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Irak 1520 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität

Irakische Armee übernimmt Kontrolle über Sadr-Hochburg in Bagdad. Prozess gegen irakischen Exaußenminister Asis fortgesetzt

Mi.21.05.08 - Nach der Unterzeichnung eines Waffenstillstands hat die irakische Armee die Kontrolle über die Hochburg des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr in Bagdad übernommen.

Die Soldaten rückten am Dienstag ins Zentrum des zwei Millionen Einwohner zählenden Armenviertels Sadr vor, ohne auf Widerstand zu treffen. "Wir übernehmen zunächst die Kontrolle über drei Viertel des Gebiets", sagte Generalmajor Kassim Mussawi, Sprecher der Sicherheitskräfte in der Hauptstadt. Die Armee nannte ihren Einsatz "Operation Frieden". US-Angaben zufolge erhielt sie keine Unterstützung vom US-Militär. Die Aktion sei von der irakischen Seite geplant und ausgeführt worden, sagte ein Sprecher.

In den jüngsten Gefechten zwischen Sadr-Anhängern und der Armee sind Hunderte Menschen getötet worden. Die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki will ihre Hoheit auch in Gebieten durchsetzen, die bisher außerhalb ihrer Kontrolle lagen und von schiitischen oder wie im nordirakischen Mossul von sunnitischen Milizen beherrscht werden. Dies gilt als Voraussetzung für eine Versöhnung der verfeindeten Gruppen und die Stärkung des Zentralstaates.

Vor einem Gericht in Bagdad ist am Dienstag der Prozess gegen den früheren irakischen Außenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Tarik Asis und sieben weitere Mitglieder des früheren Regimes fortgesetzt worden. Unter den Angeklagten ist auch ein Cousin des hingerichteten Exdiktators Saddam Hussein, Ali Hassan al Madschid, genannt «Chemie-Ali». Dieser wurde bereits in einem anderen Prozess wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt wurde.

Asis hat den Prozess gegen ihn und weitere führende Mitglieder des früheren Regimes am Dienstag als persönlichen Rachefeldzug der schiitischen Regierung zurückgewiesen. In dem Prozess geht es um die Hinrichtung Dutzender Händler 1992, denen die Regierung damals vorgeworfen hatte, am drastischen Anstieg der Lebensmittelpreise schuld zu sein. Der Irak hatte damals mit den Folgen von UN-Sanktionen gegen das Land zu kämpfen.

Der Prozess gegen den 72-jährigen Asis und sieben weitere Mitglieder des früheren Regimes begann schon am 29. April. Er wurde aber sofort vertagt, weil der angeklagte Cousin des hingerichteten Exdiktators Saddam Hussein, Ali Hassan al Madschid, genannt «Chemie-Ali», zu krank war, um vor Gericht zu erscheinen. Er wurde bereits in einem anderen Prozess wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt.

Der leitende Staatsanwalt Adnan Ali erklärte, auch in diesem Verfahren würden allen Angeklagten Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Das bedeutet, dass als Höchststrafe die Todesstrafe möglich ist. Ali forderte eine «Bestrafung, die die Herzen der Witwen und Unterdrückten erleichtert». Er erklärte, alle Angeklagten seien schuldig, weil sie Mitglieder des Revolutionären Kommandorats waren, des Führungskreises um Saddam Hussein, der die Entscheidungen des Machthabers billigte.

Asis, der einzige Christ in der damaligen irakischen Regierung, entgegnete, er sei stolz auf seine Mitgliedschaft im Kommandorat, in der Baath-Partei und anderen Gremien unter Saddam Hussein. Die Konzentration dieses Verfahrens auf die Mitglieder des Kommandorats zeige, dass es nur um Rache gehe. «Ich weiß, dass es eine persönliche Rache ist.»

boa (Quelle: rtr, ap)


 

 

Blick ins Archiv:

Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003

Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.

US-Präsident Bush hatte Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen. Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in einer Fernsehansprache (19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....

Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan. Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen", "Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale Konflikte" zu verhindern.

1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld, Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker in der Bush-Administration... Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html

Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg
#Politische_Vorgeschichte






Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/
irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news



Chronologie des Irak-Kriegs

Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news

Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news

Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news

Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news

Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news

Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news

Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news

Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news

Teil 9: 01.01.2007 bis 21.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news

... wird fortgesetzt...
 
 


 

Vor einem Jahr:
 
Irak am tausendsechsundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen Souveränität

Mo.21.05.07 - Bush-Berater erwarten Kehrtwende in britischer Irak-Politik +++ Keine Spur von vermissten US-Soldaten im Irak... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0705210.htm#news

 
 

 

Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a

Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b

... Lügen und Täuschungen, die in London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
 

Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net

Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in der Studie heißt, die auf der Website der renommierten britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com] veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
 

Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi: 10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
 

Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
 

Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet: Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society Studies (IIACSS) zusammengetragen.

Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18 Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr 1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte. (Quelle: afp)

Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote gemeldet (Stand Sonntagabend).

Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens 3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der US-Streitkräfte hervorgeht.

Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155 Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr zuvor. (Quelle: afp)

Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen. Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.

Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000, Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische Truppenmitglieder ums Leben kamen.

Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen ab. (Quelle: ap)
 

«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
 
 

'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'

»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.

Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den Straßen des Irak herumirren... «

Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
 
 
 

US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak

Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg: Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung, erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f

 
 

Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren

Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr. US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.

Quellen: ap, afp

Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt

Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office am Mittwoch in Washington mitteilte...

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
 
 

'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg

Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung - er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der 38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch Steuerverweigerung aus.... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/
boa-archiv9/k0707210.htm#07072101

 
 

Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'

Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen. Niemals

Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig alle hassen".

Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen. "Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"

Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht: Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter, Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind sie - Helden.

Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007

'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2

Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org

Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/
k0803150.htm#0803150

 
 
 


 

Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'

Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in Afghanistan in den 80er Jahren.

Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die westlichen Länder müssten die Gründe dafür analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.

Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.

(Quelle: ap)
 


 

Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar

Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...

Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten Irakkrieg. ..

Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
 


 

Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen

Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein "Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde, warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.

Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115 Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million. Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)

Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten - würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.

An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne gehen...

Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
 


 

Saddam Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis

Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt, dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit, dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am Sonntagabend ausgestrahlt werden.

Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms Klarheiten zu schaffen.

Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann dazustehen, der den USA trotzt.»

Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff zu nehmen.

boa (Quelle: ap)
 
 
 
 

 


 


 

Nahost-Konflikt

Konfliktparteien im Libanon erzielen Vereinbarung

Mi.21.05.08 - Die Konfliktparteien im Libanon haben bei ihren Krisengesprächen unter der Vermittlung Katars eine Vereinbarung erzielt. Ein Beteiligter an den Gesprächen im katarischen Doha sagte der Nachrichtenagentur dpa, bereits am Donnerstag oder Freitag solle ein neuer Präsident gewählt werden. Das Ergebnis der Gespräche solle heute veröffentlicht werden, sagte der Oppositionspolitiker Ali Hassan Khalil. Dem Vernehmen nach soll es eine Regierung der Nationalen Einheit und ein neues Wahlgesetz geben.

(Quelle: dpa)
 


 

Israelische Zeitung: US-Präsident Bush plant binnen Monaten Angriff auf Iran

Mi.21.05.08 - Das Weiße Haus hat am Dienstag einen israelischen Medienbericht zurückgewiesen, wonach US-Präsident George W. Bush in den kommenden Monaten einen Angriff auf den Iran plane. Der Artikel der «Jerusalem Post» sei das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt sei, sagte Sprecherin Dana Perino in Washington. Das Blatt zitierte eine nicht genannte Quelle mit den Worten, Bush und Vizepräsident Dick Cheney seien sich einig, dass es ein militärisches Eingreifen gegen Teheran noch vor dem Ende ihrer Amtszeit im Januar geben müsse.

Der Gewährsmann habe berichtet, die Äußerungen stammten aus dem ranghohen Umfeld Bushs, schrieb die «Jerusalem Post». Der US-Präsident hielt sich vergangene Woche in Israel auf.

Perino betonte, die Regierung in Washington halte am Ziel einer friedlichen und diplomatischen Lösung des Atomstreits mit Teheran fest. Zusammen mit ihren Verbündeten lehnten die USA «die Bestrebungen des Irans ab, eine Atomwaffe zu erlangen». Dabei sollten aber nur diplomatischer und wirtschaftlicher Druck zum Einsatz kommen.

(Quelle: ap)
 


 

Pentagon gibt Verletzung von venezolanischem Luftraum zu

Mi.21.05.08 - Das Pentagon hat die Verletzung des venezolanischen Luftraums durch ein Flugzeug der US-Marine zugegeben. Ein im internationalen Luftraum über Curaçao im Anti-Drogen-Einsatz befindliches Flugzeug vom Typ S-3 Viking sei am Samstag wegen "vorübergehender Navigationsprobleme" von seiner Flugroute abgekommen, erklärte das Verteidigungsministerium in Washington. Das Flugzeug flog demnach in der Nähe zweier venezolanischer Inseln, darunter La Orchila, ein in der Karibik gelegener Militärstützpunkt Venezuelas vor der nördlichen Küste des Festlands.

Die venezolanische Regierung hatte zuvor gegen die Verletzung des Luftraums protestiert. Der venezolanische Verteidigungsminister Gustavo Rangel hatte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenminister Nicolas Maduro mitgeteilt, das US-Flugzeug habe auch die Insel Aves überflogen, bevor es sich wieder in Richtung Curaçao bewegt habe. Auf der zu den niederländischen Antillen gehörenden Insel unterhält die US-Luftwaffe einen Stützpunkt.

Maduro gab seine Absicht bekannt, für Dienstag den US-Botschafter in Caracas, Patrick Duddy, zu Erklärungen über den Vorfall einzubestellen. Dazu erklärte das Außenministerium in Washington, die US-Botschaft in Caracas habe keinerlei diplomatische Note des venezolanischen Außenministeriums erhalten. Rangel sprach von einer "vorsätzlichen Aktion" und einem "weiteren Glied in der Kette von Provokationen" der USA gegen Venezuela, Maduro von einem "illegalen Überflug".

Die von den USA geleitete und gegen den internationalen Drogenschmuggel in der Karibik tätige Joint Interagency Task Force South würdigte unterdessen die Unterstützung durch die venezolanischen Fluglotsen. Dadurch habe die S-3 Viking wieder in den internationalen Luftraum fliegen können, hieß es.

Die S-3-Viking-Flugzeuge mit zwei Triebwerken waren ursprünglich als Kampfmaschinen gegen U-Boote konzipiert. Heute dienen sie vor allem zur Seeüberwachung und als Tankflugzeuge. Einige wurden auch zu Spionageflugzeugen umgebaut.

Der Vorfall ereignete sich zu einem Zeitpunkt erhöhter Spannungen zwischen Venezuela und den USA sowie deren Verbündeten Kolumbien. Die kolumbianische Armee hatte am 1. März ein Lager der linksgerichteten FARC-Guerilla in Ecuador angegriffen und dabei die Nummer zwei der FARC, Raúl Reyes, getötet. Der Angriff auf fremdem Territorium hatte zu einer Krise in Kolumbiens Beziehungen zu Venezuela sowie Ecuador geführt.

(Quelle: afp)
 


 

Südafrika: Ausschreitungen in Johannesburg breiten sich aus

Mi.21.05.08 - In der südafrikanischen Metropole Johannesburg wird angesichts der anhaltenden fremdenfeindlichen Gewalt der Ruf nach Eingreifen des Militärs immer lauter.

