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Irak 1522 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Weitere US-Truppenreduzierung im Irak denkbar. Zivile Opfer bei
US-Raketenangriff. Türkei greift Stellungen kurdischer Rebellen an
Fr.23.05.08 - Der US-Oberbefehlshaber im Irak, General David Petraeus, wird
Präsident George W. Bush im Sommer voraussichtlich zu einer
zusätzlichen Verringerung der Truppenstärke raten.
«Mein Gefühl ist, dass ich zu diesem Zeitpunkt in der Lage
sein werde, eine weitere Reduzierung zu empfehlen», sagte
Petraeus am Donnerstag vor einem Ausschuss des US-Senats. Die
Sicherheitslage erlaube inzwischen, den Abzug zusätzlicher Truppen
zu erwägen, sagte der General. Zahlen nannte Petraeus allerdings
nicht.
Der Oberbefehlshaber hatte vorigen Monat vorgeschlagen, nach dem
bereits beschlossenen Abzug von rund 30 000 Soldaten bis Juli mit einer
weiteren Entscheidung über mögliche Reduzierungen mindestens
45 Tage zu warten. Danach wollte er die Frage erneut prüfen. Die
30 000 Mann waren vor 15 Monaten zur Verstärkung in den Irak
gekommen. Nach ihrem Abzug werden noch rund 140 000 Soldaten dort
stationiert sein.
Bush hatte aufgrund des Vorschlages von Petraeus Mitte April deutlich
gemacht, dass er zunächst keine weitere Truppenverringerung plane
und die Einschätzung des Generals im Spätsommer abwarten
werde. Dies war vor allem von den Demokraten heftig kritisiert worden.
Der demokratische Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des
Senats, Carl Levin, begrüßte die jüngste
Einschätzung Petraeus'. Die Aussicht auf weitere
Truppenreduzierungen seien «gute Nachrichten».
Bush hatte im April erklärt, die Verstärkung der US-Truppen
um zusätzliche 30 000 Mann habe zu «bedeutenden
Fortschritten» in der Sicherheitslage geführt. Die Iraker
und die US-Verbündeten hätten die Initiative an sich gerissen
und die Terrororganisation El Kaida sowie die Extremisten in die
Defensive gedrängt.
Bei einem US-Raketenangriff im Irak sind nach Polizeiangaben acht
Zivilpersonen getötet worden, darunter Kinder. Die
US-Streitkräfte erklärten, der Angriff habe sich gegen
Mitglieder von Al Kaida gerichtet, räumten aber zivile Opfer ein.
Ein Hubschrauber habe auf ein Auto gezielt, dessen Insassen
«feindselige Absichten» hätten erkennen lassen.
Aufnahmen von Associated Press TV News zeigten die Leichen von drei
Kindern unter den Toten nach dem Angriff am Mittwochabend in der
Nähe von Beidschi. Ein Sprecher der irakischen Polizei sagte, bei
den Toten handele es sich um Bauern und ihre Kinder, die vor den
US-Razzien flüchten wollten.
Als Vergeltung für einen Überfall kurdischer Rebellen haben
die türkischen Streitkräfte Luftangriffe auf Stellungen der
PKK nahe der irakischen Grenze geflogen. Dabei wurden am Donnerstag in
der Provinz Sirnak mindestens drei Kämpfer getötet, wie die
Nachrichtenagentur Dogan berichtete. Am Mittwochabend hatten
PKK-Kämpfer demnach eine türkische Patrouille beschossen und
zwei Soldaten getötet. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu
bestätigte den Militäreinsatz gegen die PKK und meldete, an
der Grenze zum Irak seien die Truppen verstärkt worden. Die
verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) kämpft seit 1984 für
eine Autonomie der Kurden im Südosten der Türkei.
boa (Quellen: ap, dpa)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 23.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendachtundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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US-Senat verbindet innenpolitische Gesetze mit Kriegskosten
Fr.23.05.08 - Gegen den Willen von US-Präsident George W. Bush hat der Senat am
Donnerstag die geplanten Ausgaben für die Kriege im Irak und in
Afghanistan mit innenpolitischen Gesetzentwürfen verknüpft.
Das Paket wurde mit 70 zu 26 Stimmen angenommen. Zuvor hatten sich
Senatoren von Bushs republikanischer Partei auf die Seite der
Demokraten gestellt - die Verbindung der Entwürfe wurde 75 zu 22
gebilligt. Damit sind die Kriegsausgaben mit Regelungen unter anderem
mit finanzieller Unterstützung für Veteranen und Arbeitslose
verbunden.
Bush hat angekündigt, in diesem Fall sein Veto einzulegen. Bei
einem Empfang für aus den Kriegsgebieten heimgekehrte Soldaten vor
der Abstimmung im Senat appellierte er an den Kongress, den
Kriegsausgaben ohne Bedingungen zuzustimmen. Der Kongress müsse
«ein vernünftiges Kriegskosten-Gesetz verabschieden, das
unseren Kommandeuren nicht die Hände bindet und unseren Truppen
alles gibt, was sie brauchen, um die Mission abzuschließen und zu
vollenden», sagte Bush in Fort Bragg.
(Quelle: ap)
UN-Vollversammlung wählt umstrittene Kandidaten in
Menschenrechtsrat
Fr.23.05.08 - Die UN-Vollversammlung hat vier umstrittene Kandidaten als Mitglieder
in den UN-Menschenrechtsrat gewählt. Pakistan, Bahrain, Sambia und
Gabun werden nach Angaben des Rates ab Juni für drei Jahre im
obersten UN-Gremium zum Schutz der Menscherechte vertreten sein.
Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Wahl. Diese Länder
kümmerten sich selbst nur unzureichend um die Grundrechte.
"Menschenrechtsverletzer haben in einem Menschenrechtsrat nichts zu
suchen", betonte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte.
Aus diesem Grund hatte sich die UN-Vollversammlung am Mittwochabend
(Ortszeit) in New York gegen eine Wahl Sri Lankas ausgesprochen. Amnesty
International hatte wiederholt schwere Menschenrechtsverletzungen in
dem Bürgerkriegsland angeprangert. Insgesamt wählte die
Vollversammlung 15 der 47 Mitglieder des Rates neu, unter ihnen Burkina
Faso, Chile, Brasilien, die Ukraine, Frankreich und
Großbritannien.
Der Menschenrechtsrat ersetzte 2006 die umstrittene
UN-Menschenrechtskommission. Die alte Kommission war in Verruf geraten,
weil Unrechtsregime sich gegenseitig deckten. Doch auch in dem neuen Rat
bilden autoritär regierte Länder Allianzen. Derzeit haben
China, Kuba und Saudi Arabien Sitz und Stimme in dem UN-Gremium.
(Quelle: epd)
Weltreport: Birmas Junta setzt meisten Kindersoldaten ein
Fr.23.05.08 - Die Militärregierung in Birma setzt nach Angaben des aktuellen
"Weltreports" die meisten der weltweit rund 250.000 Kindersoldaten ein.
Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten stellte in Berlin den aktuellen
"Weltreport Kindersoldaten 2008" vor, wonach sich die Situation der als
Soldaten eingesetzten Kinder und Jugendlichen "in den vergangenen vier
Jahren nur unwesentlich verbessert" hat. "In Burma gibt es bei Armee
und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen Zehntausende von
Kindersoldaten", erklärte der Sprecher der Kindernothilfe, Sascha
Decker.
"Damit ist Burma vermutlich das Land mit den meisten Kindersoldaten
weltweit." Der Wille der internationalen Staatengemeinschaft, den
Missbrauch von Kindern als Soldaten zu beenden, sei vorhanden,
erklärte Ralf Willinger von der Organisation terre des hommes.
"Doch die bisherigen Anstrengungen reichen bei weitem nicht aus. Sie
erreichen die meisten betroffenen Kinder und Jugendlichen nicht oder zu
spät."
(Quelle: afp)
Opium bleibt Haupteinnahmequelle der Taliban
Fr.23.05.08 - Opium bleibt nach Erkenntnissen der NATO und der UNO die wichtigste
Einnahmequelle der Taliban. Bis zu 40 Prozent aller Einnahmen der
Taliban stammten aus dem "illegalen Mohnanbau", erklärte der Chef
der NATO-Einheiten in Afghanistan, General Dan McNeill, in Washington.
Nach Einschätzung der UNO ist Afghanistan mit 8000 Tonnen (2007)
weiterhin der weltweit größte Opium-Produzent. Der zur
Opium-Produktion verwendete Schlafmohn wird vor allem in den Provinzen
Kandahar und Helmand im Süden Afghanistans angebaut.
Die NATO-Staaten überprüfen derzeit ihre Kommando-Strukturen
in Süd-Afghanistan. Niederländer und Briten hätten sich
mit US-Verteidigungsminister Robert Gates darauf verständigt, die
Phasen des Kommandos von neun auf zwölf Monate heraufzusetzen,
teilte ein Pentagon-Sprecher mit.
General McNeill hatte gefordert, sämtliche Militäreinheiten
im Süden Afghanistans einem einheitlichen Kommando zu unterstellen.
Vorerst soll es jedoch dabei bleiben, dass die internationale
Afghanistan-Truppe ISAF, an der 15.000 US-Soldaten beteiligt sind, von
US-General John Bantz Craddock befehligt wird, während die
Anti-Terror-Mission mit 18.000 US-Soldaten eine getrennte
Kommandostruktur hat.
(Quelle: afp)
Afghanistan: Protest gegen Koran-Entweihung endet blutig - NATO-Soldat
und zwei Zivilisten getötet
Fr.23.05.08 - Bei gewalttätigen Protesten gegen die Entweihung eines Korans
durch einen US-Soldaten sind in Afghanistan ein NATO-Soldat und zwei
Zivilpersonen getötet worden. Der Soldat wurde am Donnerstag von
einer Gewehrkugel getroffen, wie ein NATO-Sprecher mitteilte. Wer die
Kugel abgefeuert hat, war zunächst unklar.
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Der Protest richtete sich gegen einen amerikanischen
Scharfschützen im Irak, der eine Ausgabe des Korans für
Zielübungen verwendet hat. Der Soldat wurde nach dem Vorfall, der
am Sonntag bekannt wurde, aus dem Irak abgezogen.
Die Demonstration fand in der westafghanischen Provinz Chor in der
Nähe eines Flugfelds statt. Die Protestkundgebung eskalierte, als
die Demonstranten damit begannen, Steine zu werfen und Zelte
anzuzünden.
(Quelle: ap)
China schwenkt in Taiwan-Politik auf Versöhnungskurs ein
Fr.23.05.08 - Zwei Tage nach der Amtsübernahme des neuen, chinafreundlicheren
Präsidenten in Taiwan hat die Regierung in Peking Willen zur
Versöhnung signalisiert.
China respektiere den Wunsch der taiwanischen Landsleute, Herr
über ihr eigenes Schicksal zu sein, sagte Chinas Taiwan-Minister
Chen Yunlin am Donnerstag der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua
zufolge. Mit Taiwans neuem Präsidenten Ma Ying Yeou biete sich
für beide Länder eine "seltene und wichtige Gelegenheit" zur
Versöhnung. Chens Äußerungen waren die erste Reaktion
Chinas auf die Antrittsrede Mas, der sich seinerseits zum Dialog
bereiterklärt hatte.
Ma bekräftigte dabei aber auch den Anspruch auf eine eigene
Regierung Taiwans. Chen sagte, China würde sich weiter gegen
Taiwans Unabhängigkeitsbestrebungen sperren.
Beide Seiten bemühten sich aktiv um eine Wiederaufnahme von
Verhandlungen. China und Taiwan haben seit 1990 offiziell nicht mehr
miteinander geredet. Mas Vorgänger Chen Shui Bian schlug einen
klaren Unabhängigkeitskurs ein, der das Verhältnis belastete.
Die Regierung in Peking betrachtet Taiwan seit 1949 als abtrünnig.
Damals hatten sich die Nationalisten von Chiang Kai-Shek nach ihrer
Niederlage gegen Mao Zedongs Rote Armee auf die Insel vor dem
chinesischen Festland geflüchtet.
(Quelle: rtr)
Nahost-Konflikt
USA sehen Israel-Syrien-Gespräche mit Skepsis. Syrien geht von
vollständigem Rückzug Israels vom Golan aus.
Geschäftsleute sagen Investitionen in Palästinensergebieten
zu. Selbstmordanschlag beim Grenzübergang zum Gazastreifen
Fr.23.05.08 - US-Außenministerin Condoleezza Rice hat sich skeptisch über
Erfolgsaussichten der neuen israelisch-syrische Friedensgespräche
geäußert. «Es wird keinen umfassenden Frieden geben,
wenn es weiterhin Unterstützung für Terroristen gibt»,
sagte sie mit Blick auf Syrien.
Allerdings begrüßte sie den Beginn der Verhandlungen. Die
USA seien über die Entwicklung informiert gewesen, meinte sie nach
einem Treffen mit ihrem britischen Kollegen David Miliband am
Mittwochabend (Ortszeit) in Washington.
Ähnlich zurückhaltend hatte sich bereits kurz zuvor die
Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, geäußert.
Sie hoffe, bei den Gesprächen würden auch die
«Bedenken» im Zusammenhang mit Syrien angesprochen. Sie
nannte dabei vor allem «Syriens Unterstützung für
Terrorismus (und) Unterdrückung des eigenen Volkes». Man
werde mögliche Fortschritte bei den Gesprächen verfolgen.
Israels Außenministerin Zipi Liwni verlangte von Syrien eine
klare Distanzierung vom Verbündeten Iran sowie von
Terrororganisationen als Voraussetzung für erfolgreiche
Friedensgespräche. Syrien müsse verstehen, dass ein Frieden
mit Israel ein absolutes Ende der Unterstützung von Terrorismus
verlange, sagte Liwni am Donnerstag vor einem Gespräch mit dem
französischen Außenminister Bernard Kouchner in Tel Aviv.
