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Irak 1524 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Botschafter sieht Al Kaida im Irak kurz vor der Niederlage.
US-Bericht: Milliarden Dollar im Irak falsch abgerechnet
So.25.05.08 - Die Terrororganisation Al Kaida im Irak ist nach Worten des
US-Botschafters in Bagdad, Ryan Crocker, nahezu besiegt. Die Offensiven
der irakischen und amerikanischen Streitkräfte sowie die
Unterstützung durch sunnitische Stammesführer habe dies
möglich gemacht, sagte Crocker am Samstag beim Besuch von
Wiederaufbauprojekten in Nadschaf. «Sie werden mich nicht sagen
hören, dass Al Kaida besiegt ist, aber sie waren nie so kurz davor
wie jetzt, besiegt zu werden», sagte Crocker.
Crocker lobte den irakischen Regierungschef ausdrücklich für
die jüngsten Militäroffensiven in der nordirakischen Stadt
Mossul und der Hafenstadt Basra im Süden des Landes. Die Zahl der
Angriffe im Irak ging inzwischen nach US-Militärangaben auf 41 pro
Tag zurück - der niedrigste Wert seit 2004. Die zunehmend
erfolgreiche Bekämpfung der Terroristen der Al Kaida schreiben
Beobachter indes vor allem den mit den USA verbündeten
sunnitischen Stämmen zu.
Im Stadtteil Sumer in Mossul wurden unterdessen vier irakische Soldaten
von einer am Straßenrand platzierten Bombe getötet, wie die
Polizei mitteilte. In Bagdad kamen nach Behördenangaben drei
Anhänger einer führenden sunnitischen Partei bei einer
Bombenexplosion nach einer Versammlung ums Leben. In der Nähe von
Bakuba wurde ein mit den US-Streitkräften zusammenarbeitender
Sunnit erschossen.
Im Irak-Einsatz der USA sind nach einer Untersuchung der
Finanzinspektion fast mehrere Milliarden Dollar nicht korrekt
abgerechnet worden. Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin
Hillary Clinton zeigte sich "schockiert" über Berichte aus dem
Haushaltsausschuss des Kongresses, nach denen im großen Stile
Militärausgaben getätigt wurden, für die es keine Belege
gibt. Diese Untersuchungen müssten wie ein "Weckruf" für den
amtierenden Präsidenten George W. Bush wirken, dass
Milliardenbeträge aus den Steuereinnahmen in den USA "nicht
auffindbar und vermutlich vergeudet" seien, erklärte Clinton.
Die Finanzaufsicht des Pentagons stellte bei einer
Überprüfung von Ausgabeposten in Höhe von 8,2 Milliarden
Dollar fest, dass für 7,7 Milliarden Dollar keine angemessenen
Verwendungsnachweise vorlagen. Die bestehenden haushaltrechtlichen
Regelungen seien in großem Stil missachtet worden, sagte die
Vize-Generalinspekteurin Mary Ugone im zuständigen
Kongress-Ausschuss. In einem Bericht der Generalinspektion vom November
2007 waren bereits Fehlbeträge von fünf Milliarden Dollar
aufgelistet worden, die als Aufwendungen zur Unterstützung der
irakischen Sicherheitskräfte deklariert wurden. Laut Ugone
wickelte das Pentagon seit dem Beginn des Irak-Einsatzes Ausgaben in
einer Gesamthöhe von 492 Milliarden Dollar ab.
boa (Quellen: ap, afp)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 25.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Keine Anklage gegen US-Soldaten nach Tod von 19 Afghanen
So.25.05.08 - Die US-Streitkräfte werden keine Anklage gegen Soldaten erheben,
die vor einem Jahr in Afghanistan 19 Zivilpersonen getötet haben.
Die afghanischen Behörden reagierten am Samstag verärgert und
erklärten, sie rechneten mit Protesten in der Provinz Nangarhar,
sobald die Menschen dort von der Entscheidung erführen.
«Ich bin sehr wütend», sagte Senator Kubra Aman aus
Nangarhar. «Das ist zu viel. Sie töten Menschen. Erst sagen
sie, es war ein Fehler und danach lassen sie sie ohne Anklage
gehen.» Afghanische Augenzeugen und eine afghanischen
Menschenrechtsorganisation erklärten, die amerikanischen
Marineinfanteristen hätten im März 2007 willkürlich um
sich geschossen, nachdem ihr Konvoi Ziel eines Selbstmordanschlags
geworden sei. 19 Menschen kamen ums Leben, weitere 50 wurden verletzt.
Die US-Streitkräfte teilten am Freitag mit, es werde keine Anklage
gegen zwei verantwortliche Kommandeure erhoben. Die Marineinfanteristen
hätten angemessen reagiert und nicht gegen Regeln für den
Kampfeinsatz verstoßen. Der Leiter des Provinzrats in Nangarhar,
Fasel Hadi Muslimjar, bezeichnete die Entscheidung als illegal. Er und
Aman sagten, sie rechneten mit Protesten in der Bevölkerung.
(Quelle: ap)
Hilfsorganisationen beraten über neuen Ansatz in Afghanistan
So.25.05.08 - Rund 40 humanitäre Organisationen haben in Paris über
künftige Hilfen und einen neuen Entwicklungsansatz für
Afghanistan beraten. Der französische Außenminister Bernard
Kouchner forderte auf der eintägigen Versammlung, die Afghanen
selbst müssten eine größere Rolle bei der Entwicklung
ihres Landes spielen. "Die internationale Hilfe hat noch nicht
vollständig Früchte getragen", sagte Kouchner. "Wir
müssen unsere Instrumente und unsere Herangehensweise
überprüfen." Hauptziel sei eine "Afghanisierung" der
internationalen Hilfe, um alle Afghanen einzubeziehen.
Kouchner warnte davor, militärische gegen humanitäre Hilfe
auszuspielen. "Afghanistan braucht beides." Die Versammlung soll als
Vorbereitung der am 12. Juni stattfindenden Geberkonferenz in der
französischen Hauptstadt dienen.
Bisher sind laut dem Dachverband der Hilfsorganisationen für
Afghanistan, ACBAR, von den westlichen Staatengemeinschaften seit 2001
erst 15 Milliarden Dollar der zugesagten 25 Milliarden Dollar an Hilfen
nach Afghanistan geflossen. Ein Großteil wird demnach für
Beratungstätigkeiten ausgegeben. Der afghanische Finanzminister
Anwar el Hak Ahadi hofft auf 50 Milliarden Dollar an neuen
Finanzzusagen, um eine fünfjährigen Entwicklungsplan
sicherzustellen. Eines der größten Projekte ist die
Verbesserung der Stromversorgung. Bisher haben erst zehn Prozent der
Afghanen einen Zugang zu Strom.
(Quelle: afp)
Nahost-Konflikt
Laut UN errichtet Israel neue Straßensperren im Westjordanland
So.25.05.08 - Ungeachtet internationalen Drucks hat Israel nach UN-Angaben seit
September über 40 zusätzliche Straßensperren im
Westjordanland errichtet. Insgesamt gebe es jetzt 607
Straßensperren im palästinensischen Gebiet nach 566 vor acht
Monaten.
Das teilte die UN-Organisation zur Koordinierung humanitärer
Angelegenheiten (OCHA) in Jerusalem mit. Der israelische
Regierungssprecher Mark Regev wollte den Bericht am Samstag nicht
bestätigen. Israel sei bemüht, die Bewegungsfreiheit der
Palästinenser zu verbessern. Die Regierung könne allerdings
real existierende Sicherheitsbedrohungen nicht ignorieren, betonte er.
Die Armee wollte sich zum Thema nicht äußern.
