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Irak 1527 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
US-Außenministerium will erneut Diplomaten im Irak
zwangsverpflichten. Australische Soldaten schämen sich für
Versorgungsrolle im Irak
Mi.28.05.08 - Die US-Regierung plant erneut die Zwangsverpflichtung von Diplomaten
für die Arbeit im Irak. Das Außenministerium in Washington
hat nach Informationen der Nachrichtenagentur AP mit der Auswahl von
Mitarbeitern begonnen, die im kommenden Jahr in der US-Botschaft in
Bagdad und in verschiedenen Provinzen eingesetzt werden könnten,
sollten sich nicht genügend Freiwillige für insgesamt rund
300 Posten bewerben.
Die infrage kommenden «besonders qualifizierten» Kandidaten
würden in den kommenden Tagen aufgefordert, sich freiwillig zu
melden, heißt es in einer internen Mitteilung vom Dienstag, die
der AP vorlag. Sollte dem niemand nachkommen, werden dem Ministerium
zufolge Diplomaten zwangsverpflichtet. Außenministerin
Condoleezza Rice richtete einen persönlichen Appell an die
Mitarbeiter. «Ich ermuntere Sie, sich unseren Teams in Bagdad und
Kabul anzuschließen», erklärte Rice in einer
Videobotschaft, die im Hauskanal des Außenministeriums gesendet
werden soll.
Eine ähnliche Situation und massive Proteste gab es bereits im
vergangenen Jahr, damals meldeten sich jedoch noch genügend
Freiwillige für 48 freigewordene Posten. Seit die US-Regierung
Botschaften im Irak und in Afghanistan eröffnet hat, waren dort
ausschließlich Freiwillige für jeweils ein Jahr im Einsatz.
Sie erhalten Boni wie Zuschläge und Extraurlaub. Seit Beginn des
Krieges 2003 sind im Irak mindestens drei Mitarbeiter im
auswärtigen Dienst getötet worden.
Australiens Infanteristen schämen sich ihren Offizieren zufolge
für ihren Ausschluss von Kampfeinsätzen im Irak und in
Afghanistan.
Die von der Regierung verhängten Einschränkungen führten
dazu, dass die Soldaten von den anderen alliierten Truppen "fast mit
Verachtung" behandelt würden, schrieb Major Jim Hammett im
Australian Army Journal. Die Vorschriften "haben zu der weit
verbreiteten Ansicht geführt, dass unser Heer von
institutionalisierter Feigheit befallen ist", hieß es in dem am
Dienstag vorliegenden Bericht.
Hauptmann Greg Colton schrieb in einem zweiten Artikel von Problemen
bei der Moral, weil die Verbündeten aus den USA,
Großbritannien und Kanada ihr Leben an der Front riskierten,
während die australischen Soldaten "wenig mehr als interessierte
Zuschauer" zu sein schienen.
Australien gehört zu den engsten US-Verbündeten und hat 4000
Soldaten im Irak, in Afghanistan und anderen Orten im Einsatz.
Tatsächlich an den Kämpfen beteiligt sind allerdings 500
Mitglieder von Spezialeinheiten im Irak und 300 in Afghanistan. Die
normale australische Infanterie war Hammett zufolge zuletzt im
Vietnam-Krieg an einer größeren Offensive beteiligt.
boa (Quellen:ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 28.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausenddreiundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
Mo.28.05.07 - Castro attackiert Bushs Irak-Politik +++ Razzien gegen Schiiten in Bagdad +++
US-Soldaten befreien 42 von El Kaida im Irak Festgehaltene +++ Iraker
haben seit Monatsbeginn mehr als 100 US-Soldaten getötet...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0705280.htm#news
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Pentagon: Zehntausende US-Soldaten leiden unter psychischen Problemen
Mi.28.05.08 - Rund 40.000 US-Soldaten werden nach Angaben des
Verteidigungsministeriums wegen posttraumatischem Stress als Folge
ihres Einsatzes in den Kriegen im Irak und in Afghanistan behandelt.
Die Zahl der diagnostizierten Fälle stieg im vergangenen Jahr um
fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Pentagon am
Dienstag mitteilte. Zahlreiche weitere Truppenangehörige versuchen
demnach vermutlich ihre Probleme zu verheimlichen.
Die Zahlen des Pentagon - die ersten, die das Ministerium dazu
veröffentlicht - liegen weit unter denen einer unabhängigen
Studie. Demnach leiden rund 300.000 Truppenangehörige unter
Depressionen oder PTSD. Washington hatte bislang nur Prozentzahlen
genannt und erklärt, bis zu 20 Prozent der Soldaten hätten
vermutlich mit Depressionen, Ängsten und Stress zu kämpfen.
Im vergangenen Jahr meldeten die Streitkräfte den Angaben zufolge
mehr als 10.000 neue Fälle, 2006 waren es mehr als 6.800.
Offiziellen Schätzungen zufolge begeben sich etwa die Hälfte
der Betroffenen aus Scham oder Angst um ihre Karriere nicht in
ärztliche Behandlung.
(Quelle: ap)
Mindestens 24 Tote bei Anschlägen und Angriffen in Afghanistan
Mi.28.05.08 - Bei Bombenanschlägen und Überfällen in Afghanistan sind
am Dienstag mindestens 24 Menschen getötet worden. In der
westlichen Provinz Farah wurden acht Reisende in einem Bus in den Tod
gerissen, als eine am Straßenrand versteckte Bombe explodierte.
