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Irak 1521 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
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Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 22.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendsiebenundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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USA bekräftigen Widerstand gegen Streubomben-Verbot
Do.22.05.08 - Die USA haben ihren Widerstand gegen ein internationales Verbot von
Streubomben bekräftigt. Ein solches Abkommen gefährde die
weltweite Sicherheit und verhindere humanitäre Hilfseinsätze
der US-Streitkräfte, sagte ein ranghoher Vertreter des
US-Außenministeriums am Mittwoch in Washington.
Diplomaten aus mehr als 100 Ländern diskutieren zurzeit in Irland
über ein Verbot von Streubomben. Die USA, die neben Russland und
China zu den größten Produzenten dieser Waffengattung
gehören, sind auf der Konferenz in Dublin nicht vertreten.
Das geplante Abkommen kriminalisiere die militärische
Zusammenarbeit mit den USA und anderen Ländern, die Streubomben
besitzen und den Vertrag nicht unterzeichnen, sagte Staatssekretär
Stephen Mull. Das gefährde Hilfseinsätze nach
Naturkatastrophen wie in Birma oder China, an denen oft amerikanische
Kriegsschiffe oder Militärflugzeuge beteiligt seien.
Streubomben verteilen riesige Mengen kleiner Sprengkörper
über große Flächen. Allerdings explodiert meist ein
Teil der Sprengsätze nicht sofort - sie stellen dann eine
tödliche Gefahr dar, weil sie bei der kleinsten Berührung
explodieren können. Auf der Konferenz in Dublin verhandeln die
Teilnehmer über strenge Regeln für Produktion, Verkauf und
Lagerung der Streubomben.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Durchbruch in der Libanon-Krise. Waffenruhe für Gazastreifen
weiter in der Schwebe. Israel will Siedlung in Westjordanland ausbauen
Do.22.05.08 - Nach 18-monatiger Dauerkrise und blutigen Kämpfen haben sich die
verfeindeten Lager im Libanon auf die Beilegung ihres Konflikts
geeinigt, der das Land an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht hat.
Wie aus Äußerungen des Telekommunikationsministers Marwan
Hamadeh hervorgeht, konnte die schiitische Hisbollah dabei zwei
Kernforderungen gegen die prowestliche Regierung durchsetzen: Sie
erhält Ministerposten im neuen Kabinett und dazu noch ein
Veto-Recht.
Der Durchbruch wurde laut Hamadeh am frühen Mittwochmorgen nach
fünftägigen Verhandlungen im Scheichtum Katar erzielt. Die
Arabische Liga hatte sich als Vermittlerin in den eskalierenden Konflikt
eingeschaltet, nachdem sich regierungstreue Gruppen und Verbände
der Hisbollah vor kurzem blutige Kämpfe um die Vorherrschaft in
der Hauptstadt Beirut und im Norden des religiös tief gespaltenen
Landes geliefert hatten. Dabei wurden mindestens 67 Menschen
getötet. Es ist die schwerste politische Krise seit dem
Bürgerkrieg von 1975 bis 1990.
Laut Hamadeh erhält die von Syrien unterstützte Hisbollah elf
Sitze im Kabinett, während die prowestliche Parlamentsmehrheit 16
Ministerposten bekommt. Drei weitere Ämter verteilt dann der
künftige Präsident. Der Ministerpräsident von Kater,
Scheich Hamad bin Jassem al Thani, erklärte am Mittwochmittag
(Ortszeit), die Wahl des neuen Präsidenten solle binnen 24 Stunden
über die Bühne gehen.
Die Wahl eines neuen Staatspräsidenten war in den letzten Monaten
über ein dutzend Mal verschoben worden. Libanon hat seit dem Ende
der Amtszeit von Emile Lahoud im November vergangenen Jahres kein
Staatsoberhaupt. Zwar haben sich das prowestliche Regierungslager um
Ministerpräsident Fuad Siniora und die Hisbollah auf Armeechef
Michel Suleiman als Kompromisskandidaten geeinigt. Dessen Wahl
scheiterte bislang aber an der Forderung der Hisbollah nach einer
Beteiligung an der Regierung.
Teil der Einigung von Katar ist außerdem eine Verkleinerung der
Wahlkreise. Damit sollen die verschiedenen Religionsgruppen - Schiiten,
Sunniten, Christen - besser repräsentiert werden. «Es gibt
keine Verlierer», sagte Hamadeh telefonisch der AP. «Libanon
ist der Gewinner.»
Eine unter ägyptischer Vermittlung ausgehandelte Waffenruhe
für den Gazastreifen und israelische Grenzgemeinden hängt
weiter in der Schwebe. Der Prozess sei noch nicht abgeschlossen, und es
gebe noch einige Arbeit zu tun, sagte der israelische Regierungssprecher
Mark Regev.