Nach UN-Angaben hat Israel seit September 103 Straßensperren
abgebaut, in derselben Zeit jedoch 144 neue errichtet. Die
Straßensperren und Kontrollposten, die Israel nach Beginn des
zweiten Palästinenseraufstandes (Intifada) im September 2000
eingerichtet hat, schränken die Bewegungsfreiheit von Menschen und
Waren erheblich ein. Ende März hatte Israel auf Druck der USA den
Abbau von insgesamt rund 50 Straßensperren und Kontrollposten
angekündigt. Der französische Außenminister Bernard
Kouchner hatte am Freitag bei einer internationalen Investorenkonferenz
in Bethlehem gesagt, Israel könne mehr tun, um die
Bewegungsfreiheit der Palästinenser zu verbessern, ohne die eigene
Sicherheit zu gefährden.
Die radikal-islamische Hamas hat unterdessen Kouchner zu einem Besuch
im Gazastreifen eingeladen. Die Hamas begrüße die aktive
Rolle Frankreichs, um die Spaltungen innerhalb der Palästinenser
zu beenden, sagte ein Sprecher der Hamas-kontrollierten Regierung in
Gaza. Kouchner hatte Anfang der Woche informelle Kontakte zur
Palästinenserorganisation bestätigt. Die US-Regierung
kritisierte daraufhin diese Kontakte als «unklug und
unangemessen». Die USA und die EU führen die Hamas, die seit
fast einem Jahr den Gazastreifen kontrolliert, auf der Liste
terroristischer Organisationen.
(Quelle: dpa)
Tausende fordern in Südafrika Ende fremdenfeindlicher Gewalt
So.25.05.08 - Tausende Menschen haben am Samstag im südafrikanischen
Johannesburg gegen die fremdenfeindlichen Ausschreitungen der
vergangenen Tage demonstriert.
Auf Plakaten verglichen sie die Gewalt mit der Rassentrennung der
Apartheid-Zeit und forderten ein Ende der Übergriffe. Organisiert
wurde die Demonstration im Geschäftszentrum Johannesburgs von
kirchlichen Organisationen und Gewerkschaften.
Bei der seit knapp zwei Wochen andauernden Hetzjagd auf Einwanderer
etwa aus Simbabwe und Mosambik sind nach offiziellen Angaben mindestens
42 Menschen getötet worden, mehr als 25.000 haben in
Notunterkünften Schutz gesucht. Viele Südafrikaner werfen den
Immigranten vor, ihnen die Arbeit wegzunehmen und für den Anstieg
der Kriminalität verantwortlich zu sein. Die Regierung ist wegen
ihrer schleppenden Reaktion auf die Unruhen - die schwersten seit dem
Ende der Apartheid vor 14 Jahren - in die Kritik geraten. Zudem werfen
ihr Beobachter Versagen bei der Bekämpfung der Armut vor, die als
Nährboden für die Gewalt gilt.
Die Elendsviertel um Johannesburg, in denen die Ausschreitungen
begonnen hatten, waren am Samstag nach Polizeiangaben ruhig. In der
Touristenhochburg Kapstadt behielten die Sicherheitskräfte mehrere
Brennpunkte der Übergriffe vom Freitag im Blick. Diese hatten bis
in die Nacht angedauert. Das größte dortige Elendsviertel
Khayelitsha verließen den Behörden zufolge die meisten
Ausländer freiwillig oder unter Polizeischutz.
(Quelle: rtr)
Chinas Regierung befürchtet mehr als 80.000 Tote durch Erdbeben
So.25.05.08 - Knapp zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Chinas
befürchtet die Regierung mehr als 80.000 Tote.
Dies sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Samstag bei einem
gemeinsamen Besuch im Katastrophengebiet mit UN-Generalsekretär Ban
Ki Moon. Bislang seien mehr als 60.000 Tote gezählt worden, teilte
Wen mit. Zuletzt waren die Behörden von mindestens 55.000 Opfern
ausgegangen, fast 25.000 Menschen wurden noch vermisst.
Ban lobte die chinesische Regierung für ihr schnelles Handeln nach
dem Beben vom 12. Mai, das eine Stärke von 7,9 hatte. UN-Diplomaten
zufolge wollte Ban mit seinem Besuch im Katastrophengebiet ein Zeichen
setzen und seine Anerkennung für die vorbildliche Reaktion der
Behörden zum Ausdruck bringen.
Der UN-Chef hatte zuvor Birma besucht, wo Anfang Mai der Zyklon
"Nargis" wütete. Offiziellen Zahlen zufolge wurden dort durch den
Wirbelsturm und die anschließenden Überschwemmungen knapp
134.000 Menschen getötet oder werden noch immer vermisst. Birmas
Militärregierung war wiederholt für ihre restriktive Haltung
gegenüber ausländischen Hilfsgütern kritisiert worden.
Nach Gesprächen mit Ban willigte die Junta schließlich ein,
internationale Helfer für die mehr als 2,4 Millionen
Bedürftigen ins Land zu lassen.
(Quelle: rtr)
G-8 beginnen in Japan Ministertreffen zum Klimaschutz
So.25.05.08 - Mit Beratungen über den Artenschutz haben die Umweltminister der
G-8-Staaten und wichtiger Schwellenländer im japanischen Kobe ein
dreitägiges Treffen zur Klimapolitik begonnen.
Im Zentrum der Auftaktsitzung am Samstag stand die
Überprüfung der Fortschritte beim 2002 vereinbarten UN-Ziel,
das Artensterben bis in zwei Jahren merklich zu bremsen. Die meisten
Experten halten die bisherigen Maßnahmen dazu für
unzureichend.
Hauptthema des dreitägigen Ministertreffens in Kobe ist die
Senkung des Ausstoßes an Treibhausgasen, die für die
Erderwärmung verantwortlich gemacht werden. Die Industriestaaten
hatten vergangenes Jahr beim G-8-Gipfel in Heiligendamm vereinbart, das
Ziel einer Halbierung dieser Emissionen bis zum 2050 ernsthaft zu
prüfen. Das jetzige Treffen soll die Gespräche über
langfristige Senkungsziele beim kommenden Gipfel im Juli vorbereiten.
Schwellenländer wie China und Indien sperren sich jedoch gegen
globale Vorgaben und verlangen, dass vor allem die USA ihr
Treibhausgas-Aufkommen selbst stärker drosseln sollen. Zudem
verlangen sie Finanzhilfen bei der Einführung umweltschonender
Technologien.
"Wir müssen die Botschaft vermitteln, dass wir den
Schwellenländern mit Finanzmechanismen und technologischer
Zusammenarbeit das Handeln erleichtern wollen", sagte der japanische
Umweltminister Ichiro Kamoshita vor Beginn der Beratungen. Zugleich
müssten die G-8 deutlich machen, dass sie entschlossen vorgehen
wollten. Zu den G-8 gehören die USA, Großbritannien,
Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, Kanada und Russland.
(Quelle: rtr)
Zwölf Staaten Südamerikas gründen Regionalunion nach
EU-Vorbild
So.25.05.08 - Zwölf südamerikanische Länder haben sich am Freitag zu
einer neuen Regionalgemeinschaft nach dem Vorbild der Europäischen
Union zusammengeschlossen.
Die Staatschefs unterzeichneten in Brasilien den Vertrag über die
Union Südamerikanischer Staaten (Unasur), die zu stärkerer
wirtschaftlicher Integration und politischer Zusammenarbeit führen
soll. Vereinbart wurden unter anderem eine unter den Mitgliedern
rotierende Präsidentschaft, regelmäßige
Außenministertreffen und die Schaffung eines Parlaments mit Sitz
in Bolivien. Allerdings bleiben die Beschlüsse hinter dem
ursprünglichen Plan einer Wirtschafts- und Sicherheitskooperation
zurück, in der sowohl der Wirtschaftsverbund Mercosur als auch die
Andengemeinschaft aufgehen sollten.
Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva bezeichnete
die Gründung der Unasur als Zeichen, dass Südamerika auf der
internationalen Bühne an Gewicht gewinne. Seine chilenische
Kollegin Michelle Bachelet sagte, der Zusammenschluss bedeute, dass die
Mitgliedsländer nun mit einer Stimme auftreten könnten.
Allerdings wurde die Gründung der Union von zahlreichen
Schwierigkeiten begleitet. So lehnte Kolumbien die
Gründungspräsidentschaft wegen seiner Spannungen mit Venezuela
und Ecuador ab. Außerdem wandte es sich gegen den Vorschlag zur
Schaffung eines regionalen Verteidigungsrats. Dazu wollen die anderen
elf Staaten nun binnen drei Monaten einen überarbeiteten Vorschlag
präsentieren. Der ecuadorianische Ex-Präsident Rodrigo Borja
lehnte den Posten des Unasur-Generalsekretärs ab, weil er ihn als
nicht mit genug Entscheidungsbefugnissen ausgestattet betrachtete.
(Quelle: rtr)
Französische Großbank Societe Generale: Managementfehler
führten zu Katastrophe
So.25.05.08 - Für die Milliarden-Spekulationsverluste bei der
Société Générale (SG) sind nach einer
internen Prüfung der Bank «schwere Managementfehler»
der direkten Vorgesetzten des Aktienhändlers Jérôme
Kerviel verantwortlich.
Die beiden Manager hätten ihre Aufsicht vernachlässigt,
heißt es in einem am Freitagabend in Paris veröffentlichten
Bericht. Kerviel habe zudem bei der Manipulation des Computersystems der
Bank mehrfach Hilfe von seinem Assistenten bekommen. Das Ergebnis der
Prüfung mache Gruppenklagen in den USA wahrscheinlicher.
Kerviel hatte mit Spekulationen auf Aktienindizes in unerlaubtem
Ausmaße der Bank einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro
eingebracht. Der Aktienhändler wurde deswegen entlassen und soll
sich vor der Justiz verantworten. Als Konsequenz der Prüfung sollen
jetzt auch sein direkter Vorgesetzter Eric Cordelle und sein
Abteilungsleiter Martial Rouyère entlassen werden, berichten
französische Medien. Allerdings müssten die beiden ebensowenig
ein Strafverfahren fürchten wie andere Manager der Pariser
Großbank. Nur Kerviels Assistent könne ins Visier der Justiz
geraten.
Kerviel wird von der Bank, die mehrfach aus Deutschland auf
mögliche Unregelmäßigkeiten hingewiesen worden war, als
Einzeltäter bezeichnet. Der Prüfbericht kommt zu dem Schluss,
dass höhere Manager nicht belastet würden. SG-Chef Daniel
Bouton hatte wegen des Skandals aber die operative Leitung abgeben
müssen und ist jetzt Oberaufseher der Bank. Zwei höhere
Manager, darunter der Leiter der Derivateabteilung, hatten den Konzern
ganz verlassen. Die Hauptversammlung der Bank ist für Dienstag
vorgesehen.
(Quelle: dpa)
Großinvestor Buffett stimmt in Köhler-Kritik an Finanzsektor
ein
So.25.05.08 - Der US-Multimilliardär und Großinvestor Warren Buffett hat
in die scharfe Kritik von Bundespräsident Horst Köhler an der
Finanzindustrie eingestimmt.
In einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview des Magazins
"Der Spiegel" kritisierte er den Derivatehandel, den er schon
früher mit "Massenvernichtungswaffen" verglichen hatte. "Es kann
doch nicht sein, dass Hunderttausende Jobs vernichtet werden, dass ganze
Industriezweige in der Realwirtschaft aufgrund von Finanzwetten
zugrunde gehen, obwohl sie eigentlich kerngesund sind", klagte er.
Wirksame Kontrollmöglichkeiten für diese Finanzinstrumente
sieht er kaum. "Das ist das Problem: Sie können so etwas nicht
steuern, nicht mehr regulieren."
"Das hat sich verselbständigt. Den Geist bekommt man nicht
zurück in die Flasche", folgerte der angeblich reichste Mann der
Welt. Obwohl die US-Notenbank Fed, die US-Regierung einiges getan
hätten, die heftigen Ausschläge an den Märkten zu
verhindern, sei ihnen das nicht gelungen. Hart griff Buffett die
Bankmanager an, deren Häuser am heftigsten unter der aktuellen
Krise leiden. "Sie brauten ein Giftgetränk und mussten es am Ende
selbst trinken", sagte Buffett. "So etwas machen die Banker
normalerweise ungern, sie verkaufen es lieber an andere", fügte er
sarkastisch hinzu.
Bundespräsident Köhler hatte jüngst beklagt, dass das
Weltfinanzsystem offenbar außer Kontrolle geraten sei. Die
Finanzmärkte hätten sich zu einem "Monster" entwickelt,
lautete der Befund des Ex-Chefs der Internationalen Währungsfonds.
Die Aussichten für die US-Konjunktur beurteilte Buffett erheblich
negativer als viele andere Wirtschaftsexperten. "Ich glaube schon, dass
wir uns bereits in einer Rezession befinden", sagte er. Das gelte
vielleicht nicht nach der streng ökonomischen Definition, aber von
den Fakten her. Die Menschen in den USA spürten die Rezession
bereits. "Sie wird tiefer gehen und länger dauern als viele
denken", sagte er voraus.
Für ihn selbst als Investor gelte aber, dass er seine Engagements
in Firmen unabhängig von solchen aktuellen Entwicklungen eingehe.
"Selbst wenn die Welt zugrunde ginge, würde ich noch Firmen
kaufen", sagte er. Derzeit seien die Aussichten für Investoren auf
dem Versicherungsmarkt, auf dem er sehr aktiv war, schlecht. Die
Finanzindustrie insgesamt bewerte er trotz Krise anders. "Dort ist die
Party nie vorbei". Buffett wiederholte sein Interesse an Beteiligungen
an gut geführten großen Familienunternehmen in Deutschland.
(Quelle: rtr)
Bewegung in der deutschen Bankenlandschaft
So.25.05.08 - Die Finanzmarktkrise treibt die Debatte über eine Neuordnung der
Bankenlandschaft in Deutschland voran. Seit Monaten wird immer offener
über mögliche Zusammenschlüsse spekuliert.
Sei es bei den Landesbanken, über die Sektoren hinaus wie im Fall
der kriselnden Mittelstandsbank IKB oder verstärkt auch unter den
privaten Banken: Postbank, Dresdner Bank und Citibank gelten als
Übernahmekandidaten - eine führende Rolle bei der Neuordnung
wollen Deutsche Bank, Commerzbank und die Dresdner-Bank-Mutter Allianz
spielen. Wer den Milliardenpoker gewinnen wird, ist noch offen.
Branchenkenner mahnen, die Krise als Chance zu nutzen, den deutschen
Bankenmarkt gegen die stärker werdende ausländische Konkurrenz
endlich neu aufzustellen.
«Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre es sinnvoll, in
Deutschland als größte Volkswirtschaft Europas eine
große Bank für Privatkunden und das Geschäft im Inland
zu haben», sagt Analyst Dieter Hein vom unabhängigen
Analysehaus fairesearch. Kaum ein Bankenmarkt in Europa ist so
zersplittert wie der deutsche, zudem gilt das starre
Drei-Säulen-System aus privaten Banken, öffentlich-rechtlichen
Instituten und Genossenschaftsbanken als hemmend. Das Problem laut
Hein: «Jeder möchte gerne fusionieren, aber keiner
möchte übernommen werden.»