Bei allen Opfern handelte es sich laut Polizei um Zivilpersonen. In
Kandahar kamen drei Kinder ums Leben, als ein Taliban-Kämpfer
einen Sprengsatz unter einer Brücke deponieren wollte, der jedoch
vorzeitig detonierte.
In der Provinz Logar südlich von Kabul wurden vier Polizisten von
einer ebenfalls an einer Straßen verstecken Bombe getötet.
In der Provinz Kandahar erschossen Taliban-Kämpfer fünf
Polizisten, vier weitere wurden bei zwei Bombenanschlägen in den
Tod gerissen.
Aufständische haben in Afghanistan allein im April mindestens 72
Polizisten getötet. Unter den rund 8.000 Opfern der Gewalt im
vergangenen Jahr waren mehr als 900 Polizeibeamte.
Die US-geführten Koalitionstruppen töteten am Dienstag in der
östlichen Provinz Paktia und in Helmand im Süden des Landes
mehrere Aufständische. Eine genaue Zahl nannten die
Streitkräfte nicht. In Paktia beschlagnahmten die Truppen
außerdem zahlreiche Waffen, in Helmand entdeckten sie ein
Rauschgift-Lager.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Israel und Hisbollah vor Gefangenenaustausch
Mi.28.05.08 - Israel und die radikal-islamische Hisbollah stehen nach Medienberichten
kurz vor einer Einigung auf einen Gefangenenaustausch unter deutscher
Vermittlung.
Israelische und libanesische Medien berichteten am Dienstag, für
zwei im Juli 2006 in den Libanon verschleppte israelische Soldaten
sollten fünf libanesische Gefangene freigelassen werden. Bei einer
Rede zum achten Jahrestag des israelischen Rückzugs aus dem
Südlibanon hatte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah am Montagabend in
Beirut die baldige Rückkehr der libanesischen Gefangenen
angekündigt.
Der israelische Rundfunk meldete am Dienstag unter Berufung auf
Regierungskreise, es gebe Fortschritte bei den Verhandlungen über
einen Gefangenenaustausch, eine Einigung stehe jedoch noch aus. Der
Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, Mark
Regev, wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Die
Verschleppung der beiden israelischen Soldaten Eldad Regav und Ehud
Goldwasser hatte 2006 zum israelischen Angriff auf die Hisbollah im
Südlibanon geführt. Der Krieg dauerte gut einen Monat. Es ist
unklar, ob die beiden Soldaten, die bei ihrer Entführung schwer
verletzt wurden, noch am Leben sind.
Nasrallah sagte am Montagabend in Beirut vor jubelnden Anhängern,
Samir Kuntar werde bald wieder zu Hause bei seiner Familie sein. Kuntar
ist der am längsten in israelischer Gefangenschaft befindliche
Araber. Der Libanese war 1980 wegen Mordes an einem Israeli und dessen
vier Jahre alten Tochter zu 542 Jahren Gefängnis verurteilt
worden. Die israelische Zeitung «Jediot Achronot» schrieb
am Dienstag, der deutsche Vermittler Gerhard Konrad habe der Hisbollah
vor zwei Wochen den israelischen Vorschlag übergeben.
Ein westlicher Diplomat in Beirut sagte, der deutsche Vermittler habe
Fortschritte bei den Gesprächen erzielt. «Ich kann nur
sagen, dass die deutsche Vermittlung erfolgreich dabei war, einige der
Hindernisse aus dem Weg zu räumen», sagte er der Deutschen
Presse-Agentur dpa. Kuntars Bruder, Bassem Kuntar, sagte der dpa, seine
Familie sei informiert worden, dass es binnen 30 Tagen «positive
Entwicklungen für meinen Bruder und alle anderen (libanesischen)
Gefangenen in Israel» geben werde. Deutschland hatte bereits 2004
eine wichtige Rolle bei einem größeren Gefangenenaustausch
zwischen Israel und der Hisbollah gespielt.
(Quelle: dpa)
Birmas Militärjunta verlängert Hausarrest für Suu Kyi
Mi.28.05.08 - Die Militärjunta in Birma hat den Hausarrest von
Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi verlängert. Die
62-Jährige dürfe ihre Wohnung in Rangun ein weiteres Jahr
nicht verlassen, sagte ein Behördenvertreter. Die
Friedensnobelpreisträgerin war in den vergangenen 18 Jahren mehr
als zwölf Jahre eingesperrt. Die USA und die EU kritisierten die
Entscheidung. Vor Bekanntgabe der Verlängerung hatten rund 30
Mitglieder von Suu Kyis Nationalen Liga für Demokratie (NLD)
vergeblich versucht, einen Protestmarsch zu Suu Kyis Haus zu
veranstalten.
Sieben Behördenvertreter hätten Suu Kyi während eines
zehnminütigen Besuchs in ihrer Wohnung über die
einjährige Verlängerung des Hausarrests unterrichtet, sagte
ein birmanischer Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP.
Seit 2003 steht die Regierungskritikerin ununterbrochen unter
Hausarrest. In den vergangenen Jahren war die Strafmaßnahme
ebenfalls Ende Mai jeweils um ein Jahr verlängert worden.
NLD-Sprecher Nyan Win sagte vor Bekanntgabe der Entscheidung zum
Hausarrest, rund 30 Parteimitglieder seien in Richtung Suu Kyis Haus
marschiert und 16 von ihnen, darunter ein zwölfjähriger
Junge, seien festgenommen worden. Die Sicherheitsvorkehrungen um das
Haus der Oppositionsführerin sowie vor der NLD-Zentrale waren
zuvor verschärft worden. Die NLD beging mit einer Zeremonie den
18. Jahrestag ihres Siegs bei der Parlamentswahl am 27. Mai 1990, den
die Militärregierung annulliert hatte.