Regev reagierte damit auf Äußerungen eines ägyptischen
Regierungsbeamten, wonach Israel Unterstützung und Zustimmung
für die ägyptischen Vorschläge zur Beendigung der Gewalt
geäußert habe. Ägyptens Geheimdienstchef Omar Suleiman
ist nach ägyptischen Medienberichten weiterhin im Gespräch mit
Vertretern radikaler und militanter Palästinensergruppen.
Nach israelischen Medienberichten wird mit einer Antwort nicht vor dem
Wochenende gerechnet. Ein Grund dafür sei, dass Israel weiterhin
die Freilassung des im Juni 2006 in den Gazastreifen entführten
Soldaten Gilad Schalit verlange oder zumindest dessen
vorübergehende Überstellung in ägyptischen Gewahrsam.
Außerdem will Israel Zusagen, dass der Waffenschmuggel durch
Tunnel unter der Grenze von Ägypten zum Gazastreifen gestoppt wird,
damit die radikalislamische Hamas die Waffenruhe nicht für eine
Neubewaffnung nutzt.
Die Waffenruhe soll nach bisherigen Informationen vorerst für ein
halbes Jahr gelten. Während dieser Zeit sollen militante
Palästinensergruppen keine Raketen und Mörsergranaten auf
israelische Grenzstädte abfeuern. Im Gegenzug soll Israel seine
Angriffe im Gazastreifen beenden.
Israel will ungeachtet des Widerstands von Palästinensern und der
USA eine jüdischen Siedlung im besetzten Westjordanland ausbauen.
Bauminister Seew Boim gab nach Angaben seines Ministeriums jetzt die
Anweisung, den Bau von 286 Wohnungen in der Siedlung Beitar Illit in
der Nähe von Jerusalem auszuschreiben. Das Vorhaben sei eine
Reaktion auf den Wohnungsmangel für strenggläubige junge
Juden in Jerusalem. Die Vereinigten Staaten und die Palästinenser
haben Israel zu einem Verzicht auf den Ausbau der Siedlungen
aufgefordert.
Auch der "Road Map" genannte Friedensplan von 2003 fordert einen
Verzicht auf Siedlungsaktivitäten in den Gebieten, in denen ein
palästinensischer Staat entstehen soll. Ministerpräsident
Ehud Olmert hat sich jedoch entschlossen gezeigt, an Siedlungen auch
nach Abschluss eines Friedensabkommens festzuhalten.
boa (Quellen: ap, dpa, rtr)
Fremdenfeindliche Gewalt in Südafrika eskaliert - 42 Tote - Armee
soll eingesetzt werden
Do.22.05.08 - Nach der Eskalation fremdenfeindlicher Gewalt in Südafrika mit
mindestens 42 Toten und hunderten Verletzten hat Präsident Thabo
Mbeki einen Einsatz der Armee angeordnet.
Sie soll weitere Ausschreitungen in der Gauteng-Provinz unterbinden, zu
der die Städte Johannesburg und Pretoria gehören.
«Präsident Thabo Mbeki hat einer Bitte der Polizei für
den Einsatz des Militärs entsprochen, um anhaltende Angriffe auf
Ausländer in der Gauteng-Provinz zu stoppen», teilte das Amt
des Präsidenten am Mittwoch mit. Nach Angaben der Polizei wurden
mittlerweile nahezu 30 000 Menschen vertrieben.
Die gegen Zuwanderer aus Nachbarländern gerichtete Gewalt hatte
vor zehn Tagen in der Johannesburger Township Alexandra begonnen.
Inzwischen hat sie auch die Hafenstadt Durban sowie die Provinz
Mpumalanga erfasst. In der an Mosambik grenzenden Provinz hatte es
erste Übergriffe gegen Zuwanderer bereits am Dienstag gegeben.
Hütten gingen in Flammen auf, Geschäfte von Ausländern
wurden geplündert. Mosambikaner fliehen zu Tausenden in Todesangst
zurück in ihre Heimat, berichtete der Rundfunk am Mittwochabend.
Das Auswärtige Amt in Berlin rief unterdessen Besucher zu
zusätzlicher Vorsicht auf. Derzeit werde Reisenden dringend davon
abgeraten, die Innenstadt von Johannesburg oder die sogenannten
Townships in den Randgebieten anderer Großstädte zu
besuchen, hieß es in einem aktuellen Hinweis. Dies gelte auch
für organisierte Reisen.
