakische Polizei hat einen Regionalführer von Al Kaida im
Irak festgenommen. Das Innenministerium erklärte, Abdhul Chalik al
Sabawi, Chef der Terrororganisation in Mossul, sei am Montag in der
Provinz Salahuddin gefasst worden. Al Sabawi trage den Titel
«Wali» (Gouverneur), mit dem die Organisation ihre
Regionalführer beschreibe. Die irakischen Sicherheitskräfte
haben in den vergangenen Tagen Mossul und die Umgebung auf der Suche
nach Mitgliedern von Al Kaida im Irak durchkämmt.
(Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 20.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendfünfundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
Libanon-Gespräche weiter ohne Fortschritte.
US-Außenmiministerin Rice: Israel und Palästinenser sprechen
vertraulich über Frieden. Frankreich hat Kontakt zur Hamas
aufgenommen
Di.20.05.08 - Die von der Arabischen Liga vermittelten Gespräche über die
Zukunft des Libanons sind auch am Montag nicht vorangekommen. Die
Vertreter der schiitischen Hisbollah-Miliz und der libanesischen
Regierung sprächen über völlig verschiedene Dinge,
erklärte der Generalsekretär der Liga, Amr Mussa, bei den
Beratungen im Scheichtum Katar. Die Vermittler schlugen sogar eine
bloße Absichtserklärung vor - was bedeuten würde, dass
beide Seiten ohne Ergebnisse nach Beirut zurückkehren.
Vonseiten der Hisbollah-Delegation hieß es, man wolle in Katar
die Frage nach einer Regierung der nationalen Einheit und eines neuen
Wahlrechts klären. Der schiitische Abgeordnete Hassan Jacub sagte
dem privaten Fernsehsender LBC, das Problem sei «die Aufteilung
von Beirut». Der Libanon befindet sich derzeit in der schwersten
politischen Krise seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990.
Vertreter Israels und der Palästinenser beraten den USA zufolge
vertraulich über ein Nahost-Friedensabkommen.
Beide Seiten sprächen ernsthaft über alle Kernpunkte des
Konflikts, sagte Außenministerin Condoleezza Rice am Sonntag auf
ihrer Rückreise aus dem Nahen Osten. Die Gespräche würden
sich in den kommenden Monaten wohl noch intensivieren. Öffentliche
Aussagen darüber gefährdeten die Verhandlungen jedoch nur,
sagte Rice.
US-Präsident George W. Bush hofft, dass noch vor seinem
Ausscheiden aus dem Amt Anfang 2009 ein
israelisch-palästinensisches Friedensabkommen erzielt wird. Sechs
Monate nach Beginn der Verhandlungen gibt es jedoch nur wenige Anzeichen
für Fortschritte.
Frankreich hat derweil informelle Kontakte zur radikalislamischen Hamas
aufgenommen, wie Außenminister Bernard Kouchner am Montag
bestätigte. Ein früherer Diplomat traf sich demnach im April
im Gazastreifen mit zwei Führern der palästinensischen
Organisation, die zahlreiche Anschläge auf Israel verübt hat.
«Wir müssen (mit der Hamas) sprechen können, wenn wir
eine Rolle spielen wollen», sagte Kouchner am Montag dem
Radiosender Europe-1. Es handele sich aber nicht um offizielle
Beziehungen.
Israel reagierte zurückhaltend. Paris habe zugesichert, sich an
die internationale Linie nach dem Sieg der Hamas bei der Parlamentswahl
vor zwei Jahren zu halten, sagte ein Außenamtssprecher in
Jerusalem. Die islamistische Organisation wird offiziell boykottiert,
weil sie Israel nicht anerkennt und der Gewalt nicht abgeschworen hat.
Die Zeitung «Le Figaro» berichtete am Montag, der
Ex-Diplomat Yves Aubin de la Messuzière habe den
Ministerpräsidenten Ismail Hanija von der Hamas sowie Mahmud
Sahar, ein weiteres Führungsmitglied, vor einem Monat im
Gazastreifen getroffen. In dem «sehr nützlichen
Gespräch» habe die Hamas ihre Bereitschaft zugesichert,
einen palästinensischen Staat in den Grenzen des Gazastreifens und
des Westjordanlands von 1967 anzuerkennen. «Das wäre eine
indirekte Anerkennung Israels», sagte der Ex-Botschafter im Irak
der Zeitung.
Die Hamas-Führer hätten sich auch «bereit erklärt,
die Selbstmordattentate einzustellen», sagte Messuzière.
«Und die islamistischen Führer erkennen die Legitimität
des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas an.»
Ein Hamas-Sprecher bestätigte, seine Gruppe habe Kontakt mit
Frankreich und rede darüber hinaus «mit vielen
europäischen Vertretern». Einzelheiten über die Staaten
nannte er nicht.
Außenminister Kouchner gab sich im Radio verhalten. Die Hamas sei
flexibler als früher. «Sie ist gesprächsbereit,
möglicherweise ist das ein Fortschritt in Richtung eines
palästinensischen Staates.» Kouchner betonte, Frankreich
habe keinen Verhandlungsauftrag.
Als sich der frühere US-Präsident Jimmy Carter im April mit
Führern der Hamas traf, löste dies auf Seiten der Israelis
heftige Proteste aus. Für den französischen
Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy ist das Bekanntwerden der
diplomatischen Initiative heikel: Er wird Ende Juni in Israel erwartet.
Sarkozy werde auch einige Stunden in die palästinensischen Gebiete
gehen, sagte Kouchner. Er werde aber keine Hamas-Führer treffen.