Auch in der aktuellen Diskussion will keiner auf die Führungsrolle
verzichten - zumindest nicht öffentlich: «Wir wollen bei
einer Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft im Interesse unserer
Aktionäre eine aktive Rolle spielen», gab der scheidende
Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller seinem Nachfolger Martin
Blessing mit auf den Weg. Vorsorglich stockte die deutsche Nummer Zwei
ihre Kasse für Übernahmen auf: Die Aktionäre billigten
Kapitalmaßnahmen, die sich rechnerisch auf maximal gut elf
Milliarden Euro belaufen können. Auch Postbank-Chef Wolfgang Klein
will mit seinem umworbenen Institut «eine selbstbewusste Rolle in
der Konsolidierung» spielen.
Angeheizt hatte die Fusions-Spekulationen Allianz-Chef Michael Diekmann
bei der Hauptversammlung vor wenigen Tagen. «Derzeit finden
Gespräche statt, die aber noch nicht das Stadium erreicht haben,
dass ich heute darüber berichten könnte», sagte er. Mit
einem Kauf der Postbank könnte der Konzern die Dresdner
stärken und sich eine weitere Absatzplattform für seine
Versicherungspolicen verschaffen.
So mancher Allianz-Aktionär würde indes nach den
durchwachsenen Erfahrungen mit der Dresdner lieber heute als morgen
Abschied von dem Frankfurter Geldhaus nehmen. Über Jahre verhagelte
die 2001 für rund 23 Milliarden Euro übernommene Bank mit
teils hohen Verlusten die Allianz-Bilanz, in der Finanzkrise rutschte
die Bank in drei Quartalen hintereinander in die roten Zahlen.
Aktionärsschützer warnen, eine milliardenschwere
Postbank-Übernahme könnte in dieser Lage zu einem riskanten
Abenteuer werden: «Die Frage ist: Bringe ich etwas dadurch in
Ordnung, dass ich mir noch etwas dazukaufe», sagt Daniela Bergdolt
von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (SdK).
«Einmal die Finger verbrannt reicht doch.»
Das Privatkundengeschäft gilt als eines der wenigen Felder, die in
Deutschland noch Wachstumspotenzial bergen. Kein Wunder also, dass die
Postbank (14,5 Millionen Kunden) umworben wird und die Großen der
Branche auch ein Auge auf die Citibank (3,25 Mio Kunden) werfen. Doch es
gibt Zweifel, dass es rasche Lösungen gibt: Die Deutsche Post als
Postbank-Mehrheitseigentümerin hält sich zum Verkauf ihrer
Tochter bedeckt. Unterdessen gab es am Freitag Spekulationen, dass das
Ratenkreditgeschäft der Citibank mit dem der Deutsche-Bank-Tochter
norisbank zusammengefasst werden könnte.
Branchenkenner wie Analyst Hein halten das diskutierte
Dreierbündnis aus Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank für
schwer umsetzbar: Mitte 2000 verhandelten Dresdner und Commerzbank
bereits erfolglos über eine Fusion, «weil die Interessen zu
unterschiedlich waren», wie Hein sagt. Nun mit der Postbank einen
dritten Partner ins Boot zu holen, mache die Sache nicht einfacher. Das
Dreierbündnis wäre sowohl gemessen an der Bilanzsumme als auch
nach Börsenwert die Nummer zwei im deutschen Markt nach der
Deutschen Bank.
Gewerkschafter warnen schon vorsorglich vor dem Verlust tausender Jobs:
Ver.di spricht von 15 000 bis 20 000 Arbeitsplätzen - also etwa
jeder fünfte der insgesamt knapp 84 000 Mitarbeiter von
Commerzbank, Dresdner und Postbank. «Das wäre der
beschäftigungspolitische GAU», warnt ver.di-Bankenexperte Uwe
Foullong. Der Präsident der Frankfurt School of Finance &
Management, Udo Steffens, mahnt: «Es bietet sich jetzt die Chance,
die deutschen Großbanken wieder nachhaltig ins internationale
Rennen zu schicken. Ich appelliere, sie zu nutzen.»
(Quelle: dpa)
EU-Kommissar Verheugen nennt Ölpreisentwicklung besorgniserregend
So.25.05.08 - EU-Kommissar Günter Verheugen hat die Entwicklung der
Ölpreise als besorgniserregend bezeichnet. Die steigenden Preise
trieben die Inflation innerhalb der EU in die Höhe und entwickelten
sich zur Wachstumsbremse, sagte Verheugen der in Hannover erscheinenden
«Neuen Presse». Er sei aber gegen jedes Eingreifen. Eine
«Senkung der Energiesteuern wäre ohnehin
kontraproduktiv», erklärte der SPD-Politiker. Seine Hoffnung
sei, dass die EU angesichts der hohen Kraftstoffpreise schnell mit ihrer
Strategie zur nachhaltigen und energieeffizienten Ressourcennutzung
weiterkomme.
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erwartet vorerst keinen
Rückgang der Rekordpreise bei Öl und Benzin. Schuld an der
Preisexplosion seien die Mineralölkonzerne, sagte der SPD-Politiker
der «Märkischen Allgemeinen». «Wir werden unsere
Anstrengungen intensivieren, unsere Abhängigkeit vom Öl zu
senken», erklärte er. In etwa drei bis fünf Jahren
könnten aus Pflanzenresten hergestellte Biokraftstoffe der zweiten
Generation zur Verfügung stehen.
Trotz leicht zurückgehender Preise bleibt Sprit in Deutschland
teuer: Nach Angaben des ADAC vom Freitag wurden für einen Liter
Superbenzin im Schnitt etwa 1,50 Euro fällig, für Diesel 1,49
Euro. Der Preis für Heizöl liegt ebenfalls auf Rekordniveau,
für 100 Liter wurden im Schnitt 94 Euro fällig.
(Quelle: ap)
Kanzlerin Merkel - Klimaschutzpaket nicht gefährdet
So.25.05.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist dem Eindruck entgegengetreten, die
Regierung müsse wegen Differenzen zwischen den Ministerien ihr
zentrales Vorhaben eines zweiten Klimaschutzpakets fallenlassen.
"Natürlich wird die Bundesregierung ihr Klimapaket weiter
verabschieden", sagte Merkel auf dem Parteitag der sächsischen CDU
in Zwickau. "Wir gehen auf keinen Fall von dem Pfad ab." Merkels
Sprecher Ulrich Wilhelm ergänzte, bei allen Ressorts bestehe der
feste Willen, sich in strittigen Fragen zu verständigen und das
Vorhaben in vier Wochen zu verabschieden. Ob das auch für die
Umstellung auf eine schadstofforientierte Kfz-Steuer gilt, blieb
fraglich. Die CSU-Landesgruppe will nach einem Bericht der "Augsburger
Allgemeinen" beschließen, diesen Reformpunkt ganz streichen.
Die Regierung hatte am Freitag erklärt, die zunächst für
kommende Woche geplante Verabschiedung des Klimaschutzpakets sei auf
den 18. Juni verschoben worden. Begründet wurde das mit
Diskussionsbedarf zwischen den Ministerien. Zudem hatten das Finanz-
und das Wirtschaftsministerium grundlegende Differenzen darüber
eingestanden, wie bei einer Umstellung der Kfz-Steuer von der
bisherigen Hubraum- auf eine Schadstofforientierung mit älteren
Fahrzeugen umgegangen werden soll. In einem Vorschlag aus dem
Finanzressorts war von einer höheren Belastung der alten Fahrzeuge
mit hohem CO2-Ausstoß die Rede.