In der Hafenstadt Durban attackierten nach Polizeiangaben in der Nacht
zum Mittwoch mehr als 150 mit Steinen und Flaschen bewaffnete
Südafrikaner Zuwanderer aus Nigeria. Nach Ansicht des Provinz-
Ministers Bheki Cele war der Angriff in dem Armenviertel Umbilo
politisch motiviert. Der für Sicherheitsfragen zuständige
Politiker der Provinz KwaZulu-Natal warf der oppositionellen Inkatha
Freedom Party (IFP) vor, die Bewohner eines Wohnheims in Umbilo zu dem
Angriff aufgehetzt zu haben. Die IFP wies das als unverantwortlich
zurück und verurteilte ihrerseits die Gewalt.
In Johannesburgs Township Tembisa wurden drei Menschen mit Schusswunden
ins Krankenhaus gebracht. Dort war die Polizei erneut gegen hunderte
Bewohner vorgegangen, die auf der Suche nach Zuwanderern aus anderen
afrikanischen Ländern unterwegs waren. Erneut standen
Unterkünfte in Flammen. Auch aus dem Ort Vereeniging gab es
unbestätigte Berichte über Einschüchterungen
ausländischer Bewohner. Im Armenviertel Primrose wurden den in die
Polizeiwache geflohenen Mosambikanern die Chance gegeben, sich mit
Bussen in die Heimat fahren zu lassen. Mehrere Flüchtlinge
beschwerten sich nach Medienberichten über vereinzelte
Einschüchterungen durch Polizisten.
Derweil steigt die Sorge um die Konsequenzen für den Tourismus und
die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in dem Kap-Staat. Auch die
nationale Währung, der Rand, ist stark gefallen. Danny Jordaan,
der Chef des WM-Organisationskomitees, erklärte, die Gewalt stehe
in krassem Gegensatz zur Idee eines völkerverbindenden
Sportereignisses und zu allen Idealen eines demokratischen
Südafrikas. Die FIFA betonte, die sei besorgt über die
Gewalt, setze aber auf die einigende Kraft des Fußballs. Alle
Fristen des WM-Fahrplans seien jedoch einzuhalten.
(Quelle: dpa)
Palamenstwahlen in Georgien - Präsident Saakaschwili verteidigt
Regierungsmehrheit
Do.22.05.08 - Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hat bei der
Parlamentswahl seine Regierungsmehrheit verteidigt. Seine Vereinte
Nationale Bewegung kam Wählernachfragen zufolge am Mittwoch auf 63
Prozent der Stimmen. Die größte Oppositionspartei, der
Vereinte Oppositionsrat, kam auf 14 Prozent. Die Opposition wirft dem
Staatschef eine zunehmend autoritäre Amtsführung und
Wahlbetrug vor.
Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(OSZE) berichtete von Einschüchterungsversuchen vor der Wahl, die
Opposition befürchtete massive Manipulationen. Sie wirft
Saakaschwili vor, die Präsidentenwahl im Januar nur mit Hilfe von
Wahlfälschungen knapp gewonnen haben.
Die Europäische Union und die NATO wollten die Wahl genau
verfolgen, weil die Kaukasusrepublik an Russlands Grenze für den
Westen hohe strategische Bedeutung hat. Zudem will Saakaschwili sein
Land in die NATO bringen.
Entlang der Verwaltungsgrenze zwischen Georgien und der
abtrünnigen Region Abchasien kam es am Mittwoch zu einem
Feuergefecht. Das georgische Innenministerium erklärte,
abchasische Grenzposten hätten auf zwei Busse geschossen, die
Bewohner aus Abchasien zur Wahllokalen jenseits der Grenze bringen
wollten. Mehrere Menschen seien verletzt worden.
Saakaschwili kam nach der sogenannten Rosen-Revolution, die den
damaligen Präsidenten Eduard Schewardnadse zum Rücktritt
zwang, 2003 an die Macht. Sein prowestlicher Kurs findet in Georgien
quer durch alle Parteien Unterstützung. Der Umgang mit der
abtrünnigen Region Abchasien, die zunehmend von Russland
unterstützt wird, spielte im Wahlkampf keine tragende Rolle, da
alle Parteien Moskaus Einmischung mit Skepsis betrachten. Die
autoritären Züge seiner Regierung und seine erfolglose
Wirtschaftspolitik haben Saakaschwilis Popularität jedoch
schwinden lassen.
(Quelle: ap)
Tschechische Regierung billigt US-Pläne zu Raketenabwehr
Do.22.05.08 - Die Regierung in Tschechien hat am Mittwoch ein Abkommen mit den USA
zur Stationierung des geplanten US-Raketenabwehrsystems in Osteuropa
gebilligt. Die Zustimmung erging während eines Treffens in der
Stadt Teplice, wie eine Sprecherin mitteilte. Beide Seiten hatten im
April erklärt, die Verhandlungen über das wichtigste
bilaterale Abkommen seien erfolgreich verlaufen.
