+++ Do.29.05.08, 06:30
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Irak 1528 Tage nach Erlangung der formellen Souveränität
Konferenz in Schweden soll Fortschritte im Irak bewerten - Bagdad hofft
auf Schuldenerlass. Ex-Sprecher des Weißen Hauses: Bush hat
Irakkrieg mit 'Propaganda' verkauft
Do.29.05.08 - Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist zu einer
UN-Konferenz über die Lage in seinem Land in Schweden
eingetroffen. An der eintägigen Konferenz bei Stockholm am
(heutigen) Donnerstag nehmen 500 Delegierte teil, unter ihnen
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Außenministerin
Condoleezza Rice und der iranische Außenminister Manutschehr
Mottaki. Der schwedische Außenminister Carl Bildt sagte, wichtig
sei, die Versöhnung zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden im Irak
voranzutreiben.
«Ziel der Konferenz ist, dem Irak zu helfen», sagte
Al-Maliki. «Die Aufgabe des Aufbaus ist schwieriger als der Kampf
gegen den Terrorismus.» Al-Maliki drückte die Hoffnung aus,
das Gläubiger dem Irak Schulden erlassen, die von der durch die
US-geführte Invasion im März 2003 gestürzte Regierung
Saddam Husseins aufgehäuft worden waren. Diese Forderung sei vor
allem an arabische Staaten gerichtet, erklärte Finanzminister
Bajan Dschabr. Der Irak schuldet dem Ausland mindestens 67 Milliarden
Dollar (42,8 Milliarden Euro), das meiste davon Saudi-Arabien, Kuwait,
den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar.
Rice räumte ein, dass die Lage im Irak allgemein mit Skepsis
betrachtet werde. Dennoch müsse die Weltgemeinschaft die irakische
Regierung unterstützen. Bagdad müsse dafür belohnt
werden, Versprechen über die Verbesserung der Sicherheit und die
Umsetzung politischer Reformen erfüllt zu haben. Der Irak sei
inzwischen ein «vollständig funktionierendes System»,
dem Unterstützung von Freunden und Nachbarn nicht vorenthalten
werden dürfe, sagte Rice.
Bei der Konferenz sollen Fortschritte des «internationalen
Pakts» mit dem Irak überprüft werden, der im Mai
vergangenen Jahres unter Vermittlung Bans in Ägypten erzielt
wurde. Der Pakt legte für einen Zeitraum von fünf Jahren
internationale Hilfen fest, stellte aber auch Bedingungen an die
irakische Regierung. Der UN-Gesandte für den Irak-Pakt, Ibrahim
Gambari, erklärte, bei der Konferenz in Upplands Vasby sei eine
Bestandsaufnahme darüber vorgesehen, inwieweit die Iraker und die
internationale Gemeinschaft ihre Verpflichtungen für eine
Stabilisierung des Landes eingehalten hätten.
US-Präsident George W. Bush hat seinem ehemaligen Sprecher zufolge
den Menschen den Irakkrieg mit Propaganda verkauft: Bush sei nicht offen
und direkt gewesen, was den Irak angegangen sei, zitierte die
Internetseite Politico.com am Dienstag aus den Memoiren Scott
McClellans, die in der kommenden Woche veröffentlicht werden
sollen. Der Präsident sei "auf eine schreckliche Art und Weise vom
Weg abgekommen". McClellan kritisiere die Regierung auch für ihr
Verhalten nach der Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan
Katrina. Die Regierung habe die Katastrophe in der ersten Woche schlicht
nicht wahrhaben wollen, wurde McClellan zitiert.
In seinem 341-seitigen Buch "What Happened: Inside the Bush White House
and Washington's Culture of Deception" gehe McClellan mit der Regierung
härter ins Gericht als erwartet, berichtete Politico.com. Die
Präsidialamt wollte sich nicht dazu äußern.
McClellan war von Juli 2003 bis April 2006 Sprecher Bushs. Er
gehört bereits seit langem zu Bushs Umfeld und hat erklärt, er
möge und bewundere den Präsidenten immer noch. Bush sei von
seinem Spitzen-Leuten schlecht beraten worden.
boa (Quellen:ap, rtr)
Blick ins Archiv:
Der Krieg gegen Irak begann am 20. März 2003
Knapp zwei Stunden nach Ablauf eines Ultimatums an den irakischen Staatschef
Hussein flog die US-Armee erste Luftangriffe auf Bagdad.
US-Präsident Bush hatte
Hussein eine Frist gesetzt, bis zwei Uhr Mitteleuropäischer Zeit das Land zu verlassen.
Der irakische Machthaber hatte zuvor bereits einen Gang ins Exil abgelehnt. Bush erklärte in
einer Fernsehansprache
(19.03.03 - 10:16 P.M. EST / 20.03.03 - 4:15 MEZ) , die erste Phase zur Entwaffnung des Irak sei eingeleitet
worden. Er habe angeordnet, ausgewählte militärische Ziele anzugreifen. Dies sei der Ausgangspunkt
für eine breit angelegte Aktion. Bush räumte ein, der Krieg könnte länger dauern und
schwieriger werden, als manche vorhersagten. Die USA und ihre Verbündeten würden
alles versuchen, um unschuldige Zivilisten zu schonen....
Der Weg zum Irakkrieg: 1992 gelangen an die Öffentlichkeit Auszüge
eines neuen Leitlinien-Entwurfs des Pentagons (18.02.1992) - Der "No Rivals"-Plan.
Danach gehört es zu den amerikanischen Interessen, u.a. den "Zugang zu
lebenswichtigen Rohstoffen, vor allem Öl aus dem Persischen Golf" zu sichern
und die "Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ballistischen Raketen",
"Bedrohungen von US-Bürgern durch Terrorismus oder durch regionale oder lokale
Konflikte" zu verhindern.
1998 richtet das rechtskonservative "Project for the New American Century" an den
damaligen US-Präsidenten Clinton einen Offenen Brief (26.01.1998) mit folgendem
Fazit: Diplomatie gegenüber Irak sei gescheitert. Jetzt müssen militärische
Aktionen gegen den Irak vorbereitet werden. Die Unterzeichner sind: Donald Rumsfeld,
Wolfowitz, Perle, Armitage, Bolton und andere, einflussreiche Politiker
in der Bush-Administration...
Mehr unter:
http://www.glasnost.de/pol/irak.html
Wikipedia - "Irakkrieg - Politische Vorgeschichte":
http://de.wikipedia.org/wiki/Irak-Krieg #Politische_Vorgeschichte
Chronologie der Kriegsvorbereitungen:
http://www.boa-muenchen.org/irakkrieg-chronik/ irakkrieg_chronik_weg_in_den_krieg.htm#news
Chronologie des Irak-Kriegs
Teil 1: 20.03.2003 bis 30.06.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_01.htm#news
Teil 2: 01.07.2003 bis 31.10.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv4/irak_02.htm#news
Teil 3: 01.11.2003 bis 31.12.2003
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv5/irak_03.htm#news
Teil 4: 01.01.2004 bis 31.05.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_04.htm#news
Teil 5: 01.06.2004 bis 31.10.2004
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_05.htm#news
Teil 6: 01.11.2004 bis 30.04.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_06.htm#news
Teil 7: 01.05.2005 bis 31.12.2005
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_07.htm#news
Teil 8: 01.01.2006 bis 31.12.2006
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_08.htm#news
Teil 9: 01.01.2007 bis 29.05.2007
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv6/irak_09.htm#news
... wird fortgesetzt...
