Nachrichten-Archiv
Aktuelle Nachrichten
Irak 1525 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Mo.26.05.08 - Es liegen keine neuen Nachrichten zum Thema Irak vor.
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 26.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendeinundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Sa.26.05.07 - Schiiten-Führer Al-Sadr wieder aufgetaucht +++ Al Kaida geht offenbar
gegen ihre irakischen Gegner vor +++ Sechs US-Soldaten im Irak
getötet +++ US-Präsident Bush bereitet amerikanische
Bevölkerung auf weitere Verluste vor +++ US-Regierung war schon vor
dem Irak-Krieg vor drohendem Chaos gewarnt...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705260.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
|
Nahost-Konflikt
Libanon wählt Armeechef Suleiman zum neuen Präsidenten
Mo.26.05.08 - Der Libanon hat einen neuen Präsidenten: Das Parlament wählte
am Sonntag den Heeresgeneral Michel Suleiman zum Staatschef. In der
ersten Rede nach seiner Vereidigung rief Suleiman das Land zur
Einigkeit auf. Er lobte den Kampf der Hisbollah gegen Israel, forderte
aber auch einen Dialog über das Waffenarsenal der Organisation.
Die Wahl des Nachfolgers von Emile Lahoud war seit November wegen der
Zerstrittenheit der Parlamentsfraktionen 19 Mal verschoben worden.
«Ich forderte Sie alle zu einem neuen Anfang auf», sagte
Suleiman in seiner Rede, die wiederholt von Applaus unterbrochen wurde.
Er forderte enge Beziehungen zum Nachbarland Syrien, das die
oppositionelle Hisbollah unterstützt. Gleichzeitig sprach er sich
für das internationale Tribunal aus, das den Mord an dem
ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik Hariri aufklären soll.
Das Tribunal hatte vor 18 Monaten zum Rücktritt von mehreren
Minister der Opposition geführt und eine Staatskrise
ausgelöst, die sich schließlich in Gewalt entlud.
Suleiman ist in dem langen Streit zwischen Regierung und Opposition
stets neutral geblieben. Der 59-Jährige stand neun Jahre an der
Spitze der Streitkräfte, deren Einheit er trotz politischer
Turbulenzen bewahrte. Suleiman hielt seine Soldaten aus den
Straßenkämpfen zwischen Schiiten und Sunniten Anfang Mai
heraus. Einige Regierungsanhänger kritisierten, die
Streitkräfte hätten tatenlos zugesehen, wie die Hisbollah
Stadtteile von Beirut eingenommen habe. Suleiman verteidigte indes die
Neutralität der Truppe und erklärte, so sei weiteres
Blutvergießen verhindert worden.
Unter Vermittlung der Arabischen Liga hatten sich die westlich
orientierte Regierung des sunnitischen Ministerpräsidenten Fuad
Siniora und die Opposition unter Führung der schiitischen
Hisbollah am vergangenen Mittwoch in Katar auf eine gemeinsame
Regierung geeinigt. Ferner wurde die Ausarbeitung eines neuen
Wahlrechts und die Wahl des maronitischen Christen Suleiman zum
Präsidenten vereinbart. Damit sollte ein blutiger Machtkampf
beigelegt werden, dem Anfang dieses Monats mindestens 67 Menschen zum
Opfer gefallen waren.
Mit der Wahl Suleimans tritt das Kabinett von Ministerpräsident
Siniora automatisch zurück. Suleiman forderte Siniora jedoch auf,
solange im Amt zu bleiben, bis eine neue Regierung gebildet ist.
Um Unruhen vor und nach der Präsidentenwahl zu verhindern,
riegelten hunderte Polizisten und Soldaten die Innenstadt von Beirut
ab, deren Straßen mit libanesischen Fahnen und Bildern Suleimans
geschmückt waren. An der Parlamentssitzung nahmen ranghohe
ausländische Minister als Beobachter teil, darunter die
Außenminister Syriens und des Irans, die die Opposition
unterstützen, sowie der Außenminister Saudi-Arabiens, das
auf Seiten der libanesischen Regierung steht. Auch der
französische Außenminister Bernard Kouchner und der
EU-Außenbeauftragte Javier Solana hielten sich in Beirut auf.
Grundlage für die künftige Regierungsarbeit soll die
Vereinbarung von Katar über eine Beteiligung der Hisbollah sein.
Demnach bekommt die von Syrien unterstützte Opposition im neuen
Kabinett elf Sitze, die prowestliche Parlamentsmehrheit erhält 16
Ministerposten. Drei weitere Ämter verteilt der neue
Präsident.
(Quelle: ap)
Nach zwei Wochen fremdenfeindlicher Gewalt: Südafrikas
Präsident Mbeki unter Druck
Mo.26.05.08 - In Südafrika werden angesichts der seit zwei Wochen anhaltenden
Angriffe auf Ausländer Forderungen nach dem Rücktritt von
Präsident Thabo Mbeki immer lauter.
Am Sonntag forderte die Zeitung «Sunday Times» auf ihrer
Titelseite Mbekis Rücktritt wegen Führungsschwäche.
«Wir befinden uns im Ausnahmezustand», schrieb das Blatt.
Mbeki, der bisher keinen der Brennpunkte besucht hat, habe die Teilnahme
an internationalen Konferenzen vorgezogen. Er will sich am Sonntagabend
im Fernsehen an die Nation wenden. Auch am Sonntag kam es wieder zu
fremdenfeindlichen Angriffen.
Während die Region um Johannesburg nach der Entsendung des
Militärs relativ ruhig blieb, kam es vor allem in der
Westkap-Provinz zu Plünderungen von Geschäften afrikanischer
Zuwanderer. Nach Medienberichten erwägen die Behörden, das
bisher nur im Großraum Johannesburg eingesetzte Militär auch
in andere Regionen zu entsenden. In der Region um Kapstadt gelten
mittlerweile 14 000 Menschen vertrieben.