Nach Angaben des Außenministeriums in Prag wird
US-Außenministerin Condoleezza Rice in den kommenden zwei Monaten
zur Unterzeichnung des Abkommens erwartet. Zu Grunde liegen zwei
Verträge, die vom Parlament gebilligt werden müssen. Die
Verhandlungen zum zweiten Abkommen laufen noch.
Nach den Plänen Washingtons soll die Radaranlage in Tschechien mit
zehn in Polen stationierten Abfangraketen verbunden werden. Russland
hat sich strikt gegen die Raketenabwehr ausgesprochen. Die USA sehen
darin eine Vorrichtung, um eventuelle iranische Raketen abzufangen.
(Quelle: ap)
Sprengstoffalarm in schwedischem Atomkraftwerk
Do.22.05.08 - Sicherheitskräfte in einem schwedischen Atomkraftwerk haben am
Mittwoch bei einem Arbeiter Sprengstoff entdeckt. Die Polizei riegelte
die Anlage in Oskarshamn ab und erklärte, der Arbeiter habe eine
Plastiktasche mit einer explosiven Substanz mit sich geführt. Zwei
Verdächtige seien wegen des Verdachts der versuchten Sabotage
festgenommen worden.
Es war nach Angaben der Polizei nicht klar, welchem der festgenommenen
Männer die Plastiktüte gehöre. Zunächst hatte die
Polizei erklärt, sie verhöre einen Mann, der
Schweißarbeiten in der Anlage ausführen sollte. Der
Betreiber OKG betonte, die Sicherheit des Kraftwerks sei nicht bedroht.
Der Mann habe den Sprengstoff nicht in der Plastiktüte gehabt, es
seien lediglich Spuren von Sprengstoff an den Griffen gefunden worden.
Die Polizei gab an, bei dem Sprengstoff handele es sich um
Triacetontriperoxid (TATP), das auch bei den Bombenanschlägen in
London 2005 eingesetzt wurde.
«Die Tüte enthielt Toilettenartikel, aber ein Test ergab
Spuren der Substanz an den Griffen», sagte der Sprecher des
Kraftwerks, Anders Osterberg. Er betonte, man nehme den Zwischenfall
sehr ernst. «Das ist nicht etwas, das man zu Hause benutzt. Wir
haben es nicht mit Spielzeug zu tun.»
Die Polizei richtete eine Sicherheitszone im Umkreis von 300 Metern
rund um das Atomkraftwerk ein. Die Beschäftigten, die sich bereits
auf dem Gelände der Anlage aufhielten, würden nicht
evakuiert. Die Anlage arbeite weiter normal, teilte die Polizei mit.
TATP ist ein hochexplosiver Sprengstoff. Der Sprengstoffexperte Svante
Karlsson erklärte, das Material sei sehr instabil. Eine zivile
Nutzung gebe es nicht.
Im Atomkraftwerk Oskarshamn stehen drei Reaktoren, die zusammen zehn
Prozent der in Schweden verbrauchten Elektrizität produzieren. Der
Betreiber OKG gehört gemeinsam dem deutschen E.ON-Konzern und dem
finnischen Unternehmen Fortum.
(Quelle: ap)
Italiens Regierung erklärt Neapels Deponien zu Militärgebiet
Do.22.05.08 - Die neue italienische Regierung unter Ministerpräsident Silvio
Berlusconi hat der Müllkrise in Neapel den Kampf angesagt. Nach
der ersten Kabinettssitzung, die in der süditalienischen Stadt
abgehalten wurde, um angesichts der seit Jahren andauernden
Abfall-Krise ein Zeichen zu setzen, erklärte Berlusconi Deponien
und Verbrennungsanlagen in der Region zum "Militärgebiet".
Zugleich ernannte die Regierung den Direktor des Zivilschutzes, Guido
Bertolaso, zum Staatssekretär, der sich allein um die
Bewältigung des Müllnotstands in der Region Kampanien
kümmern soll. Während der Sitzung protestierten tausende
Menschen gegen die Regierungspolitik.
Müllhalden und Verbrennungsanlagen würden zu Gebieten von
"nationalem, strategischem Interesse" erklärt und damit praktisch
zum "Militärgebiet", das entsprechend von Soldaten geschützt
werde, kündigte Berlusconian. "Blockadeaktionen von organisierten
Minderheiten werden nicht mehr toleriert", sagte Berlusconi, der Staat
werde "mit seiner Autorität eingreifen". Zugleich habe die
Regierung fünf Gelände in der Region von Neapel zu neuen
Deponien erklärt, sagte Berlusconi weiter.
Die Bewohner von Neapel und Umgebung verhindern regelmäßig
die Einrichtung neuer Mülldeponien, weil diese ihrer Ansicht nach
zu nah an Wohngebieten liegen und Gesundheitsrisiken darstellen.