Der Außenminister bricht in der kommenden Woche zu einer
Nahost-Visite auf.
boa (Quellen:ap, rtr)
Internationale Konferenz strebt Streubomben-Verbot an
Di.20.05.08 - In Dublin hat am Montag eine internationale Konferenz begonnen, auf der
Delegationen aus rund 100 Staaten über ein Verbot von Streubomben
beraten. Das Anti-Streubomben-Bündnis CMC forderte zum Auftakt der
Konferenz, die "einmalige Gelegenheit" zum Verbot der für
Zivilisten besonders gefährlichen Streumunition zu nutzen. Bis zum
30. Mai wird über einen Abkommensentwurf beraten, der ein
vollständiges Verbot der Herstellung, des Erwerbs und der Lagerung
von Streumunition vorsieht. Die deutsche Delegation fordert, weniger
gefährliche Munitionstypen erst nach einer Übergangszeit zu
verbieten.
"Mehr Aufschübe bedeuten mehr Verletzte und Tote in der normalen
Bevölkerung", sagte Grethe Ostern von der CMC-Führung
anlässlich des Konferenzbeginns. "Wir haben in Dublin eine
einmalige Gelegenheit, Streubomben zu verbieten. Das heißt -
jetzt oder nie." Der Außenminister von Gastgeber Irland, Michael
Martin, hatte sich vorab für ein Streubomben-Verbot zum Schutz von
Zivilisten ausgesprochen. Schließlich habe diese Munitionsart
"schreckliche humanitäre Folgen".
Streubomben enthalten eine Vielzahl kleinerer Bomben, die sich
über riesige Flächen ausbreiten. Viele der Mini-Bomben gehen
beim Aufprall auf dem Erdboden nicht sofort hoch, sondern liegen
jahrelang als unentdeckte Gefahr für Zivilisten im Gelände.
Nach vorangegangenen Konferenzen in Lima, Wien und Wellington soll in
Dublin die endgültige Version eines umfassenden Abkommens
verabschiedet werden, das Einsatz, Herstellung und Lagerung von
Streubomben sowie den Handel mit ihnen verbietet. Eine Unterzeichnung
ist Anfang Dezember in Oslo vorgesehen. Die größten
Hersteller und Lagerer von Streumunition, darunter neben den USA und
Russland auch China, Indien, Pakistan und Israel, beteiligen sich nicht
an den Verhandlungen.
Anlässlich der Dubliner Konferenz hieß es aus der
Bundesregierung, ihr "oberstes Ziel" sei ein Verbot von Streumunition,
um "den Schutz der Zivilbevölkerung effektiv zu verbessern".
Für Munitionsarten mit einer Blindgänger-Rate von einem
Prozent und weniger soll das Verbot nach ihrem Willen zwar erst nach
einer Übergangsfrist gelten, bis dahin sollten bei diesen
Munitionstypen aber bereits "sehr restriktive Einsatzbestimmungen"
eingehalten werden. Zum deutschen Arsenal gibt das
Bundesverteidigungsministerium lediglich an, dass die Bundeswehr noch
über vier Streumunitionsmodelle verfügt. Sie hat demnach
bislang aber noch nie Streubomben im Einsatz verwendet.
(Quelle: afp)
50 Tote bei Kämpfen in Sri Lanka
Di.20.05.08 - Zehn Soldaten und 40 Tamilen-Rebellen sind bei Gefechten im Nordwesten
von Sri Lanka getötet worden. Wie das Verteidigungsministerium am
Montag berichtete, war die Armee in eine von den Rebellen kontrollierte
Region rund 320 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo
vorgestoßen.
Bei den Kämpfen an mehreren Frontabschnitten in dem Distrikt
Mannar seien zudem zwölf Rebellen und drei Soldaten verletzt
worden. Nach Militärangaben sind seit Jahresbeginn bei Kämpfen
mit den aufständischen Tamilen mehr als 4000 Menschen ums Leben
gekommen.
Die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen
für einen unabhängigen Staat der tamilischen Minderheit und
kontrollieren Teile des Nordens Sri Lankas. Die Armee versucht seit dem
Ende des Waffenstillstands im Januar, die LTTE militärisch zu
zerschlagen. Seit 1983 fielen dem Bürgerkrieg bislang mehr als 70
000 Menschen zum Opfer.
(Quelle: dpa)
Birma will nach Wirbelsturm Hilfe der ASEAN-Staaten annehmen
Di.20.05.08 - Zwei Wochen nach Durchzug des Zyklons "Nargis" hat UN-Hilfskoordinator
John Holmes erstmals die Katastrophengebiete in Birma besuchen
dürfen. Holmes überbrachte den Militärmachthabern eine
Botschaft von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der noch in dieser
Woche ebenfalls nach Birma reisen möchte. Unter internationalem
Druck machte die Junta weitere Konzessionen: Nach Angaben Singapurs
lässt sie weitere Helfer aus Südostasien ins Land und ist
bereit, eine Geberkonferenz in Rangun zu organisieren. Einer
umfassenden Hilfe aus dem Ausland verweigern sich die Militärs
aber weiter.
Als Erfolg wertete Singapurs Außenminister George Yeo die
Beratungen der zehn ASEAN-Staaten über Hilfen für die
Katastrophenopfer. Künftig dürften die ASEAN-Staaten die
ausländische Hilfe koordinieren, sagte Yeo während des
Treffens in Singapur, an dem auch Birmas Außenminister Nyan Win
teilnahm. Laut Yeo will die Südostasiatische Staatengemeinschaft
(ASEAN) mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten, um für den
25. Mai eine Geberkonferenz in Rangun einzuberufen. Birmas
Außenminister habe die benötigte Hilfe auf rund zehn
Milliarden Dollar beziffert.
Yeo betonte, Birma werde nur Hilfe akzeptieren, die nicht zu
politischen Zwecken missbraucht werde. Es werde keinen
"unkontrollierten Zugang ausländischer Helfer" in das Land geben,
bekräftigte der derzeitige ASEAN-Vorsitzende.
Ein 50-köpfiges Ärzteteam aus China traf unterdessen in Birma
ein, um den Überlebenden des Wirbelsturms "Nargis" zu helfen. Die
Helfer seien mit 32 Tonnen Lebensmitteln, Wasser und Medizin
angekommen, berichtete das birmanische Staatsfernsehen.