Dazu gehöre auch eine Distanzierung vom Iran sowie von der
radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas und der
pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon.
Syrien hat eigenen Angaben zufolge von Israel Garantien für einen
vollständigen Rückzug vom Golan erhalten.: "Wir haben Zusagen
und Botschaften von der israelischen Regierung und dem israelischen
Ministerpräsidenten erhalten, die - über die türkischen
Vermittler - garantieren, dass er weiß, was Syrien will", sagte
Informationsminister Muhsin Bilal am Donnerstag dem arabischen
Fernsehsender Al-Dschasira. Regierungschef Ehud Olmert wisse, "dass die
gesamten Golan-Höhen zurückgegeben werden und Israel sich auf
den Grenzverlauf vom 4. Juni 1967 zurückziehen wird."
Der syrische Minister wies zugleich die Forderungen der USA und von
Israels Außenministerin Zipi Liwni zurück, sich von
radikalen Milizen wie der palästinensischen Hamas im Gazastreifen
und der südlibanesischen Hisbollah zu distanzieren. Diese
Bedingungen seien zurückgewiesen worden, genauso wie die
Formulierung "schmerzhafte Zugeständnisse". "Was Syrien fordert,
ist sein Recht", betonte er.
Israel und Syrien hatten am Mittwoch überraschend die
Wiederaufnahme ihrer vor acht Jahren abgebrochenen
Friedensgespräche erklärt. Die neuen Gespräche werden
vorerst noch unter türkischer Vermittlung in Istanbul geführt.
Ziel ist die Rückgabe der 1967 von Israel besetzten
Golan-Höhen an Syrien als Gegenleistung für einen
Friedensvertrag einschließlich aller Sicherheitsgarantien für
Israel.
Geschäftsleute aus der Golfregion und anderen Ländern haben
bei einer Konferenz in Bethlehem Investitionen in die
palästinensische Wirtschaft zugesagt.
Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 500 ausländische
Teilnehmer zu dem Treffen am Mittwoch. Das Immobilienunternehmen Diar
Real Estate Investment aus dem Golf-Emirat Katar kündigte an, 350
Millionen Dollar in den Bau einer neuen palästinensischen Stadt im
Westjordanland zu stecken. Die unter saudi-arabischer Führung
stehende Gruppe Land Holding Company versprach die Errichtung von
Einkaufs- und Freizeitzentren für 200 Millionen Dollar in Ramallah.
Investitionen in den Palästinensergebieten seien nicht nur
lukrativ, sondern würden auch den Nahost-Friedensprozess
unterstützen, sagte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas.
In Schwung kommen werde die Wirtschaft dort aber erst, wenn Israel seine
Besetzung beende. Juan Jose Daboub von der Weltbank sagte, er hoffe auf
baldige Reiseerleichterungen in den Palästinensergebieten.
Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat einen Anschlag
in der Nähe des Grenzübergangs Eres zwischen dem Gazastreifen
und Israel verübt. Außer dem Attentäter, der sich mit
rund 400 Kilo Sprengstoff in einem Lastwagen in die Luft sprengte, gab
es nach ersten Angaben keine weiteren Opfer. Die radikalislamische
Organisation Islamischer Dschihad bekannte sich zu dem Anschlag. Sie
teilte mit, der Lastwagen des Attentäters sei früher als
geplant explodiert und zu diesem Zeitpunkt noch wenige hunderte Meter
von dem Grenzübergang entfernt gewesen.
Der 23-Jährige Attentäter sei ein Mitglied des bewaffneten
Arms der Organisation, der El-Kuds-Brigaden, gewesen, hieß es.
Durch die heftige Explosion wurden mehrere palästinensische
Gebäude beschädigt. Anschließend sei es Schusswechseln
zwischen Palästinensern und Israelis gekommen, bei denen aber
niemand verletzt wurde, berichtete der öffentlich-rechtliche
Rundfunk in Israel. Nach palästinensischen Angaben beschoss das
Militär auch ein Fahrzeug mit weiteren bewaffneten
Palästinensern, das dem Lastwagen folgte. Die Insassen seien
geflohen, nachdem ihr Auto sich überschlagen habe.
boa (Quellen: dpa, afp. rtr)
Erstmals lassen Kubas Medien Dissidenten zu Wort kommen
Fr.23.05.08 - Die staatlichen Rundfunkmedien in Kuba haben erstmals Oppositionelle zu
Wort kommen lassen. Das amtliche Radio Rebelde strahlte kurze
Stellungnahmen der beiden Aktivisten Laura Pollán und Elizardo
Sánchez zu dem Vorwurf aus, Geld von dem in den USA wegen
illegalen Waffenbesitzes inhaftierten Regimekritiker Santiago Alvarez
erhalten zu haben. "Wir erhalten Hilfe und akzeptieren sie von der
extremen Rechten bis zur Linken", sagte Pollán von den Damen in
Weiß, einer Bewegung von Frauen, Müttern und Schwestern
politischer Gefangener.
Dabei handele es sich um eine Summe von 2400 Dollar (rund 1500 Euro)
für 18 Frauen, erklärte Pollán. Wichtig sei nicht, von
wem die Hilfe komme, sondern dass sie komme, sagte der
Menschenrechtsaktivist Sánchez.
Seit Tagen berichteten die Medien in Kuba im Rahmen einer groß
angelegten Kampagne darüber, dass kubanische Dissidenten Geld
über US-Diplomaten von Alvarez erhalten haben. Der in den USA
inhaftierte Alvarez wird von den kubanischen Staatsmedien als
"Terrorist" bezeichnet.
(Quelle: afp)
Brasiliens Urvölker protestieren gegen Staudammprojekt
Fr.23.05.08 - Bei Prosteten gegen ein Staudammprojekt im Amazonasgebiet Brasiliens
ist ein Vertreter der nationalen Stromfirma verletzt worden. Der
Ingenieur hatte während eines viertägigen Treffens zum Schutz
des Xingú-Flusses am Dienstag (Ortszeit) den Bau des
Großstaudamms verteidigt. Daraufhin wurde er von
Kayapó-Indianern angegriffen. Durch das Projekt am
Amazonas-Nebenfluss im Bundesstaat Pará ist die Existenzgrundlage
von Tausenden Indianern und Bewohnern des Flussufers bedroht.
"Die Attacke war eine Warnung an die Regierung", sagte der
Häuptling Siranha Kayabi dem epd. "Wegen der Dämme sind unsere
Fischbestände in Gefahr". Die Organisatoren des Treffens in
Altamira bedauerten die Gewalt, zeigten aber zugleich Verständnis
für den Zorn der Indianer. "Zehn Jahre lang haben sich die
Behörden geweigert, einen echten Dialog mit der Urbevölkerung
zu führen", sagte André Villas-Boas vom
Sozialökologischen Institut. Vertreter der Staudammopfer-Bewegung
kündigten an: "Wenn es nötig ist, werden wir in den Krieg
ziehen, um den Xingú zu verteidigen."
