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Irak 1523 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Pentagon bemängelt fehlende Rechnungen für Irak-Einsatz
Sa.24.05.08 - Im Zusammenhang mit dem US-Militäreinsatz im Irak sind mehrere
Milliarden Dollar ohne ordnungsgemäße Abrechnung an
amerikanische und irakische Auftragnehmer gezahlt worden. Zu diesem
Schluss kommt eine interne Untersuchung des
US-Verteidigungsministeriums. Kaum eine der überprüften
Transaktionen im Gesamtwert von 8,2 Milliarden Dollar (5,2 Milliarden
Euro) entspreche den gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung von
Betrug, hieß es in dem Bericht, der dem zuständigen Ausschuss
des Repräsentantenhauses am Donnerstag vorgelegt wurde. In einem
Fall seien beispielsweise einer US-Firma elf Millionen Dollar gezahlt
worden, ohne dass es irgendeinen Beleg gebe, welche Güter oder
Dienstleistungen diese zur Verfügung gestellt habe.
(Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 24.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendneunundfünfzigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Do.24.05.07 - US-Präsident Bush bezeichnet Irak-Krieg als Schlacht gegen Al
Kaida +++ Zwei Millionen irakische Kinder auf der Flucht +++ Mehr als 20
Zivilisten verlieren bei Anschlägen ihr Leben +++ Aufständische
töten sieben US-Soldaten...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705240.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Nahost-Konflikt
UN-Sicherheitsrat begrüßt Friedensabkommen im Libanon
Sa.24.05.08 - Der UN-Sicherheitsrat hat das Friedensabkommen zwischen den
rivalisierenden Kräften im Libanon begrüßt.
Die von Katar vermittelte Einigung sei ein wichtiger Schritt, um die
gegenwärtige Krise im Libanon zu überwinden und das Land
wieder zu einigen, hieß es in der am Donnerstag einstimmig
verabschiedeten Resolution. Gleichzeitig forderte das höchste
UN-Gremium die Konfliktparteien dazu auf, das Friedensabkommen zu
beachten und Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Die
UN-Erklärung ist nicht bindend.
Die rivalisierenden Parteien im Libanon hatten zuvor in Doha ein
Abkommen unterzeichnet, das die Gefahr eines Bürgerkriegs bannen
und den Weg zur Wahl von Armeechef Michel Suleiman zum Präsidenten
durch das Parlament ebnen soll. Aus der 18-monatigen Staatskrise gehen
nach Ansicht von Experten die pro-syrischen Kräfte gestärkt
hervor, denn die von der Hisbollah geführte Opposition setzte eine
Sperrminorität im Kabinett durch. Der Posten des Staatschefs ist
seit November vakant.
Die USA und Großbritannien widersprachen unterdessen der
Einschätzung, die Hisbollah sei durch die Kämpfe im Vorfeld
der Einigung gestärkt aus dem Konflikt hervorgegangen. Im
Gegenteil: Eine Widerstandsbewegung, die wie die Hisbollah die Waffen
gegen das eigene Volk richte, mache sich unglaubwürdig und habe
bereits verloren, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice auf
einer Pressekonferenz mit dem britischem Amtskollegen David Miliband.
Bei den innerlibanesischen Kämpfen waren zuletzt mehr als 80
Menschen getötet worden.
(Quelle: rtr)
Gewalt gegen Ausländer in Südafrika weitet sich auf Kapstadt
aus
Sa.24.05.08 - In Südafrika hat sich die Gewalt gegen Flüchtlinge auf das
bei Touristen beliebte Kapstadt und einen Badeort ausgeweitet.
Hunderte afrikanischer Flüchtlinge aus einer illegalen Siedlung
nahe Kapstadt mussten in der Nacht zum Freitag in Sicherheit gebracht
werden. In Knysna, einem Badeort an der südwestlichen Küste,
wurden nach Angaben der Polizei zahlreiche somalische Geschäfte
geplündert und angezündet. Ein Somalier sei in der Nacht ums
Leben gekommen, es sei aber noch unklar, ob der Mann bei den Angriffen
gestorben sei, teilten die Behörden mit.
Die Unruhen waren vor zwölf Tagen in den Elendsvierteln von
Johannesburg ausgebrochen und haben sich mittlerweile auch auf andere
Provinzen ausgebreitet. Mindestens 42 Menschen sind bei Übergriffen
bislang getötet worden, mehr als 25.000 sind auf der Flucht. Die
Behörden warnten vor weiterer Gewalt am Wochenende und wollten
notfalls auch militärische Verstärkung anfordern.
(Quelle: rtr)
FAO: Zahl der Hungernden wird drastisch steigen
Sa.24.05.08 - Trotz sinkender Nahrungsmittelpreise droht die Zahl der Hungernden
weltweit nach Einschätzung der UN-Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation (FAO) drastisch zu steigen. Zwar gebe es
gute Ernteaussichten. Es werde aber mehrere Jahre dauern, um die
Vorräte aufzufüllen, betonte die FAO am Donnerstag in Rom bei
der Vorstellung ihres jüngsten Nahrungsmittelberichts. Gleichzeitig
sei der Verbrauch gestiegen. Die UN-Hochkommissarin für
Menschenrechte, Louise Arbour, machte in Genf die Agrarpolitik reicher
Länder für die weltweite Hungerkrise mitverantwortlich.
"Internationale Preise für die meisten Agrarprodukte haben
begonnen, zu sinken", erklärte die FAO. Der stellvertretende
FAO-Generaldirektor Hafez Ghanem rechnet angesichts der nach wie vor
hohen Nahrungsmittelpreise jedoch damit, dass die Zahl der Hungernden
"um viele Hundert Millionen" ansteigen wird.
Nach jüngsten FAO-Schätzungen wird die Getreideernte in
diesem Jahr mit 2.192 Millionen Tonnen 3,8 Prozent höher als 2007
liegen und einen neuen Rekord erreichen. Vor allem die weltweiten
Weizenvorräte werden dem Ernteausblick zufolge steigen.
Vor einer für Anfang Juni geplanten internationalen Konferenz
über Nahrungsmittelpreise und Klimawandel warnte die FAO davor,
Biotreibstoffe allein für drastische Preissteigerungen
verantwortlich zu machen. Die Teuerungsraten der vergangenen Jahre bei
Nahrungsmitteln sei durch eine Reihe von Faktoren bedingt.
Die UN-Hochkommissarin Arbour kritisierte vor dem UN-Menschenrechtsrat
in Genf, dass Subventionen und eine unfaire Handelspolitik zu den
massiven Steigerungen der Lebensmittelpreise beigetragen hätten.
Der Zugang zu einer angemessenen Ernährung sei ein Menschenrecht,
betonte Arbour.
Die internationale Gemeinschaft müsse dieses Recht schützen.