Vor einem Jahr:
Irak am tausendvierundsechszigsten Tag nach Erlangung der formellen
Souveränität
|
Zitate zur Begründung des Irak-Krieges:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_a
Auszüge aus Powells 'Beweisen' zum Irak vom 5. Februar 2003:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402040.htm#040204_b
... Lügen und Täuschungen, die in
London und Washington produziert wurden, verursachten den Tod von bis
zu 55.000 Irakern, unter ihnen 9.600 Zivilisten... John Pilger, ZNet 05.02.2004... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_b
Iraq Body Count:
http://www.iraqbodycount.net
Fr.29.10.2004 - Einer Studie zufolge sind rund 100.000 Iraker an den Kriegsfolgen
gestorben. Die meisten Todesfälle gingen auf Gewalteinwirkung
zurück, nicht zuletzt durch Luftangriffe der Alliierten, wie es in
der Studie heißt, die auf der Website der renommierten
britischen Medizinzeitschrift «The Lancet» [http://www.thelancet.com]
veröffentlicht wurde... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv3/irak_k01.htm#bodycount
Do.12.10.2006 - Baltimore - Die Zahl der Opfer im Irakkrieg liegt
möglicherweise höher als bisher angenommen. Nach einer Studie
von US-Epidemiologen, die jetzt im Lancet (2006; doi:
10.1016/S0140-6736(06)69491-9) veröffentlicht wurde, könnten
zwischen März 2003 und Juli 2006 etwa 650.000 Menschen (oder 2,5
Prozent der Gesamtbevölkerung) mehr gestorben sein, als aufgrund
der Vorkriegszahlen zu erwarten gewesen wäre. Diese
Schätzungen sind das Ergebnis einer Befragung von 1.849 Haushalten
in 47 unterschiedlichen Regionen des Lande, die Gilbert Burnham von der
Bloomberg School of Public Health initiiert hat... Mehr unter:
http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docId=104104
Fr.18.01.2008 - Statistik des Grauens: Wie viel Zivilisten sind im Irak
wirklich gestorben? Heftiger Streit ist um die Zahl der Gewaltopfer im
Irak entbrannt.... Mehr unter:
http://www.sueddeutsche.de/irakopfer
Fr.01.02.2008 - Offenbar mehr als eine Million Iraker seit 2003 getötet:
Seit der US-geführten Invasion sind im Irak mehr als eine Million
Iraker gewaltsam zu Tode gekommen. Wie aus einer in London
veröffentlichten Studie hervorgeht, beklagt etwa ein Fünftel
der irakischen Haushalte den Verlust eines Angehörigen. Die
Erhebung umfasst den Zeitraum zwischen März 2003 und August
vergangenen Jahres. Die Daten wurden von den Instituten Opinion Research
Business (ORB) und Institute for Administration and Civil Society
Studies (IIACSS) zusammengetragen.
Die Befragung ergab 1.033.000 irakische Gewalttote, bei einer
Fehlerquote von 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 2414 Iraker über 18
Jahren befragt. Nach der jüngsten Volkszählung aus dem Jahr
1997 gibt es im Irak gut vier Millionen Haushalte.
(Quelle: afp)
Mo.31.12.2007 - Für die US-Truppen im Irak war 2007 mit 899 getöteten
Soldaten das Jahr mit den meisten Toten seit Beginn des Krieges vor
fast fünf Jahren. Der verlustreichste Monat war der
Mai mit 126 getöteten Soldaten, im Dezember wurden 21 Tote
gemeldet (Stand Sonntagabend).
Insgesamt starben seit der US-Invasion im März 2003 mindestens
3.902 amerikanische Soldaten. Davon wurden mindestens 3.175 infolge
feindlicher Angriffe getötet, wie aus Zahlen der
US-Streitkräfte hervorgeht.
Ähnlich wie bei den US-Soldaten entwickelte sich im Jahresverlauf
auch die Zahl der zivilen Opfer im Irak. Im Mai wurden 2.155
Zivilpersonen getötet, im Dezember waren es 710. Insgesamt wurden
im Jahr 2007 18.610 Iraker getötet, fast 5.000 mehr als im Jahr
zuvor.
(Quelle: afp)
Mo.24.03.08 - Seit Beginn des Irak-Kriegs vor gut fünf Jahren sind nunmehr
mindestens 4.000 US-Soldaten in dem arabischen Land ums Leben gekommen.
Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur AP, nachdem die
US-Streitkräfte in der Nacht zum heutigen Montag den Tod von vier
weiteren Amerikanern in Bagdad gemeldet hatten. Diese wurden den
Angaben zufolge bei der Detonation eines am Straßenrand
versteckten Sprengsatzes getötet. Ein weiterer US-Soldat wurde bei
dem Anschlag am späten Sonntagabend verwundet.
Die Zahl von 1.000 im Irak getöteten Amerikanern wurde im
September 2004 erreicht. Im Oktober 2005 lag die Opferbilanz bei 2.000,
Ende 2006 bei 3.000. Das verlustreichste Jahr für die
US-Streitkräfte im Irak war 2007, als 901 amerikanische
Truppenmitglieder ums Leben kamen.
Der Irak-Einsatz der USA hatte in der Nacht zum 20. März 2003 mit
Luftangriffen auf Bagdad begonnen. Nach
Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kamen alleine zwischen
März 2003 und Juni 2006 bis zu 223.000 Menschen ums Leben. Umfragen
zufolge lehnt eine Mehrheit der US-Bürger den Einsatz inzwischen
ab. (Quelle: ap)
«Kanonenfutter für das Pentagon»
... wer sind sie eigentlich - die toten amerikanischen Soldaten?... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv2/k0402110.htm#040211_a
'Statt des Sohnes kam eine leere Hülle aus dem Irak zurück'
»Ich wünschte, ich könnte euch erzählen, daß
unsere Familie wieder heil und glücklich ist, seit mein Sohn aus
dem Irak in ein ziviles Leben zurückgekehrt ist. Aber das ist
nicht der Fall. Mein Sohn ist 21 Jahre alt, er ist obdach- und
arbeitslos. Am 11. Januar (2006) hat er sein Auto in den frühen
Morgenstunden an einen Betonpfeiler gefahren. Niemand, der das Auto
sah, konnte sich vorstellen, daß er den Unfall überlebt hat.
Ich erinnere mich an den Tag, als ich den Anruf bekam: Mein Sohn war
zurück aus dem Krieg, zurück in den Staaten. Ich sank
schluchzend zusammen und dankte dem Schöpfer dafür, daß
er am Leben war. Damals hatte ich keine Ahnung, daß alles, was da
aus dem Krieg zurückkehrte, nur eine Hülle war. Der Geist
meines Jungen und seine Seele müssen immer noch irgendwo in den
Straßen des Irak herumirren... «
Georgia Stillwell, Mitglied der Organisation »Military Families
Speak Out«... Mehr unter:
http://www.jungewelt.de/2006/02-10/056.php
US-Offizier verweigert Marschbefehl in den Irak
Sa.24.06.06 - Ein US-amerikanischer Offizier protestiert gegen den Irak-Krieg:
Der 28 Jahre alte Leutnant Ehren Watada verweigerte am
Donnerstag seinen Marschbefehl in den Irak mit der Begründung,
erstens, daß er als Soldat verpflichtet sei, Recht und Gesetz und
die Verfassung der USA zu achten, zweitens, weil er in Irak dazu
gezwungen würde, Kriegsverbrechen zu begehen, und drittens, weil
der Irak-Krieg ein ungerechter und illegaler sei...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv8/k0606240.htm#060624_f
Die Kosten für den Irak-Einsatz explodieren
Mittwoch 20. Dezember 2006: Seit März 2003 haben die USA für den Einsatz im Irak 350 Milliarden
Dollar aufgewendet. In diesem Jahr bereits kletterten die Kosten des Irak-Einsatzes
auf monatlich acht Milliarden Dollar gegenüber 6,4 Milliarden Dollar monatlich im Vorjahr.