Die Flucht tausender verängstigter Ausländer in sichere
Sammellager und ihre Heimatländer dauerte an. Die mosambikanische
Regierung charterte einen Sonderzug und setzte Busse ein, um ihre
Landsleute zurückzuholen. Ihr liegen nach Medienberichten rund 7000
Wiedereinbürgerungsanträge vor. Insgesamt rund 15 000
Mosambikaner sind demnach bereits zurückgekehrt.
In Johannesburg protestierten mehrere tausend Menschen am Samstag in
Johannesburg gegen die Gewalt, die vor zwei Wochen in der Township
Alexandra ausgebrochen war. Sie hat nach offiziellen Angaben bisher
mindestens 43 Menschen das Leben gekostet. Hunderte wurden verletzte,
Zehntausende vertrieben.
(Quelle: dpa)
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit -
Früherer kongolesischer Milizenführer Bemba in Belgien
festgenommen
Mo.26.05.08 - Der frühere kongolesische Milizenführer und
Präsidentschaftskandidat Jean-Pierre Bemba ist in Belgien unter dem
Vorwurf von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
festgenommen worden. Wie der Internationale Strafgerichtshof in Den
Haag mitteilte, geht es bei den Vorwürfen um Verbrechen einer von
Bemba geführten Miliz 2002 und 2003 in der Zentralafrikanischen
Republik. Dabei sei es zu Massenvergewaltigungen und anderen Verbrechen
gekommen. «Es ist nicht zu entschuldigen, wenn Kommandeure
Vergewaltigungen und Plünderungen ihre Truppen anordnen,
genehmigen oder dulden», erklärte Ankläger Luis
Moreno-Ocampo am Samstag.
Die Zentralafrikanische Republik hat in den Jahrzehnten seit ihrer
Unabhängigkeit von Frankreich 1960 zahlreiche Armeerevolten,
Staatsstreiche und Aufstände erlebt. Gegenwärtig wird das 3,6
Millionen Einwohner zählende Land von Präsident Francois
Bozize regiert. Als Bozize während einer Auslandsreise von
Expräsident Ange-Felix Patasse 2003 die Hauptstadt angriff und
eroberte, waren auch noch zahlreiche andere Milizen in Kämpfe
verwickelt, darunter die kongolesischen Rebellen von Bemba.
Bemba war bei der Präsidentenwahl im Kongo 2006 zweiter hinter
Joseph Kabila geworden. Zuvor hatte er mit seiner Miliz in dem
Bürgerkrieg im Kongo von 1998 bis 2002 ein großen Teil des
Landes beherrscht. Nach einem Friedensvertrag wurde Bemba einer der vier
Vizepräsidenten des Kongos. Im März 2007 kam es dann in der
Hauptstadt Kinshasa zu Kämpfen zwischen seiner Miliz und
Regierungstruppen. Gegen Bemba wurde Anklage wegen Verrats erhoben und
er floh im April 2007 nach Portugal. Er wurde jetzt in einem Vorort von
Brüssel festgenommen.
(Quelle: ap)
Massengrab in Peru ausgehoben
Mo.26.05.08 - Im Süden Perus haben Gerichtsmediziner ein Massengrab mit den
sterblichen Überresten von 123 Männern, Frauen und Kindern aus
der Zeit des Guerillakrieges entdeckt. Bislang seien 25 Leichen
geborgen worden, erklärte der Menschenrechtsaktivist German Vargas
am Samstag. Das Massengrab liegt in Putis in der Provinz Ayacucho, wo
die Streitkräfte während des Kampfes gegen die Rebellengruppe
Leuchtender Pfad in den 1980er und 1990er Jahren zahlreiche Dorfbewohner
töteten.
Nach Angaben der von der Regierung eingesetzten Wahrheitskommission
boten die Truppen im Jahr 1984 vor den Rebellen flüchtenden
Dorfbewohnern Putis als Zufluchtsort an. Die Menschen wurden jedoch
wegen angeblicher Verbindungen zu den Guerillakämpfern getötet
und mussten zuvor ihre eigenen Gräber schaufeln.
Der Leuchtende Pfad überzog Peru von 1980 bis zur Festnahme seines
Gründers Abimael Guzman 1992 mit einem Guerillakrieg, dem 70.000
Menschen zum Opfer fielen. Der Wahrheitskommission zufolge ist der
Leuchtende Pfad für gut die Hälfte der Opfer verantwortlich.
Den Streitkräften werden Massaker, Folter und Vergewaltigungen
vorgeworfen.
(Quelle: ap)
Chef der kolumbianischen Guerillaorganisation FARC ist tot
Mo.26.05.08 - Der Chef der größten kolumbianischen Guerillaorganisation
FARC, Manuel Marulanda, ist tot. "Der große Führer ist
gegangen", hieß es in einem FARC-Dokument, aus dem der
kolumbianische Fernsehsender Caracol zitierte. Demnach soll der
bisherige ideologische Anführer der Rebellenorganisation, Alfonso
Cano, die Nachfolge antreten. Zuvor hatte die Regierung in
Bogotá den Tod des 80 Jahre alten FARC-Gründers und
Anführers verkündet. Präsident Álvaro Uribe gab
bekannt, ranghohe FARC-Vertreter hätten sich zur Freilassung der
entführten Politikerin Ingrid Betancourt und anderer Geiseln
bereiterklärt.
Marulanda sei nach "kurzer Krankheit" verstorben, teilten die
Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) mit. Das
kolumbianische Verteidigungsministerium hatte am Samstag erklärt,
der Guerilla-Chef sei bereits am 26. März an einem Herzinfarkt
gestorben. Laut Verteidigungsminister Juan Manuel Santos hatte die
Regierung die Information von einer Quelle, die sich "noch nie geirrt"
habe. Marulandas Tod war bereits 17 Mal fälschlicherweise
verkündet worden.
Für die Guerilla ist der Tod von Marulanda ein weiterer schwerer
Schlag. Erst am 1. März hatte die kolumbianische Armee bei einem
Angriff auf ecuadorianischen Gebiet Raúl Reyes, die Nummer zwei
der FARC, getötet. Mitte Mai hatte sich dann die berüchtigte
FARC-Kommandeurin Nelly Avila Moreno alias "Karina" der Polizei
gestellt.