Die Kanzlerin versuchte, Dramatik aus der Diskussion zu nehmen. "Wenn
wir das um drei Wochen verschoben haben, hat das organisatorische
Gründe", sagte Merkel. Sie hob hervor, dass Entwicklungen bei der
Energieeffizienz und in erneuerbaren Energien wichtig und
wirtschaftlich interessant gerade für Deutschland und die
Sicherung der hiesigen Arbeitsplätze seien.
Mehrere Zeitungen hatten berichtet, dass das Vorhaben wegen
unüberbrückbarer Meinungsunterschiede vor dem Aus stehe. Die
"Berliner Zeitung" hatte Regierungskreise mit der Aussage zitiert: "Die
Lage ist völlig verfahren. Derzeit sieht es nicht mehr nach einer
Einigung aus." Die "Welt am Sonntag" berichtete vorab, umstritten seien
neben der Umstellung der Kfz-Steuer auch die Erhöhung der
Lkw-Maut, die unterirdische Verlegung von Kabeln im Zuge des Ausbaus
der Stromnetze und andere Themen. Das Klimaschutzpaket, das im
vergangenen Jahr bei einer Kabinettsklausur in Meseberg verabredet
worden war, umfasst unter anderem neue Vorschriften für die
Wärmedämmung in Häusern, den Ausbau von Stromleitungen
sowie zur Orientierung der Lkw-Maut an Umweltkriterien.
Zum Streit um die Kfz-Steuer sagte Wirtschaftsminister Michael Glos am
Freitagabend in Frankfurt, es gebe eine Vorlage, die die Autofahrer
sehr stark belaste. Man müsse aufpassen, dass zwar auf der einen
Seite der Verkauf von Neuwagen gefördert werde, weil sie
emissionsärmer sind. Andererseits seien aber diejenigen, die sich
kein neues Auto leisten können, auch diejenigen, die oft die
geringste Kaufkraft hätten. "Insofern muss sich der Finanzminister
noch was einfallen lassen", sagte er. Allerdings seien die Differenzen
lösbar, "ganz sicher", unterstrich der CSU-Politiker.
In seiner eigenen Partei wird der Widerstand gegen die Umstellung
angesichts hoher Benzinpreise und der Landtagswahl im Flächenland
Bayern offenbar immer größer. "Die gestiegenen Energiekosten
entwickeln bereits die aus Umweltgründen erwünschte
Lenkungswirkung", sagte der zuständige Berichterstatter der
CSU-Landesgruppe, Georg Nüßlein, der "Augsburger
Allgemeinen". Das Vorhaben sei vorerst erledigt.
Dagegen drängte die Autoindustrie weiter auf die Einführung
einer CO2-orientierten Kfz-Steuer, die ihrem Neuwagengeschäft
Impulse verleihen würde. Verbandspräsident Matthias Wissmann
sagte der "Welt am Sonntag", wolle man die Umstellung aufkommensneutral
gestalten, müssten ältere Autos mit hohem
Schadstoffausstoß höher belastet und solche mit geringerem
Ausstoß entlastet werden. Der Bund für Umwelt und
Naturschutz (BUND) warnte die Regierung, ohne die neue Kfz-Steuer werde
sie ihre mittel- und langfristigen Klimaziele verfehlen.
(Quelle: rtr)
Ton in Präsidentschaftskandidaten-Debatte wird schärfer
So.25.05.08 - Im Parteienstreit um die mögliche Ernennung der
Universitätspräsidentin Gesine Schwan zur
Bundespräsidentenkandidatin der SPD wird der Ton immer
schärfer. Die CDU riet der SPD, sich nicht «zur
Marionette» von Linkspartei und NPD zu machen. Die CSU stellte
den Fortbestand der großen Koalition in Berlin in Frage.
Befürworter einer Kandidatur Schwans schlossen dagegen ein
Regierungsbündnis mit der Linkspartei aus. Auch der SPD-Politiker
Wolfgang Clement warnte seine Partei. vor der Nominierung eines eigenen
Kandidaten.
Die SPD-Spitze will am Montag entscheiden, ob sie einen eigenen
Kandidaten gegen Amtsinhaber Horst Köhler ins Rennen um das
höchste Amt im Staat schickt. Als Favoritin gilt die
65jährige Schwan, die 2004 in der Bundesversammlung gegen
Köhler knapp verlor. SPD-Chef Kurt Beck beharrte am Freitagabend
auf dem verfassungsmäßigen Recht auf einen eigenen
Kandidaten. Dies sei kein Grund für eine Koalitionskrise.
Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte der Sonntagsausgabe des
«Tagesspiegel»: «Wenn die SPD sich ernsthaft
dafür entscheidet, einen Kandidaten gegen Horst Köhler
aufzustellen, macht sie sich zur Marionette der Linkspartei und der
NPD.» Er warf Beck mit Blick auf dessen Absage an eine
Zusammenarbeit mit der Linkspartei auf Bundesebene erneut Wortbruch
vor. Für die Koalition wäre dies eine neue Belastung.
«Ein solches Verhalten wäre im beachtlichen Maße
unfreundlich», sagte Kauder. Er forderte zudem die Grünen
auf, sich in der Kandidatenfrage nicht zum Anhängsel der SPD zu
machen.
CSU-Politiker schlugen einen noch schärferen Ton an. Der
stellvertretende Parteivorsitzende Ingo Friedrich sagte der
«Bild»-Zeitung, die SPD sollte das Sprichwort bedenken:
«Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.» Die
Generalsekretärin der CSU, Christine Haderthauer, sagte der
«Neuen Passauer Presse»: ein Gegenkandidat zu Köhler
sei der erste Schritt zu einem rot-roten Bündnis im Bund.
«Damit wir Beck als Wortbrecher zum Serientäter.»
Die stellvertretende SPD-Parteichefin Andrea Nahles und andere
Spitzenpolitiker schlossen eine Annäherung an die Linken aus,
selbst wenn Schwan in der geheimen Wahl der Bundesversammlung Stimmen
aus deren Reihen erhalten würde. Dies hätte keine
Signalwirkung für die Bundestagswahl. «Die Linke hat, was
Bundestagsmehrheiten angeht, aus meiner Sicht nichts zu
erwarten», sagte Nahles im Deutschlandradio Kultur. Die Linke
habe kein Programm, steht «nicht mit beiden Beinen in der
EU» und sei daher «nicht regierungsfähig». Ihr
Chef Oskar Lafontaine sei ein «Scheinriese».
Auch die Vorsitzende der Jusos, Franziska Drohsel, pochte auf das Recht
der SPD, einen eigenen Kandidaten gegen Köhler aufzustellen. Der
«Welt» sagte sie, es werde Zeit, dass endlich eine Frau das
höchst Staatsamt bekleidet.» Björn Böhning vom
linken SPD-Flügel sagte dem «Bremer Kurier», eine
Zusammenarbeit mit den Linken im Bund könne es 2009 aus
programmatischen Gründen nicht geben.
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement schrieb in der
«Welt am Sonntag»: mit einer eigenen Kandidatin setze die
SPD ein politisches Signal für ein rot-rot-grünes
Bündnis auf der Bundesebene. Derartige Wahlgänge gingen nie
ohne Absprache vonstatten. «Für die SPD wäre das der
Beginn einer Wende - gemeinsam mit PDS-Rot, weg aus der politischen
Mitte.»