US-Präsident Bush hat weitere 100 Milliarden Dollar (75,9 Milliarden Euro) im Kongress beantragt.
Quellen: ap, afp
Kriegskosten der USA bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar geschätzt
Freitag 26. Oktober 2007: Der Rechnungshof des US-Kongresses hat die Gesamtausgaben für die
Kriege im Irak und in Afghanistan bis 2017 auf 2,4 Billionen Dollar
(1,7 Billionen Euro) geschätzt. Bisher haben die USA für die
Militäreinsätze in beiden Ländern 604 Milliarden Dollar
(425 Milliarden Euro) ausgegeben, wie das Congressional Budget Office
am Mittwoch in Washington mitteilte...
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710260.htm#07102601
'Wenigstens bin ich nicht Teil der Maschinerie' - US-Bürger
verweigern Steuern aus Protest gegen Irakkrieg
Sa.21.07.07 - Als die USA vor mehr als vier Jahren in den Irak einmarschierten, bat
David Gross seinen Vorgesetzten um eine drastische Gehaltskürzung
- er wollte so wenig verdienen, dass er keine Steuern mehr zahlen
müsste, über die der Krieg finanziert wird. Als sein
Arbeitgeber ablehnte, kündigte er kurzerhand. Inzwischen ist der
38-Jährige selbständig und weigert sich, Steuern zu
entrichten. Und er befindet sich in guter Gesellschaft: Immer mehr
Gegner des Irak-Kriegs in den USA drücken ihren Unmut durch
Steuerverweigerung aus....
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/ boa-archiv9/k0707210.htm#07072101
Feldpost aus der Wüste: 'The war as we saw it'
Nicht einmal vier Wochen ist es her, da haben sieben Feldwebel der
amerikanischen Armee ehrlich Zeugnis abgelegt. Von ihrem Krieg, so wie
sie ihn sahen. "The war as we saw it", abgedruckt am 19.August in der
New York Times, las sich nüchtern: eine Epistel ohne Pathos, ein
Epos ohne Helden. In dem Brief aus der Wüste erhoben die einfachen
Soldaten weder elendig Klage über den Alltag in Begdad noch bittere
Anklage gegen den Kriegsherrn im Oval Office. Was sie schrieben, war
schlicht und einfach nur: Amerika kann diesen Krieg nicht gewinnen.
Niemals
Als "wirklich surreal" empfanden die sieben Bürger in Uniform die
rosigen Pinselstriche, mit denen die Heeresführung und die Politik
daheim in Washington ihren Einsatz führten. Sie selbst wähnten
sich im Dunkel, gefangen zwischen "entschlossenen Feinden und
fragwürdigen Verbündeten". Amerikas Versuch, mit seiner
geballten Militärmacht den Bürgerkrieg unter Iraks
Volksgruppen zu ersticken, "wird nur sicherstellen, dass uns langfristig
alle hassen".
Nach vier Jahren US-Besatzung, nach 15 Monaten eigenen Erlebens an der
Front mochten die Feldwebel keinen Sinn mehr in ihrer Mission ausmachen.
"Wir haben die Tyrannei der Bath-Partei durch die Tyrannei von
Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt"
Als Lichtblick blieb den sieben Sergeanten, im Oktober nach Hause zu
kommen. Doch die Hoffnung trog. Einen aus der Gruppe traf ein Kopfschuss
aus dem Hinterhalt, noch ehe die Feldpost die Heimat erreichte, er
überlebte. Zwei andere Kameraden hatten so viel Glück nicht:
Unterfeldwebel Omar Mora und Oberfeldwebel Yance Gray starben am Montag
dieser Woche bei einem Autounfall. Beide waren Söhne, Väter,
Ehemänner und noch nicht einmal dreißig Jahre alt. Nun sind
sie - Helden.
Aus der Süddeutschen Zeitung 15. September 2007
'The war as we saw it' - New York Times, 19.08.2007:
http://www.nytimes.com/2007/08/19/opinion/19jayamaha.html?_r=2
Iraq Veterans against War (IVAW):
http://www.ivaw.org
Aktion Winter Soldier 2008
1971 half die Aktion "Winter Soldier", Öffentlichkeit gegen den
Vietnamkrieg herzustellen, indem Soldaten ihre Version des Kriegs
erzählten. In einer ähnlichen Aktion berichten Soldaten nun
über den Irak-Krieg... Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9-2008/ k0803150.htm#0803150
Britische Denkfabrik nennt Irak- und Afghanistanpolitik 'desaströs'
Mo.08.10.07 - Der Militäreinsatz der USA und ihrer Verbündeten im Irak und
in Afghanistan hat sich nach Einschätzung der britischen
Denkfabrik Oxford Research Group als "Desaster" erwiesen. Die Besatzung
des Irak sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Sie bilde den
Nährboden für Generationen von El-Kaida-Anhängern
ähnlich wie die Präsenz der sowjetischen Truppen in
Afghanistan in den 80er Jahren.
Die Inhaftierung tausender Menschen ohne Gerichtsverhandlungen, die
weit verbreitete Folter, Misshandlungen von Gefangenen und die geheime
Verbringung von Verdächtigen in Drittländer seien Wasser auf
die Mühlen "extremistischer Organisationen", heißt es in dem
Bericht. El Kaida verfüge heute über mehr Einfluss als zum
Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September in den USA. Die
westlichen Länder müssten die Gründe dafür
analysieren und eine grundsätzlich andere Politik einleiten.
Die Gruppe empfiehlt unter anderem den Abzug der ausländischen
Truppen aus dem Irak sowie verstärkte diplomatische
Bemühungen - auch gegenüber Syrien und dem Iran.
(Quelle: ap)
Kriegsveteranen kosten USA Milliarden von Dollar
Mi.24.10.07 - Am 11. September 2001 hat er verbrannte Körper aus den Ruinen des
Pentagons geborgen, später hat er in Kuwait und im Irak noch mehr
Grauen erlebt. Heute hält es der ehemalige US-Marine in keinem Job
mehr aus, er kann weder seine Schulden bezahlen noch immer
wiederkehrende Selbstmordgedanken aus seinem gepeinigten Hirn
verscheuchen: Gamal Awad gehört zu der wachsenden Zahl einer neuen
Gruppe von Kriegsveteranen: der «wirtschaftlich Gefallenen»...
Die Kosten für die Versorgung verwundeter US-Rückkehrer aus
den Kriegsschauplätzen im Mittleren Osten könnten nach
Schätzungen annähernd 700 Milliarden Dollar (500 Milliarden
Euro) erreichen, fast so viel wie die Kosten für den gesamten
Irakkrieg. ..
Mehr unter:
http://www.boa-muenchen.org/boa-archiv9/k0710240.htm#07102402
Das Fiasko zahlt sich aus - Warum die USA im Irak bleiben wollen
Fr.14.12.07 - Die gängige Meinung über die Lage im Irak lautet: ein
"Fiasko", "ein einziger Morast", ein "nicht gewinnbarer Krieg". Aber es
gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich die Sache aus der
Perspektive von Bush und Cheney ganz anders darstellt. Dass
nämlich die USA genau in dem Morast "stecken", in dem Bush und
andere sie haben wollen. Was im Übrigen erklären würde,
warum es keine "Ausstiegsstrategie" gibt.