US-Präsident George W. Bush erklärte in Washington, die
Entscheidung der Militärregierung in Birma habe ihn "sehr
aufgewühlt". Die Junta müsse alle politischen Häftlinge
freilassen und einen "echten Dialog" mit Suu Kyi und der NLD beginnen.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, sagte, die
Verlängerung des Arrestes sei "eine traurige Bescheinigung zum
Zustand der politischen Freiheit" in Birma. Trotzdem wollten die USA
ihre Hilfe für die Opfer des Wirbelsturms "Nargis" fortsetzen.
Nach amtlichen Angaben wurden 133.600 Menschen durch den Zyklon
getötet oder werden noch vermisst.
Der italienische EU-Gesandte für Birma, Piero Fassino, sprach von
einer "inakzeptablen Entscheidung" der Junta. Zudem verurteilte Fassino
in seiner Erklärung die Festnahme von NLD-Anhängern. Das
Vorgehen zeige, dass die Militärregierung eine "Linie der
Repression" verfolge, die eine politische Lösung in der Krise
Birmas unmöglich mache.
(Quelle: afp)
Burundi: Rebellen und Regierung einigen sich auf Waffenstillstand
Mi.28.05.08 - Die Regierung in Burundi und die letzte aktive Rebellenbewegung, die
Nationale Befreiungsarmee (FNL), haben sich am Montag auf einen
Waffenstillstand geeinigt. "Der Krieg ist für immer vorbei", sagte
Rebellensprecher Pasteur Habimana im französischen Auslandsrundfunk
RFI.
Trotz eines 2006 geschlossenen Friedensabkommens waren immer wieder
Kämpfe zwischen beiden Seiten ausgebrochen. Zuletzt waren Mitte
April unweit der Hauptstadt Bujumbura Gefechte aufgeflammt, bei denen
mehr als 100 Menschen ums Leben kamen und 40.000 vertrieben wurden.
Unklar blieb zunächst, wie die Rebellen der FNL in Polizei und
Armee eingegliedert werden sollen. Vor drei Jahren hatte die Wahl des
ehemaligen Rebellenführers Pierre Nkurunziza zum Präsidenten
einen zehnjährigen Bürgerkrieg zwischen Hutu-Rebellen und
einer von Tutsi dominierten Armee mit mehr als 300.000 Toten beendet.
(Quelle: epd)
Größter Strafprozess wegen Menschenrechtsverbrechen in Chile
Mi.28.05.08 - In Chile ist der bislang größte Prozess wegen
Menschenrechtsverbrechen während der Diktatur von Augusto Pinochet
eingeleitet worden. Die chilenische Justiz eröffnete das Verfahren
gegen fast hundert ehemalige Sicherheitsbeamte und
Militärangehörige, die 1975 an der berüchtigten
"Operation Colombo" beteiligt gewesen sein sollen. Bei der "Operation
Colombo" wurden 119 Oppositionelle ermordet. Die Junta behauptete stets,
die Regimegegner seien bei internen Auseinandersetzungen ums Leben
gekommen.
Der Richter Víctor Montiglio ordnete in Santiago de Chile
Untersuchungshaft für 98 Mitglieder der ehemaligen
Sicherheitskräfte an. Unter den Beschuldigten befindet sich der
frühere Chef von Pinochets Geheimdienst DINA, Manuel Contreras, der
bereits im Zusammenhang mit anderen Menschenrechtsverletzungen im
Gefängnis sitzt. Auch 15 weitere Beschuldigte büßen
bereits Haftstrafen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
während der Pinochet-Diktatur ab.
Am Dienstag sollten die übrigen ehemaligen Sicherheitsbeamten und
Militärangehörigen festgenommen werden, die sich wegen der
"Operation Colombo" verantworten müssen. Nach Angaben des
chilenischen Justizministers Carlos Maldonado werden sie in den
Spezialgefängnissen Punta Peuco und Santiago 1 inhaftiert. Auch der
im Dezember 2006 gestorbene Diktator Pinochet war wegen der "Operation
Colombo" angeklagt und unter Hausarrest gestellt worden.
Während Pinochets Herrschaft von 1973 bis 1990 wurden in Chile
knapp 3200 Menschen ermordet. Nachweislich wurden mindestens 28.000
Menschen gefoltert,; vermutlich ist die Zahl der Folteropfer jedoch
wesentlich höher.
(Quelle: afp)
Argentiniens Bauern setzen aus Protest gegen Regierung Exporte aus
Mi.28.05.08 - Argentiniens Bauern haben einen zeitweisen Stopp der Getreideexporte
und des Fleischverkaufs angekündigt. Damit wollen sie gegen die
von der Regierung beschlossene Erhöhung der Exportsteuern für
Landwirtschaftsgüter protestieren. Der Export und der Verkauf von
Fleisch im Inland soll zunächst von Mittwoch bis Montag ausgesetzt
werden, sagte der Vorsitzende des Landwirtschaftsverbandes, Mario
Llambias, am Dienstag. Der Konflikt mit der Regierung von
Präsidentin Cristina Fernandez dauert bereits seit zwei Monaten an.
Ein Stopp des Fleischverkaufs hatte die Supermarktregale bereits im
März leer gelassen - und das im fleischvernarrten Argentinien.