Marulanda war unter dem Namen "Tirofijo" (Sicherer Schuss) bekannt und
trat so gut wie nie in der Öffentlichkeit auf. 1964 gründete
er die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens. Der
bürgerliche Name des nach Angaben seines Vaters am 12. Mai 1928
geborenen Guerilla-Chefs lautete Pedro Antonio Marín.
"Die Regierung hat von der FARC Anrufe erhalten, in denen bestimmte
Chefs ihre Entscheidung mitteilten, sie wollten aufgeben und Ingrid
Betancourt freilassen, wenn die Regierung ihnen Freiheit garantiert",
sagte Uribe. FARC-Rebellen hatten die franko-kolumbianische
Grünen-Politikerin Betancourt während ihres
Präsidentschaftswahlkampfs im Februar 2002 verschleppt.
Die FARC - mit zeitweise rund 17.000 Mitgliedern nicht nur die
älteste, sondern auch die größte kolumbianische
Guerillaorganisation - hat mehr als 700 Geiseln in ihrer Gewalt. In
Kolumbien, den USA und der EU steht die FARC auf der Liste der
Terrororganisationen.
(Quelle: afp)
Hunderttausende protestieren in Argentinien gegen höhere
Agrarsteuern
Mo.26.05.08 - Mehrere hunderttausend Menschen haben in Argentinien gegen eine von der
Regierung geplante Erhöhung der Exportsteuern auf
Landwirtschaftsprodukte protestiert. Wenn die Regierung nicht einlenke
werde es erneut Massenproteste und Straßenblockaden geben,
erklärte Bauernverbandspräsident Eduardi Buzzi. «Wir
werden sehr hart sein», warnte Buzzi. Rund 300.000 Menschen
nahmen Polizei und Veranstaltern zufolge am Sonntag an der
Demonstration in der zweitgrößten Stadt des Landes teil.
Präsidentin Cristina Fernandez erklärte unterdessen, die
Landwirte müssten auch an das Gemeinwohl denken. Sie sprach in
Salta im Norden des Landes vor rund 150.000 Anhängern. Die
Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe waren zuletzt stark gestiegen,
was Argentiniens Landwirten Rekordeinnahmen bescherte. Fernandez'
Regierung will die Ausfuhrabgabe auf Soja und andere Agrarprodukte
erhöhen, um damit Sozialprogramme zu finanzieren. Die Agrarexporte
sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und der größte
Devisenbringer für Argentinien.
Die Kontroverse um höhere Ausfuhrabgaben ist die erste schwere
Krise der seit fünf Monaten amtierenden Regierung. Im März
blockierten Bauern wichtige Verkehrsverbindungen und legten den
Gütertransport im Land tagelang lahm. Nach den wochenlangen
Bauernprotesten und Streiks trat Wirtschaftsminister Martin Lousteau
Ende April zurück.
(Quelle: ap)
G-8-Staaten wollen Abgase bis 2050 halbieren - Keine Einigung auf
gemeinsames Ziel bis 2020 - Übereinkunft nicht verbindlich
Mo.26.05.08 - Die acht größten Industriestaaten wollen den Ausstoß
klimaschädlicher Emissionen bis 2050 halbieren. Dies sei der
«politische Wille», erklärten die Umweltminister der
G-8-Staaten heute auf einer Umweltkonferenz in Japan. Die Vereinbarung
ist nicht bindend.
Die Minister konnten sich nicht auf eine unter anderem von der
Europäischen Union geforderten Festlegung der Abgasreduzierung bis
2020 einigen. Die EU hatte eine verbindliche Reduzierung der
Treibhausgase um 20 Prozent vorgeschlagen, die USA und Japan wollten
jedoch keine genaue Festlegung für die mittlere Frist. Beobachter
sahen in einer Festlegung für 2020 den wichtigeren Teil der
Verhandlungen. «Mittelfristige Ziele führen zu Handlungen,
aber die lange Frist ist immer die lange Frist - weit weg», sagte
EU-Chefunterhändler Jos Delbeke.
Das Treffen der Umweltminister in Kobe, an dem auch China und weitere
Schwellenländer teilnahmen, diente der Vorbereitung des
G-8-Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs im Juli, bei dem es
um die weitere Bekämpfung des Klimawandels gehen soll.
Die langfristigen Zielsetzungen bei der Senkung von Treibhausgasen
seien kein Ersatz für mittelfristige Vorgaben, sagte der
Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig, in
Kobe bereits am Sonntag.
Die USA haben sich bislang nicht auf mittelfristige Ziele festgelegt.
Zuvor müssten auch Schwellenländer wie China entsprechende
Verpflichtungen akzeptieren, argumentiert Washington. Die Regierung in
Tokio hat sich für Senkungen in den Industrieländern binnen
der kommenden ein oder zwei Jahrzehnte ausgesprochen, aber ebenfalls
keine konkreten Aussagen bis zum Jahr 2020 gemacht.
Bis Dezember 2009 soll einen Nachfolgevertrag für das
Kyoto-Protokoll ausgehandelt sein, dessen erste Phase 2012
ausläuft. Der Weg dorthin scheint aber noch schwierig zu sein: EU,
USA und Schwellenländer wie China und Indien konnten bislang
keinen gemeinsamen Nenner finden.
Japan hat derzeit den rotierenden Vorsitz der G-8-Guppe inne. Zum Club
der größten Industrienationen gehören außerdem
Russland, die USA, Großbritannien, Italien, Frankreich, Kanada
und Deutschland.
(Quelle: ap)
Erste transatlantische Gewerkschaft vor der Gründung
Mo.26.05.08 - In Großbritannien und den USA soll die erste transatlantische
Gewerkschaft entstehen. Die britische Arbeitnehmervereinigung UNITE,
die mehr als zwei Millionen Beschäftigte im Verkehrswesen,
Energiebereich und öffentlichen Dienst vertritt, gab am Sonntag
Pläne für eine Fusion mit der amerikanischen
Stahlarbeiter-Gewerkschaft USW bekannt. Letztere hat rund 850.000
Mitglieder in den USA, Kanada und der Karibik. UNITE-Sprecher Andrew
Murray erklärte, im Zeitalter globaler Wirtschaftsunternehmen
müssten sich auch die Gewerkschaften auf internationaler Ebene
positionieren. Die Struktur der neuen Vereinigung werde zurzeit noch
erarbeitet. Eine formelle Ankündigung der Fusion wurde für
den Kongress der amerikanischen Stahlarbeiter Anfang Juni in Las Vegas
in Aussicht gestellt.