Die aktuelle Lebensmittelkrise drohe einen "Dominoeffekt"
auszulösen, so Arbour weiter. Menschen in armen Ländern, die
immer mehr Geld ihres schmalen Einkommens für Lebensmittel ausgeben
müssten, hätten keine Ressourcen mehr für Bildungs- und
Gesundheitsausgaben.
Der UN-Menschenrechtsrat befasste sich auf einer Sondersitzung mit der
aktuellen Lebensmittelkrise. Laut UN stiegen die Lebensmittelpreise im
vergangenen Jahr durchschnittlich um mehr als 50 Prozent. Zudem sei die
politische Stabilität von mehr als 30 Staaten in Gefahr.
Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) erhielten die Bauern der reichen Länder im Jahr
2006 direkte und indirekte öffentliche Hilfen in Höhe von 214
Milliarden Euro. Die OECD kritisiert, dass die Bauern vieler armer
Länder gegen die Landwirte der reichen Staaten nicht konkurrieren
können.
(Quelle: epd)
Hilfswerke: Deutschland beschönigt Entwicklungs-Statistiken
Sa.24.05.08 - Entwicklungsorganisationen haben Deutschland und anderen
europäischen Staaten vorgeworfen, die Zahlen zu ihren Ausgaben in
der Entwicklungshilfe zu beschönigen. Noch immer werde der
Schuldenerlass in die Statistiken eingerechnet, kritisierte der
europäische Dachverband Concord am Donnerstag in Brüssel bei
der Vorstellung seines Jahresberichts. Im Fall Deutschlands betrage er
beispielsweise 23 Prozent der gesamten Hilfe in 2007. Auch
Österreich, Frankreich, Italien und andere Länder pflegten
diese Praxis.
"Schuldenerlass ist essenziell wichtig für Entwicklung, aber er
darf echte finanzielle Hilfe nicht ersetzen", so das Netzwerk, dem unter
anderem Oxfam, Save the Children und ActionAid angehören. Der
Dachverband kritisierte auch, dass Deutschland die Unterstützung
für ausländische Studenten als Entwicklungshilfe werte. Die
Absolventen kehrten häufig nicht in ihre Heimat zurück, so
dass ärmere Länder schließlich reichere
subventionierten.
Betrachte man die Statistik in unbeschönigter Form, habe
Deutschland 2007 nur 0,25 Prozent seines Bruttonationaleinkommens
für die Entwicklungshilfe verwendet, so Concord. Damit sei es
unwahrscheinlich, dass das Land seine im EU-Rahmen gegebenen Versprechen
erfüllen werde. Demnach soll die Hilfe bis 2010 auf 0,51 Prozent
des Bruttonationaleinkommens steigen.
(Quelle: epd)
Taiwan und China nehmen im Juni direkte Gespräche auf
Sa.24.05.08 - Nach mehr als zehn Jahren wollen Taiwan und China im kommenden Monat
wieder direkte Gespräche aufnehmen. Das teilte Lai Shin-yuan,
Vorsitzende des taiwanischen Rates für die Beziehungen zum
Festland, in Taipeh mit. Wichtigste Themen seien die Aufnahme von
Charter- und Frachtflügen sowie eine Besuchserlaubnis für
chinesische Touristen. Seit 1949 gibt es keine direkten
Verkehrsverbindungen zwischen China und Taiwan. Taiwaner, die auf das
chinesische Festland wollen, müssen über Hongkong oder ein
Drittland reisen. Das Besuchsrecht für Chinesen in Taiwan ist
stark eingeschränkt.
Seit dem Amtsantritt des neuen taiwanischen Präsidenten Ma
Ying-jeou zeichnet sich eine Verbesserung der schwierigen Beziehungen
beider Länder ab. Ma hatte für eine schnelle Aufnahme des
Dialogs mit China geworben. Die Unabhängigkeitsbestrebungen seines
Vorgängers Chen Shui-bian hatten zu einer deutlichen
Abkühlung des Verhältnisses zu China und zu unverhohlenen
Kriegsdrohungen aus Peking geführt. China betrachtet Taiwan als
abtrünnige Provinz und strebt eine Vereinigung mit der Insel zu
seinen Bedingungen an.
(Quelle: afp)
China und Russland bauen strategische Partnerschaft aus
Sa.24.05.08 - Russlands neuer Präsident Dmitri Medwedew und Chinas
Staatsoberhaupt Hu Jintao wollen die Beziehungen ihrer Länder
vertiefen. Moskau und Peking seien "strategische Partner", betonte
Medwedew bei seinem Antrittsbesuch in Peking. Es sei deshalb sehr
wichtig, dass es "keine Pausen" in den Beziehungen gebe. Hu sagte, er
wisse es zu schätzen, dass sich Medwedew für die Entwicklung
der russisch-chinesischen Beziehungen einsetze. "Ich bin
überzeugt, dass Ihr Besuch der Entfaltung der strategischen
Partnerschaft Auftrieb geben wird", fügte Chinas Präsident
hinzu.
Medwedew hatte Anfang Mai die Amtsgeschäfte von seinem
Vorgänger Wladimir Putin übernommen. Nach einem Staatsbesuch
in Kasachstan sollte er zwei Tage in China zu Gast sein. In einer
gemeinsamen Erklärung verurteilten die beiden Staatschefs die
Pläne der USA, in Osteuropa ein Raketenschild zu bauen. Die
Schaffung eines solchen "globalen Verteidigungssystems" schade den
internationalen Bemühungen um Rüstungskontrolle und
Nichtverbreitung von Atomwaffen. Zudem sei es nicht hilfreich für
ein strategisches Gleichgewicht. Russland ist strikt gegen den
Abwehrschild, weil es darin eine direkte Bedrohung seiner Sicherheit
sieht.
Anlässlich des Treffens zwischen Hu und Medwedew schlossen beide
Länder einen umgerechnet mehr als 630 Millionen Euro schweren
Atomkraftvertrag. Dieser umfasst den Bau eines vierten Blocks in einem
chinesischen Atomkraftwerk, in dem Uran angereichert werden soll, sowie
die Lieferung von Uran aus Russland, wie Sergej Kirijenko von der
russischen Atomenergiebehörde Rosatom vor Journalisten in Peking
sagte. China, dessen Energieproduktion bisher nur zu zwei Prozent durch
Atomkraft gedeckt wird, will durch den Ausbau von Atomenergie seine
Abhängigkeit von umweltschädigender Kohle verringern.
(Quelle: afp)
China macht in Bebengebiet 50 radioaktive Quellen aus - Zahl der
Erdbeben-Toten auf über 55.000 gestiegen
Sa.24.05.08 - China hat nach dem schweren Erdbeben 50 gefährliche Quellen mit
radioaktiver Strahlung ausgemacht.
