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Irak 1526 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Soldat bei Anschlag in Bagdad getötet. Republikanischer
US-Präsidentschaftskandidat McCain fordert Obama zu Irak-Reise auf
- Senator schließt gemeinsamen Besuch nicht aus
Di.27.05.08 - Im Irak ist am Montag erneut ein US-Soldat einem Bombenanschlag zum
Opfer gefallen. Er wurde nach Angaben der Streitkräfte bei der
Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe in der Provinz
Salahuddin nördlich von Bagdad getötet. Zwei seiner Kameraden
erlitten Verletzungen. Seit Beginn des Irak-Krieges im März 2003
kamen damit nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP
mindestens 4.082 Mitglieder der US-Streitkräfte ums Leben.
Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John
McCain hat dem Demokraten Barack Obama mangelnde Kenntnis der Lage im
Irak vorgeworfen. Obama solle in den Irak reisen, um sich vor Ort ein
Bild der aktuellen Lage zu machen, sagte McCain im Gespräch mit
der Nachrichtenagentur AP. Dabei schloss der Senator aus Arizona auch
eine gemeinsame Reise mit Obama nicht aus.
Obama war seit 2006 nicht mehr im Irak. McCain war insgesamt acht Mal
dort, zuletzt im März. In den zwei Jahren seit Obamas Besuch habe
sich im Irak viel geändert, sagte McCain. «Wenn es um den
Irak geht, hat er keine Erfahrung, kein Wissen und keine
Urteilskraft.» Obama wolle im Irak aufgeben, sagte McCain
über den Senatskollegen aus dem US-Staat Illinois. Die
Spekulationen über ein Abzugsdatum aus dem Irak seien
«wirklich unentschuldbar», sagte McCain der AP.
Der Vietnamveteran McCain versucht verstärkt, Obama in Fragen der
Außen- und Verteidigungspolitik als unerfahrenen Erstlingssenator
darzustellen. Der Irak-Krieg wird Umfragen zufolge eines der
Hauptthemen der Präsidentschaftswahl im November sein. McCain
kritisiert Fehler der Regierung von Präsident George W. Bush im
Irak, glaubt aber an einen Sieg der gegenwärtigen Strategie und
steht für eine langfristige Militärpräsenz im Land.
Obama hingegen will die US-Truppen rasch abziehen lassen.
«Ich fahre alle paar Monate zurück in den Irak, weil sich
die Dinge dort schnell ändern», sagte McCain. Ein Berater
McCains hatte am Wochenende die Möglichkeit einer gemeinsamen
Irak-Reise der beiden Senatoren ins Gespräch gebracht. Dabei
sollten sie den US-Oberkommandierenden General David Petraeus und
Regierungschef Nuri Al-Maliki treffen, sagte Senator Lindsey Graham aus
South Carolina. Auf Nachfrage der AP zeigte sich McCain aufgeschlossen:
«Natürlich, das wäre gut», sagte er.
boa (Quelle: ap)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 27.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendzweiundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Streubomben-Opfer fordern umfassendes Verbot
Di.27.05.08 - Opfer von Streubomben aus aller Welt haben am Montag eindringlich ein
Verbot der besonders für Zivilpersonen gefährlichen Waffen
gefordert. Überlebende aus Kambodscha, dem Libanon, Serbien und
Vietnam erklärten auf einer Pressekonferenz in Dublin, die
Hersteller der Sprengsätze sollten eine Einigung auf ein
Streubombenverbot akzeptieren. Es wird erwartet, dass sich Delegierte
aus rund 110 Ländern Ende der Woche auf eine deutliche
Beschränkung des Einsatzes von Streubomben verständigen.
Die Staaten, die die Sprengsätze vor allem herstellen oder
verwenden - die USA, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan -
sind an den Beratungen in Irland allerdings nicht beteiligt. Mehrere
Länder werben damit, modernere und «schlauere»
Streubomben zu entwickeln, die ihre Ziele präziser treffen und
sich selbst zerstören, wenn sie nicht wie vorgesehen explodieren.
Streubomben verteilen riesige Mengen kleiner Sprengkörper,
sogenannte Bombletten, über große Flächen. Allerdings
explodieren meist 10 bis 40 Prozent der Sprengsätze nicht sofort
und stellen danach eine tödliche Gefahr dar, vergleichbar mit
Landminen. Bei der kleinsten Berührung können sie
explodieren. Opfer sind häufig auch Kinder, die sich wegen deren
Form und Farbe für die Sprengsätze interessieren.
Eine große Zahl von Bomben in der Nähe von Zivilpersonen
einzusetzen sei «ein krimineller Akt», erklärte der
Serbe Dejan Dikic. «Wir brauchen keine schlaue Bombe. Wir
brauchen schlaue und verantwortungsbewusste Regierungen»,
erklärte der 41-Jährige, der beim Einsatz einer Streubombe
der NATO 1999 Verletzungen an den Beinen erlitt.
Der 42 Jahre alte Raed Mokaled aus Libanon forderte: «Sucht nicht
nach einer neuen Generation von Streumunition. Verbietet sie
einfach.» Mokaled zeigte Bilder seiner Familie, darunter seines
Sohnes Ahmed, der an seinem fünften Geburtstag in den Tod gerissen
wurde, als er mit Freunden eine Streubombe in einem öffentlichen
Park entdeckte.