(Quelle: ap)
Deutschland
FDP-Chef attackiert Außenpolitik der Bundesregierung
Mo.26.05.08 - FDP-Chef Guido Westerwelle kritisiert die Außenpolitik der
Bundesregierung. «Friedenspolitik mit eigenen
Abrüstungsinitiativen war stets ein Kernstück deutscher
Außenpolitik seit Gründung der Bundesrepublik», sagte
Westerwelle dem Nachrichtenmagazin «Focus» laut
Vorabbericht. Es sei ein schwerer Fehler, dass die Regierung zunehmend
in militärischen Kategorien Außenpolitik betreibe.
Westerwelle kritisierte vor allem die geplante Stationierung von
US-Abwehrraketen in Tschechien und Polen. «Unmittelbar vor unserer
Haustür wird eine Aufrüstungsspirale in Gang gesetzt, und wir
werden die ersten Leidtragenden sein», sagte er. Es sei eine
große Gefahr, dass die Union die Raketenstationierung der
Amerikaner in Polen und Tschechien kritiklos durchwinken wolle und
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dazu keine klaren
Worte mehr findet.
Russland könne die Raketenstationierung als Anlass nehmen, zu
alter militärischer Stärke aufzurüsten, warnte
Westerwelle. «Der US-Präsident spricht vom dritten Weltkrieg,
der russische Präsident verkündet eine ´grandiose
Aufrüstung´ - und die Bundesregierung schweigt. Deutschland
fällt als Kraft für Abrüstung aus», kritisierte er.
(Quelle: ddp)
Linkspartei will mit Sozial-Kampagnen Druck machen
Mo.26.05.08 - Mit Kampagnen für mehr soziale Gerechtigkeit und einer Kampfansage
an die anderen Parteien will die Linke ihren Erfolgskurs bis zur
Bundestagswahl fortsetzen.
Die Vorsitzenden Oskar Lafontaine und Lothar Bisky riefen die
Mitglieder beim Parteitag am Wochenende in Cottbus dazu auf, ein klares
Profil zu zeigen und unbeirrt Kurs zu halten. Die Partei sprach sich
für ein Investitionsprogramm von 50 Milliarden Euro jährlich
aus. Das Geld soll in die Bereiche Bildung, Gesundheit, Umwelt und
öffentliche Beschäftigung fließen. Zur Finanzierung
sollen Reiche und große Unternehmen steuerlich stärker
belastet und niedrige und mittlere Einkommen entlastet werden.
Ihrer Führungsspitze verpassten die rund 550 Delegierten trotz der
Aufrufe zur Geschlossenheit allerdings einen Dämpfer. Lafontaine
und Bisky wurden zwar in ihren Ämtern bestätigt, schnitten
aber deutlich schlechter ab als vor einem Jahr beim
Gründungsparteitag. Besonders starke Verluste musste Lafontaine
einstecken, der 78,5 Prozent der Stimmen errang. Im vergangenen Jahr
waren es 87,9 Prozent gewesen. Für Bisky stimmten 81,3 Prozent der
Delegierten nach 83,6 Prozent im Juni 2007. Auch die Vizechefs Katja
Kipping (74,2 Prozent), Klaus Ernst (59,2), Ulrike Zerhau (58,7) und
die neu hinzu gekommene Halina Wawzyniak (61,8) erhielten eher magere
Ergebnisse.
Am Führungsstil Lafontaines war Unmut laut geworden. Einige
Mitglieder hatten diesen als autoritär bezeichnet. Lafontaine
hatte die Kritik vor seiner Wahl auszuräumen versucht. Die Linke
sei eine demokratische Partei, deren Weichen durch die Mitglieder "und
nicht durch einzelne Personen" gestellt würden.
Eine Rolle dürfte beim Dämpfer für den
geschäftsführenden Vorstand auch gespielt haben, dass die
Repräsentantin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht,
nach Intervention der Parteispitze auf eine Kandidatur als Vizechefin
verzichtet hatte. Sie verfügt jedoch über hohes Ansehen in
der Partei. Bisky warnte die unterschiedlichen ideologischen
Strömungen eindringlich vor einem Machtkampf.
Die Linke ist aus der SED-Nachfolgepartei PDS und der westdeutschen
WASG entstanden. Seit der Gründung schwimmt die Partei auf einer
Welle des Erfolgs. Ihr gelang der Einzug in vier westdeutsche Landtage,
insgesamt ist sie in zehn Landesparlamenten vertreten. Im Bund ist sie
in Umfragen fast immer drittstärkste Kraft.
Lafontaine sagte, es sei der Partei gelungen, mit ihrer Forderung nach
Mindestlöhnen, "Hartz IV weg", armutsfesten Renten und Abzug der
Bundeswehr aus Afghanistan Themen zu setzen. In dem Aufbau eines
eigenen Profils dürfe die Partei nicht nachlassen. "Wir haben den
Wind der Geschichte in unseren Segeln, das macht unseren Erfolg aus",
rief er unter dem Applaus der Delegierten. Im Vorfeld der
Bundestagswahl im nächsten Jahr startete die Linke eine
Rentenkampagne, die ein höheres Rentenniveau und den Stopp der
Rente mit 67 vorsieht.
Unterschiedliche Ansichten prallten kurz vor Abschluss des Parteitags
in der Familienpolitik aufeinander. Mit großer Mehrheit
schmetterten die Delegierten in einem Antrag das von Lafontaines
Ehefrau Christa Müller geforderte Erziehungsgehalt ab. Damit
sollten die Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind in
eine Krippe geben oder zu Hause betreuen wollen. Müller hatte
wegen ihres Vergleichs von Krippenbetreuung mit
Genitalverstümmelung für Unmut in der Partei gesorgt. In
ihrer von Pfiffen begleiteten Rede warb sie für Wahlfreiheit.