Der Irak verfügt über nachgewiesene Ölreserven von 115
Milliarden Barrel - mehr als fünfmal so viel wie die USA. Zudem
ist der Irak aufgrund seiner langen politischen Isolation der
Ölstaat, dessen Vorkommen am wenigsten erforscht sind. Im ganzen
Land gibt es nur 2 000 Bohrlöcher, in Texas hingegen eine Million.
Der Council on Foreign Relations in Washington hat Schätzungen
publiziert, wonach im Irak noch unentdeckte Ölreserven in
Höhe von 220 Milliarden Barrel lagern; eine andere Studie
beziffert diese Reserven auf 300 Milliarden Barrel.(1)
Wenn diese Schätzungen auch nur einigermaßen realistisch
sind, sitzen die US-Truppen heute auf einem Viertel der globalen
Ölressourcen. Der Wert dieses Öls - großenteils
leichtes Rohöl, entsprechend niedrige Förderkosten -
würde zu aktuellen Preisen bei 30 Billionen Dollar liegen. Zum
Vergleich: Die Gesamtkosten der US-amerikanischen Invasion plus
Okkupation werden auf eine Billion Dollar geschätzt.
An wen wird das irakische Öl gehen? Eine der Benchmarks, die der
irakischen Regierung von der Bush-Administration gesetzt wurden, ist
die Verabschiedung eines Gesetzes über die Verteilung der
Öleinnahmen. Nach dem Gesetzentwurf, den Washington für den
irakischen Volkskongress ausgearbeitet hat, würde das
geförderte Öl nahezu vollständig an westliche Konzerne
gehen...
Mehr in Le Monde diplomatique Nr. 8455 vom 14.12.2007, Seite 11:
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2007/12/14/a0043.text
Saddam
Hussein hielt US-Invasion für unwahrscheinlich - FBI-Beamter gibt
Details aus Verhören des früheren irakischen Staatschefs preis
Fr.26.01.08 - Saddam Hussein war nach den Worten eines FBI-Beamten überzeugt,
dass die USA ihn nicht stürzen würden. Die Möglichkeit,
dass er Massenvernichtungswaffen besitzen könnte, ließ der
frühere irakische Präsident bewusst offen, um den Iran von
etwaigen Angriffen abzuschrecken. Dies erklärte er in seinen
Verhören, wie der daran beteiligte US-Ermittler George Piro dem
Fernsehsender CBS mitteilte. Das Interview mit Piro soll am
Sonntagabend ausgestrahlt werden.
Demnach war der Ende 2006 hingerichtete Diktator der Auffassung, die
USA würden im März 2003 lediglich eine Reihe Luftangriffe
lancieren wie schon 1998. Mit einer vollen Invasion zu seinem Sturz
habe er indessen nicht gerechnet, sagte Prio dem Sender. Ihm
gegenüber habe Saddam Hussein eingeräumt, dass er die
Absichten von US-Präsident George W. Bush damals falsch kalkuliert
habe. Da er aber keine US-Invasion erwartet habe, habe er es auch nicht
für nötig gehalten, bezüglich seines Waffenprogramms
Klarheiten zu schaffen.
Saddam Hussein wies seinerzeit zwar stets amerikanische Anschuldigungen
zurück, Massenvernichtungswaffen zu besitzen. Dennoch verweigerte
er den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)
immer wieder den Zugang zu den irakischen Nuklearanlagen. Piro zufolge
wollte er die Welt bewusst im Dunkeln lassen, um den Iran
abzuschrecken: «Für ihn war es wichtig, als der starke Mann
dazustehen, der den USA trotzt.»
Piro fügte hinzu, dass Saddam Hussein zu diesem Zeitpunkt
tatsächlich keine unkonventionellen Waffen besessen habe. Er habe
aber erwogen, ein neues Programm für deren Herstellung in Angriff
zu nehmen.
boa (Quelle: ap)
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Internationale Konferenz erreicht Einigung auf Streubombenverzicht
Do.29.05.08 - Im Ringen um ein Verbot von Streubomben haben Delegierte aus mehr als
100 Ländern einen Durchbruch erzielt. Sie einigten sich am
Mittwoch bei einer Konferenz in Dublin auf ein Abkommen zur Abschaffung
von Streubomben bisheriger Bauart in den kommenden acht Jahren. Der
Durchbruch kam, nachdem der britische Premierminister Gordon Brown den
Verzicht seines Landes auf diese Waffenart bekanntgegeben hatte.
Großbritannien werde die umstrittene Waffe aus seinen Arsenalen
entfernen, sagte Brown in London.
Er wolle damit dazu beitragen, die Blockade in den Bemühungen um
ein internationales Verbot von Streubomben zu überwinden, sagte
Brown. Er hoffe, andere Staaten würden dem britischen Beispiel
folgen. Das nach zehntägigen Beratungen vereinbarte Abkommen soll
die derzeit üblichen Streubomben verbieten und hat ihre
Zerstörung innerhalb von acht Jahren zum Ziel. Laut dem der
Nachrichtenagentur AP vorliegenden Entwurf ist aber die Entwicklung
neuer Bombentypen nicht ausgeschlossen.
Der Vertrag soll am Freitag offiziell veröffentlicht werden, seine
Unterzeichnung ist für Dezember in Oslo geplant. Der irische
Außenminister Micheal Martin erklärte, alle 111 an der
Konferenz teilnehmenden Staaten unterstützten den Entwurf, den er
als «echten Beitrag zum internationalen humanitären
Recht» bezeichnete.
Brown erklärte, er habe die britische Delegation angewiesen, ein
völliges Verbot von Streubomben zu unterzeichnen, darunter zwei
Bombentypen, die auch von den britischen Streitkräften benutzt
werden und für die London ursprünglich Ausnahmegenehmigungen
anstrebte. Nach Bekanntwerden der Einigung gratulierte Brown den
Unterhändlern und der irischen Regierung in einer Erklärung.
Er sei überzeugt davon, dass die Welt dadurch sicherer werde.
Die Staaten, die die Sprengsätze vor allem herstellen oder
verwenden - die USA, Russland, China, Israel, Indien und Pakistan -
sind an den Beratungen in Irland allerdings nicht beteiligt. Mehrere
Länder werben damit, modernere und «schlauere»
Streubomben zu entwickeln, die ihre Ziele präziser treffen und
sich selbst zerstören, wenn sie nicht wie vorgesehen explodieren.
Dies scheint dem Entwurf zufolge weiter möglich zu sein.
Zugeständnisse an die USA und ihre NATO-Partner ermöglichen
es Washington voraussichtlich, Streubomben auch in solchen
europäischen Ländern vorzuhalten, die den Vertrag
unterzeichnen.
An den Verhandlungen in Dublin beteiligte Nichtregierungsorganisationen
zeigten sich erfreut über die Einigung. Zugleich
äußerten sie sich enttäuscht darüber, dass sie
etliche Schlupflöcher enthalte.
Streubomben verteilen riesige Mengen kleiner Sprengkörper,
sogenannte Bombletten, über große Flächen. Allerdings
explodieren meist 10 bis 40 Prozent der Sprengsätze nicht sofort
und stellen danach eine tödliche Gefahr dar, vergleichbar mit
Landminen. Bei der kleinsten Berührung können sie
explodieren. Opfer sind häufig auch Kinder, die sich wegen deren
Form und Farbe für die Sprengsätze interessieren.