Die Gruppe rief die Hersteller von Streubomben außerdem dazu auf,
zur Unterstützung der Opfer Geld und Helfer zur Verfügung zu
stellen und nicht explodierte Sprengsätze zu räumen. Er habe
noch heute Angst, wenn er sein Feld bestelle, sagte Thi Pham Quy aus
Vietnam. Der 52-Jährige entdeckte in seinem Reisfeld vor zwei
Monaten eine nicht explodierte Streubombe. Sie detonierte nicht -
anders als eine im Jahr 1977, die ihm den rechten Arm abriss.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Mehrere Verletzte bei Schießerei in Beirut. Hisbollah rechnet mit
baldiger Freilassung von Gefangenen in Israel
Di.27.05.08 - Bei einer Schießerei zwischen Anhängern der schiitischen
Hisbollah-Miliz und regierungstreuen Sunniten sind nach Angaben von
Sicherheitskräften in Beirut mindestens neun Menschen zum Teil
schwer verletzt worden. Beide Seiten lieferten sich nach einer Rede von
Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah am Montagabend
zunächst Wortgefechte, bevor sie zu den Waffen griffen. Die
Stadtautobahn Corniche Mazraa, wo sich der Zwischenfall ereignete,
trennt schiitische und sunnitische Viertel in der libanesischen
Hauptstadt. Um weitere Zusammenstöße zu vermeiden, wurden
nach Behördenangaben Soldaten in die Gegend entsandt.
Israel und die Hisbollah-Miliz im Libanon sind bei den Verhandlungen
über einen Gefangenenaustausch offenbar vorangekommen:
Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah erklärte am Montag, die in
Israel inhaftierten libanesischen Häftlinge würden sehr bald
freigelassen. Die Gefangenen würden bald in ihre Heimat
zurückkehren, sagte Nasrallah, ohne genauere Einzelheiten zu
nennen. In Israel sind vermutlich sieben Libanesen inhaftiert; die
Hisbollah hat zwei seit Juli 2006 zwei israelische Soldaten in ihrer
Gewalt.
Die Miliz hat die Freilassung der Männer von einem
Gefangenenaustausch mit Israel abhängig gemacht. Im März
hatte Nasrallah erklärt, von den Vereinten Nationen vermittelte
Verhandlungen mit Israel über einen Austausch dauerten trotz des
Attentats auf einen ranghohen Hisbollah-Kommandeur an.
An die Regierung in Beirut appellierte Nasrallah, keine
militärische Gewalt gegen die schiitische Miliz einzusetzen. Der
Staat solle seine Waffen nicht gegen die Hisbollah und ihre
Verbündeten in der Opposition richten, sagte der
Hisbollah-Führer vor Zehntausenden Anhängern in Beirut.
Die Hisbollah hat sich in einem vergangene Woche geschlossenen Abkommen
verpflichtet, bei der Erreichung ihrer politischen Ziele auf
Waffengewalt zu verzichten. Die in Katar geschlossene Vereinbarung
sieht die Bildung einer gemeinsamen Regierung unter Beteiligung der
Hisbollah vor.
boa (Quelle: ap)
Südafrikas Präsident verurteilt Gewalt gegen Ausländer
Di.27.05.08 - Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hat die fremdenfeindlichen
Übergriffe in seinem Land scharf kritisiert.
"Wir müssen zugeben, dass die Ereignisse der vergangenen beiden
Wochen eine absolute Schande sind", sagte Mbeki am Sonntag in einer vom
Fernsehen übertragenen Rede. Die Behörden würden alles
Erdenkliche tun, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die
Absonderung von Einwanderern in spezielle Lager lehnte Mbeki ab.
Zugleich betonte er, der Wohlstand Südafrikas hänge mit dem
des übrigen Kontinents zusammen. Innenpolitische Probleme
müssten auf demokratischem Wege gelöst werden und seine keine
Rechtfertigung für Gewalt.
Bei den seit zwei Wochen andauernden Übergriffen auf Einwanderer
etwa aus Simbabwe und Mosambik sind nach mindestens 50 Menschen
getötet worden, mehr als 25.000 haben in Notunterkünften
Schutz gesucht. Viele Südafrikaner werfen den Immigranten vor,
ihnen die Arbeit wegzunehmen und für den Anstieg der
Kriminalität verantwortlich zu sein. Die Regierung ist wegen ihrer
schleppenden Reaktion auf die Unruhen - die schwersten seit dem Ende der
Apartheid vor 14 Jahren - in die Kritik geraten. Zudem werfen ihr
Beobachter Versagen bei der Bekämpfung der Armut vor, die als
Nährboden für die Gewalt gilt.
(Quelle: rtr)
Birmas Generäle lassen trotz Zusagen nur zögerlich Hilfe zu
Di.27.05.08 - Trotz der Zusagen der birmanischen Generäle über eine
Öffnung des Landes für internationale Helfer geht die
Versorgung der Opfer der Wirbelsturmkatastrophe nur schleppend voran.
Wegen der blockierenden Haltung der Junta werde ein Schiff mit
Hilfsgütern nicht in Birma, sondern in Thailand entladen, teilte
die französische Regierung mit. Bislang hätten internationale
Helfer nur vereinzelt Zugang zum besonders schwer betroffenen
Irawadi-Delta erhalten, erklärte die Diakonie Katastrophenhilfe.
Die USA kritisierten das nachgeholte Verfassungsreferendum in den von
der Katastrophe am schwersten betroffenen Gebieten.
Die 1000 Tonnen Ladung des Schiffes "Mistral" würden ins
thailändische Phuket umgeleitet und an das
Welternährungsprogramm (WFP) übergeben, erklärten das
französische Außenministerium und das
Verteidigungsministerium. Das WFP solle die Hilfslieferung dann zu den
Opfern in Birma bringen. Es sei "besonders schockierend", dass Birmas
es ablehne, dass die an Bord der "Mistral" seit dem 17. Mai vor dem
Irawadi-Delta zur Verfügung stehenden Hilfsgüter direkt zu
den Opfern gebracht werden dürften, erklärten die
Ministerien. Die Öffnung der Katastrophengebiete durch die Junta
habe sich "noch nicht wesentlich verändert", erklärte die
Diakonie Katastrophenhilfe in Stuttgart.
Er hoffe, dass Birma den Einsatz internationaler Helfer akzeptiere,
sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Seitdem der Wirbelsturm
"Nargis" am 2. und 3. Mai über das südostasiatische Land
fegte, gelten nach offizieller Zählung rund 134.000 Menschen als
tot oder vermisst. Birma hatte weltweit für Empörung gesorgt,
da es die Einreise internationale Helfer ablehnte.