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers mahnte
seine Partei, die Themen der Linkspartei ernst zu nehmen. Anders seien
die Protestwähler der Linken nicht zurückzugewinnen und die
Partei aus den westdeutschen Landesparlamenten nicht herauszuhalten,
sagte er der "Bild am Sonntag".
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer hingegen sprach von Trugbildern,
von denen sich die Linken selbst vernebeln ließen.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf der Linken Populismus vor,
der Deutschland in den finanziellen Ruin treiben würde. Die
Linkspartei müsse von allen demokratischen Kräften in
Deutschland bekämpft werden.
(Quelle: rtr)
SPD-Vorstandsmitglied Schreiner wirbt für Rot-Rot-Grün im Bund
Mo.26.05.08 - SPD-Bundesvorstandsmitglied Ottmar Schreiner hat seine Partei
aufgefordert, eine Koalition mit der Linkspartei nach der nächsten
Bundestagswahl nicht auszuschließen.
"Jede demokratische Partei muss mit jeder anderen koalitionsfähig
sein. Eine Ausgrenzung der Linkspartei bei der nächsten
Bundestagswahl wäre falsch", sagte Schreiner der "Bild am Sonntag"
laut Vorabbericht. Entscheidend werde sein, ob SPD, Grüne und
Linkspartei inhaltlich genügend Schnittmengen fänden.
Vor diesem Hintergrund wies Schreiner Kritik an der Nominierung von
Gesine Schwan als Bundespräsidentenkandidatin zurück. Schwan
habe schon bei ihrer ersten Kandidatur 2004 die Stimmen der PDS
bekommen, erinnerte der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für
Arbeitnehmerfragen. "Darüber hat sich kein Mensch aufgeregt. Warum
sollte sie jetzt nicht von SPD, Grünen, Linkspartei und einigen
Unzufriedenen aus CDU/CSU und FDP zur Bundespräsidentin
gewählt werden?"
Die geplante Nominierung Schwans belastet das Klima in der großen
Koalition immer mehr. Georg Brunnhuber, Sprecher aller CDU-Landesgruppen
im Bundestag, rechnet mit einem vorzeitigen Bruch der großen
Koalition. Brunnhuber sagte dem Blatt: "Wenn die SPD einen eigenen
Kandidaten nominiert, überreizt sie die Stimmungslage in der
Koalition. Ich glaube nicht mehr, dass die Koalition bis Herbst 2009
hält."
(Quelle: rtr)
Präsidentschafts-Kandidatur: SPD stellt Schwan gegen Köhler auf
Mo.26.05.08 - Die SPD will Gesine Schwan ungeachtet der heftigen Kritik der Union am
(morgigen) Montag als Kandidatin für die
Bundespräsidentenwahl aufstellen. Darauf habe sich die
Parteispitze um den Vorsitzenden Kurt Beck verständigt, hieß
es am Sonntag aus informierten Kreisen. «Sie wird morgen
nominiert», sagte der bayerische SPD-Chef Ludwig Stiegler am
Sonntag im Bayerischen Fernsehen, wie der Sender auf seiner
Internetseite berichtete. Die CDU warnte die SPD, sie mache sich zur
«Marionette» der Linkspartei. Einzelne Unionspolitiker
stellten die Zukunft der Großen Koalition in Frage.
Für eine Kandidatur der 65-jährigen Präsidentin der
Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder hatten sich am Wochenende
unter anderem die stellvertretende Parteivorsitzende Andrea Nahles und
weitere Landespolitiker ausgesprochen. In der
«Bild»-Zeitung plädierten Brandenburgs SPD-Chef
Matthias Platzeck sowie Bremens SPD-Landesgeschäftsführer
Roland Pahl für eine Nominierung Schwans. Sie sei eine über
Parteigrenzen hinweg hoch geschätzte Persönlichkeit, sagte
Platzeck.
Nahles trat im Deutschlandradio Kultur energisch dem Vorwurf entgegen,
weil Schwan nur mit den Stimmen der Linken eine Mehrheit erreichen
könne, rücke damit eine rot-rote Koalition im Bund
näher. Eine Kandidatur habe keine Signalwirkung für die
Bundestagswahl, sagte Nahles. «Die Linke habe kein Programm,
stehe «nicht mit beiden Beinen in der EU» und sei daher
«nicht regierungsfähig.
Der SPD-Vorstand werde Schwan voraussichtlich ohne Gegenstimme
nominieren, schrieb die «Berliner Zeitung». Schwan war
bereits 2004 in der Bundesversammlung gegen Köhler angetreten und
damals knapp unterlegen. SPD-Chef Kurt Beck beharrte am Wochenende auf
dem verfassungsmäßigen Recht auf einen eigenen Kandidaten.
Dies sei kein Grund für eine Koalitionskrise.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil wies am Sonntagabend
Vorwürfe aus der Union zurück, eine Kandidatur Gesine Schwans
für das Amt des Bundespräsidenten sei die Vorbereitung einer
rot-roten Zusammenarbeit auf Bundesebene. «Wir sagen, was wir
wollen, mit wem es geht und mit wem es nicht geht. Und eine Partei wie
die Linkspartei, die am Wochenende beschlossen hat, die NATO
aufzulösen, die ist einfach nicht regierungsfähig»,
sagte Heil in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». Mit der
Linkspartei werde es aus inhaltlichen Gründen keine Koalition
geben.
Dagegen sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla dem
ARD-Hauptstadtstudio, die SPD plane ein rein parteipolitisches
Geschachere. Eine SPD-Kandidatin habe in der Bundesversammlung nur mit
den Stimmen der Linkspartei die Chance auf eine Mehrheit. «Die
SPD macht sich endgültig zur Marionette von Lafontaine und der
Partei Die Linke», sagte Pofalla.
Unionsfraktionschef Volker Kauder sprach in der «Bild am
Sonntag» von einem «klaren Signal für rot-rote
Bündnisse». Der Sprecher der CDU-Landesgruppen in der
Fraktion, Georg Brunnhuber sagte der «Bild»-Zeitung: Wenn
die SPD einen eigenen Kandidaten nominiert, überreizt sie die
Stimmungslage in der Koalition. Ich glaube nicht mehr, dass die
Koalition bis Herbst 2009 hält».
CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer, sagte der
«Neuen Passauer Presse»: ein Gegenkandidat zu Köhler
sei der erste Schritt zu einem rot-roten Bündnis im Bund.
«Damit wird Beck als Wortbrecher zum Serientäter.»
Der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, ließ die Position
seiner Partei bis nach der Bayernwahl offen.
(Quelle: ap)
CDU und SPD verlieren bei Schleswig-Holstein-Wahl
Mo.26.05.08 - Die schleswig-holsteinischen Regierungsparteien CDU und SPD haben bei
den Kommunalwahlen schwere Verluste erlitten. Die CDU stürzte laut
einer Schätzung der Landeswahlleitung nach der Auszählung
ausgewählter Wahlbezirke am Sonntag von 50,8 auf 40,1 Prozent ab,
blieb aber stärkste Kraft.
Die SPD unterbot ihr bislang schlechtestes Ergebnis von 2003 um 3,6
Punkte und kam nur noch auf 25,7 Prozent. Gewinner waren die Linken,
sie schafften auf Anhieb 7,3 Prozent. Auch die anderen kleinen Parteien
legten zu. Vor fünf Jahren lag die Schätzung sehr nahe am
Endergebnis.
Die Landesvorsitzenden von CDU und SPD, Ministerpräsident Peter
Harry Carstensen und Ralf Stegner, zeigten sich enttäuscht.
Carstensen sagte, das Abrutschen der CDU um fast 11 Prozentpunkte habe
auch an den Ergebnissen in den großen Städten gelegen, wo es
«erdrutschartig nach unten gegangen ist». Das Ergebnis sei
aber besser als das von 1998 (39,1 Prozent). «Wir sind wieder da,
wo wir sonst immer gewesen sind. Wir sind immer noch stärkste
Kommunalpartei. Aber schön ist es nicht», sagte Carstensen.
Anders als Carstensen, der das Ergebnis auch als Stimmungsbild für
die Landtagswahl bewertete, sah Stegner keine Auswirkungen auf die Wahl
2010: «Es wurde in den Kommunen abgestimmt über kommunale
Dinge.» Stegner und Carstensen werden in zwei Jahren aller
Voraussicht nach als Spitzenkandidaten aufeinandertreffen.
Drittstärkste Kraft in Schleswig-Holstein wurden die Grünen
mit 9,6 Prozent. Vor fünf Jahren kamen sie auf 8,3 Prozent.
Ebenfalls hinzugewinnen konnte die FDP, die auf 8,3 Prozent nach 5,7
Prozent im Jahr 2003 kam. Auch der Südschleswigsche
Wählerverband (SSW) konnte zulegen, er kam auf 3,0 Prozent (2003:
2,5 Prozent). Die in großer Zahl angetretenen
Wählergemeinschaften legten genauso zu und kamen nach 2,6 Prozent
2003 auf 4,8 Prozent. Die Schätzung stützt sich auf die
Ergebnisse von 70 der 2755 Wahlbezirke. Die Wahlbeteiligung fiel mit
ebenfalls geschätzten 49 Prozent auf einen neuen Tiefpunkt. Im
Jahr 2003 lag sie noch bei 54,5 Prozent.
CDU, SPD, FDP und Grüne waren flächendeckend zur Wahl
angetreten, der SSW im gesamten nördlichen Landesteil. Die Linke
fehlte landesweit nur in wenigen Wahlkreisen. Die rechtsextreme NPD
kandidierte in Kiel, Lauenburg, Nordfriesland und Ostholstein. Unklar
war zunächst, ob sie den Sprung in ein Kommunalparlament schaffte.
(Quelle: dpa)
Wirtschaftsminister Glos kündigt scharfe Prüfung von
Gaspreiserhöhungen an
Mo.26.05.08 - Den deutschen Verbrauchern stehen offensichtlich kräftige
Gaspreiserhöhungen bevor.
Der Energiekonzern E.ON wolle seinen Gaspreis um bis zu 25 Prozent
anheben, berichtete "Der Spiegel" am Wochenende unter Berufung auf
konzerninterne Planungen. Ein E.ON-Sprecher wollte sich zu der genannten
Erhöhungsrate nicht äußern. Er verwies aber auf stark
gestiegene Beschaffungskosten. Gehe das so weiter, müsse E.ON
Ruhrgas seine Großhandelspreise erhöhen. Zuvor hatten schon
einzelne Stadtwerke Preiserhöhungen angekündigt. Nach einem
Bericht der "Bild am Sonntag" wollen 67 Versorger neben E.ON ihre
Gaspreise zum 1. Juni und 1. Juli um bis zu 19 Prozent erhöhen.
Wirtschaftsminister Michal Glos kündigte angesichts dessen eine
schärfere Kontrolle der Energiekonzerne an. "Die Konzerne werden
dem Bundeskartellamt jeden Cent einer solchen Preiserhöhung
erklären müssen", sagte der CSU-Politiker der "Bild am
Sonntag". Wegen der angekündigten Preissteigerungen beim Gas
würden nun die Einkaufspreise der Energieunternehmen sehr genau
geprüft.
Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet einen Preisschock im gesamten
Gasmarkt. "Auch kleinere Stadtwerke werden die Preise für
Endverbraucher erhöhen, da sie in der Regel ihr Gas von einem
großen Lieferanten wie E.ON beziehen. Hebt der die Preise an,
ziehen die kleineren nach", sagte Kemfert der "Bild am Sonntag".
Darüber hinaus sei in diesem Jahr noch mit mindestens einer
weiteren Preiserhöhungswelle zu rechnen: "Gas wird zum Jahresende
noch um weitere zehn Prozent teurer, falls der Ölpreis auf diesem
sehr hohen Niveau bleibt", sagte sie voraus. Der Gaspreis ist an den
Ölpreis gekoppelt, der in den vergangenen Wochen stets neue
Rekordmarken erreicht hatte und sich seit Jahresbeginn um über 30
Prozent erhöht hat. Steigende Ölpreise führen mit einer
Zeitverzögerung von etwa einem halben Jahr auch zu steigenden
Gaspreisen.