Die Lage sei aber unter Kontrolle, versicherten die Behörden. 35
Strahlenquellen seien geborgen, die restlichen gefunden, aber noch
nicht gesichert worden, sagte der stellvertretende Umweltminister Wu
Xiaoqing am Freitag. "Drei sind unter Trümmern begraben,
zwölf andere befinden sich in gefährlichen Gebäuden, in
die Rettungsmannschaften noch nicht vordringen konnten."
Radioaktivität sei bisher aber noch nicht ausgetreten.
Im Katastrophengebiet im Südwesten China liegt das
größte Forschungszentrum für Atomwaffen in Mianyang.
Außerdem beherbergt die Region mehrere geheime Atomanlagen, aber
kein Kernkraftwerk.
Neun Tage nach dem Beben der Stärke 7,9 stieg die Zahl der
gemeldeten Toten des seit Jahrzehnten schwersten Erdbebens auf
über 55.000. Es muss aber mit einem weiteren Anstieg gerechnet
werden.
In der Katastrophenregion Sichuan konzentrierte sich die Arbeit der
mehr als hunderttausend Soldaten, zivilen Helfer und gewöhnlicher
Bürger auf den beginnenden Wiederaufbau. Der Bau von Wohnungen
für die Millionen Obdachlosen wird offiziellen Angaben zufolge
drei Jahre dauern. Einige Städte müssten an anderer Stelle
wiederaufgebaut werden, da sie auf unsicherem Grund gestanden
hätten.
Die in einigen Wochen beginnende Regenzeit treibt die Helfer
zusätzlich zur Eile an. Die Hauptsorge der Regierung gilt
Nachbeben und schweren Niederschlägen, die Springfluten und
Erdrutsche auslösen könnten. "Der Wiederaufbau
stößt auf viele Probleme in der Region, in der das Erdbeben
viele Berge brüchig gemacht hat und in der es mehr als 7000
Nachbeben gegeben hat", sagte Sichuans Vizegouverneur Li Chengyun.
Mangelnde Hygiene könnte den Ausbruch von Seuchen begünstigen.
(Quelle: rtr)
Birma will Helfer aller Nationen ins Land lassen
Sa.24.05.08 - Birmas Militärregierung hat bei einem Besuch von
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eingewilligt, nun doch
internationale Helfer in das vom Wirbelsturm verwüstete Land zu
lassen.
Ban erzielte die Einigung am Freitag in einem Gespräch mit
Junta-Chef Than Shwe in Birmas entlegener Hauptstadt Naypyidaw. Auf die
Frage, ob dies einen Durchbruch bei den Hilfen für die mehr als 2,4
Millionen Bedürftigen bedeute, sagte Ban: "Ich glaube schon". Die
Helfer sollten der UN zufolge nun auch Zugang zu dem am schwersten
betroffenen Irrawaddy-Delta bekommen. Auch drei Wochen nach dem Zyklon
"Nargis" ließ die Junta bisher nur schleppend Hilfen zu.
Zum Auftakt des mehr als zweistündigen Gesprächs
schüttelte der 75-jährige Than Shwe Ban mit versteinerter
Miene die Hand und ließ zunächst nicht erkennen, ob er
gegenüber der Weltgemeinschaft zu Zugeständnissen bei der
Verteilung der in seinem Land dringend benötigten Hilfsgüter
bereit sein wird. Er habe den Chef der Militärregierung
gedrängt, so schnell wie möglich Helfer ins Land zu lassen und
die Hilfsgüter so schnell wie möglich an die Bedürftigen
zu verteilen, sagte der UN-Generalsekretär. Der General habe ihm
zugesichert, alle Helfer "unabhängig von ihrer Nationalität"
ins Land zu lassen. Zudem dürfe der Flughafen der ehemaligen
Hauptstadt Rangun als Drehkreuz bei Verteilung der Hilfsgüter
genutzt werden.
Ban hatte sich nach der Katastrophe wiederholt schwer enttäuscht
über die Militärregierung geäußert. Ban war es nach
eigenen Angaben über viele Tage hinweg noch nicht einmal gelungen,
mit Than Shwe auch nur zu telefonieren. Der oberste General hatte erst
in dieser Woche Naypyidaw verlassen, um sich die Zerstörungen
anzusehen und mit Überlebenden zu sprechen.
Ban hatte sich am Donnerstag ein Bild von den Verwüstungen im
Irrawaddy-Delta gemacht. Offiziellen Zahlen zufolge wurden durch den
Wirbelsturm und die anschließenden Überschwemmungen knapp
134.000 Menschen getötet oder werden noch immer vermisst. Damit
gehört die durch "Nargis" Anfang Mai ausgelöste Katastrophe zu
den schwersten ihrer Art in Asien. Am Sonntag planen die Vereinten
Nationen (UN) und die Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten
(ASEAN) eine gemeinsame Geberkonferenz, an der auch Deutschland
teilnehmen wird.
(Quelle: rtr)
Unstimmigkeiten beim Zypern-Gipfel
Sa.24.05.08 - Unstimmigkeiten über den Beginn formeller Verhandlungen für
eine Wiedervereinigung haben das zweite Gipfeltreffen auf der geteilten
Mittelmeerinsel Zypern geprägt. Der griechisch-zyprische
Präsident Dimitris Christofias und der Volksgruppenführer der
türkischen Zyprer, Mehmet Talat, einigten sich am Freitag jedoch
auf ein weiteres Treffen in der zweiten Juni-Hälfte.
Außerdem bekannten sie sich zu einer zyprischen Föderation
mit zwei politisch gleichberechtigten Gebietsteilen.
Worin die Meinungsverschiedenheiten genau bestanden, teilten
Christofias und Talat nach ihren Gesprächen in der
UN-kontrollierten Pufferzone nahe des Flughafens von Nikosia nicht mit.
Es ist jedoch bekannt, dass die türkische Seite die offiziellen
Verhandlungen für eine Wiedervereinigung schon Ende Juni aufnehmen
möchte. Die griechischen Zyprer plädieren indessen für
weitere Vorbereitungsrunden, um einem etwaigen Scheitern vorzubeugen.
Christofias und Talat hatten bei ihrem ersten Gipfel am 21. Februar die
Wiederaufnahme der Verhandlungen sowie die Öffnung der
Ledra-Straße in der Altstadt von Nikosia vereinbart. Letzteres
wurde Anfang April bereits umgesetzt. Außerdem wurden 13
Arbeitsgruppen zur Klärung strittiger Sachfragen gebildet.
Sorge bereitete der griechischen Seite eine Erklärung des
türkischen Nationalen Sicherheitsrats vom 24. April, wonach
für Zypern eine Lösung «gemäß den
Realitäten auf der Insel und der Existenz zweier separater
Völker und zweier Demokratien» gefunden werden müsse.
Mit dem neuerlichen Bekenntnis zur Föderation auf der Insel
sollten am Freitag Befürchtungen bezüglich einer Zementierung
der Teilung offensichtlich beigelegt werden.