Nach derzeitigen Planungen würde der Staudamm mit einer
Kapazität von bis zu 11.000 Megawatt der drittgrößte
Staudamm der Welt. Annähernd das gesamte Wasser des Xingú
müsste für das Vier-Milliarden-Projekt umgeleitet werden.
Energieminister Edison Lobão hatte das Vorhaben am Montag als
unumkehrbar bezeichnet und die Ausschreibung für 2009
angekündigt. Ein Vorgängerprojekt war 1989 nach Protesten der
Kayapó in Altamira und der Streichung eines Millionenkredits
durch die Weltbank abgebrochen worden.
An dem Protesttreffen, das am Montag begann, nehmen Tausende Menschen
teil, darunter mehr 600 Vertreter von 35 Gemeinschaften der
Urbevölkerung. Unter den Organisatoren befinden sich neben
Umweltorganisationen auch Kirchenmitglieder wie der katholische Bischof
Erwin Kräutler. Es ist die größte Zusammenkunft von
Angehörigen der Urvölker im Amazonasgebiet seit 20 Jahren.
(Quelle: epd)
Spanien feiert 'großen Sieg im Kampf gegen ETA' - Festnahme des
obersten Chefs der baskischen Untergrundorganisation in Bordeaux
Fr.23.05.08 - Nach der Festnahme von ETA-Chef Javier López Peña in
Bordeaux hofft die spanische Regierung auf eine entscheidende
Schwächung der baskischen Untergrundorganisation. Mit dem als
«Thierry» bekannten Kopf der ETA waren in der Nacht zum
Mittwoch drei weitere ranghohe Mitglieder aufgegriffen worden. «Es
war ein schwerer Schlag für die Führung der terroristischen
Gruppe», sagte der spanische Ministerpräsident José
Luis Rodriguez Zapatero.
Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid standen
«Thierry» und seine Komplizen hinter der jüngsten
Anschlagswelle, mit der die Gruppe in Spanien Angst und Schrecken
verbreitete. Bei zwei der ETA zugeschriebenen Bombenexplosionen der
vergangenen Woche wurde ein Polizist getötet, mehrere Menschen
erlitten Verletzungen. Die Festgenommenen «stecken hinter den
Attentaten oder haben sie angeordnet», sagte Innenminister Alfredo
Perez Rubalca am Mittwochabend.
Seit Ende der 60er Jahre sind mehr als 800 Menschen dem blutigen Kampf
der ETA für ein autonomes Baskenland in Nordspanien und
Südwestfrankreich zum Opfer gefallen. Nach «Thierry»
wurde seit mehr als zwanzig Jahren gefahndet. Der 49-Jährige soll
die Gruppe seit zwei Jahren politisch und militärisch geführt
haben. Er war nach spanischer Darstellung der Hauptverantwortliche
für das Scheitern der Friedensgespräche mit der Regierung in
Madrid vor zwei Jahren und der anschließenden Aufkündigung
eines Waffenstillstandes.
Rubalca sprach von einem «großen Sieg im Kampf gegen die
ETA». Das Ende sei noch nicht erreicht, «aber wir sind ihm
näher gekommen». Der militärische Apparat der
Untergrundorganisation ist nach Einschätzung von Experten nach wie
vor intakt. Der Führer der Kommandoeinheiten, Mikel Garikoitz
Aspiazu Rubina alias «Txeroki», steht nun ganz oben auf der
Fahndungsliste.
Unter den vier ETA-Mitgliedern, die von französischen
Sicherheitskräften in einer Wohnung nahe des Hauptbahnhofes der
südwestfranzösischen Stadt Bordeaux festgenommen worden waren,
ist auch die «Sprecherin» der Organisation. Ainhoa Ozaeta
Mendiondo hatte nach dem Scheitern der Geheimverhandlungen mit der
Regierung im Juni 2007 das endgültige Ende der Waffenruhe
verkündet.
In der Wohnung stellte die Polizei vier Schusswaffen sowie Material zum
Bombenbau sicher. Als Folge der Aktion wurde am Mittwoch auch der
frühere Bürgermeister einer baskischen Stadt, José
Antonio, in Nordspanien verhaftet. In Bordeaux nahm die Polizei einen
79-jährigen Franzosen fest, der die Wohnung für López
Peña gemietet haben soll.
Der Mann mit dem Kampfnamen «Thierry» trat der von Spanien,
der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Gruppe 1980 bei.
In den 90er Jahren war er für die Terror-Ausbildung von
Neuzugängen zuständig, bevor er in Lateinamerika abtauchte. Im
Herbst 2006 hatte er überraschend die
Verhandlungsführerschaft in den Friedensgesprächen an sich
gerissen.
(Quelle: ap)
Keine Hinweise auf Sabotage in schwedischem Atomkraftwerk
Fr.23.05.08 - Nach dem Sabotage-Verdacht in einem Atomkraftwerk des deutschen
Energieunternehmens Eon in Südschweden hat die Polizei bislang
keine verdächtigen Gegenstände oder Sprengstoffspuren
gefunden. "Die Nachforschungen in der Einheit zwei wurden um Mitternacht
abgeschlossen. Es gibt keine neuen Funde", sagte der Sprecher des
schwedischen Kraftwerks-Betreiber OKG, Roger Bergman. Nun solle auch
die Einheit eins des Akws Oskarshamn untersucht werden. Für die
Sucharbeiten wurden zwei der drei Reaktoren vorübergehend
abgeschaltet.
Am Mittwoch waren zwei Mitarbeiter des Atomkraftwerks wegen Verdachts
auf Sabotage festgenommen werden. Bei der Eingangskontrolle waren Spuren
von Sprengstoff bei einem der beiden gefunden worden. Bei den
Festgenommenen handelt es sich laut OKG um zwei Schweißer, die
vorübergehend mit Arbeiten in dem Kraftwerk beauftragt waren.
(Quelle: afp)
Italien kehrt zur Atomkraft zurück
Fr.23.05.08 - Italien kehrt wegen des hohen Ölpreises zur Atomkraft zurück.
Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola,
kündigte am Donnerstag vor einer Industriellenvereinigung einen
Bau neuer Kernkraftwerke innerhalb der nächsten fünf Jahre
an. Scajola ist ein enger Vertrauter des Atomenergie-Befürworters
Silvio Berlusconi. Italien war nach der Reaktor-Katastrophe von
Tschernobyl vor gut 20 Jahren aus der Atomkraft ausgestiegen und deckt
seinen Energiebedarf seitdem überwiegend über Öl- und
Gasimporte. Italien ist bislang der einzige Staat in der Gruppe der
führenden Industrienationen (G-8), der keine Atomkraftwerke
betreibt. In der italienischen Bevölkerung gibt es starken
Widerstand gegen eine Wiedereinführung.
Angesichts der aktuellen Rekordjagd beim Ölpreis, der am
Donnerstag die Marke von 135 Dollar pro Fass der US-Sorte WTI
erreichte, haben italienische Politiker und Industrieführer indes
zuletzt dafür plädiert, die Kernenergie wieder zu nutzen.