Am Dienstag schlossen sich Vertreter von Hilfsorganisationen und Experten sozialwissenschaftlicher Institute einer Forderung der Opposition an. Auch der Ministerpräsident der Johannesburg und Pretoria umfassenden Provinz Gauteng sprach sich indirekt dafür aus.

Die Gewalt hatte am Dienstagmorgen erstmals auch den Südwesten der Stadt erfasst. Im Joe Slovo-Armenviertel wurden mindestens ein Mensch getötet und zwei weitere bei Plünderungen schwer verletzt. Marodierende Banden hatten systematisch ganze Viertel durchsucht, Ausländer verjagt und die Behausungen angezündet. Die Polizei nahm Dutzende Menschen wegen Raubes, Vergewaltigungen und anderer Delikte fest. Bei der außerhalb Johannesburgs gelegenen Stadt Springs kam es im Gugulethu-Everest-Armenviertel zu fremdenfeindlicher Gewalt.

«Die Leute dort wurden angegriffen - obwohl es aber nicht so schlimm war wie in anderen Gebieten. Viele flohen zur Polizeiwache», sagte ein Sprecher. Nicht bestätigen konnte er einen Bericht der Zeitung «The Mercury», wonach es auch in der Provinz KwaZulu-Natal an der Ostküste zu ausländerfeindlichen Attacken auf Mosambikaner gekommen ist.

Die Flucht hunderter Ausländer in Polizeiwachen, Kirchen und Gemeindesäle hielt unvermindert an. Dort drängen sich rund 11 000 verängstigte Menschen, die vom Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen notdürftig versorgt werden. Seit dem Ausbruch der Gewalt vor rund einer Woche im Township Alexandra sind mehr als zwei Dutzend Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden. Die Kapazität der Krankenhäuser reichte nach Angaben der Zeitung «The Star» nicht mehr für die Aufnahme der Verletzten aus.

Die Tageszeitung «The Sowetan» berichtete am Dienstag, dass ein wütender Mob das Haus eines Unternehmers aus dem Johannesburger Vorort Actonville in Brand gesetzt hat. Der Bauunternehmer habe im Verdacht gestanden, ausländische Arbeiter zu beschäftigen. Er sei am Montag in den Flammen ums Leben gekommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers kamen die Täter aus nahe gelegenen Armenvierteln.

Unterdessen hat die Polizei - die von sich selbst behauptet, die Lage unter Kontrolle zu haben - Verstärkung von Eliteeinheiten angefordert. Die Ausschreitungen richten sich gegen Zuwanderer aus Nachbarländern. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte am Montag in einem dringenden Appell zur Einstellung der Gewalt aufgerufen. In einer Erklärung sprach er von einer nicht zu akzeptierenden Anarchie und betonte: «Bürger anderer Staaten des afrikanischen Kontinents und darüber hinaus sind Menschen wie wir und verdienen es, von uns mit Respekt und Würde behandelt zu werden.» Umweltminister Marthinus van Schalkwyk warnte in Kapstadt vor nachhaltigen Schäden für die Tourismusindustrie.

(Quelle: dpa)
 


 

Birma erlaubt Hubschrauberflüge für Zyklonopfer

Mi.21.05.08 - Die Militärführung in Birma will auch Hilfsflüge mit Hubschraubern für Zyklonopfer erlauben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte am Dienstag in New York kurz vor seiner Abreise in die Katastrophenregion, dass die Regierung den Einsatz von neun Hubschraubern genehmigt habe. Er geht nach eigenen Worten davon aus, dass auch die Erteilung von Visa für ausländische Helfer beschleunigt wird. «Ich bin zuversichtlich, dass die Bemühungen um Nothilfe schnell ausgeweitet werden können.» Ban wird am Donnerstag in Birma erwartet.

Die amerikanischen Streitkräfte haben mehrere Hubschrauber auf Kriegsschiffen vor der Küste Birmas und Thailands bereitgestellt. Von Thailand aus fliegen die USA bereits fünf Mal mit Frachtmaschinen vom Typ C-130 Hercules in die birmanische Hauptstadt Rangun. Die notleidenden Menschen im Irrawaddy-Delta sind von dort aber nur schwer zu erreichen.

Nach UN-Schätzungen brauchen nach dem Zyklon «Nargis» vor zweieinhalb Wochen mindestens 1,4 Millionen Menschen dringend Hilfe. Von den 2,4 Millionen Zyklon-Opfern seien bislang nur 500.000 erreicht worden, erklärten die UN. Die offizielle Zahl der Opfer liegt bei 78.000. Zusätzlich werden 56.000 Menschen vermisst. Die wirtschaftlichen Schäden gibt die Militärregierung mit mehr als zehn Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) an.

(Quelle: ap)
 


 

Island ist laut Studie das friedlichste Land der Welt

Mi.21.05.08 - Island, Dänemark und Norwegen sind einer Studie zufolge die friedlichsten Länder der Welt. Der Irak steht auf dem in London veröffentlichten Weltfriedens-Index GPI an letzter Stelle. Der im Jahr 2007 aus der Taufe gehobene Index vergleicht 140 Staaten. Kriterien sind sowohl die Friedlichkeit im Land selbst als auch das Verhalten gegenüber anderen Staaten. Die USA liegen auf dem 97. Rang, Russland sogar nur auf Platz 131. Deutschland belegt in der Rangliste den 14. Platz vor Frankreich (36.) und Großbritannien (49.).

"Die Welt scheint in diesem Jahr etwas friedlicher geworden zu sein", erklärte GPI-Gründer Steve Killelea. "Wir brauchen kleine Schritte von jedem Land, damit die Welt auf dem Weg des Friedens voranschreiten kann." Island liegt auf Platz eins, gefolgt von Dänemark und Norwegen. Angola (110. Platz), Indonesien (68.) und Indien (107.) haben sich im Vergleich zum Vorjahr am meisten verbessert.