Die US-Regierung sei "bestürzt", dass inmitten der Katastrophe die
zweite Runde des Verfassungsreferendums abgehalten worden sei, sagte
ein Sprecher des US-Außenministeriums. Das birmanische
Staatsfernsehen teilte mit, bei der nachgeholten Abstimmung in den
besonders betroffenen Gebieten habe die Beteiligung bei 93 Prozent und
die Zustimmung zu dem Regierungsentwurf bei 92,93 Prozent gelegen.
Insgesamt sollen demnach 98 Prozent der Birmaner an dem Referendum
teilgenommen haben, wobei die Zustimmung bei mehr als 92 Prozent lag.
Am Montag um Mitternacht (Ortszeit) sollte der staatlich verordnete
Hausarrest der Friedensnobelpreisträgerin und
Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi auslaufen. Beobachter erwarten
jedoch, dass die Anordnung verlängert wird. Suu Kyi hatte zum
Boykott des Verfassungsreferendums aufgerufen.
(Quelle: afp)
Mehrere Millionen Menschen bei Schwulenparade in São Paulo
Di.27.05.08 - Mehrere Millionen Menschen haben im brasilianischen São Paulo
bei einer Parade für die Rechte von Homosexuellen demonstriert. Zu
Samba- und Techno-Rhythmen tanzten die Teilnehmer über die Avenida
Paulista, eine der Hauptstraßen der Wirtschaftsmetropole. Die
Regenbogenflagge als Symbol der Schwulen- und Lebensbewegung war in der
ganzen Stadt zu sehen. Die Organisatoren, die die Schwulen- und
Lesbenparade seit 1996 in São Paulo veranstalten, sprachen von
rund fünf Millionen Teilnehmern, die Behörden von 3,5
Millionen Demonstranten.
Das Motto der diesjährigen Parade lautete "Homophobie tötet:
Für einen tatsächlich laizistischen Staat". Die Homosexuellen
in Brasilien fordern Gesetze zum Schutz ihrer Rechte, insbesondere die
Kriminalisierung von Homophobie. Die christlichen Kirchen in Brasilien
lehnen dies ab.
(Quelle: afp)
EU und Russland vor neuen Grundsatzverhandlungen
Di.27.05.08 - Die Europäische Union und Russland können im Juni
Verhandlungen über ein neues Grundsatzabkommen beginnen.
Die 27 EU-Außenminister stimmten am Montag in Brüssel einem
Mandat für die Verhandlungen zu, das in den vergangenen beiden
Jahren von Polen und später auch von Litauen blockiert worden war.
Das neue Partnerschafts- und Kooperationsabkommen soll eine Art
Grundlagenvertrag über die politische, wirtschaftliche und
kulturelle Zusammenarbeit der EU mit Moskau sein. Es soll einen bereits
1997 in Kraft getretenen Vertrag ablösen. So will die EU im neuen
Abkommen unter anderem mehr Sicherheit hinsichtlich der wichtigen Gas-
und Öllieferungen Russlands bekommen.
Wann die Verhandlungen abgeschlossen werden, ist nach Angaben von
EU-Diplomaten noch völlig unklar. Sowohl im Energiebereich als auch
bei den von Russland gewünschten Reiseerleichterungen oder dem
Luftverkehr gibt es Probleme, die das Verhältnis beider Seiten zum
Teil seit Jahren belasten. Litauen gab den Widerstand gegen das Mandat
auf, nachdem die EU-Partner zugesichert hatten, auch die besonderen
Probleme der einstigen Sowjetrepublik zu berücksichtigen. Polen
hatte bereits zuvor einen Streit mit Russland um Fleischexporte
beigelegt.
(Quelle: dpa)
Serbiens Sozialisten wollen EU-Annäherung fortsetzen
Di.27.05.08 - Das Lager der serbischen Sozialisten will nach Angaben eines seiner
Anführer in den derzeitigen Koalitionsverhandlungen auf einer
Fortsetzung des Annäherungskurses an die Europäische Union
bestehen.
"Nur durch das Bemühen um eine EU-Mitgliedschaft kann sich Serbien
wirtschaftlich erholen und neue Investitionen anziehen", sagte der Chef
der mit den Sozialisten verbündeten Partei Vereinigtes Serbien,
Dragan Markovic, am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Spitzen
des Blocks aus insgesamt drei Parteien, ohne deren Unterstützung
keines der beiden großen Lager eine Mehrheit für die
Regierungsbildung hat, seien sich in dieser Frage einig.
Der entscheidende Test für ihre potenziellen Partner werde deren
Haltung zum Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) sein, das
die EU und Serbien kurz vor der Wahl vor zwei Wochen unterzeichnet
hatten, sagte Markovic. "Wir haben uns heute getroffen und sind
übereingekommen, dass das SAA nicht vom Parlament aufgehoben werden
sollte." Die Koalitionsverhandlungen mit dem nationalistischen Lager
werde man fortsetzen, darin aber auch seine Bedingungen deutlich
machen. "Wenn das SAA im Parlament zur Abstimmung gestellt wird, wird
meine Partei dafür stimmen", fügte der Parteichef hinzu.
Für wie wahrscheinlich er ein Eingehen der Nationalisten unter der
Führung von Tomislav Nikolics Radikaler Partei auf diese Bedingung
halte, ließ Markovic offen.
Die Nationalisten buhlen ebenso wie die pro-europäischen
Kräfte um Boris Tadic und dessen Demokratische Partei um die
Sozialisten, um eine Regierungsmehrheit zusammenzubringen. Während
das Tadic-Lager die Annäherung an die EU fortsetzen will, setzen
Nikolic und seine Anhänger aus Protest gegen die europäische
Anerkennung eines unabhängigen Kosovo auf eine engere Bindung an
Russland und China. Die Sozialisten des gestorbenen früheren
Präsidenten Slobodan Milosevic ringen derzeit darum, sich zu
modernisieren und ihren einstigen aggressiven Nationalismus hinter sich
zu lassen.