Zypern ist seit der Invasion türkischer Truppen 1974 geteilt.
Vorangegangen war damals der Versuch eines Umsturzes mit dem Ziel eines
Anschlusses an Griechenland. Ein Plan der Vereinten Nationen für
die Wiedervereinigung wurde 2004 von den griechischen Zyprern im
Süden abgelehnt, im türkischen Norden indessen mehrheitlich
gebilligt. Die Wahl des linksgerichteten Präsidenten Christofias
im Februar hat jetzt den Versöhnungsprozess neu in Gang gebracht.
(Quelle: ap)
EU verabschiedet härtere Regeln gegen illegale Einwanderung
Sa.24.05.08 - Die Europäische Union will härter gegen illegale Einwanderung
vorgehen.
Die Mitgliedsstaaten einigten sich am Donnerstag darauf, Ausländer
bis zu eineinhalb Jahre in Gewahrsam zu nehmen, wenn sie gegen die
Einwanderungsgesetze verstoßen haben. Zudem soll ihnen ein
fünfjähriges Verbot der Wiedereinreise erteilt werden.
Menschenrechtler haben diesen Schritt kritisiert.
"Diese Verordnung wird eine gemeinsame Vorgehensweise gegenüber
Menschen aus Drittstaaten schaffen, die sich illegal auf dem Gebiet der
Mitgliedsstaaten aufhalten", erklärte die EU. Dem von den
EU-Botschaftern verabschiedeten Text zufolge können auch Kinder
festgenommen werden. Die Vorgaben müssen noch vom Europäischen
Parlament verabschiedet werden, das in der Frage zutiefst gespalten
ist. Bislang ist eine Abstimmung im Juni geplant.
Die eineinhalbjährige Frist liegt über dem maximalen
Gewahrsam, wie er bislang in zwei Drittel der 27 Staaten gilt.
Menschenrechtsgruppen haben kritisiert, dass die Entscheidung die
Länder ermutigt, mehr Einwanderer hinter Schloss und Riegel zu
setzen. In Deutschland ist es bereits möglich, Immigranten nach
einer illegalen Einwanderung für eineinhalb Jahre festzusetzen. In
Spanien ist dies nach Angaben der EU-Kommission für 40 Tage
möglich, in Ungarn für ein Jahr. Italien hat illegale
Einwanderung vor kurzem mit einer Haftstrafe belegt.
Amnesty international und der Europäische Flüchtlingsrat
(ECRE) kritisierten das Wiedereinreise-Verbot als schonungslos und nicht
angemessen. In einer Brüssler Kirche sind 240 illegal
eingewanderte Menschen in einen Hungerstreik getreten, um die Verordnung
zu verhindern.
Nach Schätzungen der Kommission halten sich bis zu acht Millionen
Menschen illegal in der EU auf. In der ersten Jahreshälfte 2007
wurden mehr als 200.000 von ihnen festgenommen, weniger als 90.000
wurden ausgewiesen.
(Quelle: rtr)
Bundesrat billigt EU-Vertrag ohne Stimme Berlins
Sa.24.05.08 - Ohne die Stimme Berlins hat der Bundesrat am Donnerstag
abschließend den EU-Vertrag von Lissabon gebilligt. Der Regierende
Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, kündigte in letzter
Minute die Enthaltung seines Landes an. Sie wurde damit als Nein
gewertet. Wowereit vermied so eine Regierungskrise in seinem rot-roten
Senat. Die Linke lehnt den Vertrag als unsozial ab. Alle andere
Bundesländer votierten für das Reformwerk. Die EU erhält
damit zusätzliche Kompetenzen und wird auf eine demokratischere
Grundlage gestellt.
(Quelle: dpa)
VW-Betriebsrat mobilisiert Belegschaft gegen die EU-Kommission
Sa.24.05.08 - Im Streit um das neue VW-Gesetz will der Betriebsrat die
Beschäftigten des Wolfsburger Konzerns gegen die Europäische
Kommission in Stellung bringen.
An allen europäischen Standorten solle eine Unterschriftenaktion
gestartet werden, kündigte die Arbeitnehmervertretung am Donnerstag
an. Damit solle die EU-Kommission aufgefordert werden, das von
Justizministerin Brigitte Zypries vorgeschlagene VW-Gesetz unangetastet
zu lassen. Dies hätten die Betriebsratsvertreter aller
Konzernmarken beschlossen.
Die Bundesregierung wird voraussichtlich kommenden Dienstag eine
Änderung des VW-Gesetzes beschließen, die dem Land
Niedersachsen weiterhin einen entscheidenden Einfluss bei Europas
größtem Autobauer sichert. Niedersachen kann damit mit seinem
Stimmanteil von knapp über 20 Prozent wichtige Entscheidungen
blockieren und den Einfluss von VW-Hauptaktionär Porsche
beschneiden. Die Beibehaltung der Sperrminorität hat die
EU-Kommission bereits auf den Plan gerufen. Notfalls werde man erneut
juristisch gegen Deutschland vorgehen.
"Die EU-Kommission sollte endlich Schluss damit machen, den freien
Kapitalverkehr zum zentralen Grundwert Europas zu erklären",
erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh. "Ich kann nicht erkennen,
was die EU-Kommission umtreibt, Tausenden von Arbeitnehmern in Europa
Schutzfunktionen zu nehmen, um wenigen Milliardären einen Gefallen
zu tun." Die Menschen wollten ein soziales Europa.
"Kapitalverkehrsfreiheit, bei der die Arbeitnehmer am Ende immer die
Dummen sind, steht nicht auf ihrer Wunschliste", sagte Osterloh.
(Quelle: rtr)
Deutschland als einziger G7-Staat 2006 ohne deutliches CO2-Minus
Sa.24.05.08 - Deutschland hat als einziges Mitglied der G7-Staaten 2006 seinen
Ausstoß an Treibhausgasen praktisch nicht reduziert.
Während die Produktion erderwärmender Gase beispielsweise in
Frankreich um 2,5 und in den USA um 1,3 Prozent zurückging,
verzeichnete Deutschland im Jahresvergleich einen Rückgang von
lediglich 0,02 Prozent. Das geht aus Berechnungen der
Nachrichtenagentur Reuters vom Freitag hervor, die auf Daten des
UN-Sekretariats für Klimawandel basieren. Im Vergleich von 1990
bis 2006 führt Deutschland mit einem Minus von gut 18 Prozent die
G7-Staaten bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes dagegen an.
In derselben Zeit ließ in Russland die Produktion
klimaschädlicher Gase mit dem Zerfall der sowjetischen
Schwerindustrie sogar um mehr als 34 Prozent nach. Russland gehört
nicht zu den G7 der größten Industrieländer, aber zum
Kreis der G8-Staaten. Mit dem rasanten Wachstum der russischen
Wirtschaft in den vergangenen Jahren kletterte der Ausstoß von
Treibhausgasen dort 2006 wieder um 3,1 Prozent in die Höhe. Damit
ist die Entwicklung in Russland gegenläufig zu jener der
übrigen G8-Staaten, die 2006 alle den CO2-Ausstoß
drosselten. Auf Spitzenreiter Frankreich folgen Kanada mit einem Minus
von 1,9 Prozent und Italien von 1,7 Prozent.