Gesundheitsminister Maurizio Sacconi kündigte die Entsendung von
200 Gesundheitsexperten in die Region an.
Der zum Staatssekretär ernannte Zivilschutzchef Bertolaso werde
sich auf dem neuen Posten ausschließlich mit dem seit Jahren
andauernden Müllproblem befassen, sagte Berlusconi. Dabei werde
der Bewältigung des Müllnotstands die gleiche Bedeutung
beigemessen wie den Aufgaben, die nach einem Erdbeben oder einem
Vulkanausbruch bewältigt werden müssten.
In zehn verschiedenen Protestzügen demonstrierten
Umweltschützer, Arbeitslose und Einwanderer ohne Papiere gegen die
Politik der Regierung Berlusconi, wie eine AFP-Reporterin berichtete.
Für die Kabinettssitzung in der Präfektur von Neapel wurde
das Zentrum extra gereinigt, in den Vororten lag der Müll jedoch
noch haufenweise. Zum Schutz der neuen Regierung waren rund tausend
Polizisten im Einsatz.
Die Regierung des im April gewählten Ministerpräsidenten
Silvio Berlusconi hatte ein schnelles Ende der seit über zehn
Jahren schwelenden Müllkrise angekündigt. Medienberichten
zufolge türmen sich in Neapel und der umliegenden Region Kampanien
fast 50.000 Tonnen Müll auf den Straßen.
(Quelle: afp)
Ölpreis überwindet Rekordmarke von 130 Dollar
Do.22.05.08 - Der Ölpreis hat nach monatelangem Höhenflug nun auch die
Rekordmarke von 130 Dollar geknackt. Händler zahlten am Mittwoch
für die US-Ölsorte WTI in der Spitze bis zu 132,08 Dollar pro
Fass.
Die in Europa führende Nordseesorte Brent war mit einem
Rekordpreis von 131,57 Dollar fast genauso teuer. "Der Ölpreis
steigt, weil er steigt, weil er steigt...", kommentierte
Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Spekulanten nutzten jeden noch so
kleinen Anlass, um neue Höchststände zu markieren. Zudem
sorgten unerwartet niedrige Ölbestände in den USA am
Nachmittag für einen zusätzlichen Schub.
Trotz des rasant steigenden Ölpreises und der starken Teuerung
wird die EZB nach Einschätzung von Allianz-Chefvolkswirt Michael
Heise den Leitzins mittelfristig nicht anheben. "Der erneute
Ölpreisschub wird die Preissteigerungsraten weiter anziehen
lassen, aber bislang ist keine gefährliche Lohn-Preis-Spirale zu
erkennen", sagte er im Reuters-Interview. Spekulationen über eine
Anhebung des Leitzinses waren am Vortag nach entsprechenden
Äußerungen des Chefs des Mannheimer Zentrums für
Wirtschaftsforschung, Wolfgang Franz, aufgekommen. Ein
überraschender Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai
zusammen mit zuletzt robusten Konjunkturdaten hatte die Erwartung an
den Märkten verstärkt.
Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und auch bei Öl und Gas
haben bislang verhindert, dass der private Konsum zu einer tragenden
Säule des Aufschwungs wird. Haupttreiber der Preisentwicklung beim
Öl sei der schwache Dollar, sagte DIW-Expertin Claudia Kemfert.
Schon in der Vergangenheit habe der Ölpreis immer dann zugelegt,
wenn der Dollar abgewertet habe. "Die Produzenten wollen damit
Einnahmeausfällen vorbeugen", sagte Kemfert.
Öl wird wie die meisten Rohstoffe in Dollar gehandelt. Die Rallye
beim Öl lockt zudem zunehmend Spekulanten an. "Auch Anleger
flüchten in Öl." Nach Einschätzung der Analysten der
LBBW gibt es für den steilen Preisanstieg keine ausreichenden
fundamentalen Argumente mehr.
Die Opec sieht nach Angaben des Ölministers von Katar weiter
keinen Handlungsbedarf. Auf die Frage, ob das Kartell in Reaktion auf
den neuen Rekord beim Ölpreis eine Dringlichkeitssitzung
einberufen werde, sagte Abdullah al-Attijah: "Nein, wozu? Das ist keine
Frage des Angebots." Analysten streichen dagegen eine angespannte
Versorgungslage heraus. Immer wieder gibt es Lieferschwierigkeiten in
Nigeria, dem wichtigsten afrikanischen Ölexporteur. Daneben
belasten Spannungen zwischen den USA und dem Iran.
Öl ist inzwischen fünf Mal so teuer wie 2002,
ursprünglich getrieben durch eine steil ansteigende Nachfrage aus
Schwellenländern wie China.