Scajola kündigte in seiner Rede ferner staatliche Maßnahmen
an, um die Preissteigerung beim Benzin zu dämpfen. So sollen die
Steuern für bestimmte Transportmittel sinken. Zudem werde die
Vertriebskette verkürzt.
(Quelle: rtr)
Umweltsünden in EU kein Kavaliersdelikt mehr
Fr.23.05.08 - Gravierende Umweltsünden wie der Schmuggel von geschützten
Tier- und Pflanzenarten, die illegale Abfallbeseitigung oder die
Zerstörung von Naturschutzgebieten sind künftig in ganz Europa
kein Kavaliersdelikt mehr. Das EU-Parlament in Straßburg
beschloss am Mittwoch eine Richtlinie, die solche Handlungen europaweit
unter Strafe stellt. Die EU betritt damit juristisches Neuland: Bisher
war das Strafrecht allein den EU-Staaten vorbehalten.
Die EU-Richtlinie legt fest, welche Taten künftig strafrechtlich
geahndet werden - über Art und Höhe des Strafmaßes
entscheiden die EU-Staaten jedoch selbst. Das Gesetz, das auch die
Unterstützung der EU-Regierungen hat, soll 2010 in Kraft treten.
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas begrüßte die Entscheidung:
"Die Regelungen werden eine deutliche abschreckende Wirkung haben",
sagte er.
(Quelle: epd)
Franzosen streiken gegen Rentenreform
Fr.23.05.08 - In Frankreich haben am Donnerstag hundertausende Beschäftigte
erneut gegen die Rentenreform der Regierung gestreikt. Der Ausstand
wirkte sich aber weniger stark als erwartet aus; bei der Staatsbahn
SNCF ließ nach Angaben der Leitung nur jeder vierte
Beschäftigte die Arbeit ruhen. Jeder zweite Zug konnte deshalb
fahren. Der Flugverkehr war nur vereinzelt gestört. Laut der
Gewerkschaft CGT beteiligten sich 700.000 Menschen in 153 Städten
an Protesten gegen die Erhöhung der Rentenbeitragszeit von 40 auf
41 Jahre.
In Paris nahmen der Polizei zufolge 28.000 Menschen an einer
Großdemonstration teil, Gewerkschaften sprachen von 70.000.
Gewerkschaftsführer Bernard Thibault erklärte, die
konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy werde ihre
geplante Reform "unter dem Druck der Straße" überarbeiten
müssen. Die Chefin des Unternehmerverbandes Medef, Laurence
Parisot, fragte, ob es "eine Katastrophe" sei, wenn die Franzosen
künftig bis 63,5 Jahre arbeiten müssten. Nur so ließen
sich die Rentensysteme vor dem Hintergrund der Altersentwicklung ins
Gleichgewicht bringen.
Bei den direkt der Regierung unterstellten Beamten legten laut dem
Haushaltsministerium gut acht Prozent die Arbeit nieder, etwas mehr als
die Hälfte im Vergleich zum letzten Streiktag am 15. Mai. Auf
Auslandsverbindungen mit Hochgeschwindigkeitszügen wirkte der
Streik sich laut SNCF nicht aus; auch zwei von drei
innerfranzösischen TGV fuhren normal. Beim U-Bahn- und Nahverkehr
in der Hauptstadt Paris blieben Probleme praktisch aus. Gestreikt wurde
auch bei France Télécom, der Post, bei den
Energieversorgern EDF und GDF oder beim Arbeitsamt. Im
öffentlich-rechtlichen Rundfunk fielen teils Programme aus. Die
Pariser Opfer führte den "Barbier von Sevilla" ohne Kostüme
und Bühnenbild auf.
Vor einer Woche hatten hunderttausende Lehrer wegen massiver
Stellenstreichungen im Schuldienst die Arbeit niedergelegt. Die
Eisenbahner mussten nun wegen neuer Streikvorschriften, die seit Anfang
des Jahres gelten, zwei Tage im voraus erklären, ob sie sich an
den Arbeitsniederlegungen beteiligen. Dadurch konnte die SNCF den
Streikfahrplan besser planen. Der so genannnte "service minimum", also
eine Mindestversorgung im Öffentlichen Dienst, war eines der
Wahlversprechen von Präsident Nicolas Sarkozy.
(Quelle: afp)
Deutschland
Bundespräsident Köhler kandidiert für zweite Amtszeit
Fr.23.05.08 - Bundespräsident Horst Köhler tritt zu einer zweiten Amtszeit
an. Für Donnerstag um 13.00 Uhr kündigte das Präsidialamt
eine offizielle Erklärung Köhlers in seinem Berliner Amtssitz
Schloss Bellevue an.
Nach zuverlässigen Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa
aus mehreren Quellen wird der 65-Jährige dabei seine erneute
Kandidatur bekanntgeben. Köhler habe Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) am Mittwochabend von seiner Entscheidung informiert, hieß
es. Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds
(IWF) ist seit Juli 2004 deutsches Staatsoberhaupt. Bei einer Wiederwahl
bliebe er bis 2014 im Amt.
Köhler hatte angekündigt, etwa ein Jahr vor Ende seiner
jetzigen Amtszeit den Entschluss für oder gegen eine neue
Kandidatur bekanntzugeben. Die nächste Bundesversammlung zur Wahl
des Präsidenten kommt am 23. Mai 2009 im Reichstagsgebäude
zusammen. Das Gremium besteht jeweils zur Hälfte aus den
Mitgliedern des Bundestags und Delegierten der Landtage. Derzeit haben
Union und FDP dort noch eine knappe Mehrheit. Diese könnte nach der
bayerischen Landtagswahl am 28. September bei großen Verlusten
der CSU aber kippen.
Köhler war 2004 mit den Stimmen von Union und FDP gewählt
worden. Seine damalige, von der SPD aufstellte Gegenkandidatin Gesine
Schwan unterlieg nur knapp. Die scheidende Präsidentin der
Viadrina- Universität aus Frankfurt (Oder), die an diesem
Donnerstag ihren 65. Geburtstag feierte, wird in einem Jahr
möglicherweise erneut gegen Köhler antreten.
Die SPD hat sich zwar noch nicht offiziell festgelegt. Die
innerparteiliche Diskussion bei den Sozialdemokraten läuft aber auf
eine Gegenkandidatur hinaus. Grüne und PDS - die
Vorgängerpartei der heutigen Linken - hatte damals für Schwan
votiert. Die Grünen halten sich eine Entscheidung - auch die
Aufstellung eines eigenen Kandidaten - bislang offen. Der Wahl des
Bundespräsidenten wenige Monate vor der Bundestagswahl im September
2009 kommt große Signalwirkung für die nächste
Regierungsbildung zu.
Köhler war 2004 als politischer Außenseiter und bei den
Bürgern weitgehend unbekannter Kandidat für das höchste
Staatsamt angetreten. Er war zuvor Staatssekretär im
Bundesfinanzministerium, Präsident des Sparkassenverbandes und
Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). Im Verlauf seiner
bisherigen Amtszeit wurde er zum populärsten Politiker des Landes
mit Zustimmungswerten bis zu 80 Prozent.