(Quelle: rtr)
Serbien weist Vorwurf von Völkermord in Kroatien zurück
Di.27.05.08 - Serbien steht wegen Verbrechen während der Balkan-Kriege Anfang
der 90er Jahre erneut vor dem Internationalen Gerichtshof der Vereinten
Nationen (IGH) in Den Haag. Kroatien hat das Nachbarland des
Völkermords beschuldigt, was der serbische Regierungsvertreter
Tibor Varady am Montag entschieden zurückwies. Er sprach dem IGH
zudem die Zuständigkeit ab, im vorliegenden Fall zu urteilen, da
Serbien bei der Einreichung der kroatischen Klage 1999 kein UN-Mitglied
war.
Varady räumte ein, dass während des serbisch-kroatischen
Krieges «schwere Verbrechen» begangen worden seien. Diese
hätten aber nicht das Ausmaß eines Völkermords
erreicht. Dies sei umso offensichtlicher, als das UN-Tribunal für
Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien bisher noch keine Anklage
wegen Völkermords in Kroatien erhoben habe. In Bosnien-Herzegowina
sei dies anders gewesen, und doch sei der serbische Staat von einer
direkten Verantwortung freigesprochen worden.
Der IGH urteilte am 26. Februar 2007, dass das Massaker von Srebrenica,
dem 1995 rund 8.000 bosnische Muslime zum Opfer fielen, ein eindeutiger
Akt des Völkermords war. Der Regierung in Belgrad wurde
vorgeworfen, seinerzeit nichts getan zu haben, um solche von bosnischen
Serben begangene Verbrechen zu verhindern. Gleichwohl wurde ihr keine
unmittelbare Verantwortung bescheinigt.
Die 17 Richter des Weltgerichtshofs müssen nun entscheiden, wie
die damaligen Vorkommnisse in Kroatien zu bewerten sind und ob der IGH
überhaupt zuständig ist. Die kroatische Regierung wird ihre
Sicht der Dinge am (morgigen) Dienstag vortragen.
(Quelle: ap)
Deutschland
Gesine Schwan wirbt bei Präsidenten-Kandidatur um Stimmen der Linkspartei
Di.27.05.08 - Die SPD setzt trotz aller Warnungen der Union bei der
Bundespräsidentenwahl offen auf die Unterstützung der Linken.
Die 65-jährige Gesine Schwan kündigte nach ihrer einstimmigen
Nominierung durch die SPD am Montag in Berlin an, sie wolle um Stimmen
«aus allen Parteien, namentlich auch aus der Linken»
werben. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte, die SPD begebe sich
in die Hände der Linken. SPD-Chef Kurt Beck hielt dagegen, die
Präsidentenwahl im Mai 2009 bedeute «in keinster Weise eine
Vorentscheidung» über ein Bündnis für die
Bundestagswahl. Ungeachtet der Turbulenzen wollen die Spitzen von Union
und SPD an der großen Koalition festhalten.
Schwan sagte auf einer Pressekonferenz mit Beck, wer sie von den Linken
wähle, entscheide sich für eine konstruktive Politik und
für die Demokratie. Es werde aber keine Absprachen geben.
«Ich wäre nicht angetreten, wenn ich nicht eine realistische
Chance sähe, gewählt zu werden.» Die Präsidentin
der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder) betonte, sie habe die
Nominierung mit Freude angenommen: «Ich tue es mit Lust.»
Sie werde die Linke auch weiterhin öffentlich kritisieren.
«Ich möchte, dass sich die Linke zwischen konstruktivem
Protest und demagogischer Polemik entscheidet.»
Beck betonte, die SPD wolle keinen Wahlkampf gegen Bundespräsident
Horst Köhler führen. Köhler hatte in der vergangenen
Woche seine Bereitschaft für eine zweite Amtszeit erklärt. Im
ZDF-«heute journal» sagte der SPD-Vorsitzende, seine Partei
werbe auch um die Delegierten anderer Parteien in der
Bundesversammlung. «Wir lassen uns da nicht einengen und
einmauern.» Er werde sich aber nicht mit Hilfe der Linken zum
Kanzler wählen lassen.
Die Linke will Schwan nicht zum «Nulltarif» ins Amt
verhelfen. Absprachen seien das Mindeste, sagte
Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Er nannte es
«Quark», dass die jetzige Debatte eine Weichenstellung
für eine rot-rot-grüne Koalition im Bund sein könne.
Schwans Aufstellung führt nach den Worten mehrerer Unionspolitiker
nicht zu einem Bruch der großen Koalition, belastet aber das
Klima zwischen Union und SPD. Am Rande einer Wirtschaftstagung sagte
Merkel, Köhler sei ein in der Welt hochgeschätzter
Präsident. Deutschland könne froh darüber sein, dass
sich Köhler für eine zweite Amtszeit zur Verfügung
gestellt habe. Sie sei sicher, dass Köhler wiedergewählt
werde, sagte die CDU-Vorsitzende.
Schwan hatte als Motivation für ihre Kandidatur erläutert,
sie sehe damit eine gute Möglichkeit, die Demokratie zu
stärken, die sich gegenwärtig in einer «kulturellen
Krise» befinde. Sie wolle durch Vertrauensbildung
Politikverdrossenheit überwinden helfen und dazu beitragen,
politische Prozesse durchsichtiger zu machen.
In einer CDU-Präsidiumssitzung sprachen sich nahezu alle
Mitglieder des Gremiums für den Kurs von Merkel aus, an der
Koalition festzuhalten. «Wir sind der Anker der Stabilität
der Bundesregierung», sagte CDU-Generalsekretär Ronald
Pofalla. Er unterstellte der SPD Abhängigkeit von der Linken. Der
Koalitionspartner habe mit der Nominierung Schwans «ein
bundespolitisches Signal an die Linkspartei gegeben».
Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU)
regte nach Teilnehmerangaben an, über eine Strategie zum Verlassen
der Koalition zumindest nachzudenken. Auch Hessens
geschäftsführender Ministerpräsident Roland Koch (CDU)
warf der SPD vor, mit der Nominierung Schwans «einen Schritt weg
von der parlamentarischen Zusammenarbeit der Mitte» gemacht zu
haben.
CSU-Chef Erwin Huber kritisierte, die SPD öffne das Scheunentor
für einen rot-roten Pakt auf Bundesebene. FDP-Chef Guido
Westerwelle empfahl Merkel den Bruch der Koalition. SPD, Grüne und
Die Linke wollten mit der Wahl von Schwan «ein
Koalitionssignal» setzen.
Die Grünen wollen trotz Sympathiebekundungen für Schwan ihr
Verhalten bei der Präsidentenwahl erst nach der bayerischen
Landtagswahl im Herbst festlegen. Allerdings: Wer, wie Westerwelle eine
Wiederwahl des Bundespräsidenten als Richtungswahl für
Schwarz- Gelb ausgebe, mache Köhler für viele Grüne
praktisch unwählbar, sagte Parteichefin Claudia Roth.
(Quelle: dpa)
UNICEF: Lage von Kindern in Deutschland nur Mittelmaß
Di.27.05.08 - Im ersten UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland schneidet
die Bundesrepublik nur mittelmäßig ab. Trotz hoher Ausgaben
für Familien bestünden bei der materiellen Lage, den
Bildungschancen, der Gesundheit und dem subjektiven Wohlbefinden nach
wie vor große Defizite, heißt in dem Bericht, der dem
evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt.
In einer UNICEF-Studie zur Situation von Kindern in 21
Industrieländern war Deutschland bereits 2007 nur im Mittelfeld
gelandet. In dem neuen Bericht werden neben Defiziten bei der
Förderung sozial benachteiligter Kinder auch Aspekte des
familiären Zusammenhalts beleuchtet. So nehmen deutsche Eltern im
Vergleich zu vielen west-, süd- und nordeuropäischen
Ländern weit seltener die Hauptmahlzeit mit ihren Kindern ein.
Ferner sei der Anteil der Jugendlichen, die sich "unwohl" oder "fehl am
Platz fühlen", ähnlich wie in Dänemark oder Frankreich
höher als in den meisten anderen Ländern. Auch bei
tätlichen Übergriffen landet Deutschland ziemlich weit vorne.
Nur in Portugal, Österreich, der Schweiz und Portugal würden
Schulkinder öfter drangsaliert.
Schlecht schneidet Deutschland zudem mit neun Prozent bei der
Erwerbslosigkeit von Eltern ab. Nur Polen und Ungarn liegen hier
darüber. Grund hierfür sei die Wirtschaftslage in
Ostdeutschland und den Stadtstaaten, heißt es in dem Bericht, der
unter Federführung des Familiensoziologen Hans Bertram entstand. In
Bremen und Berlin gingen sogar rund 16 Prozent der Eltern keiner Arbeit
nach.
In den Stadtstaaten mit Ausnahme Bremens sowie vor allem in den neuen
Bundesländern wie etwa Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es
nach UNICEF-Angaben die meisten Schulabgänger ohne Abschluss.
Schlusslicht bei den ausländischen Jugendlichen sei allerdings
Baden-Württemberg.
Trotz wesentlich höherer Gesundheitsausgaben werden Kinder in
Deutschland schlechter medizinisch versorgt als etwa in Skandinavien
oder Frankreich. Einzelne Bundesländer wie Sachsen, Bayern oder
Baden-Württemberg befänden sich aber auf fast dem Niveau von
Finnland und Schweden, die die Tabelle anführten.
Als Problem führt das UN-Kinderhilfswerk zudem die "riskante
Lebensführung" an. Vor allem der niedrige Stellenwert von
körperlicher Aktivität sei problematisch. Zudem orientierten
sich deutsche Jugendliche beim Nikotin- und Alkoholkonsum sowie beim
"relativ sorglosen Umgang mit Sexualität" am Verhalten der
Erwachsenen. So sei die Zahl der gelegentlich betrunkenen Schulkinder
nur in Großbritannien, Finnland, Dänemark und Kanada
höher.
(Quelle: epd)
Studie: Jedes sechste Kind lebt in Armut
Di.27.05.08 - Mehr als jedes sechste Kind in Deutschland lebt nach einem Bericht des
Prognos-Instituts für das Bundesfamilienministerium in Armut. Das
berichtet die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf
das Papier.
Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) wollte den Bericht gestern
in Berlin vorstellen. Im nationalen Armutsbericht, dessen Entwurf
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vor einer Woche vorgestellt
hatte, war die Kinderarmut niedriger eingeschätzt worden: Nur etwa
jedes achte Kind in Deutschland ist demnach von Armut bedroht.
Der Bericht ermittelt laut Zeitung hohe Armutsrisiken für einzelne
Gruppen. So seien etwa 40 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden von
Armut bedroht, 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel
der Kinder von Hartz-IV-Empfängern. Das Kindergeld leiste den
größten Beitrag zur Armutsbekämpfung: Gäbe es kein
Kindergeld, würden demnach zusätzlich etwa 1,7 Millionen
Kinder unter die Armutsgrenze rutschen.
Größere Familien mit drei oder mehr Kindern spürten das
Kindergeld besonders stark, schreibt die Zeitung. Ihnen liefere es 15
Prozent des verfügbaren Einkommens. Bei Alleinerziehenden mit zwei
Kindern sei dies noch deutlicher. Das Kindergeld entspreche im Schnitt
20 Prozent ihres Einkommens. Allerdings stelle der Bericht auch fest,
dass Kindergeld das teuerste familienpolitische Instrument sei: 35
Milliarden Euro gebe der Staat jedes Jahr dafür aus.