Alle G8-Staaten zusammen verzeichneten ein CO2-Minus von 0,6 Prozent -
der deutlichste Rückgang, seit die Weltgemeinschaft im Jahr 1990
Initiativen im Kampf gegen den Klimawandel auf den Weg brachte. Einige
Experten sehen jedoch als Grund für das nun erzielte Minus nicht
vorrangig den Erfolg der Politik, sondern eher Auswirkungen der
steigenden Ölpreise und eines vergleichsweise milden Winters in
den USA. Beides dämpft die Nachfrage nach Öl und Strom aus
Kraftwerken. Andere Experten sehen in dem Rückgang von 2006 aber
zumindest ein ermutigendes Signal.
(Quelle: rtr)
Deutsche Regierung verschiebt Klima-Beschlüsse
Sa.24.05.08 - Die Bundesregierung verschiebt wegen Uneinigkeit über die Reform
der Kfz-Steuer ihre Beschlüsse über weitere Maßnahmen
des Energie- und Klimaschutzpaketes. Das Kabinett solle jetzt am 18.
Juni entscheiden, teilte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm vor der
Bundespressekonferenz mit.
Bisher wollte das Kabinett am kommenden Dienstag über den zweiten
Teil des Klimaprogramms beschließen. Auch eine weitere Runde der
Staatssekretäre am Morgen hatte jedoch keine wesentlichen
Fortschritte gebracht. Dort sei festgestellt worden, «dass es noch
weiteren Beratungsbedarf gibt», sagte Wilhelm.
Sprecher von Finanz- und Wirtschaftsministerium bestätigten
unterschiedliche Positionen bei der Umstellung der Kfz-Besteuerung vom
Hubraum auf den Kohlendioxidausstoß. Dabei geht es vor allem um
die Frage einer künftigen Belastung von Millionen Altfahrzeugen.
Wichtig sei, dass am Ende eine einvernehmliche Lösung herauskomme.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte zuletzt ein Veto
gegen die Pläne des Finanzministeriums eingelegt. Die geplanten
Änderungen führten zu «Verzerrungen innerhalb der
Neuwagenflotte», zitiert die «Bild»-Zeitung (Freitag)
aus einem Schreiben des Glos- Ressorts an das Finanzministerium. Nach
öffentlich zuletzt diskutierten Plänen sollte die Kfz-Steuer
von 2009 an für Altwagen steigen, um daraus Entlastungen für
umweltfreundliche Autos zu zahlen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warf
Minister Glos vor, "jeden vernünftigen Ansatz für
Klimaschutzmaßnahmen zu blockieren". Der umweltorientierte
Verkehrsclub Deutschland (VCD) erklärte, nur wenn die
Bundesregierung wirksame Maßnahmen zur Minderung des
CO2-Ausstoßes im Verkehrsbereich ergreife, könne sie etwas
für den Klimaschutz und angesichts der hohen Spritpreise auch
für den Verbraucherschutz erreichen.
boa (Quellen: dpa, afp)
Koalition streitet über Präsidentenwahl
Sa.24.05.08 - Die Pläne der SPD für eine eigene Präsidentenkandidatin
drohen zur Belastungsprobe für die große Koalition zu werden.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sieht die Zusammenarbeit
dadurch belastet, während SPD-Chef Kurt Beck die Pläne
verteidigte und den Koalitionspartner attackierte.
«Ich rate der CDU, die Verfassung zu lesen», sagte Beck am
Freitag vor einer Bundesratssitzung in Berlin. «Dann wird sie
wieder ruhiger.» Die SPD werde an diesem Montag darüber
entscheiden. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte im ZDF:
«Das, was sich jetzt anbahnt, ist alles nicht hilfreich.»
Die SPD sei gegenwärtig handlungsunfähig. Die Wirtschaft
sprach sich für Bundespräsident Horst Köhler aus.
Köhler hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass er für eine
zweite Amtszeit kandidieren will. Als wahrscheinlich gilt, dass die
Sozialdemokraten die Universitätspräsidentin Gesine Schwan
gegen Köhler aufstellen. Das Staatsoberhaupt wird in einem Jahr von
der Bundesversammlung gewählt. Der CDU-Generalsekretär warnte
Beck vor einem weiteren Wortbruch, wenn der SPD-Chef Schwan mit Hilfe
der Linken durchsetzen wolle. Beck habe angekündigt, dass es mit
der Partei Die Linke auf Bundesebene keine Zusammenarbeit geben werde.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer warnte die SPD vor einer
Provokation. Es könne «als Affront gewertet werden»,
wenn der eine Partner dem anderen «in so einer Frage einen
Gegenkandidaten hinknallt», sagte er dem WDR. SPD-Fraktionsvize
Elke Ferner forderte eine Frau an der Spitze des Staates. Das sei
überfällig, sagte sie dem Deutschlandradio Kultur. Der
niedersächsische SPD-Fraktionschef Wolfgang Jüttner sagte der
«Braunschweiger Zeitung» (Freitag), Schwan sei die bessere
Kandidatin. Der schleswig-holsteinische SPD-Vorsitzende Ralf Stegner
sprach sich im Bayerischen Rundfunk für Gesine Schwan als
Kandidatin aus.
Wirtschaftsverbände machten sich für eine zweite Amtszeit des
früheren Finanzmanagers Köhler stark. «Persönlich
schätze ich Bundespräsident Horst Köhler sehr, und ich
finde es gut, dass er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung
steht», sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun dem
«Handelsblatt» (Freitag). Der Präsident des Groß-
und Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, nannte
Köhler «einen welterfahrenen Wirtschaftsexperten».
Köhler war früher Direktor des Internationalen
Währungsfonds.
FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jürgen Koppelin sagte dem
rbb-Inforadio, er befürchte, dass die Parteienverdrossenheit durch
eine Gegenkandidatur weiter zunehmen werde. FDP-Vize Cornelia Pieper
sagte der dpa, die Zeit sei reif für eine Direktwahl.
Die Linke streitet über einen möglichen eigenen Kandidaten.
Parteivize Katja Kipping kann sich eine Kandidatin vorstellen. Sie
müsse aber nicht Linke-Mitglied sein, sagte sie dem rbb-Inforadio.
Ihre Partei werde nach der bayerischen Landtagswahl am 28. September
darüber entscheiden. Der stellvertretende Parteichef Klaus Ernst
hält einen eigenen Kandidaten der Linke für unwahrscheinlich.
Die Linke habe keine Mehrheit hinter sich, sagte er dem
Südwestrundfunk.