Als Bundespräsident hält Köhler demonstrative Distanz
zum politischen Betrieb. Damit stieß er bei den Parteien
gelegentlich auf Kritik. So stoppte er wiederholt Gesetze der
Bundesregierung, die ihn nicht verfassungskonform erschienen. Immer
wieder verlangte Köhler - der seine Mitgliedschaft in der CDU als
Staatsoberhaupt ruhen lässt - mutigere Reformen. Zuletzt
bezeichnete er in einem Interview die Finanzmärkte als
«Monster».
(Quelle: dpa)
Steuereinnahmen steigen im April um mehr als fünf Prozent
Fr.23.05.08 - Der deutsche Fiskus hat im April deutlich mehr Steuern eingenommen als
im Vorjahresmonat. Die Steuereinnahmen stiegen um 5,2 Prozent auf 38,49
Milliarden Euro, wie das Bundesfinanzministerium am Donnerstag in seinem
aktuellen Monatsbericht mitteilte. Zwischen Januar und April
erhöhten sich die Steuereinnahmen gegenüber dem
Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent auf 157,33 Milliarden Euro. Damit liegt
der Zuwachs bisher deutlich über der Prognose der
Steuerschätzer, die für das Gesamtjahr 2008 mit einem
Steuerplus von 3,8 Prozent rechnen.
In die Kassen des Bundes sind im April 17,19 Milliarden Euro und damit
3,0 Prozent mehr an Steuern geflossen als im Vorjahresmonat. Die
Bundesländer konnten im April mit Steuereinnahmen von 17,13
Milliarden Euro ein Steuerplus von 5,3 Prozent gegenüber dem
Vorjahres-April verbuchen. Bei den gemeinschaftlichen Steuern von Bund
und Ländern erhöhten sich die Einnahmen im April um 6,0
Prozent auf 29,73 Milliarden Euro. Die Einnahmen aus den reinen
Bundessteuern erhöhten sich im April um 1,7 Prozent auf 6,46
Milliarden Euro, die aus den reinen Ländersteuern um 7,8 Prozent
auf 1,99 Milliarden Euro.
Die Lohnsteuer ist im April um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr
auf 11,31 Milliarden Euro gestiegen. Damit haben sich die
Lohnsteuereinnahmen noch stärker als in den ersten drei Monaten des
Jahres erhöht. Im Januar lag das Plus hier bei 7,2 Prozent, im
Februar bei 7,8 Prozent und im März bei 8,0 Prozent. «Impulse
dafür lieferte in erster Linie der Arbeitsmarkt, der mit einer
deutlichen Expansion der Beschäftigung von der allgemeinen
konjunkturellen Entwicklung profitiert», heißt es im
Monatsbericht.
(Quelle: ddp)
Bankenverband hebt Wachstumsprognose für Deutschland deutlich an
Fr.23.05.08 - Wegen des guten Starts in das Jahr 2008 hat der Bundesverband Deutscher
Banken seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich auf
2,25 bis 2,5 Prozent angehoben. Bisher war der Verband von 1,6 Prozent
ausgegangen. Hintergrund seien die guten Unternehmensergebnisse sowie
überraschend positive Konjunkturdaten für das erste Quartal,
sagte der Geschäftsführende Vorstand Manfred Weber am
Donnerstag in Berlin.
«An den Finanzmärkten und beim wirtschaftlichen Ausblick ist
wieder etwas mehr Zuversicht eingekehrt», erklärte Weber.
Für 2009 bleibe aus heutiger Sicht ein Wachstum von knapp 2 Prozent
die wahrscheinlichste Entwicklung.
Weiter schrieb der Bankenverband, die Inflationsrate habe ihren
Höhenpunkt mit mehr als 3 Prozent im März voraussichtlich
überschritten: «Über den Sommer hinweg sollte sich der
Preisauftrieb in etwa bei 2,5 Prozent halten.» Falls sich die Lage
bei den Rohstoff- und Agrarpreisen beruhige, könne die
Inflationsrate gegen Jahresende in Richtung 2 Prozent sinken.
Der Bankenverband betonte jedoch, für eine Entwarnung sei es noch
zu früh: «Die Schwierigkeiten an den Finanzmärkten sind
noch nicht ausgestanden, und weltweit nehmen die Belastungen durch
steigende Rohstoffpreise zu», sagte Weber. Auch seien Hoffnungen
auf eine rasche und kräftige Erholung der US-Wirtschaft aus
heutiger Sicht nicht gerechtfertigt.
(Quelle: ap)
Gewaltkriminalität von Jugendlichen nimmt zu
Fr.23.05.08 - Die Gewaltbereitschaft jugendlicher Krimineller in Deutschland nimmt
zu. Besonders auffällig und besorgniserregend ist, dass die Zahl
der Verdächtigen bei gefährlicher und schwerer
Körperverletzung im vergangenen Jahr um 6,3 Prozent gestiegen ist.
Das sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am
Donnerstag bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik 2007
in Berlin. Als positiv wertete er, dass die hohe Aufklärungsquote
von 55 Prozent aus den Vorjahren knapp gehalten werden konnte.
Die Gesamtzahl der Fälle von Gewaltkriminalität legte um 1,1
Prozent auf knapp 218 000 zu. Unter Jugendlichen ging die Zahl der
Tatverdächtigen um 4,9 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor nach
oben. Insgesamt reduzierte sich die Zahl der Delikte bei
Kriminalität von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren im
vergangenen Jahr allerdings leicht um 0,4 Prozent.
Schäuble wies darauf hin, dass die Zahl der deutschen
Tatverdächtigen um 1,4 Prozent auf 1,8 Millionen zunahm, bei
ausländischen Verdächtigen ging sie um 2,5 Prozent auf 490 000
zurück. Dies sei auch ein Erfolg verstärkter
Integrationsbemühungen.
Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Jörg Schönbohm
(CDU) sagte, auch die Terrorabwehr bleibe «eine zentrale
Herausforderung aller Sicherheitsbehörden». Neben der
zunehmenden Jugendkriminalität sei auch die Entwicklung bei der
Computerkriminalität alarmierend. Internet und PCs würden
immer häufiger zum Schauplatz von Straftaten. Die Täter
würden dabei zunehmend professioneller.
(Quelle: dpa)
Zeichen gegen NPD-Bundesparteitag - Bamberg veranstaltet 'Fest der
Demokratie'
Fr.23.05.08 - Mit einem «Fest der Demokratie» will die Stadt Bamberg am
Samstag (24. Mai) ein deutliches Zeichen gegen den Bundesparteitag der
rechtsextremen NPD setzen. «Wir wollen eine Plattform zum
friedlichen Protest bieten», sagte Bambergs Oberbürgermeister
Andreas Starke (SPD) am Mittwoch. Gemeinsam mit dem Bamberger
Bündnis gegen Rechtsextremismus veranstaltet die Stadt am Samstag
ab 11.00 Uhr vor dem Rathaus ein buntes Programm mit Politik, Kultur
und Unterhaltung.