Die Militärjunta schottet das südostasiatische Land auch zwei
Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm weiterhin ab. Viele Helfer und
Spezialisten warten auf eine Einreisegenehmigung. Ein
französisches und mehrere US-Marineschiffe mit Tonnen von
Hilfesgütern und Ausrüstung an Bord haben nach wie vor keine
Erlaubnis zum Einlaufen.
Rund 70 Prozent der hungernden Überlebenden konnte die Hilfe der
Vereinten Nationen noch nicht erreichen, wie ein Sprecher des
Welternährungsprogramms (WFP) mitteilte. Rund 750.000 Menschen
bräuchten dringend Lebensmittel, nur 250.000 hätten bislang
eine Zwei-Wochen-Ration Reis erhalten.
Durch den Sturm am 2. und 3. Mai kamen nach amtlichen Angaben rund
78.000 Menschen ums Leben; Hilfsorganisationen schätzen, dass rund
zwei Millionen Menschen alles verloren haben.
(Quelle: afp)
Boliviens Präsident Morales kritisiert Kapitalismus
Di.20.05.08 - Zum Abschluss des EU-Lateinamerika-"Völkergipfels" in Lima hat
Boliviens Präsident Evo Morales den Kapitalismus für Armut und
Umweltzerstörung verantwortlich gemacht. "Es wird erst Gleichheit
und Gerechtigkeit geben, wenn wir die neoliberalen Regierungen
besiegen", sagte Morales am Freitag (Ortszeit) vor Zehntausenden
Menschen im Zentrum der peruanischen Hauptstadt. "Wir werden die Armut
beseitigen, sobald der unmenschliche Kapitalismus besiegt ist",
fügte er hinzu.
Die "grenzenlose Industrialisierung" mache es unmöglich, die
Umwelt zu erhalten, sagte der Staatschef. "Wir Präsidenten
können über vieles verhandeln, aber wir dürfen nicht die
Ausplünderung unserer natürlichen Ressourcen zulassen",
fügte er hinzu. Die europäischen Regierungen forderte er auf,
nicht ihre Wasser- oder Telekommunikationskonzerne zu verteidigen.
"Öffentliche Dienstleistungen sind Menschenrechte", so Morales.
Er sei stolz auf die sozialen Bewegungen Lateinamerikas, rief der
Präsident. "Ich bin aus ihnen hervorgegangen, und jetzt müssen
wir sie politisch stärken, damit wir uns dem Imperium
entgegenstellen können." Kein lateinamerikanisches Land solle auf
seinem Territorium US-Militärstützpunkte zulassen, forderte
Morales.
Den "Völkergipfel" hatten globalisierungskritische Gruppen
parallel zum EU-Lateinamerika-Gipfel ausgerichtet. Am Rande des Treffens
der Staats- und Regierungschefs war Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
eine Stunde lang mit Morales zusammengetroffen.
(Quelle: epd)
EU rechnet mit anhaltend hohen Preisen für Lebensmittel
Di.20.05.08 - Die EU-Kommission geht von weiterhin hohen Preisen für
Nahrungsmittel aus. «Die Lebensmittelpreise werden kurz- bis
mittelfristig wahrscheinlich nicht auf das Niveau vor der Krise
zurückfallen», zitierte die «Financial Times
Deutschland» aus einem Papier der Brüsseler Behörde. Die
Kommission erkläre die Preissteigerung zu einem Großteil mit
strukturellen, dauerhaften Gründen. Die hohen Energiepreise
hätten dazu geführt, dass die Preise bestimmter
Düngersorten gestiegen seien.
Hinzu kommt dem Bericht zufolge vor allem in den USA die Förderung
von Biosprit, die preistreibend wirke für bestimmte
Agrargüter. Außerdem habe es in den vergangenen Jahren
große Fehlernten gegeben. Der Preisanstieg könne auch nicht
durch Sonderverkäufe aus internationalen Vorräten gebremst
werden, da die Reserven schon jetzt «auf einem historischen
Tiefststand» seien.
Der Analyse zufolge leiden besonders die zwölf EU-Neumitglieder
unter den hohen Preisen, wie die Zeitung schrieb. In Ländern wie
Bulgarien steige die Lebensmittelinflation auf fast 22 Prozent. Die
Kommission berichte, dass die Länder Afrikas drastisch verarmten,
die schon vor der Krise Netto-Importeure von Nahrungsmitteln waren.
Krisengewinner seien Agrarexporteure wie die USA, Argentinien, Russland
und Australien.
Das Blatt beruft sich auf eine Diskussionsvorlage für die 27
EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen am 19. und 20.
Juni. Das Strategiepapier solle am heutigen Dienstag vorgestellt werden.
(Quelle: ap)
EU-Agrarkommissarin will Einkommen deutscher Großbauern kappen
Di.20.05.08 - Deutschlands Großbauern drohen millionenschwere Einbußen
bei den Einkommen. EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel wird an
diesem Dienstag Pläne vorlegen, die Europas Agrarwirtschaft
empfindlich treffen können.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU), der die Pläne
sehr skeptisch sieht, zeigte sich dennoch erleichtert, dass Fischer
Boel ihre ursprüngliche Ideen entschärft hat. Hatte die
Kommission zunächst Einbußen von 45 Prozent in der Spitze
erwogen, so kann es Großbetriebe nun maximal 22 Prozent der
Subventionen kosten. «Die Betriebe in Ostdeutschland müssten
mit rund 200 Millionen Euro fast die Hälfte der Kürzung in
Deutschland schultern», sagte Aufbau-Ost-Minister Wolfgang
Tiefensee (SPD) in Berlin.
Fischer Boel will bei der Kommissionssitzung auch eine Grundsatzdebatte
über weltweit gestiegenen Preise für einige Agrarprodukte und
Lebensmittel anstoßen. Dazu will die Kommission ein
entsprechendes Grundsatzpapier vorlegen. Für Deutschland sieht
Seehofer hingegen Entspannung an der Preisfront. Auch
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner beklagte schon wieder sinkende
Preise für einige Produkte.