Von der Leyen lehnte einen gesetzlichen Mindestlohn erneut ab:
«Ein Mindestlohn hilft keiner Familie mit mehreren Kindern»,
sagte sie der Zeitung. Familien mit kleinen Einkommen bräuchten
gezielte finanzielle Hilfen. Die Ministerin plädierte erneut
für ein nach der Kinderzahl gestaffeltes Kindergeld, weil es
«verhindert, dass kinderreiche Familien in die Armut
rutschen».
(Quelle: dpa)
Steuerexperten und Opposition fordern Reform des Elterngelds
Di.27.05.08 - Das von der großen Koalition neu eingeführte Elterngeld muss
nach Ansicht von Steuerexperten und Oppositionspolitikern dringend
reformiert und erweitert werden.
So drohen vielen deutschen Haushalten, die im vergangenen Jahr erstmals
Elterngeld bezogen haben, steuerliche Mehrbelastungen in erheblichem
Umfang, wie die "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) berichtet. Das Blatt
beruft sich dabei auf eine Analyse des Neuen Verbands der
Lohnsteuerhilfevereine (NVL). "Für viele Eltern kann es mit dem
Steuerbescheid ein böses Erwachen geben, weil das Finanzamt zum
Teil hohe Steuernachzahlungen fordert", sagte
NVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft dem Blatt.
So könne es aufgrund des Progressionsvorbehalts beispielsweise bei
einem Gehalt des weiter arbeitenden Partners von 100.000 Euro in
Steuerklasse III und 60.000 Euro bisherigen Jahresbruttolohns des
anderen Partners mit Steuerklasse IV vor der Geburt und Klasse V danach
zu Nachforderungen des Finanzamts in Höhe von 2826 Euro kommen.
Diesem Betrag stünden eine tatsächliche Elterngeldzahlung von
21.124 Euro für zwölf Monaten gegenüber.
Aber auch Niedrigverdiener trifft dem Experten zufolge die
Steuerproblematik beim Elterngeld. Wenn beide Partner vor der Geburt
jeweils 20.000 Euro brutto verdient haben, würde die
Steuerbelastung dem Verband zufolge ohne Elterngeld auf Null zurück
gehen. Durch die Zahlung des eigentlich steuerfreien Elterngelds in
Höhe von 8439 Euro werden nunmehr jedoch 877 Euro Steuern
fällig. Rauhöft forderte Bundesfamilienministerin Ursula von
der Leyen (CDU) daher zu Korrekturen am Elterngeld auf: "Wenigstens der
Mindestbetrag des Elterngeldes muss bei der Steuerberechnung
außen vor bleiben."
Die Bundestagsfraktion der Linken forderte unterdessen eine sofortige
Anhebung des Mindestelterngeldes auf 450 Euro und die Erweiterung des
zeitlichen Anspruchs auf Elterngeld auf 12 Monate pro Elternteil und 24
Monate für Alleinerziehende. Als Ergebnis einer kleinen Anfrage im
Bundestag über die Verteilungswirkungen des Elterngeldes sieht der
Familien-Experte der Linken, Jörn Wunderlich, die Mehrheit der
Bezieher von Elterngeld finanziell schlechter gestellt als unter der
vorangegangenen Regelung.
"Das Elterngeld ist eine sozialpolitische Mogelpackung, die für
die Mehrheit der Eltern nicht hält, was sie verspricht", sagte
Wunderlich der "Berliner Zeitung" vom Montag. 56 Prozent der Eltern,
erhielten ein Elterngeld von 500 Euro oder weniger. "Vom Erziehungsgeld
hätten sie deutlich mehr profitiert, denn das Elterngeld wird
für maximal 14 Monate gezahlt, das Erziehungsgeld von 300 Euro
dagegen wurde für bis zu 24 Monate gewährt."
Die Linke sieht vor allem Frauen benachteiligt, die meist über ein
geringeres Erwerbseinkommen verfügen als Männer. Zudem seien
die Eltern in Ostdeutschland aufgrund ihrer schlechteren Erwerbschancen
benachteiligt. "Die Bundesregierung lobt die erfreulich steigende
Beteiligung von Vätern an der Elterngeldregelung, lässt aber
die übrigen desaströsen Ergebnisse der Elterngeldstatistiken
unter den Tisch fallen", kritisierte Wunderlich.
(Quelle: rtr)
Breite Kritik an Plänen für Ausbildungsbonus
Di.27.05.08 - Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und Wirtschaftsverbände haben
gleichermaßen den von der Bundesregierung geplanten
Ausbildungsbonus kritisiert. Diese Förderung für sogenannte
Altbewerber drohe zu einem Misserfolg zu werden, geben die Verbände
in Gutachten für den Bundestag zu bedenken, aus denen die
"Braunschweiger Zeitung" zitiert. Die Bundesregierung will Arbeitgeber
mit einer Prämie von 4000 bis 6000 Euro für jeden
zusätzlichen Ausbildungsplatz belohnen, der bis 2010 für
Altbewerber geschaffen wird.
Im Gesetzentwurf der Bundesregierung seien die Kriterien für die
Zielgruppe so weit gefasst, dass der Bonus praktisch für jeden
Altbewerber in Frage käme, heißt es demnach beim DGB. Damit
werde "in großem Umfang ganz normale Ausbildung zum
Förderfall erklärt". Als Altbewerber gelten Jugendliche, die
nicht direkt nach Ende der Schule eine Ausbildungsstelle finden.
Ähnlich äußern sich der Zeitung zufolge die
Spitzenverbände von Arbeitgebern (BDA), Handwerk (ZDH), Kammern
(DIHK) und Industrie (BDI) in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Sie
warnen vor Fehlanreizen, Mitnahmeeffekten und Nachteilen für die
Unternehmen, die bisher schon stark ausbilden.