Als Redner werden unter anderen der Nürnberger
Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und die evangelische
Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler erwartet. Mit der
Veranstaltung wolle man den Widerstand gegen die NPD artikulieren,
wichtig sei jedoch, dass der Protest gewaltfrei bleibe, sagte Starke.
«Wir wollen deutlich machen, dass dieser NPD-Bundesparteitag in
Bamberg nichts zu suchen hat», betonte der Oberbürgermeister.
Bambergs Erzbischof Ludwig Schick stellte sich in seiner
Fronleichnamspredigt hinter den Widerstand gegen die NPD: «Durch
die Straßen von Städten und Dörfern, durch die der
Heiland getragen wird, der für die Würde und Gleichheit aller
Menschen gestritten und dafür gelitten hat, kann es keine
fremdenfeindlichen Aufmärsche, Aktionen und Parolen geben.»
Am Sonntag ist in Bamberg eine multireligiöse Feier geplant. Daran
wollen Vertreter der jüdischen, christlichen und muslimischen
Gemeinden teilnehmen.
Nach Angaben des Leiters der Polizeidirektion Bamberg, Ludwig Herzing,
wird die Polizei während des NPD-Parteitags «mit sehr starken
Kräften vor Ort sein». Dabei werde man von
Einsatzkräften auch aus anderen Bundesländern
unterstützt. Die Polizei werde keine Barrikaden, Sitzblockaden und
Sachbeschädigungen dulden, warnte er.
Die Polizei rechnet damit, dass am Wochenende in Bamberg 5000 bis 6000
Demonstranten gegen den NPD-Parteitag protestieren werden, darunter 900
aus der autonomen und linksextremen Szene. An dem Parteitag werden laut
Polizeiangaben rund 500 Delegierte und Gäste der rechtsextremen
Partei teilnehmen.
Dass es am Rand der friedlichen Proteste zu gewalttätigen
Ausschreitungen kommen könnte, will Hauptkommissar und
Polizei-Einsatzpressesprecher Klaus Linsner «nicht
ausschließen, weil vielleicht einige Autonome und Linke im Schutze
der Bürgerlichen versuchen werden, doch irgendetwas zu
inszenieren».
Auch der Sprecher des «Bamberger Bündnisses gegen
Rechtsextremismus», Werner Schnabel, der am Samstag eine
Kundgebung in der Nähe der Konzert- und Kongresshalle organisiert,
befürchtet, dass es «brisanter» zugehen könnte.
Zwar sei der Abstand zur Konzert- und Kongresshalle, in die sich die NPD
mit ihrem Bundesparteitag Mitte April beim Bayerischen
Verwaltungsgerichtshof in München erfolgreich eingeklagt hatte,
ziemlich groß, «aber wir wissen nicht, was die Autonomen
planen oder inwieweit gewaltbereite Leute auftauchen», sagte
Schnabel. Deshalb sei er «ein bisschen in Sorge».
Der Geschäftsführer der Stadthallen GmbH, Horst Feulner, der
die Konzert- und Kongresshalle im Auftrag der Stadt betreibt,
fürchtet unterdessen einen Imageschaden für die Halle durch
den NPD-Bundesparteitag. Der Hallenmanager hofft darauf, dass der
Parteitag in Bamberg «eine einmalige Sache» bleiben werde.
Zwar liege für die Halle bereits eine weitere Anfrage der NPD
für eine Wahlkampfveranstaltung zum bayerischen Landtagswahlkampf
im September vor, doch über die müssten die Gerichte erst noch
entscheiden.
(Quelle: ddp)
Bundesnetzagentur geht massiv gegen Telefonspam aus Österreich vor
Fr.23.05.08 - Gegen eine Flut von Telefonspam aus Österreich ist die
Bundesnetzagentur massiv vorgegangen. Wie die Behörde am Mittwoch
in Bonn mitteilte, verbot sie drei unter der Marke «Friedrich
Müller» auftretenden Firmen unerwünschte Werbeanrufe
für teuere 0900-Nummern, schaltete 14 Rufnummern ab und sprach ein
Rechnungslegungs- und Inkassoverbot für diese Nummern aus. Für
den Fall der Zuwiderhandlung wurden Zwangsgelder angedroht.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden die automatisierten Anrufe
der in Wien ansässigen Spammer-Firmen in den vergangenen Wochen zu
einem «bundesweiten Ärgernis für tausende
Verbraucher». Wie es hieß, wurden gezielt vor allem
ältere Menschen angesprochen, um sie mit zweifelhaften
Gewinnversprechen zur Anwahl teurer 0900-Nummern zu verleiten. Das von
der Bundesnetzagentur ausgesprochene Inkassoverbot bedeutet aber, dass
Verbraucher eventuelle Rechnungen der Firma nicht bezahlen müssen.
Das gilt ab dem Zeitpunkt der ersten Beschwerde bei der
Bundesnetzagentur.
Die einzelnen Rufnummern, die mit einer Abschaltungsanordnung und einem
Rechnungslegungs- und Inkassoverbot belegt wurden, können auf den
Internetseiten der Bundesnetzagentur eingesehen werden: http://www.bundesnetzagentur.de
(Quelle: ap)
Computer
Nanotechnologie - Winzige Kohlenstoffröhren offenbar
gesundheitsschädlich
Fr.23.05.08 - Winzige Kohlenstoffstrukturen könnten ein Weg zu noch schnelleren
Computern der Zukunft sein. Die Nanoröhren stehen aber auch im
Verdacht, sich schädlich auf die Gesundheit des Menschen auswirken
zu können. Die kleinen Partikel sehen nicht nur so aus wie Asbest.
Sie sollen sich laut einer in "Nature Nanotechnology" jetzt
veröffentlichte Studie auch genauso verhalten, wenn sie in
entsprechenden Mengen eingeatmet werden.
Die Nanotechnologie wird in vielen Bereichen bereits heute eingesetzt,
obwohl langfristige Auswirkungen der winzigen Partikel auf die
menschliche Gesundheit noch nicht ausreichend erforscht worden sind.
Sollten in Zukunft Nano-Kohlenstoffröhren in elektronischen
Geräten verbaut werden, müssten die Hersteller sich mit den
damit verbundenen Gefahren intensiv beschäftigen. Derzeitige
Computer sind allerdings auch ohne Nanokohlenstoffröhren oft nicht
gesundheitsfördernd. In Bildschirmen, Platinen und Gehäusen
sind häufig giftige Substanzen enthalten, die vor allem bei der
Entsorgung ausgedienter Geräte für Probleme sorgen.
(Quelle: gp)
Bildung
EU-Sozialbericht stellt Kritik an dreigliedrigem Schulsystem in Frage
Fr.23.05.08 - Der jüngste EU-Sozialbericht stellt die verbreitete Kritik am
dreigliedrigen Schulsystem in Frage. Nach dem am Donnerstag von der
EU-Kommission in Brüssel vorgestellten Bericht war das deutsche
Bildungssystem zumindest bis in die 80er Jahre hinein durchlässiger
als in allen anderen heutigen EU-Staaten. Bundesbildungsministerin
Annette Schavan räumte in Brüssel allerdings ein, dass es
seither Rückschritte gegeben habe.