(Quelle: afp)
 


 

Mittelmeerunion: Brüssel schraubt Pariser Ambitionen zurück -- Bericht: Sarkozy kann nicht für zwei Jahre Co-Präsident der Union werden

Mi.21.05.08 - Die EU-Kommission will die Pariser Ambitionen für die geplante Mittelmeerunion offenbar deutlich stutzen. Französische Zeitungen berichteten am Dienstag über einen ersten Vorschlag der Kommission zur Führungsstruktur, der am Nachmittag in Brüssel vorgestellt werden sollte. Demnach kann Frankreich, anders als von Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbart, nicht für zwei Jahre die Co-Präsidentschaft der Mittelmeerunion übernehmen.

Vom kommenden Jahr an solle die EU bei Gipfeltreffen mit den südlichen Mittelmeeranrainern nicht von einem Staat, sondern vom Rats- und Kommissionspräsidenten vertreten werden, wie der Vertrag von Lissabon es vorschreibe, berichtet die regierungsnahe Zeitung «Le Figaro». Damit würde die Kommission den Kompromiss vom EU-Gipfel im März kassieren, wonach die Mittelmeerunion von einer Doppelpräsidentschaft von Europäern und Nichteuropäern geführt werden sollte.

Sarkozy und Merkel hatten vorgeschlagen, den europäischen Posten zumindest vorerst den EU-Staaten mit Mittelmeerküste vorzubehalten. Paris hatte seinen Anspruch darauf für die ersten zwei Jahre angemeldet. Nach dem Kommissionsvorschlag könnte Frankreich die Funktion nur in den ersten sechs Monaten übernehmen. Die Mittelmeerunion soll auf einem Gipfel am 13. Juli in Paris aus der Taufe gehoben werden und einen Höhepunkt der französischen Ratspräsidentschaft bilden, die am 1. Juli beginnt.

Allerdings will die Kommission dem Wunsch Sarkozys auch nicht folgen, die Führungsstruktur der neuen Union mit weitgehenden Kompetenzen auszustatten. Sie schlage ein «möglichst bescheidenes Sekretariat» mit rund 20 Mitarbeitern vor, schreibt die Zeitung «Le Monde». Zudem solle sich die geplante Gemeinschaft zunächst nur auf vier Ziele konzentrieren: Die Entgiftung des Mittelmeeres, den Schutz der Zivilbevölkerung, Energie und Verkehr. Zuletzt sei die Frage, inwieweit die Projekte mit Geld aus EU-Fonds finanziert werden könnten, derzeit noch nicht zu beantworten, zitiert die Zeitung aus dem Kommissionspapier.

Die Vorschläge aus Brüssel müssen nun zunächst EU-intern abgestimmt werden, zudem bedürfen sie der Zustimmung der Partnerstaaten. Zeit bleibt nur bis zum EU-Gipfel Mitte Juni, dem letzten vor der geplanten Gründung der Mittelmeerunion einen Monat später.

Neben Vorbehalten aus europäischen Staaten ohne Grenze zum Mittelmeer, die nicht für das Projekt bezahlen wollen und eine Gewichtsverschiebung der EU Richtung Süden fürchten, stellen Konflikte der südlichen Mittelmeeranrainer das Gelingen in Frage.

Algerien, Libyen und Syrien haben bislang keine Bereitschaft erkennen lassen, an der Seite Israels in die Union einzutreten. Über die Wahl von Ägypten als erstem Co-Präsidenten aus dem Süden herrsche zwar Konsens, schreibt «Le Figaro». Sollte Israel aber die Aussicht haben, die Nahost- und nordafrikanischen Staaten eines Tages zu vertreten, werde der syrische Präsident Baschar al Assad nicht mitmachen.

(Quelle: ap)
 


 

Französische Fischer blockieren wichtige Ölhäfen

Mi.21.05.08 - Gewaltsame Proteste gegen Privatisierungspläne und ein Fischerstreik wegen steigender Dieselpreise haben zahlreiche Häfen in Frankreich blockiert. In der südlichen Hafenstadt Marseille lieferten sich Hafenarbeiter am Dienstag eine Straßenschlacht mit den Sicherheitskräften. 500 Arbeiter warfen Stühle, Steine und Flaschen auf die Bereitschaftspolizei, die die Menge mit Tränengas auseinandertrieb. Ein Polizist wurde am Kopf verletzt, ein Streifenwagen in Brand gesteckt, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Der Hafen von Marseille, ein wichtiger Umschlagplatz für Öl, Gas und Chemikalien, hat seit Beginn der Streiks vor einem Monat mehr als eine Million Euro verloren. Das Gesetzesvorhaben zur Privatisierung der Häfen wird seit Dienstag vor dem Senat verhandelt.

Die Fischer blockierten unterdessen einen weiteren wichtigen Ölhafen bei Marseille. 50 Demonstranten besetzten das Terminal Fos-sur-Mer und setzten Autoreifen und Kisten in Brand, wie die Hafenverwaltung mitteilte. Nach La Rochelle und anderen Häfen an der Westküste wurde auch der Ölhafen Lavera an der Südküste am Montag bestreikt, am Dienstag wurde die Blockade dort aber aufgehoben.

Die Hochseefischer verlangen höhere Subventionen. Viele sehen sich angesichts einer Verdoppelung der Dieselpreise in den letzten zwölf Monaten in ihrer Existenz bedroht. Nach ersten Protestaktionen im November sagte Staatspräsident Nicolas Sarkozy den Fischern 310 Millionen Euro zu, vor allem zur Modernisierung der Boote. Am Dienstag versprach er, angesichts der weiter kletternden Ölpreise zusätzliche Hilfe zu prüfen. Die Hochseefischerei sei «entscheidend für die Wirtschaft der Küstenregionen». Am Mittwoch will sich Wirtschaftsminister Michel Barnier mit den Gewerkschaften treffen.