Das Angebot an Öl auf dem Weltmarkt wird Forschern zufolge in
Zukunft nicht mit dem steigenden Energiehunger Schritt halten
können. Für die Industrieländer könnte einer Studie
zufolge schon 2030 kaum noch Erdöl für Importe zur
Verfügung stehen. "Bis 2030 wird sich die weltweite
Ölförderung halbieren", sagte der Energieexperte Werner
Zittel in Berlin bei der Vorstellung eines Gutachtens der "Energy Watch
Group". Da die Zahl der exportierenden Länder zurückgehe und
die Staaten das Öl selbst bräuchten, sei kaum noch mit
Exporten zu rechnen. Der drastische Anstieg des Ölpreises ist den
Autoren zufolge in erster Linie auf die Öl-Knappheit
zurückzuführen. "Die Welt ist jetzt am Fördermaximum
oder hat es bereits überschritten", sagte Zittel.
(Quelle: rtr)
Deutschland
Auch Bundesregierung verzichtet auf Erhöhung der Einkommen -
Rückzieher bei Diäten verschlechtert Koalitionsklima weiter
Do.22.05.08 - Auch die Bundesregierung verzichtet nach dem Rückzieher der
Bundestagsabgeordneten auf die Erhöhung ihrer Bezüge. Im
Kreis der Minister stieß dies am Mittwoch nach Angaben von
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm «auf allgemeines
Einvernehmen». Dagegen löste der Schritt der
Fraktionsspitzen vom Vortag ein heftiges Gewitter in der Koalition aus,
das sich vor allem über SPD-Fraktionschef Peter Struck entlud.
Kanzlerin Angela Merkel kündigte laut Wilhelm im Kabinett an, die
Bundesregierung werde mit dem Bundestag über einen Verzicht auf
die Anpassung der Bezüge sprechen. Das Parlament werde kommende
Woche darüber entscheiden. Wilhelm wies darauf hin, dass die
Bezüge der Regierungsmitglieder zuletzt vor sechs Jahren
erhöht wurden. Die Besoldungserhöhung sollte
ursprünglich rückwirkend zum 1. Januar 3,1 Prozent betragen.
Zum 1. Januar 2009 hätten weitere 2,8 Prozent folgen sollen.
Der Verzicht auf die Diätenerhöhung sorgte für heftigen
Krach in der Koalition. Unionsabgeordnete wiesen mit scharfen Worten
der SPD die Schuld zu, weil sie anfangs absprachegemäß
mitgemacht, dann aber einen Rückzieher gemacht habe.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer nannte die SPD im AP-Gespräch
einen «immer unzuverlässigeren Koalitionspartner».
Dies bedeute eine ernsthafte Belastung für das
Regierungsbündnis. Mit der Mitteilung, die
Diätenerhöhung sei in der SPD-Fraktion nicht durchsetzbar,
habe Struck Unionsfraktionschef Volker Kauder und ihm einfach
«seine Scherben vor die Füße geworfen».
«Mit so einem Koalitionspartner zu arbeiten, ist nicht nur in der
Diätenfrage, sondern auf allen Gebieten der Politik
außerordentlich schwierig», sagte der CSU-Politiker. Auf
die Frage, ob dies eine Krise für die Koalition bedeute, betonte
Ramsauer: «Klipp und klar Ja!» Struck müsse jetzt
kitten, was zu kitten sei. Die SPD habe sich mehr oder minder
«als unmanövrierbares Schiff» entpuppt.
Nach Ansicht Ramsauers wird die Herausnahme der Diätenfrage aus
der Beamtenbesoldung zwangsläufig Rückwirkungen auf andere
Gesetze haben. So müsse darüber nachgedacht werden, ob auch
für Spitzenbeamte ab der Besoldungsstufe B 6 jetzt keine
Erhöhungen stattfänden, sagte er.
Der CDU-Rechtspolitiker Jürgen Gehb sagte der «Passauer
Neuen Presse», der Eindruck in der Öffentlichkeit sei jetzt:
«Die Abgeordneten sind erst gierig und dann auch noch
feige.» Er kritisierte, dass die Orientierung der Diäten an
der Besoldung der Bundesrichter seit 13 Jahren im Gesetz stehe, jedoch
nicht vollzogen werde. Sein CSU-Kollege Hans-Peter Uhl meinte, Struck
stehe «ohne Hosen da. Wenn er erst sagt, wir machen das, und dann
merkt, dass er seine Fraktion nicht hinter sich hat, muss er die
Vertrauensfrage stellen.»