Über die aktuelle Situation an den Schulen gibt der EU-Bericht
keine Auskunft, weil sich die Statistik nur auf Erwachsene bezieht.
Ermittelt wurde, wie viele Hochschulabsolventen selbst aus einem
Akademikerhaushalt stammen, also mindestens ein Elternteil mit
abgeschlossenem Studium hatten.
Deutsche Akademikerkinder hatten danach in der Vergangenheit doppelt so
gute Chancen wie Kinder nichtstudierter Eltern, einen Hochschulabschluss
zu erlangen. In anderen Staaten waren die Chancen aber noch weitaus
ungünstiger verteilt: Unter den tschechischen Hochschulabsolventen
etwa kommen elf Akademikerkinder auf einen Absolventen mit Eltern ohne
Hochschulabschluss. In anderen westeuropäischen Ländern wie
Frankreich, Belgien oder den Niederlanden liegt das Verhältnis
immerhin noch bei drei zu eins.
Die Zahlen sind allerdings nur eingeschränkt vergleichbar, weil
sie sich auf unterschiedliche Altersgruppen beziehen: In Deutschland
wurden die 35- bis 64-Jährigen erfasst, in den anderen EU-Staaten
die 25- bis 54-Jährigen. Begründet wird dies in dem Bericht
mit dem späten Hochschulabschluss in Deutschland.
Doch auch wenn man den Vergleich auf die in allen Ländern erfasste
Gruppe der 35- bis 54-Jährigen beschränkt, schneidet
Deutschland besser ab als alle anderen EU-Staaten mit Ausnahme
Finnlands, das auf der gleichen Position liegt. In dem skandinavischen
Staat sorgt das Bildungssystem laut der OECD-Bildungsstudie Pisa bis
heute in hohem Maße für Chancengleichheit, Deutschland
dagegen stellte die OECD in dieser Hinsicht ein miserables Zeugnis aus.
Da sich Pisa anders als der EU-Sozialbericht auf die Leistungen
15-jähriger Schüler bezieht, besteht zwischen den beiden
Erhebungen kein unmittelbarer Widerspruch. Die im Sozialbericht
festgestellte relativ hohe Durchlässigkeit des deutschen
Bildungssystems für frühere Schülergenerationen
nährt jedoch Zweifel an der Diagnose der OECD, die schlechten
Pisa-Ergebnisse für Deutschland seien im Wesentlichen ein Ergebnis
des dreigliedrigen Schulsystems.
Schavan wertete die Studie als Beleg für eine
«Bildungsexpansion» in Deutschland. In den vergangenen 40
Jahren sei der Anteil der Gymnasiasten pro Jahrgang von sechs auf rund
40 Prozent gestiegen. Vernachlässigt worden sei zwischenzeitlich
aber das Erlernen von Schlüsselkompetenzen wie der deutschen
Sprache und die Förderung von Einwandererkindern, bedauerte die
Bildungsministerin mit Blick auf Pisa. Die Bundesregierung versuche vor
allem durch eine stärkere frühindliche Bildung gegenzusteuern.
Der EU-Sozialbericht bezieht sich auf die Erhebung EU-SILC, auf die
sich auch der am Montag veröffentlichte Armutsbericht der
Bundesregierung stützte. Die Daten beziehen das Jahr 2005. Am
höchsten lag die Armutsquote damals mit jeweils 21 Prozent in
Polen und Litauen, die allerdings gerade erst der EU beigetreten waren.
Die niedrigste Quote von neun Prozent wurde in Schweden festgestellt.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Forscher beobachten Sternexplosion von Anfang an
Fr.23.05.08 - Erstmals haben Wissenschaftler die Supernova- Explosion eines Sterns
von Anfang an beobachtet. Den extrem hellen Röntgenblitz, mit dem
das Himmelsereignis begann, hatte der NASA- Satellit «Swift»
rein zufällig registriert.
Astronomen rund um den Erdball richteten daraufhin zahlreiche irdische
und im Weltall stationierte Teleskope auf die kosmische Explosion, und
konnten so das Verglühen des Sterns direkt beobachten. Sie
berichten im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 453, S.
469) über den Ablauf des Sternentods.
Zu einer Supernova kommt es, wenn massereichen Sternen am Ende ihrer
Existenz der nukleare Brennstoff ausgeht. Sie stürzen
schließlich unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammen, und die
dabei entstehende Schockwelle reißt den Stern in Fetzen. Bisher
haben Astronomen solche Supernova-Explosionen meist erst nach Tagen oder
Wochen entdeckt.
Am 9. Januar diesen Jahres kam den Wissenschaftlern um Alicia Soderberg
von der Universität Princeton (US-Staat New Jersey) nun der Zufall
zu Hilfe: Sie beobachteten mit dem Satelliten «Swift» der
US- Raumfahrtbehörde NASA gerade die Strahlung einer bereits
vergangenen Supernova in der Spiralgalaxie NGC 2770, 90 Millionen
Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Luchs am Nordhimmel.
Plötzlich registrierten sie einen rund fünf Minuten
andauernden, sehr hellen Ausstoß von Röntgenstrahlen in
derselben Galaxie. Die Astronomen erkannten diesen Röntgenblitz als
Auftakt einer neuen Supernova. «Wir waren am richtigen Ort zur
richtigen Zeit mit dem richtigen Teleskop», beschrieb Soderberg
die glückliche Entdeckung.
Zahlreiche Instrumente wie das Weltraumteleskop «Hubble»,
das Gemini-Nord-Teleskop auf Hawaii und die Teleskope des Palomar-
Observatoriums in Kalifornien beobachteten daraufhin den Ablauf der
Supernova, die als SN2008D katalogisiert wurde. Anschließende
Untersuchungen bestätigten, dass der aufgezeichnete
Röntgenblitz die durch den Stern laufende Schockwelle zum Auftakt
der Supernova kennzeichnete. «Diese Beobachtung ist mit Abstand
das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Stern stirbt und
ein Neutronenstern geboren wird», urteilte Kim Page von der
Universität Leicester (Großbritannien), die die Analyse der
Röntgenstrahlung geleitet hatte.
Bereits im Februar 1987 hatten Astronomen das Glück, den Verlauf
einer Supernova-Explosion verfolgen zu können. Das Ereignis mit der
Katalognummer SN1987A ereignete sich in nur 170 000 Lichtjahren
Entfernung in der Großen Magellanschen Wolke, einer
Trabantengalaxie unserer Milchstraße am Südhimmel. Wegen
ihrer vergleichsweisen Nähe ließ sich diese Supernova so
detailliert untersuchen wie noch keine andere. Der Röntgenblitz zum
Auftakt der Explosion war der Beobachtung allerdings entgangen und
konnte nur aus den folgenden Daten rekonstruiert werden. Nach Auskunft
von Page ließ sich SN2008D länger und in einem
größeren Wellenlängenbereich beobachten als SN1987A.
Wegen der mehr als 500 Mal größeren Entfernung der neuen
Supernova sind jedoch nicht so viele Details sichtbar.
(Quelle: dpa)