Ein Sprecher des Ölkonzerns Total erklärte, die Streiks hätten die Lage kompliziert gemacht und einige Lieferungen verlangsamt. Die zeitweiligen Blockaden im Großraum Marseille hätten aber bisher ausgeglichen werden können.

(Quelle: ap)
 


 

Deutschland bleibt auch 2008 Exportweltmeister

Mi.21.05.08 - Exportweltmeister Deutschland wird aller Voraussicht nach auch 2008 seinen Titel verteidigen können. China werde entgegen den Erwartungen die Bundesrepublik in diesem Jahr noch nicht vom Spitzenplatz als größte Exportnation verdrängen, prognostizierte am Dienstag die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

Ausschlaggebend dafür ist nach Angaben der Kölner Experten allerdings weniger die deutsche Exportstärke, als der starke Euro. Tatsächlich konnten die deutschen Unternehmen im ersten Quartal ihre Exporte in Euro gerechnet «nur» um sechs Prozent steigern - und lagen damit deutlich unter den Wachstumsraten der Chinesen. In Dollar gerechnet stiegen die deutschen Exporte aber im ersten Quartal um 21 Prozent auf 379 Milliarden Dollar (243 Milliarden Euro).

China, dessen Währung deutlich weniger gegenüber dem Dollar aufwertete als der Euro, steigerte im gleichen Zeitraum seine Exporte um 21,4 Prozent auf 306,1 Milliarden Dollar.

Angesichts des großen Vorsprungs Deutschlands könne nun nicht mehr damit gerechnet werden, dass die Volksrepublik noch in diesem Jahr zur Bundesrepublik aufschließen könne, betonten die Kölner Experten. Allerdings handelt es sich wohl nur um eine Atempause für den Noch-Exportweltmeister Deutschland. «Die Frage ist nicht ob China Deutschland überholt, sondern wann», betonte Simona Menshausen vom Asien-Referat des bfai im Gespräch mit AP. Denn Deutschland könne auf Dauer nicht mit den Wachstumsraten Chinas konkurrieren. «China hat eine ganz andere Dynamik.»

Wann sich Deutschland der chinesischen Wachstumsoffensive endgültig geschlagen geben muss, darüber wagte die Expertin allerdings keine Prognose. Dies hänge nicht zuletzt davon ab, wie sehr der starke Euro in den nächsten Monaten auf die deutschen Exporte durchschlage. Offen sei auch noch, wie stark Chinas Exportmaschine unter einer möglichen Rezession in den USA zu leiden habe.

Das große Erdbeben in China wird die chinesische Exportoffensive nach Ansicht der Expertin dagegen kaum bremsen. Denn die betroffenen Regionen spielten für die Exportwirtschaft keine nennenswerte Rolle.

Doch nicht nur Deutschland profitierte bei der Ausfuhrstatistik vom schwachen Dollar - sondern auch und vor allem die USA. War das Land in den letzten drei Quartalen des vergangenen Jahres bei den Exporten noch hinter China auf Rang drei der Statistik zurückgefallen, so konnten die USA dank der Abwertung der eigenen Währung ihre Exporte im ersten Quartal um 18,3 Prozent auf 320 Milliarden Dollar steigern. Damit gewannen sie zumindest vorübergehend den zweiten Rang in der Exportstatistik zurück. Allerdings gehen die Kölner Volkswirtschaftler davon aus, dass China im gesamten Jahr seinen zweiten Rang unter den größten Exportnationen verteidigen wird.

(Quelle: ap)
 


 

Finanzprofis - Teuerung wird Aufschwung noch zusetzen

Mi.21.05.08 - Nach dem furiosen Jahresauftakt werden der starke Euro und die hohe Teuerung nach Ansicht von Börsenexperten den Aufschwung wieder dämpfen.

Die Analysten und Anleger schätzen die Konjunkturaussichten im Mai negativer ein als im Vormonat, wie aus der Umfrage des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervorgeht. Das ZEW-Barometer fiel überraschend um 0,7 auf minus 41,4 Punkte. Mehr als zwei Drittel der Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate in den nächsten sechs Monaten nicht sinken wird und damit die erwartete Konsumerholung bremst. "Die Konjunkturdynamik dürfte auch etwas an Fahrt verlieren, weil sich bei den Unternehmen allmählich die Folgen der steigenden Refinanzierungskosten und der starke Euro bemerkbar machen dürften", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz am Dienstag.

Der Wirtschaftsweise liest aus Äußerungen der EZB-Notenbanker zudem eine Erhöhung der Leitzinsen in naher Zukunft heraus. Damit würde es für die Firmen noch kostspieliger, sich mit Geld zu versorgen. Der Mannheimer Forscher legte der Europäischen Zentralbank (EZB) zugleich ans Herz, das Zinsniveau solange stabil zu halten, wie die Finanzmarktkrise anhalte. Nach Ansicht mancher Experten könnte sie allerdings länger andauern als erhofft: "Es dürfte noch einiges in den Büchern stecken, was erst sukzessive herauskommen wird. Die Verwerfungen an den Finanzmärkten könnten sich noch das ganze Jahr hinziehen", sagte Gerd Haßel von der BHF-Bank.

Zwar beurteilen die vom ZEW befragten Experten die Aussichten für den Export dank der bislang ausgebliebenen Rezession in den USA deutlich besser als im April. Zugleich sehen sie aber kaum Spielraum für ein Anspringen des privaten Konsums, weil die starke Teuerung viel Kaufkraft kostet.

Trotz der Finanzmarktkrise, des starken Euro und der hohen Inflation hatte die deutsche Wirtschaft einen blendenden Start ins Jahr erwischt und wuchs mit 1,5 Prozent doppelt so stark wie erwartet. Im zweiten Quartal könnte ihr jedoch allmählich die Puste ausgehen, meinte Franz. Das Wachstum werde wahrscheinlich nahezu stagnieren. Für das Gesamtjahr sei dennoch eine Wachstumsrate von rund zwei Prozent realistisch.