Auch die Grünen wollen nach der Bayern-Wahl entscheiden.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte der «Frankfurter
Rundschau» (Freitag), die SPD könnte bei der Nominierung
einer eigenen Gegenkandidatin nicht mit sicherer Unterstützung der
Grünen rechnen. «Die grünen Stimmen bekommt niemand
automatisch.» Er wertete es im NDR als positiv, dass sich
Köhler mit den Parteien auch angelegt habe.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und FDP-Chef Guido Westerwelle
kündigten Unterstützung für Köhlers erneute
Kandidatur an. Die Universitätspräsidentin Gesine Schwan war
2004 bei der Präsidentenwahl dem heute ebenfalls 65 Jahre alten
Köhler knapp unterlegen.
(Quelle: dpa)
Linke kommt zu erstem regulären Bundesparteitag nach Cottbus
Sa.24.05.08 - Ein Jahr nach der Fusion der ehemaligen PDS mit der WASG kommt die neue
Partei Die Linke am (heutigen) Samstag (ab 10.00 Uhr) in Cottbus zu
ihrem ersten Parteitag zusammen. Im Mittelpunkt der zweitägigen
Beratungen stehen Vorstandswahlen, bei denen die Bestätigung der
beiden Parteivorsitzenden Lothar Bisky und Oskar Lafontaine erwartet
wird. Weitere Schwerpunkte sind das Arbeitsprogramm bis zur
Bundestagswahl 2009 und eine Bilanz des ersten gemeinsamen Jahres.
Seither hat die Linke auf rund 72.000 Mitglieder zugelegt und die
politische Landschaft aufgemischt. Das Thema soziale Gerechtigkeit wird
auch von den anderen Parteien verstärkt diskutiert. Die
Parteiführung greift das auf mit ihrem Leitantrag unter dem Motto
«Eine starke Linke für eine andere, bessere Politik»,
der sich unter anderem für ein milliardenschweres
Investitionsprogramm stark macht. Außerdem soll eine
Rentenkampagne gestartet werden. Darüber dürfte es
Diskussionen geben, ebenso wie über die Familien- und
Außenpolitik sowie über die Absage an DKP-Mitglieder auf
Linken-Listen.
Den 562 Delegierten - 59 Prozent von ihnen aus Ost- und 41 Prozent aus
Westdeutschland - liegen rund 100 Anträge zur Beratung vor. Die
Wahlen zum insgesamt 44 Mitglieder zählenden Vorstand ziehen sich
über beide Tage hin. Am Samstagnachmittag stehen Bisky und
Lafontaine sowie vier stellvertretende Vorsitzende zur Wahl. Als Vizes
kandidieren die bisherigen Stellvertreter Klaus Ernst und Ulrike Zerhau
(beide aus der WASG) und die Linke-Politikerinnen Katja Kipping und
Halina Wawzyniak anstelle von Katina Schubert. Die Kommunistin Sahra
Wagenknecht will nicht antreten.
(Quelle: ap)
Linken-Vize fordert bessere Streitkultur in ihrer Partei
Sa.24.05.08 - Die stellvertretende Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, mahnt eine
«lebendigere Streitkultur» in ihrer Partei an. Kipping sagte
der «Frankfurter Rundschau» (Freitagausgabe) laut
Vorabbericht: «Natürlich muss ´Hartz IV´ weg, wir
müssen aber auch sagen, was wir statt dessen wollen.» Es
wäre ein Irrtum, heikle Themen zu meiden, um damit den momentanen
Erfolg der Linken nicht zu gefährden.
«Das Schlimmste, das uns passieren könnte, wäre, eine
so angepasste Partei wie die SPD zu werden, wo die Basis nur noch
abnickt», sagte sie. Kippings Amtskollegin Katina Schubert hatte
erst jüngst ihren Posten zur Verfügung gestellt, weil sie mit
der «Ohne uns»-Rhetorik des Parteichefs Oskar Lafontaine
nicht einverstanden ist.
Kipping prophezeite Auseinandersetzungen mit dem erstarkten
Gewerkschaftsflügel der Partei. «Für mich ist klar, dass
wir nicht der verlängerte Arm des DGB werden dürfen. Wir
sollten im Gegenteil die Gewerkschaften von links fordern», sagte
sie. Die Frage nach Regierungsbeteiligungen der Linken seien in der
Partei derzeit stark umkämpft. Die Debatte nach den drei
Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und dem Saarland 2009
werde stark an die Substanz gehen. Derzeit könnte man «auf
Landesebene mit der SPD einiges bewirken. Sie betonte aber: «Auf
Bundesebene ist das beim jetzigen Kurs der SPD unvorstellbar.»
(Quelle: ddp)
Bundesrat stoppt Wohngelderhöhung
Sa.24.05.08 - Die geplante Wohngelderhöhung ist vorerst gestoppt: Der Bundesrat
rief den Vermittlungsausschuss zu dem Gesetzentwurf an, der Ende April
vom Bundestag verabschiedet worden war. Durch die Novelle soll das
Wohngeld ab 2009 von durchschnittlich 90 Euro auf 142 Euro im Monat
steigen. Zudem ist die Einführung eines Heizzuschlags von 50 Cent
pro Quadratmeter vorgesehen. Der baden-württembergische
Bundesratsminister Wolfgang Reinhardt (CDU) sagte, über das "Ob"
einer Wohngelderhöhung seien sich die Länder mit
Bundesregierung und Bundestag einig. Anders stehe es mit dem "Wie".
Durch das neue Gesetz würden die Wohngeldausgaben um jährlich
520 Millionen Euro steigen, kritisierte Reinhardt. Zugleich werde eine
"völlig unzureichende" Beteiligung des Bundes an den Kosten
fortgeschrieben. Baden-Württemberg lehne die Erhöhung daher
aus prinzipiellen wie aus finanziellen Erwägungen ab.
Der rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) rief
den Bund auf, rasch mit den Ländern eine Lösung zu finden.
"Niemand kann ein Interesse daran haben, dass die Wohngelderhöhung
auf die lange Bank geschoben wird", sagte
(Quelle: afp)
Lobbyisten arbeiteten an zahlreichen Gesetzen mit
Sa.24.05.08 - Lobbyisten waren an der Ausarbeitung etlicher Gesetzentwürfe der
Bundesregierung beteiligt. Die «Berliner Zeitung»
(Samstagausgabe) berichtete vorab unter Berufung auf eine Aufstellung
des Bundesinnenministeriums, Mitarbeiter von Unternehmen und
Verbänden hätten in den vergangenen fünf Jahren an der
Ausarbeitung von 30 Gesetzen mitgewirkt.