Fernandez' Regierung hat die Ausfuhrabgabe auf Soja und andere
Agrarprodukte im März erhöht, um damit Sozialprogramme zu
finanzieren. Die Preise für Agrarprodukte waren zuletzt stark
gestiegen, was die Kassen der Bauern klingeln ließ.
Die Agrarexporte sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und der
größte Devisenbringer für Argentinien. Das
südamerikanische Land ist weltweit der drittgrößte
Soja-Produzent. Soja ist von der Abgabenerhöhung besonders
betroffen, die Steuern liegen bei bis zu 45 Prozent. Im März
blockierten Bauern wichtige Straßen und legten den Verkehr und
Gütertransport im Land tagelang lahm. Nach den wochenlangen
Bauernprotesten und Streiks trat Wirtschaftsminister Martin Lousteau
Ende April zurück.
(Quelle: ap)
Rotes Kreuz warnt vor weiteren Hungerunruhen
Mi.28.05.08 - Angesichts der weltweit steigenden Lebensmittelpreise drohen nach
Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK)
vermehrt gewaltsame Ausschreitungen. Hungerunruhen wie in den
vergangenen Monaten in Haiti und Ägypten könnten auch in
anderen Ländern ausbrechen, wenn die Preise für
Nahrungsmittel weiter stiegen, erklärte IKRK-Präsident Jakob
Kellenberger. Besonders problematisch ist demnach die Lage derzeit im
Tschad, in Somalia, im Jemen, in Afghanistan und in Haiti.
Die hohen Lebensmittelpreise erschwerten zudem die Arbeit der
Hilfsorganisationen, betonte Kellenberger. So habe das IKRK bis Ende
Mai bereits mehr Geld ausgegeben als im gesamten Jahr 2007.
Vom gesamten IKRK-Budget in Höhe von 944 Millionen Schweizer
Franken (584 Millionen Euro) flossen im vergangenen Jahr mit 45 Prozent
fast die Hälfte nach Afrika sowie ein Fünftel in den Nahen
Osten. Die höchsten Ausgaben wurden im Sudan mit 94 Millionen
Franken gemacht, gefolgt von den Projekten im Irak (76,5 Millionen
Franken), in Israel und den Palästinensergebieten (61,4
Millionen), Afghanistan (49,8 Millionen) und Somalia (49,2 Millionen).
Trotz der gestiegenen Kosten will das IKRK im laufenden Jahr den
Lieferumfang von Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten in seinen
52 Einsatzländern aufrechterhalten. Im vergangenen Jahr
kümmerte sich das IKRK demnach um mehr als 14 Millionen
Hilfsbedürftige, darunter gut vier Millionen Flüchtlinge.
(Quelle: afp)
Türkei will Investitionsprogramm für verarmtes Kurdengebiet
Mi.28.05.08 - Die türkische Regierung will dem verarmten Kurdengebiet in
Südostanatolien mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm
auf die Beine helfen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan reiste
zusammen mit sieben Ministern in die südosttürkische
Großstadt Diyyarbakir, um das Programm offiziell vorzustellen. Von
den Investitionen in Höhe von insgesamt zwölf Milliarden
Dollar (7,6 Milliarden Euro) sollen neun Provinzen im türkischen
Südosten profitieren. Arbeitsplätze für vier Millionen
Menschen sollen entstehen. Der erhoffte Wirtschaftsaufschwung soll einen
Beitrag dazu leisten, den Rückhalt der Rebellengruppe PKK in der
Region zu schwächen.
Kern des Investitionsprogramms sind Fortschritte beim so genannten
Südostanatolien-Projekt (GAP), eines halb vollendeten Netzwerkes
aus Staudämmen und Wasserkraftwerken. Der Strom aus den Kraftwerken
soll die Grundlage für die Ansiedlung von Unternehmen in der
Gegend sein; allerdings sind einige Vorhaben im Rahmen des GAP sehr
umstritten, wie etwa der geplante Staudamm in Ilisu. Die Investitionen
sollen auch die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen in
Südostanatolien verbessern und den Aufbau einer organischen
Landwirtschaft ermöglichen. Zudem sollen Minen geräumt
werden, die im Krieg zwischen der Armee und der PKK gelegt worden waren.
Mit dem Programm will Erdogan auch die Chancen seiner Regierungspartei
AKP bei den im kommenden Frühjahr anstehenden Kommunalwahlen
erhöhen. Die AKP, die bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr
fast 47 Prozent erhielt, will ihren Stimmenanteil bei den Kommunalwahlen
auf 60 Prozent schrauben.
Erdogan hatte das Investitionsprogramm erstmals im März
angekündigt. Damals sagte der Ministerpräsident auch, Ankara
wolle einen staatlichen Fernsehsender ins Leben rufen, der Programme in
kurdischer, arabischer und persischer Sprache ausstrahlen werde.
(Quelle: afp)
Frankreichs Präsident Sarkozy will europaweit Mehrwertsteuer auf
Ölprodukte einfrieren
Mi.28.05.08 - Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die
Steuern auf Ölprodukte in der EU einfrieren. «Muss die
Mehrwertsteuer proportional steigen, wenn der Barrel-Preis weiter
klettert? Ich schlage vor, sie zu stabilisieren», sagte er am
Dienstag in einem RTL-Interview. Er werde für seine Idee bei den
EU-Partnern werben. «Es müsste eine europäische
Entscheidung sein.»