(Quelle: afp)
Forschungsinstitut IAB kritisiert 'geschönte' Arbeitsmarktstatistik
Di.27.05.08 - Kurz vor Bekanntgabe der neuen Arbeitslosenzahl am Donnerstag dieser
Woche hat der Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung (IAB) der großen Koalition vorgeworfen, die Daten
künstlich niedrig zu rechnen. «Da wird in der Tat an der
Statistik-Schraube gedreht», sagte Joachim Möller, Leiter
des Instituts, der «Süddeutschen Zeitung»
(Dienstagausgabe). Laut der Bundesagentur für Arbeit waren im
April 3,4 Millionen Menschen arbeitslos. Weil das Schönen der
Statistiken seit Jahrzehnten Tradition habe, fehlten aber gut 1,5
Millionen Menschen in der offiziellen Zahl.
Zähle man alles zusammen, «kommt man in Deutschland auf gut
fünf Millionen Menschen, die gerne arbeiten würden»,
betonte Möller. Dazu gehörten allein 625 000 Menschen, die
als stille Reserve bezeichnet werden. Sie melden sich wegen ihrer
schlechten Vermittlungschancen gar nicht erst bei den Arbeitsagenturen.
Hinzu kommen etwa eine Million Menschen, die nicht als arbeitslos
gezählt werden, etwa, weil sie als Ein-Euro-Jobber arbeiten, in
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen stecken oder staatlich
gefördert frühverrentet wurden.
Möller kritisierte, dass wechselnde Regierungen schon seit
Jahrzehnten immer wieder an der Statistik gedreht hätten. Die
große Koalition beispielsweise habe es versäumt, die
Frühverrentungs-Regelungen konsequent abzuschaffen. Künftig
fallen daher Langzeitarbeitslose über 58 Jahre aus der
Arbeitslosenstatistik, wenn ihnen nicht innerhalb eines Jahres ein
konkretes Jobangebot gemacht werden kann.
(Quelle: ddp)
IG Metall plant Warnstreiks im Streit um Altersteilzeit
Di.27.05.08 - Die IG Metall will ihre Forderung nach einer tariflichen
Nachfolgeregelung für die Altersteilzeit mit Warnstreiks
untermauern. Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg
kündigte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann am Montag in
Stuttgart Arbeitsniederlegungen in den Betrieben ab 4. Juni an. Nach
dem 12. Juni könnte es zu bundesweiten Warnstreiks kommen, falls
sich bis dahin keine Lösung bei den Verhandlungen mit dem
Arbeitgeberverband Südwestmetall abzeichnet.
In Baden-Württemberg wird federführend für die
gesamtdeutsche Metallbranche über einen tariflichen Anspruch auf
Altersteilzeit verhandelt. Die staatliche Förderung für den
vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben läuft 2009 aus. Die
dritte Verhandlungsrunde am Montag endete ohne Annäherung. Hofmann
warf den Arbeitgebern im Anschluss Konzeptlosigkeit vor. Seine Hoffnung
auf konstruktive Gespräche habe sich bislang nicht erfüllt.
Der Verband Südwestmetall bot bei den Gesprächen nach eigenen
Angaben einen tariflichen Anspruch auf Altersteilzeit für
besonders belastete Arbeitnehmer an. Davon sollen Beschäftigte
profitieren, die eine mindestens 20-jährige
Betriebszugehörigkeit nachweisen können und die während
der vergangenen 15 Jahre mindestens 12 Jahre lang in der Nachtschicht
oder im Drei-Schicht-System gearbeitet haben. An der Finanzierung
sollen sie sich als Ausgleich für die wegfallende Förderung
durch die Bundesagentur für Arbeit selbst beteiligen.
Nach Angaben der IG Metall würde nur ein Bruchteil der Metaller
unter diese Regelung fallen. Hofmann warf Südwestmetall vor, auf
Zeit zu spielen. Die Arbeitnehmer bräuchten offenbar den
«Druck aus den Betrieben», betonte der Gewerkschafter. Die
nächste Verhandlungsrunde findet am 9. Juni statt. Am 12. Juni
will die Große Tarifkomission der baden-württermbergischen
IG Metall über das weitere Vorgehen beraten. Die Möglichkeit,
tatsächlich noch bis Ende Juni zu einem Ergebnis zu kommen,
schätzen beide Seiten als schwierig ein.
(Quelle: ddp)
Deutsche Milchbauern drohen mit Lieferstopp
Di.27.05.08 - Deutschlands Milchbauern machen im Kampf um höhere Preise mobil:
Aus Protest gegen die Molkereien wollen sie von diesem Dienstag an
keine Milch mehr liefern.
Das kündigte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher
Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, am Montag bei einer Kundgebung
in Freising bei München an.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) erklärte sich
mit der Branche solidarisch. Am Rande eines Treffens der EU-
Agrarminister in Maribor sagte Seehofer: «Die Bauern haben meine
volle politische Unterstützung im Kampf um diesen fairen
Preis.» Die Forderung nach 40 Cent je Liter sei gerechtfertigt.
Er kündigte Widerstand gegen eine Erhöhung der
Milchproduktion in der EU an, um einen weiteren Preisverfall zu
verhindern.
Der Milchbauern-Verband empfahl sozialen Einrichtungen wie
Krankenhäusern und Kindergärten, ausreichend Frischmilch
einzukaufen, weil es zu Versorgungsengpässen kommen könne.
Schaber machte klar, dass die Geduld der Milchbauern am Ende sei.
«Es bleibt uns nur noch die Möglichkeit, unsere Milch als
Druckmittel einzusetzen. Milch ist Macht, und wir haben die
Milch», sagte er. In einer Befragung des Verbandes hätten
sich fast neun von zehn Landwirten (88 Prozent) zu einem Lieferstopp
bereiterklärt.