Am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen sagte Seehofer zu
Plänen der Kommission, direkte Beihilfe zugunsten der
Wirtschaftsentwicklung ländlicher Räume umzuschichten:
«Das ist eine deutliche Abschwächung gegenüber dem, was
bisher geplant war. Ich bin der Kommissarin dankbar dafür.»
Die Pläne sollen bis Ende des Jahres unter französischer
EU-Ratspräsidentschaft von den 27 Mitgliedstaaten beschlossen
werden.
Fischer Boel will die direkten Zahlungen an die Landwirte bis 2012
etappenweise eindampfen. Ihr geht es darum, ländlichen Gebieten
neue Erwerbsquellen zu erschließen. Dabei soll das gesamte
Volumen für die Agrarpolitik von derzeit etwa 55 Milliarden Euro
nicht verringert, aber eben neu verteilt werden. Kritiker der
Agrarpolitik, die fast 43 Prozent aller EU-Ausgaben ausmacht, sehen in
Zeiten boomender Landwirtschaft keinen Sinn in Subventionen.
Fischer Boel schlägt vor, Einkommen bis 5000 Euro weiterhin nicht
anzutasten. Schon heute ist vereinbart, alle Prämien
größer als 5001 Euro bis 2012 um 5 Prozent zugunsten
ländlicher Gebiete zu kürzen. Aber damit nicht genug. Die
Kommission will nun direkte Beihilfen zwischen 5001 und 99999 Euro
zusätzlich um 8 Prozent, zwischen 100 000 Euro und 199 999 Euro
zusätzlich um 11 Prozent, zwischen 200 000 und 299 999 Euro
zusätzlich um 14 Prozent und von 300 000 Euro zusätzlich um
17 Prozent verringern.
Tiefensee warnte die Kommission vor zu tiefen Einschnitten bei den
großen landwirtschaftlichen Betrieben Ostdeutschlands. «Das
überfordert die Unternehmen und kann nicht akzeptiert
werden.» Die FDP-Agrarpolitiker im Bundestag und im
Europäischen Parlament sprachen von einer verkappten neuen Reform,
die zulasten der Bauern gehe.
Sonnleitner lehnte die Pläne auch ab. Die Zahlungen seien weiter
nötig, um höchste Standards bei Umweltschutz und
Lebensmittelsicherheit zu erfüllen, sagte er in Brüssel. Der
Preisaufschwung sei nur kurzfristig gewesen. Bei Weizen, Milch und
Zucker seien die Märkte wieder unter Druck. Lebensmittel werden
nach Einschätzung Seehofer wieder preiswerter. «In
Deutschland hat sich die Situation schon wieder deutlich
entspannt.»
Fischer Boel sieht das ganz anders. «Lebensmittelpreise werden
kurz- bis mittelfristig wahrscheinlich nicht auf das Niveau vor der
(derzeitigen Nahrungsmittel-) Krise zurückfallen», warnt die
Kommission in dem Strategiepapier. Es lag der Zeitung «Financial
Times Deutschland» (Montag) vor. Fischer Boel sieht dennoch
keinen Grund einzugreifen. «Ich glaube an Märkte und wehre
mich dagegen, alle Details unserer Gesellschaft zu regulieren»,
sagte sie der «WirtschaftsWoche». Sie räumte ein, dass
auch durch Spekulation die Preise in die Höhe getrieben werden.
(Quelle: rtr)
Spitzenverdiener bekamen 2007 offenbar überproportional mehr
Di.20.05.08 - Trotz lautstarker Kritik an überzogen hohen Managergehältern
geht die Gehaltsschere zwischen Höchst- und Normalverdienern einer
Studie zufolge weiter auseinander. Knapp 40 Prozent der Spitzenverdiener
mit einem Jahreseinkommen von mehr als 200.000 Euro erhielten im
vergangenen Jahr "signifikant" gestiegene Sonderzahlungen, wie eine
Umfrage der Personalberatung LAB unter tausend Managern ergab. Dieser
Trend sei nicht zu stoppen: Bei den Führungskräften
säßen Arbeitnehmer "eindeutig am längeren Hebel",
erklärte Klaus Aden von LAB.
Das zeige sich sogar bei Unternehmen mit gesunkenen Gewinnen: In einem
Viertel dieser Firmen konnten die Manager 2007 höhere
Sonderleistungen durchsetzen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr
erhielten der Umfrage zufolge die Hälfte aller Manager höhere
Bonuszahlungen als im Vorjahr. Jeder fünfte bekam demnach einen
Zuschlag von mehr als 20 Prozent. Die Zeit drastischer
Gehaltszuwächse sei damit vorbei, hieß es. Die Zahl der
besonders drastisch gestiegenen Bonuszahlungen sinke bereits seit 2006.
Für die Bonusstudie befragte LAB im April 1003
Führungskräfte, von denen 61 Prozent mehr als 100.000 Euro im
Jahr und 13 Prozent mehr als 200.000 Euro im Jahr verdienten.
(Quelle: afp)
SPD-Politiker wollen höhere Steuerbelastung für Reiche
Di.20.05.08 - Mehrere SPD-Politiker haben eine stärkere steuerliche Belastungen
der Reichen in Deutschland gefordert. "Wir brauchen eine neue
Solidarität. Ohne die Hilfe derjenigen mit den hohen Einkommen und
Vermögen wird es nicht gehen", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete
Karl Lauterbach der "Neuen Presse". Auch der SPD-Abgeordnete Ernst
Dieter Rossmann (SPD) plädierte für eine stärkere
Belastung hoher Einkommen: "Wir haben ein Armuts- und ein
Reichtumsproblem. Die einen haben zu wenig, die anderen zu viel." Dies
bestätige der neue Armutsbericht der Bundesregierung.