In seinem Land will Sarkozy die zusätzlichen Steuereinnahmen an
die Menschen verteilen, die am meisten unter den hohen Treibstoff- und
Heizkosten leiden. Derzeit kassiere der Staat pro Quartal 150 bis 170
Millionen Euro zusätzlich, weil die Steuern an den Ölpreis
gekoppelt sind. Diese gesamten Einnahmen würden in einen Fonds
fließen, mit dem die betroffenen Menschen und Branchen
unterstützt werden sollten, sagte Sarkozy.
Er reagierte mit seiner Initiative auf wochenlange Proteste von
Hochseefischern über galoppierende Dieselpreise und den Unmut der
Bevölkerung über die ölpreisbebedingt steigenden
Lebenshaltungskosten. Auch in Portugal, Spanien und Italien wollen die
Fischer am Freitag streiken.
Vergangenen Donnerstag erreichte der Ölpreis ein Allzeithoch von
135,09 Dollar je Barrel. Damit verdoppelte sich der Preis fast binnen
eines Jahres. In der EU gilt ein Mindestmehrwertsteuersatz auf Benzin
und andere Ölprodukte von 15 Prozent. Für eine Änderung
wäre ein einstimmiger Beschluss der Mitgliedstaaten notwendig.
Sarkozy schlägt vor, dass die Steuer ab einem bestimmten
Preisniveau nicht mehr erhoben wird. Näherer Einzelheiten nannte er
am Dienstag nicht. Am 1. Juli übernimmt Frankreich die
EU-Ratspräsidentschaft.
Mit dem Fonds aus den Mehrwertsteuereinnahmen könnte Frankreich
versuchen, die so genannte Manchester-Vereinbarung der EU-Finanzminister
von 2005 zu umgehen. Diese hatten erst im Februar bekräftigt, dass
wettbewerbsverzerrende fiskalische und andere politische Eingriffe als
Reaktion auf drastische Ölpreiserhöhungen vermieden werden
sollten. Von dem Fonds könnten die Fischer und andere betroffene
Branchen profitieren, sagte Wirtschaftsministerin Christine Lagarde dem
Sender France-2. Sie räumte aber ein, man müsse das
Manchester-Abkommen respektieren.
Sollte die französische Regierung Sarkozys Vorschlag umsetzen und
neue Staatsausgaben bewilligen, droht neuer Ärger aus Brüssel.
Die EU-Kommission hat Frankreich wegen des steigenden Defizits schon
mehrfach zu stärkerer Haushaltsdisziplin gemahnt.
(Quelle: ap)
EU-Industriekommissar Verheugen rechnet nicht mit CO2-Strafe für
Autobauer
Mi.28.05.08 - EU-Industriekommissar Günter Verheugen rechnet nicht mit
Strafzahlungen deutscher Autohersteller wegen eines zu hohen
Kohlendioxid-Ausstoßes ihrer Fahrzeuge. Dem Reutlinger
«General-Anzeiger» (Dienstagsausgabe) sagte Verheugen laut
Vorabbericht: «Die EU-Kommission wollte mit ihrem Vorschlag den
Druck erhöhen, ihr geht es nicht darum, mit Strafzahlungen Geld
einzunehmen.» Es sei «nicht sinnvoll, Geld in die
öffentlichen Kassen zu lenken, das für die Finanzierung des
technischen Fortschritts verwendet werden sollte». «Es gibt
keinen Auto-Krieg; davon zu reden, ist absurd», sagte Verheugen zu
einem angeblichen Interessenkonflikt zwischen Deutschland, Frankreich
und Italien. Europas Autoindustrie könne nur im klugen
Zusammenspiel im internationalen Wettbewerb ihre Position halten und
ausbauen", betonte Verheugen.
(Quelle: ddp)
GfK: Inflation entwickelt sich zur Konsumbremse
Mi.28.05.08 - Rekordpreise an den Tankstellen und die Furcht vor weiteren
Teuerungsschüben trüben die Kauflaune der Verbraucher.
Das Barometer für das Konsumklima im Juni ging überraschend
stark auf 4,9 Punkte von revidierten 5,6 Zählern im Mai
zurück, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am
Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit
einem leichten Rückgang gerechnet. Neben der zunehmenden Inflation
machten den Verbrauchern Ängste vor einem Abflauen der Konjunktur
zu Schaffen, schrieben die Forscher. Dies überlagere positive
Faktoren wie den jüngsten Abbau der Arbeitslosigkeit.
Die Verbraucher sind damit deutlich skeptischer eingestellt als die
Manager in den Chefetagen. Das Klima dort hellte sich im Mai
überraschend auf, und auch beim Konsum erwarteten die Firmen einen
moderaten Anstieg, wie das Münchner Ifo-Institut vor kurzem
mitteilte.
Vor allem wegen der hohen Energiekosten gehen die Verbraucher davon
aus, weniger Geld in der Tasche zu haben. Der Indikator für die
Einkommenserwartungen sackte nach drei Monaten mit Zuwächsen nun um
14,8 Zähler ab und liegt nun 4,3 Punkte im Minus. Die Diskussionen
um steigende Preise überlagerten dabei die positiven Signale aus
den Tarifverhandlungen zu Anfang des Jahres, schrieben die
Nürnberger Forscher. In mehreren Branchen hatten die
Beschäftigten kräftige Gehaltssteigerungen ausgehandelt. "Auch
die gute Beschäftigungsentwicklung mit den daraus resultierenden
positiven Effekten für die Einkommensentwicklung wird derzeit vom
Thema Inflation in den Schatten gestellt."