(Quelle: ap)
Amnesty erhebt schwere Vorwürfe gegen China und die USA - Peking
stellt laut AI Wirtschaftsinteressen über Menschenrechte - USA
sollen Guantánamo schließen - Kritik an deutschen
Geheimdiensten
Do.29.05.08 - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat in ihrem
Jahresbericht schwere Vorwürfe gegen China und die USA erhoben. Die
Regierung in Peking stelle ihre Wirtschaftsinteressen in Ländern
wie Birma, Simbabwe oder dem Sudan über die Achtung der
Menschenrechte, hieß es im Jahresbericht der Organisation, der am
Mittwoch vorgestellt wurde. Die USA dagegen hätten es
versäumt, beim Schutz der Menschenrechte weltweit eine
Führungsrolle zu übernehmen.
«Als der mächtigste Staat der Welt setzen die USA globale
Standards für Regierungshandeln», hieß es in dem
Bericht weiter. Amnesty kritisierte Washington unter anderem für
die Unterstützung des pakistanischen Präsidenten Pervez
Musharraf. Trotz der Verhängung des Ausnahmezustands und trotz des
harten Durchgreifens gegen Medien, Opposition und Richter hätten
die USA Musharraf gewähren lassen.
In den vergangenen Jahren seien die USA vor allem durch Missachtung des
internationalen Rechts aufgefallen, hieß es weiter. Die
Generalsekretärin von Amnesty, Irene Khan, forderte den
nächsten US-Präsidenten auf, das Gefangenenlager in Guantanamo
endlich zu schließen - zum Beispiel am 10. Dezember, dem 60.
Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
In dem Jahresbericht wird auch China scharf kritisiert. Die Zensur im
Land sei unverändert streng und Dissidenten würden
eingesperrt. Zudem müssten immer mehr Menschen ohne Prozess
Zwangsarbeit leisten, heißt es weiter. China sei inzwischen eine
Supermacht, sagte Khan. «Damit geht auch die globale Verantwortung
für Menschenrechte einher. China muss anerkennen, dass
Wirtschaftswachstum alleine nicht reicht», sagte Khander
Nachrichtenagentur AP.
Zeichen der Besserung seien zu erkennen, Peking arbeite aber aufgrund
seiner Wirtschaftsinteressen immer noch mit Staaten wie Birma oder dem
Sudan zusammen, ohne Rücksicht auf die Achtung der Menschenrechte
in beiden Ländern, hieß es. So habe China trotz eines
UN-Embargos weiter Waffen an die Regierung in Khartum geschickt.
Weltweit zeigt die Jahresstatistik der Menschenrechtsorganisation, dass
Menschen in 81 Staaten misshandelt oder gefoltert werden. In 77
Ländern gebe es nach wie vor keine Meinungsfreiheit. In mindestens
54 Staaten hätten die Menschen keine Aussicht auf einen fairen
Gerichtsprozess.
Mit Blick auf Deutschland kritisierte Amnesty vor allem die
Aktivitäten der Geheimdienste. Der BND-Untersuchungsausschuss habe
gezeigt, dass die deutschen Geheimdienste wiederholt in einer
menschenrechtlichen Grauzone und «sehr nachlässig»
gearbeitet hätten, sagte die Generalsekretärin von Amnesty
Deutschland, Barbara Lochbihler. So habe im Fall des Deutsch-Syrers
Mohamed Zammar ein «intensiver Informationsaustausch»
zwischen dem deutschen und syrischen Geheimdienst bestanden. Um die
Geheimdienste künftig besser kontrollieren zu können, fordert
Amnesty die Teilnahme eines «hochrangigen Vertreters mit
Menschenrechtsprofil» an den regelmäßigen
Lagebesprechungen im Bundeskanzleramt.
(Quelle: ap)
Nahost-Konflikt
Pro-westlicher Siniora führt libanesische Regierung weiter an
Do.29.05.08 - Im Libanon steht der bisherige Ministerpräsident Fuad Siniora auch
an der Spitze der neuen Regierung.
Der pro-westliche Politiker wurde am Mittwoch von Staatspräsident
Michel Suleiman zum designierten Regierungschef ernannt und mit der
Regierungsbildung beauftragt. Zuvor hatten sich 68 der 127
Parlamentsmitglieder für Siniora ausgesprochen.
Die Regierungsbildung ist die erste große Herausforderung
für Suleiman, der selbst erst am Wochenende in das höchste
Staatsamt gewählt worden war. Er soll die seit eineinhalb Jahren
andauernde Staatskrise beenden, die den Zedernstaat an den Rand eines
Bürgerkrieges getrieben hatte.
Der 65-jährige Siniora führte die Regierung seit 2005.
Zuletzt war aber auch Mehrheitsführer Saad al-Hariri als Kandidat
für das Amt des Regierungschefs gehandelt worden. Im neuen
Kabinett hat die von der Hisbollah geführte Opposition faktisch
ein Vetorecht. Dies ist Teil des Kompromisses zur Beilegung der
Staatskrise. Er kam durch die Vermittlung des Golfstaates Katar
zustande.
(Quelle: rtr)
Verfassungsgebende Versammlung erklärt Nepal zur Republik
Do.29.05.08 - Nach fast 240 Jahren ist die Monarchie im Himalayastaat Nepal am
Mittwoch wieder abgeschafft worden. Die verfassungsgebende Versammlung
erklärte das Land fast einstimmig zur Republik. 560 Abgeordnete
votierten für die Republik, nur vier enthielten sich der Stimme.
Sie fassten den Beschluss gleich zu Beginn ihrer konstituierenden
Sitzung in Kathmandu. Er gibt König Gyanendra 15 Tage Zeit, seinen
Palast in der Hauptstadt zu verlassen.
In den Straßen der nepalesischen Hauptstadt jubelten die
Menschen, als der Beschluss bekannt wurde. Überall waren
Feuerwerkskörper zu hören. Gruppen junger Männer riefen
«Lang lebe die Republik!», König Gyanendra nannten sie
einen Dieb. «Die Menschen in Nepal haben den Autokraten Gyanendra
besiegt, Nepal ist jetzt eine Volksrepublik», sagte ein
Anhänger der Maoisten, Gopal Thapa, die die meisten Sitze in der
Versammlung haben. Sie werden vermutlich auch die erste Regierung der
neuen Republik stellen und ihren Führer Prachanda zum
Ministerpräsidenten machen.
Gyanendra musste vor zwei Jahren seine königliche Diktatur beenden
und demokratische Reformen in Nepal zulassen, das seit 239 Jahren von
seiner Dynastie regiert wurde. Im Gegenzug beendeten maoistische
Guerillas ihren zehnjährigen Untergrundkrieg. Sie forderten seit
Jahren die Abschaffung der Monarchie. Bei der Wahl zur
verfassungsgebenden Versammlung im vergangenen Monat errangen die
ehemaligen Rebellen einen deutlichen Sieg.
Den Rückhalt in der Bevölkerung für die einstigen
maoistischen Rebellen zeigten die vielen roten Fahnen bei Kundgebungen
in der Hauptstadt. Teilweise kamen die Demonstranten dem
Versammlungsort zu nahe, weshalb die Polizei Tränengas einsetze.
Insgesamt rund 10.000 Polizisten waren im Einsatz, um für
Sicherheit zu sorgen.
In den vergangenen Tagen wurden Forderungen laut, König Gyanendra
sofort aus dem Palast zu jagen, notfalls mit Gewalt. Um eine solche
Eskalation zu vermeiden, wollte man dem König nun offenbar noch
mehr Zeit geben.
(Quelle: ap)
Deutschland will weltweiten Artenschutz mit Milliarden fördern
Do.29.05.08 - Deutschland will den weltweiten Artenschutz in den nächsten Jahren
mit Milliarden-Beträgen fördern.