So seien ein Beschäftigter der Deutsche Börse AG und ein
Mitarbeiter des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands
im Bundesfinanzministerium an der Novelle der Bankenrichtlinie
beteiligt gewesen, mit der im November 2006 die Bankenaufsicht neu
geregelt wurde, schrieb das Blatt. Beide hätten zudem an einer
Verordnung mitgearbeitet, die Bestimmungen zum Mindesteigenkapital von
Kreditinstituten ändert.
Im Gesundheitsministerium arbeiteten dem Bericht zufolge je ein
Mitarbeiter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der AOK und
des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen mit. Sie waren unter
anderem an der Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung beteiligt.
Die Liste geht auf eine Anfrage des Grünen-Politikers Volker Beck
zurück. Dieser warf der Regierung vor, das Parlament in der
Vergangenheit wahrheitswidrig unterrichtet zu haben. Er forderte,
externe Beschäftigte dürften in den Ministerien nicht mehr
mit Aufgaben betraut werden, die ihr Unternehmen oder den Verband
tangieren.
(Quelle: ddp)
Bundesarbeitsgericht schiebt Personalauslagerungen Riegel vor
Sa.24.05.08 - Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt hat die Auslagerung von
Arbeitsplätzen in Tochtergesellschaften begrenzt. Die Richter gaben
am Mittwoch der Klage von drei Reinigungskräften statt. Ihr
Arbeitgeber, die Kreiskrankenhäuser Zwiesel und Viechtach im
Bayrischen Wald, hatten eine eigene Service-Firma gegründet, in der
künftig das gesamte Reinigungspersonal arbeiten sollte. Die
Service-Firma verlieh die Putzfrauen wieder an die Krankenhäuser
zurück, wo sie dieselbe Tätigkeit verrichteten wie bislang
auch - allerdings jetzt unter schlechteren Lohnbedingungen.
Dieser Praxis schob das BAG mit seinem Urteil einen Riegel vor. Mit der
Ausgliederung der Reinigungskräfte und der Gründung der
Service-Gesellschaft habe ein sogenannter Betriebsteilübergang
stattgefunden. Nach dem Gesetz dürfen Beschäftigte bei einem
Betriebsübergang nicht gekündigt werden. Der neue
Firmeninhaber übernimmt grundsätzlich alle Rechte und
Pflichten der bestehenden Arbeitsverhältnisse. Erst nach einem Jahr
können Arbeitsverträge zum Nachteil des Arbeitnehmers
geändert werden.
Im verhandelten Fall hatten die Klägerinnen, die zum Teil 36 Jahre
in den Krankenhäusern beschäftigt waren, einen
Aufhebungsvertrag über ihre bisherige Beschäftigung
unterschrieben. Ein neuer Arbeitsvertrag wurde mit der neu
gegründeten Service-Gesellschaft vereinbart. Die
Kreiskrankenhäuser hatten angegeben, dass sie wegen des wachsenden
Kostendrucks zu diesem Schritt gezwungen seien. Ohne die Gründung
der Service-Gesellschaft müssten Fremdfirmen mit der Reinigung
beauftragt werden, so dass die Kläger ganz ihren Arbeitsplatz
verlieren würden.
Die bislang gezahlten Löhne sollten eingefroren werden und so
lange nicht steigen, bis das Niveau der Stundenlöhne im privaten
Gebäudereinigerhandwerk die Lohnhöhe in der Service-Firma
erreicht haben würde. Dagegen klagten die Reinigungskräfte.
Das BAG entschied in seinem Urteil, dass die Aufhebungsverträge
unwirksam seien. Damit muss die Service-Gesellschaft die
ursprünglichen Arbeitsverträge übernehmen.
(Quelle: epd)
Ganztagsschule gibt wegen fehlender Erzieher auf
Sa.24.05.08 - Als erste Ganztagsschule Berlins will die Grundschule Hollerbusch in
Marzahn wieder zur Vormittagsschule zurückkehren. Sie bekomme nicht
genügend Erzieher zugewiesen, um ihr Schulprogramm umzusetzen, gab
die Schule zur Begründung an. Die Schulkonferenz habe entschieden,
dass man zur Vormittagsschule zurückkehren werde, sagte Ute Brach,
stellvertretende Vorsitzende der Gesamtelternvertretung, der
«Berliner Zeitung» (Freitagausgabe). Bei der
zuständigen Stadträtin werde ein Antrag auf Aufhebung der
gebundenen Ganztagsschule gestellt.
Wie 5 andere der 64 Berliner Ganztagsschulen hatte die
Hollerbusch-Schule laut Zeitung bereits im vergangenen Jahr
angekündigt, zurück zur offenen Ganztagsschule zu wechseln,
falls sich die Ausstattung nicht verbessern sollte. «Wir
bräuchten zwei Erzieher mehr, um unser Schulprogramm so umzusetzen,
wie es vor fünf Jahren beantragt wurde», sagte Brach dem
Blatt. «Die Eltern haben sich dafür entschieden, dass sie
lieber mehr Qualität möchten und dafür die Hortbetreuung
am Nachmittag wieder aus eigener Tasche bezahlen», betonte die
Elternvertreterin. Für die Hortbetreuung gilt ein anderer
Personalschlüssel, so dass die Schule für die Kinder, die
künftig noch nachmittags betreut werden, prozentual mehr Erzieher
bekommt.
(Quelle: ddp)
Gerichte erhalten mehr Kompetenzen bei Kinderschutz
Sa.24.05.08 - Gerichtliche Maßnahmen zum Schutz von Kindern werden in Zukunft
schneller getroffen werden können.
Der Bundesrat verabschiedete am Freitag in Berlin ein Gesetz, nach dem
Familiengerichte früher als bislang eingeschaltet werden
können, wenn ein Kind gefährdet ist.
Zudem müssen die Richter innerhalb eines Monates eine Entscheidung
fällen, wenn eine staatliche Betreuungseinrichtung wie etwa ein
Jugendamt eine Gefährdung anzeigt. Vorgesehen ist auch, dass die
Richter Eltern vorladen oder beispielsweise zu einem
Anti-Gewalttraining verpflichten können. Die Debatte um einen
verbesserten Schutz von Kindern war entstanden durch mehrere
Todesfälle von Kleinkindern, die von ihren Eltern misshandelt
worden waren.
(Quelle: rtr)
Spam: Beschwerde bei der Bundesnetzagentur hilft
Sa.24.05.08 - Nervende Telefonanrufe mit dem Versprechen fabelhafter Gewinne,
unverlangte Faxe und Werbung per SMS oder E-Mail: Eine Beschwerde bei
der Bundesnetzagentur kann helfen, jedenfalls dann, wenn die als Spam
bezeichneten unverlangten elektronischen Werbesendungen darauf abzielen,
den Empfänger zu Anrufen bei teuren Telefonnummern zu veranlassen.
Spam ist laut Bundesnetzagentur grundsätzlich als unlauterer
Wettbewerb anzusehen und damit illegal, wie der Präsident der
Bundesnetzagentur Matthias Kurth im AP-Gespräch erklärt.