Der private Konsum dürfte angesichts der anhaltend hohen Teuerung nach Ansicht von Experten jedoch trotz der jüngsten Lohnabschlüsse nicht die erhofften Wachstumsbeiträge liefern. Möglicherweise müssen die Verbraucher schon bald einen weiteren Teuerungsschub verkraften, falls der jüngste Anstieg bei den Erzeugerpreisen auf sie abgewälzt werden sollte. Die Preise ab Werkstor waren im April mit 5,2 Prozent so stark gestiegen wie seit über anderthalb Jahren nicht mehr. Im März hatte die Rate noch 4,2 Prozent betragen, im Jahresschnitt 2007 lediglich zwei Prozent. Größter Preistreiber war Energie. Viele Nahrungsmittel verteuerten sich ebenfalls kräftig.

Auch die Bundesbank sieht auf die Verbraucher einen neuen Preisschub zukommen. Ein Grund dafür seien die hohen Ölpreise. Erst zum Spätherbst sei mit einem stärkeren Rückgang zu rechnen, falls keine neuen Belastungen hinzukämen, schrieb die Bundesbank jüngst. Im April war die Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen auf 2,4 Prozent gesunken, nachdem sie im März mit 3,1 Prozent den zweithöchsten Wert seit 1994 erreicht hatte.

(Quelle: rtr)
 


 

Koalition stoppt Diätenerhöhung

Mi.21.05.08 - Die umstrittene Erhöhung der Abgeordnetendiäten ist vorerst vom Tisch. Wegen des massiven Widerstands auch in den eigenen Reihen stoppten die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Peter Struck, am Dienstag überraschend das Vorhaben.

Angesichts der öffentlichen Diskussion sei die Anhebung nicht möglich, erklärten beide nach einem Treffen in Berlin. Deshalb werde man den Abgeordneten der Großen Koalition gemeinsam empfehlen, die geplante Diätenerhöhung in der nächsten Woche nicht zu beschließen.

Kauder fügte jedoch hinzu: «Wir halten grundsätzlich die Orientierung der Abgeordnetenentschädigung an der Besoldung einfacher Bundesrichter oder kommunaler Wahlbeamter für richtig. Sie ist jetzt aber offensichtlich nicht vermittelbar.»

Nach den Vorstellungen von CDU/CSU und SPD sollten die Einkommen der Bundestagsabgeordneten zwischen 2008 und 2010 um insgesamt gut 15 Prozent auf 8.159 Euro steigen. Das entsprechende Gesetz wurde in der vorletzten Woche bereits in erster Lesung vom Bundestag behandelt. Eigentlich wollte der Bundestag die Erhöhung schon kommende Woche beschließen.

Das Vorhaben hatte bei Opposition und Verbänden einen Sturm der Entrüstung entfacht. Angesichts dieses Echos formierte sich auch in den Koalitionsfraktionen immer stärkerer Widerstand. Mehrere Dutzend Abgeordnete von SPD, aber auch eine Reihe von Parlamentariern der Union hatten in den letzten Tagen angekündigt, dem Vorhaben ihre Zustimmung zu verweigern.

Die Opposition begrüßte die Entscheidung der Koalition. «Besser spät als nie», erklärte Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn. «Es ist gut, dass die große Koalition eingesehen hat, dass diese Diätenerhöhung nicht in die Zeit passt. Union und SPD wären gut beraten, in Zukunft von vornherein die soziale Realität im Land zu erkennen und danach zu handeln.»

(Quelle: ap)
 


 

Autoren des Armutsberichts: Arbeitsminister Scholz schönt Aussagen -- DIW: Armutsquote liegt bei 18 Prozent

Mi.21.05.08 - Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) steht in der Kritik, das wahre Ausmaß der Armut in Deutschland zu beschönigen. Die Armutsquote liegt nach Darstellung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) bei 18, nicht bei 13 Prozent.

Das DIW, das diese Zahl errechnete, warf Scholz vor, er habe nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Daten genannt. Das Ministerium wies am Dienstag den Vorwurf der Beschönigung zurück. Scholz hatte den Entwurf des neuen Armutsberichtes am Montag vorgelegt.

Das DIW hatte in den von Scholz nicht erwähnten Zuarbeiten für den Regierungsbericht errechnet, dass die Armutsquote zwischen den Jahren 2000 und 2006 von 11,8 auf 18,3 Prozent angestiegen sei. Scholz hatte von 13 Prozent und einem Zuwachs um einen Punkt gesprochen. Der DIW-Experte Markus Grabka sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag, der Minister habe Daten «selektiv» herausgegriffen. «Wenn man andere Daten kennt und sie nicht nennt, ist das schon verwunderlich.» Er bestätigte damit einen Bericht der «Thüringer Allgemeinen».

Ein Sprecher des Arbeitsministeriums sagte dazu, der Bericht biete «die umfassendste statistische Grundlage für gesicherte Aussagen über Armut und Reichtum in Deutschland im europäischen Vergleich». Das sei «allgemein anerkannt». Den Vorwurf, die Entwicklung werde durch die Auswahl der Daten beschönigt, treffe nicht zu.

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) sieht im Gegensatz zu Unions-Kollegen in Steuersenkungen kein Mittel zur Bekämpfung der Armut in Deutschland. Arme empfingen entweder staatliche Sozialleistungen oder hätten «ein so geringes Einkommen, dass sie praktisch keine Steuern zahlen», sagte der CDU-Politiker der «Frankfurter Rundschau» (Dienstag). Müller lehnte wie zuvor Scholz die Forderung ab, den ALG-II-Regelsatz von 347 auf 420 Euro zu erhöhen.