(Quelle: rtr)
Ölpreis-Explosion heizt Debatte über Steuersenkungen an -
Verheugen, Pofalla, Rüttgers dagegen - Kirchhof will Mehrwertsteuer
teilweise streichen - FDP für neue Konzepte
Mo.26.05.08 - Die Explosion der Ölpreise hat die Debatte über die Senkung
von Energiesteuern wieder angefacht. CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla und EU-Kommissar Günter Verheugen (SPD) wiesen den Ruf nach
einer raschen Senkung angesichts der ebenfalls steigenden Preise
für Lebensmittel und Rohstoffe zurück.
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der Nachrichtenagentur AP,
die Liberalen würden auf ihrem Parteitag diese Woche in
München neue Steuerkonzepte vorstellen, die die Menschen
spürbar entlasteten.
Pofalla räumte jedoch ein, es gebe bei den Bürgern das
Gefühl, der Aufschwung komme bei ihnen nicht an. «Die
Menschen erleben, dass höhere Heizkosten und steigende Benzinpreise
durch die letzten Lohnsteigerungen nicht ausgeglichen worden
sind,» sagte er.
Verheugen nannte die Entwicklung der Ölpreise besorgniserregend,
weil der damit verbundene Preisauftrieb als Wachstumsbremse wirke, sagte
er der in Hannover erscheinenden «Neuen Presse». Er sei
aber gegen jedes Eingreifen. Eine «Senkung der Energiesteuern
wäre ohnehin kontraproduktiv», erklärte der
SPD-Politiker.
Gegen Steuersenkungen in der laufenden Legislaturperiode sprach sich
der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen
Rüttgers (CDU) aus. Die öffentlichen Haushalte müssten
erst einmal konsolidiert werden, sagte er in der «Welt am
Sonntag». Rüttgers kündigte an, die Union werde im
kommenden Jahr in einem gemeinsamen Steuerkonzept sagen, was nach der
Bundestagswahl im Herbst 2009 möglich sei.
Der Chef der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Dieter
Hundt, verlangte in der «Bild»-Zeitung einen niedrigeren
Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und die Streichung des
Eingliederungsbeitrages, den die Bundesagentur für Arbeit an den
Bund abführen muss. Der Steuerrechtler Paul Kirchhof schlug dagegen
vor, die Mehrwertsteuer auf bestimmte Waren des täglichen Bedarfs
abzuschaffen.
FDP-Chef Guido Westerwelle schlug im Nachrichtenmagazin
«Focus» vor, zur Entlastung der Mittelschicht alle zwei
Jahre das steuerliche Existenzminimum an die gestiegenen
Lebenshaltungskosten anzupassen. Auch sollten die Einkommensgrenzen, bei
denen der jeweilige Steuersatz greift, angepasst werden.
Westerwelle sagte, 1960 sei der Spitzensteuersatz erst beim 17fachen
des Durchschnittseinkommens fällig geworden. Heute greife der
Spitzensteuersatz schon, wenn das Einkommen das 1,4fache des
Durchschnitts betrage. Die Annahme, die Mittelschicht in Deutschland sei
reich, sei falsch. Die anderen Parteien hätten immer nur die
Gesellschaft ganz oben oder ganz unten im Blick. «Wir wenden uns
an die Mittelschicht», sagte der FDP-Chef.
Die Kritik am Steuersystem gehört nach den Worten von
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel zu den Schwerpunkten des
anstehenden FDP-Parteitages in München. «Die Netto-Frage ist
das zentrale Thema für die Bürger,» sagte er.
Der Parteitag werde sich mit Anträgen zu Gunsten eines einfacheren
Steuersystems befassen, das bei einem hohen Freibetrag zwischen 8.000
und 10.000 Euro beginne und beim Steuersatz nur noch drei Stufen kenne.
Der niedrigste Steuersatz von zehn Prozent solle für Einkommen bis
15.000 Euro gelten. Unter einen Satz zwischen 20 und 25 Prozent als
nächsthöhere Stufe sollen Einkommen bis 40.000 Euro fallen.
Der Spitzensatz zwischen 30 und 35 Prozent werde auf alle darüber
liegenden Einkommen angewandt.
(Quelle: ap)
Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes - Solarbranche
fürchtet um ihre Arbeitsplätze
Mo.26.05.08 - Die deutsche Solarbranche fürchtet durch die für 2009
geplante Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und die
damit verbundenen möglichen Subventionskürzungen den Abbau von
Arbeitsplätzen. «Die 20 000 Beschäftigten im Handwerk
wären von einem abrupten Einschnitt zuerst betroffen», sagte
Carsten Körnig vom Bundesverband der Solarwirtschaft dem
«Tagesspiegel am Sonntag». Der Sprecher der Aleo Solar,
Hermann Iding, befürchtet demnach ein
«Installateursterben», sollte die Bundesregierung sich
für starke Subventionskürzungen entscheiden.
Anzeige
Das Bundesumweltministerium erwägt eine Kürzung der
Vergütungen für Solarstrom in drei Schritten. Der Bundestag
will Anfang Juni über die Novellierung des EEG entscheiden.
Momentan sind insgesamt nach Angaben des Blattes rund 42 000 Menschen
in der Photovoltaik-Industrie beschäftigt. Bis zum Ende des
Jahrzehnts könnten es laut einem kürzlich
veröffentlichten Gutachten des Bundesverbandes Solarwirtschaft 54
000 sein.
Der Bundesverband der Solarwirtschaft vertritt nach eigenen Angaben die
Interessen von 600 deutschen Solarunternehmen.
(Quelle: ddp)
15 Jahre nach tödlichem Brandanschlag von Solingen - Weiter
bestehende Gefahr durch Neonazis
Mo.26.05.08 - 15 Jahre nach dem tödlichen Brandanschlag von Solingen warnt der
nordrhein-westfälische Verfassungsschutz-Chef Hartwig Möller
vor der weiter bestehenden Gefahr durch Neonazis. «Rechtsextreme
Straftaten mit so schrecklichem Ausmaß wie in Solingen gab es hier
in NRW seitdem nicht mehr. Aber über 120 Menschen werden
jährlich Opfer eines rechtsextremistischen Übergriffs. Das ist
nicht hinnehmbar», sagte Möller der Nachrichtenagentur ddp.