Die Finanzkrise und schlechte Signale aus den USA trübten zudem
die Erwartungen für die Entwicklung der Wirtschaft ein. Mit 13,4
Punkten liegt das Barometer knapp zehn Zähler unter seinem Niveau
vom April. Die Verbraucher trauten der Wirtschaft offensichtlich nicht
zu, dass sie ihr Tempo vom ersten Quartal halten kann, und stellten sich
auf eine Abkühlung ein. In den ersten drei Monaten war das
Bruttoinlandsprodukt mit 1,5 Prozent so stark gewachsen wie seit etwa
zwölf Jahren nicht mehr.
Größere Käufe legen die Verbraucher deswegen erst
einmal auf Eis. Die Anschaffungsneigung brach um 15,7 Zähler auf
minus 20,4 Punkte ein. Dies dürfte in erster Linie auf die
Inflationsängste zurückzuführen sein, teilte die GfK mit.
"Wenn aufgrund gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise sowie der
Furcht vor weiteren Preiserhöhungen mehr finanzielle Mittel
gebunden werden, stehen sie für andere Anschaffungen nicht zur
Verfügung." Entscheidend für die weitere Entwicklung des
Konsumklimas sei, ob die Inflation nachlasse. "Nur wenn die Haushalte
davon ausgehen können, dass ihr Einkommen auch real in diesem Jahr
steigen wird und zudem die Inflationsängste weichen, werden sie
auch wieder verstärkt ihren Geldbeutel öffnen."
(Quelle: rtr)
Milchbauern liefern nicht mehr - Unbefristeter Boykott
Mi.28.05.08 - Der Verband der Milchbauern will mit einem unbefristeten Lieferboykott
höhere Preise durchsetzen.
Ziel des am Dienstag begonnenen Lieferstopps an Molkereien sei eine
Erhöhung des Literpreises für Milch auf mindestens 43 Cent,
sagte die Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter
(BDM), Jutta Weiss. Derzeit würde den Bauern zwischen 25 und 35
Cent pro Liter bezahlt. Das reiche bei weitem nicht. Der Einzelhandel
sieht die Versorgung mit Milch nicht in Gefahr, auch eine
Preiserhöhung für den Endverbraucher steht demnach nicht an.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium erklärte, man wolle sich in
den Konflikt nicht einmischen, habe aber Verständnis für den
Unmut der Bauern, was den Milchpreis angehe.
Der Milchbauernverband erklärte, allein die Betriebskosten seien
im vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Einen Überblick
über die Beteiligung der Mitglieder am Boykott werde erst am
Mittwoch vorliegen. Den Bauern würden die Verdienstausfälle
nicht ersetzt. Die nicht ausgelieferte Milch würde entweder an die
Tiere der Bauern verfüttert oder mit Gülle vermischt als
Dünger auf die Felder verteilt.
Der Bauernverband unterstützte zwar das Anliegen der
Milcherzeuger. Der Widerstand gegen die "missbräuchliche
Ausübung von Marktmacht" durch den Lebensmitteleinzelhandel sei
gerechtfertigt und müsse von Molkereien und Erzeugergemeinschaften
solidarisch unterstützt werden. Allerdings stehe man einem
unbegrenzten Lieferstreik reserviert gegenüber. Die Sympathien in
der Bevölkerung dürften nicht verspielt werden, warnte der
Bauernverband.
Der Milchbauernverband vertritt nach eigenen Angaben 33.000 der rund
100.000 Milchbauern. Seine Mitglieder liefern knapp die Hälfte der
in Deutschland produzierten Milch. Pro Tag sind dies 1400 Lkw-Ladungen
beziehungsweise 35 Millionen Liter Milch. Beliefert werden die
Molkereien, die ihrerseits den Einzelhandel mit Milchprodukten
versorgen.
Der Boykott sei völlig absurd, sagte der Geschäftsführer
des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Es
gebe derzeit ein Überangebot an Milch, das sei auch der Grund
für den derzeitigen Milchpreis. "Die Verbraucher werden nichts von
dem Boykott spüren", versicherte Pellengahr. Regionale Lücken
in der Versorgung könnten schnell durch Lieferungen aus anderen
Regionen gefüllt werden. Zur Not könne sich der Einzelhandel
auch im Ausland mit Milch versorgen. "Dieser Boykott wird wirkungslos
verpuffen", sagte er voraus.
Für die CSU im Bundestag erklärte deren agrarpolitischer
Sprecher Klaus Hofbauer, man unterstütze die Forderung der
Milchbauern. Die FDP forderte eine Entlastung der Bauern bei der
Ökosteuer und der Agrardieselbesteuerung. Die Linke forderte
kostendeckende Preise für Milch.
(Quelle: rtr)
Schwan-Nominierung löst SPD-Streit über Linkspartei aus -
Müntefering fordert Anti-Links-Beschluss - Beck hält
Abgrenzungsbeschluss zur Linken für überflüssig
Mi.28.05.08 - In der SPD ist einen Tag nach der Nominierung von Gesine Schwan
für das Bundespräsidentenamt ein Streit über die
Abgrenzung zur Linkspartei ausgebrochen.
Der ehemalige SPD-Chef und Vizekanzler Franz Müntefering forderte
am Dienstag von seiner Partei, ein Bündnis mit der Linkspartei
nach der Bundestagswahl noch einmal kategorisch auszuschließen.
Parteichef Kurt Beck wies dies zurück. Für einen erneuten
formellen Beschluss sehe er keinen Grund. Der "Seeheimer Kreis" -
rechter Flügel der Partei - schloss sich Münteferings
Forderung an. Auch Fraktionschef Peter Struck erwartet einen
entsprechenden Parteitagsbeschluss. Die Unionsfraktion signalisierte,
dass sich die Chancen für Koalitionskompromisse mit der
Schwan-Nominierung deutlich verschlechtert hätten.