(Quelle: ap)
SPD-Vorsitzender Beck verliert bei Umfrage massiv an Zustimmung
So.25.05.08 - SPD-Chef Kurt Beck hat einer aktuellen Umfrage zufolge bei den
Wählern massiv an Zustimmung verloren. Nur noch 19 Prozent der
Deutschen seien mit Becks Arbeit zufrieden, berichtet der "Spiegel"
unter Berufung auf die jüngste Quartalsumfrage des
Meinungsforschungsinstituts TNS Forschung im Auftrag des
Nachrichtenmagazins. Im Januar hatten sich noch fast doppelt so viele
Befragte mit der Arbeit des SPD-Vorsitzenden zufrieden gezeigt.
Auch im eigenen Lager verlor Beck laut der Umfrage an Ansehen:
Während der Mainzer Ministerpräsident zu Jahresbeginn bei der
SPD-Klientel noch auf 62 Prozent Zustimmung kam, sackte er nun auf 36
Prozent ab. Zudem sprachen sich nur noch 30 Prozent der Befragten
dafür aus, dass Beck eine wichtige politische Rolle spielen soll -
das ist laut "Spiegel" der niedrigste Wert, seit der Pfälzer im Mai
2006 den SPD-Vorsitz übernahm. Auf der Beliebtheitsskala rangiert
Beck damit auf dem vorletzten von 20 Plätzen.
Deutlich besser schnitt dagegen Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) ab. Gut die Hälfte aller Wähler und 64
Prozent der SPD-Anhänger bescheinigten dem Vizekanzler in der
Umfrage eine gute Arbeit. Knapp zwei Drittel der Befragten wünschen
Steinmeier zudem künftig eine wichtige politische Rolle.
(Quelle: afp)
Juso-Vorsitzende fordert SPD zu mehr Zusammenarbeit mit Linken auf
So.25.05.08 - Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel hat die SPD zu einer
stärkeren Zusammenarbeit mit der Linken aufgefordert. Die
Sozialdemokraten hätten zwar ihre «ideologische
Scheuklappenpolitik gegenüber der Linkspartei aufgegeben»,
nun müssten aber beide gemeinsam an einem «linken
Projekt» arbeiten, schreibt Drohsel in der Kolumne der Woche der
Nachrichtenagentur ddp. Die soziale Kluft zwischen arm und reich habe
«massiv» zugenommen, dies schaffe neue Voraussetzungen
für eine linke Politik.
«Eigentlich ist das eine ideale Ausgangssituation für die
SPD», betont Drohsel. Nur gelinge es den Sozialdemokraten derzeit
nicht, die Schere zwischen Arm und Reich wieder zu schließen. Dazu
fehle der SPD zum einen der «inhaltliche Mut». «Die
soziale Schere zu schließen, heißt vor allem eines: eine
konsequente Umverteilung von oben nach unten», appelliert
Drohsel. «Konkret würde das bedeuten, nicht mehr moralische
Symboldebatten über Managergehälter zu führen, sondern
mit den Mitteln der Steuerpolitik ein Mindestmaß an Gerechtigkeit
herzustellen.»
Außerdem habe die SPD ein Glaubwürdigkeitsproblem.
«Trotz fast zehn Jahren SPD-Regierungsbeteilung ist die soziale
Polarität gewachsen», kritisiert die Juso-Vorsitzende. Mit
ihrer Reformpolitik habe die SPD «auf der linken Seite» ein
Vakuum hinterlassen. Das habe der Linkspartei geholfen. Mit ihr gebe es
nun die «theoretische Möglichkeit einer Mehrheit links der
Mitte». Für dies Projekt müsse die SPD das Gespräch
mit der Linken suchen, ebenso wie mit den Gewerkschaften, den sozialen
Bewegungen und den Grünen.
(Quelle: ddp)
Linke feiert sich in Cottbus - Lafontaine und Bisky als
Parteivorsitzende wiedergewählt
So.25.05.08 - Knapp ein Jahr nach der Parteigründung feiert sich die Linke als
politische Gestaltungskraft für ganz Deutschland. Auf dem 1.
Parteitag in Cottbus verwiesen am Samstag die Parteivorsitzenden Lothar
Bisky und Oskar Lafontaine auf den Einzug in vier westdeutsche
Landtage, auf weiter anwachsende Mitgliederzahlen sowie auf die
Profilierung als «einzige Antikriegspartei». «Wir
haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln», rief Lafontaine
unter dem Beifall der rund 500 Delegierten.
Mit großer Mehrheit beschloss der Parteitag am Nachmittag ein
50-Milliarden-Euro-Investitionsprogramm, mit dem bis zu eine Million
Arbeitsplätze neu geschaffen werden sollen. Allein 20 Milliarden
sind dabei für die Bildung vorgesehen. Als Gegenfinanzierung setzt
die Linke vor allem auf eine kräftige Steueranhebung und
stärkere Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und
Steuerhinterziehung. So sollen bis zu 120 Milliarden Euro
zusammenkommen.
Scharfe Angriffe richteten Lafontaine und Bisky gegen die schwarz-rote
Bundesregierung und warfen ihr Versagen in sozialen Fragen vor.
«Der Armutsbericht ist ein Armutszeugnis dieser Bundesregierung
und der Vorgängerregierung», betonte Lafontaine. Ungeachtet
einer immer größeren Schere zwischen Arm und Reich
hätten Union und SPD eine jährliche Umverteilung von 22
Milliarden Euro von unten nach oben organisiert.
Neuesten Zahlen zufolge hat die Linke derzeit 73 455 Mitglieder und ist
damit Bisky zufolge die einzige Partei in Deutschland mit einem
Mitgliederzuwachs. Das sei nicht zuletzt Folge der
radikal-pazifistischen sowie sozialen Ausrichtung, sagte Lafontaine. Er
forderte die Genossen auf, mehr politischen Mut zu zeigen: «Lasst
uns die Linke als eine Partei gegen den Zeitgeist verstehen.»
Linksfraktionschef Gregor Gysi sprach sich erneut für eine engere
Zusammenarbeit mit der SPD aus. Voraussetzung sei allerdings, dass die
Sozialdemokraten Abstand nähmen von der Militarisierung der
deutschen Außenpolitik und einer Beteiligung am weiteren
Sozialabbau. «Wenn sich die SPD deutlich bewegt, kann es
natürlich gemeinsame politische Projekte auch auf Bundesebene
geben.» Aber die sehe er gegenwärtig nicht, schränkte
Gysi ein.
Signale für eine vertiefte Kooperation kamen von der
Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel. Sie plädierte in einer
ddp-Kolumne für eine intensivere Zusammenarbeit mit der Linken und
forderte von der SPD eine stärker linksgerichtete Politik. Die
Sozialdemokraten hätten zwar ihre «ideologische
Scheuklappenpolitik gegenüber der Linkspartei aufgegeben»,
nun müssten aber beide gemeinsam an einem «linken
Projekt» arbeiten, appellierte Drohsel.
Schon mit Blick auf die Bundestagswahl 2009 startete die Linke in
Cottbus offiziell ihre Rentenkampagne. Parteivize Klaus Ernst sagte,
bei der Alterssicherung handle die Regierung mit der Duldung anderer
Parteien «gegen die Mehrheit der Bevölkerung». Die
Linke sei die einzige Partei, die gegen die Rentenungerechtigkeit
vorgehe. Gefordert wird eine Angleichung der Ost- an die Westrenten,
eine Rücknahme aller Kürzungsfaktoren sowie die Erhöhung
von Niedrigrenten.
Unter dem Motto «Widerstehen. Sagen, was ist. Die Politik
verändern.» war der 1. Parteitag der Linke am Vormittag
eröffnet worden. Noch am Abend standen Wahlen zur neuen
Führungsspitze an. Die Wiederwahl der bisherigen Doppelspitze aus
Lafontaine und Bisky galt dabei als sicher.