Die Bekämpfung des Rechtsextremismus bleibe «eine ganz
wichtige Aufgabe für alle Sicherheitsbehörden».
«Besonders von rechtsextremistischen Parteien und Gruppen, die
ihre Ideologie in der Mitte der Gesellschaft transportieren wollen, geht
Gefahr aus», sagte Möller. Mit populistischen Themen wollten
etwa die rechtsextreme NPD, aber auch die rechtspopulistische
Organisation «Pro NRW» lokal Fuß fassen, um 2010 den
Sprung in den Düsseldorfer Landtag zu schaffen.
«Rechtsextreme Parteien und Gruppierungen tarnen
ausländerfeindliche und rassistische Ideologien mit
bürgerlichem Anstrich. Subtil knüpfen sie an die Sorgen der
Bürger vor Überfremdung an und schüren Vorurteile und
Hass gegenüber ausländischen Mitbürgern», sagte der
Geheimdienst-Chef.
Vor allem an Schulen müsse die Aufklärung junger Menschen
über die «gefährlichen neuen Strategien» der
Rechtsextremisten intensiviert werden. «Nur eine aufgeklärte
und gebildete Gesellschaft ist immun gegen rechte Hasspropaganda»,
sagte Möller.
Vier junge Anhänger der Solinger Neonazi-Szene hatten am 29. Mai
1993 das Haus der türkischen Familie Genc in Brand gesteckt.
Fünf türkische Mädchen und Frauen zwischen 4 und 27
Jahren starben bei dem Anschlag. Weitere Bewohner wurden so schwer
verletzt, dass sie noch heute unter den Folgen zu leiden haben. Die
Täter wurden zu Jugendhaftstrafen von 10 und 15 Jahren verurteilt
und sind inzwischen alle wieder auf freiem Fuß.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
US-Marssonde 'Phoenix' nach zehnmonatiger Reise erfolgreich gelandet -
Soll am Nordpol des Planeten nach Spuren von Leben suchen
Mo.26.05.08 - Die Marssonde «Phoenix» ist nach einem riskanten
Landemanöver erfolgreich auf dem Roten Planeten gelandet. Die
dreibeinige Sonde setzte am Montag nach einer fast zehnmonatigen Reise
gegen 1.40 Uhr MESZ in der Nähe des Mars-Nordpols auf, etwa 15
Minuten später empfing die Weltraumbehörde NASA das erste
Signal. Im Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena brach Jubel aus.
«Ich hätte mir nicht erträumt, dass es so perfekt
läuft», sagte Projektmanager Barry Goldstein. Die Sonde habe
sich geradewegs und ohne Zwischenfälle auf die Oberfläche des
Planeten gesetzt.
«Phoenix» soll mindestens 90 Tage lang in der Nähe des
Mars-Nordpols im Permafrost nach Spuren von Wasser und Hinweisen auf
Leben suchen. Bis zur Landung hatte die Sonde rund 711 Millionen
Kilometer zurückgelegt. Sie war im August mit einer Rakete von
Cape Canaveral in Florida auf den Weg zum Mars geschickt worden.
Der Eintritt in die Atmosphäre des Roten Planeten und das
anschließende Landemanöver galten als besonders schwierig.
Nur rund sieben Minuten vor der Landung war «Phoenix» noch
mit einer Geschwindigkeit von knapp 20.000 Stundenkilometern in die
Atmosphäre eingetreten. Hitzeschutzschild, Fallschirm und
Bremsraketen funktionierten dabei offenbar wie von den Forschern
vorberechnet. Zuletzt drosselten die Schubdüsen die Sonde auf nur
noch acht Stundenkilometer.
Wissenschaftler hatten die Landung vorher auch als «sieben
Minuten der Angst» beschrieben. Die Landung stellt die erste
sanfte Ankunft auf dem Mars seit 32 Jahren dar - 1976 war der
«Viking»-Mission das Kunststück gelungen. Vor vier
Jahren auf den Mars gebrachte NASA-Rover benutzten eine Kombination von
Fallschirmen und riesigen Airbags, um den Aufprall abzumildern. Der
Einsatzort der Sonde «Phoenix» im nördlichen
Polarkreis des Mars entspräche auf der Erde etwa dem Breitengrad
Grönlands oder Nordalaskas.
Die gut 420 Millionen Dollar (270 Millionen Euro) teure Sonde soll nun
unter der Oberfläche des Planeten nach Eis bohren und dabei vor
allem nach Spuren von organischen Verbindungen suchen. Dafür ist
sie mit einem knapp zweieinhalb Meter langem Roboterarm aus Titan und
Aluminium ausgerüstet, der auch über eine Schaufel und einen
Bohrer verfügt. Damit soll geklärt werden, ob auf dem Mars
Bedingungen herrschen oder herrschten, die Leben ermöglichen. Die
Funde könnten damit auch den Weg für mögliche bemannte
Mars-Missionen bereiten, hieß es beim NASA-Marsprogramm.
Der Name der Sonde gleicht nicht zufällig dem mythischen Vogel,
der sich aus der eigenen Asche erhob: «Phoenix» ist aus
Teilen einer 2000 abgesagten Mars-Mission zusammengebaut. NASA-Manager
bezeichnen «Phoenix» daher auch gerne als
«Gebrauchtwagen».
Schon 15 Minuten nach der Landung sollten die Sonnensegel der Sonde
ausgeklappt und die ersten Geräte getestet werden. Dadurch sollte
die Kommunikation mit der Bodenstation zunächst bis zu zwei
Stunden unterbrochen sein. Danach rechneten die Forscher jedoch mit
ersten Bildern aus der der Umgebung der Sonde, die über drei um
den Mars kreisende Sonden rasch an die Erde geschickt werden sollen.
(Quelle: ap)
Mehr zum Thema unter:
http://phoenix.lpl.arizona.edu