Der im November aus persönlichen Gründen abgetretene
Vizekanzler sagte in der ARD, er sehe kein Problem darin, dass Schwan
gegen Bundespräsident Horst Köhler antrete und sich von
Wahlleuten der Linken mitwählen lassen wolle. Er gehe davon aus,
dass es nach der Bundestagswahl 2009 zwischen SPD und Linken keine
Zusammenarbeit geben werde. "Es wäre sehr hilfreich, wenn meine
Partei das auch noch einmal ausdrücklich beschließen
würde", sagte Müntefering.
Die Union wertet die Nominierung der Politikprofessorin Schwan gegen
Amtsinhaber Horst Köhler als Zeichen für die Vorbereitung
einer rot-roten Regierung. SPD-Chef Beck hatte dies am Vortag
zurückgewiesen. Nach dessen umstrittenen Kurswechsel,
Links-Koalitionen in den Ländern zuzulassen, hatte der
SPD-Vorstand dies im Bund ausgeschlossen.
"Entschieden ist entschieden, und zweimal entschieden ist nicht besser
als einmal entschieden", sagte Beck am Dienstag. "Ich weiß nicht,
was Franz Müntefering bewegt hat." Der Parteichef meinte zugleich,
"wenn es die Seelen beruhigt", könne ein Parteitag eine solche
Absage noch einmal bestätigen.
Der Sprecher des "Seeheimer Kreises", Klaas Hübner, hält die
Klarstellung für nötig. "Müntefering hat völlig
Recht. Parteivorstand und Parteirat sollten eine definitive Absage
beschließen, um unser Nein zu Rot-Rot im Bund zu
bekräftigen", sagte er dem "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe). Sonst
drohe ein Lagerwahlkampf. Struck sagte, die Haltung der SPD sei zwar
bereits eindeutig. Dennoch erwarte er, dass ein Wahlparteitag und das
Wahlprogramm die Absage an eine Koalition bekräftigten.
Bundespräsident Köhler genießt einer aktuellen Umfrage
zufolge auch nach der Nominierung von Gesine Schwan als seine erneute
Gegenkandidatin größte Zustimmung bei den Bürgern. Dem
am Dienstag veröffentlichten ARD-Deutschlandtrend zufolge sind 85
Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. Das ist der höchste je im
Deutschlandtrend gemessene Wert für einen Spitzenpolitiker.
Müntefering warf ein halbes Jahr nach dem Abtritt als Vizekanzler
in einem Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung" der großen
Koalition Führungsschwäche vor. "Die politische Führung
unseres Landes ist weitgehend vakant", die Qualität der Politik
schlecht, schrieb er, ohne konkret auf die Führungen von Union
oder SPD einzugehen.
In der Koalition wird das Klima nach der Schwan-Nominierung zunehmend
frostiger. In der Union sinke die Kompromissbereitschaft, sagte
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer. Die SPD habe sich mit dem
Rückzieher bei der Diätenerhöhung und in der
Bundespräsidentenfrage als unzuverlässig erwiesen. Diese
Entwicklung habe Konsequenzen für noch ausstehende
Gesetzgebungsverfahren. Er werde keine schwierigen Kompromisse mehr
intern "durchkämpfen". Im nächsten Koalitionsausschuss am 11.
Juni gebe es zwischen Union und SPD "viele Dinge" zu besprechen. In
einem Bruch der Koalition sehe er keine Alternative. Die CDU-Spitze
hatte bereits am Vortag erklärt, sie halte trotz der
Schwierigkeiten an dem Bündnis fest.
(Quelle: rtr)
Bundesregierung will Lobbyismus in Ministerien begrenzen
Mi.28.05.08 - Die Bundesregierung erarbeitet derzeit eine Verwaltungsvorschrift zur
Beschäftigung von externen Mitarbeitern in Bundesministerien. Sie
sei in Abstimmung aller Ministerien auf den Weg gebracht und werde
voraussichtlich im Juni vom Kabinett verabschiedet, sagte der
Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Peter
Altmaier (CDU), am Dienstag im ARD-«Morgenmagazin». Ziel sei
es, auch für die Zukunft Missbrauch auszuschließen und
Transparenz herzustellen.
Altmaier zufolge gab es zwar in der Vergangenheit keine
Missbräuche. Trotzdem solle die Vorschrift klarstellen, dass der
Einsatz eines Experten aus der Wirtschaft bei
Ministeriumsangelegenheiten die Ausnahme sein müsse. Eine solche
Beschäftigung sei immer nur dann gerechtfertigt, wenn es keine
andere Möglichkeit gebe.
Als Beispiel für solche Einsätze nannte Altmaier den Bereich
der Computertechnologie. «Das kann kein Ministerium mit dem
Bestand lösen», sagte er. Auch in der Industrie würden
für solche Aufgaben externe Mitarbeiter eingesetzt.
Altmaier sagte, mit der Vorschrift würden für alle Ressorts
gleiche Regeln geschaffen. Unter anderem werde damit sichergestellt,
dass niemand, der von außen komme, verantwortlich oder
federführend an einem Gesetzentwurf mitarbeiten dürfe. Dem
Bundestag wird Altmaier zufolge künftig einmal jährlich ein
Bericht über die Beschäftigung der Externen in den Ministerien
vorgelegt.