(Quelle: ddp)
FDP-Vorsitzender Westerwelle verlangt Steuerentlastung für
Mittelschicht
So.25.05.08 - Die FDP fordert eine regelmäßige steuerliche Entlastung der
Mittelschicht. «Alle zwei Jahre soll nicht nur das steuerliche
Existenzminimum an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst
werden, sondern auch die Einkommensgrenzen, bei denen der jeweilige
Steuersatz greift», sagte der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle
dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut Vorabbericht. «Es
ist falsch, wenn bei explodierenden Preisen ausschließlich
darüber geredet wird, dass die ´Hartz IV´-Sätze
steigen müssen. Aber niemand denkt daran, was das für das
Leben der Mittelschicht und ganz normaler Familien bedeutet.»
Anzeige
1960 sei der Spitzensteuersatz fällig gewesen, wenn man 17 mal so
viel verdient habe wie das Durchschnittseinkommen, sagte Westerwelle.
Heute zahle man den Spitzensteuersatz bereits, wenn man 1,4 mal so viel
verdiene wie der Durchschnitt. «Dass die Mittelschicht in
Deutschland als reich gilt, ist eine totale Deformation»,
kritisierte Westerwelle. «Die anderen Parteien haben immer nur
ganz oben und ganz unten in der Gesellschaft im Blick. Wir wenden uns an
die Mittelschicht.» Die Mehrheit der Deutschen stehe morgens auf
und packe mit viel Fleiß an, um sich Glück und Wohlstand zu
erarbeiten. In den vergangenen zehn Jahren seien fünf Millionen
Bürger aus der Mitte in die armutsgefährdete Schicht
abgerutscht.
Der FDP-Vorsitzende widersprach der Einschätzung des
Armutsberichts, wonach die Schwelle zur Armut bei 781 Euro liegt.
«781 Euro netto persönlich verfügbares Einkommen ist
wahrlich nicht viel. Aber es ist nicht Armut, wie man sie aus der
deutschen Geschichte kennt», sagte er. Der Betrag entspreche rund
1000 Euro Bruttoeinkommen. «Dass von etwa 1000 Euro so wenig
übrig bleibt - das ist die Gerechtigkeitslücke. Und die hat
diese Regierung selbst geschaffen», sagte Westerwelle. Deshalb
wollte die FDP das steuerfreie Existenzminimum anheben, auch das der
Kinder. "Bei unserem Modell zahlt eine vierköpfige Familie erst ab
rund 40 000 Euro Steuern, sagte er.
(Quelle: ddp)
Telekom soll eigene Manager ausspioniert haben
So.25.05.08 - Die Deutsche Telekom hat dem Nachrichtenmagazin «Der
Spiegel» zufolge mehr als ein Jahr lang Kontakte von Managern und
Aufsichtsräten zu Journalisten ausgespäht.
Unter den Projektnamen «Clipper» und
«Rheingold» sei es um die «Auswertung mehrerer
hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der
wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten
und deren privaten Kontaktpersonen» gegangen, schreibt das
Magazin. Dabei beruft sich «Der Spiegel» auf ein
dreiseitiges, dem Magazin vorliegendes Schreiben einer Berliner
Beratungsfirma an einen Telekom-Juristen.
Die Telekom bestätigte den Bericht am Samstag zumindest in Teilen:
«Bei der Deutschen Telekom ist es nach derzeitigen Erkenntnissen
in 2005 und nach aktuellen Behauptungen auch in 2006 zu Fällen von
missbräuchlicher Nutzung von Verbindungsdaten gekommen»,
teilte das Unternehmen in Bonn mit. Dabei handele es sich allerdings
nicht um die rechtswidrige Nutzung von Gesprächsinhalten.
«Ich bin über die Vorwürfe zutiefst erschüttert.
Wir nehmen den Vorgang sehr ernst», sagte Telekom-Vorstandschef
René Obermann der Mitteilung zufolge. «Wir haben die
Staatsanwaltschaft eingeschaltet und werden sie bei ihren
Bemühungen um eine lückenlose Aufklärung
unterstützen.»
Im Sommer 2007 sei das Unternehmen aufgrund interner Hinweise bereits
einem Einzelfall nachgegangen und habe diesen aufgeklärt.
«Am 28. April 2008 wurden dem Vorstand nun neue, wesentlich
umfangreichere und noch gewichtigere Vorwürfe durch ein Schreiben
eines offenbar an den Vorgängen extern Beteiligten bekannt, der
aus der Konzernabteilung Sicherheit heraus beauftragt worden war.»
Anzeige bei der Staatsanwaltschaft sei auf Anordnung Obermanns am 14.
Mai erstattet worden. Weitere Details wollte die Telekom unter Hinweis
auf die laufende staatsanwaltschaftliche Prüfung nicht mitteilen.
Ein Ermittlungsverfahren gibt es bislang nicht. «Die Deutsche
Telekom hat uns ein etwas größeres Paket mit Unterlagen
zukommen lassen, verbunden mit der Bitte, sie zu prüfen»,
sagte der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Friedrich Apostel.
Diese Prüfung in Hinblick auf eine mögliche strafrechtliche
Relevanz laufe nun.
Der stellvertretende Aufsichtsratschef Lothar Schröder forderte
eine schnelle Aufklärung. «Wir haben ein brennendes
Interesse daran. Und ich habe den Eindruck, dass auch der Vorstand eine
schnelle Aufklärung will», sagte er am Samstag der
Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Schröder sitzt als Vertreter
der Gewerkschaft ver.di im obersten Gremium des Bonner Konzerns.
«Es wäre ein weitreichender Skandal, wenn Manager,
Aufsichtsräte und Journalisten bespitzelt worden
wären», sagte Schröder. «Im Moment fehlt der
Glaube, dass die Vorwürfe sich am Ende als völlig haltlos
erweisen könnten.»
Die Telekom berichtete in ihrer Mitteilung, sie habe bereits 2007
weitreichende personelle und organisatorische Veränderungen in der
Konzernabteilung Sicherheit vorgenommen. «Die Abteilung wurde
komplett umgebaut und mit neuen Kontrollmechanismen personeller und
organisatorischer Art aufgestellt.» Die Telekom hatte die Daten
von einer externen Firma auswerten lassen, die auf IT-Sicherheit
spezialisiert ist. Verantwortlich für die Konzernsicherheit zeigte
sich in der fraglichen Zeit der frühere Personalvorstand Heinz
Klinkhammer. Anfang 2007 hatte Obermann dann zwischenzeitlich die
Verantwortung für den sensiblen Bereich übernommen und
zugleich die Richtlinien verschärft, wie ein Sprecher sagte.
Dem «Spiegel»-Bericht zufolge ist derzeit noch nicht
absehbar, «was von all den Vorwürfen eines derart gewaltigen
Lauschangriffs wirklich den Tatsachen entspricht». Unklar ist
auch, ob die Vorgänge nur in die Amtszeit von Obermanns
Vorgänger Kai-Uwe Ricke fallen. Dieser war Mitte November 2006 von
Obermann abgelöst worden. Dem «Spiegel» zufolge wird
in dem Berliner Fax an die Telekom behauptet, dass auch nach November
2006 noch am Projekt «Clipper» gearbeitet worden sei.
Ricke, sagte dem «Spiegel», der Vorstand habe aktiv gegen
undichte Stellen im Unternehmen vorgehen wollen. In Absprache mit dem
Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Klaus Zumwinkel, sei dann die
Konzernsicherheit «etliche Male mit entsprechenden Untersuchungen
beauftragt» worden. So seien Vorstandsvorlagen mit individuellen
geheimen Kürzeln versehen worden, um Informanten zu enttarnen.