"Wir haben bei Reichensteuer, Erbschaft- und Vermögensteuer
Aufgaben, damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter
auseinander geht", sagte Rossmann der "Neuen Presse" weiter.
Darüber hinaus gehe es um Mindestlöhne und Entlastung bei
Sozialabgaben.
Der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Meister erteilte Forderungen nach
Wiedereinführung der Vermögensteuer eine Absage.
"Umverteilung" führe letztlich zu mehr Arbeitslosigkeit und "dass
wir am Ende alle in Deutschland ärmer sind", sagte Meister dem
Südwestrundfunk. Umgekehrt seien derzeit aber auch alle
Steuersenkungen unangebracht, die den Schuldenabbau bremsen könnten.
(Quelle: afp)
CDU-Abgeordnete kündigen Widerstand gegen
Diäten-Erhöhung an
Di.20.05.08 - Der Widerstand gegen die geplante Diätenerhöhung für
Bundestagsabgeordnete wächst. Nach mehreren SPD-Politikern
sprachen sich nun auch CDU-Abgeordnete gegen eine solche Erhöhung
aus. «Das ist den Bürgern nicht zu erklären. Ich und
andere werden dem Vorhaben nicht zustimmen», sagte der
CDU-Politiker Clemens Binninger der in Hannover erscheinenden
«Neuen Presse».
Neben Binninger wollen laut der Zeitung mindestens vier weitere
CDU-Abgeordnete gegen die Anhebung ihrer Bezüge stimmen.
Teilnehmer der letzten Sitzung des Geschäftsführenden
Unionsfraktionsvorstandes hätten außerdem berichtet, dass
auch der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach
die Pläne «als nicht vermittelbar» bezeichnet und sich
für eine Rücknahme ausgesprochen habe.
Nach Informationen der «Bild»-Zeitung plant die SPD einen
Vorstoß, um die mit der Union verabredete
Diäten-Erhöhung noch zu stoppen. Demnach will Fraktionschef
Peter Struck am (heutigen) Dienstag bei einem Gespräch mit seinen
Unions-Kollegen Volker Kauder versuchen, das bereits eingeleitete
Gesetzgebungsverfahren anzuhalten.
Der Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine, kritisierte, vor dem
Hintergrund des massiven Kaufkraftverlusts der Arbeitnehmer und Rentner
sei eine Erhöhung «unanständig». «Ich
fordere die Große Koalition auf, diese schamlose
Diätenerhöhung zu unterlassen», sagte er der
«Passauer Neuen Presse».
(Quelle: ap)
Hitzige Debatte über Konsequenzen aus Armutsbericht
Di.20.05.08 - Die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland hat eine
hitzige Debatte über die richtige Strategie zur
Armutsbekämpfung ausgelöst.
Während die SPD am Montag als Konsequenz aus dem Entwurf zum
Armuts- und Reichtumsbericht für Mindestlöhne warb, kamen aus
der Union neue Forderungen nach vorzeitigen Steuersenkungen. Zudem
plädierten sozialdemokratische Politiker dafür, Wohlhabende
stärker zu belasten. Nach Ansicht der Unionsfraktion geht als
Konsequenz aus den neuen Daten kein Weg an einer Erhöhung des
Kindergeldes im nächsten Jahr vorbei. Sozialverbände
verlangten, die Regelsätze für Hartz-IV-Empfänger
spürbar aufzustocken.
Dem Bericht zufolge sind 13 Prozent der Deutschen und damit jeder Achte
von Armut bedroht. Ohne staatliche Hilfen würde gar jeder vierte
Bürger als arm gelten. Nach einer Definition der EU ist von Armut
bedroht, wer als Alleinlebender weniger als 60 Prozent des mittleren
Einkommens in seinem Land verdient. Für Deutschland fällt in
diese Kategorie, wer weniger als 781 Euro netto pro Monat bekommt. Als
reich wird eingestuft, wer als Alleinlebender mehr als 3418 Euro im
Monat netto hat. Dies sind in der Bundesrepublik 8,8 Prozent der
Gesamtbevölkerung.
Am gravierendsten stelle sich die Lage für Langzeitarbeitslose,
Alleinerziehende und deren Kinder sowie für Menschen mit
schlechter oder fehlender Berufsqualifikation dar, sagte
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz. Die im Entwurf enthaltenen
Einkommenszahlen beziehen sich allerdings auf den Zeitraum bis 2005, in
denen sich Konjunktur und Arbeitslosigkeit weitaus negativer
darstellten als zurzeit.
Scholz warb erneut für eine gesetzliche Lohnuntergrenze. "Das ist
etwas, was überall auf der Welt gang und gäbe ist, nur bei
uns nicht", kritisierte er in Richtung Union. Rund zwei Millionen
Vollzeittätige verdienten mittlerweile unter 7,50 Euro pro Stunde.
Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte diese alte
Forderung seiner Partei. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warnte
hingegen, Mindestlöhne vernichteten Stellen und seien kein Mittel
zur Armutsbekämpfung.
Aus der SPD kamen Forderungen nach Wiedereinführung der
Vermögensteuer. Nötig sei eine neue Solidarität,
forderte der SPD-Sozialexperte Karl Lauterbach in der "Neuen Presse"
aus Hannover. "Ohne die Hilfe derjenigen mit den hohen Einkommen und
Vermögen wird das nicht gehen." Auch der Vorsitzende der Linken in
der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, plädierte
für eine stärkere Belastung der Reichen. Linksparteichef
Oskar Lafontaine beklagte, dass jeder Achte arm sei und jeder Vierte
von Armut bedroht, sei mit dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes
unvereinbar. "Hier wird fortgesetzter Verfassungsbruch begangen."
Nötig sei ein gesetzlicher Mindestlohn.