Bis 2012 werde Deutschland zusätzlich eine halbe Milliarde Euro
zum Schutz der Wälder zur Verfügung stellen, sagte
Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch bei der
UN-Artenschutzkonferenz in Bonn. Ab 2013 würden es dann jedes Jahr
eine halbe Milliarde Euro sein. Derzeit wendet Deutschland gut 200
Millionen Euro pro Jahr dafür auf. "Wir brauchen eine Trendwende
im Artenschutz", verlangte Merkel und appellierte an die rund 190
Staaten der Konferenz, ihre Anstrengungen ebenfalls aufzustocken.
"Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen", sagte die
Kanzlerin. Die Lebensgrundlagen der Welt müssten langfristig
bewahrt werden. Jeden Tag stürben aber weltweit etwa 150 Tier- und
Pflanzenarten aus. "Wir brauchen verbindliche Abkommen."
Umweltminister Sigmar Gabriel sprach von einem Durchbruch beim Ringen
der Konferenz, um einen Ausgleich für die Nutzung von Pflanzen und
genetischen Ressourcen aus den Entwicklungsländern durch Pharma-
und Kosmetikfirmen. Hier gebe es ein klares Verhandlungsmandat, um bei
der Folgekonferenz 2010 zu konkreten Ergebnissen zu kommen. In Kreisen
der Verhandlungsteilnehmer hieß es allerdings, die Entscheidung
über rechtlich verbindliche Zahlungen an die
Entwicklungsländer sei vertagt worden. Ob es eine solchen Vertrag
gebe oder freiwillige Regelungen, solle erst später entschieden
werden. Dies habe aber den Weg frei gemacht, um in anderen Fragen
weiterzukommen und Arbeitsgruppen einzusetzen.
Seit Mittwoch versuchen Regierungschefs und Minister strittige Fragen
der Konferenz voranbringen zu bringen. Die Teilnehmer suchen nach
Lösungen, um das weltweite Artensterben bis 2010 zu bremsen. Es
schreitet derzeit um das 100 bis 1000fache schneller voran als es der
natürlichen Entwicklung entspricht. Ziel ist es vor allem
Verhandlungstexte auszuarbeiten, die in zwei Jahren bei der
Folgekonferenz in Japan verbindlich beschlossen werden sollen.
(Quelle: rtr)
Steuerkonzepte spalten große Koalition
Do.29.05.08 - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Steuer- und Abgaben-Konzept
der SPD abgelehnt. «Die Vorschläge der SPD setzen im Grunde
nur auf Umverteilung und Steuererhöhung. Das ist nicht unser
Konzept», sagte sie dem Bonner «General-Anzeiger».
«Wir dürfen die Gesellschaft nicht in Gruppen portionieren
und gegeneinander ausspielen. Wir kommen ohne die vielen
Leistungsträger nicht aus und dürfen es ihnen im Interesse von
Wachstum und mehr Arbeit nicht schwer machen.»
Im Gegensatz vor allem zur CSU will die SPD nicht die Steuern, sondern
die Sozialabgaben von Gering- und Durchschnittsverdienern senken. Im
Gegenzug sollen Top-Verdiener und Vermögende stärker zur Kasse
gebeten werden. So soll die «Reichensteuer» für Ledige
bereits bei 125 000 und nicht wie bisher bei 250 000 Euro greifen.
Geprüft werden soll auch die Wiederbelebung der
Vermögensteuer. Für weitere Steuersenkungen wird kein Bedarf
gesehen.
Merkel betonte, auch für die CDU sei die Senkung der Sozialabgaben
zentral, weil dies Arbeitsplätze in Deutschland sichern helfe und
auch bei den Bürgern ankomme. «Deshalb haben wir den
Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung halbiert und Arbeitnehmer und
Arbeitgeber um 25 Milliarden entlastet.»
Kritik am SPD-Konzept kommt auch von der Wirtschaft. Der Präsident
des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg
Braun, bezeichnete die Pläne als «unausgegoren». Er
sagte der «Bild»- Zeitung (Mittwoch): «Im Zweifel
droht etwas wie bei der Mehrwertsteuer: viel Steuererhöhung und
wenig Abgabensenkung.» Braun forderte, den Beitragssatz zur
Arbeitslosenversicherung auf unter 3 Prozent zu senken. So könne
die Mittelschicht am besten entlasten werden.
(Quelle: dpa)
Links-Fraktionschef Gysi nach Stasi-Vorwürfen zum Rücktritt
aufgefordert
Do.29.05.08 - Nach erneuten Stasi-Vorwürfen haben Koalitionspolitiker den
Linksfraktionschef Gregor Gysi im Bundestag heftig attackiert und zum
Rücktritt aufgefordert. Union und SPD nutzten am Mittwoch eine
Aktuelle Stunde auch zur Generalabrechnung mit der Linkspartei
insgesamt. Die Stasi-Akten-Beauftragte Marianne Birthler hatte zuvor
bekräftigt, nur Gysi könne «nach Aktenlage»
bestimmte Informationen als Informeller Mitarbeiter (IM) an die Stasi
gegeben haben. Gysi wies das zurück und sprach von einem
«Trauerspiel».
Der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl sagte, Gysi habe Mandanten verraten:
«Der Abgang ist überfällig. Ziehen sie die notwendigen
Konsequenzen.» Seitens der CSU schloss sich der Abgeordnete
Stephan Meyer der Rücktrittsforderung an. Gysi müsse auch
seine Zulassung als Rechtsanwalt zurückgeben, sagte er und warf
Gysi eine Verhöhnung und Missachtung von tausenden von
Stasi-Opfern vor.
Für die SPD-Fraktion warf der Ost-Politiker Stephan Hilsberg Gysi
und seiner Linkspartei vor, «zu lügen und zu
betrügen». Sein Parteikollege Carl-Christian Dressel
forderte Gysi ebenfalls zur Aufgabe seiner politischen Ämter auf.
Die Debatte wurde immer wieder von Zwischenrufen unterbrochen.
Gysi stellte sich der Kritik direkt. Seit Jahren werde mit allen
Mitteln versucht, ihn zu beschädigen und seine Partei zu treffen,
sagte er. «Vom Leben eines Anwalts in der DDR haben sie schlicht
und einfach keine Ahnung», warf er SPD und Union vor und wies
eine Stasi-Verstrickung erneut zurück. «Die Staatssicherheit
versuchte nicht einmal, mich anzuwerben.»
Bei den Vorwürfen geht es um Angaben nach einem Treffen Gysis mit
dem Regimekritiker Robert Havemann 1979. Gysi war Havemanns Anwalt.
Angeheizt wurde die Aktuelle Stunde durch erneute Vorwürfe
Birthlers. «Nach unseren Unterlagen sind diese Unterlagen die zu
einem IM. Und der kann nach Aktenlage nur Gregor Gysi gewesen
sein», sagte sie in der ARD. Inzwischen habe ihre Behörde
Erkenntnisse, dass «nach diesen Unterlagen, die jetzt vorliegen,
eine wissentliche und willentliche Unterrichtung des Ministeriums
für Staatssicherheit stattgefunden hat - und zwar durch Gregor
Gysi über unter anderem Robert Havemann». Sie widersprach
Aussagen Gysis, die Informationen in den Akten könnten
möglicherweise ohne sein Zutun durch Abhöraktionen gewonnen
worden sein.
Bereits vergangene Woche hatte sich Birthler ähnlich im ZDF
geäußert. Gysi nahm dies zum Anlass, rechtliche Schritte
gegen den Sender einzuleiten. Das ZDF bestätigte in Mainz den
Eingang eines «Unterlassungsbegehrens». Dieses werde zur
Zeit geprüft. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte: «Wir
lassen uns durch Herrn Gysi die Freiheit einer unabhängigen
Berichterstattung nicht verbieten.»