Der Vorsitzende der CDU-Landesgruppe Baden-Württemberg in der Unions-Bundestagsfraktion, Georg Brunnhuber, kündigte in der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag) einen möglichst raschen Beschluss über Steuerentlastungen zum 1. Januar 2009 an: «Es wird dazu noch vor den Sommerferien einen Fraktionsbeschluss geben. Dann wird klar sein, wie die Entlastungen aussehen.»

Dafür gebe es in den Landesgruppen der Union breite Zustimmung. Man plane Entlastungen für Berufspendler und Familien, die noch vor der Bundestagswahl im Herbst in Kraft treten sollen. Die Steuerausfälle für den Bund beliefen sich auf rund zwei Milliarden Euro, sagte Brunnhuber: «Wir sollten uns nicht zu Tode sparen und deshalb am Ende die Wahl verlieren.»

Massive Kritik an Scholz kam von der Frakion Die Linke. Sein Bericht «verschleiert eher noch, wie dramatisch die Armut in Deutschland zugenommen» habe. Die «drastische Zunahme» an Armut werde «durch die Datenwillkür der Bundesregierung kleiner gerechnet», sagte die sozialpolitische Sprecherin, Katja Kipping.

Die Union will die Arbeitnehmer bei den Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung stärker entlasten. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hält einen Beitragsrückgang auf 3 Prozent für möglich. «Ich könnte mir vorstellen, dass wir eine Senkung des Arbeitslosenversicherungs-Beitrags zum 1.1.2009 machen können», sagte der dpa.

Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber sieht in gerechteren Einkommen und besseren Bildungschancen «das beste Mittel» zur Armutsbekämpfung. Mit der Einführung weiterer gesetzlicher Mindestlöhne würde «Hunderttausenden sofort geholfen, und zwar ohne zusätzliche staatliche Mittel.» ver.di-Chef Frank Bsirske forderte die steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und der vollen Pendlerpauschale und die Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 50 Prozent. Wie Grüne und Linke verlangte er zudem die Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes auf 420 Euro.

(Quelle: dpa)
 


 

Krankenhäuser fordern von Gesundheitsministerin Schmidt kräftigere Finanzspritze

Mi.21.05.08 - Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat zurückhaltend auf die von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt angekündigten Finanzhilfen für die Kliniken reagiert.

Hauptgeschäftsführer Georg Baum begrüßte am Dienstag in Berlin zwar Schmidts Ankündigung, wonach den stark belasteten Krankenhäusern geholfen werden solle. Allein durch die Tarifabschlüsse für dieses und das kommende Jahr seien die Kliniken aber mit Kostensteigerungen von 4,1 Milliarden Euro belastet, sagte er. Ein Sprecher fügte hinzu, die von Schmidt angekündigten Entlastungen von mehr als einer Milliarde Euro seien daher eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Schmidt hatte auf dem 111. Deutschen Ärztetag in Ulm angekündigt, der mit der Gesundheitsreform im vergangenen Jahr eingeführte Sanierungsbeitrag der Kliniken von rund 350 Millionen Euro sowie der Abzug für die integrierte Versorgung von 650 bis 700 Millionen Euro sollten Ende des Jahres auslaufen. Zudem verbesserten sich derzeit die Einnahmen der Krankenkassen spürbar. Dies zusammengenommen bringe den Kliniken mehr als eine Milliarde Euro zusätzlich ein.

Darüber hinaus will sich die SPD-Politikerin nach eigenen Worten in der Regierung dafür stark machen, dass die Kassen einen Teil der tarifvertraglich vereinbarten Lohn- und Gehaltssteigerungen übernehmen müssen. Die Entlastungen für die Kliniken in diesen Bereich bezifferte sie jedoch nicht. Nach Angaben ihres Ministeriums soll die Regelung im Gesetzentwurf zur neuen Klinikfinanzierung enthalten sein, der noch vor der Sommerpause eingebracht werden soll. Schmidt kündigte auch ein Programm an, um die Einstellung von Pflegekräften zu fördern.

Baum sagte, allein für die Personalkosten seien mindestens drei Milliarden Euro für 2008/2009 notwendig. Der planmäßige Wegfall der zwei Kürzungsfaktoren könne nicht als Entlastung gewertet werden. Auch für das Förderprogramm für Pflegekräfte sei ausreichend Geld notwendig.

Die DKG versteht sich als Dachverband der Krankenhausträger und vertritt nach eigenen Angaben mehr als 2100 Kliniken.

(Quelle: rtr)
 


 

Merkel sieht 'interessante Übereinstimmungen' von CDU und Grünen

Mi.21.05.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht zwischen der CDU und den Grünen inzwischen «interessante Übereinstimmungen». Daher schloss die Kanzlerin in einem am Dienstag vorab verbreiteten «Stern»-Interview Schwarz-Grün als Option nach den Bundestagswahlen im kommenden Jahr nicht aus. Eine Koalition mit der FDP hätte aber «die größten Gemeinsamkeiten», betonte sie.

Merkel nannte es zugleich «unverantwortlich», auf den Ausstieg aus der Atomenergie zu setzen und gleichzeitig keine neuen Kohlekraftwerke bauen zu wollen. «Ich möchte, dass in Deutschland so viel Energie erzeugt wird, dass wir als Industrieland nicht zu abhängig von anderen Ländern werden», sagte sie.

Vor dem Hintergrund der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn machte sich die Kanzlerin für den Artenschutz stark. Das weltweite Sterben von täglich 150 Arten bedeute «eine reale Bedrohung unseres eigenen Lebens». Sie betonte: «Je schmaler die Artenvielfalt ist, desto anfälliger wird auch der Mensch.» Ferner plädierte sie für den «verantwortlichen Einsatz von Gentechnik», andernfalls könne das Welternährungsproblem nicht gelöst werden.