Nach Ansicht des familienpolitischen Sprechers der Unionsfraktion,
Johannes Singhammer (CSU), zeigen die Zahlen, wie sehr eine
Kindergelderhöhung Armut reduzieren könne. Man komme daher um
eine Anhebung im nächsten Jahr nicht herum. Der Punkt ist in der
Koalition noch strittig. Der mittelstandspolitische Sprecher der
Unionsfraktion, Michael Fuchs, sprach sich im ZDF dafür aus, den
von Armut bedrohten Menschen durch Steuersenkungen noch vor der
Bundestagswahl zu helfen. Auch von der CSU, die die unionsinterne
Steuerdebatte angestoßen hatte, kamen erneut Forderungen in diese
Richtung. Scholz warnte jedoch, Steuersenkungen ohne Gegenfinanzierung
bürgen die Gefahr, dass am Ende die auf Hilfe angewiesenen
Menschen darunter zu leiden hätten.
(Quelle: rtr)
Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert «Hartz
IV»-Aufstockung
Di.20.05.08 - Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht in Mindestlöhnen
eine Möglichkeit, gegen verstärkte Armut in Deutschland
vorzugehen. Damit könne der Trend zu Billiglöhnen
entgegengewirkt werden, die zum Leben nicht reichten, sagte der
Geschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, am Montag im
ZDF-«Morgenmagazin». Heute sei es vielfach so, dass
Hungerlöhne gezahlt würden mit dem Hinweis, den
«Rest» könne man sich ja beim Sozialamt holen.
Zugleich forderte Schneider eine deutliche Aufstockung der «Hartz
IV»-Regelsätze. Notwendig seien nach Berechnungen seines
Verbandes 420 Euro im Monat. Gegenwärtig liegt der Regelsatz bei
347 Euro im Monat für eine alleinstehende Person. Zudem sollte
alles dafür getan werden, dass nicht schon Kinder zu «Hartz
IV»-Beziehern würden, sagte Schneider.
(Quelle: ddp)
Bundesbank: Preise ziehen in nächsten Monaten wieder an
Di.20.05.08 - Die Bundesbank sieht einen neuen Preisschub auf die Verbraucher
zukommen.
In den nächsten Monaten dürften die Kosten für die
Lebenshaltung "wieder deutlich steigen", hieß es in dem am Montag
veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank. Ein Grund dafür
seien die hohen Ölpreise. "Erst zum Spätherbst ist mit einem
stärkeren Rückgang zu rechnen, wenn nicht neue Belastungen
hinzukommen", schrieb die Bundesbank. Im April war die Teuerungsrate
auf 2,4 Prozent gesunken, nachdem im März mit 3,1 Prozent der
zweithöchste Wert seit 1994 erreicht worden war.
Mit Sorge beobachtet die Bundesbank auch die steigenden Löhne und
Gehälter. Die Tarifverdienste seien in den ersten drei Monaten um
durchschnittlich 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Der
Zuwachs sei damit doppelt so stark ausgefallen wie im vierten Quartal
2007. Das lasse kaum mehr positive Impulse für die
Beschäftigung erwarten. "Und aus stabilitätspolitischer Sicht
ist die Lohnrunde 2008 nicht frei von Risiken", schrieb die Bundesbank.
Sie befürchtet, dass die Unternehmen die höheren Lohnkosten
auf die Endverbraucher abwälzen. Die Teuerung könnte dann
zusätzlich angeheizt werden und sich verfestigen. Auch
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet warnte davor, dass sich
höhere Preise und Löhne gegenseitig nach oben schaukeln
können. Die Fehler der siebziger Jahre - als der
Ölpreisschock eine solche Lohn-Preis-Spirale auslöste -
dürften nicht wiederholt werden, sagte Trichet im BBC-Rundfunk.
Dieses Verhalten habe "ein hohes Inflationsniveau auf lange Zeit
zementiert" und zu Massenarbeitslosigkeit in Europa geführt.
Preisstabilität sei die beste Voraussetzung, um nachhaltiges
Wachstum und einen soliden Stellenaufbau zu erreichen.
Bundesbankchef Axel Weber schließt wegen der hohen Teuerung auch
Leitzinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB)
nicht aus. "Ich habe immer betont, dass wir angesichts des derzeit sehr
kräftigen Preisauftriebs die Option einer Leitzinserhöhung
nicht aus den Augen verlieren dürfen", sagte das EZB-Ratsmitglied
kürzlich. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Höhere
Leitzinsen verteuern die Kredite für Verbraucher und Unternehmen.
Das dämpft Konsumausgaben und Investitionen. Die geringere
Nachfrage wiederum kann den Preisdruck bremsen.
(Quelle: rtr)
Immer mehr Deutsche wandern aus
Di.20.05.08 - Immer mehr Deutsche kehren ihrem Heimatland den Rücken. Im
vergangenen Jahr wanderten 165.000 Deutsche aus, das waren sechs Prozent
mehr als 2006, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Beliebtestes
Ziel der Auswanderer blieb die Schweiz. Dorthin zogen im vergangenen
Jahr 20.000 Deutsche. 14.000 Bundesbürger wanderten in die USA
aus, je rund 10.000 nach Österreich und nach Polen. Im gleichen
Zeitraum zogen aber auch knapp 572.000 Ausländer nach Deutschland.
Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr.
Erstmals seit 2001 sei damit die Tendenz einer rückläufiger
Zuwanderung von Ausländern unterbrochen, hieß es Auch 111.000
Deutsche kamen 2007 nach Deutschland - Spätaussiedler etwa oder
Rückkehrer aus dem Ausland. Schon in den vergangenen Jahren stieg
die Zahl der Auswanderer aus Deutschland kontinuierlich an. 2005 waren
insgesamt 145.000 Deutsche in die Ferne aufgebrochen, im Folgejahr
bereits 155.000. Im Jahr 2002 hatte die Zahl der Auswanderer noch bei
118.000 gelegen. Ins Ausland machten sich 2007 laut Statistischem
Bundesamt vor allem Westdeutsche und Berliner auf. 151.000 Auswanderer
kamen dort her. Aus den ostdeutschen Bundesländern waren es nur
14.000.