Unklar blieb zunächst, welche Folgen ein Boykott haben
könnte. So wollte etwa der baden-württembergische
Bauernverband nicht zum Lieferstopp aufrufen. Der BDM vertritt
bundesweit rund 30 000 Produzenten. An der Kundgebung in Freising
beteiligten nach Angaben des Verbandes 9000 Bauern, die Polizei sprach
von 7000 Demonstranten.
Auch im sächsischen Leppersdorf demonstrierten vor dem Werk der
Sachsenmilch rund 1000 Bauern aus mehreren Bundesländern für
höhere Preise. Sowohl Sachsenmilch als auch Weihenstephan
gehören zur Unternehmensgruppe Theo Müller.
Sachsenmilch-Geschäftsführer Stefan Müller sagte laut
Mitteilung, derzeit stehe einer verringerten Nachfrage ein steigendes
Angebot gegenüber.
«Durch den Preisverfall stehen wir mit dem Rücken zur
Wand», sagte Schaber nach Verbandsangaben. Die Bauern forderten
die Molkereien auf, ihnen mindestens 40 Cent pro Liter zu zahlen. Nach
Angaben des BDM liegt der Preis derzeit bei 27 Cent im Norden
Deutschlands und 35 Cent im Süden. Durch die gestiegenen Energie-
und Futterpreise wirtschafteten viele Milchbauern am Existenzminimum.
Seehofer und Minister aus anderen EU-Staaten sperrten sich gegen die
Kommission, die vom kommenden Jahr die Milchproduktion in Europa
jährlich um ein Prozent ausweiten will. «Das halten wir zum
jetzigen Zeitpunkt nicht für richtig», sagte Seehofer, der
für die deutsche Position und die Idee eines
«Milchfonds» um Verbündete warb.
Für Landwirte in schwierigen Lagen will er EU-Mittel lockermachen.
Über die finanzielle Ausstattung des Fonds sagte er nichts. In
Delegationskreisen waren mindestens zwei Milliarden Euro jährlich
im Gespräch. Unterstützung fand Deutschland unter anderen bei
Österreich, Finnland und Slowenien.
Deutschland geht es vor allem darum, Milchbauern in den schwierig zu
bewirtschafteten Bergregionen und anderen Randlagen eine Chance am
Markt zu erhalten. Ende März 2015 läuft das Milchquotensystem
aus, mit die EU seit den 80er Jahren erfolglos versucht, Angebot und
Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Die EU-Kommission will mit der
Erhöhung der Produktion der steigenden globalen Nachfrage vor
allem in aufstrebenden Ländern Asiens nachkommen.
Deutschland fordert im Gegenzug zur höheren Produktion ein
Begleitprogramm für die heimische Milchwirtschaft.
Österreichs Agrarminister Josef Pröll sagte, es dürfte
kein Problem sein, einen Teil der jährlich nicht genutzten
EU-Agrarmittel in die Milchwirtschaft umzuleiten. «Aber ich will
auch frisches Geld», sagte Pröll.
(Quelle: dpa)
Rechtsextremer Überfall auf Theaterschauspieler - Anklage will nur
einen Verdächtigen im Halberstadt-Prozess bestrafen
Di.27.05.08 - In dem Prozess um den rechtsextremen Überfall auf
Theaterschauspieler im Juni 2007 in Halberstadt hat die
Staatsanwaltschaft am Montag für einen Angeklagten eine
Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten gefordert. Für
die restlichen drei Tatverdächtigen beantragte die
Staatsanwaltschaft Freispruch. Es gebe keinerlei Zeugenaussagen, die
belegten, dass die drei Männer an dem Überfall beteiligt
gewesen seien. Nebenklage und Verteidigung wollten ebenfalls im Laufe
des Montags plädieren.
Anzeige
Das Verfahren gegen vier Angehörige der rechten Szene hatte im
Oktober vor dem Amtsgericht Halberstadt, das aus Platzgründen in
Magdeburg tagt, begonnen. Den Angeklagten im Alter zwischen 22 und 28
Jahren wird vorgeworfen, eine Gruppe von Theaterschauspielern am 9. Juni
2007 in Halberstadt angegriffen und fünf von ihnen teilweise
schwer verletzt zu haben. Einer der Beschuldigten hatte zu Beginn ein
Teilgeständnis abgelegt, die anderen haben zu den Vorwürfen
geschwiegen.
Das Urteil wird einem Gerichtssprecher zufolge am Mittwoch erwartet.
(Quelle: ddp)
Wissenschaft
Klimawandel macht Nordengland zum Rotweingebiet
Di.27.05.08 - Englischer Rotwein wird nach Ansicht von Experten in einigen
Jahrzehnten zu den begehrtesten Rebensäften der Welt gehören.
Die Klimaerwärmung wird dafür sorgen, dass große
Hügelregionen im Norden Englands zu hervorragenden Anbaugebieten
für Cabernet Sauvignon und Merlot werden.
Das prophezeite Professor Richard Selley vom Imperial College in London
in einer am Montag veröffentlichten Studie.
Selley benutzte für seine Prognose Computerberechnungen von
Klimadaten, denen zufolge die Durchschnittstemperaturen im Süden
Englands bis zum Jahr 2080 um bis zu fünf Grad Celsius steigen
könnten. Dies würde laut Selley das Aus für den teils auf
die Römer zurückgehende Weißweinproduktion in den
Anbaugebieten Südenglands - darunter im Thames Valley und im Severn
Valley.
Eine Umstellung auf Rotwein sei wegen des hohen Temperaturanstiegs im
Süden des Inselkönigreichs aussichtslos. Möglich
wäre dort künftig die Produktion von Korinthen, Rosinen und
Sultaninen, wie sie bislang aus heißen Gebieten im Nahen Osten und
Nordafrika exportiert werden. Eine Zukunft als Rotweinregion erster
Klasse sagt der Weinkenner und Klimaforscher hingegen dem Peak District
in Nordengland und selbst der bislang ebenfalls noch kühlen
Bergregion Snowdonia im Norden von Wales voraus.
(Quelle: dpa)