Verfolgt werden können zudem Verstöße gegen die
Bestimmungen des Telekommunikationsgesetzes über sogenannte
Mehrwertdienste, beispielsweise gegen die Verpflichtung, den Preis eines
Anrufes bei der beworbenen Telefonnummer hinreichend deutlich
anzugeben. Um die Bewertung der Inhalte dagegen geht es für die
Bundesnetzagentur nicht.
Um arglose Bürger zu schützen, kann die Bundesnetzagentur
auch nachträglich eingreifen: Rufnummern, mit denen Missbrauch
getrieben wird, können gesperrt werden. Die wahrscheinlich
schärfste Waffe der Behörde aber ist das Verbot, für
ertrickste Leistungen Rechnungen auszustellen und die Gelder über
die Telefonrechnung einzutreiben.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht unter anderem auf ihrer
Internetseite (http://www.bundesnetzagentur.de),
welche Telefonnummern gesperrt wurden und für welche
Zeiträume ein Rechnungslegungs- und Inkassoverbot verhängt
wurde.
Allerdings muss der Bürger sein Teil beitragen, bei einer
Beschwerde zum Beispiel durch präzise Angabe der meist mit 0900
oder 0137 beginnenden Telefonnummer.
(Quelle: ap)
Wissenschaft
Küstengewässer versauern stärker als gedacht
Sa.24.05.08 - Die Ozeanversauerung durch das Treibhausgas Kohlendioxid ist zumindest
vor der Westküste Nordamerikas stärker als bislang angenommen.
Beim jahreszeitlich bedingten Auftrieb von Tiefenwasser in der Region
dringe versauertes Wasser immer weiter in die Nähe der Küste
vor, berichten Wissenschaftler im Journal «Science». Mit der
Versauerung des Wassers sinkt die Verfügbarkeit von gelöstem
Kalk, den zahlreiche Meeresbewohner wie Korallen oder Muscheln zum
Aufbau ihrer Skelette und Schalen benötigen. Da diese die
Nahrungsgrundlage für viele Fische und andere Meerestiere sind,
befürchten die Wissenschaftler drastische Folgen für das
gesamte Ökosystem.
Seit etwa 250 Jahren ist der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre
durch den Menschen deutlich gestiegen mit der Folge der
Klimaerwärmung. Abgemildert wird diese dadurch, dass ein Teil des
freigesetzten Kohlendioxids von den Ozeanen quasi verschluckt wird. Seit
Beginn der Industrialisierung hätten die Weltmeere rund ein
Drittel der gesamten menschengemachten Kohlendioxid-Emissionen
aufgenommen, berichten die Forscher um Richard Feely vom Pacific Marine
Environmental Laboratory in Seattle (US-Staat Washington).
Bisher ist der pH-Wert, der angibt, wie sauer das Wasser ist, im Meer
im Schnitt um 0,1 Einheiten gesunken. Bis zum Ende des Jahrhunderts
könnte sich der Wert um 0,4 Einheiten verschoben haben,
fürchten Fachleute. Feely und seine Mitarbeiter hatten nun entlang
der Westküste Nordamerikas Wasserproben genommen, von Kanada bis
hinunter nach Mexiko, um die Versauerung in dieser Pazifikregion genauer
zu untersuchen. Dort kommt es regelmäßig im Frühjahr zu
einem Auftrieb der Tiefenwässer in Richtung des Kontinentalschelfs.
Die Forscher zeigten nun, dass in allen untersuchten Regionen das saure
Wasser weiter in Richtung Oberfläche gelangt, und zwar viel
stärker und in weiteren Bereichen als bisher angenommen. Auch
andere Schelfregionen könnten von ähnlichen Veränderungen
betroffen sein, schreiben die Wissenschaftler.
Mangelnde Kenntnis über die Auswirkung der Versauerung beklagt
auch die European Science Foundation. Es gebe tausende kalkbildender
Organismen im Meer und gerade mal sechs bis zehn seien auf mögliche
Folgen untersucht worden. Die Organisation weist zudem auf die
möglichen wirtschaftlichen Folgen anhaltender Ozeanversauerung
hin, etwa für das Fischereiwesen oder die Tourismusindustrie.
Derzeit sei es wesentlich herauszufinden, bis zu welchem Punkt
Veränderungen des pH-Wertes des Meeres noch tolerabel seien.
Bisher geht man von ein pH-Verschiebung von 0,2 Einheiten aus ein
Wert, der in 30 Jahren bereits erreicht sein könnte.
(Quelle: dpa)
Leben weit unter dem Meeresboden entdeckt
Sa.24.05.08 - Selbst in einer Tiefe von 1,6 Kilometern unter dem Meeresboden gibt es
Leben in großer Vielfalt. Dort existieren Bakterien unter schier
unwirtlichen Bedingungen bei Temperaturen von bis zu 100 Grad Celsius in
Millionen Jahre alten Sedimenten.
Sie stecken damit tiefer im Meeresboden als jede andere zuvor entdeckte
Population. Das berichten Wissenschaftler nach der Analyse von
Bohrkernen aus dem Nordatlantik im Journal «Science» (Bd.
320, S. 1046). Bislang hätten Forscher Mikroorganismen nur in bis
zu 842 Meter tiefen Sedimenten entdeckt. Die Bakterien ernähren
sich unter anderem von Erdgas (Methan), das in den Sedimenten reichlich
vorhanden ist.
Erwan Roussel von der Université de Bretagne Occidentale
(Plouzané/Frankreich) und seine Mitarbeiter hatten neun Bohrkerne
von 860 Metern bis 1626 Metern Tiefe unter dem Meeresboden analysiert.
Das Alter dieser Sedimente reicht von 46 bis 111 Millionen Jahren, die
Temperaturen des tiefsten Abschnitts betragen Berechnungen der
Wissenschaftler zufolge 60 bis 100 Grad Celsius.
In den Bohrkernen fanden die Wissenschaftler zahlreiche sogenannte
Prokaryoten, Organismen ohne Zellkern, zu denen vor allem Bakterien
zählen. Untersuchungen belegten, dass zumindest ein Teil dieser
Zellen lebte. Sie teilten sich und hatten einen Stoffwechsel. Eine
anschließende genetische Analyse ergab, dass einige der
Prokaryonten zu den Archaebakterien gehören, die von vielen
Forschern als Relikte aus der Urzeit des Lebens angesehen werden. Sie
leben oft unter extremen Bedingungen, etwa bei hohen Temperaturen oder
in besonders saurer Umgebung - unter anderem an brodelnden
Schlammlöchern und kochenden Schwefelquellen.
Insgesamt schätzen Experten, dass zwei Drittel aller Prokaryoten
der Erde in den unterseeischen Sedimenten vorkommen wie die
aktuelle Untersuchung zeigt sogar in Tiefen von mehr als einem Kilometer.
(Quelle: dpa)