Nach Westdeutschland aber zog es im vergangenen Jahr insgesamt 138.000
Ostdeutsche, eine Zahl auf dem Niveau des Vorjahres, wie die Statistiker
mitteilten. 2006 waren 136.000 Ostdeutsche nach Westdeutschland
gezogen. Die umgekehrte Richtung von West nach Ost wählten 2007
rund 83.000 Menschen, 2006 waren es 82.000 gewesen.
Insgesamt zogen im vergangenen Jahr 635.000 Menschen aus Deutschland
weg und 683.000 zu, so dass sich ein Überschuss von 48.000 Menschen
ergibt, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Dieser
Überschuss habe sich im Vergleich zu 2006 mehr als verdoppelt. Von
2005 auf 2006 war er sogar stark gesunken.
(Quelle: afp)
Linke hat seit Bestehen 10 000 neue Mitglieder gewonnen
Di.20.05.08 - Die Linke sieht sich im ersten Jahr ihres Bestehens personell deutlich
gestärkt und politisch gut aufgestellt. Einerseits habe die Partei
in den vergangenen zwölf Monaten rund 10 000 neue Mitglieder
gewonnen, andererseits hätten viele Themen der Linken die
«politische Agenda» erreicht, sagte
Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch am Montag in Berlin.
Die Linke war im Juni 2007 aus der Vereinigung von PDS und WASG
hervorgegangen.
Am Wochenende will die Linke auf ihrem Parteitag in Cottbus ihre
Führungsmannschaft neu wählen und einen Leitantrag zu den
Herausforderungen der nächsten Jahre beschließen. Kern ist
dabei ein 50 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm, mit dem
eine Million Arbeitsplätze neu in Deutschland geschaffen werden
sollen. Zur Gegenfinanzierung setzt die Linke auf Steueranhebungen,
unter anderem durch die Wiederbelebung der Vermögenssteuer, eine
erweiterte Erbschaftssteuer sowie die Einführung einer
Börsenumsatzsteuer.
Die Linke hat nach eigenen Angaben gegenwärtig rund 72 000
Mitglieder, die auf dem Parteitag von 562 Delegierten vertreten werden.
Ihnen liegen bislang rund 100 Anträge vor. Im Mittelpunkt des
zweitägigen Treffens am 24./25. Mai steht die Neuwahl der
Parteispitze. Gerechnet wird mit einer klaren Bestätigung der
bisherigen Vorsitzenden Oskar Lafontaine und Lothar Bisky.
(Quelle: ddp)
Lafontaine erneuert Koalitionsangebot an SPD
Di.20.05.08 - Linke-Parteichef Oskar Lafontaine hat sein Koalitionsangebot an die SPD
erneuert, gleichzeitig jedoch Bedingungen daran geknüpft.
«Kurt Beck kann morgen Kanzler sein», sagte Lafontaine der
«Passauer Neuen Presse». Voraussetzung sei jedoch, dass er
der Aufhebung von Hartz IV zustimme, die «bewährte
Rentenformel» wiederherstelle und die deutschen Soldaten aus
Afghanistan abziehe.
Den derzeitigen Kurs der SPD kritisierte Lafontaine scharf. «Das
Schlimme ist, dass linke Politikvorstellungen mit dieser SPD nicht
durchzusetzen sind. Sie weigert sich aus Gründen der
Koalitionsräson, mit uns im Bundestag Projekte für mehr
soziale Gerechtigkeit wie den Mindestlohn oder eine gerechte
Vermögensteuer zu beschließen», sagte Lafontaine. Er
hoffe, dass die SPD bald zu einer Politik zurückfinde, «wie
sie unter den Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt noch
selbstverständlich war».
(Quelle: ap)
Öffentliche Banken sehen Ende der Finanzkrise nahen
Di.20.05.08 - Der Präsident der öffentlichen Banken, Siegfried Jaschinski,
rechnet mit einem baldigen Ende der weltweiten Finanzkrise.
"Vieles spricht dafür, dass die Finanzmärkte das Schlimmste
überstanden haben", sagte der LBBW-Chef am Montag in Frankfurt. Die
Marktentwicklung der letzten Wochen biete Anlass für Optimismus.
Jedoch könne niemand den Zeitpunkt für das Ende der Krise
voraussagen, räumte der Präsident des Bundesverbands
Öffentlicher Banken (VÖB) ein.
Jaschinski schließt sich damit Deutsche-Bank-DBKGn.DE>-Chef
Josef Ackermann an, der am Wochenende ebenfalls von einem nahenden Ende
der Marktturbulenzen gesprochen hatte. Die Krise sei zwar noch nicht
ganz ausgestanden, es gebe aber ermutigende Signale aus den USA.
Wegen der Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten
müssen Banken rund um den Globus Abschreibungen und Verluste in
Milliardenhöhe verkraften. Experten zufolge summieren sich die
Wertberichtigungen bereits auf über 300 Milliarden Dollar. In
Deutschland sind neben Großbanken auch Landesbanken betroffen.
Jaschinski, Chef der größten deutschen Landesbank LBBW, rief
die Banken erneut zu Zusammenschlüssen auf. Allerdings stünden
dabei Geschäftsmodelle im Vordergrund. "Es ist nicht
ausgeschlossen, dass ein langfristig, tragendes Geschäftsmodell
auch über Fusionen erreicht werden kann. Aber die Erarbeitung der
langfristigen Ertragskraft von Banken, ob klein, mittel oder groß,
ist die dominierende Aufgabenstellung in Deutschland", sagte
Jaschinski. "Die immer wieder diskutierte Super-Landesbank ist kein
solches Geschäftsmodell." Die Umsetzung erfordere Zeit und Geduld,
betonte er.
In der Vergangenheit hatte es verschiedene Anläufe zu Fusionen
unter Landesbanken gegeben. So hatte die Landesbank
Baden-Württemberg (LBBW) die WestLB umgarnt, die WestLB dagegen
hatte einen Fusionsversuch mit der Helaba unternommen. Alle Vorhaben
waren jedoch gescheitert.