(Quelle: ddp)
 


 

Deutschland verfehlt laut Studie eigene Klimaziele

Mi.21.05.08 - Die Bundesregierung verfehlt möglicherweise ihre selbstgesteckten Klimaziele. Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Studie des Umweltinstituts Ecofys schreibt, wird das "integrierte Energie- und Klimaprogramm" der Bundesregierung nur etwa die Hälfte der angestrebten Minderung von Kohlendioxid (CO2) erreichen. Ursprünglich sollte der CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 verringert werden, erreichbar sei jedoch nur eine Reduktion um 28 Prozent, heißt es in der für die Bundestagsfraktion der Grünen angefertigten Studie. Davon seien allerdings 18 Prozent schon jetzt geschafft.

Wie die SZ weiter schreibt, sind nach Auffassung der Umweltexperten vor allem zu optimistische Annahmen und nachträgliche Verschlechterungen im Gesetzespaket der Grund für die Verfehlung. So seien etwa die Pläne für eine Förderung effizienter Kraftwerke "nicht ambitioniert genug". Bei verschärften Vorgaben für die Sanierung von Gebäuden verzichte der Bund auf Kontrollen und Sanktionen. Zuletzt hatte die Bundesregierung auch ihr Ziel aufgeben müssen, den Anteil von Biosprit zu erhöhen. Gleichzeitig verfehle das Paket das Ziel, den Stromverbrauch drastisch zu senken.

Die Regierung hatte das Gesetzespaket im vergangenen Sommer bei der Kabinettsklausur in Meseberg beschlossen. Es sei nun "dringend erforderlich, die geplanten Maßnahmen effektiver auszugestalten", schreibt das Blatt.

(Quelle: afp)
 


 

Wissenschaft

Forscher erwecken Gen von Tasmanischem Tiger zum Leben

Mi.21.05.08 - Zoologen haben ein Gen des vor über siebzig Jahren ausgestorbenen Tasmanischen Tigers wieder zum Leben erweckt. Es sei das erste Mal, dass Erbmaterial von einer ausgestorbenen Art in einen anderen lebenden Organismus eingesetzt werde und dort wieder eine Funktion aufnehme, sagte der australische Forscher Andrew Pask von der Universität Melbourne der Nachrichtenagentur AFP. Allerdings sei es mit dieser Technik nicht möglich, ausgestorbene Tierarten ins Leben zurückzuholen.

"Wir können untersuchen, wie ein Gen bei diesem Tier funktioniert - die meisten Tiere haben rund 30.000 Gene", schränkte der Wissenschaftler ein. Bei fortschreitender Technik werde es aber eines Tages hoffentlich möglich sein, Arten wiederzubeleben.

Die Forscher entnahmen die DNA-Proben bei einem Tasmanischen Tiger, der seinerzeit in Alkohol eingelegt worden war. Dann setzten sie das isolierte Gen bei Mäuse-Embryonen ein, wo es seine Funktion wieder aufgenommen habe. Diese Entdeckung habe "ein riesiges Potenzial", sagte der US-Forscher Richard Behringer von der Universität Texas. Sie könne unter anderem für Entwicklungen im Bereich der Biomedizin nützlich sein.

Der Tasmanische Tiger ist auch als Beuteltiger bekannt und sah aus wie ein Hund. Er wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Ausrottung gejagt; das letzte Exemplar starb 1939 in einem australischen Zoo.

(Quelle: afp)
 


 

Großbritannien erlaubt Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen

Mi.21.05.08 - Das britische Parlament hat Forschern die Herstellung von Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren erlaubt. Das Unterhaus wies in London laut "BBC" mit 336 zu 176 Stimmen einen Antrag zurück, der die Chimären-Embryonen verbieten sollte. Die Abstimmung war Teil der Beratungen über ein Gesetzesvorhaben, das den Umgang mit Embryonen neu regeln soll. Dem Entwurf zufolge müssen Tier-Mensch-Embryonen allerdings nach spätestens zwei Wochen zerstört werden und dürfen nicht in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt werden.

Wissenschaftler erhoffen sich von den Chimären-Embryos neue Therapiemethoden für Krankheiten wie Alzheimer oder Mukoviszidose. Premierminister Gordon Brown, dessen zweijähriger Sohn an Mukoviszidose leidet, ist ein flammender Befürworter des Gesetzes. Auch der konservative Oppositionsführer David Cameron hatte seine Zustimmung angekündigt. Bei vielen konservativen Abgeordnete war der Entwurf allerdings sehr umstritten. Die Parlamentarier sind nicht der Fraktionsdisziplin unterworfen und durften bei dieser ethisch problematischen Frage frei entscheiden. Auch die katholische Kirche hatte ein Verbot der Forschungsmethode gefordert, die ein Geistlicher als "Frankenstein-Experiment" bezeichnet hatte.

Britischen Forschern war es Anfang April erstmals gelungen, Chimären-Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Kühen zu erzeugen. Die zuständige britische Aufsichtsbehörde hatte bereits im September 2007 eine grundsätzliche Zustimmung erteilt und Forschern Sondergenehmigungen für Experimente ausgestellt.

(Quelle: afp)
 


 

Internet

Rekordstrafe in den Niederlanden gegen Spammer

Mi.21.05.08 - Die niederländische Telekommunikationsaufsicht hat eine Rekordstrafe von insgesamt 510.000 Euro gegen vier Versender unerwünschter E-Mails verhängt. Die zwei Personen und zwei Unternehmen hatten trotz einer Verwarnung 4,5 Millionen Spam-Mails verschickt, in denen sie billige Hilfe für kleinere Reparaturarbeiten im Haushalt bewarben. Nach Angaben der Behörde vom Montag boten die Spammer tatsächlich aber keine Dienstleistungen. Menschen, die telefonisch auf die Mails reagierten, wurden vielmehr an einen automatischen Anrufbeantworter weitergeleitet. Ziel sei gewesen, die Interessenten so lange wie möglich in der Leitung zu halten, damit für sie hohe Kosten anfielen.

(Quelle: ap)
 
 
 
 

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