Union und SPD hatten vor zwei Wochen vereinbart, die Diäten
entsprechend den Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst
anzuheben. Innerhalb von zwei Jahren wären sie dadurch um rund 490
Euro gestiegen. Zusammen mit einer Ende 2007 beschlossenen
Erhöhung hätte sich innerhalb von drei Jahren eine Steigerung
um 16 Prozent ergeben, so dass die Diäten am Ende bei 8.159 Euro
gelegen hätten. Eigentlich wollte der Bundestag die Erhöhung
kommende Woche in zweiter und dritter Lesung beschließen.
Mehrere SPD-Abgeordnete plädierten unterdessen für eine
Reform der Abgeordnetenversorgung. Für die FDP, die sich wie auch
die anderen Oppositionsparteien Grüne und Linke von Anfang an
gegen die Diätenerhöhung ausgesprochen hatte, erklärte
Generalsekretär Dirk Niebel, die Regierung werde «immer
unfähiger, im Bürgerinteresse zu handeln». Die
«peinlich uneinsichtigen Reaktionen» aus der Koalition
ließen die Empörung nicht abklingen.
(Quelle: ap)
Rund 9.000 Beschäftigte bei E.ON im Warnstreik
Do.22.05.08 - Bei Deutschlands größtem Energieversorger E.ON haben am
Mittwoch die ersten Warnstreiks der Konzerngeschichte begonnen. Nach
Angaben der Gewerkschaft ver.di legten bundesweit rund 9.000
Beschäftigte die Arbeit nieder, um der Forderung nach mehr Lohn und
Gehalt Nachdruck zu verleihen.
Schwerpunkte der Streikaktionen seien Bayern, Niedersachsen, Hessen und
Nordrhein-Westfalen gewesen, sagte eine Gewerkschaftssprecherin in
Berlin. Zu Beeinträchtigungen der Versorgung sollte es nach den
Plänen der Gewerkschaft durch die Arbeitskampfmaßnahmen aber
nicht kommen.
Ver.di-Sprecherin Martina Sönnichsen betonte, die Gewerkschaft
wolle mit den Streiks das Unternehmen unter Druck setzen. Wenn die
Arbeitgeber ihre kompromisslose Haltung nicht aufgäben, seien auch
unbefristete Streiks in den großen Kraftwerken nicht
ausgeschlossen, betonte die Gewerkschaft.
Ver.di und die Industriegewerkschaft BCE fordern für die rund
30.000 Beschäftigten 8,5 Prozent mehr Geld, eine Erhöhung der
Ausbildungsvergütungen um mindestens 120 Euro und
Übernahmeregelungen für Auszubildende. Zudem sollen nach dem
Willen der Arbeitnehmer-Vertreter ergänzende Instrumente vereinbart
werden, um Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen zu sichern.
Die Arbeitgeber hatten dagegen zuletzt 5 Prozent mehr Geld für
eine Laufzeit von 14 Monaten sowie eine Einmalzahlung von 400 Euro
angeboten. Im Gegenzug sollte die Arbeitszeit um eine Stunde
verlängert werden. Dies war von den Gewerkschaften entschieden
zurückgewiesen worden. Das Angebot spiegele in keiner Weise die
Ertragssituation bei E.ON wider und liege deutlich unter den anderen
Abschlüssen in der Energiewirtschaft. Real bedeute es für die
Beschäftigten nur eine Erhöhung von rund 2 Prozent.
Die Energieversorger RWE und Vattenfall hatten nach einem Bericht der
Tageszeitung «Die Welt» in den vergangenen Monaten
Tarifabschlüsse von 3,9 Prozent vorgelegt. Beim Versorger EnBW lag
der Abschluss nach einem eintägigen Abschalten von vier Kraftwerken
bei 4,35 Prozent.
(Quelle: ap)
Arbeitskosten in Industrie weniger gestiegen als Löhne
Do.22.05.08 - Die Arbeitskosten in der Industrie sind im vergangenen Jahr wegen
niedrigerer Sozialausgaben weniger stark gestiegen als die
Bruttolöhne.
Je Vollzeitbeschäftigten fielen für Arbeitgeber in
Westdeutschland Kosten von 54.870 Euro an. Das sind 1,9 Prozent mehr
als im Vorjahr, wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am
Mittwoch in Köln mitteilte. Die Löhne seien in dieser Zeit um
2,2 Prozent geklettert. Etwas stärker fiel der Kostenanstieg in
Ostdeutschland aus: Dort legten die Arbeitskosten um 2,8 Prozent auf
36.280 Euro zu.
Grund für den geringeren Anstieg der Kosten sei die Senkung des
Beitrags zur Arbeitslosenversicherung gewesen, sagte IW-Experte
Christoph Schröder. Auch für dieses Jahr erwartet er
geringere Sozialbeiträge und deswegen erneut einen langsameren
Anstieg der Kosten.