(Quelle: rtr)
Sicherheitselement von Microsoft ist Hintertür für
Computer-Schädlinge
Di.20.05.08 - Der Virenstopper "Microsoft Malware Protection Engine" soll selbst
fehlerhaft sein und Computer-Schädlingen als Hintertür dienen
können. Darauf hat jetzt das Deutsche Sicherheitsnetz aufmerksam
gemacht. Laut der Experten sind bereits jetzt Internet-Schädlinge
bekannt, die die Lücke in dem Virenstopper ausnutzen und ihn
ausschalten. Somit ebnen sie den Weg für weitere Angriffe in der
Zukunft, durch die den betroffenen Computern ungehindert Schaden
zugefügt werden kann. Der US-amerikanische Software-Gigant hat
bereits auf die Bedrohung reagiert und ein kostenloses Reparaturpaket
zur Verfügung gestellt. Eine Anleitung zur Behebung des
Sicherheitsproblems findet sich unter http://www.deutsches-sicherheitsnetz.de.
(Quelle: gp)
Klima-Studie: Mehr Hurrikans nicht wegen Erderwärmung -
Höhere Temperaturen könnten weniger Stürme im Atlantik
bringen - Auch Kritik an Computermodell
Di.20.05.08 - Die Zunahme von Wirbelstürmen im Atlantik ist einer Studie zufolge
nicht auf die Erderwärmung zurückzuführen. Höhere
Temperaturen werden sogar für einen Rückgang von Hurrikans auf
dem Ozean und an Land führen, wie der Meteorologe Tom Knutson am
Sonntag berichtete. Die Studie könnte zu einer neuen Debatte
über die Auswirkungen der Erderwärmung auf den Atlantischen
Ozean führen.
Seit dem verheerenden Hurrikan «Katrina» im Jahr 2005 sind
die Stürme ein Symbol für die Klimaveränderung. Viele
Experten sahen bislang einen Zusammenhang zwischen höheren
Wassertemperaturen und der Zunahme der Stürme. Andere bezweifeln
einen Zusammenhang und sehen natürliche Schwankungen als Grund.
Knutson hat wiederholt vor den Auswirkungen des Klimawandels gewarnt.
Jetzt schrieb er, dass die Zunahme von Hurrikans und die
Erderwärmung nicht zusammenhingen und beruft sich dabei auf ein
Computermodell. Demnach wird die Zahl der Hurrikans im Atlantik bis zum
Ende des Jahrhunderts um 18 Prozent abnehmen. An Land könnte dies
noch drastischere Folgen haben: In den USA sagt der Forscher einen
Rückgang um 30 Prozent voraus. Die Zahl der schwersten Stürme
geht laut Studie um acht Prozent zurück. Allerdings gibt es nicht
nur positive Aspekte, wie aus der Studie hervorgeht. Hurrikans und
tropische Stürme werden nasser und heftiger.
Mehrere Wissenschaftler kritisierten Knutson und wiesen auf
Schwächen der Modellrechnung hin. Der Meteorologe gestand ein, dass
das Modell nur einen groben Überblick liefere und sich nicht mit
einzelnen Stürmen und ihren Stärken befasst. Die Studie wurde
am Sonntag im Internet vom Magazin «Nature Geoscience»
veröffentlicht.
(Quelle: ap)
Islamischer Theologe: Muslime haben 'Anerkennungsproblem'
Di.20.05.08 - Viele muslimische Funktionäre in Deutschland sind nach Ansicht des
türkischen islamischen Theologen Mehmet Emin Köktas ungeeignet
für den Dialog mit Vertretern anderer Religionen. Sie
sprächen oft kein Deutsch und seien nicht solide theologisch
ausgebildet, sagte Köktas am Samstag in Frankfurt bei einer Tagung
der Stadt und des Landesausländerbeirates Hessen. Deswegen
müsse alles getan werden, um das Fach Islamische Theologie an
deutschen Hochschulen zu etablieren.
Der Professor für Religionssoziologie und Politikwissenschaft an
der Universität Izmir verwies auf die beiden großen
christlichen Kirchen, die theologisch gut ausgebildete und
dialogerfahrene Experten in die Begegnungen mit Vertretern anderer
Religionen schickten. "Auch wir Muslime brauchen Theologen, die
artikulationsfähig sind und die deutsche Kultur genau kennen",
sagte Köktas.
Auch müssten sich die Muslime sowohl auf Bundes- als auch auf
Landesebene weiter zusammenschließen, um als Ansprechpartner
beispielsweise für die Erteilung von islamischem
Religionsunterricht ernst genommen zu werden. Der 2007 gegründete
Koordinationsrat der Muslime sei zwar ein Fortschritt, werde den
anstehenden Aufgaben aber nicht ganz gerecht. Erst wenn das
"Anerkennungsproblem" gelöst sei, so Köktas, beginne die
Zukunft der Muslime in Deutschland.
Für den katholischen Islamexperten Christian Troll gibt es auch
aus theologischen Gründen keine Alternative zum
interreligiösen Dialog. "Wo kein Dialog ist, zieht Rivalität
ein", betonte der Professor an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule St. Georgen in Frankfurt. Der Dialog dürfe allerdings
kein "Smalltalk" sein, sondern müsse vom Respekt für den
Glauben der anderen getragen sein, Zeugnis geben vom eigenen Glauben und
den Austausch von spirituellen und religiösen Erfahrungen
ermöglichen.
Der jüdische Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik
mahnte im Umgang mit anderen Religionen die Haltung "demütiger
Toleranz beziehungsweise toleranter Demut" an. Kein Verständnis
habe er beispielsweise für den "christlichen Triumphalismus", der
etwa in dem Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland mit dem Titel
"Christlicher Glaube und nichtchristliche Religionen" oder in der
katholischen Karfreitagsliturgie zur Bekehrung der Juden mitschwinge.
(Quelle: epd)