Das EU-Parlament hatte jüngst einer Initiative der EU-Kommission
zugestimmt, die auf mehr Transparenz bei der Beschäftigung von
Lobbyisten in Brüsseler Behörden zielt. Unter anderem soll ein
Lobbyisten-Register alle Interessenverbände aus Industrie, Handel,
Handwerk, den Regionen und dem Bereich der
Nicht-Regierungsorganisationen wie Umwelt- und
Menschenrechtsverbände erfassen.
(Quelle: ddp)
Datenschützer sehen schwindendes Rechtsbewusstsein
Mi.28.05.08 - Angesichts des Datenmissbrauchs bei der Deutschen Telekom hat der
Verein FoeBuD einen «Neustart» für den Datenschutz
gefordert. «Das heißt, alles was bisher gesammelt wurde,
muss gelöscht werden.
Und Datenbanken dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung
wieder aufgebaut werden», sagte Vorstandsmitglied Rena Tangens der
«Frankfurter Rundschau» (Dienstag). «Wir sollten uns
ganz grundsätzlich klar machen: Sobald Datensammlungen da sind,
ist auch immer das Potenzial gegeben, dass diese Daten missbraucht
werden», betonte die Datenschützerin. Das liege an einem
schwindenden Rechtsbewusstsein bei den Unternehmen.
Ähnliches könne man auch beim Staat verzeichnen. «Wir
sollten uns einmal unsere Bundestagsabgeordneten zur Brust nehmen und
denen klar machen, was sie mit der Vorratsdatenspeicherung beschlossen
haben. Diese Gesetzgebung öffnet Tür und Tor für einen
solchen Missbrauch.»
Verbrauchern riet Tangens, mit ihren Daten umsichtig umzugehen. Bei
Geschäftsbeziehungen zu Firmen sollte darauf gedrängt werden,
dass die Datenschutzbestimmungen eingehalten werden. Darüber hinaus
sollte möglichst wenig gespeichert werden. So sei etwa das
Geburtsdatum völlig überflüssig, werde aber immer wieder
abgefragt, weil es für die Werbung interessant sei. Verbraucher
sollten den Passus in Verträgen streichen, der eine Weitergabe von
Daten erlaubt.
(Quelle: dpa)
Grünen-Politiker Ströbele für Aufnahme von
Datenschutz ins Grundgesetz
Mi.28.05.08 - Nach Bekanntwerden der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom hat der
Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele gefordert, den
Datenschutz ins Grundgesetz aufzunehmen. «Die Grünen werden
bald eine Initiative für eine Verfassungsänderung
vorstellen», sagte Ströbele der «Passauer Neuen
Presse» (Dienstagausgabe).
Die Vorgänge bei der Telekom seien eine «fürchterliche
Missachtung der Grundrechte der Betroffenen und der
Pressefreiheit», sagte der Grünen-Politiker. «Die
Unternehmen scheinen jedes Gefühl für Anstand und
Verhältnismäßigkeit verloren zu haben.» Es
müsse dafür gesorgt werden, «dass der Datenschutz auch
in der Wirtschaft ausreichend garantiert ist und Verstöße
geahndet werden. Eine Maßnahme können wir sofort
beschließen: Der Datenschutz gehört ins Grundgesetz.»
Laut einem «Spiegel»-Bericht hat die Telekom mehr als
eineinhalb Jahre lang Telefon-Verbindungsdaten eigener Manager und
Aufsichtsräte auswerten lassen, um unliebsamen Kontakten zu
Wirtschaftsjournalisten auf die Spur zu kommen.
(Quelle: ap)
Studie: PISA-Schock hat Bildungspolitik mobilisiert
Mi.28.05.08 - Alle 16 Bundesländer haben als Konsequenz aus dem PISA-Schock von
2001 ihre Schulgesetze und Schulpolitik modernisiert - wenn auch in
unterschiedlichem Tempo. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag
der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die das arbeitgebernahe
Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Berlin vorstellte. Besonders
gut erledigte demnach Nordrhein-Westfalen seine schulpolitische
Hausaufgaben, gefolgt von den ebenfalls mit einem glatten "Gut"
bewerteten Ländern Berlin, Hamburg, Hessen und
Mecklenburg-Vorpommern.
Für ihre Studie "Politik-Check Schule" untersuchten die
IW-Experten nach eigenen Angaben fünf schulpolitischen
Handlungsfelder, darunter die Verbesserungen in den
Landes-Schulgesetzen. Bewertet wurden unter anderem auch die
Qualitätssicherung des Unterrichts, beispielsweise durch
landesweite Schulinspektionen oder zentrale Prüfungen. Bei der
Untersuchung erhielten die Bundesländer allesamt Noten zwischen
"gut" und "befriedigend". Mit einer glatten "Drei" schnitten
Thüringen, Bremen und das Saarland ab; eine "Drei plus" erhielten
unter anderem Baden-Württemberg und Bayern.
"Unsere Studie belegt, dass alle Landesregierungen die aus
Expertensicht notwendigen bildungspolitischen Ziele in ihren
Schulgesetzen inzwischen klar formuliert haben", sagte der IW-Direktor
Michael Hüther. Allerdings zögerten die Politiker in vielen
Bundesländern noch, "den Schulen echte Selbstständigkeit und
den Schulleitern die nötigen Führungskompetenzen
einzuräumen". Zudem offenbare die Studie Defizite bei der
Ganztagsbetreuung. So gebe es bundesweit zu wenige Ganztagsschulen mit
verpflichtendem Angebot.
(Quelle: afp)