Bisweilen seien vor Vorstandssitzungen auch gezielt Dokumente mit
falschen Informationen verteilt worden, um so feststellen zu
können «welche Informationen bei welchen Presseorganen
ankommen».
Mit welchen Methoden die aus mehreren hundert Mitarbeitern bestehende
Abteilung vorgegangen sei, habe er aber nicht gewusst, wird Ricke
weiter zitiert: «Ich habe niemals illegale Aufträge erteilt
und erst recht zu keinem Zeitpunkt angeordnet, Telefonverbindungsdaten
auszuspähen.»
Der «Spiegel» berichtet, dass dem Schreiben zufolge auch in
das Büro eines wichtigen Wirtschaftsjournalisten ein Maulwurf
eingeschleust worden sein soll, der über mehrere Monate
«direkt an die Konzernsicherheit» der Telekom berichtet
habe. Der Chef der externen Sicherheitsfirma habe selbst die Projekte
so eingeschätzt: «Die Projekte können selbst im
nachrichtendienstlichen Maßstab nur als ungewöhnlich
flächendeckend und ausgefeilt bezeichnet werden.» Weitere
Spähattacken seien «konkret geplant und beauftragt»
gewesen, unter anderem «die Überwachung eines ihrer
Anteilseigner mit Hauptsitz in New York», schreibt der
«Spiegel» unter Berufung auf das Schreiben an die Telekom.
(Quelle: dpa)
Burger King hat angeblich Mitarbeiter überwacht
So.25.05.08 - Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat neue
Überwachungs-Vorwürfe gegen die Schnellrestaurant-Kette
Burger King erhoben.
Es lägen «schriftliche Beweise vor, dass Burger King das
Videoüberwachungssystem, das in allen 600 Restaurants installiert
ist, zur Überwachung und Kontrolle der Mitarbeiter nutzt»,
berichtete die Gewerkschaft am Freitag in München.
Das Unternehmen wollte sich dazu zunächst nicht konkret
äußern. «Burger King prüft umgehend die
derzeitigen Vorwürfe und wird in der kommenden Woche umfassend
hierzu Stellung nehmen und informieren», hieß es in einer
Mitteilung. Der Streit zwischen der Gewerkschaft und der Fastfood-Kette
schwelt bereits seit einiger Zeit. Entzündet hatte sich der
Konflikt an Betriebsratswahlen in München.
Die NGG hatte dem Unternehmen vorgeworfen, eine Wahlversammlung in
einer Münchner Restaurantfiliale Ende April aufgezeichnet zu
haben. Burger King habe dagegen erklärt, das
Videoüberwachungssystem lediglich zum Schutz der Gäste und
Mitarbeiter zu verwenden, erläuterte die Gewerkschaft am Freitag.
«Das war und ist gelogen», sagte der Münchner
NGG-Geschäftsführer Freddy Adjan laut Mitteilung. Vielmehr
werde jedes Restaurant monatlich einer sogenannten «Internen
Revision» unterzogen, die nach einem festen Ablaufplan
vorzunehmen sei. Der Ablaufplan enthalte für den Prüfer
folgende Vorgabe: «Überprüfung 1 Stunde
Sicherheitsvideo - Befolgen alle Manager die Richtlinien und
Anweisungen? Befolgen alle Teammitglieder die Richtlinien und
Anweisungen?»
Erst vor einigen Tagen hatte die NGG im Streit um Betriebsratswahlen
einen Etappensieg gegen Burger King errungen. Das Arbeitsgericht
München lehnte einen Antrag des Unternehmens auf eine einstweilige
Verfügung zur Untersagung der Betriebsratswahl ab. Nach Angaben
des Gerichts kündigte Burger King Rechtsmittel gegen die
Entscheidung an. In der nächst höheren Instanz könnte
sie vor dem Landesarbeitsgericht noch gekippt werden.
Am kommenden Mittwoch (28. Mai) solle nun auch über ein von dem
Unternehmen ausgesprochenes bundesweites Hausverbot für zwei
Wahlvorstände entschieden werden, berichtete Adjan. Die
Gewerkschaft wirft Burger King vor, Betriebsratswahlen zu behindern.
Dabei ging es zuletzt um Wahlen für elf Restaurants und die
Europa-Zentrale des Konzerns in München. Das Unternehmen hatte die
Vorwürfe zurückgewiesen und stattdessen «erhebliche
formale Mängel» geltend gemacht.
(Quelle: dpa)
Friedliche Proteste gegen NPD-Parteitag in Bamberg
So.25.05.08 - Friedlich und ohne Zwischenfälle habenam Samstag mindestens
2000 Menschen in Bamberg gegen den dortigen Bundesparteitag der
rechtsextremen NPD protestiert. Zu den von Gewerkschaften, Kirchen,
Parteien und lokalen Bündnissen organisierten Veranstaltungen
kamen laut Polizei etwa 2000 Menschen, nach Angaben der Veranstalter
waren es bis zu 4000 Menschen. Nach monatelangem Führungsstreit
bestätigte die NPD ihren Bundesvorsitzenden Udo Voigt im Amt.
Die Zahl der Demonstranten blieb unter den erwarteten bis zu 6000
Teilnehmern. Ein Sprecher der Veranstalter sagte, er sei dennoch
zufrieden: "Wir haben hier ein schönes, friedliches Fest." Im
Vorfeld des NPD-Bundesparteitages hatte es Befürchtungen vor
Ausschreitungen durch linke Autonome gegeben. Wie ein Polizeisprecher
sagte, kam es aber lediglich zu zehn vorläufigen Festnahmen. Neun
davon richteten sich gegen linke Demonstranten, eine gegen einen
Vertreter der rechten Szene.
Der seit 1996 an der Spitze der Rechtsextremen stehende Voigt erhielt
gut 90 Prozent der Stimmen. Unmittelbar vor der Abstimmung hatten die
fünf von der Parteibasis vorgeschlagenen Herausforderer Voigts
ihren Verzicht auf eine Kandidatur erklärt.
Außerdem beschloss der NPD-Parteitag ohne Gegenstimmen, einen
eigenen Kandidaten für die Wahl zum Bundespräsidenten im Mai
kommenden Jahres aufzustellen. Da die Rechtsextremen in den Landtagen
von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sitzen, sind sie das erste Mal
seit den 60er Jahren mit Wahlmännern in der Bundesversammlung
vertreten. Zusammen mit der rechtsextremen DVU kommt die NPD auf vier
Wahlmänner. Wer für die NPD für das Amt des
Bundespräsidenten kandidieren soll, steht noch nicht fest.
Voigt ging in seinem Rechenschaftsbericht auf die schwierige
finanzielle Situation der Partei ein, die wegen Verstößen
gegen die Parteienfinanzierung 870.000 Euro an die Bundestagsverwaltung
zurückzahlen muss. Außerdem sitzt NPD-Bundesschatzmeister
Erwin Kemna seit Februar in Untersuchungshaft, weil er 627.000 Euro von
NPD-Konten abgezweigt haben soll.
Nachdem im vergangenen Jahr der geplante NPD-Bundesparteitag in
Oldenburg abgesagt werden musste, da der Hallenbetreiber den
Rechtsextremen die Vermietung der Halle verweigerte, setzte die Partei
in Bamberg die Vermietung vor Gericht durch. Die Stadt musste die
städtische Kongresshalle vermieten, da dort bereits andere
Parteien ihre Parteitage abhalten durften.
(Quelle: afp)