Industriearbeit ist in Ostdeutschland etwa ein Drittel billiger als im
Westen. Neben niedrigeren Löhnen spielten nach IW-Angaben die
betriebliche Altersversorgung und Sonderzahlungen keine so große
Rolle. Der Kostenvorsprung der Firmen werde wohl langfristig bestehen
bleiben, sagte Schröder weiter.
(Quelle: rtr)
Geschiedene Frauen sollen im Alter besser dastehen
Do.22.05.08 - Geschiedene Frauen sollen mehr von der Altersversorgung ihrer
Ex-Männer profitieren.
Die Bundesregierung beschloss am Mittwoch in Berlin den Entwurf eines
Gesetzes, das vor allem Nachteile für Frauen mit nur geringen
eigenen Rentenansprüchen beseitigen soll. "Künftig sind
Chancen und Risiken der erworbenen Versorgungen gleichermaßen auf
beide Ehegatten verteilt", sagte Justizministerin Brigitte Zypries.
Ansprüche sollen nicht mehr mit Hilfe von Prognosen aufgerechnet,
sondern wirklich geteilt werden. Dies soll nicht nur für die
gesetzliche Rente gelten, sondern auch für die betriebliche und
private Altersvorsorge.
Die Reform sei besonders wichtig, weil Zusatzversorgungen etwa aus
Betriebsrenten oder privaten Versicherungen immer mehr zur Absicherung
im Alter beitrügen, sagte Zypries. Bislang würden die
während der Ehezeit erworbenen Ansprüche bei der Scheidung
hochgerechnet und dann über die gesetzliche Rentenversicherung
verrechnet. Diese Verrechnung soll weggefallen. Stattdessen werden die
Ansprüche direkt bei den Versorgungsanbietern geteilt, so dass
etwa die Ehefrau eine eigene Rente von einer privaten Versicherung
bekommt, die vom Vertrages ihres Mannes abgezogen wird.
Bagatellansprüche sollen nicht mehr ausgeglichen werden. Zudem
sollen Abfindungen per Einmalzahlung möglich sein, um den
Verwaltungsaufwand zu begrenzen. Bei Ehen, die bereits nach weniger als
zwei Jahren geschieden werden, entfällt der Ausgleich nach den
Plänen ebenfalls. Die Anbieter der Versorgung sollen die Kosten
der Teilung auf die Geschiedenen umlegen können.
Die Arbeitgeber warnten vor einem zu großen bürokratischen
Aufwand für die betriebliche Altersversorgung. So müssten
Betriebe die geschiedenen Ehepartner ihrer Mitarbeiter immer abfinden
können, um sie nicht teuer ins eigene Versorgungssystem aufnehmen
zu müssen. Auch dürfe es keinen Versorgungsausgleich geben,
solange die Anwartschaften eines Mitarbeiter noch verfallen
können, falls er aus dem Betrieb ausscheidet.
Das Gesetz soll zusammen mit der Reform der Familiengerichte in Kraft
treten, die derzeit vom Bundestag beraten wird
(Quelle: rtr)
Frauen lassen sich zunehmend von Rechtsextremen instrumentalisieren
Do.22.05.08 - Frauen spielen in der rechtsextremen Szene in Deutschland nach Angaben
von Fachleuten eine zunehmend größere Rolle. Durch ihr im
Vergleich zu den männlichen Mitgliedern der Szene freundlicheres
Auftreten böten sie den Rechtsextremen die Gelegenheit, vom
gewalttätigen Bild in der Öffentlichkeit wegzukommen, sagte
Susanne Meves von der Leitstelle für Gleichberechtigung von Mann
und Frau des sächsischen Sozialministeriums am Mittwoch in Leipzig.
Meves äußerte sich vor einer Konferenz zum Thema
«Frauen in der rechtsextremen Szene».
Nach Angaben der Politologin Ellen Esen sind bis zu 30 Prozent der
Neumitgliedschaften in der NPD Frauen. Dies sei mit dem Frauenanteil
etablierter Parteien vergleichbar. Rechtsextreme Frauen könnten
weitaus einfacher Beziehungen zur Normalbevölkerung aufbauen,
beispielsweise über Mitgliedschaften in Elternbeiräten. Erst
nach und nach offenbarten diese Frauen dann ihre Ideologie.
Die Problematik ist Esen zufolge ein gesamtdeutsches Phänomen, vor
allem im ländlichen Bereich. Nun versuche die rechtsextreme Szene
auch die Städte zu erobern. Viele Frauen hätten sich in der
Szene bereits einen Namen gemacht, doch lange habe die
Öffentlichkeit nicht auf sie geachtet. Auf der Konferenz in Leipzig
sollten Frauenbeauftragte aus ganz Sachsen für das Thema
sensibilisiert und Maßnahmen zur Prävention beraten werden.
(Quelle: ddp)