Gysi hatte die Vorwürfe Birthlers bereits auf dem Parteitag der
Linken am vergangenen Wochenende abgestritten. Er habe zu keinem
Zeitpunkt wissentlich und willentlich mit der Staatssicherheit
zusammengearbeitet, hatte er erklärt.
Der Co-Vorsitzende Oskar Lafontaine forderte Birthlers Absetzung.
«Die Chefin der Stasi-Unterlagen-Behörde ist nicht in der
Lage, ihr Amt objektiv und unparteiisch auszuüben», sagte er.
(Quelle: ap)
Linke legt in Umfrage weiter zu
Do.29.05.08 - Der anhaltende Streit in der großen Koalition schadet einer
Umfrage zufolge dem Ansehen der Regierungsparteien. Die Union fiel im
Vergleich zur Vorwoche in der Wählergunst um einen Punkt auf 35
Prozent, die SPD verharrte mit 23 Prozent weiter in ihrem Tief.
Das ergab die wöchentliche Forsa-Umfrage für das Magazin
«Stern» und den Fernsehsender RTL. Die Linke stieg dagegen
um einen Punkt auf 14 Prozent, die Liberalen kamen erneut auf 12
Prozent, die Grünen wieder auf 11 Prozent. Für alle drei
Oppositionsparteien ist das ihr Jahreshöchstwert. Damit liegen
Union und FDP zusammen bei 47 Prozent, während SPD, Grüne und
Linke auf 48 Prozent kommen.
(Datenbasis: 2502 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger vom
19. bis 23. Mai 2008. Statistische Fehlertoleranz: +/- 2,5 Prozentpunkte)
(Quelle: dpa)
Ex-Telekom-Vorstand erhebt Vorwürfe gegen Ricke und Zumwinkel -
Auftrag zur Bespitzelung 'von ganz oben' - Sondersitzung des
Aufsichtsrats
Do.29.05.08 - Der ehemalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und der frühere
Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel geraten in der
Bespitzelungsaffäre des Konzerns zunehmend unter Druck. Der
frühere Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer sagte dem
«Handelsblatt», nach Angaben eines Mitarbeiters sei der
Auftrag für die Ausspähung von Aufsichtsräten und
Journalisten «aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erteilt»
worden. Der Telekom-Aufsichtsrat wollte sich am Mittwochnachmittag in
einer Sondersitzung mit der Affäre befassen.
Klinkhammer war von 1996 bis 2006 im Telekom-Vorstand auch für die
Konzernsicherheit verantwortlich. Das «Handelsblatt» zitiert
ihn mit den Worten: «Der Mitarbeiter der Konzernsicherheit, der
diesen Auftrag bekommen hat, hat mir versichert, dass Ricke und
Zumwinkel ihm in der Angelegenheit einen Maulkorb erteilt haben.»
Weiter sagte er: «Dieser Auftrag, die Lücken für die
Indiskretionen zu finden und zu schließen, ist an mir sowie am
Chef der Konzernsicherheit vorbei aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel
erteilt worden.»
In den Jahren 2005 und 2006 waren einigen Wirtschaftsjournalisten
offenkundig Informationen über vertrauliche Unternehmensplanungen
zugespielt worden. Aussagen des mit der Untersuchung beauftragten
Berliner Beratungsunternehmens im «Handelsblatt» weisen
darauf hin, dass die Telekom für die Suche nach undichten Stellen
Telefon-Verbindungsdaten auch von Journalisten weitergegeben haben
könnte. Die Staatsanwaltschaft Bonn prüft nach einer Anzeige
des Unternehmens, ob damit das Fernmeldegeheimnis oder
Datenschutzbestimmungen verletzt wurden.
Der Chef der unter anderem auf Kommunikationssicherheit in Unternehmen
spezialisierten Beratungsfirma network.deutschland, Ralph Kühn,
sagte laut «Handelsblatt»: «Der Auftrag kam von ganz
oben und ist mit dem Telekom-Vorstand abgestimmt worden.» Er
räumte demnach ein, über Monate hinweg systematisch
Hunderttausende Verbindungsdaten ausgewertet zu haben, um telefonische
Kontakte zwischen Journalisten und Mitarbeitern des Unternehmens
nachweisen zu können.
Bei der ersten Ausspähaktion 2005 sei es ihm mit Hilfe der aus
Bonn gelieferten Verbindungsdaten gelungen, dem damaligen
Betriebsratschef und Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Wegner eine
telefonische Verbindung zu einem Reporter von «Capital»
nachzuweisen, sagte Kühn der Zeitung zufolge. Konsequenzen bei der
Telekom habe es aus der «Operation Rheingold» aber nicht
gegeben. «Capital» hatte Anfang 2005 aus der geheimen
Mittelfristplanung der Telekom zitiert.
Anfang 2006 sei die Konzernsicherheit erneut auf ihn zugekommen, weil
wieder interne Telekomunterlagen in den Medien auftauchten, sagte
Kühn nach Angaben der Zeitung. Er startete eine zweite Operation
mit dem Decknamen «Clipper». Dafür habe er monatlich
die Verbindungsdaten von drei Magazin-Reportern erhalten und mit
Dienstanschlüssen des Unternehmens abgeglichen. Die Treffer habe er
nach Bonn gemeldet. Kühn war am Mittwoch für eine
Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Ein Sprecher Zumwinkels hatte am Dienstag erklärt, Zumwinkel habe
keinen persönlichen Auftrag für die Auswertung der
Telefon-Verbindungsdaten von Managern und Aufsichtsräten gegeben.
«Die Geschäfte eines Unternehmens führt der
Vorstand», erklärte der Sprecher. Auch Ricke wies die
Darstellung seines ehemaligen Vorstandskollegen Klinkhammer zurück:
«Diese Vorwürfe sind unwahr und haltlos», sagte er dem
«Handelsblatt».
(Quelle: ap)
Industrie: Lebensmittel werden deutlich teurer
Do.29.05.08 - Die Ernährungsindustrie erwartet eine drastische Verteuerung von
Lebensmitteln in diesem Jahr: "Wir werden damit rechnen müssen,
dass wir auch in 2008 steigende Nahrungsmittelpreise von vier Prozent
haben werden", sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der
Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham, am Mittwoch in
Berlin. Das sei "die unterste Grenze". Es sei nicht absehbar, wie sich
die Rohstoff- und Energiekosten auf die Lebensmittelpreise auswirkten.
Auch Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer sagte, die globalen
Preise würden aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und der
steigenden Nachfrage weiter klettern, "und zwar sehr dynamisch". Den
Schätzungen der Lebensmittelindustrie schloss er sich aber nicht
an. Prognosen aus dem Frühjahr seien bisher nie im Herbst
eingetreten.
John Benstedt-Smith von der EU-Generaldirektion für Landwirtschaft
und ländliche Entwicklung sagte, der Bedarf an Nahrungsmitteln
werde zunehmen, da vor allem die Nachfrage in Asien steige. Daneben
wirkten sich die Energiekosten auf die Preise aus. Auf der anderen
Seite gebe es Anzeichen dafür, dass der Anteil ausgesäter
Flächen in diesem Jahr höher sei als im Vorjahr.
Schätzungen gingen daher von einer Rekordernte beim Weizen von 650
Millionen Tonnen aus - nach gut 600 Millionen Tonnen im vergangenen
Jahr.
Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner,
verwies darauf, dass ein Preisanstieg um vier Prozent in Europa in den
Entwicklungsländern ein Plus von 50 bis 100 Prozent ausmachten. Um
dort die Ernährungssituation zu verbessern, müssten
autoritäre Regime über die Entwicklungshilfe unter Druck
gesetzt werden.
Seehofer vertrat die Ansicht, den Entwicklungsländern müsse
dort geholfen werden, wo die Menschen von Hunger bedroht seien. So
müsse die bäuerliche Landwirtschaft durch konkrete
Projektförderung, Finanzhilfen und Beratung unterstützt
werden. Um Hunger zu bekämpfen, müssten
Strukturveränderungen mit Sofortmaßnahmen Hand in Hand gehen.
Die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble,
kritisierte, die Industriestaaten hätten zu wenig getan, um
Kleinbauern in Entwicklungsländern zu helfen. Durch die Zuspitzung
bei den Preisen werde dies deutlich sichtbar. Deutschland und die EU
forderte sie auf, ihre Energiepolitik zu ändern und von den
festgesetzten Quoten zur Beimischung von Biosprit abzukehren. Für
die Biomasse seien große landwirtschaftliche Flächen in den
Entwicklungsländern ausgewiesen worden. Der Anbau sei damit in
Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion getreten.
Seehofer betonte dagegen, Deutschland halte an seinen Energiezielen
fest. Es müsse aber auf Nachhaltigkeit und Effizienz geachtet
werden.
(Quelle: rtr)
Hohe Benzinpreise lassen Autofahrer in den Zug umsteigen - Bahn mit
Passagierplus ins Jahr gestartet - Mehdorn sieht neue Chancen für
sein Unternehmen
Do.29.05.08 - Die hohen Benzinpreise treiben der Bahn neue Kunden zu. In den ersten
drei Monaten habe es mehr Fahrgäste gegeben als im
Vorjahreszeitraum, teilte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit. Laut
«Bild» gewann das Unternehmen von Januar bis April 20
Millionen Kunden dazu. «Dabei spielen auch die Benzinpreise eine
Rolle», sagte Mehdorn. Die drastisch gestiegenen Energiekosten
belasteten die Bahn weniger als die Wettbewerber Auto und Flugzeug.
Das eröffne dem vor dem Börsengang stehenden Unternehmen die
Chance, neue Kunden zu gewinnen. Bahnreisende müssten trotzdem
nicht fürchten, künftig nur noch in überfüllten
Zügen sitzen zu müssen. Die durchschnittliche Auslastung im
Fernverkehr liege bei 48 Prozent, im Regionalverkehr noch unter 20
Prozent, sagte Mehdorn am Dienstagabend in Frankfurt am Main: «Wir
haben noch reichlich Möglichkeiten, die Leute willkommen zu
heißen.»
Die «Bild»-Zeitung berichtete in ihrer Mittwochausgabe, in
den ersten vier Monaten seien vor allem die ICE-Verbindungen mit einem
Plus von 3,1 Prozent gefragt gewesen. «Immer mehr Autofahrer
kaufen Tickets statt zu tanken», zitiert das Blatt Bahn-Vorstand
Karl-Friedrich Rausch. «Jetzt tun wir alles, um die Neukunden mit
einer guten Leistung dauerhaft bei der Bahn zu halten. Schließlich
ist der beste Platz für ein Auto nicht die Tankstelle, sondern der
Parkplatz am Bahnhof.»
(Quelle: ap)
Rechtsextremistischer Angriff auf Theaterschauspieler - Nur ein
Angeklagter im Halberstadt-Prozess verurteilt
Do.29.05.08 - Knapp ein Jahr nach dem Überfall von Rechtsextremisten auf eine
Gruppe Theaterschauspieler in Halberstadt sind drei der vier
Tatverdächtigen freigesprochen worden. Ein 23-jähriger
Angeklagter wurde am Mittwoch vom Amtsgericht Halberstadt zu zwei
Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung in drei
Fällen ohne Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft
hatte für den 23-Jährigen eine Freiheitsstrafe von
zweieinhalb Jahren und Freisprüche für die restlichen
Angeklagten gefordert.
Der Vorsitzende Richter begründete die Entscheidung, nur einen der
Angeklagten zu verurteilen, mit dem Mangel an Beweisen. Ein Gericht
könne nur so gut sein, wie das die Beweisaufnahme ergebe.
«Es gibt jedoch für die drei restlichen Tatverdächtigen
belastende Aussagen», betonte Selig. Deshalb sei dies ein
«Freispruch zweiter Klasse». Zudem sei deutlich geworden,
dass noch Andere an den Schlägereien beteiligt waren.
Gegen den Verurteilten spreche, so Selig, dass dieser als Erster
zugeschlagen und die Initiative ergriffen habe. Zudem sei er
einschlägig vorbestraft und momentan auf Bewährung. Deshalb
sei er als «Bewährungsversager» einzustufen.
«Für ihn spricht, dass er Reue gezeigt und sich bei den
Opfern entschuldigt hat», fügte er hinzu. Der Verurteilte
hatte zu Beginn ein Teilgeständnis abgelegt, die anderen
Angeklagten schwiegen zu den Vorwürfen.
Der Verteidiger des 23-Jährigen, Jens Glaser, hatte nach eigenen
Aussagen auf einen höheren Bonus für seinen Mandanten gehofft
und auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr plädiert.
Die Verteidigung und vier Nebenklage-Vertreter kündigten an, sich
die Möglichkeit einer Revision oder Berufung noch offenzuhalten.
Die betroffenen Schauspieler traten in dem Prozess als Nebenkläger
auf. «Mein Vertrauen in die Justiz ist weg. Es waren mehr als
vier Schläger, von denen keiner hier sitzt», sagte eines der
Opfer nach der Urteilsverkündung.
Der Vorfall hatte unter anderem bundesweit für Empörung
gesorgt, weil ein politischer Hintergrund vermutet worden war. Dies
ließ sich in der Verhandlung allerdings nicht aufrecht halten.
«Wir konnten keine rechtsradikale Tat feststellen», sagte
der Vorsitzende Richter. Es gebe keine Hinweise für solch ein
Motiv. Die mutmaßlichen Täter seien nur äußerlich
der rechten Szene zuzuordnen.
Für Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) ist
das Urteil nach den vorangegangenen Ermittlungspannen nicht
überraschend. «Ich hätte mir ein anderes Strafmaß
gewünscht», sagte er.
Der Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters, André
Bücker, äußerte sich im Nachrichtenradio MDR info
entäuscht über den Prozessausgang. Er bezweifle, «dass
das Gericht mit der nötigen Ernsthaftigkeit sich diesem Komplex
genähert hat».
Heike Kleffner von der Opferberatung sieht dagegen noch immer einen
politisch motivierten Hintergrund. «Das Urteil hat eine fatale
Signalwirkung an die rechtsextreme Szene in Halberstadt», betonte
sie. Zudem kritisierte sie die Ermittlungsfehler der Polizei am Tatort.
Beamte hatten unter anderem einen mutmaßlichen Täter
zunächst laufen gelassen.
Das Verfahren gegen die vier Angehörigen der rechten Szene
Halberstadts hatte im Oktober vor dem Amtsgericht Halberstadt, das aus
Platzgründen in Magdeburg tagte, begonnen. Den vier 22- bis
28-jährigen Angeklagten wurde vorgeworfen, die Theaterschauspieler
am 9. Juni 2007 in Halberstadt angegriffen und fünf von ihnen
teilweise schwer verletzt zu haben. Insgesamt gab es 26
Verhandlungstage.
(Quelle: ddp)